Hallo Uta, ich springe auch noch an Bord. Mensch, du legst aber ein ganz schönes Tempo vor 😄 Am einfachsten mit dem Video hochladen geht es meiner Meinung nach, wenn du das Video bei Youtube einstellst. Wenn du dann den Bericht schreibst, kannst du, wie bei den Fotos, ein Video einfügen (der Button dafür ist über den Smileys), indem du den Youtubelink einfügst. Ich freue mich auf die nächsten Einträge. Gruß Annika
Schön zu lesen wie dieses jahr sich Namibia gibt und sogleich kehren die Erinnerungen an ein wunderbares Land zurück. Dein chreibstil wurde schon oft gelobt und dann noch Single?*lach*
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201322. Sept. 2013 · #24
Sabra schrieb:Hallo Uta,
ich danke dir für den super Reisebericht. Ich wäre so gerne auch mal ein Hummeldumm. Leider sträubt sich mein Liebster bis jetzt erfolgreich. Aber wer weiß wie lange noch 😈 Freue mich total auf deine weiteren Erlebnisse. Deine erfrischende Schreibweise gefällt mir super 😎
Einen sonnigen Sonntag wünscht dir Sabra
danke dir! Leider hakt es gerade mit den Fotos, kann immer nur eines hochladen....daher ist der Etosha-Tag immer noch nicht fertig... Aber warum willst du denn ein hummeldumm sein wenn es einen Mann aka potentiellen Fahrer und Griller 😉 gibt?
Ja, du hast ja recht.....ich sollte nicht so undankbar sein 😕 Trotzdem denke ich, sollte Mann/Frau einmal im Leben eine Hummeldummreise erleben. ......und wenn es nur der Allgemeinbildung dient 😊 Übrigens freue ich mich, dass es dir im Etosha Village so gut gefallen hat. Wir werden dort nächstes Jahr gleich drei Nächte bleiben, da wir vorm Anderson Gate eine Selbstversorgungs- unterkunft gesucht haben. Denn nachdem wir dieses Jahr ausschließlich in Gästfarmen und Lodges waren, besteht mein Liebster auf Lagerfeuerromantik 😄
L G Sabra
Onguluve27 Beiträge · seit 201322. Sept. 2013 · #26
Ich steig auch mal ein. Auch wenn ich mir ne Gruppenreise so gar nicht vorstellen kann klingt es doch spannend und ganz lustig 🙂
Grüessli Nadja
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201322. Sept. 2013 · #27
Puuh, endlich alle Fotos drin... sorry, irgendwie hakt das. Daher gibt es heute auch keinen neuen Teil mehr. Das Klo-Foto ist extra für ANNICK, wie sie fotografiere auch ich seit ich denken kann immer die Keramikausstellung auf Reisen 😛
Hoffe morgen geht es weiter.... Mit einer langen Fahrt, dem Gedanken "ich wollte doch dieses Jahr mal nicht an die Nordsee" und der Feststellung, dass wir alle keine Hausfrauen sind....
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201323. Sept. 2013 · #28
29.8. Donnerstag, Fahrt nach Swakopmund, Hotel a la mer
Wir müssen um 5.15 aufstehen. Um 6 steht ein Angestellter vor der Tür. Er sammelt uns alle ein, um uns dann zum Zelt von Francois zu führen. Ob die Angst hatten, dass wir uns auf dem Gelände verlaufen? Ich bin mir sicher, dass der arme Kerl auch länger hätte schlafen können. Irgendwie denkt natürlich auch niemand von uns Afrika-Neulingen und Budget-Reisenden daran, ihm ein Trinkgeld zu geben. Francois hat an seinem Zelt schon den großen Tisch fürs Frühstück gedeckt, wie immer mit Tischdecke. Auf dem Grill lodern Flammen, im Kessel kocht heißes Wasser. Allein das verströmt eine Atmosphäre, die uns alle verzaubert. Und die mich auch kommende Woche begleiten wird – ein Detail, was für mich aber nun zu Afrika dazugehört. Kessel auf offenem Feuer…..seufz.
Wir frühstücken, Sandwich, Müsli, frische Orangen. Dann wird es ernst: Natasha hat gestern mit Francois über ukrainische Küche gesprochen (sie hat dort ihre Wurzeln). So kam die Sprache auf Coleslaw, den sie lecker findet und oft selbst macht. Tja, irgendwoher hat Francois Weißkohl und Karotten. Und daraus soll Natasha nun Coleslaw machen. Lachend helfen wir alle. Doch wie sich zeigt, sind wir zwar alle gestandene Frauen und teilweise sehr intelligente Wesen, die zb zum Theme Mikrobiologie promovieren – aber wie schält man eine Möhre? Einen Sparschäler gibt es nicht, und Natasha gibt zu, immer fertig kleingehäckselten Kohl zu kaufen. Nun ja, gemeinsam schälen und schnippeln wir alles kurz und klein. Dann spülen wir noch, alles wieder ab in die Kisten, die Taschen verstaut. 7 Uhr ist Abfahrt. An der Rezeption warten. Francois kommt wieder, er hat noch in Restaurant-Küche Öl für den Coleslaw abfüllen lassen. Wir fahren Richtung Khorixas, biegen ab Richtung Uis. Heute stehen die „Eingeborenen-Encounter“ auf dem Programm. Menschen-Zoo? Ich weiß immer nicht so recht was ich davon halten soll. Aber spannend finde ich es schon. Und den Schotten im Kilt samt Dudelsack fotografiere ich ja auch, gegen einen Obolus. Also mal sehen. Irgendwo auf dem Weg halten wir an der Straße, wo Holzverschläge stehen und Herero-Frauen Sachen verkaufen. Wir purzeln alle raus, der zweite Chameleon-Bus hält auch. Etwas unsicher verteilen wir uns. Schnell ist das Prinzip klar: Man kauft was und darf dafür Foto machen. Ok. Da ich eh noch keine Souvenirs geshoppt habe, warum also nicht hier? Kaufe ein Püppchen und fotografiere die Frau in Tracht. Frage sie nach der deutschen Singer-Nähmaschine, an der sie arbeitet und erfahre, dass das gute Stück schon 70 Jahre in Familienbesitz ist.
Weiter geht es, immer am Brandberg entlang, der sich rechts etwas unwirklich aus der Ebene erhebt.
Irgendwo im Nirgendwo fährt Francois und auch der 2. Truck rechts ran, unter einen großen Baum. Fix werden Klapptische und Stühle rausgeholt, der Tisch gedeckt. Natasha füllt Essig zum Öl in die Plastikflasche sowie Salz und Pfeffer. Hüpfenderweise wird das Dressing geschüttelt, das Öl will nicht so richtig sich vermischen. Doch mit viel Körpereinsatz gelingt es, und der Coleslaw schmeckt richtig gut. Dazu gibt es noch Gurken-Tomaten Salat, der frisch geschnippelt wird, dazu Sandwiches.
Als Toilette dient das trockene sandige Flussbett, in das jeder mal ein Stück hochstapft und hinter irgendwelchen Büschen verschwindet. Aus der Ferne hat man uns erspäht. Eine Frau und ihre Kinder kommen schwerbepackt an und bauen Ruckzuck ihre Waren auf, in Reih und Glied hängen da nun Ketten und Mobiles. „Go and do your shopping“ fordert Francois uns auf. Ok, also wieder dasselbe Spiel: Kaufe eine Kette und fotografiere dann, der Rest der Gruppe auch.
Dann geht es weiter. Der nächste Stopp ist ein Stand mit Himba-Frauen. Ich bin etwas irritiert über die Zelte aus Plastikmüll, die in einiger Entfernung dazu stehen und offenbar ihre Behausungen sind. Dann wieder das gleiche Spiel: Armband kaufen, Fotos machen. Ich gebe zu, die Frauen sind interessante Motive. Ich hoffe nur dass diese Kultur auch um ihrer selbst willen und nicht nur als Touri-Attraktion überlebt.
Danach halten wir in Uis an der Tankstelle. Zur Toilette, 2 Dollar für die Aufpasserin, dann geht es weiter. Wir verlassen die bergige Gegend und eine gefühlte Ewigkeit fahren wir auf Sandpad durchs nichts. Immer geradeaus, bis da plötzlich ein Schild steht und dahinter das Meer. Wir biegen links ab, nach Süden. Fahren durch Hentjes Bay durch und halten dann an einem Schiffswrack. Als wir aussteigen, kriegen wir alle einen Kälteschock. Habe meine Fleecejacke im Bus, aber kurze Hose an. Es ist total diesig, windig, bewölkt und grau. Der perfekte Tag an der Nordsee….ich fühle mich wie auf Sylt. Irgendein Scherzkeks hat ein etwas grusliges Skeleton-Coast-„Schild“ aus undefinierbaren Knochen in den Sand gelegt. Durchgepustet flüchten wir alle schnell wieder in den Bus.
Fahren bis Swakopmund. Francois kurvt scheinbar etwas ziellos durch den Ort und macht uns auf alle Annehmlichkeiten der Zivilisation aufmerksam. „Oh, Kentucky Fried chicken, good, there is a Spar, you can go there, this is a good restaurant“. Der Sinn dieser Rundfahrt erschließt sich mir nicht ganz, da wir superwenig Zeit in Swakop haben und es mittlerweile schon später Nachmittag ist. Dann zum Hotel a la mer. Fahren auf den Hof, checken ein. Natasha und mein Zimmer ist leider unten und daher etwas dunkel. Die Steinwände sehen sicher ganz schick aus, doch da die Luft so feucht ist und so wenig Licht im Zimmer, wirkt es eher wie eine ungemütliche Höhle. Natasha nutzt sofort Strom zum Aufladen und WLan zum Facebooken.
Dann will sie unbedingt in die Stadt und einen richtigen Kaffetrinken. Ich laufe nur mit ihr zur nächsten Ecke, wo auch ein Supermarkt ist. Kaufe 5-Liter-Kanister Wasser und ein bisschen Schoki und Chips. Bringe die Sachen ins Zimmer und laufe dann runter zur Jetty. Der Wind bläst, ich fühle mich wirklich wie an der deutschen See. Kein Wunder, dass die Kolonialisten sich hier wohl gefühlt haben. Aber ich bin nicht deswegen nach Afrika geflogen, zu groß ist die Ähnlichkeit. Trotzdem verbringe ich einige Zeit auf der Jetty, fotografiere den Sonnenuntergang und genieße das Meer, das ja überall einfach immer wunderschön ist.
