Wieder war der Morgen in Polentswa frisch, und wir verloren keine Zeit aufzubrechen. Mit dem Sonnenaufgang fuhren wir zum Wasserloch, sahen unzählige Tauben kommen, trinken und abfliegen.
Wir entschieden, nach Cousant zu fahren. Aber außer etwas Nebel, der noch dicht über dem Boden hing, war auch dort wieder mal nichts los.
Zurück bei Polentswa blieben wir auch nicht mehr lange. Ein Tawny Eagle saß im Baum.
Sonst war nichts Spannendes zu sehen. Die Fußabdrücke der nächtlichen Besucher der Wasserstelle ließen zwar Großes erahnen, aber da eine längere Strecke vor uns lag, machten wir uns auf den Weg nach Norden.
Beim Rastplatz Lijersdraai hielten wir und wollten eigentlich nur kurz zur Toilette gehen und dann Brötchen und Nutella nach vorne holen. Auf der Toilette wunderten wir uns über tote Bienen in der Kloschüssel und im Spülkasten. Wo sie vorgestern noch munter herumgesummt waren, lagen sie nun auf dem Boden und bildeten eine Schicht in der Kloschüssel. Einfach ertrunken sind sie wohl nicht, zumindest haben wir noch nichts von kollektivem Selbstmord bei Bienenvölkern gehört. Draußen entdeckte Ruth unter einem Busch eine riesige Mäusefamilie. Dort tummelten sich mindestens 50 kleine Streifenmäuse. Sie war so fasziniert, dass wir ein bisschen länger blieben und draußen mit Kaffee und Tee frühstückten.
Mit der Zeit verloren die Mäuse ein wenig ihre Scheu. Sie kletterten über die Zweige der Büsche immer näher zu uns heran und liefen uns schließlich fast zwischen den Füßen herum. Vielleicht hofften sie auf ein paar Krümel. Diese stibitzten aber schon andere Gäste von unseren Tellern.
Meisensänger
Glanzstar
Ein weiteres Auto traf ein. Ein deutsches Paar war ebenfalls auf dem Weg zum Kaa-Gate. Wir hatten die beiden schon zweimal in Nossob gesehen und unterhielten uns kurz.
Teil 6201. Feb. 2015
Dann setzten wir unseren Weg fort. Bald hielten wir auf dem Weg an einer Stelle mit sehr vielen Löwenspuren. Zahlreiche, unterschiedlich große Pfotenabdrücke waren noch gut im Sand zu erkennen, und am Straßenrand entdeckten wir Blut- und Schleifspuren. Wir waren uns relativ sicher, dass hier vor nicht allzu langer Zeit ein Kampf oder Riss stattgefunden hatte und suchten die Umgebung nach den Beteiligten ab. Doch die Böschung der Straße war wieder recht steil und dicht bewachsen. Man konnte nicht weit schauen, und selbst Ruth entdeckte die vermuteten Löwen nirgendwo. Da konnte sie Uwe noch so häufig zwei Meter vor- und wieder zurückfahren lassen. Das andere Auto vom Rastplatz traf ein und hielt einige Meter hinter uns. Nun blockierten wir auch noch die Straße. Und das für nichts außer ein paar Spuren. Irgendwann gaben wir auf und fuhren weiter. Als wir kurz danach wieder mal anhielten, holten uns auch die beiden wieder ein. Wir erzählten von unserer Löwenvermutung vor einigen Kilometern, und sie erklärten uns, dass ihnen die Löwen auch gut gefallen hatten. Auch? Wie bitte? Na, die beiden Löwen am linken Straßenrand, die sie wahrscheinlich hauptsächlich deswegen gesehen hatten, weil wir direkt an dieser Stelle mitten auf der Straße standen. Sie waren davon ausgegangen, dass wir ebenfalls die ganze Zeit Löwen beobachtet hatten. Das konnte doch nicht wahr sein! War unsere Idee also doch nicht ganz falsch gewesen. Wir drehten nochmal um und entdeckten das Rudel schließlich ebenfalls nahe der