Mit dem Bus durch Südafrika

28 Antworten · 5'904 Aufrufe · gestartet 05. Juni 2017 von Patoucha
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Themenstarter63 Beiträge · seit 201705. Juni 2017 · #1
Hallo zusammen,

wie ich schon bei meiner Tansania-Reise (Siehe: „Goodluck – der Name ist in Tansania Programm“) erwähnte, mache ich mangels Mitreisende immer organisierte Rundreisen. Daher beneide ich hier viele, um die Freiheit zu schauen und zu machen, was man wann will. Auf der anderen Seite bekommt man bei organisierten Rundreisen immer die wichtigsten Punkte zu sehen – und davon viele, denn man kann sich dem ja nicht entziehen, muss immer weiter und immer mit. Da ich gerne viel sehe, aber manchmal im Urlaub auch bequem bin, ist es dann für mich wieder doch nicht so schlecht, dass ich muss 😎

Sieht man von den Maghreb-Staaten und Ägypten ab, war meine Reise nach und durch Südafrika die erste „richtige“ Afrikareise. Zwei Wochen von Johannesburg über den Krüger-NP, Swasiland, die Drakensberge, Lesotho, Durban, Port Elisabeth, die Garden- und die Weinroute bis nach Kapstadt, wo ich dann noch drei Tage drangehangen habe, um die Reise in Kapstadt noch ausklingen zu lassen.

Gerne möchte ich euch ein wenig davon berichten – für den Fall, dass es hier auch Leute gibt, die über eine organisierte Rundreise nachdenken.

Gruß Helga



Tag 1 - 29. September
Auf nach Johannesburg


Es geht nach Südafrika!!! Nach Kuba und Mexiko in den beiden Jahren zuvor hatte ich mir diesmal den afrikanischen Kontinent ausgesucht. Und Südafrika erschien mir für den Einstieg gut, da ich eigentlich Kulturreisen mehr mag als reine Naturreisen – und die zwei Wochen Südafrika eben von allem etwas boten.

Da ich nachts im Flugzeug nicht schlafen kann, hatte ich mich für einen Tagesflug mit Vorübernachtung (was übrigens zusammen sogar etwas billiger als der Nachtflug ab Frankfurt war) entschieden, von Düsseldorf via Amsterdam nach Johannesburg. Was ich da noch nicht wusste: Der kleine Flieger aus Düsseldorf landet an dem einen Ende in Schipol, die großen nach Afrika starten am anderen Ende – und dazwischen liegt echt ein ganzes Stück. Wenig hilfreich sind auch die Anzeigetafeln, die einem sagen „bis Gate xyz noch 35 Minuten Fußweg“ – nicht hilfreich, wenn man bis zum Boarden nur noch 20 Minuten hat. Und wenn dann noch an der Passkontrolle ein riesen Stau ist – kommt man nass geschwitzt und außer Atem am Gate an. Dabei hatte sich eine Stunde Zeit zwischen Landung und erneutem Start so komfortabel angehört …..

Das Boarden lief bereits, wurde dann aber wieder abgebrochen – und wir mussten gut zwei Stunden warten, ehe es endlich losging. Hätte ich das bei meiner Rennerei nur vorher gewusst…... Entsprechend spät landete der Flieger in Johannesburg - erst nach 23 Uhr.

Etwas genervt zog ich nach dem langen Tag auf dem Flugplatz mit meinem Gepäck los Richtung Ausgang. Eine Schiebetüre öffnete sich – und mir gegenüber stand ein Afrikaner, schaute mich an, strahlte und sagte selig: „Helga“ – bevor er auch nur das Schild mit meinem Namen hochhalten konnte. Und ich habe ebenso strahlend nur genickt. Das war mein Fahrer Steven, der über zwei Stunden treu am Flugplatz auf mich gewartet hatte. Er hat sich so gefreut, dass ich endlich da war, dass es schien, als würde er mich seit Jahren kennen – ich fühlte mich gleich richtig in Südafrika willkommen. Zum Hotel in Flughafennähe war es nur ein Katzensprung – und so lag ich schon eine Stunde später selig in Südafrika im Bett…… und konnte natürlich nicht schlafen.
Themenstarter63 Beiträge · seit 201706. Juni 2017 · #2
Tag 2 – 30. September
Johannesburg – Pretoria – White River


Mir war gesagt worden, ich solle den Hotel-Shuttle zum Flugplatz nehmen und mich dort mit dem Reiseleiter und den Mitreisenden, die mit dem Nachtflug kämen, treffen. So saß ich am nächsten Morgen in der Hotelhalle und wartete auf den Bus, als ein junger Hotelboy durch die Halle lief, immer wieder „Helga“ rief und ein Schild mit meinem Namen hochhielt. Ja, kannte mich denn hier in Südafrika schon jeder? Als ich mich meldete, wurde ich gleich zum Telefon geschleppt, und ein Mann sagte: „Hallo ich bin David, Dein Reiseleiter. Wie geht es Dir?“ Da der Flieger aus Deutschland etwas Verspätung hatte, sollte ich im Hotel auf ihn warten – und doch bitte die acht Mitreisenden, die ebenfalls in diesem Hotel vorübernachtet hatten, suchen und sie unterrichten. Was mir mit Hilfe des Hotelangestellten sogar gelang….

Nicht lange, und der Bus hielt vor dem Hotel. Bei seinem Anblick traf mich – gelinde gesagt – der Schlag. Er war fast voll – im Endeffekt waren wir 38 Reisende plus David und ein Busfahrer. Für mich der pure Horror – eine organisierte Rundreise in der Gruppe ist ja schön und gut, aber doch nicht gleich mit so einer Menschenansammlung. Bisher war ich nur mit zehn, 15 Leuten unterwegs gewesen, und das war immer toll. Zum Glück war hinten im Bus noch etwas frei – ich verstehe eh nicht, warum die Leute sich immer darum reißen, ganz vorne zu sitzen. Hinten hat man seine Ruhe – und da sitzen auch meist die coolen Leute ….. so wie auf dieser Tour. Beim Blick durch den Bus sah man gleich, dass alles vertreten war – von zwei 21-jährigen Jungs (das fand ich auf so einer Tour doch überraschend) über das “Mittelalter“ bis hin zu älteren Leuten. Unser Reiseleiter David machte gleich einen netten, lockeren Eindruck. Er sprach richtig gut Deutsch, mit niederländischem Akzent, denn seine Vorfahren sind Buren.

