Doc in Africa - 4 Wochen Namibia (+SAF) in Bildern

136 Antworten · 92,6k Aufrufe · gestartet 11. Okt. 2009 von DocHoliday
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Themenstarter272 Beiträge · seit 200811. Okt. 2009 · #1
Hi allerseits!

Nachdem dieses Forum meine Hauptinformationsquelle in der Vorbereitung meiner Namibia-Tour gewesen ist, möchte ich mich für die vielen Infos, die ich hier bekommmen habe, mit einem Reisebericht bedanken.

Außerdem gibt mir das die Gelegenheit, die Riese in Gedanken noch etwas zu verlängern, da mich schon nach wenigen Tagen zurück in Deutschland die Sehnsucht nach der nächsten Afrikareise gepackt hat.

Ja, so viel kann ich schon verraten: Der Afrikavirus hatte mich schon nach wenigen Tagen in Namibia befallen und ich fürchte, er wird mich so bald nicht loslassen 😉 .

Gleich geht's los. Ich hoffe, es stört niemanden, dass die Bilder mit dem Copyright eines anderen Forums versehen sind. Ist ohnehin keine Konkurrenz für dieses hier, da es sich mit einer ganz anderen Gegend beschäftigt. Für mich ist's so einfacher, da ich den Bericht dann nur einmal schreiben muss.
Gruß Dirk
Themenstarter272 Beiträge · seit 200811. Okt. 2009 · #2
Vorwort:
Afrika
Allein der Klang dieses Wortes hat mich schon immer fasziniert.
Was schwingt da nicht alles mit: Wiege der Menschheit, Löwen, Leoparden, Herden von Antilopen, Zebras und Gnus, Elefanten, Nashörner, unberührte Natur, Wüsten, endlose Savanne, Urwälder, fremde Kulturen, mythische Geschichten aus Film und Literatur (Hemingway, Hatari, etc., etc.).

Schon seit vielen Jahren stand eine Reise auf diesen faszinierenden Kontinent ganz oben auf meiner Wunschliste. Vor 3 oder 4 Jahren wurde dieser Wunsch immer konkreter und drängender und ich begann mich intensiver damit zu beschäftigen. Relativ schnell war klar, dass entweder das südliche Afrika oder Kenia/Tansania das Ziel sein würden.
Als großer Wüstenfan fiel die Wahl letztlich auf Namibia, dass mir die interessanteste Kombination aus wunderbaren Landschaften und reichhaltiger Tierwelt zu bieten schien. Die Tatsache, dass die Einreise absolut unkompliziert ist und man zumindest in der Trockenzeit keinerlei Malariaprophylaxe benötigt (solange man nicht weiter nördlich als Etosha kommt), war sicher auch kein Nachteil.

Einige Filme, Bildbände und diverse Reiseberichte im Netz (nicht zuletzt in diesem Forum) bestätigten mich in meiner Wahl.
Mithilfe eines halben Dutzend Reiseführer hatte ich bald eine grobe Route zusammen, die dank vieler kompetenter Menschen in diesem Forum immer weiter verfeinert wurde.
Der Schwerpunkt der Reise sollte auf Tierbeobachtung und Wüstenlandschaften liegen. Jeweils 6 Nächte würde ich im Kgalagadi-Transfrontier NP im Dreieck zwischen Namibia, Botswana und Südafrika und in Etosha NP verbringen, dazwischen die landschaftlichen Schönheiten der Kalahari, der Namib, der Skelettküste und des Damaralandes genießen.

Im April/Mai stand dann endlich fest, dass ich im September fliegen konnte und ich begann mit der Buchung von Flug, Mietwagen und Lodges. Wie sich herausstellte war ich damit schon ziemlich spät dran. Schnell war klar, dass meine Planung nur aufgehen würde, wenn ich auch campen würde, weil beispielsweise im Kgalagadi die Zimmer in den Restcamps im Park bereits ausgebucht waren. Außerdem reizte mich der Gedanke an Nächte unter dem afrikanischen Sternenhimmel mit Lagerfeuer und Braai durchaus.

Nachdem Flug (Air Namibia), Allrad-Camper (ein "Trax" mit geschlossener Kabine auf Basis des Toyota Hilux) und Lodges gebucht waren, galt es nur noch den deutschen Sommer zu genießen und die Vorfreude immer weiter steigen zu lassen.

Damit Ihr auch was anschauen könnt, habe ich als Appetithäppchen schon mal einen Vorgeschmack auf die vielfältige Tierwelt Namibias:

Gruß Dirk
Themenstarter272 Beiträge · seit 200811. Okt. 2009 · #3
6./7.9.2009, Afrika, ich komme!

Genug der Vorrede!

Am 6.9. war es endlich soweit. Um 22:40h startete der Flug SW286 der Air Namibia Richtung Afrika.

Nach ereignislosem Flug, auf dem ich zum Glück einige Stunden schlafen konnte, landete ich morgens um 8:40h in Windhoek. Die Einreiseformalitäten waren in wenigen Minuten erledigt, mein Koffer kam auch bald, nur von Britz, die mich eigentlich am Flughafen abholen wollten war niemand zu sehen und bei der Tel.-Nummer von meinem Voucher meldete sich niemand. Hm, wat nu?

Was blieb mir übrig - ab ins Taxi und zu Britz gefahren und schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt die ersten Oryx gesehen (leider war die Kamera noch nicht einsatzbereit). Dort stellte sich heraus, dass ich selber Schuld war. Ich hatte nämlich den Mietwagen schon ab dem 6. gebucht, weil ich es von den diversen USA-Trips so gewöhnt war, dass man am selben Tag, an dem man abfliegt, auch den Mietwagen übernimmt. Gestern hatte auch jemand am Airport auf mich gewartet. 😉

Immerhin war das Auto noch nicht anderweitig vermietet. Nach einer recht ausführlichen Einweisung rollte ich bald mit der Adresse eines großen Supermarkts versorgt in meinem Camper vom Hof und versuchte mich daran zu gewöhnen, auf der falschen Seite der Straße zu fahren und beim abbiegen nicht jedes Mal den Scheibenwischer statt des Blinkers einzuschalten.

