Reisebericht: Ostafrika 2007/2008

55 Antworten · 26,5k Aufrufe · gestartet 02. März 2009 von Topobär
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Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200902. März 2009 · #1
Nachdem ich durch dieses Forum in den Genuss vieler schöner Reiseberichte gekommen bin, möchte ich mich gerne revanchieren.

Nun war unsere letzte Afrikareise allerdings nicht im südlichen Afrika, sondern in Ostafrika. Da ich dieses Forum aber für das beste deutschsprachige Reiseforum über Afrika halte und es glücklicherweise auch ein Unterforum für Kenia gibt, hoffe ich, dass keinerlei Einwände bestehen. Vielleicht kann der Bericht ja bei dem einen oder anderen dazu führen, mal über den Tellerrand des südlichen Afrikas hinaus zu schauen.

Vorwort:

Ich habe vor, den Bericht in Episoden je Reisetag zu gliedern. Jedes Kapitel werde ich als neuen Post in diesem Thread einstellen. So müsst Ihr nicht warten, bis ich die gesamte Reise niedergeschrieben habe. Auch bietet dieses Format die Möglichkeit für Euch, Fragen zu stellen oder Anmerkungen zu machen.

Wenn ich rausbekomme, wie man seine Bilder aus dem Album in den Text einfügt, will ich den Text durch einige Impressionen auflockern. Vielleicht kann mir da jemand helfen.

Wichtig ist mir, nicht nur Reiseeindrücke wiederzugeben, sondern auch praktische Informationen zu liefern, die anderen Reisenden weiterhelfen können.

Allgemein:

Wir waren zum Jahreswechsel 2007/2008 für etwas über 3 Wochen in Ostafrika. Dabei haben wir Kenia und Tanzania besucht. Wie immer waren wir als Selbstfahrer unterwegs. Da wir dieses Mal aber als Reiseführer für meinen Schwiegervater und dessen Freundin fungierten, haben wir nicht, wie sonst üblich im eigenen Zelt gecampt, sondern in Lodges oder festen Zeltcamps übernachtet.

Die Unterkünfte haben wir selbst ausgewählt, die Buchungen jedoch zentral über Sunworld getätigt.
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zuletzt bearbeitet 02. März 2009
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200902. März 2009 · #2
1.Tag (Nairobi):

Nach einem angenehmen Nachtflug mit Kenya Airways von Amsterdam landen wir in der Morgendämmerung in Nairobi. Das Gepäck ist ebenfalls unversehrt und vollständig angekommen und die Einreiseformalitäten schnell erledigt.

In der Empfangshalle des Flughafens erwartet uns schon ein Mitarbeiter von Sunworld, der uns durch die gerade erst erwachende Großstadt zur Vermietstation bringt. Zunächst erhalten wir die Unterkunfts-Voucher und die Flugtickets für die Inlandsflüge. Dann zeigt man uns unser Auto, das uns pannenfrei durch den Urlaub bringen wird.

Man ist das ein Schlachtschiff. So groß hatte ich die ostafrikanische Safari-Version des Toyota-Landcruiser gar nicht mehr in Erinnerung.

[bild: 111140]

Aber ich wollte es ja nicht anders, hatte in vielen Gesprächen glaubhaft gemacht, das ich ausreichend Fahrpraxis in Afrika habe, um solch ein Gefährt sicher zu bewegen. Im Normalfall sind hiermit nämlich nur die Tour-Guides von Sunworld mit Ihren Gästen unterwegs und als Mietwagen stehen RAV4 oder Pajero (kurz) zur Verfügung. Das Teil hat 3 Sitzreihen, plus Kofferraum, Zusatztank, Safari-Dach, jede Menge Werkzeug und Ersatzteile an Bord und für den Notfall ein Funkgerät.

Der Weg von unserer Vermietstation zum Jacaranda-Hotel ist dann auch gleich die erste Feuerprobe. In der Zwischenzeit ist das übliche Verkehrs-Chaos ausgebrochen. Auf 4 Fahrspuren versuchen 6 Fahrzeuge nebeneinander durch die Kreisel zu fahren keiner gibt nach. Es herrscht das recht des Stärkeren aber da sind wir mit unserem Dickschiff recht weit oben in der Hirarchie.

