toemmelThemenstarter116 Beiträge · seit 201209. Aug. 2014 · #1
Hi, Ihr Lieben. Wir sind Petra und Tom aus Dortmund. Auch unsere Reise ist nun schon wieder Geschichte, dennoch wollen wir Euch teilhaben lassen. Denn letztendlich ist das Namibia-Forum und der Kontakt zu einigen von Euch sehr informativ, wertvoll und interessant. Viele Dinge kennt Ihr womöglich schon, aber vielleicht ist noch das ein oder andere für Euch dabei. Wir versuchen unseren Reisebericht kurz zu halten, dabei aber Informatives (wie Entfernungen, Kosten, Ausstattung, Besonderheiten) zu erwähnen. Unsere Planung haben wir mit dem Iwanowski 2013 und aus Euren Erfahrungen hier im Namibia Forum gemacht. Die Reise war mit 6 Monaten Vorlaufzeit relativ kurzfristig geplant, so dass uns die Buchung einiger Nationalparkunterkünfte Probleme bereiteten.
Route en Detail: Anflug WHK Zelda Game & Guestfarm, Gobabis El Fari Bush Camp, Ganzhi Kaziikini Campsite, Maun Xakanaxa im Moremi Wildlife Reserve Magotho Campsite, Khwai Community Savuti Campsite Camp Chobe Mavunje Camp, Kongola Nunda River Lodge, Divundu Nkwazi Lodge, Rundu Kamrav Farm, Grootfontein Paradise Garden Backpacker, Abflug WHK
Unsere dritte Reise in den Süden Afrikas hatte seinen Schwerpunkt im Besuch von Nationalparks (NP). Daher haben wir uns entschlossen Botswana einzubeziehen. Die Route im Groben: WHK, Maun, Moremi NP, Chobe NP, Katima Mulilo, Mudumu NP, Caprivi, Mahango NP, WHK. Auch in diesem Jahr hatten wir wieder Zeichenutensilien, Papier, Malbücher für Kinder und eine Tasche voll Kleidung für Kinder und Babys dabei. Wir hatten uns vorab zwei Sozialstationen herausgesucht, die wir besuchen wollten, aber es kommt wie immer anders. Mehr dazu später.
25.06.14 Abflug Frankfurt mit Air Nambia. Unser Autostellplatz haben wir bei my-parken im Internet reserviert. Der Shuttleservice ist für 58,- EUR/19 Tage echt gut & sicher.
26.06.14 Ankunft Windhoek um 06:30 Uhr morgens. Transfer zum Autoverleih von Hubert Heesters, Kalahari Car Hire. Double Cab Toyota 2,5l Diesel aus 2006 mit Rooftent und Campingausstattung. Durchschnittsverbrauch 13 Liter/100km. Für knapp 20.000N$ gibts die Vollkasko inklusive. Gesamtstrecke 3000km. Der Wagen hat 500.000 km weg und ist dementsprechend etwas abgerockt, man merkts am Quietschen an allen Ecken und Enden. Letztendlich macht er aber keine Mucken. Einkaufen & Tanken in WHK wie immer unkompliziert. Fahrt über die B6 Richtung Grenze BOTSWANA. Kurz vor der Grenze Übernachtung auf der Zelda Game & Guestfarm. Zelda ist sehr sauber, nett und ruhig. 70 N$/Person. Entfernung zu Windhoek: 305km. Insgesamt gute Übernachtungsmöglichkeit, aber im nachhinein ist die Anfahrt für unseren Geschmack etwas zu lang nach dem Flug, Autoausleih und Einkauf. Aber so haben wir es uns ja bewußt ausgesucht.
achso: Fotoausrüstung NikonD5000, 18-55mm, 55-200mm. Hälfte mit manuellen Einstellungen, Rest mit den Programmen geknipst. Nachbearbeiten tun wir unsere pics grundsätzlich NICHT. Lediglich für Fotoshows im Freundeskreis schneiden wir Bilder zu. Die Fotoanhänge hier im Bericht haben wir auf ca. 800x600 verkleinert, um die Aufbauzeiten zu minimieren. Ich empfand das bei einigen Berichten etwas anstrengend, wenn man beim Lesen immer noch Gescrolle durch ladende Fotos hatte.
