TomcatThemenstarter1'155 Beiträge · seit 200606. Juni 2009 · #1Neben dem ganzen Reisestress der Touristen wie optimale Routeplanung, beste Lodge und wie komme ich doch noch in den Chobe oder Etoscha NP spielen sich in Afrika noch ganz andere Dramen ab.
Da die meisten Touristen die schwarze Bevölkerung generell ignorieren, oder bestenfalls als Kellner und andere Bedienstete wahrnehmen, haben sie keine Ahnung über die dramatische Ausbreitung von Aids auf dem schwarzen Kontinent.
In vielen afrikanischen Ländern, besonders auch in Namibia, Botswana und Südafrika (....hat eine der höchsten Aids Raten...) stirbt so langsam die erwerbstätige Bevölkerung weg. Im Schnitt sind je nach Land etwa 30-40 z.B. der schwangeren Frauen HIV positiv.
Ärzte und Pflegepersonal in Krankenhäusern sterben weg. Schulen und Universitäten haben keine Lehrkräfte mehr. Eltern und Verwandte von Kindern sterben oder sind bereits tot. Die Kinder (oft auch mit dem Virus infiziert) landen bei den Grosseltern die oft 20 Kinder betreuen müssen. Kinder gehen nicht mehr zur Schule, weil niemdand das Schuhlgeld für sie bezahlen kann.
Ganze Dorfgemeinschaften hungern, weil es praktisch keine Leute mehr gibt, die auf den Feldern arbeiten können.
Afrika wird dramatischen Zeiten entgegensehen.
Unbeding zu empfehlen das Buch von Stephanie Nolen über 28 Einzelschicksale. Was in Afrika passiert, ist ein Völkermord aus Gleichgütligkeit...
http://de.wikipedia.org/wiki/28_Stories_%C3%BCber_Aids_in_AfrikaDies sollte man sich als Tourist immer vor Augen führen....
Joerg3'175 Beiträge · seit 200606. Juni 2009 · #2also da frag ich mich, wer ist denn da der Verantwortliche fuer diesen sogenannten "Voelkermord" und wer soll da gleichgueltig sein??
sorry hab das Buch nicht gelesen, falls da die Antwort drinnen steht....
Gruss
Joerg
Es gibt NIX, das es nedd gibt
travelNAMIBIA33,1k Beiträge · seit 200606. Juni 2009 · #3Hallo Tomcat,
da hast Du absolut recht... aber als Tourist will man sowas ja - leider - meist gar nicht wissen oder sehen. Man ist schließlich im Urlaub.
Das einzig Gute in Namibia ist, dass es neben Uganda das einzige Land in Afrika ist, in dem die HIV-rate zurück geht (etwa 15% der gesamten Bevölkerung, vor 5 Jahren noch ca. 21%). Botswana kann z.B. schon seit Jahren mit der Ausbildung von Neupolizisten nicht die Zahl der Polizisten konstant halten, da mehr an AIDS sterben als ausgebildet werden.
Aktuelle Zahlen die mir vorliegen (Quelle ist ein Tropenmediziner,der lange in Simbabwe gearbeitet hat):
Swaziland: 26% aller Einwohner
Botswana: 24%
Lesotho: 23%
Südafrika: 18%
Namibia: 15%
Sambia: 15%
Mosambik: 13%
Malawi: 12%
Kenya: 7%
...
Deutschland: 0,1%
Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang auch, dass HIV/AIDS nicht, wie viele denken, in Afrika ein Problem der "Schwarzen" ist, denn in Südafrika zum Beispiel sind 5-6% der weißen Bevölkerung auch betroffen... was im Vergleich zu Mitteleuropa ganz enorm ist.
Danke, dass Du noch auf die Thematik aufmerksam gemacht hast.
Sonnige Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
travelNAMIBIA33,1k Beiträge · seit 200606. Juni 2009 · #4Hallo Joerg,
also da frag ich mich, wer ist denn da der Verantwortliche fuer diesen sogenannten "Voelkermord" und wer soll da gleichgueltig sein??
