alte Klamotten: Altkleidersammlung oder Namibia?

8 Antworten · 2'110 Aufrufe · gestartet 25. Jan. 2015 von Jaspar061103
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Themenstarter655 Beiträge · seit 201425. Jan. 2015 · #1
Hallo liebes Forum,

wir haben in Kürze wieder eine Altkleidersammlung und ich bin nun dabei, unsere Schränke zu durchforsten. Dabei bin ich auf einige T-Shirts/Tops gestoßen, die ansich noch gut "in Schuss" sind, nur leider nicht mehr passen oder ein wenig verwaschen sind. Nun bin ich am überlegen, ob ich sie wie gehabt zur Altkleidersammlung gebe - oder in gut 6 Wochen mit nach Namibia nehme und dort jm. schenke.
Was meint ihr? Habt ihr diesbezgl. schon Erfahrungen mit verschenkter Kleidung gemacht? Freuen die Namibier sich wirklich darüber oder denken sie eher "jetzt kommen die Deutschen schon wieder mit ihrer aufgetragenen Kleidung"?
Kann man sie einfach an einer Rezeption hinterlassen? Oder die Angestellten einer Lodge o. ä. einfach mitten "auf dem Flur" ansprechen, ob sie dies oder das haben möchten? Oder nach Räumung des Zimmers einfach auf dem Bett lassen mit einem kleinen Zettel dabei?
Wie handhabt ihr das?

Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag,
Sarah
LG, Sarah 2015: http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285830-plattlaendler-zum-ersten-mal-auf-pad-in-namibia.html 2016: http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/288966-i-bless-the-rains-down-in-africa-namibia-2016.html
2'664 Beiträge · seit 201225. Jan. 2015 · #2
Altkleiderverteilung bringt immer Probleme mit sich:
- man nimmt der fragilen einheimischen Textilwirtschaft Aufträge weg (kann sein, muß nicht sein)
- landet verschenkte Kleidung auch wirklich bei den Bedürftigen, oder wird sie weiter verkauft?

Lasse keine Kleidung liegen, sie landet meistens nicht bei den "Richtigen".
Gucke Dir lieber in den kleinen Ortschaften alte Leute aus, bei denen die Bedürftigkeit am höchsten ist.
Du siehst es ihnen an der vergammelten Kleidung an.
Ich halte es etwas anders und gebe die Kleidung auch weiter an die alten ehemaligen Arbeitnehmer meiner Eltern.
Dort weiß ich zumindest, daß es bei den Richtigen landet.
In den kleinen Orten oder deren Townships trifftst Du die alten Armen immer an den Geschäften an, sie sitzen zumeist draußen auf der Treppe oder Bürgersteig im Schatten. Es ist die Langeweile die sie dorthin treibt, diese sind auch nicht die, die betteln. Die wenigsten von ihnen sprechen übrigens Englisch. Da kommst Du mit Deutsch weiter.
zuletzt bearbeitet 25. Jan. 2015
728 Beiträge · seit 200625. Jan. 2015 · #3
Hallo Sarah,
wie fast alles ist auch dieses schon diskutiert worden:
http://www.namibia-forum.ch/forum/152-umfragen/213009-sinn-oder-unsinn-des-schenkens.html?limitstart=0&start=6

Ich persönlich bin da sehr zurückhaltend. Allenfalls würde ich Kleidung einer lokalen seriösen Organisation geben, die das an Notfälle weitergibt. Alles andere erscheint mir als der reiche Onkel aus Europa, der seine abgelegten Sachen im armen Land liegen lässt.

Wenn eine persönliche Beziehung da ist, ist es etwas anderes. Gegen ein individuelles Geschenk, da auf einer persönlichen Beziehung basiert kann man nichts haben.
Das ist eine diffizile Grenze, die man nicht übertreten sollte, sonst kann es als von oben herab, als Almosen, auch als würdelos, verletzend wahrgenommen werden. Nicht immer ist es so gemeint: aber was empfindet der ungewollt "Beschenkte"?
Wie würden wir das empfinden, wenn uns ein Amerikaner nach der Reise seine alten T-Shirts hier lässt?
Gruß
Reinhard
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441 Beiträge · seit 201225. Jan. 2015 · #4
Hey - Klamotten in die Altkleidersammlungen geben, sollte man / frau ohnehin nicht machen. Die Sachen werden ganz oft nach Afrika per Kilo verkauft und landen dort dann auf den Märkten zum Verkauf für ganz wenig Geld. Dadurch geht aber die eigene afrikanische Industrie kaputt. Sachen für 50 Cent oder 1 € können die auch nicht herstellen. Ich gebe meine Sachen immer in Asylbewerberunterkünften ab. Dort freut man sich, denn nach dem Asylbewerberleistungsgesetzt erhalten sie kein Geld von der Sozialhilfe für Klamotten.
In Namibia haben Kinder ganz oft nach warmer Bekleidung gefragt. Hatte ich aber leider nicht ausreichend mit.

Liebe Grüße aus (dem seit gestern weißen) Hamburg
Petra
https://www.smilies.4-user.de
Themenstarter655 Beiträge · seit 201425. Jan. 2015 · #5
Reinhard schrieb:
Wie würden wir das empfinden, wenn uns ein Amerikaner nach der Reise seine alten T-Shirts hier lässt?
Gruß
Reinhard
Ja eben, genau deswegen hab ich auch so meine Zweifel...
Danke schon mal für eure Antworten.
LG, Sarah 2015: http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285830-plattlaendler-zum-ersten-mal-auf-pad-in-namibia.html 2016: http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/288966-i-bless-the-rains-down-in-africa-namibia-2016.html
7'296 Beiträge · seit 200625. Jan. 2015 · #6
Hallo Sarah,

denke daran, dass Du mit jedem Geschenk die Erwartungshaltung der Beschenkten nach oben schraubst. Daraus entsteht am Ende Bettelei, über die sich spätere Reisende beklagen.

