Hallo Crazy Zebra, die richtige Lektüre nach so einem 0-8-15-Bürotag.Selten so gelacht. Du darfst jeden Tag ein-zwei weitere Berichte schreiben.Auf das die mechanische Festplatte noch reichlich Wissen abgibt. Schönen Abend Mutsel
bin gespannt auf den nächsten Teil , der nun ( hoffentlich) folgen wird, denn wir sind ca 4 Wochen vor Euch von Livingstone nach Lusaka gefahren. 😄 Nur leider fehlt mir die Gabe, so einen lustigen und informativen Reisebericht zu verfassen! 🙂
Gruß Doro
~ Africa is a feeling ~
Crazy ZebraThemenstarter3'766 Beiträge · seit 200625. Nov. 2010 · #23
ein FoMi (Botswanadreams) hat sich netter Weise bereit erklärt meine Texte zu editieren, so dass sie später auf meiner Homepage in "besserem" Deutsch nachzulesen sind, Danke!
Auch werde ich meinen kleinen Reisebericht etwas straffen, ich neige leider dazu manchmal etwas abzuschweifen 🙂
Ein "Crazy Zebra" in Zambia (Teil 6)
Wir wollten Namibia für einige Wochen verlassen und Sambia entdecken. Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir die Brücke über den Sambesi, der an dieser Stelle mit beachtlicher Breit die natürliche Grenze zwischen Namibia und Sambia ist. Wenn man den Sambesi überquert hat, ist man jedoch bereits zu weit gefahren. Es hieß umkehren, denn das kleine Zollgebäude von Sambia befindet sich am Flussufer auf namibischer Seite. Dort mussten wir zuerst hin.
Zollgebäude: Zoll-Sesheke
Ein unscheinbares Gebäude – eingezäunt und mit einem Einfahrtstor aus Maschendraht - beherbergt die nötigen Schalter für die Beamten. Kaum auf dem Gelände angekommen, wurden wir von Menschen umringt, die uns alle helfen wollten, gegen eine kleine Gebühr versteht sich. Diese Hilfe kann man in Sesheke jedoch dankend ablehnen, da an diesem kleinen Grenzübergang alles reichlich übersichtlich gegliedert ist, ganz im Gegensatz zu den größeren Grenzstationen wie in Livingstone. Einer Person sollte man aber Beachtung schenken, nämlich der, die „Kwacha“ zum Tauschen anbietet. Kwacha, die Währung von Sambia, muss man haben, um einen Teil der Zoll-Gebühren bezahlen zu können. US$ brauchten wir ebenfalls, da der andere Teil für Ausländer nur in dieser Währung bezahlt werden darf. Auf wunderbare Weise hatten wir bereits Kwacha in ausreichender Menge in der Tasche, so dass wir auf den Schwarzmarkthändler verzichten konnten.
Hier war es eindeutig afrikanischer als noch vor wenigen Minuten beim namibischen Zoll. Dutzende Leute standen vor dem unscheinbaren Gebäude in langer Schlange. Auch wir stellten uns in die wartende Menge und ich rechnete die Zeit hoch, bis wir an der Reihe sein könnten. Meine erste Hochrechnung endete bei etwa 2 Stunden, als unvermittelt ein lokaler Beamter an uns herantrat. In gebrochenem Englisch, das sich erstaunlicher Weise sehr gut mit meinem Englisch ergänzte, teilte er uns mit, dass wir an den Wartenden vorbei direkt zum Schalter gehen könnten. Diese Leute warten auf etwas anderes. Auf was warten diese Leute, dachte ich - auf ein Taxi, einen Bus, auf Lebensmittelgutscheine? Mir erschloss sich nicht wirklich, auf was man an einer Zollstation warten konnte, als auf die Einreisebewilligung. Wir schritten an der Schlange vorbei in das Gebäude. Im Gebäude selbst war es nun da, das „real Africa“ - ein Gewusel von Menschen, das laut und gleichzeitig mit allen auf einmal zu sprechen schien. Wild gestikulierende Beamte, die versuchten, das Chaos in den Griff zu bekommen. Nichts war so wie zuvor in Namibia. Ein Beamter hinter dem Schalter erblickte uns. „ Welcome to Zambia“ rief er uns zu und streckte uns ein Einreiseformular entgegen. Dieses Zettelchen war die Kopie einer Kopie von der Kopie, hatte ungefähr das Format A7 und war auszufüllen. Schon mein Vorname hatte kaum auf der ersten Seite Platz. Alle Fragen, die zu beantworten waren, markierte ich mit Sternchen und die Vermerke platzierte ich auf der Rückseite. Kaum hatten wir dieses Zettelchen fertig ausgefüllt, winkte uns der Beamte vorbei an all den Wartenden zu seinem Schalter. Erstaunlicherweise schien sich niemand daran zu stören, dass wir weißen „Musungus“ eine bevorzugte Abfertigung erhielten. Der Beamte suchte zielstrebig eine freie Seite im Pass und mit einer wuchtigen Ausholbewegung platzierte er den Stempel an diese Stelle. Der Pass ist zwar etwas perforiert nach dieser Aktion, aber was soll’s. Die Visa-Gebühr von US$ 50,00 je Person wurde fällig. Am gleichen Tresen lag ein Buch aus, groß und schwer, in das ich auf Seite 178 die Daten für mein Auto einzutragen hatte - Chassis Nummer, Motorennummer, Marke etc. pp. Froh, diesen lauten und stickigen Raum verlassen zu dürfen, wurden wir in einen Seitenflur begleitet. In einem weiteren Raum mit 2 Beamten hinter neuen Computern sitzend wurden wir erneut bevorzugt behandelt. An den Wartenden vorbei wurden wir an einen Tisch gebeten. In diesem Raum, der total renoviert war - so in den 1920ern - stapelten sich Unmengen von Protokollbüchern mit blauem Einband bis hoch an die Decke. Es war unmöglich abzuschätzen, wie viele es waren. Ich glaube, dass hier noch die Protokolle aus den Anfängen Sambias lagerten, in denen wir die Eintragungen der ersten Siedler finden könnten. In so einem Protokoll wurden geflissentlich die notwenigen Daten von uns eingetragen, damit auch wir in hundert Jahren noch in diesen Stapeln zu finden sein werden. Endlich kam der für uns wichtigste Akt an die Reihe, das neue Carnet wurde abgestempelt. Wir konnten von nun an belegen, dass wir die Zollunion verlassen hatten. Wir zahlten noch für ein befristetes Import-Permit und verließen das Gebäude mit einer freundlichen Verabschiedung durch den Beamten und den besten Wünschen für die Reise. Wir stiegen in unser Auto und wollten gerade den Zoll-Hof verlassen, als sich vor unserem Auto ein wild fuchtelndes 1,50 Meter großes irgendwas in Uniform bemerkbar machte. Es hüpfte wie ein Gummibällchen hin und her von einem Bein aufs Andere - am höchsten Punkt der Bewegung konnte man sogar ein Gesicht erkennen. Es rief uns irgendetwas durch die verschlossenen Fensterscheiben zu. Nicht schon wieder dachte ich und mir kam der Beamte auf der Namibiaseite in den Sinn. Ich ließ die Scheibe herunter. Dieses 1,50 Meter große Gummibällchen war eine Frau in weißer Bluse und blauem Jupe, die uns lauthals zusammenschiss.