Im Hotel sind schnell die Zimmer bezogen, danach erst einmal kurz in den Pool und einen Snack an selben eingenommen. Dann die Frage:"Was machen wir mit dem Rest des Tages".

Die Entscheidung ist schnell gefallen, wir besuchen den Nairobi Nationalpark. Leider liegt der am entgegengesetzten Ende der Stadt. Also erst das Chaos, dann das Vergnügen. Trotzdem haben wir noch Zeit für eine ca. 3-stündige Pirschfahrt im Park. Außerdem gibt es eine nette Wanderung am Fluss entlang.

Auf dem Rückweg zum Gate können wir bei einsetzender Dämmerung unseren Augen kaum trauen. Vor uns überquert ein mehr als 10-köpfiges Löwenrudel den Weg. Das nenn ich mal einen guten Start.

[bild: 111144]

Nairobi Nationalpark:
Direkt am Stadtrand Nairobis gelegen, bietet dieses Naherholungsgebiet einen ersten Einblick in die kenianische Landschaft und Tierwelt. Der Park ist nur zur Stadt hin durch einen Zaun begrenzt, ins Hinterland können die Tiere wandern. Es sind zum Teil unwirkliche Bilder, wenn man die Wildtiere vor den Hochhäusern der Stadt sieht. Am Main Gate befindet sich auch das Hauptbüro des Kenya Wildlife Service (KWS). Derzeit muss man die Eintritte der meisten Nationalparks hier im Voraus entrichten. Kreditkarte wird akzeptiert.

Jacaranda Hotel:
Im etwas ruhigeren Stadtteil Westlands gelegenes Mittelklasse-Hotel. Es hat genauso wenig Charme wie jedes europäische Business-Hotel, bietet aber im Gegensatz zu den Luxushotels ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Die Zimmer sind unpersönlich, aber sauber. Zum Abendessen gibt es ein gutes Buffet in einem schönen Speisesaal, wie ich ihn bei solch einem Hotel nicht erwartet hätte.
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zuletzt bearbeitet 02. März 2009
52 Beiträge · seit 200803. März 2009 · #3
Ich freue mich schon auf die nächsten Einträge!
Sunworld wollen wir ggf. das nächste Mal auch buchen. Ich habe gesehen, dass sie jetzt sogar Toyota mit Dachzelt anbieten 😄
435 Beiträge · seit 200704. März 2009 · #4
Ja die Autos von denen sehen echt gut aus. Bei den Preisen muß man aber, im Vergleich zu den aus Nam gewohnten, erstmal schlucken.
Reisebericht Namibia/Botswana 2007
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200905. März 2009 · #5
2. Tag (Nairobi - Samburu National Reserve):

Früh am Morgen sind wir die ersten am Frühstücksbuffett, wir wollen Nairobi so schnell wie möglich hinter uns lassen. Kenia hat weit besseres zu bieten, als diesen Großstadt-Moloch.

Auf gut ausgebauter zweispuriger Schnellschraße geht es zunächst nach Thika. Die Fahrt ist anstrengend. Um im Verkehr mitzuschwimmen fährt man ca. 100km/h, was auch kein Problem wäre, wenn nicht alle Nase lang Fußgänger, Vieh und Esel-/Pferdefuhrwerke die Straße mitbenützen würden. Da kann ein Moment der Unaufmerksamkeit schnell fatale Folgen haben. Das unser Fahrzeug einen Bremsweg wie ein Ozeanriese hat, macht die Sache nicht einfacher. Für eine Vollbremsung muss ich schon mein ganzes, nicht unerhebliches Gewicht von 100kg auf die Bremse stemmen.

Hinter Thika wird die Straße einspurig und der Verkehr schwächer. Wir fahren direkt auf den Mount Kenya zu, der so früh am Tag noch nicht in den Wolken verschwunden sind.

Bald darauf gabelt sich die Straße wir entscheiden uns für die Ostumfahrung des Mount Kenya, die Westroute werden wir dann für den Rückweg von Samburu nehmen.

