Tag 14 – Donnerstag, 21. Juli 2016 – In die Kalahari
Anib-Lodge, Mariental – Mata Mata, KTP
Der erste Morgen am Rand der Kalahari war zwar etwas frischer als die Tage zuvor, aber immer noch nicht wirklich kalt. Bei ca. drei Grad standen wir kurz nach Sonnenaufgang auf. Unsere exklusive Campsite wurde schon von einigen Vögeln besucht. Kalahari-Heckensänger, Rotschwanzschmätzer (Familiar Chat) und Brustbandprinien kamen vorbei.
Zum Glück waren die ersten Sonnenstrahlen schon recht warm, und so konnten wir gemütlich frühstücken.
Danach packten wir unsere Sachen und spülten. Eigentlich hätte es nun losgehen können, aber es waren noch ein paar interessante Vögel zu entdecken, denen Ruth unbedingt noch hinterherpirschen musste.
Bokmakiri
Sichelhopf
Dann statteten wir dem Souvenirshop der Aniblodge noch einen kurzen Besuch ab und bezahlten unsere Rechnung. Direkt am Gebäude der Lodge saßen zwei Felsenschwalben.
Teil 2212. Dez. 2016
Es war bereits zehn Uhr, als wir endlich aufbrachen. Bis Stampriet fuhren wir auf Teerstraße. Dort tankten wir voll. Die gestrige Fahrt mit hoher Geschwindigkeit hatte recht viel Diesel verschlungen. Nun ging es auf Schotterpiste weiter nach Südosten. Entlang der C15 gab es viele Farmen und direkt an der Straße unzählige Bäume mit großen Webervogelnestern.
Kampfadler
Wir machten keine längere Pause, sondern fuhren weiter, wobei wir fast keinem anderen Auto begegneten. Den Farmstall mit angeschlossenem Café ließen wir ebenfalls links liegen, um nicht unnötig Zeit zu verlieren. An der Grenzstation Mata Mata reisten wir aus Namibia aus und checkten auf südafrikanischer Seite im KTP ein. Die Formalitäten und das Bezahlen der Parkgebühr dauerten wieder mal länger als erwartet, obwohl unser Auto nicht genau untersucht wurde und wir weder nach Brennholz noch nach speziellen Lebensmitteln gefragt wurden.
Auf dem Campingplatz belegten wir einen Stellplatz nahe der Mitte unter einem großen Baum. Wir machten ein kleines Picknick mit Wildschinken, Brot und Tomaten und sahen den Erdhörnchen zu (und sie uns).
Da sie sich vor den angekündigten, kalten Temperaturen ein wenig fürchtete, duschte Ruth noch schnell, bevor wir zum ersten Gamedrive in den Park aufbrachen. Während Uwe Brennholz im Shop besorgte, entdeckte Ruth eine Weißgesicht-Ohreule im Baum vor dem Laden. Leider saß sie so versteckt, dass wir den schönen Vogel immer nur hinter einem Haufen sehr scharfer Äste als matschiges, helles Fellpuschel auf den Fotos ausmachen konnten. Daher gaben wir diesen Plan bald auf. Im Park hatten wir nicht mehr viel Zeit und kamen lediglich etwa 15 Kilometer weit, bevor wir wieder umkehren mussten. Wir sahen einige Vögel, ein paar Springböcke, Gnus, Oryx und einen Schakal.
Trauerdrongo
Schwalbenschwanz-Bienenfresser
Toni-Igel 😉
Zurück in Mata Mata machten wir Feuer und bereiteten das Abendessen zu. Wir grillten Wildfleisch und garten Blumenkohl und Möhren im Topf. Außerdem aßen wir Grillbrote mit Knoblauchbutter. Anschließend spülten wir, und Uwe duschte noch. Als wir ins Zelt stiegen, zeigte das Thermometer bereits unter zehn Grad. Die Tendenz ist leider sehr eindeutig. Etwas später riefen die Schakale und begrüßten uns in der Kalahari.
Kilometer: 312
Teil 2313. Dez. 2016
Tag 15 – Freitag, 22. Juli 2016 – Der erste Löwe
Mata Mata, KTP – Rooiputs, KTP
Die Nacht war zwar die bislang kälteste, aber unsere Schlafsäcke sind tatsächlich so gut, dass uns dennoch zwischendurch zu warm wurde. Erfrieren werden wir also wohl nicht mehr. Durch die verschiedenen Zeitverschiebungen zwischen Deutschland, Namibia und Südafrika sind wir wieder mal ein wenig durcheinander gekommen und hatten uns den Wecker eine Stunde zu früh gestellt. Uwe stand auf, und als wir unseren Irrtum bemerkt hatten, ließen wir uns eben sehr viel Zeit. So ging es in aller Ruhe zum Waschen, dann kochten wir eine Thermoskanne Kaffee, tranken schon den ersten Tee und packten ganz gemütlich zusammen.
Als wir dann schon zeitig um 7.30 Uhr zur Rezeption fuhren, um unser Park-Permit abzuholen, trauten wir unseren Augen kaum, denn wir waren bei Weitem nicht die ersten. Dort stand bereits eine Schlange an Leuten, und wir mussten uns ziemlich weit hinten im Pulk einordnen. Das hatten wir so noch nie erlebt.
Sobald das Tor geöffnet wurde, setzte sich der Autokorso in Bewegung, und in einer langen Staubfahne ließen wir Mata Mata hinter uns. Wir fuhren recht langsam und ließen alle anderen Autos an uns vorüberfahren, da wir kein Wettrennen machen wollten.
Also hielten wir wie immer an jedem Vögelchen und beobachteten an der ersten Wasserstelle lange eine Herde Giraffen beim Trinken. Immer wieder erschienen neue Köpfe mit langen Hälsen über dem Dünenkamm, und eine Giraffe nach der anderen marschierte zum Wasser, wo sie sich gründlich nach allen Seiten umsah, sich umständlich auf ihren langen Beinen zurecht rückte und das Wasser in einem großen Bogen von sich schleuderte.
Als wir endlich aufbrachen, war unser Timing perfekt. Wir waren nur etwa fünf Kilometer gefahren, als wir nach einer Kurve einen großen Mähnenlöwen entdeckten, der mitten auf der Ebene links von uns parallel zur Straße schritt. Viele Möglichkeiten, unsere Fahrtrichtung im Auobtal zu beeinflussen, gibt es ja nun eigentlich nicht, aber wir hatten Glück, denn ausgerechnet an dieser Stelle zweigte kurz danach ein Weg ab, so dass wir voller Vorfreude auf den Löwen warten konnten. Dieser tat uns den Gefallen und änderte seine Laufrichtung nicht. So kam er genau auf uns zu und passierte unmittelbar vor uns das Auto.
Er war wirklich ein sehr beeindruckender Bursche, und wir freuten uns mächtig, ihm so nah sein zu können. Lange konnten wir ihn dabei beobachten, wie er stolz die Straße entlang ging, immer wieder die Böschung hinaufstieg, um zu schnuppern und jeden Busch und Strauch zu markieren. So hatten wir die Möglichkeit, vorsichtig an ihm vorbeizufahren und ein Stückchen weiter wieder auf ihn zu warten.
Unser Umeinanderschleichen wiederholte sich ein paar Mal, bis sich der Löwe in den Schatten auf den Weg legte und gähnte. Dann rollte er sich hin und her, leckte seine Pranken und schaute in alle Richtungen. Es war wahnsinnig aufregend, dieses schöne, völlig entspannte Tier zu beobachten.
Wie oft hatten wir schon die riesigen Prankenabdrücke im Sand gesehen, waren ihnen kilometerweit gefolgt in der Hoffnung, irgendwann die oder den Verursacher zu erblicken und hatten enttäuscht aufgegeben, wenn die Spur die Pad verließ und sich im Nirgendwo verlor. Heute hatten wir den Löwen eine ganze Zeit unmittelbar um uns herum und waren schwer begeistert. So waren wir auch nicht enttäuscht, als irgendwann ein weiteres Fahrzeug auftauchte und der Kater aufstand, um ein letztes Mal an uns vorbeizulaufen.
Es sammelten sich immer mehr Autos hinter uns, und so verließ er die Straße und legte sich ein paar Meter neben der Fahrbahn ins Gebüsch. Wir gaben unseren Platz frei und fuhren bestens gelaunt langsam weiter.
Teil 2413. Dez. 2016
An den weiteren Wasserstellen fotografierten wir in erster Linie Giraffen beim Trinken und alle möglichen Vögel.
Unser Fleckenuhu saß noch im selben Eulenbaum wie letztes Jahr.
eine Schar Lappenstare
Lannerfalke
Kaptäubchen
Bis zum Picknickplatz Kamqua brauchten wir den gesamten Vormittag. Dort machten wir eine ausgiebige Mittagspause. Eine Krähe leistete uns Gesellschaft und krächzte und gluckste uns etwas vor.
Maricoschnäpper
Turmfalke
Die Etappe bis Twee Rivieren legten wir dann deutlich schneller zurück. Dort spülte Uwe das Geschirr, während Ruth duschte.
