ich habe mir auch mal 'nen rätselhaften Titel ausgedacht, aber eigentlich geht es nur um eine ganz gewöhnliche Radtour durch den Nordosten Südafrikas (der Titel lässt sich noch steigern durch 'ne Radtour durch den Caprivi - durch den "Nordosten Südwestafrikas" 😉 ) und ein Stückchen Swaziland.
Völlig planlos ging es kurz vor Weihnachten und über Silvester los und es sind wieder lustige Dinge passiert. Viel Spaß dabei.
Wer bei einem Forentreff in Kronau oder Werder schon mal einen Vortrag von mir gesehen hat, der weiß, dass meine Berichte normalerweise ohne Tierbilder auskommen, sondern nur von den Erlebnissen eines Reiseradlers handeln. Ich habe zwar schon vier Vertreter der Big Five vom Rad aus gesehen, aber vernünftige Bilder kamen nicht so häufig zustande. Diesmal gab es ein paar wenige.
... Fortsetzung in Kürze ...
Gruß Wolfgang
Teil 203. Feb. 2017
... meine Reise kam sehr spontan zustande, nachdem Ende November eine kurze Schilderung über Swaziland im Forum zu lesen war. Ich habe nachgeschaut, ob ich ein Visum benötige oder Impfungen vorgeschrieben sind und noch am gleichen Abend ein Mail an das Reisebüro meines Vertrauens geschickt, dass mein Fahrrad mit mir nach Swaziland möchte und ich gerne einen Flug hätte. Der in Afrika geborene Besitzer des Reisebüros antwortete mir, dass er mir einen Flug nach Manzini/Swaziland und einen wesentlich günstigeren nach Johannesburg geblockt hätte. Er war letztes Jahr selbst dort und schrieb dazu, da liegen nur 350 km dazwischen. Ich nahm dann den Flug nach Johannesburg. Der Transport des Fahrrads war zudem kostenlos.
Ich fragte im Forum nach einer Unterkunft nicht allzu weit vom Flughafen und habe dann per Mail Willy's Chateau und eine Abholung vom Flughafen gebucht. Am Flughafen dann ... weit und breit kein Willy. Am Infodesk frage ich, ob ich mal telefonieren dürfe und bekomme ein "Nein" zur Antwort. Als ich der Dame erkläre, dass ich kein Telefon dabei habe und abgeholt werden sollte, aber niemand erschienen ist, fragt sie, wo ich anrufen wolle und ich gebe ihr die Nummer. Sie ruft an und spricht offenbar auf einen Anrufbeantworter. Einige Zeit später versucht sie es nochmal und meint dann, das käme ihr nicht seriös vor und ob ich denn schon bezahlt hätte. Hatte ich zum Glück noch nicht. Dann fragt sie mich, was die Unterkunft denn hätte kosten sollen und meint, dass ich in der Preisklasse direkt am Flughafen was bekomme und führt mich 30 Meter weiter in ein kleines Büro. Kurz später wurde ich dann vom kostenlosen Shuttleservice meiner neuen Unterkunft "Petra" abgeholt. Die freundlichen und hilfsbereiten Besitzer stammen aus Jordanien, was den ungewöhnlichen Namen erklärt.
Am nächsten Morgen entere ich mit Öffnung des Frühstücksraums denselben. Zur gleichen Zeit ist eine Jugendfußballnationalmannschaft (A-Jugend?) aus Zambia am Start. Eine halbe Stunde später sieht der Frühstücksraum aus, als könne er mal wieder renoviert werden und die jungen Kicker verlassen den Raum und fahren zum Flughafen.
Zwei Minuten später kommt ein "alter Schwede" in den Raum, fängt an zu lachen und fragt eine der Bediensteten, ob es eine Explosion gab. Dann meint er, er käme später wieder und verschwindet für eine Viertelstunde. Als ich gerade gehen will, kommt er wieder und setzt sich zu mir an den Tisch. Er ist nicht wirklich alt, aber tatsächlich Schwede und spricht auch recht gut Deutsch. Er erzählt, dass er früher viel Marathons gelaufen ist und weltweit über 100 Läufe mitgemacht hat. Nach Frankfurt ist er mal geflogen, hatte nur fünf Stunden Aufenthalt inkl. Fahrt vom Flughafen zur Strecke und zurück, Marathon und duschen. 3:30 Stunden brauchte er für den Marathon (was er als schlecht bezeichnete) und war dann mit 15 Minuten Zeitpuffer wieder am Flughafen. Auch hatte er mal eine Radtour in den USA gemacht und ist dann gleich für 7 Jahre dort geblieben. Manchmal trifft man echt auf ungewöhnliche Menschen, aber das haben viele Leute im Laufe meiner Tour offenbar auch von mir gedacht. Während wir uns unterhalten, kommt im Fernsehen die Wettervorhersage für den heutigen Tag - 42 Grad.