Sie können hier nicht wegfahren! Sie müssen.... Leider verstand ich nicht, was wir hätten müssen, aber müssen hätte ich schon mal müssen - nur wo? Wir entschlossen uns, der Dame zu folgen, die uns zu einem Wohnwagen führte, wo offensichtlich noch weitere Dinge zu erledigen waren.
Wohnwagen-Sesheke
Nun mussten wir noch zu einem Container, dem eindeutig neustem Gebäude auf dem Gelände, wo ein etwas verloren erscheinender Mann im gepflegten Anzug noch mal eine Gebühr verlangte. Es war so eine Art Straßenbenutzungsgebühr. Wir mussten angeben wohin wir fahren wollten und daraus errechnete er die Gebühr. Zum Glück erinnerte mich ans Namibia-Forum. Da hatte mal jemand geschrieben, als Zielort immer Livingstone anzugeben – das rechnet sich. So gab ich Livingstone als Zielort an und im Verlaufe der Reise sollte es sich auch „Rechnen“, aber zu Gunsten Sambias, dank dieses Tipps.
Endlich durften wir den Sambesi überqueren und fuhren ostwärts gen Livingstone. Die Straße war in gutem Zustand, so dass wir mit 80 Sachen nur so dahin flogen. Uns fiel auf, dass der Diesel hier deutlich teurer war als in Namibia - 7000 Kwacha pro Liter. Zum Glück hatten wir noch 240 Liter vor dem Grenzübertritt getankt. Kurz vor Livingstone war die erste Polizeikontrolle. Die fünf wichtigen Papiere, alle fein säuberlich zusammen geheftet, vorgezeigt und schon waren wir durch. Das Tagesziel, „The Zambezi Waterfront Lodge“ war in greifbarer Nähe. Wir waren voller Vorfreude auf einige nachmittägliche Erlebnisse.
Container:
Fortsetzung folgt…
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klaus63630 Beiträge · seit 200825. Nov. 2010 · #24
Hallo Kurt,
danke für den netten Bericht! Besonders schön fand ich die Beschreibung des Grenzübertritts. Dies hat mich sehr an unsere Erlebnisse in Simbabwe erinnert. Meine Passnummer konnte danach schon auswendig.
Kannst Du noch sagen, wie viel die Haftpflichtversicherung und die "Straßenbenützungsgebühr" kosteten?
Viele Grüße
Klaus
Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet.
(Hans Magnus Enzensberger)
Hallo Kurt, bitte bitte bloß nicht straffen. Berichte, wie: aufgestandengegessengefahrengekucktgegessengeschlafen gibts doch genug. Ganz herzlichen Dank für das Lächeln, Lachen, Grinsen, die Du ins Gesicht bringst. Und weiter so..... Lb Gruß von Helga
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Topobär5'479 Beiträge · seit 200925. Nov. 2010 · #26
Als wir im Mai die Grenze bei Sesheke überquerten, konnten wir alle Gebühren in Nam$ zahlen.
Unsere Lodge fanden wir sehr zügig, da Livingstone einer sehr übersichtlichen Stadt ist. Zuvor versorgten wir uns am Geldautomaten mit ein paar Millionen Kwacha - endlich Millionär. In einem gut sortierten Supermarkt kauften wir Brot und Käse. Fleisch und eventuell ein wenig Joghurt wollten wir später auf der Fringilla-Farm zukaufen, doch diese Entscheidung stellte sich im Nachhinein als Fehler heraus. So standen wir kurze Zeit später an der Rezeption der Waterfront Lodge und riskierten einen Blick auf die Freizeitangebote wie Flussfahrten und Helikopter-Rundflüge. Geistig buchte ich schon eine Sunset Cruise auf dem Sambesi, die um 16:00 beginnen sollte, als uns die Dame am Tresen begrüßte. Ich erklärte ihr, dass wir eine „Reservation“ hätten, die ein Reiseunternehmen für uns im Vorfeld getätigt hatte. Ahhh – yes, sagte sie, Chalet am Fluss mit Doppelbett, das macht 190 US$. Wie bitte, sagte ich und erklärte ihr, dass wir schon alles bezahlt hätten. Nein, meinte sie und bestand auf die 190 US$.