Ich persönlich halte es so:
Poliokranke oder andere Behinderte, die sich z.B. auf allen Vieren durch das Dorf bewegen, bekommen auch mal ein bisschen Geld. Die haben keine Chance, sich was zu verdienen.
Bei sehr alten Menschen mache ich das auch ab und an so. Überflüssige Klamotten habe ich als Radreisender ja selten dabei, aber auch da blieb ab und an mal was zurück.

Leute, die arbeiten könnten, bekommen nur gegen Gegenleistung etwas.
Verschenken fühlt sich für Dich vielleicht gut an, aber als Ergebnis kommt es nicht so gut.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
5'538 Beiträge · seit 200825. Jan. 2015 · #7
Hallo Sarah,

über dieses Thema gibt es fast ebenso viele Meinungen wie Fomis. Jede hat etwas für sich und ist aus der jeweiligen persönlichen Sicht richtig. Deshalb kann ich Dir nur sagen, wie wir es machen:

1. Wir lassen grundsätzlich keine Kleidung in den Lodges, denn den Lodgeangestellten geht es ja schon "ziemlich gut", denn sie haben einen Arbeitsplatz. Außerdem geben die meisten Lodgebesucher noch Trinkgelder, ob direkt oder indirekt über den Tronk ist dabei egal. Diesen Menschen geht es relativ gut, auch wenn sie sich über jedes Geschenk freuen. Denn jedem Hartz IV-Empfänger in Deutschland geht es wesentlich besser als einem normalen Lodge-Angestellten. Und deshalb halte ich auch die Frage von Reinhard für nicht richtig. Wie würden wir das empfinden, wenn uns ein Amerikaner nach der Reise seine alten T-Shirts hier lässt? Das ist eine ganz andere und in keiner Weise vergleichbare Situation.

2. Wir bringen trotzdem jedes Mal unsere ältere Kleidung (gewaschen!!!!) aus Deutschland mit und geben sie an hiesige Hilfseinrichtungen, die die wirklich Bedürftigen unterstützen. Hier im Forum ist zum Beispiel Konny von Schmettau (Forumsname Schmettau), die den Leuten hilft. Außerdem geht Eva von Abenteuer in Namibia (Namib Tom im Forum) einmal die Woche in die DRC. Auch sie kennt die richtigen Leute, die wirklich hilfsbedürftig sind. Und dann gibt es noch Lore Bohm - mammibohmsunshine@gmx.net -, die mehrere Kindergärten betreut. Denen geben wir die Sachen, denn dann wissen wir, dass sie bei den richtigen Leuten ankommen. Und damit schaden wir auch nicht der heimischen Textilindustrie, denn diese Leute könnten sich nicht selbst etwas kaufen.

Fazit: Bring Deine alten Sachen mit, aber erkundige Dich vorher, bei wem Du sie lassen kannst.

Liebe Grüße von der sonnigen Atlantikküste
Gerd
4'140 Beiträge · seit 200925. Jan. 2015 · #8
Hallo Sarah,
noch eine Möglichkeitim Sinne von Gerd:
Frau Anja Rohwer in Swakopmund betreut mehrere soziale Einrichtungen in Swakopmund Mondesa DRC und in Windhoek Katutura. Du erreichst sie in Swakopmund im Laden "Kubatsirana" - das ist in der Straße vom Hohenzollernhaus zum Strand - wo sie Produkte von Frauen-Selbsthilfegruppen verkauft.
Gruß:
Burschi
21x Namibia, 6x Botswana, 6x Südafrika, 4x Simbabwe, 2x Sambia, 1x Tansania, 2x Kenia, 1x Mauritius, 1x Sansibar
66 Beiträge · seit 201027. Jan. 2015 · #9
Hallo Sarah,
es wurde zwar schon viel gesagt ich wollte aber trotzdem noch meinen Senf dazugeben.
Auf die namibische Bekleidungsindustrie Rücksicht zu nehmen, bedeutet soviel wie auf PEP und die vielen China Shops Rücksicht zu nehmen, da gerade diese in ländlichen Gegenden mit den Kleiderverkäufen auf den Open Markets konkurieren. Und die Arbeitsbedingungen in diesen Läden sind zumeist auch nicht die besten und ob das Kapital in Namibia bleibt fraglich.
Die Kleidung an einen netten Angestellten weiterzugeben ist definitiv eine Option (das dieser sie für ein paar ND weiterverkauft ist eher unrealistisch da die Marge am Altkleiderstand am Open Market eher gering ist, ausserdem wäre mir das auch egal.)
Wie vorher auch schon Angemerkt kann man die Kleidung auch an ein paar "verlottert" aussehende Kinder oder alte Leute geben, speziell T-shirts waren da immer begehrt und wurden dankbar angenommen. Das die Sachen gewaschen sind und man sich dabei nicht wie der große Spender benimmt versteht sich wohl von selbst.

Mach einfach was du für Richtig erachtest und mach dir nicht zu viele Gedanken darüber, ist schliesslich dein Urlaub 🙂

Grüsse,
Tokoloshe