Als ich losfahre, orientiere ich mich am Sonnenstand, um aus dem Moloch Großraum Johannesburg/Pretoria rauszufinden. Die Beschilderung ist spärlich und einen Stadtplan besitze ich nicht ...
Teil 306. Feb. 2017
... ab 10 Uhr morgens steht die Sonne schon so senkrecht am Himmel, dass eine Orientierung auf diese Weise kaum noch möglich ist, also frage ich häufig nach. An diesem ersten Tag fahre ich sicherlich die doppelte Strecke als nötig gewesen wäre, wenn ich den kürzesten Weg gefunden hätte. Bis Springs folgt eine Ortschaft auf die nächste und als ich um 16 Uhr dort bin, denke ich, ich könne noch ein Stückchen fahren. Natürlich ist die Strecke weiterhin nicht ausgeschildert und ich frage einige Leute, die mich aber alle auf eine Art Autobahn schicken wollen. Als ich eine Polizeistreife frage und die mich auch auf diese Straße schicken, fahre ich schließlich dort entlang. Natürlich kommt jetzt ewig kein Dorf und keine Abfahrt mehr und es dämmert bereits. Es ist bereits nach 19 Uhr, als ich die Abfahrt nach Devon erreiche. Das Foto von der Autobahnabfahrt mache ich am nächsten Morgen ...
In Devon erreiche ich eine Tankstelle und frage, ob es im Dorf eine Unterkunft gibt. Ein Tankwart erzählt mir von einer Unterkunft namens "Grasdag" (= Grasdach) und zeigt mir die Richtung. Er meint, nach einigen hundert Metern käme ein Schild, welches nach rechts zeige. Es kommt auch ein Schild, welches aber in Richtung einer Unterkunft namens "Devonshire Inn" weist. Mangels Alternative schlage ich diese Richtung ein und ereiche die Anlage im letzten Tageslicht. Wie sich bald rausstellt, nennen die Einheimischen die Anlage "Grasdag", weil das Gebäude ein Strohdach besitzt. Wie soll man denn darauf kommen, wenn man vorher nicht weiß, dass das Gebäude ein Strohdach hat? Egal, habe es ja zufällig gefunden ...
Am nächsten Morgen habe ich ein geschwollenes und schmerzendes Handgelenk. Ob es Überlastung ist oder ich es mir in einem Schlagloch verstaucht habe, weiß ich nicht. Radfahren ist jedenfalls unmöglich und so gehe ich zu Fuß in das Dorf. Gegen Mittag wird es mir zu heiß und ich finde eine kleine Kneipe, die ich kurzentschlossen entere.
Ein weißer Südafrikaner aus dem "Nachbardorf" (so 30-40 km entfernt) lädt mich auf ein Bier ein. Mein Blick fällt auf ein Schild an der Wand ...
"Ok", denke ich mir, "man hilft ja, wo man kann", nehme die Einladung an und unterhalte mich eine Weile mit ihm. Er fragt mich, ob ich unterwegs Probleme gehabt hätte und sagt, es gäbe viel Kriminalität. Ich nehme es nicht so wirklich ernst, aber denke am Ende meiner Reise nochmal drüber nach ... 😉
Am nächsten Tag ist das Handgelenk wieder einigermaßen ok und ich setze die Tour fort. In Leandra will ich irgendwo Wasser kaufen und vor den Läden lungern doch zahlreiche zwielichtige Gestalten herum. Eine Tankstelle scheint geeignet, um mein Fahrrad davor stehen zu lassen und im dazu gehörenden Shop etwas zu kaufen, aber hier gibt es nur Cola, Fanta und solches Zeug. Schließlich finde ich einen kleinen indischen Supermarkt, wo ich das Fahrrad kurzerhand mit hinein nehme und drei Liter Wasser kaufen kann. Das letzte Gebäude der Kleinstadt ist ein nett ausschauender Pub, wo ich in der Mittagshitze einkehre, bevor ich wieder für Stunden auf die Strecke gehe.
Es ist niemand in der Kneipe, auch kein Personal. Ich warte einige Minuten, bevor ich irgendwo auf dem Tresen einen verdrehten Rubik's Cube entdecke. Ich habe ihn gerade in die Hand genommen, als die Barfrau kommt und ich ein Bier bestelle. Während sie es holt, beginne ich, den Würfel wieder zu sortieren. Sie stellt mir das Bier hin und legt direkt den Kassenzettel daneben. Noch vor dem ersten Schluck lege ich ihr den Würfel wieder geordnet auf den Tresen und sie ist völlig fassungslos. Wenn sie es nicht selbst gesehen hätte, würde sie es nicht glauben, sagt sie. Dann nimmt sie den Kassenzettel wieder weg, knüllt ihn zusammen und meint, das Bier müsse ich nicht bezahlen.
