Reisebericht

Die Eulenmuckels 2016 in Namibia und Botswana

von Eulenmuckel · begonnen 13. Nov. 2016 · 74 Teile

Teil 113. Nov. 2016
Liebe Fomis,

die jährliche Frage ist ja nicht, ob wir ins südliche Afrika fliegen oder wann bzw. wie lange, sondern lediglich, wohin genau wir fahren und was wir dort erleben und entdecken werden. Die Pläne für die nächsten Sommerferien nehmen inzwischen immer früher konkrete Gestalt an. Während wir unsere ersten Reisen nicht vor dem Frühjahr und später dann um den Jahreswechsel geplant haben, fangen wir nun bereits damit an, wenn wir am Ende des Sommers wieder nach Hause kommen. So verschwindet Afrika niemals aus dem Bewusstsein. 🙂
Nachdem wir letztes Jahr den Besuch im Moremi ausgesetzt hatten, zog es uns dieses Mal wieder ins Okavango-Delta. Eine Runde durch die wunderschöne Landschaft Zentral-Namibias durfte ebenfalls nicht fehlen, und um den Kgalagadi Transfrontier Park kommen wir ohnehin schon lange nicht mehr herum. Am Ende der Reise erkundeten wir noch ein paar schöne Plätze im Caprivi.

Karte-2016-1024.jpg


Wir laden euch herzlich ein, unsere Erlebnisse mit uns zu teilen. Es wird – wie immer – auch einige Fotos geben. Nachdem die Nachfragen, wann der diesjährige Reisebericht starten wird, häufiger geworden sind, geht es nun endlich los. Wir werden wieder lange unterwegs sein und freuen uns über eure Begleitung.

Viel Spaß bei der Safari
Ruth und Uwe
Teil 213. Nov. 2016
Tag 1 – Freitag, 8. Juli 2016 – Abreise

Das Warten hatte ein Ende. Wir durften wieder mal ins geliebte Afrika aufbrechen. Um ehrlich zu sein, haben wir gegen Ende gar nicht mehr sehr aktiv gewartet. Ruths Abschied von ihrem vierten Schuljahr und unser Gartenprojekt zu Hause haben ziemlich viel Zeit und Kraft verschlungen. So kam der Abreisetag dann fast plötzlich daher. Ruths Vater holte uns nachmittags zu Hause ab und brachte uns zum Bahnhof in Siegburg. Dort war er so nett, gleich das erste Foto dieses Urlaubs von uns zu machen. Zum Glück kennt ihr uns ja schon, da ist Uwes Gesicht nicht so wichtig.

20160708-161110-IMG_3684.jpg


Am Bahnsteig trafen wir auch gleich die ersten Bekannten: Ein Kollege von Uwe, der nun im dritten Jahr in Folge nach Namibia reist, war mit seiner Frau und zwei weiteren Pärchen ebenfalls am Start. Glücklicherweise hatten wir im übervollen ICE Sitzplätze und konnten die Fahrt über entspannen. Mit uns stiegen in Frankfurt auch Sönke, Sandra und ihre vierjährige Tochter Lia aus. Unsere Freunde aus Düsseldorf flogen ebenfalls heute nach Windhoek, und wir werden uns in den ersten Reisetagen immer wieder begegnen.
Am Flughafen bewegten wir die Taschen teilweise mit Hilfe von Gepäckwagen über Rolltreppen, durch den Shuttlebus zum Terminal 2 und dann zum Check-In. Die Sorge, dass unser Handgepäck zu schwer sein könnte, war unbegründet. Es wurde dieses Mal gar nicht gewogen. Stattdessen erfuhren wir, dass wir mit unseren Vielflieger-Ausweisen von Air Namibia das Privileg haben, die Zeit bis zum Abflug in der Etihad Lounge zu verbringen. Und das Beste war, wir durften sogar noch jeweils einen Gast mitnehmen. Bei der kleinen Lia drückte die Empfangsdame ein Auge zu, und so fläzten wir uns nach der Gepäckaufgabe mit Sönke und Sandra in weiche Sessel und ließen uns kostenloses Essen und kalte und heiße Getränke schmecken.

20160708-191016-IMG_3697.jpg


Bei der Sicherheitskontrolle war ziemlich viel los. Wir machten zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Ganzkörper-Scanner. Unabhängig davon wollte die Dame am Durchleuchtungsapparat gerne mal einen Blick auf die Fotoausrüstung werfen und ließ gleichzeitig noch einen Sprengstofftest durchführen.
Das Flugzeug hob mit ein wenig Verspätung an, weil die Crew im Stau gesteckt hatte. Dann schaukelten wir los Richtung Alpen, über das Mittelmerr und durch fast ganz Afrika immer nach Süden.

20160708-204420-IMG_3701.jpg


Zum Abendessen gab es Hühnchen oder Rind. Ruth wählte das erste und erhielt eine Lasagne mit Spinat. Das Geflügel blieb verborgen.
Teil 313. Nov. 2016
Tag 2 – Samstag, 9. Juli 2016 – Großer Schreck: Kreditkarte weg

Casa Piccolo, Windhoek

Die Nacht war ruhig, aber wie immer unbequem. So hatten wir nicht sehr gut geschlafen, als wir bei zwei Grad und Dunkelheit in Windhoek landeten. Wir waren recht schnell durch die Passkontrolle und hatten auch unser Gepäck rasch gefunden. Dann hieß es warten, zuerst auf Sönke, Sandra und Lia, danach auf weitere Gäste, die ebenfalls von unserem Fahrer zu Savanna gebracht werden sollten. Leider landeten diese erst mit einem späteren Condor-Flug, so dass sich die Abfahrt verzögerte. Wir vertrieben uns die Wartezeit, indem wir vor dem Flughafen unseren ersten afrikanischen Sonnenaufgang betrachteten. Tief atmeten wir die zwar kühle, aber würzige, staubige Luft ein. Die Müdigkeit war schnell vergessen, und wir hatten so richtig Lust, in ein neues Abenteuer zu starten. Hurra, Afrika hat uns wieder!

20160709-070719-5N7A7627.jpg


Bei der Autovermietung trafen wir gerade noch auf Uwes Kollegen, dessen Gruppe mit zwei Wagen nach Norden fuhr. Leider werden sich unsere Wege in Afrika dieses Jahr nicht mehr kreuzen. Wir bekamen den neuen Landcruiser Bushcamper. Dieser macht einen tollen Eindruck und hat sogar einen Gas-Durchlauferhitzer an Bord.
Auf dem Weg zur Pension hielten wir an einer Standard-Bank, und Uwe wollte noch schnell an dem Automaten Bargeld holen. Das Gerät rumorte und rappelte, dann gab es eine Fehlermeldung, einen Beleg, jedoch kein Geld und – was am schlimmsten war – keine Karte zurück. Das fing ja großartig an! Leicht nervös betrat Uwe die Bank und schilderte das Problem. Einer anderen Kundin war wohl dasselbe passiert, auch ihre VISA-Karte war von dem gefräßigen Automaten geschluckt worden. Die Bankangestellte bedauerte die Situation. Sie könnte uns leider nicht helfen und den Automaten nicht selbst öffnen. Der Mann vom Service sei bereits heute früh dagewesen und nun leider wieder abgefahren. Zu dumm aber auch! Sie versuchte, telefonisch jemanden zu erreichen, der die Karten aus dem Automaten holen konnte. Ein Telefontuten nach dem anderen drang aus ihrem Hörer, aber erreichen konnte sie niemanden. Wir übten uns in Geduld. Gar nicht so einfach, denn das vollbepackte Auto stand draußen unbeaufsichtigt, und wir wollten noch in die Metzgerei und im Bottle Store ein paar alkoholische Getränke erwerben, was an einem Samstag ja auch nicht unbegrenzt möglich ist.
Die Dame in der Bank probierte es weiter, war aber leider erfolglos. Gutgelaunt teilte sie uns mit, dass spätestens am Montag wieder jemand vorbeikäme, der die Karte aus dem Automaten herausholen könnte. Das konnte doch nicht wahr sein! Uwe erklärte freundlich aber zunehmend bestimmt unsere Not. Wir waren ja nur heute und am Montag schon längst nicht mehr in Windhoek und benötigten die VISA-Karte dringend. Clevererweise war fast das gesamte Geld unserer Reisekasse genau auf diesem Konto gebunkert.
Nach ein paar weiteren fehlgeschlagenen Versuchen per Telefon (während derer Ruth frustriert überlegte, was wohl passieren würde, wenn man den Geldautomaten in die Luft sprengen würde) erreichte die Dame endlich jemanden, der uns weiterhelfen konnte. Gegen Mittag sollte die Karte abholbereit bei der Bank liegen. Hallelujah! Wir müssten dann jedoch auf jeden Fall anwesend sein, denn sie dürfe die Karte nicht entgegennehmen. Ansonsten würde sie mitgenommen, und wir könnten sie erst am Montag zurückbekommen. So hatten wir uns unseren ersten Morgen nicht vorgestellt. Dennoch waren wir sehr erleichtert, beschlossen aber trotz der bereits verlorenen Zeit unsere Sachen zunächst in die Pension zu fahren und dort zu frühstücken. Wir versprachen, rechtzeitig zurück zu sein und wollten sicherheitshalber noch an einem anderen Automaten mit einer anderen Bankkarte Geld abholen. Doch was war das? Als Uwe seine Tasche öffnete, fand er dort eine weitere VISA-Karte. Es dauerte einen kleinen Moment, bis bei ihm der Groschen fiel:
Wir können nur jedem wärmstens empfehlen, eine alte, abgelaufene oder gesperrte Karte bereitzuhalten für den Fall, dass man überfallen wird. Dann nämlich kann man ohne viel Verlust, seinen Geldbeutel mit ein wenig Bargeld und dieser Karte aushändigen. Welch genialer Trick! Ist der gefährliche Räuber, der dir deine Karte entwenden möchte, ein Automat, können wir voller Überzeugung sagen, dass das ganz hervorragend funktioniert! Der rückt die nämlich so schnell nicht wieder raus! Und Uwe hat seine Rolle als hilfloses Opfer auch mit Bravour gespielt.
Wie peinlich! Hatten wir also den ganz großen Aufstand in der Bank gemacht, obwohl es doch sehr nachvollziehbar war, dass der Automat die alte, gesperrte Karte einbehalten hatte. Zu Uwes Verteidigung muss man sagen, dass das Datum der Karte noch nicht abgelaufen war und man die gültige von der alten nur anhand der Nummer hätte auseinanderhalten können. Trotzdem konnte sich Ruth im Laufe des Urlaubs die ein oder andere freundliche Bemerkung über dieses Missgeschick nicht verkneifen.
Im Casa Piccolo wurden wir wieder sehr freundlich empfangen. Unser Zimmer war bereits bezugsfertig, und so luden wir unsere Sachen aus und gingen auf den Schreck erst einmal gemütlich frühstücken.
Anschließend folgte eine erste Einkaufsrunde in der Maerua Mall.