Die Straße B6 bleibt asphaltiert und in gutem Zustand, wird aber sehr kurvenreich. Hier am Mount Kenya gibt es die größten Niederschlagsmengen des Landes. Die Hänge sind von zahllosen Bachläufen zerfurcht und jedes so entstandene Tal mus ausgefahren werden. Aber es ist eine schöne Gegend, alles ist fruchtbar und grün. Es wird viel Landwirtschaft betrieben, die Erzeugnisse kann man direkt auf den vielen Straßenmärkten erwerben.

[bild: 111147]

Über Embu und Meru zuckeln wir dahin. Der Mount Kenya verzieht sich so langsam hinter Wolken, dennoch wird es wärmer. Da der Wagen keine Klimaanlage hat heißt es Fenster auf. Dabei passiert mir ein Missgeschick, dass den Fahrkomfort der gesamten Reise beeinträchtigen wird. Mir bricht der Drehknauf der ohnehin schon schwergängigen Fensterkurbel ab. An eine schnelle Bedienung während der Fahrt ist jetzt nicht mehr zu denken, erst recht nicht auf Pisten. Ab jetzt steht jeden Abend der Staub zentimeterdick im Auto und wir sehen entsprechend aus. Die Strategien um das zu kompensieren sind sehr unterschiedlich. Während Anne für sich und Horst ständig am Wäsche waschen ist, teilen Kathrin und ich unsere Kleidung in Fahrzeug- und Campkleidung. So sehen wir im Auto zwar aus wie die Schweine, verschwenden aber unsere kostbare Urlaubszeit nicht mit waschen. Ist aber sicher auch eine Generationenfrage.

So wie wir die Hänge des Mount Kenia nach Norden verlassen haben, ändert sich die Landschaft schlagartig. Innerhalb weniger Kilometer befinden wir uns in der für den norden Kenias typischen Dornbuschsavanne. In Isiolo endet die Asphaltstraße. Hier beginnt die berühmt-berüchtigte Transafrika-Piste nach Äthiopien. Gröbstes Wellblech, Auswaschungen und große Steine fordern Mensch und Material.

Ich beschleunige auf knapp 80km/h. Kathrin kennt das, Anne sagt nix, aber Horst ist das etwas unheimlich, er ist in seinem Leben bislang nur auf Asphaltstraßen unterwegs gewesen. Seiner Bitte, doch etwas langsamer zu fahren entspreche ich und reduziere auf 50km/h. Wer solche Pisten kennt, weiß, was das bedeutet. Alles wackelt, rüttelt und scheppert. Das Armaturenbrett zeigt einen Bewegungsspielraum, dass man meint, es gleich auf dem Schoß liegen zu haben. Es herrscht eine Lautstärke, die jede Unterhaltung unmöglich macht. Rasch darf ich wieder auf meine Ursprungsgeschwindigkeit beschleunigen.

Nach ca. 40km Piste überqueren wir den Ewaso Ngiro Fluß. Gleich danach zweigt die Zufahrt zum Samburu National Reserve nach Westen ab. Nach weiteren 10km sind wir am Gate. Wie üblich werden wir ordentlich zur Kasse gebeten. Wir fahren auf direktem Weg zu unserer Unterkunft, Larsen's Camp, das wir am frühen Nachmittag erreichen.

Das Lunchtime bei unserer Ankunft längst vorbei ist, spielt keine Rolle. Wie selbstverständlich erhalten wir ein sehr gutes Mittagessen nachdem wir unsere Zelte bezogen haben.

Unser abendlicher Gamedrive ist nur kurz. Wir haben einen anstrengenden Fahrtag mit ca. 400km hinter uns und morgen noch den ganzen Tag für Samburu.

Dinner gibt es bei Kerzenschein unter Bäumen am Flußufer, sehr romantisch.

Wir beenden den Tag auf der Veranda unseres Zeltes. Direkt neben uns hat in einem Busch eine kleine Fledermaus ihr zuhause, welches sie nach Ihren Beuteflügen immer wieder aufsucht um zu fressen oder auszuruhen.

Larsen's Camp:
Traditionsreiches kleineres Tented Camp mit 17 Zelten, im Galeriewald direkt am Ufer des Ewaso Ngiro. Der Abstand zwischen den Zelten ist teiweise nicht allzu weit, aber ok, da mit Büschen aufgelockert. Alle Zelte mit gemauertem Bad und Veranda zum Fluß. Zum Hinterland ist das Camp mit einem Zaun abgesperrt, allerdings nicht zum Fluß hin, so dass von dieser Seite durchaus Tiere ins Camp kommen könnten.