Untermieter im Duschhäuschen von Twee Rivieren
Im Laden besorgten wir am Geldautomaten Rand und kauften Feuerholz. Schließlich brachen wir Richtung Rooiputs auf. Unmittelbar außerhalb des Camps entdeckten wir ein paar Erdmännchen auf der Ebene.
Am ersten Wasserloch standen Oryx-Antilopen, und wir kamen an großen Springbockherden und vielen Gnus vorbei. Immer wieder sind wir von dem Baum mit dem riesigen Webervogelnest beeindruckt.
Kronenkiebitz
Bei Rooiputs bezogen wir unseren Stellplatz Nummer drei. Von diesem hat man eine wunderschöne Aussicht über die Ebene. In der Nähe saßen ein paar Schwarzkopfreiher in den Bäumen.
Mit Sonnenuntergang kehrten auch die Siedelweber zurück. Sie zwitscherten geschwätzig und waren so zutraulich, dass sie uns zwischen den Füßen umherhüpften, als wir unser Lager einrichteten und Feuer machten.
Zum Abendessen grillten wir die nächste Portion Wildfleisch. Im Potje machten wir Blumenkohl- und Möhrengemüse. Ruth legte sich eine Folienkartoffel in die Glut, und außerdem grillten wir wieder Brote mit Knoblauchbutter. Es schmeckte fantastisch. Da der Vollmond erst später aufging, starteten wir nach dem Aufräumen noch eine Zeitrafferaufnahme des Sternenhimmels. Es kühlte zwar wieder ab, war aber immer noch gut auszuhalten.
Kilometer: 145
Teil 2523. Dez. 2016
Tag 16 – Samstag, 23. Juli 2016 – Im Süden des KTP
Rooiputs, KTP
Mit Sonnenaufgang standen wir auf und packten unsere Sachen zusammen. Das ging bei knapp unter null Grad ziemlich schnell, so dass wir rasch aufbrechen konnten.
Vor dem Aufstehen hatten wir bereits immer wieder einen Löwen brüllen gehört und waren so zusätzlich motiviert. Leider war an der Wasserstelle Rooiputs nichts zu sehen. Doch schon ein paar Meter weiter, als wir die Lodge passierten, erblickten wir in weiter Entfernung auf dem Dünenkamm den Verursacher des morgendlichen Gebrülls. Ein großer Mähnenlöwe marschierte parallel zur Straße, tat uns aber nicht den Gefallen, näher zu kommen, sondern behielt stur seine Richtung bei und entfernte sich immer weiter. Auf dem weiteren Weg Richtung Norden sahen wir zunächst noch keine Tiere. Erst bei Kij Kij kam uns ein Fahrzeug entgegen, und der Fahrer machte uns auf fünf Löwen aufmerksam, die oberhalb der Wasserstelle auf den Dünen lagen. Wir entdeckten sie recht schnell, aber das Rudel war sehr träge. Als sich eine Löwin erhob, um ihre Position zu ändern, konnten wir erkennen, dass sie ziemlich vollgefressen war. Vermutlich würden sie den ganzen Tag ausruhen und schlafen.
Nach einiger Zeit fuhren wir weiter nach Norden.
Gaukler
Gleitaar
Fiskalwürger
Weidelandpieper (African Pipit)
Kurz vor dem Rastplatz Melkvlei entdeckten wir schon wieder ein paar Löwen auf einer Düne. Daher gingen wir nur kurz zur Toilette und fuhren dann auf die Straße über die Dünen, von wo wir zwei Löwinnen aus kurzer Distanz beobachten konnten. Im Gegensatz zu denen von Kij Kij sahen sie ziemlich abgemagert aus, lagen aber ebenfalls faul im Gras oder waren von diesem verdeckt.
Auf dem Rückweg ließen zwei Fahrzeuge am Straßenrand auf eine interessante Sichtung hoffen. In einiger Entfernung zur Straße saß eine Gepardin etwas erhöht und hielt Ausschau.
Im Gefolge hatte sie vier Junge, die noch den längeren grauen Nackenpelz und struppige Mähnen hatten. Zunächst lag sie nur da, dann lief sie parallel zur Straße weiter. Ein Junges nach dem anderen folgten ihr in einigem Abstand.
Immer wieder verschwanden sie aus unserer Sicht, dann fingen sie an zu laufen, und ein Schakal mischte sich in die Szene ein. Was genau geschah, konnten wir nicht sehen, aber die Gepardenjungen versteckten sich, und die Mutter pirschte weiter. Als wir sie nicht mehr wiederfanden, fuhren wir weiter.
Teil 2623. Dez. 2016
Wir beeilten uns, nach Twee Rivieren zu kommen, da Mittag bereits vorbei war. Dort tankten wir. Zum Glück gab es am Grenzposten Diesel, denn die Tankstelle wurde zurzeit renoviert. Dann erledigten wir die Grenzformalitäten für Botswana. Im Shop holten wir noch einmal Geld am Automaten und nahmen ein paar Säcke Feuerholz mit – besonders wichtig gegen die abendliche Kälte. Dann fuhren wir auf den Campingplatz, wo wir duschten, das Geschirr spülten und ein Picknick machten. Anschließend pirschten wir einigen Vögeln auf dem Gelände von Twee Rivieren hinterher, die an einem tropfenden Wasserrohr tranken und ihr Gefieder säuberten.
Priritschnäpper
Schwalbenschwanz-Bienenfresser
Weißrücken-Mausvogel
weiblicher Maskenweber
Rotkopfamadine
Schnurrbärtchen
Maricoschnäpper
Elfenastrild
Spät verließen wir das Camp und fuhren wieder bis Kij Kij. Am Rand der Pad entdeckten wir kurz nach Verlassen des Camps ein einzelnes Erdmännchen, welches nach Kameraden oder Feinden Ausschau hielt.
Felsenbussard
Die Löwen lagen noch in etwa an derselben Stelle. Sie hatten sich nur wenig bewegt. Allerdings waren nun auch zwei ausgewachsene Männchen zum Rudel gestoßen. Während das eine gesund und kräftig aussah, humpelte das zweite stark und wirkte ziemlich ramponiert und abgekämpft.
Wir beobachteten sie noch ein wenig, sahen Springböcken beim Springen zu und fuhren dann wieder zurück nach Rooiputs. Wieder erblickten wir ein Erdmännchen. Das putzige, kleine Kerlchen grub wie wild im Sand, hielt aber immer wieder inne, um angestrengt in alle Richtungen zu spähen.
Das letzte Nachmittagslicht war wunderschön. Wieder hatten wir viel gesehen und einige Vögel bestimmt.
Am Camp zogen wir uns warme Sachen an und machten Feuer.
Ein weiteres Stück Wildfleisch landete auf dem Grill. Dazu gab es Folienkartoffeln und Salat mit Tomaten, Gurke und Feta. Wir beeilten uns mit dem Essen, da es heute noch ein wenig kälter wurde. Während wir aßen, raschelte es ständig um uns herum im hohen Gras. Neugierig leuchteten wir immer wieder mit der Taschenlampe. Die reflektierenden Augen konnten wir zunächst nicht genau zuordnen, doch als die Tiere in kleinen Sprüngen hin und her hopsten, erkannten wir, dass es Springhasen waren.
Bei unter fünf Grad kletterten wir schließlich immer wieder von Löwengebrüll begleitet ins Zelt. Es war herrlich, im warmen Schlafsack zu liegen und dem Konzert der Katzen zuzuhören, welches mal von hier und mal von dort aus unterschiedlichen Richtungen und Entfernungen zu uns herüberdrang. Gespannt warteten wir darauf, ob die Löwen uns wohl einen Besuch abstatten würden, aber die hatten offensichtlich Besseres zu tun, denn ihr Brüllen kam nicht mehr näher.
Kilometer: 130
Teil 2730. Dez. 2016
Tag 17 – Sonntag, 24. Juli 2016 – Alles ruhig und kühl
Rooiputs, KTP – Nossob, KTP
Und wieder wurde es ein wenig kälter. Die größte Überwindung kostete es, aus dem warmen Schlafsack zu steigen, den nackten Fuß auf die eiskalte Metallleiter zu stellen und dann in klamme Anziehsachen zu steigen. Minus vier Grad beim Aufstehen, und die Handgriffe saßen, denn unser Ziel war es, möglichst schnell im Auto zu verschwinden und die Heizung auf volle Pulle zu drehen. Wir hatten nachts zwar eine Hyäne gehört, aber keine Spuren rund um unseren Stellplatz gefunden.
Um es vorwegzunehmen: Dieser Tag brachte uns keinerlei besondere Tiersichtungen. Wir fuhren unbehelligt nach Kij Kij, aber von den Löwen war keine Spur mehr zu sehen. Vereinzelt sahen wir ein paar Springböcke oder ein Gnu, sonst war es den Tieren wohl auch zu kalt.