Leider haben wir Johannesburg sofort verlassen, ich hätte schon gerne ein wenig von der Stadt gesehen. Aber das war im Programm nicht eingeplant. Stattdessen ging es nach Pretoria, Hauptstadt Südafrikas – zumindest von Juli bis Dezember. In dem anderen Halbjahr trifft die Regierung sich nämlich in Kapstadt. Da kommt bei den Abgeordneten wenigstens keine Langeweile auf.

Pretoria wurde 1855 von einem Herrn Pretorius gegründet, der die Stadt nach seinem Vater, einem Vortrekker, benannte, der die Zulu bei der Schlacht am Blood River geschlagen hatte. Somit war das Voortrekkerdenkmal auch der erste Besichtigungspunkt. Hier ist die Geschichte der Buren und des großen Trecks dargestellt, der im 19. Jahrhundert aus der Kapkolonie kam. Geplant in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Denkmal über die Geschichte der Buren 1949 fertigestellt.

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Weiter ging es in die Stadt. Im historischen Zentrum Pretorias rund um die Kerkplein befinden sich neben dem Standbild des ehemaligen Präsidenten Paul Kruger mehrere historische Sehenswürdigkeiten wie der Justizpalast, das alte Parlament und das Haus von Paul Kruger, in dem man sieht, wie die MenschenEnde 19./Anfang 20. Jahrhundert gelebt haben, denn es ist heute ein Museum. Es war übrigens das erste Haus in Pretoria, das ans Stromnetz angeschlossen war. Und etwas Kurioses am Rande: Da der Beton für das Haus eine schlechte Qualität hatte, wurde Milch statt Wasser in das Zementgemisch gegeben!!! Ob das half?

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Weiter ging's zum Union Building, Regierungssitz von Juli bis Dezember, einem schönen Gebäude im klassizistischen Stil aus Sandstein, das 1913 fertiggestellt wurde und rund 275 Meter lang ist. 1994 wurde hier übrigens auch Nelson Mandela, der erste schwarze Präsident der Republik Südafrika vereidigt.

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Anschließend ging die Fahrt aus dem nördlichen Teil der Provinz Gauteng in die Mpumalanga-Provinz im Nordosten des Landes, auch „Provinz der aufgehenden Sonne“ genannt. Das schön gelegene Hotel Pine Lake Inn in White River war die Unterkunft für eine Nacht. Eigentlich hätte es da auch ein Welcome-Dinner geben sollen, aber David hatte vorgeschlagen, dass wir das lieber am folgenden Abend bei einem Braai in unserem Camp im Krüger-Nationalpark machen sollten – dann alle ausgeruht und eingewöhnt, ein Vorschlag, der allgemein Zustimmung fand.
zuletzt bearbeitet 02. Juli 2017
Themenstarter63 Beiträge · seit 201706. Juni 2017 · #3
Tag 3 – 1. Oktober
White River – Panoramroute – Kruger Nationalpark


Heute waren wir auf der Panoramaroute, einer der beliebtesten Strecken Südafrikas, unterwegs. Somit stand an diesem Tag nur Natur auf dem Programm. Pflichtstationen waren natürlich Bourke’s Luck Potholes, der Blyde River Canyon, der Aussichtspunkt God''s Window, die Three Rondavels und Harrie's Pancakes in Graskop, ehe es zum Kürger-Nationalpark ging.

Der Blyde River Canyon gilt als eins der großen Naturwunder Afrikas. Er ist ein 26 Kilometer langer, bis 800 Meter tiefer und hauptsächlich aus rotem Sandstein bestehender Canyon. Wunderschön anzusehen.

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Die Bourke’s Luck Pothole sind die in Felswände eingewaschene Erosionsstrudellöcher. An der Einmündung des Treur River in den Blyde River ist durch die Erosion des Wassers im Dolomitgestein ein Canyon entstanden, der später in den Blyde River Canyon übergeht. Durch weitere Auswaschungen, insbesondere durch die Bewegung von Steinen in Strudeln, sind tiefe Strudellöcher (Kolke) und Röhren in das Felsgestein geschliffen worden. Eine bizarre Landschaft, in der es auch auch allerlei kleine Tiere zu entdecken gab. Der Name stammt übrigens von irgendeinem Goldsucher.

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Weiter ging‘s zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen herrlichen Blick auf die Three Rondavels hat. Die Gesteinformationen erinnern an die traditionellen afrikanischen Rundhütten (auf niederländisch: Rondavels).

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Mittagspause war dann im beschaulichen Örtchen Graskop, wo Harrie’s Pancakes berühmt ist. Und wirklich – die Pfannkuchen schmeckten sehr gut. Beim anschließenden „Freigang“ im Ort haben wir auch Biltong eingekauft und probiert – das schmeckt aber ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

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Am späteren Nachmittag ging es Richtung Krüger-Nationalpark – und schon auf dem Weg zum Camp grüßte uns das erste Kudu freundlich. Unser Camp, das Nkambeni Zeltcamp, lag schon im Nationalpark, direkt am Zaun und etwa drei Kilometer vom Eingangstor Numbi entfernt. Da sich auch schon einmal Tiere dorthin verirrten, waren nachts Wachen auf dem weitläufigen Gelände unterwegs, die immer im Dunkeln lauerten und aufpassten, wenn man sich auf dem Weg zu seinem befestigten Zelt machte.