Straße. Allerdings etwa 10 Meter hinter dem Ort, an dem wir zuvor gesucht hatten. So schnell kann man nur ein klein wenig daneben liegen und eine Sichtung verpassen. Wir wollen gar nicht genau wissen, wie oft uns das schon unwissend passiert ist. Aber unwissend macht ja keine schlechte Laune, und außerdem ist es ja auch gerade der besondere Reiz, etwas selbst zu entdecken. Das Nicht-Entdecken gehört da wohl auch dazu. Nun sahen wir die Löwen also doch noch (ein herzliches Dankeschön an CuF)! Leider lagen sie gut versteckt, so dass wir nur dann etwas erkennen konnten, wenn sich ein Tier erhob. Sie taten uns auch nicht den Gefallen, uns ein wenig zu inspizieren und sich unserem Auto zu nähern, da sie ihre Beute wesentlich interessanter fanden. Diese hatten sie ins Gesträuch geschleppt und – wie unschwer an ihren blutverschmierten Gesichtern zu erkennen war – auch schon probiert. Die Löwen lagen im Schatten der Sträucher um ihren Riss herum, immer mal wieder erhob sich ein Tier, so dass wir für einen kurzen Augenblick einen Rücken, einen Schwanz oder ein Ohr erblicken konnten. Danach ließ es sich aber wieder nieder, und wir konnten mehr erahnen als erkennen, was dort oben vor sich ging. Leider ist es ja auch verboten, aus dem Auto auszusteigen, so dass Ruth nicht nachsehen konnte, was die Löwen da nun gerade fraßen. 😉 Obwohl nur sehr wenig zu erkennen war, blieben wir doch einige Zeit an dieser Stelle. Es hätte ja sein können, dass noch etwas Spektakuläres passiert. Zwischen den Büschen erspähten wir mindestens einen ausgewachsenen männlichen Löwen, mehrere Löwinnen und einige Halbstarke.
Als sich die Tiere nach einer Weile nach Löwenart zum Verdauungsschläfchen niederließen und wir immer seltener eine Katze erblicken konnten, machten wir uns wieder auf den Weg. Bis zum Abzweig nach Kaa war die Straße gut zu fahren. Danach wurde die Piste schmal und sehr ruppig.
Das Wellblech schüttelte das Auto und uns ganz schön durch. Anschließend war die linke Dachzelthalterung vollständig gebrochen, so dass diese Seite nun nur noch von unserem Kabelbinder zusammengehalten wurde. Auf der Strecke übernahm Ruth für ein paar Kilometer das Steuer und fuhr die sandige Wellblechstraße über ein paar Dünen. Es durfte ja nicht sein, dass sie in diesem Urlaub gar nicht gefahren ist. Anfangs hatte sie Schwierigkeiten mit dem Lenkspiel. Während Uwe ihr sagte, dass sie zu weit links fuhr und Ruth das Steuer zaghaft nach rechts drehte, fuhr der Hilux bereits links die Böschung hoch. Uwe lachte sich kaputt und hatte großen Spaß. Ruth weniger. Sie kam sich vor wie im Kinderkarussell, bei dem man das Lenkrad immer weiter im Kreis drehen kann, ohne dass etwas passiert. So war bereits nach einigen Kilometern klar, die Rollenverteilung bleibt bei uns wie sie ist: Uwe fährt, und Ruth entdeckt die Tiere. So wurden die Plätze bald wieder getauscht. Auf den 80 Kilometern bis zum Kaa-Gate sahen wir einige Steinböckchen. Uwe bremste für eine Schlange, die genau vor unserem Auto über den Weg huschte. Aber als wir angehalten und zurück gefahren waren, konnten wir leider keine Spur mehr von ihr entdecken. Am Gate erkundigten wir uns nach dem Weg zur Thupapedi-Pfanne, an der unsere Campsite liegt und machten eine kleine Pause mit einer bayrischen Brotzeit. Dazu machten wir Obazda und aßen das frische gebackene Brot – sehr lecker.
