Tod am Brandberg

14 Antworten · 7'092 Aufrufe · gestartet 15. Okt. 2012 von klaus63
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Themenstarter630 Beiträge · seit 200815. Okt. 2012 · #1
Hallo,

eine Meldung für alle, die an einer Brandbergbesteigung interessiert sind:

Die AZ meldet, dass ein Tourist an Dehydrierung bei der Brandbergbesteigung gestorben ist AZ Namibia

Klaus
Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet. (Hans Magnus Enzensberger)
zuletzt bearbeitet 15. Okt. 2012
38 Beiträge · seit 201215. Okt. 2012 · #2
Hallo,
der Brandberg ist nicht die Eifel, ich war schon oben, und habe viel, sehr viel Wasser gebraucht. Wie kann das passieren, wenn ein Bergführer dabei ist?
Herzliches Beileid an die Familie des Verunglückten,
Rheinländerin
497 Beiträge · seit 201215. Okt. 2012 · #3
Hallo,

Die meisten der Veranstalter, die die Brandberg-Ersteigung im Programm haben machen Mitte / Ende September damit allerspätestens Schluss. Es ist auch davor immer wasserabhängig, das wissen die Daureb-Mountain Guides eigentlich. Soweit ich mich da richtig erinnere, hat es um die Brandberg-Gegend dieses Jahr überhaupt nicht geregnet, dh der letzt Regen ist da im April 2011 gefallen. Die Wasserreserveb zum Auffüllen der Flaschen sind erschöpft. Noch dazu war es nun die letzten 2 Wochen wirlich sehr heiß hier (und besonders im Damaraland). Die Entscheidung des Touristen, da hochzugehen ist wirklich lebensgefährlich gewesen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Entscheidung des Guides, ihn da hochzuführen ist fahrlässig. Mal gucken, ob das irgendwelche Konsequenzen hat.

Auch von mir Beileid,
Sebastian
Info-Namibia www.info-namibia.com
zuletzt bearbeitet 15. Okt. 2012
2'664 Beiträge · seit 201215. Okt. 2012 · #4
Es kann, es muß jedoch keine Dehydrierung gewesen sein. Kann auch Hitzschlag, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Kreislaufkollaps gewesen sein.

Um diese Jahreszeit den Brandberg zu besteigen, wo es oben kein oder nahezu kein Wasser mehr gibt, betrachte ich als leichtsinnig, besonders in dem Alter.
Und das hätte der Guide besser wissen müssen.

Auch beim schnellen Aufstieg von der Südseite braucht man zum Königstein immerhin einen Tag. Da man von dort den Abstieg in einem halben Tag bewerkstelligen kann falls man gut zu Fuß ist, muß man mindestens 8 -10 liter Wasser mitschleppen, um für Notfälle gerüstet zu sein.

Die wahre Ursache dieses traurigen Vorfalls werden wir wohl nie erfahren.
zuletzt bearbeitet 15. Okt. 2012
7'296 Beiträge · seit 200615. Okt. 2012 · #5
Swakop1952 schrieb:Es kann, es muß jedoch keine Dehydrierung gewesen sein. Kann auch Hitzschlag, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Kreislaufkollaps gewesen sein.
... sehe ich auch so. Der Zeitungsartikel spricht nur von Vermutungen.
Um diese Jahreszeit den Brandberg zu besteigen, wo es oben kein oder nahezu kein Wasser mehr gibt, betrachte ich als leichtsinnig, besonders in dem Alter.
Und das hätte der Guide besser wissen müssen.
... vieleicht hat der Guide das auch zu bedenken gegeben. Vielleicht haben es auch drei andere Guides zuvor abgelehnt. Man weiß es nicht.
Auch beim schnellen Aufstieg von der Südseite braucht man zum Königstein immerhin einen Tag. Da man von dort den Abstieg in einem halben Tag bewerkstelligen kann falls man gut zu Fuß ist, muß man mindestens 8 -10 liter Wasser mitschleppen, um für Notfälle gerüstet zu sein.
... ich kenne die derzeitigen Temperaturen dort nicht, aber für 1,5 Tage steuert man mit 8-10 Litern evtl. direkt auf einen Notfall zu, statt dafür gerüstet zu sein. Ich habe an heißen Tagen bis zu 13,5 Liter getrunken, ohne urinieren zu müssen (also war selbst das schon zu wenig).

