Hallo Tatjana,
MissPeregrine schrieb:BikeAfrica schrieb:Andernfalls halten die gar nicht mehr erst an bis jemand ans Kabinendach klopft als Zeichen, dass er aussteigen will.
Hallo Wolfgang,
gut zu wissen 🙂 Ist das in Namibia so oder nur in anderen Ländern?
das gilt natürlich nur für die Minibusse und nicht für die großen Fernbusse. Die haben feste Haltestellen.
Ansonsten ist es regional verschieden, aber ich habe das schon in mehreren Ländern erlebt.
Der sog. Ovambo-Express in den Norden Namibias hatte weitgehend auch feste Haltepunkte, aber man konnte auch unterwegs aussteigen und wenn man es zu Fahrtbeginn gesagt hat, fuhren die auch mal 'nen Schlenker ins nächste Dorf, um jemanden abzuladen. Dafür muss man dann sicherlich etwas Aufpreis bezahlen.
Als Weiße(r) läuft die Fahrt mit einem Minibus (meist Toyota oder Nissan in Größe eines VW Bus, Ovambo-Express Mercedes Sprinter o.ä.) etwa folgendermaßen ab:
- Du musst zunächst rausfinden, ob es überhaupt eine Verbindung nach XYZ gibt. Das werden Dir andere Touristen und weiße Einheimische nur selten sagen können, also musst Du (schwarze) Afrikaner fragen.
- Dann musst Du rausbekommen, wo die Stelle ABC ist, an der die Minibusse abfahren. Das wissen diejenigen, die sich mit der Verbindung auskennen, natürlich auch, aber hier gibt es zwei Möglichkeiten.
A: Du steigst unterwegs an einer üblichen Haltestelle ein. Hier kommen aber vermutlich Minibusse vorbei, die verschiedene Fahrtziele haben. Üblicherweise sind sie nicht beschriftet.
Jetzt kommt so 'ne Karre an und verlangsamt das Tempo. Es macht jemand die Schiebetür auf und ruft, wohin die Fahrt geht. Das passiert im Normalfall in der regional üblichen Sprache, also verstehst Du nichts. Im Idealfall will jemand aussteigen oder jemand Anderes signalisiert, dass er einsteigen will und die Karre hält an. Andernfalls rufst Du dem Typ zu, wohin Du willst und wenn das auf der Strecke liegt, halten sie an.
Ich hatte bisher noch keinen "Schaffner", der kein Englisch konnte. Dem erklärt man, wohin man will und bezahlt entweder direkt oder meist anschließend während der Fahrt den Fahrpreis. Das Fahrziel des weißen "Exoten" merken die sich in der Regel und sagen einem, wo man raus muss.
B: Du steigst am "Busbahnhof", der Starthaltestelle, ein. Das sind Plätze, auf denen eine Handvoll bis über hundert Busse stehen. Drum herum und mittendrin ist quasi Markt, weil man an Reisende auch immer Essen und Getränke verkaufen kann, aber auch jede Menge anderen Kram. Die Busse fahren meist nicht nach Fahrplan, sondern erst, wenn sie weitgehend bis vollständig voll sind (deshalb ist es vorteilhaft, dort einzusteigen, weil an der nächsten Haltestelle steigt evtl. niemand aus und Du demzufolge nicht ein).
Das ist ein buntes Treiben und halt richtig Afrika, aber Du kommst auf diesen Platz und hast keinerlei Orientierung, wohin Du musst. Du fragst andere Leute bzw. wirst als Weißer genauso häufig gefragt, wohin Du willst. Meist bringt Dich jemand an die Stelle, wo der passende Bus abfährt oder Du eine Fahrkarte kaufen musst. Entweder sind das Leute, die von den unterschiedlichen Unternehmen etwas Geld dafür bekommen, dass sie Fahrgäste beischleppen oder einfach hilfsbereite Leute. Noch nie hat hinterher jemand irgendwie Geld für die Auskunft haben wollen. Musst Du zuvor eine Fahrkarte kaufen (das kann es an diesen "Startpunkten" geben, sagst Du dem Fahrer oder "Schaffner" anschließend, wohin Du willst. Er wird es sich merken und Dir Bescheid sagen, wenn Du raus musst.
- Passe an diesen Orten auf Deine Wertsachen auf. Rucksäcke mit 17 Reißverschlüssen und 8 angeknoteten Einzelteilen sind da ungünstig. Trickdiebe in Afrika sind recht clever.
- Beim Gepäcktransport gibt es auch mehrere Möglichkeiten. Der Ovambo-Express fährt z.B. teilweise mit Anhänger. Manchmal wird auch Gepäck aufs Dach geschnallt, aber meist ist es so, dass man sein Gepäck während der Fahrt auf die Oberschenkel stellt (also sperrige Teile des Hausrats zuhause lassen) 😉.
- Sitzverhältnisse sind sehr eng, sowohl seitlich als auch nach vorne sowie in der hintersten Reihe auch nach oben. Falls Du so um die 1,80m bist, wird es evtl. auch mal unbequem.
- Fahrpreise waren immer fair und die normalen Preise. Man hat nie versucht, mich zu bescheißen. Bei Taxifahrten von Flughäfen in die Stadt (in welchem afrikanischen Land auch immer mit Ausnahme von Rwanda) hat man immer versucht, mir das bis zu Vier-/Fünffache des normalen Preises abzuknöpfen.
- Kalkuliere viel mehr Zeit für die Fahrt ein als Du denkst. Hier mal ein Umweg und da mal wieder Gepäck losbinden dauert einfach. Und es ist ein ziemlich doofes Gefühl, wenn man das erste Mal als letzter Passagier mit drei Mann Besatzung durch sehr dubiose Viertel einer fremden Großstadt gefahren wird und nicht weiß, ob jetzt noch alles mit rechten Dingen zugeht (ging es letztlich immer, aber das Gefühl wirst Du im Dunkeln trotzdem haben).
- Du wirst auf solchen Fahrten besonders gegen Abend evtl. mal die Einladung zum Übernachten bekommen. Die meinen das in aller Regel wirklich so und ohne Hintergedanken, also beschimpfe sie nicht, sondern lehne einfach freundlich und ggf. mit Ausrede ab. Ich habe häufig bei völlig fremden Menschen übernachtet, aber würde das als Frau natürlich nicht machen. Die Bereitschaft, dies zu tun, übermittelt gleichzeitig noch eine andere Botschaft.
So, war jetzt bisschen länger, aber hoffentlich ebenso hilfreich. 😉
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...