Dann fuhren wir die letzten 33 Kilometer nach Westen. Wir entdeckten einige Wiedehopfe, konnten sie aber nicht gut fotografieren.
Fiskalwürger
Der Campingplatz besteht aus einer einsamen Stellfläche mit Feuerstelle, sonst nichts. Trotzdem gefiel er uns ausgesprochen gut. Wir bauten unser Lager auf und genossen den warmen Abend. Ruth pirschte einigen Erdhörnchen hinterher.
Zum Abendessen wollten wir eigentlich das letzte Stück Rinderfilet grillen. Das roch aber so fies, als wir es auspackten, dass wir es lieber gleich wieder in die Tüte wickelten. So gab es Reste: Gemischter Salat, Brot mit Obazda, Rauchfleisch und Folienkartoffeln. Wir verbrannten das restliche Holz in einem großen Feuer und genossen unseren letzten Abend in der Wildnis. Als wir am Feuer saßen, flog eine riesige Eule vorbei. Auch eine Fledermaus drehte ihre Runden.
Kilometer: 176
Teil 6308. Feb. 2015
Montag, 11. August 2014 – Zurück nach Namibia
Thupapedi Pan, KTP – Zelda Farm, Namibia
Unsere für diesen Urlaub letzte einsame Nacht ging zu Ende. Als wir aufstanden, war der Vollmond, den wir am Vorabend noch hatten aufgehen sehen, gerade dabei, am gegenüberliegenden Horizont zu verschwinden. Für ganz kurze Zeit schaute er in die aufgehende Sonne, dann versank er. Da wir eine längere und vor allem unbekannte Strecke zu fahren hatten, ließen wir uns nicht viel Zeit. Zunächst ging es die etwas mehr als 30 Kilometer zurück zum Kaa Gate. Dort trugen wir uns in das Register für ausgehende Fahrzeuge ein. Anschließend fuhren wir ein paar Kilometer an der Parkgrenze entlang, bevor wir nach Norden abbogen. Die Straße war eine etwa 30 Meter breite Schneise in der Landschaft. Auf dem sandigen Untergrund gab es unzählige Fahrspuren, nur leider keine, die zur Spurbreite unseres Autos gepasst hätte. Wahrscheinlich fahren dort sonst nur größere Fahrzeuge. Wir schlingerten von links nach rechts, schwammen hin und her, mal im zweiten, mal im dritten und bei viel Glück sogar im vierten Gang. Über zig Kilometer drifteten wir wie ein Schiff durch die Sandwellen, bis wir schließlich eine Schotterstraße erreichten.
Über den ganzen Tag verteilt nahmen wir viele unterschiedliche Straßen unter die Räder: schmale und breite, aus Sand und Schotter, weiche und harte, schnurgerade und gewundene und das in sämtlichen Kombinationen. Jeder Abschnitt zwischen zwei Abzweigen war wieder anders. So wurde es auf keinen Fall langweilig.
Auf der Schotterstraße angekommen pumpten wir Luft in die Reifen und machten eine Pause, wieder mit frischem Obazda und Brot. Über mehrere Ortschaften kamen wir langsam Richtung Nordwesten. Die Strecke zog sich. Wir sahen sehr viele Steinböckchen, die in großen Sätzen davonsprangen. Irgendwann begann das bewirtschaftete Land, und Kühe und Ziegen säumten den Straßenrand. Uns fiel auf, dass die Ortschaften, durch die wir kamen, sehr ordentlich und sauber waren.
