Reisebericht

Ein bisschen Hummeldumm und viel Hufgetrappel

von ontrail · begonnen 21. Sept. 2013 · 12 Teile

Teil 121. Sept. 2013
Hallo!

Im Januar 2013 habe ich meinen Flug gebucht - und danach (und auch davor schon) Stunden um Stunden hier im Forum verbracht und Reiseberichte verschlungen. Auch wenn ich, da ich keine Selbstfahrer-Tour gemacht habe, keine konkreten Tipps brauchte, war es einfach faszinierend und die Vorfreude stieg bei jedem neuen Post den ich hier entdeckte. Zudem gaben die allgemeinen Infos einen guten Eindruck auf was ich mich da eingelassen hatte und worauf ich achten sollte. Wahnsinnig tolle Fotos steigerten mein Reisefieber. Daher soll es nun losgehen mit meinem Reisebericht. Ich hoffe ihr mögt ihn lesen und er ist, trotz "anderer" Reise, trotzdem interessant und vielleicht ja auch hilfreich für andere Alleinreisende.

Nun aber los!

1. Prolog


Allein nach Afrika - warum denn das?

Reisefreudig war ich schon immer. Da ich Single bin, steht schon mal kein Partner zur Verfügung, der mitkommt. Nicht weiter schlimm, doch für die Idee von Afrika konnte ich auch niemanden meiner Freunde und Bekannten begeistern. Zu weit, zu teuer, zu heiß. Und warum ich dahin wollte? Keine Ahnung, vielleicht habe ich als Kind zuviel "Serengeti darf nicht sterben" gesehen. Jedenfall habe ich Dokus über Afrika immer verschlungen, und immer gesagt: ich fahr da mal hin. Dank festem Job ist es in den letzten Jahren möglich gewesen, mir einige Reiseträume zu erfüllen. Und nachdem ich allein nach Island gefahren bin, war klar: Dann fahre ich eben auch allein nach Afrika. Warum niemand mitkommen wollte, hatte aber noch einen speziellen Grund: Als begeisterte Reiterin verknüpfe ich Reisen gern mit Pferden. Und schwupps, war klar: Ich will Giraffen sehen - vom Pferderücken aus. Bei einem auf Reiterreisen spezialisierten Veranstalter habe ich dann einen Trail-Ritt in Namibia gefunden. Eine Reit-Safari in Botswana ist leider unerschwinglich. Und nachdem ich mich dafür entschieden hatte (bereits vor einem Jahr), war klar: Wenn ich schon da runterfliege (und das ist ja auch nicht gerade günstig), will ich noch mehr sehen. So begann meine Zeit im Internet, wo ich mich informierte (auch hier), mir schließlich einen Safari-Anbieter suchte, der das im Programm hatte was ich unbedingt noch sehen wollte und dessen Termine zeitlich zum Ritt passten. Der Flug war auch fix gebucht - und im Januar 2013 war "meine" persönliche Afrika-Traumreise fix und fertig gebucht. Mir blieb nur noch ganz viel Zeit der Vorfreude, mehr als genug Zeit, mir über Ausrüstung und Klamotten Gedanken zu machen und Dinge zu besorgen. Ach ja, und dann gab es einen Schock-Moment: Air Namibia war plötzlich in den "Schlagzeilen", zumindest hier im Forum. Flüge wurden gestrichen, Zwischenlandungen in Angola (wo ich nicht hin wollte), eingelegt. Ich geriet in Panik, recherchierte stundenlang nach den neuesten Infos, registrierte mich hier. Irgendwann dachte ich dann "ok, du fliegst erst Ende August. Bis dahin..." Und ja, bis dahin hatte sich alles normalisiert. Da ich leider auch unter Flugangst leide, war ich ganz froh, dass es noch die alten Maschinen war, weil - so meine Logik - die Piloten diese Dinger wenigsten gut kennen und nicht mit neuer Technik konfrontiert sind (der Absturz in San Francisco kurz vorher war da nämlich noch sehr präsent bei mir 🙁 )

Und damit ihr wisst, bei wem ihr da mitfahrt (aber Achtung, ich bin zwar allein gestartet, habe dann aber wunderbare Begleitung bekommen, könnte also eng werden), hier schon mal ein Foto von mir - in voller Safari-Montur (aufgenommen beim Drive auf Naa'nkuse, dazu später mehr) .

hff51569.JPG


Liebe Grüße, Uta
Teil 221. Sept. 2013
24.8. Anreise

Am morgen um 10 Uhr geht es los, per Bahn von Norddeutschland zum Frankfurter Flughafen. Ich schwitze in der Jeans und der Fleecejacke, die nicht in den Koffer sollten. An dem geht prompt auf dem Weg zum Bahnhof eine der vier Rollen kaputt, so dass ich ihn künftig immer anheben und auf den hinteren Rollen ziehen muss. Uff. Die Bahnfahrt verläuft ohne Probleme, und mit reichlich Zeitpuffer komme ich am Flughafen an. Der Check-in-Schalter ist noch nicht mal offen. Ich bin völlig fertig, habe das Gefühl einen Infekt auszubrüten. Letztlich war es dann doch nur das Reisefieber, denn kaum bin ich da, ist das rumkränkeln wie weggeblasen. Nach dem Einchecken stärke ich mich nochmal beim goldenen M, dann warte ich am Gate. Draußen ist es nun auch trübe. Ich habe einen 2erPlatz für mich allein, so merkt auch niemand, wie ich beim Start die Lehnen umkralle. Meine Reiselust passt leider gar nicht zu meiner Flugangst... Dann gibt es Essen, und danach rolle ich mich irgendwie auf den zwei Sitzen zusammen, um etwas zu schlafen. Etwas neidisch bin ich auf die Reisenden, die geistesgegenwärtig die leeren Vierer-Reihen okkupiert haben und sich dort lang hinlegen. Irgendwann nachts rüttelt es mal etwas, aber ich schlafe doch ein wenig. Nach dem Frühstück beginnt der Landeanflug. Es ist dunkel draußen, und ich stelle fest: Da unten ist offenbar nichts. Keine Lichter zu sehen. Nur ein paar entdecke ich, vereinzelt. Die Vorfreude steigt: Die Weite des Landes offenbart sich in diesem dunklen Nichts.

25.8. Windhoek

Es ist frisch, als wir übers Rollfeld laufen. Die Koffer kommen auch rasch. Die Einreise-Beamtin stempelt mich zack zack ab. Kaum durch die Tür durch, entdecke ich einen Herrn, der ein Schild mit meinem Namen hochhält. Der Fahrer, den ich übers Hostel gebucht hat, und der mich vom Flughafen zur Unterkunft bringen soll. Ich folge ihm zu einem etwas ramponiert aussehenden Auto. Kaum sitze ich drin, verschwindet er, angeblich um Parkticket zu zahlen. Erst 15 min später kommt er zurück, mit einem jungen Franzosen im Schlepptau, der offenbar mit zum Hostel soll. Dann fahren wir los. Ich genieße jeden Augenblick, und sage mir immer wieder "du bist da, du bist in Afrika". Die weite Landschaft, die ersten Paviane...um kurz vor sieben sind wir am Chameleon Hostel. Der Fahrer lässt uns rein, ich registriere die vergitterte Pforte und den hohen Zaun. Das gehört eben dazu. Leider ist die Rezeption noch nicht besetzt, und frierend und übermüdet sitze ich etwa 45 min in der Lobby und warte. Dann checke ich ein und werde sehr freundlich begrüßt. Mein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad ist schon frei. Es ist ein eher dunkles Loch mit einem Waschbecken in einem Gang.

h0eddd93.JPG


Egal, es ist sauber, Handtücher liegen bereit. Die ganze Anlage wirkt gepflegt, es gibt auch Zimmer mit höherem Standard und En-suite-Bad.

he3dbbb3.JPG


Die Duschen und Toiletten nebenan sind neu gestaltet mit Steinen und Metalltüren, alles ok. Ich hatte bei diesem Preis (23Euro) wirklich mit dem schlimmsten gerechnet. In der offenen Küche gibt es Frühstück für alle. Ich mache mir einen Instant-Kaffee, esse Cereals mit Quark und Toast, beobachte die anderen Gäste.

ha086eac.JPG


Wie zu erwarten, junge Backpacker. Aber ich fühle mich wohl und jung genug. Der einzige Unterschied: Backpacker von heute reisen offenbar alle mit Laptop. Ich habe keinen dabei. Es gibt W-Lan, doch ich lasse mein Smartphone stecken und falle erstmal zwei Stunden ins Bett. Nach einer erfrischenden Dusche frage ich an der Rezeption nach, was mit meiner City-Tour ist, die ich gebucht hatte. Es herrscht Verwirrung, dann kommt raus, dass sie nicht stattfindet, da ich die einzige bin, die eine machen wollte. Bin etwas enttäuscht. Zurück im Zimmer, scrolle ich auf dem Smartphone durch meine Mails und finde eine Nachricht von Carsten Möhle, den ich im Zuge der Vorbereitungen auch mal kontaktiert hatte. Ich rufe an und frage, ob es heute noch eine Tour gibt. Carsten persönlich ist dran und ja, es gibt eine Tour, mit drei anderen Leuten, ich kann gern mitkommen. Ich soll um 15 Uhr abgeholt werden. Bis dahin ist noch etwas Zeit, und ich beschließe, in die Stadt zu gehen. Ich frage an der Rezeption nach dem nächsten Supermarkt, mir wird der Weg zum Wernhill Park erklärt - eigentlich nur die Haupstraße runter. Auf meine Frage hin, ob es sicher ist, wird mir geraten, keine Tasche mitzunehmen. Mit etwas Geld in der Hosentasche laufe ich also los. Das ständige Angehupe durch die Taxis ignoriere ich. Da ich auf der falschen Straßenseite bin, verfehle ich den Eingang zur Maill und frage schließlich jemanden. Der junge Mann im Anzug begleitet mich bis zum Pick'n Pay in der Mall, fragt nach meinen Plänen und will schließlich meine Nummer haben. ooops. Ich lächle ihn an und sage dass mein Handy hier nicht funktioniert. Er notiert mir seine Nummer und seinen Namen, falls ich "lost in Windhoek" wäre. Danach kaufe ich ein bisschen Obst, was zu trinken und Instant-Nudeln sowie ein paar Snacks. Über die Post Street laufe ich zurück. Da Sonntag ist, ist nicht viel los. Zurück im Hostel, verspeise ich zum mittag den Fertig-Salat und den Bagel. Wenig später werde ich abgeholt. Carsten steht mit dem offenen Landrover vor der Tür. Eine Frau sitzt schon drin. Wir brausen durch halb Windhoek und holen noch ein Pärchen ab. Dann geht es los. Am klotzigen Präsidenten-Palast vorbei auf einen Hügel mit tollem Blick über die Stadt. Der Landi rumpelt über die mehr als holprige Piste, ein Heidenspaß.

h4f11457.JPG


h55dd42e.JPG



hf7faca6.JPG



Danach geht es durch die City, vorbei an der Alten Feste, der Christuskirche und der "Kaffeemaschine", dem neuen Unabhängigkeitsgebäude. Carsten erklärt viel und lebhaft, wir lachen viel.

hc91c141.JPG


h5047190.JPG


Nach einem weiteren Stop auf einem Hügel, wo Carsten uns die Aloe-Pflanzen zeigt, düsen wir Richtung Katutura. War es in der City heute ruhig, ist es hier sehr lebendig. Das scheint das wahre Windhoek zu sein, wo die Menschen eben leben. Wir wundern uns über die genaue Verteilung der Branchen - eine Straße voll mit Bars, eine mit Friseuren, die andere mit Auto-Werkstätten und Car-Washs - und die lange Hans-Dietrich-Genscher-Straße. Carsten hält natürlich an dem Schild, auf dem das "s" in Genscher fehlt.

hf3123c0.JPG


h0b0f96e.JPG


Danach geht es über eine Schotterpiste auf den Gorengeab-Dam, wo wir den wunderschönen Sonnenuntergang erleben, mein erster in Afrika. Ich strahle vor mich hin und bin schon überwältigt von den Eindrücken.

h6c7664f.JPG


Plötzlich kommt über die Schotterpiste eine Horde barfüßiger Kinder angerannt. Keine Frage, sie wollen zu uns. Die Kids entern den Landrover und dürfen mit zurück nach Katutura fahren. Ihre"more speed" Rufe, gemischt mit ihrer Klicksprache, das Gewusel im fahrenden Auto, ihr Lachen: Die Kleinen werden zu meinem persönlichen Highlight der Tour.

h9607127.JPG


hb931dcf.JPG



hf7c60f0_2013-09-21.JPG




An den Hütten lassen wir sie raus, und in der Dämmerung düsen wir zurück nach Windhoek. Carsten bringt mich zum Hostel. ich bereite mir in der Küche die Fertig-Pasta zu, komme am Tisch mit amerikanischen Studenten ins Gespräch, die hier Forschungsarbeiten machen oder auf Rundreise sind. Ich spüle noch ab und falle ins Bett. Trotz musik und Gelächter, die von der Bar zu hören sind, schlafe ich rasch ein.
Teil 321. Sept. 2013
26.8. (Herero's Day), Windhoek, Naa'nkuse

Ich wache schon um 6 auf. Draußen ist schon was los. Bis 7 wälze ich mich noch im Bett rum. Ist ja Urlaub, aber ich weiß, dass auch der Rest der Reise von frühem Aufstehen geprägt sein werden. So ist das eben in Namibia - ein Wissen, das ich mir auch hier im Forum angelesen habe 😉
Nehme mir wieder was vom Frühstücksbuffett. Die Auswahl ist natürlich minimal, aber für ein Hostel finde ich es absolut toll, dass es überhaupt was gibt. Ich setze mich etwas an den winzigen Pool, schreibe Tagebuch und hole dann meine Sachen aus dem Zimmer. Denn ab heute beginnt die Safari, und da muss ich, obwohl es heute nur einen Tagesausflug gibt, nochmal das Zimmer wechseln. Das Safari-Paket beinhaltet wohl eine etwas bessere Kategorie. Ich habe die 7-Days-Namibian-Highlights Tour gebucht und auch angegeben, dass ich mir das DZ mit jemand teilen würde, um Kosten zu sparen. Keine Ahnung, ob das eine gute Idee war. Die Safari wird auch von Chameleon durchgeführt, daher hatte ich auch das Hostel als Ankunfstübernachtung gewählt. Diee Touren gibt es als Camping-Touren (noch günstiger) und mit Unterkünften. Es heißt viel Namibia für wenig Geld. Da es mir wichtiger war, bestimmte Dinge zu sehen als tolle Unterkünfte zu haben, hatte ich die Tour gebucht. In der Hoffnung, dass ich auch auf nette Leute treffe. Denn immerhin habe auch ich bei Bekanntgabe meiner Reisepläne prompt das "Hummeldumm" Buch geschenkt bekommen. Jaja, die Gruppendynamik...da ich mich aber für anpassungsfähig halte (und mir mein Handyempfang seit gestern auch völlig schnuppe ist) hoffe ich mal das Beste....