20160709-113659-IMG_3734.jpg


Danach kehrten wir zur Bank zurück und erhielten dort tatsächlich die gesperrte Kreditkarte zurück – niemand sonst hatte etwas von unserer Blödheit mitbekommen, und Uwe war es zu peinlich, die Wahrheit zu sagen. 😣
Beim Metzger in Klein-Windhoek bekamen wir Wild-Rauchfleisch und eingeschweißtes Grillfleisch. Dann folgte eine letzte Runde im Supermarkt.
Zurück in der Pension stellten wir alle Einkäufe auf einen Haufen und verteilten sie dann in allen Fächern im Wagen. Das war anstrengend, machte aber viel Spaß.

20160709-140722-IMG_3746.jpg


Aus Kartons bastelten wir uns zusätzliche Unterteilungen, damit die Vorräte während der Fahrt nicht durcheinanderpurzeln.

20160710-094250-IMG_3766.jpg


Jedes Jahr ist das Auto etwas anders aufgebaut, und so ergeben sich immer wieder kleine Anpassungen. An den neuen Landcruiser müssen wir uns noch gewöhnen. Als wir mit dem Verstauen der Vorräte fertig waren, kamen auch Sönke und Sandra von ihrem Einkauf zurück. Wir saßen ein wenig in der Sonne im Hof und machten Pause.
Am Abend gingen wir zu fünft zu Joe’s Beerhouse und ließen uns Oryx und Kudu schmecken. Übermüdet, aber voller Vorfreude fielen wir anschließend ins Bett.
Teil 414. Nov. 2016
Tag 3 – Sonntag, 10. Juli 2016 – Endlich angekommen

Casa Piccolo, Windhoek – Blutkuppe, Namib-Naukluft-Park

Wir schliefen wie Steine mehr als 9 Stunden. Dann riss uns der Wecker aus dem Schlaf. Wir duschten und begannen, Sachen ins Auto zu räumen und insbesondere die Dinge zusammenzutragen, die in Windhoek bleiben sollten. Wir packten alles in unsere Kiste und fuhren um kurz nach acht zu Savanna, wo wir unsere Reisetaschen zurückließen. Danach wurden in der Pension die letzten Dinge im Auto verstaut, und es ging ab zum Frühstück. Bei Kaffee und Rührei genossen wir unseren ersten richtigen Urlaubstag. Mit Sönke, Sandra und Lia verabredeten wir uns in zwei Tagen an der Spitzkoppe und machten uns auf den Weg. Es war schon nach zehn, als wir nochmal etwas Bargeld holten und dann den Weg aus Windhoek heraus nach Westen suchten.

20160710-120744-5N7A7641.jpg


Bald hatten wir die C28 gefunden und legten die ersten Kilometer zurück. Der Landcruiser fährt sich wirklich sehr angenehm. Das Fahrwerk und die Federung sind erstklassig. Als die Teerstraße endete und wir auf Gravel weiterfuhren, zeigte sich der Fahrkomfort. Von dem Motor hatten wir uns noch etwas mehr Spritzigkeit erwartet. So sind die Gänge recht kurz übersetzt, und man fährt schon sehr wie in einem LKW. Natürlich kommt man auch leicht über 100 km/h, aber die Stärken des Wagens liegen eindeutig im unteren Geschwindigkeitsbereich.
Die C28 nach Westen zieht sich endlos dahin. Durch das Khomas Hochland windet sie sich sehr kurvenreich bergauf und –ab. Trotz der vielen Pferdestärken musste Uwe viel schalten, um die Steigungen zu erklimmen. Aber es machte viel Spaß mit dem neuen Auto. Ruth las, und wir hörten Musik. Wieder in Namibia unterwegs zu sein, fühlte sich herrlich an.

20160710-122913-5N7A7666.jpg


Am Boshua Pass machten wir eine kurze Pause. Seit wir das letzte Mal hier waren, waren ein Unterstand und eine Toilette gebaut worden. Leider lag überall Müll herum. Die Aussicht war jedoch grandios, aber zu einem Picknick fehlte uns die Ruhe. Wir hatten die Fahrtzeit ein wenig unterschätzt, und so machten wir uns bald wieder auf den Weg, da wir lieber noch einen schönen Nachmittag an der Blutkuppe verbringen wollten.

20160710-143736-5N7A7681.jpg


20160710-151631-IMG_3788.jpg


20160710-151714-5N7A7703.jpg


Der Nachmittag war bereits fortgeschritten, als wir die Grenze des Namib-Naukluft-Parks erreichten. Kurz dahinter bogen wir Richtung Tinkas ab. Kaum hatten wir uns ein paar Kilometer von der Hauptstraße entfernt, sahen wir schon die ersten Oryx. Bald danach galoppierten einige Zebras davon, kaum dass wir in Sichtweite gekommen waren. Sogar einzelne Springböcke und zwei Schakale entdeckten wir.

20160710-161651-IMG_8665.jpg


Bei Mittel-Tinkas standen die ersten Camper. Wir bogen zum Rock Arch ab. Leider waren auch dort beide Stellplätze bereits besetzt. Wir waren enttäuscht, dass wir dort nicht bleiben konnten. So drehten wir wieder um und fuhren Richtung Blutkuppe. Da es nur noch eine Stunde bis zum Sonnenuntergang war, schickte die Sonne ihr schönstes Licht über die Ebene und beleuchtete die Köcherbäume, die Felsen und die weiten Grasebenen.

20160710-163214-5N7A7719.jpg


20160710-174034-5N7A7745.jpg


Rüppelltrappe

20160710-174126-LV6A9977.jpg


20160710-174647-5N7A7747.jpg


20160710-174800-Blutkuppe-Pano-1280.jpg


Die Aussicht war traumhaft schön. Aber noch konnten wir dies nicht uneingeschränkt genießen, da wir noch immer keinen Platz für die Nacht gefunden hatten.
Teil 514. Nov. 2016
Entlang des Weges passierten wir ein Auto mit vier Südafrikanern. Sie machten uns Hoffnung, dass an der Blutkuppe sicherlich einer der vielen Stellplätze noch frei sei. Wir schlugen den Weg westlich des Berges ein und fanden alle Campsites unbesetzt. Genau an der Stelle, an der wir uns vor 11 Jahren ohne Allradfahrzeug hoffnungslos im Sand festgefahren hatten, blieben wir. Damals hatten wir weder ein Zelt noch Proviant oder Wasser dabei gehabt. Wir hatten keine Schaufeln und wussten als Neulinge nichts von Luftablassen oder Auto-rückwärts-aus-dem-Loch-herausschaukeln. Mit den wenigen Steinen, die wir mit unseren Handtüchern unter die Räder gelegt hatten, hatten wir uns nicht aus eigener Kraft befreien können und waren mit unserer einzigen Wasserflasche unter dem Arm am Sonntagnachmittag die kilometerlange Strecke Richtung Hauptstraße aufgebrochen. Die Situation war – zugegebenermaßen durch eigene Blödheit – nicht gerade nobelpreisverdächtig, und wir machten uns viele nicht besonders rosige Gedanken. Die bis eben noch genossene Einsamkeit kam uns damals plötzlich gar nicht mehr erstrebenswert vor. Zum Glück wurden wir von zwei zufällig vorbeifahrenden Campern aufgelesen und aus unserer misslichen Lage befreit. Damals reifte der Plan, im nächsten Jahr besser vorbereitet und nur noch mit Allradfahrzeug und entsprechender Ausrüstung unterwegs zu sein.
Umso mehr freuten wir uns nun über diesen für uns so bedeutungsvollen Ort. Es gibt mittlerweile mehrere verstreut liegende Campsites, und wir schlugen unmittelbar neben der Blutkuppe das Lager auf.

20160710-180743-5N7A7783.jpg


20160710-181111-5N7A7787.jpg


Ruth wanderte auf den Hügel, um sich ein wenig die Beine zu vertreten und die herrliche Aussicht zu genießen, während Uwe das Zelt aufklappte.

20160710-180900-Blutkuppe-Pano-2-1280.jpg


Tarnung ist alles.

20160710-181443-IMG_8770.jpg


Als die Sonne über dem gegenüberliegenden Felsmassiv unterging, leuchtete die Blutkuppe ihrem Namen entsprechend.

20160710-182519-IMG_8806.jpg


20160710-181600-Blutkuppe-Pano-3-1280.jpg


Vom sympathischen Lachen der Bellgeckos begleitet grillten wir Wildsteaks. Dazu gab es Brote mit Knoblauchbutter und gemischten Salat.

20160710-191128-IMG_3814.jpg


20160710-184619-5N7A7819.jpg


Da wir an der Blutkuppe auch schon eisigen Wind und sogar Nieselregen zu dieser Jahreszeit erlebt hatten, waren wir auf alles vorbereitet. Doch so angenehm hatten wir uns unseren ersten Abend nicht erträumt. Bis wir später ins Zelt gingen, lagen die Temperaturen noch knapp über 20 Grad. Kein Grund zum Frieren und damit kein Grund, sich zu beeilen. In der Ferne hörten wir die Schakale rufen, und die Laune war bestens. Wir freuten uns, während wir noch lange draußen saßen und in die zuckenden Flammen des Feuers sahen, jetzt so richtig angekommen zu sein und über das Privileg, einen solchen Ort ganz alleine für uns zu haben.
Vor dem Schlafengehen stellte Uwe noch den Fotoapparat auf und startete eine Zeitrafferaufnahme des Sternenhimmels. Die Bilder, die während der Nacht aufgenommen werden, lassen sich später zu einem Zeitraffer-Video verarbeiten. Man kann sie aber auch übereinander legen und so die Sternenbahnen sichtbar machen.

