Hallo,
nun kann ich mich in Ruhe selbst dazu äußern. Da ich auf Arbeit mein Handy abschalte, so wie ich es auch von meinen Schülern erwarte, konnte ich nicht gleich ausführlich antworten. Die Art und Weise der ersten Statements haben mich daran erinnert, wieso ich etwas die Lust an diesem Forum verloren habe. Okay, vergessen.
Bele weiß, dass ich erst gar nichts davon erzählen wollte, aus rein egoistischen Gründen. Valentin und Mikkel, die beiden Gründer dieses Projektes haben aber jede Unterstützung verdient. Danke an meinen Vorredner, der schon einiges vorweg genommen hat.
Ich habe dieses Thema heute morgen eröffnet, da es mich emotional sehr bewegt hat, dass meine Tochter dieses Projekt heute mittag nach 3 Wochen wieder verlassen musste, der Abschied war sicher genau so tränenreich wie meiner Mitte Juli. Dass sie so schnell nach mir selbst hingefahren ist, sagt wohl schon einiges.
Zu den Grundzügen des Projektes erfährt man auf der homepage eigentlich viel. Sehr gelungen finde ich auch folgenden Blog, den man verstehen sollte, wenn man dort hinfährt, denn es läuft alles auf Englisch.
http://blog.getaway.co.za/wildlife/lions-kalahari-seeking-asylum/Valentin sorgt mit Hilfe von Volontären für 31 Löwen, 8 Wildhunde und zwei Leoparden, die von einem Farmer (10 000ha) eben nicht abgeschossen oder vergiftet wurden wie es so oft passiert, sondern in sehr großen Gehegen gehalten werden. Auf der Farm befindet sich die Grassland Safari Lodge (4km vom Camp), wo man für eine Nacht so viel zahlt wie als Volontär eine Woche im Camp.
Ich zahle nicht, um dort zu arbeiten, sondern weil ich dort sein darf, mitten im Nirgendwo der Kalahari, weitab von der Zivilisation, in Gemeinschaft mit großartigen Menschen aus der ganzen Welt (zwischen 7 und 11 andere Volontäre waren mit mir dort, bei meiner Tochter jetzt weniger) und das Gefühl habe, etwas Sinnvolles zu tun.
Ich zahle für Unterkunft und (gute!) Vollverpflegung. Das Camp ist einfach, kaltes Wasser, Zelte mit Matratzen (1-2 Personen). Man gewöhnt sich schnell daran und das ist es gerade, was mir gefällt. Back to Basics. Man staunt, was man alles nicht braucht. Dafür jeden Abend die schönsten Sonnenauf- und -untergänge. Lagerfeuer unter sensationellem Sternenhimmel.
Die Arbeiten: Gehege säubern, an zwei Tagen in der Woche Löwen und Wildhunde füttern, nachdem man Esel oder Gnus geschlachtet hat, die zum Teil vorher gejagt werden (das Futter kommt nicht verpackt aus dem Supermarkt), Zäune reparieren, Gräben ziehen, Löcher buddeln, Grasdächer bauen, die unterschiedlichsten Wildtiere zählen (andere nennen das Safari und es gab wirklich vieleTtiere, obwohl gerade Trockenzeit war).
Wir hatten Lektionen über Botswana und Valentins (und Mikkels) Plan, das Farmland in einen Wildschutzreservat umzuwandeln, indem sich die Löwen frei bewegen könnten. Voraussetzung dafür wäre aber eine sehr kostenintensive komplette Umzäunung des Farmlands, der Lodge und des Camps.
Jack, unser Buschexperte, machte ausgedehnte Walks mit uns, wo wir viel über Flora und Fauna der Kalahari lernten, z.B. die unzähligen Spuren im Sand oder Vögel zu bestimmen. Wir saßen wir am Wasserloch der Lodge und beobachteten Tiere. Regelmäßig fuhren wir zu den Löwengehegen und hörten das Brüllen der Rudel aus nächster Nähe - das geht durch Mark und Bein, unbeschreiblich.
Ich war so glücklich dort. Jeden Morgen wenn die anderen noch schliefen, bin ich mit meiner Kamera umhergestreift. Einen kleinen Film hänge ich an. Es gab viel Freizeit, der Sonntag war sowieso frei. Man konnte Volleyball spielen, lesen, fotografieren - what ever. Es gab Kontakte zu einem Dorf von Buschleuten, aber nicht viel. Man vergisst einfach diesen ganzen alltäglichen Stress, der einen hier umgibt und ich hatte das Gefühl: Hier will ich bleiben.
Der Höhepunkt für jeden Volontär ist ein zweistündiger Spaziergang mit Valentin und seiner hand- aufgezogenen, nun fast ausgewachsenen Löwin Sirga durch den Busch. Sie lebt in einem Extragehege neben Valentins Zelt, etwas ab vom Camp, wo sie ihre Ruhe hat. Wir haben ein Wasserloch für sie gebaut. Er lehnt es im Übrigen völlig ab, Löwenkinder zum Kuscheln für Volontäre heranzuziehen wie anderswo üblich. Die Löwen auf der Farm sind sterilisiert.
Ich hoffe, ich habe euch neugierig gemacht. Wenn nicht - auch gut. Dann muss ich nicht am Ende um einen Platz für meinen nächsten Aufenthalt dort bangen.
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Liebe Grüße,
Ina