Moin, ich habe den Bericht auch gesehen, und mir meine Gedanken gemacht. Hier in Bremen gab es ein Kolonialdenkmal (Steinerner Elefant). Dieses wurde vor Jahre umbenannt in "Antikolonialdenkmal. Vor ein paar Jahren war ich dort zur Jahresfeier, es sprachen MdB aus Bremen. Sie erzählten die wildesten Geschichten. Ich habe 2 der Abgeordneten gefragt, was sie über Namibia wissen. Keine wusste genau zu sagen, wo Namibia liegt oder wann genau es "unter deutscher Fahne stand".
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TAtacitus1'125 Beiträge · seit 202226. Okt. 2023 · #1564
Formal stimmt das mW in dem Sinn, dass Namibia keine eigenständige Verwaltung und Kompetenzen in diesen Fragen hatte usw. Aber inhaltlich? Für eine Minderheit mag Ersteres wohl zutreffend gewesen sein. Aber für Alle soll (das Weiße) Namibia ein Opfer südafrikanischer Fremdherrschaft gewesen sein?
Du sprichst das Problem ja selber an. Waren alle Deutschen Nazis oder wurde der Großteil von diesen "nur" unterdrückt? Waren alle Südafrikaner Anhänger der Apartheid oder wurde dem Großteil das System aufgezwungen, waren alle (weißen) Namibier Anhänger der südafrikanischen Besatzung (und damit der dortigen Apartheidspolitik)? Da gibt es meiner Meinung nach kein richtig oder falsch. Die Wahrheit liegt halt irgendwo dazwischen.
Viele Grüße Christian
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Hajo52409 Beiträge · seit 202226. Okt. 2023 · #1566
Tacitus, Du hast Recht: Katutura wurde durch die damalige Landesregierung unter dem südafrikanischen Administrator gebaut. Als Ersatz für die sog. Alte Werft, was eine Humanisierung weg von den fürchterlichen Blech- und Holzhütten und Shacks bedeutete als ersten Schritt hin zu festen Häusern.
Du darfst aber nicht Dinge durcheinander werfen. Es gab aber nicht nur schwarze Opfer der Apartheidspolitik. Es gab z.B. während der Zeit des Odendaal Plans überwiegend Nutznießer unter den Schwarzen, die das von weißen Farmern besiedelte Land wieder besiedeln konnten. Das waren entwickelte Rinder- und Schaffarmen. Vieles wurde zu Kommunalland, wie z.B. die Gegend um Otjimbingwe für die Hereo. Dann der riesige Bereich was man heute unter Damaraland versteht. Oder Gegenden wie Okombahe für die Herero.
Meine Eltern z.B. wurden von einer Farm aus dem Bezirk Rehoboth ohne finanziellen Ausgleich verwiesen, obwohl es traditionelle Wohnrechte vom Barsterkaptein für die Familie gab. Und so viele andere (weiße) Familien auch. Der Aufkauf von Farmen kam erst später.
Und wer so gerne auf die Apartheid abhebt, darf nicht die Diskriminierung der Deutschen bis 1948 unter der britisch-südafrikanischen SAPPEN-Regierung vergessen. Wo Kindern in Schulen und Internaten verboten wurde, Deutsch zu sprechen.
Auch das System der südafrikanischen Verwaltung änderte sich mehrmals. Erst wurde das Land wie ein Mandatsgebiet verwaltet mit einem Landesrat, dann wurde es wie ein Teil Südafrikas verwaltet, dann wieder in eigener Verwaltung, dann ausschließlich unter einem General-Administrator, der den Übergang zur Unabhängigkeit begleitete.
Das alles mal sehr vereinfacht dargestellt. Nicht alles was als pöhse dargestellt wird war zum Nachteil der Betroffenen. Es gibt immer zwei Seiten einer jeden Medaille.
Gruß H.
Logi16,9k Beiträge · seit 201226. Okt. 2023 · #1567
Hajo52 schrieb:... Und wer so gerne auf die Apartheid abhebt, darf nicht die Diskriminierung der Deutschen bis 1948 unter der britisch-südafrikanischen SAPPEN-Regierung vergessen. Wo Kindern in Schulen und Internaten verboten wurde, Deutsch zu sprechen. ...
Nicht zu vergessen, die Internierung der deutschsprachigen Minderheit in die südafrikanischen Internierungslager, Andalusia und Co.