[bild: 111150]

Die Mahlzeiten werden entweder im Freien oder im großen Messezelt eingenommen. Der Service ist in jeder Beziehung sehr gut.

Fazit: Ein sehr gediegenes Camp, in das wir jederzeit wieder fahren würden. Eine der Topunterkünfte unserer Reise.
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zuletzt bearbeitet 05. März 2009
8'054 Beiträge · seit 200805. März 2009 · #6
Hallo Topobär,

Bin kaum von Namibia zurück und du bringst mich durch deine Berichte gerade wieder in den Urlaub nach Afrika. Ich werde jeden Tag dabei sein.
Danke
Annick
Südafrika 2014 http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/281763-miam-miam-und-mamamia.html Namibia 2014 [http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/283810/-die-frenchies-in-namibia.html] Tansania 2015 [http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285247-tansania-auf-jeden-fall-wieder.html] Uganda/Ruanda 2015 {http://namibia-forum.ch/forum/160-diverses/286948-uga,html} Tanzania 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/288428-rei,html} Südafrika/Simbabwe 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/290185.html} Südafrika Garden Road 2018 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/295032-the-garden-road-ein-bisschen-anders.html Malawi 2018{http://namibia-forum.ch/forum/154-diverses/296097-reisebericht-malawi-august-2018.html}
843 Beiträge · seit 200805. März 2009 · #7
Hallo Topobär,

schön, dass mal jemand einen Bericht über Ostafrika schreibt! Da wir 2010 auch als Selbstfahrer dorthin wollen, bin ich schon sehr auf die nächsten Teile gespannt!!!

Lg
Dirk
0
221 Beiträge · seit 200606. März 2009 · #8
Siehe zu Kenia,
Samburo / Marsabit / Moyale:

http://www.dt800.de/filme

Gruss
www.dt800.de/
zuletzt bearbeitet 06. März 2009
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200909. März 2009 · #9
3. Tag (Samburu National Reserve):

Der erste Tag der Reise, der ganz der Tierbeobachtung gewidmet wurde.

Beim ersten schwachen Einsetzen der Dämmerung waren wir bereits auf den Beinen. Auf dem Tischchen unserer Veranda hatte schon ein dienstbarer Geist Kaffee, Tee und Kekse abgestellt, so dass wir nicht mit völlig leerem Magen starten mussten.

Noch vor Sonnenaufgang saßen wir im Auto. Der morgendliche Gamedrive führte uns entlang des Ewaso Ngiro. Der Weg führt oftmals direkt an der einige Meter über dem Wasser liegenden Abbruchkante des Flussbettes entlang. Viel war noch nicht los. wir sahen in erster Linie Impalas und einige Dik-Dik's. Diese sehr kleinen Antilopen leben immer paarweise und wenn wir ein Dik-Dik sehen machen wir immer ein Spiel daraus, wer als erstes das zweite Tier sieht.

Ca. eine Stunde nach Sonnenaufgang sind wir zum Frühstück zurück im Camp. Auch während des Essens haben wir weiterhin schöne Tiererlebnisse. Eine Horde Meerkatzen tobt auf dem Dach des Speisezeltes umher und die Angestelltes des Camps sind vollauf damit beschäftigt, die Affen vom Frühstücks-Buffett fernzuhalten.

Nach dem Frühstück geht's gleich wieder los. Diesmal wollen wir das Hinterland erkunden. Auf schmaler felsiger Fahrspur umrunden wir den 1225m hohen Koitog Or, die höchste Erhebung des Nationalparks.

[bild: 111296]

Die Landschaft ist sehr schön, aber außer ein paar Webervogelnestern ist von Tieren keine Spur. Erst auf dem Rückweg zum Fluss ändert sich das. Vor uns taucht eine sehr große Elefantenherde mit über 20 Tieren auf, die im Gänsemarsch Richtung Wasser unterwegs ist. Da es sich auf dem Fahrweg anscheinend am besten geht, zuckeln wir langsam hinterher.

