Bachelor Studium an der UNAM (als Ausländer)

9 Antworten · 3'497 Aufrufe · gestartet 29. Dez. 2016 von Joonas
Antworten
Themenstarter18 Beiträge · seit 201629. Dez. 2016 · #1
Hallo zusammen,
Ich war diesen Sommer alleine 5 Wochen in Namibia. Mir hat das Land sehr gut gefallen und ich habe einige einheimische Freunde gefunden. Ich habe 3 Wochen in Otjiwarongo verbracht, danach noch 2 Wochen auf einer kleinen Farm bei Outjo. Ich habe mich schon ein wenig eingelebt und war fast stolz darauf, dass ich einmal nach dem Weg gefragt wurde 😉
Nun bin ich gerade mit dem Gymnasium in der Schweiz fertig geworden und möchte in einem oder zwei Jahren (nach Zivildienst) ein Studium beginnen. Früher wollte ich immer nach Australien studieren gehen, aber finanziell sieht es dafür eher schlecht aus. Viele Australier verschulden sich um das Studium zu finanzieren. Ich möchte später im Umwelt-, Klima- oder Artenschutz arbeiten. Somit würde ich auch ein Studium entsprechend wählen.
Mein Plan war zuerst, ein Jahr nach Südafrika zu gehen (Field Guide Course und dort arbeiten) und danach in der Schweiz zu studieren. Da auch diese Variante nicht ganz kostengünstig ist und mich immer noch ein Studium im Ausland reizt, habe ich angefangen über das Studieren als Ausländer in Namibia zu recherchieren. Das ist grundsätzlich mit einem Studenten Visum möglich, wenn ich das richtig verstanden habe. Und auch eine Studienrichtung gäbe es die mich interessiert: Bachelor in Environmental Biology (dauert 4 Jahre). Auch vom finanziellen her scheint das Studium in meinem Budget drin zu liegen (Für 2017 alles in allem inklusive Frühstück und Unterkunft 42'000 NamD pro Jahr). Es scheint aber noch nicht sehr viele Informationen für ausländische Studenten zu geben (wobei ich es im allgemeinen schwierig finde als "Schüler" sich mit den ganzen Unis und dem Betrieb auseinander zu setzen).

Ich wollte deshalb hier im Forum mal nachfragen ob jemand Erfahrung hat, jemanden mit Erfahrung kennt oder Internetseiten nennen kann, auf denen es mehr und verständliche Informationen gibt.

Mich interessieren vor allem folgende Punkte:
-Bekommen ausländische Studenten normalerweise ein Study Visum (und dies auch für 4 Jahre).
-Wie gut ist die UNAM? Werden die Abschlüsse generell international anerkannt?
-Wie ist das Leben auf dem Hauptcampus in Windhoek?
-Was sind eure sonstigen Empfehlungen und Ratschläge zu meiner Idee?

vielen Dank für eure Antworten und einen schönen Abend euch,

Jonas
33,1k Beiträge · seit 200629. Dez. 2016 · #2
Hallo Jonas,

vorab: UNAM ist eine große Universität, auch nach europäischem Standard. Dementsprechend gibt es viele Studiengänge, wovon wenigen wirklich ein hoher Standard nachgesagt wird (u.a. Medizin). Ich würde für etwas mit Naturschutz (Nature Conservation ist da das klassische Bachelor-Studium) immer zur NUST (ehemals Polytechnic = Fachhochschule; z.B. http://fnrss.nust.na/?q=course/bachelor-natural-resource-management-nature-conservation) gehen.

Zu Deinen konkreten Fragen:
-Bekommen ausländische Studenten normalerweise ein Study Visum (und dies auch für 4 Jahre).
ja, sofern sie alle Voraussetzungen erfüllen (gesundheitlich, finanziell etc).
-Wie gut ist die UNAM? Werden die Abschlüsse generell international anerkannt?
zum ersten Teil der Frage siehe zuvor; zum zweiten Teil: Ja, national und international anerkannt.
-Wie ist das Leben auf dem Hauptcampus in Windhoek?
Du wirst dort in der Regel keinen Weißen sehen (das betone ich nur, um den "Kultur"schock in Grenzen zu halten, den Du erleben würdest) und nur Personen, die sich wirklich nichts besseres leisten können. Alle anderen wohnen privat. Hier geht, egal ob Weiß oder Schwarz, eigentlich jeder der es sich leisten kann zum Studium ins Ausland (aktuell etwa 42.000 Namibier; v.a. nach Südafrika, Deutschland, aber auch Russland, China und Ukraine) Wenn Studentenwohnheim, dann nur das kürzlich errichtete private (http://www.emona.com.na/). Alles andere willst Du nicht mitmachen, glaube mir. Der Hauptcampus liegt am südwestlichen Stadtrand... Du bist dementsprechend weit weg von Innenstadt, Restaurants etc.