Auch sie fragt mich, ob ich denn unterwegs noch keine Probleme gehabt hätte. Sie werde regelmäßig belästigt, wenn sie in die Stadt gehe. Dass jemand mit dem Fahrrad reist, hat sie auch noch nie gesehen und als ich aufbreche, macht sie noch ein Foto von mir ...
Teil 406. Feb. 2017
... es folgt ein Beitrag ohne Fotos ...
Heute ist Heiligabend und bei geschätzt 25 Grad und Nieselregen angenehm kühl im Vergleich zu den letzten Tagen. Es sind nur relativ flache 50 km bis Ermelo, das aus der Ferne relativ groß aussieht. Als ich näher komme, erkenne ich, dass es eine riesige Siedlung aus oft verrosteten Wellblechhütten ist, an der ich etwa einen Kilometer entlang radle. Von der Straße weg ist die Ausdehnung noch größer und zieht sich einen sanften Hügel hoch. Auch die Straße selbst geht leicht bergauf. Die eigentliche City von Ermelo kommt erst nach dem leichten Hügel und kann ich momentan noch gar nicht sehen.
Ich komme mittags an, schaue mich ein bisschen um und suche eine Unterkunft. Das ist gar nicht so einfach, weil viele Unterkünfte über Weihnachten geschlossen haben, aber irgendwo finde ich etwas. Neben modernen Geschäften und einer Mall mit großem Supermarkt findet man hier aber auch richtiges Marktleben, ganz einfache afrikanische Bars und einen Busbahnhof, wo das Leben tobt. Das gefällt mir recht gut und ich beschließe, einen weiteren Tag zu bleiben. Als ich am nächsten Morgen bezahlen will, funktioniert meine Kreditkarte nicht mehr, die am Vortag noch ok ist. Ich zahle die Unterkunft in bar und habe nun noch 100 Rand (~ 7 Euro) in der Tasche und zwar ausreichend Euro, die aber niemanden interessieren.
Wenn man dem Zufall Gelegenheit gibt, muss man halt auch damit rechnen, dass er sie nutzt. 😉
Ich mache mich mit 200 Euro in bar auf den Weg und schaue mal, was sich so machen lässt. Wenn der erste Weihnachtsfeiertag auch noch auf einen Sonntag fällt, sind die Chancen ja nicht so üppig, aber ich bin ja in Afrika und bislang fand sich auf etlichen Reisen für jedes noch so ungewöhnliche Problem eine Lösung. In der Stadtmitte gibt es einige indische Geschäfte und die Inder arbeiten auch am Wochenende und Weihnachten interessiert sie auch nicht. Da ich schon häufig in indischen Supermärkten oder bei Schneidern Geld getauscht habe (übrigens nie schlechter als zum offiziellen Kurs und immer ohne versuchte Tricks), sehe ich eine Chance. Ich frage in 5-6 Läden, ob man weiß, wo man hier Geld tauschen könne, bis ich endlich Erfolg habe. Ein Pakistani meint schließlich, er könne mir vielleicht helfen und ruft seinen Chef an.
Weil er selbst die Euro-Währung gar nicht kennt, macht er Fotos von einem Schein und schickt diese an seinen Chef. Derweil prüft er mit einer UV-Lampe die Geldscheine, rubbelt mit einem angefeuchteten Finger drüber, um sicherzugehen, dass ich sie nicht selbst gemacht habe und hält sie gegen das Licht. Einer seiner Kollegen schaut auch noch mal drüber und dann kommt das Angebot vom Chef - Kurs 1:17. Besser gehts ja kaum. Der finanzielle Engpass ist somit erst einmal behoben.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag radle ich weiter und erreiche eine Kleinstadt namens Amsterdam (der seltsame Titel des Threads ergibt nun plötzlich Sinn). Die einzige Unterkunft hier nimmt tatsächlich nur Bargeld und am nächsten Tag geht es weiter nach Swaziland. Auch hier werde ich wohl ohne Bargeld nicht weiterkommen, denke ich.
Amsterdam gefällt mir nicht sonderlich. Die meisten Geschäfte werden von Chinesen betrieben und sie wirken fast ausnahmslos unfreundlich und die Preise scheinen mir auch höher als bei Indern oder Afrikanern. Die Unterkunft ist offiziell geschlossen, aber es hängt eine Telefonnummer für den Notfall am Eingang. Leider hängt kein Telefon daneben und so drücke ich einfach mal auf die Klingel. Es ist jemand anwesend und ich bekomme ein Zimmer. Das Zimmer ist zugleich das größte und billigste meiner Reise und die Anlage groß und gepflegt. Der Mann, der offenbar zur Familie der Eigentümer gehört, erinnert mich in seiner Art sehr an den verstorbenen Moose aus Solitaire/Namibia.