Da musst Du nur Mugabe oder Zuma fragen...
Sonnige Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Joerg3'175 Beiträge · seit 200606. Juni 2009 · #5denke die Liste ist um einiges laenger.......
Gruss
Joerg
Es gibt NIX, das es nedd gibt
Miss Ellie1'723 Beiträge · seit 200906. Juni 2009 · #6sehr trauriges thema ...
ich glaube nicht wirklich, dass die Verantwortung bei Mugabe oder einem anderen politiker in Afrika liegt, die verantwortung liegt vielmehr bei den Managern von den grossen Pharmazeutischen Unternehmen.
In Afrika koennen die ihre enormen preise nicht durchsetzen und darueber hinaus geht das sterben von afrikaner, gleich welcher hautfarbe in europa und in den USA den leuten doch eher am ar.... vorbei.. Im gegenteil, das bremst die ueberbevoelkerung, und die haben ja eh nicht genug zum leben.. (dies hier sind nicht meine gedanken, sondern spiegeln eher die denkweise der sogenannten topmanager wieder).
Warum zum beispiel werden in afrika fuer ein paar dollar voellig unausgereifte medikamente getestet ??? naja, weil man die in europa, selbst bei hohen betraegenn nicht an menschen anwenden moechte.. die konsequenzen im notfalle koennten zu dramatisch und vor allem kostspielig werden. Ob da in Afrika einige Kinder sterben oder auch erwachsene, das schert doch keinen grossen geist..
ich finde die situation auch realtif dramatisch. ich selber habe bei meinen Namibia besuchen versucht ein Auge auf den notstand zu legen, aber mal ehrlich, von aussen ist das eher schwierig zu sehen.
Das grosse drama liegt bei den kindern die schon mit aids geboren werden. diese kinder haben noch nicht einmal eine reelle chance adoptiert zu werden.. weil wer will schon ein kind mit Aids im haus ??? (was ich sogar verstehen kann) ...
leider koennen wir hier die welt nicht heile machen, aber das ist wirklich ein thema was sehr tiefgreifend ist und welches mich selbst sehr wuetend macht.
ich kann in diesem zusammenhang den film (das neue protokoll) empfehlen. hier geht es nicht unbedingt direkt um aids sondern um die willkuer mit der in afrika gehandelt wird, wenn es um profit geht...
liebe gruesse an alle
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
travelNAMIBIA33,1k Beiträge · seit 200606. Juni 2009 · #7Hallo Miss Ellie,
dass die Verantwortung bei Mugabe oder einem anderen politiker in Afrika liegt
Du hast mich (und auch Joerg?!) völlig missverstanden. Es geht darum, dass Mugabe & Co ja immer sehr deutlich sagen wer daran Schuld ist und wer somit dafür verantwortlich ist.
Sonnige Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Joerg3'175 Beiträge · seit 200606. Juni 2009 · #8genau
Gruss
Joerg
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gglink5'538 Beiträge · seit 200806. Juni 2009 · #9Liebe Miss Ellie,
auch wenn Du Recht hast, aber das Problem ist doch noch viel weit- gehender. In erster Linie verschließen die Politiker die Augen und verharmlosen das Thema sogar noch (Mbeki und Zuma sind nur Beispiele, da Staatsoberhäupter). Von der führenden Schicht SCHWARZER Politiker wird das einfach nicht anerkannt oder durch Verweis auf die "bösen" internationalen Konzerne wird von der eigenen Verantwortung abgelenkt. Das geht dann aber runter bis zum Häuptling. Und deshalb helfen auch Aufklärungskampagnen in den Städten und Präservative in den Ministerien, Jugendherbergen und Behörden oder an Tankstellen nicht und ich denke persönlich, dass wir noch einige Jahrzehnte - Du hast richtig gelesen - Jahrzehnte dieses Problem in Schwarzafrika haben werden.
Schade zwar, aber ich sehe keine Lösung.