Dann Treffen zum Abendessen. Melissa und die beiden jungen Deutschen kommen nicht mit ins Restaurant, dass heute statt Francois’ Küche auf dem Programm steht. Es kostet extra, die beiden Studentinnen wollen sparen, Melissa ihre Ruhe. Wir anderen laufen also die wenigen Meter zum TUG direkt an der Jetty. Das um ein altes Schiff gebaute Restaurant hat schon Atmosphäre. Wir müssen noch an der Bar im „Schiffsbauch“ warten und stoßen schon mal mit einem Bier an, bevor wir den Tisch im oberen Stock beziehen. Ich gönne mir „Oryx Surf and Turf“, ein großes Oryx-Steak mit einer Riesen-Garnele und einem gefüllten „Squid“, dazu Pommes und etwas Salat. Schmeckt sehr gut, der Preis samt Bier ist auch annehmbar. Francois, der Sänger, wollte uns überreden, dass wir alle unsere Nationalhymnen singen. An der Aufgabe scheitern wir kläglich, ich kriege auch kaum den Text zusammen. So reden wir aber alle über unsere Herkunftsländer. Da Poonam zwar in den USA lebt, aber aus Indien stammt, auch Christina ukrainische Wurzeln hat etc wird es ein sehr interessantes Gespräch. Ich komme nicht umhin, nach meinem Versagen bei der Nationalhymne auch zu erklären, dass Deutsche sich eben aufgrund der Geschichte immer noch schwer tun mit nationalen Symbolen. Francois kriegt separate Rechnung, offenbar kriegt er Prozente weil er uns da reingelotst hat. Einige finden dieses Geklüngel unmöglich, ich denke mir nur, dass so eben das Business funktioniert und kenne das auch von anderen Reisen. Seine eingepackten Speise-Reste gibt er dann dem frierenden Parkplatz-Wächter. Um 22.30 geht es ins Bett.
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201324. Sept. 2013 · #29
Danke an alle "Danke"-Drücker! Schön zu sehen dass man gelesen wird, bin ganz baff über die Aufruf-Zahlen 😁 Leider bin ich gerade beruflich und abends privat sehr eingespannt, hoffe es geht bald weiter, dann mit ganz viel Sand!
lionfight1'324 Beiträge · seit 201324. Sept. 2013 · #30
Ich lese gerne mit. Dein Schreibstil ist hererfrischend ehrlich und locker. Ja, das macht mir Spaß.
Gruß! der Joe
"I detest racialism, because I regard it as a barbaric thing, whether it comes from a black man or a white man." Nelson Mandela
10x Süfafrika, 2x Namibia, 1x Botswana, 1x Zimbabwe, 1x Tanzania
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201324. Sept. 2013 · #31
30.8. Freitag, Sandboarding, Fahrt nach Sossusvlei, Desert Camp
Der Wecker klingelt um 6. Ich gehe rüber ins Hauptgebäude in den Speisesaal, wo wir heute frühstücken. Bin die erste von unserer Gruppe und inspiziere das Bufett. Eine ältere Dame kommt aus der Küche und fragt mich ob ich Eier möchte. Bestelle Rührei mit Speck, sage, dass ich zur Chameleon-Gruppe gehöre und mein Kaffee da schon steht. Als sie wieder in der Küche verschwindet höre ich dass sie mit jemanden Deutsch spricht. Aha. Ich muss noch mal kurz ins Zimmer (ja, ins Bad) – großer Fehler. Als ich fünf Minuten später wiederkomme, sind auch schon ein paar andere da, ua Kristy und Natalie, die ab heute zu unserer Gruppe zustoßen (und ja, sie sind auch supernett, aber nach unseren drei Tagen irgendwie erstmal Fremdkörper. Nicht zuletzt, weil sie ja die Sitz-Rotations-Ansage nicht mitbekommen haben und immer die beiden vorderen Sitze (mit Ablagefläche davor) okkupieren und immer nebeneinander sitzen. Was zu sagen traut sich aber auch keiner 😏 ). Jedenfalls setze ich mich, esse Müsli und Brot, wundere mich noch wo mein Ei ist. Dann kommt raus: Die Dame hat das Ei gebracht als ich nicht da war, Natalie, ebenfalls blond, sollte es nehmen, sie beteuerte, es nicht bestellt zu haben. Das Ei ging zurück in die Küche. Als sie dann kommt um neue Bestellungen aufzunehmen erklärt sie brüsk, dass es sich nicht gehört, Ei zu bestellen und zu verschwinden. Ich melde mich und sage, dass ich es bestellt hatte, kurz im Zimmer war und dachte, dass sie es hinstellt. Sie weist mich zurecht, dann wird neues Ei bestellt. Als sie es mir bringt, oute ich mich und entschuldige mich auf deutsch. Die ziemlich ruppige Art rund ums Ei sorgt für viel Gelächter am Tisch, auch der Rest des Personals ist dahingehend ziemlich gewöhnungsbedürftig. Aus dem deutschen Gerede in der Küche schnappe ich auf, dass es wohl was mit den Gruppen generell zu tun haben muss. Hm, trotzdem kein Grund uns so komisch zu behandeln. Auch Francois wurde beim Einchecken schon so abgekanzelt, damit ist er ja nun der Sonnenschein in Person. Egal, nach dem Frühstück, das gut war – auch das Ei!!! – packen wir und stellen die Sachen an den Truck, der gerade gründlich von Francois gereinigt wird. Wie fast jeden Tag. Es wird gefegt, die Kühlbox geleert und gewaschen etc. Wir warten auf die Jungs vom Sandboarding, die extra für unsere Gruppe einen frühen Termin arrangiert hat. Sandboarding??? Ja, genau. Und nein, eigentlich wollte ich das nicht machen. Wusste schon im Voraus, dass die Zeit in Swakop nicht für meine Wunsch-Aktivität, die Little-Five-Wüsten-Tour reicht (Nachteil einer durchgetakteten Gruppenreise). Dachte statt dessen an eine ruhige Quad-Tour. Bin ja nicht so der Adrenalin-Junkie. Tja, und als vorgestern gefragt wurde, wer was machen will in Swakop, meldeten sich alle bis auf mich fürs Sandboarding. Und Francois guckte mich an mit seinen großen Augen und meinte, auch für ihn wäre es organisatorisch einfacher wenn auch ich da mitmachen würde. Unter dem Gejohle der Gruppe stimme ich zu. Und sehe mich schon im Sand rumsitzen statt zu fahren, weil ich mich nicht traue. Nun sitze ich aber erstmal im kleinen Shuttle-Bus raus in die Dünen. Dort liegen im Sand Bretter, Helme, Taschen mit Ellbogenschützern und Snowboards. Wir kriegen alle Helm und Schoner, dann eines der leichten, aber unhandlichen dünnen Bretter. So ausgerüstet, müssen wir erstmal die Düne besteigen. Ganz schön anstrengend.
Aber wir sind alle begeistert von der riesigen Sandkiste, in der wir uns befinden. Oben am Kamm wartet einer der Jungs (die sich ehrlich gesagt anhörten, als hätten sie schon morgens einen Joint geraucht). Er erklärt kurz, wie es geht: Mit Bauch drauflegen, vorn Brett anheben und bloß nicht fallen lassen, Füße hoch, zum Bremsen und lenken in Sand. Und schwupps, saust er „Little Nelly“, so der Anfängerhügel, hinab. Ganz schön schnell. Ich bin aufgeregt und schaue noch bei ein paar der anderen zu.
Wir werden angeschubst. Unter Anfeuerungsrufen der anderen lege auch ich mich schließlich hin. Und ab geht’s! Huuui! Unten eine leichte Kurve und wieder bergauf…und ich bin da. Die anderen klatschen, ich freue mich, dass nichts passiert ist. Denn einige von uns fressen buchstäblich Sand, schon beim ersten Lauf – weil sie vorne loslassen etc. Wir stapfen wieder hoch. Die nächste Abfahrt ist richtig steil. Ich traue mich erst nicht, lasse allen den Vortritt. Unten kommt irgendwann Schotter, bis dahin sollte man abbremsen. Eine von uns brettert trotzdem darauf…ui. Und ich muss dann doch. Ich rase hinab, wo die anderen warten. Juchhuu! Aber als ich zum Stillstand komme, bleibe ich einen Moment liegen. Mir zittern die Beine wie blöd. Das war wirklich Selbstüberwindung. Mit der Laserpistole wurde unser Geschwindigkeit gemessen – 42 kmh! Wieder Aufstieg, oben am Kamm gibt es Wasser für alle. Die nächste Abfahrt hat es in sich: Sehr lang und steil und mit einem kleinen „Bump“, der bei entsprechender Geschwindigkeit wie eine Sprungschanze wirkt. O Gott! Ich fahre einfach. Wow! Vor dem Bump bremse ich etwas, so dass ich nur minimal abhebe, sause hinab. Und schaffe 72 kmh! Gruppenrekord war 79. Oh mann! Dann noch einmal hoch und eine Abfahrt Richtung Pkws. Dabei überschlägt sich Poonam noch, ist total eingesandet. Ich habe in meiner Schisserigkeit offenbar so peinlich genau auf die Anweisungen geachtet, dass ich super gefahren bin. Im Übrigen sind die Sperrholzbretter offenbar mehr Fun als die Snowboards. Mit denen geht es eher langsam abwärts. Unten entledigen wir uns der Helme, bekommen alle noch ein kaltes Getränk gestellt und dann wartet da auch schon Francois – und Abel. Er war im 2. Chameleon-Truck, der nach WDH zurück fährt, und da unsere Gruppe nun gewachsen ist, haben wir nun 2 guides. Francois übernimmt den Fahrer-Job, Abel sitzt hinten bei uns und liefert auch Erklärungen übers Mikro. Leider hat er einen starken Akzent, so dass es mir schwerer fällt ihn zu verstehen. Fazit Sandboarding: Ein Riesen-Spaß, der für mich aber wirklich Überwindung war, da ich gar nicht auf Geschwindigkeits-Sachen stehe. Da nur ein Dünenkamm genutzt wird und feste Abfahrten und Aufstiege, hoffe ich mal, dass es relativ natur-verträglich ist. Eine gutsitzende Sonnenbrille ist wichtig, da sie vor Sand in den Augen schützt. Ich fahr auch kein Schlitten oder gar Ski, aber der Sand ist wohl offenbar noch angenehmer als Schnee, weil er eben weicher ist, wenn man sich doch mal wickelt. Aber ihn in den Mund zu kriegen ist weniger schön, auch das mussten einige feststellen. Als in der Ferne eine – laute – Quad-Truppe vorbei kam, war ich froh, da nicht zu sein. Sicher war da auch die Gruppe toll, die mich Angsthasen angefeuert und beglückwünscht hat. Ich war echt ein Schisser und habe vor der 2. Abfahrt auch ca 10x gesagt dass ich es nicht mache. Fotos gibt es leider nicht wirklich, der Sand ist nicht kamerafreundlich, die Sachen lagen alle unten am Sammelpunkt. Das sind eben Erinnerungen, die so bleiben müsssen! 😁 Aber wollte die Erfahrung trotzdem schildern, gerade jüngere Reisende oder Familien mit größeren Kindern (weiß nicht ab wann man mitmachen darf) haben da ja vielleicht Interesse dran.
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201324. Sept. 2013 · #32
Fortsetzung Nun kommt noch ein Gast hinzu, Marie, eine Franko-Kanadierin. Die Fahrt wirkt daher erstmal ungewohnt, da es mit ihr, Abel, Kristy und Natalie doch um einiges voller ist. Muss auch zusehen, wo ich meinen Rucksack hinquetsche. Dann fahren wir ewig durchs nichts. Wirklich nichts. Doch bald schon (das after-Boarding-Beer bzw Coke fordern ihren Tribut) melden wir eine Toiletten-Pause an. Aber es gibt noch nicht mal Büsche wie bisher! Francois hält, als neben der Straße Sandhügel im Abstand von etwa 20m liegen, die offenbar zum Straßenbau verwendet werden oder wurden. Wir gehen dahinter in Deckung, nacheinander bei den nächsten beiden Haufen. Wobei Deckung relativ ist: Wenn die Gruppe am Bus einen nicht sehen kann, hat dafür derjenige freie Sicht, der von hinten auf der Straße kommt. Gottseidank ist der Verkehr hier ja mehr als dürftig. Wir erklimmen dann die Gegend des Kuiseb-Canyons. Das schroffe Gebirge ist schon eine Mondlandschaft. Am Foto-Stopp erzählt Abel die Geschichte der beiden deutschen Geologen, die sich im 2. WK hier versteckt haben. Das Buch steht schon auf meiner Nach-Namibia-Erinnerungs-Lektüre-Liste.
