Hallo miteinander,
da ich in einem anderen thread darum gebeten wurde, möchte ich gerne an dieser Stelle von unserer aktuellen Erfahrung der Regulation/Hilfe bei Unfällen berichten. Vielleicht helfen diese Informationen dem ein oder anderen.
Unsere diesjährige Reise von Cape Town nach Windhoek haben wir über Iwanowski in Dormagen zusammen stellen lassen. Recht kurz vor dem Abflug haben wir mit etwas Glück noch einen Toyota Hilux über Budget bekommen, und das zu einem sehr guten Preis. Vielleicht ist das sonst nicht so ein Problem, aber in diesem Jahr konnten wir erst wenige Wochen im Voraus in die Planung gehen.
Etwa 20 km nördlich von Mata Mata bei der Ausfahrt aus dem Kgalagadi ereilte uns auf guter Schotterstrecke dann ein Schicksalsschlag. Vielleicht lag es daran, dass wir den Reifendruck nach der Sandpiste aus der !Xaus-Lodge noch nicht wieder erhöht hatten, weil es ja unbefestigt weiterging, vielleicht war genau diese Strecke auch zu gut und wir ein wenig zu schnell. Jedenfalls überholte uns in einer langgezogenen, aber enger werdenden und nach aussen abfallenden Linkskurve unser Heck. Versuche des Gegenlenkes waren erfolglos und irgendwann mussten wir uns unserem Schicksal ergeben. Der Randwall vom Abräumen des Tracks wurde zur Sprungschanze und etliche Überschläge folgten. Irgendwann lagen wir dann auf der Seite. Das Auto wohl Totalschaden und wir gottlob bis auf Prellungen und Schrammen sowie einen lähmenden Schock, eigentlich unverletzt.
Sobald wir uns halbwegs gesammelt hatten und ich wenigstens an einen Teil der Reiseunterlagen kam, versuchten wir zunächst, den in Namibia für uns zuständigen Reiseveranstalter (AbenteuerAfrika - Swakopmund) anzurufen - leider kein Netz. Also Plan B: soweit uns möglich, begannen wir, unser Gepäch einzusammeln und neben der Strecke aufzubauen. Nach ca. 20 min? - ich weiß es nicht, fühlte sich aber für die Verhältnisse schnell an - kam eine Reisegruppe aus RSA mit 3 Geländewagen. Nachdem offensichtlich wurde, dass wir nichts Böses im Schilde führten (das Auto konnte man nicht sehen), haben wir eine unglaublich nette Hilfe erfahren. An dieser Stelle unser aufrichtiger Dank. Leider haben wir in der Aufregung nicht bedacht, Adressen hierfür zu notieren. Gemeinschaftlich haben wir unser Hab und Gut eingesammelt und auf die 3 Wagen verteilt. Mittels einer Seilwinde konnten wir den Toyota wieder auf die Füsse stellen und alles bergen.
Nach kurzer Abwägung entschieden wir, zurück zum Grenzposten Mata Mata zu fahren. So konnten wir den Unfall polizeilich aufnehmen lassen, so dass das schon einmal erledigt war. Auch in Mata Mata gibt es kein Handynetz. Parallel zu unseren Rückfragen bei Abenteuer Afrika hat ein Grenzbeamter unseren genialen Weitertransport organisiert.
2 Ambulanzen wurden angefordert. Die eine in Keetmanshoop, eine zweite in Koes.Letztere traf ca. 3,5 h nach dem Unfall in Mata Mata ein. Es kam ein Toyota-Kombi mit Matratze auf der Ladefläche sowie 3 Personen. Wir kamen dann mit 3 Personen samt Gepäck hinzu. In Lichtgeschwindigkeit ging es dann nach Koes in die "Klinik". Etwa zeitgleich traf dort die zweite Ambulanz ein. Dies war schon ein richtiger Krankentransportwagen, allerdings so altersschwach, dass er wohl das Gewicht nicht halten würde. Es wurde einiges Besprochen und organisiert und dann ging es eben doch mit diesem Auto weiter nach Keetmanshoop. Mit Blau-Rot-Licht durch die Ausläufer der Kalahari! Auf halber Strecke wurden wir dann in einen PKW des Gesundheitsministeriums umgeladen, während unser Gepäck in der Ambulanz weiterreisen durfte. Irgendwann kamen wir dann im Krankenhaus Keetmanshoop an, wo uns nach wenigen Minuten ein Privatarzt checkte. Die ganze Prozedur dauerte 11/2 Stunden und gegen 21 Uhr wurden wir nach einem kurzen Anruf vom Manager der Central Lodge im Krankenhaus abgeholt. Das waren dann vom Unfall an etwa 9 Stunden. Nicht auszudenken, wenn wir ernsthaft verletzt worden wären. Ob wir einen Privatarzt wollten, wurden wir in der Klinik gefragt. Was da auf uns zu kommt, weiß ich noch nicht, aber das ist versichert und sicher nach den Erlebnissen zweitrangig. Was uns sehr, sehr nachdenklich gestimmt hat: während der ganzen Zeit haben wir für den Rest der Klinikpatienten - und denen ging es sicher schlechter als uns - keinen Arzt gesehen.