Nachdenkliche Grüße von der sonnigen Atlantikküste
Gerd
MooseOnTheLoose1'470 Beiträge · seit 200806. Juni 2009 · #10Miss Ellie schrieb:ich kann in diesem zusammenhang den film (das neue protokoll) empfehlen. hier geht es nicht unbedingt direkt um aids sondern um die willkuer mit der in afrika gehandelt wird, wenn es um profit geht...
Hallo Miss Ellie,
welchen Film genau meinst Du?
Ich möchte auch noch einmal allen das Buch "28 Stories über Aids in Afrika" ans Herz legen. Ich empfinde es als sehr wichtig, sich darüber zu informieren, vieles über diese Krankheit wußte ich gar nicht oder nicht mehr. Das Thema Aids in Europa ist stark in den Hintergrund gedrängt und man redet nicht mehr viel darüber. Ich denke, den allermeisten ist in keinster Weise bewußt, was in Afrika passiert ist und immer noch passiert. Aufklärung ist der erste Schritt.
Viele Grüße,
Moose.
jaw2'048 Beiträge · seit 200706. Juni 2009 · #11Hallo Leute,
uff - da muss ich erstmal Luft holen, damit es nicht so lossprudelt.
Grundsätzlich finde ich es gut, wenn sich auch Touris mit diesem Thema befassen. Vor allem Amis bucht da inzwischen Reality Tours und laufen dann mit T-Shirts "I survived a night in (Township xy).
@ Miss Ellie,
natürlich sind die Phamafirmen schuld, die mit Sonderverträgen viele der verfügbaren AIDS-Medikamente zu fast Herstellungskosten an die sub saharian Countrys liefern bzw. dort herstellen lassen (DU hasst recht, es bedurfte der Drohung aus RSA die Medikamente ohne Beachtung von Patenten nachzubauen....)
Und zu den Kindern: "nur" 3-5 % sind bereits vor oder während der Geburt infiziert. Und das Zusammenleben mit einem HIV-positiven Kind oder Erwachsenen erfordert nur in bestimmen Situationen eine besondere Beachtung. Das Problem der so früh infizierten Kinder ist ihre sehr geringe Lebenserwartung, da das Immunsystem schon gegen die Kinderkrankheiten keinen vernünftigen Schutz aufbaut.
ABER:
- sind die Pharmafirmen auch schuld, dass RSA unter dem hochgelobten Pärsidenten Mandela über viele Jahre bestritt, dass AIDS eine Infektionkrankheit ist?
- das trotz Angeboten von who und NGO's jegliche sinnvolle AIDS-Prävention untersagt bzw. völlig behindert wurde?
In den Anfangsjahren der sog. Befreiung wurden durch völlig absurde Vorstellungen der befreiten Regierungen massive Versäumnisse und Fehler begangen, die den Grundstock zur massenhaften Ausbreitung gelegt haben.
Am erschütternsten für mich ist, dass in Südafrika nach einer nur kurzen Periode der Verbesserungen am Ende der Amtszeit Mandelas (der diese Versäumnisse selbst als größten politischen Fehler bezeichnet hat) Unter seinem Nachfolger eine Kehrtwende eingetreten ist. Südafrikas Gesundheitsministerium Vitaminpillen (genau der Dr. Rath, der zuvor bis zum Entzug seiner Approbation in Deutschland leikämiekranke Kinder damit geschädigt hat) und traditonelle Heilmethoden als gleichwertig aber wirtschaftlicher propagiert werden. Auch in Namibia habe ich immer wieder mit AIDS-kranken gesprochen, die ihre Schwestern in den Ausgabestationen bestechen, um die richtigen Medikamente und nicht die Vitaminpillen zu bekommen...).
und zu den Traditionellen Heilmethoden gehört es auch, Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau zu haben, wodurch eine sichere Heilung erreicht werden kann. Dies führt zu den vielen Vergewaltigungen junger Schulmädchen und Kleinkinder
Es ist wirklich ein Drama. Eine erfreuliche Ausnahme war bisher Mosambique, wo unter dem Einfluß der ehem. Kolonialmacht eine frühzeitige Prävention erfolgreich etabliert werden konnte. Dieser Erfolg wird aktuell durch die Flüchtlingswelle aus Zimbabwe zu nichte gemacht.