Der Einkauf war schnell erledigt. Im Supermarkt fand ich sehr amüsant, Frauen in klassischen Herrero- und Damara-Trachten zu sehen, die im "Super Spar" Maggi, Nutella und andere deutsche Produkte kauften 😉.

Gegen 14:00h hatte ich Windhoek hinter mir gelassen und die B1 Richtung Mariental unter die Räder genommen. Bis dorthin ging es noch über asphaltierte, Straßen, allerdings auch zum letzten Mal für die nächsten 7 oder 8 Tage.

Die letzten 30 oder 40 km zur Bagatelle Kalahari Game Ranch, auf der ich heute übernachten wollte, waren dann eine sehr gute Schotterpiste, über die ich mit ca. 60 km/h gefahren bin. Am Anfang ist man ja vorsichtig, später bin ich auch diese Pisten immer mit 80-100 km/h gefahren - mindestens! :MG:

Bagatelle Kalahari liegt bereits in den roten Dünen der Kalahari. Die Häuschen auf den Dünenkämmen waren bei meiner Anfrage bereits ausgebucht, so dass ich einen Campground reserviert hatte. Es war der am besten ausgestattete CG der ganzen Reise mit eigenem, privaten Toiletten- und Duschhäuschen.

Ich hatte, nachdem ich den Camper aufgebaut hatte, gerade noch Zeit für einen kleinen Spaziergang auf den Dünen, bevor die Sonne unterging. Ein paar Springböcke habe ich auch gesehen aber die wollten nicht anhalten, um sich knipsen zu lassen.





Hier seht Ihr mein Gefährt und Domizil für die nächsten 4 Wochen:





Der Sonnenuntergang war nicht spektakulär aber zumindest ganz nett.



Zum Abendessen hatte ich mich schon bei der Buchung in der Lodge angemeldet. Es gab neben Vor- und Nachspeise, an die ich mich nicht mehr erinnern kann ein leckeres Springbock-Ragout und dazu einen sehr guten südafrikanischen Roten. Während und nach dem Essen habe ich mich nett mit zwei Südafrikanern unterhalten. Wir waren die einzigen, die englisch sprachen. Alle übrigen Gäste sprachen deutsch 😉.
Müd, satt und dank des Rotweins auch mit der nötigen Bettschwere habe ich mich recht bald zu meinem Camper verkrümelt, noch etwas den unglaublichen Sternenhimmel incl. Milchstraße und Magellanwolken genossen und mich dann ins Bettchen verkrümelt.
Gruß Dirk
zuletzt bearbeitet 11. Okt. 2009
Themenstarter272 Beiträge · seit 200813. Okt. 2009 · #4
8.9.09 Gepard zu Fuß und Antilopen aus dem Auto

Den ersten afrikanischen Sonnenaufgang habe ich prompt verschlafen. War doch ein anstrengender Tag gestern und der Rotwein am Abend hat wohl sein übriges getan 😉.

Zum Frühstück gab es nur einen Joghurt und ein bisschen O-Saft. Zum Kaffee kochen habe ich mich übrigens während des ganzen Urlaubs nicht aufraffen können. Und das, wo ich doch sonst so ein Koffeinjunkie bin, dass die Schwestern in der letzten Klinik, in der ich gearbeitet habe, extra ein Foto von mir (völlig fertig und kaputt nach einem Nachdienst) im Dienstzimmer aufgehängt haben, auf dem stand: "Gefahr! - Nicht vor der zweiten Tasse Kaffee ansprechen!" 🙂 😄

Pünktlich um 8:00h hatte ich meinen Morgenspaziergang zur Lodge beendet. Ich hatte mich gestern noch für einen Morgenbesuch bei den farmeigenen Geparden und den abendlichen Gamedrive mit Sundownder angemeldet. Zu meiner Überraschung war ich morgens der einzige Gast. Alle anderen wollten wohl die Fütterung am Nachmittag sehen. Darüber hatte ich auch nachgedacht aber beschlossen, dass mir das zu viel Zoo war.

Also bin ich alleine mit dem Guide auf dem Landrover ins Gehege gefahren. Auf Bagatelle Kalahari gibt es insgesamt 4 Geparden. 3 jüngere Männchen, die wohl alle von Menschen aufgezogen wurden und (laut Aussage des Guides) in der Wildnis nicht mehr überleben könnten. Zusätzlich gibt es noch ein Weibchen in einem separaten Gehege, mit dem man hofft, später Nachwuchs züchten zu können.

Die drei Junggesellen waren schnell gefunden und ich knipste mir die Finger wund, auch wenn sie zunächst leider immer nur am Zaun lang sind, was nicht ganz so doll aussah auf den Bildern.





Immerhin sieht man auf dem ersten Bild ganz gut die Chalets oben auf den Dünenkämmen. Irgendwann taten mir die Tiere den Gefallen, sich auf einem kleinen Hügel im Gras nieder zu lassen. Daraufhin fragte mich der Guide, ob ich mutig sei und zu Fuß näher ran wollte. Natürlich wollte ich und wir sind bis auf etwa 10-15m an die Tiere heran gekommen. War schon beeindruckend, sie so aus der Nähe beobachten zu können (ohne Zaun oder Autoblech zwischen uns).





Nach etwa einer Stunde war der Spaß beendet und ich habe in der Lodge doch noch 2 Pötte Kaffee ergattern können 🙂
Anschließend habe ich einen kleinen Spaziergang durch die roten Dünen unternommen und eine ganze Weile das muntere Treiben bei einem großen Webervogelnest beobachtet.









Diese Nester sind faszinierend. Die größten können bis über eine halbe Tonne schwer werden und einige Hundert Vögel beherbergen. Zu denken, dass das alles wie auf dem letzten Bild mit einem Grashalm anfängt! Können solche Bauwerke wirklich nur durch Instinkt erbaut werden oder haben die Vögel nicht doch so etwas wie eine (gemeinschaftliche?) Intelligenz, die plant und gezielt handelt?