Nur gut, hatte uns doch das Reisebüro eine 7 Tage/ 24 Stunden Notfallnummer gegeben. Damit könnte ich die Situation schnell klären, dachte ich. Ich raus auf den Parkplatz, Sattelitentelefon eingeschaltet, Ziffer für Ziffer dieser SOS-Nummer eingetippt - tuuut-tuuut tönte es und dann war die Verbindung weg. Nochmals und immer wieder das gleiche Prozedere - mittlerweile dürfte eine Stunde vergangen sein, bis sich endlich eine Dame in gutem Deutsch meldete. Die Verständigung war nicht einfach, da der Empfang immer wieder gestört war. Ich schon nahe der Weißglut, erfuhr dann, dass es schon die SOS Nummer (7/24) war, aber unglücklicherweise ab Freitag nachmittags und übers Wochenende keiner Auskunft geben könne. Ich stammelte noch ein „Scheißfirma“ in den Hörer, worauf dann auf der Gegenseite auf mir unverständliche Weise aufgelegt wurde.
Zurück an die Rezeption, Kreditkarte gezückt und die 190 US$ bezahlt – sie wurden später rückerstattet - und das Chalet bezogen. Leider war es nun schon zu spät, die Flussfahrt zu buchen, was sicherlich nett gewesen wäre. So zogen wie in ein Chalet neueren Datums, ich schätzte so 1970, um den fantastischen Blick auf den Zambesis zu geniessen. Balkontüre auf und – wo war denn der Sambesi? Eine grüne Wand von Pflanzen und Bäumen baute sich vor uns auf und verwehrte uns den Blick auf den Fluss. Diese grüne Wand aus Blättern war so dicht, das ein auszubildender Gärtner alle 4 Jahre seiner Lehrzeit damit beschäftigt gewesen wäre, auszulichten und die Meisterprüfung hätte er auf diesen paar Quadratmetern auch noch machen können. Aber was will man meckern für schlappe 190 US$ je Nacht. So legten wir uns für eine Zeit auf unser Bett, ruhten uns bis zum Nachtessen aus – wenigstens das war vorzüglich. Am anderen Morgen glänzten unsere Augen beim Frühstück -Spiegeleier, Speck, Müesli und Joghurt - was will man mehr. So gestärkt machten wir uns auf den Weg zur Fringilla Farm unweit von Lusaka.
Die Straßen waren weitaus besser, als ich zuvor gehört hatte - ich überlegte noch immer, weshalb die Dame am Telefon tags zuvor den Hörer auflegte - und ein paar Polizeikontrollen später, an denen wir immer brav die 5 Zettelchen zeigten, kamen wir auf der Fringilla Farm an. Die Fringilla Farm nennt sich selbst „Home of boerewors (boor-uh-vors)“, dieser glitschigen Wurst, die man auf dem Rost antackern muss, damit sie beim Braten nicht runter fällt. Die Farm hat einen Laden, wo frische Produkte wie Fleisch, Gemüse, Eier und alles was man(n) so zum überleben braucht, verkauft werden. Wir wurden zu unserem Stellplatz für die Nacht begleitet, richteten uns ein und dann ging es schnurstracks zum Farmladen. Ich hatte schon geistig den Einkaufszettel geschrieben - Filets, Steaks, Boerewurst, eventuell Eier und Joghurts. Joghurts, nun diese sind nicht zwingend, da es im Kühler etwas eng werden dürfte. Da standen wir vor der Eingangstür zum Fleischladen. Ich wähnte mich kurz vor dem Einzug ins Paradies, wäre da nur nicht dieses kleine Schildchen gewesen „Open Monday to Friday“. Heute war Samstag, verflixt und zugenäht, und unsere Frischfleischreserven waren beinahe aufgebraucht. Nix da mit Filet und Co! Einzig in einem Nebengebäude gab es Boerewurst zu kaufen. Zwei dieser tiefgefrorenen Würste fanden natürlich den Weg in unseren Kühler.
Zum Glück gab es jedes Wochenende eine Grillparty und so bestand die Chance, auf der Farm doch noch zu einem kleinen 800gr T-Bone Steak zu kommen. Als wir abends zum Restaurant gingen, wunderte ich mich schon ein wenig über die wenigen Besucher. Genau genommen waren wir die einzigen. Ich studierte bereits die Speisekarte, als ein Kellner kam und mir erklärte, dass es heute keine Speisen gibt. Klar, heute ist Nationalfeiertag oder der Tag davor oder danach, das weiß keiner so genau hier. Also gab’s zum Dinner nur Getränke aber kein Essen. Hatten wir das nicht schon mal? Meine Frau nutzte die Zeit ohne Dinner um ihren Migräne Tag vorzuziehen und ich schlachtete eine Büchse Thunfisch. Etwas gefrustet - ich wollte auch keine Sterne am Himmel zählen - ging ich zu Bett. Keine Ahnung was ich geträumt hatte, aber am anderen Morgen fühlte ich mich wie ein zerlegtes Rind. Es gab Eier (ohne Bratspeck), Toast und echte Butter. Als wir so beim Frühstück saßen, kam ein Mann auf mich zu, er dürfte so um die 60 gewesen sein, und fragte mich nach einer Zigarette. Reflexartig drehte ich mich nach allen Seiten um, um zu sehen, ob da Polizeibeamte oder eine versteckte Kamera war. Mein prüfender Blick konnte nichts Verdächtiges entdecken, auch keine Gärtner in blauen Gewändern. Ich gab dem Mann eine selbst gedrehte Zigarette, worauf sich dieser stiefelklopfend in der Achtungsstellung vor mir verharrend mit einem „Thank’s Boss“ bedankte. Ich suchte wieder eine versteckte Kamera und klopfte dem Mann auf die Schulter. Ich sagte, Danke genügt. Er wieder „Yes Boss“ - man war das peinlich! Eine Weile später kam der gleiche Mann wieder. Er schaute zu, wie ich an meiner Kamera hantierte und fragte etwas verlegen „Can you make one picture from me?“. Ja, klar. Ich zückte meine Kamera und sofort erstarrte er wieder in dieser militärischen Achtungsstellung vor mir, starrer Blick gerade aus und steif wie vor einem Erschießungskommando.