toemmelThemenstarter116 Beiträge · seit 201209. Aug. 2014 · #2
27.06.14 Grenzübergang ohne Lebensmittelkontrolle nach Botswana 190 N$; besser ist es, bereits hier Pula zu besitzen, dann wirds günstiger. Einkauf in Ganzhi. Übernachtung im El Fari Bush-Camp. Sauber, einfach und ausgesprochen ruhig abgesehen von mehrfach wiederkehrenden Generatorlärm. Der Betreiber teilt uns mit, dass der Lärm ein Notfall ist wegen einer ausgefallenen Landstromleitung. Keine Wandermöglichkeiten. 80 Pula/Person. Gefahrene Distanz 290km.
28.06.14 Überfahrt zur Kaziikini Campingsite (kurz vor dem South Gate Moremi NP). Distanz 300km. Einkaufen und Tanken in Maun ist sehr gut. In Maun ist ebenfalls das SKL Büro und auch das Büro der Khwai Community (gegenüber Maun Airport). Wer wie wir für den NP noch keine Übernachtungsmöglichkeit hat, der kann hier auf die Tränendrüse drücken und mit etwas Glück für Savuti oder für Linyanti einen Platz ergattern. Hinter Maun endet auch die Asphaltstrasse. Tipp: nach Maun bei den letzten Hütten entlang der Straße wird das Holz immer günstiger. Wir haben unsere Holzvorräte bei einer Familie mit einem behinderten Kind gekauft. Es ist ein tolles Erlebnis zu sehen, wie sich die Leute über ein geschenktes Shirt freuen. Wegen Löwenwarnungen solle man nachts das Zelt nicht verlassen. 24 US$/p.P. Kein Strom.
toemmelThemenstarter116 Beiträge · seit 201209. Aug. 2014 · #3
29.06.14 Einfahrt in den Moremi NP über das South Gate. Die 100 Pula für die Map sind nicht zwingend erforderlich. Aber das Navi (besten Dank an Petra & Stefan für die Leihgabe!) ist doch Gold wert, das haben wir bei jeder Fahrt durch den Busch intensiv genutzt und neben Kartenwerk es als echt wertvolle Hilfestellung empfunden. Einerseits weil es eine räumliche Orientierung ermöglicht, Entfernungen abschätzbar werden und mögliche Sackgassen erspüren lässt. Dennoch: daheim kommt mir kein Navi ins Auto. Unser Safaridrive geht über die längere, westliche Route entlang der Blackpools. Die Bridges sind sicher, lediglich eine einfache Wasserquerung (3rd Bridge) war nötig. Typische Fauna: Elefanten, Kudu, Sprinböcke, Impala, Krokodile, Flußpferde. Distanz 135km. Übernachtung in Xakanaxa (Campsite No. XA5) direkt am Flußufer, allerdings ist auf voller Breite der Blick auf den Fluß durchs Schilf behindert. Das nächtliche Hippo- und den morgendlichen Leoparden-Besuch dürfen wir uns vom Nachbarn erzählen lassen. Insgesamt ist die Lage top, die einzelnen Plätze liegen in einer langen Reihe und haben zueinander einen Abstand von 100 Metern. Der Sanitärbereich ist dürftig und etwas veraltet. 270 Pula/pro Person je Übernachtung. Kein Strom.
30.06.14 Wir bleiben weiterhin in Xakanaxa und machen tagsüber eine Safari durch den Moremipark (40km). Wenig Sichtungen entlang Wild Dog Pan und Blackpools. Morgens sichten wir am Wegesrand ein faules Löwenpärchen auf dem Weg zu den Paradisepools entlang des Airstrips. Trotz eines Zusatztanks und einem Reservekanister machen wir uns Gedanken über die Benzinvorräte, so dass wir uns 25 Liter Diesel auf dem Schwarzmarkt besorgen. Für die Distanz Maun bis nach Katima Mulilo wird es sprittechnisch eng, zumal wir uns eine Menge Safarifahrten vorgenommen haben. Wie sich aber später rausstellt verbraucht unser Wagen doch recht wenig Sprit und wir hätten es locker ohne die zusätzlichen 25 Liter geschafft.
