Medizinische Versorgung in namibias

8 Antworten · 7'103 Aufrufe · gestartet 12. Jan. 2013 von Petsch
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Themenstarter16 Beiträge · seit 201212. Jan. 2013 · #1
Hallo zusammen,
wir haben für ende Februar eine vier wöchige Namibiatour geplant. Da ich mir einen Bandscheibenvorfall 🤢 geholt habe,und auch meine Frau unter schlechten Umständen ebenfalls auf ärztliche Hilfe angewiesen sein könnte, unsere Frage:
Ist die medizinische Versorgung in Namibia gut?
Kann man sich dort getrost auch operieren lassen oder sind hier Vorbehalte angebracht!!

Vielen Dank im Voraus für Antworten.
Petsch
2'721 Beiträge · seit 200612. Jan. 2013 · #2
Hallo Petsch
willkommen im Forum.
Ich will Dir mal meine persönlichen Ansichten über Deine Frage mitteilen.
Mit einem akuten Bandscheibenvorfall würde ich überhaupt nirgends hinfahren und über eine OP im Ausland, egal wo, nur wegen Ferien würde ich nie in Erwähnung ziehen. Es gibt ja nicht nur die ev. anfallende ambulante OP, die dann auch eine gewisse Erholungszeit benötigt. Und dafür ist die Pad nicht unbedingt förderlich. Ich leide auch darunter und weiss wovon ich rede. Vielleicht bekommst Du die Geschichte noch in den Griff mit Kortisonspritzen (dies ist dann eine peridurale Infiltration im Sakralblock mit Bildüberwachung, die im Spital gemacht wird) oder - vielleicht können die helfen - Atlastherapie oder Osteopaten. Oft ist der Atlaswirbel schuld an Problemen in der Wirbelsäule.
Gute Besserung
LG
Bazi
zuletzt bearbeitet 12. Jan. 2013
191 Beiträge · seit 200912. Jan. 2013 · #3
Hallo Petsch, ich bin am 2.11.11 morgens in Namibia für eine 6-wöchige Rundreise angekommen und habe in der ersten Nacht einen Herzinfarkt erlitten. Durch die schnelle und kompetente Hilfe in einer Swakopmunder Klinik durch den engagierten Einsatz von Ärzten und Schwestern lebe ich noch. Die medizinische Versorgung zumindest in Swakopmund ist hervorragend und und mindestens auf deutschem Standard, in Windhoek und anderen größeren Städten dürfte es ähnlich sein. Weitab der größeren Ansiedlungen mag es nicht einfach sein, den benötigten Arzt zu finden, allein entfernungsbedingt.

Beste Grüße
Gobobos
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727 Beiträge · seit 200812. Jan. 2013 · #4
Zur medizinischen Versorgung kann ich aus Erfahrung (gottseidank) nicht beisteuern.

Ich möchte nur auf 3 Punkte hinweisen, die Dir unter Umständen nicht bewusst sind.

1. Die OP zahlt wahrscheinlich keine Versicherung, wenn Sie auf einer Vorerkrankung beruht! Da wo die medizinische Versorgung gut ist, sind die Kosten wahrscheinlich sogar höher als hier, da Du ja praktisch als Privatpatient behandelt wirst.
2. Obwohl die Strassen in Namibia teilweise recht gut gepflegt sind, so treten auf den nicht geteerten Strassen oft starke Vibrationen auf, von ratternden Wellblechpisten mal zu schweigen. Rückenschonend ist das leider nicht.
3. Wahrscheinlich müsste man im Notfall in ein Krankenhaus in Windhoek oder Johannesburg gebracht werden. Da muss man auch erstmal hinkommen und die Strecken in Namibia sind enorm weit. Ich würde auf jeden Fall mal über die Mitgliedschaft bei einem flying Doctor Service nachdenken. Wurde hier schon mal irgendwo erwähnt!

Tut mir wirklich leid für Euch, das sowas über Eurer Reise schwebt. Sprecht auf jeden Fall mit Euren betreuuenden Ärzten!

Gruß und gute Besserung

Dino
2'048 Beiträge · seit 200712. Jan. 2013 · #5
Hallo Petsch,
was sind deine Erwartungen? Was hast du vor. Eine geführte und behütete Busrundreise oder eine Selbstfahrertour?
Eine größere Operation oder schwierige Eingriffe, wozu auch Bandscheiben-OP's gehören lassen wohlhabende Namibier in Südafrika machen. Eine Schmerzbehandlung und Physiotherapie ist in Namibia an vielen Orten gut möglich. Aber ein akutes oder sehr instabiles Bandscheibenproblem verträgt sich
- nicht mit den wechselnden Betten einer Lodge-Rundreise und schon gar nicht mit Camping
- nicht mit der Federung eines Geländewagens
- nicht mit den Bedingungen einer Gravelroad
- auch oft nicht mit den Möglichkeiten einen Game-drive, Sundowner oder Farmdrive zu unternehmen, was viele Ziele echt bereichert.
Zudem musst du immer damit rechnen, dass du einen Reifen wechseln musst. Bei vielen Zielen sind keine normalen Straßenverhältnisse sondern schon Geländebedingungen, bei dem es vorkommen kann, dass du das Auto z.B. im Tiefsand freischaufeln musst.
Du müsstest also eine geführte Reise wählen, bei der dies alles abgenommen wird.
Außerdem würde ich dir zu einer Versicherung raten, die im Krankheitsfall auch einen medizinisch sinnvollen Rückflug bezahlt. Dies wäre z.B. durch eine Mitgliedschaft in der deutschen Rettungsflugwacht (DRF) möglich. Auch in der Schweiz wurde eine ähnliche Möglichkeit hier schon vorgestellt. Die meisten Reisekrankenversicherungen zahlen nicht für Verschlechterungen vorbestehender Krankheiten. Wenn du also keine private, weltweit gültige Krankenversicherung hast, dann musst du das Kleingedruckte sehr genau vergleichen. Es droht dir bei Bandscheibenproblemen ein liegendtransport im speziellen Medizinflieger und Arztbegleitung, was sicher 5-stellige Kosten verursachen kann.
Und für deine Frau? Es gibt für gängige Krankheiten auch verbreitet eine ausreichende, an manchen Orten auch richtig gute Behandlung. Spezialärzte gibt es eher grundsätzlich nicht. Selbst der Hautarzt fliegt an manchen Tagen aus Südafrika ein und hält in Windhuk Sprechstunde. Du willst in ein Land, das in vielen Bereichen stark unterentwickelt ist. Du kannst sicher nicht mit einer flächendeckenden Rundum-Versorgung wie in jedem Land Europas rechnen. Je nach Region und Fahrstrecke kann es beim Liegenbleiben auch mal einige Tage dauern, bis ein anderes Fahrzeug vorbei kommt. Dann wäre evtl. ein Satellitentelefon sinnvoll. passend dazu gibt es telefonische Medizinberatungsangebote.

