natürlich war auch das Ziel unser vergangenen Sommerferien schnell klar. Diskussionen gibt es längst keine mehr, höchstens noch bezüglich einiger kleinerer Zwischenstopps. Freunde und Bekannte haben aufgehört, sich zu wundern. Sie versuchen auch nicht mehr, uns ein anderes Ziel nahezulegen, und selbst das verständnislose Kopfgeschüttel über die ganzen Entbehrungen (bekommt ihr auch etwas zu Essen, ständig diese Kälte, Bett jeden Tag auf- und zuklappen, nur kaltes Wasser aus der Dusche, ist das nicht gefährlich … blablabla, blablablablaaaa …), die leicht spöttischen Fragen („Na, wo geht‘s denn diesmal hin? Doch nicht etwa nach Afrika?“) und die Bemerkungen zu dem ein oder anderen Foto („Wie? Da ist ja gar nichts! Ihr fotografiert ja nur Steine!“) verstummen so langsam. Sie haben es verstanden: Sie werden uns nicht mehr ändern! Und unsere Begeisterung für das südliche Afrika ist nach wie vor nicht zu bremsen. Spätestens beim Verfassen unseres letzten Reiseberichts im Winter waren die Rufe der Schakale wieder zu vernehmen, wurden mit der Reservierung der Camps immer lauter und eindringlicher und waren im Frühling nicht mehr zu überhören. Die Vorfreude stieg stetig, und so ging es für uns auch in diesen Sommerferien wieder nach Namibia und Botswana, wo wir einige unserer Lieblingsorte besucht haben. Der Schwerpunkt lag auf der Tier- und zunehmend Vogelbeobachtung. Es macht uns immer mehr Spaß, die Gefiederten zu entdecken, zu bestimmen und zu fotografieren. Aber auch die Vierbeiner sind nicht zu kurz gekommen. Auch wenn die Sichtungen der Reise des vergangenen Jahres 2013 kaum zu überbieten waren, hatten wir einige schöne Begegnungen. Der Titel bedeutet also nicht, dass wir ausschließlich über Vögel berichten werden.
In den kommenden Wochen wollen wir euch in verschiedene Nationalparks mitnehmen und gemeinsam Tiere entdecken. Fotos gibt es natürlich auch. Wir freuen uns über eure Begleitung.
Viel Spaß Ruth und Uwe
Teil 202. Nov. 2014
Freitag, 4. Juli 2014 – Auf geht‘s
Der letzte Schultag vor den Sommerferien, der erste Urlaubstag – da war doch was? Richtig: Heute geht es endlich los. Und das zum elften Mal. Bei dieser Reise machen wir das Jahr voll. Nehmen wir alle Urlaube zusammen, haben wir dann ein ganzes Jahr in Afrika verbracht. Aber eigentlich gibt es dieses Mal gar nichts Neues. Da unsere letzte Reise so wunderschön war, haben wir nur wenige Änderungen an der Route vorgenommen und hoffen, dass uns der Safarigott auch dieses Jahr wieder wohlgesonnen ist (und sich nach Möglichkeit nicht daran erinnert, dass er es letzten Sommer bereits mehr als gut mit uns gemeint hat). So werden wir wieder zunächst nach Botswana fahren und anschließend eine große Runde durch Namibia drehen, bis wir zum Abschluss der Reise einige Tage im KTP verbringen. Dieser Park hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu unserem Lieblingspark entwickelt, und besonders die einsamen Camps haben es uns angetan. Außerdem hofft Ruth wieder auf die Begegnung mit einer braunen Hyäne. Sollen die Wünsche doch nicht zu klein sein: Ein Karakal könnte es gleich auch noch sein! Den kann man eigentlich im ganzen Land entdecken. Tut man aber nicht. Und so war der Plan schnell gefasst: Eine ganze Woche Zeit im KTP für die Hyäne und den Luchs mit den Puscheln auf den Ohren. Der Beginn unserer Afrikaurlaube ist immer ein wenig durch Stress geprägt. Um nur ja keinen Tag zu verschwenden, nehmen wir bereits den Flieger am Abend des letzten Schultags. Dies bringt es naturgemäß mit sich, dass wir die letzten Reisevorbereitungen parallel zu Zeugnissen und Klassenbuchsessions vornehmen müssen. Aber dennoch haben wir nur ganz wenige Dinge vergessen. Das fiel jedoch vorerst nicht weiter auf, denn wir hätten eh nichts Weiteres mehr schleppen können. Mit je einer Tasche in der linken und einer in der rechten Hand und einem mehr oder weniger schweren Rucksack für das Handgepäck waren unsere packeseltechnischen Ressourcen ausgeschöpft.
Uwes Eltern holten uns zu Hause ab und brachten uns dieses Mal zum Zug nach Siegburg. Den üblichen Freitagnachmittag-Stau auf der A3 wollten wir so umgehen. Alternativ hatten wir nette Stehplätze zwischen Koffern und Taschen im ICE, der aber nur 40 Minuten bis Frankfurt brauchte. Dort brachte uns dann ein Bus zum Terminal 2, und am Schalter zum Check-In bei Air Namibia war noch nicht viel los. Nachdem der Fluglinie kurzfristig doch nicht die Lizenz entzogen worden war, rechneten wir mit keinerlei Schwierigkeiten. Weit gefehlt! Nun wurde unser Gepäck hinsichtlich des Gewichts unter die Lupe genommen. Seit zwei Jahren sind wir aufgrund der wiederholten Flüge mit Air Namibia stolze Inhaber des sog. Gold-Status im Vielfliegerprogramm. Dies berechtigt zur Mitnahme von mehr Gepäck: Zwei Taschen zu je 23 kg anstelle einer (pro Person). Lieber hätten wir eine größere Tasche mit etwas über 30 kg mitgenommen, dies war aber ausdrücklich untersagt worden, als wir vorab per Email nachfragten. Nun teilte uns die Dame am Check-In jedoch mit, dass wir trotz Gold-Status in der Economy-Klasse doch nur eine Tasche mitführen dürften. Als Platin-Kunde wären zwei Taschen erlaubt. Auf unsere Nachfrage, welchen Vorteil der Gold-Status denn habe, meinte sie, wir hätten Zutritt zu irgendeiner Lounge. Na großartig! Während Ruth im Geiste schon die Taschen umpackte und entschied, welche Dinge wir vielleicht doch in der dritten Tasche im Schließfach für knapp sechs Wochen am Flughafen zurücklassen könnten, war sich Uwe seiner Sache auf Grund des regen Mail-Kontaktes im Vorfeld ganz sicher. Das Spielchen zwischen ihm und der kompetenten Dame am Check-In: Sie dürfen definitiv keine zwei Gepäckstücke mitnehmen! – Doch! – Nein! – Doch! – Nein! setzte sich sehr zur Freude der immer länger werdenden Schlange an Mitreisenden hinter uns einige Minuten fort. Dummerweise bekam die Dame Unterstützung von einer weiteren Mitarbeiterin, die ihre Aussage bestätigte. Was tun? Das unwillige Gemurmel der anderen Fluggäste war nicht mehr zu überhören. Gerade als Uwe die entsprechende Email von Air Namibia herausgesucht hatte, um den entsprechenden Beweis zu liefern, konnte auch die Mitarbeiterin am Schalter die Regelung finden bzw. verstehen. Sie entschuldigte sich mehrfach bei uns, und wir wunderten uns mal wieder, warum sich niemand so genau mit den eigenen Gepäckregelungen auskennt. Wir können doch nicht die einzigen oder ersten Leute sein, die unter solchen Bedingungen nach Namibia reisen wollen. Nun war das Handgepäck an der Reihe. Und die Vorschriften hierbei waren leider allen Beteiligten ganz klar. Hatten wir doch gehofft, um das Wiegen des Handgepäcks herumzukommen, denn der Fotorucksack wog 15 kg. Das waren mindestens 5 kg zu viel. Weder die beiden Damen noch wir hatten Lust und Nerven für eine weitere Diskussion, zumal wir diesmal auch wirklich im Unrecht waren. Trotz der rappelfesten Verstauung in den einzelnen Fächern Uwes Fotorucksacks wanderten ein paar Objektive lose in Ruths Handgepäck, und am Ende wogen beide Gepäckstücke knapp 10 kg. Puh!
Nun durften wir endlich zum Boarding. Zuvor aßen wir noch eine Kleinigkeit und sahen uns das Fußball-WM Spiel an. Ruth stellte befriedigt fest, dass der einzige Dortmunder Spieler den Treffer, der zum Sieg gegen Frankreich genügte, erzielte. Das Flugzeug war nur zu ca. zwei Dritteln belegt, das Essen in Ordnung. Schlafen konnten wir nicht besonders gut, so dass wir entsprechend müde und bei frischen null Grad in Windhoek landeten. Ein Foto vom Flugzeug nach dem Aussteigen zu machen, wurde uns verboten.
Teil 302. Nov. 2014
Samstag, 5. Juli 2014 – Ankommen, einkaufen und wurschteln
Casa Piccolo, Windhoek
Wir reisten nach Namibia ein, zogen unsere Taschen vom Band und fanden sofort den Fahrer von Savanna. Die Begrüßung ist mittlerweile schon sehr herzlich, fast wie bei einem länger nicht gesehenen Familienmitglied. Nachdem wir noch einige Zeit auf eine weitere Familie gewartet hatten, die jedoch nicht mehr auftauchte, ging es in die Stadt zur Autovermietung. Dort verlief alles zügig und unkompliziert. Unser Wagen ist wie im Vorjahr ein Bushcamper mit Klappdach, diesmal jedoch bereits zwei Jahre alt. Der erste Weg führte uns zur Pension Casa Piccolo, wo wir ein zweites Frühstück und unser Zimmer bekamen. Alle Taschen ließen wir dort und brachen zur großen Einkaufsrunde auf: Geld holen, Bottlestore, Superspar, Metzger, Tankstelle. Anschließend war der Wagen mit Kartons und Tüten randvoll.
Am Nachmittag verstauten wir in der Pension unsere Sachen sowie die Einkäufe in sämtlichen Fächern des Autos. Dafür wurde der halbe Hof der Pension belegt. Gefühlte hundert Mal liefen wir um unser Auto, bestiegen den Innenraum, öffneten und schlossen Reißverschlüsse, Klappboxen und Autoklappen, bis auch das letzte Bestimmungsbuch, die warmen Wolldecken für den plötzlichen abendlichen Kälteeinbruch, die Stirnlampen, die Hängematte, sämtliche Klamotten, Essensvorräte und das ganze Gedöns mit Kabel seine optimale Wohnung für die nächsten Tage oder auch länger gefunden hatte und wir endlich nach mehrfachem Um- und Ausgeräume zufrieden waren.