Bei Charles Hill ließen wir die Schotterstraße hinter uns und fuhren auf Teer bis zur Grenze. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Nun mussten wir uns entscheiden, wo wir die Nacht verbringen wollten. Der ursprüngliche Plan war die Zelda-Farm gewesen. Da wir nun aber so gut vorwärts gekommen waren, reifte die Idee, direkt bis Windhoek durchzufahren. Bei unserem dritten Versuch erreichten wir die Pension Casa Piccolo, bei der wir die letzte Nacht bereits reserviert hatten. Leider waren sie ausgebucht. So bogen wir doch bei Zelda ein und suchten uns einen Stellplatz. Die Farm liegt sehr verkehrsgünstig nahe der Grenze zu Botswana. Der Campingplatz ist komfortabel mit Strom, Wasser, Grasfläche und Grillstelle. Wir suchten uns einen Platz und ruhten aus. Ruth knipste ein paar Vögel, darunter einen Brubru und mehrere Akaziendrosseln.
Um halb fünf nahmen wir an der Tierfütterung teil. Zuerst gingen wir zu den Emus und erhielten interessante Informationen zu den australischen Vögeln. Besonders fanden wir, dass diese Tiere ein sehr wertvolles Öl liefern, das sie in ihren Knien speichern. Dann wurde das Stachelschwein Pit gefüttert. Es war jedoch noch zu hell, und Pit kam noch nicht aus seiner Höhle. Zuletzt kamen wir zu einer Leopardin. Obwohl es ein wunderschönes Tier war, konnten wir es nicht gut in Gefangenschaft sehen. Waren wir in unserem zweiten Urlaub bei einer ähnlichen Fütterung noch ganz gespannt gewesen, konnten wir von dieser Faszination nichts mehr spüren. Ganz im Gegenteil. Das Fleisch wurde im Licht der untergehenden Sonne gut sichtbar auf einem Felsen drapiert, und die Leopardin sprang mit einem großen Satz direkt vor uns auf den Stein, wo sie ihr Futter verspeiste. Obwohl die Augen der Katze funkelten und die letzten Sonnenstrahlen in ihrem Fleckenpelz leuchteten, konnten wir kein einziges Foto schießen. Tiere gehören unserer Meinung nach einfach nicht hinter Maschendraht, egal welch rührselige Vorgeschichte es hierzu auch geben mag. Schließlich kehrten wir zu unserem Campingplatz zurück. Nun war auch Pit aus seiner Erdhöhle gekrochen.
Bei Sonnenuntergang flogen einige Fledermäuse über den Platz, und wir genossen die Rufe einiger Vögel in der Dämmerung, während wir einmal nichts vorbereiten mussten, da wir um sechs Uhr zum Abendessen der Farm gingen. Es gab eine Cremesuppe und ein Buffet mit Springbockfrikadellen, Kudurouladen, Möhren, Bohnen, Reis und Kartoffeln. Dazu eine Salatauswahl und Nachtisch. Wir fanden alles sehr lecker. Anschließend besuchten wir noch einmal das Stachelschwein. Pit war sehr aktiv und kam zu uns an den Zaun. Er versuchte, daran hochzuklettern und beschnupperte uns. Mit Ruth lief er einige Male am Zaun auf und ab. Stachelschweine sind einfach sehr beeindruckende Tiere. Wir hatten Pit sofort gern. Er tat uns leid, weil er alleine in einem kleinen Gehege lebt und nachts während seiner aktiven Zeit eigentlich nichts weiter zu tun hat, als das hingekippte Futter zu verspeisen. Als es uns zu kalt wurde, gingen wir bei neun Grad ins Zelt.