Champagner8'672 Beiträge · seit 201009. Aug. 2014 · #4
Guten Morgen Toemmel,
ich bin dabei! Das sind viele interessante Destinationen (und schöne Fotos) - bin schon auf die weiteren Stationen gespannt! Magst du vielleicht noch etwas über die Temperaturen berichten? Ende Juni stelle ich mir lausekalt vor 🤩 !
toemmelThemenstarter116 Beiträge · seit 201209. Aug. 2014 · #5
01.07.14 Ausfahrt aus dem Moremipark über das North Gate mit Ziel Khwai Community Camp. Distanz 70km. Nach schwieriger Anfahrt mit tiefer Wasserquerung finden wir das Wildernesscamp Magotho. Die Lichtung ist voller Elefanten, so dass wir uns aus Sicherheitsgründen nahe eines bereits stehenden, kleineren Camp niederlassen. Keine Facilities! Die Lage ist beeindruckend, tags und nachts sind wir hautnah bei den Dickhäutern, die friedlich sämtliche Bäume in der Umgebung bearbeiten, um an die Früchte zu kommen. Die Bezahlung erfolgt in unserem Fall vor Ort bzw. sofern geöffnet im Office in Maun; am frühen Abend kommen die Ranger von der Khwai Community vorbei, kontrollieren die Voucher und kassieren. In unserem Fall 290 Pula/p.P..
02.07.14 In der Nacht werden wir durch Tiergeräusche geweckt und blicken aus unserem Dachzelt in das Auge eines neugierigen Elefanten. Vor gehörigem Respekt zucken wir nicht mal, und mit der Gewißheit, dass Elefanten Mundgeruch haben, fällt uns das Einschlafen schwer. Vor der Ausfahrt über das Mababe Gate werden wir früh morgendlich noch mit einem Rudel Löwen belohnt. Einfahrt und Check-In am Gate des Chobe NP. Die Sandridge Road ist wirklich anspruchsvoll. Distanz 120km. Der Liegeplatz im Camp Savuti ist noch belegt, so dass wir uns für einen Gamedrive entschließen. Endlich mal aussteigen: Lohnenswert ist die Besteigung des Bushman Hill, wenngleich die angekündigten Paintings der Eingeborenen eher mager ausfallen. Aber das Gelände ist abwechselungsreich und spannend. In den ausgedehnten Pfannen und Marschen ist eine gute Sicht möglich, und wir fahren bis 18 uhr abends. Afrikafeeling pur: Wasselbüffel, Giraffen- und Elefantenherden, eine 12köpfige Löwenfamilie mit 4 Jungen.
Abends erhalten wir im Camp Savuti den Platz CV7, der es, wie wir noch erfahren werden, lt. Campleitung in sich hat. Es macht uns bereits stutzig, dass wir die 100 Meter zu den Facilities nur mit dem Wagen zurücklegen dürfen. Der Grund dafür ist offensichtlich ein Elefant, der den Platz CV7 für sich beansprucht. Beim Zeltaufbau machen wir die erste Bekanntschaft mit dem Hausherrn, der aber zurückhaltend im Gebüsch steht. Abends beim Grillen ist er jedoch so neugierig, dass er trotz des Feuers ganz still und leise aus dem Gebüsch hervor kommt und 3 Meter an uns vorbei watschelt. Das Herz rutscht in der HOSE! Camp Savuti verfügt über kein Wasser und Strom an den einzelnen Campsites. 435 Pula pro Nacht pro Person.
toemmelThemenstarter116 Beiträge · seit 201209. Aug. 2014 · #6
03.07.14 Je weiter wir nördlich Richtung Flußdelta kommen wird es nachts deutlich kühler (um die + 4°C), doch die Umrüstung auf einen Zweimannschlafsack ermöglicht uns das wärmende Füsseln. Früh morgens fahren wir auf die Pirsch. Statt Leoparden erleben wir einen heftigen Kampf zwischen zwei Giraffenbullen. Später noch die gestrige Löwenfamilie mit einem gerissenen Gnu. Entlang des Flusses zurück kommt im Tiefsand wieder mal der 4x4 zum Einsatz, auch hier einige Hippos und Elefanten. Gefahrene Distanz: 60km. Die 2. Nacht in Camp Savuti ist ohne Vorkommnisse.