Als dies schließlich geschafft war, waren wir fix und fertig und brauchten dringend ein wenig Ruhe. Im Zimmer legten wir uns kurz aufs Ohr und wollten zum Abendessen fast nicht mehr aufstehen. Eigentlich hatten wir vor, wie immer zu Joe’s Beerhouse zu fahren. Aber zu unserem Glück, das wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht ahnen konnten, war dort aufgrund der Fußball-WM samstags alles ausgebucht. So wichen wir auf das Restaurant „Am Weinberg“ aus, von dem wir bereits gehört hatten. Das war ein Volltreffer. Es stimmte einfach alles: Die Menüauswahl, das Ambiente, die Bedienung. Wir aßen unglaublich leckere Vorspeisen (kalte Gurkensuppe bzw. Brühe mit selbstgemachten Wild-Tortellinis und Käse) und ein zartes Oryx-Steak. Lediglich ein Stück Möhre lebte noch und sprang Uwe vom Teller auf die Jacke, von dort auf die Hose und dann auf den Boden, hinterließ dabei eine Spur aus Soße. Bereits am ersten Tag die einzige gute Hose versaut! Das konnte unsere Freude über das leckere Essen aber nicht trüben. Mit dem Taxi fuhren wir wieder in die Pension und fielen todmüde ins Bett.
Teil 403. Nov. 2014
Sonntag, 6. Juli 2014 – Nach Botswana
Casa Piccolo, Windhoek – El Fari, bei Ghanzi
Das Aufstehen fiel uns etwas schwer. Zum letzten Mal für lange Zeit verließen wir ein weiches Bett und schwärmten noch ein bisschen von dem sensationellen Abendessen. Während Ruth duschte, sortierte Uwe Dinge, die noch im Auto verstaut werden mussten. Bei so einem Camper wird man ja niemals fertig mit der Räumerei! Gestern hatten wir bereits festgestellt, dass wir unser Bohnensack-Stativ für das Autofenster vergessen haben. Zu blöd! Müssen wir uns halt mit einem alten Handtuch begnügen. Noch einmal ließen wir uns Rührei mit Speck schmecken und brachen schließlich gegen 9.00 Uhr auf. Bei Savanna ließen wir noch schnell zwei leere Reisetaschen und unsere Ausrüstungskiste zurück. Dann ging es auf die B6 nach Osten. Letztes Jahr waren wir die Strecke zusammen mit Freunden gefahren, nun spulten wir alleine die Kilometer ab. Wir vertrieben uns die Zeit damit, Warzenschweine zu zählen. Die Grenzformalitäten dauerten auf beiden Seiten zusammen nicht mehr als 20 Minuten, und so kamen wir zügig voran. Während in Namibia noch wenig Verkehr herrschte, war in Botswana fast gar kein anderes Auto mehr unterwegs. Am Nachmittag hielten wir an einem Rastplatz neben der Straße und machten ein kleines Picknick. Leider besuchten uns sehr viele Fliegen und Wanzen. Letztere hatten es besonders auf das weiße Auto abgesehen, flogen aber auch gerne ins Innere, wenn wir eine Türe öffneten. Wir versuchten so gut es ging, den Wildschinken, das Brot und die Tomaten zu genießen und nicht aus Versehen ein Insekt mitzuverspeisen. Was uns beunruhigte, war die Tankanzeige. Bereits nach 200 Kilometern hatte der Zeiger angefangen, sich zu bewegen. Bisher waren wir es von den Doppeltank-Systemen gewohnt, dass die Tankuhr erst zu sinken beginnt, wenn einer der beiden Tanks vollständig leer ist. Nun ging es schon viel früher los. So waren wir sehr gespannt, als wir gegen 16.30 Uhr nach Ghanzi kamen, Geld holten und tankten. Nach den gefahrenen 500 Kilometern passten zum Glück nur die erwarteten 60 Liter in den Tank. Nach der letzten Etappe erreichten wir das El-Fari Camp, wo wir die einzigen Gäste waren. In Ruhe bereiteten wir das Abendessen zu.
Es gab Paprika-Tomaten-Feta-Salat, Folienkartoffeln mit Knoblauchbutter und zwei zarte Rindersteaks. Das Lagerfeuer wärmte uns und sorgte für schöne Afrika-Atmosphäre. Nach den anstrengenden letzten Tagen konnten wir uns heute bei der Fahrt erholen und den ersten Campingabend in vollen Zügen genießen. Nach dem Spülen ging Uwe duschen und machte noch ein paar Aufnahmen vom Sternenhimmel. Im Dunkeln hörten wir zwei Weißgesichtohreulen, die sich miteinander unterhielten und den markanten Ruf einer Zwergohreule. Morgen freuen wir uns auf die Zentralkalahari.
Kilometer: 592
Teil 503. Nov. 2014
Montag, 7. Juli 2014 – Sagen Schilder die Wahrheit?
El Fari, bei Ghanzi – Passarge Valley, CKGR
Heute schliefen wir ein wenig aus und ließen uns erst außerhalb des Zeltes blicken, als es bereits hell und das Thermometer auf drei Grad geklettert war. Nachts war es doch ein wenig frisch geworden.
Mahaliweber
Die Sonne wärmte uns von außen, Tee und Kaffee von innen. Dann packten wir alles zusammen, bezahlten unsere Rechnung bei El-Fari und starteten Richtung CKGR. Nach etwa 40 Kilometern wollten wir am Kuke Veterinärzaun rechts in Richtung Tsau Gate abbiegen. Doch auf einem Schild stand unmissverständlich, dass man die Eintrittsgebühren für den Nationalpark auf keinen Fall am Gate, sondern beim Wildlife-Büro in Ghanzi zu bezahlen hätte.
Oh je. Wir hatten zwar bezahlte Reservierungen für die Campingplätze, aber noch keinen Eintritt bezahlt. Was tun? Da hatte das Reisebüro Eulenmuckels wohl ein wenig geschlampt. Kurzerhand entschlossen wir uns, in den sauren Apfel zu beißen und die 110 Kilometer bis Ghanzi zurück zu fahren. Nicht, dass wir gestern und heute Morgen die Strecke schon einmal gefahren waren! Wir versuchten, uns über diesen Umweg nicht lange zu ärgern. Die Alternative wäre gewesen, die verbleibenden 45 Kilometer entlang des Zaunes bis zum Tsau Gate zu fahren, um zu fragen, ob wir nicht doch dort den Eintritt bezahlen könnten. Falls nicht, wäre der Umweg dann aber umso länger. In Ghanzi fragten wir uns zum Wildlife Büro durch. In einem Gebäude, das von innen wie ein Gefängnis aussah, geleitete man uns zu einem hinteren Büro. Eine Dame berechnete umständlich die Gebühren, füllte das entsprechende Formular aus und stempelte wild mehrere Durchschläge. Weder das Büro, noch die Angestellten machten auf uns den Eindruck, als ob hier regelmäßig Parkeintritte abgerechnet und Permits ausgestellt würden. Anschließend kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten im Spar und tankten mal wieder voll. Die Strecke nach Nordosten kam uns dann schon ein wenig bekannt vor. Die netten Straßenarbeiter, die damit beschäftigt waren, die weißen Mittelstreifen nachzumalen, hatten in der Zwischenzeit weitere hundert Meter geschafft. Dazu legten sie eine rechteckige Schablone mitten auf die Straße und rollten die Form mit einem weißen Farbroller aus. Am Kuke Fence ging es dann endlich nach Osten, und am Tsau Gate erfuhren wir, dass wir dort natürlich problemlos die Eintrittsgebühren hätten bezahlen können, sehr gerne auch per Kreditkarte. Warum auch nicht? Vielleicht deswegen, weil es auf einem nicht zu übersehenden offiziellen Schild unmissverständlich geschrieben stand und vermutlich auch in 20 Jahren noch da stehen wird. Ach, das Schild! Die Frau am Gate winkte lässig ab, und wir erkannten mal wieder, immer noch viel zu Deutsch zu denken. Selber schuld!
Außerdem erzählten uns die Ranger, dass es dieses Jahr Elefanten in der Zentralkalahari gebe. Ihre Spuren und Hinterlassenschaften sahen wir später, fanden aber leider keinen Dickhäuter. Nach dem Gate ging es nochmal 35 Kilometer am Zaun entlang, bevor wir nach Süden abbogen. Vor drei Jahren waren wir schon einmal hier gewesen. Im Gegensatz zu damals kommt uns die Landschaft sehr verbuscht vor. Entlang des Weges ins Passarge Valley stehen die Sträucher teilweise so eng, dass es unmöglich ist, den Wagen ohne das Kratzen der Äste hindurch zu fahren.
Wir sahen nicht sehr viele Tiere, also solche auf vier Beinen. Es gab lediglich ein paar stattliche Kudumännchen und später die dazugehörigen Weibchen, zwei Steinböckchen, die in großen Sätzen davonsprangen und einige Oryx, die unmotiviert herumstanden. Wir fuhren lange Strecken, ohne einen einzigen Springbock, geschweige denn eine Giraffe oder etwas anderes zu sehen. Nun ist die Mittagszeit natürlich auch nicht die günstigste Zeit für Tierbeobachtungen, und wir hatten durch unseren Umweg über Ghanzi einfach zu viel Zeit verloren. Dafür entdeckten wir viele Vögel, die uns über die Fahrerei durch karges, ausgetrocknetes Grasland hinweg trösteten. Ständig saßen Termitenschmätzer und vor allem Gabelracken in den Ästen von Büschen oder einzelnen Bäumen. Eine von ihnen hatte sich gerade eine grüne Gottesanbeterin geschnappt. Nach einigen geschickten Drehungen und mehrmaligem Wenden des Leckerbissens schlang sie den fetten Happen im Ganzen hinunter. Es ist immer wieder verwunderlich, welch Riesenbrocken Tiere am Stück hinunterwürgen können, ohne dabei zu ersticken.
Teil 603. Nov. 2014
Weder am Motopi-Wasserloch noch an der Wasserstelle an der Einfahrt zum Passarge Valley war viel zu entdecken. Ein einzelnes Oryx löschte seinen Durst, und eine Schar Perlhühner rannte mit wackelnden Köpfen flügelschlagend in wildem Zickzack genau in der Fahrspur vor unserem Auto her.
Weißflügeltrappe
An unserem Campingplatz machten wir Feuer und grillten Boerewors. Dazu gab es Salat und Grillbrote. Nach dem Essen schrieb Ruth noch ein wenig mit der Taschenlampe.
Die erste Nacht in der Kalahari war kalt. Am Morgen zeigte das Thermometer –0,4 Grad. Daher beeilten wir uns damit, alle Sachen zusammen zu packen und verschoben das Frühstück auf später.