So ist es schon Mittag, als wir endlich an den Elefanten vorbeikommen und zum Camp zurückkehren wollen. Das ist aber auch weiterhin nicht so einfach. Immer wieder versperren große Elefantenherden den Weg, Samburu ist anscheinend Elefantenland, aber wo waren die bloß heute morgen?

Den frühen Nachmittag verbringen wir im Camp. Auch viele Angehörige des Volksstammes der Samburu arbeiten im Camp. Die Männer häufig in der traditionellen Stammestracht. So ist es problemlos möglich, diese stolzen Menschen zu fotografieren. Die Samburu sind ein mit den Masai und Turkana verwandter stolzer und kriegerischer Volksstamm, der noch heute an den Traditionen der Vorfahren festhält.

[bild: 111302]

Den frühen Nachmittag verbringen wir im Camp.

Die letzte Pirschfahrt des Tages geht wieder am Nordufer des Ewaso Ngiro entlang. Auch das Südufer des Flusses ist Nationalpark und es gibt sogar eine Brücke. Jedoch handelt es sich am Südufer um des Buffalo Springs Nationalpark, für dessen Betreten wir nochmals einen vollen Eintritt zahlen müssten. Das steht in keinem Verhältnis und wir verzichten.

Das Licht wird schon sanft und golden, da entdecken wir direkt unten am Fluß zwei kämpfende Elefantenbullen. Wir stehen nur 20m entfernt auf dem Hochufer und verfolgen gebannt dass aufeinanderprallen dieser Urgewalten.

[bild: 111299]

Plötzlich dreht sich der unterlegene Elefantenbulle um und flüchtet; unglücklicherweise direkt in unsere Richtung. Als er das Hochufer hoch stürmt, ist es für uns, als ob ein Panzer auf einen zurollt. Oben angekommen bleibt er aber stehen, orientiert sich kurz und dreht dann direkt vor uns ab. Ein allgemeines Aufatmen geht durch das Auto, wir hatten alle vor Aufregung die Luft angehalten.

Wir fahren noch weiter am Fluß entlang und sehen weiterhin viele Elefanten. Bei einer schönen Dumpalme gibts den obligatorischen Sundowner, bevor wir zum Camp zurückkehren.

[bild: 111293]

Begleitet vom Flötenspiel eines Samburu essen wir draußen am Fluß zu abend. Wieder sehr romantisch.

Beim obligatorischen GinTonic auf der Veranda unseres Zeltes hören wir vom gegenüberliegenden Ufer her lautes Paviangeschrei. Leider haben wir dieses Mal keinen Suchscheinwerfer dabei, so bleibt es bei dem akustischen Erlebnis.
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zuletzt bearbeitet 09. März 2009
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200912. März 2009 · #10
4.Tag (Samburu NR - Lake Nakuru National Park):

Wie üblich sind wir die ersten am Frühstücks-Buffett. Hier in Afrika passt sich unser Lebensrythmus schnell dem natürlichen Tag/Nacht-Wechsel an. Man ist hier halt sehr nah mit der Natur verbunden.

Auf der bereits vom Hinweg bekannten, sehr rauhen Piste geht es wieder nach Süden. Ab Isiolo hat uns der Asphalt wieder und vor uns türmt sich der Mount Kenya auf. Diesmal ist der Berg schon in den Wolken verschwunden und es dauert nicht lange, bis sich ein Wolkenbruch über uns ergießt. Es sollte der einzige Regen sein, den wir auf dieser Reise erlebten. Für den Weiterweg nehmen wir diesmal die Straße A2, westlich des Mount Kenya. Von dem direktem Weg über die C76 wurde uns abgeraten, die Straße soll in solch schlechtem Zustand sein, dass sie keinerlei Zeitersparnis bringt. So bleiben wir bis kurz vor Nyeri auf der A2 und biegen dort auf die B5 ab, die uns im großen Bogen um die Aberdare Range herumführt.

[bild: 111577]

In Nyahururu bietet sich der Thomson's Fall für eine Rast an. Das Cafe und die Grünanlagen ringsum sind ein beliebtes Ausflugsziel für den kenianischen Mittelstand. Es ist Weihnachten und entsprechend viel ist hier los. Alle sind aufs Feinste herausgeputzt und vor allen die Kinder in ihren farbenfrohen Anzügen und Kleidern wirken wie bunt verpackte Weihnachtsgeschenke.