Startrails-Blutkuppe-250a-1024.jpg


Unerwartet zeigte sich plötzlich doch noch ein Problem am Auto. Der Griff für die Hecktür war so gut wie gebrochen. Der Hebel hing nur noch am seidenen Faden. So können wir die Tür von außen wohl kaum noch öffnen, evtl. mit einer Zange oder anderem Werkzeug. Wir überlegen, morgen einen Umweg über Swakopmund zu machen, um die Sache reparieren zu lassen.

Kilometer: 268
Teil 616. Nov. 2016
Tag 4 – Montag, 11. Juli 2016 – Planänderung

Blutkuppe, Namib-Naukluft-Park – Meikes Gästehaus, Swakopmund

In der Nacht zog kräftiger Wind auf. Obwohl wir eigentlich recht geschützt zwischen Felsen auf der Westseite der Blutkuppe standen, rappelten die Böen am Zelt. Wir konnten kaum schlafen, so laut war es. So standen wir schon früh auf. Es war mit 18 Grad bereits herrlich warm, und wir hätten wunderbar in der Morgensonne frühstücken können, wenn da nicht immer noch der sehr starke Wind gewesen wäre.
Außerdem mussten wir uns um den kaputten Griff kümmern. Bereits um kurz nach 7 Uhr riefen wir einen Mechaniker bei Savanna an und vereinbarten, über Swakopmund zu fahren und den Griff dort ersetzen zu lassen. Man sollte dort bereits einen neuen Griff bereitlegen, wir würden ihn montiert bekommen und sogleich weiter nach Tsaobis fahren. Alles kein wirkliches Problem. So zumindest der Plan!
Wir kletterten noch ein wenig auf den Felsen hinter dem Stellplatz herum, genossen die Aussicht und fotografierten einige Bergstare, die auf Reste unseres nicht stattgefundenen Frühstücks hofften.

20160711-083200-Blutkuppe-Pano-1280.jpg


20160711-083547-5N7A8774.jpg


Bergstar

20160711-085854-LV6A0056.jpg


20160711-091242-IMG_3827.jpg


Als wir dem Mechaniker – wie wir dachten – genügend Zeit gelassen hatten, sich vorzubereiten, machten wir uns zunächst über die Nebenstrecke und dann weiter über die C28 auf den Weg zur Küste.

20160711-093223-5N7A8800.jpg


Wir kamen gut voran und erreichten Swakopmund, das unter einer Staubglocke hing, noch vor zehn Uhr. Außerhalb der Stadt fegte der Sturm den Sand quer über die Fahrbahn.

20160711-105436-5N7A8811.jpg


Wir riefen wieder in Windhoek an und erhielten die Telefonnummer eines örtlichen Mechanikers. Dieser vertröstete uns auf später, da er gerade noch etwas zu erledigen habe. Mist, da hatten wir doch tatsächlich angenommen, man würde sich sofort um unser Problem kümmern. Wir sind eben doch nicht die wichtigsten Menschen auf der Welt! 😉
Bis spätestens ein Uhr würde er sich wieder melden. Zunächst akzeptierten wir das und fuhren zu Meike und Klaus. Obwohl wir fast eine Woche früher eintrafen als erwartet, wurden wir sehr herzlich empfangen. Wir tranken gemütlich Kaffee und erzählten.
Eigentlich war unser Plan gewesen, nur für die Reparatur nach Swakopmund und anschließend auf kürzestem Weg zu unserem reservierten Tagesziel nach Tsaobis weiter zu fahren. Da uns 13 Uhr für den Beginn der Reparatur schon etwas spät erschien, riefen wir erneut bei Savanna an und erhielten kurz darauf eine andere Werkstatt mit Wegbeschreibung. Für die nun folgende Schnitzeljagd durch das Örtchen benötigten wir einige Zeit und weitere Wegbeschreibungen unterwegs, um die zwischenzeitlich umgezogene Werkstatt im Industriegebiet zu finden. An dieser fuhren wir zunächst ein paarmal vorbei, da es noch kein Schild und auch sonst keinen Hinweis auf irgendwelche Reparaturarbeiten gab. Schließlich fanden wir doch noch die richtige Stelle, und nach einer kurzen Diagnose wurden wir gebeten, um 14 Uhr wiederzukommen. Dann sei der Ersatzgriff besorgt. Na wunderbar! Nach kurzem Überlegen strichen wir nun Tsaobis als Tagesziel. Schon gestern waren wir später als geplant an unserem Übernachtungsplatz angekommen. Heute würden wir es gerade so vor Sonnenuntergang schaffen. Diesen Stress wollten wir vermeiden, zumal wir ohnehin nicht mehr ins Python Valley fahren könnten. Daher ging es nach dem Tanken wieder zurück zu Meikes Pension, die glücklicherweise ein freies Zimmer für uns hatte. In Tsaobis gaben wir per Email Bescheid, dass wir nicht mehr kommen würden.
Endlich konnten wir etwas essen und uns ein wenig ausruhen. Uwe fuhr um 14 Uhr zur Werkstatt und ließ den neuen Türgriff einbauen. Dieser wurde von außen mit zwei Inbus-Schrauben gelöst und der neue Griff entsprechend wieder eingebaut. Da fragt man sich natürlich, welche Funktion das in den Griff integrierte Schloss hat. Es hält lediglich Einbrecher ab, die keinen Inbus-Schlüssel und Vierkant besitzen.

20160711-145638-20160711_145638.jpg


Den restlichen Nachmittag verbrachten wir ruhig in der Pension. Ruth holte etwas Schlaf nach, und Uwe sicherte die ersten Fotos. Kurz überlegten wir, nach Walvis Bay zu fahren, um Wasservögel zu fotografieren. Da es aber schon später Nachmittag war, gingen wir lediglich in Meikes Innenhof auf Pirsch. Dort entdeckten wir neben dem Maskenweber (alias BVB-Weber) und ein paar Wellenastrilden dicke Insekten, die wie winzige Kolibris aussahen und fast ebenso schnell umherschwirrten. Mit einem langen, eingerollten Saugrüssel flogen die Schwärmer auf die Lavendelblüten zu, entrollten diesen im Flug und tauchen ihn ein.

20160711-174617-LV6A0097.jpg


20160711-175103-LV6A0121.jpg


20160711-175104-LV6A0122.jpg


Zum Abendessen gingen wir ins Erichs, obwohl man in letzter Zeit sehr unterschiedliche Meinungen von dort gehört hatte. Wir hatten Glück. Der Service war einwandfrei und zuvorkommend, das Oryx-Filet unheimlich lecker, und wir beglückwünschten uns zu unserer Wahl. Satt und glücklich stiegen wir in das weiche Bett und waren gar nicht mehr enttäuscht, unseren Plan geändert zu haben.

Kilometer: 110
Teil 717. Nov. 2016
Tag 5 – Dienstag, 12. Juli 2016 – Gemütlich zur Spitzkoppe

Meikes Gästehaus, Swakopmund – Spitzkoppe

Auch an diesem Morgen war es angenehm warm. Der Wind hatte sich zwar nicht gelegt, aber dafür strahlte schon die Sonne vom Himmel. Wir duschten, packten bereits einige Dinge zusammen und gingen zum Frühstück. Besonders lecker war Meikes selbstgemachte Guaven-Marmelade. Anschließend räumten wir unseren Kram ins Auto und verabschiedeten uns. Was für ein herrliches Gefühl, nicht ein ganzes Jahr, sondern nur ein paar Tage bis zum Wiedersehen warten zu müssen.
An einer Tankstelle kauften wir noch frisches Brot und einen Sack Brennholz. Dann fuhren wir aus der Stadt und entlang der Küste nach Norden. Zweimal hielten wir kurz am Meer und schauten uns die brechenden Wellen an einem Schiffswrack und am Strand an.

20160712-120355-5N7A8861.jpg


Bei Henties Bay bogen wir auf die D1918 landeinwärts ab. Aus dem Seiten- wurde Gegenwind.

20160712-132258-5N7A8886.jpg


Wir begegneten fast keinem anderen Wagen mehr, bis wir die Spitzkoppe erreichten. In den letzten Jahren ist hier rund um den Tourismus ein kleines Dorf entstanden. Natürlich gibt es auch noch viele Stände, an denen Halbedelsteine verkauft werden.
Wir checkten an der Rezeption ein. Unsere Freunde seien bereits eingetroffen. So versuchten wir, Sönke und Sandra zu finden. Aber weder rund um den Rock Arch noch bei einem der anderen Campingstellplätze fanden wir sie. Dafür bemerkten wir, dass bereits viele Campsites belegt waren, obwohl es erst ein Uhr mittags war. An einen schönen Platz auf der Westseite der Spitzkoppe stellten wir etwas abseits Tisch und Stühle ab und fuhren zurück zur Rezeption. Eine Recherche bei den eingetroffenen Gästen ergab, dass Sönke und Sandra doch noch nicht eingecheckt hatten.
Bereits auf dem Weg zu unserem Campingplatz sahen wir viele Vögel. Dort klappten wir das Zelt auf und machten ein Picknick mit Brot, Schinken, Möhren und Frischkäse. Dabei leisteten uns viele Bergstare Gesellschaft. Aber auch Bülbüls, Kapammern und noch ein paar kleinere Vögel ließen sich blicken, und wir mussten aufpassen, dass sie uns das Brot nicht direkt vom Teller stahlen.

Perlhuhn

20160712-151509-IMG_8847.jpg


Sabotalerche

20160712-152820-LV6A0175.jpg


Maskenbülbül

20160712-155548-LV6A0205.jpg


Bergschmätzer

20160712-163301-LV6A0221.jpg


Mahaliweber

20160712-163328-LV6A0233.jpg


Bergstar

20160712-170042-LV6A0258.jpg



20160712-170400-Spitzkoppe-Pano-1280.jpg


Kapammer

20160712-170437-LV6A0262.jpg


Wir vertrödelten den Nachmittag sehr gemütlich, liefen ein wenig umher, lasen und sahen den Erdhörnchen bei ihren Rangeleien und beim Fressen zu.