Rebhuhnfrankolin
Riesentrappe
Ein paar Kilometer fuhren wir bis zum Passarge Wasserloch. Dort blieben wir etwa eine Stunde stehen, konnten aber außer Tauben und Flughühnern keine Tiere beobachten. Falsch: Als Highlight kam ein einzelner Schakal vorbei und stillte seinen Durst. Zu einer spannenden Taubenjagd kam es aber nicht. Einige Riesentrappen näherten sich im Gebüsch, aber auf sie wollten wir dann nicht mehr warten.
Fleckenflughuhn
Weiter ging es Richtung Süden. Der Weg führte über einige Schleifen durch Buschland und über Ebenen. Immer wieder sahen wir unterschiedlich große Herden Oryx und Springböcke. Manchmal waren ein paar Kuhantilopen oder Gnus unter ihnen. In den Bäumen saß ab und zu ein Falke, Weißbürzel-Singhabichte sahen wir erstaunlich oft am Boden. Ein einzelner Gaukler saß in einem Baum und fraß an einer Beute, die wir jedoch nicht mehr erkennen konnten. Kurz nach Mittag machten wir Pause an einem Stellplatz der Tau-Pan. Uwe aß Müsli, Ruth Brote mit Frischkäse und Rauchfleisch. Dann kochten wir Wasser mit der Kelly und spülten auch das Geschirr vom Vorabend. Die Sonne war warm, und wir genossen die Ruhe und Einsamkeit.
Eine große Schar Perlhühner kam vorbei und ließ sich durch unsere Anwesenheit nicht stören. In wenigen Metern Entfernung scharrelten sie an uns vorüber. Besonders auffällig waren die unzähligen Naramelonen, die zu hunderten überall herumlagen. Sie sind wohl ein Zeichen für den vielen Regen, der dieses Jahr gefallen war.
Teil 804. Nov. 2014
Auf dem weiteren Weg kamen uns zwei Gruppen Südafrikaner entgegen, die zweite bestand aus sechs Fahrzeugen mit Anhängern, die eine lange Staubfahne hinter sich herzogen. Danach war es aber wieder ruhig, und zu unserer großen Freude sahen wir mehrere Familien Löffelhunde. Die drolligen Kerlchen waren allerdings sehr scheu und sprinteten meist in vollem Galopp davon, sobald wir anhielten. Ein paar Sekretärvögel stolzierten durch das hohe Gras.
Gegen Nachmittag erreichten wir unseren Stellplatz Letiahau, fuhren aber noch ein paar Kilometer weiter zum gleichnamigen Wasserloch. Dort stand eine Herde Oryx, die sich aber schnell entfernte. Leider passierte in der kommenden Stunde nichts, obwohl es in der näheren Umgebung keine weitere Wasserstelle mehr gab.
Schurrbärtchen
Und so fuhren wir wieder zurück zum Stellplatz. Bereits vor Sonnenuntergang kühlte die Luft ab, daher machten wir Feuer und richteten uns ein. Der Campingplatz liegt ein paar hundert Meter abseits des Wegs und verfügt weder über eine Dusche noch eine Toilette. Das finden wir sehr schade, denn überall im Gebüsch liegt Klopapier herum.
Als es dunkel wurde, hörten wir ein merkwürdiges Geräusch, welches wir nicht auf Anhieb zuordnen konnten. Während die bellenden Geckos ja eine sehr angenehme Stimmung schaffen, hörte sich dieses Husten für uns aber sehr nach einem Leoparden an. Der Ruf wiederholte sich, kam näher und umkreiste unser Lager. Mit unserer Handy-App (mammals) überprüften wir verschiedene Tierlaute. Den ganzen Tag hatten wir lediglich ein paar Oryx gesehen. Vielleicht husten Oryx ja auch?! Schließlich spielten wir den Laut der Katze ab. Anstelle uns zu beruhigen, dass sich ein Leopard ganz anders anhörte, war es nach kurzer Analyse der Stimme mit der Gemütlichkeit schnell vorbei. Die beiden Laute waren erschreckend ähnlich. Wir grillten in Windeseile unsere Steaks (die müssen ja auch gar nicht durch sein!) und aßen, wobei wir immer wieder mit der Taschenlampe die Umgebung ableuchteten. Da die Vegetation aber recht hoch und die Büsche nahe standen, konnten wir nichts entdecken. Wir kamen uns sehr beobachtet und gleichzeitig selbst recht blind vor, so dass wir nach dem Essen schnell im Zelt verschwanden. Das Husten entfernte sich, und in sehr weiter Entfernung hörten wir unser erstes Löwengebrüll in diesem Urlaub.
Kilometer: 125
Teil 905. Nov. 2014
Mittwoch, 9. Juli 2014 – Vogel-Invasion
Letiahau, CKGR – Tiaan’s Camp, Khumaga
Wir standen kurz nach Sonnenaufgang auf und packten zusammen. Der erste Weg führte uns wieder zum Letiahau Wasserloch. Doch auch heute waren dort keine Tiere zu entdecken, obwohl es im Umkreis von vielen Kilometern die einzige Wasserstelle ist. Lediglich Tauben und Trauerdrongos saßen in den Ästen. Mehr war nicht zu sehen, da half auch kein mehrmaliges Umrunden der Wasserstelle.
Ein einsames Oryx überlegte es sich anders und drehte vor dem Wasser ab.
Da wir den Park bis 11.00 Uhr verlassen mussten und es nichts gab, weswegen es sich zu bleiben lohnte, machten wir uns auf den direkten Weg zum Matswere-Gate. Einen kleinen Umweg nahmen wir über eine Campsite. Auf dem Weg dorthin sahen wir eine große Herde Giraffen, die aus über 20 Tieren bestand. Die Wege wurden zunehmend schlechter. Die vergangene Regenzeit war in den tiefen Furchen und Spuren noch deutlich zu erkennen. Hier kamen wir nur langsam voran.
Gegen halb zwölf erreichten wir das Matswere-Gate. Dort checkten wir aus und sahen auf der Sichtungstafel, dass wir Löwen und Geparden nur knapp in der Zentralkalahari verpasst hatten. Dafür entdeckten wir vor der Toilette noch ein haariges Ungeheuer. Eine gar nicht mal so ganz kleine Spinne kauerte sich in den Winkel und spazierte dann auf ihren acht Beinen entlang der Wand. Die Rangerin am Tor versicherte uns, dass es sich um ein äußerst giftiges Exemplar handelte. Von ihrem Biss könne man sterben! Allerdings hatten wir nicht den Eindruck, als würde sie sich wirklich mit Spinnen auskennen. Vielleicht gibt es unter euch ja einen Experten?
Sehr fasziniert von dieser Begegnung (es ist halt immer eine Mischung aus Neugier und Grusel bei einer solchen Entdeckung und hängt auch davon ab, ob man von dem Tierchen überrascht wird oder sich ihm aus freien Stücken langsam annähert) hielten wir doch lieber Abstand. Lange beobachteten wir dafür das Getümmel von zahlreichen Blutschnabelwebern, die sich in einigen Büschen am Gate versammelten. Das Gezwitscher war unbeschreiblich, und die Äste bogen sich unter dem Gewicht der Vögel. Es war ein ständiges Landen und Abfliegen, ein Hin und Her von einem zum Nachbarbusch, verbunden mit Flattern und Flügelschlagen.
Die ca. 40 Kilometer nach Rakops waren gut zu fahren. Im Ort tankten wir und bogen dann auf die Teerstraße nach Norden ab. Doch schon nach wenigen Kilometern hielten wir wieder an. Dunkle Rauchschwaden erschienen am Horizont, kamen rasch näher und waberten über die Straße. Schnell stellte sich der vermeintliche Qualm als Vogel-Invasion heraus. Hatten wir vorhin noch gedacht, einen großen Schwarm zu beobachten, sprengten diese Zahlen sämtliche Dimensionen. In Wolken zogen riesige Schwärme von Blutschnabelwebern von Horizont zu Horizont.
Sie überflogen in einem einzigen, nicht enden wollenden Strom die Straße, auf der wir fuhren, und wir parkten unser Auto unmittelbar darunter am Fahrbahnrand. Es waren Tausende, nein Millionen von Vögeln. Das Geräusch ihrer Flügelschläge wie das von fließendem Wasser passte zu dem nicht abreißenden Strom. Über eine Stunde lang saßen wir wie gebannt unter diesem Schauspiel und beobachteten, wie die Weber über uns hinwegzogen. Nur gelegentlich stoben sie auseinander, wenn vereinzelt Greifvögel in das Getümmel stießen. Es kam uns wie ein Wunder vor, dass nicht ständig Vögelchen vom Himmel regneten, die in der ganzen Hektik versehentlich gegeneinander flogen.
Fotos können dieses Spektakel leider nur annähernd erahnen lassen. Außerdem war es auch recht schwierig, das Objektiv ungeschoren aus dem Fenster zu halten. Die Armee über uns landete einige nicht wirklich erfreuliche Treffer auf Ruths Armen und in ihren Haaren. Als wir schließlich weiterfuhren, war der Vogelzug keinesfalls abgebrochen. Munter folgten die Gefiederten ihren Artgenossen von Osten nach Westen. Es war unvorstellbar, woher die Massen der Vögel kamen und wohin sie wollten. Wo findet eine solche Anzahl noch genügend Körner? Und wie sieht es nach einem solchen Einfall hinterher dort aus? Schon am frühen Nachmittag erreichten wir Khumaga und das Tiaans Camp. Dieses liegt sehr schön direkt am Boteti. Von einer Aussichtsplattform kann man über den Fluss und in den Magkadigadi Nationalpark schauen. Es gibt viele Vögel zu beobachten. Besonders freuten wir uns über ein paar Goldbugpapageien, die im Baum unmittelbar über unserem Campingplatz saßen.
Wir genossen den ruhigen Nachmittag, spülten, duschten und sicherten Fotos. Da wir etwas Zeit hatten, wusch Ruth bereits ein bisschen Wäsche. Zum Abendessen meldeten wir uns bei Heike an, der Teilhaberin des Camps. Sie machte eine Art Frühlingsrolle als Vorspeise und Kudusteaks mit Kartoffeln und Spinat als Hauptspeise. Beim Essen unterhielten wir uns mit ihr und Tiaan, dem südafrikanischen Besitzer des Camps. Er ist schon viele Jahre Safari-Guide und konnte interessante Geschichten erzählen. Als es uns zu kalt wurde, gingen wir in die Bar und schauten noch ein wenig Fußball. Das Halbfinale zwischen Holland und Argentinien sahen wir nicht zu Ende. Zur Halbzeit waren wir so müde, sei es, dass es am Spiel oder an den ganzen Eindrücken des Tages lag, dass wir ins Zelt krabbelten und rasch einschliefen, um von vielen kleinen Vögeln mit acht haarigen Beinen zu träumen.