Danach habe ich es mir auf dem Campingstuhl im Schatten meines Campers gemütlich gemacht und den ganzen Tag herrlich faul mit lesen und planen der nächsten Etappen verplempert, bis es Zeit für den Afternonon Drive war.

Auf dem Weg zur Lodge traf ich noch dieses Straußenpaar mit diversen Küken (die sich allerdings vor meiner Kamera im hohen Gras versteckten), das natürlich ausführlich geknipst werden wollte, so dass ich fast den Abfahrttermin verpasst hätte.



Insgesamt waren wir 7 Gäste, die mitfuhren - ausnahmslos Deutsche. Ca. 3 Stunden fuhren wir durch das ausgedehnte Gebiet der Farm (wenn ich mich richtig erinnere über 60.000 Hektar) über Dünen und durchs Grasland.

Die ersten Tiere, die wir sahen waren ein paar Gnus (oder Blue Wildebeest, der englische bzw. afrikaanse Name klingt irgendwie viel besser).



Danach begrüßte uns eine Gruppe Oryx oder Gemsböcke. Für mich sind das die elegantesten Antilopen und mit ihren schwarzweißen Gesichtern sehr fotogen. Lecker sind sie außerdem 😉 😈





Zwischendurch habe ich natürlich auch ein paar Landschaftsbilder gemacht:





Auf dem unteren Bild sieht man eine ausgedehnte Salzpfanne, die ebenfalls zum Farmland gehört.

Springböcke haben wir natürlich auch eine Menge gesehen. Diese hier taten mir den Gefallen, ihrem Namen Ehre zu machen und zu "pronken", also mit allen vieren in die Höhe zu springen.



Ein paar Kudus haben wir auch noch gesehen.



Außerdem noch einen Schakal, Löffelhunde oder Bat Eared Foxes und einen Steenbock, von denen mir aber keine zeigenswerten Fotos gelungen sind (bzw. von denen es später noch weit bessere gibt).

Kurz vor Sonnenuntergang dann nochmal einige Oryx.





Zum Sunset haben wir es uns dann auf einem Dünenkamm gemütlich gemacht und unseren Sundowner genossen. Ein Gin-Tonic in dieser Umgebung schmeckt doch gleich doppelt so gut!





Zum Abendessen war ich wieder in der Lodge. Es gab ein leckeres Kudusteak und einen göttlichen Cheesecake als Nachtisch. Danach war ich relativ früh im Bett.
Am nächsten Tag standen etwas über 300 km Schotterpiste bis Mata Mata im Kgalgadi Transfrontier NP direkt hinter der südafrikanischen Grenze auf dem Programm. Ich wollte vorher noch in Mariental meine Vorräte auffüllen (frisches Fleisch zum grillen und den Tank auffüllen wollte ich auch) und früh genug da sein, um noch Zeit für eine erste Ausfahrt am Nachmittag zu haben.

Erst zwei Tage in Afrika, eigentlich noch gar nichts gesehen und ich habe mich da schon gefragt, warum ich eigentlich 45 Jahre gebraucht habe, um hierher zu kommen. Ich fürchte, ich war da schon mit dem Afrikavirus infiziert - und zwar unheilbar.

Kommentare sind übrigens ausdrücklich erwünscht.

Sonst fühle ich mich hier so alleine 😉
Gruß Dirk
4'129 Beiträge · seit 200813. Okt. 2009 · #5
Na, dann wolln wir doch mal was sagen:
Vielen Dank für Deine nette "Gute-Nacht_Geschichte" heute abend. Nicht weil sie zum einschlafen wäre, sondern weil ich mich jetzt verkrümel, wie du es so nett sagst, Gut Nacht.
Diese Reiseberichte sind alle immer sehr gefährlich, einerseits helfen sie die lange Zeit zwischen den Reisen zu würzen, andererseits machen sie einen so gierig nach mehr ...
LG Lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
2'772 Beiträge · seit 200613. Okt. 2009 · #6
Hallo Dirk,

danke für deinen schön geschriebenen Teilbericht und den Bildern. Bin gerade selbst dabei unseren Bericht zu tippen und freue mich immer andere Berichte lesen zu dürfen 🙂
Also, wann kommt die Fortsetzung???

LG Pascalinah
Nimm dich vor Leuten in Acht, die damit angeben, wer sie sind. Ein Löwe wird dir nie sagen müssen, dass er ein Löwe ist. Fotobuch Caprivi/Botswana 2024: https://www.cewe-community.com/next/example/schwerpunkt-naturparadies-sambesi-region-und-botswana-69955 Fotobuch Kruger National Park 2025: https://www.cewe-community.com/next/example/kruger-national-park-november-2025-71278
8'054 Beiträge · seit 200813. Okt. 2009 · #7
Hallo Doc,

Ich freue mich immer auf einen Reisebericht! 😛

Ein bisschen Urlaub vor dem Urlaub kann für die Psyche nicht schaden. Die Bilder mit dem Geparden sind wirklich gelungen.

Gerne verfolge ich deine Reise weiter. 😁

Es grüsst
Annick
Südafrika 2014 http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/281763-miam-miam-und-mamamia.html Namibia 2014 [http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/283810/-die-frenchies-in-namibia.html] Tansania 2015 [http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285247-tansania-auf-jeden-fall-wieder.html] Uganda/Ruanda 2015 {http://namibia-forum.ch/forum/160-diverses/286948-uga,html} Tanzania 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/288428-rei,html} Südafrika/Simbabwe 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/290185.html} Südafrika Garden Road 2018 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/295032-the-garden-road-ein-bisschen-anders.html Malawi 2018{http://namibia-forum.ch/forum/154-diverses/296097-reisebericht-malawi-august-2018.html}
690 Beiträge · seit 200913. Okt. 2009 · #8
Hallo Doc, wann kommt der nächste Bericht - ich bin schon sehr gespannt - denn wir sind im Dezember im KTP. Wir können es kaum erwarten.
Gruß vom Niederrhein Edith
Themenstarter272 Beiträge · seit 200814. Okt. 2009 · #9
Nachdem ich jetzt zumindest einige der Mitreisenden kennen gelernt habe, kann es ja weiter gehen:

9.9.09 - Reise ins Nirgendwo und Leo I.