Nun das geht so aber gar nicht, ich klopfte ihm auf die Schulter mit den Worten „Relax pleace“. „Yes Boss“, nun ging das schon wieder von vorne los, nein nix Boss erwiderte ich. „Relax please, give me a smile“. „Yessssss Boss“, kam die Antwort dann auch prompt. Es war zum verzweifeln - relax, yes Boss, give me a smile, yes Boss. Es dauerte wirklich eine Ewigkeit bis ich ihn mit einem Lächeln vor der Kamera hatte und einer Pose, die etwas menschenwürdiger war.
Er guckte auf das Display der Kamera und endlich konnte er lachen.
Er wusste nicht, dass ich einen mobilen Drucker mit hatte. Als ich ihm den Papierabzug überreichte, strahlte er über alle Backen „ohne yes Boss“ und rannte von Kumpel zu Kumpel und zeigte ihnen sein Bild. Nach dieser „yes Boss“ Aktion räumten wir das Auto ein und fuhren fast „fleischlos“ zum nächsten Tagesziel.
Fortsetzung folgt….
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LOlowflyer579 Beiträge · seit 201025. Nov. 2010 · #30
Hallo,
Crazy Zebra schrieb:
Der Grund weshalb ich versuche so zügig zu schreiben ist ein Einfacher, am kommenden Montag bin ich wieder voll (nicht so wie ihr denkt) an der Arbeit.
Falls das mit der Arbeit nicht mehr so klappt, könntest Du vielleicht auch "Hummeldumm reloaded" oder so schreiben... Danke für die gute Unterhaltung.
Sonnige Grüße
Crazy ZebraThemenstarter3'766 Beiträge · seit 200626. Nov. 2010 · #31
Heute ging es weiter in den Norden zum Mita-See, ein Stausee in der Nähe von Kabwe, dem wir einen Besuch abstatten wollten. Wir fuhren beinahe ohne Fleisch und Kraftstoff los. Kurz nach dem wir auf die Hauptstraße eingebogen waren, wir eine Tankstelle. Schnell von der Beschleunigungsphase in den Anhaltemodus gewechselt und ran an die Zapfe. Die 140 Literchen brauchten dann eine Weile, bis sie den Pegel des Tanks nach oben drückten. Im rechten Winkel meines linken Auges erspähte mein Adlerauge die Letter eines Firmenlogos „ZAMBEEF“. Zambeef, das muss mein Glückstag sein, dachte ich - Sprit und Beef - was für eine unschlagbare Kombination. Jetzt beschäftigte mich eine Frage. Es war Sonntag und Nationalfeiertag, heute, gestern oder morgen, keiner weiß es hier so genau.
Ich konnte keinerlei Bewegung vor der Zambeef-Filiale erkennen und durch meine Erinnerungen an das „offen Montag bis Freitag Schild“ von der Fringilla Farm wurden meine Hoffnungen auch schon gebremst. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt, dachte ich und so fuhren wir von der Tanke über die Straße auf den Parkplatz von „Zambeef“. Schwungvoll brachten wir vor dem Geschäft den Wagen zum halten und beobachteten die Umgebung. Da waren Menschen und die gingen durch eine Türe in das Fleischergeschäft. Ich sah schon all diese Filets und Steaks auf meinem Grill brutzeln und mein grinsen wurde sichtlich breiter - Tür aufgestoßen und rein in den Laden. Da stand ich nun vor einem Berg von Fleisch und meine Augen mussten das gesehene zuerst einordnen, wo war welches Stück Fleisch. Ich muss ziemlich komisch auf das Fleisch gestarrt haben, denn alle Anwesenden starrten nun zu mir. Ich betrachtete das Fleisch, dass wirklich erste Güte zu sein schien eine Weile und dachte urplötzlich an das Rindviech, das wir auf dem Weg von Windhoek nach Divundu sahen. Normalerweis erinnere ich mich nicht so genau an eine einzelne Kuh, aber an diese noch sehr genau. Es war wirklich ein schönes Rindviech in den besten Jahren, aber charakterlich nicht wirklich reif. So passierte es, dass dieses suizidgefährdete Tier sich vor einen mächtigen LKW warf. Und genau so sah dieses Fleisch in der Auslage aus, wie von einem LKW überrollte und mit der Kettensäge in 500gr Portionen aufgeteilt. Unmöglich zu erkennen, ob es nun Steak war oder Suppenfleisch. Mir gefror bei diesem Anblick das Blut in den Adern und ich war nahe an einem Kreislaufkollaps ob des gesehenen. Ich denke wieder an das Rindviech vor dem LKW und fühle mit ihm. Mit einer tiefen Leere in mir verließ ich den Fleischerladen und wir zogen unverrichteter Dinge von dannen. Kilometer um Kilometer spulten wir auf der Teerstraße ab, ohne dass sich mein Gemütszustand besserte. Auch die zwei Boerewürste im Kühler konnten meine Stimmung nicht anheben, erstens weil ich sie nicht besonders mag und zweitens können sie niemals der Ersatz für ein T-Bone Steak sein.