Kilometer: 396
Teil 6418. Feb. 2015
Dienstag, 12. August 2014 – Windhoek
Zelda Farm – Casa Piccolo, Windhoek
Der Morgen auf Zelda war noch frisch. Bei wenigen Grad Celsius stand Uwe auf, kochte Kaffee und bereitete sich aus dem Rest Müsli eine doppelte Portion. Ruth mümmelte das letzte Nutellabrötchen, dann spülten wir und verstauten alle Sachen im Wagen. Die Schlafsäcke nahmen wir bereits aus dem Bett, damit wir den Camper nicht wieder aufklappen müssen. An der Rezeption bezahlten wir die Rechnung und machten uns auf den Weg. In Gobabis tankten wir noch einmal, holten Geld, und da es einen Wimpy gab, wünschte sich Ruth eine Portion Pommes. Entlang der Strecke nach Windhoek waren kilometerlange Baustellen mit einspuriger Verkehrsführung. Glücklicherweise trafen wir immer dann ein, wenn unsere Fahrtrichtung fahren durfte. Kurz nach Mittag kamen wir bei der Pension an und konnten unser Zimmer beziehen, das wir innerhalb weniger Minuten mit sämtlichem Krempel aus allen Fächern und Ritzen des Autos verwüsteten. Aber anstelle aufzuräumen, fuhren wir mit dem nun leeren Wagen in die Stadt, brachten einen Stapel Handtücher in die Wäscherei, holten unsere Kiste und Reisetaschen bei Savanna und fuhren zum Craft Center in der Innenstadt. Dort bummelten wir ein wenig durch die Souvenirstände. Unser Hauptziel war aber das Craft Café, wo wir uns eine leckere Quiche und ein Sandwich schmecken ließen. Später ging es wieder zur Pension. Dort begann das große Aufräumen: Alles, was in Namibia bleiben sollte, kam ordentlich in die Ausrüstungskiste. Der Rest wurde nahezu vollständig auf die drei Reisetaschen verteilt. Am Ende (der Prozedur und auch unserem eigenen) hatten wir ein gutes Gefühl, für alles einen Platz finden zu können. Nun war es schon höchste Zeit für eine Dusche, denn pünktlich um sieben brachte uns ein Taxi zum Restaurant „Am Weinberg“. Am ersten Abend unserer Reise hatte es uns dort so gut gefallen, dass wir hier den Kreis schließen wollten. Wieder war es sehr lecker. Während Ruth als Vorspeise eine Ingwer-Möhren-Suppe aß, verzichtete Uwe und bestellte nach dem Oryx noch einen Nachtisch. Der Wein sorgte dafür, dass wir nach dem Essen Mühe hatten, die Augen offen zu halten. Auf unser Taxi warteten wir an der frischen Luft. Als eine Baby-Katze auftauchte, war es um Ruth geschehen, und die beiden spielten ein wenig. Die Betten in der Pension fingen uns auf, als die Schwerkraft mit voller Macht zuschlug.
Kilometer: 307
Teil 6518. Feb. 2015
Mittwoch, 13. August 2014 – Rückflug
Casa Piccolo, Windhoek
Obwohl die Betten weich und bequem waren, konnten wir nicht sehr gut schlafen. Die vielen Erlebnisse der vergangenen Wochen und Gedanken an das Ende unseres Urlaubs drängten sich ins Bewusstsein. Außerdem galt es ja noch das Abenteuer mit unserem gesamten Gepäck zu bestehen. Und zumindest bei Ruth kündigten sich deswegen gleich mal ein paar Bauchschmerzen an. Am Morgen duschten wir, frühstückten trotz aller Bedenken lecker und packten dann alles in die Rucksäcke und Taschen. Die Sachen ließen wir in der Pension bei unserer Maske, die schon vor einiger Zeit wohlbehalten aus Swakopmund eingetroffen war. Die Fragen, wie wir das viele Gepäck diesmal nach Hause bekommen sollten, verdrängten wir erneut. Stattdessen fuhren wir wieder zum Craft Center, bummelten ein wenig durch die Innenstadt, erstanden noch ein paar letzte Souvenirs (allerdings nur noch klitzekleine Sachen) und aßen im Café zu Mittag. Eigentlich hatte sich Uwe sehr auf den leckeren Applecrumble gefreut, hörte nach der Quiche aber doch auf den Verstand bzw. seinen Magen, der bereits satt war. So kommt dieser leckere Nachtisch eben beim nächsten Mal wieder auf den Tisch – nach der Reise ist vor der Reise, und was gibt es Schöneres, als sich den Abschiedsschmerz mit einer neuen Urlaubsplanung zu vertreiben?
