Geht in die Living Museum!

21 Antworten · 7'353 Aufrufe · gestartet 27. Dez. 2011 von lilytrotter
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Themenstarter4'129 Beiträge · seit 200827. Dez. 2011 · #1
Geht in die Living Museum!


Immer wieder wird hier im Forum von Reisenden das Bedürfnis geäußert, die traditionelle Kultur der unterschiedlichen Stämme kennenzulernen.
Ganz vorn in der Hitliste stehen die Himba, die San, weit dahinter die Damara, – nach Nama, Herero, Ovambo hat in den letzten Jahren keiner fragt...


Wenn man als Reisender Interesse an den z.T. noch sehr ursprünglich lebenden Ethnien eines Landes hat, ist eine gute Vorbereitung nicht ganz unwichtig. Mit Hilfe einiger guter Bücher kann man sich ein gutes Grundlagenwissen über das Volk aneignen, das einen interessiert. Es hilft einem, das, was man dann vor Ort sieht und erlebt, besser zu verstehen und einzuordnen. Und nebenbei freuen sich Diejenigen, die man besucht, wenn sie merken, dass man schon etwas über ihr Volk weiß. Denn es zeigt ihnen, dass man sich wirklich für sie interessiert.
Auch ein gewöhnlicher Museumsbesuch bietet dem Reisenden eine gute Informationsquelle, wenn er etwas über Land und Leute und die Facetten der Landesgeschichte und Kultur erfahren will. Museen sind die idealen Orte, um sich, schnell konsumierbar, einen Überblick zu verschaffen, wenn man mehr über Ethnien und deren Kultur erfahren will. Und man begibt sich nicht in die peinlichen „Begaffen-Situationen“.

Eine sehr gute Möglichkeit: Man nehme sich viel Zeit und halte sich auch länger in Dörfern und Städten auf! Die meisten Reisenden meiden Dörfer und Städte, wünschen sich jedoch gleichzeitig Kontakt zu einigen ausgewählten Ethnien. Das ist ein Widerspruch in sich.

Wirklichen sozialen Kontakt bekommt man nur, wenn man sich viel Zeit nimmt, sich an einem Ort länger aufhält, an dem man mit den Menschen Kontakt wünscht (- und die Einheit für „viel“ ist nicht Minuten, sondern Tage! Das ist in unserer Kultur nicht anders.).
Alles andere, jeder noch so gut gemeinte Besuch, bleibt voyeuristisch. Und man sollte sich darüber im Klaren sein, dass jedem Kurz-Besuch bei einem Stamm, egal wie „gut“ man ihn hinkriegt, diese Komponente innewohnt.

Der Wunsch eines Reisenden, einen Blick in eine fremde und spannende Kultur zu werfen, ist mehr als verständlich. Und ist auch durchaus gewünscht! Welches Volk würde schon gerne von sich sagen müssen, dass man an ihm keinerlei Interesse habe?

Wenn man lebendige traditionelle Kultur sehen will, kann ich nur empfehlen:
Geht in die Museumsdörfer, um etwas über die traditionelle Lebensweise der Bevölkerung zu erfahren und mitzuerleben!
Namibia hat da eine sehr fortschrittliche Organisation und hat schon einige dieser „Living Museum“ zu bieten.
Siehe LCF: http://www.lcfn.info/
(auch hier im Forum steht schon einiges über sie geschrieben!)

Lebendige Museen werden seit Jahren auch in Europa und weltweit aufgebaut und sind faszinierende Orte, um sich (auch in der eigenen Heimat) den Wurzeln der Kultur zu nähern.

Ja. Das wirkliche Leben ist es natürlich nicht, aber eine sehr gute Abbildung dessen, was einmal das wirkliche Leben war oder gar in Teilen noch ist.

