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14 Antworten · 2'599 Aufrufe · gestartet 04. Jan. 2016 von Joonas
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Themenstarter18 Beiträge · seit 201604. Jan. 2016 · #1
Hallo liebe Forennutzer,
Ich (19) habe vor im Sommer von Juni bis Juli einen Monat in Namibia als volunteer im Bereich Umweltschutz zu helfen. Die Farm ist in der Nähe von Otavi zu finden (Norden, Nähe Etosha). Ich habe noch einige Unsicherheiten da ich das Land noch nicht kenne und wollte deshalb hier ein paar Fragen loswerden.

Die Farmbesitzerin hat mir angeboten mich für 4000 namibische Dollar direkt vom Flughafen abzuholen, und für denselben Betrag wieder zu bringen. Da ich mich eben nicht auskenne mit dem Land tendiere ich bisher für diese Option.

1) Ist Windhoek vom Flughafen einfach zu erreichen? (Zu Fuss? Taxi?)

2) Ist Windhoek einen Aufenthalt (1-2 Tage) wert?

3) Falls ich es mir anders überlegen würde. Wie reist man in Namibia sicher? Was würdet ihr mir vorschlagen für die Strecke Windhoek-Otavi?

Da ich Rassismus in jeder Art verabscheue ist dies auch noch ein Punkt welcher mich beschäftigt. In Medien, Berichten etc. liest man heraus das "weisse" und "schwarze" in Namibia eher getrennt leben und es einen vorhanden "normalen" Rassismus gibt in Namibia. (Teilweise logisch wenn das Einkommen ungleich verteilt ist)

4) wie beurteilt ihr das Zusammenleben zwischen "Europäern" und "Afrikanern"?

5) Stimmt das Vorurteil der erzkonservativen und teilweise rassistischen weissen Farmern?

Und nun noch eine Frage zur Fauna, da ich fotografiere und mich über jedes Tierchen freue:

6) Auf welche Tiere kann man in dieser Region treffen? (Schlangen, Skorpione, Antilopen etc.?)


Vielen Dank und Liebe Grüsse 🙂
Jonas
2'240 Beiträge · seit 201104. Jan. 2016 · #2
Hallo Jonas,
ich versuche mal einige Fragen zu beantworten
Joonas schrieb:

1) Ist Windhoek vom Flughafen einfach zu erreichen? (Zu Fuss? Taxi?)

2) Ist Windhoek einen Aufenthalt (1-2 Tage) wert?

3) Falls ich es mir anders überlegen würde. Wie reist man in Namibia sicher? Was würdet ihr mir vorschlagen für die Strecke Windhoek-Otavi?

Da ich Rassismus in jeder Art verabscheue ist dies auch noch ein Punkt welcher mich beschäftigt. In Medien, Berichten etc. liest man heraus das "weisse" und "schwarze" in Namibia eher getrennt leben und es einen vorhanden "normalen" Rassismus gibt in Namibia. (Teilweise logisch wenn das Einkommen ungleich verteilt ist)

4) wie beurteilt ihr das Zusammenleben zwischen "Europäern" und "Afrikanern"?

5) Stimmt das Vorurteil der erzkonservativen und teilweise rassistischen weissen Farmern?

Und nun noch eine Frage zur Fauna, da ich fotografiere und mich über jedes Tierchen freue:

6) Auf welche Tiere kann man in dieser Region treffen? (Schlangen, Skorpione, Antilopen etc.?)


1. ja, Windhoek ist mit dem Taxi/Shuttle einfach zu erreichen...zu Fuss würde ich nicht probieren..schau mal auf Google Map
2. 1-2 Tage kann man schon in Windhoek verbringen und lohnt sich sicher, vorallem wenn man länger im Land ist und noch was einkaufen möchte, bevor Du auf die Farm gehst.
3. http://www.intercape.co.za/tickets/book-now/?booking_from=Otavi&booking_to=Windhoek&booking_day=20160106&special=
Mir wäre ein Mietauto am Liebsten...aber den wird man Dir kaum vermieten (es gibt ein Mindestalter für Mietwagen). Intercape/Bus fährt nach Otavi.
4. mal so mal so...- hier gibt's meiner Meinung nach keine generelle Antwort..(aber da können Dir andere sicherlich besser Bescheid geben)
5. dito 4
6. Schlangen, Skorpione, und viel mehr 😉

