Ich habe mir zum Geburtstag, der schon etliche Wochen zurückliegt, den 98 EUR teuren Bildband "Africa" von Michael Poliza schenken lassen.
Das 408 Seiten starke, mit 28,5cm x 37cm überdimensionale und immerhin knapp 5kg schwere Buch darf sich getrost "Bildband" nennen. Die scheinbar grenzenlose Begeisterung des Internets konnte ich bei der ersten Durchsicht weitgehend, aber nicht ganz nachvollziehen. Um festzustellen, was mich genau stört, habe ich erst einmal das Buch technisch nüchtern betrachtet.
"Africa" teilt sich auf in:
S. 4 bis S. 33: Vorwort in fünf (!) Sprachen
S. 33 bis S. 393: Bilder im doppelseitigen Format
S. 394 bis S. 406: Bildnachweis mit fotografischen Informationen (Verschlusszeit, Blende, Brennweite)
S. 407: eine topografische Karte Afrikas
S. 408: Copyright-Gedöns
Der Käufer erhält 180 teilweise sehr beeindruckende Bilder.
Was macht ein beeindruckendes Bild aus? Aus meiner Sicht sind drei Faktoren maßgeblich:
* ein ungewöhnlicher Ort
* eine ungewöhnliche Brennweite
* eine ungewöhnliche Perspektive
Der Punkt "ungewöhnlicher Ort" relativiert sich, da wir alle schon in Afrika gewesen und alle möglichen und unmöglichen Tiere vor unsere Kameras bekommen haben.
Bleiben die Punkte "ungewöhnliche Brennweite" und "ungewöhnliche Perspektive".
Zur "ungewöhnliche Brennweite" schöpft Poliza aus einer Bandbreite von 16mm - 1200mm (!). Ich habe mir die Mühe gemacht, die technischen Daten der Bilder einmal auszuwerten und sie in Bereiche zusammenzufassen, die bei (Nicht-)Hobbyfotografen ebenfalls im Gepäck mitgeführt wird (oder auch nicht).
Brennweite 16-27mm: 10
Brennweite 28-299mm: 63
Brennweite 300-499mm: 33
Brennweite 500-799mm: 12
Brennweite 800-1000mm: 42
Brennweite > 1001mm: 13
ungekennzeichnet:7
Davon ausgehend, dass die meisten hier im Forum nicht weniger als 28 und mehr als 800mm Objektivbrennweite nutzen (ca. 40% der Bilder), war mein erster Gedanke: "Equipment hilft doch!!" und die fotografische Leistung von Poliza relativiert sich aus meiner Sicht deutlich.
Poliza kann bei dem Punkt "ungewöhnliche Perspektive" durch zahlreiche Luftaufnahmen punkten, also Ansichten, die der fotoverwöhnte Afrikareisende nicht so häufig zu Gesicht bekommt.
Bewertung der Bilder
--------------------
Als Fotonarr habe ich mir die Bilder besonders genau angeschaut. Davon ausgehend, dass ich mir Bilder zuhause auf meinem 24"-Monitor anschaue und viele Bilder bereits auf meinem A1-Drucker gedruckt habe, fällt der "Beeindruckungsfaktor Bildgröße" weg und ich kann mich auf die Bilder selber konzentrieren.
Viele Bilder sind wirklich atemberaubend. Das gilt vor allem bei allen Luftaufnahmen (z.B. S. 36/37 Elefanten im hohen Gras, S. 62/63 Gnus mit quer überfliegenden weißen Vögeln oder auch auf S. 82/83 die Büffelherde im Wasser und etliche andere). Gestochen scharfe Bilder, die die Umgebung mit einer erheblichen Stofflichkeit abbilden. Dabei muss Schärfe kein Qualitätsmerkmal sein und Unschärfe kann durchaus als Stilmittel beeindrucken, wie z.B. der Kingfisher auf S. 64/65 oder die galoppierenden Zebras S. 78/79, die gerade durch die Unschärfe eine beeindruckende Dynamik entwickeln.
Einige Bilder gleiten aus meiner Sicht allerdings in einen eher banalen und durchschnittlichen Bewertungsbereich ab. Dazu zähle ich Bilder, die jeder Afrika-Reisende mit einer halbwegs vernünftigen Kamera schießen kann und die zur Standard-Bildausbeute gehören. Dazu zählen aus meiner Sicht Bilder wie z.B. der Sonnenaufgang am Okavango Delta (S. 34/35), den Elefantenrüssel auf S. 106/107 oder die Bäume in der Sossusvlei S. 244/245. Hier wird nur durch das beeindruckende Bildformat gepunktet.
Dann kommen die Ausreißer, bei denen mir unklar ist, wie sich ein Michael Poliza hat hinreißen lassen, sie in den 98 EUR teuren Bildband aufzunehmen. Schaue ich mir beispielsweise das Leopard Close-Up (S. 56/57) anschaue, fällt mir nur der Begriff "erbärmlich" ein. Es handelt sich dabei garantiert um eine Ausschnittsvergrößerung, die derart klein gewählt wurde, dass das Bildformat des Buches alle Qualitätsgrenzen schlicht sprengt. Das Bild ist schlicht pixelig. Dasselbe gilt für den Elefanten (S. 40/41) oder auch den Elefant im Wasser (S. 58/59).
Fazit
-----
Eines ist klar: Michael Poliza versteht sein Handwerk. Alle Motive sind technisch einwandfrei und sehr viele Motive sind einmalig schön und bewundernswert. Das Format des Buches ist außerordentlich und liefert seinen Beitrag zu dem Gesamteindruck. Fraglich bleibt, wieso das eine oder andere Bild sich ins Buch geschlichen hat, die einen kleinen Schatten über den Gesamteindruck wirft. Ich persönlich finde den Kaufpreis von 98 EUR nach der Bewertung sehr grenzwertig.