Wäre da nur nicht der immer wieder geäußerte kritische Anspruch: Im Museum würde die Authentizität fehlen. „Alternativ“ werden von machen Lodges mit Gästen gewisse Dörfer aufgesucht. Dort, wird häufig berichtet, hätte man sich wie in einem „Menschen-Zoo“ gefühlt. – Ja, diesen „Zoo“, den kreiert man mit, sobald man zum Ansehen in solche „Schaudörfer“ geht und ebenso überall dort, wo man es „mal eben schnell“ auf eigene Faust versucht oder sich „mal eben schnell“ den Kontakt über einen Mittelsmann ermöglicht. Und - dort ist es dann auch gut, sich wie im Zoo zu fühlen, damit man weiß, was man da gerade tut.

Denn, auch wir würden uns "wie im Zoo" vor kommen, wenn bei uns am Gartenzaun plötzlich Gruppen Japaner oder Araber stehen würden, sich in unseren Alltag drängen und um Einlass bitten, um unseren Tagesablauf und unsere Wohnung anzusehen und zu fotografieren (selbst wenn wir dazu aus wirtschaftlicher Not ja sagen würden!).

Hier in Europa haben wir, zum Erhalt und aus Interesse an unserer Kulturgeschichte, Museen und Museumsdörfer, diese stehen natürlich auch dem interessierten Touristen zur Verfügung und das wird auch gut angenommen. Und beide Seiten, Einheimische und Touristen freuen sich über das gegenseitige Interesse.

In lebendigen Museen, ob hier oder dort, kann man darüber hinaus sogar mitmachen, Fragen stellen und Menschen fotografieren, soviel man will, - denn dafür sind die Leute in diesen Museen da und sie geben sich Mühe, möglichst authentisch und möglichst gut zu sein, das ist ihr Ziel. Und sie wären enttäuscht, wenn keiner käme und das Museum besucht, weil er meint, dass er die Leute in den Trachten, beim spinnen, beim Tanzen nicht fotografieren mag, weil das "wie im Zoo" sei.
Denn, das ist eben der Unterschied: Das ist kein Menschen-Zoo, das ist Dienstleistung! Das ist Theater, das ist museal, das ist gelebte Geschichte, das ist Bildung, … die Leute sind extra dafür da!
Bei uns oft ehrenamtlich, in Namibia verdienen sie damit ihr Geld zum Leben, in den extra hierfür aufgebauten Dörfern.

Ebenfalls ein großes Plus dieser lebendigen Museumsdörfer:
Quasi nebenbei, bieten sie dem jeweiligen Volk/Stamm eine Möglichkeit, ihre Kulturgeschichte zu pflegen und zu wertschätzen, denn, - und da sollte man sich nichts vormachen, - auch bei den namibischen Ethnien, sind nicht mehr alle Kulturtechniken und alles alte Wissen vorhanden (das haben die Leute beim Aufbau des Living Museum Damara deutlich feststellen müssen, sie mussten selber erst mal forschen und die Alten zu Rate ziehen). Vieles war verschüttet, was man z.T. als altmodisches ‚Tribal Knowlege‘ abgetan hatte, im Bedürfnis modern zu leben und zu denken. Da sind die namibischen Völker nicht viel anders, als die meisten Menschen aller anderen Völker der Welt.

Der Besuch eines Living Museum und anderer Einrichtungen, die extra für Besucher konzipiert sind, sind also genau die richtige Wahl, um sich über diese Ethnien zu informieren und Kontakt zu ihnen aufzunehmen! Sie passen genau in den Rahmen der touristischen Bedürfnisse.

In diesem Sinne
Grüße Lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 27. Dez. 2011
3'700 Beiträge · seit 200927. Dez. 2011 · #2
Hallo,

zum Thema "Touristen wollen den edlen Wilden" gab es in der Zeit am 07.12. ein interessantes Interview:
Traditionen werden zu einer Art Prostitution, wenn sie nur noch für Touristen gelebt werden. Da posiert ein Indianer im Federkostüm für den Besucher und geht mit dem Geld anschließend in den Pub. Viele Reiseveranstalter verstärken das Problem, indem sie die Tradition als Exotik vermarkten. Aber wenn die Tradition nur noch dem schnellen Geld dient, dann ist der Kulturverlust total.

