4.7.11Die Temperatur morgens ist über dem Gefrierpunkt! Das Duschwasser ist auch schon angeheizt, da kann der Tag ja gut starten – fast, denn die Sanitäranlagen auf Ameib haben die besten Tage klar hinter sich. Es gibt für Frauen und Männer nur jeweils eine Dusche und Toilette (wie ist das in der Hochsaison? es gibt geschätzt 12 Stellplätze, also ist das dann definitiv ein Engpass). Bei den Männern kommt auch kein warmes Wasser und bei der Frauendusche ist der Duschkopf halb verstopft. Ich demontiere den Duschkopf einfach und vergnüge mich unter dem Wasserstrahl.
Wir packen flott zusammen (es ist inzwischen Routine) und so kommen wir zügig los (bei uns heißt das ungefähr 8:30h) zum Parkplatz für die Philips Cave, einer Felsmalerei auf dem Farmgelände. Man kann mit dem Auto nur in die Nähe fahren und muss dann noch gut 40 Minuten pro Strecke durch Busch und Feld wandern. Kurz vor dem Parkplatz springe ich aus dem Auto: Es sind deutliche Leopardenspuren zu sehen, die noch von keiner Fahrspur verdeckt werden! Vertrauen wir mal darauf, das das Tier in der Nacht Jagderfolg hatte und keinen Appetit auf uns hat.
Es ist schon ein besonderes Erlebnis, mit dieser leichten Anspannung durch den Busch zu wandern, schließlich auf einen Felsen zu klettern und dann vor Felszeichnungen zu stehen, deren Bedeutung, Alter und Herkunft nicht genau erklärbar sind. Die Zeichnungen mögen nicht die Schönsten, Größten, Meisten oder Buntesten sein - für uns sind es die Ersten und in dieser Umgebung einfach magisch!
Erst Mittags kommen wir dann endgültig von der Ameib Ranch los und stoppen in Omaruru, damit wir vor Etosha unsere Vorräte wieder aufgefüllt haben. Der Ort macht einen ausgesprochen netten Eindruck und schräg gegenüber von SPAR entdecken wir das Cafe „Sand Dragon“ mit seiner schattigen Terrasse. Da kann man doch gar nicht anders, als zum Lunch zu bleiben …
Zum „Sand Dragon“ sind bei uns ein paar Fragen offen geblieben:
- Warum sind auf der Herrentoilette eine Dusche und auf der Frauentoilette eine Badewanne eingebaut (beides übrigens sehr originell und gepflegt)? Nach dem was wir herausgefunden haben, kann man dort weder übernachten noch campen.
- Ist es ein soziales Projekt zur Wiedereingliederung oder Schulung? Schon die Bestellung war ein besonderes Vergnügen. Unsere Bedienung hat unsere Bestellung auf einem Zettel notiert, kam dann aber zur Rückversicherung (sie hatte doch alles notiert …) noch einmal zurück und als meine Frau zur Toilette ging wurde sie ein drittes Mal um die Bestätigung der Bestellung gebeten. Dass die Essen am Ende doch nicht stimmten versteht sich von selbst, aber da hat man ja als Europäer im Urlaub etwas afrikanische Gelassenheit.
Nun wird es aber wirklich Zeit, dass wir uns auf den Weg nach Norden machen (das Bezahlen im Sand Dragon nimmt auch Extrazeit in Anspruch. Unsere Bedienung hat die ganze Bestellung noch einmal ordentlich aufgelistet, eine zweite Kraft suchte dann aus der Speisekarte die Preise heraus und addierte das zwei Mal mit dem Taschenrechner. Dieses Ergebnis wurde dann von einer weiteren Kollegin erneut zusammen addiert und an den Kassierer weitergereicht. Erst nachdem dieser sich eigenhändig von der korrekten Addition der Rechnung überzeugt hatte wird mein Geld angenommen. Meine afrikanische Gelassenheit geht langsam flöten, denn wir haben noch gut 250km bis Etoscha vor uns …).
Nach den Erfahrungen mit dem KTP wollen wir Morgen rechtzeitig in den Etoscha-Park einreisen, damit für die 90km vom Anderson Gate nach Halali genügend Zeit zur Tierbeobachtung und den einen oder anderen Schlenker bleibt. Telefonisch haben wir uns schon am Vormittag beim Etoscha Safari Camp einen Platz reserviert, das wir nun aber zeitlich knapp. Tanken und Geld abheben verschieben wir aus Ungeduld auf Outjo, was sich später als Fehler herausstellt.