Auch wir machen einen wohl obligatorischen Tankstopp in Solitaire, und die pittoreske Anlage mit den Autowracks verleitet natürlich zum ausgiebigen Fotografieren. Apfelkuchen kaufe ich nicht, mir ist nach einem Cornetto-Eis aus dem Shop. Schokolade!!!! Das braucht Frau einfach manchmal.
Ein weitere Fotostopp wird natürlich am Wendekreis des Steinbocks eingelegt, für mich ganz witzig, da das mein Sternzeichen ist.
Auf der Fahrt sehen wir noch eine Herde Oryx, die vor uns die Pad überquert, und interessante Felsformationen.
Fast pünktlich zum Sonneuntergang erreichen wir das Desert Camp kurz vorm Eingang zum Sossusvlei Park. Die Anlage, im goldenen Abendlicht, schön vor einer Felskette gelegen, mit Blick in eine Ebene und dahinter Berge, finde ich wunderschön. Die festen Zelte mit gemauertem Bad und Terrasse sehen so aus, als könnte man es da gut eine Zeit aushalten. Ein Grill steht an jedem Zelt bereit plus Küchenzeile. Wir als Gruppe nutzen aber eine der beiden Gemeinschaftsküche, die links und rechts vom Pool stehen. Es ist eine reine Selbstversorger-Unterkunft. Wir knipsen im Abendlicht, was das Zeug hält. Afrika aus dem Prospekt.
Natasha duscht als Erstes, ich danach. Leider ist offenbar nicht genug warmes Wasser da, beim Haarewaschen wird es etwas kalt. Tja, und das ist auch das Motto des Abends. Nach dem Duschen ziehe ich (fast) alles an was ich habe, inklusive der langen Unterhose. Als ich die eingepackt hatte, fand ich das ja doch etwas komisch (hallo, ich wollte nach Afrika, nicht nach Island), aber nu weiß ich warum. Da ich nasse Haare habe und kein Föhn, schenkt Natasha mir ihre ausgediente Camping-Mütze, die schon mit in Botswana war. Der Boma-Essensbereich ist zwar wunderschön, aber die eisige Nacht samt kaltem Wind sind fies. Wir sehen alle aus wie bei einer Winter-Expedition, unsere beiden Guides kommen gar nicht erst aus der etwas wärmeren und vor allem windgeschtützten Küche raus. Es gibt gegrilltes Kudu und Würstchen, dazu Kartoffeln, Butternut in Alufolie und Gemüse-Sauce. Wie im Laufe des Tages quasi nebenbei rauskam, hat Kristy, eine der beiden „Neuen“ heute Geburtstag. Und ihr Freund hat wohl extra bei Chameleon angerufen und Kuchen geordert. So stellt Francois zwei aus Swakop mitgereiste Schwarzwälder-Kirsch-Torten-Berge auf den Tisch und wir singen alle Happy-Birthday. Der Kuchen ist supersüß, aber ein willkommenes Dessert. Wir überreden Francois, in Nama „Happy Birthday“ zu singen. Die Klicklaute sind mir bis heute ein Rätsel, obwohl er sie uns mehrfach vorgeführt hat.
Wir freuen uns dann alle aufs Spülen, weil das Wasser warm ist (!!!) und wir alle kalte Finger haben. Da es so eisig ist, verkrümeln sich schnell alle in die Zelte, auch wenn es da nicht wärmer ist, aber windstill. Wir kramen noch sämtliche Extra-Decken aus einer Kiste. –mit Mütze und 2 Hosen gehe ich ins Bett. Die drei Decken halten zwar warm, sind aber unglaublich schwer und ich fühle mich erdrückt. Wache nachts mehrmals auf, weil meine Nase so kalt geworden ist.
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201327. Sept. 2013 · #33
31.8. Samstag, Sossusvlei
Um 5.15 klingelt der Wecker. Mühsam krabbel ich unter den Decken hervor. Es ist so kalt! Wechsel schnell das Shirt, ziehe, in der Hoffnung dass es bald warm wird, die lange Unterhose aus und im Dunkeln laufen wir zur Küche. Wir frühstücken alle schnell, mehr oder weniger im Stehen. Eine Schüssel Cornflakes mit Quark, eine Scheibe Brot mit Erdnussbutter. Dann geht es auch schon hinein in den guten alten Pumba. Fahren an der Sossuvlei Lodge vorbei in den Park hinein. Wir machen Fotostopps an den Dünen, unter anderem Düne 45.
Fahren dann aber durch bis zum großen Parkplatz vorm Vlei. Wie immer müssen einige noch mal auf Toilette, dann entern wir einen der bereitstehenden Shuttel-Jeeps, um durch den Tiefsand zu fahren. Dort steckt auch prompt ein Selbstfahrer fest. Unser Fahrer steigt aus und ruckelt das Fahrzeug ruckzuck wieder frei. „They know how to drive here“ meint Francois. Am Vlei marschieren wir los, Francois mit Stock und Hut zeigt uns mit ein paar Tropfen Wasser, wie ein der „verdörrten“ Pflanzen zum Leben erweckt wird.
Dann geht es Richtung „Big Daddy“ der großen Sanddüne. Melissa will unbedingt ganz nach oben, die beiden junge Deutschen auch, schnell gehen sie voran. Denn eigentlich ist der Weg zur Spitze nur optional, gedacht ist, dann irgendwo ins Deadvlei runterzusteigen und zurück zum Parkplatz zu gehen, wo ein 2. Frühstück angedacht ist. Aber irgendwie wird der Plan nichts: Die Gruppe reisst es auseinander. Abel geht irgendwann an mir vorbei, Kristy und Francois bleiben hinter mir. Als mich der Rest überholt, frage ich noch ob sie wissen, wo es runtergeht und wo wir hinmüssen. Keiner weiß es so genau. Also folge ich den anderen, immer weiter, entlang des malerisch geschwungenen Dünenkammes, mit Blick ins Deadvlei.
Es wird wärmer, die Jacken-Schichten fallen. Ich bin begeistert: Wüste wie im Bilderbuch! Dann hole ich plötzlich die anderen ein: Eine fiese Stelle, an der es recht steil hochgeht und der Sand rutscht. Es sind nur ein paar Meter, aber alle kämpfen. Ich auch. Dann noch mal ein Stück den Kamm hoch, und ich bin oben. Die anderen sitzen schon im Sand und genießen den Panoramablick.
Devyn grinst mich an und meint, ich würde wohl meine Grenzen überwinden mit der Gruppe – erst das Sandboarding, nun das Erklimmen von Big Daddy. Da hat er nicht ganz unrecht – Gruppendynamik eben! Abel verteilt Müsliriegel zur Stärkung (nicht geeignet für Melissa, die etwas verärgert reagiert). Und dann beginnt der spaßige Teil: Der Abstieg, geradewegs runter ins Deadvlei. Der Sand ist wie Wasser, wir versinken darin und rutschen mit ihm immer ein Stück hinab. Wirklich seltsam und lustig. Als ich unten ankomme, ist ein Teil der Gruppe schon am anderen Ende vom Deadvlei, einige aber noch oben. Irgendwie war dieser Ausflug bestimmt anders geplant…. Wir leeren unsere Schuhe aus, und über den harten weißen Boden geht es durchs Deadvlei. Ich bin begeistert von der Szenerie, der Grund, der rote Sand, blauer Himmel, schwarze Bäume. Am Ende wartet Abel und erklärt noch den Unterschied zwischen Dead- und Sossusvlei und die Anpassung der Pflanzen.
Dann laufe ich mit Devyn und Natalie zum Parkplatz. Abel muss noch auf die letzten Nachzügler warten und wirkt schon etwas ungeduldig. Vielleicht hätte man uns ohne genaue Ansage einfach nicht in dieser Sandkiste loslassen sollen. Wir warten, bis alle zusammen sind, dann geht es mit Jeep-Shuttle das kurze Stück ans Sossusvlei (warum wir das Stückchen nicht gelaufen sind, ist mir ein Rätsel…) Dort hat Francois mit Kristy schon einen Picknicktisch unter einem Baum gedeckt, die Boxen sind auch per Jeep hergekommen. Es gibt Sandwiches, Gurken und Tomaten. Danach einpacken, per Shuttle zurück durch Tiefsand. Da steckt wieder einer fest, wird schon abgeschleppt. „Everyday Business“ meint Francois nur. Am großen Parkplatz geht es wieder in „unseren“ Pumba, ein Schakal taucht auf in der Hoffnung auf Futter. Gar nicht scheu, das Tier.
Wir fahren zurück zur Düne 45. Ein paar von uns laufen da auch noch hoch, ich streike, da es mittlerweile auch richtig heiß ist.
Danach fahren wir ins Desert Camp zurück. Auf dem Plan steht was von längerer Mittagspause. Hm, die fällt quasi aus…wir haben uns da auf Big Daddy doch etwas verfranst, scheint mir. Sind 14.30 da, ziehen uns kurz um, frisch machen. Dann zur Küchen-Area, wo es um 15 Uhr Lunch gibt. Es gibt Nudelsalat, lecker. Mit geriebenem Käse. Danach ist schon wieder Abfahrt, es geht zum Sesriem Canyon. Wir halten im flachen Nichts, und ich frage mich, wo der denn nun ist – bis wir aussteigen und zur Kante laufen. Logisch, ein Canyon ist ja etwas, was sich in die Erde eingegraben hat. Abel steigt mit uns hinab, Francois bleibt im Bus. Irgendwie ist er schlecht drauf seit heute morgen. Wir laufen hindurch und klettern am Ende alle auch noch über die Felsen, um den kleinen Tümpel zu betrachten, der da noch als Wasserrest ist – inklusive Fische!
Ich habe schon einige Schluchten gesehen und finde den Canyon zwar schön, aber nicht so spektakulär. Aber es ist toll, auch diese Landschaftsform hier zu entdecken. Und es herrschen angenehme Temperaturen. Wir fahren zurück zur Lodge. Mit Kristy, Marie und Natalie setze ich mich auf eine Bank, hören Musik, trinken einen Sundowner – Savannah ist meins – und unterhalten uns. Als die Sonne weg ist, wird es nicht ganz so kalt wie gestern, aber ich ziehe meine lange Unterhose noch mal an. Zum Dinner gibt es Hühner-Potje mit Reis, als Nachtisch Obstsalat mit Custard-Vanille-Sauce. Wir entzünden in der Feuerschale Holz und stehen eine Weile um die Flammen herum. Es ist unser letzter Abend, und wir werden wehmütig. Nebenbei gehen Listen herum, in die jeder seine Kontaktdaten einträgt. Fotos austauschen, vielleicht in Kontakt bleiben – in Zeiten des Internets Gottseidank kein Problem. Leider ereilt uns dann noch die Nachricht, dass heute Nacht die Zeit umgestellt wird – eine Stunde vor. Da wir früh aufstehen sollen, begeistert das niemanden. Natasha und ich sind dann auch schon 21 Uhr im Bett. Auf dem Weg zum Zelt verrenken wir uns den Nacken, um den Sternenhimmel samt Milchstraße zu bewundern. Nacht in der Wüste - wunderschön.
