Robben am cape cross

20 Antworten · 4'855 Aufrufe · gestartet 26. Dez. 2015 von solitaire
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Themenstarter1'942 Beiträge · seit 201126. Dez. 2015 · #1
Hallo allerseits.
Ich hab in dem Beitrag von Michael Martin gehört, dass am cape cross Robben erschlagen werden, um einer Überpopulation "vorzubeugen". Weiß jemand dazu Näheres?

Liebe Grüße
Solitaire
www.margit-noehrer.com FB und Insta: reisende.autorin Buch: Der glühende Atem der Wüste Meine Solo-Reise von der Namib in die Kalahari
5'538 Beiträge · seit 200826. Dez. 2015 · #3
Hallo Solitaire,

jedes Jahr von Sept. oder Oktober bis November werden am Cape Cross und in anderen Kolonien z. B. bei Lüdetitzbucht Robben "geerntet", d. h. von den über eine Million Robben, die Namibias Küste übervölkern, werden etwa 60.-80.000 Tiere zum Abschuss freigegeben. Ich war mal bei so einer Jagd dabei und ich habe keinen mit Knüppeln gesehen, sondern die Tiere wurden mit Gewehren erschossen.

Diese "Ernte" ist aus mehreren Gründen notwendig:

1. Bei einer Überpopulation ist für die Robben nicht genug zum Fressen da - so verenden so alle zwei bis drei Jahre Tausende von Robben an der Küste, weil m. E. die Abschussquote zu gering ist.
Wenn Du bedingst, dass jede Robbe pro Tag so an die 10 Kilo Fisch braucht, dann kannst Du Dir die immensen Mengen Fisch vorstellen, die von den Robben benötigt werden.

2. Es gibt dadurch für die Einheimischen (weiß wie schwarz) Jobs, denn es geht ja nicht nur um die Jagd in den Monaten Okt/Nov., sondern auch um die Weiterverarbeitung der Felle, die in Namibia geschieht. Ich trage zum Beispiel bei meinen Wanderungen in der Wüste bzw. in der Savanne immer Robbenstiefel, weil die sehr hoch gearbeitet sind und ich vor Klein-tieren geschützt bin.

Ich weiß, dass aus Unkenntnis immer wieder gegen diese Art der Hegejagd von Tierfreunden protestiert wird. Aber nur so kann der Restbestand einigermaßen gesund erhalten werden.

Liebe Grüße
Gerd, der schon jetzt darum bittet, dass die sich jetzt anschließende Diskussion sachlich bleibt.
Themenstarter1'942 Beiträge · seit 201126. Dez. 2015 · #5
Hallo Gerd,
vielen Dank, das ist eine sehr interessante Erläuterung.
Wie kommt es zu der Überpopulation? Ich weiß, dass zu den natürlichen Feinden Haie und Wale zählen. Die gibt es ja glaube ich vor Namibia nicht so sehr (kenn mich da gar nicht aus). Haben die Robben zusätzlich zum Fehlen dieser Feinde so gute Futterbedingungen, die wiederum eine hohe Geburtenrate bedingen?
Waren die Robben in Namibia immer heimisch und wurden ihre natürlichen Feinde ausgerottet? Denn normalerweise herrscht ja in einem halbwegs natürliche Gefüge auch ein natürliches Gleichgewicht.

Liebe Grüße
Solitaire
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Themenstarter1'942 Beiträge · seit 201126. Dez. 2015 · #6
Ja, ihr beiden. Ich will da keineswegs was anfechten. Aber da ich sehr stark bei mir zu Hause im Naturschutz aktiv bin und diesen aber auch mit "Hirn" betreibe, interessiert mich das sehr.
Also ich schließe mich dieser Bitte um Sachlichkeit an.

Liebe Grüße
Solitaire
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5'538 Beiträge · seit 200826. Dez. 2015 · #7
Hallo Solitaire,

Wie kommt es zu der Überpopulation? Ich weiß, dass zu den natürlichen Feinden Haie und Wale zählen. Die gibt es ja glaube ich vor Namibia nicht so sehr (kenn mich da gar nicht aus). Haben die Robben zusätzlich zum Fehlen dieser Feinde so gute Futterbedingungen, die wiederum eine hohe Geburtenrate bedingen?