Die nächste Etappe bringt mich nach Swaziland ...
Teil 507. Feb. 2017
... ich verlasse die Unterkunft um 8:30 Uhr bei wolkenlosem Himmel und bereits abartiger Hitze. Wenn um diese Uhrzeit schon ein Drittel der Einheimischen einen Regenschirm als Sonnenschutz verwendet, spricht das wohl für sich. Die Landschaft wird hügeliger und es geht von Beginn an bergauf. Zum Glück ziehen langsam leichte Wolken auf, die die Hitze etwas erträglicher machen.
Es wird langsam steiler und die 17 km bis zur Grenze geht es zum größten Teil bergauf. Der Grenzübertritt erfolgt völlig problemlos und der Grenzbeamte gibt mir noch eine Infobroschüre über Swaziland mit auf den Weg. Auf Nachfrage erklärt er mir, dass ich in Swaziland auch in Rand zahlen kann und nicht unbedingt Lilangeni benötige. An der Grenze haben sich die Wolken schon langsam zu einer dunklen Front verdichtet und ich überlege kurz, ob ich die in der Nähe befindliche Kneipe aufsuchen und den absehbaren Regenguss abwarten soll, doch ich fahre weiter. Direkt nach der Grenze geht es steil bergab. Die wenigen Menschen grüßen freundlich und dann wird es langsam einsamer.
Aus den winzigen Siedlungen mit einer handvoll Hütten oder kleinen Häusern laufen immer wieder bettelnde Kinder zur Straße, wenn ich bergauf fahre. Die Straße wird oft so steil, dass ich längere Passagen schieben muss. Unterwegs noch ein Relikt aus der noch nicht so lange vergangenen Zeit, bevor Mobiltelefone populär wurden.
Mehr Fotos sind an diesem Tag aufgrund des Wetters nicht mehr möglich. Die Wolken werden immer dunkler und bereits vor dem Mittag kommt es zu einem Gewitter in der Region vor mir. Hinter mir braut sich auch eines zusammen und die beiden verbinden sich zu einem großen. Schließlich radle ich so zwei Stunden durch Gewitter und heftigen Regen. Es gibt unterwegs nichts, um sich irgendwo unterzustellen und zwischen Blitz und Donner vergehen oft nur 2-3 Sekunden. Als ich Bhunya erreiche, suche ich eine Unterkunft. Ein Streifenwagen hält im strömenden Regen an und der Beifahrer erklärt mir, dass es hier keine Unterkunft gäbe. Ich müsste in Richtung Manzini oder Mbabate weiterfahren. Eigentlich reicht es mir für heute, aber es bleibt mir ja nichts anderes übrig.
Da in Richtung Mbabate ein noch heftigeres Gewitter tobt, fahre ich in Richtung Manzini, wo es auch wieder etwas flacher wird. In einer Ortschaft auf der Strecke liegt eine Unterkunft, aber irgendwie reicht es mir schon, die von außen zu sehen und ich fahre weiter. Einige Zeit später liegt auf freier Strecke plötzlich eine Unterkunft mit Restaurant entlang der Straße und da sich schon wieder schwarze Wolken zusammenziehen, frage ich nach einem Zimmer und buche mich ein. Das Zimmer ist praktisch eine komplette Ferienwohnung.
Nach einer Dusche und in trockenen Klamotten gehe ich die 20 Meter zum dazu gehörenden Restaurant und bestelle etwas zum Essen. Und dann kommt schon wieder das nächster Gewitter. Zeitweise blitzt und donnert es gleichzeitig und ziemlich gewaltig, wie ich es noch nie erlebt habe. Dazu kommen Wassermassen vom Himmel, dass man nur noch staunen kann.
Nach dem Essen begebe ich mich in einer kurzen Fast-Regenpause in mein Zimmer. Einige Male fällt der Strom aus und ich staune, dass es jedesmal nach kurzer Zeit wieder welchen gibt. Die Taschenlampe liegt natürlich jede Nacht griffbereit neben dem Bett ...
Teil 608. Feb. 2017
... am nächsten Morgen erreiche ich schnell die T-Kreuzung und die Entscheidung, weiter über Manzini in Landesinnere zu fahren oder über die Hauptstadt Mbabate wieder gen Westen zu radeln. Aufgrund der vielen Gewitter entscheide ich mich für die zweite Variante. Der Regen ist mir ja egal und ich trage auch keine Regenjacke, weil ich die Kühlung von oben als angenehm empfinde, aber die Blitzschlaggefahr auf dem Rad ist mir einfach zu hoch.