Die einzelnen Hütten lagen auf einem großen Areal verstreut. Sie waren einfach, aber sehr sauber und enthielten alles, was man braucht. Das Highlight – eine Dusche unter freiem Himmel (dazu aber auch eine innenliegende Dusche). Im Garten gab es einen schönen Pool (den wir aber nicht getestet haben, da es zum einen etwas frisch war abends und morgens und wir zum anderen auch gar keine Zeit hatten), dazu ein Restaurant mit Aussicht auf den Park. (Die Fotos wurden morgens um 5.30 Uhr gemacht, daher ist es noch alles so grau - und da ich noch verschlafen war, sind sie wohl auch nicht ganz scharf 🙁 )

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Für unser Braai am Abend war schon alles vorbereitet, und so genossen wir das Essen am Lagerfeuer bei entspannten Gesprächen – das fühlte sich jetzt wie Angekommen sein und Urlaub an. Tatsächlich hatten wir es gut angetroffen – zumindest hinten im Bus. Wir hatten viel Spaß (vorne saßen in der Tat ein paar uncoolere Leute) und haben manchmal so viel gelacht, dass die Uncooleren vorne sich beschwert haben, weil wir zu laut gewesen seien. Vom Reiseveranstalter war eigentlich angewiesen worden, dass die Plätze immer getauscht werden sollen, damit jeder mal vorne sitzen kann. Aber bis auf ein Paar haben wir uns alle geweigert, wollten hinten zusammen sitzen – sehr zum Leidwesen unseres Reiseleiters David, der vorne mit uns Spaß haben wollte.
zuletzt bearbeitet 07. Juni 2017
1'816 Beiträge · seit 200806. Juni 2017 · #4
Hallo Helga,

erst mal danke für den schönen Bericht.

Habe vor 2 Jahren auch mal in Tansania so eine Gruppenreise gemacht, aber weniger Glück als du gehabt. Ich war in dem 7sitzigen Auto mit den am wenigsten coolen Reiseteilnehmern 🤩 😈 😗
War schon anstrengend 😉 😠 😕

Kleine Korrektur, wenn's erlaubt ist: vom God's Window schaut man ins Lowfield, nicht auf die Rondavels. Wie der Ausichtspunkt dort heißt, weiß ich nicht mehr.

Freue mich auf die Fortsetzung

Liebe Grüße
Boris
zuletzt bearbeitet 06. Juni 2017
Themenstarter63 Beiträge · seit 201706. Juni 2017 · #5
Hallo Boris,

Du hast Recht, der Aussichtspunkt ist am Canyon. Ich habe es schon geändert, danke.

Schade, dass Du keine guten Erfahrungen mit einer Gruppe gemacht hast. Ich war zu Beginn auch sehr skeptisch, habe aber immer nur gute Erfahrungen gemacht. Natürlich gibt es meist irgendeinenStinkstiefel, aber der Spaß überwiegt.

LG Helga
Themenstarter63 Beiträge · seit 201706. Juni 2017 · #6
Tag 4 – 2. Oktober
Kruger Nationalpark


Endlich. Die erste Pirsch im Krüger-NP stand an. Um 8 Uhr ging es mit dem Reisebus los, um 6 Uhr, wenn man stattdessen als Zusatzleistung eine Pirsch im offenen Geländewagen gebucht hatte. Um nichts wäre ich mit dem Bus gefahren, das wäre nicht mal das halbe Vergnügen gewesen. Um 5 Uhr kam ein Zimmerboy vorbei und weckte einen nachdrücklich. Es waren nur 5 Grad um diese Uhrzeit, und so zog ich mehrere Schichten übereinander an. Und meine - vorher von einigen Mitreisenden belächelte - Fleecejacke kam zum Einsatz. (Als wir im Auto saßen und losfuhren, lächelte niemand mehr darüber, auch nicht über die Leggings, die ich unter der Hose trug).

Kurz vor 6 trafen wir uns noch halb verschlafen an den Jeeps – und ich kam zu Clint in den Wagen. Das sollte sich als Glücksgriff erweisen, denn Clint war engagiert, wusste viel, und es machte mit ihm einfach Spaß. Kaum im Park hatten wir Unmengen von Sichtungen.

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Nur Raubkatzen waren lange Mangelware, bis Clint - dem Funk sei dank - wendete und uns in weiter Ferne zwei Löwinnen zeigte. Und danach eine Herde Elefanten, Flußpferde und vieles mehr.

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Auch Giraffen sahen wir, die eine munter, die andere abgenagt

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Dann die Katastrophe: Mein Akku war leer – und ich stellte mit Entsetzen fest, dass ich den Ersatzakku und das Ladegerät vergessen hatte – wohlgemerkt in Deutschland! Zwar hatte ich noch eine kleine Taschenkamera dabei, aber auch deren Ladegerät lag zu Hause. Glück im Unglück: Ein Mitreisender, der hinten neben mir mit seiner Frau im Bus saß, hatte ein Universal-Ladegerät bei, welches er mir geliehen hat. Und der Einfachheit halber hat er in den folgenden Tagen einfach am Ende des Tages meine Akkus mitgenommen und mir am nächsten Morgen wiedergegeben. Da hatte ich wirklich unheimliches Glück.

Nach dem Essen – inzwischen war es richtig heiß geworden – waren die Sichtungen nicht mehr ganz so üppig. Und auch wir waren im Wagen etwas schläfrig – in etwa so wie die beiden Nashörner, die direkt neben unserem Auto in der Sonne standen. Übrigens hatte es im Krüger-NP kurz zuvor gebrannt, deshalb sieht die Natur auf einigen Fotos nicht so schön aus.

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Gegen 16 Uhr waren wir im Camp zurück – und hatten gerade noch Zeit, in unsere Zelthäuser zu rennen, um uns frisch zu machen und die ersten Teile des im Laufe des Tages ausgezogenen Zwiebellooks wieder anzuziehen, denn schon um 16.30 Uhr ging es auf die Nachtpirsch – ebenfalls fakultativ, aber die wollte ich mir nicht entgehen lassen. Wieder mit Clint, der sich freute, dass wir nur zu ihm in den Wagen wollten.