04.07.14 Die 140km Überfahrt von Savuti nach Ngoma Bridge/Camp Chobe über die sandige Piste ist aus fahrerischer Sicht anstrengend, aber längst nicht so schlimm wie uns Fahrer berichten, die uns entgegen kommen. Die letzten Kilometer zur Grenze nach Namibia sind ein regelrechter Kulturschock, raus aus der Natur mitten hinein in die lebendigen Siedlungen entlang der Mainroad. Ein Besuch in der Primary School ist erschreckend. Wollen wir doch mit unseren Malbüchern und -utensilien etwas Gutes tun, fährt uns der Head of School barsch an, dass er lediglich mit Dollar etwas anfangen kann. Aus seiner Sicht sollten es 200 US$ sein. Konsterniert verlassen wir das Gelände. Doch dies ist erst der Anfang, wie sich bald heraus stellt. Der Grenzübertritt, wieder ohne Vet-Kontrolle, geht zügig und unkompliziert. Nach dem Zeltaufbau im Camp Chobe gibt es eine Sundowner Bootstour, die wirklich gut ist für die verlangten 250 N$. Unsere Nachbarn, eine freundliche südafrikanische Familie, hilft uns die arg reduzierten Vorräte mit selbstgebackenem Brot aufzubessern. Die Nacht ist sehr Frosch- und Hippogeräusche lastig.
Champagner8'672 Beiträge · seit 201009. Aug. 2014 · #7
toemmel schrieb:03.07.14 Je weiter wir nördlich Richtung Flußdelta kommen wird es nachts deutlich kühler (um die + 4°C), doch die Umrüstung auf einen Zweimannschlafsack ermöglicht uns das wärmende Füsseln.
Okay, danke - das war die Information, die ich gesucht habe 😉 ! Wunderschöne Fotos - am besten gefällt mir das Elefantenbaby, das so vorwitzig zwischen den Beinen seiner Mutter steht! Allerdings frage ich mich, was das Graue dahinter am Boden ist - Felsen und Holz oder ein Elefant? Ich kanns nicht erkennen...
toemmelThemenstarter116 Beiträge · seit 201209. Aug. 2014 · #8
05.07.14 Der Spaziergang in und um Camp Chobe (ohne Guide) ist ganz nett, aber nicht zwingend lohnenswert, da man räumlich eingeschränkt ist (Farmland, Grenze, Fluß). Dafür relaxen wir in der Sonne mit einem Buch. Schwer für Menschen mit Hummeln im Hintern. Abends gönnen wir unser erstes (Bezahl-)Dinner: Butternutsoup, Hähnchen im Speckmantel, Kokos-Zitronentorte. Übernachtung 120 N$ p.P pro Nacht.
06.07.14 Abfahrt vom Camp Chobe. Fahrt nach Katima Mulilo und Auffüllung der Vorräte. Weiterfahrt zu Dan im Mavunje Camp (200km). Sein Volontär "Guy" empfiehlt uns mittags eine Wanderung quer durch das Elefantengebiet entlang des Flusses. Wir sind mutig und gehen by ourself - so wie immer. Nachmittags lernen wir nette deutsche Studenten kennen, die es sich auf unserer Sonnenterrasse bequem gemacht haben. So ein Plausch auf Deutsch hat was, zumal wir über die WM bis dato nur wenig erfahren haben. Abschließend grillen wir beide Lamm und Broerwors. Inhaber Dan gesellt sich auf einen Plausch hinzu. Er ist echt nett, das Camp toll und herrlich gestaltet.
07.07.14 Gamedrive im nahegelegenen Mudumu NP. Wenig Tiere, lediglich Impalas und Paviane. Abends wie gewohnt Gegrilltes: Beefrippe und Broerwors. Gefahrene Distanz: 80km Das Mavunje Camp verfügt über eine Tiefkühltruhe, die allen zugänglich ist, sowie Strom und Wasser. Übernachtung 135 N$ p.P pro Nacht inklusive Feuerholz.
toemmelThemenstarter116 Beiträge · seit 201209. Aug. 2014 · #9
08.07.14 Überfahrt durch den Caprivistreifen nach Divundu ohne Vet-Kontrolle. Der Inhaber Cameron begrüßt uns herzlich im Nunda River Camp. Statt des von Euch empfohlenen (am Wasser gelegenen) und gebuchten Platz 4 erhalten wir nur Platz 7, der wahrlich wenig Charme besitzt. Laut Cameron ist Platz 4 für bis zu vier Fahrzeuge vorgesehen. Wir empfehlen Euch Platz 2 oder Platz 3 (siehe Foto!) für Einzelfahrer bei Cameron zu buchen. Die Nunda River Lodge/Camp ist top ausgestattet. Das WLAN ist dauerhaft down. Strom ist an jeder Campsite verfügbar. Die nachmittagliche Rundfahrt (60km) durch den östlichen Teil des Mahango NP ist abgesehen von ein paar Hippos und einem Krokodil im Okavango unspektakulär. Der Sonnenuntergang auf der großen Terrasse des Camps macht jedoch alles wett.