Ich bin viel schneller in Mbabate als ich denke, aber die letzten 7 km geht es wieder über Autobahn und ununterbrochen steil bergauf und die Sonne knallt heftig runter. Teilweise muss ich schieben.
Irgendwo auf dem Standstreifen steht ein Lieferwagen und der Fahrer -ein in Swaziland lebender Äthiopier- fragt mich, ob ich mitfahren möchte. Er lasse nur gerade seine Bremsen abkühlen und gleich ginge es weiter. Wenn schon bergauf die Bremsen überhitzen, dann kann der technische Zustand ja wohl nicht ganz mangelfrei sein und ich lehne ab. Er erzählt mir von der Kriminalität in Südafrika und meint, er fahre regelmäßig nach Johannesburg. Hier in Swaziland könne ich bedenkenlos radeln, aber ab der Grenze solle ich per Bus fahren oder per Anhalter mit jemandem, der ein Kennzeichen von Swaziland hat. Mit dem Fahrrad sei das dort viel zu gefährlich.
Um die Mittagszeit erreiche ich Mbabate, finde 'nen Bottlestore und kaufe 'ne Flasche kaltes Bier. Ich setze mich in der Fußgängerzone in den Schatten und freue mich. Jedenfalls so lange, bis ein Polizist vorbeikommt und mich mit auf die Wache nimmt. Das Trinken von Bier in der Öffentlichkeit ist verboten. Das habe ich leider nicht gewusst, sonst hätte ich es auch bleiben lassen. Er droht mir 500 Rand (~35 Euro) Strafe an und ich muss vorweisen, dass ich den Betrag habe. Andernfalls, so droht er, müssten wir zum Hauptquartier. Letztlich belässt er es bei einer Verwarnung, lässst mich das Geld wieder einstecken und das sichergestellte Bier auskippen. Again what learned.
Ich verlasse die Hauptstadt und radle weiter durch hügeliges Gelände mit für das Fahrrad eindeutig zu steilen Straßen. Ich wohne selbst an einer Straße mit 16% Steigung, aber hier scheinen mir einige noch ein bisschen steiler zu sein.
Natürlich fängt es zwischendurch immer mal wieder zu regnen an und irgendwo ist in wenigen Kilometern eine Unterkunft angekündigt. Natürlich ziehen pünktlich Gewitterwolken auf und als ich noch 2 km vom Hawange Resort entfernt bin, geht direkt darüber ein Gewitter nieder und zieht in meine Richtung.
Am Straßenrand befindet sich ein kleiner Verkaufstand mit Seitenwänden aus zusammengedengelten Wellblechstücken. Drei Kinder stehen davor und sagen, ich könne jetzt nicht weiterfahren. Das Gewitter sei viel zu gefährlich und ich solle zu ihnen in die Hütte kommen. Da ich der gleichen Meinung bin, nehme ich ihr Angebot an. Erst wollen sie mein Fahrrad mit in ihre etwa 2,50x2,50 Meter große Hütte nehmen, aber ich versichere ihnen, dass meine Packtaschen absolut wasserdicht sind und wir stellen es nur hinter die Hütte, die an einem Hang liegt. Die drei Kinder sind 15, 14 und 8 Jahre alt und verkaufen hier ein bisschen Obst und Süßigkeiten.
Nach wenigen Minuten hat das Gewitter die Hütte erreicht und es schüttet wie aus Eimern. Von oben laufen Rinnsäle durch die Löcher im Dach, von den Seiten bläst der heftige Wind das Wasser waagrecht durch Löcher und Ritzen und unten läuft von der Bergseite nach 10 min der Schlamm in die Hütte. Mit Spitzhacke, Spaten und Machete versuchen die Kinder, Wasser und Schlamm auf der Talseite wieder ablaufen zu lassen.
Ich denke an Ermelo, wo ich an Heiligabend an einer Siedlung vorbeifuhr, in der Tausende von Menschen unter diesen Bedingungen leben.
Als der Regen nachlässt und absehbar ist, dass ich bald fahre, fragt mich der Älteste, ob ich ihm helfen könne. Er brauche ein Telefon und das koste 300 Rand (20 Euro). Ich antworte, das sei ein bisschen viel, aber weil sie mir geholfen haben, gebe ich ihnen 50 Rand. Da sie mich sehr freundlich verabschieden und nachwinken, lag ich vermutlich noch zu hoch mit meiner "Spende", aber ich denke (hoffe), es war noch im Rahmen. Sie hatten mir ja wirklich aus einer prekären Situation geholfen und vielleicht gehören sie zu den ca. 100.000 AIDS-Waisen im Land. Swaziland hat nur etwa 1 Mio. Einwohner und die höchste AIDS-Rate der Welt.