Es ging zu einem Hügel – und unter vielen Ermahnungen durften wir aussteigen. Der weibliche Guide eines anderen Fahrzeugs ging erst mit Gewehr vor, kam zurück, und wir mussten in einer Reihe im Gänsemarsch hintereinander den Hügel hochmarschieren, während hinter uns ein anderer Guide mit Gewehr sicherte. „Immer in einer Reihe gehen, niemals eine Lücke lassen, niemals laufen – nur Futter rennt“, schärfte uns Clint ein. Wir haben das brav gemacht – fanden es aber doch ein wenig übertrieben. Oben auf dem Hügel sahen wir bei einem Drink den Sonnenuntergang – sehr schön.

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Und dann ging es auf Nachtpirsch. Wir sahen Antilopen, Büffel, allerlei kleinere Tiere – nur leider nicht die erhoffte Raubkatze. Viel Spaß hat es aber trotzdem gemacht - auch wenn die Fotos mit der kleinen Kamera nicht besonders wurden. Dazu hätte es des größeren Equipements bedurft - aber der Akku stecke ja im Ladegerät (ich Depp).

Nach 20 Uhr waren wir wieder im Camp zurück, wurden gleich zum Abendessen gelotst. Doch der lange Tag im Geländewagen forderte seinen Tribut, vor Müdigkeit bekam ich kaum etwas runter. Und als der Kellner mich sanft fragte, „essen Sie noch oder schlafen Sie schon?“ bin ich dann zu meinem Häuschen marschiert und nach einer kurzen Dusche nur noch ins Bett gefallen. Dann kam der Anruf, dass Alemannia Aachen ihr Spiel gewonnen hat, und auf mein erfreutes „Jaaa!“ folgte direkt die besorgte Frage unseres Reiseleiters David aus der Nebenhütte: „Helga, ist bei Dir alles in Ordnung?“ Gut zu wissen, dass man so umsorgt wird……
zuletzt bearbeitet 02. Juli 2017
Themenstarter63 Beiträge · seit 201707. Juni 2017 · #7
Tag 5 - 3. Oktober
Krüger Nationalpark – Swasiland


Und wieder kam der zweibeinige Wecker um 5 Uhr morgens, und gab nicht auf mit der Klopferei, bis er ganz sicher war, dass man wach war. Schnell Koffer packen, denn nach der morgendlichen Pirsch stand unterwegs das Treffen mit den anderen, die wieder erst um 8 in unserem Reisebus losfuhren, an, und von da aus sollte es zu einem anderen Ausgang des Parks und weiter Richtung Swasiland gehen.

Klar: Clint winkte schon von weitem – und natürlich bin ich wieder mit ihm gefahren. Er hatte von mir den Auftrag, noch ein paar Löwen für uns zu finden. Was er aber zuerst fand, war ein frisch erlegter Büffel – keine 100 Meter von dem Felsen entfernt, auf dem wir am Abend zuvor den Sundowner eingenommen hatte!!! Die Vorsicht war also nicht übertrieben gewesen!!! Die Löwen werden wohl nicht weit weg gewesen sein, denn die kleine Gruppe alter Büffel, aus der wohl auch der getötete zu stammen schien, war uns bei Tageslicht auf dem Weg zum Felsen sowie später bei der Nachtpirsch gleich zweimal über den Weg gelaufen.

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Wir hatten wieder zahlreiche Sichtungen, darunter auch diese Hyäne. Und wenn man genau hinsieht, dann erkennt man, dass das unfeine Tier beim Trinken gleichzeitig ins Wasser pinkelt:

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Und weiter ging es:

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Wir hatten viele Sichtungen, nur die doofen Perlhühner und eine Manguste wollten partout nicht aufs Foto:

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Und dann, nicht lange bevor wir zum Teffpunkt mit dem Bus mussten, haben wir bzw. Clint endlich auch noch ein Rudel Löwen gefunden. Das lag allerdings faul und satt in der Sonne und regte sich nicht. Als die anderen Mitreisenden schon aufgegeben hatten und nur ich noch stur durch den Sucher schaute, hatte ein junger Löwe „Mitleid“ mit mir, erhob den Kopf und schaute endlich mal in meine Kamera.

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Am späteren Vormittag haben wir den Krüger-NP leider schon wieder verlassen, die Zeit dort war eigentlich viel zu kurz. Definitiv muss ich da noch einmal für längere Zeit und auf eigene Faust hin, daher sammele ich hier im Forum auch eifrig Tipps. Auch auf dem Weg aus dem Krüger-NP hinaus sahen wir noch einige Tiere, vom Reisebus aus machten die Sichtungen aber definitiv nicht so viel Spaß wie aus dem offenen Geländewagen heraus:

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Weiter ging es auf der Fahrt nach Swasiland, dem zweitkleinsten Staat auf dem afrikanischen Kontinent. Direkt am Grenzübergang besuchten wir das Matsamo-Kulturdorf und erwarteten eine langweilige Folklore-Vorführung für Touristen. Doch weit gefehlt. Einer der Söhne des Stammesoberhauptes führte und erklärte uns alles – und das hat er so gut und lustig gemacht, dass wir richtig viel Spaß hatten. Er erzählte mit mehreren Stimmen, als würde er ein Theaterstück aufführen, und das mit ganz viel Humor. Hinterher haben die Frauen und Männer des Dorfes für uns gesungen und getanzt – und auch das war wirklich großartig. Natürlich konnte man auch hier später eine CD kaufen, was ich selbst mit Freude gemacht habe, da der Gesang wirklich richtig gut war. Trotzdem gab es natürlich einige Mitreisende, die über den Punkt gemeckert haben. Doch auf dem Weg zum Mittagessen, das wir dort einnahmen, kamen wir an einem abgebrannten Haus vorbei. Und auf Nachfrage erzählte uns der Häuptlings-Sohn, dass das ein kleines Hotel gewesen sei, und dass sie die Show machen, um den Wiederaufbau finanzieren zu können. Es war zwar touristisch, trotzdem ein schöner Punkt im Programm.

