Wie verhalte ich mich in Risikomomenten

13 Antworten · 3'560 Aufrufe · gestartet 08. Mai 2009 von Axel
Antworten
Themenstarter1'130 Beiträge · seit 200608. Mai 2009 · #1
Potentielle Überfälle und mein Verhalten

Für mich gibt es bei Überfällen zwei Kategorien, der geplante und der situationsbedingte spontane Übergriff. In beiden Fällen wird/werden der/die potentielle(n) Täter die Risiken abwägen, die entstehen können, die Abwägung ist bei spontanen Übergriffen sehr subjektiv, im anderen Fall detaillierter.

Risiokoarm ist

Täter in der Überzahl
(bessere) Bewaffnung der Täter
Opfer alt (älter), unaufmerksam, gebrechlich,
Täter motorisiert.

Der spontane Übergriff wird meist/oft abgebrochen, wenn das Opfer aufmerksam wird oder sich das Umfeld ändert, beim geplanten Übergriff werden ggf. diese Situationen toleriert
Spontane Übergriffe sind z.B. Taschendiebstähle, Überfälle in einsamer Umgebung und/oder im Dunkeln.
Diese Übergriffe lassen sich durch eine gesunde Einschätzung der Situation durch das potentielle Opfer verringern oder sogar vermeiden.
Geplante Fälle gelten oft dem Umfeld, in dem ich mich befinde (Bank, Lodge, Hotel usw.) und nicht speziell mir.

Mein Verhalten
Ich betrachte stets die Umgebung auf potentielle Gefahrenstellen, realisiere Umgebungsparameter ( ständig oder öfters dasselbe Fahrzeug hinter mir, Ansammlung von Personen ohne erkennbaren Grund, Versuche sich mir zu nähern). Bei Pannenfahrzeugen im Outback bleibe ich startbereit, bei Hilfestellungen steige ich als Beifahrer aus, der Fahrer/die Fahrerin bleibt mit dem Fahrzeug zurück und hat sofort zu verschwinden, wenn sich etwas tut. Bei Ansammlungen gehe/wechsle ich zwischen meine Begleitung und der Ansammlung oder ändere meine Bewegungsrichtung. Bei Übergriffen suche ich sofort Rückenschluss mit einem Gegenstand (Wand) und zeige meine Risikobereitschaft, anderen rate ich dann zum sofortigen lauten Schreien und Rufen.

In einer früheren Risikoeinschätzung kamen Fachleute zu dem Ergebnis,
90 % der Übergriffe lassen sich durch richtiges Verhalten in der Planung vermeiden
5% durch richtiges Verhalten während der Eskalation
3-4 % sind durch die entsprechende Reaktion beherrschbar
Im schlimmsten Fall muss eine angepasste Vorgehensweise benutzt werden.

Ich selber reagiere situationsbedingt. Handelt es sich um einen Raubüberfall und ich habe keine Lust auf zu viel Stress, biete ich ein Bündel mit Geldscheinen mit hohen Zahlen an (ich habe noch mehrere Bündel alter italienischer Lira) oder Euromünzen, habe ich Lust auf Stress oder ist mein Leben oder das meiner Begleitung gefährdet, wehre ich mich adäquat.
Grundsätzlich ist mein/das Procedere mit meiner Begleitung vorher abgesprochen, ein gezieltes Vorgehen erwirkt beim Kontrahenten immer ein ungutes Gefühl, er möchte ja auch gerne unversehrt nach Hause.
Eins gilt aber immer, Panik ist extrem kontraproduktiv und eröffnet dem Täter alle Möglichkeiten, ein zielgerichtetes Handeln erhöht die Chancen auf ein gesundes Überstehen enorm.
Übrigens, dasselbe Procedere verwende ich auch etwas abgewandelt im Umgang mit der Wildnis und der dortigen (gefährlichen) Tierwelt.
Ich bin immer für geteilte Meinungen, Hauptsache man teilt meine. "The Only Easy Day Was Yesterday"
zuletzt bearbeitet 08. Mai 2009
2'612 Beiträge · seit 200708. Mai 2009 · #2
Hallo Axel,

vielen Dank für den Beitrag - m.E. sehr hilfreich, gerade was die Analyse der Situation anbetrifft.

Was Deine Abwehrmaßnahmen betrifft: Du solltest vielleicht etwas mehr darüber schreiben, z.b. dass es sich bei Dir nicht um ein "Leichtgewicht" handelt - nicht böse gemeint, sondern teilweise auch schon eine Erklärung dafür, weshalb Du seltener Opfer wirst als Andere. Ich bilde mir auch immer ein, dass mein Übergewicht mir da zumindest etwas zu Gute kommt 😉

Generell empfehle ich Keinem - sollte es soweit kommen - den Helden spielen zu wollen. Man sollte sich schon sehr sicher sein, dass man eine Chance hat und der/die Gegenüber keine Schusswaffen besitzen. "Materielle" Schäden (durch Diebstahl) kann man im Vorfeld durch entsprechende Versicherungen begrenzen, das nimmt auch etwas den persönlichen Stress in kritischen Situationen.