Beste Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
zuletzt bearbeitet 29. Dez. 2016
Themenstarter18 Beiträge · seit 201630. Dez. 2016 · #3
Lieber Christian,

Vielen Dank erstmals für deine Antwort! Scheint interessant zu sein die NUST. Aber auch da sind praktisch leider keine Informationen vorhanden. Weisst du da irgendwas darüber wie kompetent die Schule ist?

Ich habe mir nun auch Südafrika angeschaut. Die UCT in Südafrika (Capetown) scheint einen sehr guten Eindruck zu machen und hätte auch Kurse welche mich interessieren. Da müsste ich mich aber über die Situation mit Kriminalität und aktueller Politik noch besser informieren. Hat jemand Erfahrungen mit der UCT?

Liebe Grüsse Jonas
33,1k Beiträge · seit 200631. Dez. 2016 · #4
Hi Jonas,

ich habe an der UCT studiert (jedoch Graduiertenstudium, d.h. am Waterfront-Campus und nicht auf dem Haupt-Campus). Was möchtest Du wissen?

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
78 Beiträge · seit 201031. Dez. 2016 · #5
Hallo Jonas

Also erstmal hut ab vor deinem Plan, und dass Du tatsächlich damit liebäugelst ein gesamtes Studium in südlichen Afrika zu machen und sogar auf dem Campus zu leben. Oft sind ja Leute eher interessiert ein Semester in Kapstadt zu studieren, weils schön ist und viel läuft - und dann aber den Abschluss und so in der Schweiz machen, wo alles "besser funktioniert".

Grundsätzlich würde ich sagen, wenn es Dir um eine möglichst gute und "kompetente" Uni nach interenationalen Standarts geht, und du eine Elitekarriere im akademischen Bereich anstrebst bleib in Europa oder geh an die UCT (welche als "beste" Uni Afrika's zählt, allerdings auf all diesen Rankings dennoch weit hinter den meisten Unis der Schweiz erscheint). Es gibt aber meiner Meinung nach sehr viele Gründe für ein Studium an einer weniger elitären Uni (UNAM, NUST), insbesondere im Gebiet Environment und Wildlife sind solche Unis oft 'näher' am Geschehen und in Ihrem Gebiet durchaus sehr gut und innovativ.

Um die Sache noch bisschen auszudehnen: Es gibt in Südafirka einige kleinere Uni's welche in deinen Bereichen teilweise stark aufgestellt sind, z.B. Universitiy of Venda oder University of Limpopo. Ausserdem ist auch die University of the Western Cape (UWC) sehr bekannt für ihre kritische Auseinandersetzung mit Naturschutz und ländlciher Entwicklung, ich weiss aber nicht ob schon auf BA Ebene (check mal das PLAAS centre dort).

Ich selbst hab mal an der UNAM studiert, allerdings nur für ein Semester, war lange assoziert mit UWC und nun UCT. Solltest Du also Fragen haben, einfach fragen!

Herzlich,
Beginner.
Themenstarter18 Beiträge · seit 201631. Dez. 2016 · #6
Hallo Beginner,

Herzlichen Dank für deine Antwort, da scheint einiges Interessantes enthalten zu sein! Also die Idee mit dem gesamten Studium entstand eigentlich folgendermassen. Gefühlsmässig hat es mich schon immer in südlichere Länder gelockt und ich wollte auch immer irgendwann auswandern. Mein Plan war, nach der Schule ein Jahr in Afrika zu verbringen (ZBsp. Südafrika mit Field Guide Course und Arbeit) und danach in der Schweiz studieren. Ich habe aber gemerkt, dass ich mich so nicht wirklich aufs Studium freue und es als Zeit betrachte die ich hinter mich bringen möchte um dann wieder in ein anderes Land zu gehen (mit mehr Wildtieren und Natur). Also hatte ich dann die Idee mit dem Studium im Ausland. Da ich schon fliessend Englisch spreche und das ganze aber gerne noch perfektionieren möchte, wäre das natürlich eine ideale Gelegenheit.