Kilometer: 226
Teil 1006. Nov. 2014
Donnerstag, 10. Juli 2014 – Magkadigadi
Tiaan’s Camp, Khumaga – South Camp, Nxai Pan
Der Morgen bei Tiaan‘s Camp war frisch. Bei unter drei Grad standen wir auf, und Uwe kochte Tee und Kaffee. Die Wäsche auf der Leine war noch nicht ganz trocken, und so spannten wir hinten im Auto eine kurze Wäscheleine. Bei Tiaan bezahlten wir unsere Rechnung und verabschiedeten uns von ihm und Heike. In diesem Camp hat es uns sehr gut gefallen. Unmittelbar neben dem Camp legt die Khumaga-Fähre über den Boteti zum Magkadigadi-Nationalpark ab. Der Fährmann verhandelte ein wenig mit dem Preis und stellte sich ein bisschen mit dem Wechselgeld an, dann aber manövrierte er seine kleine Fähre senkrecht zum Ufer und winkte uns zu kommen. Langsam und vorsichtig fuhren wir in den Fluss und kurz danach auf die beiden Rampen auf die Fähre. Es klappte ohne Schwierigkeiten. Der Fährmann setzte den Motor in Gang und brachte uns ans andere Ufer. Dort fuhren wir von dem Ponton herunter und die Böschung hinauf zum Gate des Nationalparks.
Zunächst ging es ein kleines Stück nach Süden, aber außer Impalas sahen wir keine Tiere. Also wendeten wir und fuhren parallel zum Fluss entlang nach Norden. An einer Stelle konnten wir unmittelbar am Wasser entlang fahren. Dort sahen wir viele Vögel.
Graureiher
Sporengans
Gabelracke mit Schnapp
Elsterwürger
Elsterdrossling
Unser eigentliches Ziel waren die sog. Hippo Pools. Am Abzweig zum Fluss ging es jedoch so steil die sandige Böschung hinunter, dass wir uns nicht sicher waren, dort wieder hinauf zu kommen. Also fuhren wir weiter auf dem Hauptweg parallel zum Wasser. Der nächste Abzweig führte ebenfalls wieder recht steil durch Tiefsand ans Flussufer. Da wir dort nach Tieren schauen wollten, wagten wir einfach die Abfahrt. Hinunter war es auch kein Problem, am Fluss ging es jedoch leider nicht allzu weit, bis die Fahrspur im Wasser endete. Unsere Hoffnung, an einer anderen Stelle wieder die Uferböschung weniger steil hinaufzufahren, zerschlug sich also rasch.
Während wir eine kleine Gruppe Kudus beobachteten, die zum Fluss kam, hineinwatete und das nasse Gras fraß, überlegten wir, was jetzt zu tun sein. Das heißt, Uwe überlegte, und bei Ruth machte sich ein Anflug von Panik breit. Das Trauma vom letzten Urlaub, bei welchem wir nach mehrmaligem Versuch nicht aus dem Sandtrichter am Elefantenkopf-Felsen herausgekommen und jedes Mal auf halber Strecke verhungert waren, klopfte leise im Hinterkopf an. Außerdem war auch hier die Sandpiste tief und sehr schmal, und wir sahen auf Anhieb keine Möglichkeit zum Wenden. Aus dem leise Anklopfen wurde schnell ein Hineinsteigern und dann ein sich Absolut-Sicher-Sein, dass wir unser Auto hier nie wieder aus eigener Kraft fortbekämen. Die Leute vom Tiaan‘s Camp waren doch sicherlich per Sat-Phone erreichbar!? Was es wohl kosten würde, das Auto bergen zu lassen? Ob man das heute noch schaffen konnte? Man konnte es aber auch einfach wie Uwe machen: genügend Luft aus den Reifen lassen und anschließend in Untersetzung eben das ganze Stück rückwärts wieder senkrecht 😉 die Wand hochfahren. Glücklicherweise meisterte das Auto dieses Manöver, ohne sich festzufahren. Lediglich die eng stehenden Büsche kratzten ein wenig am Lack. Juhu! Trauma ade.
Da die Tierausbeute auch heute morgen nicht sehr üppig war, schlugen wir den Weg nach Norden zum Phuduhudu-Tor ein, wo wir den Park verließen. Entlang der Strecke sahen wir einige Steinböckchen und eine große Herde Giraffen. Auf der Hauptstraße ging es zehn Kilometer nach Osten, dann fuhren wir schon wieder in den Nxai-Pan-Teil des Nationalparks. Die Strecke kannten wir bereits vom letzten Jahr und erreichten am frühen Nachmittag das South Camp. Auf unserem Campingplatz machten wir Pause und picknickten. Uwe aß Müsli, Ruth Brot mit Rauchfleisch. Anschließend spülten wir und brachen zum nachmittäglichen Gamedrive auf. Wir kamen jedoch nur bis zum Wasserloch. Dort lag kaum sichtbar in einem Gebüsch ein einzelner Mähnenlöwe. Es war ein sehr schönes Tier, das sich jedoch fast nicht bewegte und sich immer wieder zum Schlafen hinlegte. Dann war nicht viel mehr als das linke Ohr erkennbar.
Wir blieben bis zum Sonnenuntergang dort und hofften, dass sich der Löwe doch noch erheben und vielleicht zum Wasserloch laufen würde. Aber leider tat uns nur ein einzelner Weißstorch, nicht jedoch der Löwe diesen Gefallen.
Nach Sonnenuntergang waren wir zurück im Camp und machten Feuer. Zum Abendessen grillten wir eine weitere Portion des sehr leckeren Rinderfilets und machten Folienkartoffeln und Möhren- und Blumenkohlgemüse in Alufolie. Als wir gerade fertig waren mit dem Essen, hörten wir lautes Elefantengrollen unmittelbar neben uns. Wie sich das riesige Tier so leise durch das Gestrüpp hatte anschleichen können, ist uns ein Rätsel. Ein Schakal streifte um den Campingplatz, und wir packten unsere Sachen zusammen und gingen ins Zelt. In weiter Entfernung brüllte wieder ein Löwe.
Kilometer: 91
Teil 1108. Nov. 2014
Freitag, 11. Juli 2014 – Nxai
South Camp, Nxai Pan – Baines Baobabs
Heute Morgen standen wir bei drei Grad kurz nach Sonnenaufgang auf. So langsam haben wir uns an die Temperaturen gewöhnt, denn es kam uns gar nicht kalt vor. Schnell hatten wir alles zusammengepackt und die Morgentoilette erledigt. Dann konnte es auch schon losgehen. Der erste Weg führte uns zum Wasserloch der Nxai Pans. Dort waren jedoch nur Tauben, Flughühner und der einzelne Weißstorch, den wir um diese Jahreszeit hier nicht erwartet hätten. Weiter fuhren wir über die Pfanne nach Westen zu der Stelle, an der wir vor einem Jahr die beiden sich paarenden Löwenpärchen gesehen hatten. Irgendwie denkt man ja immer, dass man an denselben Stellen wieder Glück haben wird. Doch so sehr wir auch schauten, war das komischerweise nicht der Fall. Die Löwen, die in der Nacht gebrüllt hatten, waren entweder weitergezogen, oder sie hatten es sich abseits der Pisten im hohen Gras gemütlich gemacht. Das war ihnen wohl nicht übel zu nehmen, denn wenn wir Löwen wären, würden wir es wahrscheinlich ähnlich machen. Schon oft haben wir uns gedacht, dass so ein Tier doch recht geduldig ist, wenn eine Schar Autos um es herumrangiert und jeder das beste Foto ergattern möchte. Das Vorankommen war sehr mühsam, da sich über lange Strecken tief in den getrockneten Schlamm eingegrabene Spuren entlang der Fahrbahn zogen. Plötzlich passte Uwe nicht auf und rutschte mit den Rädern in die tiefen Furchen. Einmal abgerutscht gab es kein Entkommen mehr. Uns blieb nichts anderes übrig, als bis zum Ende der Bahn durch die tiefe Spur zu hoppeln. Wir drehten eine große Runde um den nördlichen Teil der Pfanne. Aber auch hier war heute Morgen alles sehr ruhig. Ein kleiner Greifvogel hockte auf einem Termitenhügel und betrachtete von seinem Ausguck die Umgebung.
Wir tippen auf einen jungen Sperber (Shikra). Was meint ihr?
Etwas später sahen wir eine große Herde Giraffen, zu der auch vier Jungtiere gehörten. Zu unserer Freude änderten sie ein wenig ihre Laufrichtung und kamen genau auf uns zu, bevor sie in einiger Entfernung an unserem Auto vorbeischritten.
Eine der jungen Giraffen hatte eine große Wunde am Hinterteil. Es sah aus, als sei sie einem Löwen nur knapp vom Teller gesprungen. Eine Schar Madenhacker begleitete sie und pickte an der Wunde herum.
Gegen Mittag kamen wir wieder am Wasserloch vorbei und beobachteten eine sehr große Herde Springböcke. Es waren mehrere hundert Tiere. Die meisten tranken friedlich, aber ab und zu verwickelten sich manche in kurze Kämpfe.
Ein paar Kronenkiebitze veranstalteten einen Mordskrach und zeterten lautstark, wenn ihnen ein Springbock zu nahe kam.
Außerdem besuchte noch eine kleine Familie Kudus das Wasser.
Wir entdeckten noch einen auf den ersten Blick recht unscheinbaren kleinen Vogel, der schwanzwippend und flügelschlagend auf dem Boden herumhüpfte. Es war ein Erdschmätzer, der oft innehielt, um von einem Termitenhügel oder einer anderen erhöhten Stelle Ausschau zu halten. Bisher war uns dieser kleine Freund noch nie aufgefallen, obwohl er bei genauerem Betrachten doch eigentlich eine recht schöne Zeichnung hat.
Teil 1208. Nov. 2014
Wir entschieden uns, in einem Bogen zum Campingplatz zu fahren. Da kam uns ein einzelner Elefant entgegen. Er wirkte gestresst und wackelte mit Ohren und Rüssel. Wir hielten entsprechenden Abstand und folgten ihm im Schritttempo zurück zum Wasserloch. Dabei verloren wir ihn immer wieder aus den Augen, wenn er hinter Bäumen oder in einem Wäldchen verschwand. Am Wasserloch verscheuchte er alle anderen Tiere und machte es sich gemütlich. Für uns war es nun Zeit, endlich eine Pause zu machen. Wir fuhren auf kürzestem Weg zur Campsite. Dort frühstückten wir ausgiebig.
Anschließend spülten wir und duschten. Nach einer weiteren Pause packten wir endgültig zusammen und fuhren ein letztes Mal um die Pfanne zum Wasserloch. Aber da dort nichts zu sehen war, ging es zurück zum Gate. Dort trafen wir auf eine kleine Herde von fünf Elefanten. Sie wirkten sehr friedlich, und wir beobachteten sie eine kurze Zeit. Da sie aber sehr im Gebüsch versteckt waren und auch keine Anstalten machten, ein wenig näher zu kommen, machten wir uns zu den Baines Baobabs auf, da der Nachmittag auch schon fortgeschritten war.