Wir erreichen den Rand des Escarpments. Von hier hat man einen schönen Blick hinunter ins Rift Valley. Es gibt an diesem Aussichtspunkt sogar Parkplätze, aber da es hier nur so von fliegenden Händlern wimmelt, haben wir keine Ruhe und fahren nach nur kurzen Halt weiter. Bis zum Lake Nakuru National Park ist es nicht mehr weit. Um in den Park zu gelangen, müssen wir jedoch erst durch ganz Nakuru hindurch, immerhin die drittgrößte Stadt Kenias.

Ganz in der Nähe des Main Gates liegt unsere Unterkunft, das Flamingo Hills Camp. Nach einer Strecke von insgesamt ca. 330km kommen wir am frühen Nachmittag an. Auch hier ist die Lunchtime zwar schon vorbei, aber wie selbstverständlich wird uns auch hier ein kleiner Imbiss serviert.

Bald nach dem Essen brechen wir wieder auf, um den Rest des Tages im Lake Nakuru Nationalpark zu verbringen. Der Park ist recht klein. Zu ihm gehören neben dem See nur noch eine kleine südlich anschließende Grasebene und die den Bereich umgebenden Berghänge. Der gesamte Park ist eingezäunt. Da er sich somit auch gut überwachen lässt und keine Gefahr besteht, dass die Tiere den Park verlassen, findet sich hier die mit Abstand dichteste Nashorn-Population Ostafrikas. Aus vielen gefährdeten Gebieten wurden die Tiere hierher umgesiedelt.

Das Gate ist schnell passiert und durch einen lichten Wald aus Fieberakazien geht zunächst an die Nordseite des Sees. Der Lake Nakuru ist alkalisch, weshalb er bei den Flamingos sehr beliebt ist. Hier im Norden gibt es jedoch einige Süßwasserquellen, weshalb sich hier stattdessen Pelikane finden.

[bild: 111574]

Im Urzeigersinn umrunden wir den See. An den Hängen oberhalb des Ostufers sehen wir das erste Spitzmaulnashorn und auf der Grasebene südlich des Sees mehrere Breitmaulnashörner. Leider alle für meine Digitalkamera zu weit weg, so dass ich sie nur analog fotographieren kann. Dies ist im übrigen auch der Grund, weshalb es bei den Bildern meines Berichtes so wenig Nahaufnahmen von Tieren gibt.

Nah am See ist das Gras noch saftig und es finden sich auch noch andere Weidegänger, unter anderem Büffel.

[bild: 111568]

Abends gab es dann noch einen Chor aus Nakuru, der das Abendessen musikalisch untermalte.

Flamingo Hills Camp:

Sehr neues Camp, bei unserem Besuch gerade einmal ein Jahr alt. Die gemauerten und mit Lehm verputzten Hauptgebäude sind mit Stroh gedeckt.

[bild: 111571]

Man schläft in Zelten, die ein Makuti aus Stroh haben. Die Unterkünfte sind geräumig und sehr gut ausgestattet. Das Bad ist gemauert Es gibt etwas über 30 Zelte, die leider ziemlich dicht beieinander stehen.

Das Gelände ist sehr gepflegt, und schön bepflanzt. Da das Camp aber noch sehr neu ist, sind die Planzen alle noch recht klein, weshalb das ganze bei unserem Besuch etwas kahl wirkte. In einigen Jahren dürfte es aber ein grünes Paradies sein.

Das Camp liegt nicht im Nationalpark, sondern direkt an diesen angrenzend zwischen Stadt und Park, ein bei den horrenden kenianischen Nationalpark-Gebühren nicht zu unterschätzender Vorteil. Das Gelände ist komplett umzäunt, ich vermute, weniger wegen der Tiere, als vielmehr wegen der Nähe der Stadt. Diese sieht man vom Camp aus zwar nicht, aber die Geräusche dringen leider manchmal hinüber.

Aus uns nicht nachvollziehbaren Gründen, schien man große Sorge zu haben, dass die Gäste frieren. So gab es nicht nur im Speisesaal zahlreiche transportable Tonöfen, sondern abends auch immer heiße Wärmflasche unter der Bettdecke. Ein lieb gemeinter Service, für mich persönlich aber nicht notwendig.