Kauf Dir doch einen guten Reiseführer...in diesem stehen einige Infos, die Dir sicherlich helfen werden....
Gruss M.
Nächste Reiseziele: ab Mai 2025:Zentralasien https://www.polarsteps.com/marimariontour https://www.instagram.com/marimari_on_tour/
zuletzt bearbeitet 04. Jan. 2016
7'296 Beiträge · seit 200604. Jan. 2016 · #3
Hallo Jonas,

der sog. Ovambo-Express (Minibusse) fahren von Windhoek auch durch Otavi. Da lernst Du Afrika auch gleich bisschen intensiver kennen. Geht schon los mit dem Busbahnhof in Katutura.

Wenn die Farm in der "Nähe" von Otavi liegt, kann das aber auch noch einige Dutzend Kilometer bedeuten.

An Tieren gibt es ziemlich überall auch Schakale und Erdhörnchen, häufig Mangusten. Je nach Farm kann es auch jede Menge Großwild geben.

Die Sache mit der rassistischen Einstellung weißer Farmer ist meines Erachtens weit verbreitet und viel mehr ausgeprägt als in anderen afrikanischen Ländern. Häufig bekommt man zu hören, dass Schwarze (und zwar alle) faul und unfähig seien und natürlich klauen. Das muss man dann wohl einfach überhören. Diskutieren bringt da nichts und endet wohl eher im Streit. Macht ja keinen Sinn, wenn Du einen Monat dort bleiben willst.
Muss natürlich auch nicht sein, dass die Einstellung der Weißen dort so ist, aber es ist halt auch nicht ungewöhnlich.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Gast05. Jan. 2016 · #4
Joonas schrieb:
Die Farmbesitzerin hat mir angeboten mich für 4000 namibische Dollar direkt vom Flughafen abzuholen, und für denselben Betrag wieder zu bringen.
Ich hoffe das ist ein Verschreiber. 4000 ist viel zu viel...400 wäre sehr entgegenkommend, andererseits müssen die Farmer sowieso immer mal nach WDH, also durchaus denkbar.
Joonas schrieb:1) Ist Windhoek vom Flughafen einfach zu erreichen? (Zu Fuss? Taxi?)
Google mal Hosea Kutako und lass dir die Strecke nach Windhoek dann anzeigen. Sind gute 45 Kilometer.
Joonas schrieb:2) Ist Windhoek einen Aufenthalt (1-2 Tage) wert?
Ich lebe seit knapp 10 Jahren hier 😛
Kommt darauf an was du willst - es ist halt eine Stadt. Ziemlich europäisch geprägt, wenn man von Katutura mal absieht. Wenn du geschichtlich und architektonisch interessiert bist, okay - dann vielleicht...ansonsten hast du in ein paar Stunden das Wichtigste gesehen.
Joonas schrieb:3) Falls ich es mir anders überlegen würde. Wie reist man in Namibia sicher? Was würdet ihr mir vorschlagen für die Strecke Windhoek-Otavi?
Du hast den Intercape (siehe marimaris Beitrag) und die von Wolfgang vorgeschlagenen Ovambo-Taxis. Letztere bieten mehr Abenteuer. Wenn du wirklich sicher reisen willst, wäre der Intercape mehr zu empfehlen.
Joonas schrieb:4) wie beurteilt ihr das Zusammenleben zwischen "Europäern" und "Afrikanern"?
Erstmal: alle hier Geborenen sind Namibier, also "Afrikaner". Bitte nicht den Fehler machen und weisse Namibianer als Europäer bezeichnen, nur weil sie deutschsprachig sind. Sie sind weit davon entfernt. Schwarz und Weiss ist hier tatsächlich überwiegend getrennt, aber der Grund liegt in der unterschiedlichen Kultur. Und da zu Kultur auch die Sprache gehört, kann man da auch die Unterschiede festmachen. Jemand der englischsprachig aufgewachsen ist, hat einen anderen kulturellen Hintergrund als ein afrikaanser oder deutscher Namibier. Damaras haben andere Traditionen als Ovambos oder Hereros. Dies zu akzeptieren ist etwas völlig normales - sich davon abzugrenzen ebenso. Hier legt man keinen Wert auf Multikulti - hier gibt es noch einen gewissen Stolz auf die eigene Herkunft. Frag mal einen Herero was er von einem Damara hält...du wirst verwundert feststellen, dass schwarz nicht gleich schwarz und Rassismus keine Erfindung der Weissen ist.
Aber da ich selber in Deutschland aufgewachsen bin, weiss ich, dass dies für dich schwer verdauliche Kost ist 😉
Joonas schrieb:5) Stimmt das Vorurteil der erzkonservativen und teilweise rassistischen weissen Farmern?
Erzkonservativ? Naja, sie haben ihre Lebensweise die sich für sie bewährt hat. Warum soll man etwas ändern, das seit einem Jahrhundert funktioniert? Das mit dem Rassismus habe ich ja schon erklärt. Und da stimme ich Wolfgang zu: es lohnt sich weder für dich, noch für die Farmer, wenn du in der kurzen Zeit die du da bist versuchst, deine deutschen Vorstellungen Leuten aufzudrängen, die mehr Erfahrung in diesem Land haben als du. Nicht böse gemeint, aber besser du hörst dir das an, und beobachtest. Du bist ja auch hier, um andere Kulturen kennen zu lernen - und damit auch andere Lebensanschauungen.