Ich lasse den Koffer und Rucksack in der Lobby und gehe dann ins Safari-Büro. um mit Selma, mit der ich mir im Vorfeld auch gemailt hatte, die Formalien zu klären. Ich muss noch so einen Wisch unterschreiben, dass ich auf eigene Verantwortung mitfahre, werde nochmal gefragt ob ich besondere Bedürfnisse habe (nein---ich nicht, aber der Rest der Gruppe...dazu später mehr) und will dann mit Kreditkarte bezahlen. Dann kommt ein typischer Uta-Moment: Sie ist weg...ich muss gestehen, ich bin manchmal ein totaler Schussel, und suche immer irgendwas...und in jedem Urlaub bleiben Dinge buchstäblich auf der Strecke....aber die Kreditkarte???? Mein Herz rast, ich wühle in meiner Handtasche, düse in die Lobby, klappe dort den Riesen-Koffer auf, durchwühle meinen Rucksack. Sie ist weg. Selma meint, ich soll einfach später nochmal kommen und überlegen, wo die Karte sein könnte und nochmal in Ruhe die Taschen durchgucken. Mir rast der Puls. Nochmal alle Taschen durchgucken. Dann der Gedanke: Ok, ich hatte sie im Safe im Zimmer gelassen. Aber da habe ich vorhin alles rausgeholt....Trotzdem hole ich mir nochmal den Schlüssel. Das Zimmer wurde aber in der Zwischenzeit gereinigt...ich stürze zum kleinen Safe, der ja nun offensteht. Da es so dunkel ist im Zimmer sehe ich nichts, meine Hand tastet rum. Nichts. Dann wühle ich das dünne Tuch beiseite, was da unten drin liegt...und da drunter liegt, ganz still und stumm, die Kreditkarte. Puuhhhh, mir poltern die Steine vom Herzen.... und ja, es wird die einzige Suche in diesem Urlaub bleiben..... 😉

Also zahle ich meine 11500 dollar bei Selma - da ist alles inklusive bis auf Getränke. Ein fairer Preis für die Tour, auch im Nachhinein.
Dann mit Robin, einem der Amis von gestern, nochmal zu Fuß zur Mall. Nochmal Wasser, Snack etc. Robin sucht noch eine Plastik-Reissverschluss-Tasche, die wir dann außerhalb in einem Krusch-Laden bei einem Inder (?) finden. Zurück ins Hostel. Kann nun mein neues Zimmer beziehen. "Kudu" ist groß und geräumig, mit Bad und Dusche im Raum. Heute nacht bin ich noch allein, da andere nur 6 Tage gebucht haben ohne den heutigen Ausflug, so dass ich erst morgen erfahre, ob und mit wem ich mir dann die Zimmer teile.

h60d6d42.JPG


h7971b43.JPG


Dann esse ich wieder einen Salat und einen Bagel, diesmal garniert mit leckerem Frischkäse. Dann ist es schon so weit, wir treffen uns zur "Big Cat Experience", ein Ausflug zur Naa'nkuse Foundation. Ich weiß, dass ist mehr Zoo als Safari. Trotzdem freue ich mich, gehe ja auch zu Hause gern mal in den Wildpark. Und hier passt immerhin auch die Umgebung zum Tier. Wir, das sind außer mir noch Melissa, eine Australierin, etwas älter als ich, zwei Freundinnen aus den USA, Poonam und Christina, etwa Mitte zwanzig, und Devyn, ebenfalls Amerikaner und etwas jünger als ich. Ich überlege noch, ob Melissa nicht doch meine Zimmerpartnerin sein könnte, aber sie hat EZ gebucht. Mit einem kleinen Bus geht es dann nach Naa'nkuse. Erst Richtung Flughafen, dann links auf (meine erste) Schotterpiste nach Naa'nkuse. Die Lobby dort in ihrer modernen Stein-Holz Optik ist schon beeindruckend, und ein großes Foto weist darauf hin, dass auch Brad Pitt und Angelina Jolie samt Kids schon hier waren. Wir müssen noch eine Weile warten und dürfen uns an der Tee/Kaffee-Bar bedienen.

h93a8312.JPG




h907d692.JPG



Dann geht es, zusammen mit einem Haufen anderer Gäste, auf zwei offene Safari-Wagen. Ich muss grinsen, endlich sitze ich in so einem Ding (siehe auch Foto im Prolog). Dann geht es los durchs Gelände zur Fütterungstour.


h6d0f636.JPG


Erste Station ist bei "Lucky", einer dreibeinigen Gepardin, die aufgrund ihrer Behinderung nicht ausgewildert und wohl auch nicht vergesellschaftet werden kann. Für ein Stück Fleisch kommt sie herbei und lässt sich auch nett fotografieren. Ich finde diese Katzen faszinierend, doch Luckys Humpeln versetzt mir einen Stich.

h54668ea.JPG



h4e474e2.JPG


Der zweite Stopp ist am Pavian-Gehege. Sieht aus wie ein etwas runtergekommener Spielplatz. Volunteers laufen rund um den Zaun und werfen Futter-Körner rüber.

hca555b7.JPG



hd2b217a.JPG


Dann geht es zu Fuß weiter zu den Karakalen - und wir dürfen mit ins Gehege! Ich bin begeistert. Zwar laufen die beiden Jungs teilweise etwas hospitalistisch am Zaun entlang, aber sie umrunden auch unsere Gruppe, streichen wie jede Katze um unsere Beine und lassen sich streicheln. Vor lauter Kontaktaufnahme verpeile ich es, mal richtig schöne Fotos von den Tieren zu machen. Die eher unbekannten Karakale fand ich schon immer sehr faszinierend, und ihnen hier so nahe zu kommen ist toll.

hd47d480.JPG



h00f57d4.JPG


Danach geht es mit den Wagen weiter zu dem Wildhunde-Rudel. Für mich als Fan von "Hundkatzemaus", der Tiersendung auf Vox, quasi alte Bekannte. Dr. Wolf lässt grüßen. Den Bericht darüber hatte ich gebannt angeschaut, und nun die Tiere zu sehen, die ich nur aus dem TV kannte, ist toll. Zwei Mitarbeiter werfen von einer erhöhten Plattform ein komplettes totes Warzenschwein ins Gehege, auf das sich das Rudel stürzt. Ihr typischen Winseln und Quietschen zu hören, begeistert mich. Innerhalb kürzester Zeit ist das Schwein an der Bauchseite blutig offen und ausgeweidet. Ich frage mich, wie die Kiddies der mitfahrenden Familie das wohl finden?! Ich jedenfalls freue mich, diese Tiere live zu sehen.
FRAGE: Ich habe auch ein Video der Fütterung, kann ich das hier hochladen?

h4eb914a.JPG


h94a5dd2.JPG


h57bd4a2.JPG


h198d853.JPG


Weiter geht es zum Leopardengehege. Ein Männchen und ein Weibchen warten auf das Abendessen. Es ist zwar ein Gehege und eine Art Vorführung, aber es ist trotzdem schön, diese Tiere in ihrer quasi natürlichen Umgebung zu sehen, ganz dicht hinter den Maschen des Zauns. Sie sind größer als ich dachte, im heimischen Zoo, wo sie meist eh regungslos irgendwo oben liegen, war mir das nie so bewusst. Und dann das laute Schnurren und dunkle Fauchen, als das Fleisch nicht schnell genug geflogen kommt...

hb22e0ed.JPG


h3a1b3bb.JPG


Zum Abschluss geht es zu den Löwen, klar, das Highlight der "Show". Ich finde sie zwar auch beeindruckend, aber ich war ja nach Karakalen und Wildhunden schon happy. Clarence, das Männchen, hebt zu einem gewaltigen Sprung 2m vor mir ab um das geworfene Stück Fleisch in der Luft zu fangen. Wooaaah! Sieht zwar nach einstudiertem Kunststück aus, aber eigentlich könnte er ja auch, wie die beiden Damen, warten, bis es vor seiner Nase im Sand landet. Ein Video gibt es davon auch, evtl kann ich das mal hier hochladen.

he9bd683.JPG


he0707b6.JPG


Im Sonneuntergang geht es zurück zum Hauptgebäude, wo Philipp, unser Fahrer, schon wartet. Schnell geht es zurück nach Windhoek ins Hostel. Mache mir ein dick belegtes Sandwich und einen Tee, quatsche noch ein bisschen mit den anderen von gestern. Ich bin hundemüde und gehe um ca. 21 Uhr ins sehr gemütliche Bett.

hc1096cb.JPG
Teil 422. Sept. 2013
28.8. Mittwoch, Etosha, Etosha Village Lodge

Der Wecker klingelt um 5.35. Nach einer Katzenwäsche treffen wir uns alle um 6 am Bus, zum frühmorgendlichen Game-Drive vorm Frühstück. Wir sehen aber nur eine Hyäne aus einiger Entfernung und ein paar Giraffen. Francois fährt mehrere Wasserlöcher an, aber sie sind alle leer. Als wir auf dem Rückweg sind, huscht etwa 200m vor uns etwas über die Straße. Ein Leopard! Es reicht aber nur für ein verschwommeness Bild im Gebüsch.


hc560687.JPG



h1518ce5.JPG



hff995c9.JPG


hb2c9d6b.JPG


hc1b2ced.JPG



h4cf316e.JPG



Zurück im Camp, gehen wir zum Frühstück ins Restaurant. Das Bufett ist gut bestückt, ich lasse mir zudem ein frisches Omelett zubereiten mit Schinken, Salami, Paprika und Tomaten drin. Dann holen wir unser Gepäck aus dem Zimmer und bringen es zum Bus. Um 10 Uhr starten wir. Wir sehen viele Zebras und Antilopen.


h69ea003.JPG


h1bb2673.JPG


Dann fahren wir raus zum Look-Out in der Etosha Pfanne. Das ist mal viel Nichts. Wir probieren verschieden Fotos aus, unter anderem ein Jumping-Group Picture. Francois bekommt von jedem von uns eine Kamera und wir hüpfen somit acht Mal in die Höhe – Sporteinlage. Leider ist auf meinem Bild vom Sprung nichts zu sehen, wir holen alle gerade erst Schwung. Aber die Gruppendynamik ist danach einfach super. Wir lachen über uns selber, alle machen mit.

h42517ec.JPG


hc23d47d.JPG




hdcda750.JPG



h24d67b1.JPG


hd276752.JPG


h2ef2ad3.JPG


Dann geht es noch einmal ins Camp, wo wir den Lunch einnehmen. Einige freche Vögel, Galnzstare und auch ein Rotschnabel-Toko, versuchen, etwas zu stibitzen.


hf4227cb.JPG


hc4a9dc5.JPG


hba6c4ea.JPG


Es gibt Salat, dazu Reissalat mit Thunfisch, Brot mit Wurst bzw. Käse. Wir spülen. Während Francois den Truck startklar macht, haben wir frei. Wir gehen zum Pool, wo wir die Füße reinhängen. Im Shop erstehe ich ein paar Postkarten, Wasser und gönne mir eine Wassereis. Dann fahren wir los. Erst sehen wir nicht viel, an einem Wasserloch dann aber eine Herde Elefanten, Zebras und eine trinkende Giraffe. An einem anderen stehen mehrer Antilopenarten, die nach und nach zum Trinken kommen, ua Kudus. Ich bitte Francois zu warten, bis auch die Kudus ans Wasser kommen. Francosi spornt die Tiere an, als wären es Models: "Come on Baby, hold that pose, give me some more drama, beautiful"...usw.