Hoffnung auf eine Verbesserung habe ich nur wenig. Prävention in Namibia ist ein schwieriges Feld, die Maßnahmen werden überwiegend aus Europa und den USA finanziert. Aber traditionelle Führer und maskulin dominiertes politische Denken machen viele Anstrengungen völlig nutzlos. Da der WErt einer Frau teilweise daran gemessen wird, dass sie Kinder zur Welt bringen kann ist die Verwendung von Kondomen ein Thema, für das anders als in anderen afrikanischen Ländern im Süden selbst die Frauen nur sehr schwer motiviert werden können. Und ich glaube auch nicht, dass der neue südafrikanische Präsident mit seinem traditionellem polygamen Vorbild dafür ein postives Signal ist.
Zu den Zahlen stand vor kurzem als Überschrift in einer südafrikanischen Zeitung : " we speak about people who would die the next 5-6 years"
Tut mir leid, aber das ist nun mal ein Thema, das mich sehr bewegt und das mich neben der Faszination für das Land in Namibia beschäftigt.
Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
eggitom1'247 Beiträge · seit 200906. Juni 2009 · #12Hallo zusammen,
ein ziemlich komplexes Thema, das ihr euch da ausgewählt habt...
Erst mal Chapeau an jaw: so kurzer Beitrag und so viele fundierte Ansätze zum Thema. Da hat offenbar jemand in die Tasten gegriffen, der sich nicht zum ersten Mal mit dem Thema befasst. Trotzdem eine Frage:
jaw schrieb:Und ich glaube auch nicht, dass der neue südafrikanische Präsident mit seinem traditionellem polygamen Vorbild dafür ein postives Signal ist.
Mag sogar stimmen. Aber woher nehmen wir uns das Recht, Traditionen in anderen Ländern als falsch oder richtig zu beurteilen?
Ein weiterer Ansatz: Schon mehrfach habe ich gelesen, dass viele Männer die Woche über in den Städten leben und dort die Huren besuchen (natürlich machomässig ohne Präservativ) und dann über's Wochenende ihrer Frau (oder ihren Frauen - spielt in dem Fall wohl keine grosse Rolle) ein Kind machen und dabei gleich noch Aids anhängen.
Der Ansatz wäre wohl, wie so oft, Aufklärung im Rahmen nachhaltiger Entwicklungshilfe = Hilfe zur Selbsthilfe. Aber eben: Auch hier ist das grosse Geld und damit die Macht bei Leuten, die gar kein Interesse an einer nachhaltigen Entwicklung solcher Länder haben. Und Leute wie wir, die zwar genug Geld für einen Urlaub in Namibia haben, aber auch nicht mehr, können da gar nichts dagegen unternehmen, ausser unsere im grossen Kontext unmassgebliche Meinung zu äussern, und dafür belächelt zu werden. Oder hilft es in Namibia irgendwem, wenn ich auf meine Reise verzichte und das Geld in ein Hilfsprojekt stecke - wo 20-50% davon im aufgeblähten Verwaltungsapparat versickern und der Rest bei korrupten Mittelsmännern landet?
Danke auf jeden Fall für den Buchtipp; ich werde mich bemühen, es vorher noch zu lesen, nur damit ich mir während meiner Reise des Problems immer und überall bewusst bin und hoffentlich einmal in einer passenden Situation daran denke, etwas Sinnvolles zu tun - auch wenn dies zwangsläufig weniger als ein Tropfen auf einen heissen Stein sein muss...
Und falls jemand eine wirklich grosse Idee hat, die man mit den Mitteln realisieren kann, die unsereiner zur Verfügung stehen, helfe ich gerne.
eggitom
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht
(Fritz Grünbaum)
Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
Naukluft1'910 Beiträge · seit 200606. Juni 2009 · #13Aber woher nehmen wir uns das Recht, Traditionen in anderen Ländern als falsch oder richtig zu beurteilen?