Auf dem Weg zur Pension holten wir unsere sauberen Handtücher ab und packten sie in die Ausrüstungskiste. Ein bisschen Zeit vertrieben wir uns noch im Innenhof des Casa Piccolo. Da wir die Zwei-Meter-Maske nicht wieder umständlich auf das Autodach kleben wollten, ließen wir sämtliches Gepäck in der Pension, um es später auf dem Weg zum Flughafen mit dem Shuttlebus abzuholen. So brachten wir nachmittags das Auto zu Savanna und erläuterten dort alle Kleinigkeiten, die unserer Meinung nach zu richten sind. Insbesondere die eine Metallschnalle zum Schließen des Daches war vor wenigen Tagen vollständig gerissen und hielt seitdem nur noch mit einem Kabelbinder. Ansonsten hatte es auch dieses Mal wieder keine Probleme oder Pannen mit dem Wagen gegeben. Die Starterbatterie, die ausgetauscht werden musste, spielte für uns keine Rolle, da dieser Defekt an der dafür am besten geeigneten Stelle auftrat: in Swakopmund bei der Pension 50 Meter von der Werkstatt entfernt, als wir auf das Auto nicht angewiesen waren. Mit Rene und Berti unterhielten wir uns noch eine ganze Zeit über die Buschcamper. Als neue Variante werden diese auch auf Fahrzeuge mit Extra-Cab montiert. Unser langjähriger Fahrer brachte uns zum Flughafen. Da wir die einzigen Fahrgäste waren, störte der Umweg in Klein-Windhoek niemanden, und wir konnten uns mit sämtlichem Gepäck im Bus breit machen. Als wir den Fahrer fragten, auf wie viele Personen er von der Menge der Taschen schließe, vermutete er mindestens vier. 😗 Am Flughafen steuerten wir zunächst die erste Station für die Erstattung der Mehrwertsteuer an. Aus unseren Erfahrungen vom letzten Jahr kannten wir die Prozedur und waren uns sicher, diesmal mit den Belegen alles richtig gemacht zu haben. Die Beamtin hatte auch nichts zu beanstanden. Später stellte sich jedoch heraus, dass eine der vier Quittungen nicht bearbeitet werden konnte, weil es sich lediglich um die Seite eines einfachen Quittungsblockes handelte. Der Verkäufer im Craft Center hatte dort zwar alle notwendigen Informationen eingetragen (insbesondere VAT-Registration-Number und unseren Namen und Anschrift), aber leider nur per Hand. Eine solche Quittung könne ja jeder schreiben, und somit sei sie nicht gültig. Es fehle mindestens ein Stempel des Verkäufers oder eine Quittung auf einem eigenen Vordruck. Wir verstehen, dass so etwas selbstverständlich absolut fälschungssicher ist. 😉 In der Schlange zum Check-In trauten wir unseren Augen kaum, trafen wir doch überraschenderweise unsere ehemaligen Nachbarn aus Niederkassel. Inspiriert von unseren Erzählungen all die Jahre und Fotos, die wir ihnen noch vor einigen Monaten gezeigt hatten, waren die beiden Rentner mit einer geführten Tour zum ersten Mal in Namibia unterwegs gewesen und begeistert. Bei der Gepäckaufgabe gab es wider Erwarten keinerlei Probleme. Die dritte Reisetasche sowie die Maske wurden anstandslos akzeptiert, letztere als Sperrgepäck aufgegeben, das Handgepäck glücklicherweise nicht gewogen. Lediglich beim Durchleuchten gab es eine Überraschung, mit der wir niemals gerechnet hätten: Ruth hatte ja die kleine Vogeltränke gekauft. Sie besteht im Wesentlichen aus