h607132b.JPG


hf15e57d.JPG



h954ea27.JPG


Das tut er zwar, doch dann drängt er zum Aufbruch. Wir wollen doch Löwen sehen, fragt er. Alle wollen, ich frage mich ob und woher er weiß wo wirklich welche sind. Dann düst er los, fast eine Stunde durch den Park. Dabei hält er sich glaube ich nicht an Geschwindigkeits-Regeln. Jedenfalls rumpelt es so arg, dass auch unser offenes Dach mit einem lauten Knall zufliegt.Ich frage mich, ob die oder der Löwe wirklich dort sind, wo wir hinwollen - und auf uns warten. Am Olifantsbad halten wir, und mit uns ca. 10 andere Autos. Was ein Auflauf. Am Wasser ist aber auch einiges los, eine Herde Elefanten planscht rum.

h94f315b.JPG


h2da058b.JPG



heb77510.JPG



hd1d49d4.JPG



Während wir fotografieren, starrt Francois durchs Fernglas und fragt dann, ob wir „ihn“ sehen. Teleobjektive werden ausgefahren, ich hole mein kleines Fernglas raus. Unter irgendeinem Baum…ich sehe erst nichts, bis ich den richtigen Baum im Visier habe. Tatsache, dort liegt ein Löwe, aber mit dem Rücken zu uns und sehr weit weg. Wir sollen uns setzen, Francois parkt um. Wieder aufstehen, tatsächlich sieht man ihn etwas besser, aber immer noch weit weg. Hm. Dafür kommt die Elefantenherde in Bewegung, geht vom Wasserloch weg, zieht auf ihrem Pfad am Löwen vorbei.

h651bde4.JPG



Nur ein imposanter Bulle bleibt am Wasser zurück. Und dann hebt der Löwe plötzlich den Kopf und steht auf.

h15749e5.JPG



h5c46d95.JPG



Er läuft Richtung Wasser, über die offene Fläche. Das Klicken der Fotoapparate ist fast schon ohrenbetäubend.


Auch der Bulle setzt sich in Bewegung, und die beiden laufen aneinander vorbei (Die Begegnung gibt es nur auf Video). Dann dreht sich der Bulle plötzlich um und kommt direkt auf die Autos zu. Ich halte die Luft an, kann seine Schritte hören. Erst kurz vorm Parkplatz dreht er ab, folgt der Herde in den Busch.

h796d5a1.JPG


hdcb7c08.JPG


Der Löwe, ein junges Männchen, läuft weiter zum Wasser, trinkt kurz und brüllt zwei Mal. Hinter unserem Bus stehen Kuh-Antilopen. Sie wollten wohl nach den Elefanten ans Wasser, aber nun müssen Sie weiter warten. Der Löwe lässt sich nämlich im Schatten des Betonsockels der Wasserpumpe nieder, wieder mit dem Rücken zu uns.

hf8263a9.JPG


h0511509.JPG


Danach müssen wir aber los. Im Camp Okaukuejo machen wir halt, Francois muss tanken. Wir entern den Shop und fotografieren dann die bezaubernden Webervögel-Nester im Baum davor.



h8cac208.JPG




Die Sonne sinkt schon wieder. Eine Giraffe präsentiert sich im Abendlicht, ein Oryx kratzt sich mit seinem horn (dafür ist es also da, genüsslich im Fell, dann halten wir an einem trockenen Wasserloch für den Sonnenuntergang. Tiere sind leider keine da, nur ein Schakal in der Ferne.

hc46f7a2.JPG



h2f0fef7.JPG


Wir verlassen den Park, um kurz dahinter ins Etosha Village zu fahren. Die Rezeption sieht sehr schick aus, es gibt sogar einen Begrüßungsdrink. Wir sind alle aus dem Häuschen, mit einer so schicken Unterkunft hat keiner gerechnet. Leider haben wir nicht viel davon, weil es nun schon dunkel ist und wir morgen wieder früh los müssen. Wir laufen durch den Restaurant-Bereich, wo ein riesiges, vielversprechendes Bufett lockt. Aber wir denken noch, dass Francois wieder für uns kocht. Über kleine Wege geht es zu den Unterkünften. Natasha und ich sind aus dem Häuschen: Es sind Bilderbuch-Lodge-Zelte, erhöht gebaut, mit einer Art Kraal-Zaun drumrum. Neben der Terrasse ist eine kleine Küchenzeile, die Treppen hoch, und man steht quasi im halboffenen Badezimmer, die Dusche ist ein halbrunder Anbau, auch die Toilette ist luftig. Wir sperren das Zelt auf, auch innen schön eingerichtet. Vor dem Bett die Zeltwand lässt sich öffnen, so dass man mit Blick auf den Busch darin liegen könnte. In den Genuß kommen wir aber nicht, die Zeit reicht nicht. Es wird noch dunkel sein morgen früh.

h9d61c81.JPG



h9caffa7.JPG


Wir ruckeln wieder die Betten auseinander, dann gehe ich duschen. Fühlt sich gut an nach dem Etosha-Staub. Während Natasha duscht, trinke ich schon mal ein Savannah aus der Bar. Ein Schrei ertönt, denke an einen Pavian. Als Natasha ins Zimmer kommt, erfahre ich dass sie es war. Irgendwas habe sie am Rücken „angeflattert“ beim Duschen. Da ihr Schrei im ganzen Camp zu hören war, wird abends noch viel darüber gelacht. Wir vermuten, dass es eine Fledermaus war. Wir treffen uns alle an der Bar. Ich war fest der Meinung, dass wir von Francois bekocht werden und nur gegen Aufpreis im Restaurant gegessen wird. Doch nun ist davon keine Rede. Wir bekommen einen Tisch und stellen uns am Bufett an. Wie das geregelt wurde, weiß ich bis heute nicht. Am Grill kann man sich aus Schüsseln Gemüse und Fleisch (Game) auf seinen auffüllen und eine Sauce aussuchen. Das wird dann vom Teller auf die Grillplatte gegeben und von den eifrigen Mitarbeitern angebraten, dazu gibt es Nudeln. Ich lasse mir dann noch ein extra Stück Gnu grillen. Es schmeckt alles fantastisch, die Stimmung am Tisch ist fröhlich. Dann noch mal ans Bufett für Dessert. Kaffee, dazu ein dicker Windbeutel und ein Türmchen aus Vanille-Creme. Wir kommen mit Francois ins Gespräch, erfahren sein Alter (25) und dass seine Mutter auf der Suche nach einer Frau für ihn ist. Vor der hochzeit müsse er dann noch einen Bullen schlachten. Er hat auch schon einen Song in petto, den er auf seiner Hochzeit singen will. Er singt uns kurz vor, und es klingt richtig gut. Danach gehen wir kurz in die Lobby, wo es gratis W-Lan gibt. Ich logge mich kurz mit meinem Smartphone ein und schicke Grüße aus Afrika in die Welt. Um etwa 21.30 geht es ins Bett.
Teil 523. Sept. 2013
29.8. Donnerstag, Fahrt nach Swakopmund, Hotel a la mer

Wir müssen um 5.15 aufstehen. Um 6 steht ein Angestellter vor der Tür. Er sammelt uns alle ein, um uns dann zum Zelt von Francois zu führen. Ob die Angst hatten, dass wir uns auf dem Gelände verlaufen? Ich bin mir sicher, dass der arme Kerl auch länger hätte schlafen können. Irgendwie denkt natürlich auch niemand von uns Afrika-Neulingen und Budget-Reisenden daran, ihm ein Trinkgeld zu geben. Francois hat an seinem Zelt schon den großen Tisch fürs Frühstück gedeckt, wie immer mit Tischdecke. Auf dem Grill lodern Flammen, im Kessel kocht heißes Wasser. Allein das verströmt eine Atmosphäre, die uns alle verzaubert. Und die mich auch kommende Woche begleiten wird – ein Detail, was für mich aber nun zu Afrika dazugehört. Kessel auf offenem Feuer…..seufz.

hcb4bc29.jpg



h6df4923.jpg



h5905fbc.jpg



h597f2f4.jpg



Wir frühstücken, Sandwich, Müsli, frische Orangen. Dann wird es ernst: Natasha hat gestern mit Francois über ukrainische Küche gesprochen (sie hat dort ihre Wurzeln). So kam die Sprache auf Coleslaw, den sie lecker findet und oft selbst macht. Tja, irgendwoher hat Francois Weißkohl und Karotten. Und daraus soll Natasha nun Coleslaw machen. Lachend helfen wir alle. Doch wie sich zeigt, sind wir zwar alle gestandene Frauen und teilweise sehr intelligente Wesen, die zb zum Theme Mikrobiologie promovieren – aber wie schält man eine Möhre? Einen Sparschäler gibt es nicht, und Natasha gibt zu, immer fertig kleingehäckselten Kohl zu kaufen. Nun ja, gemeinsam schälen und schnippeln wir alles kurz und klein. Dann spülen wir noch, alles wieder ab in die Kisten, die Taschen verstaut. 7 Uhr ist Abfahrt. An der Rezeption warten. Francois kommt wieder, er hat noch in Restaurant-Küche Öl für den Coleslaw abfüllen lassen. Wir fahren Richtung Khorixas, biegen ab Richtung Uis. Heute stehen die „Eingeborenen-Encounter“ auf dem Programm. Menschen-Zoo? Ich weiß immer nicht so recht was ich davon halten soll. Aber spannend finde ich es schon. Und den Schotten im Kilt samt Dudelsack fotografiere ich ja auch, gegen einen Obolus. Also mal sehen. Irgendwo auf dem Weg halten wir an der Straße, wo Holzverschläge stehen und Herero-Frauen Sachen verkaufen. Wir purzeln alle raus, der zweite Chameleon-Bus hält auch. Etwas unsicher verteilen wir uns. Schnell ist das Prinzip klar: Man kauft was und darf dafür Foto machen. Ok. Da ich eh noch keine Souvenirs geshoppt habe, warum also nicht hier? Kaufe ein Püppchen und fotografiere die Frau in Tracht. Frage sie nach der deutschen Singer-Nähmaschine, an der sie arbeitet und erfahre, dass das gute Stück schon 70 Jahre in Familienbesitz ist.

hc66753c.jpg


h06a8155.jpg



Weiter geht es, immer am Brandberg entlang, der sich rechts etwas unwirklich aus der Ebene erhebt.

h87b3bcf.jpg


Irgendwo im Nirgendwo fährt Francois und auch der 2. Truck rechts ran, unter einen großen Baum. Fix werden Klapptische und Stühle rausgeholt, der Tisch gedeckt. Natasha füllt Essig zum Öl in die Plastikflasche sowie Salz und Pfeffer. Hüpfenderweise wird das Dressing geschüttelt, das Öl will nicht so richtig sich vermischen. Doch mit viel Körpereinsatz gelingt es, und der Coleslaw schmeckt richtig gut. Dazu gibt es noch Gurken-Tomaten Salat, der frisch geschnippelt wird, dazu Sandwiches.

h552a811.jpg



h5c4e449.jpg


Als Toilette dient das trockene sandige Flussbett, in das jeder mal ein Stück hochstapft und hinter irgendwelchen Büschen verschwindet. Aus der Ferne hat man uns erspäht. Eine Frau und ihre Kinder kommen schwerbepackt an und bauen Ruckzuck ihre Waren auf, in Reih und Glied hängen da nun Ketten und Mobiles. „Go and do your shopping“ fordert Francois uns auf. Ok, also wieder dasselbe Spiel: Kaufe eine Kette und fotografiere dann, der Rest der Gruppe auch.

h3bb5877.jpg


h3d6589a.jpg


h4a53639.jpg



Dann geht es weiter. Der nächste Stopp ist ein Stand mit Himba-Frauen. Ich bin etwas irritiert über die Zelte aus Plastikmüll, die in einiger Entfernung dazu stehen und offenbar ihre Behausungen sind. Dann wieder das gleiche Spiel: Armband kaufen, Fotos machen. Ich gebe zu, die Frauen sind interessante Motive. Ich hoffe nur dass diese Kultur auch um ihrer selbst willen und nicht nur als Touri-Attraktion überlebt.

h1077bb7.jpg



hb325870.jpg



Danach halten wir in Uis an der Tankstelle. Zur Toilette, 2 Dollar für die Aufpasserin, dann geht es weiter. Wir verlassen die bergige Gegend und eine gefühlte Ewigkeit fahren wir auf Sandpad durchs nichts. Immer geradeaus, bis da plötzlich ein Schild steht und dahinter das Meer. Wir biegen links ab, nach Süden. Fahren durch Hentjes Bay durch und halten dann an einem Schiffswrack. Als wir aussteigen, kriegen wir alle einen Kälteschock. Habe meine Fleecejacke im Bus, aber kurze Hose an. Es ist total diesig, windig, bewölkt und grau. Der perfekte Tag an der Nordsee….ich fühle mich wie auf Sylt. Irgendein Scherzkeks hat ein etwas grusliges Skeleton-Coast-„Schild“ aus undefinierbaren Knochen in den Sand gelegt. Durchgepustet flüchten wir alle schnell wieder in den Bus.