Mitten in der Nacht klingelte der Handywecker. Hilft ja nichts. Ab unter Dusche, danach war ich wenigstens halb wach. Camper reisefertig gemacht und dabei beschlossen, dass die beiden Stützen zur Stabilisierung das letzte mal dran waren. Da schraubt man sich ja einen Wolf!

Um 7:00h war ich auf der Piste (ausgecheckt hatte ich gestern Abend schon). Um kurz vor 8:00h hatte ich Mariental erreicht und einen Supermarkt ausfindig gemacht, der glücklicherweise um 8:00h öffnete. Nach einem kurzen Rundgang durch den Markt war ich ein paar 100 N$ ärmer aber dafür hatte ich den Kühlschrank voll mit Bergen von Fleisch (und dem einen oder anderen Sixpack ;)). Ein bisschen frisches Gemüse und Brot waren aber auch noch dabei. Alles verstaut, eingestiegen und ... zurück zum Supermarkt.
Ich brauchte ja noch eine Füllung für meinen Beanbag. Bohnen habe ich nur 2 500g-Tüten gefunden aber dafür einen Sack Mais. Tat es natürlich genauso.
Nochmal nachgedacht, was sonst noch fehlt - eigentlich nichts. Also bei der Tanke um die Ecke Sprit bis kurz vorm überlaufen eingefüllt (oder eigentlich bis kurz danach), Zigaretten gekauft (ich wusste doch, dass noch was wichtiges fehlte ;)) und ab ging es auf die Piste Richtung Mata Mata.

Über Stampriet und Gochas führten die C20 (noch Asphalt) und die C15 (gut ausgebaute Schotterpiste durch relativ eintönige Landschaften.





Gegen 14:00h bin ich am Grenzübergang angekommen. Da es sich beim Kgalagadi um einen Transfrontier NP handelt, reist men eigentlich gar nicht in Südafrika ein, solange man den Park durch den selben Eingang wieder verlässt.
Trotzdem hat der namibische Grenzbeamte einen Ausreisestempel in meinen Pass gehauen. Ich bin also aus Namibia ausgereist aber nirgendwo eingereist. Wo war ich denn dann die nächsten 6 Tage? Nirgendwo?

Bei der Park-Rezeption habe ich meinen "Laufzettel" für die nächsten tage bekommen und einen Flyer mit einer Karte des Parks gekauft. War übrigens dieselbe Karte, die man auch auf der Sanparks-Seite als PDF runterladen kann.

Für die erste Übernachtung hatte ich das Kalahari Tented Camp 4 km hinter Mata Mata vorgebucht. Dabei handelt es sich um ein so genanntes Wilderness Camp. Das sind relativ kleine Camps mit nur ein paar Bungalows, die nicht eingezäunt sind. Man hat also die Chance, dem einen oder anderen Tier auf der Terasse zu begegnen.

Ich war angenehm überrascht, von dem Zelt/Bungalow, das ich erhalten habe. So nobel hatte ich es mir gar nicht vorgestellt.









Nach ausführlicher Besichtigung der Keramikabteilung habe ich das Camp gegen 15:30h zu meinem ersten Game Drive im Kgalagadi verlassen.

Bis Toresschluss hatte ich noch drei Stunden Zeit und vielleicht würde ich ja schon am ersten Tag das eine oder andere Tier zu Gesicht bekommen.

Kaum auf der Piste, liefen mir schon die ersten Springböcke vor die Linse.



Danach eine Gruppe Gnus



ein Kori Bustard (Riesentrappe), der schwerste flugfähige Vogel der Welt (bis 18 kg schwer)



ein nicht mehr ganz so flugfähiger Strauß



und ein Oryx-Springbock-Pärchen, das sich lieb zu haben schien.



Das war aber noch nicht alles. Schon am nächsten Wasserloch lag ein halbwüchsiges Löwenmännchen faul im Schatten eines Baumes. Da er mein erster Löwe in freier Wildbahn war, habe ich ihn Leo I. getauft. Ich habe ihn sicher eine halbe Stunde beobachtet und immerhin hat er einmal den Kopf gehoben.



Das hat ihn so erschöpft, dass er die mächsten 20 Minuten wieder regungslos da gelegen hat. Danach habe ich aufgegeben und bin weiter gefahren. Aber nicht allzu weit, denn kurz dahinter streiften 2 Löffelhunde durchs Grasland. Leider wollten sie nie gleichzeitig aufs Bild.



Ein Chanting Goshawk (Singhabicht) und ein Schakal vervollständigten meine Beute.





Auf dem Rückweg ins Camp bzw. im Camp habe ich noch etwas die Landschaft im letzten Sonnenlicht genossen, bevor ich das Braai-Feuer angeworfen habe.





Dazu gabe es ein kühles Bierchen. Zum Abendessen gab es sehr leckeres Oryx-Steak, einen Salat und einen ebenso leckeren südafrikanischen Roten.
Das alles unter dem unglaublichen afrikanischen Sternenhimmel - ein perfekter Abend!

Der Speiseplan sollte sich übrigens die nächsten Wochen nicht mehr wesentlich ändern. Ich habe streng Diät gehalten. Abends ein Bierchen oder zwei zum abkühlen und ansonsten nur große Mengen rotes Fleisch und roter Wein, allenfalls mit ein paar Alibi-Vitaminen in Form von Salat oder Dosengemüse.
Gruß Dirk
690 Beiträge · seit 200915. Okt. 2009 · #10
Vielen Dank für Deinen schönen Bericht - aber wo bleibt die Fortsetzung?
Gruß Edith
Themenstarter272 Beiträge · seit 200815. Okt. 2009 · #11
estefe schrieb:
Vielen Dank für Deinen schönen Bericht - aber wo bleibt die Fortsetzung?
Gruß Edith
Immer langsam! Irgedwann muss ich ja auch die Knete für die nächste Reise verdienen 😉
Am WE bin ich unterwegs. Wahrscheinlich geht es erst Montag weiter.
Gruß Dirk
447 Beiträge · seit 200815. Okt. 2009 · #12
Hi DocHoliday,

keine schlechte Ausbeute - gleich am 1. Tag im KTP einen Löwen!
Es gab schon Leute, die haben dort gar keine gesehen.
Danke für die schönen Bilder. Macht echt Spaß den Bericht zu lesen.
Freu mich auf die Fortsetzung und bin gespannt, was Du noch so auf Deiner Reise erlebst.