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Weiter ging es durchs Swasiland zur Hauptstadt Mbabane. Ein wunderschönes Land mit sehr viel grün, das teilweise an die Schweiz erinnerte. Die Infos dazu waren allerdings nicht so schön. Swasiland ist eine absolute Monarchie, und der Herrscher hatte 15 Ehefrauen, von denen ihm aber 3 schon wieder „durchgebrannt“ waren. Er sucht sich bei den alljährlichen Tänzen immer wieder eine Jungfrau aus. Und natürlich war er Multimillionär, während sein Land arm ist. Im Index der menschlichen Entwicklung steht Swasiland nur auf Platz 155 von 180.

Noch schlimmer – die Aidsstatistik: Rund 40 Prozent der Bevölkerung war HIV-infiziert, um Senioren und Kinder bereinigt sogar rund 60 Prozent. Die durchschnittliche Lebenserwartung war zeitweise die niedrigste auf der Welt von nur etwas über 50 Jahren!!! Das hat die Freude über den Besuch des Swasilandes doch gewaltig gedämpft. Ohnehin waren wir nur auf einem lokalen Markt und in einer Seifen- und Kerzenfabrik, ehe es weiter ins Lugogo Sun Hotel für eine Übernachtung ging.

Und auch das gab es in der Fabrik zu kaufen ......

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zuletzt bearbeitet 07. Juni 2017
Themenstarter63 Beiträge · seit 201708. Juni 2017 · #8
Tag 6 – 4. Oktober
Swasiland – Hluhluwe-Umfolozi Nationalpark


Aus dem Swasiland haben wir uns am folgenden Morgen ohne großes Bedauern gleich wieder verabschiedet und sind zurück nach Südafrika gefahren.

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Es ging in Richtung Hluhluwe-Umfolozi, in die Provinz KwaZulu Natal. Dort stand im gleichnamigen Nationalpark eine Pirschfahrt an, zu der wir am frühen Nachmittag alle in offene Geländewagen umstiegen. Zuerst hatten wir aufgrund der Uhrzeit nicht so viele Sichtungen - vielleicht waren wir aber auch angesichts der vielen Sichtungen im Krüger-Nationalpark zu verwöhnt:

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Der Hluhluwe-Umfolozi-Park – ursprünglich waren das zwei getrennte Parks -, ca. 300 nördlich von Durban, ist der älteste Nationalpark Afrikas. Er umfasst 960 Quadratkilometer meist hügeliges Gelände. Und das war wirklich schön, weil landschaftlich so ganz anders als etwa der Krüger-NP. Es ging im Wagen die Berge rauf und runter, und auch wenn wir zuerst nicht so viele Sichtungen hatten, hat es uns landschaftlich sehr gut dort gefallen.

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Im Laufe des Nachmittags steigerten sich die Sichtungen, und die untergehende Sonne ließ die Landschaft in Grün- und Gelbtönen leuchten. Dazu ein sanfter Wind – die Tiere und wir wurden schnell wieder munter.

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Der Park ist bekannt wegen seiner Breitmaulnashörner, die in den 60er Jahren vom Aussterben bedroht waren. Mit den letzten Exemplaren aus dem Hluhluwe-NP wurde ein Zuchtprojekt gestartet, heute versucht man mit einem ähnlichen Projekt das Spitzmaulnashotn zu retten. Inzwischen sollen hier wieder rund 1000 Nashörner leben. Zudem wurde den stark ingezüchtetetn Löwenbeständen neues Blut zugeführt. Doch Raubtiere haben wir an diesem Tag keine gesehen, Nashörner allerdings so einige.

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Zur Übernachtung checkten wir in der Emdoneni Lodge nicht weit vom Park entfernt ein.
zuletzt bearbeitet 09. Juni 2017
2'391 Beiträge · seit 201609. Juni 2017 · #9
Hallo Helga,
wann warst Du denn in Südafrika? Das muss ja gefühlt vor 30 Jahren gewesen sein, oder wie erklärst Du Dir sonst den Anruf: Alemania hat gewonnen! 🤩

Danke für den Bericht. Nur noch eine Frage: Woher hast Du nur das Löwenglück? Kann ich Deine Sichtungsfee Ende Juli ausleihen?

Liebe Grüße

Sandra
Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo seine Faust die Nase eines anderen trifft. 3 Generationen zum ersten Mal auf Pad, Namibia 2016: http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/291659-3-generationen-auf-grosser-namibia-erstlingstour.html
Themenstarter63 Beiträge · seit 201709. Juni 2017 · #10
Hallo Sandra,

Das ist ja wohl eine Frechheit 🤩 🤩 🤩 🤩 😠 Alemannia gewinnt sehr oft - da steht ja leider nur nicht, in welcher Liga 😵 🙁 . Ich war 2013 in Südafrika, in den letzten Jahren habe ich ja meist zwei Rundreisen pro Jahr gemacht. Nur im vergangenen Jahr war ich eben "nur" neun Mal in Ägypten, und dieses Jahr schon drei Mal - auch sehr schön, aber...

Ich beneide Dich um Deine Namibia-Reise. Und freue mich auf unseren Eifel-Gamedrive.

LG Helga
zuletzt bearbeitet 09. Juni 2017
Themenstarter63 Beiträge · seit 201709. Juni 2017 · #11
Tag 7 – 5. Oktober
Hluhluwe – Drakensberge


Und weiter geht es am nächsten Morgen durch die Provinz KwaZulu Natal in den südlichen Teil der Drakensberge – eine elend lange Fahrt von über 500 Kilometern, nur unterbrochen vom Mittagessen in einer großen Mall, das war ansonsten ein purer Reisetag – nur gut, wenn man ein Buch oder E-Book dabei hatte, um sich die lange Fahrt zu verkürzen..

Nachmittags kamen wir in den Drakensbergen an. Die Drakensberge (Drachenberge) sind mit bis zu 3482 Metern das höchste Gebirge des südlichen Afrikas. Unser Hotel, Drakensberge Garden Resort, lag sehr schön in Hügel eingebettet – und ein Teil der Gruppe stürzte sich gleich in den – saukalten – Pool.