Geniess das 🙂
zuletzt bearbeitet 05. Jan. 2016
3'175 Beiträge · seit 200605. Jan. 2016 · #5
Hallo Jonas!

Wenn ich das lese muss ich sagen: Lass die Finger von dieser Farm!!!

4000N$ einfach fuer den Transfer, das ist mehr als ueber den Tisch ziehen.

Wie weit ist die Farm denn von Otavi entfernt?

Bis Otavi musst du mit dem Minibus nicht mehr als 300N$ bezahlen.

Also koennte dich der Farmer auch dort abholen.

Mit dem Taxi von Otavi auf die Farm ist theoretisch auch moeglic, Preiss liegt dann an deinem Verhandeln.

Transfer vom Flughafen zur Stadt ist auch 300N$.

Wie bist du denn an dieses tol"le"Angebot gekommen und wie sind denn deine Konditionen fuer diesen Monat??? Musst du das auch bezahlen??? So wird es naemlich auf den heuchlerischen Streichelfarmen gemacht. Da kostet die Woche bis zu 1500Euro.

Gruss Joerg
Gruss Joerg Es gibt NIX, das es nedd gibt
857 Beiträge · seit 201405. Jan. 2016 · #6
Hallo,

4000 N$ kommt mir auch sehr viel vor.. wenn das stimmt, würden mich die anderen Konditionen interessieren.

Tiere siehst Du eigentlich immer, viele Vögel, Perlhühner, Warthogs, Kudu, Paviane sind eigentlich immer vorhanden, andere Antilopen mit Glück. Ich kann beim Frühstücken auf der Treppe im Normalfall Webervögel, Graulärmvögel, Perlhühner sehen, mit Glück auch mal ein Impala.. und das zwischen Windhoek und Flughafen.
Schlangen habe ich ein paar gesehen, auch mal direkt am Haus. Also aufpassen, Holz, Steine am Boden, alles unübersichtliche erst mal vorsichtig anfassen bzw. mit Werkzeug - so passieren auch die meisten Bisse, beim Räumen im Garten oder Veld. Skorpione gibts natürlich auch, unter Steinen und im Holz. Wenn es stark weht nachts, sind sie wohl auch aktiver, dann hab ich schon öfter welche im "offenen" gesehen.

Zum Rassismus: Ja, es gibt Rassisten da unten, aber in jeder Hautfarbe. Ansonsten klappt das Zusammenleben aber oft sehr gut, und die Hautfarbe ist oft nur ein "Ausweis" für die großen sozialen Unterschiede.. Wörter wie Ovambo-Express, Ovambo-Schraube etc. wirst Du wohl hören, aber ein bisschen musst Du das auch unter "Kulturerfahrung" verbuchen. Die Welt ist auch in Namibia nicht einfach "schwarz-weiss" 😉
Viele Grüße
Alex
216 Beiträge · seit 200905. Jan. 2016 · #7
Hallo,

nur kurz zu den Kosten fuer den Transfer: Das klingt schon recht viel, ist aber nicht unbedingt unrealistisch. Wenn ich fuer Kunden reise, berechne ich N$ 5 pro km. Das ist bei einem 4X4 nicht zu viel, wenn man den recht hohen Verbrauch, Verschleissteile etc. mit einrechnet.
Vom HKIA nach Otavi sind es ca. 420km einfache Strecke, da kommen dann beim von mir genannten Satz sogar N$ 4,200 raus.
Es kann natuerlich auch sein, dass sich die Farmerin einfach den ohnehin geplanten Einkaufstrip nach Windhoek bezahlen laesst 😉 Intercape ist auf jeden Fall weit guenstiger. Man muss halt den Unterschied sehen zwischen einem Linienverkehr und einem Privattransfer.