Champagner8'684 Beiträge · seit 201028. Sept. 2013 · #34
ontrail schrieb:
Wir freuen uns dann alle aufs Spülen, weil das Wasser warm ist (!!!) und wir alle kalte Finger haben. Da es so eisig ist, verkrümeln sich schnell alle in die Zelte, auch wenn es da nicht wärmer ist, aber windstill. Wir kramen noch sämtliche Extra-Decken aus einer Kiste. –mit Mütze und 2 Hosen gehe ich ins Bett. Die drei Decken halten zwar warm, sind aber unglaublich schwer und ich fühle mich erdrückt. Wache nachts mehrmals auf, weil meine Nase so kalt geworden ist.
Uhhh, wenn ich das Datum lese (31.8.), dann denke ich mal, dass Ihr auch die Kaltfront erwischt habt, die bis zu uns nach Botswana gezogen ist. Da haben wir nachts also gemeinsam gefroren!
Schöne Erinnerungen ans Sossusvlei kommen hoch bei den tollen Fotos - danke!
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201328. Sept. 2013 · #35
1.9., Sonntag, Solitaire Guest Farm/Windhoek
Kaum zu glauben, aber der letzte Tage meiner Gruppenreise bricht an…ich hätte noch weiter fahren können. Der Wecker klingelt nach neuer Zeit um 6.30, es fühlt sich aber nach der alten Zeit um 5.30 an. Wir schleppen unser Gepäck mit vor zur Küche. Dort gibt es Frühstück, heute warmen Porridge. Wie wir gestern erfahren haben, gibt es heute nämlich kein Mittagessen. Naja, das stand auch so in der Beschreibung, nur hat das keiner mehr auf dem Zettel gehabt. Die Gesichter waren lang, und Abel und Francois sprechen von einer Überraschung, die sie stattdessen haben. Wir spülen und müssen dann noch eine Weile warten, bis die Jungs alles wieder verstaut haben.
Um 7.30 ist Abfahrt. Wir fahren auf die Solitaire Guest Farm, wo wir von süßen Hunden und einem etwas unfreundlichen Mann begrüßt werden – bzw von letzteren auch nicht so richtig, er meckert irgendwie rum dass Francois zu schnell gefahren sei oder zu weit auf den Hof, ich weiß es nicht so genau. Wie schon im Hotel im Swakopmund beschleicht mich das Gefühl, dass die Safari-Tour-Gruppen nicht so beliebt sind, was mich ziemlich sauer macht. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob es da im Hintergrund irgendwelchen Ärger um Buchungen oder Geld gibt. Jedenfalls kommt dann Simone, die mit uns ins Geparden-Gehege fahren will. Dann stellen wir fest, dass der offene Jeep einen Platz zu wenig hat…offenbar wurde da eine falsche Zahl durchgegeben. Jedenfalls bekommt Poonam vorn zwischen Fahrer und Beifahrer nun einen Not-Sitz aus mehreren Kissen gebastelt und los geht es. Wir passieren das große Tor ins Gehege. Hier leben Geparden, die aus versch Gründnen nicht mehr ausgewildert werden können, aber auch nicht wirklich zahm sind. Platz scheinen sie aber mehr als genug zu haben. Da morgen der Tag der Extra-Fütterung sei, wären die Tiere bestimmt hungrig und wir würden sicher welche sehen. Kaum gesagt, stolzieren schon zwei heran. Es sind Brüder. Stolz, groß, wunderschön. Sie tragen Funkhalsbänder, mit denen man sonst ihren Standort bestimmen kann. Sie nähern sich dem Auto, drehen aber wieder ab, als es nichts gibt. Wir fahren weiter und entdecken kurz darauf – ohne dass über Simones Antenne etwas zu hören war – zwei weitere Geparden an einem Busch. Es sind Mutter und Tochter, von der die eine einen Sehfehler hat. Auch diese kommen angerannt und reagieren mit Fauchen, als sie sehen, dass Simone nur Gras geworfen hat, um sie zu locken und kein Fleisch. Ist ja auch gemein. Von hinten nähern sich nun noch die Brüder, so dass wir quasi von Geparden umkreist sind. Leider müssen wir nach wenigen Minuten schon zurück. Unser Zeitplan!
Zurück auf der Farm geht es noch mal auf Toilette, dann alle wieder in den Bus. Francois und Abel sind während unseres Geparden-Ausflugs offenbar nach Solitaire an die Tankstelle gefahren und haben Apfelkuchen für alle besorgt. Ich finde es total süß, vor allem nachdem ja überall von DEM Apfelkuchen zu lesen war. Aber irgendwie ist die Gruppe nur mäßig dankbar, finde ich, und ich merke, wie ich mich fremdschäme. Doch ein erster Gruppenkoller? Jedenfalls fahren wir dann eine lange Strecke zurück Richtung Windhoek. Der Kuchen wird dann nach und nach doch verteilt und gegessen. In Rebohoth machen wir einen Tank- und Toiletten-Stop. Um 15 Uhr sind wir wieder in Windhoek im Chameleon Hostel. Wir machen noch ein Gruppenfoto, Gepäck wird verteilt. Natalie, Kristy und Marie werden noch woanders hingebracht, Poonam und Christina werden zum Flughafen gebracht. Also erste Abschiede. Devyn, Natasha, die beiden Deutschen Mädels und ich bleiben im Hostel. Irgendwie ist die Gruppe plötzlich aufgelöst, wir checken ein. Natasha und ich haben gestern lange überlegt, was mit Trinkgeld für Abel und Francois ist. Ich wollte sammeln, doch andere wollten dann gar nichts geben. Im Endeffekt hat dann niemand etwas gegeben, und später plagt mich mein schlechtes Gewissen. Auch wenn wir alle keine Großverdiener sind… An der Rezeption liegt eine Nachricht für mich. Bea, eine der Mitreiterin für mein 2. Abenteuer hier in Namibia, war wohl mittags da und fragt, ob wir abends essen gehen. Ich rufe sie kurz an und schnell verabreden wir uns für Joe’s Beerhouse, weil es das erste ist was mir auf die Schnelle einfällt. Danach räume ich mein Zeug in mein kleines Einzelzimmer, wieder in dem Gang wo ich am Anfang auch war. Ich sammel einige Klamotten zusammen und wasche diese per Hand in einem großen Waschbecken, daneben sind auch Wäscheleinen. Danach relaxe ich kurz am Pool und schreibe Tagebuch. Devyn kommt dann vorbei, wollen Kleinigkeit essen gehen. Wir laufen los, doch das Restaurant wo er hinwollte hat noch zu. Laufen weiter bis zur Poststreet, wo, da ja Sonntag ist, tote Hose ist. Ein Café hat aber offen, wir setzen uns auf die Veranda, ich trinke einen guten Cappuccino und esse ein überbackenes Toast. Wir laufen zurück. Ich dusche kurz und bestelle mir ein Taxi. Mit dem Rest der Truppe dann noch Anstoßen an der Hostel-Bar und quatschen, bis das Taxi kommt. Es wird etwas später, da ich es mir dann mit einem dt. Paar teilen kann, die auch zu Joe’s wollen. Als ich ankomme, wartet Bea schon. Ich kenne sie nur von einem Treffen vorab in Hamburg, der Reiseveranstalter hatte uns vermittelt, da wir uns das Zimmer teilen. Sie hier zu treffen wirkt fast surreal. Sie hat auch schon 2 Wochen Rundreise hinter sich, mit ihrer Tochter. Die hat sie heute zum Flughafen gebracht und ist daher etwas traurig. Als wir unseren Tisch bekommen, irgendwo drin, genehmigen wir uns erstmal einen Tequila. Joe’s ist ja wie eine Art Themenpark-Restaurant, total groß, überall hängt Deko vom Kudu-Gehörn bis hin zu Jägermeister-Flaschen. Ich finde es aber ganz nett. Ich bestelle Zebra, und es schmeckt auch ganz gut, etwas zäh.
Wir erzählen uns von unseren bisherigen Reiseerlebnissen und überlegen, wie es nun wohl weiter geht. Morgen werden wir an meinem Hostel eingesammelt. Als wir gehen wollen, entdecke ich an einem der Nebentisch Kristy und Natalie aus der Safari-Gruppe. Großes Hallo und etwas Quatschen. Sie sind heute in der Heinitzburg untergebracht, auch nicht schlecht. Dann endgültiger Abschied. Ich will Taxi bestellen, aber habe keine Nummer von einem Driver. Etwas Chaos, dann fährt mich irgendein Typ heim, der angeblich für Joe’s arbeitet. Ich wusste nicht, dass man quasi „seinen“ Fahrer braucht. Im Hostel ist noch Licht bei Natasha, und ich klopfe und verabschiede mich. Dann falle ich ins Bett, das erste Mal seit einer Woche wieder allein.
Fazit: Die Gruppenreise war genau das Richtige für mich. Sicher hatte ich auch viel Glück mit den Leuten. Es war keiner „hummeldumm“, selbst Melissas Ernährungsprobleme waren nur ein Ärgernis am Rande. Natürlich lag es auch daran, dass es alle offene, relativ junge Leute waren, bis auf die beiden schüchternen deutschen Mädels, die eben einfach sehr ruhig und für sich waren und daher nicht so „aufgefallen“ sind. Natürlich ist es ein straffer Zeitplan und es bleibt kein Raum für eigene Bedürfnisse, so dass ich ja auch auf die Little-Five-Tour verzichten musste. Aber die Tour war super organisiert, nette Guides, das Essen gut, die Unterkünfte ebenfalls. Daher habe ich in der kurzen Zeit, die ich zur Verfügung hatte, genau das gesehen was ich unbedingt sehen wollte. Ein 2. Mal würde ich dort nicht mit einer Gruppe hinfahren wollen, da ich nun weiß, an welchen Ecken ich gern mehr Zeit hätte oder anderes gemacht hätte. Auch in Etosha ist es sicher angenehmer, selbst zu fahren und sich mehr Zeit für Beobachtungen nehmen zu können. Um als Alleinreisender aber auf einfache Art zu einem relativ günstigen Preis möglichst viel zu sehen, war es perfekt. Und viel Spaß hatte ich mit der „Pumba-Gang“ zudem auch noch – allein wäre es doch etwas einsam gewesen. Geteilte Freude ist eben doppelte Freude!
Morgen beginnt dann der 2. Teil meines Afrika-Abenteuers. Dieser wird etwas „entschleunigter“, dafür intensiver, so dass die beiden Teile sich perfekt ergänzen. Nur das eine oder das andere wären nicht so gut gewesen, da die Reiterei mir nur einen winzigen Teil des Landes erschließen wird, nur die Safari aber doch ein zu sehr „Touri“ mäßiges Reisen gewesen wäre.
sehr schöne Bilder von den Dünen von Swakopmund und Sossusvlei 🤩 . Ich beneide dich um den blauen Himmel in Swakopmund. Nach 2 Aufenthalten von je 2 Nächten habe ich dieses Städtchen immer nur neblig, feucht und kalt erlebt 😐.
