Autoverschiffung-Erfahrungsbericht

6 Antworten · 9'492 Aufrufe · gestartet 28. Feb. 2012 von canoe
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Themenstarter39 Beiträge · seit 201128. Feb. 2012 · #1
Hallo,
wir sind gerade von einer 3 monatigen Südafrika/Namibia Tour mit unserem Ford Transit Womo zurück, das wir nach Südafrika verschifft haben. Für die Mitglieder, die auch an eine solche Reise denken, hier ein kleiner Erfahrungsbericht (den Reisebericht und Bilder könnt Ihr auf www.reisephant.com nachlesen).
Kurz vorneweg: Alles lief vollkommen problemlos (viel problemloser, als erwartet), wir hatten viel Spaß.
Vor der Verschiffung braucht man ein Carnet de Passage. Wir konnten es in Frankfurt beim ADAC gleich mitnehmen, geht aber auch schriftlich beim ADAC in München. Man muß allerdings eine Bankbürgschaft oder eine Kaution abhängig vom Zeitwert des Fahrzeuges (da kann man etwas nach unten schätzen) hinterlegen. Manche Banken zieren sich da.
Gebucht haben wir die Fähre über Seabridge. Die Kosten für ein Womo (6,10m lang, 2,20m breit und 2,90m hoch) waren inklusive aller Gebühren und Versicherungen knapp 4.000€. Sehr professionelle Betreuung und Abwicklung. Das Fahrzeug bringt man dann ein paar Tage vor dem Fährtermin nach Bremerhaven und gibt es bei der Spedition ab. Die Fähre geht etwa alle 2 Wochen nach Port Elisabeth. Dort kam sie dann auch pünktlich nach etwa 3 Wochen an. Der dortige supernette Agent von Seabridge hat uns zum Einkaufszentrum gefahren, so daß wir schon einmal die Vorräte besorgen konnten, während er die Formalitäten erledigt hat. Wir konnten dann das Auto einfach abholen und waren in 30 Minuten aus dem Hafen. Einfacher geht es nicht. Das Auto war nicht beschädigt, nichts fehlte. Allerdings haben wir eine stabile abgeschlossene Tür zwischen Fahrerhaus und Kabine.
Der Agent hat uns dann einen Gashändler gezeigt, bei dem wir (dank unseres Adapters) innerhalb weiterer 30 Minuten unsere deutschen Gasflaschen auffüllen konnten und damit startbereit waren.
In Südafrika und in Namibia sind wir mit unserer deutschen Autonummer von Menschen jeder Hautfarbe interessiert angesprochen worden, wir hatten, anders als vorher befürchtet, kein negatives Erlebnis. Auch auf Campingplätzen kamen sofort interessierte Gespräche zustande. Bei Polizeikontrollen wurden wir durchgewunken, an den Grenzen zu Swaziland oder Namibia wurden wir ausnehmend freundlich behandelt. Eine ausländische Nummer ist da unserer Erfahrung nach ein Vorteil. Vielleicht hatten wir aber einfach nur Glück. Das Ausfüllen unzähliger, sinnloser Listen braucht allerdings Zeit.
Auch sonst hatten wir Glück. Wir sind über 15.000km gefahren, davon knapp 30% auf Piste. Wir hatten keinerlei technisches (noch nicht einmal eine Reifenpanne) oder gesundheitliches Problem und sind trotz Regenzeit nie steckengeblieben. Die anspruchsvollste Strecken waren im KTP die Strecke Nossob-Botswana und Nossob über das Bitterpan Camp nach Mata Mata. Da war unser Ford Womo schon ein Exot.
Also kurz gefaßt: Verschiffen ist nicht schwierig und eine längere Reise durch das südl. Afrika mit dem eigenen Auto ist nicht problematisch und macht Spaß. Der Wagen steht jetzt in Windhoek, im Oktober ist die nächste 3 Monatsetappe (Sambia, Botswana, Zimbabwe, Mozambique, mehr SA) dran.
Gruß
Stefan
143 Beiträge · seit 200901. März 2012 · #2
Danke für die aktuelle Information,

vielleicht sollte man noch erwähnen, dass das Carnet de Passage "nur" eine Gültigkeit von einem Jahr hat 🙁 (und dann jeweils verlängert werden muss) und man dazu/ bzw. nach max. 1 Jahr erstmalig das Gefährt aus der Südafrikanischen Zollunion für einen Tag verbringen muss 🙁 , ("darf") - und auch wieder dann zurückfahren kann 😁 .

Zudem sind wohl immer noch für einen PKW/4x4 dergl. bei Ausstellung des Carnets eine "Absicherung in cash oder Bankbürgschaft in Höhe von 5.000,- € fällig, die man erst wieder bekommt, wenn entweder das Fahrzeug wieder daheim ist, oder aber im Zielland nachweislich verschrottet, gestohlen oder sonst irgendwie wie "umgekommen" ist.