Liebe Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
5'538 Beiträge · seit 200827. Dez. 2011 · #3
Hallo Zusammen,

erst mal Danke an Lillytrotter. Du hast Dich sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich hoffe, dass jeder Fomi, der sich mit dem Gedanken beschäftigt, die Menschen dieses Landes in ihren ursprünglichen Gebieten aufzusuchen, Deinen Artikel liest. Wie er sich dann danach entscheidet, ist dann seine Sache.

@Marina: Danke auch an Dich. Auch Dein Argument, das Du uns als Auszug aus dem Interview zur Kenntnis bringst - ist nicht von der Hand zu weisen. Sehe ich mir in Walvis Bay - da wo die Delfintour startet - oder in Swakopmund oder Windhoek die vielen Himba-Damen an, dann ist das eindeutig ein Sich-zur-Schau-Stellen und hat mit der ursprünglichen Kultur nichts mehr zu tun. Hier wird die Kultur der Völker missbraucht, um möglichst viel Kohle zu machen. Ob das bei den Living-Museen anders ist? Ich weiß es wirklich nicht, denn wie will ich als Besucher eines solchen Dorfes erkennen, was die Menschen, die dort oft nur zeitweise leben, wirklich denken. Übrigens, das "zeitweise" könnte ein wichtiges Indiz dafür sein, ob die Menschen ihre Kultur tatsächlich noch leben oder ob ihre Zur-Schau-Stellung nur dem Zweck dient, Geld zu verdienen. Aber ist das verwerflich, wenn einem die Lebensgrundlage aus welchen Gründen auch immer entzogen worden ist? Ich denke nein.

Aber selbst in den Dörfern, in denen die Menschen tatsächlich noch in ihrer Kultur leben, muss ich mir immer gegenwärtig sein, dass der Fortschritt auch dort nicht ganz und für immer Halt macht. Das kommt in dem Interview sehr gut zum Ausdruck:

Die Suche nach dem Ursprünglichen und "edlen Wilden" bewegt sicherlich viele deutsche und generell westliche Urlauber, zu diesen Völkern zu reisen. Dieses Konzept aus dem 19. Jahrhundert ist natürlich Quatsch. Wenn man einen Tuareg fragt, wo denn der Karawanenhandel stattfindet, lacht der nur. Er wird einem wahrscheinlich sagen, dass Jeeps die Kamele des 21. Jahrhunderts sind. Touristen sollten sich davor hüten, von diesen Völkern einen Exotismus zu erwarten, den es nicht mehr gibt. Man sollte also nicht frustriert sein, wenn einem plötzlich ein Eingeborener mit iPhone und Laptop gegenübersitzt. 


Liebe Grüße (heute zum letzten Mal von der Atlantikküste)
Gerd

PS: Ich habe da noch eine Ergänzung. Wie der eine oder andere Leser schon bemerkt hat, empfehle ich gerne Opuwo. Warum? Weil ich hier das Leben der Menschen erleben kann, ohne dass die sich um mich kümmern. Sie gehen dort Ihrer Arbeit oder Ihrer Vergnügen nach und denken nicht daran, sich mir "zur Schau zu stellen".
zuletzt bearbeitet 27. Dez. 2011
22 Beiträge · seit 200728. Dez. 2011 · #4
Hallo Marina,

ja ... mal wieder steht die Kritik so allein im Raum an der touristischen Ausbeutung der indigenen Kultur in den "Schaudörfern". Das Glas ist bei dieser schwierigen Thematik auch öfter halbleer als halbvoll.

Tatsächlich ist es bei "unseren" Lebenden Museen so, dass ein Arbeitsplatz für die Völker Namibia geschaffen wird, indem sie ausschließlich traditionelle Kultur darstellen. Es ist weniger ein Theater, was oft vorgeworfen wird, sondern tatsächlich mehr ein Museum, indem der Besucher eigentlich die zentrale steuernde Rolle spielt und auf ihn eingegangen wird.