20160712-170847-IMG_8878.jpg


Die Ruhe wurde nur durch eine Drohne gestört, die zunächst entfernt, aber dann in unmittelbarer Nähe über uns surrte. Während Ruth noch überlegte, ob sie das lästige Teil wohl mit der Affenflitsche treffen könnte, drehte sie schon wieder ab. Glücklicherweise hält der Akku ja nicht allzu lang. Man ist ein wenig hin und her gerissen. Die Aufnahmen aus der Luft begeistern uns auch, trotzdem finden wir, dass man nicht überall so ein Ding im Blick und vor allem nicht in Hörweite haben muss. Es geht nicht nur um die eigene Aufnahme, sondern auch darum, auf andere Leute und Tiere Rücksicht zu nehmen. Nicht alles, was möglich ist, muss …
Teil 817. Nov. 2016
Vor Sonnenuntergang machten wir eine kleine Wanderung.

20160712-174003-5N7A8928.jpg


Auf Felsen saßen im warmen Sonnenlicht einige Klippschliefer, darunter auch niedliche Jungtiere. Behände flitzten sie auf ihren kurzen Beinchen und ihren komischen Knubbelzehen über die Steine davon.

20160712-174944-IMG_8932.jpg


20160712-175336-LV6A0278.jpg


20160712-175351-LV6A0280.jpg


20160712-175507-LV6A0298.jpg


20160712-175518-IMG_8949.jpg


Zum Sonnenuntergang kletterten wir auf einen kleinen Hügel westlich der Spitzkoppe. Von dort konnten wir die rot reflektierenden Felsen bewundern. Ein Bokmakiri hüpfte durch einen Busch.

20160712-181434-LV6A0319.jpg


20160712-180600-Spitzkoppe-Pano1-1280.jpg


20160712-180802-IMG_8954.jpg


20160712-182000-Spitzkoppe-Pano2-1280.jpg


Als wir zurück zu unserem Auto kamen, waren Sönke, Sandra und Lia gerade eingetroffen. Wir waren froh, die drei wieder zu sehen. Schnell machten wir Feuer und bereiteten das Abendessen zu. Im Potije kochten wir Möhren, Broccoli und Blumenkohl. Dazu gab es gegrilltes Oryxfilet und den restlichen Salat. Es schmeckte sehr gut.

20160712-201736-IMG_3854.jpg


Der Mond ging auf, und unzählige Sterne erschienen am Nachthimmel. Wir spülten und saßen noch ein wenig am Lagerfeuer.

Kilometer: 202
Teil 921. Nov. 2016
Tag 6 – Mittwoch, 13. Juli 2016 – Rund um den Rock Arch

Spitzkoppe

Und wieder setzte über Nacht der Wind ein. Ähnlich stark wie an der Blutkuppe rappelte er die halbe Nacht am Zelt und ließ uns kaum schlafen. Weil wir noch müde waren, standen wir nicht schon mit Sonnenaufgang auf, sondern blieben noch ein wenig liegen. Unsere Campsite lag außerdem im morgendlichen Schatten. Damit war schnell klar, dass wir an diesem Ort nicht frühstücken würden.

Rotstirn-Bartvogel

20160713-084034-LV6A0324.jpg


Wir fuhren auf die andere Seite der Spitzkoppe, auf der bereits die Sonne stand und suchten einen gemütlichen Picknickplatz. Auch dort blies noch der Wind, aber wenigstens saßen wir im Warmen. Mit Kaffee und Brötchen starteten wir in den Vormittag. Anschließend spülten wir und fuhren dann zum Bogenfelsen. Den Zeitpunkt, um dort einzutreffen, hätten wir kaum besser wählen können, denn die Camper, die letzte Nacht auf Nummer 5 gestanden hatten, brachen gerade auf. Wir besetzten schnell den Platz und freuten uns, da wir von hier einige Nachtaufnahmen machen wollten.
Den restlichen Tag gingen wir sehr gemütlich an. Wir kletterten auf den Felsen und spazierten ein wenig um den Rock Arch herum. Dabei versuchten wir alle Vogelarten zu fotografieren, die sich um unseren Stellplatz herum blicken ließen.

20160713-111934-IMG_3878.jpg


20160713-120636-5N7A9573.jpg


20160713-121317-5N7A9589.jpg


20160713-121800-SpitzkoppePano11280.jpg


20160713-112942-IMG_8978.jpg


Priritschnäpper

20160713-111804-LV6A0338.jpg


20160713-112100-LV6A0349.jpg


Rußnektarvogel

20160713-161411-LV6A0393.jpg


20160713-171830-LV6A0520.jpg


Bergstar

20160713-165626-LV6A0437.jpg


Kapturteltaube

20160713-172851-LV6A0540.jpg
Teil 1021. Nov. 2016
Uwe sicherte Fotos, und wir saßen in der Sonne. Zwischendurch fuhren wir zum Eingangstor der Spitzkoppe Community und duschten unter freiem Himmel. Zum Sundowner liefen wir zum Bogenfelsen und versuchten, das letzte Sonnenlicht mit unseren Kameras einzufangen.

20160713-180312-5N7A9630.jpg


20160713-181509-IMG_9125.jpg


20160713-182307-5N7A9676.jpg


Irgendwann kamen zwei Südafrikaner dazu, marschierten grußlos um uns herum und machten den Anschein, irgendetwas vorzubereiten. Wir merkten gleich, dass sie sehr viel wichtiger waren als wir, denn unübersehbar war mit leuchtend roten Buchstaben das Logo ihrer geführten Fotosafari auf die Rückseite ihrer Jacke „tätowiert“. Augenscheinlich saßen wir ihnen im Weg herum, und wir mussten aufpassen, dass sie uns nicht versehentlich auf die Füße traten, so nah liefen sie an uns vorbei. Auf Nachfrage erklärten sie uns, dass sie später am Bogenfelsen Nachtaufnahmen machen würden. Welch Überraschung! Genau das war ja auch unser Plan – zumindest noch zu diesem Zeitpunkt. Wir ergriffen die Flucht, was vielleicht ein Fehler war.
Zurück am Auto bereiteten wir das Abendessen. Es gab Boerewors vom Grill, Brot mit Knoblauchbutter und gemischten Salat. Anschließend spülten wir schnell, erklommen dann den Granithügel neben der Campsite und marschierten zum Rock Arch. Dort war die Hölle los und die Fotografen-Truppe der Südafrikaner bereits voll in Aktion. Während mehrere Leute mit Stativen etwas entfernt standen, saß der Chef direkt unterhalb der Steinbrücke und leuchtete nach lautstarkem Countdown und mehrfach gebrülltem „Are you ready, Percy? John? Mitch?“ mit der Taschenlampe den Bogenfelsen an und gab den Fotografen Anweisungen. Die Situation war völlig klar: Die Gruppe hatte den Ort allein für sich beansprucht und machte keinerlei Anstalten, auf irgendjemanden Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil: Als ein anderer Camper wagte, mit angeschalteter Stirnlampe in Richtung Bogenfels zu laufen, wurde er sehr barsch zurechtgewiesen. Er solle nicht einfach so durchs Bild marschieren und es mit seinem Licht zerstören.
So warteten wir auf einen geeigneten Moment, den Bogen einmal nur mit natürlichem Licht fotografieren zu können, da der Mond relativ hell war und es unserer Meinung nach die künstliche Bestrahlung gar nicht gebraucht hätte. Dies war jedoch nicht möglich. Die Profis lieferten sich eine genau durchgetaktete Laser-Show. Sobald die Lampe aus war, wurden Stative gerückt und Positionen verschoben. Alle sprangen gleichzeitig auf den Felsen herum, und man hatte ständig jemanden auf dem Bild. Etwa zwei Stunden lang hofften wir vergeblich auf die Abreise der Gruppe. Davon war sie aber weit entfernt. Wir wurden völlig ignoriert und bestenfalls wurde geduldet, dass wir unmittelbar nach dem Countdown dasselbe Foto machten wie der Rest der Truppe.

20160713-213117-5N7A9739.jpg


Auf unsere vorsichtige Frage, wie lange der Spuk denn noch andauern würde, und ob man nicht mal für 10 Minuten die Lichter auslassen könnte, klärte man uns verständnisvoll darüber auf, dass solch professionelle Aufnahmen schon noch ihre Zeit dauern würden und wir so bald nicht damit rechnen könnten, hier alleine zu sein. Wie egoistisch von uns! Sie seien heute und morgen wegen solcher Fotos schließlich extra hierhergekommen. Na dann … ist ja interessant!
In Ruth begann es so langsam zu brodeln, und während sie noch überlegte, ob es Uwe gleichzeitig mit allen acht Teilnehmern der Fotosafari im Boxkampf würde aufnehmen können (Manchmal ist es ja auch gut, ein Mädchen zu sein, da müssen andere die Drecksarbeit erledigen), passierte es ihr vielleicht zwei- oder dreimal, dass sie mit ihrer doch ziemlich hellen Taschenlampe quer durch die Langzeitbelichtung des Fototrupps leuchtete. Upps! Das war natürlich nur ein Versehen. 😈
Es war ziemlich offensichtlich, dass aus der geplanten Sternenzeitraffer-Aufnahme mit Bogenfels nichts werden würde. Das war zwar sehr ärgerlich, aber irgendwann ergaben wir uns in unser Schicksal, beschlossen, dass der Bogenfels für heute bereits totfotografiert sei und wollten uns nicht weiter in unseren Ärger hineinsteigern. So liefen wir zurück zu den Autos. Mit Sönke und Sandra saßen wir noch ein wenig zusammen, ließen den Tag ausklingen und gingen dann ins Zelt.

20160713-220158-5N7A9756.jpg


20160713-231600-Startrails-Spitzkoppe2-494-1024.jpg


Kilometer: 9
Teil 1123. Nov. 2016
Tag 7 – Donnerstag, 14. Juli 2016 – Kurze Etappe zum Brandberg

Spitzkoppe – Brandberg White Lady Lodge

Kurz nach Sonnenaufgang standen wir auf und liefen zum Bogenfelsen. Die vereinnahmende Fotografen-Gruppe war natürlich auch schon wieder da und lungerte mit ihren Stativen genau unterhalb des Bogenfelsens herum. So war es kaum möglich, ein halbwegs schönes Foto zu machen. Trotzdem blieben wir einige Zeit und liefen den Leuten wenigstens ab und zu mal durchs Bild.