09.07.14 Nach dem üblichen kurzen Steh-Frühstück machen wir eine Wanderung durch die nächste Umgebung. Aus dem Tor heraus nach links in die Büsche schlagend müssen wir feststellen, dass wir "Verfolger" haben. Die Kinder von der Straße, die sich bereits gestern bettelnd vor den Wagen geschmissen haben, heften sich an die Versen der Touristen und bereiten uns einen wenig angenehmen Kurztrip. Mittags lassen wir uns auf die andere Seite des Flusses übersetzen und spazieren zu den nahen Popa Falls. Cameron und seine Frau können nicht verstehen, dass wir für die 2 Kilometer Fußweg keinen Führer wünschen. Doch Rache folgt auf dem Fuße: der versprochene Fährtransport für 14 Uhr bleibt aus. Nach einer halben Stunde pfeifen und winken haben die Boys der Lodge Erbarmen mit uns und holen uns von der "falschen" Uferseite ab. Das Nunda-Grillpaket für 45N$ war abends die geschmackliche Entschädigung für die Wartezeit.
toemmelThemenstarter116 Beiträge · seit 201209. Aug. 2014 · #10
10.07.14 Heute laut Cameron die kälteste Nacht mit minus 4°C in der Nacht. Den 230km-Transfer nach Rundu machen wir teilweise über den alten Pad entlang des Flusses. Wir entdecken einen Outdoor Kindergarten am Straßenrand und entschließen uns Schulhefte und Stifte etc. an die Kinder zu verschenken. In der Tat sieht die Gruppe von 20 Kindern etwas mitgenommen aus. Lediglich 5 Stifte liegen auf dem einzigen Plastiktisch. Wir sprechen die Erzieherin an und erklären unser Anliegen. Während sie die Kinder dazu verdonnert uns für die kommende Viertel Stunde Lieder vorzutragen zückt sie auch schon Stift und Papier und schreibt uns ihre Kontoverbindung auf. "Hallo? gehts noch?" Ich war so perplex aufgrund des dreisten Verhaltens und der Bitte nach einer Geldüberweisung, dass mir die Spucke weg blieb. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen verlassen wir die singenden Kinder.
Der Empfang auf der Nkwazi-Lodge ist kurz, sehr kurz. Es gibt null Infos zum lokalen Angebot, die Campsite dürfen wir uns selber aussuchen, nach mehrfachem Fragen gibt es doch Infos zum Abendessen und zum Angebot vor Ort durch die Angestellte. Wir entschließen uns den Village Walk für 50N$ zu machen. Unser Guide, ein smarter junger Mann, erzählt uns bereitwillig über das Leben der Ansässigen. Wir sprechen mit ihm darüber, dass wir eine Tasche mit Kinderkleidung haben, die wir der Campleitung übergeben wollen (wir erkundigten uns vorab, Valerie, die Besitzerin ist sozial engagiert und hat unter anderem eine kleine Vorschule gegründet). Doch der Guide winkt ab und erklärt uns, dass die weißen Besitzer unlauter seien und Gelder unterschlagen. Wir mögen doch ihm die Sachen geben. Wir werden skeptisch. Unsere Skepsis wandelt sich in Unbehagen als wir beim Besuch einer Familie aufgefordert werden, eine Geldspende zu geben. So war das aber nicht vereinbart, schließlich haben wir bereits den Walk bezahlt. Doch das geht dem Guide gegen den Strich und er bricht den Walk ab. UNFASSBAR! Das war Teil 3 unserer Charity-Depression.