Eine Elitekarriere in der Forschung würde mir glaube ich nicht entsprechen. Ich möchte eine solide Ausbildung machen bei der ich etwas lerne, was international anerkannt ist. Also es sollte nicht einfach primär um interessante Jahre in Afrika gehen, sondern auch um eine gute Ausbildung (nicht spitze aber brauchbar 😉 ). Sehr interessiert bin ich am Umwelt und Artenschutz. Artenschutz im Hinblick auf den Klimawandel interessiert mich zum Beispiel. Mit der Ausbildung möchte ich mich im NGO-Bereich für den Artenschutz einsetzen. Gerne aber auch mit "Campaigning" etc. (wo ich mich schon auskenne und noch Kurse machen werde). Also für mich muss es keine wissenschaftliche Forschungs-Karriere sein (für was eben eine top-Ausbildung nicht schlecht wäre).

In der Schweiz würde ich mich für "Umweltnaturwissenschaften" an der ETH entscheiden, wobei ich mich wahrscheinlich durch das erste Jahr kämpfen müsste (ETH Niveau von Mathe, Chemie etc.). Also würde es mich auch interessieren ob die UCT mit einer ETH vom Schwierigkeitsgrad (oder vom Aufwand) her zu vergleichen ist, falls da jemand Bescheid wüsste?

Die weiteren Vorschläge sehen auch interessant aus und ich habe mich schon ein wenig eingelesen. Die UWC hat auch einen spannenden Bachelor zu bieten (biodiversity and conservation biology). Venda und Limpopo sehen mir nach "afrikanischeren" Unis aus. Was ich nicht grundsätzlich ausschliessen möchte, aber ich denke für 3-4 Jahre das erste mal für eine längere Zeit in Afrika, wäre eine Uni mit anderen internationalen und europäischen Studenten vom Kulturschock her angenehmer.

Wie wirkt denn die UNAM (oder auch NUST) im allgemeinen? Zum Beispiel bin ich mir da nicht sicher vom Freizeitangebot her. Bei UCT und UWT scheint es beinahe unendliche Möglichkeiten zu geben. Nicht dass ich Bunge-Jumping und tägliche Action-Erlebnisse brauche, aber zum Beispiel Sport (Fussball), Musik und vielleicht auch soziale/politische Treffen würden mir den Sprung ins Leben eines anderen Kontinentes sicher erleichtern. Und wie waren deine Erfahrungen mit Freundschaften? Kann man sich schnell einleben?

Herzliche Grüsse Jonas
Themenstarter18 Beiträge · seit 201631. Dez. 2016 · #7
Hallo Christian,

Vielen Dank für deine Antwort. Mich interessiert vor allem alles rund um Sicherheit und das Leben der Studenten. Was für mich persönlich sicher nicht einfach wäre, ist das Erleben der extremen Armut und grossen Unterschiede. Ich liste gerne ein paar Fragen auf, falls du etwas beantworten kannst.

- Wie ist die Lage in Kapstadt für Studenten und wie denkst du wird es sich entwickeln? (Die Frage, weil ich von Namibiern gehört habe, dass sie nicht nach Südafrika studieren gehen, wegen der politischen Situation).

- Wie "schwierig" ist die UCT, hat man noch Freizeit und gibt es eine hohe Rate von Studenten, welche durchfallen?

- Mit welchen Kosten sollte man ungefähr pro Jahr rechnen? (Mit Wohnen, Studieren und allem inklusive)

-Wie ist das Zusammenleben der Studenten? Ich habe gelesen, dass für die allermeisten Studenten Rassismus kein Platz in ihrem Leben hat, aber dass die ethnischen Gruppen auch häufig unter sich bleiben.

- Und zum Schluss noch die Frage: Wie war dein persönliches Erlebnis, kannst du die Uni empfehlen?