Tag 8 – 6. Oktober
Drakensberge – Lesotho - Drakensberge


Heute war Ausschlafen angesagt – oder besser wäre gewesen, denn die gesamte Gruppe wollte an dem eigentlich freien Tag den fakultativen Ausflug nach Lesotho machen. Und so ging es dann gleich nach dem Frühstück in zahlreichen Jeeps durch die Drakensberge die Serpentinen hoch zum Sani-Pass, der die einzige Straßenverbindung von der Ostgrenze Lesothos nach Südafrika ist. Das war wirklich eine schöne Fahrt mit schönen Ausblicken hinab ins Tal.

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Oben angekommen, trafen wir auf die Grenzstation – und reisten nach Lesotho ein. Auch Lesotho (hieß früher Basutoland und wird auch „Königreich im Himmel“ genannt) ist ein Königreich, eine sogenannte parlamentarische Monarchie. Lesotho mit der Hauptstadt Maseru ist eine Enklave in der Republik Südafrika, d.h. das Königreich wird vollständig von Südafrika umschlossen, gehörte aber nie politisch dazu. Im Index der menschlichen Entwicklung steht Lesotho, das etwa so groß wie Belgien ist, sogar noch hinter Swasiland.

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Der Sani-Pass ist mit 2873 Metern der höchste Pass in Südafrika. Von dort aus ging es über eine Hochebene bis zu einem Dorf, wo wir ein Wohnhaus besichtigten, frisches – sehr schmackhaftes - Brot bekamen und etwas über die Menschen in dieser Region erfuhren. Leider blieb nicht viel mehr Zeit, um mehr von Lesotho zu sehen, doch in dieser Höhe gab es eigentlich auch nicht viel mehrb zu sehen, als ein paar Hütten, Hirten und Herden sowie eine recht karge Landschaft, klar, in dieser Höhe.

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Da die Temperatur auf der Hinfahrt noch ganz okay war, fuhren wir bei geöffneten Fenstern auf dem Rückweg zum Pass. Und fuhren plötzlich mitten in eine Nebelwand hinein – und es wurde von jetzt auf gleich eiskalt. Ein Teil der Gruppe hat sich erkältet, ich eingeschlossen, und ich bin eigentlich nicht so empfindlich. Doch als ich die eiskalte Luft einatmete, bekam ich zuerst kein Wort mehr raus, so kalt wurde es mit einem Schlag, quasi wortwörtlich atemberaubend. Kurz vor der Grenzstation war dann Mittagspause im „höchsten Pub Afrikas“ auf 2874 Metern. Wir waren echt froh, wieder ins Warme zu kommen.

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Auch nach dem Mittagessen hatte sich der Nebel noch nicht verzogen, so dass für einige Mitreisende die Abfahrt zu einer echten Nervenbelastung wurde. Da in unserem Wagen plötzlich keiner mehr vorne neben dem Fahrer sitzen wollte, bin ich dort eingestiegen – ich bin zum Glück nicht zart besaitet. In der Tat sah man an manchen Stellen keine fünf Meter weit – und das bei scharfen Serpentinen und steilen, nicht befestigten Abhängen. Aber die Fahrer waren gut, die Fahrzeuge auch – und wir sind alle wieder heil in unserem Hotel gelandet. Wo am Abend eine Folklore-Show mit Tanz und Gesang den Tag abrundete.
zuletzt bearbeitet 09. Juni 2017
3'383 Beiträge · seit 200909. Juni 2017 · #12
Hallo Helga,
Deine Einleitung hört sich so an, als wolltest Du Dich "rechtfertigen", eine Bus-Rundreise in Südafrika zu machen.
Ich sehe das so, dass man sich für diese Art des Reisens überhaupt nicht rechtfertigen muss.

Erstens - die Reise von Dir ist doch wirklich sehr schön,
und Zweitens - was glaubst Du, was unsere Bekannten hier zu Hause sagen wenn Sie hören, dass wir wieder mal "auf eigene Faust" eine Afrikareise organisieren? Die Kommentare gehen von "nie im Leben" und "das würd´ich mir nie antun" bis zu "ihr müsst ja komplett verrückt sein."
Es ist nicht Jedermanns Sache, auf eigene Faust solche Reisen zu machen.

Also - jedem das Seine, ich bin gespannt auf die weiteren Abenteuer. Wobei für Schorschine und mich eine "geführte" Bus- Tour NIE in Frage käme.

der bayern schorsch
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Themenstarter63 Beiträge · seit 201709. Juni 2017 · #13
Hallo Schorsch,

ich rechtfertige mich nicht, ich versuche nur die Beweggründe darzulegen - und eine organisierte Busrundreise hat in der Tat durchaus Vorteile. Man muss nichts vorbereiten, das Programm ist organisiert, Flüge, Hotels und oft auch das Essen schon gebucht. Und man sieht immer sehr viel - selbst wenn man eigentlich mal keine Lust hat und lieber faul wäre. Nachteil ist natürlich, dass man nicht aus dem Programm ausscheren kann.

Da ich zum einen keine Mitreisenden für abenteuerliche Touren finde - meine Familie und Bekannte finden es nämlich schon ziemlich verrückt, dass ich organisierte Touren in die halbe Welt unternehme (bei Selbstfahrertouren würden sie mich wahrscheinlich gar nicht weg lassen) - und zum anderen beruflich ziemlich eingespannt bin, ist es schon ein Vorteil, dass man nichts organisieren muss. Wie gesagt, es hat beides Vor- und Nachteile. Aber ich sage mir immer, dass ich irgendwann zu besonders schönen Flecken zurückkehre und die dann auf eigene Faust irgendwann "vertiefe".

Für diesen September plane ich eine zweiwöchige Reise auf den Spuren der großen Tierwanderung aus der Masai Mara in die Serengeti - zwar auch organisiert, aber als Erlebnisreise. Das heißt, es wird richtig gezeltet, was eigentluich gar nicht mein Ding ist, aber bei dieser besonderen Reise wird das sicherlich großartig.