Nachdem ich im Hawange Resort einen Bungalow bekommen habe, kommt eine Reisegruppe an. Es gibt daher abends Büffet und ich kann mich richtig sattessen. Es ist auch das erste Mal, dass ich heute etwas esse. Für all die Menschen in den Blechhütten ist so etwas wohl normal, dass man nur einmal isst, aber so viel essen, wie man mag, ist wohl eher nicht drin.
In der Nacht regnet es wieder stundenlang. Durch das Strohdach fällt immer mal wieder ein Tropfen in mein Gesicht oder auf den Arm. Wie viele Menschen wären wohl froh, wenn es nur ein paar Tropfen wären und würden gerne mit mir tauschen? Und wie viele Touristen würden sich wegen der paar Tropfen wohl noch beschweren?
...
Teil 710. Feb. 2017
... zwischen Piggy Peak und dem Grenzort Bulembu liegen so 15-20 km Piste. Ab Bulembu ist die Straße wieder asphaltiert und läuft als Geotrail bis zur Stadt Barberton. Da es ziemlich wolkig ist, fahre ich am nächsten Tag nochmal ein Stückchen zurück, weil die Landschaft recht sehenswert ist. Dei der heutigen Hitze ist es jedoch übel anstrengend.
In Barberton finde ich ein belgisches Restaurant und darf mein Fahrrad mit hinein nehmen. Hier bekomme ich auch einen Tipp, wo ich übernachten kann. Ich habe eine einzeln stehende kleine Hütte ...
... mit schönem Blick auf die Stadt.
Es gibt an diesem Tag (Silvester) keine weiteren Übernachtungsgäste und die Besitzer wohnen auch ein kleines Stück entfernt. Am Abend sitze ich vor der Hütte und um Mitternacht gibt es tatsächlich ein Feuerwerk. Ich bin überrascht und habe das hier nicht erwartet.
...
Teil 811. Feb. 2017
... von Barberton soll es weiter nach Nelspruit gehen. Jeder Einheimische kennt Nelspruit, aber ausgeschildert ist es nirgends - jedenfalls nicht unter diesem Namen. Es dauert eine ziemliche Weile, bis ich begreife, dass Mbombela die gleiche Stadt ist wie Nelspruit. Mbombela ist der Name auf siSwati und so ist die Stadt von Süden her ausgeschildert. Von Norden kommend findet man die Beschilderung mit Nelspruit.
Es ist heute mal wieder affenheiß, aber die Steigungen halten sich größtenteils in Grenzen. Nur kurz vor Nelspruit geht es einige Kilometer sehr steil hoch und natürlich liegt die Strecke in der prallen Sonne. Einige überholende und entgegenkommende Autofahrer (bzw. deren Beifahrer) machen im Vorbeifahren Fotos oder Videoaufnahmen von mir.
In Nelspruit suche ich mir ein kleines Lokal mit schattigem Außenbereich und mache Mittagspause. Einige Einheimische und der Kellner fragen mich neugierig aus und der Kellner möchte zunächst mein Fahrrad, dann mich und anschließend mich zusammen mit ihm und mit Fahrrad fotografieren (bzw. lassen). Später kommt er und meint, er habe das Foto einem Freund geschickt und dieser habe geantwortet, er habe mich im Fernsehen gesehen. Ich weiß davon nichts, aber später spricht mich noch jemand drauf an. Derjenige sieht mich nur zu Fuß und fragt mich, ob ich der sei, der mit dem Fahrrad unterwegs ist und er habe mich im Fernsehen gesehen.
Ich fahre noch einige Kilometer aus Nelspruit raus und kurz vor White River/Witrivier finde ich einen Platz zum Übernachten.
Kurz vor der Stadt Hazyview findet sich dann noch ein ungewöhnliches Verkehrsschild.
Hazyview liegt nur ca. 10 km entfernt vom Kruger National Park, aber das Schild hat einen anderen Grund. Es steht nahe des Geländes der Elephant Whispers und die haben neben ihrer eigentlichen Anlage noch ein großes Areal auf der anderen Straßenseite. Es kommt also vor, dass hier Elefanten über die Straße gebracht werden.
In Hazyview finde ich ein Hotel und frage nach, ob sie auch geführte Touren in den Kruger Park vermitteln und eine Ganztagestour mit Guide kostet umgerechnet 80 Euro. Am nächsten Morgen werde ich abgeholt. Und weil mir die Tour trotz vielen Regens sehr gefällt, buche ich am Abend gleich noch einmal für den folgenden Tag. Im nächsten Teil gibt es also auch von mir mal einige Tierfotos ...
