Frachtversicherung Container

13 Antworten · 2'122 Aufrufe · gestartet 26. Feb. 2015 von journeyman
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Themenstarter39 Beiträge · seit 201226. Feb. 2015 · #1
Hallo zusammen,

wir verschiffen unseren Container nächsten Monat nach Namibia und suchen noch nach einer Frachtversicherung gegen Totalverlust.

1.) Macht die Versicherung Sinn? Nach meinen Informationen ist zwar grundsätzlich Beschädigung versichert, wenn der Kahn allerdings absäuft, schaut man in die Röhre.
Auf unserem Vertrag steht das:

• Cargo is not covered by any transport insurance / marine cover in general, unless confirmed/ in writing.

2.) Habt Ihr da vielleicht eine Empfehlung?

Vorab vielen Dank für die Infos.

Lutz
2'664 Beiträge · seit 201226. Feb. 2015 · #2
Das ist ein heikles Thema das Leute so lange zur Seite schieben bis es mal einen Schaden gibt.
Daß ein Container sich vom Schiff verabschiedet kann im Sturm schon mal passieren.
Versicherung kannst Du doch über die beauftrage Spedition zeichnen. Kostet doch nicht viel.
Ich würde niemals ohne Versicherung schicken.

Speditionsversicherung über einen gewissen Speditions-Großmakler in Deutschland werde ich aufgrund von Schäden niemals mehr abschließen. Sprich mit der Spedition über welchen Makler das läuft. Oder schließe gesondert ab.
Für unsere Motorräder und Landcruiser hatte ich deshalb über meine Hausbank bei der Allianz gezeichnet.
33,1k Beiträge · seit 200626. Feb. 2015 · #3
Hi Lutz,

ich hatte "damals" für meinen Container von D nach NAM eine Zusatzfrachversicherung. Bei mir war so einiges wegen unsachgemäßer Verpackung (übrigens via DB Schenker) kaputt. Da ich die 60 Seiten AGB und Kleingedrucktes nicht wirklich gelesen habe, musste ich mich im Endeffekt mit €500 Entschädigung begnügen (die Versicherung kostete mich mehr). Ansonsten muss man alle Originalrechnungen vorlegen, wenn man den Neuwert erstattet haben will. Da ist praktisch nicht möglich. Also ich würde es das nächste Mal anders machen.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
2'664 Beiträge · seit 201226. Feb. 2015 · #4
Christian,
Du mußt differenzieren zwischen einer Versicherung unter den Allgemeinen Deutschen Spediteursbedingungen oder einer gesondert abgeschlossenen Neuwertversicherung. 95% der Menschen sind damit überfordert, ich zum Teil auch.
Man muß sich wirklich von einem Fachmann auf dem Gebiet beraten lassen. Es geht ja auch meistens gut.
Ich persönlich sehe die Spediteursbedingungen als legalisiertes Verbrechertum an. Du hast keine Chance, auch nicht vor Gericht. Es fängt damit an, daß Du als Verlader selbst verantwortlich bist für Verladen bzw. Verstauen (das war wohl auch Dein Problem).
Beispiel: Wir haben Maschinen bei einem Kunden abholen lassen und den Spediteur beauftragt, die Ladung zu sichern.
Abgeliefert wurde Schrott. Der Spediteur hat das bestritten, wohl aus Angst vor Sanktionen durch den Versicherer.
Der große Versicherungsmakler Oskar Schunck mit der Victoria Versicherung im Hintergrund weigerte sich den Schaden zu regulieren. Leider habe ich mich von einem Anwalt in einen Prozeß reinreden lassen. Ich hatte die Schäden, und gleich stand auch der Gerichtsvollzieher vor der Tür und wollte die Gerichtskosten kassieren.
Du hast einfach keine Chance gegen diese Markt- und Finanzmacht anzukommen. Nur bekommt bei mir kein Spediteur mehr einen Auftrag der in dieser Konstellation versichert ist. Das hat einige Speditionen schon große Aufträge gekostet.
Gruß
H.
zuletzt bearbeitet 26. Feb. 2015
33,1k Beiträge · seit 200627. Feb. 2015 · #5
Hallo H.,
daß Du als Verlader selbst verantwortlich bist für Verladen bzw. Verstauen (das war wohl auch Dein Problem).
ich habe alles von besagter Spedition machen lassen (vom einpacken zu Hause bis zum Auspacken in Windhoek) - Zusatzversicherung (die normale Spediteurversicherung deckt nur Totalverlust ab) abgeschlossen und am Ende mit €500 dagestanden.