Unsere Bank berechnet für so eine "Gefälligkeit" einer Bürgschaft unter dem Strich kleine 100,- €/anno. Daher also die Bankenkrise 😠

Unter dem Strich ist das Carnet vom Verwaltungsaufwand her gut zu händeln, bedarf aber der Beachtung der Jahresfrist(en) und der Vorabfinanzierung. 😗

Schlägt man dann den Transportpreis oben drauf (nur mal oneway, wie hier) mit den genannten 4.000,- €, so bindet man unter dem Strich knappe 10.000,-€ längerfristig und muss auch noch den Fahrzeugwert für die "eigene Abrechnung" ansetzen, bestfalls mit "0,00 €", wenn das Fahrzeug sowieso "abgeschrieben ist, oder nichts gekostet hat.
Da kommen schnell Werte zusammen.

Positivster Effekt dabei jedoch: man hat das eigene Fahrzeug dabei, dass komplett ausgerüstet ist und ggf. vorher technisch vollständig auf das Abenteuer ausgerichtet werden kann - und die Vorfreude beim Basteln, Bauen, Konstruieren daheim schafft ja auch doppelte Freude, dann, wenn alles im Zielland auch technisch funktioniert.

Gute 4x4 Rechtslenker (mit deutscher Zulassungsmöglichkeit) finden sich preisgünstig-er für solche Vorhaben sowohl in Dtschl. als auch besonders gut in Great Britain (als kleine Vor-Urlaubsreise).

Vielleicht kann jemand noch etwas Wissen zu diesem Thema beitragen(???) oder hat aktuelle Neuigkeiten, fragt steenbok mal so angehängt an dieses Thema
zuletzt bearbeitet 01. März 2012
466 Beiträge · seit 201001. März 2012 · #3
Hallo Stefan,

schön wieder von euch zu lesen - wir hatten uns ja seinerzeit in der Nähe von Hermanus getroffen und waren da noch voll der Hoffnung bald unser Auto zu haben...

Ich werde später noch gerne unseren Erfahrungen vom Fahrzeugtransport nach Kapstadt schildern - und auch noch zum Kauf von Fahrzeugen in UK was schreiben, denn wir haben uns einen Toyota LC der 80er Baureihe in UK gekauft und von dort direkt nach SA verschiffen lassen.

LG Frank
immer wieder gern im südlichen Afrika unterwegs...
Themenstarter39 Beiträge · seit 201101. März 2012 · #4
Hallo,
danke für die Ergänzungen. Rein wirtschaftlich ist die Verschiffung kaum lohnend. Du hast Recht, für das Geld könnte man sich ein gebrauchtes Auto in SA kaufen. Allerdings ist das dann nicht ausgerüstet und ein Womo mit Allradantrieb, bequemem Bett und Waschraum/Küche gibt es schlicht nicht. Der Luxus kostet halt extra. Wenn man wie wir 3x3 Monate reine Reisezeit plant ist der Preis pro Tag auch nicht so fürchterlich. Aber solche Entscheidungen trifft man eh nicht vollkommen rational, man versucht nur im Nachhinein sie rational zu begründen (geht mir jedenfalls so).
Gruß
Stefan
167 Beiträge · seit 200901. März 2012 · #5
Danke für die Erfahrungsberichte!! Sehr hilfreich. @canoe, ich denke Ihr hattet sehr viel Glück mit der Verschiffung und dem reibungslosen Ablauf vor Ort! Habe da schon andere Geschichten gehört...
VG Ruaha
Themenstarter39 Beiträge · seit 201102. März 2012 · #6
Hallo Ruaha,
die schlimmen Erfahrungen (Einbrüche etc.), auf die Du Dich beziehst, betrifft meist die Grimaldi-Line nach Buenos Aires, auf der fast immer mehrere Womos reisen. Die hat verschiedene Stops auf dem Weg nach BA, unter anderem in Dakar, um unterwegs Fahrzeuge ein- und auszuladen. Da werden unterwegs die Fahrzeuge immer wieder zugänglich, auch für Außenstehende (Hafenarbeiter etc.), die auch Touristenfahrzeuge erwarten. Das Schiff Bremerhaven-Port Elisabeth fährt Non-Stop und hat in der Regel nur Neufahrzeuge, selten Touristenfahrzeuge an Bord. Ich hatte mich vorher informiert (unter anderem bei Freunden, die 2 Wochen vor uns verschifft haben) und hatte durchweg die gleichen Erfahrungen gehört. Trotzdem würde ich nur Fahrzeuge verschiffen, bei denen das (für die Ladearbeiter zugängliche) Führerhaus von der Wohnkabine abtrennbar ist.
Gruß
Stefan
167 Beiträge · seit 200902. März 2012 · #7
Danke Canoe! Ich meinte auch die Geschwindigkeit und Kosten der Wagenübernahme vor Ort. Da gibt es auch immer mal unangenehme Überraschungen! Weiterhin gute Reisen mit dem eigenen Auto in Afrika!!