Gleitaar
Zunächst führte die Strecke durch Tiefsand, anschließend bogen wir nach Osten ab und fuhren durch eine Grasebene und später über eine Salzpfanne.
Bei den großen Baobabs waren wir leider nicht alleine. Als wir dort ankamen, waren etwa sechs Autos mit ca. 20 bis 30 Leuten dort, darunter viele Kinder. Sie kletterten mit Coladosen und Chipstüten bewaffnet auf den Bäumen herum und machten einen Riesenlärm. Schön für die Kinder, endlich einmal das Auto verlassen und so richtig toben zu dürfen. Trotzdem waren wir enttäuscht, da wir uns gerade an dieser Stelle mehr Einsamkeit gewünscht hätten. Es war unmöglich, auch nur ein einziges Foto von den Bäumen ohne eine halbe Schulklasse darauf zu machen. So suchten wir schnell das Weite und fuhren zu unserem Campingplatz über die Pfanne gegenüber der Baines Baobabs.
Dieser Platz ist wirklich traumhaft schön. Die Lage am Rande der Pfanne unter einem Baobab mit Blick auf die Baines ist unbeschreiblich. Wir klappten das Zelt auf, machten Feuer, und Ruth kümmerte sich um das Abendessen. Zwischendurch fotografierten wir die untergehende Sonne und die Bäume. Die Stimmung war traumhaft.
Weniger traumhaft war das Remmidemmi, das von den Baines herüberschallte. Als die Sonne unterging, fuhren zwei Autos in Richtung Nxai Pans und zwei weitere zu einem der anderen Campingplätze. Zwei blieben jedoch stehen, und die Kinder lärmten weiter, so dass wir es über die Pfanne hören konnten. Was hatten die denn noch vor? Eigentlich war es ja verboten, im Dunkeln durch die Gegend zu fahren, dort zu campen aber auch. Nun hatten wir Sorge, dass die Gäste dort unberechtigterweise bleiben würden und das Spektakel mit dem Taschenlampenkegel, dem Schlagen von Autotüren und dem Geschrei von Baum zu Baum so weiter ginge. Als es schon fast stockdunkel war und die Leute noch immer keine Anstalten machten zu fahren, wurde es uns zu bunt. Wir klappten unser Zelt wieder zusammen, fuhren die paar hundert Meter zurück über die Pfanne und fragten die Südafrikaner, ob sie vorhätten, hier zu übernachten. Glücklicherweise verneinten sie. Sie hätten doch eine Campsite hier reserviert, und wir sollten uns keine Sorgen machen. Ob sie wohl ein wenig zu laut gewesen wären? Ein wenig? Nun ja! So versuchten wir, uns nicht weiter ärgern zu lassen und fuhren wieder zurück. Als die Südafrikaner kurz darauf ebenfalls abfuhren, schrien die Kinder auf dem Autodach gegen das laut aufgedrehte Autoradio an und leuchteten noch einmal zum Gruß mit ihren Taschenlampen. Wie nett von ihnen! Danach war zum Glück Ruhe. Wir aßen Rinderfilet, Salat, Folienkartoffeln und Möhrengemüse. Auch wenn unser Speiseplan nicht sehr abwechslungsreich erscheint, schmeckt es jeden Abend prima. Leider haben wir nur noch eine Portion des tollen Filets übrig. Im Dunkeln hörten wir viele Mäuse im trockenen Gras rascheln und konnten ein paar von ihnen mit der Taschenlampe aufspüren. Kein Wunder, dass es bei dieser Anzahl an Nagetieren auch so viele Greifvögel gibt. Wir hörten das schnarrende Zischen der Schleiereulen, die es sich in der Baumkrone über unseren Köpfen gemütlich gemacht hatten. Ein paar Mal konnten wir die beiden im Flug beobachten, wenn sie aus dem Baum starteten oder wieder darin landeten.
Bevor wir ins Zelt gingen, startete Uwe die nächtliche Zeitrafferaufnahme. Mal sehen, was daraus bei Vollmond wird. Leider nicht viel, das müssen wir nochmal üben.
Samstag, 12. Juli 2014 – Erledigungen in Maun und Abendbesuche
Baines Baobabs – Kaziikini Community Camp
In der Nacht hörten wir außer dem regelmäßigen, leisen Klicken des Fotoapparates draußen weiterhin die Rufe der Schleiereulen. Irgendwann erwachten wir, da eine der beiden unser Zelt als Aussichtspunkt erkoren hatte. Sie landete auf dem Dach unseres Campers und kratzte mit ihren Krallen am Metall herum. Entweder fand sie auf der glatten Oberfläche keinen guten Halt und rutschte immer wieder ab, oder es machte ihr einfach Spaß, ein wenig an unseren Nerven zu zerren. Als Eulentoilette eignete sich der neue Ausguck auf jeden Fall ganz prima, wie wir am nächsten Morgen feststellen mussten. Na super! Wir standen auf, als es bereits hell war.
In den ersten Sonnenstrahlen war es gar nicht kalt. Uwe kochte Kaffee und Tee und frühstückte ein wenig Müsli (Grüßli, liebe Anita!). Ruth stapfte ein wenig in der Gegend herum und versuchte, eine Schleiereule aufzuspüren, die immer noch rief. Wie sich herausstellte, versuchte die Eule, einen Gleitaar zu vertreiben, der ihr wohl zu nahe im Baum saß. Nach dem Frühstück fuhren wir noch einmal zu den Baines Baobabs. Dort waren inzwischen zwei junge Amerikaner angekommen, die sich nach ihrer Doktorarbeit ein wenig Urlaub im südlichen Afrika gönnten. Einer der beiden interessierte sich auch sehr für Vögel, und wir tauschten ein paar besondere Sichtungen aus.
Zurück nahmen wir den nördlichen Weg, der etwas weiter, aber dafür weniger sandig war. Immer wieder hielten wir an und versuchten, Termitenschmätzer zu fotografieren. Aber meistens flogen die scheuen Vögel bereits auf, wenn wir nur in ihre Nähe kamen.
Der Weg zurück zum Gate war sehr rappelig, und die hohen Bodenwellen waren anstrengend zu fahren. Nach der Ausfahrt aus dem Park pumpten wir wieder Luft in die Reifen. Zuerst wollte der Kompressor nicht anspringen, aber zum Glück fanden wir einen Wackelkontakt, und es funktionierte doch. Die Strecke nach Maun war gesät mit fiesen Schlaglöchern, bei denen es Uwe nicht immer gelang, rechtzeitig auszuweichen. In Maun hatten wir ein ordentliches Programm. Zuerst ging es zum Wildlife Office, wo wir den Parkeintritt für die kommenden sechs Tage im Moremi und Chobe bezahlten. Anschließend fuhren wir zum Büro von SKL und versuchten, für die mittleren zwei Tage einen Campingplatz am Khwai zu bekommen. Obwohl wir eigentlich nicht damit gerechnet hatten, war noch etwas frei. Vor einigen Monaten, als wir diesbezüglich nachgefragt hatten, war selbstverständlich alles ausgebucht gewesen. So freuten wir uns über unsere Wunschcampsites. Nun fuhren wir zum Supermarkt und kauften Lebensmittel für die kommende Woche. Nur das Fleisch gefiel uns nicht sonderlich. Beim Tanken stellte Uwe fest, dass eine Metallschnalle gebrochen war, mit der das Zelt unseres Buschcampers verschlossen ist. Nun stand es hinten links einen Spalt offen, so dass es hineinstaubte. Der Tankwart wies uns den Weg zu einem Reparaturservice. Drei Jungs saßen mit ihrem Schweißgerät am Straßenrand und werkelten. Innerhalb von fünf Minuten hatten sie die losen Enden der Metallschnalle wieder professionell miteinander verbunden. Wir waren begeistert.
Zwischendurch bekamen wir einen Schrecken, weil Ruth vermutete, dass sie ihre Kreditkarte im Supermarkt verloren hatte. In ihrer Hosentasche war sie nicht mehr. Zum Glück fand sie sie bald wieder zwischen den Polstern des Autositzes. Puh! Solche Vorkommnisse sind auch der Grund, warum ausschließlich Uwe bei uns die Vorherrschaft über die Autoschlüssel innehat. Der nächste Stopp war bei einem Metzger, der jedoch leider schon geschlossen hatte. Dann hielten wir beim Souvenirladen in der Airport Road und erstanden zwei kleine handgetöpferte Schalen von Okavango Ceramics. Nun wollten wir uns bei Hillarys Coffee Shop ein wenig ausruhen und ein leckeres Sandwich, Suppe, Kaffee und Kuchen bestellen. Den ganzen Tag schon hatten wir uns auf diese kleine Auszeit gefreut, mussten nun aber erkennen, dass das kleine Café leider geschlossen war. Wir waren sehr enttäuscht und setzten uns stattdessen direkt am Flughafen in das nur wenig gemütliche Restaurant. Der Burger und die Fritten waren mit Hillarys liebevollen Speisen nicht zu vergleichen. Danach holten wir Geld und versuchten unser Glück bei der Jagd auf Fleisch im zweiten Spar des Ortes. Doch auch hier sagte uns das Angebot nicht zu. Wenigstens ein annehmbares Stück Beef hätte es geben dürfen. So begnügten wir uns mit ein paar Portionen Boerewors. Nach diesen vielen Besorgungen brachen wir Richtung Moremi auf. Am Straßenrand kauften wir noch ein paar Bündel Holz. Nun war der Laderaum gut gefüllt. Es war schon kurz vor Sonnenuntergang, als wir das Kaziikini Community Camp erreichten. Wir bekamen den letzten freien Stellplatz unmittelbar hinter dem Eingang. Ein wenig wunderten wir uns über den Preis, der seit letztem Jahr deutlich erhöht worden war. Wir bezahlten für eine Nacht stolze 512 Pula, also etwa 50 Euro. Die Dusche, die wir wählten, hatte leider nur kaltes Wasser. Heute war anscheinend nicht unser Tag. Außerdem bekamen wir, als wir gemütlich im Dunkeln saßen, noch weitere Gäste auf unseren Platz zugeteilt. Zwei Autos fuhren mit voller Beleuchtung knapp hintereinander bis unmittelbar hinter unseren Wagen. Aus dem aufgeregten, lautstarken Gerede aller Beteiligten konnten wir entnehmen, dass die dreiköpfige Familie soeben per Abschleppseil aus dem Moremi geborgen worden war. Wir konnten nachempfinden, dass ihnen die Aufregung und Anstrengung noch in den Knochen saß, hatten wir doch vor sechs Jahren auch für drei Tage mit einem Motorschaden in Xakanaxa festgesessen. Trotzdem war es mit der Ruhe natürlich vorbei: Zeltstangen wurden ineinander gesteckt, Heringe in den Boden geklopft und mehrere Luftmatratzen mit lautem Getöse aufgepumpt. Danach marschierten die drei nacheinander mit grellen Taschenlampen leuchtend direkt an unserem Tisch vorbei. Sind wir so empfindlich, oder ist ein kleines „Guten Abend!“ tatsächlich zu viel verlangt? Als die drei endlich beim Essen saßen, wurde es allmählich ruhiger. Auf Grund des späten Mittagessens hatten wir noch keinen großen Appetit. So saßen wir warm in unsere Decken gewickelt mit einem Getränk und einem Buch vor unserem Auto uns lauschten den Geräuschen der Nacht. Eine Hyäne heulte, und eine Ginsterkatze huschte an unserem Platz vorbei. Nach einiger Zeit hörte Ruth einen merkwürdigen Laut aus den Baumwipfeln über ihr. Zu unserer großen Freude bestätigte sich ihre Vermutung, dass er zu einem Buschbaby gehörte. Das kleine Wesen sprang mit riesigen Sätzen in einem Wahnsinnstempo über uns durch die Äste. Wir waren völlig aus dem Häuschen, da wir dieses flinke Äffchen erst einmal in den vergangenen zehn Jahren beobachten konnten. Als wir mit der Taschenlampe das Gebüsch um uns herum ableuchteten, reflektierten in einiger Entfernung immer wieder Augenpaare in den Ästen. Wir verzichteten auf ein Foto dieser wirklich drolligen Tiere, da wir sie nicht lange und unmittelbar mit dem Lichtstrahl anleuchten wollten. Außerdem bewegten sie sich so sicher und geschickt mit weiten Sprüngen, dass wir sie entweder sowieso nicht richtig erwischt hätten oder die reinste Lasershow mit unseren Taschenlampen hätten veranstalten müssen. Wir freuten uns auch ohne Foto wahnsinnig über diese tolle Sichtung und standen noch lange draußen. Mindestens sechs der kleinen Fellpuschel flitzten durch die Bäume, jagten sich oder sprangen mehrere Meter hinüber zum nächsten Baum. Wir waren ganz fasziniert und lauschten atemlos auf das näher kommende Geraschel im Gebüsch, mit dem sich ein weiterer kleiner Besucher ankündigte. Trotzdem konnten wir die Gemütlichkeit im Kaziikini Camp von früher leider nicht empfinden, und der hohe Preis schreckte uns ab. Insgesamt war sehr viel los. Ständig fuhren Autos hin und her, Menschen spazierten quer über unseren Platz, und es klang lautes Gerede von der Bar herüber.