h8754142.jpg



h07c41f3.jpg


h76ce37b.jpg


Fahren bis Swakopmund. Francois kurvt scheinbar etwas ziellos durch den Ort und macht uns auf alle Annehmlichkeiten der Zivilisation aufmerksam. „Oh, Kentucky Fried chicken, good, there is a Spar, you can go there, this is a good restaurant“. Der Sinn dieser Rundfahrt erschließt sich mir nicht ganz, da wir superwenig Zeit in Swakop haben und es mittlerweile schon später Nachmittag ist. Dann zum Hotel a la mer. Fahren auf den Hof, checken ein. Natasha und mein Zimmer ist leider unten und daher etwas dunkel. Die Steinwände sehen sicher ganz schick aus, doch da die Luft so feucht ist und so wenig Licht im Zimmer, wirkt es eher wie eine ungemütliche Höhle. Natasha nutzt sofort Strom zum Aufladen und WLan zum Facebooken.


hfb0d7e4.jpg


h565883b.jpg


Dann will sie unbedingt in die Stadt und einen richtigen Kaffetrinken. Ich laufe nur mit ihr zur nächsten Ecke, wo auch ein Supermarkt ist. Kaufe 5-Liter-Kanister Wasser und ein bisschen Schoki und Chips. Bringe die Sachen ins Zimmer und laufe dann runter zur Jetty. Der Wind bläst, ich fühle mich wirklich wie an der deutschen See. Kein Wunder, dass die Kolonialisten sich hier wohl gefühlt haben. Aber ich bin nicht deswegen nach Afrika geflogen, zu groß ist die Ähnlichkeit. Trotzdem verbringe ich einige Zeit auf der Jetty, fotografiere den Sonnenuntergang und genieße das Meer, das ja überall einfach immer wunderschön ist.

h2487849.jpg



he3c7822.jpg


Dann Treffen zum Abendessen. Melissa und die beiden jungen Deutschen kommen nicht mit ins Restaurant, dass heute statt Francois’ Küche auf dem Programm steht. Es kostet extra, die beiden Studentinnen wollen sparen, Melissa ihre Ruhe. Wir anderen laufen also die wenigen Meter zum TUG direkt an der Jetty. Das um ein altes Schiff gebaute Restaurant hat schon Atmosphäre. Wir müssen noch an der Bar im „Schiffsbauch“ warten und stoßen schon mal mit einem Bier an, bevor wir den Tisch im oberen Stock beziehen. Ich gönne mir „Oryx Surf and Turf“, ein großes Oryx-Steak mit einer Riesen-Garnele und einem gefüllten „Squid“, dazu Pommes und etwas Salat. Schmeckt sehr gut, der Preis samt Bier ist auch annehmbar. Francois, der Sänger, wollte uns überreden, dass wir alle unsere Nationalhymnen singen. An der Aufgabe scheitern wir kläglich, ich kriege auch kaum den Text zusammen. So reden wir aber alle über unsere Herkunftsländer. Da Poonam zwar in den USA lebt, aber aus Indien stammt, auch Christina ukrainische Wurzeln hat etc wird es ein sehr interessantes Gespräch. Ich komme nicht umhin, nach meinem Versagen bei der Nationalhymne auch zu erklären, dass Deutsche sich eben aufgrund der Geschichte immer noch schwer tun mit nationalen Symbolen. Francois kriegt separate Rechnung, offenbar kriegt er Prozente weil er uns da reingelotst hat. Einige finden dieses Geklüngel unmöglich, ich denke mir nur, dass so eben das Business funktioniert und kenne das auch von anderen Reisen. Seine eingepackten Speise-Reste gibt er dann dem frierenden Parkplatz-Wächter. Um 22.30 geht es ins Bett.
Teil 624. Sept. 2013
Fortsetzung
Nun kommt noch ein Gast hinzu, Marie, eine Franko-Kanadierin. Die Fahrt wirkt daher erstmal ungewohnt, da es mit ihr, Abel, Kristy und Natalie doch um einiges voller ist. Muss auch zusehen, wo ich meinen Rucksack hinquetsche. Dann fahren wir ewig durchs nichts. Wirklich nichts. Doch bald schon (das after-Boarding-Beer bzw Coke fordern ihren Tribut) melden wir eine Toiletten-Pause an. Aber es gibt noch nicht mal Büsche wie bisher! Francois hält, als neben der Straße Sandhügel im Abstand von etwa 20m liegen, die offenbar zum Straßenbau verwendet werden oder wurden. Wir gehen dahinter in Deckung, nacheinander bei den nächsten beiden Haufen. Wobei Deckung relativ ist: Wenn die Gruppe am Bus einen nicht sehen kann, hat dafür derjenige freie Sicht, der von hinten auf der Straße kommt. Gottseidank ist der Verkehr hier ja mehr als dürftig. Wir erklimmen dann die Gegend des Kuiseb-Canyons. Das schroffe Gebirge ist schon eine Mondlandschaft. Am Foto-Stopp erzählt Abel die Geschichte der beiden deutschen Geologen, die sich im 2. WK hier versteckt haben. Das Buch steht schon auf meiner Nach-Namibia-Erinnerungs-Lektüre-Liste.

h6555901.jpg


h089354b.jpg



Auch wir machen einen wohl obligatorischen Tankstopp in Solitaire, und die pittoreske Anlage mit den Autowracks verleitet natürlich zum ausgiebigen Fotografieren. Apfelkuchen kaufe ich nicht, mir ist nach einem Cornetto-Eis aus dem Shop. Schokolade!!!! Das braucht Frau einfach manchmal.

h9bf511c.jpg



h25d423d.jpg


Ein weitere Fotostopp wird natürlich am Wendekreis des Steinbocks eingelegt, für mich ganz witzig, da das mein Sternzeichen ist.

h45ceb7b.jpg


Auf der Fahrt sehen wir noch eine Herde Oryx, die vor uns die Pad überquert, und interessante Felsformationen.

h287498c.jpg



ha0d5b41.jpg


Fast pünktlich zum Sonneuntergang erreichen wir das Desert Camp kurz vorm Eingang zum Sossusvlei Park. Die Anlage, im goldenen Abendlicht, schön vor einer Felskette gelegen, mit Blick in eine Ebene und dahinter Berge, finde ich wunderschön. Die festen Zelte mit gemauertem Bad und Terrasse sehen so aus, als könnte man es da gut eine Zeit aushalten. Ein Grill steht an jedem Zelt bereit plus Küchenzeile. Wir als Gruppe nutzen aber eine der beiden Gemeinschaftsküche, die links und rechts vom Pool stehen. Es ist eine reine Selbstversorger-Unterkunft. Wir knipsen im Abendlicht, was das Zeug hält. Afrika aus dem Prospekt.

hae08154.jpg


hf434bb1.jpg


h16a0d97.jpg


h687badf.jpg



h7302746.jpg


Natasha duscht als Erstes, ich danach. Leider ist offenbar nicht genug warmes Wasser da, beim Haarewaschen wird es etwas kalt. Tja, und das ist auch das Motto des Abends. Nach dem Duschen ziehe ich (fast) alles an was ich habe, inklusive der langen Unterhose. Als ich die eingepackt hatte, fand ich das ja doch etwas komisch (hallo, ich wollte nach Afrika, nicht nach Island), aber nu weiß ich warum. Da ich nasse Haare habe und kein Föhn, schenkt Natasha mir ihre ausgediente Camping-Mütze, die schon mit in Botswana war. Der Boma-Essensbereich ist zwar wunderschön, aber die eisige Nacht samt kaltem Wind sind fies. Wir sehen alle aus wie bei einer Winter-Expedition, unsere beiden Guides kommen gar nicht erst aus der etwas wärmeren und vor allem windgeschtützten Küche raus. Es gibt gegrilltes Kudu und Würstchen, dazu Kartoffeln, Butternut in Alufolie und Gemüse-Sauce. Wie im Laufe des Tages quasi nebenbei rauskam, hat Kristy, eine der beiden „Neuen“ heute Geburtstag. Und ihr Freund hat wohl extra bei Chameleon angerufen und Kuchen geordert. So stellt Francois zwei aus Swakop mitgereiste Schwarzwälder-Kirsch-Torten-Berge auf den Tisch und wir singen alle Happy-Birthday. Der Kuchen ist supersüß, aber ein willkommenes Dessert. Wir überreden Francois, in Nama „Happy Birthday“ zu singen. Die Klicklaute sind mir bis heute ein Rätsel, obwohl er sie uns mehrfach vorgeführt hat.

h6c6cbc2.jpg


Wir freuen uns dann alle aufs Spülen, weil das Wasser warm ist (!!!) und wir alle kalte Finger haben. Da es so eisig ist, verkrümeln sich schnell alle in die Zelte, auch wenn es da nicht wärmer ist, aber windstill. Wir kramen noch sämtliche Extra-Decken aus einer Kiste. –mit Mütze und 2 Hosen gehe ich ins Bett. Die drei Decken halten zwar warm, sind aber unglaublich schwer und ich fühle mich erdrückt. Wache nachts mehrmals auf, weil meine Nase so kalt geworden ist.
Teil 727. Sept. 2013
31.8. Samstag, Sossusvlei

Um 5.15 klingelt der Wecker. Mühsam krabbel ich unter den Decken hervor. Es ist so kalt! Wechsel schnell das Shirt, ziehe, in der Hoffnung dass es bald warm wird, die lange Unterhose aus und im Dunkeln laufen wir zur Küche. Wir frühstücken alle schnell, mehr oder weniger im Stehen. Eine Schüssel Cornflakes mit Quark, eine Scheibe Brot mit Erdnussbutter. Dann geht es auch schon hinein in den guten alten Pumba. Fahren an der Sossuvlei Lodge vorbei in den Park hinein. Wir machen Fotostopps an den Dünen, unter anderem Düne 45.

hac46409.jpg


heb4588d.jpg


hfb65b1b.jpg


Fahren dann aber durch bis zum großen Parkplatz vorm Vlei. Wie immer müssen einige noch mal auf Toilette, dann entern wir einen der bereitstehenden Shuttel-Jeeps, um durch den Tiefsand zu fahren. Dort steckt auch prompt ein Selbstfahrer fest. Unser Fahrer steigt aus und ruckelt das Fahrzeug ruckzuck wieder frei. „They know how to drive here“ meint Francois. Am Vlei marschieren wir los, Francois mit Stock und Hut zeigt uns mit ein paar Tropfen Wasser, wie ein der „verdörrten“ Pflanzen zum Leben erweckt wird.

h5b9408d.jpg


Dann geht es Richtung „Big Daddy“ der großen Sanddüne. Melissa will unbedingt ganz nach oben, die beiden junge Deutschen auch, schnell gehen sie voran. Denn eigentlich ist der Weg zur Spitze nur optional, gedacht ist, dann irgendwo ins Deadvlei runterzusteigen und zurück zum Parkplatz zu gehen, wo ein 2. Frühstück angedacht ist. Aber irgendwie wird der Plan nichts: Die Gruppe reisst es auseinander. Abel geht irgendwann an mir vorbei, Kristy und Francois bleiben hinter mir. Als mich der Rest überholt, frage ich noch ob sie wissen, wo es runtergeht und wo wir hinmüssen. Keiner weiß es so genau. Also folge ich den anderen, immer weiter, entlang des malerisch geschwungenen Dünenkammes, mit Blick ins Deadvlei.

hdda6e43.jpg


hafd69e3.jpg


Es wird wärmer, die Jacken-Schichten fallen. Ich bin begeistert: Wüste wie im Bilderbuch! Dann hole ich plötzlich die anderen ein: Eine fiese Stelle, an der es recht steil hochgeht und der Sand rutscht. Es sind nur ein paar Meter, aber alle kämpfen. Ich auch. Dann noch mal ein Stück den Kamm hoch, und ich bin oben. Die anderen sitzen schon im Sand und genießen den Panoramablick.



he41412b.jpg


hf2f6446.jpg



hdc577ad.jpg


Devyn grinst mich an und meint, ich würde wohl meine Grenzen überwinden mit der Gruppe – erst das Sandboarding, nun das Erklimmen von Big Daddy. Da hat er nicht ganz unrecht – Gruppendynamik eben! Abel verteilt Müsliriegel zur Stärkung (nicht geeignet für Melissa, die etwas verärgert reagiert). Und dann beginnt der spaßige Teil: Der Abstieg, geradewegs runter ins Deadvlei. Der Sand ist wie Wasser, wir versinken darin und rutschen mit ihm immer ein Stück hinab. Wirklich seltsam und lustig. Als ich unten ankomme, ist ein Teil der Gruppe schon am anderen Ende vom Deadvlei, einige aber noch oben. Irgendwie war dieser Ausflug bestimmt anders geplant…. Wir leeren unsere Schuhe aus, und über den harten weißen Boden geht es durchs Deadvlei. Ich bin begeistert von der Szenerie, der Grund, der rote Sand, blauer Himmel, schwarze Bäume. Am Ende wartet Abel und erklärt noch den Unterschied zwischen Dead- und Sossusvlei und die Anpassung der Pflanzen.