Heute Morgen gehörte der Park den Greifen. Sie saßen in den Baumkronen und sammelten die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Weißrückengeier
Ohrengeier
Raubadler
Lannerfalke
Weiter ging es nach Melkvlei, wo immer noch ein eisiger Wind wehte. Außerhalb des Autos würden Hände und Ohren schnell abfrieren. Diese Aussicht war wenig verlockend, und so gingen wir nur kurz auf die Toilette und verschoben Frühstück oder Picknick wieder einmal auf später. Im Auto gab es lediglich einen Schokomuffin.
Das Picknick machten wir deutlich später am Rastplatz Dikbaardskolk. An diesem Knotenpunkt, bei dem die Straße vom Auobtal einbiegt, war einiges los. Wir staunten über die Berge an Essen, die aus den Trailern der Südafrikaner hervorgezaubert wurden. Da wollten wir nicht hintenan stehen und machten Wurstsalat, den wir mit dem restlichen dunklen Brot aus Swakopmund aßen. In der Sonne war es mittlerweile ganz gut auszuhalten, trotzdem war es alles andere als warm. Im Baum neben uns hüpften verschiedene Vögel umher. Neben dem Rotbauchwürger und ein paar Staren freuten wir uns besonders über den Rotstirn-Bartvogel, der an den Resten eines Koteletts herumpickte.
Anschließend kochte Uwe noch Kaffee. Auf der Weiterfahrt Richtung Nossob entdeckten wir auch weiterhin nichts Besonderes. Ab und an saß ein Greifvogel auf einem Baum, immer wieder liefen Oryx, Gnus und Springböcke über die Ebene. Auch einige Riesentrappen und ein paar Sekretäre waren dabei. Den ganzen Tag zeigte das Auto-Thermometer nicht mehr als 16 Grad an. Die Luft war jederzeit frisch. In Nossob angekommen checkten wir an der Rezeption ein und suchten uns anschließend eine freie Campsite.
Zunächst musste das schmutzige Geschirr vom Vorabend und heute Mittag gespült werden. Das war eine ganze Menge. Danach gingen wir duschen. Campingduschen im südlichen Afrika sind ja eine ganz eigene Welt. Mal hat man Glück, mal weniger. In Nossob zu Zeiten der Camprenovierung eher weniger. Sofern man vorhat, sich tatsächlich auf die hygienischen Bedingungen einzulassen, die meist nicht besonders akzeptabel sind, wählt man eine der Kabinen aus. Wenn man clever ist, eine, bei der noch der Heißwasserhahn vorhanden ist. Andernfalls merkt man das erst, wenn man bereits nackt in der Kabine steht. Der Dübel für den windschiefen Haltegriff hängt nur noch provisorisch in der Wand und entschließt sich im gleichen Moment, in dem man die Kabinentür bewegt, sich zu verabschieden. Haken gibt es grundsätzlich keine oder nur so wenige, dass man all sein Hab und Gut optimal aneinanderketten muss, damit es nicht auf dem Boden in einem Brei aus Staub, getrocknetem Schaum und Haaren landet. Das Sitzbänkchen, welches ursprünglich aus drei waagerechten Latten bestand, hat nun immerhin noch eine und bietet so weder für das Handtuch noch für die Tasche mit Shampoo und Duschgel ausreichend Platz. Irgendwie schafft man es dann, mit so wenig Kontakten wie möglich zu den ganzen losen Griffen und fiesen Oberflächen sich auszuziehen und in die Duschkabine zu stellen. Mit etwas Glück gibt es heißes Wasser – auch mehr als ein paar Tropfen – und mit erheblichem Aufwand, wenn überhaupt möglich, lässt sich die Wassertemperatur so einstellen, dass man sich weder verbrüht, noch erfriert. Meist passiert aber genau eins von beiden, gerne auch beides abwechselnd im 5 Sekunden Rhythmus. Nach einer so erholsamen Dusche holten wir wieder unser Permit ab, tankten und kauften Feuerholz. Dann fuhren wir eine Nachmittagsrunde in den Norden. Wir kamen zwei Wasserlöcher weit: Cubitje Quap und Kwang. Bei beiden war außer Tauben und einem Schakal nichts zu sehen, wobei bei Kwang noch nicht einmal Wasser war.
junger Weißbürzel-Singhabicht
Dafür war das Nachmittagslicht wunderschön, und wir hatten sogar ein paar Wolken am Himmel. So kamen wir wenigstens hinsichtlich der Lichtstimmung auf unsere Kosten.
Zurück in Nossob kauften wir noch ein paar Brötchen. Zum Abendessen machten wir uns nicht viel Arbeit. Wir grillten Boerewors und Brote mit Knoblauchbutter. Die Wurst schmeckte super. Anschließend spülten wir und gingen für eine halbe Stunde in den neu renovierten Hide. Die Renovierung half auch nicht. Am beleuchteten Wasserloch ließ sich kein einziges Tier blicken. Dafür erfuhren wir von einem deutschen Paar, das heute angekommen war, deren Horrorstory vom Hinflug, bei dem sie zwei Tage am Frankfurter Flughafen verbracht hatten und dann in einer Mördertour an einem Tag von Johannisburg über Upington nach Nossob gekommen waren. Bei sechs Grad muckelten wir uns ins Zelt und hofften, dass es bald mal wieder wärmer wird.
Kilometer: 200
Teil 2831. Dez. 2016
Tag 18 – Montag, 25. Juli 2016 – Immer noch ruhig und kühler
Nossob, KTP – Polentswa, KTP
Auch in Nossob war es morgens bitter kalt. Das Problem ist nicht alleine der morgendliche Frost, sondern auch, dass es tagsüber nicht richtig warm wird. Die Luft erwärmt sich nie über 15 Grad. Uwe stand ein bisschen früher auf und kochte heißes Wasser für Kaffee und Tee. Dann klappten wir schnell das Zelt zusammen und starteten den Motor. Zunächst fuhren wir ein paar Kilometer nach Süden und machten den „Marie se Gat“-Loop. Dort sahen wir nichts Besonderes. Als wir auf dem Rückweg waren, entdeckten wir ein Löwenrudel in weiter Entfernung, das zunächst parallel zur Straße lief und sich dann über die Düne noch weiter entfernte. Wieder über Nossob ging es dann nach Norden. Bei Cubitje Quap blieben wir ca. eine Stunde und beobachteten die Tauben und Flughühner, die zum Wasser kamen. Die Flughühner drehten immer erst einige Runden, bevor sie zur Landung ansetzten. Dann standen sie im Wasser und pumpten sich das Nass in ihr Gefieder, bevor sie hektisch wieder starteten. Dieses Mal waren keine Schakale zur Stelle, um sich ein Hühnchen zu rupfen.
Weißbürzel-Singhabicht
Namaflughuhn
Fleckenflughuhn
Bei Kang gab es einige Gnus, aber die Wasserstelle sah wie gestern noch trocken aus.
Auch an den nächsten Wasserstellen war nicht viel los. Oryx und Strauße, Springböcke und Gnus waren unsere Begleiter. Zwischendurch saßen immer wieder Greifvögel auf Bäumen, und manchmal hatten wir auch das Glück, dass sie sitzen blieben, wenn wir anhielten und ein paar Meter zurück fuhren.
Felsenbussard
Kurz vor dem Wasserloch Langklaas sahen wir auf der Ebene einen Geparden. Er war sehr weit entfernt und legte sich bald neben einen Busch. Wir blieben einige Zeit dort stehen, aber er machte keine Anstalten aufzustehen. Er war so weit entfernt, dass wir ihn gerade so mit dem Fernglas ausmachen konnten. Daher fuhren wir bald weiter. In Polentswa besuchten wir zunächst das verwaiste Wasserloch und fuhren dann zum Campingplatz. Zum Glück war dieser nicht besetzt, und wir konnten eine ausgedehnte Pause machen. Wir setzten uns in die Sonne und aßen die Brötchen aus Nossob mit Marmelade, Nutella und Wildschinken. Ruth bastelte eine Vogeltränke, und schlich einigen Piepmätzen und Streifenmäusen hinterher.
Gelbbauchgirlitz
Drosselschnäpper
Brustbandprinie
Abgesehen vom kalten Wind war es sehr entspannt und erholsam. Am Nachmittag brachen wir zu einer kleinen Runde auf. Weiter als zwei Wasserlöcher Richtung Süden fuhren wir allerdings nicht. Auch heute sollte uns das Tiersichtungsglück nicht hold sein. Nirgendwo entdeckten wir etwas Spannendes. Zum Schluss standen wir am Wasserloch Polentswa und beobachteten Springböcke und Tauben.
Gaukler
Dann ging es zur Campsite.
Wir verwendeten viel Holz für ein ordentliches Feuer und setzten uns direkt daneben, um von der Wärme möglichst viel abzubekommen. Zum Abendessen grillten wir Wildfleisch und legten Folienkartoffeln und einen eingewickelten Butternut in die Glut. Anschließend backte Uwe Brötchen im Potije, die sogar ganz gut gelangen.
Im Dunkeln leuchtete Ruth immer wieder die Umgebung ab. Dabei entdeckten wir Schakale und Springhasen. Auch heute Abend kühlte es erheblich ab. Als wir nach dem Aufräumen ins Zelt stiegen, waren es keine drei Grad mehr. So langsam setzt uns die Kälte zu.