Ausstattung der Nkwazi Campsite ist gut: fließend Wasser und Strom. Wifi im Restaurant. Schön begrünt und gepflegt, mit einigen herumstreunenden Haus- und Hofpferden. Die Nkwazi Campsites wird regelmäßig durch Großgruppen besucht. Diese Nachbarn waren jedoch ausnahmsweise leise. 60N$/p.P.
toemmelThemenstarter116 Beiträge · seit 201209. Aug. 2014 · #11
11.07.14 Überfahrt nach Grootfontein. Nach geschlagenen 2373 Kilometern werden wir tatsächlich veterinärisch untersucht (Ort: Mururani, entlang des Rooilyn Vet fence). Besuch des alten Forts und ein herzliches Gespräch mit der deutschsprachigen Museumsangestellten. Sie ist so lieb und gewährt uns im Hinterstübchen einen Blick in alte, prachtvolle Schinken mit herrlichen Fotos aus der Kolonialzeit. Die Traditionsbäckerei aus dem Iwanowski-Reiseführer gibts in Grootfontein nicht mehr. Nach insgesamt 340 Kilometern erreichen wir nördlich vom Waterberg die Kamrav Farm. Ein echter Geheimtipp. Die deutschsprachige Hausherrin nimmt sich viel Zeit für uns, bei Kaffee&Kuchen unterhalten wir uns über Gott und die Welt, Namibia-Politik, das Farmerleben. Wir erfahren, dass Maryna sich sozial engagiert und eine christliche Sozialstation kennt, wo wir unsere restlichen Kleidungsstücke und Mitbringsel mit gutem Gewissen loswerden können. Tolle Campsite in direkter Hofnähe mit überdachter Terrasse, 1A-Luxus-Sanitärbereich im 70er Jahre-Stil, Sitzgelegenheit und Grill, Strom & Wasser. Diesen letzten Abend auf dem Lande beschließen wir mit einem herrlichen Spaziergang und einem köstlichen Grillen: Garlic Broerwors und Lamm.
12.07.14 Nach wundervollem Schlaf durch den Hahn geweckt zu werden gibt uns die nötige Power unseren Wagen abgabefertig aufzuräumen und unsere Sachen zu packen. Nach einem letzten Kaffee mit den Hausherren und einer herzlichen Verabschiedung steigen wir ein letztes Mal in unser Gefährt mit dem Gefühl, dass der letzte Tag, die offenen und ehrlichen Gespräche mit der Gutsbesitzerin Maryna uns wieder friedlich mit Afrika stimmen. Die Kamrav-Farm findet ihr nicht im Internet, aber telefonisch: +264 67231564. 100 N$ pro Person pro Nacht. Entlang des Waterbergplateaus gehts nach WHK (380km). Den Wagen geben wir bei Hubert Heesters ab. Diesmal sind wir echt pünktlich, und es gibt nicht wie im letzten Jahr eine Standpauke. Hubert bringt uns zu unserer letzten Unterkunft "Paradise Backpacker Hostel" (12 Euro pro Person pro Nacht). Hier erwartet uns ein recht einfaches aber wifi-fähiges Zimmerchen. Nach einem Spaziergang nach WHK hinein fallen wir totmüde ins Bett.
toemmelThemenstarter116 Beiträge · seit 201209. Aug. 2014 · #12
13.07.14 Die Nacht in einem echten Bett ist längst nicht so dolle wie man es erwartet. Doch die morgendliche Ruhe im sonnendurchfluteten Hof des Hostels und das eigene Nutella-Frühstück entschädigt uns. Zumal die Studis noch ratzen. Wir machen ein letztes Mal WHK unsicher und kaufen vom restlichen Geld Biltong Chilli Bites in der Hoffnung, dass wir alles durch den deutschen Zoll bekommen. Nachmittags verkürzen uns die vielen größtenteils deutschen Langzeitstudenten die Wartezeit bis zur Ankunft unseres Shuttleservices zum Airport mit einem Plausch. Abschied, ganz easy. Am Flughafen angekommen bekommen wir nur die ersten zehn Minuten vom WM-Finale auf dem TV im Pub mit, bevor das Boarding beginnt. Den Sieg über Argentinien erfahren wir vom Flugkapitän "Peter Hansen" per Durchsage. Yeah, wir sind Weltmeister!