Viele Grüße
Christian
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zuletzt bearbeitet 27. Feb. 2015
2'664 Beiträge · seit 201227. Feb. 2015 · #6
Hi Christian,
die Allgemeinen deutschen Spediteursbedingungen sind ja Dein Elend und Ursache des Übels.
Der Spediteur ist von der Haftung befreit, obwohl Du normalerweise unter Zivilrecht einen Zugriff auf den Spediteur hättest. Haftungsrechtlich. Und dahinter verstecken sich die Versicherer. Auch unseriöse Spediteure.
Würde mich mal interessieren, wer bei Dir der Versicherer war!
Gruß
Hajo
33,1k Beiträge · seit 200627. Feb. 2015 · #7
Hallo Hajo,
Würde mich mal interessieren, wer bei Dir der Versicherer war!
Schunck Group (www.schunck.de). Das sind die, mit denen DB Schenker damals zusammengearbeitet hat.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
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2'664 Beiträge · seit 201227. Feb. 2015 · #8
Danke Christian,
nichts anderes habe ich als Antwort erwartet (siehe meine Beiträge).
90% der deutschen Spediteure laufen über diesen Makler.
Gruß
H.
8 Beiträge · seit 201427. Feb. 2015 · #9
Hallo,
prinzipiell gibt es für jede transportierte Sache 2 Arten von Versicherungen. Die eine ist die Haftungsversicherung, die der Spediteur, Stauerei, Frachtführer, Reeder abgeschlossen hat und immer dann haftet, wenn dem Versicherten ein Verschulden trifft. Er möchte damit Ansprüche gegen ihn abwehren. Liegt kein Verschulden vor, ist der VR leistungsfrei (z.B. Havarie grosse = Seenotfall höhere Gewalt). Generell würde ich mich nicht auf die Haftungen der Verkehrsträger verlassen, da ich keinen direkten Zugang zum Versicherer habe (der Frachtführer ist Versicherungsnehmer nicht der Wareneigentümer). Die Durchsetzung ist schwierig und benötigt unbedingt einen erfahrenen Anwalt. Die Abwicklung dauert Jahre bis Jahrzehnte. Problematisch wird es auch, wenn der Ort des Eintritts des Schadens (in wessen Obhut) nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.
Die 2. Versicherungsvariante ist die Kaskoversicherung für die transportierte Ware bzw. Transportversicherung. Hier habe ich direkten Zugang zu meinem Versicherer und kann mit ihm alle Details vor der Verschiffung klären. Kann die Versicherung von Haus zu Haus abschließen. Die Transportversicherung bietet im wesentlichen 2 unterschiedliche Deckungsvarianten. Eingeschränkte oder Grunddeckung. Damit ist der Seenotfall, Untergang, Feuer versichert. Dem gegenüber steht die Versicherung "All risk". Die wäre ideal, kostet aber meist wesentlich mehr. Weiters wird kaum ein Versicherer eine gebrauchte Sache zu all risk-Bedingungen versichern. Wenn, dann mit einem SB.
Meine Empfehlung: Schließt eine Transportversicherer bei eurem Versicherer ab (nicht über den Spediteur, der schneidet ordentlich mit), bei neuen Waren immer All risk, bei gebrauchten zur Eingeschränkten Deckung inkl. Abhandenkommen ganzer Verpackungseinheiten und von Haus zu Haus.
Grüße
hauli
1'182 Beiträge · seit 200628. Feb. 2015 · #10
Hallo zusammen,

ˋhauli´ hat die Sache sehr ordentlich erklärt - er versteht etwas davon. Ich habe dazu zunächst zwei Hinweise: Kaskoversicherung (da geht es um Schiffe) ist nicht gefragt, sondern Warenversicheung oder international Marine Insurance. Und auch gebrauchte Waren kann man durchaus ´All Risks´ versichern.
Die eingeschränkte Deckung wäre ´FPA´.

Entscheident ist, dass die Versicherung der Spediteure (ADSp - meist über Schunck) nur deren Haftung deckt. Das ist für den Auftraggeber natürlich nicht ausreichend. Dazu bieten die Spediteure (meist auch über Schunck) ergänzende Transportversicherungen an. Davon ist m. E. abzuraten, denn diese Deckungen sind vergleichsweise teuer und, was viel wichtiger ist, der Auftraggeber hat keinen direkten Zugang zu dem Versicherer.

Ich rate jedem, der betroffen ist, sich über einen unabhängigen und erfahrenen Versicherungsmakler (bitte nicht über einen Agenten!) - davon gibt es insbesondere in Hamburg einige - beraten zu lassen. Nur das ist die ideale Lösung!