Kilometer: 124
Teil 2903. Jan. 2017
Tag 19 – Dienstag, 26. Juli 2016 – Thermischer Tiefpunkt
Polentswa, KTP
OK, wir haben bereits über die Kälte gejammert. OK, wir sind nicht zum ersten Mal um diese Jahreszeit in der Kalahari. OK, wir haben gerade eine Kältewelle. Aber heute Morgen war es fast schon nicht mehr lustig, und Ruths Laune entsprechend den Temperaturen frostig. Uwe kochte Wasser für Tee und Kaffee, wir packten – so schnell man dies mit eiskalten Händen eben erledigen kann – zusammen und waren kurz vor halb sieben startklar.
Am Polentswa-Wasserloch war ein einzelner Springbock, der gerne etwas getrunken hätte. Er lief von einer Ecke der großen Wasserstelle zur anderen, aber immer wieder stieß er mit der Nase auf eine dünne Eisschicht. Etwas verwirrt versuchte er es immer wieder. So kann man in der Wüste auch verdursten.
Wir fuhren südwärts nach Kousant. Dort stand ein großer Kudubulle am Dünenhang. Allerdings konnte er sich auch nach längerer Wartezeit nicht dazu entschließen, sich dem Eiswasser zu nähern. Vielleicht war er aber auch ganz einfach an dieser Stelle festgefroren und konnte sich gar nicht mehr bewegen. Ruth hätte es auf jeden Fall nicht gewundert.
Weiter ging es nach Langklaas und Bedinkt über eine frisch gezogene Piste. Der herrliche Sonnenschein täuschte über die frostige Luft hinweg.
Wie am Vortag sahen wir kaum Tiere, bestenfalls ein paar Antilopen, Strauße oder Ratten. Aber so mussten wir wenigstens nicht allzu oft das Fenster herunterlassen.
Über Kwang gelangten wir nach Cubitje Quap und kamen noch rechtzeitig, um die Flughühner zu beobachten. Leider ließen sich die Schakale auch heute nicht blicken, obwohl wir fast zwei Stunden am Wasserloch blieben. Während Uwe die Hühner im Flug erwischen wollte, weigerte sich Ruth, auch nur einen winzigen Hauch der eisigen Luft ins Auto zu lassen. Auf ihrer Seite konnte der Fensterheber heute Urlaub machen.
Außer den Hühnchen gab es noch jede Menge Tauben, ein paar Böckchen und eine größere Herde Gnus.
Fleckenflughuhn
Kaptäubchen
Weißbürzel-Singhabicht
Teil 3003. Jan. 2017
In Nossob hatten wir ein paar Sachen zu erledigen: Duschen, Geschirr spülen, Picknick mit den selbstgebackenen Brötchen (die übrigens ganz lecker waren), nochmal spülen, tanken und Brennholz kaufen.
Rotschulter-Glanzstar
Nach einem kurzen Besuch im Hide ohne nennenswerte Sichtungen fuhren wir vollbepackt nach Norden.
In der Dusche hatte Uwe von einem Südafrikaner den Tipp bekommen, dass bei Kwang ein männlicher Löwe gegenüber dem Wasserloch liege und schlafe. Tatsächlich entdeckten wir ihn dort reglos unter einem Busch. Wir positionierten uns und warteten. Und warteten. Und warteten. Ein vorwitziger Schakal leistete uns Gesellschaft.
Insgesamt blieben wir zwei Stunden dort. Bis der Löwe zum ersten Mal eine Pranke hob, dachten wir bereits, er wäre tot. Dann kamen immer mehr Fahrzeuge und rangierten hin und her, um auch einen Blick auf das schlafende Tier zu erhaschen. Letztendlich tat sich aber nichts. Wir erfuhren, dass der Löwe wohl schon seit sechs Stunden dort schlief. Weitere Stunden wollten wir dann doch nicht lediglich mit der Aussicht auf ein paar Mähnenhaare dort verbringen und fuhren weiter.
Steppenfalke
Kurz vor Kousant entdeckte Ruth auf der Ebene eine Gepardenmutter mit vier Jungen an einem frisch gerissenen Springbock. Da hätten wir besser nicht so lange beim faulen Löwen gewartet, denn eine Jagd auf der offenen Ebene wäre auf jeden Fall spannender gewesen. Die Geparde fraßen, wobei die Jungen ständig um ihre Mutter herumwuselten. Wir beobachteten die Szene aus ca. 80-100 Metern Entfernung. Schade, dass wir nicht näher an die Tiere heran kamen.
Leider mussten wir bald weiter und brachten die letzten Kilometer bis Polentswa hinter uns. Dort mussten wir feststellen, dass unser Campingplatz mal wieder belegt war. Auf Krawall gebürstet fuhren wir auf den Platz und stellten die Südafrikaner zur Rede. Das Pärchen hatte bereits sein Lager aufgeschlagen, das Feuer brannte. Sie hätten eine Reservierung für Polentswa, eine spezielle Stellplatznummer aber nicht. Man habe ihnen gesagt, sie sollten sich einen freien Platz aussuchen. Da bisher noch alle frei waren, hatten sie sich für Nummer 1 entschieden, da dieser der schönste sei. Ach, welch Überraschung! Wir erklärten ihnen deutlich, dass wir eine explizite Reservierung für Nummer 1 hatten und ließen uns ihre Reservierung zeigen. Darauf stand: „Polentswa Reserve“, nichts weiter, keine Nummer. Die beiden weigerten sich, den Platz zu verlassen, da sie aus ihrer Sicht keinen Fehler gemacht hatten. Das konnten wir nicht widerlegen, ärgerten uns aber dennoch. Sie luden uns ein, den Platz mit ihnen zu teilen, wir zogen es aber vor, alleine zu stehen und wichen auf Nummer 2 aus, nachdem wir unsere Vogeltränke, die Kerzen und die Wäscheleine eingesammelt hatten. In Polentswa sollte man auf jeden Fall mit einem größeren, deutlich sichtbaren Handtuch den Platz markieren. Wie letztes Jahr hatten wir Diskussionen und Ärger. Den schoben wir aber schnell beiseite, um uns den Abend nicht verderben zu lassen. Wir machten ein großes Feuer und grillten die letzte Portion Wildfleisch. Zusammen mit Feta-Gurke-Tomaten-Salat ließen wir es uns schmecken. In der Nähe heulten Schakale, ein paar Springhasen hüpften durch die Dunkelheit.
Kilometer: 128
Teil 3105. Jan. 2017
Tag 20 – Mittwoch, 27. Juli 2016 – Richtung Norden
Polentswa, KTP – Thupapedi, KTP
Reden wir heute mal nicht vom Frost, obwohl er natürlich da war. Wir hörten schon die halbe Nacht und den ganzen Morgen vor dem Aufstehen Löwengebrüll. Es waren zwei Stimmen, und wir orteten sie aus Richtung der Polentswa-Pan. Sobald wir aufstehen wollten bzw. durften, entdeckten wir die beiden Burschen ganz am anderen Rand der Pfanne, bestimmt einen Kilometer entfernt. Ihr Brüllen reichte aber ohne Schwierigkeiten zu uns herüber.
Wir packten schnell alles zusammen und fuhren pünktlich um halb sieben los. Leider lagen die Löwen von der Straße aus gesehen hinter einer Düne, so dass sie weder von dort noch vom Wasserloch aus zu sehen waren.
Daher blieben wir nicht lange in der Gegend und fuhren nach Süden, um zu sehen, was mit dem Springbock-Kill der Gepardin geschehen war. Wider Erwarten war sie immer noch dort, und ihre vier Jungen spielten in der Morgensonne. Es waren herrliche Szenen, wie die vier einander jagten und mit ihrer Mutter schmusten. Leider lag die Geparden-Familie noch genau so weit von der Straße entfernt wie gestern, und so konnten wir leider nur mit dem Fernglas etwas erkennen und schlechte Fotos mit dem Teleobjektiv machen. Zwischendurch kam ein Schakal vorbei, und wir vermuteten bereits, er würde versuchen, ein Stück Springbock zu stiebitzen, aber er schaute nur interessiert (und wahrscheinlich hungrig) und lief dann wieder weiter.
Wir fuhren wieder zurück nach Norden. Bei Kousant waren in der Zwischenzeit ein paar Oryx und ein Schakal eingetroffen.
Dann ging es weiter nach Polentswa. Am Wasserloch stand ein Safariwagen der Lodge, und wir sahen gerade noch, wie sich der zweite der beiden Mähnenlöwen vom Wasserloch erhob und seinem Begleiter folgte. Die beiden entfernten sich rasch, ohne sich noch einmal umzusehen. Schade. Da waren wir wohl ein paar Minuten zu spät gekommen. Wir gaben dem Fahrer des anderen Wagens noch den Tipp mit den Geparden und machten uns dann auf den Weg weiter nach Norden. Bei Lijersdraai frühstückten wir. Während wir Müsli und Brötchen aßen und Kaffee und Tee tranken, kamen viele Vögel zu Besuch: Glanzstare, Chestnut Tit Babbler, Marico Flycatcher und Schnurrbärtchen. Teilweise waren sie so zutraulich oder vorwitzig, dass sie auf den Tisch und unsere Teller hüpften. Außerdem liefen wieder zahlreiche Streifenmäuse unter den Büschen umher. Die Luft war zwar noch kalt, aber in der Sonne konnten wir es gerade so aushalten.