Viele Gruesse,
Christian
454 Beiträge · seit 200605. Jan. 2016 · #8
die 4000 sind realistisch, wenn dich jemand abholt, denn das sind dann wie christian schrieb zwischen 4 und 5 N$ pro km und das ist fair, teilweise berechnen die lodges 9 pro km.
wenn man vom airport in die stadt faehrt zahlt man um die 200, d.h. sind aben auch um die 4.50N$.
mit den kleinbussen natuerlich weniger. die fahren wenn sie voll sind und preis verhandlungssache. aber erst ab windhoek, nicht airport....
3'175 Beiträge · seit 200605. Jan. 2016 · #9
Das ist richtig, normal werren sogar 7 oder meher dollar pro km berechnet, aber dann

ist es ein kommerzielle Unternehmung und nicht ein Lift fuer einen Volunteer.

Ich weiss diesen Unterschied sehen die meisten in diesem Lande nicht mehr. Was

fuer ein eklatanter Unterschied zu vor 35 Jahren...
Gruss Joerg Es gibt NIX, das es nedd gibt
785 Beiträge · seit 200805. Jan. 2016 · #10
Joonas schrieb:
Da ich Rassismus in jeder Art verabscheue
Hi Jonas,

du wirst viel Spaß haben in Namibia und wirst permanet Dikussionsstoff finden!

Es währe schön, wenn du nach deiner Rückkehr mal einen kurzen Bericht abgibst und von deinen Erfahrungen erzählst, ich bin ja mal gespannt!


Gruß


Markus
Themenstarter18 Beiträge · seit 201605. Jan. 2016 · #11
Vielen Dank für eure Antworten 🙂

Also es handelt sich um eine sehr kleine Organisation (Rare & Endangered Species Trust) welche ich per Zufall auf Facebook gefunden habe. Im Vergleich zu vielen anderen Angeboten (Gepard streicheln und 1000 Euro in der Woche zahlen) ist dieses sehr günstig. Eine Grundpauschale von 100 USD pro Woche für alle Kosten welche anfallen und ca. 100 USD im Monat für das Essen (Essen ist Selbstversorgung). Auch wenn ich die Kosten im Land nicht einschätzen kann denke ich doch dass diese fair sind.

Auch die 4000 ND scheinen mir fair zu sein für die ca. 400 km (Beides mal muss das Auto ja die Strecke zweifach zurücklegen), die Reise dauert ja auch ein paar Stunden. Die Organisationsleiterin hat mir auch Alternativen vorgeschlagen und die Kosten genannt (für Bus).

Im allgemeinen scheint aus meinem Geld kein Profit zu werden, sondern hauptsächlich die Kosten zu decken.

Ich habe keinerlei Probleme mit Abenteuern oder kennenlernen anderer Kulturen. Das Einzige was mich eher zum Angebot der Abholung tendieren lässt ist eben die Sicherheit. Da ich eben lieber auf Nummer Sicher gehen möchte bei meiner ersten Reise alleine in ein fernes, unbekanntes Land. Und ich denke dass man da als "unerfahrener junger Europäer" sicher auffällt. Ich bin ja auch auf den Rückflug angewiesen (Pünktlichkeit).

Oder was meint ihr dazu? Habt ihr schon Erfahrungen gemacht mit solchen Bussen? Wäre es problemlos machbar?

Das es auch verschiedene Ethnien von Schwarzen in Namibia gibt habe ich auch schon gelesen. Wie ist denn der Umgang von Touristen und den verschiedenen Gruppen in Namibia? Kommt man mit allen ins Gespräch oder wird man von Menschen mit geringerem Einkommen eher als "arrogant" oder nur Mittel zum Zweck (Tourismus -> Geld) angesehen?