einer Flasche in einem Drahtgestell. Dieses Mitbringsel wurde nun beanstandet. Die Glasflasche sei gefährlich und dürfe im Handgepäck nicht mitgenommen werden. Bislang waren wir davon ausgegangen, dass lediglich die Flüssigkeiten, die sich in Flaschen befinden können, verboten seien. Da wir jedoch nicht so schnell auf das Souvenir verzichten wollten, wandten wir ein, dass man ja im Duty Free Shop ebenfalls Glasflaschen (mit Inhalt) kaufen und dann im Handgepäck mitnehmen könne. Ja, das stimme, aber die gekauften Alkoholika würden ja separat in einer Tüte eingeschweißt. Aha! Gut, dann wollten wir unsere „Waffe“ eben auch einschweißen lassen. Darauf ließ sich die Beamtin nicht nur ein, sondern verließ sogar ihren Posten und begleitete uns mit in den Laden. Dort schnappten wir uns die erstbeste Flasche Amarula und ließen sie an der Kasse zusammen mit unserer Vogeltränke einschweißen. Nun konnte damit zum Glück nichts mehr passieren, und wir durften sie behalten. Den Sinn dahinter verstanden wir mal wieder nicht. Afrika ist toll! Wir ließen uns in einer 30-minütigen Prozedur ein bisschen Mehrwertsteuer zurückerstatten und saßen dann mit unseren ehemaligen Nachbarn zusammen und erzählten uns Urlaubserlebnisse. Pünktlich ging es zum Flugzeug. Der Flug war in Ordnung, das Abendessen genießbar, nur schlafen konnten wir nicht sehr viel. Über Zentralafrika gab es einige Turbulenzen.
Teil 6618. Feb. 2015
Donnerstag, 14. August 2014 – Wieder zu Hause
Ziemlich unausgeschlafen verließen wir viertel nach sieben in Frankfurt den Flieger. Wir hatten schnell unsere Taschen, und auch das Sperrgepäckband spuckte als erstes und einziges Trum die verpackte Zwei-Meter-Maske aus. Unser – natürlich selbstgewähltes – Problem war der manuelle Transport unseres Gepäcks. So lange wir Gepäckwagen benutzen konnten, ließ sich alles einigermaßen bewegen. Aber für die Busfahrt von Terminal 2 nach Terminal 1 und vom Bahnhof zum Gleis stehen diese Gepäckwagen nicht mehr zur Verfügung. Uwe trug den Fotorucksack und in jeder Hand eine Reisetasche. Ruth hatte ebenfalls einen Rucksack, eine kleine Fototasche, eine Reisetasche mit Rollen und die Tüte mit den gefährlichen Flaschen. So wäre es gerade so gegangen. Nur die Maske war eindeutig zu viel. So mussten wir die Strecken ohne Gepäckwagen etappenweise und dreifach zurücklegen. Wir fuhren z. B. eine Rolltreppe, dann setzte Uwe die Taschen ab, fuhr zurück und holte die Maske hinterher. Dann war da noch die Sache mit dem Rail-and-Fly-Ticket. Die Zugfahrkarte für die Hinfahrt hatten wir vor der Reise zu Hause über das Internet erstellt und ausgedruckt. Für die Rückfahrt war das aufgrund des großen zeitlichen Vorlaufs jedoch noch nicht möglich gewesen. Nun wollten wir die Rückfahrtickets am DB-Automaten abholen. Doch leider akzeptierte dieser keine der eingegebenen Nummern. Ein Anruf bei der Hotline der Deutschen Bahn dauerte eine Viertelstunde, führte über drei Gesprächspartner, bei denen Uwe sein Sprüchlein aufsagte, endete jedoch ohne Ergebnis. Für die korrekte Aushändigung der Rail-and-Fly-Ticketnummern sei die Fluggesellschaft verantwortlich, bei der wir gebucht hätten. Vielen Dank, wir