Maricoschnäpper
Siedelweber
Auf der weiteren Strecke entdeckten wir keine besonderen Tiere. Dafür aber zahlreiche, kleine Termitenhügel. Die Landschaft war plötzlich übersäht von den kleinen weiß-grauen Hullerchen.
Teil 3205. Jan. 2017
Hinter dem Wasserloch Kannaguas bogen wir auf die Strecke Richtung Kaa-Gate ein. Sofort wechselte die Straße zu einer einspurigen Sandstraße mit viel Wellblech. Wir fuhren Kalahari-Sanddünen hinauf und hinunter und rappelten uns vorwärts.
Über Gnus-Gnus ging es weiter Richtung Kaa. Hier im nördlichen KTP sahen wir einige Wiedehopfe, konnten aber keinen einzigen fotografieren. Ruth entdeckte noch einen Streifenliest. Auf den letzten 25 Kilometern sahen wir zwei Erdmännchen-Kolonien. Bei der ersten wuselten die flinken Kerlchen im hohen Gras umher, stellten sich aber sehr kooperativ auf einem umgestürzten Baum in Pose, als wir anhielten.
Die zweite Kolonie war eher eine Art Wohngemeinschaft. Auf der Ebene saßen sie mit Zebramangusten und Erdhörnchen in einer großen Gruppe beisammen. Ein paar Kilometer vor unserem Ziel passierte es. Nichts wirklich Schlimmes, aber Uwe passte nicht auf und fuhr mitten durch einen großen Scheißhaufen, der genau auf der Spur lag. Leider war dieser riesig und noch sehr frisch, und es gibt auch keine Elefanten oder Zebras im KTP. Das feuchte Zeug spritzte mit Schmackes in die Radkästen und klebte auch seitlich an den Reifen. Im ersten Moment könnte man meinen, das ist ja ganz lustig. Fortan stank es aber so bestialisch, dass wir das Fenster nicht mehr öffnen konnten. So ein Mist. Bei Thupapedi errichteten wir unser Lager etwas weiter vom Auto entfernt als üblich. Ruth ordnete das Bettzeug neu, und wir lüfteten die Schlafsäcke.
Kalahari-Heckensänger
Uwe probierte die ins Auto integrierte Dusche mit Gas-Durchlauferhitzer aus. Sie funktionierte prima, und er duschte neben dem Wagen. Dann machten wir Feuer und backten im Potije Pizza. Sie gelang sehr gut, und da wir sie dick belegten, reichten heute „nur“ zwei Stück aus.
Ruth stellte rund um das Lager Kerzen auf, und wir genossen den Abend. Ein Weißbürzel-Singhabicht landete direkt neben dem Auto. Möglicherweise hatten wir uns neben seinen Schlafbaum gestellt. Morgen erwarten uns eine lange Fahretappe bis Ghanzi und heute Nacht mal wieder Minusgrade. Beim Zubettgehen waren es unter drei Grad. Aber wir wollten heute ja nicht von Frost reden.
Kilometer: 144
Teil 3308. Jan. 2017
Tag 21 – Donnerstag, 28. Juli 2016 – Abschied vom KTP
Thupapedi, KTP – Thakadu Bushcamp, Ghanzi
Die Campsite in Thupapedi besuchen wir nun schon das dritte Jahr in Folge, und der Ort gefällt uns sehr. Es gibt zwar keine Infrastruktur, und selbst die Feuerstelle ist etwas zerbröselt, aber die Lage ist einfach nett. Der Morgen war wie erwartet eisig. Uwe kochte Kaffee, und wir packten alles zusammen. Schon früh brachen wir auf, denn heute stand uns bis Ghanzi eine lange Tagesetappe bevor. Während der ersten Kilometer am Rand der Pfanne freuten wir uns über das erste Morgenlicht, dann bogen wir nach Osten Richtung Kaa-Gate ab.
Gabarhabicht
Innerlich hatten wir uns bereits damit abgefunden, dass die Ausbeute in diesem Jahr im KTP etwas enttäuschend war. Wir hatten zwar ein paar Geparden und Löwen gesehen, aber bis auf unseren ersten Löwen alle recht weit entfernt. Außerdem waren die Tage um Polentswa und Nossob herum sehr ruhig gewesen. Gerade hatte Ruth noch geäußert, dass sich in einer ganzen Woche KTP ja wenigstens ein einziger Leopard hätte blicken lassen können, als er auch schon – hex, hex – vor uns über die Pad lief. Nicht zu fassen, ein stattlicher Leo! Er entfernte sich zunächst, blieb dann aber noch einmal kurz stehen und drehte sich zu uns um. Nur ein paar Augenblicke lang schenkte er uns seine Aufmerksamkeit, bevor er verschwand. Wie schnell man doch wieder versöhnt sein kann.
Am Kaa-Gate trafen wir auf einen Parkranger, der uns direkt fragte, wo wir übernachtet hätten und vor allem, wie wir dorthin gekommen seien. Denn den Weg über das Gate hatten wir am Vortag wohl nicht genommen. Wir gaben zu, die Abkürzung über Gnus Gnus gefahren zu sein. Er wies uns sehr deutlich darauf hin, dass es sich dabei nicht um eine offizielle Straße, sondern um einen illegalen Weg handele. Wir entschuldigten uns, führten jedoch an, dass dort kein Hinweis stehe, der die Zufahrt – wie an anderen Stellen – verbiete. Er erklärte noch einmal unmissverständlich, dass nur die auf der Karte eingezeichneten Wege befahren werden dürften und alle anderen Strecken tabu seien. Er war sehr ärgerlich, da Verbotsschilder von Touristen entfernt und so eigenmächtig neue Wege im Park angelegt würden. So etwas wollten wir natürlich auch nicht unterstützen. Der Mann hatte vollkommen Recht, und wir versicherten ihm, in Zukunft den Umweg über das Gate zu nehmen. Danach fragten wir nach den Reservierungsmodalitäten für die botswanischen Campsites, da wir nun schon zum zweiten Mal in Folge Scherereien in Polentswa gehabt hatten. Er erklärte uns, dass die Notiz „Polentswa Reserve“ auf dem Permit der Südafrikaner die Reserve-Campsite hinter Nummer 3 gemeint habe. Sie seien also im Unrecht gewesen, unseren Platz zu besetzen. Nur für den Fall, dass eine Campsite leer geblieben wäre, hätten sie ihren Reserveplatz verlassen dürfen. Das nächste Mal wissen wir Bescheid: Es gibt niemals eine Reservierung mit freier Platzwahl. Ob uns das in Zukunft helfen wird, wenn unser Platz wieder besetzt ist und nicht geräumt werden will, ist allerdings fraglich. Zumindest können wir dann selbstsicherer auftreten und evtl. das Autokennzeichen am Gate melden. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile sehr nett mit dem Ranger, und er erklärte uns noch den weiteren Weg nach Hukuntsi.
Wir begaben uns auf die Transitstrecke durch das Kaa-Konzessionsgebiet nach Zutshwa. Die Strecke führte durch eine wunderschöne Landschaft, die zwischen grünen, mit Bäumen bestandenen Ebenen, Salzpfannen mit unterschiedlich viel Vegetation und Buschsavanne abwechselte. Die Straße war sandig und gut zu fahren. Wir waren erst ein paar Minuten außerhalb des Parks, als eine braune Hyäne ins Blickfeld geriet. Sie kümmerte sich nicht um uns und setzte ihren Weg fort. Leider führte dieser seitlich von uns weg, so dass wir das Tier lediglich von schräg hinten beobachten konnten.
Ein paar Kilometer weiter gelangten wir an eine große Salzpfanne, die wir halb umrundeten. Ein paar einzelne Fahrspuren führten quer über die Pfanne, der eigentliche Weg aber eindeutig am Pfannenrand entlang. Brav hielten wir uns an unser soeben gegebenes Versprechen, nur noch die ausgewiesenen Strecken zu befahren und wurden prompt belohnt. Auf der gegenüberliegenden Seite angekommen entdeckten wir ein paar Erdmännchen neben ihrem Bau. Zunächst verkrochen sie sich darin, als wir uns näherten. Nachdem wir den Motor abgestellt und ruhig gewartet hatten, lugten sie aber schon bald aus ihrem Loch und krochen schließlich wieder ganz heraus. Sie flitzten direkt neben unserem Auto hin und her und hielten wachsam Ausschau.
Obwohl Uwe nach 20 Minuten bereits mehrfach zur Weiterfahrt gemahnt hatte, konnte sich Ruth nicht losreißen.