Irgendwann nach Stunden seelischen Leidens meldete die Frauenstimme aus dem GPS „Rechts abbiegen“ und wir bogen in einen unscheinbaren Waldweg ein. Wir fuhren und fuhren durch diesen lichten Wald vorbei an Schildern mit der nichts aussagenden Aufschriften „Dead End Road“ oder „Authorized Personnel Only“. Ich wunderte mich schon ein wenig, dass die Straße kaum befahren und der Baumbestand immer dichter wurde. Hmmm, Straßenunterhalt wird in Sambia wohl nicht Gross geschrieben und umfuhr den Baum, der aus der Fahrbahnmitte gegen den Himmel wuchs. Unser GPS zeigte uns einen Weg an, also musste es auch einer sein. So fuhren wir immer weiter. Mal einen Baum von meiner Frau zur Seite gelegt - unter meiner fachkundigen Anweisung natürlich - mal einen neuen Weg im Wald angelegt, trotz dieser schlechten Piste und den 3 Stunden Fahrzeit für 10 km ließen wir uns nicht beirren. Wir fuhren diesen Weg weite, trotz angemeldeter Bedenken meiner Frau. Endlich, da vorne glitzerte Wasser und der Mita-See war zu erkennen. Dieser Anblick ließ mich sogar meine Zukunft als Vegetarier vergessen - einfach wunderschön. Fischerboote fuhren auf dem See und die Fischer warfen ihre Netze aus, ein Anblick wie aus einem Roman. Wir beschlossen, am Strand unser Nachtlager aufzubauen und hier zu verweilen.
Sieht doch wirklich wie eine öffentliche Zufahrt aus, oder?
Sundowner
Motorbootfreunde
Tisch und Stühle raus, Käse und „Smoked Beef“, dessen Anwesenheit im Kühler ich glatt vergessen hatte, auf den Tisch, dazu Essiggurken und ein eiskaltes Radler - die Welt war für mich wieder in Ordnung. Glücklich, wie ich nun war an diesem Nationalfeiertag - oder dem Tag zuvor oder danach, das weiß hier wirklich keiner so genau, konnte ich mich sogar mit einem vegetarischen Abendmahl anfreunden. Den restlichen Nachmittag genossen wir die Ruhe, das glitzern des Sees und schauten den Fischern beim Einholen der Netze zu. Sogar das Zubereiten das Nachtessens bereitete mir Freude, obwohl es vegetarisch war.
Fischer am Mita-See
Pellkartoffeln und Schmelzkäse, den wir aus der Schweiz mitgebrachten hatten, schmeckten so wunderbar an diesem Nationalfeiertag - oder waren es doch der Tag davor oder danach, wir wollten es gar nicht mehr wissen. Pellkartoffeln und Schmelzkäse, nur zur Info, sind kein typisch sambisches Essen, bei uns nennt man das Raclette.
So saßen wir gemütlich bei unserem Abendessen, die Dämmerung setzte ein, und ich beobachtete das schmucke Motorboot, das rechts über den See flitzte. Schön wenn man genug Geld für so ein Hobby und ein Boot hat, dachte es und abrupt änderte das Boot seine Richtung gerade Wegs auf uns zu. Das Raclette intensiv duftet, wusste ich. Dass dieser Geruch so weit auf dem See draußen auch noch wahrzunehmen war, erstaunte mich gewaltig, waren wir doch auf Gäste keineswegs eingerichtet. Mit einem Schwung strandete das Boot und warf drei Männer aus. Sie sahen schon schick aus, diese drei Männer mit ihren Uniformen, die schnellen Schrittes auf uns zukamen. Ups, dachte ich, die kommen wohl doch nicht wegen des Raclettes. Ich schob mir gerade eine Kartoffel in den Mund, als einer dieser Männer sich vor mir aufbaute und zu mir sprach. „I’m Officer … - das nach dem Officer verstand ich nicht, aber das Officer ließ mich an die Gärtnerei in Namibia denken. Es stellte sich heraus, dass wir auf dem Kraftwerksgelände unsere Bleibe aufgeschlagen hatten und dieses traumhafte Plätzchen keine öffentliche Campsite ist. Ich beteuerte, dass ich keine Hinweise und Schilder gesehen hätte und legte meinen „ich bin doof“ Gesichtsausdruck auf. Ich sah uns schon in Handschellen vor dem Bezirksgericht und in einem Gefängnis, das vegetarisch geführt wird, als mir dieser Officer mit einem breiten Lächeln sagte „No Problem“.
Die Erleichterung war riesengroß und meine Kartoffel rutschte die Kehle hinunter, wo sie zuvor stecken geblieben war. Es stellte sich heraus, dass sie nach illegalen Fischern suchten und unser unbefugter Aufenthalt auf dem Gelände war nicht der Rede wert. Einer nach dem Anderen stellten sie sich nun mit Namen und Rang vor und wir hielten Smalltalk. Sie wunderten sich noch etwas über unser Essen, wo es doch in Sambia so viel Fleisch gibt. Ich erklärte ihnen, dass dies zu Ehren ihres Nationaltages war - dem Tag davor oder danach, was weiß denn ich, wenn es schon die Einheimischen nicht wissen - worauf sie schallend lachten. Eine kurze Weile später - sie tranken noch unsere Willkommens-Cola aus- wünschten sie uns einen angenehmen Aufenthalt, dann verließen sie uns.
Ich zählte nun bei einem Kaffee mit Diesel die Sterne unten links am Himmel. Diese Nacht fielen wir in einen wohligen Schlaf.
***** Auch wenn es anders ausehen mag, dieser Herr befüllt meinen MWagen und nicht meinem Bauch, da hätten 140 Literchen wohl nicht gereicht (LOL)
Fortsetzung folgt…
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SASASOWEWI3'080 Beiträge · seit 200926. Nov. 2010 · #32
Hallo Kurt,
vielen Dank für deinen schönen Bericht.