Schönes Wochenende, LG

Helga
Themenstarter63 Beiträge · seit 201710. Juni 2017 · #14
Tag 9 – 7. Oktober
Drakensberge – Durban


Am nächsten Morgen – da war David unerbittlich – ging es pünktlich weiter. David praktizierte das Prinzip – 6 – 7 – 8, egkl ob man frühstücken wollte oder nicht. Das heißt, alle wurden um 6 Uhr geweckt, sollten um 7 Uhr frühstücken, und um Punkt 8 Uhr sollte der Bus losfahren. 38 Leute – aber in der Tat, haben wir nur einmal fünf Minuten warten müssen – auf David selbst 😎 . Man hat gar nicht wirklich gemerkt, dass es so viele Reisende waren, alles lief immer reibungslos. Und David meinte, dass das aber nur bei deutschen Gruppen so ginge, weil die immer so diszipliniert seien.

Auf dem Weg nach Durban wurde eine kleine, lokale Schule besucht, ein Hilfsprojekt betrieben von deutschen Einwanderern. Viele derKinder haben keine Eltern mehr aufgrund von Aids, wachsen bei den Großmüttern auf, und erhalten hier nebendem Unterricht und der Hausaufgabenbetreuung oft die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Es war ein sehr interessanter, informativer Besuch, der natürlich ein bisschen abseits von reiner Urlaubsunterhaltung war.

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Neben der Schule gab es auch ein Hilfsprojekt für Frauen, die hier Nähen lernten und deren Waren auf einem kleinen Tisch auch zum Verkauf standen. Völlig unaufdringlich, man wurde nur im Nebensatz darauf hingewiesen, dass man da schauen könnte. Und alles für kleines Geld. Ich habe mir eine handgenähte Eule mitgenommen, da sie grün war, und somit gut in mein Schlafzimmer passte. Da steht sie bis heute auf einem Sessel und ich freue mich immer, wenn ich sie ansehe. Das sahen aber nicht alle Mitreisenden so, die sich bei dem armen David beschwerten, dass sie diese Schule besuchen mussten und auch noch was kaufen sollten – schließlich hätten sie doch Urlaub. Unser armer Reiseleiter war erschüttert – ich aber auch, denn der Besuch war wirklich informativ und in keinster Weise wurde irgendwie aufdringlich um Spenden o.ä. geworben. Aber mache Mitreisende wollen halt nur die schönen Seiten des Landes sehen – ich persönlich kann das nicht verstehen.

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In Durban, der mit über drei Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt Südafrikas, gelegen am Indischen Ozean besuchten wir einen traditionellen indischen Markt und gegenüber die Fleischhallen.

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Weiter ging es zum Moses-Mabhida-Stadion. Die Fußball-Arena war für die WM 2010 gebaut worden. Ein riesiger Stahlbogen, der in Deutschland gefertigt wurde, spannt sich in 100 Metern Höhe über das Stadion – und man kann mit einer Seilbahn in einer Kabine diesen Bogen hochfahren und hat einen fantastischen Blick über Durban, den Indischen Ozean und das Stadion. Übernachtet haben wir im Holiday Inn mit Blick über den an dem Tag leider grauen Indischen Ozean.

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8'672 Beiträge · seit 201012. Juni 2017 · #15
Hallo Helga,

als "ehemalige" Busrundreisende fahre ich hier gerne mit und hab jetzt dank Ferien auch aufgeholt!

Ich genieße deine schönen Fotos - und natürlich auch deinen Blick auf die Mitreisenden 😎 . Manches ist mir nicht unbekannt.... 😗

Vielen Dank für's Berichten und liebe Grüße von Bele
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
zuletzt bearbeitet 12. Juni 2017
2'497 Beiträge · seit 201112. Juni 2017 · #16
Hallo Helga,

auch von mir vielen Dank für den schönen Bericht. Wir reisen zwar auch anders, aber ich weiß natürlich nicht, was noch so kommt im Leben und ganz alleine würde ich auch nicht gerne selber losfahren, sondern mich lieber anderen anschließen. Einige Meckerer gibt es doch immer im Leben, aber vielleicht waren bei der Reise trotzdem ein paar nette Leute dabei, mit denen man sich mal austauschen konnte.

Die Tour scheint alles in allem für Dich erlebnisreich gewesen zu sein und Eure Tiersichtungen sind echt nicht von schlechten Eltern.

Viele Grüße
Karin
Würde sollte niemals ein Konjunktiv sein. Namibia 2016: Infos zu Auto+Camps+die "Jahrhundertsichtung" Namibia 2015: Namibia - Mein Seelenland Namibia und Botswana 2014: Überraschungstour Namibia und Botswana mit Guide Namibia 2013: Drei Heidjer in Namibia - Guck mal, Elefanten!
Themenstarter63 Beiträge · seit 201701. Juli 2017 · #17
Hallo Karin,

natürlich waren sogar ganz viele nette Leute dabei. Ich bin bis jetzt noch nie auf einer Rundreise unterwegs gewesen, auf der wir nicht in einer netten Gruppe viel Spaß hatten. Ich habe bisher keine negativen Erfahrungen gemacht.

Und mich würde es zwar nicht stören, alleine unterwegs zu sein, das ist ja aber viel zu anstrengend. Alles alleine organisieren, den Wagen alleine fahren etc. - wo bleibt denn da das Vergnügen? Nein, da freue ich mich, wenn alles gut organisiert ist und ich gemütlich im Bus gefahren werde. Zum Glück wird mir nicht schlecht, wenn ich beim Fahren lese. Und wenn die Landschaft mal nicht viel hergibt, dann genieße ich es, einen (meist blutigen 🙂 ) Krimi als Entspannung bis zur nächsten Besichtigung zu lesen. Das ist natürlich eine ganz andere Art zu reisen, als wenn man auf eigene Faust losfährt.

Gruß Helga
Themenstarter63 Beiträge · seit 201701. Juli 2017 · #18
Tag 10 – 8. Oktober
Durban – Port Elizabeth


Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn es ging mit dem Flugzeug von Durban nach Port Elizabeth. Das bedeutete auch den Abschied von unserem Fahrer, der uns wirklich gut gefahren hatte. In Port Elizabeth wartete ein anderer Fahrer samt Bus auf uns.