Kleines Resümée von Tom: Diese unsere dritte Afrikareise war geprägt durch zahlreiche Nationalparkbesuche in Botswana, ein ganz anderer Charakter als das sonst sehr durch Farmland geprägt und doch sehr schöne Namibia. Mir ist aufgefallen, dass die Vegetation in Botswana (besonders in den NPs) durch das intensive Äsen der Elefanten beeinflußt ist. Die Bäumchen wirken vielfach abgefressen und mikrig, irgendwie verändert. Ich glaube, dass es einfach zu viele Elefanten dort gibt, die der Flora nicht die nötige Zeit zur Regeneration geben. Außerdem kam mir persönlich das Wandern zu kurz, da man sich in den NPs nicht vom Fahrzeug weg bewegen darf. Enttäuschend fand ich die Haltung in Hinblick auf Spendengelder der o.g. Schulleitung, der Kindergärtnerin und des Village-Walk-Guides, der seinen angeblich sozial engagierten Arbeitgeber denunziert. Auch die sehr kritische Haltung zur ruinösen Namibiapolitik von der Farmerin Maryna stimmt mich nachdenklich. Diese Reise ist sehr ambivalent zu bewerten, was der Grund für eine kleine Afrikapause bedeutet. Namibia, wir kommen aber gewiß wieder.
Muss mich einfach auch noch einmal kurz zu dem Thema mit den Mitbringseln und Spenden äußern. Im vergangenen Urlaub hatte ich des Öfteren auch solche kleinen Begebenheiten. Nehme auch ähnliche Dinge wie ihr mit in unsere Urlaubsländer und bin eigentlich auch bisher immer damit ganz gut angekommen und war der Meinung, dass die Kinder bzw. die Leute sich darüber gefreut haben. Aber wie schon gesagt in unserem letzten Urlaub, wo wie mit einer kleinen geführten Gruppe unterwegs waren (in etwa die gleiche Strecke wie ihr jetzt) fiel mir auch auf, dass die Menschen jeweils nur Bares haben wollten. Einmal war es sogar so, dass mich unser Tourguide anranzte, da ich den bettelnden Kindern Luftballons verteilte. Wir hatten eine Mittagpause entlang der Strecke eingelegt und waren alle dabei unsere Brote einzuschieben. Ihr wisst ja wie es ist, wenn man irgendwo in Afrika entlang der Strecke anhält. Es kommen aus allen Ecken Kinder und auch Erwachsene und stehen um einen herum. Was machte ich, ohne mir dabei was zu denken. Ging auf die Kinder zu und verteilte meine kleinen Sachen. Nach einer Weile nachdem ich fertig war ging unser Guide hin und sprach mit den Leuten. Sagte aber nichts was er mit ihnen gesprochen hatte. Am Abend am Lagerfeuer machte er mich dann vor der gesamten Gruppe rund wie ich denn so etwas machen könne. Wir sind am Essen und die armen Leute haben Hunger müssen zusehen wie wir essen und ich gebe ihnen Luftballons. Ich dachte ich bin im falschen Film. Eine andere Gruppe Menschen entlang der Strecke wartete tatsächlich so lange bis wir ihnen Geld gaben und machte uns auch erst dann die Ausfahrt für unsere Autos wieder frei. Alle Kinder und Frauen setzten sich direkt vor die Ausfahrt und bewegten sich kein Stück weg ehe wir ihnen einen Schein in die Hand drückten. Ich frage mich wo man da noch hinkommt, wenn man ohne zu bezahlen nicht weiterfahren kann. Da kann einem schon das Mitbringen von Dingen vermiest werden. Das musste ich an dieser Stelle einfach mal los werden. Sicher gibt es auch viele andere gute Beispielen zu nennen, aber wo wir schon mal das Thema angeschnitten hatten, wollte ich das Erlebte auch mal schildern. Liebe Grüße an alle Diana
toemmelThemenstarter116 Beiträge · seit 201211. Aug. 2014 · #16
achso, abschließend wollte ich den Kostenfaktor noch mal reinbringen. Es hat sich wieder der Drittelmix in der Kalkulation bewährt. 1/3 Kosten für den Flug, 1/3 Leihwagen 1/3 Unterkünfte, Ernährung, Einkäufe und Benzin.
Ich finde man kann diese grobe Einteilung für einen Drei-Wochen-Urlaub machen. Hat bei uns bislang immer gepasst.