Durch die Schaffung dieses Arbeitsplatzes versuchen wir zu verhindern, dass Touristen andauernd in das Privatleben der Namibier eindringen (Ovahimba etc). Ein wichtiger Aspekt ist aber auch, dass stets Kinder im Museum dabei sind, die ihre traditonelle Kultur so wieder aufnehmen, was anderfalls nicht geschehen würde. Ein Lebendes Museum ist also ein kommunales Business und eine Schule zur Wahrung der Tradition.

Natürlich macht man mit seiner traditionellen Kultur im Lebenden Museum Geld, ohne die Lebenden Museen würden die nambischen Traditionen aber noch schneller aussterben. Im Gegenteil: Im Damara-Museum wird Kultur gezeigt, die bereits ausgestorben war und ziemlich aufwendig von der LCFN und den Akteuren des Museums rekonstruiert wurde. Die Akteure sind äußerst stolz auf das erreichte, das geht über die bloße Zur-Schau-Stellung bei weitem hinaus, es gibt stets einen Lerneffekt.

Was die Individuen dann mit dem verdienten Geld machen, ist ihre Sache. Unsere Erfahrung zeigt aber das mitnichten alles nur in Pubs oder Sheebeens umgesetzt wird.

Sebastian Dürrschmidt
Living Culture Foundation Namibia
http://www.lcfn.info
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723 Beiträge · seit 201128. Dez. 2011 · #5
Fehler
Gruß Reinhard
zuletzt bearbeitet 28. Dez. 2011
723 Beiträge · seit 201128. Dez. 2011 · #6
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Gruß Reinhard
66 Beiträge · seit 201029. Dez. 2011 · #7
Hi,
Da ich nun schon seid 2 Jahren in Namibia lebe, wollte ich mich auch mal zu diesem Thema aueussern.
Bisher konnte ich es vermeiden in ein "traditionelles Himbadorf" zu gehen (ich konnte auch meine Eltern davon ueberzeugen dies nicht zu tun 🙂 ).
Warum? So interessant ich traditionelle Lebensweisen auch finde, finde ich dieses ganze Theater mit den Gastgeschenken als Bezahlung unecht und inszeniert. Wie schon vorher bemerkt, sind die Hinba auch nicht dumm und verstehen es inzwischen ihre "Goodies" gegen Alkohol einzutauschen.
In diesem Sinne ist ein Living Museum ehrlicher, da dort der Museumscharakter im Vordergurnd sthet und keine Echtheit vorgespielt wird und den "Akteuren" mehr Wuerde zugestanden wird.
Wie Gerd finde ich auch Opuwo toll. Ich kann traditionelle Kultur in ihrem Uebergang zur Moderne Beobachten ohne diesen Zoocharakter zu haben. Eine traditionell gekleidete Himbafrau, welche gerade am Cellphone spricht finde ich 10x authentischer als irgendeine Geschenkeuebergabe, bei der die Himbas mal schnell vorher ihre Handys verstecken um etwas authentischer zu sein. Ebenso freute ich mich (und meine Besucher) sehr darueber, einen traditionell gekleideten Himba auf seinem Moped durch Ruacana fahren zu sehen.