Teil 3408. Jan. 2017
Das war noch weniger möglich, als sie ganz entfernt, am anderen Ende der Pfanne eine Bewegung wahrnahm. Mit dem Fernglas erkannte Ruth mehrere Löwen auf ihrem direkten Weg zu uns. Selbstverständlich war nun auch Uwe rasch überzeugt, einfach an Ort und Stelle zu bleiben.
Es handelte sich um eine Mutter mit drei jungen Löwen. Sie kamen nicht nur direkt auf uns zu, sondern fanden unser Auto offensichtlich ganz interessant. Während sich die Mutter in einiger Entfernung an den Rand der Pfanne legte, kamen die Junglöwen ganz nahe heran.
Einer nach dem anderen umrundete neugierig unser Auto, dabei schnupperten sie immer wieder am Wagen. Näher ging es nicht. Die Löwen hatten es ganz offensichtlich nicht eilig, und wir hatten sie ganz für uns alleine. Zwischendurch fotografierten wir nicht und schlossen die Fenster, da uns die Löwen für offene Scheiben doch etwas zu nah waren. Wir beobachteten uns gegenseitig, und ihre Blicke gingen uns durch und durch. Es war unbeschreiblich, diese schönen Tiere so unmittelbar neben dem Auto zu haben.
Noch nie hatten sich Löwen so intensiv um unser Auto gekümmert. Ob es an dem Haufen lag, den wir gestern dummerweise mitgenommen hatten und dessen Überreste immer noch in unserem Radkasten klebten, wissen wir nicht, aber auffällig war das Verhalten der Löwen auf jeden Fall. Beim Schneiden des Videos ist der Ton verschüttgegangen. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlimm, denn wir haben festgestellt, dass wir einen ganz schönen Quatsch geflüstert haben.
Wir blieben sehr lange dort stehen. Die Löwen legten sich bald ein paar Meter entfernt hinter das Auto.
Wir hätten noch ewig dort bleiben können, mussten aber leider weiter. Schweren Herzens rissen wir uns los und fuhren weiter durch die schöne Landschaft.
In Zutshwa wurden wir von einem Mann angehalten, um die Transitgebühr für das Konzessionsgebiet zu zahlen. Sein Name war Nature. Wir trugen unsere Daten in die Quittung ein und bezahlten. Es gab wie so oft auf Anhieb kein Wechselgeld. Aber Nature nahm uns mit durch den Ort zu verschiedenen Shops, um das Wechselgeld zu bekommen. Während er entweder auf dem Seitenbrett oder der Bullbar des Autos stand bzw. saß, kurvten wir zwischen den Hütten herum und an abgemagerten Hunden vorbei. Bald war das Wechselgeld aufgetrieben, und wir verabschiedeten uns.
Kurz hinter dem Ort pumpten wir Luft in unsere Reifen und fuhren dann wieder etwas flotter auf einer guten Gravelroad nach Osten.
Ab Hukuntsi ging es dann auf Teer weiter nach Kang. An der Tankstelle gab es keinen Geldautomaten, und auch der Schnellimbiss machte keinen sehr einladenden Eindruck. So begnügten wir uns mit Biltong, einem trockenen Brötchen und Chips als Wegzehrung. Nun waren es noch 260 Kilometer bis Ghanzi. Wir verwarfen unseren ursprünglichen Plan, bis El Fari zu fahren, das nochmal 60 Kilometer hinter Ghanzi liegt. So steuerten wir das Thakadu Buschcamp an. Entlang der Hauptstraße sahen wir dutzende Steinböckchen, die dort im Abendlicht nach Nahrung suchten. Es herrschte nicht viel Verkehr.
Dennoch waren wir müde und froh, in Thakadu anzukommen. Zum Glück gab es einen freien Stellplatz. Wir duschten und gingen ins Restaurant des Camps. Dort aßen wir Butternut- und Spinatsuppe und anschließend einen Burger und Elandsteak. Außerdem gab es WLAN, und so konnten wir uns auch zu Hause melden. Ein langer, aber sehr ereignisreicher Tag ging zu Ende. Leider war es auch in Ghanzi wieder kalt am Abend.
Kilometer: 544
Teil 3511. Jan. 2017
Tag 22 – Freitag, 29. Juli 2016 – Erledigungen in Maun
Thakadu Bushcamp, Ghanzi – Maun Rest Camp, Maun
Plötzlich stellen wir fest, dass wir bereits die Hälfte unserer Reise hinter uns haben. Das ist schade. Auch heute Morgen hatten wir knappe Minusgrade, was Uwe aber nicht davon abhielt, Kaffee und Tee zu kochen und in der ersten Morgensonne Müsli zu essen. Da wir uns viel Zeit ließen, kamen wir erst spät von Thakadu los. An der Wasserstelle sahen wir noch eine Herde Elands.
Unser erster Weg führte uns ins Zentrum von Ghanzi, um Geld zu holen. Der erste Geldautomat wurde gerade neu befüllt. Der zweite funktionierte, spuckte aber nur 50 Pula-Scheine aus. Mit vollen Taschen kam Uwe zurück ans Auto. Wir statteten dem Craft-Shop der San noch einen Besuch ab und kauften ein paar Kleinigkeiten. Auch ein Botswana-Hemdchen vom Straßenstand musste unbedingt noch mit. Das Land feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen, und die halbe Bevölkerung läuft in diesen schwarz-weiß-blauen Oberteilen herum. So erstand Ruth mit ein wenig Feilschen ebenfalls ein solches Shirt.
Am gerade befüllten Geldautomaten versuchten wir erneut unser Glück, aber es kamen schon jetzt keine Scheine mehr heraus. Diesmal lag es auch nicht an der falschen Kreditkarte. 😉
Die nächste Station war die Puma-Tankstelle, wo wir Diesel auffüllten. Eigentlich hatten wir uns darauf verlassen, im Shop der Tankstelle wie letztes Jahr gefrorenes Wildfleisch kaufen zu können. Aber leider war dieses gerade nicht erhältlich. So fuhren wir weiter Richtung Maun. Die Strecke von über 250 Kilometern zog sich sehr. Bei den Ortschaften mussten wir immer auf 80 oder 60 Stundenkilometer abbremsen, es gab auch eine Polizeikontrolle. An den Veterinärkontrollen wurden wir durchgewunken. Neben der Hauptstraße beobachteten wir, wie sich eine Schar Geier über die Reste einer vermutlich überfahrenen Kuh hermachte.
In Maun herrschte Rushhour. Es war Ende des Monats, alle Leute standen in Schlangen vor den Geldautomaten und in sämtlichen Geschäften. Auch auf den Straßen herrschte das totale Chaos, und wir krochen vorwärts, was uns aber nicht besonders viel ausmachte, da es im bunten Straßengetümmel immer etwas zu sehen gab. Zuerst versuchten wir bei einem Metzger Fleisch zu bekommen, aber dieser hatte geschlossen. Erst bei Delta Deli, wo wir sowohl gefrorenes als auch frisches Kudu-Fleisch bekamen, hatten wir mehr Glück. Dann ging es endlich zu Hilary’s Coffee Shop. Wir waren die einzigen Gäste und aßen Jumbo-Sandwich, Quiche mit Salat und anschließend Pekanuss-Kuchen und Schoko-Brownie. Wir freuen uns nicht umsonst ein ganzes Jahr lang darauf. Alles schmeckte wie immer ganz ausgezeichnet und fühlte sich nach echtem Urlaub an.
Danach fuhren wir zum Souvenirshop Wax Apple von Mel Oake und waren ein wenig enttäuscht, da die Keramik-Teile wohl nicht mehr verkauft werden. Anschließend ging es in den nächstgelegenen Spar-Supermarkt zum Einkauf für die nächsten Tage im Moremi. Da wir dort nicht alles bekamen, statteten wir auch dem anderen Spar im Ort noch einen Besuch ab. Während Ruth im Auto wartete, stürzte Uwe sich ins Gewimmel. Dann benötigten wir zwei Tankstellen, um die richtige Sorte Diesel zu finden und einen weiteren Stop beim Liquor-Store, um die Vorräte an Bier und Tonic-Water aufzustocken. Endlich hatten wir alles erledigt und fuhren zum Maun Rest Camp. In unserer Planung hatten wir offen gelassen, ob wir die Nacht in Maun verbringen oder noch bis zum Kaziikini-Camp weiterfahren würden. Die vielen Erledigungen hatten jedoch auch viel Zeit in Anspruch genommen. Beim Maun Rest Camp nahmen wir nach Gewohnheit die erste Einfahrt und landeten im Hinterhof. Vor einiger Zeit wurde das Camp an das Old Bridge Backpackers angegliedert und hat seitdem eine andere Rezeption und eine neue Einfahrt. Zum Glück gab es noch eine freie Campsite für uns, die wir uns mit einer belgischen Familie teilten. Wir unterhielten uns ein wenig mit den Belgiern und gingen dann duschen. Zwei Stellplätze weiter standen zwei Männer aus Dortmund. Die mussten ja nett sein! Und da wir nach dem Besuch bei Hilary’s keinen Abendessen-Hunger mehr hatten, saßen wir abends noch lange mit den beiden zusammen. Sie haben innerhalb von zwei Wochen eine Mörderstrecke zurückgelegt. Von Windhoek sind sie über Sossousvlei, Swakopmund, Twyfelfontein, Etosha, Caprivi, Vic-Falls, Kasane, Chobe-River-Front, Savuti und Third-Bridge bis Maun gekommen. Wir konnten nur staunen. Es war ein sehr langer Abend mit vielen Afrika-Geschichten, so dass wir erst gegen Mitternacht ins Bett kamen. Das lag sicher auch an den endlich wieder angenehmen Temperaturen, über die wir uns sehr freuten.