Das 408 Seiten starke, mit 28,5cm x 37cm überdimensionale und immerhin knapp 5kg schwere Buch darf sich getrost "Bildband" nennen. Die scheinbar grenzenlose Begeisterung des Internets konnte ich bei der ersten Durchsicht weitgehend, aber nicht ganz nachvollziehen. Um festzustellen, was mich genau stört, habe ich erst einmal das Buch technisch nüchtern betrachtet.
"Africa" teilt sich auf in:
S. 4 bis S. 33: Vorwort in fünf (!) Sprachen
S. 33 bis S. 393: Bilder im doppelseitigen Format
S. 394 bis S. 406: Bildnachweis mit fotografischen Informationen (Verschlusszeit, Blende, Brennweite)
S. 407: eine topografische Karte Afrikas
S. 408: Copyright-Gedöns
Der Käufer erhält 180 teilweise sehr beeindruckende Bilder.
Was macht ein beeindruckendes Bild aus? Aus meiner Sicht sind drei Faktoren maßgeblich:
* ein ungewöhnlicher Ort
* eine ungewöhnliche Brennweite
* eine ungewöhnliche Perspektive
Der Punkt "ungewöhnlicher Ort" relativiert sich, da wir alle schon in Afrika gewesen und alle möglichen und unmöglichen Tiere vor unsere Kameras bekommen haben.
Bleiben die Punkte "ungewöhnliche Brennweite" und "ungewöhnliche Perspektive".
Zur "ungewöhnliche Brennweite" schöpft Poliza aus einer Bandbreite von 16mm - 1200mm (!). Ich habe mir die Mühe gemacht, die technischen Daten der Bilder einmal auszuwerten und sie in Bereiche zusammenzufassen, die bei (Nicht-)Hobbyfotografen ebenfalls im Gepäck mitgeführt wird (oder auch nicht).
Brennweite 16-27mm: 10
Brennweite 28-299mm: 63
Brennweite 300-499mm: 33
Brennweite 500-799mm: 12
Brennweite 800-1000mm: 42
Brennweite > 1001mm: 13
ungekennzeichnet:7
Davon ausgehend, dass die meisten hier im Forum nicht weniger als 28 und mehr als 800mm Objektivbrennweite nutzen (ca. 40% der Bilder), war mein erster Gedanke: "Equipment hilft doch!!" und die fotografische Leistung von Poliza relativiert sich aus meiner Sicht deutlich.
Poliza kann bei dem Punkt "ungewöhnliche Perspektive" durch zahlreiche Luftaufnahmen punkten, also Ansichten, die der fotoverwöhnte Afrikareisende nicht so häufig zu Gesicht bekommt.
Bewertung der Bilder
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Als Fotonarr habe ich mir die Bilder besonders genau angeschaut. Davon ausgehend, dass ich mir Bilder zuhause auf meinem 24"-Monitor anschaue und viele Bilder bereits auf meinem A1-Drucker gedruckt habe, fällt der "Beeindruckungsfaktor Bildgröße" weg und ich kann mich auf die Bilder selber konzentrieren.
Viele Bilder sind wirklich atemberaubend. Das gilt vor allem bei allen Luftaufnahmen (z.B. S. 36/37 Elefanten im hohen Gras, S. 62/63 Gnus mit quer überfliegenden weißen Vögeln oder auch auf S. 82/83 die Büffelherde im Wasser und etliche andere). Gestochen scharfe Bilder, die die Umgebung mit einer erheblichen Stofflichkeit abbilden. Dabei muss Schärfe kein Qualitätsmerkmal sein und Unschärfe kann durchaus als Stilmittel beeindrucken, wie z.B. der Kingfisher auf S. 64/65 oder die galoppierenden Zebras S. 78/79, die gerade durch die Unschärfe eine beeindruckende Dynamik entwickeln.
Einige Bilder gleiten aus meiner Sicht allerdings in einen eher banalen und durchschnittlichen Bewertungsbereich ab. Dazu zähle ich Bilder, die jeder Afrika-Reisende mit einer halbwegs vernünftigen Kamera schießen kann und die zur Standard-Bildausbeute gehören. Dazu zählen aus meiner Sicht Bilder wie z.B. der Sonnenaufgang am Okavango Delta (S. 34/35), den Elefantenrüssel auf S. 106/107 oder die Bäume in der Sossusvlei S. 244/245. Hier wird nur durch das beeindruckende Bildformat gepunktet.
Dann kommen die Ausreißer, bei denen mir unklar ist, wie sich ein Michael Poliza hat hinreißen lassen, sie in den 98 EUR teuren Bildband aufzunehmen. Schaue ich mir beispielsweise das Leopard Close-Up (S. 56/57) anschaue, fällt mir nur der Begriff "erbärmlich" ein. Es handelt sich dabei garantiert um eine Ausschnittsvergrößerung, die derart klein gewählt wurde, dass das Bildformat des Buches alle Qualitätsgrenzen schlicht sprengt. Das Bild ist schlicht pixelig. Dasselbe gilt für den Elefanten (S. 40/41) oder auch den Elefant im Wasser (S. 58/59).
Fazit
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Eines ist klar: Michael Poliza versteht sein Handwerk. Alle Motive sind technisch einwandfrei und sehr viele Motive sind einmalig schön und bewundernswert. Das Format des Buches ist außerordentlich und liefert seinen Beitrag zu dem Gesamteindruck. Fraglich bleibt, wieso das eine oder andere Bild sich ins Buch geschlichen hat, die einen kleinen Schatten über den Gesamteindruck wirft. Ich persönlich finde den Kaufpreis von 98 EUR nach der Bewertung sehr grenzwertig.
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