Was auch immer die Ursache war. Die Kenntnis derselben macht den Mann nicht mehr lebendig.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
2'664 Beiträge · seit 201215. Okt. 2012 · #6
Wasser: Es hängt ab wie man in den Berg steigt, und wie man damit umgeht.

Solange man nicht in den tiefen knallheißen Schluchten in der heißesten Zeit mittags hochsteigt und Ruhezeiten im Schatten einlegt, kommt man mit weniger Wasser aus. Je mehr man trinkt, umso mehr schwitzt man aus. Man kann es lernen, mit dem Wasser haushalten zu können. Damit haben viele der besuchenden Europäer natürlich große Schwierigkeiten.

Beim Direktaufstieg zum Königstein von Süden her wird es ab etwa halben Wege deutlich kühler.

Wir sind bei dem langen Einstieg durch die Tsisab-Schlucht (Westeinstieg) mit zwei litern Wasser ausgekommen, bis wir die ersten Wasserlöcher gefunden haben. Das war aber im April, wo es geregnet hatte und ab 3/4 Höhe paradiesisch schön war mit klaren großen Wassertümpeln (und badenden Schlangen).

Da wir jedoch die wahre Todesursache nicht kennen, ist der ganze Rest Raterei.
7'296 Beiträge · seit 200615. Okt. 2012 · #7
Swakop1952 schrieb:Man kann es lernen, mit dem Wasser haushalten zu können. Damit haben viele der besuchenden Europäer natürlich große Schwierigkeiten.
... klar kann man mit dem Wasser haushalten. Das klappt aber nicht unter allen Umständen.

Und Schwitzen ist eine Reaktion des Körpers auf große Hitze, um den Körper abzukühlen. Natürlich schwitzt man mehr, wenn man mehr trinkt. Wo sonst soll die Flüssigkeit denn herkommen? Trinkt man zu wenig und schwitzt nicht mehr, führt es genau zu einer der Folgen, die Du in Deinem ersten Beitrag genannt hast.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
11 Beiträge · seit 201202. Nov. 2012 · #8
Hallo,

ich hole das Thema nochmal hoch. Wir waren an dem Tag, an dem der Deutsche starb, am Brandberg campen. Der Bericht aus der AZ kann nicht ganz korrekt sein. Unser Guide hat uns noch bevor es dunkel wurde berichtet, dass ein Deutscher am Berg Probleme hat und sein Guide ohne ihn nach unten gekommen ist um Hilfe zu holen. Er sagte auch, dass ein Hubschrauber angefordert worden ist. Aber für den Hubschrauber war es dann zu spät, da es dunkel wurde. Unser Guide hatte die Infos aus der White Lady Lodge, abends war er nochmal dort und hat dort wohl auch für die Angehörigen übersetzt, zu dem Zeitpunkt war dann schon klar, dass der Mann nicht überlebt hat.
Ich hatte eigentlich erwartet, mehr Medienberichte darüber im Internet zu finden, aber es scheint nur den Artikel aus der AZ zu geben. Das finde ich merkwürdig, wenn Deutsche in den Alpen oder im Himalaya umkommen, dann berichten die deutschen Medien doch auch darüber?
101 Beiträge · seit 201205. Nov. 2012 · #9
Samoco schrieb:Das finde ich merkwürdig, wenn Deutsche in den Alpen oder im Himalaya umkommen, dann berichten die deutschen Medien doch auch darüber?
Nein, denke ich nicht. Dazu kommen zu viele Leute durch die Höhenkrankheit in Nepal (und anderen Ländern) um. War letztes Jahr in Nepal (Annapurna-Trek) und einen Tag nach uns ist ein Spanier auf unserer Route ums Leben gekommen. Passiert leider fast wöchentlich und ist (leider) ganz normal.
zuletzt bearbeitet 05. Nov. 2012
98 Beiträge · seit 201205. Nov. 2012 · #10
In den deutschen Alpen kommen auch sehr viele Menschen um. Man hört das zwar kurz in den Regional-Nachrichten (zb. auf Bayern 3), aber nicht bundesweit.
18 Beiträge · seit 201213. Nov. 2012 · #11
Wir haben das Ehepaar,welches mit dem Verstorbenen und seiner Frau gemeinsam unterwegs war in Swako zufällig kennengelernt. Sie haben uns erzählt, das der Verstorbene ganz versessen darauf gewesen ist, den Brandberg zu besteigen obwohl der Guide gewarnt hatte.