Bin gespannt wie es jetzt mit neuer Truppe weitergeht ...
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201308. Okt. 2013 · #37
Hallo! danke an alle mitleser! tut mir leid dass es gerade nicht weitergeht, aber ich habe privat etwas Probleme, die erst einmal vorgehen. 🙁 Ich wollte aber meinem Fazit noch etwas hinzufügen, um nochmal etwas für Gruppenreisen zu plädieren, die hier im Forum ja meist als "falsche" 😗 Art des Reisens abgetan werden: Was ich als Alleinreisende und gestresster Arbeitnehmer sehr genossen habe, wobei mir aber auch erst im Nachhinein klar geworden ist, dass dies unglaublich zu meiner Entspannung beigetragen hat: Die Tatsache, dass ich mich mal um nichts kümmern musste. Ich organisiere viel und eigentlich gern, aber es war auch schön, mal eine Woche lang (und auch die noch kommenden zehn Tage) nicht zu überlegen, wann man was wie wo machen muss, wie ich Einkäufe regel, was ich kochen soll. Sicher, das klingt nach All inklusiv HotelUrlaub...diesen kann ich wiederum nicht genießen, sondern sterbe da meist vor Langeweile, aber in Kombination mit den vielen Erlebnissen, die man bei der Rundreise hat, war diese "mal nicht sich Gedanken machen müssen" wirklich eine tolle Sache.. 😁
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201324. Okt. 2013 · #38
....es geht weiter! Sorry nochmal für die Zwangspause, ich hoffe ihr steigt wieder ein bzw diesmal auf, den es geht zu Pferde weiter. Da ich leider wirklich wenig Zeit habe gerade, habe ich es zwar endlich geschafft, den Bericht zu schreiben, allerdings "passt" er nicht so ganz. Denn ich habe ihn auch für ein anderes (Reit-)Forum geschrieben und schaffe es nicht, ihn nochmal zu überarbeiten. Daher nicht wundern, wenn es vom Anschluss nicht passt oder ich allgemeine Dinge über Namibia wiederhole. Also, ich hoffe es kommen noch ein paar mit...auf ins Erongo-Gebirge!
2.9. Montag
Der Anreisetag war für mich nur zum Teil einer, da ich schon eine Woche vorher nach Namibia geflogen war und eine Rundreise inklusive Wild-Safari gemacht hatte. Und der Zufall wollte es, dass ich genau in dem Backpacker Hostel in Windhoek übernachtet hatte, von wo aus heute auch der Transfer zur Farm starten sollte. Ich war also recht entspannt, ging noch mal in die Stadt, dann trudelte auch meine Mitreiterin Bea ein. Wir kannten uns vorher nicht, der Kontakt wurde aber durch Pferd+Reiter vermittelt, und da wir beide in derselben Stadt wohnen, hatten wir uns vorher schon mal getroffen und "beschnuppert", da wir Zimmer und Zelt teilen wollten. Es passte, auch wenn ich irgendwann doch mein Zelt für mich hatte....Bea hatte einen anderen Schlafplatz auserkoren....ob ich vielleicht doch geschnarcht habe?? 🙂 Bea hatte auch schon eine Rundreise hinter sich, so hatten wir viel zu erzählen. Dann tauchten noch zwei andere Frauen auf, die direkt vom Flughafen kamen und dementsprechend etwas übermüdet waren (Nachtflug). Wie sich herausstellte, war eine davon ebenfalls für den Trail angemeldet, die andere war eine Freundin der Familie und besuchte diese für 3 Wochen. Der Transfer war für 13.30 angesetzt, leider nichts. Nach einer Weile werden wir unruhig, bitten die Dame an der Rezeption bei der Firma anzurufen, sie kommt aber nicht durch. Leider ist auch nicht ganz klar ob sie die richtige Firma anruft, wir haben keine Kontaktdaten. Die Stimmung ist etwas angespannt. Etwa 45 min später dann doch plötzlich der Fahrer da....die Abfahrtszeit war wohl nur ein Schätzwert - that's Africa. Wir wuchten unser Gepäck in den Anhänger und setzen uns dann in den Kleinbus, leider ist für Bea und mich nur ganz hinten was frei - aber mit sehr wenig Beinfreiheit, und wir sind beide nicht sehr groß. Nach einem weiteren Stopp in Windhoek geht es dann raus aus der Stadt nach Norden bis zum Ort Karibib. Dort werden wir an einem Info-Souvenir-Center rausgelassen. Es ist tote Hose, nur wir stehen rum. Schleppen Koffer rein und warten. Da wir aber nun zu spät waren, müssen wir nicht lang warten. "Seid ihr die Reiter?" fragt plötzlich ein Mann in Lederweste und mit Cowboyhut. Es ist Immo, der Besitzer der Farm. Wir verfrachten das Gepäck in seinen Toyota-Geländewagen und weiter geht es nach Omaruru. Dort Halt an der Tankstelle, und plötzlich steht Alina vor uns, Tochter von Immo. Sie lässt den Lkw checken, der uns auf dem Trail begleitet und macht Großeinkauf...denn die Farm ist nochmal 30 Kilometer entfernt im Nichts, da kann man nicht mal eben zum Supermarkt fahren. Die 30 Kilometer sind auch Schotterpiste, und dementsprechend afrikanische 30 Kilometer....die sind dann aber auch bald geschafft, wir fahren durch die Eingangspforte und noch etwas übers Farmgelände bis zum Haus bzw den Häusern. Es gibt ein Haupthaus, einen Bungalow, ein Gästehaus mit 2 Zimmern und ein kleines Haus wo Alina wohnt. Wir werden von Heike, Immos Frau, und mehreren Hunden herzlich begrüßt. Es sind Dackel und ein großer Jagdhund, alle total lieb. Nach einer Woche Lodges und Hotel merke ich sofort: Hier ist es wie nach Hause kommen, hier LEBEN und arbeiten Menschen, es ist deren Zuhause. Es ist alles top gepflegt, ein großer Garten (mit Kakteen) umgibt das Haus, aber es wirkt eben alles echter, nicht so künstlich und touristisch. Bea und ich bekommen das Zimmer "Oryx" mit 2 einzelbetten und einem riesigen Bad - und einem Oryx-Fell auf dem Boden. Immo ist auch Jäger, es gibt auch Jagdurlaub auf der Farm, aber keine Trophäenjagd und mit Blick auf den Wildbestand. Immerhin profitieren auch wir davon - lecker Wild-Fleisch!
Heute Abend etwa Springbock, dazu Wirsing, Rotkohl und Kartoffeln. Wir essen alle zusammen auf der Terrasse, Alina ist aus der Stadt zurück, mit ihr Marina, die deutsche Praktikantin, dazu Lou, eine Praktikantin aus Windhoek, ein stilles aber sehr freundliches Mädchen, sitzen auch dabei. Es ist wirklich, als wären wir hier zu Hause. Katha, die hier Sternritte macht und morgen ankommen wird, hat es in ihrem Bericht bereits auf dem Punkt gebracht: Es sind keine Gastgeber, sondern eine Gastfamilie. Es gibt Wein und Bier, wir quatschen und hören auch, dass es immer mal wieder Probleme auf einer Farm gibt, besonders technischer Art: Hier eine Pumpe kaputt, da ein Auto was Mucken macht. Um 21.15 ziehen wir uns ins Zimmer zurück.
2. Tag, Farm
Wir frühstücken, diesmal nur zu dritt, wieder auf der Terrasse, bereits in Reitklamotten. Denn gleich danach geht es nebenan zum Putzplatz. Drumherum erstrecken sich die Paddocks, auf denen Pferde laufen und auch die Rinder samt Kälbchen. Diese wiederum gehen dann in das Farmland über, eine zu dieser Zeit sehr trockene Busch-Landschaft mit einigen kleinen Bäumchen. Wir lernen Junias kennen, den „Pferdemann“ der Farm. Der Herero wird uns auch als Reitführer auf dem Trail begleiten. Er ist ruhig, etwas schüchtern. Er versteht wohl etwas deutsch, spricht es aber nur in einigen Worten. Mit Englisch klappt es besser, aber auch da redet er nicht viel….wir werden auf dem Trail noch sehr lachen, wenn unser schweigsamer Cowboy während des Trails unentwegt mit seinem Kollegen Johannes am Lagerfeuer quatscht- in seiner murmelnden Muttersprache….keine Ahnung, was die beiden sich alles zu erzählen hatten…hoffentlich nichts über die verrückten deutschen Frauen die bis nach Namibia reisen um durch den Busch zu reiten 😛 Alina hat uns gestern abend noch nach Reitkenntnissen gefragt, Junias hat schon ein paar Pferde für uns aus dem Busch in den Paddock gebracht. Ich soll mir Friendly holen, eine relativ kleine braune Stute, die auch einen freundlichen Eindruck macht. Junias zeigt uns Putzzeug und wie wir putzen sollen, vor allem dass wir per Hand übers Fell streichen sollen, um eventuelle Dornen zu erfühlen, die dort noch stecken könnten. Denn hier hat einfach jedes Gewächs Dornen, was wir auch noch feststellen werden…. Er sucht uns das Sattelzeug, Westernzaum mit Wassertrensen, teilweise mit Strick-Zügeln, teilweise offenen Zügeln, dazu Westernsättel bzw McClellan-Sättel. Er kontrolliert, ob wir alles richtig machen, sattelt im Zweifel noch mal neu. Diese Sorgfalt wird auch den ganzen Trail über andauern, man merkt, dass Pferd und auch Ausrüstung hier schonend und richtig behandelt werden sollen. Bei der Ausrüstung hat das ganz pragmatische Gründe: Sie ist in Namibia schwer zu beschaffen, muss sonst importiert werden. Und die Pferde sind allen ohnehin sehr wichtig, jedes hat eine Geschichte. Friendliy stammt aus Namibia, evtl sogar aus der Wildpferdeherde in der Namib-Wüste. Dor leben verwilderte Militärpferde bzw deren Nachfahren aus der Kolonialzeit. Bea bekommt Silverado, einen Braunschecken, und Tina eine kleine Fuchsstute namens Lina. Sie war mal ein „Damara-Donkey“. Im Damaraland ging sie mit anderen vor einem Eselskarren. Weiße Striche auf ihrem Rücken zeugen noch davon, dass dabei wohl durchaus auch mal ein Stock zum Einsatz kam. Hier geht es ihr wohl besser. Wir haben alle drei unsere Reithelme mitgebracht und ziehen die auf, werden sie auch bei Trail tragen. Ist jedem selbst überlassen und bei Westernreitern auch eher unüblich, aber wir drei fühlen uns damit einfach sicherer und sind es auch so gewohnt. Durch Heikes Kakteengarten geht es auf den Reitplatz. Der ist eingezäunt, es liegen Stange bereit, die auf Boden- und Trailarbeit hindeuten. Vorm Aufsteigen sollen wir Beine nach vorn ziehen. Auch auf das Durchführen dieser „Gymnastik“ wird Junias in den kommenden Tagen achten. Es soll auch Hautfalten vorbeugen. Denn bei dieser Hitze, Staub und Schweiß und langem Ritt wäre eine wunde Stelle