h8011e3e.jpg


hecc5b0a.jpg



h98e727b.jpg


h31cf6d8.jpg


Dann laufe ich mit Devyn und Natalie zum Parkplatz. Abel muss noch auf die letzten Nachzügler warten und wirkt schon etwas ungeduldig. Vielleicht hätte man uns ohne genaue Ansage einfach nicht in dieser Sandkiste loslassen sollen. Wir warten, bis alle zusammen sind, dann geht es mit Jeep-Shuttle das kurze Stück ans Sossusvlei (warum wir das Stückchen nicht gelaufen sind, ist mir ein Rätsel…) Dort hat Francois mit Kristy schon einen Picknicktisch unter einem Baum gedeckt, die Boxen sind auch per Jeep hergekommen. Es gibt Sandwiches, Gurken und Tomaten. Danach einpacken, per Shuttle zurück durch Tiefsand. Da steckt wieder einer fest, wird schon abgeschleppt. „Everyday Business“ meint Francois nur. Am großen Parkplatz geht es wieder in „unseren“ Pumba, ein Schakal taucht auf in der Hoffnung auf Futter. Gar nicht scheu, das Tier.

h7284c62.jpg


Wir fahren zurück zur Düne 45. Ein paar von uns laufen da auch noch hoch, ich streike, da es mittlerweile auch richtig heiß ist.

h9df95a2.jpg



Danach fahren wir ins Desert Camp zurück. Auf dem Plan steht was von längerer Mittagspause. Hm, die fällt quasi aus…wir haben uns da auf Big Daddy doch etwas verfranst, scheint mir. Sind 14.30 da, ziehen uns kurz um, frisch machen. Dann zur Küchen-Area, wo es um 15 Uhr Lunch gibt. Es gibt Nudelsalat, lecker. Mit geriebenem Käse. Danach ist schon wieder Abfahrt, es geht zum Sesriem Canyon. Wir halten im flachen Nichts, und ich frage mich, wo der denn nun ist – bis wir aussteigen und zur Kante laufen. Logisch, ein Canyon ist ja etwas, was sich in die Erde eingegraben hat.  Abel steigt mit uns hinab, Francois bleibt im Bus. Irgendwie ist er schlecht drauf seit heute morgen. Wir laufen hindurch und klettern am Ende alle auch noch über die Felsen, um den kleinen Tümpel zu betrachten, der da noch als Wasserrest ist – inklusive Fische!

hc247012.jpg


h04ac34f.jpg



Ich habe schon einige Schluchten gesehen und finde den Canyon zwar schön, aber nicht so spektakulär. Aber es ist toll, auch diese Landschaftsform hier zu entdecken. Und es herrschen angenehme Temperaturen. Wir fahren zurück zur Lodge. Mit Kristy, Marie und Natalie setze ich mich auf eine Bank, hören Musik, trinken einen Sundowner – Savannah ist meins – und unterhalten uns. Als die Sonne weg ist, wird es nicht ganz so kalt wie gestern, aber ich ziehe meine lange Unterhose noch mal an. Zum Dinner gibt es Hühner-Potje mit Reis, als Nachtisch Obstsalat mit Custard-Vanille-Sauce. Wir entzünden in der Feuerschale Holz und stehen eine Weile um die Flammen herum. Es ist unser letzter Abend, und wir werden wehmütig. Nebenbei gehen Listen herum, in die jeder seine Kontaktdaten einträgt. Fotos austauschen, vielleicht in Kontakt bleiben – in Zeiten des Internets Gottseidank kein Problem. Leider ereilt uns dann noch die Nachricht, dass heute Nacht die Zeit umgestellt wird – eine Stunde vor. Da wir früh aufstehen sollen, begeistert das niemanden. Natasha und ich sind dann auch schon 21 Uhr im Bett. Auf dem Weg zum Zelt verrenken wir uns den Nacken, um den Sternenhimmel samt Milchstraße zu bewundern. Nacht in der Wüste - wunderschön.
Teil 828. Sept. 2013
1.9., Sonntag, Solitaire Guest Farm/Windhoek

Kaum zu glauben, aber der letzte Tage meiner Gruppenreise bricht an…ich hätte noch weiter fahren können. Der Wecker klingelt nach neuer Zeit um 6.30, es fühlt sich aber nach der alten Zeit um 5.30 an. Wir schleppen unser Gepäck mit vor zur Küche. Dort gibt es Frühstück, heute warmen Porridge. Wie wir gestern erfahren haben, gibt es heute nämlich kein Mittagessen. Naja, das stand auch so in der Beschreibung, nur hat das keiner mehr auf dem Zettel gehabt. Die Gesichter waren lang, und Abel und Francois sprechen von einer Überraschung, die sie stattdessen haben. Wir spülen und müssen dann noch eine Weile warten, bis die Jungs alles wieder verstaut haben.

h108bd9c.jpg


Um 7.30 ist Abfahrt. Wir fahren auf die Solitaire Guest Farm, wo wir von süßen Hunden und einem etwas unfreundlichen Mann begrüßt werden – bzw von letzteren auch nicht so richtig, er meckert irgendwie rum dass Francois zu schnell gefahren sei oder zu weit auf den Hof, ich weiß es nicht so genau. Wie schon im Hotel im Swakopmund beschleicht mich das Gefühl, dass die Safari-Tour-Gruppen nicht so beliebt sind, was mich ziemlich sauer macht. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob es da im Hintergrund irgendwelchen Ärger um Buchungen oder Geld gibt. Jedenfalls kommt dann Simone, die mit uns ins Geparden-Gehege fahren will. Dann stellen wir fest, dass der offene Jeep einen Platz zu wenig hat…offenbar wurde da eine falsche Zahl durchgegeben. Jedenfalls bekommt Poonam vorn zwischen Fahrer und Beifahrer nun einen Not-Sitz aus mehreren Kissen gebastelt und los geht es. Wir passieren das große Tor ins Gehege. Hier leben Geparden, die aus versch Gründnen nicht mehr ausgewildert werden können, aber auch nicht wirklich zahm sind. Platz scheinen sie aber mehr als genug zu haben. Da morgen der Tag der Extra-Fütterung sei, wären die Tiere bestimmt hungrig und wir würden sicher welche sehen. Kaum gesagt, stolzieren schon zwei heran. Es sind Brüder. Stolz, groß, wunderschön. Sie tragen Funkhalsbänder, mit denen man sonst ihren Standort bestimmen kann. Sie nähern sich dem Auto, drehen aber wieder ab, als es nichts gibt. Wir fahren weiter und entdecken kurz darauf – ohne dass über Simones Antenne etwas zu hören war – zwei weitere Geparden an einem Busch. Es sind Mutter und Tochter, von der die eine einen Sehfehler hat. Auch diese kommen angerannt und reagieren mit Fauchen, als sie sehen, dass Simone nur Gras geworfen hat, um sie zu locken und kein Fleisch. Ist ja auch gemein. Von hinten nähern sich nun noch die Brüder, so dass wir quasi von Geparden umkreist sind. Leider müssen wir nach wenigen Minuten schon zurück. Unser Zeitplan!


h70cea21.jpg


hf6d5301.jpg


he3c01fe.jpg



h922049a.jpg


h6c5f288.jpg


hcac0c85.jpg


Zurück auf der Farm geht es noch mal auf Toilette, dann alle wieder in den Bus. Francois und Abel sind während unseres Geparden-Ausflugs offenbar nach Solitaire an die Tankstelle gefahren und haben Apfelkuchen für alle besorgt. Ich finde es total süß, vor allem nachdem ja überall von DEM Apfelkuchen zu lesen war. Aber irgendwie ist die Gruppe nur mäßig dankbar, finde ich, und ich merke, wie ich mich fremdschäme. Doch ein erster Gruppenkoller? Jedenfalls fahren wir dann eine lange Strecke zurück Richtung Windhoek. Der Kuchen wird dann nach und nach doch verteilt und gegessen. In Rebohoth machen wir einen Tank- und Toiletten-Stop. Um 15 Uhr sind wir wieder in Windhoek im Chameleon Hostel. Wir machen noch ein Gruppenfoto, Gepäck wird verteilt. Natalie, Kristy und Marie werden noch woanders hingebracht, Poonam und Christina werden zum Flughafen gebracht. Also erste Abschiede. Devyn, Natasha, die beiden Deutschen Mädels und ich bleiben im Hostel. Irgendwie ist die Gruppe plötzlich aufgelöst, wir checken ein. Natasha und ich haben gestern lange überlegt, was mit Trinkgeld für Abel und Francois ist. Ich wollte sammeln, doch andere wollten dann gar nichts geben. Im Endeffekt hat dann niemand etwas gegeben, und später plagt mich mein schlechtes Gewissen. Auch wenn wir alle keine Großverdiener sind…
An der Rezeption liegt eine Nachricht für mich. Bea, eine der Mitreiterin für mein 2. Abenteuer hier in Namibia, war wohl mittags da und fragt, ob wir abends essen gehen. Ich rufe sie kurz an und schnell verabreden wir uns für Joe’s Beerhouse, weil es das erste ist was mir auf die Schnelle einfällt. Danach räume ich mein Zeug in mein kleines Einzelzimmer, wieder in dem Gang wo ich am Anfang auch war. Ich sammel einige Klamotten zusammen und wasche diese per Hand in einem großen Waschbecken, daneben sind auch Wäscheleinen.
Danach relaxe ich kurz am Pool und schreibe Tagebuch. Devyn kommt dann vorbei, wollen Kleinigkeit essen gehen. Wir laufen los, doch das Restaurant wo er hinwollte hat noch zu. Laufen weiter bis zur Poststreet, wo, da ja Sonntag ist, tote Hose ist. Ein Café hat aber offen, wir setzen uns auf die Veranda, ich trinke einen guten Cappuccino und esse ein überbackenes Toast. Wir laufen zurück. Ich dusche kurz und bestelle mir ein Taxi. Mit dem Rest der Truppe dann noch Anstoßen an der Hostel-Bar und quatschen, bis das Taxi kommt. Es wird etwas später, da ich es mir dann mit einem dt. Paar teilen kann, die auch zu Joe’s wollen. Als ich ankomme, wartet Bea schon. Ich kenne sie nur von einem Treffen vorab in Hamburg, der Reiseveranstalter hatte uns vermittelt, da wir uns das Zimmer teilen. Sie hier zu treffen wirkt fast surreal. Sie hat auch schon 2 Wochen Rundreise hinter sich, mit ihrer Tochter. Die hat sie heute zum Flughafen gebracht und ist daher etwas traurig. Als wir unseren Tisch bekommen, irgendwo drin, genehmigen wir uns erstmal einen Tequila. Joe’s ist ja wie eine Art Themenpark-Restaurant, total groß, überall hängt Deko vom Kudu-Gehörn bis hin zu Jägermeister-Flaschen. Ich finde es aber ganz nett. Ich bestelle Zebra, und es schmeckt auch ganz gut, etwas zäh.


h14a8e91.JPG


h19d2612.JPG


Wir erzählen uns von unseren bisherigen Reiseerlebnissen und überlegen, wie es nun wohl weiter geht. Morgen werden wir an meinem Hostel eingesammelt. Als wir gehen wollen, entdecke ich an einem der Nebentisch Kristy und Natalie aus der Safari-Gruppe. Großes Hallo und etwas Quatschen. Sie sind heute in der Heinitzburg untergebracht, auch nicht schlecht. Dann endgültiger Abschied. Ich will Taxi bestellen, aber habe keine Nummer von einem Driver. Etwas Chaos, dann fährt mich irgendein Typ heim, der angeblich für Joe’s arbeitet. Ich wusste nicht, dass man quasi „seinen“ Fahrer braucht. Im Hostel ist noch Licht bei Natasha, und ich klopfe und verabschiede mich. Dann falle ich ins Bett, das erste Mal seit einer Woche wieder allein.

Fazit: Die Gruppenreise war genau das Richtige für mich. Sicher hatte ich auch viel Glück mit den Leuten. Es war keiner „hummeldumm“, selbst Melissas Ernährungsprobleme waren nur ein Ärgernis am Rande. Natürlich lag es auch daran, dass es alle offene, relativ junge Leute waren, bis auf die beiden schüchternen deutschen Mädels, die eben einfach sehr ruhig und für sich waren und daher nicht so „aufgefallen“ sind. Natürlich ist es ein straffer Zeitplan und es bleibt kein Raum für eigene Bedürfnisse, so dass ich ja auch auf die Little-Five-Tour verzichten musste. Aber die Tour war super organisiert, nette Guides, das Essen gut, die Unterkünfte ebenfalls. Daher habe ich in der kurzen Zeit, die ich zur Verfügung hatte, genau das gesehen was ich unbedingt sehen wollte. Ein 2. Mal würde ich dort nicht mit einer Gruppe hinfahren wollen, da ich nun weiß, an welchen Ecken ich gern mehr Zeit hätte oder anderes gemacht hätte. Auch in Etosha ist es sicher angenehmer, selbst zu fahren und sich mehr Zeit für Beobachtungen nehmen zu können. Um als Alleinreisender aber auf einfache Art zu einem relativ günstigen Preis möglichst viel zu sehen, war es perfekt. Und viel Spaß hatte ich mit der „Pumba-Gang“ zudem auch noch – allein wäre es doch etwas einsam gewesen. Geteilte Freude ist eben doppelte Freude!