Kilometer: 254
Teil 1412. Nov. 2014
Sonntag, 13. Juli 2014 – Black Pools
Kaziikini Community Camp – South Gate, Moremi
Wir standen bei Dunkelheit auf und klappten schnell das Zelt zusammen. Noch vor Sonnenaufgang machten wir uns auf den Weg zum South Gate des Moremi. Im ersten Tageslicht sahen wir eine Reihe Weißscheitelwürger, die sich dicht aneinander auf einen Ast gekuschelt hatten.
Elsterdrossling
Am Gate ließen wir Luft aus den Reifen und fragten die Ranger nach den Straßenzuständen. Die Parkangestellten hatten jedoch entweder keine Ahnung oder waren ziemlich wortkarg. So fuhren wir los in die Black Pools Region südlich des Gates. Dort trieben wir uns bis zum frühen Nachmittag herum.
Rotschnabelfrankolin
weiblicher Sattelstorch
Es gibt sehr viele Wege und Abzweige. Bereits letztes Jahr sind wir durch dieses relativ neu erschlossene Gebiet gefahren. Wir sahen fünf Hornraben, die mal wieder schnell das Weite suchten, als wir anhielten. Hinter jeder Kurve warteten neue Tiere. Es gab Leierantilopen, eine große Herde Büffel und zwei kämpfende Giraffenbullen. Sie standen mitten auf der Fahrspur und schlugen ihre Hälse aneinander, dass es krachte. Dabei versuchten sie mit ihren Hörnern möglichst empfindliche Stellen ihres Kontrahenten zu treffen. Der Rest der Herde blieb von diesem Schauspiel völlig unbeeindruckt und knabberte fröhlich weiter die Blätter von den Bäumen.
Wir aber sahen gebannt dabei zu, wie sich die beiden Bullen verdroschen. Ein klarer Sieger war nicht auszumachen. Als die beiden endlich den Weg freigaben, setzten wir unseren fort und entdeckten noch einige Elefanten, Letschwes, viele Impalas, Tokos und Gabelracken.
junger Waffenkiebitz
Gelbschnabel-Toko
Am Picknickplatz bei den Black Pools machten wir unter den großen Bäumen Rast und aßen ein paar Brötchen und Brote.
Ihr seht richtig: Es gibt Nutella und Leberwurst (nacheinander!) In den Bäumen über uns saßen zahlreiche Glanzstare und Graulärmvögel, die ein Heidenspektakel veranstalteten. Der Boden war übersät von kleinen, blauschimmernden Federn, und gelegentlich schlug ein Obststein neben uns ein. Die Vögel verspeisten kugelförmige, grüne Früchte, die in den Bäumen über uns wuchsen und machten sich – wie es schien – einen Spaß daraus, uns damit zu bespucken. Da ist uns die Gabelracke natürlich lieber.
Teil 1512. Nov. 2014
Wir versuchten, fast jede Strecke in der Region zu fahren. An zwei Stellen führte der Weg jedoch ins Wasser, so dass wir umkehrten. Wir entdeckten eine große Gruppe Zebramangusten, die so schnell über den Weg und davon huschte, dass wir kein einziges Foto machen konnten. Weiterhin sahen wir die unterschiedlichsten Wasservögel wie Sattelstörche, Klunkerkraniche, Ibisse, Blaustirnblatthühnchen, Enten, Gänse und Eisvögel.
Witwenenten
Die Gegend mit ihren Wassertümpeln gefiel uns so gut, dass wir den ganzen weiteren Tag ohne Pause unterwegs waren. Mal entdeckten wir einen scheuen Buschbock, dann standen wir lange bei einer Gruppe Hippos, die friedlich vor sich hingrunzte, oder wir beobachteten eine Herde Zebras.
Am Nachmittag besuchten wir die Xini-Lagoons, und anschließend fuhren wir ein Stück den Bodumatau-Loop bis zur Hidden Lagoon. Zwei wunderschöne Elefanten marschierten genau auf uns zu, schlugen dann aber ihren Weg zum Wasser ein. Überall lagen einzelne Letschwe am Ufer, und die Mengen an Waffenkiebitzen konnten wir schon gar nicht mehr zählen.
Waffenkiebitz
Auf dem Rückweg stießen wir wieder auf die Hauptstraße von Third Bridge nach South Gate. Zwei Fahrzeuge kamen uns entgegen. Ein Fahrer fragte uns nach dem Abzweig zu den Xini Lagoons. Wir erklärten, dass sie bereits daran vorbei gefahren seien. Etwa 20 Kilometer vor dem South Gate blockierte ein Lastwagen mit Anhänger die Fahrbahn. Es war eine Reisegruppe mit Fahrer und Guide. Der Motor des LKW hatte einen Schaden und sprang trotz funktionierendem Anlasser und ausreichend Diesel nicht mehr an. Wir suchten im Tiefsand eine Umfahrung um den Truck. Dabei mussten wir zunächst mit Schwung aus der tiefen Fahrrinne heraus und dann über mehrere kleine Büsche. Als wir wohlbehalten durch das Gesträuch wieder auf der Spur standen, boten wir der Gruppe unsere Hilfe an. Die beiden anderen Fahrzeuge, denen wir eigentlich den Abzweig zu den Xini Lagoons hatten zeigen wollen, hielten ebenfalls. Ein weiteres Safari-Fahrzeug traf ein. Die Lösung sah so aus, dass sich die Reisegruppe aus dem defekten LKW mitsamt Gepäck auf alle anderen Fahrzeuge verteilte. Zunächst wollten wir anbieten, den LKW bis zum South Gate abzuschleppen. Aber da dieser eine Druckluftbremse besitzt, die ohne laufenden Motor nicht funktioniert, war uns das zu gefährlich. So nahmen wir einen netten Kanadier mit, während Ruth hinten auf einer Tasche Platz nahm. Da wir nun später als geplant am South Gate eintrafen, blieb nicht mehr viel Zeit vor dem Sonnenuntergang. Zunächst suchten wir unseren Campingplatz, der ein wenig versteckt lag. Leider war dort bereits ein Zelt aufgebaut. Komisch, trotz gültiger Reservierung lange im Voraus, überrascht uns so etwas schon längst nicht mehr. Meist müssen wir bei der Planung von unseren Wunschterminen abweichen, Alternativen suchen und Abstriche machen, da immer alles „fully booked“ ist. Hat man dann endlich eine Campsite ergattern können, heißt das aber selbstverständlich nicht, dass man diese auch tatsächlich bekommt. Nur nicht ärgern! Wir wichen also auf die nächste Nummer aus, die noch frei war. Wie sich später herausstellte, hatten die drei Norweger auf unserer Nummer 9 eigentlich die Nummer 8 reserviert, die jedoch von einer Gruppe Südafrikaner belegt wurde. So beließen wir alles, wie es war und machten Feuer. Wir grillten das letzte Paket Rinderfilet und machten Salat und Grillbrote. Der Abend war recht warm, und so saßen wir gemütlich beim Essen, bis plötzlich eine Hyäne über Uwes Schulter schaute. Sie hatte sich tatsächlich völlig lautlos bis auf wenige Schritte herangepirscht, bevor Ruth sie entdeckte und verscheuchte. Es ist nicht sicher, worüber Uwe mehr erschrak. Über den plötzlichen Schrei von Ruth oder den Atem der Hyäne im Nacken. Im Dunkeln und so nah sehen die Schattenschleicher dann auch gar nicht mehr so nett aus, noch dazu, wenn man sitzt und ihnen auf Augenhöhe begegnet. Danach waren wir ein wenig wachsamer. Noch einige Male sahen wir die zwei Augenpaare unserer Hyänennachbarn im Lichtkegel der Stirnlampen reflektieren. Das Abendessen war sehr lecker (so dachten wohl auch die Hyänen). Das Spülen sparten wir uns wieder mal für den kommenden Tag auf. Während Deutschland das Finale der Fußballweltmeisterschaft bestritt, krabbelten wir ins Zelt.
Kilometer: 136
Teil 1613. Nov. 2014
Montag, 14. Juli 2014 – Einmal Xakanaxa und zurück
South Gate, Moremi
Mit Sonnenaufgang standen wir auf und machten uns fertig. Da wir bereits am Abend immer Tisch und Stühle einräumen, bleibt am Morgen lediglich das Zelt einzuklappen. So starteten wir schnell in den Park.