Die Idee mit "Hummeldumm Reloaded" finde ich gut, denk doch mal drüber nach... 🙂
Viele Grüsse
SASOWEWI
Crazy ZebraThemenstarter3'766 Beiträge · seit 200626. Nov. 2010 · #33
Wir schliefen bis 6:30 Uhr und gönnten uns reichlich Zeit für das Frühstück - Toast, echte Butter und Marmelade, kein Speck, keine Eier, kein Joghurt und kein Müsli. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel - was sollte sie auch sonst tun - und der See glitzerte vor sich hin.
Wir bedauerten es ein wenig, diesen schönen, nicht öffentlichen Campingplatz verlassen zu müssen, um zum unserem nächsten Etappenziel zu gelangen. Wir räumten alles artig weg und auf und waren bereit für die Weiterfahrt. Ich wollte gerade die Wagentür aufmachen, als ich hörte wie meine Frau auf der anderen Seite rief: „Schatz, könntest du mal schnell kommen“ –„Klar kann ich“, so alt bin ich nun ja auch noch nicht, dachte es, als mir bewusst wurde, das dies wohl die falsche Interpretation der Frage war. Ich mag es nicht, wenn meine Frau sagt „Schatz könntest du…“, weil, irgendwie war diese Satzstellung immer mit Arbeit oder anderen unangenehmen Dingen verbunden.
Brav wie ich bin, ging ich vorne am Auto vorbei zur anderen Seite, wo meine Frau mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger stand. „Schau mal“, meinte sie, und ich wusste nicht wirklich, was sie wollte. „Schau der Batteriekasten, ist der nicht schief“ sagte sie mit fragendem Blick. Ich guckte mir das Teil an und antwortete, „Wieso schief, der war doch immer so. Was meinst du nur.“ antwortete ich. Ich guckte mir das Teil nochmals an und konnte nichts Außergewöhnliches sehen. Klar, die Batterieabdeckung hat einen runden Deckel und bei dem Sonnenlicht konnte einer denken, dass dieser Kasten schief hing. Frauen eben, sehen immer was. War aber nix neues für mich. „Alles OK, das muss so sein.“ gab ich ihr noch zu verstehen und nahm die Strapazen einer weiteren Autoumrundung auf mich, um einzusteigen und wir fuhren los. Wir wichen einigen Bäumen aus und fuhren den von uns am Vortag zum Teil frisch angelegten Weg wieder zurück auf die Hauptnebenpiste dieser Region.
Fortsetzung folgt....
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Swakop521'223 Beiträge · seit 201026. Nov. 2010 · #36
Hallo Kurt, ich versuche mal Eure Route auf der T4A nach zu vollziehen. Ist mir gelungen, es wird am Mita-See sogar eine Campsite angegeben. Ist das diese, die Ihr angefahren seid? Dann finde ich nicht die Lunsemfafälle. Meintest Du in der T4A Schreibweise die Lunsemfwa-Fälle? Da finde ich nur ein Kraftwerk, und fernab den Lunsemfwa Fluß, aber keine Fälle. Wo finde ich die? Grüße vom BadBoy
*Wer einen Fehler begeht und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten! (Konfuzius)
Crazy ZebraThemenstarter3'766 Beiträge · seit 200626. Nov. 2010 · #37
Hallo Kurt, ich versuche mal Eure Route auf der T4A nach zu vollziehen. Ist mir gelungen, es wird am Mita-See sogar eine Campsite angegeben. Ist das diese, Grüße vom BadBoy
Yep, das ist diese Campsite, ist aber keine! Ich schätze da hat mal einer (ich bin wohl nicht der Einzige) wild campiert und die Daten an T4A gesendet. Ist eindeutig Kraftwerksgelände.
Das mit dem Fällen ist so ein Fall, ich muss mal die Aufzeichnungen vom Garmin runterladen kann sein das ich den Fall falsch auf meiner Festplatte abgespeichert habe!
Melde mich wieder, Grüsse Kurt
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Crazy ZebraThemenstarter3'766 Beiträge · seit 200626. Nov. 2010 · #38
die Lunsemfafälle (es gibt verschieden Schreibweisen) sind auf guten Paierkarten eingezeichnet. Aber richtig ist das wir nicht diese angefahren haben (wollten es gab aber keine Strasse)da hab ich mich jetzt um einen Tag verfahren, sondern die Kundalilafälle bei Chipungo. Alles andere passt genau! Danach geht es in den Kasanka-Trust aber das ist wieder eine andere Gechichte. Jene die sich für unsere Reise interessieren können mir eine Mail senden. Am ende werde ich dann die GPS versenden (nicht vorher)
Grüsse Kurt
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Crazy ZebraThemenstarter3'766 Beiträge · seit 200627. Nov. 2010 · #39
Kurz nachdem wir diese Hauptnebenpiste erreichten, galt es einen mächtigen Strom zu überqueren. Die Straße neigte sich eine Böschung hinunter, an deren unterstem Teil die Fahrbahn mit Beton verstärkt war. Da lag sie nun diese Fähre, festgezurrt mit Tauwerk, wartend auf die mutigen Reisenden, die die Fahrt ans andere Ufer antraten. Viele Mutige scheint es nicht zu geben in diesem Land, so waren wir die Ersten und wohl auch die Einzigen an diesem Tag und da keiner mit solch draufgängerischen Typen wie mir zu rechnen schien, warteten wir zuerst mal eine halbe Stunde ohne bemerkt zu werden.