Morgen beginnt dann der 2. Teil meines Afrika-Abenteuers. Dieser wird etwas „entschleunigter“, dafür intensiver, so dass die beiden Teile sich perfekt ergänzen. Nur das eine oder das andere wären nicht so gut gewesen, da die Reiterei mir nur einen winzigen Teil des Landes erschließen wird, nur die Safari aber doch ein zu sehr „Touri“ mäßiges Reisen gewesen wäre.
Teil 924. Okt. 2013
6.9. Trail Erongo

Ich schlafe schlecht, wache mehrmals auf weil ich trockenen Mund habe. Die Trockenheit ist echt krass. Ein guter Lippenpflegestift und Hand- oder sogar Fettcremes kann ich nur empfehlen, zumindest zu dieser Jahreszeit. Wir sind alle früh wach. Frühstück am Feuer. Um 9 Uhr geht es zu den Pferden, die die Nacht auch gut überstanden hat. Unter Junias Aufsicht fülle ich Pellets ab – am Ende des Trails lässt er uns das auch so machen  Nachdem die Pferde gefrühstückt haben, putzen und satteln. Reiten an Lorry vorbei.

h63fb1e3.jpg



h00b41f6.jpg


Abschied von Alina. Sie will am Wochenende auf eine Hochzeit und wird heute mit ihrer Mutter Heike tauschen. Auch wenn wir nun gestern durch Busch geritten sind und der Boden dort ja auch hart war, wird es nun zunehmend steiniger. Wir reiten ja auch auf die Erongo-Berge zu. Plötzlich vor uns Felsen, auf denen rundgeschliffene Riesen-Kugeln liegen. Plötzlich vor uns quasi Felswand. Wir müssen absteigen. Junias läuft vor… es ist eine enge Felsspalte, der Boden nackter Fels mit Steinbrocken. Ich habe ja Mühe, drumrumzulaufen…doch die Pferde gehen trittsicher durch die Engstelle hindurch, kein Zögern, kein Stolpern. Dahinter sitzen wir wieder auf. Tina stellt fest, dass sie einen Handschuh verloren hat. Junias sitzt ab, drückt Miriams Zügel Bea in die Hand, und läuft, ganz Gentleman, zurück. Wir wundern uns nur dass es solange dauert. Als er zurückkommt, entschuldigt er sich, er habe den zweiten nicht gefunden. Tina entschuldigt sich für das Missverständnis – sie hatte ja nur einen vermisst. Lachend geht es weiter. Wir müssen wieder durch ein gut gesichertes Tor und verlassen damit das Farmgelände. Dahinter dornige Bäumchen. Junias starrt darauf und biegt plötzlich von dem Weg ab mitten rein. Wir folgen verwirrt, bis auch wir sehen was er sieht: Eine Giraffe samt Jungtier! Wir umrunden die beiden eine Weile mit den Pferden.

h5fd3e23.jpg



Wir staunen, die beiden schauen uns auch neugierig an. Wow! Ich hatte zwar schon auf der Safari Giraffen gesehen, aber vom Auto aus ist es doch was ganz anderes als vom Pferd aus. Die Pferde sind übrigens cool geblieben. Sie haben die Giraffen zwar auch registiriert und die Ohren gespitzt, aber selbst Miriam zeigte keine Furcht. Dann lassen wir die beiden in Ruhe, reiten zurück auf die Fahrpiste. Die wird von Schotter plötzlich zu feinem Sand. Der ideale Boden für einen laaaaaangen Galopp. Und Lina läuft und läuft und läuft. Mr Dean bleibt immer etwas zurück, aber ich genieße diese Galoppaden sehr, und auch die beiden vor mir zeigen keine Ermüdungserscheinungen. Plötzlich taucht vor uns eine Wasserstelle auf. Diesmal keine lange Betontränke, sondern ein rundes Wasserloch, eingefasst mit Steinen. Also eher einer Wildtränke. Um diese hier tummeln sich ein Haufen Warzenschweine. Erst als wir absteigen und aus Büschen hervortreten, sehe ich, dass oberhalb des Wasserlochs, vor einer Felswand, eine Lodge ist, mit einem großen Haupthaus und mehreren Hütten, die aufgereiht vor dem Berg liegen. Wir lassen die Pferde trinken, die Schweine ergreifen mit aufgestelltem Schwanz (sieht aus wie eine Antenne), die Flucht. Sind aber weniger scheu als andere die ich gesehen habe, bleiben in der Nähe. Neben dem Wasser sind zwei Anbindebalken, die extra für die Trail-ritte dort gebaut wurden. Wir lassen die Pferde dort stehen und laufen hoch zur Ai Aiba Lodge. Vor dem Haupthaus, schick mit Reet (?) gedeckt, ist eine Terrasse und ein Pool, Palmen spenden Schatten. Der Blick in die Ebene und zu den anderen Bergzügen ist fantastisch. Wir ziehen Schuhe aus und krempeln Hosen hoch. Sven, ein Deutscher, der hier arbeitet, begüßt uns. Wir bestellen eine Runde Rock Shandy. Dann entern wir erstmal die Toilette- Wasser!!!! Ich hänge meinen kopf drunter, mache Arme, Beine, Nacken nass. Der Rock-Shandy entpuppt sich als herrlich erfrischendes Mischgetränk aus Kräuterlimonade und Ingwer. Sven wundert sich wohl auch etwas, warum wir uns das antun. Und bietet uns eine Dusche an, in einem leerstehende Gästezimmer. Wir sagen nicht nein…nacheinander laufen wir hin. Auch wenn ich kein Shampoo habe: Wasser überall und nasse Haare – herrlich! Hatte übrigens Bedenken, dass ich mit fettigen Haaren zu kämpfen haben würde. DAS war zumindest nicht der Fall, da die trockene Luft und der Staub wie ein Trockenshampoo  hier fehlt mir aber eine Bürste – die 10 Finger kämm Methode sorgt dann doch für Knoten….(ich habe überschulterlange, dicke, teils gelockte Haare!!!) Heike und Johannes sind dann auch da, machen hier Stopp. Heike gibt uns noch einen Rock-Shandy aus. Halten noch unsere Füße in den Pool und bewundern Romeo, den sprechenden Papagei in der Voliere neben der Terasse, der von Sven noch eine Dusche bekommt. Eine Familie kommt währenddessen an, fährt mit 4x4 Riesen-Auto vor. Nun, wir haben uns den Weg erarbeitet…allerdings ist es auch komisch, zu sehen, dass die Zivilisation doch schnell da ist…. Hatten wir doch 2 Tage schon uns voll in das Wildnis-Gefühl eingegroovt. Zu essen gibt es was aus den Satteltaschen, wir haben dünne trockene Würstchen, Cracker, Apfel und Riegel bekommen. Viel Hunger habe ich bei der Hitze aber eh nicht. Wieder so um 15 Uhr ist die Siesta vorbei. Runter zu den Pferden. Lassen sie noch mal trinken. Reiten los. Kaum weg von der Lodge, stehen sie plötzlich haufenweise zwischen den Bäumen: 10 Giraffen!!!! Wir freuen uns unglaublich, reiten um sie rum, fotografieren, lassen uns anschauen, sind fasziniert von diesen ungewöhnlichen Tieren.


hac3b5fa.jpg


h29e910b.jpg



h1506390.jpg


Dann sind wir plötzlich auf breitem Sandstreifen, der mit weißen Steinen markiert ist. Ein Airstrip - eine Landebahn. Wir reihen uns nebeneinander auf und galoppieren - auch mal toll! Es wird zwar schnell, aber kein kopfloses Wettrennen. Wir machen noch eine Pause unter einem Baum. Ich lege mich hin, Bea fotografiert und meint lachend, das sieht eher nach schwerem Reitunfall aus als nach Pause.

hd7c5766.jpg



Ist ja gottseidank nicht der Fall! Dann geht es noch ein Stück weiter, und plötzlich sind wir wieder an einem runden Wasserloch, mit Steinen eingefasst, etwas dahinter ein riesiger Wassertank und Windrad. Steigen ab, lassen Pferde trinken – wir sind schon da! Dank Giraffensichtung ging der Nachmittag echt fix rum! Da dies kein Farmland ist, gibt es auch kein Paddock. Wir laufen mit den Pferden ein Stück zum Camp. Die Zelte stehen vor einer pittoresken Felswand, auf der oben wieder „Kugeln“ liegen, in Felsnische steht Tisch und da ist die Feuerstelle, wie in einem natürlichen Kraal. Davor die Lorry, die Zelte etwas versetzt. Es ist ein wunderschöner Platz, und wir freuen uns das wir hier 2 nächte sind. Allerdings ist uns auch noch die Geschichte im Ohr, das auf einem der vorigen Trail hier nicht gecampt werden konnte, weil ein Leopard hier sein Revier hatte….der ist nun wohl aber weiter gezogen.


h8b1f4c2.jpg


Aber auch hier kein Paddock?! Wir erfahren: sie werden einfach an die Bäume gebunden. Dort bekommen sie das Heu. Und das 2 Nächte? Doch sie kennen es offenbar, und auch wenn Lina unter einem „Stinkebusch“ stehen muss (ein Strauch, der einen furchtbaren Katzenpisse-Duft verströmt und hier sehr oft zu finden ist) wirkt sie entspannt. Miriam, die das ja nicht kennt, läuft am Anfang etwas hin und her, so dass ihr Strick irgendwann um Baum gewickelt ist. Aber selbst da bleibt sie einfach stehen, statt in Panik zu verfallen, und liess sich von uns wieder entwirren – und dann hatte sie es irgendwann wohl auch kapiert. Heike zeigt uns die Umgebung. Wir laufen noch mal zum Wassertank. Dort ist die erste und einzige Dusche des Trails installiert: ein abgeklemmter Schlauch hängt vom Wassertank herab. Dort haben Johannes bzw Leute von der Farm dann sogar ein kleines Stück boden betoniert und einen toten Ast als dekorativen Handtuchhalter eingebaut. Afrikanische Dusche….Sichtschutz gibt es nur an einer Seite vom Wand des Tanks, zur anderen Seite, zum Wasserloch hin, ist es offen. Aber wer soll von da schon gucken? Dann laufen wir um die Felsen herum, vor denen die Zelte stehen. Auf der anderen Seite fallen sie flacher ab. Wir laufen hoch, bewundern eine gespaltene Kugel und genießen den bombastischen Ausblick in die Ebene. Ich düse dann noch mal kurz zurück und gehe duschen! Einfach Draht von Schlauch abwickeln und Wasser marsch! Herrlich erfrischend! Dann mit einem Savannah wieder hoch zu den Mädels, mit dem Sundowner in der Hand den Sonneuntergang genossen.

h0652eae.jpg


h2bff5aa.jpg



h61cba2d.jpg


hfa03acd.jpg


h73d6ec8.jpg



Auf den Felsen überall Mini-Köttel, wohl von klippschiefern und Pavianen, die sich aber nicht blicken lassen. Dann runter zum Feuer. Es gibt Nudeln mit leckerem Gulasch, dazu Tomatensalat. Als Nachtisch karamellisierte Bananen und Äpfel mit Vanillesauce. Spülen tun übrigens die Jungs – was ich bis zum Ende zwar sehr nett finde, aber dieser Full-Service fühlt sich komisch an. Bea zieht dann aus unserem Zelt aus. Sie hat beschlossen, ganz oben auf der Lorry zu schlafen. Dort ist zwischen den Heuballen mittlerweile etwas Platz. Und sie hat den tollen Sternenhimmel über sich…also habe ich ein Einzel-Zelt und viel Platz. Allerdings ist es fast ein bisschen unheimlich: Hier in dem Naturschutzgebiet sind nachts sehr sehr viele Geräusche. Zebras iaahen, sie ziehen zur Wasserstelle, Geckos „bellen“ und vieles mehr. Es scheint, als würden sie im Dunkeln alle aktiv werden. Ich wundere mich, dass die Pferde gerade wegen der Nähe der Zebras nicht nervös geworden sind, aber am nächsten morgen stehen alle ganz entspannt unter ihren Büschen.