Da der Guide noch Proviant und Wasser besorgen musste sind die beiden erst gegen Mittag aufgebrochen. Obwohl der Guide auf die Notwendigkeit des Trinkens hingewiesen hat, hat der Verstorbene fast nichts getrunken wie auch die Retter später festgestellt hatten: fast der gesamte Vorrat an Proviant und Wasser ( 6l) war noch vorhanden.

Die Obduktion hat wohl ergeben, dass der Mann einen Herzinfakt hatte und nicht Dehydration die unmittelbare Todesursache war.

Der Guide hat sich wohl auch nicht getraut, einen weissen Mann zum Trinken "zu zwingen".

PS: die Witwe hat die Reise mit dem anderen Ehepaar fortgesetzt.
237 Beiträge · seit 201013. Nov. 2012 · #12
Auch in den Alpen ist Herzinfarkt die Todesursache Nummer 1 beim Bergtod.
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise. (Ovambo)
Themenstarter630 Beiträge · seit 200813. Nov. 2012 · #13
Danke aussibaby für die zusätzlichen Infos.
PS: die Witwe hat die Reise mit dem anderen Ehepaar fortgesetzt.
Es gibt wirklich noch Leute, die hart im nehmen sind.

Klaus
Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet. (Hans Magnus Enzensberger)
1 Beiträge · seit 201309. Jan. 2013 · #14
hallo

ich habe lange gebraucht für den entschluss,hier zu antworten.
da ich der sohn des verstorbenen bin möchte ich mich hier für die mitfühlenden worte bedanken.

für mich war der vorfall ein schock,als ich,zurückgeblieben in deutschland plötzlich am 10.oktober des nachts eine sms von meiner mutter erhielt: alles vorbei,papa ist tot
das war überhaupt nicht möglich,ein schlechter scherz,ein irrtum,evtl hat meine mom,die sehr gutes englisch spricht,irgendwas falsch verstanden.....
mein vater war begnadeter alpinist,bergwanderer,sportler und jederzeit in der lage einem deutlich jüngeren jederzeit das wasser zu reichen.

ja,meine mom war hart im nehmen,aber sie beendete diesen urlaub auch wegen meinem vater,desweiteren haben ihr die behörden aus namibia hart zugesetzt,bevor mein vater obduziert wurde vergingen,durch die unfähigkeit der behörden,allein 4 wochen,und danach nochmal 3 wochen bis er dann endlich verbrannt wurde....

mein vater starb weder an dehydration,noch an einem herzinfarkt,
er starb an einer herzinsuffizienz,sein herz war zu gross,und war dann irgendwann nicht mehr kräftig genug,den körper mit blut,bzw sauerstoff zu versorgen.
eine symphtomatik dieses leidens ist kein hunger und kein durstgefühl,wodurch der gedanke der dehydration natürlich wieder nahe liegt.

er war mein liebster ski-partner und bester freund,
das loch das er gerissen hat ist riesengross

wie war diese blöde spruch??

das leben geht weiter.....

und ja,es geht weiter,mit dir im herzen mein freund

euch allen eine gute zeit
eddie
2'664 Beiträge · seit 201209. Jan. 2013 · #15
Danke, Eddie, für die Klarstellung und Beendigung aller Spekulationen.

Dir und Deiner Mutter mein aufrichtiges Beileid!

H.