Kilometer: 311
Teil 3615. Jan. 2017
Tag 23 – Samstag, 30. Juli 2016 – In den Moremi
Maun Rest Camp, Maun – South Gate, Moremi
Während der Nacht quietschte über uns im Geäst ein Flughund wie ein rostiges Windrad und wurde morgens von einem vielstimmigen Vogelkonzert abgelöst. Hurra. Die Nacht und der Morgen waren warm. Das erste Licht am Thamalakane war sehr idyllisch.
Wir ließen uns viel Zeit, redeten noch ein wenig mit der Familie aus Belgien und den zwei Dortmundern. Dann schlichen wir noch ein paar Vögeln hinterher. Über dem Fluss rüttelten Eisvögel, Drosslinge schnatterten im Gebüsch, und eine Drossel kämpfte in der Autoscheibe mit einem imaginären Rivalen.
Hartlaub's babbler
Rotschnabeldrossel
Wir packten in Ruhe alles zusammen und fuhren zum Frühstück erneut zu Hilary’s Coffee Shop. Auf dem Weg dorthin holte Uwe noch Bargeld. Wir bestellten uns ein Frühstück mit Toast, Marmelade, Spiegelei, gebratenem Speck und Bratkartoffeln. Es war sehr reichlich und wie immer total lecker. Anschließend besorgten wir in Maun noch letzte Kleinigkeiten. In einem als Disko getarnten Bottlestore wollte Uwe Wein kaufen. Die afrikanische Pop-Dudelmusik war ohrenbetäubend, zumindest für ihn. Ruth schien das nicht zu stören, ganz im Gegenteil. Während sie sich halb tanzend durch den Laden bewegte, befürchtete er Schlimmes. Und er sollte Recht behalten. Die Jungs am Infoschalter konnten auf die Frage nach dem Interpreten nur entschuldigend mit den Schultern zucken. Noch mal Schwein gehabt, freute sich Uwe zu früh. Die Musik und die Lieder seien bunt gemischt auf einem USB-Stick. Zwei, drei Augenaufschläge und eine ganz kleine Diskussion später war Uwe einverstanden und trabte schicksalsergeben zum Auto, um sein Netbook zu holen. Kurzentschlossen wurde die Musik im Bottlestore abgedreht, und wir durften uns die Dudelei kopieren. Welch Freude! Bestens ausgerüstet und mit neuer Verpflegung an Bord ging es dann endlich los Richtung Moremi.
Zwischen Maun und Shorobe kauften wir noch eine große Menge Brennholz für die kommende Woche und wurden auf der Rüttelpiste sehr durchgeschüttelt.
Aber auch das Wegstück nach dem Abzweig zum South Gate war so schlecht wie noch nie. Wo man früher gemütlich durch den Wald fahren konnte, rumpelten wir diesmal von einem Schlagloch zum nächsten.
Weißscheitelwürger
Nach dieser Tortur kamen wir am Gate an und bezahlten den Parkeintritt für eine Woche: etwas über 2000 Pula. Als wir unseren Campinplatz Nummer 4 suchten, standen dort drei Autos mit Holländern. Die machten jedoch nur eine Mittagspause und entschuldigten sich, unseren Platz besetzt zu haben. Nachdem sie gefahren waren, machten wir uns breit, spannten eine Wäscheleine und wuschen einige Sachen, die schnell in der Sonne trockneten. Dann gingen wir duschen. Die Waschräume waren ziemlich sauber.
Teil 3715. Jan. 2017
Gegen halb vier brachen wir zu einer Nachmittagsrunde durch den Park auf. Auf dem Weg lag ein Schlankichneumon im Schatten und lief erst davon, als wir ganz nah waren. Ein Frankolin mit winzigen Küken marschierte schnell ins Gebüsch. Wir bogen in Richtung der Lagunen ab und sahen einige Zebras.
Büffelweber
Bei den Xini-Lagoons sollte eine von Löwen gerissene Giraffe zu finden sein. Die und auch die Löwen sahen wir leider nicht, stellten aber fest, dass die gesamten Lagoons trocken lagen. Lediglich an einer Stelle gab es noch Wasser, und dorthin kamen natürlich viele Tiere. Wir sahen eine Herde Elefanten, von denen ein paar Bullen direkt auf uns zuliefen. Zwei kämpften miteinander und schoben sich mit viel Staub hin und her.
Ein Sattelstorch und viele Nilgänse saßen am Wasser. Darin stand eine Letschwe-Antilope. Zebras liefen über die Ebene, ein paar Leierantilopen standen herum, und aus einem Hügel schauten neugierig ein paar Zwergmangusten.
Weite Ebenen der Lagoons waren nicht nur trocken, sondern auch verbrannt. Schwarze Flächen mit teilweise schon frischen grünen Halmen erstreckten sich bis zum Horizont. Daraus ragten vereinzelt ein paar größere Termitenhügel empor.
Ein paar Minuten waren wir nicht sicher, den richtigen Weg zurück zum South Gate zu finden, aber dann waren wir dank GPS wieder auf dem Hauptweg und beeilten uns zurückzukommen. Die Dame am Gate hatte gesagt, dass man abends bis 18.30 Uhr und morgens ab 6.00 Uhr fahren dürfe. Da die Sonne kurz vor 18.00 Uhr aber schon sehr tief stand, vermuteten wir, dass es genau umgekehrt sein müsse. Ein paar Minuten nach sechs kamen wir zurück ins Camp. Leider waren Sarah und Philipp offensichtlich nicht eingetroffen. Unsere erwarteten Reisepartner für die kommenden Tage hatten es heute wohl noch nicht bis zu uns geschafft. Per Telefon erreichten wir die beiden auch nicht und hoffen nun, dass sie morgen eintreffen werden. Wir machten Feuer und stellten fest, dass wir wohl viel zu viel Holz gekauft hatten. So können wir wenigstens jeden Abend ein schönes großes Lagerfeuer machen. Wir grillten Kudusteaks, die leider etwas zäh waren. Dazu gab es Salat mit Gurken, Tomaten, Möhren und Feta. Zusammen mit dem Dressing von Hilary schmeckte er sehr gut und machte uns kaum Arbeit. Außerdem rösteten wir Brot und aßen es mit Knoblauchbutter. Als wir noch ein wenig draußen saßen, tauchten nacheinander zwei Tüpfelhyänen auf. Wenn sie uns zu nah kamen, sprangen wir auf und verscheuchten sie. Ab und an hörten wir ihre Uuuuuopp-Unterhaltung in einiger Entfernung. Es war herrlich! Bevor wir ins Zelt krabbelten, installierten wir die Wildkamera. Wir hörten eine Hyäne unmittelbar neben dem Auto auf und ab laufen. Als wir aus dem Zelt blickten, schnüffelte sie an unserer Feuerstelle, konnte aber zu ihrer Enttäuschung nichts finden. Bei der Nachbarcampsite war sie wohl erfolgreicher. Mit lautem Geschepper wurde eine Mülltüte geleert und deren Inhalt zerlegt. Morgen Vormittag wollen wir zu den Black Pools fahren und hoffen, dass unsere Reisepartner eintreffen.
Kilometer: 145
Teil 3819. Jan. 2017
Tag 24 – Sonntag, 31. Juli 2016 – Gejagt
South Gate, Moremi
Gegen Morgen erwachten die Meerkatzen in den Bäumen über uns und raschelten in den Zweigen. Wir ließen uns mit dem Aufstehen etwas Zeit und krochen erst bei Helligkeit aus den Schlafsäcken. Uwe trank Kaffee, und wir frühstückten nur eine Kleinigkeit, während jeder unserer Handgriffe vom Affenpack mit scheinbar gelangweilter Mine verfolgt wurde. In großen Sprüngen näherten sich die kleinen Diebe und saßen schließlich in den Bäumen unmittelbar um unseren Tisch herum. Manch einer rutschte vom Stamm hinunter, schlenderte langsam in einem großen Bogen an uns heran, um dann blitzschnell mitten auf dem Tisch zu sitzen. Aber wir Spielverderber hatten längst alle interessanten Dinge wieder verpackt, und so trollte sich die ganze Bande langsam zum nächsten Platz. Kaum war der Trupp abgezogen, erschien der nächste. Geschwätzig krakeelend hüpfte eine Schar Drosslinge um unser Auto und suchte nach Krumen.
