Siggi und die unendliche Versuchung, oder die Heimtücke eines Knopfes
Das fotografieren von Polizeibeamten, Polizeigebäuden ist in Botswana verboten.*
Wir haben uns zeitlich etwas verkalkuliert und müssen bei einbrechender Dunkelheit bis Nata fahren, dort wollen wir in der Nata Safari Lodge übernachten. In Afrika besonders auf der Strecke Francistown bis Kasane ist es wegen des häufigen Wildwechsels sehr gefährlich. Von unbeleuchteten, teilbeleuchteten Fahrzeugen abgesehen, und da sind wir auch schon beim Thema.
Dass die Armaturenbeleuchtung nicht brennt merken wir erst jetzt, was soll`s brauchen wir nicht. Plötzlich überholt uns ein Polizeifahrzeug und stoppt uns.
Ein freundlich lächelnder Polizeibeamter kommt zu uns.
Polizist: Hallo, wie geht es ihnen?
Siggi: Danke sehr gut.
Polizist: Warum stoppen wir euch?
Oh, denke ich folgt jetzt ein Ratespiel?
Siggi: Sind wir zu schnell gefahren?
Polizist: Nein.
Siggi: Haben wir den Anhänger verloren (wir hatten überhaupt keinen)?
Polizist: Nein, ihre Schlusslichter brennen nicht. Wir können sie so nicht weiterfahren lassen. Schalten sie die Warnblinkanlage ein und folgen sie uns auf das Revier.
Ok.
Auf dem eingezäunten Gelände der Polizei parken wir direkt vor dem Gebäude. Der freundliche Polizist: Versuchen sie das hier in Ordnung zu bringen, dann können sie weiterfahren. Ich folge ihm in das Gebäude. Olaf macht sich ans Werk. Im Prinzip kann nur eine Sicherung kaputt sein.
Polizist: Wo wollen sie denn hin?
Sigi: Zur Nata Safari Lodge.
Polizist: Hm.
Später erfahre ich, die Lodge ist vor einigen Monaten abgebrannt. Vielleicht wusste er es nicht. Man muss doch nicht alles wissen und sei der Ort noch so klein.
Der Raum ist recht kahl. Das obligatorische Bild des Präsidenten an der Wand. Nicht in Augenhöhe, nein wesentlich höher. Sollst ja zu ihm aufblicken.
Und dann sehe ich sie, die Polizistin.
Bei meinem eintreten hat sie dienstbeflissen die Uniformmütze aufgesetzt. Nun sitzen wir uns gegenüber. Meine Augen erblicken ein Stück vom Paradies. Herr Präsident und alle Götter Botswanas macht mich stark, damit ich meine Hände unter Kontrolle halte.
Wow, Wahnsinn, diese Fülle. Das pralle Leben.
Einen BH trägt sie nicht, hätte auch keinen Platz. Die Uniformbluse ist so eng, dass sich mir die Frage aufdrängt: Wie ist sie da reingekommen, allein oder brauchte sie Hilfe?
Der Polizist erzählt irgend etwas, ich registriere das nicht mehr. Zwei Knöpfe der Bluse sind auf, der Dritte unter Hochspannung.
Mein Hirn arbeitet, wie lange wird er dem Druck widerstehen?
Bösartig, hinterlistig schaut der Knopf mich mit seinen zwei Löchern an. Nur noch zwei dünne Fäden halten ihn.
Blitzartig begreife ich: Der Knopf weiß es. Wenn sie jetzt kräftig durchatmet macht er den Abflug – wie Major Tom – völlig losgelöst.
Dann bekomme ich ihn ins rechte Auge – das ist seine Absicht.
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.
Schnell rücke ich mit dem Stuhl ein wenig nach rechts, nicht auffällig muss sie nicht mitkriegen.
Halt, haut nicht hin - dann trifft der Knopf mein linkes Auge.
Rutsche mit dem Hintern nach vorn, dann fliegt er über mich hinweg.
Sie steht auf, weniger als dreißig Zentimeter trennen mich von der unendlichen Versuchung. Sie beugt sich nach vorn sagt etwas, alle Götter Botswanas lasst den Knopf jetzt den Abflug machen. Auge hin Auge her, dass ist es wert. Welch schöner Tod davon erdrückt zu werden. Sekundentod, alles Mist, das ist die wundervollste aller Todesarten.
Mein Herz rast, jetzt …..
Nein, die zwei Fäden halten. Das kann kein Garn sein. Ist bestimmt dünner Blumendraht.
Irgendwie bekomme ich noch die Frage mit, ob ich mit einer Verwarnung von 100 Pula (Landeswährung) einverstanden bin. Ich bin mit allem einverstanden. Sie beugt sich noch weiter nach vorn um mir zu zeigen wo ich unterschreiben soll.
Der saubescheuerte Knopf verharrt auf seiner Position, seine beiden Löcher sind nur noch ein hämisches Grinsen. Ich glaube schlagartig die Parkinsonsche Krankheit bekommen zu haben. Meine Hände zittern. Ich weiß nicht mehr was ich geschrieben habe. Meinen Namen, den Straßennamen, den Namen meines Vaters?
Sie setzt sich wieder, rutscht mit dem Stuhl weiter nach hinten.
Oh, Momente des unbeschreiblichen Glücks, der Glückseligkeit, der seligen Erwartung warum seid ihr so kurz?
Dann bekam ich schöne Gedanken.
Und der Knopf?
Teilnahmslos, unbeweglich verharrt er. Wenn er jetzt wegschießt zertrete ich ihn, gnadenlos. Und wenn ich dafür eingesperrt werde. Rache muss sein.
Der Polizist sitzt rechts neben mir auf dem Schreibtisch und schreibt auf einem Formular. Er schreibt und schreibt. Will er jetzt das erste Kapitel eines Romans beginnen. Ich denke geh raus und hol unseren dicken Schreibblock. Auf dem Vordruck ist kein Platz.
Nee, lieber nicht bei dem Eifer den er entwickelt, würde ich bis morgen früh noch hier sitzen.
*Foto: Junge Somalierin aus Kismaayo, Provinz Jubbada Hoose.
Siggi
Siggi
Menschen für Afrika begeistern
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