Der erste Weg führte uns wieder in die Black Pools Region. Wir hofften, die große Büffelherde vom Vortag erneut zu finden. Und tatsächlich lief sie uns über den Weg. Allerdings war das Licht äußerst ungünstig. (Der Beleuchter war kurzzeitig wohl von Bord gegangen!) Eine Familie Zwergmangusten saß auf einem großen Termitenhügel und wärmte sich das Fell. Die sonst so wuseligen Tiere waren noch recht schläfrig und blinzelten träge in die Sonne.
Dafür hatte ein Kampfadler in den Bäumen darüber aber schon seinen Hypnoseblick aufgesetzt und beobachtete alles umso genauer.
Coucal (keine Angst, wir eröffnen nicht wieder die Diskussion, um welche Art genau es sich handelt!)
Vorbei an der Fuchsmanguste, die auch auf einem Termitenhügel Ausschau hielt, ging es weiter zu den Black Pools. Die Gruppe Flusspferde vom Vortag war wie erwartet noch dort, und wir konnten sie lange beobachten. Sie sonnten sich ebenfalls, tauchten mit lautem Schnaufen entweder auf oder unter, spritzten kleine Wasserfontänen, kabbelten sich ein wenig oder spazierten an Land umher.
Dahinter zog grasend am gegenüberliegenden Ufer eine große Herde Letschwes vorüber. Zwei Böcke kämpften miteinander.
Krokodile lagen reglos am Ufer, und viele Jacanas staksten mit ihren riesigen Füßen durch das Grün im flachen Wasser. Es war sehr idyllisch.
Leider hatte sich ein Tourguide diesen schönen Platz als Picknickplatz ausgesucht. Es wird immer mehr zur Mode, dass jedermann, wo ihm gerade danach ist, anhält und einfach herumspaziert. Das Aussteigen ist aber im Moremi generell verboten, auch für die Besucher dieser geführten Touren (wir haben uns extra erkundigt). Natürlich war es eine gut einsehbare Stelle und daher auch für die Gäste nicht gefährlich, zumindest nicht gefährlicher als an der ausgewiesenen Picknick-Stelle ganz in der Nähe. Trotzdem verschwanden die zahlreichen kleinen Wasservögel in Ufernähe sofort. Das blieb den Black Pool-Wanderern aber wahrscheinlich verborgen.
Teil 1713. Nov. 2014
Wir brachen also zum echten Picknickplatz auf, suchten uns wie gestern eine Bank unter den Leberwurstbäumen und den Bäumen mit den grünen Früchten und den Steinspucker-Vögeln, kochten Kaffee und aßen Marmeladenbrötchen. Ruth entdeckte einige grüne Fruchttauben. Dabei war es gar nicht so einfach, die Kamera längere Zeit so steil nach oben in die Baumkronen gerichtet ruhig zu halten.
Nachtflughuhn
Silberreiher
Kurz vor Mittag schlugen wir den Weg nach Third Bridge ein. Dieser zog sich wie immer sehr dahin und war teilweise tiefsandig. Unter Brücke eins und zwei stand jeweils Wasser. Beide Brücken waren aber sehr gut in Schuss.
Bei Third Bridge machten wir Pause und spülten das Geschirr. Ruth duschte. Den Zustand der dritten Brücke konnte man schwer einschätzen, da sie fast vollständig unter Wasser lag. Wir fuhren sehr vorsichtig darüber und tauchten nur ganz am Ende ein wenig tiefer ein.
Über die vierte „Autobahn“-Brücke setzten wir unseren Weg nach Xakanaxa fort, welches wir nach keinen nennenswerten Sichtungen auch bald erreichten. Da Xakanaxa unser Lieblingscamp ist und natürlich „fully booked“ war, sahen wir uns den Platz einmal genauer an. Nur wenige Stellplätze waren belegt, und wir konnten uns beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich das heute noch so drastisch ändern würde, dass sich nicht noch ein Plätzchen für uns finden ließe. Aber anstatt sich einfach unauffällig an den Rand zu stellen und abzuwarten, was passieren würde, wollten wir es ganz offiziell machen. So fragten wir am Gate, ob es möglich sei, unseren Stellplatz vom South Gate nach Xakanaxa zu tauschen. Bezahlt war eh alles, ein Preis, gleicher Verein, unsere Campsite am Southgate eh besetzt, hier dafür genügend Platz, also kein Problem, so dachten wir. Aber weit gefehlt! Ein netter Parkangestellter stimmte uns zu und war sich recht sicher, dass noch genügend Plätze in Xakanaxa frei seien. Gerne bestätigte er uns, nachdem er unsere Buchung für South Gate gesehen hatte, dass wir eine Nacht hier bleiben könnten. Doch nun kam Mr. Oberwichtig aus dem Hinterzimmer ins Spiel. Der Ranger meinte, er müsse zuerst am South Gate anrufen. Am Telefon wechselte er einige uns unverständliche Sätze, um uns dann zu versichern, dass wir mit einer Reservierung vom South Gate auch dort übernachten müssten. Unsere Argumentationskette, dass wir dort ja eh auf einen anderen Platz ausweichen müssten, brach zusammen, als er uns bestimmt mitteilte, dass unsere Campsite dort nun frei sei. Wir versuchten trotzdem den Platz zu tauschen, aber er blieb hart und bestand darauf, dass wir Xakanaxa verlassen. Hätten wir doch nicht gefragt! Ziemlich enttäuscht und übel gelaunt zogen wir von dannen, da wir nicht so recht einsehen wollten, warum er uns weggeschickt hatte.
Graufischer
Zurück am Southgate fuhren wir auch sogleich wieder zu unserem Platz und stellten zu unserer grenzenlosen Freude fest, dass er immer noch von den Norwegern besetzt war. Während Uwe noch überlegte, wie er möglichst diplomatisch der Frau im Büro seinen Ärger erklären konnte, war Ruth auf 180. Sie verlangte zu wissen, mit wem der Ranger aus Xakanaxa gerade eben telefoniert habe. Was? Telefoniert? Wer hat mit wem telefoniert? Keine Ahnung! Nein, das konnte die nette Dame ihr wirklich nicht sagen. Und warum wir denn überhaupt so aufgebracht wären? Uwe erklärte, dass von uns beim Wechsel der reservierten Stellplätze Flexibilität erwartet würde, man uns diese aber nicht entgegenbringe und unser Wunsch in Xakanaxa zu bleiben ignoriert und abgeschmettert wurde. Noch dazu, wo unser Stellplatz immer noch belegt sei. Aber das sei doch gar kein Problem. Sollen wir uns doch einfach wieder auf die Nummer 10 stellen. Ruth schnappte nach Luft, und Uwe erklärte, dass es uns darum ja gar nicht gegangen sei, sondern dass wir lieber in Xakanaxa geblieben wären. Die Bürotante verstand nur Bahnhof. Wir hatten auch nicht das Gefühl, dass sie sich sehr dafür interessierte, um was es uns eigentlich ging. Sie wollte uns nur möglichst schnell wieder loswerden. Daher schlug sie gutgelaunt vor, dass wir doch vielleicht JETZT mal eben wieder nach Xakanaxa fahren könnten, der Übernachtungspreis sei ja derselbe. Bevor ihr Ruth nach einem gepressten „Haben-Sie-mal-auf-die-Uhr-geguckt?-Man-darf-nicht-im-Dunkeln-fahren!-Und-wollen-Sie-uns-eigentlich-verarschen?“ über den Tresen springen konnte, schob Uwe sie kurzerhand aus dem Büro. Draußen tobte sie noch eine ganze Zeit lang weiter, hatte sie doch niemanden gefunden, den sie anschreien konnte. Also kapitulierten wir und zogen wieder auf Nummer 10.
Die letzte knappe Stunde vor Sonnenuntergang fuhren wir noch ein paar Kilometer Richtung Black Pools. Dabei sahen wir ein paar Schakale und Zebras.
Büffelweber
Zum Abendessen machte Ruth Wurstsalat. Uwe duschte. Durch einen Anruf zu Hause erfuhren wir, dass Deutschland Fußballweltmeister geworden ist. Heute Abend kam anstelle einer Hyäne ein Honigdachs zu Besuch. Auch dieser kleine Kerl brachte es fertig, uns zu erschrecken. Während wir diesmal mit dem Rücken zum Auto saßen, um dem Hyänenblick über der Schulter zu entgehen, beschwerte sich Ruth, warum Uwe seine Füße nicht ruhig halten konnte. Sie hätte es ahnen müssen. Es war kein hyperaktiver Uwe, sondern der Honigdachs, der von hinten unter dem Auto hindurchgeschlüpft war und seine Nase an ihren Schuhen und ihrem Bein rieb. Damit hatten wir nicht gerechnet und sprangen ähnlich wie gestern schnellstens auf. Dem Dachs imponierte das wenig, er war kein bisschen scheu und ließ sich weder durch Rufen noch durch Klatschen vertreiben. Ganz im Gegenteil. Er schnüffelte an unserem Tisch herum, und wir befürchteten schon, dass er die ganze Decke herunterziehen würde. Zwar würde uns so ein Dachs wahrscheinlich nicht gleich mit Haut und Haaren auffressen, aber einen Biss wollten wir trotzdem nicht riskieren. Und so blieb uns nach mehrmaligem Verteidigen unseres Wurstsalates und den erfolglosen Versuchen, den Störenfried zu vertreiben, nichts anderes übrig, als abzuräumen und ein schnelles Mahl im Stehen einzunehmen. Schließlich trollte er sich, um unsere Nachbarn zu erschrecken, was ihm auch gelang, wie uns lautes Rufen und In-die-Hände-Klatschen von der Campsite nebenan bewies. So wusste man immer, wo sich das kleine Kerlchen gerade aufhielt. Im Laufe des Abends schaute es auch noch einige Male bei uns vorbei. Bevor der Mond aufging, machten wir noch ein paar Sternenaufnahmen. Eine Hyäne rief. Wir wissen nicht, ob es an dem noch nicht ganz verblassten Ärger mit Xakanaxa liegt, an den vielen Stellen, wo wir uns über laute Mittouris geärgert haben oder insgeheim vielleicht doch an der Tatsache, dass uns trotz sechs Tagen Aufenthalts in Nationalparks der Katzengott noch nicht wirklich bedacht hat – Auf jeden Fall empfinden wir den bisherigen Urlaub doch als ein wenig anstrengend. Vielleicht können wir in den kommenden Tagen etwas mehr entspannen.
Kilometer: 166
Teil 1816. Nov. 2014
Dienstag, 15. Juli 2014 – Katzenglück?