20160714-075300SpitzkoppePano1280.jpg


20160714-084507-IMG_9251.jpg


Felsenschwalbe

20160714-085704-LV6A0560.jpg


Anschließend frühstückten wir lange und ausgiebig. Die Sonne brannte bereits wieder heiß vom Himmel. Da wir heute keine lange Etappe vor uns hatten, brachen wir erst spät auf. Zuvor erklommen wir noch einen Hügel zu den sog. Rock Pools. Dort fegte uns plötzlich ein Wind entgegen, dass wir kaum vorwärts kamen. Oben wurden wir mit einer schönen Aussicht auf die Spitzkoppe belohnt.

20160714-112017-5N7A0421.jpg


20160714-112946-5N7A0439.jpg


Die Strecke bis Uis dauerte zirka eine Stunde. Ruth übernahm das Steuer und übte sich im Umgang mit dem Landcruiser.

20160714-124441-5N7A0483.jpg


In Uis tankten wir und kauften im kleinen, aber gut sortierten Supermarkt Brötchen und Wasser. Dann machten wir Pause im „Cactus and Coffee“, einem kleinen, sehr nett eingerichteten Café am Ende der Stadt.

20160714-161328-IMG_3942.jpg


20160714-151241-5N7A0512.jpg


20160714-153121-5N7A0514.jpg


20160714-153157-5N7A0517.jpg


Überall standen Sukkulenten herum, und alles war äußerst einladend. Wir aßen zunächst getoastete Sandwiches mit Pommes und anschließend Kuchen. Alles war lecker, und die lange Pause tat uns gut.

Rotstirn-Bartvogel

20160714-142648-IMG_9272.jpg


Zu dem Café gehört auch ein liebevoll gestalteter Campingplatz. Hätten wir keine Reservierung für den Brandberg gehabt, wären wir vielleicht sogar dort geblieben. Nachdem wir uns dank kostenlosem WLAN mal wieder zu Hause gemeldet hatten, fuhren wir weiter.
Bis zur Brandberg White Lady Lodge war es nicht mehr weit. Da die Landschaft aber sehr schön und die Aussichten immer besser wurden, hielten wir noch einige Male an.

20160714-163044-5N7A0546.jpg


20160714-165905-5N7A0576.jpg


20160714-171059-5N7A0596.jpg


Bei der Lodge checkten wir ein. Da es dort aber sehr rummelig war, fuhren wir schnell zum weitläufigen Campingplatz. Wir entschieden uns für einen großen Stellplatz unter einem Baum und entdeckten ein paar Rüppelspapageien.

20160714-180650-5N7A0612.jpg


20160714-174630-LV6A0574.jpg


Vor dem Abendessen spazierten wir noch ein wenig herum.

20160714-182207-IMG_9334.jpg


20160714-184100-5N7A0633.jpg


Beim letzten Tageslicht duschten wir. Dann machten wir Avocadosalat mit Thunfisch und Mais. Sönke und Sandra grillten, und wir legten noch ein paar Folienkartoffeln in die Glut. Der Halbmond ging auf und tauchte den Campingplatz in sein helles Licht.

20160714-215258-5N7A0656.jpg


Nach dem Spülen saßen wir zwar noch einige Zeit beisammen, wurden aber von Minute zu Minute müder. Wieder hatten wir noch 18 Grad, als wir ins Zelt gingen.

Kilometer: 133
Teil 1224. Nov. 2016
Tag 8 – Freitag, 15. Juli 2016 – Rund um den Brandberg

Brandberg White Lady Lodge – Rhino Ugab Camp

Die Nacht auf dem Campingplatz der Brandberg White Lady Lodge war ruhig, warm und windstill. Wir standen kurz nach Sonnenaufgang auf. Sönke, Sandra und Lia schliefen noch.

20160715-075357-5N7A0670.jpg


Wir kramten ein wenig und stellten unseren Tisch in die Morgensonne. Dann sammelte Uwe trockene Stöckchen und befeuerte den Kelly-Wasserkocher. Es klappte auf Anhieb und funktionierte gewohnt schnell, auch wenn es ziemlich qualmte.

20160715-092903-IMG_3956.jpg


Bei Kaffee, Tee, Brötchen mit Nutella und Marmelade ließen wir den Tag langsam angehen. Sönke, Sandra und Lia kamen auch dazu, und wir genossen den schönen Morgen. Nach dem Frühstück trennten wir uns für heute von unseren Freunden, und wir fuhren los in Richtung unseres Tagesziels Messum-Krater.

20160715-105432-5N7A0688.jpg


Unmittelbar östlich des Brandbergs fuhren wir auf einem schmalen Track nach Süden. Die Strecke war gut zu fahren, und wir sahen ein paar Trappen und in großer Entfernung einen Kudu-Bullen.

Rüppelltrappe

20160715-114557-LV6A0577.jpg


20160715-115911-5N7A0702.jpg


Wir erreichten die D2342 genau an der Stelle, bei der sich gegenüber an einem Hügel ein einzelner Felsen befindet, der wie ein Elefantenkopf aussieht. Just an dieser Stelle waren wir vor drei Jahren kaum mit unserem Wagen wieder herausgekommen. Wir waren den steilen, tiefsandigen Weg hineingefahren, den wir umgekehrt nicht mehr hinauf gekommen waren. Dieses Mal blieben wir außerhalb stehen und liefen zu Fuß zu der kleinen Sehenswürdigkeit.

20160715-122317-5N7A0710.jpg


Seit einem guten Jahr gibt es hier einen kleinen Campingplatz, der von einer einheimischen Familie betrieben wird. Außerdem kann man dort handgemachte Ketten und Armbänder kaufen. Nachdem wir ein wenig herumgelaufen und uns die Gegend angesehen hatten, erstand Ruth zwei Halsketten.

20160715-130541-5N7A0746.jpg
Teil 1324. Nov. 2016
Weiter ging es nach Westen. Am direkten Abzweig zum Messum-Krater fuhren wir vorbei, da wir noch einen Aussichtspunkt weiter nördlich besuchen wollten. Die Straße führte an unzähligen Welwitschias aller Größen vorbei.

20160715-133452-IMG_3967.jpg


20160715-134924-IMG_3975.jpg


20160715-140131-5N7A0758.jpg


20160715-140732-5N7A0762.jpg


Uns begegnete kein anderes Auto. Von der D-Straße zweigte eine schmale, unscheinbare Fahrspur in die Berge ab. Sie führte sehr kurvig und mit steinigem Untergrund stetig bergauf. Teilweise kletterten wir über große Steinbrocken. Wir kamen an zwei Ruinen vorbei, von denen lediglich noch eine Hauswand zu sehen war. Der Weg wand und zog sich, aber schließlich erklommen wir die letzte Steigung, und uns verschlug es fast die Sprache. Die Aussicht über das Ugab-Tal, die sich vor uns auftat, war grandios. Aber nicht nur über die Abbruchkante hinweg, sondern in alle Richtungen hatten wir eine fantastische Rundumsicht.

20160715-150132-5N7A0809.jpg


20160715-151838-5N7A0845.jpg


20160715-151920-5N7A0849.jpg


20160715-160100-Brandberg-Pano-1280.jpg


20160715-160244-5N7A0884.jpg


20160715-162312-IMG_9359.jpg


Hier machten wir ein Picknick und genossen das Gefühl, alleine auf der Welt zu sein. Da wir das letzte Wegstück nur sehr langsam fahren konnten, war nicht abzuschätzen, wie lange wir auf wahrscheinlich ähnlichen Wegen Richtung Süden bis zum Messum-Krater benötigen würden. Um nicht in die Dunkelheit zu kommen, änderten wir unseren Plan. Wir fuhren auf dem gleichen Weg zurück zur D-Straße und dann weiter nach Norden zum Ugab Rhino Camp. Dies war leicht zu erreichen, und wir kannten es bereits von einem früheren Besuch. Gegen Ende der Strecke wählten wir eine Alternativroute und kamen durch ein Tal, das übersät war mit leeren Glasflaschen und sonstigem Müll. Wir waren ziemlich schockiert über den ganzen Unrat an verrosteten Blechen, Drähten und Scherben.
Unser Stellplatz von vor drei Jahren im Camp war frei, und so richteten wir uns ein. Nachdem das Duschwasser heiß war, wuschen wir den Staub vom Körper und machten Grillfeuer.

20160715-181337-IMG_9379.jpg


20160715-184021-IMG_4002.jpg


Da wir erst spät Picknick gemacht hatten, war unser Hunger nicht so groß. Daher grillten wir das letzte Fleisch aus Windhoek (Rinderfilet) und machten Brote mit Knoblauchbutter.

20160715-193906-5N7A0943.jpg


Morgen wollen wir mit Sonnenaufgang losfahren und dann über den Messum-Krater und Cape Cross nach Swakopmund gelangen.

Kilometer: 130
Teil 1429. Nov. 2016
Tag 9 – Samstag, 16. Juli 2016 – Am Messum-Krater vorbei zur Küste

Rhino Ugab Camp – Meikes Gästehaus, Swakopmund

Die Nacht am Ugab war ruhig und mild. Wir wachten auf, bevor die aufgehende Sonne ihre Strahlen ins Flussbett warf. Schnell packten wir zusammen und verschoben das Frühstück auf später. Im Baum auf der Campsite sahen wir einen Fiscal, der todesmutig ein Plätzchen zwischen den langen Dornen fand. Sonst waren nicht sehr viele Vögel unterwegs.

20160716-080721-LV6A0589.jpg


20160716-082905-IMG_4015.jpg


Bei der Ausfahrt aus dem Camp ließen wir eine Tüte mit Kartoffeln und anderem Gemüse bei einer netten Angestellten, da wir in den nächsten Tagen in Swakopmund nicht selbst werden kochen müssen und Angst hatten, dass uns die Sachen verderben.
Zunächst ging es dieselbe steinige Strecke zurück, die wir gestern gekommen waren.

20160716-084248-5N7A1665.jpg


Dann blieben wir jedoch auf der D2303 und bogen später in Richtung Messum-Krater ab. Zu Beginn der Etappe lag erneut jede Menge Müll neben der Straße. Wir hatten fast das Gefühl, durch eine Deponie zu fahren.

20160716-085157-IMG_4029.jpg


20160716-085208-IMG_4030.jpg


Die ganze Zeit über sahen wir kein anderes Auto, außer einem älteren Modell, das wir uns zwar genauer anschauten, dann aber doch nicht gegen unseren Wagen eintauschen wollten.