Fazit: Im Vergleich zu den beiden in die Jahre gekommenen Lodges im Nationalpark sehr zu empfehlen. Im Vergleich zu anderen Tented Camps in Kenia recht günstig. Gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Ich würde mich jederzeit wieder für dieses Camp entscheiden.
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zuletzt bearbeitet 12. März 2009
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200917. März 2009 · #11
5.Tag (Lake Nakuru NP - Lake Bogoria NP - Lake Nakuru NP):

Im Rift Valley gibt es noch zahlreiche andere Seen, überwiegend alkalische Seen. Wir wollten am heutigen Tage den ca. 60km nördlich von Nakuru gelegenen und ebenfalls zum Nationalpark erklärten Lake Bogoria besuchen.

Da ich ungern die selbe Strecke hin und zurück fahre, entschieden wir uns, über kleine Pisten zum einsamen South Gate zu fahren und den Park dann über das Main Gate im Norden wieder zu verlassen.

Nach 30km auf der Hauptstraße, verließen wir diese um zum South Gate zu gelangen. Die Strecke bietet keinerlei Beschilderung, es geht durch kleine Dörfer und landwirtschaftlich genutzte Flächen, überwiegend Ananasplantagen.

[bild: 111880]

Ein Verfahrer war natürlich auch dabei, aber wir näherten uns dann doch zielstrebig dem Lake Bogoria. Die Strecke wurde schlechter und vor allem staubiger. Das Boden des Rift Valley ist sehr salzhaltig und auf den Pisten entsteht dadurch schnell ein puderfeiner Staub, der durch alle Ritzen dringt. Wer den Fech-Fech der Sahara oder den Bulldust Australiens kennt, weiss, was ich meine. Da unser Fahrzeug etliche Ritzen aufzuweisen hatte und mein Fahrerfenster ebenfalls die ganze Zeit offen war, hatten wir in Kürze einen netten Sandkasten im Auto. Überhaupt konnte man am Ende eines jeden Fahrtages an der wechselnden Farbgebung des Fahrzeuginneren, die Bodenbeschaffenheit der vorangegangenen Tagesetappe ersehen.

Auf einem kleinen Pass gelegen passierten wir das Gate. Die Ranger freuten sich über die Abwechslung; hier kommt nur selten jemand vorbei. Gleich nach dem Gate bietet sich eine schöner Blick über den See.

[bild: 111886]

Als erstes steuerten wir das Figtree-Camp an. Kathrin und ich hatten hier bei unserer vorherigen Keniareise gezeltet und wir wollten den anderen dieses Kleinod nicht vorenthalten. Das Figtree-Camp liegt am Südufer des Sees in einem Wäldchen aus riesigen Feigenbäumen. Zu erreichen ist es über eine ca. 2km lange sehr schlechte Fahrspur, die kurz hinter dem Southgate von der Hauptpiste des Nationalparks abzweigt. Das Camp bietet keinerlei Sanitäreinrichtung. Die Wasserversorgung erfolgt aus einem kleinen Bach, der hier im Camp in den See mündet. Achtung vor den Pavianen, die haben nur noch Respekt vor Menschen, wenn man mit einem Knüppel o.ä. bewaffnet ist.

Zurück auf der Hauptpiste folgten wir dieser am Westufer entlang zur Hauptattraktion des Nationalparks, den Geysiren. Direkt am Seeufer gibt es ein großes Gebiet mit heißen Quellen. Überall dampft und zischt es. Nach der Einsamkeit des Figtree-Camps war hier Highlife, die Quellen sind ein beliebtes Ausflugsziel der Kenianer. Viele machen sich einen Spaß daraus, zum Picknick ihre mitgebrachten Eier in den heißen Quellen zu kochen.

Ab den heißen Quellen ist die Straße ashaltiert. In diesem Falle bedeutet dies, dass sie deutlich schlechter wird als bisher, da von Ashalt nur noch Rudimente in Form scharfer Kanten vorhanden sind.