...
Teil 911. Feb. 2017
... hier mal Teil 1 - die Großen ...
Der Leopard ist leider ziemlich unscharf ...
... und von den Nashörnern gibt es gar kein brauchbares Foto. Für das permanente Regenwetter bin ich mit den Ergebnissen für meine Ansprüche allerdings zufrieden und im nächsten Teil kommen die "Kleinen" ...
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Teil 1013. Feb. 2017
... von Graskop aus mache ich mich auf den Weg zum Pinnacle Rock, God's Window und Wonder View. Es herrschen nahezu ideale Sichtverhältnisse.
Kurz vor dem Pinnacle Rock wird das Wetter kurz etwas besser.
Für Erwachsene kostet es 10 Rand Eintritt, aber als Radfahrer winkt man mich einfach so durch. Hier der Blick auf den Felsen.
Im weiteren Verlauf der Strecke zieht es sich wieder zu.
Und bei God's Window ein Blick zurück ins Tal.
Dementsprechend "gut" war der Ausblick vom Aussichtspunkt. Auch hier kostet es 10 Rand Eintritt und wieder winkt man mich einfach so durch, während die Autofahrer bezahlen müssen. Über eine Stunde bleibe ich dort und hoffe, dass die Wolken doch noch aufreißen.
Das war leider so der einzige "Farbtupfer" dieses Tages. Vermutlich ist jemand über die Absperrung geklettert. Wer sich hier in den Tod stürzen will, kann sicher sein, dass es klappt. Wer das nicht vorhat, muss schon reichlich dämlich sein, um über die Absperrung zu klettern ...
Anschließend fahre ich weiter hoch zum Wonder View, aber -oh Wonder- ist hier überhaupt nichts mehr mit View. Ich freue mich, dass ich noch meine Finger am ausgestreckten Arm sehen kann und kehre um, obwohl der Blyde River Canyon praktisch um die Ecke liegt. In Graskop gehe ich erst einmal ins Canimambo, um ein Steak zu essen und anschließend nochmal ins Riders, der Rockerkneipe.
...
Teil 1114. Feb. 2017
... auf meiner Strecke liegt auch Sabie, eine auf Tourismus eingestellte kleine Stadt. Es gibt jede Menge Unterkünfte, aber gleich die ersten vier, bei denen ich anfrage, sind gerade wegen Renovierung oder aus anderen Gründen geschlossen. Bei einer fünften hätte ich das Fahrrad nicht mit ins Zimmer nehmen dürfen und es hätte nicht einmal einen Innenhof gegeben. Das Fahrrad in einer Stadt über Nacht auf der Straße (noch dazu in Sichtweite der Hauptstraße) stehen lassen, kommt natürlich nicht in Frage. Ich finde ein Hinweisschild zu einer weiteren Unterkunft und folge der Straße bis zum Ende. Irgendwo muss ich die Unterkunft übersehen haben und stehe vor dem letzten Haus. Es befinden sich zwei große Werbeschilder am Zaun und ich achte gar nicht auf die Aufschrift, klingle und frage nach einem Zimmer für die Nacht. Eine Frau um die 70 öffnet und sie betreibt mit ihrem Mann ein Geschäft für Blumen und Gartenbedarf. In einem Anbau gibt es jedoch eine Ferienwohnung, die immer bereit ist, falls die Kinder mal zu Besuch kommen und ohne Zögern bietet sie mir an, dort zu übernachten. Mir ist es peinlich, dass ich ihr Haus für eine Pension gehalten habe, aber ihr Mann schmunzelt nur über die Verwechslung. Bevor die beiden das Haus gekauft haben, war es aber tatsächlich mal ein Gästehaus.
Am nächsten Morgen suche ich nacheinander drei Banken auf, um Geld zu wechseln. Zwei davon tauschen gar kein Geld und eine nur für Einheimische mit Konto bei der Bank. Als ich erfolglos zur "Unterkunft" zurückkehre, bietet mir die Frau an, mit mir zur Bank zu gehen und für mich das Geld zu wechseln, hat dann aber eine noch bessere Idee. 100 Meter weiter befindet sich eine Unterkunft (wegen Renovierung geschlossen, war gestern dort) und der Besitzer stammt aus der Schweiz, seine Frau aus einer deutschen Kleinstadt ganz in meiner Nähe. Er wechselt mir ein paar Euro in Rand.
Bei meinem Spazierganng durch Sabie finde ich ein originelles Restaurant mit einem alten Eisenbahnwaggon als Anbau.