Es gibt zwar Kupferhaie an der namibischen Küste, die sich hin und wieder mal an einer Robbe vergreifen, aber meistens leben auch die von Kleinfisch. Und die paar Strandhyänen und Schakale schaffen es auch nicht, die Überpopulation zu verhindern.

Die Futterbedingungen sind natürlich durch die starke Überfischung durch die Chinesen (außerhalb der namibischen Hoheitsgewässer) und innerhalb der Grenzen durch Spanier und Russen in den letzten Jahren wesentlich schlechter geworden. Deswegen auch alle 3 Jahre das Robbensterben (das ist meine Vermutung, keine wissenschaftliche Erkenntnis).

Aber trotzdem vermehren sie sich so stark, weil ja "nur" ein minimaler Bruchteil abgeschossen wird und sie vor allen Dingen 9 Monate im Jahr in Ruhe gelassen werden. Und wenn es mal irgendwo zu wenig Fisch gibt, dann folgen sie den Laichschwärmen. So ist z. B. die Population rund um Walvis Bay von wenigen tausend Tieren vor 15 Jahren auf über 25.000 Tiere angestiegen.

Waren die Robben in Namibia immer heimisch und wurden ihre natürlichen Feinde ausgerottet? Denn normalerweise herrscht ja in einem halbwegs natürliche Gefüge auch ein natürliches Gleichgewicht.

Die wenigen Kupferhaie, die da waren, sind von den Chinesen drastisch dezimiert worden. Sie haben in den internationalen Gewässern gestanden, die Haie gefangen, ihnen bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten (für ihre Haifischflossensuppe) und den Rest wieder ins Wasser geworfen, was natürlich alle Haie im Umkreis von 10 km angelockt hat.
Früher haben wir im Sommer beim Angeln vom Strand aus pro Angler 2 oder 3 schöne Haie gefangen, getackt und zurückgesetzt. Denn auch wir Angler sind - zumindest was den Hai angeht - in erster Linie Heger und wir nehmen die Haie nicht mit. Heute bin ich schon froh, wenn ich in der Woche mal einen Fisch fange.

So, das war es dann mal wieder.

Nochmals liebe Grüße
Gerd
31 Beiträge · seit 201526. Dez. 2015 · #8
Hallo Gerd,
Wird nur das Fell verwertet oder auch das Fleisch bzw das Öl?
Und ( da spielt das Herz halt doch mit) werden nur Jungtiere geschossen oder quer durch alle Altersgruppen?
Ich denke mal bei den vielen Tieren wird es doch notwendig sein_besser als verhungern.
LG
Uschi
5'538 Beiträge · seit 200826. Dez. 2015 · #9
Hallo Uschi,

das Fleisch bekamen die schwarzen Arbeiter, die die Tiere in der Schlachterei ausgenommen haben, das Öl wurde auch gesammelt, aber ich weiß nicht, wo und wie es weiterverarbeitet wird.

Nein, es werden nicht nur Jungtiere geschossen, sondern auch die alten Bullen. Auf die sind insbesondere Trophäenjäger scharf und sie zahlen dafür sogar noch richtiges Geld.

Liebe Grüße
Gerd

PS: Ich bin übrigens KEIN Jäger, aber ich toleriere das und gehe deshalb auch mal mit zu solchen Ereignissen, um aus Erfahrung mitsprechen zu können.
zuletzt bearbeitet 26. Dez. 2015
31 Beiträge · seit 201526. Dez. 2015 · #10
Hallo Gerd,
danke für die Antwort und deine Einstellung zurJagd. Ich esse auch gern Fleisch und dieses springt nunmal nicht allein auf de Teller. Sich selber mal ne Jagd (sind auch keine Jäger) oder ein Schlachthaus anzusehen schadet niemanden der dazu Stellung nimmt.
Schönen Abend
Uschi
128 Beiträge · seit 200626. Dez. 2015 · #11
Hallo!
Wenn man sich mal in die stinkende Aura hinter der kleinen Mauer am Cape Cross begibt, gibt es das Wuergeerlebnis (wenigsten geht es mir so). Der Gestank wird a0 durch Kot erzeugt und b) durch tote Jungtiere, die zu Dutzenden herumliegen. Je nach gerade anwesender Population sind es wenige Dutzend bis einige hundert Jungtiere, die da durch (meist) alte Bullen oder einfach aus allgemeiner Platznot erdrueckt wurden. Ein gezielter Schuss ist wohl noch das kleinere Uebel... Ich frage mich jeweils, wie denn die toten Tiere entfernt werden (koennen). So viele Schakale hat es in der Gegend ja auch nicht, auch Geier habe ich noch keine dort am Platz gesehen. Die Hege (in diesem Falle die periodische Dezimierung) ist ein probates Mittel um den Bestand zu halten.
Cheers
Battli
aus Somerset West/RSA
5'538 Beiträge · seit 200827. Dez. 2015 · #12
Hallo Zusammen,