7.9. Trail Erongo

Stehe gegen 7 Uhr auf. Frühstück, dann Pferde füttern und satteln, zum Wasserloch, dann aufsitzen. Wir machen heute Vormittag quasi ein Open-air-Museumsritt. Junias reitet mit uns zu drei Stellen, wo uralte Buschmann-Felsmalereien zu sehen sind. Eine davon unterhalb lustiger Felsformationen in Pilzform. Es sind Menschen mit Pfeil und Bogen zu erkennen, Giraffen, Nashörner etc. Von einer Stelle hat man tollen Ausblick.


hee0b607.jpg



h2ceaf09.jpg


h081ed19.jpg


Unser Wasser in den Flaschen „pimpen“ wir jetzt mit einem Mineral-Vitamin-Energie-Pulver, dass Alina gekauft hat. Ist zwar wohl hauptsächlich Zucker, aber schmeckt mal anders und gibt schon irgendwie Power. Nach den Felsmalereien reiten wir zurück zum Camp. Ich bin heilfroh, denn ich fühle mich unwohl. Kein richtiger Hitzschlag, aber mir ist unglaublich warm von innen heraus und ich mag mich nicht bewegen. Ziehe kurze Hose an. Heike gibt mir eine Isomatte, und ich suche zusammen mit Berta Schatten unter der Lorry- gar nicht so viel da, wenn die Sonne so hoch steht. Lege mich wie tot hin. Zwischendurch rappel ich mich auf und mache mein Top am Kanister nass, ziehe es an in der Hoffnung auf Kühle. Zum Mittagessen steh ich dann doch auf. Es gibt leckeren Nudelsalat und herzhafte Muffins. Heike ist etwas besorgt und meint, wenn ich möchte kann ich auch nachmittags im Camp bleiben statt reiten. Ich überwinde mich dann doch, quäle mich in die Reithose und mache Pferde fertig. Wir reiten ja auch „nur“ ein bisschen im Gelände rum. Die Giraffensuche ist diesmal nicht ganz so ergiebig, nur ein Exemplar begegnet uns. Insgesamt sind aber immer mal wieder haben wir winzige Antilopen unter Büschen gesehen, leider nicht zum Fotografieren geschafft. Auch Zebras sind zu sehen gewesen, meist etwas entfernt, ebenso Klippschiefer.

h2a5eb5b.jpg



Trotzdem ist es ein schöner Ritt, besonders als die Sonne tiefer steht. Dieses goldene Licht ist einmalig. Satteln Pferde ab. Dann gehen wir noch mal zum Wasserloch, lassen sie trinken. Heike ist mit, mit einem Eimer Wasser waschen wir die Pferde ab. Staub und Schweiß sollen mal runter. Die anderen lassen ihre dann sogar los, damit sie sich wälzen können. Da Lina wohl mal gern stiften geht, muss sie es am Strick machen – aber auch kein Problem! Sie genießen es alle sichtlich und wir freuen uns mit ihnen.

h3901a48.jpg



Dann auf Felsen mit „sundowner“ zum Sonnenuntergang. Heike und Berta auch dabei. Ich genieße dann auch noch mal die Schlauch-Dusche.

h561c9b1.jpg



Zum Abendessen gibt es total leckeres Kudu-Steak, dazu Kartoffeln in Knoblauch Sahne, dazu Salat mit 3 Sorten Bohnen. Dann „schlägt“ Junias sogar Sahne, mitten im Busch: Sie ist in einer Flasche, die er minutenlang schüttelt. Sie ist für leckere Brownies als Nachtisch. Vorm ins Bett gehen noch mal kurze Aufregung: Tina und Bea haben neben der Lorry einen dicken lebenden Tausendfüßler entdeckt, bisher lagen immer nur tote Hüllen von denen am Boden. Uaah, mein Lieblingstier wird es nicht. Nachts wieder viele Geräusche.
Teil 1024. Okt. 2013
8.9. Trail

Heute morgen ist etwas anders als sonst: Es ist alles feucht. Die Zeltwand, meine Tasche die davor steht, die Reithose, die draußen hängt. Es ist das erste und einzige Mal, das ich hier in Namibia sozusagen Morgentau erlebe. Ansonsten hatten wir beim Trail übrigens milde Nächte. Kein Vergleich zu den frostigen Nächten, die ich vor einer Woche in der Wüste erlebt habe. Aber es soll auf den Trails auch schon Glühwein gegeben haben… Bea auf der Lorry hat die Feuchtigkeit natürlich voll erwischt, leider auch ihr Buch, ihren Schlafsack etc. Nach dem Frühstück machen wir die Pferde fertig, inklusive Futter und Putzen von Miriam, da Junias beim Camp-Abbau hilft.

hfb6fae6.jpg



hb0d5120.jpg




Nach dem Satteln laufen wir zur Wasserstelle. Silverado hat irgendwie Probleme mit der Stein-Einfassung und legt sich fast hin. Dann sitzen wir auf und reiten über die „Straße“ weg aus dem Erongo. Diese „Pads“ genannten Straßen sind mal sandig, mal felsig, mal Schotter. Irgendwann geht es wieder viel durch Busch und Dornen. Mein Jeanshemd bleibt hängen, diesmal reiße ich mir ein Riesen-Loch. Egal, es ist sowieso so dreckig, dass ich nicht daran glaube, es jemals wieder anziehen zu können. Irgendwann erreichen wir hohe Bäume, die fast dschungelartig wirken. Wir reiten hindurch und stellen fest, dass wir wieder am Omaruru-Flussbett sind, gegenüber der Stelle, wo wir am zweiten Tag gecampt haben. Wir sitzen ab, binden die Pferde an die tiefhängenden Äste. Es gibt Lunch aus der Packtasche, Würste, Cracker, Apfel. Es ist stickig heiß, und wir legen uns alle hin. Ich erst am Baumstamm, doch dort raschelt es überall. Schlangen? Eidechsen? So lege ich mich zu den anderen am sandigen „Ufer“. Junias hat sich ein Kopfstütze aus seiner Wasserflasche gebaut, die Boots stehen daneben, der Cowboyhut ins Gesicht gezogen. So liegt er reglos zwei Stunden da, während wir, typisch Frauen, dann doch irgendwann rumgackern und reden. Tinas Spruch „ich könnte auch in Malle am Strand liegen“ hat etwa immer mal für Heiterkeit gesorgt. Ja, könnten wir, samt Cocktail, statt durch Staub und Dornen zu reiten und mit pisswarmen Wasser, durch ein süßes Mineralpulver grellorange gefärbt gegen den Durst kämpfen. Doch keiner will wirklich tauschen. Zu intensiv ist das Erlebnis hier. Eine Woche malle am Strand mag entspannend sein, in Erinnerung bleibt aber hier von mehr.


h774dc20.jpg


Nachdem Junias erwacht ist laufen wir durch den trockenen Fluss und die sengende Sonne auf die andere Seite, wo das Camp war. Dort wieder die Uferböschung hoch und zu dem kleinen Hof, wo vor zwei Tagen die Pferde standen. Wir dürfen sie dort wieder trinken lassen, und unsere Flaschen füllen wir an einem Wasserhahn im Hof auf. Bea macht sich kurz Gedanken wegen der Wasserqualität. Mir ist es egal, meine Micropur-Tabletten sind im koffer. Und nein, es gab keinen Durchfall… ich kann auch nicht widerstehen und halte kurz meinen Nacken unter das Wasser, Bea befeuchtet ihr Kopftuch. Aber verschwenden wollen wir es auch nicht – das Wasser kostbar ist und etwas wundervolles, wird einem hier wirklich bewusst. Eine Gestalt ist im Inneren der Hütte auf einem Bett zu sehen, der Mann kommt aber nicht raus. Junias spricht kurz mit ihm, ich rufe auf Englisch ein „Danke für das Wasser“ rein.
Dann sitzen wir wieder auf. Über eine Schotter-Pad geht es weiter. Wir wechseln auch mal die Reihenfolge, jeder geht mal vorn. Das hat sich einfach so ergeben, und Junias hatte nichts dagegen. Plötzlich sehen wir wieder ein Windrad vor uns. Wir sind an dem Posten, wo wir am Beginn des Trails Mittagspause gemacht haben und es Kürbissuppe gab. Heute übernachten wir hier. Die Zelte stehen ein Stück weg vom großen Baum in einem Flussbett. Heike kommt uns entgegen und gibt jedem eine Flasche kalten Farmdudler aufs Pferd. Herrlich! Trinkenderweise reiten wir noch bis zur Tränke. Machen Pferde fertig, dann zum Camp. Ich wasche mich mit Waschlappen hinter der Lorry. Dann gibt es Rosinenstollen. Später klettern wir alle hoch auf die Lorry, genießen dort unseren „Sundowner“, die Sonne versinkt hinter dem Busch. Heute essen wir noch im Hellen: Folienkartoffeln aus der Asche, dazu Oryx-Curry-Gulasch mit Mais, Möhren-Ananas-Salat. Stelle heute erst fest, dass der Mond bzw die Halbmondsichel hier falschrum am Himmel hängt. Klar, Südhalbkugel!

h5e9f356.jpg



h7f2ec95.jpg



9.9. Trail, Rückkehr zur Farm

Im Sonnenaufgang sitzen wir ums Lagerfeuer rum und frühstücken. Je höher die Sonne steigt, desto mehr Kleidungsstücke fallen. Die Fleecejacke wandert in die Tasche. Johannes trägt sie zur Lorry – auf afrikanische Weise auf dem Kopf. Um 9.30 Uhr zu den Pferden. Die haben sich wohl nachts etwas gekloppt, Mr. Dean hat eine Bisswunde am Bauch. Wir reiten eine Weile durch den Busch, dann auf einer schmalen Pad an einem Zaun entlang. An einem Tor im Zaun steht die Lorry mit Heike und Johannes. Sie warten auf uns, weil Junias Schlüssel hat. Sie fahren raus, auf eine breite Schotterstraße. Wie sich rausstellt, reiten auch wir an dieser Straße lang. Ziemlich lang sogar. Und wir galoppieren auch mal. Da in Namibia der Verkehr aber äußerst dürftig ist, begegnen uns in der ganzen Zeit nur 2 Autos. Die aber auch nicht abbremsen und in eine Staubwolke hüllen. Auf der anderen Straßenseite ist auch ein Zaun – dahinter liegt das Land „unserer“ Farm. Irgendwann geht es von Straße runter und durch eine kleine Pforte durch den Zaun auf das Land.


Wir reiten durch Busch. Junias entdeckt plötzlich ein paar Rinder samt imposantem Bullen, die wohl nicht hier her gehören, sondern auf ein anderes Weidegebiet. Er fängt an sie zu umrunden und gibt uns zu verstehen, dass wir sie „mitnehmen“ sollen. Wohin auch immer, aber so werden wir noch zu echten Cowgirls. Junias deckt die Seite ab, wir treiben von hinten. Es macht Spaß, und ich überlege schon, ob so ein Kuh-Hüte-Kurs nicht mal was wäre?!? Es gelingt uns, sie bis zur Tränke zu treiben.


h9cb052b.jpg


h0fd7209.jpg


Pferde auf die eine Seite, Kühe auf die andere, der Durchgang wird von Junias und Johannes notdürftig versperrt. Denn neben der Tränke unter einem großen Baum steht die Lorry und unser Tisch. Heike erwartet uns mit dem „Reste-Essen“, welches mehr als reichlich ist. Brot, Tomaten, Gurken, Feta, gekochte Eier, Wurst, Frischkäse, saure Gurken. Dann kommen noch Marina, die Praktikantin, und Kata, die ja auf der Farm Urlaub gemacht hat, angeritten. Großes Hallo…Dann hängen wir eine Weile im Stuhl rum, bis wir uns wieder in die Reithose quälen. Mit Marina und Kata zurück. Im Flussbett galoppieren wir noch mal. Und dann taucht plötzlich die weiße Farm im Busch auf. Wir sind wieder zu Hause! Alina empfängt uns am Putzplatz mit einem köstlichen Cocktail, Immo kommt und macht „Nachher“ Fotos. Wir satteln ab, putzen noch einmal. Alle Pferde werden inspiziert, sollen nach und nach gewaschen werden. Lina erst morgen. Wir gehen ins Gästehaus, ich packe meine Trail-Tasche aus. Auf den Betten liegt ein kleiner Willkommens-Gruß..:-)
Es ist unglaublich, wie dreckig die ganzen Tops sind. Dann gehe ich unter die Dusche, genieße es, endlich wieder Shampoo zu benutzen. Der Schaum wird ganz schön braun. Aber auch wenn ich die warme Dusche genieße, mischt sich doch schon Traurigkeit mit ein, darüber, dass unser Abenteuer vorbei ist. An der Lapa treffe ich die Mädels, wir schauen, wie die Sonne hinter der Farm versinkt. Später gibt es Essen auf der Veranda in großer Runde. Spieße mit Kudu, Speck und Paprika, dazu Knoblauch-Sahne-Kartoffeln. Alina hat einen Feuerkorb neben die Veranda gestellt und holz angezündet, extra für uns, weil wir gesagt haben, dass wir das Lagerfeuer vermissen werden. Um 21.30 gehe ich ins Bett.