Viele Grüße,

Kathrin
Kathrin und Olli Manchmal wollen die Goetter, dass etwas nicht gelingt, damit die Menschen die Demut bewahren. Reisebericht Botswana Apr/Mai 08: http://www.namibia-forum.ch/download/olliboe08.pdf Reisebericht Botswana Jun 09: Feuertaufe im Regenwasser Norwegen 2010
Themenstarter272 Beiträge · seit 200817. Okt. 2009 · #13
DocHoliday schrieb:
Am WE bin ich unterwegs. Wahrscheinlich geht es erst Montag weiter.

Und erstens kommt es anders ...

10.9.09 - Leo, Cheetah & Co.

Bin zwar kein Tucholsky aber ich denke diesen Tag kann ich auch durch meine fehlenden literarischen Talente nicht kaputt machen.

Der Tag begann sehr viel versprechend mit einem schönen Sonnenaufgang.





Eigentlich hatte ich vorgehabt, an den ersten Wasserlöchern, die ich gestern schon besucht hatte, vorbei zu fahren, weil ich heute eine etwas längere Strecke bis zum Nossob Restcamp vor mir hatte.

Aber es kam anders.

Zunächst saß dieser Habicht (ein Southern Pale Singing Goshawk) am Straßenrand und demonstrierte mit seinem aufgeplusterten Gefieder, dass es an diesem Morgen nicht besonders warm war.



Kurz danach begegneten mir diese Schakale



und ein paar Springböcke im schönsten Morgenlicht.



Irgendwie kam ich selten mehr als ein paar 100 m am Stück voran, weil ich immer wieder zum knipsen und schauen anhalten musste. Ganz besonders natürlich, als mir dieser junge Giraffenbulle vor die Linse lief. Er ist einer von nur 10 bis 12 Giraffen, die seit einigen Jahren wieder im Kgalagadi leben.





Wieder nur einige hundert Meter weiter sah ich einen kleinen Stau kurz hinter dem nächsten Wasserloch. Die Stau-Ursache war schnell identifiziert: 2 jüngere männliche Löwen lagen dort faul herum. Das heißt relativ faul. Gegenüber dem Einzelgänger gestern waren sie ein wahrer Ausbund an Energie und Bewegung.





Irgendwann standen 7 oder 8 Autos um mich herum und es wurde mir zu eng (für Kgalagdiverhältnisse ist das schon ein ausgemachter Stau. "Achtung Autofahrer, 100 m Stau an der Detour zum Veertiende Boorgat wegen Löwen an der Fahrbahn."

Meine nächste Entdeckung war eine Tüpfelhyäne im Gras neben der Straße. Sie hat bewiesen, dass man sich noch weniger bewegen kann als der Löwe gestern. Sie hat in ca. 15 Minuten nicht einmal den Kopf gehoben. Dafür hatte ich sie aber wenigstens für mich alleine. Die anderen waren ja alle bei den Löwen.



Das heißt alle doch nicht. Auf der nächsten Anhöhe standen schon wieder drei oder vier Autos am Straßenrand. Natürlich habe ich auch angehalten aber zunächst mal gar nichts gesehen. Erst nachdem ich darauf geachtet hatte, wo die Ferngläser der anderen hinzielten, entdeckte ich diese beiden Geparden unter uns im Tal in etwa 300 oder 400 m Entfernung.
Mit dem 400er Objektiv mit 2x-Telekonverter gelang es mir so halbwegs sie aufs Bild zu bekommen (rechnet man den 1,6x Cropfaktor der 50 D mit ein waren das immerhin 1280 mm Kleinbild-Äquivalent, das Bild ist außerdem noch ein ca. 60%-Ausschnitt).



Die beiden schienen auf der Suche nach Beute zu sein. Eine Gepardenjagd bekam ich aber leider nicht geboten, weil sie kurze Zeit später hinter Bäumen verschwunden waren.

Kurz danach bin ich von der "Hauptstraße" auf eine Nebenstrecke durch die Dünen Richtung Nossob-Valley abgebogen. Hier habe ich es tatsächlich geschafft, mal 20 km ohne Fotostopp durch zu fahren. Dieser Sekretär war dann aber wieder einen Stop wert.



Am nächsten Wasserloch konnte ich eine Zeit lang diese Schwarzhalsreiher beobachten und fotografieren, die es sich auf einem Wassertank gemütlich gemacht hatten. Wie sie da so saßen und die Springböcke und Oryx am Wasserloch unter sich beobachtet haben, erinnerten sie mich doch stark an Stadler und Waldorf von der Muppet-Show.



Ein paar Dünen weiter sah ich aus dem Augenwinkel rechts neben mir eine Bewegung im Gebüsch. Also voll auf die Bremse, Rückwärtsgang rein und nachgeschaut. Übrigens eine Übung die ich Laufe dieser Reise sicher mehr als 100 x durchgeführt habe.
Dieses mal wurde ich mit einem Pärchen von Steinböckchen belohnt. An diesen etwa 50 cm hohen Zwergantilopen haben mir besonders die schön gezeichneten Ohren gefallen.