20160716-090755-IMG_4039.jpg


20160716-090728-IMG_4038.jpg


Wir fuhren über weite Ebenen fast ohne jede Vegetation, nur Steine in allen erdenklichen Braun-, Grau- und Erdtönen. Umso erstaunlicher war es, dass wir ein paar einzelnen Springböcken begegneten.

20160716-092652-5N7A1681.jpg


20160716-094804-5N7A1729.jpg


Entlang der Strecke sahen wir unzählige Welwitschias in den verschiedensten Größen, viel mehr als in den Welwitschia-Ebenen nahe der Mondlandschaft von Swakopmund. Einige waren wirklich beeindruckend.

20160716-095436-IMG_4048.jpg


20160716-102104-5N7A1745.jpg


20160716-102511-IMG_4078.jpg


Das Gebiet des Messum-Kraters ist landschaftlich wunderschön. Gleich zu Beginn sahen wir etwas erhöht an einem Berg einen Felsüberhang. Da die Auffahrt recht steil war, ließen wir das Auto stehen und erkundeten den Platz zu Fuß. Von hier oben hatte man eine fantastische Aussicht über die Ebene und die angrenzenden Berge. Reifenspuren zeigten uns, dass andere mutiger waren als wir. Trotzdem war Ruth glücklich, das Auto unten gelassen zu haben, denn sie setzte sich beim Hinunterlaufen auf dem rutschigen Untergrund auf den Hosenboden. Ihr erschrockener Ausruf wurde an der Felswand mehrfach als Echo zurückgeworfen.

20160716-105700-Messum-Pano.1280.jpg


Im Übrigen waren wir froh, uns gestern für das Ugab Rhino Camp als Übernachtungsplatz entschieden zu haben, denn wie sich herausstellte, ist das Campen im Gebiet des Kraters nicht erlaubt. Überall standen Hinweisschilder, die dies ausdrücklich verboten. Das hatten wir nicht gewusst, und es hätte sehr stressig werden können, wenn wir das gestern Abend erst mit Sonnenuntergang festgestellt und uns einen alternativen Übernachtungsplatz hätten suchen müssen.
Bald erreichten wir an einem Hügel inmitten einer Ebene einen Picknickplatz, wo wir Pause machten. Wir kombinierten Frühstück und Mittagessen, kochten Eier und aßen Brötchen. Dabei besuchte uns ein unscheinbarer Vogel, den wir noch nie zuvor gesehen hatten. Wir bestimmten ihn als Namibschmätzer (Tractrac Chat). Immer wieder schlug er mit seinen Flügeln und kam zutraulich recht nah an uns heran.

20160716-120107-IMG_4093.jpg


20160716-121910-LV6A0651.jpg


20160716-121502-LV6A0618.jpg


Und noch etwas kam näher. Wo auch immer es herkam, hielt plötzlich ein Fahrzeug neben uns, und vier Leute stiegen aus. Es handelte sich um Angestellte des Nationalparks. Sie wollten unser Permit sehen. Ach du Schande, wie unangenehm! Auch das hatten wir nicht gewusst. Während wir eigentlich dachten, über die verschiedenen Permitstrecken recht gut informiert zu sein, war uns diese hier anscheinend völlig durchgegangen. Wir konnten natürlich nichts vorzeigen und hatten auch kein schlechtes Gewissen, da wir ja nicht erwarteten, etwas falsch gemacht zu haben. Das wurde uns aber recht schnell klar. Die Laune des Officers war – zugegebenermaßen zu Recht – ziemlich frostig, und man wies uns darauf hin, dass wir ein Schild übersehen hätten. Obwohl wir beide uns sicher waren, dass entlang unseres Weges kein entsprechendes Hinweisschild gestanden hatte, entschuldigten wir uns mehrfach, dass wir nicht absichtlich kein Permit besorgt hatten. Zum Glück waren die Parkangestellten nachsichtig mit uns und beließen es bei einer Ermahnung.
Teil 1529. Nov. 2016
Auf direktem Weg fuhren wir Richtung Küste und erreichten die Hauptstraße in Höhe der Robbenkolonie Cape Cross. Auf den letzten Kilometern Richtung Atlantik nahm die Temperatur mehr und mehr ab. Während wir im Messum-Krater noch 26 Grad hatten, zeigte das Thermometer am Meer nur noch 13 Grad an.

20160716-133528-5N7A1790.jpg


Beim Bezahlen der Eintrittsgebühr sahen wir im Registrierungsbuch, dass Sönke, Sandra und Lia kurz vor uns angekommen waren. So trafen wir die drei ungeplant schon jetzt wieder. Es war frisch und bedeckt, und der starke Geruch der Robben setzte sich in unsere Nasen. Wir hatten den Eindruck, dass noch mehr Tiere versammelt waren als letztes Jahr. Überall lagen die Körper übereinander, und es blökte aus tausend Mäulern. Dazwischen saßen oder flogen Seemöwen. Wir beobachteten das Getümmel eine ganze Zeit lang, denn es gab immer wieder Neues zu entdecken. Ohne Rücksicht wälzten sich stattliche Bullen über die Kühe und ihre Kälber hinweg zum Meer, Jungtiere hingen schmatzend an den Zitzen ihrer Mütter, es wurde geschlafen, gekuschelt und aus verschlafenen Augen umhergeblinzelt. Hin und wieder rollte sich ein Tier von der linken auf die rechte Seite oder stieg über die Leiber einiger Artgenossen hinweg, was ihm unfreundliches Schnauben einbrachte. Während der Gang der Robben an Land mit hin- und herpendelndem Oberkörper recht unbeholfen und mühsam erscheint, sind ihre Bewegungen in der starken Brandung wirklich beeindruckend. In den wildesten Fluten tummeln sie sich kopfüber in den hohen Wellen, und es grenzt an ein Wunder, dass sie nicht völlig zerschmettert an den harten Felsen aufprallen. Leider sahen wir auch zwei Seerobben, denen es nicht so gut ging. Die eine hatte sich in einer Plastiktüte verfangen, die sich als Schlinge um ihren Hals gelegt hatte, und die andere war in einen Draht geraten, der ebenfalls in ihren Hals schnitt. Da die eine Robbe nicht weit vom Besuchersteg entfernt lag, wäre Ruth am liebsten gleich selbst losmarschiert und hätte die Plastiktüte zerschnitten. Das trauten wir uns dann aber doch nicht.

20160716-135716-5N7A1797.jpg


20160716-140312-IMG_9390.jpg


20160716-141317-5N7A1822.jpg


20160716-141451-IMG_9435.jpg


20160716-141656-IMG_9449.jpg


20160716-141716-IMG_9452.jpg


20160716-142111-IMG_9469.jpg


20160716-142245-5N7A1834.jpg


20160716-142855-IMG_9503.jpg


Bald waren wir ziemlich durchgefroren, da wir immer noch kurze Hosen anhatten, und so machte es uns nicht viel aus, unseren Weg fortzusetzen. Den Gestank konnten wir ohnehin nicht mehr länger ertragen (wir waren uns sicher, dass er uns in Haaren und Kleidung begleiten würde).
Eine gute Stunde brauchten wir bis Swakopmund. Inzwischen war die Sonne zum Vorschein gekommen. Bei Meike und Klaus tranken wir Kaffee und unterhielten uns ein wenig. Dann räumten wir alle Sachen ins Zimmer und duschten den Robbenmief ab. Zum Abendessen gingen wir in den Secret Garden und aßen ganz untypisch für Afrika eine Pizza.

Kilometer: 258
Teil 1601. Dez. 2016
Tag 10 – Sonntag, 17. Juli 2016 – Wüste und Küste

Meikes Gästehaus, Swakopmund

Heute mussten wir für Swakopmund verhältnismäßig früh aufstehen. Bereits um 7.15 Uhr saßen wir beim Frühstück, da wir um acht Uhr von Sean abgeholt wurden. Dieses Jahr haben wir die Desert Tour von Batis Birding Safaris gebucht. Im Gegensatz zu den bekannteren Veranstaltern sollten die Gruppen nicht so groß sein. Heute waren wir acht Leute im ersten Auto, und ein zweiter Wagen folgte mit drei weiteren Gästen. Die Gruppe war sehr angenehm.
Wir fuhren nicht mitten in die Sanddünen hinein, sondern nur am Rand um sie herum.

Namiblerche

20160717-094440-LV6A0661.jpg


20160717-094819-IMG_9567.jpg


20160717-095527-IMG_9570.jpg


20160717-102018-5N7A1891.jpg


Wir erhielten eine Einführung in die Nahrungskette und das Zusammenspiel von Meeresströmung, Nebel, Pflanzen und Tieren. Sean zeigte uns auch einen riesigen Pferdefriedhof, wo vor vielen Jahren zweitausend Tiere getötet werden mussten, nachdem sich eine bakterielle Krankheit ausgebreitet hatte. Noch heute kann man einige der unzähligen Tierknochen sehen.
Wir fuhren ganz gemütlich durch die Wüste. Ab und zu hiel Sean an und zeigte uns etwas Interessantes. Dazu gehörten ein kleiner Skink und ein winziger Palmato-Gecko. Da die Haut des Geckos sehr sonnenempfindlich ist, war nur ein ganz kurzes Fotoshooting möglich, bevor sich der kleine Kerl wieder rasch im schützenden Sand einbuddelte.

20160717-102907-IMG_9623.jpg


Auf eine Dancing White Lady mussten wir verzichten, denn Sean erklärte, dass die Spinne viel Arbeit und Energie darauf verwendet, ihren Unterschlupf zu bauen, den er beim Ausgraben nicht zerstören will. Wir waren nicht traurig, da wir auch ohne Spinne genug zu sehen bekamen.
Verschiedene Echsen und ein Skorpion flitzten an den Dünenflanken entlang. Es war gar nicht so einfach, ein einigermaßen scharfes Foto zu bekommen, da das Krabbeltier ständig in Bewegung war und nicht einmal verharrte.

20160717-104433-IMG_9646.jpg


20160717-105815-IMG_9669.jpg


Fasziniert waren wir auch von der kleinen Horn-Adder, die unter einem Busch zusammengerollt lag. Ohne Hilfe hätten wir sie niemals entdeckt.