am Gurt nicht sooo verwunderlich, aber auf dem Trail eben ein Problem. Alina gibt ein paar Anweisungen. Schnalzen ist übrigens das Kommando für Antraben, ein Küsschen für Galopp – es funktioniert. Wobei wir den Galopp erst im Gelände testen. Wir reiten sonst alle kein Western, und da die Pferde sehr fein ausgebildet sind, eiern wir anfangs etwas rum. Einfach mal aussen rum traben, ohne ins Zerren zu geraten? Es gelingt dann doch, wir entspannen uns. Bea hat am wenigsten Probleme. Bei mir geht es so – noch. Dann geht es durch den Paddock raus in den Busch. Junias vorn weg auf „Geronimo“, einem Falben. Wir schlängeln durch dornige Büsche, am Drahtzaun entlang. In einem trockenen Flussbett, das hier Revier genannt wird („Wir sind im Revier geritten“) galoppieren wir auch mal. Junias hat die Reihenfolge festgelegt. Ich merke, dass Friendly SEHR lauffreudig ist. Ich kann sie zwar halten und sie rennt auch nicht an den anderen vorbei, aber sie tänzelt rum, galoppiert auf der Stelle etc. Es wird nur ein kurzer Ritt, aber ich habe schon komplett die Orientierung verloren. Das Buschland sieht so gleich aus, es ist flach…doch irgendwann taucht die Farm auf… Wir gehen durch die Paddocks zum Putzplatz, es ist mittlerweile richtig heiß. An den wasserbecken dürfen daher die Pferde alle saufen. Meine Schuhe und meine Hose (helle Farbe – wegen der Sonne, haha) sind nun eingeweiht: Eine Staubschicht bedeckt sie. Wenn ich also während des Trails braun im Gesicht war, lag das nicht am Teint…
Wir satteln ab, räumen alles weg, entlassen die Pferde auf den Paddock. Wir ziehen uns um. Dann gibt es hinter unserem Gästehaus in der Lapa, einer Art offenen überdachten Terrasse, Mittagessen in großer Runde, zubereitet von den Praktikantinnen und Doris. Sehr leckere Pfannkuchen mit Käse überbacken, Pesto, dazu ein sehr leckerer Salat. Alina fragt nach dem Ausritt. Ich merke nur an, dass Friendly ja ganz schön lauffreudig sei. Ich soll daher heut Nachmittag ein anderes Pferd bekommen. Danach ist Siesta. Heike gibt uns Matten für die Liegen, die dort im Garten stehen. Wir ziehen sie erstmal an die spärlichen Plätze, wo es jetzt Schatten gibt, und dösen vor uns hin. Um 15 Uhr gehen wir wieder auf die Veranda am Haupthaus, dort bekommen wir Kaffee und Kuchen hingestellt. Danach wieder in die Reithose und zum Putzplatz. Jetzt soll ich Lina nehmen, die Tina heut früh hatte, Sie bekommt Mr. Dean, einen Schecken. Alina reitet diesmal auch mit. Wir gehen wieder ins Gelände. Im Flussbett, dessen sandiger Boden ideal zum Galoppieren ist, halten wir unter einem großen Baum. Von dort soll jeder zum Einzelgalopp starten. Mit Lina klappt es super. Nachdem alle durch sind, reiten wir, vorbei an riesigen Termitenhügeln, zurück zur Farm. Die Sonne sinkt und schenkt uns tolles Licht. Auf der Farm ist mittlerweile noch eine Reiterin angekommen, die aber Sternritte macht und nicht am Trail teilnimmt. Heike gibt uns erstmal ein Bier zur Begrüßung. Später essen wir wieder alle auf Terrasse. Es gibt Lamm, Bohnen, Kartoffeln und zum Nachtisch Vanillepudding. Wir unterhalten uns eine Weile, es ist echt eine nette Atmosphäre. Dann muss ich aber mal aufs Zimmer und etwas packen. Auf den Trail nehme ich meinen Flugkoffer nicht mit. Ich habe eine separate Reisetasche dabei, ein ganz einfaches Ding, was zusammengefaltet wird wenn man sie nicht braucht. Da ich ohnehin nicht viel mitnehmen konnte (23 kg sind bei knapp 3 Wochen mit Schlafsack, Reithelm und Reithose sowie Chaps nicht viel), reicht das. Tops zum Reiten, zwei dünne langärmelige Hemden als Sonnenschutz, für abends eine saubere lange Hose, Fleecejacke, Schlafanzug, Kulturbeutel, Trekkingsandalen. Der Koffer mit den restlichen Sachen bleibt hier. Unsere Wertsachen auch. Die hat Immo ganz geheim versteckt. Es wird ohnehin keine Gelegenheit geben zum Geldausgeben
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201324. Okt. 2013 · #39
4.9. Farm und Trailstart
Ich werde früh wach. Aufregung? Bea geistert auch schon draußen rum. Ich gehe erstmal duschen und Haare waschen – letzte Gelegenheit. Um 8.30 gibt es Frühstück auf der Veranda, wieder mit Müsli, Kaffee/Tee, Brot mit Marmelade, Wurst, Käse, Obst. Danach schauen wir zu, wie Katha, Marina und Heike Pferde fertig machen, bevor Immo kommt zur Farmrundfahrt. Wir fahren stehend auf der Ladefläche eines Pickups mit, der zwar älter aussieht, aber gerade von der Technik und vom Motor her runderneuert wurde….Dieses Mitfahren im Stehen ist hier übrigens auch auf den öffentlichen Straßen zu sehen. Sando und Berta kommen auch noch mit und sitzen zwischen unseren Beinen. Wir fahren über das Farmgelände, Immo schaut nach Wasserdämmen und Wasserstellen. Es ist dieses Jahr sehr trocken.
Leider ist an der Wasserstelle wo er sein sollte nichts vom Zuchthengst der Farm zu sehen. Tja, und dann sind die komischen Geräusche des Autos nicht mehr zu überhören. Irgendwo am Zaun bleiben wir stehen. Immo macht die Motorhaube auf, fummelt rum. Wir suchen Schatten und Bea muss immer mal wieder Probe-Starten. Autopanne im Busch…es macht doch Sinn, immer Wasser dabei zu haben. Wir sind zwar immer noch auf der Farm, aber die ist 9000 Hektar groß…. Irgendwann läuft der Motor doch, und wir rollen zurück, immer mal wieder muss ein Tor geöffnet werden. Dann gibt es Mittagessen in der Lapa, Lauchkuchen vom Blech und Salat. Nun wird es ernst. Unser Gepäck wird auf die „Lorry“ verladen. Der Lkw mit dem eigens angefertigten Aufsatz ist das Begleitfahzeug. Ganz oben liegen Heuballen für die Pferde Da es so trocken ist, wird es kein Gras mehr geben und es wird zugefüttert. Dann Fächer mit unseren Taschen, dazu die Schlafmatten (übrigens sehr dick und komfortabel), eine Kühltruhe (!!!), die Zelte, Vorräte und ein riesiges Wasser-Faß. In der Hitze machen wir die Pferde fertig. Jeder bekommt noch eine Satteltasche, eine Banane mit Seitentaschen. Ich quetsche dort ein mitgebrachtes Erstes-Hilfe-Set rein, dazu zwei Trinkflaschen mit Wasser. Kamera habe ich in Gürteltasche. Immo, Katha, Heike Alina Marina und Lou bilden das Abschiedskomitee. Lou singt ein Lied für uns. Es ist ihr wohl etwas unangenehm, aber es klingt wirklich schön. Winkend gehen wir los, im Paddock darf jedes Pferd noch mal trinken. Dann Beine ziehen, aufsitzen, Reihenfolge festlegen, noch mal winken und los geht’s. Vorn reitet Junias auf Miriam, einer Braunschecke, die zum ersten Mal den Trail mitgeht und von Junias sozusagen getestet wird, dann Bea, dann ich, zuletzt Tina auf Mr. Dean, ein Fuchsschecke. Damit bin ich die einzige ohne Schecke, dabei liebe ich bunte Pferde doch so…egal, Lina wird mir ans Herz wachsen. Tina auf Mr. Dean wird auch immer etwas sehr weit zurückbleiben, weil er eher gemütlich läuft, was ihr aber nichts macht – und so bekommt sie weniger Staub ab….Im Flussbett galoppieren wir wieder, sonst viel durch den Busch. Junias zeigt uns beim Vorweg-Reiten Löcher an…kleine und größere, von Warzenschweinen, Erdhörnchen oder was auch immer…. Anfangs bin ich etwas beunruhigt, aber um es vorweg zu nehmen: Keines der Pferde ist auch nur einmal gestolpert. Es ist wirklich warm, aber es weht ein leichter Wind. Mein dünnes Jeanshemd gegen Sonne bleibt immer mal wieder in Dornen hängen. Es wird am Ende des Trails aussehen wie ein durchlöcherter Putzlappen in braun statt, wie jetzt noch, in zartem Hellgrau. Aber ich wollte es nicht missen. Und besser die Dornen reißen den Ärmel auf als meine Haut… Wir reiten heut Nachmittag bis an den Rand der Farm. Irgendwann taucht überm Busch ein metallenes Windrad auf. Die zeigen immer an, dass dort eine Wasserpumpe sprich Tränke ist – und damit meist unser Ziel. Wir lassen die Pferde trinken, satteln sie ab, bürsten und Hufe auskratzen. Der Karton mit Putzzeug und Halftern sowie Heu standen schon bereit. Das Heu verteilen wir noch im Paddock. Dann laufen wir zu Fuß auf eine kleine felsige Anhöhe. Dort ist unser erstes Camp: Unsere Zelte, zwei größere Iglus, stehen schon auf Betonplatte, an gemauerte Feuerstelle ist Alina in Schürze zu gange, dahinter steht die Lorry. Johannes, ein Arbeiter von der Farm, begleitet sie und baut unsere Zelte auf und macht Feuer. Full Service in der Wildnis! Auch mit dabei: Berta, einer der Dackel. Es ist ihre Premiere als Trail-Begleitung. Sie begrüßt uns freudig und hat schnell begriffen, dass abends das Rudel erst mit uns komplett ist. Alina hat immer mal wieder Angst dass sie abhaut, doch meistens klappt es gut. Wenn nicht, wird sie angebunden. Besonders in Camps, wo Paviane in der Nähe sein werden ist das nötig. Paviane können äußerst gefährlich werden. 2 ausgewachsene Tiere könnten einen Hund in Stücke reißen, so kräftig sind sie. Wir bekommen ein kaltes Savannah, ein Cider, der hier viel getrunken wird. Auf der Rückseite der Lorry auf runtergeklappter Luke ist unser Badezimmer: Ein Kanister Wasser mit Hahn. Daneben steht unser Klo: Spaten und Klorolle. Also erstmal durch den Zaun, ins Gebüsch (DORNEN!!) und Loch gegraben….noch ist es hell… dasselbe heut Abend im Dunkeln war um einiges unheimlicher. Mit unseren Drinks – dem in Namibia obligatorischen „sundowner“ - setzen wir uns auf einen Felsen und schauen uns den leider etwas verwölkten, trotzdem farbenfreudigen Sonneuntergang an über dem weiten Busch. Zurück ans Feuer. In einem Rost steckt eine riesige aufgerollte Boerwurst, die typisch namibische Bratwurst. Dazu gibt es Toasts gefüllt mir Tomate und Käse, dazu Krautsalat. Auf einem Tisch steht Besteck und Teller bereit, ebenso Saftkonzentrat und Wasser.