Erstaunlicherweise haben diese sonst recht scheuen Tierchen eine ganze Weile bereitwillig für mich posiert.
Weiter ging es von Dünenkamm zu Dünenkamm, wobei man immer darauf achten musste, nicht zu schnell zu werden, denn die Straße war recht gut. Erstens sollen die Ranger gerüchteweise im Park Geschwindigkeitskontrollen durchführen (Speedlimit ist 50kmh) und zweitens weiß man nie, was einen hinter dem nächsten Dünenkamm erwartet. Ich hatte mich deshalb gerade mal wieder selbst ermahnt als ich auch schon hinter der nächsten Kuppe eine echte Vollbremsung hinlegen musste, um nicht ein Leopardenjunges zu überfahren, dass dabei war, der Mutter und einem Geschwisterchen über die Straße zu folgen.
Statt sich zu bedanken, dass ich mit meiner heroischen Bremsaktion ihren Nachwuchs gerettet hatte, schaute mich die Leopardin nur böse an, als wollte sie mich fressen. Immerhin hat sie dabei wenigstens so lange still gehalten bis ich meine Kamera im Anschlag hatte. Ich hatte sogar Zeit, in Ruhe die Schönheit, Eleganz und Kraft zu bewundern, die diese Raubkatze ausstrahlt. Einfach faszinierende Tiere!





Einen der beiden Zöglinge habe ich auch noch erwischt, der andere hat sich die ganze Zeit im Gras oder hinter Büschen versteckt.



Wow! Mein erster voller Tag in einem afrikanischen Nationalpark ist knapp drei Stunden alt und ich habe schon Löwen, Geparden, Leoparden, eine Hyäne und eine Giraffe gesehen! Wahnsinn!
Ich habe später andere Parkbesucher getroffen, die in drei oder vier Tagen weniger gesehen haben als ich an diesem einen Tag.

Immer noch auf der Nebenstrecke durch die Dünen sah ich auch noch eine Gruppe Kuhantilopen (Red Hartebeest) in einiger Entfernung grasen.



Danach wurde es etwas ruhiger. Das war auch gut so, denn ich brauchte erstmal ein wenig Zeit, die vielen Eindrücke überhaupt zu verarbeiten. Mit schwirrte ganz schön der Kopf. Außerdem glaubt man gar nicht, was für Mengen Adrenalin Tierbeobachtungen und die Jagd nach guten Fotos dieser Tiere freisetzen können.
Zur Beruhigung habe ich zur Abwechslung mal das eine oder andere Landschaftsbild gemacht.



Irgendwann hatte ich dann die Dünen hinter mir gelassen und das Nossob Valley erreicht. Der Nossob Rivier ist ein Fluss oder besser ein Flussbett, dass die allermeiste Zeit trocken ist und nur ein oder zweimal in 100 Jahren fließt er wirklich auf der ganzen Länge ("kommt ab"). Das letzte mal ist das wohl in den 60 er Jahren passiert.
Hier wurde die Straße immer sandiger, war aber bis auf einige Waschbrettabschnitte immer noch sehr gut zu fahren.



Kurz vor erreichen des Restcamps habe ich noch diese Gruppe von Gemsböcken an einem Wasserloch gesehen.



Im Restcamp habe ich den letzten wenigstens halbwegs schattigen Platz blockiert, mir ein paar Sandwiches und ein kühles Bier zum Lunch gegönnt und die nächsten 2 oder 3 Stunden mit dösen und lesen hinter mich gebracht.
Gegen 15:30 h bin ich zu einem Afternoon-Drive gestartet. So viele Tiere wie morgens habe ich natürlich nicht mehr gesehen aber immerhin diesen Weißrückengeier



und einen Straußenhahn.



Nebenbei habe ich natürlich immer wieder Springböcke, Gemsböcke und Gnus gesehen aber wenn ich die auch noch alle zeige, werde ich mit diesem Tag nie fertig.

Da ich schon ein wenig vor Sonnenuntergang zurück im Camp war, bin ich mit meiner Kamera und einem Feierabendbier zum Hideout am Wasserloch gelaufen, um dort den Sonnenuntergang zu genießen.

Dort wurde ich von 2 Gabelracken begrüßt, hübsch bunt und leider beim Abflug etwas zu schnell für mich.





Zwischendurch schaute dieser durstige Schakal vorbei.



Untermalt wurde das ganze von der Geräuschkulisse, die diese Krähe verursachte. Es klang wirklich so, als würde die ganze Zeit jemand reden oder besser vor sich hin brabbeln.



Nach einer Weile trieb mich der Hunger vom Wasserloch zurück zum Camper. Schnell das Feuer angeworfen und nicht allzu viel später gab es ein leckeres Abendessen mit Entrecote, Maiskolben vom Grill und einem Tomatensalat begleitet vom obligatorischen Gläschen Rotwein (oder waren es 2 oder 3? ;)).

Lange habe ich es danach nicht mehr ausgehalten und war zwischen 21 und 21.30h im Bettchen (ist mir auch schon lange nicht mehr passiert ;)).

Was für ein Tag!

So kann es weitergehen.
Gruß Dirk
4'129 Beiträge · seit 200817. Okt. 2009 · #14
Jo, Du sagst es! Was für ein Tag!!!!

So kann es weitergehen.

BITTE!!

LG Lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
1'667 Beiträge · seit 200917. Okt. 2009 · #15
Schade, schon zu Ende..... 🙁
So kann es wirklich weiter gehen...
sehr kurzweilig geschrieben.
Lieben Gruß
Birgitt
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Themenstarter272 Beiträge · seit 200819. Okt. 2009 · #16
11.9. - Am Ende der Welt

Heute war es ein wenig ruhiger als gestern. Nur eine kurze Strecke zu fahren bis zum Grootkolk Wilderness Camp und auch bei weitem nicht so viele Tiere.

Bei leicht bedecktem Himmel gab es keinen besonders spektakulären Sonnenaufgang aber immerhin schöne warme Farben.





Ich habe es mir geich am ersten Wasserloch gemütlich gemacht und erstmal einen Joghurt zum Frühstück genossen. Das Wasserloch gehörte eine ganze Zeit lang den Vögeln (hauptsächlich Tauben).



Es war faszinierend zu beobachten, wie sie immer wieder wie auf ein geheimes Kommando im Schwarm von den Bäumen zum Wasserloch und zurück flogen.