Ich kann mich daran erinnern, in einem Artikel gelesen zu haben, dass die Mitarbeiter des Damara-Museums von San eingelernt wurden. Ich finde es etwas fragwuerdig wenn die Damaras nun aus Mangel an eigenen Ueberlieferungen traditionelles San-Leben vorfueren. Aber vielleicht habe ich das ja auch falsch verstanden und die LCFN kann mich aufklaeren.
Gruesse,
tokoloshe
66 Beiträge · seit 201029. Dez. 2011 · #8
Ach ja, was ich noch bezueglich "einlesen" in die kulturen Namibias sagen wollte:
Ich fand das Buch "Die Voelker Namibias" von Johan S. Malan sehr gut (gibts auf deutsch und englisch. Das Buch gibt es in jeder richtigen Namibischen Buchhandlung (nicht CMA)und uebrs Internet auch in D.
Es gibt eine gute eine gute Einfuehrung in die traditionellen Lebensweissen der Namibischen Voelker. Es ist schon etwas aelter (wurde wohl noch zu Apartheidszeiten geschrieben und auch in der 3. Auflage von 2005 hat sich nicht viel geaendert.
Zu den Namibischen Voelkern gibt es sonst ausser Bildbaenden nicht viel Literatur, speziell zu den Damara ist mir bisher ausser einem Uralten extrem teuren Buch ("the Bergdamara") nicht viel aufgefallen. Wenn da noch jemand Tipps hat, bitte melden.
Gruesse,
Tokoloshe
4'140 Beiträge · seit 200929. Dez. 2011 · #9
Hallo tokoloshe,
was die Ähnlichkeit des Living Museum der Damara mit dem der San anbetrifft, magst du durchaus Recht haben. Beide Erklärungen zu verschiedenen Stationen, wie z.B. das Feuermachen oder die Schmuckherstellkung sind nahezu identisch. Trotzdem gibt es ein paar Unterschiede, wie z.B. in den Tänzen und Gesängen und auch einige Stationen, wie z.B. das traditionelle Löcherspiel (weiß nicht, wie es richtig heißt) oder die Bearbeitung von Leder.
Insgesamt bin ich aber der Meinung, dass man beide besuchen sollte. Sebastian hat schon ein paar gute Argumente dazu genannt. Schließlich wird nur auf diesem Weg ein Teil der ursprünglichen Kultur erhalten.
In Deutschland haben wir ja auch Ähnliches: Heimatabende in Nordfriesland genauso wie in Oberbayern und auch hier tragen z.B. Trachtenvereine dazu bei Kulturgut zu erhalten. Auch wenn ich kein Fan davon bin, sehe ich darin eine wichtige Funktion, denn wenn man ausschließlich bei der Unterhaltung auf Discos setzt, wird verschiedenes der Kultur und eigenen Identität bald verloren gehen und das wäre insgesamt in Deutschland genauso schade wie in Namibia. Also schließe ich mich dem Aufruf an und erweitere ihn auch noch, indem ich anregen möchte, auch die Museen in Namibia zu besuchen und zwar nicht nur in Swakopmund und Tsumeb, sondern auch in anderen Orten, wie z.B. in Grootfontein, wo ein selten besuchtes aber sehr ordentliches Museum ist, in dem man auch einiges z.B. über die Himba-Kultur lernen kann.
Gruß:
Burschi
21x Namibia, 6x Botswana, 6x Südafrika, 4x Simbabwe, 2x Sambia, 1x Tansania, 2x Kenia, 1x Mauritius, 1x Sansibar
Themenstarter4'129 Beiträge · seit 200823. Mai 2017 · #10
Hier eine Ergänzung:
Vor einem halben Jahr eröffnete das Living Museum der Ovahimba im Kaokoveld.

https://www.namibia-forum.ch/forum/11-diverses/290703-neues-living-museum.html?start=6#454672

Gern nehme ich das zum Anlass, mich zu wiederholen: Wenn ihr etwas von der Kultur der Ethnien erleben und lernen wollt: Geht in die Living Museum!
Neben der wichtigen Funktion des Erhaltes der historischen Grundlagen der eigenen Kultur geben sie der jeweiligen Gemeinschaft die Gelegenheit Geld zu verdienen.

Diese Museumsdörfer schützen die privaten Bereiche der Himba und decken einen touristischen Bedarf mit dem das Land ja auch wirbt. Man stelle sich nur vor, Touristen-Busladungen würden sich in Zukunft an kleinsten Hüttenansammlungen in abgelegenen Teilen des Kaokoveldes ergießen...

Die Menschen arbeiten in den Living Museum zum Geld verdienen und zur Darstellung ihrer Kultur und zum fotografiert-werden. Ganz einfach, - machen wir in unserem Museumsdorf hier in Deutschland genauso (allerdings ehrenamtlich). Und wir sind auf tausenden von Handys und Fotos abgebildet. Das gleiche Prinzip. Und beide Seiten sind zufrieden, die Touristen und die Museumsdörfler.