Bei der FNB-Filiale in Outjo (dort geht der ATM mit der Mastercard, Bank of Windhoek geht nur mit Visa und die Geheimzahl habe ich vergessen) ist der ATM von vielen Afrikanern umlagert und vor mir scheitert ein Urlauber ohne genaue Ursache. Mir wird es zu heikel und ich gehe fest davon aus, dass es in der touristischen Topdestination von Namibia einen sicheren ATM gibt (im KTP steht der in Twee Rivieren). Tanken lassen wir dann auch bleiben, denn ohne Bargeld geht nichts – wieso war das eigentlich in dem gottverlassenen Ort Gochas überhaupt kein Problem mit der Kreditkarte?
Wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit schauen wir uns kurz hinter Outjo dann bereits zwei Campingplätze an (die Namen habe ich vergessen), die uns aber nicht zusagen. Was soll’ s: „wenn schon, denn schon“ und so erreichen wir mit dem Sonnenuntergang Etosha Safari Camp. Schade, heute also kein Sundowner. Auf dem Campingplatz herrscht zu unserem Verdruss europäische Ferienstimmung. Wir haben 9 Italiener als Nachbarn (sie kamen mit uns an: Bei uns war alles aufgebaut und das Braai vorbereitet, als sie unter dauerhaftem Palaver begannen das erste Zelt aufzurichten) und etwas weiter stehen vier junge Deutsche, die mit Technosound aus dem Auto den Platz beschallen.
Klasse bei Etoscha Safari Camp ist die Bar (sehr kreativ gestaltet und witziges Personal) und der angrenzende Curio-Shop hat einige originelle Dinge (auch aus regionalen und sozialen Projekten) im Angebot. Als Ruth und ich von den Absackern (es zog uns nicht zum Stellplatz, also hatten wir ja Zeit) an der Bar zu unserem Platz zurückkehren, sind die Italiener endlich fertig (die Deutschen hatten auf unsere Bitte die Musik vorher schon heruntergedreht) und so haben wir letztendlich ein ruhige Nacht.
Im Fazit ist Etoscha Safari Camp unsere einzige „Panne“ bei den Campingplätzen. Die Sanitäranlagen sind knapp ausgelegt und nur mäßig gepflegt, es ist laut und eng, die vorhandenen Grills sind teilweise defekt und es sind auch nicht genügend Grills. Einzig die nette Bar und die Lage kurz vor dem Anderson Gate sprechen dafür, dass man dort übernachtet.
5.7.11Ein Höhepunkt jeder Namibiareise steht bevor: Etoscha!
Wir schaffen es diesmal sogar etwas früher als sonst unseren Wagen startbereit zu haben (der morgendliche Palaver der Italiener hat uns aus dem Schlafsack getrieben) und um 9 Uhr stehen wir am Anderson Gate. Niemand kommt raus, also gehe ich in das Office hinein: die Dame ist mit ihrem Handy beschäftigt und raunzt mir nur ein “fill out the form“ zu. Das würde ich auch gerne machen, denn ich will in den Park – aber die vor mir liegende Schreiblade ist leer. Ich wage also eine Bemerkung und werde abermals ohne weitere Reaktion mit “fill out the form“ abspeist, der Ton ist allerdings noch etwas ungnädiger. Nun halte ich Ihr die leere Schreiblade hin und sie wird so weit abgelenkt, dass sie den Fehler bemerkt und mir kommentarlos das Formular dazu aushändigt. Ich trage alles in das Permit ein und ohne einen Blick vom Handy zu heben erhalte ich von der Parkwächterin die erforderliche Unterschrift. Na also, geht doch!
Schon nach wenigen Metern müssen wir wegen kreuzenden Zebras und Giraffen unseren ersten Stop einlegen. Das fängt ja gut an … unsere Erwartung für die Wasserlöcher steigt.
In Okaukejo versuche ich das Permit zu bezahlen, aber die Kartenlesegeräte gehen nicht und einen ATM gibt es nicht. Um die Bargeldbestände weiter zu schonen (getankt habe ich ja noch immer nicht) verabrede ich, dass wir am 7.7. auf der Fahrt von Halali zum Dolomite Camp noch einmal hereinschauen und das Permit dann bezahlen.
Gemütlich tuckern wir nun über OLIFANTSBAD (bei dem wir keine Elefanten sehen) in Richtung Halali.