Ich werde nie verstehen, wie es möglich ist, dass sie nicht dauernd ineinander fliegen. Sie müssen einen sechsten und wahrscheinlich auch noch einen siebten Sinn haben.

Nach einer ganzen Weile tauchte eine Gruppe Gnus am Wasserloch auf.



Irgendwann hatten sie sich hübsch sortiert und übten sich im parallel trinken.



Ich habe eine ganze Weile an diesem Wasserloch verbracht, die Vögel und Gnus beobachtet oder auch einfach die friedliche Stimmung genossen. Zwischendurch hatte ich Zeit zum lesen, wobei ich ab und an mal über das Buch geschaut habe, ob sich was neues tut. War sehr entspannend.
Außer dem kommen und gehen bzw. fliegen der Vögel und diesem Schakal tat sich aber nicht mehr viel.



Schließlich rief wieder die Sandpiste nach mir und ich ließ mich vom Washboard etwas durchschütteln.



Ein bisschen lästig waren die teilweise recht hohen Böschungen der Straße, die dafür sorgten, dass man oft nur Gras sah. Die Landschaft bestand inzwischen aus einer grasbestandenen Ebene mit einzelnen Bäumen, die langsam immer seltener wurden.



Am nächsten Wasserloch tauchte kurz nach mit eine recht große Herde Springböcke auf. Es waren sicher deutlich über 100 Tiere.



Dieser Bock mit dem eindrucksvollen Gehörn schien der Boss gewesen zu sein.



Es war toll diese schönen Tiere für sicher eine Stunde ganz aus der Nähe beobachten zu können. Sie tranken nicht nur am Wasserloch sondern schienen auch Erde bwz. Staub zu fressen (wohl um Mineralstoffe aufzunehmen), einige leckten auch ausdauernd am Stahltank des künstlichen Wasserlochs (Eisenmangel?).



Kurze Zeit später saß dieser Raubvogel in einem Baum neben der Straße und war so nett eine Weile für mich zu posieren.



Ich konnte ihn bisher nicht eindeutig identifizieren. Könnte ein Habicht gewesen sein.

Nach dem Treffen mit ein paar Kuhantilopen erreichte ich gegen 14:00h das Wildernesscamp.



Hier habe ich ein wenig Siesta gehalten und mich mit den frechen Webervögeln auf meiner Terasse und im Baum darüber beschäftigt.



Dazwischen auch dieser Geselle, den ich ebenfalls noch nicht identifizieren konnte.



Gegen 15:00h habe ich mieder auf den Weg Richtung Norden gemacht. Nach ca. 25 km hatte ich Unions End erreicht, wo die Welt (des Parks und Südafrikas) zu Ende ist.



Geradeaus bzw. rechts liegt Botswana, links hinter dem Zaun Namibia.

Bis hierhin hatte ich kein einziges Tier gesehen. Auf dem Rückweg sah ich diesen imposanten Oryx-Bullen.



Man beachte die in vielen Kämpfen abgewetzten Hörner.
Außerdem traf ich noch auf eine weitere Gruppe Gnus beim trinken.



Obwohl ihnen ein Schakal sicher nicht gefährlich werden kann, fühlten sie sich dennoch gestört und vertrieben ihn.



Das war es dann auch an Tiersichtungen auf dieser Ausfahrt, so dass ich mich ein wenig mit der Landschaft beschäftigt habe.





Relativ früh war ich zurück im Camp, wo mich wieder die Webervögel auf dem Mäuerchen erwarteten.

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So habe ich an diesem Tag gewohnt:





Zu der "Küche" auf der Terasse gibt es noch eine nette Geschichte. Im Gästebuch im Gemeinschafts-Küchen- und Esszimmer-Zelt war zu lesen, dass zwei Abende vorher eine Gruppe hier übernachtet und dort zusammen gesessen hat. Beim Essen stellten sie fest, dass zwei Löwinnen der Outdoor-Küche von meinem Bungalow einen Besuch abstatteten und mit den Küchenutensilien spielten. Eine der Plastikschüsseln war später am Wasserloch zu sehen.
Solche Besuche habe ich in dieser Nacht zum Glück nicht bekommen. Allerdings sorgten die ganze Nacht Hyänen für eine nette Geräuschkulisse. Sie klangen so nah, dass ich darauf verzichtet habe, nach Einbruch der Dunkelheit nochmal zum Auto zu gehen, um mein Buch zu holen, dass ich auf dem Beifahrersitz liegen lassen habe.
Better safe than sorry! 😉

Von der Terasse hatte man ein schönen Blick auf ein kleines Wasserloch, wo aber leider nur zwei Schakale vorbeischauten, solange das Licht noch zum knipsen reichte.



Später habe ich noch ein paar Schatten gesehen, die möglicherweise Löwen waren aber vielleicht war da auch nur der Wunsch der Vater des Gedanken.

Zum Abendessen gab es heute zur Abwechslung mal Steak vom Grill und Salat mit Rotwein dazu. Dazu wieder der wunderbare Sternenhimmel, an dem ich mich einfach nicht satt sehen konnte.

Auch an diesem Abend fielen mir bald die Augen zu und ich war schon wieder vor 22:00h im Bett.

Obwohl bei weitem nicht so spektakulär wie gestern, habe ich auch diesen Tag sehr genossen. Es war sehr entspannend stundenlang an einem Wasserloch zu sitzen und abzuwarten, wer oder was so vorbeischaut.
Gruß Dirk
690 Beiträge · seit 200919. Okt. 2009 · #17
Hi Dirk, bin weiterhin begeistert und ganz gespannt auf den nächsten Bericht. So viel Glück hat kaum jemand und ich wage zu bezweifeln, ob wir im Dezember so viel sehen werden. Aber - die Hoffnung stirbt zuletzt. Da wir 6 Tage im KTP Zeit haben, können wir es auch sehr ruhig angehen lassen. Ich weiss aber auch, dass man zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein muss und das ist die Schwierigkeit!
Gruß Edith
Themenstarter272 Beiträge · seit 200821. Okt. 2009 · #18
Edith, bei 6 Tagen (hatte ich auch) wirst Du mit Sicherheit einiges zu sehen bekommen. Lass Dich einfach überraschen Ist letztlich sowieso Glücksache.