Da nach Sonnenuntergang sehr schnell sehr dunkel wird, hocken wir auf den gemauerten Steinbänken, die hier angelegt wurden und essen im Schein unserere Kopflampen. Danach noch Zähneputzen am Kanister, ein Spatengang und ab ins Zelt. In einem Plastiksack ist für jeden auch ein Kopfkissen, ein Handtuch und ein Waschlappen-Tuch – alles da! Ich habe, da es ja namibischer Winter ist und die Nächte kalt werden können (und ich in der vergangenen Woche in der Wüste auch echt schon gefroren habe!!!) einen langen Schlafanzug an. Leider ist es mir total zu warm, habe auch einen ganz guten Schlafsack. Daher schlafe ich eher unruhig und schlecht. Dabei ist es echt gemütlich.
5.9. Trail
Ich werde früh wach. Es ist noch dunkel. Im namibischen Winter geht die Sonne um ca. 7 Uhr auf und um 18.45 unter. Und zwar auch schlagartig. Dämmerung ist nicht. Daher sind die Tage dann auch abends vorbei – in der Wildnis ist im Finstern eh nicht gut was zu unternehmen Als es dann sehr schnell hell wird, stehe ich auf. Bea ist auch schon draußen. Die sonne steigt steil hoch. Die Jungs haben Feuer gemacht, für heißes Wasser. Alina hat Frühstückssachen aufgebaut. Tee, Instantkaffee, Wurst und Schinken, Marmeladen, Brot, Müsli mit Quark.
Um 9 Uhr laufen wir vier Reiter los, runter zu den Pferden. Alina und die Jungs werden alles aufräumen, abbauen und dann vorausfahren zum nächsten Camp. Die Pferde bekommen noch Kraftfutter, Junias füllt es in Eimer ab. Auch die Box mit Futter werden Alina und Johannes wieder aufsammeln. Dann satteln wir wieder, neuralgische Punkte in der Gurtlage werden mit Vaseline eingecremt, Beine ziehen nicht vergessen und los geht es. Es ist jetzt schon wieder sehr warm.
Wir galoppieren 1x kurz in einem trockenen Fluss, reiten ansonsten gefühlt kreuz und quer durch den Busch – mitsamt Dornen. Reiten ca 2,5 Stunden. Dann sind wir plötzlich wieder an einem Wassertank unter einem Windrad, daneben stehen Kühe. Es ist schon eine andere Farm, aber wir dürfen hier durchreiten und rasten. Die Pferde werden abgesattelt, die Rinder vertreibt junias von der Tränke, dann kommen die Pferde in den Paddock. Unter einem Riesenbaum etwas weiter steht die lorry, Tisch und Stühle. Auf einem Gaskocher erwärmt Johannes leckere Butternut-Kürbis-Suppe, dazu gibt es leckeres selbstgebackenes Brot mit Zwiebeln und Speck drin. Leider werden wir schnell von Sandflöhen gepiesakt, die unsere Füße angreifen. Die Siesta danach verbringen wir also auf den Stühlen und legen die Füße hoch, irgendwo unter der Lorry auf Reifen und Stangen. Ich gehe einmal im Flussbett im Sand mit Spaten aufs „Klo“. Dort im Sand steht die Hitze, ich mag mich kaum bewegen. Alina kocht dann noch Wasser für Kaffee oder Tee, dazu gibt es Kekse. Nähe des Paddocks huschen Paviane herum, daher muss Berta an Leine bleiben. Um 15 Uhr geht es wieder zu den Pferden. Nach dem Putzen und Satteln in der Hitze (kein Schatten in Sicht) bin ich eigentlich schon fertig. Was mache ich hier eigentlich? Ich gucke die anderen an, und es ist klar: wir alle leiden unter der Wärme. Und geteiltes Leid ist halbes Leid! Es ist noch nicht mal so dass man hier total stark schwitzt. Denn die Luft ist staubtrocken, Schweiß trocknet quasi sofort weg. Gottseidank. Schwüle Hitze wäre für mich schwerer zu ertragen. Wir reiten dann wieder weiter durch das Buschland, ab und an mal auf Fahrpiste. Wir galoppieren auch kreuz und quer durch die Büsche. Lina hat noch Winterfell (kalte Nächte!!) und ist natürlich immer schon nach kurzer Zeit klatschnass. Wir machen 2x Pausen wo wir absteigen, aus unseren Flaschen trinken (die wir an der Lorry auffüllen konnten). Die Pferde fallen immer sofort in den Dös-Modus, für sie gibt es nichts zu trinken – wo auch hier? Und da Trockenzeit ist, gibt es auch kein natürliches Wasser. Wir sitzen völlig geschafft auf dem Boden, immerhin immer im Schatten eines Dornbusches oder kleinen Baumes.
Aber irgendwie ist auch gerade diese körperliche Herausforderung gerade das, was wir ja auch ein bisschen gesucht haben….wie nach einer Wanderung oder beim Sport sorgt das ja auch für Glückshormone, wenn man Grenzen überwindet. Dann reiten wir irgendwann auf einer Fahrpiste an Bäumen an einem (trockenen) Fluss, dem Omaruru, entlang. Die Lorry steht da auch, der Wasch-Kanister mit Wasser lockt verheißungsvoll. Doch erst reiten wir dran vorbei. An einem Zaun steigen wir ab. Es ist eine Art winziger Bauernhof, ein Stück Land, mit dem obligatorischen Windrad, Kuh-Paddock und einem winzigen Betonhaus. Wir lassen die Pferde trinken, ich tunke meine Unterarme in das Wasser der Tränke. Dann laufen wir noch zu einem anderen Paddock. Wir satteln ab, legen Sättel auf eine Plane, die Johannes dort schon bereitgelegt hat. Junias macht noch darauf aufmerksam, dass wir die Reissverschlüsse der Bananen zumachen sollen – für Schlangen wäre das nachts eine tolle Höhle. Wir putzen den Pferden Staub und Sand aus dem Fell, verteilen mit Junias Heu. Dann laufen wir zurück zur Lorry. Dahinter geht ein Pfad durch die Bäume runter ins Flussbett. Dort, mitten im Omaruru, stehen unsere Zelte. Eine Feuerstelle hat Johannes auch schon eingerichtet, drumherum stehen Stühle.
Bea ist fertig und legt sich ins Zelt. Ich lasse mir ein kaltes Bier geben – noch nie so lecker gewesen. Dann schnappe ich mir meinen Waschlappen und gehe zum Kanister. Wasche mich mit dem Waschlappen und Wasser ab, halte Kopf einmal kurz drunter. Herrlich! Aber dennoch alles andere als eine Dusche – Wasser ist hier eben ein kostbares Gut, und auch unsere Vorräte sind endlich- auch wenn zwischendurch mal wieder aufgefüllt werden kann. Setze mich ans Feuer, schreibe bisschen Tagebuch. Bevor die sonne versinkt (leider hier nicht so gut sichtbar) und es dunkel wird, schnappe ich mir den Spaten und erkunde das Flussbett nach einer geeigneten Stelle. Als wir essen, ist es schon dunkel und wir sitzen wie Grubenschlümpfe mit Kopflampen drumherum. Johannes und junias sind im Murmel-Modus. Bea ist auch wieder da. Es gibt Reis mit leckerem Zucchini-Ratatouille, dazu Mais-Paprika Salat. Zum Nachtisch lüftet sich auch das Geheimnis der langen dünnen Holz-Stäbe, die im Sand steckten. Es sind Zweige, die Johannes frisch angespitzt hat – zum Marshmellow-Grillen! Die Tüte macht die Runde, wir halten sie ins Feuer und versuchen den richtigen Gar-Punkt herauszufinden. Wir sind alle happy und entspannt. Über uns der unglaubliche Sternenhimmel – was will man mehr?
ontrailThemenstarter74 Beiträge · seit 201324. Okt. 2013 · #40
6.9. Trail Erongo
Ich schlafe schlecht, wache mehrmals auf weil ich trockenen Mund habe. Die Trockenheit ist echt krass. Ein guter Lippenpflegestift und Hand- oder sogar Fettcremes kann ich nur empfehlen, zumindest zu dieser Jahreszeit. Wir sind alle früh wach. Frühstück am Feuer. Um 9 Uhr geht es zu den Pferden, die die Nacht auch gut überstanden hat. Unter Junias Aufsicht fülle ich Pellets ab – am Ende des Trails lässt er uns das auch so machen Nachdem die Pferde gefrühstückt haben, putzen und satteln. Reiten an Lorry vorbei.
Abschied von Alina. Sie will am Wochenende auf eine Hochzeit und wird heute mit ihrer Mutter Heike tauschen. Auch wenn wir nun gestern durch Busch geritten sind und der Boden dort ja auch hart war, wird es nun zunehmend steiniger. Wir reiten ja auch auf die Erongo-Berge zu. Plötzlich vor uns Felsen, auf denen rundgeschliffene Riesen-Kugeln liegen. Plötzlich vor uns quasi Felswand. Wir müssen absteigen. Junias läuft vor… es ist eine enge Felsspalte, der Boden nackter Fels mit Steinbrocken. Ich habe ja Mühe, drumrumzulaufen…doch die Pferde gehen trittsicher durch die Engstelle hindurch, kein Zögern, kein Stolpern. Dahinter sitzen wir wieder auf. Tina stellt fest, dass sie einen Handschuh verloren hat. Junias sitzt ab, drückt Miriams Zügel Bea in die Hand, und läuft, ganz Gentleman, zurück. Wir wundern uns nur dass es solange dauert. Als er zurückkommt, entschuldigt er sich, er habe den zweiten nicht gefunden. Tina entschuldigt sich für das Missverständnis – sie hatte ja nur einen vermisst. Lachend geht es weiter. Wir müssen wieder durch ein gut gesichertes Tor und verlassen damit das Farmgelände. Dahinter dornige Bäumchen. Junias starrt darauf und biegt plötzlich von dem Weg ab mitten rein. Wir folgen verwirrt, bis auch wir sehen was er sieht: Eine Giraffe samt Jungtier! Wir umrunden die beiden eine Weile mit den Pferden.