Die Vorstellung der/des schönen und glücklichen Wilden ist naiv, wir alle lassen uns allerdings gern damit füttern.
Ganz und gar nicht können wir der Vorstellung folgen, die von manchen Namibiern vertreten wird: Sie sind der festen Überzeugung, nur wenn die Himba weiter traditionell und wie bisher, unter gemäßer 'Betreuung' in einer Hierarchie leben, seien sie glücklich und geschützt. Wir haben schon Abende darüber diskutiert. Das sind verschiedene Lebenswelten.
Gern wird das Argument des letztlich unglücklichen „Naturkindes“, Verwahrlosung und Alkoholismus angeführt. Dazu bedarf es zwar keiner Bildung 😎 , allerdings ist es tatsächlich ein kritischer Moment, wenn sich ein Anspruchsdenken breit macht, dass Bildung eine Berechtigung zu besserem Leben innewohnt und nicht eine Option dafür ist und ein Wert an sich.
Aber diese Fehlhaltung ist auf der ganzen Welt ein Problem, dass sich verdrehte Ansprüche im Hirn festsetzen oder Dummköpfe sich für das schnelle Geld prostituieren. Dagegen ist kein Kraut gewachsen.
Wäre das behandelbar, wäre die Menschheit einen großen Schritt weiter.

Diese Living Museum sind ein großer Schritt in die richtige Richtung, denn durch das verdiente Geld wird auch eine bessere Bildungssituation geschaffen, mehr Bewusstsein für die Gesundheits- und Hygieneversorgung und letztlich auch für das Hinterfragen alter Traditionen, wie das Zähne-ausschlagen bei Mädchen und anderer Gräuel.

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 23. Mai 2017
649 Beiträge · seit 200724. Mai 2017 · #11
Danke, Lillytrotter für Deine gut auf den Punkt gebrachten Gedanken. Ich stimme jeden Satz zu, würde keinen streichen und keinen ergänzen wollen!
18 Beiträge · seit 202414. Feb. 2024 · #12
Spannende Diskussion, wenn auch schon Jahre alt - nichtsdestotrotz habe ich das gerne gelesen und kann folgende Annekdote einstreuen: Ich bin absoluter Laie und fahre Ende Mai zum zweiten Mal nach Namibia, diesmal um Urlaub mit der Familie zu machen - beim ersten Mal musste ich aufgrund des Todes meines Vaters zwischen Palmwag und Opuwo vor allem organisieren - und habe jetzt eine schöne Tour ausgearbeitet. Ich habe lange überlegt, ob es gut/sinnvoll/moralisch vertretbar ist, die Ovahimba zu besuchen, und war kurz davor, über die Opuwo Country Lodge den Besuch eines Dorfes der Ovahimba zu buchen - stolze 3280 NAD sollte das für 4 Personen kosten und 2-3 Stunden dauern. In der Beschreibung bin ich allerdings über folgenden Satz gestolpert: "After the excursion, a food gift will be presented to the Himba as a note of appreciation and for the warm welcome."

Wenn ich das richtig verstehe, kassiert die Lodge, wir Touris bezahlen für örtliche Verhältnisse ein Vermögen und dringen noch dazu in private Bereiche der Menschen ein?