20160717-112454-5N7A1958.jpg


20160717-114043-5N7A1966.jpg


20160717-114548-LV6A0694.jpg


20160717-115128-LV6A0698.jpg


Ab und an stiegen wir aus den Autos und liefen ein wenig umher. Während wir durch die Wüstenlandschaft wanderten, hatten wir schnell zwei treue Begleiter gefunden. Zwei Chats waren offenbar gut mit Sean befreundet. Kein Wunder, denn als Geschenk hatte er ein paar Mehlwürmer dabei. Die Vögel schlugen aufgeregt mit den Flügeln und folgten uns von Busch zu Busch. Sie waren so zutraulich, dass sie Sean die Würmer sogar aus der Hand nahmen.

20160717-110005-IMG_9691.jpg


20160717-110643-LV6A0682.jpg


Zwischendurch gab es Getränke und ein paar kleine Snacks. Wir bestiegen eine nahe Düne und schauten auf die vielen Linien und Spuren im Sand.

20160717-120539-5N7A1982.jpg


20160717-120639-5N7A1990.jpg


20160717-121927-LV6A0731.jpg


Zu unserer großen Freude entdeckten wir auch wieder zwei Chamäleons. Das erste hatte leider keinerlei Interesse an einer Mahlzeit und verschmähte den angebotenen Mehlwurm.

20160717-124612-LV6A0754.jpg


Das zweite Chamäleon saß schon von weitem gut sichtbar an einer alten Bahnschiene auf einem Stein, als würde es auf den Zug warten. Es freute sich sehr über die Abwechslung und die dargebotenen Würmer. Schnell den Fotoapparat im Anschlag und auf Dauerfeuer gestellt, bevor die lange, klebrige Zunge den armen Wurm schnappte und wieder im Maul verschwunden war. Das ging so schnell, dass man mit bloßem Auge keine Einzelheiten erkennen konnte.

Am Sonntag um 13:25 Uhr fraß es einen dicken Mehlwurm, aber satt war es immer noch nicht.

20160717-132556-LV6A0820.jpg


Am Sonntag um 13:26 Uhr fraß es noch einen dicken Mehlwurm, aber satt war es immer noch nicht.

20160717-132720-LV6A0875.jpg


Am Sonntag um 13:27 Uhr fraß es einen weiteren Mehlwurm, aber es hatte immer noch Hunger.

20160717-132616-LV6A0844.jpg


Am Sonntag um 13:28 Uhr fraß es den letzten Wurm.

20160717-132543-LV6A0801.jpg


Jetzt war es glücklich und zufrieden.

20160717-132845-LV6A0893.jpg
Teil 1701. Dez. 2016
Gegen 14 Uhr wurden wir glücklich, aber müde wieder an der Pension abgeliefert. Dort machten wir eine gemütliche Mittagspause in Meikes Garten.

20160717-142950-LV6A0907.jpg


Dann packten wir wieder das gesamte Fotogeraffel und fuhren in den Süden von Walvis Bay zu den Flamingos. Auf dem Weg dorthin kamen uns immer wieder Polizeiautos entgegen, plötzlich sogar auf unserer Spur. Zusammen mit dem Auto vor uns blieb uns nichts anderes übrig, als sehr spontan auf den Seitenstreifen auszuweichen. Das war gar nicht so ungefährlich, da dieser sandig und unbefestigt war. Kurz darauf passierten uns mehrere Polizeiwagen, die ein paar schwarze Autos mit Flaggen am Kotflügel eskortierten. Wir hatten ja nichts dagegen, den Präsidenten oder wen auch sonst Wichtigen vorbeizulassen, aber uns einfach mit Gewalt von unserer Fahrspur zu drängen, war schon recht fragwürdig und hätte auch leicht schief gehen können.
Bei den Salzfeldern standen tausende Flamingos. Einige Zeit folgten wir der Spur Richtung Pelican Point und sahen auch noch andere Wasservögel.

20160717-171030-5N7A2178.jpg


Zwergflamingo

20160717-164608-LV6A0935.jpg


Fahlregenpfeifer

20160717-170039-LV6A0966.jpg


20160717-172157-IMG_9784.jpg


20160717-174106-IMG_9804.jpg


Danach stellten wir das Auto bei der Pension ab und liefen zur Jetty, wo wir einen Tisch zum Sonnenuntergang reserviert hatten. Ganz außen auf dem Landungssteg ließen wir uns Sushi Oryx und Kingklip schmecken. Uwe nahm sogar noch einen total leckeren Schoko-Vulkan zum Nachtisch. Bei milden Temperaturen liefen wir zurück, duschten und gingen ins weiche Bett.

Kilometer: 103
Teil 1804. Dez. 2016
Tag 11 – Montag, 18. Juli 2016 – Ein Tag am Meer

Meikes Gästehaus, Swakopmund

Wir schliefen aus und gingen gegen acht Uhr zum Frühstück. Im Gegensatz zu gestern schien bereits die Sonne von einem blauen Himmel. Im Namibia-Forum hatten wir gelesen, dass ab Ende der Woche eine Kaltfront mit minus 10 Grad im Süden vorhergesagt ist. Davor haben wir ein bisschen Angst, weil wir genau dann im KTP sein werden, wo es erfahrungsgemäß ohnehin immer recht kalt ist. Wir werden sehen.
Nach dem Frühstück gingen wir zu Fuß in die Innenstadt und bummelten ein wenig durch die Geschäfte. Ruth fand einen weißen Hosenrock und ein graues Kleid. Beides wanderte in die Einkaufstasche. Außerdem sprachen wir ein paar Makalani-Nussschnitzer an und gaben zwei Spezialmotive in Auftrag. Ruth brauchte einen Schlüsselanhänger für ihr neues erstes Schuljahr. Diesmal handelte es sich auch um ein für Namibia einfaches Motiv – einen Elefanten. Beim letzten Mal hatte es der Schnitzer mit dem Känguru noch schwerer. Während die Schnitzaufträge in Arbeit waren, tranken wir einen Kaffee bzw. Kakao. Anschließend waren die Nüsse fertig und wirklich schön. Leider wollte der Schnitzer eine viel zu hohe Summe für seine Arbeit. Wir hatten es versäumt, den Preis vorher auszuhandeln und versuchten, ihn auf den Teppich zurückzuholen. Obwohl er die Nüsse mit der Sonderanfertigung bestimmt an niemand anderen mehr losgeworden wäre, diskutierte er immer weiter und ließ sich nicht auf unsere Preisvorschläge ein. Die Verhandlungen waren wirklich anstrengend. Schließlich dauerte es uns zu lange, und wir bezahlten etwas mehr, als wir vorgehabt hatten.
Zurück an der Pension trafen wir Sönke, Sandra und Lia, die gerade von ihrer Living-Desert-Tour zurückgekommen waren. Voller Begeisterung erzählten sie von ihren Tiersichtungen.
Bei einer Mittagspause pirschte Ruth wieder mal den Vögeln im Garten hinterher.

Wellenastrilde

20160718-112215-IMG_9821.jpg


Maskenweber alias BVB-Weber 😉

20160718-112301-IMG_9826.jpg


Gemeinsam mit unseren Freunden liefen wir nochmal in die Stadt und setzten uns vor ein Café. Wir aßen Burger, Bagel, Omelett und Kuchen. Danach trennten wir uns wieder. Wir gingen zum Strand und liefen zum ersten Mal bis zur Tiger Reef Bar. Die hatte zwar heute geschlossen, aber eigentlich ging es uns um die kleine Lagune zwischen der Bar und der Swakopmündung, wo viele Wasservögel zu finden waren. Wir konnten sie zwar aus der Ferne sehen, wollten aber auch gerne Fotos machen. Daher liefen wir schnell zurück zur Pension und holten das Auto und die Kameras. Damit konnten wir dann einige Wasservögel erwischen.

Hier brauchen wir Hilfe bei der Bestimmung. Sieht aus wie eine junge Möwe.

20160718-173512-LV6A1002.jpg


Dreibandregenpfeifer

20160718-173603-LV6A1008.jpg


Weißbrustkormoran

20160718-173651-LV6A1010.jpg


Graureiher

20160718-174914-LV6A1059.jpg


Um die Vögel nicht zu verscheuchen, pirschten wir sehr langsam und vorsichtig an sie heran. Nach jedem Schritt blieben wir stehen und versanken dabei zunehmend in einem Salz-Matsch-Gemisch, je näher wir dem Wasser kamen. Unsere Schuhe waren dick verklebt und rochen nicht besonders angenehm.
Rosapelikan

20160718-175143-LV6A1071.jpg


20160718-175928-LV6A1135.jpg


20160718-175935-LV6A1141.jpg


20160718-175959-LV6A1146.jpg


20160718-180817-LV6A1202.jpg


Teichhuhn

20160718-175307-LV6A1082.jpg


Kapstelze

20160718-175653-LV6A1115.jpg


Säbelschnäbler

20160718-180047-LV6A1152.jpg


20160718-181834-LV6A1226.jpg


Eilseeschwalbe

20160718-180339-LV6A1172.jpg


Seidenreiher

20160718-181047-IMG_9940.jpg


20160718-181932-LV6A1231.jpg


Hirtenregenpfeifer

20160718-181750-LV6A1214.jpg


20160718-182030-LV6A1238.jpg


Zum Sonnenuntergang liefen wir nochmal zur Jetty.

20160718-182841-IMG_9959.jpg


20160718-182902-IMG_9960.jpg


Danach fuhren wir zurück in die Pension, duschten und machten uns fertig. Erneut ging es, diesmal zu Fuß, hinunter zum Meer. Es war kurz nach Sonnenuntergang, und wir erlebten einen Himmel in Dunkelorange.

20160718-191238-IMG_4171.jpg


Unser Tisch im Tug wartete auf uns, und ein junger Kellnerlehrling freute sich, mit uns seine ersten Erfahrungen zu sammeln. Er war sehr bemüht, sein Timing jedoch nicht immer ganz passend.
Wir ließen es uns gutgehen. Nach der Bruschetta-Vorspeise, die wir uns teilten, aßen wir scharfen Blackened Fish und ein Oryx-Steak. Es gab reichliche Beilagen und Rotwein. Nach dem Essen bekam Uwe eine tolle Nachspeise (ähnlich der von gestern mit flüssigem Schokoladenkern), und Ruth bestellte einen Cocktail.