So wartend bewunderten wir das Wunder an Technik, das da vor Anker lag und uns durch die wilden Fluten des Flusses sicher ans andere Ufer bringen sollte. Ich überlegte mir, ob wir wirklich dieses Wagnis antreten sollten, als ich hinter mir eine Stimme vernahm die rief "Good Morning Sir". Ich blickte über meine Schulter und da kam ein junger Mann mit breitem Lächeln und winkenden Armen auf mich zu. Winkende und lächelnde Menschen haben seit geraumer Zeit eine besondere Wirkung auf mich. Er musterte mich und unser Auto, während er mir die Hand zum Gruß reichte und fragte, ob wir zur anderen Seite wollten. Jetzt wäre der Zeitpunkt gewesen umzukehren. Aber nein, wir waren wildentschlossen dieses Wagnis einzugehen. Sogleich hielt er mir eine Tabelle unter die Nase mit vielen Ziffern die sorgsam in Zeilen und Spalten eingetragen waren. Die Spitze des Kugelschreibers ruhte dabei genau in der Zelle, wo erstaunlicherweise die Zahlenkombination den höchsten Wert anzeigte. Zufälle gibt es. 70 000 Kwacha (US$ 17.00) kostet die Überfahrt. Nun, für diesen Betrag könnte man in Europa im Vergnügungspark auch Achterbahn fahren, aber nicht mit einer Fähre mit zwei Seitenaußenbordmotoren - was für ein Wort. Wir beschlossen das Angebot anzunehmen. Alternativ hätten wir auch 300 Kilometerchen Umweg fahren können, und so ließen wir uns lieber auf dieses Abenteuer ein.
Die Laderampe knirschte beträchtlich unter der Last von 4,2 Tonnen, als wir die Plattform der Fähre eroberten. Passgenau standen wir nun auf der Fähre und konnten die "Seereise" antreten. Ein paar Sicherheitsinformationen, die Schwimmwesten gezeigt und Stoßgebete gegen Himmel gesandt, setzte der Kapitän den ersten Motor in Gang. Ruß, Rauch, Ruckeln und Zuckeln, der erste Motor verabschiedete sich für diesen Tag. Spontan kam mir der Song "Don't pay the Ferryman" von Chris de Burg in den Sinn, während der Kapitän versuchte den zweiten Seitenaußenbordmotor anzuwerfen. Unter einem Knattern und Ächzen und dem Auswerfen einer mächtigen Rauchwolke sprang dieser dann auch an. Es gab zwar kein Frühstück an Bord, auch keinen Willkommensstrunk, wohl aus Sicherheitsgründen nicht, aber insgesamt steuerte der Kapitän dem Ponton sicher durch die Fluten. Hätte die Fahrt nur 5 Minuten länger gedauert, wären wir wohl zum Kapitänsdinner eingeladen worden. Nachdem wir die gewaltige Strecke von etwa 20 Metern in 3 Minuten hinter uns hatten, konnten wir am anderen Ufer unser Auto wieder entladen und auf sicherem Boden die Reise fortsetzen, was für ein Erlebnis!
So fuhren wir, ich glaube es war die D202 durch Landschaften, in denen sich Dorf an Dorf aneinanderreihten. Wir erreichten dann eine T-Kreuzung, wo sich wohl eines der wichtigeren Dörfer der Region befand. Immerhin hatte dieses Dorf einen eigenen Strommast, was mir sofort auffiel. Ich sah eine große Menschenmenge, die sich an diesem Strommast versammelt hatte. In Ringform umschlossen sie irgendetwas, was ich jedoch nicht erkennen konnte. Ich hielt einen kurzen Moment an, um vielleicht einen Blick zu erheischen, was da so Interessantes vor sich ging. Ich sah, wie sich zwei Männer umdrehten und uns mit einem Lächeln und Winken zu sich heran riefen. Winkende Menschen lösen in mir immer noch ein eigenartiges Gefühl aus und ich hielt erneut Ausschau nach Polizeibeamten oder Gärtnern in blauen Überkleidern. Ich winkte zögerlich zurück, worauf das Winken der beiden jungen Männer noch intensiver wurde. Eigentlich wollten wir ja weiterfahren, da wir noch einiges an Weg vor uns hatten. Doch dieses Winken und die fröhlichen Gesichter hatten eine magische Anziehungskraft auf uns, das wir gar nicht anders konnten, als in Begleitung der zwei jungen Männer in Richtung der Wand aus vielen Menschen zu gehen.
Es ist wirklich auffallend wie freundlich und offen die Menschen hier in Sambia sind. Es ist kein Vergleich zu Namibia und den übrigen Teilen des südlichen Afrikas. Musik, Tanz, Lachen, farbenfrohes Leben sind hier allgegenwärtig - Afrika eben! In Begleitung dieser jungen Männer schritten wir auf die Menschenmenge zu, eine Mauer aus Kindern und Erwachsenen, die undurchdringbar schien. Auf magische Weise öffnete sich eine Gasse vor uns, um sich gleich wieder hinter uns zu schließen.
Da stand ich nun in Mitten dessen, was hier gefeiert wurde oder besser gesagt ich saß in der ersten Reihe. Wie selbstverständlich wurde mir einer der wenigen Plastikstühle angeboten und ich wurde selbst zur Attraktion des Tages.
Ich hatte keine Ahnung, was hier gefeiert wurde, der Nationaltag vielleicht? Nein, es war eine Mischung aus Hochzeit und Tanzveranstaltung.