Hallo Eggi,
was hat Tradition mit AIDS zu tun...was hat diese Tradition mit der Ignoranz des Infektionsrisikos dieser Geisel der Menschheit zu tun, oder verstehe ich da jetzt fälschlicher Weise etwas?
Gruss, der K l a u s
Nicht behindert zu sein ist ein Geschenk, welches einem schnell genommen werden kann....... In einem Augenblick! ......
Wer einen Fehler macht und ihn nicht korrigiert, begeht schon den zweiten...
jaw2'048 Beiträge · seit 200706. Juni 2009 · #14Hallo eggitom,
Mir liegt es fern, Traditionen als falsch oder richtig zu qualifizieren. Aber in Bezug auf AIDS ist es hinderlich wenn
- Männer traditionell polygam leben (dürfen)
- polygame Männer fern der Familien versuchen müssen Geld zu verdienen
- die maskuline Wertigkeit in Form von körperlicher Kraft und Potenz (Kinderzahl) stetig unter Beweis gestellt werden muss
- Frauen den eigenen Wert aus der Fähigkeit Kinder zu bekommen gewinnen - (bei den Himba z.B. i.d.R. ein oder mehrere Kinder geboren haben bevor sie für WErt befunden werden geheiratet zu werden)
und wenn traditionelle Stammesführer UND Politiker sich überbieten, diese Potenzgehabe nicht nur mit zu machen sondern durch das eigene Vorbild auch verstärken.
Ich würde mir Politiker wünschen, die jeden Tag die Notwendigkeit von Kondomen in ihren Reden darstellen, wenn es schon polygam sein muss. Oder eben auch vorbildliche Ehemänner sind, die treu und fürsorglich sich jeder Gefährdung durch HIV entsagen....
(aber genau das ist eben nicht traditionell für einige führende Ethnitäten). Damit ist es aber nicht falsch sondern eben hinderlich.
Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
Miss Ellie1'723 Beiträge · seit 200907. Juni 2009 · #15zum erwaehnten film kann ich leider nur den franzoesischen titel nennen ' le nouveau protocol ' ... keine ahnung wie der in deutschland heisst oder uberhaupt erschienen ist.. ein thriller der sich um die willkuer der pharma konzerne bei der testung von voellig neuen medicamenten handelt...
das thema ist schwierig, wer war der erste, wer ist wirklich verantwortlich ?? aber ist das wirklich die frage ?? die frage, die wir uns stellen sollten, wir als mehr oder weniger 'nur touristen' ist doch mehr diejenige, was wir tun koennen.. ich selber habe da keine grossen ideen... ich ganz alleine fuer mich habe einmal mit dem gedanken gespielt ein kind zu adoptieren, ein tropfen auf den heissen stein vielleicht, aber ich denke fuer dieses kind waere es eine echte chance... aber ::::::::::::::::::::::::::::::::::::
die adoption fuer ein kind, vor allem fuer eine allein stehende frau(mein freund ist kein grosser befuerworter der angelegenheit) ist in frankreich und ueberhaupt in europa und auch in Namibia ein sehr sehr schwieriges thema;.
mich macht das besonders wuetend weil ich denke, dass fuer "dieses kind" es eine echte chance sein koennte, aber behoerden, staat, regime sind alle viel schlauer als ich und halten das fuer eher unangebracht... naja, seis drum...schade fuer ein kind, welches in "europa" eine wirklche chance gehabt haette sein leben zu leben, seine ausbildung zu machen, zu studieren und vor allem, und ganz besonders wichtig, in liebe aufwachsen zu koennen...
es ist schon richtig,das im rahmen von adoption viel humbuck getrieben wird, aber ... naja, wenn man angelina jolie heisst oder brad pitt macht keiner die tuere zu, aber wenn mann meier, mueller schulze heisst sieht das schon anders aus, da muss man sich eben den offiziellen papieren fuegen...