Ich habe nicht gebucht. Wir werden stattdessen selbst zum Living Museum Ovahimba fahren.
388 Beiträge · seit 201714. Feb. 2024 · #13
Kurz vor Sesfontain (also Richtung Palmwag) gibt es inzwschen auch ein Himba Living Museum Dorf, in Eigenregie. War dort vor 2 Wochen und es war sehr angenehm. Waren nur die Frauen da, aber die waren sehr nett udn froh über Besuch. 150 NAM pro Person, fast zwei Stunden.
18 Beiträge · seit 202414. Feb. 2024 · #14
Da kommen wir auch vorbei, fahren von Palmwag nach Opuwo...Danke für den Tip!
18 Beiträge · seit 202427. Mai 2024 · #15
Wir sind gerade mittendrin in unserem Namibia-Abenteuer und haben bereits Sossusvlei, Swakopmund, Palmwag inklusive Concession und jetzt Opuwo hinter uns und sitzen gerade in der Opuwo Country Lodge auf der Campsite. Heute vormittag waren wir im Living Museum der Ovahimba nördlich von Opuwo - und wir waren wirklich begeistert. Wilson, unser Guide und selbst Mitglied der Familie, hat uns stets mit seiner Familie auf Augenhöhe in den Austausch gebracht und wir hatten komplett das Gefühl, willkommen zu sein. Wir durften teilhaben an den Tätigkeiten im Dorf und waren überrascht, wie offen und vor allem neugierig alle waren. Vor allem die jüngeren Mädchen und Frauen waren total interessiert an unseren Kindern (8 und 13) und nahmen unserem Jüngsten auch schnell die Scheu, als sie merkten, dass er vor allem Freude an den Ziegen hatte und ihm eine Ziege zum Streicheln brachten. Ich war sehr neugierig und Wilson berichtete mir auch über die Connection zu Sebastian und die Geschichte zur Entstehung des Dorfes. Wir waren knapp drei Stunden im Dorf und wären tatsächlich gerne länger geblieben, weil es so viel auszutauschen gab, auch über Deutschland und das Leben dort und es auch von Seiten der Himba so viele Fragen gab.

Wilson bringt den Kindern der Familien Lesen und Schreiben bei und ich hab mich echt geärgert, dass ich die Blöcke und Stifte, die ich mitbringen wollte vergessen habe. Für uns alle vier war es ein wirklich tolles Erlebnis - auch wenn wir überrascht und erschreckt waren über die Heiratsbräuche und das Zähne ausschlagen, das wohl immer noch praktiziert wird. Das haben wir aber auch deutlich kund getan.

Wir waren die ersten Besucher nach 3 Tagen, und die Freude war ehrlich groß. Ich kann das Living Museum und auch das der Damara sehr empfehlen, wenn sich auch das der Damara dahingehend unterscheidet, das es wesentlich unpersönlicher ist, aber wohl weil die Damara das eher spielen und nicht mehr so leben.
104 Beiträge · seit 201828. Mai 2024 · #16
Wir werden im Oktober in das Living Museum der San bei Tsumkwe besuchen.

Nachdem wir 2019 ein Himba- Dorf besuchten und uns dabei nicht so gut gefühlt dabei. Unser Problem war, daß wir nicht gerne die Menschen fotografierten und in ihren Privatbereich eindrangen, sprich in die Hütten gehen usw..

Insgesamt war es aber sehr lehrreich und interessant. Bei den San wird das etwas anders ablaufen. Habe jetzt schon Kontakt
zu unserem Guide !amasche via Whatsapp. Wir sind sehr gespannt was uns erwartet...

Eine Frage: Auf unserer Tour werden wir an dem "Lizauli Traditional Village" vorbei kommen. War da vielleicht schon jemand? Gerne würde ich auch über diesen Stamm etwas erfahren.

Viele Grüße, christoph
https://www.tickerfactory.com
33,1k Beiträge · seit 200627. Juni 2024 · #18
Erstes anerkanntes lebendes Kulturmuseum der Ovaherero zur Förderung des Tourismus und der Gemeindeentwicklung eröffnet:
https://www.namibian.com.na/ovaherero-museum-seeks-funds-for-completion/
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
104 Beiträge · seit 201828. Juni 2024 · #19
Die letzten Feinheiten für unseren Trip nach Namibia und Botswana laufen. Wir werden u.a. im Kazondwe Camp 2 Nächte verbringen. In der Nähe befindet sich das Namushasha Heritage Centre. War da schon jemand? Was erwartet uns da? Die paar Info's die ich gefunden habe gefallen mir. Grüße
https://www.tickerfactory.com
16,9k Beiträge · seit 201228. Juni 2024 · #20
Hallo Clue4fun,

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zuletzt bearbeitet 28. Juni 2024