Während das Brautpaar regungslos sitzend, die Braut sogar mit gesenktem Kopf, das Tohuwabohu über sich ergehen ließen, tanzten in der Mitte junge Menschen unter den strengen Augen der Jury. Es war wohl so etwas wie SsdS "Sambia sucht den Superstar". Die Musik kam von einer leistungsstarken Anlage und dröhnte mir mein Gehirn zu. Immerhin wurde der Strom direkt vom Mast abgezapft.
foto: 26541]
Nach einer Weile als "King Kurt auf dem Thron" und Ehrengast, verabschiedeten wir uns unter Begleitung der halben Hochzeitsgesellschaft. Noch schnell viele Hände geschüttelt, ein paar Papierabzüge der Bilder ausgedruckt und verschenkt. Weiter ging's.
Die Straßen wurden seit gestern zunehmend schlechter und anstrengender Sie brachten uns im Verlaufe der Reise an den Rand von Erschöpfung und Verzweiflung. Wir fuhren über Holperpisten viele Kilometer weit bis wir an eine Teerstraße gelangten. Meine Arme taten schon etwas weh von den Schlägen, die das Lenkrad von der Straße direkt an mich sandte und wir beschlossen eine kurze Rast zu machen, bevor wir auf die Teerstraße einbogen.
Ich glitt elegant wie eine Elfe die Stufen am Bremach herunter - oder wie heißen die grauen Tiere mit Rüssel in Afrika - dehnte gerade meinen Rücken, als ich die Stimme meiner Frau Heidi wahrnahm.
[b"Schatz, könntest du dir mal was anschauen, aber bitte rege dich nicht auf ".b]
Da war sie wieder, eine dieser Satzstellungen, die nichts Gutes bedeuten konnte. Ich regte mich schon auf ab dem "bitte rege dich nicht auf" bevor ich überhaupt wusste, worüber ich mich aufregen sollte und das regte mich wirklich auf! Ich umrundete den Bremach vor dem Kühler und sah wie Heidi wieder mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger auf den Batteriekasten wies. Und diesmal konnte sogar ich erkennen dass es nicht die gewölbte Form der Abdeckung war, die den Anschein erweckte, der Kasten hing schief. Nein, jetzt hing er nicht mehr schief sondern herunter. Sch…sse, dachte ich bei diesem Anblick. Er hing runter und zwar richtig. Mir wurde auf einmal bewusst, wie wichtig dieses Teil ist und in mir machte sich Ratlosigkeit breit. An drei von vier Stellen war die Aufhängung gebrochen.
Diese Rüttelschüttelpisten forderten nicht nur am Mensch Blutzoll, auch das Material wurde übermäßig beansprucht. Nun war guter Rat teuer. Ich bin nun mal nicht wirklich ein guter Schrauber, obwohl ich beim Einfüllen von Scheibenwischerwasser diesen Anschein erwecken könnte. Ich legte mich relativ lustlos unter den Wagen. Wie ich so lag, dachte ich wieder an die Kuh in Namibia. Ich betrachtete den Wirrwarr von Streben und Kabeln unter dem Wagen und erkannte, dass Problem sehr genau. "No Problem" - das Erkennen selbst war einfach, aber eine Lösung schien in weiter Ferne. Nur eine Lösung musste schnell her. Schließlich hatten wir noch mindestens 4 000 Kilometer vor uns.
Nach einem kühlen Bier und nach dem sich mein "ichregemichaufpuls" bei 150 einpendelte, kam mir eine zündende Idee. Hatte ich nicht mal bei Aldi so ein Billigspannset erworben? Ja klar, das musste in der Werkzeugkiste liegen immer noch original verpackt. In einer ersten Aktion zog ich mit einer Wäscheleine die Batterie samt Halterung näher an das Chassis heran. Clever was, dann konnte ich sie mit meinem Aldi-Billigspannset sichern. Irgendwie wird es schon klappen, dachte ich. Der erste Teil meines genialen Planes funktionierte tadellos. Nö, keiner braucht mir deswegen nicht auf die Schulter zu klopfen, ging ganz einfach. Jetzt nur noch das Aldi-Billigspannset auspacken, sichern, fertig. Das Spannset sah sehr elegant aus, schwarz mit roten Streifen. Es wartet nur darauf, zum Einsatz zu kommen. Auspacken, auslegen, staunen. Irgendwas passte nicht. In meiner Erinnerung hat so ein Spannset zwei Teile - eins mit Gurt und eins mit Gurt und Spannrätsche. Ich hielt das Aldi-Billigspannset in Händen und entdecke mit Entsetzten, dass es aus zwei Teilen Bestand - eins mit Gurt und noch eins mit Gurt, aber keine Spannrätsche. Ich formulierte einige Sätze die man(n) durchaus als Fluchen bezeichnen könnte und brauchte noch ein Bier.
Mein Puls pendelte sich wieder bei 150 ein. Ich beschloss, die Gurten auf irgendeine Art zur Sicherung des Kastens zu befestigen. Viele Umwicklungen und Knoten später entstand so ein Meisterwerk, das auch Houdini (1874-1926) niemals hätte mehr lösen können. Von diesem Gewirr aus Wäscheleine und Spanngurten hing nun unser ganzer Urlaub ab. Nebenbei setzte ich noch eine E-Mail an Ulli ab, den ich aus dem Namibia-Forum kannte, falls mein fantastischer Plan scheitern könnte und bat ihm um Rat. Voller Stolz darf ich aber heute schon verkünden, dass dieses Meisterwerk der Schrauber-Kunst bis zum Ende der Reise hielt.
Fortsetzung folgt....
www.Kurt-und-Heidi.ch Reiseberichte - Bilder und noch mehr wir freuen uns über jeden Besuch
Swakop521'223 Beiträge · seit 201028. Nov. 2010 · #40
Der Entzug nagt...Kurt Du hast mit Deinem Bericht eine Spitzenleistung vollbracht! Danke, bis zum Nächsten....!
*Wer einen Fehler begeht und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten! (Konfuzius)