In der Stadt gibt es auch ein kleines Museum, vor dem ein seltsames Gefährt steht. Später auf der Strecke sehe ich noch etwas Ähnliches am Straßenrand. Vielleicht weiß jemand von euch, was es mit diesen Dingern auf sich hat und wofür diese radähnlichen Teile im oberen Bereich sind? Liefen da irgendwelche Antriebsriemen drüber?
Später auf der Strecke finden sich noch ein paar Bahngleise, die mal gebügelt werden müssten und ein interessanter Laden für Kunsthandwerk.
Und am Ende des Tages natürlich wieder irgendwo eine Bar, in der ich erst mit dem schwarzen Besitzer und dann mit einem anderen Mann ein bisschen Billard spiele. Irgendwie meint auch jeder, mich einladen zu müssen und ständig wird mir was anderes gereicht ... Bier, Jägermeister, Passionsfruchtlikör, Litschilikör ... Einer erklärt mir sinngemäß: "Es ist doch viel zu heiß zum Radfahren. Deshalb sitzen wir hier ..."
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Teil 1215. Feb. 2017
... nach einer Nacht in der Bundu Lodge wenige Kilometer vor Nespruit bin ich bereits am Vormittag in der Stadt und versuche, ein Busticket nach Johannesburg zu bekommen. In einer Mall an der Stadtgrenze gibt es einen Schalter, doch als ich das Fahrrad erwähnte, verweist man auf das Büro in der Innenstadt.
Ich bin kurz vor dem ersten Büro, als ich an einem am Straßenrand stehenden Land Cruiser vorbeifahre. Der Fahrer fährt gerade an, stoppt dann aber wieder, als er mich sieht. Durch das geöffnete Fenster stellt er sich kurz vor und fragt direkt im nächsten Satz, ob ich ein Bett für die Nacht brauche. Ich bejahe das und ergänze, dass ich zuvor aber ein Busticket für den morgigen Freitag nach Johannesburg brauche.
Cobus bietet mir seine Hilfe an und meint, ich sollte ihm helfen, mein Fahrrad auf den Pick-up zu wuchten. Wir suchen die Büros von Intercape, Greyhound, City to City und Citybug auf, doch die Fahrradmitnahme sei nicht möglich. Cobus schlägt vor, erst einmal zu ihm zu fahren. Seine Frau würde die anderen Busunternehmen anrufen und notfalls könne ich am Samstag mit einem seiner Mitarbeiter nach Johannesburg fahren. Da mein Flug erst am Sonntag geht, würde das auch noch reichen.
Seine Frau schafft es aber, eine Busfahrt mit Lowveld Link zu buchen. Sie fahren mit einem Kleinbus samt Trailer und Cobus lässt mein Fahrrad noch in Luftpolsterfolie verpacken. So kann ich es dann auch für den Flug aufgeben.
Abends wird natürlich noch der Grill angeworfen und wir sitzen noch eine Weile zum Quatschen beisammen. Mit Einbruch der Dunkelheit legt sich Cobus einen Pistolengurt an und meint, ich solle nicht erschrecken. Schon zweimal kam es vor, dass Einbrecher auf das Gelände kamen und auf ihn schossen. Er sei gerne vorbereitet. Auch wird neben der Eisentür vor der Haustür auch im Haus vor dem Bereich mit den Schlafräumen eine weitere Gittertür verschlossen.
Der Bus fährt zum Flughafen und von dort lasse ich mich vom Shuttleservice der Unterkunft abholen.
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Teil 1316. Feb. 2017
... noch ein kleines Fazit zur Reise ...
Ich hatte keine großen Erwartungen an Südafrika, da ich eine Infrastruktur wie in Europa erwartete. Das empfand ich dann vor Ort auch so. Irgendwelches Chaos gab es eigentlich nur in den Banken beim Geld umtauschen. Insgesamt war alles sehr locker und einfach.
Letztlich war ich positiv überrascht von den freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Nicht nur einmal wurde mir eine Mitfahrgelegenheit angeboten. Die Bedienungen in Restaurants haben oft beim Bestellen schon so gestrahlt wie kleine Kinder zu Weihnachten, als würde man ihnen persönlich eine riesige Freude machen.
Positiv überrascht hat mich auch der Krugerpark. Ich denke, dort komme ich nochmal hin.
Nicht erwartet habe ich, dass ich ausgerechnet in Südafrika als Radfahrer so extrem auffalle. Ich bin öfter fotografiert worden als auf all meinen anderen Reisen zusammen - meist aus überholenden oder entgegenkommenden Autos. Etliche Leute fragten aber auch um Erlaubnis oder wollten sich zusammen mit mir fotografieren lassen. Das war irgendwie komisch ...