So langsam wird es mal Zeit für eine Fortsetzung:

12.9.09 - Auge in Auge mit dem Ungeheuer

Die letzte Nacht war sehr unterhaltsam. Löwengebrüll in beachtlicher Lautstärke wechselte sich ab mit den verschiedensten Geräuschen die Hyänen so von sich geben. Heulen, Jammern, Wimmern, Gelächter, etc., etc. Irgendwann bin ich trotz dieses wunderbaren Konzerts eingeschlafen und war morgens auch ohne Wecker rechtzeitig wach, um als erster um 6:30h meinen Parkpass vom Ranger in Empfang zu nehmen und mich auf den Weg in den Sonnenaufgang zu machen. Hat sich mal wieder gelohnt:





Der Ranger hatte mir den Tip gegeben, dass gestern früh ein Leopard am nächsten Wasserloch in einem Baum gelegen hätte. Er meinte, dass die Chance nicht schlecht wäre, dass er dorthin zurückkehren würde.
Den Baum habe ich gefunden aber der Leopard hielt unsere Verabredung leider nicht ein.



Auch sonst tat sich dort nicht viel um nicht zu sagen gar nichts. Nach einer halben Stunde habe ich aufgegeben und mich entschlossen, woanders mein Glück zu versuchen. Weit kam ich nicht. Auf der kurzen Zufahrt zurück zur Parkstraße tauchten auf einmal zwei Hyänen aus dem Gegenlicht auf. Sie ließen sich von meinem Auto gar nicht stören, liefen vielleicht ein oder zwei Meter entfernt vorbei Richtung Wasserloch. Also Rückwärtsgang rein und ebenfalls zurück dorthin.
Erst stillten die beiden dort in aller Ruhe ihren Durst.



Dann entschieden sie sich, dieses komische weiße Blechding und seinen Inhalt mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Die eine schnüffelte und leckte am Kühler herum, die andere stand direkt neben meinem Seitenfenster und starrte mich aus nächster Nähe an.



Wir schauten uns sicher 5 Minuten direkt in die Augen. Sie war so nah, dass ich sie anfassen hätte können.
Dann habe ich erstmal das Fenster hoch gedreht. Wer weiß, auf was für Ideen das Vieh so kommt. Irgendwie schaute sie etwas zu interessiert 😉.



Das letzte Bild ist übrigens mit 50 mm aufgenommen. Allerdings schon durch das geschlossene Fenster, deshalb der leichte Grünstich.

Nach ca. 15 Minuten verschwanden die beiden wieder und ich bin auch weiter gefahren. Ein Stop für 2 Singhabichte musste unterwegs sein.



Am nächsten Wasserloch sah ich zunächst wieder nur jede Menge Tauben und andere Vögel. Plötzlich hörte ich ein klatschendes Geräusch und der ganze Schwarm flog auf. Da sah ich diesen Lannerfalken, der sich gerade sein Frühstück gefangen hatte und begann es in aller Seelenruhe zu verspeisen.





Erstaunlich fand ich, dass die übrigen Piepmätze sich davon gar nicht weiter beunruhigen ließen und nur 2 oder 3 Meter neben ihm und ihrem toten Artgenossen weiter um das Wasserloch herum flatterten als wäre gar nichts passiert.

Ich konnte ihm bei seinem Mahl leider nicht bis zum Ende zuschauen, weil ich heute etwas knapp mit der Zeit war. Ich hatte über 300 km zu fahren bis Twee Rivieren am Südende des Parks. Und das mit max. Tempo 50.

Für diverse Fotostopps unterwegs reichte die Zeit aber schon.

Riesentrappe:



Oryx mit Nachwuchs



Gabelracke



DIe Landschaft wurde langsam wieder etwas "düniger" und der Sand wieder roter.





Nachdem ich einen Sekretär und einen Strauß beim Staubbad bewundern konnte,





fand ich diesen artübergreifenden Kindergarten. Sah so aus als würden die kleinen Springböcke sagen: So groß will ich auch mal werden!



Überrascht war ich, ausgerechnet an den trockensten Stellen, die ich bisher gesehen hatte, nämlich den fast vegetationslosen Sanddünen auf einmal blühende Blumen zu finden.





Später sah ich noch diesen Reiher



Auch im Auob Rivier fanden sich kurz vor Twee Rivieren gelbe Blüten und das wo die Regenzeit doch noch mindestens ein bis zwei Monate entfernt ist.



Gegen 16:30h hatte ich Twee Rivieren erreicht. Nachdem ich einen halbwegs schattigen Campingplatz gefunden hatte, war das Programm für heute beendet. Nach insgesamt 10h im Auto war ich geschafft und hatte keine Lust mehr zu einer weiteren Ausfahrt. Also habe ich nur noch getankt, eine Kleinigkeit Fleisch eingekauft (600 g Rumpsteak ;)), mich in den Campingstuhl geworfen und begonnen, mit einem kalten Bier Talsperre zu spielen.

Das hat so gut funktioniert, dass mir nach dem Essen schon die Augen zufielen und ich noch vor 21:00h in der Falle lag. Das ist mir glaube ich mit 9 oder 10 Jahren das letzte mal passiert ohne krank zu sein.
Gruß Dirk
690 Beiträge · seit 200922. Okt. 2009 · #19
Hi Dirk, danke für den weiteren Bericht. Fünf Minuten bei offenem Fenster hätte ich es nicht mit der "getüpfelten" ausgehalten! Spannend ist das allemal. Tolle Fotos! Nun mal weiter so.........ich warte!
Gruß Edith
32 Beiträge · seit 200622. Okt. 2009 · #20
Hallo Dirk
auch ich lese seit Anfang mit und bin begeistert von deinen Erlebnissen und den tollen Bildern. Du scheinst ja ein Vogelexperte zu sein. Weiter so - ich warte!