Die große Überraschung kam am Ende: auf die Frage, was wir denn nun für diesen ganzen Aufwand zu zahlen hätten und ob ich irgendwo Adresse und Kreditkarte hinterlegen solle, bekamen wir die lächelnde Antwort: Nichts - das trägt der Staat. Das war unerwartet und toll. Nach bisheriger Information gibt es wohl einen Aufschlag im Spritpreis, über den dieses System finanziert wird. Sollte man mal für Deutschland überlegen!
Durch diese Transportorganisation sind wir am Ende noch am gleichen Tag in der Unterkunft angekommen, die sowieso vorgebucht war. Das war schon klasse überlegt!
Währenddessen hatte AbenteuerAfrika schon alternative Unterkunftsmöglichkeiten angefragt und versucht, uns irgendwo unterzubringen, falls das so nicht geklappt hätte. Wie es in diesem Fall gewesen wäre, kann man so natürlich nicht sagen. Für uns hatte das so ein gutes Ende und die Reise konnte unverändert fortgeführt werden.
Weiterhin wurde von Swakopmund aus mit Budget konferiert. Noch am Abend wurde uns aus Windhoek ein neues Auto zugestellt und nachts um 2 Uhr stand ein Transporter mit einem Nissan 4WD vor der Lodge. Klasse.
Zuletzt wurde auch die Bergung und der Abtransport unseres Unfallwagens aus Mata Mata organisiert. Der Abschleppwagen kam uns zwischenzeitlich entgegen. Geschleppt wurde wohl bis Keetmanshoop. Aber das wissen wir noch nicht genau. Den genau dieser Wermutstropfen bleibt an der sonst so überraschend positiven Erfahrung haften. Denn die Abschleppkosten vom Unfallort bis zu nächsten Zentrale des Vermieters sind ebenso wenig versichert wie der Antransport des neues Autos. So steht es jedenfalls im Mietvertrag, egal wieviel Super Cover man auch abgeschlossen hat. Was das am Ende kostet, wir werden berichten! Aber wir sind gesund geblieben, das ist die Hauptsache.
Leonie, Silke & Uwe Schulz
da ich in einem anderen thread darum gebeten wurde, möchte ich gerne an dieser Stelle von unserer aktuellen Erfahrung der Regulation/Hilfe bei Unfällen berichten. Vielleicht helfen diese Informationen dem ein oder anderen.
Unsere diesjährige Reise von Cape Town nach Windhoek haben wir über Iwanowski in Dormagen zusammen stellen lassen. Recht kurz vor dem Abflug haben wir mit etwas Glück noch einen Toyota Hilux über Budget bekommen, und das zu einem sehr guten Preis. Vielleicht ist das sonst nicht so ein Problem, aber in diesem Jahr konnten wir erst wenige Wochen im Voraus in die Planung gehen.
Etwa 20 km nördlich von Mata Mata bei der Ausfahrt aus dem Kgalagadi ereilte uns auf guter Schotterstrecke dann ein Schicksalsschlag. Vielleicht lag es daran, dass wir den Reifendruck nach der Sandpiste aus der !Xaus-Lodge noch nicht wieder erhöht hatten, weil es ja unbefestigt weiterging, vielleicht war genau diese Strecke auch zu gut und wir ein wenig zu schnell. Jedenfalls überholte uns in einer langgezogenen, aber enger werdenden und nach aussen abfallenden Linkskurve unser Heck. Versuche des Gegenlenkes waren erfolglos und irgendwann mussten wir uns unserem Schicksal ergeben. Der Randwall vom Abräumen des Tracks wurde zur Sprungschanze und etliche Überschläge folgten. Irgendwann lagen wir dann auf der Seite. Das Auto wohl Totalschaden und wir gottlob bis auf Prellungen und Schrammen sowie einen lähmenden Schock, eigentlich unverletzt.
Sobald wir uns halbwegs gesammelt hatten und ich wenigstens an einen Teil der Reiseunterlagen kam, versuchten wir zunächst, den in Namibia für uns zuständigen Reiseveranstalter (AbenteuerAfrika - Swakopmund) anzurufen - leider kein Netz. Also Plan B: soweit uns möglich, begannen wir, unser Gepäch einzusammeln und neben der Strecke aufzubauen. Nach ca. 20 min? - ich weiß es nicht, fühlte sich aber für die Verhältnisse schnell an - kam eine Reisegruppe aus RSA mit 3 Geländewagen. Nachdem offensichtlich wurde, dass wir nichts Böses im Schilde führten (das Auto konnte man nicht sehen), haben wir eine unglaublich nette Hilfe erfahren. An dieser Stelle unser aufrichtiger Dank. Leider haben wir in der Aufregung nicht bedacht, Adressen hierfür zu notieren. Gemeinschaftlich haben wir unser Hab und Gut eingesammelt und auf die 3 Wagen verteilt. Mittels einer Seilwinde konnten wir den Toyota wieder auf die Füsse stellen und alles bergen.