Andererseits kann ich sehr gut verstehen, nicht tatenlos sich dem Schicksal zu ergeben. Aber das kann man auch, indem man sich Autokennzeichen/Gesichter/Kleidung usw. einprägt und der Polizei meldet.

Viele Grüße,

Volker
Bye bye Forum
Themenstarter1'130 Beiträge · seit 200608. Mai 2009 · #3
Hallo Volker,
Übergewicht:( . Ich denke, dass bei mir eher die "Routine" mit solchen Fällen und die entsprechende Ausbildung zu einer Körperhaltung führt, die nicht "ängstlich" genug wirkt und das typische Täter/Opferverhalten umkehrt.
Weil immer wieder über Waffen gesprochen wird etwas zynisch folgende Situationsbeschreibungen
Reizgas/Pfefferspray.
Es gibt den fächerförmigen oder den Strahleinsatz,.
Ich werde überfallen, bitte den/die Angreifer in einer Entfernung von 3-6m innezuhalten, suche das Spray, finde es in meinem Rucksack, hole es heraus, prüfe die Windrichtung, positioniere eventuell die/den Angreifer neu und drücke ab.
Sollte ich nicht selbst geblendet sein, könnte ich feststellen, das der Adrenalin geladene Angreifer nur sekundär gestört ist, aber deutlich aggressiver wirkt.

Messer
sofern ich mein Messer überhaupt durch die Kontrolle gebracht habe (Mitführungsverbot wirksamer Messer seit April 2008), wende ich sofort die von mir in der Planung auf die Reise trainierten Techniken an, sollte der Angreifer bereits Körperkontakt mit mir haben, bitte ich um eine Auszeit bis ich meine Waffe gezogen habe.

Machete (Panga),
ist eine Hieb- und keine Stichwaffe, sollte ich damit angegriffen werden, hat der Angreifer sicher mehr Erfahrung damit als ich, macht ganz häßliche Verletzungen.

Empfehlung zur Selbstverteidigung gegen Angreifer ohne Schusswaffen, wenn überhaupt, der African Stick, nicht Waffenschein bewehrt, keine (na ja) Angriffswaffe, hält den Angreifer ( und nur den bei ungenügenden Techniken) auf Distanz, kann an sonst als Stütze beim Wandern dienen.
Ich bin immer für geteilte Meinungen, Hauptsache man teilt meine. "The Only Easy Day Was Yesterday"
781 Beiträge · seit 200708. Mai 2009 · #4
Axel schrieb:
Empfehlung zur Selbstverteidigung gegen Angreifer ohne Schusswaffen, wenn überhaupt, der African Stick, nicht Waffenschein bewehrt, keine (na ja) Angriffswaffe, hält den Angreifer ( und nur den bei ungenügenden Techniken) auf Distanz, kann an sonst als Stütze beim Wandern dienen.
Oh Mann, Axel, jetzt hast Du mich aber extrem neugierig gemacht; was ist DAS denn? Kannst Du so einen mal zum Pfingstbraai mitbringen?

Gruß,
Antje
Themenstarter1'130 Beiträge · seit 200608. Mai 2009 · #5
Einfach mal google und african walking stick eingeben.
Ich bin immer für geteilte Meinungen, Hauptsache man teilt meine. "The Only Easy Day Was Yesterday"
781 Beiträge · seit 200708. Mai 2009 · #6
Aaahhh, als Waffe also sowas ähnliches wie ein Baseballschläger! Aber die aus PP meinst Du doch sicher nicht, oder?

Außerdem hat Volker natürlich recht: Du bist ja schon aufgrund Deiner körperlichen Präsenz (mit oder ohne Stick) nicht gerade ein herausstechendes Opfermodell 😉 Ich bin auch nicht schreck-, sondern eher recht wehrhaft, würde mich aber in kribbligen Situationen in Deiner Nähe durchaus sicherer fühlen!
49 Beiträge · seit 200708. Mai 2009 · #7
Hallo,

hier ein Link für den African walking stick

http://www.swords-and-more.com/shop1/product_info.php/cPath/92_171/products_id/3175

übrigens verstaue ich mein Geld in drei unterschiedlichen Stellen am Körper.

1. ein paar Scheine, so ca. im Gegenwert von 10 EUR in der rechten vorderen Hosentasche.

2. Das Geld das ich für diesen Tag benötige in der linken hinteren Hosentasche und

3. das restliche Bargeld in einer Safetasche (Hüfttasche, Geldgürtel oder Schultertasche) unter der Kleidung zusammen mit meinen Reisedokumenten.

So kann ich im 'Fall der Fälle' gezielt dem bösen Buben mit etwas Taschengeld abspeisen ohne gleich die ganze Reisekasse zu verlieren.

Ich denke die meisten sind mit dem ersten Angebot zufrieden, spätestens jedoch mit der "Tageskasse".