Als wir alles zusammengepackt hatten, fuhren wir kurz zum Gate und fragten noch einmal nach den Öffnungszeiten des Parks. Von morgens 6.00 bis abends 18.30 Uhr erschien uns doch sehr lang. Aber der Ranger bestätigte diese Angaben. So hätten wir auch die Möglichkeit, nachtaktive Tiere zu sehen. Eigentlich hatten wir geplant, in die Black Pools Region zu fahren. Aber zwei Deutsche erzählten uns noch auf der Campsite, dass sie gestern im nördlichen Teil der Xini-Lagoons Löwen mit einem Zebrariss gesehen hätten. Also fuhren auch wir wieder in diese Gegend. Die Xini-Lagoons sind sehr weitläufig und insbesondere in diesem Jahr ziemlich trocken, so dass die meisten Teile befahren werden können. Wir drehten eine große Runde, fanden die Löwen aber nicht, wenn wir mal davon ausgehen, dass sie sich nicht zwischenzeitlich in eine Herde Büffel verwandelt hatten.
Stattdessen entdeckten wir viele Impalas, Giraffen, Zebras, ein Steinböckchen und einen Wollkopfgeier.
Kaptäubchen
Kuckuck
Bei Bienenfressers stand heute Libelle bleu auf dem Speiseplan. Während uns zuvor kein einziges dieser Insekten aufgefallen war, hatten die Zwergbienenfresser wohl deutlich bessere Augen. Und sie waren erfolgreich. Eine Libelle nach der anderen wurde anvisiert, in geschicktem Kurvenflug geschnappt, manchmal noch mit Hilfe eines Astes kurz gewendet und verschwand dann mit Bein und Flügel im Vogelmagen.
Wir blieben lange dort stehen und bewunderten die Flugkünste und den Jagderfolg der Vögel.
Senegalamarant (Red-billed Firefinch)?
Gabelracke
Teil 3919. Jan. 2017
Auf einer Ebene stand am Rande eines Tümpels eine Herde Letschwe-Antilopen. Im verbleibenden Restwasser räkelte sich ein einzelnes Hippo. Die Letschwes ließen sich durch uns nicht stören, sondern lagen im Gras oder fraßen.
Ein paar Pelikane zogen ihre Kreise.
Wir folgten der Fahrspur noch ein kleines Stück, bis wir vor dem verbliebenen Wasserarm standen und uns nicht weitertrauten, da der Untergrund matschig aussah und die Wassertiefe nicht genau auszumachen war. Also drehten wir um. In der kurzen Zwischenzeit, in der wir die Moorantilopen verlassen hatten, war das Hippo aus seiner Badewanne gestiegen und schaute nun missmutig zu uns herüber. Keine Sorge, wir würden gleich weg sein.
Als wir aber weiterfahren wollten, erblickten wir hinter einem großen Termitenhügel im hohen Gras den Kopf einer Löwin. Sie beobachtete die Letschwe-Herde genau, entfernte sich dann aber wieder ein Stück.
Es war gar nicht so einfach, sie zwischen den langen Halmen nicht aus den Augen zu verlieren. Schließlich passierte es doch, und so fuhren wir wieder im Kreis um das Inselbuckelchen herum bis zu der Stelle, an der wir zuvor gewendet hatten. Und tatsächlich: Da war sie wieder! In einem großen Bogen näherte sie sich nun den Antilopen von der anderen Seite.
Sie schaute immer wieder aufmerksam zu ihnen hinüber und pirschte sich weiter an.
Wir stellten das Auto günstig und hatten bald die Letschwe auf der linken, die Löwin auf unserer rechten Seite im Blick. Gespannt beobachteten wir, wie sich die Löwin einen geeigneten Platz suchte. Sie wechselte ständig ihre Position und achtete sehr darauf, nicht entdeckt zu werden.
Schließlich legte sie sich in etwa 40 Metern Entfernung von den Antilopen hinter ein Graspuschelchen und wartete.
Wir warteten auch.
Teil 4019. Jan. 2017
Die Letschwe hoben zwar ab und an den Kopf, schienen aber nichts Verdächtiges zu bemerken – kein alarmierendes Schnauben und keine nervöse Flucht in hohen Sätzen.
Eine Elefantenherde zog in einiger Entfernung vorbei, wirbelte mächtig Staub auf und erweckte für einen Moment die Aufmerksamkeit der Löwin.
Dann warteten wir weiter. Während uns und der Löwin zunehmend der Magen knurrte, waren die Reiher erfolgreicher. Immer mal wieder schnappten sie sich einen Frosch.
Ansonsten passierte nichts. Der Katze fielen bald die Augen zu, und ihr Kopf sackte auf die Vorderpfoten. Sollte das schon alles gewesen sein? Wir erwarteten nicht mehr viel. Trotzdem erregten wir die Aufmerksamkeit einiger Safariwägelchen, da wir nun schon seit fast zwei Stunden an derselben Stelle standen. Da musste doch etwas Besonderes los sein. Nur waren wir für niemanden mehr erreichbar.
Unser Badewannen- Hippo stand nun unmittelbar neben der Spur und zeigte jedem Fahrzeug, das sich näherte, was es von ihm hielt. Nämlich nichts. Die Autos fuhren immer dichter an den Koloss heran, damit auch jeder das Hippo in Lebensgröße festhalten konnte.
Davon hielt das Tier wohl noch weniger als nichts, und seine Laune wurde mit jedem Fahrzeug zusehends schlechter. Während wir uns noch fragten, welcher Angriff wohl zuerst erfolgen würde, der der Katze oder der des Hippos, erkannten wir, dass auch wir in der Falle saßen. Hinter uns war das Wasser, vor uns das Flusspferd. Blieb uns also nur, weiter zu warten. Ab und zu hob die Löwin den Kopf, aber bald war uns klar, dass sie so schnell keinen Angriff starten würde.
Mit den Moorantilopen war auch nicht mehr viel los, und so entschlossen wir uns nach einer weiteren Stunde, ins Camp zurückzukehren.
Doch das Problem war immer noch da. Übellaunig, weil ihm die pralle Sonne auf den Kopf geschienen hatte, stand es nicht zu übersehen noch immer recht nah neben der Spur und machte auch keine Anstalten, diesen Platz zu verlassen. Als wir uns ein bisschen näherten, ließ es keinen Zweifel daran, dass es uns die Schuld für all seine Unannehmlichkeiten einschließlich der prallen Sonne, dem Wassermangel, der kürzlichen Trennung von seiner Geliebten und auch allem anderen geben würde. Es kam herausfordernd ein paar Schritte auf uns zugetrabt, und wir waren sofort eingeschüchtert. Dieses Tier war wirklich not amused.
Wir beschlossen, heute keine Freunde mehr zu werden und zogen uns wieder ein Stückchen zurück. Endlich entfernte es sich nach einiger Zeit etwas vom Weg, und wir nutzten unsere Chance. Wir waren kaum an dem Hippo vorbei, als es sich umdrehte und beeindruckend schnell auf uns zulief. Obwohl wir ja fast damit gerechnet hatten, waren wir doch überrascht. Ruth konnte vor Schreck nicht mal mehr schreien, Uwe gab Gas, und wir machten uns auf der ruppigen Piste aus dem Staub. Auch nach einigen Metern sahen wir im Rückspiegel, dass es uns immer noch verfolgte. Zum Glück war unser Auto schneller, und wir atmeten erleichtert auf.
Brillenwürger
Zurück im Camp freuten wir uns, dass Sarah und Philipp inzwischen angekommen waren. Die zwei hatten hinter Johannisburg in einem großen Stau gestanden und waren daher gestern nur bis Maun gekommen. Nun gab es viel zu erzählen, auch die Drosslige waren mit von der Partie.
Weil wir völlig ausgehungert waren, aßen wir ein paar Brötchen, bevor wir duschten und das neue Auto der beiden bewunderten. Im Camp stand ein einzelner Elefant und fraß Schoten, die er aus den Bäumen schüttelte. Dann machten wir uns zusammen auf einen Gamedrive Richtung Black Pools. Da wir jedoch nicht mehr sehr viel Zeit hatten, fuhren wir nur eine kleine Runde. Wir sahen einen Elefanten, der sich in einem Matschtümpel kühlte, Zebras, Impalas, Giraffen und Leierantilopen.
Es war eine schöne Runde im Abendlicht, und kurz nach Sonnenuntergang waren wir wieder zurück im Camp.
Frankolinküken
An einem kleinen Feuer grillten wir in der Glut abwechselnd Fleisch, Boerewors, Pilze und Mais. Wir machten Salat und Grillbrote. Es war sehr lecker.
Obwohl wir auch gerne alleine unterwegs sind, freuten wir uns heute Abend sehr über die Gesellschaft von Sarah und Philipp. Es ist wirklich schön, gemeinsame Vorlieben mit Freunden zu teilen. So verbrachten wir einen sehr netten, ersten gemeinsamen Abend bei leckerem Wein und vielen Geschichten. Der Hyänenbesuch blieb heute aus. Dafür sahen wir im Licht unserer Stirnlampe noch ganz kurz eine Ginsterkatze, und die sagenhaft gute Aufnahme unserer Nachtfalle dokumentierte die Stippvisite einer Zibetkatze.