Im südlichen Afrika ist zudem völlig üblich, dass das Hilfssystem erst tätig wird, wenn die Bezahlung klar ist. Keiner wird eine Abrechnung mit deiner Versicherung annehmen, wenn von dort nicht eine Kostenübernahme direkt bestätigt wird. Auch dann kann eine Vorkasse oder ein Deposit von dir verlangt werden. Manchmal geht das mit Kreditkarte, die eine entsprechende Deckung aufweist, aber ich habe auch schon von Bargeldforderungen vorab gehört. D.h. du solltest dies bei deiner Reisekasse berücksichtigen und ausreichend Euronen bar mitnehmen. Dies ist aber wieder ein zusätzliches Sicherheitsrisiko...
Ich rate dir aber nicht von so einer Reise ab. Du musst aber prüfen, ob der Zeitpunkt gut ist (i.B. wenn absehbar weniger Probleme bestehen) und du musst prüfen, wie viel Hilfe du brauchst, abhängig von dem, was du planst.

Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
33,1k Beiträge · seit 200612. Jan. 2013 · #6
Hallo Petsch,

allgemein kann man zur medizinischen Versorgung hier in Namibia sagen, dass sie weltweit auf hohem Niveau ist. Für Afrika wird sie allgemein als die zweitbeste (nach Südafrika) angesehen. Privatkrankenhäuser sowie staatliche Krankenhäuser und Kliniken sind überall zu finden. Die drei Privatkliniken in Windhoek sowie die in Swakopmund, Walvis Bay, Otjiwarongo und Ongwediva sind auf aller höchstem Niveau. Derzeit können 98 % aller Krankheitsfälle in Namibia behandelt werden (außer Organtransplantationen). ABER: Bis zur nächsten medizinischen Einrichtung können es gerne mal hunderte Kilometer sein. Medizinische Versorgung kostet hier (zumindest im Privatkrankenhaus) das Gleiche wie in Deutschland. Der Intensivstationstag schlägt derzeit (je nach Krankheit/Verletzung) mit 20.000 bis 40.000 Namibia Dollar zu Buche.

Sonnige Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
2'048 Beiträge · seit 200712. Jan. 2013 · #7
Hallo Petsch,
jetzt muss ich mich doch korrigieren:
Ich habe durch deine bisherigen Beiträge gelesen, dass du als Selbstfahrer ins Kaokoveld willst. Für wirklich 4x4 Fahren und sehr abgelegenen Gegenden würde ich auf jeden Fall sagen, "lass es bleiben" wenn ihr beide so große gesundheitliche Probleme habt.

Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
Themenstarter16 Beiträge · seit 201212. Jan. 2013 · #8
Vielen Dank!!!😄
Es ist toll, wie schnell kompetente Antworten kommen.
Selbstverständlich möchte ich nichts, aber auch gar nichts riskieren.
Und jetzt - ich bin in der dritten Woche nach dem <Knacks> - könnte ich sicher unter keinen Umständen reisen auch wenn ich so langsam einen Silberstreifen am Horizont (Betreffend Schmerzen)sehe.
Natürlich werde ich nur nach Rücksprache mit einem kompetenten Arzt das ganze in Angriff nehmen. Auch den Hinweis mit dem Radwechsel gibt mir zu denken, habe ich das bereits zwei mal in Namibia erlebt.
Meine - Selbstfahrer - Tour würde bis nach Lüderitz und dann hoch bis Etosha gehen.
Ich habe noch etwa 10 Tage Zeit bis zur Entscheidung, denn dann beginnt der Reiserücktritt richtig teuer zu werden.
Versichert bin ich eigentlich gut, aber ich kann mir (auch dank Euren Einwänden) vorstellen, dass mir ev. Fahrlässigkeit vorgeworfen würde.
Nun ... für mich heisst es nun abwarten und hoffen, hoffen, hoffen....
Die Enttäuschung wäre natürlich riesengross!:( 😠 😊
Nochmals DANKE
Petsch

PS Das mit dem Satellitentel. ist wirklich DIE Idee..
zuletzt bearbeitet 12. Jan. 2013
Themenstarter16 Beiträge · seit 201220. Jan. 2013 · #9
🙁
Nochmals allen vielen Dank!
Wir haben heute unsere Namibia - Tour abgesagt.
Die Vernunft siegte über das Gefühl und nun werden wir (so die Gesundheit will...) im September unsere Reise nachholen.