LG
Stephan
0
Themenstarter1'130 Beiträge · seit 200608. Mai 2009 · #8
paulimann schrieb:
Ich bin auch nicht schreck-, sondern eher recht wehrhaft, würde mich aber in kribbligen Situationen in Deiner Nähe durchaus sicherer fühlen!
Sollte ich jetzt rot werden?
Der Einsatz einer Verteidigungsmöglichkeit ist immer abhängig von den Kenntnissen des Verteidigers und der Situation.
M.E. ist der Stick auf Grund seiner Länge (1m) und seiner Präsenz durchaus geeignet den Beginn einer Situatitionsmotivierten Attacke im Keim zu ersticken ( upss, da komme ich gar nicht hin), er hilft nur mit Stockkampftechnikwissen gegen einen bereits bestehenden körperlichen Übergriff. Zusätzlich kann man damit Feuer umschichten, Schlangen erschlagen, Steine umdrehen, Fenster "öffnen" usw. "Normale" Übergriffe in Namibia werden eher selten mit Schusswaffen durchgeführt, diese sind teuer, der Besitz nicht ungefährlich und sie müssen gepflegt werden. Die Panga und das Messer sind die Haupteinsatzwaffen. Die Reichweite dieser Waffen ist eher kurz, in den Händen geübter Personen aber immer extrem gefährlich.
Ich bin immer für geteilte Meinungen, Hauptsache man teilt meine. "The Only Easy Day Was Yesterday"
zuletzt bearbeitet 08. Mai 2009
2'612 Beiträge · seit 200708. Mai 2009 · #9
Nachtrag:

Axel schrieb:
Übrigens, dasselbe Procedere verwende ich auch etwas abgewandelt im Umgang mit der Wildnis und der dortigen (gefährlichen) Tierwelt.
Axel,

Ich überlege gerade, bei welchen gefährlichen Tieren ich auf Deine Mithilfe setzen würde. Wie sieht Dein Track Record im Detail aus bei:

Elefanten
Büffel
Impala
Kudu
Löwen
Erdhörnchen
Baboons
Meerkatzen

🤩 🤩 🤩

Bitte nur eine Antwort von Axel, sonst wird es wieder zu sehr off-topic 😉
Bye bye Forum
852 Beiträge · seit 200608. Mai 2009 · #10
Es gibt ein Geschäft in der in der Innenstadt,
dort kann mann gebrauchte bzw. auch nicht ganz
legal erworbene Gegenstände verkaufen, aber nur gegen Vorlage des Ausweises.Ich glaube sie heißen cash loans, eine Art Pfandleihe.

"Verlorene" Leathermans usw. lassen sich dort günstig zurückkaufen 🙂
Zuletzt gab es eine große Auswahl Hieb und Stichwaffen. Besonders beeindruckend diese
Stahlringe. Habe ich jetzt immer dabei. Sie werden über die Finger gezogen und verstärken den Faustschlag. Beeindruckend finde ich die Stichwaffen. Es werden billige Springmesser eingesetzt, deren Klinge aber sehr lang und scharf ist. Effizient. & sehr beängstigend. Bei uns in Deutschland verboten, soweit ich weiß.
Anders als die Panga ist das in der Hosentasche zu tragen.
Ein eher aggressives Auftreten in Problemsituationen wurde uns mehrfach empfohlen, aber ein sanftmütiger Charackter hat es sicherlich damit nicht einfach.


Christian

Sie sind verboten, ich meine insbesondere die zweiseitig geschliffenen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Springmesser
0
zuletzt bearbeitet 08. Mai 2009
1'457 Beiträge · seit 200608. Mai 2009 · #11
lol, Christian, dass war jetzt aber auch ironisch, oder ? . . . hoffentlich . . .

Axel (und deshalb poste ich eigentlich), du hast die für mich Risikoreichen Situationen aus Versehen als Risikoarm bezeichnet: Täter in Überzahl, etc.
852 Beiträge · seit 200608. Mai 2009 · #12
@Konno:

na ja halbironisch, die Ringe liegen im Auto zur Beruhigung, das Leatherman das ich dort gekauft habe war nagelneu, gehörte mir aber nicht 😛

Christian
0
Themenstarter1'130 Beiträge · seit 200608. Mai 2009 · #13
@Konno,
das risikoarm war auf die "Täter" bezogen;) .
@Volker,
zu den Affen habe ich ein eher gespaltenes Verhältnis, speziell auf Camps, die Big Five aus wenigen Metern, alle Katzen (junge) zusätzlich aus Zentimetern mit entsprechenden Spielverletzungen (Harnas, als die Katzen noch mit manchen Touris spazierengehen durften).
Ich bin immer für geteilte Meinungen, Hauptsache man teilt meine. "The Only Easy Day Was Yesterday"
111 Beiträge · seit 200608. Mai 2009 · #14
http://de.wikipedia.org/wiki/Paranoia 😐

... und wieviele solcher "Momente" hast Du denn schon gemeistert , Axel 😮
zuletzt bearbeitet 08. Mai 2009