South Gate, Moremi – North Gate, Moremi
Heute standen wir eine Viertelstunde früher auf. Das fiel uns auch nicht allzu schwer, weil wir bereits über 10 Grad hatten. Wir fuhren auf direktem Weg nach Xakanaxa. Auf der Verbindungsstraße sahen wir eine Herde Rappenantilopen mit Jungtieren. Leider waren sie sehr scheu und bereits in den Büschen verschwunden, bis wir den Fotoapparat bereit hatten. Noch mehr ärgerten wir uns aber über die nächste verpasste Gelegenheit. Etwas später stand etwa 50 Meter vor uns, mitten auf der Straße ein Tier. Viel mehr als „Tier“ können wir gar nicht sagen, da es in dem Moment, in dem wir es wahrgenommen hatten, auch schon wieder verschwunden war. Trotzdem waren wir uns relativ sicher, dass es sich um eine Katze handelte. Aber was war das gewesen? Für einen Geparden stimmte die Landschaft nicht, für einen Löwen war sie zu klein und für eine Ginsterkatze zu groß. Wir fuhren so schnell es ging zu der Stelle, an der wir das Tier auf der Straße vermutet hatten. Doch wir fanden noch nicht einmal seine Spuren. So sehr wir uns auch anstrengten und ins Gebüsch starrten, während wir langsam auf denselben fünf Metern immer wieder vor und zurück rollten, der Leopard blieb verschwunden. Oder vielleicht hatten wir auch gerade unseren ersten Serval verpasst? War die Katze nicht ein bisschen zu groß dafür gewesen? Hätte ja auch ein besonders riesiger Serval sein können. Es war zum verrückt werden! Bevor wir noch mehr halluzinieren konnten und die Schatten der Blätter und Äste vor unseren Augen zu immer absurderen Fell-Fleckenmustern verschwammen, machten wir uns wieder auf den Weg. Zu doof aber auch! Wir waren schon neugierig, was wir da gerade eben verpasst hatten. Wir trösteten uns mit ein paar Perlhühnern. Wenigstens die kamen nicht schnell genug von der Straße.
Bei Xakanaxa drehten wir eine Runde durch die Paradise Pools. Dort stand deutlich mehr Wasser als in den vergangenen Jahren, so dass unser Aktionsradius stark eingeschränkt war. Wir sahen viele Impalas, auf denen Madenhacker herumhüften und -pickten, Herden von Letschwe-Antilopen mit puscheligen Jungtieren und einen Trupp Meerkatzen. Relativ lange schauten wir ihrem eiligen Treiben am Boden und in den Bäumen zu.
Hammerkopf
Nach einiger Zeit schlugen wir den Weg Richtung North Gate ein. An einer tiefsandigen Stelle standen drei Fahrzeuge, von denen sich eines mit Anhänger im Sand festgefahren hatte. Der Fahrer arbeitete mit seiner Schaufel, um die Räder frei zu bekommen. Wir hielten und boten an, ihn aus dem Sand zu ziehen. Er lehnte jedoch ab. Sie seien genügend Fahrzeuge und wollten es alleine schaffen. Nun fuhren wir relativ zügig weiter. Es war schon halb zwölf, und wir hatten noch immer kein richtiges Frühstück. Trotzdem kehrten wir noch einmal um, als wir linkerhand eine große Impalaherde etwas abseits am Rand einer Lichtung grasen sahen. Uwe fand zwar, dass er für heute genügend Impalas gesehen habe, aber es waren auch ein paar Leierantilopen dabei. Daher bogen wir von dem Hauptweg in einen Seitenweg ein, um uns die Tiere aus der Nähe anzusehen.
Noch bevor wir die Herde erreicht hatten, stießen einige Impalas einen Warnruf aus. Ehe wir uns versahen, waren sie gemeinsam mit den Leierantilopen aufgesprungen und in einer Staubwolke auf die kleine Ebene gerannt. Auch dort beruhigten sie sich nicht und schnaubten weiter. Dabei blickten sie immer wieder an uns vorbei in dieselbe Richtung.
Wir waren uns sicher, dass ein oder mehrere Raubtiere in der Nähe sein mussten. Also suchten wir angestrengt die gegenüberliegende Seite ab. Solange die Antilopen so ein Spektakel veranstalteten, musste doch etwas zu entdecken sein! Tatsächlich wurde unsere Ausdauer diesmal belohnt, und Ruth rief ganz aufgeregt: „Da liegt der Leopard!“ Und tatsächlich: Nur etwa 10 Meter entfernt von unserem Wagen kauerte er sich ins hohe Gras.
Zwischen den Halmen war er ziemlich gut getarnt. Sicherlich hatte er es auf eines der Impalas abgesehen, und wir hatten ihm versehentlich die Tour vermasselt. Für einen Angriff war die Entfernung zwischen ihm und den Antilopen zu groß, und außerdem hatte er nun den Überraschungsmoment nicht mehr auf seiner Seite. Nach weiteren 10 Minuten hatte er das wohl auch erkannt, erhob sich und trollte sich ins tiefere Gestrüpp, wo er im Unterholz verschwand. Trotzdem waren wir glücklich! Ein selbst entdeckter Leopard.
Teil 1916. Nov. 2014
Kurz danach lief ein großer Waran über den Weg und huschte ins Gebüsch. Auf direktem Weg fuhren wir nun gutgelaunt zum North Gate und checkten auf der Campsite ein. Wir mussten noch für zwei Tage Parkeintritt bezahlen. Selbstverständlich trugen wir unseren Leoparden auf der großen Sichtungstafel ein. Auf unserem Campingplatz waren noch ein paar Jungs dabei, ihre Sachen zusammenzupacken. Wir setzten uns gemütlich hin und frühstückten. Anschließend pirschte Ruth einigen Vögeln hinterher.
Haubenbartvogel
Maskenpirol
Am späten Nachmittag drehten wir noch eine kleine Runde östlich des North Gates entlang des Khwai. Dabei sahen wir einige Wasserböcke und eine Familie Warzenschweine, die auf den Knien robbend mit ihren Hauern die feuchte Erde durchwühlte.
Durch teils recht hohes Gras ging es auf einer schmalen Fahrspur an ein paar Elefanten vorbei zu einer Flussschleife, in der einige Hippos herumplantschten.
Viele verschiedene Wasservögel wie Schreiseeadler, Sattelstörche und Klaftschnäbel standen am Ufer, und die unterschiedlichsten Reiher bemühten sich, an ihren gerade erwischten Happen nicht zu ersticken.
Ein Krokodil schwamm vorbei, Elefanten rupften Gras aus dem Boden und schlugen es durch das Wasser, bevor sie es fraßen, und wir ließen mit dem späten Nachmittagslicht die Stimmung auf uns wirken.
Gabelracke
Zufrieden ging es zurück zur Campsite. Wie entspannt man doch plötzlich durch die Gegend fährt, nur weil man für einige Minuten einen Leoparden erblicken durfte! Am Campingplatz machten wir Feuer. Ringsherum kletterten die Paviane in die Bäume, um zu schlafen. Ein Elefant riss nebenan dicke Zweige aus den Büschen, und wir waren ein wenig auf Hab-Acht, als er an unserem Platz vorbeikam. Wir kochten Gemüse im Potije, legten Folienkartoffeln in die Glut und grillten eine Boerewors. Kurz bevor wir alles zusammengepackt hatten und ins Zelt stiegen, besuchte uns noch eine Hyäne. Die Paviane in den Bäumen gaben beim Träumen leise Seufzer von sich.
Kilometer: 109
Teil 2019. Nov. 2014
Mittwoch, 16. Juli 2014 – Am Khwai
North Gate, Moremi
In der Nacht hörten wir ziemlich laut immer wieder die Hyänen rufen. Kurz vor dem Einschlafen kam auch noch ein Elefant sehr nah vorbei. Wir sahen, wie sich seine Silhouette unmittelbar an unserem Auto vorbeischob, bevor er direkt dahinter lautstark einen Baum zerlegte. Der Morgen war angenehm warm. Wie immer standen wir kurz nach Sonnenaufgang auf und fuhren schnell los. Vormittags trieben wir uns westlich vom North Gate herum und fuhren sehr viele Wege entlang des Flusses. Oft führte die Strecke mitten durch das Schilf, wobei gerade so die Spuren für die Räder zu erkennen waren. Hohes Gras wurde unter dem Auto hindurchgezogen, als wir uns den Weg bahnten. Wir sahen Elefanten, Letschwes, Zebras, Impalas und Wasservögel. Auch entdeckten wir eine Frankolin-Familie mit noch sehr kleinen Küken.
Sattelstorch
Grautoko
Ein Glanzstar saß auf der Erde und versuchte, einen erbeuteten Frosch zu fressen. Dieser war zwar nicht riesig, aber doch zu groß, als dass der Star ihn am Stück hätte schlucken können. Also versuchte er, ihn zu zerlegen. Als dies nicht gelang, ließ er den armen Frosch halbtot liegen und flog davon.
Da wir uns nicht allzu weit vom Camp entfernten, konnten wir gegen Mittag schnell zurück und eine lange Pause einlegen. Heute mussten wir umziehen und erhielten Platz Nummer vier. Darüber freuten wir uns, da wir nun näher am Fluss landeten und das Grunzen der Hippos hörten. Während wir picknickten, turnte eine ganze Familie Meerkatzen um uns herum. Eine Mutter kümmerte sich liebevoll um ihr Kleines, lauste und kraulte es ausgiebig.
Obwohl sie überhaupt keine Notiz von uns zu nehmen schien, beobachtete sie – wie der Rest der Bande auch – jede unserer Bewegungen ganz genau.
Es sah aus, als würden zwei von ihnen einen Plan gegen uns aushecken.
Wir passten höllisch auf und ließen unseren Tisch nicht eine Sekunde unbewacht, da immer wieder ein Spitzel vorbeigeschlendert kam, um unser Angebot aus der Nähe zu inspizieren. Aber wir hatten uns fest vorgenommen, uns nichts Essbares stibitzen zu lassen. Auch unser Auto wurde von allen Seiten belagert, und die Fenster wurden abgefingert, ob nicht irgendwo ein kleiner Spalt zum Eindringen gefunden werden könnte.
Das Affenpack ging sehr gründlich bei seiner Untersuchung vor. Nicht ein Fenster wurde vergessen, und zur Sicherheit prüften sie auch den Mülleimer, der aber gut gesichert war. Ein kleines Baumhörnchen war sehr zutraulich und kam bis an unseren Tisch, um nach herabgefallenen Krümeln zu suchen.
Wir hatten viel Spaß mit unseren Besuchern und waren stolz, diesmal keine Verluste bezüglich Brot oder Paprika verzeichnen zu müssen. Zwischendurch sprintete eine Herde Impalas mit großen Sätzen durch das Camp. Was die Tiere so erschreckt hatte, konnten wir aber nicht herausbekommen.