Mich befällt jedenfalls immer ein unangenehmes Gefühl wenn ich auf Fotos sieht wie ein Europäer mit nagelneuer Spiegelreflex-Kamera und Grinsen durch ein ärmeres Viertel in ZBsp. Afrika läuft.

Liebe Grüsse Jonas 🙂
Gast05. Jan. 2016 · #12
Joonas schrieb:
Ich habe keinerlei Probleme mit Abenteuern oder kennenlernen anderer Kulturen. Das Einzige was mich eher zum Angebot der Abholung tendieren lässt ist eben die Sicherheit.
Abenteuer sind deshalb Abenteuer weil man nicht weiss wie man aus ihnen herauskommt 😉

Du hast ja noch ein bisschen Zeit. Guck dir die Seite von Intercape an, wann sie abfahren, und überleg ob das mit deiner Ankunftszeit am Flughafen und die Fahrtzeit nach Windhoek machbar wäre. Such auch mal nach Flughafenshuttleservice oder ähnlichem (evtl auch auf Englisch). Schreib sie an und frag, ob sie dich zum Bahnhof fahren könnten. Und dann kalkulier das durch.
Das ist nicht wirklich Abenteuer. Auf die Shuttles und Intercape kann man sich ganz gut verlassen. Für den Rückflug gilt das gleiche - da solltest du aber wirklich sicher machen, dass du genügend Spielraum von der zeit her hast, oder die 4000 zahlen und dich fahren lassen.
Von den Ovambo Taxis würde ich Abstand nehmen.
Joonas schrieb:Das es auch verschiedene Ethnien von Schwarzen in Namibia gibt habe ich auch schon gelesen. Wie ist denn der Umgang von Touristen und den verschiedenen Gruppen in Namibia? Kommt man mit allen ins Gespräch oder wird man von Menschen mit geringerem Einkommen eher als "arrogant" oder nur Mittel zum Zweck (Tourismus -> Geld) angesehen?
Das findest du besser selber heraus. Natürlich ist arrogantes Auftreten mit der Zurschaustellung des eigenen Reichtums nicht wirklich hilfreich bei der Kontaktaufnahme - das ist doch klar. Aber selbst wenn du dich bescheiden kleidest und benimmst, wirst das einen Schwarzen nicht davon überzeugen, dass du nicht reich bist. Ein Weisser ist immer reich. Wenn du dich allerdings höflich und respektvoll benimmst, viel lächelst und nett nach der Familie fragst, wirst du locker ins Gespräch kommen. Du bist ja auch nicht direkt ein Tourist - du kommst zum Arbeiten her. Das heisst, du wirst automatisch auf die Angestellten der Farm treffen und mit ihnen Kontakt haben. Sie sind auch nur Menschen - nicht besser und nicht schlechter als du. Sie haben gute und schlechte Eigenschaften, so wie wir alle.
Du brauchst jedenfalls kein schlechtes Gewissen ihnen gegenüber zu haben. Im Gegenteil: Leute wie du sorgen dafür, dass sie Arbeit haben. Die schlechte Bildungssituation im Land haben andere zu verantworten. Und die sind in jedem Fall nicht weiss - jedenfalls nicht mehr seit 1990.
7'296 Beiträge · seit 200605. Jan. 2016 · #13
Hallo Jonas,
Joonas schrieb:
Ich habe keinerlei Probleme mit Abenteuern oder kennenlernen anderer Kulturen. Das Einzige was mich eher zum Angebot der Abholung tendieren lässt ist eben die Sicherheit. Da ich eben lieber auf Nummer Sicher gehen möchte bei meiner ersten Reise alleine in ein fernes, unbekanntes Land. Und ich denke dass man da als "unerfahrener junger Europäer" sicher auffällt. Ich bin ja auch auf den Rückflug angewiesen (Pünktlichkeit).

Oder was meint ihr dazu? Habt ihr schon Erfahrungen gemacht mit solchen Bussen? Wäre es problemlos machbar?
Du wirst natürlich sofort auffallen bei Deiner ersten Reise nach Afrika. Du würdest Dich vermutlich absolut unwohl fühlen, in Katutura einen sog. Ovambo-Express zu besteigen oder überhaupt schon auf dem Weg dorthin.