das thema aids ist sehr sehr unkonfortabel, weil gleichsam sexualitaet angesprochen wird, und darueber spricht man ja ueblicherweise nicht;.
ich bin nach wie vor davon ueberzeugt, dass wenn unsere grossen pharmakonzerne im sinne der humanitaet handeln wuerden, waere das thema und vor allem das leiden und sterben in afrka nicht so gross. heute muss uebrigens keiner mehr an aids sterben... wenn er denn dann richtig versorgt ist.. das will nciht heissen, dass das thema vom tisch ist, aber infizierte koennen alt werden, vorausgesetzt sie besitzen ueber die noetigen finanziellen mittel sich die permanente behandlung leisten zu koennen....
aber davon sind wir in afrika weit entfernt.....
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
KOkonno1'457 Beiträge · seit 200607. Juni 2009 · #16Man kann "Afrikanische Führer" für viel Verantwortlich machen, aber nicht für Alles. Sicherlich gibt es in der jüngeren Vergangenheit Versäumnisse, die sind oft aber auch finanzieller Ursache, Mbeki ist immer noch die glückliche Ausnahme in Sachen Reaktion von Regierungen auf Aids. In der Tat sind afrikanische Regierungen im Vergleich zu asiatischen in der Aidsaufklärung um einiges Voraus. (ausser vielleicht Thailand)
Das Aids im Südlichen Afrika ein besonders Problem ist hat viel, aber in keiner Weise ausschließlich mit Kultur und "Tradition" zu tun. Der wichtigste Grund zu erkennen ist, dass AIDS eben auch eine geographische Seuche ist, sonst wäre Westafrika ja eben so stark von AIDS betroffen wie das südliche und östliche. (übrigens unterscheiden sich die beiden Hauptvirengruppen in diesen Gebieten).
Die Zentrale Funktion von Südafrika und hier insbesondere der internationale Hafen von Durban haben besonderes GEwicht, wenn es um die Verbreitung von AIDS geht. Viele Arbeiter, viele Fernfahrer, Strassen die sicher und schnell nach Norden führen.
Ein weiteres Problem sind die Wanderarbeiter (Prostitution, schnelle räumliche Verbreitung), die vor Allem aus Lesotho und Botswana nach Gauteng pendelten und immer noch pendeln. Die Homelandpolitik der Apartheid hat hier besonders zu einer starken Verschärfung beigetragen.
Viele Wissenschaftler verteten ausserdem die Meinung, dass weniger die "traditionelle Männlichkeit" eine Rolle spielt, sondern die Zerstörung traditioneller Strukturen, die vielen Gesellschaften eben keineswegs nur auf Männer ausgerichtet war, sondern sehr komplex war, besonders im sozialen Zusammenleben und der Aufklärung. Unter dem Einfluss der moderne haben Männer mehr Gewicht und (so einige Studien) sehen die Notwendigkeit und vor Allem die Möglichkeit mehr Gewicht und Macht zu erlangen.
Die Jungfrauengeschichte spielt in der Tat eine Rolle, vor Allem in Südafrika. Umfragen bestätigen, dass Männer jungen und mittleren Alters im Schnitt zu 18 % daran glauben, das Sex mit Jungfrauen heilen kann. Ein Problem dabei ist die Tatsache, dass moderne Medizin (momentan ja leider zu Recht) als uneffektiv angesehen wird. Ein viel wichtigeres allerdings, dass durch die (vor Allem Westlich geförderte) Aidsaufklärung eine Barriere zwischen Wissenschaft und Tradition gestellt wird. und vor Allem ein starker Bezug von Glauben zu Tradition hergestellt wird. warum soll der Glaube an den sogennanten "cleansing myth" (so heißt das im wissenschaftlichen Diskurs) denn Tradition sein ? nur weil es der Wissenschaft nicht entspricht? Die Ethnologin Leclerc-Madlala aus Durban hat hier einen ihrer Schwerpunkte, wer sich mehr für Kultur und Aids interessiert ist angehalten zu yahooen.