Liebe Grüsse und schonmal vorsorglich ein frohes neues Jahr!
33,1k Beiträge · seit 200601. Jan. 2017 · #8
Hi Jonas,

frohes Neues Jahr.
- Wie ist die Lage in Kapstadt für Studenten und wie denkst du wird es sich entwickeln? (Die Frage, weil ich von Namibiern gehört habe, dass sie nicht nach Südafrika studieren gehen, wegen der politischen Situation).
das ist korrekt. Die Studentenproteste der vergangenen Monate haben schon eine gewisse Angst hervorgerufen. Es gibt dennoch weiterhin jede Menge ausländische und weiße Studenten an der UCT & Co. Ich persönlich würde meine Kinder mit Stand heute wahrscheinlich nicht mehr zum Studieren nach Südafrika schicken.
- Wie "schwierig" ist die UCT, hat man noch Freizeit und gibt es eine hohe Rate von Studenten, welche durchfallen?
Kann ich Dir nicht pauschal sagen und kommt sicherlich auch auf den Studiengang an. Es ist eben viel mehr schulisch organisiert als Universitäten in Deutschland, d.h. man ist an fest Stundenpläne gebunden. Also ich habe während meines Studiums an der UCT genug Freizeit gehabt 😉
- Mit welchen Kosten sollte man ungefähr pro Jahr rechnen? (Mit Wohnen, Studieren und allem inklusive)
keine Ahnung. Ich habe wie gesagt ein Graduiertenstudium gemacht und das war damals für Einwohner afrikanischer Länder etwa 7000 Euro für ein Jahr (für "Ausländer" deutlich mehr). Die Bachelor-Studiengänge sind aber, soweit ich weiß, deutlich günstiger. Ich habe mir eine Wohnung gemietet und kann deshalb nichts zu den Studentenunterkünften am Hauptcampus sagen. In jedem Fall haben einheimische Studenten dort Vorrechte bei der Vergabe von den Unterkünften.
-Wie ist das Zusammenleben der Studenten? Ich habe gelesen, dass für die allermeisten Studenten Rassismus kein Platz in ihrem Leben hat, aber dass die ethnischen Gruppen auch häufig unter sich bleiben.
Rassismus ist aktuell eines der Hauptprobleme (siehe Punkt 1 bzgl. Studentenproteste). Da ging es unter dem Vorwand von Studiengebühren v.a. darum, dass Weiße (Studenten, Professoren etc) keine Rechte mehr haben sollten. Das wurde im Verlaufe der Proteste dann auch immer deutlicher gesagt.
- Und zum Schluss noch die Frage: Wie war dein persönliches Erlebnis, kannst du die Uni empfehlen?
Ich würde immer wieder in Kapstadt studieren (aber ich war wie gesagt auf dem Campus direkt in der Waterfront). Für mich eines der besten Erlebnisse meines Lebens. Ich habe jede Menge Freunde, aus allen Teilen der Erde, gewonnen.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Themenstarter18 Beiträge · seit 201603. Jan. 2017 · #9
Hallo Christian,

Vielen Dank für deine Antworten und dir auch ein frohes neues Jahr! 🙂
Ich persönlich würde meine Kinder mit Stand heute wahrscheinlich nicht mehr zum Studieren nach Südafrika schicken.
Weil die Proteste das Studium verlängern und behindern können oder weil es tatsächlich für Weisse Studenten unangenehm/gefährlich werden könnte?

Und wie schätzt du die Lage im Land im Allgemeinen ein? Ich glaube 2019 sind ja die Wahlen. Falls ich es in Erwägung ziehen würde, in ZA zu studieren würde ich 2018 oder 2019 beginnen. Somit wären die 3-4 Jahre für den Bachelor genau in der Zeit der Wahlen. Ich habe mich nun ziemlich intensiv mit der Situation beschäftigt und vor allem die Partei EFF scheint ja nicht besonders angenehm zu sein. Denkst du es ist realistisch, dass diese gut bei den Wahlen abschneidet? (Sind übrigens auch oft bei den Studentenproteste die "Uniformen" der EFF zu sehen gewesen, was ja schon nachdenklich stimmt wenn ausgebildete Menschen sich einer solchen rassistischen Partei anschliessen).

Ich denke im schlimmsten Fall könnte ich das Studium abbrechen und zurück nach Europa kommen. Ich werde mal abklären ob ich mir die absolvierte Zeit hier anrechnen lassen kann. Aber ich kann die Sache nicht wirklich einschätzen. Habe nur gehört, dass einige Weisse jetzt schon das Land verlassen und vor allem Farmer teilweise mit einer Vertreibung rechnen. Sind das nur einzelne, welche Untergangsszenarien verbreiten wollen oder spiegelt das wirklich die Lage des Landes wider?

Liebe Grüsse Jonas
78 Beiträge · seit 201011. Jan. 2017 · #10
Hi Jonas,

Sorry für die späte Reaktion, ich hab Dir mal eine PM geschickt...

Herzlich,
Beginner.