Eigentlich will ich mich nicht zu solchen Disks äußern, da man schnell in Schubladen landet. Ich sehe das grundsätzliche Problem solcher Dokumentationen zu Historischem darin, wenn sie einseitig sind. Und das ist nun mal bei der NDR-Dokumentation nachweislich der Fall gewesen: "Alles was die Deutschen vor 120 Jahren gemacht haben war schlecht und eine klare Opfergruppe hat darunter gelitten." So klar war es aber nun einmal nicht. Auch einige Täter bzw. ihre Familien waren Opfer, wiederum wurden Opfer auch zu Tätern. Das darf oder soll aber aus politischer Korrektheit (oder sonst welchen Gründen) nicht so der Öffentlichkeit (in Deutschland) präsentiert werden. Das heißt keineswegs, dass die deutsche Kolonialzeit besonders toll war (warum auch, das war eine Kolonialzeit per se nie), jedoch darf man auch nicht verkennen, was diese positives (zumindest langfristig und vielleicht teilweise Jahrzehnte später) gebracht hat - vielleicht nicht auf menschlicher Ebene, aber eben auf anderen Eben (Infrastruktur usw). Und sie ist eben nicht, wie gerne aus deutscher Sicht dargelegt wird, für alles Schlechte auch heute noch in Namibia verantwortlich. Da hatte Geingob mit seiner kürzlichen Äußerung, dass 75 Jahre Unterdrückung durch Südafrika/Apartheid, mindestens genauso schlimm waren, mMn recht.
Viele Grüße Christian
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TAtacitus1'125 Beiträge · seit 202226. Okt. 2023 · #1569
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Logi16,9k Beiträge · seit 201229. Okt. 2023 · #1570
Die NDR-Dokumentation schlägt weiterhin Wellen. Imke Rust, eine der Interviewpartnerinnen, gab dazu ebenfalls eine Erklärung ab:
MAmakis537 Beiträge · seit 202029. Okt. 2023 · #1571
Ja, das ist moderner Journalismus. Man muss schon so richtig abgebrüht sein, wenn man sich morgens noch im Spiegel anschauen kann ohne sich zu schämen, nachdem man Menschen, die einem vertraut haben, verraten und verkauft hat. Man kann Imke höchstens vorwerfen dass sie den deutschen Journalismus nach all dem was in den letzten Jahren passiert ist immer noch nicht durchschaut hatte, aber sie ist konnte sich die Niedertracht derer man in der Branche fähig ist einfach nicht vorstellen, obwohl sie in D lebt. Lesson learnt würde ich sagen. Es ist so schade.
Logi16,9k Beiträge · seit 201229. Okt. 2023 · #1572
Unterschrieben von Christian M. Schlaga, ehemaliger deutscher Botschafter in Namibia, sowie vielen weiteren Personen.
LG Logi
TAtacitus1'125 Beiträge · seit 202229. Okt. 2023 · #1573
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MatzeHH441 Beiträge · seit 201430. Okt. 2023 · #1574
tacitus schrieb:
makis schrieb:Ja, das ist moderner Journalismus.
ist es mE nicht. Diese „Reportage“ ist oberflächlicher Mist und manipulativ. Punktum und basta! So eine Fehlleistung ist jedenfalls kein Anlass für eine Grabrede auf „den“ Journalismus schlechthin. Seriöser Journalismus lebt. mM
Seriöser Journalismus ist nicht tot, er riecht nur komisch
SCNR 😉
gerade beim ÖRR findet man doch stark müffelnden solchen Stichwort framing oder "Haltung", auch die Berichterstattung über den angeblichen Israelischen Raketenbeschuss eines Krankenhauses in Gaza in der letzten Woche etc. ich vermisse schon eine gewisse journalistische Sorgfallt.
Danke und Gruß
Matze
TAtacitus1'125 Beiträge · seit 202230. Okt. 2023 · #1575
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picco6'369 Beiträge · seit 201101. Nov. 2023 · #1576
Hoi zämä
Ich hab mich schon über neue TV-Infos gefreut und nun muss ich hier seitenweise Statements über eine Doku sehen, aber keine neuen TV-Tipps. 🙄 Könnt Ihr nicht einen eigenen Thread eröffnen? 😉
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200906. Nov. 2023 · #1577
Hallo, richtig picco, genau das selbe habe ich mir auch gedacht. Auch aus diesem Grund habe ich nicht auf diesen unsäglichen Beitrag im NDR hingewiesen, den ich schon im Vorfeld gesehen habe. Der war wirklich keinen Tipp wert. Du hast recht, es sollte bei echten TV- Tipps bleiben, die dürfen aber auch von jedem anderen eingestellt weden: z. B. heute 3SAT von 14.05 bis 17.45 Uhr "Wildes Überleben" (dabei einige Beiträge von afrikanischen Tieren) im Anschluss: 3SAT 14.45. - 18.30 Uhr "Die Königinnen der Savanne" und HR 20.15 Uhr "Wilde Dynastien" (Wildhunde) Viel Spaß dabei, auch wenn es Wiederholungen sind. Viele Grüße: Burschi
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BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200904. Dez. 2023 · #1580
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