der Geruch ist nicht sooooo schlimm, aber empfingliche Seelen reagieren so:

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Liebe Grüße
Gerd
708 Beiträge · seit 201519. Okt. 2020 · #14
Ich war vor zwei Tagen dort und war ziemlich entsetzt. Selbst auf dem Parkplatz lagen etlich tote Robbenbabies rum 🙁
Meine Afrikaerfahrungen: 2003 Tunesien und Libyen (2 Wochen) ¦ 2009 Namibia & Botswana (3 Wochen) ¦ 2011 Nambia, Sambia & Botswana (7 Wochen) ¦ 2016 Namibia & Botswana (4 Wochen) ¦ 2018 Kamerun (12 Tage) ¦ Namibia & KTP (5 Wochen) ¦ 2019 Uganda & Tansania (5 Wochen) ¦ 2020 Namibia (3 Wochen) ¦ 2021 Tansania (2 Wochen) ¦ Namibia (6 Wochen) ¦ 2022 Sabbatical in Namibia und Kapstadt (6.5 Monate) ¦ 2023 Namibia (2x 3 Wochen) ¦ 2024 Namibia (3 Wochen) ¦ 2025 Namibia & KTP (6 Wochen) ¦ 2026 Namibia (3 Wochen)
16,9k Beiträge · seit 201225. Aug. 2021 · #16
Wasserverschmutzung bedroht Robben-Jungtiere https://www.az.com.na/nachrichten/wasserverschmutzung-bedroht-robben-jungtiere-2021-08-25/

Forscher der Universität Stellenbosch, Tierschützer des Namibia-Delfinprojekts (NDP) und von Ocean Conservation Namibia analysieren seit 2018 die Auswirkung der Meeresverschmutzung - insbesondere durch Fischerei-Netze und -leinen aus Plastik - auf die Kap-Pelzrobbe. Untersucht wurden zwei Kolonien in Walvis Bay und Cape Cross. ...

LG
Logi
16,9k Beiträge · seit 201224. Feb. 2022 · #17
Da scheint sich seit 2020 nichts verbessert zu haben:

Robbensterbe: „Es gleicht einem Kriegsgebiet“

Erneut wurde eine Massensterbe von Kap-Pelzrobben gemeldet. Hunderte Robbenkadaver übersäen den Strand bei Pelican Point bei Walvis Bay. ...

LG
Logi
33,1k Beiträge · seit 200615. Nov. 2022 · #19
Allg. Info
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Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
16,9k Beiträge · seit 201226. Juli 2025 · #20
New Record! 60 Seals Rescued In One Day!

Video:
Am Mittwoch startete die OCN-Crew eine Rettungsfahrt nach Cape Cross. Wir hatten kürzlich unseren größten Tag am Pelican Point: 44 Robben wurden an einem einzigen Tag gerettet. Wir hätten nie gedacht, dass wir diese Zahl so schnell übertreffen würden.
Normalerweise erreichen wir solche Zahlen als Monatsgesamtsumme. So viele an einem Tag zu erreichen, ist wirklich unfassbar. Wir entdeckten in jeder Gruppe immer mehr verhedderte Robben. Ehrlich gesagt hätte diese Zahl noch unfassbarer sein können, da wir auch mehrere Robben übersehen haben.
Wir haben dieses Jahr aktuell 611 Rettungen verzeichnet, und es verbleiben noch knapp drei Monate.


LG
Logi