freuen uns, endlich wieder in Europa zu sein. Endlich funktioniert mal wieder was! Auch Deutschland ist toll! Völlig genervt wählten wir wieder die Internet-Variante und luden die Tickets als PDF ins Smartphone. Wie sich herausstellte, reichte dies für den Scanner der Schaffnerin im ICE aus. Im Gepäck-vor-zurück-vor-Verfahren erreichten wir sehr knapp den Zug. Während Ruth die Maske schon mal in die offene Zugtür schob, damit dieser nicht abfahren konnte, eilte Uwe noch mit zwei Taschen die Treppe herunter. Beim nächsten Mal lassen wir uns lieber wieder mit dem Auto in Frankfurt abholen. Im Zug führten wir noch ein sehr nettes Gespräch mit einer Familie, die ebenfalls aus Namibia zurückkam. Sie erklärten, dass sie schon seit Windhoek voller Mitleid unser ganzes Gepäck bestaunen würden. Allerdings könnten sie sich auch beim besten Willen nicht vorstellen, warum wir ein Bügelbrett transportieren würden. Zu Hause waren wir dann ziemlich fertig, aber glücklich.
Unsere elfte Afrikareise liegt hinter uns. Nach der Jubiläumsreise im Jahr davor war uns klar, dass wir die Erwartungen hinsichtlich Tiersichtungen erheblich herunterschrauben mussten. In 2013 haben wir so viel von unserem Glück verbraucht, dass dies sicherlich nicht so weitergehen konnte. Im Nachhinein können wir sagen, dass es wieder ein erlebnisreicher und sehr erfolgreicher Urlaub war. Gerade weil die vorherige Reise so perfekt gewesen war, hatten wir nicht viel an der Route geändert. Uwe sucht zwar immer nach neuen, für uns unbekannten Strecken, aber wir wollen stets auch bekannte Orte besuchen. Unsere persönlichen Highlights waren die riesigen Schwärme der Blutschnabelweber, die wir zum ersten Mal beobachten konnten, die unerwartete Sichtung der Bushbabies, der Leopard im Moremi, das große Löwenrudel bei Savuti, die braune Hyäne im KTP und natürlich die vielen unterschiedlichen und besonderen Vögel. Ruth macht sich sehr viel Mühe, alle Vogelsichtungen in ihrer Handy-App zu verzeichnen. So haben wir während dieser Reise 173 verschiedene Arten bestimmen können, darunter viele für uns zum ersten Mal. Die Anziehungskraft, die das südliche Afrika auf uns ausübt, ist ungebrochen. Es wird nie langweilig, dort unterwegs zu sein und Spannendes zu erleben. Die nächste Reise ist geplant.
Teil 6721. Feb. 2015
Am Ende unseres Reiseberichts wollen wir uns bei euch allen ganz herzlich bedanken: Für die unzähligen lieben Anmerkungen, PMs, das Danke-Knopf-Drücken und für eure Geduld, wenn es zwischen zwei Etappen mal etwas länger gedauert hat. Das Aussuchen der Fotos und Aufbereiten des Textes hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir uns vorstellen könnten, mal wieder einen Reisebericht zu schreiben. 😉 Hoffentlich fahrt ihr dann wieder mit.
Bis dahin eure Eulenmuckels
Zum Schluss haben wir noch zwei Bilder für euch: unser Kalender-Titelblatt als eine Art Zusammenfassung der Reise und eine Zusammenstellung verschiedener Springbock-Portraits, die wir während des Urlaubs gesehen haben. Man begegnet diesen Antilopen ja sehr oft und könnte meinen, eine sieht aus wie die andere. Meist werden sie kaum beachtet, obwohl sie wirklich hübsch sind.