Nach kurzer Abwägung entschieden wir, zurück zum Grenzposten Mata Mata zu fahren. So konnten wir den Unfall polizeilich aufnehmen lassen, so dass das schon einmal erledigt war. Auch in Mata Mata gibt es kein Handynetz. Parallel zu unseren Rückfragen bei Abenteuer Afrika hat ein Grenzbeamter unseren genialen Weitertransport organisiert.
2 Ambulanzen wurden angefordert. Die eine in Keetmanshoop, eine zweite in Koes.Letztere traf ca. 3,5 h nach dem Unfall in Mata Mata ein. Es kam ein Toyota-Kombi mit Matratze auf der Ladefläche sowie 3 Personen. Wir kamen dann mit 3 Personen samt Gepäck hinzu. In Lichtgeschwindigkeit ging es dann nach Koes in die "Klinik". Etwa zeitgleich traf dort die zweite Ambulanz ein. Dies war schon ein richtiger Krankentransportwagen, allerdings so altersschwach, dass er wohl das Gewicht nicht halten würde. Es wurde einiges Besprochen und organisiert und dann ging es eben doch mit diesem Auto weiter nach Keetmanshoop. Mit Blau-Rot-Licht durch die Ausläufer der Kalahari! Auf halber Strecke wurden wir dann in einen PKW des Gesundheitsministeriums umgeladen, während unser Gepäck in der Ambulanz weiterreisen durfte. Irgendwann kamen wir dann im Krankenhaus Keetmanshoop an, wo uns nach wenigen Minuten ein Privatarzt checkte. Die ganze Prozedur dauerte 11/2 Stunden und gegen 21 Uhr wurden wir nach einem kurzen Anruf vom Manager der Central Lodge im Krankenhaus abgeholt. Das waren dann vom Unfall an etwa 9 Stunden. Nicht auszudenken, wenn wir ernsthaft verletzt worden wären. Ob wir einen Privatarzt wollten, wurden wir in der Klinik gefragt. Was da auf uns zu kommt, weiß ich noch nicht, aber das ist versichert und sicher nach den Erlebnissen zweitrangig. Was uns sehr, sehr nachdenklich gestimmt hat: während der ganzen Zeit haben wir für den Rest der Klinikpatienten - und denen ging es sicher schlechter als uns - keinen Arzt gesehen.
Die große Überraschung kam am Ende: auf die Frage, was wir denn nun für diesen ganzen Aufwand zu zahlen hätten und ob ich irgendwo Adresse und Kreditkarte hinterlegen solle, bekamen wir die lächelnde Antwort: Nichts - das trägt der Staat. Das war unerwartet und toll. Nach bisheriger Information gibt es wohl einen Aufschlag im Spritpreis, über den dieses System finanziert wird. Sollte man mal für Deutschland überlegen!
Durch diese Transportorganisation sind wir am Ende noch am gleichen Tag in der Unterkunft angekommen, die sowieso vorgebucht war. Das war schon klasse überlegt!
Währenddessen hatte AbenteuerAfrika schon alternative Unterkunftsmöglichkeiten angefragt und versucht, uns irgendwo unterzubringen, falls das so nicht geklappt hätte. Wie es in diesem Fall gewesen wäre, kann man so natürlich nicht sagen. Für uns hatte das so ein gutes Ende und die Reise konnte unverändert fortgeführt werden.
Weiterhin wurde von Swakopmund aus mit Budget konferiert. Noch am Abend wurde uns aus Windhoek ein neues Auto zugestellt und nachts um 2 Uhr stand ein Transporter mit einem Nissan 4WD vor der Lodge. Klasse.
Zuletzt wurde auch die Bergung und der Abtransport unseres Unfallwagens aus Mata Mata organisiert. Der Abschleppwagen kam uns zwischenzeitlich entgegen. Geschleppt wurde wohl bis Keetmanshoop. Aber das wissen wir noch nicht genau. Den genau dieser Wermutstropfen bleibt an der sonst so überraschend positiven Erfahrung haften. Denn die Abschleppkosten vom Unfallort bis zu nächsten Zentrale des Vermieters sind ebenso wenig versichert wie der Antransport des neues Autos. So steht es jedenfalls im Mietvertrag, egal wieviel Super Cover man auch abgeschlossen hat. Was das am Ende kostet, wir werden berichten! Aber wir sind gesund geblieben, das ist die Hauptsache.
Leonie, Silke & Uwe Schulz
Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besaßen sie die Bibel und wir das Land. Sie forderten uns auf zu beten. Und wir schlossen die Augen. Als wir sie wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt: Wir hatten die Bibel und sie das Land.
Desmond Tutu