Die großen Herden an Springbock, Zebra und Gnu begeistern uns. Dazwischen gibt es Schakale, Warzenschweine, Giraffen und viiiiele Vögel,
so wird es auch auf den Strecken zwischen den Wasserlöchern eigentlich nicht langweilig. Etwas erstaunt sind wir, dass zumindest in diesem Teil vom Park nur sehr wenige Besucher unterwegs sind – die von uns befürchteten Busse sehen wir gar nicht (ja, wir haben auch HUMMELDUMM gehört und die Reiseberichte im Forum gelesen).
Schon am frühen Nachmittag erreichen wir Halali, checken ein und suchen uns einen schönen Stellplatz aus (die meisten Besucher sind ja noch auf Pirsch). Während die Frauenfraktion beschließt nun doch einmal den Pool zu testen (es ist heute richtig warm!) schlendere ich mit meinem Buch zum campeigenen Wasserloch.
Im Forum hatte ich eigentlich immer nur Begeisterung über das Wasserloch von Okaukejo gelesen, während Halali eher schlecht weg kam. Von daher sind meine Erwartungen gering, aber die schöne Anordnung im Dolomitfelsen und der offene Blick nach Westen begeistern mich. Auch wenn kein Tier kommt, das ist ein toller Platz zum schmöckern oder einfach seinen afrikanischen Gedanken nachhängen. Herz was willst Du mehr?
Vielleicht doch mal das eine oder andere Tier? Bei Halali brauche ich dafür etwas Geduld (da der Platz an sich schön ist, ist das eigentlich kein Opfer) und – schwups taucht nach 40 Minuten ein Nashorn auf.
Na, ist das ein Glück! Vielleicht auch nicht, denn nach dem Abendessen sitze ich (mit Frau im Arm und Rotwein im Becher, mir gefällt der Platz immer besser) eine knappe Stunde da und – es kommen drei Nashörner vorbei. Vor dem Schlafen gehen mache ich noch einen letzten Abstecher zum Wasserloch und diesmal steht ein Nashorn direkt vor den Felsterrassen.
Kein schlechter Start für Etoscha, mal sehen was die nächsten Tage bringen.
6.7.11Noch vor dem Sonnenaufgang bin ich mit Malaika wieder am Wasserloch, es tut sich … nichts. Nach einer guten halben Stunde wird es uns zu kalt und der Magen knurrt - gehen wir also erst einmal frühstücken. Beim Weggehen bemerken wir eine Bewegung in den Büschen und entdecken eine Tüppfelhyäne, die auf dem Weg zur Tränke ist.
Na, klappt doch mit den Tieren! Es zwar nicht viel los (es gibt keine Tierherden), aber dafür sind es besondere Besucher und man hat immer einen freien Blick.
Nach dem Frühstück ärgern wir uns mal wieder über die Dachzelte, denn vor dem Start in den Park müssen wir wieder fast alles zusammenräumen und verstauen. Wir haben zwar das Zelthandling inzwischen flott drauf (am Vorabend hatten wir die Aktion gefilmt und unsere Südafrikanischen Nachbarn waren baff: knapp 2 Minuten pro Zelt!), das Verstauen in den Taschen und hinterher im Canopy ist und bleibt aber immer eine zeitfressende Aufgabe.
Wir kommen also wieder als Nachzügler vom Platz und haben die ersten Wasserlöcher wie gewohnt für uns allein. So bummeln wir in Richtung Namutoni mit der Idee, dort eine Lunchpause zu machen. Doch schon bald ist klar, das wird Zeitstress und da wir ja unsere gesammelten Vorräte sowieso im Auto haben planen wir auf einen Picknick um. Das bringt uns endgültig die innere Ruhe, um die Tiere lange und ausgiebig zu beobachten, es ist einfach traumhaft!
Als nicht so traumhaft stellen sich die Picknickareale und Toiletten in Etoscha heraus. Da hatten wir auf Grund der Erfahrungen im KTP etwas anderes erwartet, vielleicht sollte die Parkverwaltung mal mit ihren südafrikanischen Kollegen darüber sprechen. Die haben mit Sicherheit eine Menge Tipps …
Zum Sundowner sind wir zurück an „unserem“ Wasserloch in Halali. Anscheinend hat sich der gestrige Nashornbesuch herumgesprochen, denn es sind deutlich mehr Touristen da. Diesmal gehen wir aber alle leer aus, bis auf den tollen Sonnenuntergang. Mich stört es nicht, denn auch diesmal hatte ich meine liebsten Begleiter dabei (meine Frau, ein gutes Buch und Bier statt Rotwein). Später am Abend (nach unserem Braai) konnten wir dann noch eine Giraffe und einen Impalabock beobachten, was in der Stille schön war aber natürlich mit dem Vortag nicht zu vergleichen ist.