Port Elizabeth, wie Durban am Indischen Ozean gelegen, ist mit rund 320000 Einwohnern eine der größten Städte Südafrikas und die größte Stadt der Provinz Ostkap. Hier gibt es auch eine große Universität. Neben der größten Nationalflagge Südafrikas gibt es einige schöne Gebäude und Monumente zu besichtigen, wie den Campanile, einen 50 Meter hohen Aussichtsturm, die kleine Grünanlage Donkin Reserve mit Ausblick über die Stadt, in der eine Steinpyramide an Elizabeth Donkin – nach ihr wurde die Stadt benannt - erinnert. Oder auch die Boardwalk Casino & Entertainment World, eine große Freizeitanlage mit Restaurants, Kino, Geschäften und einem Spielkasino, wohin es am Abend einige Mitreisende verschlagen sollte.

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Wir haben die Stadt besichtigt, sind am Strand spazieren gegangen und haben mittags im Hotel eingecheckt – dem einzigen der Reise, das wirklich furchtbar war. Das Hotel Summerstrand in Port Elizabeth war in den 70er Jahren sicher mal ein schönes Hotel, aber wirkte auch so, als wäre es seither nicht mehr renoviert worden. Damals war es jedenfalls fürchterlich – im Programm steht es nicht mehr, vielleicht auch, weil wir uns alle geschlossen darüber beschwert haben.

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Der Nachmittag stand zur freien Verfügung – ein Teil der Gruppe ging an den Strand, der andere unternahm den fakultativen Ausflug in die Townships. Auch auf dieses Angebot hatten einige Mitreisende empört gesagt, dass sie sich so etwas doch nicht antun würden, schließlich seien sie doch in Urlaub. Der arme David hatte ob der Vorwürfe die Welt nicht mehr verstanden – zum einen, war das ja nur ein fakultatives Angebot, und zum anderen gehört das zur Geschichte des Landes, wie er sogar als weißer Südafrikaner fand. Nun, für mich war das selbstverständlich, mir das „anzutun“, schließlich kann man meiner Meinung nach nicht in ein Land wie Südafrika reisen und dann vor allem Unangenehmen die Augen verschließen.

Es war ein informativer Nachmittag, und in keiner Weise unangenehm, da der größte Teil der Townships in Port Elizabeth bei weitem nicht so schlimm aussah, wie befürchtet. Ein Großteil war schon mit sogenannten Mandela-Houses bebaut, die schon eine wesentliche Verbesserung zu den kleinen Elendshütten am Rande waren. Allerdings wurde ringsherum schon eifrig gebuddelt und eine Kanalisation gebaut, daher auch die Erdhügel auf manchen Bildern, das ist kein Abfall, nur Bauschutt.

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Im Rahmen des Rundgangs besuchten wir auch das Red Location Museum, mitten in den Townships gelegen. Architektonisch sehr interessant mit Bibliothek, Vortragsräumen etc. und einer großen permanenten Ausstellung über die Apartheid und das Leben in der damaligen Zeit. In begehbaren „Räumen“ konnte man besichtigen, wie die Menschen gelebt haben, wer gestorben ist, lernte etwas über bedeutende Bürgerrechtler usw. Befremdlich nur: Draußen war um das Museum und die Nebengebäude alles leer und verlassen, nur ein paar Kinder spielten mit Autoreifen – und ringsherum die Townships. Eine interessante Location, aber ob der Ort für ein Museum wirklich so gut gewählt war…. Wir waren an diesem Nachmittag jedenfalls die einzigen Besucher.

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Anschließend haben wir eine lokale Künstlerin besucht und uns ihre wirklich schönen Arbeiten in einem schon etwas größeren Haus am Rand der Townships angesehen. Und danach hatten wir uns natürlich eine Erfrischung verdient - im örtlichen „Pub“ in den Townships. Da wir neben David auch eine lokale Führerin, die in diesen Townships aufgewachsen war, dabei hatten, haben wir viele Informationen und Einblick in das Leben erhalten. Ich fand, dass dies ein lohnender Besuch war.

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Zurück im Hotel hatten wir alle Hunger, haben uns angeschaut und - wollten in diesem Hotel nicht zu Abend essen. Also sind wir mit Taxis in die Stadt und haben uns dort einen schönen Abend bei leckerem Essen auf einer Restaurantterrasse gemacht.
zuletzt bearbeitet 02. Juli 2017
831 Beiträge · seit 200902. Juli 2017 · #19
Hallo Helga,
danke für deine Mühe, einen interessanten Bericht über Deine Bustour durch SA zu schreiben.
Ich lese mit Interesse mit, wundere mich aber ein wenig über die Passagen Deiner Erlebnisse im KNP, wo Du des öfteres einen "Boy " erwähnst. Wen oder was hast Du damit gemeint? Es würde mich sehr interessieren.
Grüße von Marga
Themenstarter63 Beiträge · seit 201702. Juli 2017 · #20
Hallo Marga,

Deine Frage hat mich jetzt gerade etwas irritiert, daher habe ich noch einmal nachgeschaut. Ich habe zwei Mal "Boy" geschrieben. Gemeint war einmal der Hotelboy, der das Schildim Hotel in Johannesburg hochhielt, und zum anderen im KNP natürlich der Zimmerboy, in dem Fall vielleicht besser Hüttenboy. Am nächsten Tag habe ich geschrieben, "der zweibeinige Wecker". Fandest Du Boy jetzt despektierlich ohne Hotel oder Zimmer davor? Dann setzte ich es gerne noch davor, um Irritrationen vorzubeugen.

So war es nämlich ganz sicher nicht gemeint. Es war nur die Beschreibung, dass einmal der Hotelangestellte mich/uns suchte. Zum anderen dieser Campbedienstete den klaren Auftrag hatte, so lange Radau zu machen, bis er sicher sein konnte, dass auch wirklich jeder, der musste, um 5 Uhr aufstand. Und das hat er sehr nachdrücklich getan.

Gute Nacht

Helga
zuletzt bearbeitet 02. Juli 2017