Inwiefern hat nun der Tourist einen Einfluss? In erster Linie durch die Verschärfung und Zementierung der Tatsachen, die durch wirtschaftliche Entwicklung, Kolonialisierung und Apartheid entstanden sind:
- Förderung von Zentralität und Wanderarbeit
- Ausbau guter Infrastruktur
- verschärfung des sozialen Gefälles
- Einbringen von viel Geld an wenige Personen (Macht, andere, neue Bezahlung)
GUGuido.Gast07. Juni 2009 · #17Hallo,
konno schrieb:Man kann "Afrikanische Führer" für viel Verantwortlich machen, aber nicht für Alles.
Wenn der derzeit amtierende südafrikanische Präsident noch 2006 in einem Prozess wegen Vergewaltigung vor Gericht zu Protokoll gibt, dass er es für absolut ausreichend hält, nach dem Pimpern mit einer HIV-positiven Frau zu duschen, dann ist dieser Führer meines Erachtens doch eher Teil des Problems als Teil der Lösung. 1994 hätte ich so eine Aussage ja noch akzeptieren könne, aber 2006 Duschen statt Kondome zu empfehlen?
Sicherlich gibt es in der jüngeren Vergangenheit Versäumnisse, die sind oft aber auch finanzieller Ursache, Mbeki ist immer noch die glückliche Ausnahme in Sachen Reaktion von Regierungen auf Aids.
Kannst Du das erläutern? Möglicherweise fehlen mir da Infos, aber in der Wikipedia steht zu Mbeki beispielsweise folgender Satz "Unabhängigen Schätzungen zufolge führte die Ablehnung von antiretroviralen Medikamenten durch die südafrikanische Regierung unter Mbeki zum Tod von 330.000 bis zu 343.000 Menschen an AIDS und etwa 171.000 vermeidbaren neuen Infektionen mit HIV." Das liest sich für mich erstmal nicht nach "glücklicher Ausnahme".
Beste Grüße
Guido
TomcatThemenstarter1'155 Beiträge · seit 200607. Juni 2009 · #18@ Konno
Gerade in Südafrika kann man die Regierung für sehr viel verantwortlich machen. Der Zusammenhang zwischen dem Virus und Aids wurde von Mbeki konsequent geleugnet. Aufklärungskampangen -gerade für die ländliche Bevölkerung -gab es praktisch nicht.
Sogar als die Pharmafirmen ihre Medikamente zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stellten hat die Regierung über Jahre verhindert, dass die dringend benötigten Medikamente zu den Kranken kamen. So empfahl die damalige Gesundheitsministerin Aids mit traditioneller Medizin und Roter Bete Suppe zu heilen !!! Sie ist somit für den Tod 10‘000er verantwortlich.
Andere Länder wie Uganda haben sehr schnell Aufklärung betrieben und auch die benötigten Medikamente für alle zugänglich gemacht. Als Folge ist die Pandemie dort viel weniger schlimm als in Südafrika.
Zur grössten Risikogruppe gehören nach wie vor die treuen verheirateten Ehefrauen, deren Männer irgendwo als Bergarbeiter oder Fernfahrer arbeiten. Das Virus geht dann über die Frau auf die Kinder und ganze Dörfer werden ausradiert. Viele Männer bestehen immer noch auf Sex ohne Gummi und Polygamie. Solange hier kein Umdenken stattfindet wird das Sterben weitergehen....
PIPirnaerGast07. Juni 2009 · #19Ich verstehe dieses "Wochenend-Betroffenheitsthema"
in dem Sinne, daß es zusätzlich zu den Themen Malaria und Kriminalität Gründe liefern soll,
nicht nach Afrika zu reisen!?
Viele Grüße
KOkonno1'457 Beiträge · seit 200607. Juni 2009 · #20War vielleicht nicht eindeutig formuliert: mit "glücklicher Ausnahme" meine ich, dass Südafrika glücklicher Weise eine traurige Ausnahme bildet.