Zum Intercape kann ich nichts sagen, aber vermute, dass der recht zuverlässig nach Fahrplan fährt. Die Minibusse (Ovambo-Express) fahren ab, wenn sie voll besetzt sind. In meinem Fall hat das zwei Stunden gedauert. Der Fahrpreis war -entgegen obiger Aussage- fix. Ich habe den gleichen Betrag bezahlt wie die schwarzen Mitfahrer und natürlich war ich der einzige Weiße an Bord. Und man sitzt eng gedrängt. Jeder Zweite in der Reihe hat sich an der Rückenlehne angelehnt und der Rest sich nach vorne gelehnt und an den Vordersitzen abgestützt. Nach einer Weile wurde wie auf Kommando automatisch gewechselt. Von den Hüften an abwärts sitzt man mit starkem Körperkontakt aneinander. In meinem Fall waren das ca. 700 km bei hohen Temperaturen.

Wenn Du nicht von einer Starthaltestelle abfährst, wird eine Fahrtzeit völlig unkalkulierbar. Da die Minibusse nur vollbesetzt losfahren, kann man unterwegs nur zusteigen, wenn jemand Anderes aussteigt. Ansonsten fahren sie ungebremst an der Haltestelle vorbei.
Das es auch verschiedene Ethnien von Schwarzen in Namibia gibt habe ich auch schon gelesen. Wie ist denn der Umgang von Touristen und den verschiedenen Gruppen in Namibia? Kommt man mit allen ins Gespräch oder wird man von Menschen mit geringerem Einkommen eher als "arrogant" oder nur Mittel zum Zweck (Tourismus -> Geld) angesehen?
Wenn Du Dich den Menschen gegenüber nicht arrogant, sondern völlig normal verhältst, begegnen sie Dir auch genauso. Besonders dort, wo die Menschen nicht häufig mit Touristen in Kontakt kommen, freuen sie sich besonders über den Kontakt. Ich gehe auf meinen Reisen besonders gerne in solche "Lokale" in Bretterbuden oder Blechhütten, wo normalerweise kein Tourist sich hin verirrt.
Das Publikum gehört meist der weniger gut verdienenden Schicht an, freut sich aber, mal die Gelegenheit zu haben, sich mit einem Weißen zu unterhalten und man selbst erfährt viel über die Bevölkerung.
Mich befällt jedenfalls immer ein unangenehmes Gefühl wenn ich auf Fotos sieht wie ein Europäer mit nagelneuer Spiegelreflex-Kamera und Grinsen durch ein ärmeres Viertel in ZBsp. Afrika läuft.
Das geht mir genauso.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Themenstarter18 Beiträge · seit 201605. Jan. 2016 · #14
Danke für die Antwort Wolfgang 🙂
Und man sitzt eng gedrängt. Jeder Zweite in der Reihe hat sich an der Rückenlehne angelehnt und der Rest sich nach vorne gelehnt und an den Vordersitzen abgestützt. Nach einer Weile wurde wie auf Kommando automatisch gewechselt. Von den Hüften an abwärts sitzt man mit starkem Körperkontakt aneinander. In meinem Fall waren das ca. 700 km bei hohen Temperaturen.
Wie hast du denn diese Reise empfunden? Als Abenteuer bei welchem sich auch mal ein Gespräch ergibt oder einfach anstrengend? 😉

Da bin ich fast ein bisschen hin- und hergerissen. Solche Sachen gehören für mich zu einer Reise dazu (nicht eine Woche all inclusive am Swimmingpool 😉 ) und ich stelle mir das auch interessant vor. Aber wahrscheinlich wird es dann doch die andere Variante mit dem Abholen (wäre meiner Mutter auch um einiges lieber wenn sie mich schon alleine nach Afrika lässt 😄 )

Aber das ganze hört sich doch sehr schön an und lässt meine Vorfreude schonmal in die Höhe treiben 🙂

Liebe Grüsse Jonas
7'296 Beiträge · seit 200605. Jan. 2016 · #15
Joonas schrieb:
Und man sitzt eng gedrängt. Jeder Zweite in der Reihe hat sich an der Rückenlehne angelehnt und der Rest sich nach vorne gelehnt und an den Vordersitzen abgestützt. Nach einer Weile wurde wie auf Kommando automatisch gewechselt. Von den Hüften an abwärts sitzt man mit starkem Körperkontakt aneinander. In meinem Fall waren das ca. 700 km bei hohen Temperaturen.
Wie hast du denn diese Reise empfunden? Als Abenteuer bei welchem sich auch mal ein Gespräch ergibt oder einfach anstrengend? 😉