Wir staunen, die beiden schauen uns auch neugierig an. Wow! Ich hatte zwar schon auf der Safari Giraffen gesehen, aber vom Auto aus ist es doch was ganz anderes als vom Pferd aus. Die Pferde sind übrigens cool geblieben. Sie haben die Giraffen zwar auch registiriert und die Ohren gespitzt, aber selbst Miriam zeigte keine Furcht. Dann lassen wir die beiden in Ruhe, reiten zurück auf die Fahrpiste. Die wird von Schotter plötzlich zu feinem Sand. Der ideale Boden für einen laaaaaangen Galopp. Und Lina läuft und läuft und läuft. Mr Dean bleibt immer etwas zurück, aber ich genieße diese Galoppaden sehr, und auch die beiden vor mir zeigen keine Ermüdungserscheinungen. Plötzlich taucht vor uns eine Wasserstelle auf. Diesmal keine lange Betontränke, sondern ein rundes Wasserloch, eingefasst mit Steinen. Also eher einer Wildtränke. Um diese hier tummeln sich ein Haufen Warzenschweine. Erst als wir absteigen und aus Büschen hervortreten, sehe ich, dass oberhalb des Wasserlochs, vor einer Felswand, eine Lodge ist, mit einem großen Haupthaus und mehreren Hütten, die aufgereiht vor dem Berg liegen. Wir lassen die Pferde trinken, die Schweine ergreifen mit aufgestelltem Schwanz (sieht aus wie eine Antenne), die Flucht. Sind aber weniger scheu als andere die ich gesehen habe, bleiben in der Nähe. Neben dem Wasser sind zwei Anbindebalken, die extra für die Trail-ritte dort gebaut wurden. Wir lassen die Pferde dort stehen und laufen hoch zur Ai Aiba Lodge. Vor dem Haupthaus, schick mit Reet (?) gedeckt, ist eine Terrasse und ein Pool, Palmen spenden Schatten. Der Blick in die Ebene und zu den anderen Bergzügen ist fantastisch. Wir ziehen Schuhe aus und krempeln Hosen hoch. Sven, ein Deutscher, der hier arbeitet, begüßt uns. Wir bestellen eine Runde Rock Shandy. Dann entern wir erstmal die Toilette- Wasser!!!! Ich hänge meinen kopf drunter, mache Arme, Beine, Nacken nass. Der Rock-Shandy entpuppt sich als herrlich erfrischendes Mischgetränk aus Kräuterlimonade und Ingwer. Sven wundert sich wohl auch etwas, warum wir uns das antun. Und bietet uns eine Dusche an, in einem leerstehende Gästezimmer. Wir sagen nicht nein…nacheinander laufen wir hin. Auch wenn ich kein Shampoo habe: Wasser überall und nasse Haare – herrlich! Hatte übrigens Bedenken, dass ich mit fettigen Haaren zu kämpfen haben würde. DAS war zumindest nicht der Fall, da die trockene Luft und der Staub wie ein Trockenshampoo hier fehlt mir aber eine Bürste – die 10 Finger kämm Methode sorgt dann doch für Knoten….(ich habe überschulterlange, dicke, teils gelockte Haare!!!) Heike und Johannes sind dann auch da, machen hier Stopp. Heike gibt uns noch einen Rock-Shandy aus. Halten noch unsere Füße in den Pool und bewundern Romeo, den sprechenden Papagei in der Voliere neben der Terasse, der von Sven noch eine Dusche bekommt. Eine Familie kommt währenddessen an, fährt mit 4x4 Riesen-Auto vor. Nun, wir haben uns den Weg erarbeitet…allerdings ist es auch komisch, zu sehen, dass die Zivilisation doch schnell da ist…. Hatten wir doch 2 Tage schon uns voll in das Wildnis-Gefühl eingegroovt. Zu essen gibt es was aus den Satteltaschen, wir haben dünne trockene Würstchen, Cracker, Apfel und Riegel bekommen. Viel Hunger habe ich bei der Hitze aber eh nicht. Wieder so um 15 Uhr ist die Siesta vorbei. Runter zu den Pferden. Lassen sie noch mal trinken. Reiten los. Kaum weg von der Lodge, stehen sie plötzlich haufenweise zwischen den Bäumen: 10 Giraffen!!!! Wir freuen uns unglaublich, reiten um sie rum, fotografieren, lassen uns anschauen, sind fasziniert von diesen ungewöhnlichen Tieren.
Dann sind wir plötzlich auf breitem Sandstreifen, der mit weißen Steinen markiert ist. Ein Airstrip - eine Landebahn. Wir reihen uns nebeneinander auf und galoppieren - auch mal toll! Es wird zwar schnell, aber kein kopfloses Wettrennen. Wir machen noch eine Pause unter einem Baum. Ich lege mich hin, Bea fotografiert und meint lachend, das sieht eher nach schwerem Reitunfall aus als nach Pause.
Ist ja gottseidank nicht der Fall! Dann geht es noch ein Stück weiter, und plötzlich sind wir wieder an einem runden Wasserloch, mit Steinen eingefasst, etwas dahinter ein riesiger Wassertank und Windrad. Steigen ab, lassen Pferde trinken – wir sind schon da! Dank Giraffensichtung ging der Nachmittag echt fix rum! Da dies kein Farmland ist, gibt es auch kein Paddock. Wir laufen mit den Pferden ein Stück zum Camp. Die Zelte stehen vor einer pittoresken Felswand, auf der oben wieder „Kugeln“ liegen, in Felsnische steht Tisch und da ist die Feuerstelle, wie in einem natürlichen Kraal. Davor die Lorry, die Zelte etwas versetzt. Es ist ein wunderschöner Platz, und wir freuen uns das wir hier 2 nächte sind. Allerdings ist uns auch noch die Geschichte im Ohr, das auf einem der vorigen Trail hier nicht gecampt werden konnte, weil ein Leopard hier sein Revier hatte….der ist nun wohl aber weiter gezogen.
Aber auch hier kein Paddock?! Wir erfahren: sie werden einfach an die Bäume gebunden. Dort bekommen sie das Heu. Und das 2 Nächte? Doch sie kennen es offenbar, und auch wenn Lina unter einem „Stinkebusch“ stehen muss (ein Strauch, der einen furchtbaren Katzenpisse-Duft verströmt und hier sehr oft zu finden ist) wirkt sie entspannt. Miriam, die das ja nicht kennt, läuft am Anfang etwas hin und her, so dass ihr Strick irgendwann um Baum gewickelt ist. Aber selbst da bleibt sie einfach stehen, statt in Panik zu verfallen, und liess sich von uns wieder entwirren – und dann hatte sie es irgendwann wohl auch kapiert. Heike zeigt uns die Umgebung. Wir laufen noch mal zum Wassertank. Dort ist die erste und einzige Dusche des Trails installiert: ein abgeklemmter Schlauch hängt vom Wassertank herab. Dort haben Johannes bzw Leute von der Farm dann sogar ein kleines Stück boden betoniert und einen toten Ast als dekorativen Handtuchhalter eingebaut. Afrikanische Dusche….Sichtschutz gibt es nur an einer Seite vom Wand des Tanks, zur anderen Seite, zum Wasserloch hin, ist es offen. Aber wer soll von da schon gucken? Dann laufen wir um die Felsen herum, vor denen die Zelte stehen. Auf der anderen Seite fallen sie flacher ab. Wir laufen hoch, bewundern eine gespaltene Kugel und genießen den bombastischen Ausblick in die Ebene. Ich düse dann noch mal kurz zurück und gehe duschen! Einfach Draht von Schlauch abwickeln und Wasser marsch! Herrlich erfrischend! Dann mit einem Savannah wieder hoch zu den Mädels, mit dem Sundowner in der Hand den Sonneuntergang genossen.
Auf den Felsen überall Mini-Köttel, wohl von klippschiefern und Pavianen, die sich aber nicht blicken lassen. Dann runter zum Feuer. Es gibt Nudeln mit leckerem Gulasch, dazu Tomatensalat. Als Nachtisch karamellisierte Bananen und Äpfel mit Vanillesauce. Spülen tun übrigens die Jungs – was ich bis zum Ende zwar sehr nett finde, aber dieser Full-Service fühlt sich komisch an. Bea zieht dann aus unserem Zelt aus. Sie hat beschlossen, ganz oben auf der Lorry zu schlafen. Dort ist zwischen den Heuballen mittlerweile etwas Platz. Und sie hat den tollen Sternenhimmel über sich…also habe ich ein Einzel-Zelt und viel Platz. Allerdings ist es fast ein bisschen unheimlich: Hier in dem Naturschutzgebiet sind nachts sehr sehr viele Geräusche. Zebras iaahen, sie ziehen zur Wasserstelle, Geckos „bellen“ und vieles mehr. Es scheint, als würden sie im Dunkeln alle aktiv werden. Ich wundere mich, dass die Pferde gerade wegen der Nähe der Zebras nicht nervös geworden sind, aber am nächsten morgen stehen alle ganz entspannt unter ihren Büschen.
7.9. Trail Erongo
Stehe gegen 7 Uhr auf. Frühstück, dann Pferde füttern und satteln, zum Wasserloch, dann aufsitzen. Wir machen heute Vormittag quasi ein Open-air-Museumsritt. Junias reitet mit uns zu drei Stellen, wo uralte Buschmann-Felsmalereien zu sehen sind. Eine davon unterhalb lustiger Felsformationen in Pilzform. Es sind Menschen mit Pfeil und Bogen zu erkennen, Giraffen, Nashörner etc. Von einer Stelle hat man tollen Ausblick.
Unser Wasser in den Flaschen „pimpen“ wir jetzt mit einem Mineral-Vitamin-Energie-Pulver, dass Alina gekauft hat. Ist zwar wohl hauptsächlich Zucker, aber schmeckt mal anders und gibt schon irgendwie Power. Nach den Felsmalereien reiten wir zurück zum Camp. Ich bin heilfroh, denn ich fühle mich unwohl. Kein richtiger Hitzschlag, aber mir ist unglaublich warm von innen heraus und ich mag mich nicht bewegen. Ziehe kurze Hose an. Heike gibt mir eine Isomatte, und ich suche zusammen mit Berta Schatten unter der Lorry- gar nicht so viel da, wenn die Sonne so hoch steht. Lege mich wie tot hin. Zwischendurch rappel ich mich auf und mache mein Top am Kanister nass, ziehe es an in der Hoffnung auf Kühle. Zum Mittagessen steh ich dann doch auf. Es gibt leckeren Nudelsalat und herzhafte Muffins. Heike ist etwas besorgt und meint, wenn ich möchte kann ich auch nachmittags im Camp bleiben statt reiten. Ich überwinde mich dann doch, quäle mich in die Reithose und mache Pferde fertig. Wir reiten ja auch „nur“ ein bisschen im Gelände rum. Die Giraffensuche ist diesmal nicht ganz so ergiebig, nur ein Exemplar begegnet uns. Insgesamt sind aber immer mal wieder haben wir winzige Antilopen unter Büschen gesehen, leider nicht zum Fotografieren geschafft. Auch Zebras sind zu sehen gewesen, meist etwas entfernt, ebenso Klippschiefer.
Trotzdem ist es ein schöner Ritt, besonders als die Sonne tiefer steht. Dieses goldene Licht ist einmalig. Satteln Pferde ab. Dann gehen wir noch mal zum Wasserloch, lassen sie trinken. Heike ist mit, mit einem Eimer Wasser waschen wir die Pferde ab. Staub und Schweiß sollen mal runter. Die anderen lassen ihre dann sogar los, damit sie sich wälzen können. Da Lina wohl mal gern stiften geht, muss sie es am Strick machen – aber auch kein Problem! Sie genießen es alle sichtlich und wir freuen uns mit ihnen.
Dann auf Felsen mit „sundowner“ zum Sonnenuntergang. Heike und Berta auch dabei. Ich genieße dann auch noch mal die Schlauch-Dusche.
Zum Abendessen gibt es total leckeres Kudu-Steak, dazu Kartoffeln in Knoblauch Sahne, dazu Salat mit 3 Sorten Bohnen. Dann „schlägt“ Junias sogar Sahne, mitten im Busch: Sie ist in einer Flasche, die er minutenlang schüttelt. Sie ist für leckere Brownies als Nachtisch. Vorm ins Bett gehen noch mal kurze Aufregung: Tina und Bea haben neben der Lorry einen dicken lebenden Tausendfüßler entdeckt, bisher lagen immer nur tote Hüllen von denen am Boden. Uaah, mein Lieblingstier wird es nicht. Nachts wieder viele Geräusche.