h60cdc7e.jpg
Teil 1124. Okt. 2013
9. Tag, Farm

Bea steht wieder früh auf, ich bin auch wach, bleibe aber noch liegen, da es erst 8.30 Frühstück auf der Veranda gibt. Eigentlich war dann angesetzt, dass wir noch mal die Trailpferde umtüdeln, waschen etc. Irgendwie wird daraus aber nichts, stattdessen geht es doch reiten. Ich bekomme Friendly, die ich ja schon vom ersten Tag kenne. Wir gehen erst auf Platz und üben etwas, Alina und Immo gucken zu. Dann mit Junias raus, Katha ist auch dabei. Ein kleiner Ausritt, ohne Galopp (na ja, bis auf Friendly Standgalopp beim Antraben). Um 12 zurück an Farm. Will noch Lina duschen, aber sie ist wohl doch nicht mehr in dem Paddock sondern in einem mit Zugang zum Busch und damit zu weit weg. Um 12.45 gibt es Mittagessen in der Lapa. Kürbis-Apfel-Supper, dazu Bruschetta mit Tomaten bzw Pesto. Danach ist Mittagspause. Ich schlafe eine Weile im kühlen Zimmer. Um 15.30 gibt es Kaffee und Kekse auf der Veranda. Danach zu Pfeden. Da Friendly zu hibbelig war (ich fand es nicht schlimm, aber ich soll trotzdem tauschen), bekomme ich nun Doc Holiday, einen etwas größeren Fuchs. Dann fertigmachen. Alina, Immo und auch Heike kommen auch mit. Immo will noch Fotos von uns machen…es wird sich rausstellen, dass wir nicht zum Reitermodel taugen  Reiten in das Flussbett, wo wir auch am 1. Tag Galoppübung gemacht haben. Immo und Junias reiten vor. Immo steigt ab und hockt sich in Busch in Mitte des Flusses, um zu fotografieren. Wir sollen in Gruppen auf ihn zu galoppieren. Ja…sollen. Ich scheitere grandios. Doc will nicht, rennt aus Flussbett hoch raus in Busch. Ich komme mir vor als könnte ich null reiten, es wird echt peinlich. Auch bei den anderen klappt es nicht auf Anhieb. Wir müssen irgendwann auch lachen. Ob Immo, der im Busch auf uns wartet, sich gerade fragt, was für Reiter er da eigentlich auf den Trail gelassen hat? Ich weiss nicht woran es liegt, verkrampfe aber natürlich auch irgendwann. Immerhin schaffen wir es zu dritt an Immo vorbei zu traben. Dann noch mal zurück, so halb im Galopp. Aber noch mal zurück zu Immo? Nicht mit Doc. Ich bin etwas frustriert. Heike bietet mir an, dass ich mit ihrem Sonntag galoppiere. Also Pferde getauscht, und ab geht die Post. Sonntag läuft. Leider so schnell, dass aus einem Gruppenfoto nichts wird, weil ich Bea mit ihrem Pferd hinter mir lasse.

hc090601.jpg


h272c1ab.jpg


Lachend machen wir uns dann auf den Weg durch den Busch. Auf meinen Wunsch hin reiten wir an einem großen Termitenhügel vorbei, wo wir auch noch Fotos machen.

h81d4fdc.JPG



hdc68e45.jpg


h99535f7.jpg


Dann durch goldenes Abendlicht auf eine Anhöhe. Marina und Doris kommen dorthin, bringen Kühlbox mit. Ein letztes Savannah im afrikanischen Busch. Es ist eine wunderbare Stimmung, alle sind glücklich, die Pferde zupfen zufrieden Gras. Quasi im Dunkeln geht es zurück zur Farm.
Ich dusche und wasche Haare. Dann zur Lapa. Dort soll heute Abend gegrillt werden. Das ist Immos Aufgabe, der sitzt aber noch am PC und guckt unsere Bilder an. Er ruft uns zu sich und gibt noch ne kleine Sitzschulung. Denn auf den Bildern sieht man sehr schön, wie schief und verdreht wir sind. Leider lächeln wir auch nicht auf den Bildern, sondern geben am laufenden Band Küsschen, um anzugaloppieren. Projekt Werbefoto gescheitert, aber wir nehmen es mit Humor. Dann schmeißt Immo endlich Lammrippen aufs Feuer, dazu gibt es Salate: Rotkraut, Reis-Möhren-Salat und grünen Salat. Es gibt noch Vanille-Schoko-Pudding, Immo rückt einen guten Schnaps raus. Erst 23 gehen wir ins Bett – für namibische Verhältnisse haben wir quasi die Nacht durchgemacht!

10. Tag, Abreise

Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker. Es ist noch dunkel. Reste packen, dann rüber zum Haus. In Küche ist aber schon Frühstückstisch gedeckt. An Stühlen hängen Mobilees aus Stachelschwein-borsten und Samen etc, die Junias gebastelt hat. Wir kaufen ihm jeder eines ab, eine tolle Erinnerung. Dann wird der VW-Bus bepackt. Denn Immo, Heike, Doris und Katha fahren heute noch für 2 Nächte nach Swakopmund, und wir Trail-Mädels müssen abreisen. Der Abschied von Alina, Junias und Johannes fällt schon schwer, dann tuckern wir los. Durch den Busch, wo wir ein paar Pferde entdecken, durchs Tor und auf die Pad. Es geht bis Karibib. Dort warten wir wieder an der Tourist-Info, bis um 9.30 Uhr wieder der Shuttle-bus kommt. Koffer umpacken, Abschied. Als ich neben Bea im Bus sitze und dieser losfährt, schießen mir die Tränen in die Augen. Bea fragt, ob sie mir helfen kann. Ich schüttel halb lachend, halb weinend den Kopf. Nein, mir ist nicht zu helfen, aber es tut halt etwas weh, wenn man ein Stück seines Herzens hinter sich lassen muss.


Fazit: Ein wunderschöner, aber auch anstrengender Trail, was die Hitze angeht. (Zumindest zu dieser Jahreszeit). Kreislaufprobleme sollte man nicht haben! Vom Reiten her war es aber nicht anstrengend, sondern ein Vergnügen – abgesehen von unserem Versagen beim Foto-Ritt am letzten Tag. Wer eine kleine Herausforderung sucht, dafür aber mit einzigartiger Natur, Einsamkeit und intensiven Erlebnissen belohnt werden will, ist hier richtig. Herzliche Gastgeber, mehr als leckeres, immer frisches Essen, Einblicke in eine Working-Farm in Namibia komplettieren das Ganze. Auch wenn es „nur“ Camps sind: Es ist alles da was man braucht, und es geht auch ohne „richtige“ Dusche. Es war unheimlich komfortabel, dass wir nichts auf- und abbauen mussten und immer Essen gekocht bekamen. Es ist keine klassische „Großwild-Safari“ zu Pferde, mehr eine Wanderung zu Pferd mit Tiersichtungen. Wer den langen (und teuren) Flug auf sich nimmt, sollte ohnehin überlegen, vorher oder nachher noch ein bisschen das Land zu erkunden. Das Erongo-Gebirge ist ein wunderschönes Gebiet, das Reiten durch den Busch gibt einem das Gefühl von wirklich eins zu werden mit Afrika.

Die Fahrt nach WDH verläuft ohne Zwischenfälle. Nach und nach werden die Fahrgäste abgeladen, Bea und Tina auch. Ich werde als letzte am Cardboard-Box-Hostel rausgelassen. Als ich einchecke, bereue ich schon, dass ich nicht wieder im Chameloen bin. Es wirkt runtergekommener, die Dame an der Rezeption hängt mit Freundinnen rum. Es gibt dann noch Trouble mit meiner Buchung. Sie hatten mir 2 Nächte gebucht, und ich hatte schon per Mail gesagt dass das falsch ist. Nun war aber die falsche Nacht storniert. Da heute kein Einzelzimmer frei ist, bekomme ich ein großes Vierbett-Zimmer für mich allein. Leider kein Safe, und das Gemeinschaftsbad bzw das Klo mit Dusche hat wirklich schon bessere Zeiten gesehen. Ich erwarte ja nicht viel von einem Hostel, aber da es hier genau so viel kostet wie im chameleon, bin ich enttäuscht. Oder liegt es daran, dass meine Stimmung ohnehin einen Tiefpunkt erreicht hat? Der Zusatztag in WDH war offenbar ein Planungsfehler. Naja. Ich döse erstmal auf dem Bett. Dann laufe ich runter zur Mall, die ich ja schon kenne, komme nun quasi von der anderen Seite. Kaufe bisschen was ein, auch Nudeln zum Kochen und Käse. Dann bummel ich über Independ Av Richtung Craft Centre, wo ich mich mit Bea und Tina treffen will. Bea treffe ich dann schon unterwegs in einem Shop. Laufen zum Craft Centre. Bea will noch ein bisschen einkaufen, ich gehe schon mal ins Cafe und setze mich auf die Terrasse. Freue mich auf den leckeren Milchkaffee. Außerdem bin ich ko, empfinde Wetter als schwül. Tina kommt auch noch, trinken zusammen was. Es ist schön, die beiden zu sehen, aber irgendwie etwas deplatziert. Kaffee auf der Farm wäre jetzt besser. 17. 30 Aufbruch. Laufen noch zusammen zur Mall, dann gehe ich allein hoch zum Hostel.


h75c8f77.jpg


h7b3de29.jpg


Als ich in die Gemeinschaftsküche gehe, um meine Sachen zu deponieren, trifft mich fast der Schlag. Es ist einfach nur dreckig und voll. Als ich in einem Schrank eine offene Dose vertrockneter und verschimmelter Spagetti samt Gabel entdecke, kommt es mir fast hoch. Lasse die Sachen liegen und weiß jetzt schon, dass ich hier nicht kochen werde. Heut abend ist ohnehin Joes Beerhouse angesagt, und dann gibt es morgen Mittag eben nichts Warmes. Ziehe mich um, bestelle Taxi. Lese etwas am Pool. Der Bereich mit Bar ist eigentlich ganz hübsch, aber hier scheint Backpacking doch mehr „Saufen und Feiern“ zu bedeuten. Mit dem Taxi zu Joes.


hc390036.jpg


Tina ist schon mit einer Bekannten da, die in WDH wohnt und arbeitet. Bea kommt auch. Ich gönne mir das „Bushfire“, Teller mit versch. Fleisch und Kartoffelstroh, und auch noch einen Crepe mit Erdbeeren zum Nachtisch. Tinas Bekannte erzählt bisschen aus ihrem Alltag, was uns noch mal einen ganz anderen Einblick gibt. Sie fährt uns dann auch alle noch mit ihrem Auto heim. Im Hostel stehen junge Kerle mit einem Mädel im Flur rum. Ich drücke mich vorbei und kann trotz des Geredes und Gelache vor der Tür einschlafen.
Teil 1225. Okt. 2013
Donnerstag, 12.9.

Ich wache um 5 auf, lege mich noch mal hin bis 7. Nutze das WLan um mich schon mal mit dem Handy online bei AN heut abend einzuchecken. Gehe in die Dusche, die gottseidank sauber ist, aber an der Wand blättert Farbe ab, alles ist verrostet. Warte an Rezeption. Bea hat über die Pension Uhland eine Katutura-Tour organisiert. Ein Schweizer Ehepaar nimmt uns in ihrem Auto mit, begleitet werden wir von Hilda, die im Uhland arbeitet. Sie holen mich um 9.20 ab. Fahren raus nach Katutura. Wir halten an einem Markt, wo wir ein wenig rumlaufen und Fotos machen. Wir fallen schon auf, aber keiner sagt was und wir fotografieren ein bisschen.

hbc6b05d.jpg



h1896b4e.jpg


h736bd9c.jpg


Dann zum Xwama-Restaurant. Ist ja ganz nett, aber die sind gerade am Aufräumen und es wirkt ein bisschen wie eine Verkaufstour, dass wir uns das angucken sollen. Dasselbe Gefühle habe ich beim nächsten Stop in Penduka, obwohl ich die Atmosphäre dort und das Projekt an sich spannend finde. Wir fahren dann weiter nach Katutura rein, doch hier scheint sich Hilda selbst nicht wohl zu fühlen, sie ist fast etwas erschrocken als Bea drum bittet anzuhalten und sie aussteigt um zu fotografieren.



Dann fahren wir noch zu ihrem (Stein-)Haus in einem „besseren“ Teil von Katutura. Es sieht zwar ganz gut aus, ist aber winzig, wenn man bedenkt dass sie da vier Kinder groß gezogen hat. Es ist mir fast schon unangenehm, dass sie uns ihr Heim zeigt, ob sie das machen soll im Rahmen ihrer Führung? Jedenfalls sind wir nach zwei Stunden auch schon zurück in der City. Fahren zur Pension Uhland, wo ich auch bezahle. Die Tour war ok, aber irgendwie nicht so intensiv wie ich es mir gewünscht habe. Abschied von Bea. Die Schweizer nehmen mich mit ins Zentrum. Nun heißt es Zeit tot schlagen. Ich bummel über die Independence Av., gehe dann ins ZooCafe auf die Terrasse, gönne mir einen ganz leckeren Salat und Cola. Bummel zum Craft Center, noch ein paar Souvenirs. Dann über die Mall zurück zum Hostel gelaufen. Es ist erst 15 Uhr. Bis das Taxi zum Flughafen kommt, sitze ich lesend am Pool, esse meine letzten Cracker, Müsliriegel und trinke eine Ojikandela. Endlich, um 18.30. kommt der Fahrer. Ein junger, sehr redseliger Typ. Er ist offenbar ein Freund von jemandem aus dem Hostel. Fahrt zum Flughafen. Polizeikontrolle, ein Beamter schaut so gründlich ins Auto wie sonst bei keiner anderen Kontrolle. Ob es daran liegt dass ich allein mit ihm im Auto sitze? Am Flughafen einchecken. Warten aufs Boarding. Wir heben fast pünktlich ab. Mein Abenteuer Afrika ist beendet. Es war schöner als ich gedacht habe (bis auf der letzte Tag in WDH;-)) und ich ärger mich nur, weil ich am liebsten sofort die nächste Reise planen würde …. Da fehlt aber Zeit, Geld und Reisepartner. Aber ich werde wiederkommen…

Zur Diskussion mit allen 52 Beiträgen