Tatsache ist, dass nach der Unabhängigkeit der Fokus auf vielem anderen lag als AIDS, doch standen die Regierungen eben vor vielen eigentlich unlösbaren Problemen. Ausserdem war die AIDS Forschung in den 80/90ern bei Weitem nicht so weit wie heute.
With a few notable exceptions the 1980s were characterised by an insufficient response to AIDS in Africa31. Often government capacity was saturated by immediate economic concerns, war or political crisis.
Quelle siehe unten.
Zu Zuma: Auch er ist kein Stern am Himmel keine Frage. Doch gilt es auch zu bedenken: er wurde erstens nach dem Gericht freigesprochen, zweitens wurde dieses Duschzitat einfach aus dem Zusammenhang gerissen. In einem Interview in der Welt hat er nocheinmal deutlich gemacht, dass es im Gericht darum ging, was er nach der Tat gemacht hat. Es war also eine Aussage, in der Reihe einer Tatbeschreibung (ich will jetzt hier niemanden verteidigen, es ist auch trotzdem noch sehr missverständlich bzw. Eindeutig, da er direkten Bezug zum Virus herstellt. Es soll aber doch zum Nachdenken anregen, wie schnell man einfach Argumente aufgreift und sie sich hier im fernen Deutschland zusammenschustert).
Die Ära Mbeki, die sich erst mit der Aids Konferenz in Toronto zu Ende neigte ist traurig. Insbesondere deshalb, weil Mbeki sich schon als Vizepräsident gegen die Tabuisierung von AIDS ausgesprochen hat.
Tatsache ist auch, das sich in einem Großteil der Südafrikanischen Ländern die AIDS Rate stabilisiert hat. Das hat einerseits mit den fehlenden ARVs zu tun, andererseits ist es aber der Erfolg der Kampagnen.
Anbei eine nette Quelle, die ich beim googlen gefunden habe, weil ich nicht Lust habe meine Seminar Ordner zu durchblättern:
http://www.avert.org/aafrica.htmLarge variations exist between the patterns of the AIDS epidemic in different countries in Africa. In some places, the HIV prevalence is still growing. In others the HIV prevalence appears to have stabilised and in a few African nations - such as Kenya and Zimbabwe - declines appear to be under way, probably in part due to effective prevention campaigns.
Overall, rates of new HIV infections in sub-Saharan Africa appear to have peaked in the late 1990s, and HIV prevalence seems to have declined slightly, although it remains at an extremely high level. Stabilisation of HIV prevalence occurs when the rate of new HIV infections is equalled by the AIDS death rate among the infected population. This means that a country with a stable but very high prevalence must be suffering a very high number of AIDS deaths each year. Although prevalence has declined, the number of Africans living with HIV is rising due to general population growth.
Übrigens war Letzteres auch ein wesentlicher driver zu dem oben genannten Erfolg Ugandas:
It is thought that the government’s ABC prevention campaign was partly responsible for the decline in prevalence. However, as treatment was not widely available in Uganda during this time the high numbers of AIDS-related deaths also contributed to the reduction in the number of people living with HIV.
Zu Politikern im Fernsehen: In Namibia gab es gigantische Kampagnen, einerseits im TV (wo alle führenden Politiker, Prominente und Personen öffentlichen Interesses vor den Nachrichten Botschaften vortrugen 2003-2004 selbst jeden Tag gesehen). Es ist gilt aber als sehr wahrscheinlich das andererseits face to face Kampagnen viel mehr bringen als diese Ansprachen und vA Plakate, die immer mehr zu einem Abstumpfen führen und nur bestimmte Leute erreichen. Denn im Ernst Jaw: Wieviel % der Namibier hört schon allen Reden der Politker zu ? geschweige denn einer ? Ein Bsp für so eine erfolgreiche Kampagne ist:
http://www.unicef.org/programme/hiv/focus/youth/nama.htm