Gruß,
Bernd
0
zuletzt bearbeitet 28. Feb. 2015
8 Beiträge · seit 201428. Feb. 2015 · #11
Hallo Bernd!
Unter "Kaskoversicherung" habe ich die Versicherung für die Ware gemeint, die in der Regel unabhängig von der Ursache zahlt.
Gebrauchte Ware zu All risk ist ein Problem. In der Regel sollte es der Versicherer nicht machen, ohne vorher die Ware inspiziert zu haben oder einen ordentlichen Selbstbehalt. Als Einzelkunde wird man sie auch kaum bekommen.
Bei den Haftungsversicherungen gibt es neben den schon genannten Einschränkungen auch dass Problem, dass die Höchsthaftung mit einem max. Betrag pro transportierte Ware in Kilogramm begrenzt ist. In der Regel weit unter dem tatsächlichen Wert (z.B. LKW-Verkehr nach CMR - 8,33 SZR = ca. EUR 10,--/kg). Im Seeverkehr oft wesentlich weniger. Dieser Betrag kann nur bei Nachweis grober Fahrlässigkeit durchbrochen werden. Ausserdem sind die Reklamationszeiten sehr kurz. Die Entschädigung aus der Haftungsversicherung sollte eigentlich dem Versicherer vorbehalten bleiben, der sich - nach der Abwicklung eines Transportschadens - beim Haftungsversicherer regressiert. Aus eigener Erfahrung - sehr mühsam und zeitaufwändig.
Haftungsversicherungen wie Transportversicherungen bieten in der Regel die meisten größeren Versicherer an. Schuncks ist Makler und versichert nicht selbst.
Gruß
hauli

PS: Ich habe 30 Jahre lang die Transportversicherungssparte eines großen international tätigen Versicherungskonzerns geleitet. Sowohl Vertrag als auch Schaden.
2'664 Beiträge · seit 201228. Feb. 2015 · #12
Danke Hauli,

Transportversicherung, u.a. gebrauchte Fahrzeuge bzw. gebrauchte Motorräder habe ich All Risk bei der Allianz über meine Hausbank gezeichnet. Ging völlig unproblematisch. Wir haben den Gebrauchtwert zzgl. Zubehör angegeben.

Es scheint eine ganz feste Zusammenarbeit zwischen Schunck und Victoria zu geben. Zumindest war es in meinem Fall so. Eine unschöne Konstellation. Ich hatte den Eindruck, daß bei Schunk ausschließlich Anwälte beschäftigt sind, die auch die Schadensregulierung hantieren. Verklagen mußte ich in meinem Fall beide.
Wenn jemand bei Schunck das Telefon abgenommen hat, war das in meinem Falle immer ein Jurist. Für mich war das irritierend.
Schunck und Victoria Versicherung sind seit vielen Jahren bei mir blacklistet, d.h. Verbotspartner, und ich bediene mich nur Speditionen die woanders versichert sind. Anders versichert war z.B. Kühne & Nagel, wo der Versicherer in der Schweiz saß. Ich weiß aber nicht, ob das noch immer so ist.
zuletzt bearbeitet 28. Feb. 2015
1'182 Beiträge · seit 200601. März 2015 · #13
Hallo Swakop,

Deine Empfindungen sind durchaus berechtigt. Schuncks hat die Speditionsversicherung vor Jahrzehnten mit der Victoria entwickelt. Seitdem sind beide auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Das bedeutet leider, dass Schuncks oft lieber die Interessen des Versicherers (meist Victoria) vertritt als die Interessen seines Kunden. Und das sollt eigentlich umgekehrt sein, denn Schuncks ist schließlich Makler, der lt. Gesetz allein die Interessen seiner Kunden zu vertreten hat. Aber der Stärkere siegt.

Du hast aus deiner Erfahrung gelernt und einen anderen Weg gewählt. Das ist gut. Aber der andere Weg über die Bank ist natürlich auch nicht ideal, denn da sind auch Interessen gegen Dich im Spiel. Die vernünftige Lösung ist ganz einfach: Du solltest einen unabhängigen Makler in Deutschland beauftragen.

Gruß,
Bernd
0
Themenstarter39 Beiträge · seit 201201. März 2015 · #14
Hallo zusammen,

vielen Dank für die Infos und Erfahrungsberichte. Ich habe verstanden und werde mich nach einem unabhängigen Versicherungsberater (Makler) umsehen.
Kühne und Nagel hat auch eine Empfehlung ausgesprochen. Nur wollte ich hören, was das Forum zu diesem Thema sagt.

Noch einen schönen Sonntag.

Lutz