Da bin ich fast ein bisschen hin- und hergerissen. Solche Sachen gehören für mich zu einer Reise dazu (nicht eine Woche all inclusive am Swimmingpool 😉 ) und ich stelle mir das auch interessant vor.
... interessant ist so etwas allemal. Man kann auf solchen Fahrten lustige und skurrile Dinge erleben. Das kommt natürlich auf den Einzelfall an. Es ist natürlich auch ein bisschen anstrengend, aber man schaut sich das halt so ab, wie die Einheimischen das klaglos ertragen und macht das genauso.

Für mich war das damals in Namibia die erste Fahrt dieser Art und natürlich war das auch ein wenig "abenteuerlich" oder ereignisreich. Ich hatte auch ein bisschen Bedenken, ob mein in den Anhänger verladenes Gepäck nicht vielleicht schon den Besitzer wechselt, bevor die Kiste überhaupt wegfährt. Seitdem war ich schon öfter mal in verschiedenen afrikanischen Ländern in und auch auf solchen Transportmitteln für Einheimische unterwegs.

Meist sind die Start- und Endhaltepunkte sehr große Plätze und dort stehen manchmal Dutzende, gelegentlich vielleicht sogar um die 100 Kleinbusse herum und warten auf Abfahrt. Natürlich ist meist nichts beschriftet und während die Einheimischen genau wissen, wo ein Bus in ihre Richtung abfährt, irrt man als Tourist völlig orientierungslos umher. Das dauert aber nicht lange, weil man eigentlich immer sehr schnell von einheimischen Fahrgästen angesprochen wird oder von irgendwelchen Schleppern, die ein bisschen Provision kassieren, wenn sie einen Fahrgast anschleppen. Ich war jetzt in Namibia, Malawi, Zambia, Rwanda, Kenya und Ghana auf solche Art ab und an unterwegs und es lief immer fair, freundlich und ohne Versuche ab, mich zu betrügen.
Allerdings ist auf diesen Plätzen ein irres Getümmel und darunter sind natürlich auch ein paar Langfinger, die auf die Unachtsamkeit anderer Leute warten. Als Weißer wirkst Du auf die natürlich wie ein Magnet. Man muss halt ein wenig aufpassen.

Insgesamt ist das quasi fast immer mit einer Art Markt verbunden. Es gibt kleine Bretterbuden, in denen Reiseproviant und anderer Kram verkauft wird. Zahllose Händler, auch Kinder, laufen herum und versuchen, irgendwas zu verkaufen. Wasser, Cola, Erdnüsse, Orangen, Brot, Wurst, aber auch Armbanduhren, Sonnenbrillen, Schuhe, Klamotten ...
Manche -Alte, Behinderte- betteln auch.

Ich würde Dir jetzt nicht raten, gerade nach Deiner ersten Ankunft in Afrika und allem Gepäck mit dem Ovambo-Express zu fahren, aber wenn Du am Ende Deines Aufenthalts ein bisschen Gespür entwickelt hast, wie das so läuft im Land, dann verbringe doch noch zwei Nächte in Windhoek.
An einem Tag fährst Du mit dem Taxi nach Katutura raus zu der Stelle, an der die Busse nach Norden abfahren, schaust Dir das Treiben dort an und fährst die 70 km nach Okahandja (ohne Gepäck), gehst über den Holzschnitzermarkt und fährst wieder zurück. Dann hast Du das Treiben und so 'ne Fahrt mal erlebt, aber ohne Zeitdruck.

Ergänzung:
Ich habe nochmal nachgeschaut, weil seinerzeit in meinem Reisebericht vermerkt. Ich habe für die Fahrt damals (war schon 2002) 70 Nam$ von Windhoek/Katutura bis Oshakati bezahlt. Für mein Gepäck (Fahrrad, Anhänger, vier Packtaschen plus Sack mit Zelt/Schlafsack) zahlte ich noch mal 60 Nam$. Was das heutzutage kostet, weiß ich nicht.

Gruß
Wolfgang
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zuletzt bearbeitet 05. Jan. 2016