Kilometer: 0
Teil 1910. Dez. 2016
Tag 12 – Dienstag, 19. Juli 2016 – Einkauf und Dünenspaziergang

Meikes Gästehaus, Swakopmund

Wir konnten uns wieder Zeit lassen mit dem Aufstehen und Frühstücken. Wir genießen diesen „Urlaub vom Urlaub“ sehr, bevor wir wieder auf Camping wechseln. Nach dem Frühstück saßen wir noch einige Zeit mit Klaus und Meike zusammen und erzählten. Da der Fensterheber an Uwes Autotür ein komisches Geräusch von sich gab, wollten wir uns heute noch darum kümmern. Nicht, dass wir in zwei Wochen plötzlich die Scheibe nicht mehr bewegen können. So rief Uwe bei Savanna an und wurde zu Toyota geschickt. Dort konnte man auf die Schnelle nichts finden. Man müsse die Türinnenverkleidung entfernen, und dazu habe man erst heute Nachmittag Zeit. Bis dahin erledigten wir den Lebensmitteleinkauf für die kommende Woche.
Bei Fruit and Veg fanden wir fast alles, insbesondere leckeres Müsli, Wildfleisch und Gemüse. Ruth bekam am Sushi-Stand ganz große Augen. Aber auch ein paar Süßigkeiten wanderten in den Einkaufswagen.

20160719-130241-IMG_4178.jpg


20160719-135517-IMG_4182.jpg


Den Rest kauften wir im großen Spar. Nutella fanden wir leider ausschließlich in kleinen Gläschen. Zurück in der Pension verstauten wir alles ordentlich im Wagen und füllten den Kühlschrank bis oben. Ruth wischte den Staub aus dem Innenraum.
Kurz vor zwei fuhr Uwe wieder zu Toyota und schaute zu, wie der Mechaniker versuchte, das seltsame Knacken im Fensterheber zu lokalisieren. Dies war gar nicht so leicht. Nach einer halben Stunde und der Demontage der halben Tür war die Ursache gefunden: Das Halteband der Tür hatte, nur wenn diese geschlossen war, minimalen Kontakt zur herunterfahrenden Scheibe. Nachdem das Metallteil ein wenig bearbeitet war, schloss das Fenster wieder ohne Knacken. Uwe war froh und bedankte sich für den Einsatz.
Ruth hatte in der Zwischenzeit das Geschirr von unserem letzten Picknick am Messum-Krater gespült und mit Meike gemütlich zusammen im Garten gesessen.

20160719-152243-IMG_9972.jpg


Zu dritt fuhren wir mit Hund Emmi an den Stadtrand und liefen eine Runde durch die Dünen. Wir dehnten unseren Spaziergang aus, sahen dutzende Bülbüls und liefen zum Sonnenuntergang auf eine hohe Sanddüne. Von dort sahen wir sowohl die rote Sonne im Atlantik versinken, als auch gegenüber den Vollmond aufgehen. Es war herrlich warm, wir genossen das Licht und die Stimmung. Wir fühlen uns in Swakopmund und insbesondere bei Meike und Klaus so wohl, dass wir hier problemlos Wochen verbringen könnten. Leider müssen wir morgen bereits wieder aufbrechen.

20160719-173926-5N7A2202.jpg


20160719-180003-5N7A2220.jpg


20160719-180247-5N7A2227.jpg


20160719-181604-5N7A2269.jpg


20160719-183607-5N7A2315.jpg


20160719-184039-5N7A2325.jpg


Zurück in der Pension hatte Ruth gerade noch Zeit zu duschen, bevor wir mit Sönke, Sandra und Lia zum Abendessen im Ocean Cellar verabredet waren. Dies ist eines von mehreren Restaurants im neuen Strandhotel und auf Fisch spezialisiert. Es gab Sushi und Hake-Stücke im Bierteig mit Remouladensoße und als Hauptspeise Kingklip mit superscharfer Peri-Peri-Soße. Den Ocean Cellar haben wir sicher nicht das letzte Mal besucht, denn alles schmeckte ganz hervorragend.

Kilometer: 0 (außer ein paar in Swakopmund)
Teil 2010. Dez. 2016
Tag 13 – Mittwoch, 20. Juli 2016 – Abschied von Swakopmund

Meikes Gästehaus, Swakopmund – Anib-Lodge, Mariental

Am letzten Morgen in Swakop ließen wir uns Kaffee, Tee, Brötchen mit leckerer, selbstgemachter Guaven- und Orangenmarmelade, Wurst, Schinken, Käse, Toast und Müsli noch einmal besonders schmecken. Wir konnten uns gar nicht losreißen.
Leider nahm auch dieses Frühstück ein Ende, und wir packten die restlichen Sachen nach und nach ins Auto. Der Kühlschrank war bis zum Rand gefüllt. Wir verabschiedeten uns herzlich von Klaus und Meike, was uns wieder nicht leicht fiel. Ruth hatte wie immer einen Kloß im Hals, als wir vom Hof fuhren.
So schnell wie möglich erledigten wir noch letzte Kleinigkeiten: Bei Cymot kaufte Uwe einen Luftdruckmesser für die Autoreifen. Beim Spar kauften wir Brot und holten Geld. Gegenüber beim Metzger bekamen wir noch ein schönes Stück Oryx-Rauchfleisch. Nachdem wir auch das noch in den Kühlschrank gezirkelt hatten, verabschiedeten wir uns von Sönke, Sandra und Lia. Auf dem Parkplatz vor dem Spar wünschten wir uns eine gute Weiterreise.
Endlich brachen wir auf. Inzwischen war es auch schon halb elf. Auf der Teerstraße fuhren wir Richtung Usakos. Immer wieder mussten wir Lastwagen überholen. Dann ging es über Okahandja Richtung Windhoek. Auf diesem Stück kamen wir nur langsam voran, weil die Großbaustelle noch immer mit Geschwindigkeitsbegrenzungen gespickt ist und weil der Verkehr das Überholen von langsamen Lastwagen fast unmöglich macht.

20160720-143348-5N7A2346.jpg


Auf dem Western Bypass umrundeten wir Windhoek und bogen auf die B1 nach Rehoboth.

20160720-152759-5N7A2349.jpg


Während der Fahrt aßen wir Biltong und Kekse. Heute gönnten wir uns keine Picknickpause am Straßenrand. Wir hörten Musik, oder Ruth las aus einem Buch vor. Die Sonne zauberte das schönste Nachmittagslicht über die ersten Ausläufer der Kalahari.
Um halb fünf bogen wir kurz vor Mariental auf die C20 nach Osten ab. Uwe entdeckte im Feld neben der Straße ein Steinböckchen. Im ersten Augenblick hielt er es für ein Dikdik, aber als wir umdrehten und nochmal genauer schauten, erkannten wir die kleine Antilope. Am neuen Tor der Anib-Lodge war unsere Campsite-Reservierung vermerkt, und wir fuhren die wenigen Kilometer zur Lodge. Weit kamen wir nicht, denn plötzlich rief Ruth: „Anhalten!“ In ca. 50 Metern Entfernung bewegte sich neben der Straße ein Tier. Zuerst waren wir uns nicht sicher, ob es sich um einen Schakal oder eine Wildkatze handelte, aber dann waren wir uns sicher: ein Erdwolf. Was für ein Glück! Wir konnten auf die Schnelle und die Entfernung ein paar Schnappschüsse machen, bevor das scheue Tier von uns weglief.

20160720-180200-LV6A1242.jpg


Total euphorisch fuhren wir langsam vor und zurück, konnten den Erdwolf aber nicht mehr sehen. Weiter ging es. Nach nur ca. einem Kilometer passierte dasselbe auf der anderen Seite. Wieder ein Erdwolf. Wir waren uns relativ sicher, dass es nicht dasselbe Tier sein konnte, weil es in die entgegengesetzte Richtung davongelaufen war und uns außerdem in einem Bogen hätte überholen müssen. Was war denn hier los?

20160720-180902-LV6A1266.jpg


Die Anib-Lodge ist vor etwa einem halben Jahr neu aufgebaut worden. Die Rezeption mit integriertem Souvenirshop gleicht einer Empfangshalle. Alles sieht sehr schick und edel aus. Wir wurden nett empfangen und meldeten uns für das Abendessen an, das nicht wie früher als Menü, sondern als Büffet gestaltet ist.
Wir bezogen unsere Campsite Nummer 1 und klappten das Zelt auf. Die Sonne war gerade untergegangen, als wir uns lange Hosen und Jacken anzogen. Sofort ging der rote Vollmond auf. Während wir noch versuchten, den riesigen Mond mit Hilfe des Stativs zu fotografieren, raschelte es neben der Campsite, und etwas kam zielstrebig auf uns zu marschiert. Wir wagten nicht, uns zu rühren, um das Stachelschwein, welches sich so leise genähert hatte, nicht zu verscheuchen. Es umrundete die Campsite und nahm leider schnell im hohen Gras der Kalahari Reißaus. Auch als wir mit der Taschenlampe hinter ihm her leuchteten, konnten wir es bald nicht mehr erkennen. Dann wurden unsere Blicke zum Himmel gelenkt, wo eine Sternschnuppe oder ein Komet schräg und hell über den Nachthimmel schoss und nach ein paar Sekunden verglühte.
Nach der langen, anstrengenden Fahrt waren wir völlig überwältigt von den Ereignissen des Abends. Was hatten wir schon für Night-Drives Zeit und Geld investiert, um dann enttäuscht kaum etwas gesehen zu haben. Und hier gab es, obwohl wir eigentlich nichts Außergewöhnliches erwartet hatten, gleich zwei Erdwölfe und ein Stachelschwein kurz hintereinander.
Das Abendessen fand in einem großen Saal statt. Das Büffet war sensationell. Wir probierten alles, was wir konnten und aßen Gemüsesuppe mit Croutons und Brötchen, Tomaten-, Gurken-, Kartoffel-, Nudel-, Möhren-, Schichtsalat, grünen Salat mit Feta und Oliven, Springbock-Schinken mit Senfsoße, Oryxfilet, Hecht, Pap, Reis und rote Beete und grüne Bohnen sowie verschiedene Soßen. Nachtisch waren Malvapudding und Schokoladeneis. Alles schmeckte hervorragend. Die Kellnerinnen waren sehr aufmerksam und sangen und tanzten zwischendurch. Wie wir es danach noch bis zum Auto zurück schafften, ist uns ein Rätsel.

Kilometer: 653

Zur Diskussion mit allen 413 Beiträgen