Glücklicherweise ist es aber nicht allzu weit bis zur Hauptstraße, auf der wir rasch nach Nakuru zurückfahren. Hier in der Gegend gibt es viele Imker und an der Straße wird überall der frische Honig zum Verkauf angeboten. Da wir in unseren Unterkünften aber voll verpfegt werden, hatten wir dafür leider keine Verwendung.

Die letzten Stunden des Tages verbrachten wir wieder im Lake Nakuru Nationalpark. Nach der erneuten Umrundung des Sees, fuhren wir zum Sundowner auf die Baboon-Cliffs, einen herrlichen Aussichtspunkt über den See. Erst von hier oben kann man erfassen, welch Massen von Flamingos der See einen Lebensraum bietet.

[bild: 111889]

Wie der Name schon andeutet, leben auf den Felsen zahlreiche Paviane. Um die Besucher vor diesen dreisten Viechern zu schützen, ist hier extra ein bewaffneter Ranger postiert. Hilft aber nicht viel. Im Umkreis von 20m um den Ranger ist eine affenfreie Zone, außerhalb dieses Radius beherrschen die Paviane das Geschehen. Da werden den Kindern sogar die Brote aus der Hand und die Lutscher aus dem Mund geklaut.

[bild: 111883]

Als wir zum Auto zurückkehren, trauen wir kaum unseren Augen. Im Fahrzeug sitzt ein großes Pavianmännchen und durchwühlt es auf der Suche nach Fressbarem. Wir hatten zwar alle Türen verschlossen und ich sogar mein Fenster hochgekurbelt, nur hatten wir leider die Dachluke vergessen. Der Pavian droht zunächst einmal mit seinem eindrucksvollem Gebiss, verschwindet dann aber doch. Außer einer Banane gab es keinerlei Verluste zu beklagen.
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zuletzt bearbeitet 17. März 2009
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200919. März 2009 · #12
6.Tag (Lake Nakuru - Lake Victoria):

Am heutigen Tag waren Wahlen in Kenia. Bereits im Vorfeld war dies ein immer wiederkehrendes Gesprächsthema im Lande und nach den Wahlen sollte es die ganze Welt beschäftigen.

Wahlen in Kenia unterscheiden sich zumindest für den Außenstehenden stark von Wahlen, wie wir sie in Europa kennen. Im Gegensatz zum ansonsten geschäftigen Treiben in Nakuru, wirkte die Stadt fast wie ausgestorben. Nur wenig Verkehr und kaum Menschen auf der Straße. An den Wahllokalen dafür aber hunderte Meter lange Schlangen, in denen die Menschen geduldig darauf warten, ihre Stimme abzugeben. Im Gegensatz zum ansonsten eher chaotischen Alltag in Kenia wird hier eine erstaunliche Disziplin an den Tag gelegt. Ich sehe darin ein Ausdruck der Menschen, wie wichtig Ihnen die Wahl ist.

Wir verlassen die Stadt Richtung Westen auf der berüchtigten Hauptverbindungsstraße nach Uganda. Erst vor kurzem ging diese Strecke wieder durch die Weltpresse, als bei einem Unglück mit einem Tanklastzug über 100 Menschen ums Leben kamen. Ein Schlagloch reiht sich hier an das andere, durch die hohen scharfen Kanten fährt sich das unangenehmer als jede Naturpiste.

Die Landschaft rundum ist nach wie vor satt grün und meistens intensiv landwirtschaftlich genutzt. Hier in der Gegend wird vor allem Tee angebaut.

[bild: 111984]

Wenn zwischen den schlechten Strecken die Straße mal besser wird, kann man sich sicher sein, dass es dafür dann umso mehr Bumps zur Geschwindigkeitsreduzierung gibt. Grundsätzlich ist im Sinne der allgemeinen Verkehrssicherheit dagegen auch gar nichts einzuwenden. Nur sind die Bumps in Kenia zum einen sehr gut getarnt, da weder vorher angekündigt noch in irgend einer Weise farblich vom Straßenbelag abgehoben. Zum zweiten befinden sie sich nicht nur an den Stellen, wo man sie erwartet (Ortschaften, Einmündungen etc.) sondern sind für mich ohne System auf den Straßen verteilt. Zum drittet sind die Bumps in Kenia sehr steil und hoch. Diese Mischung bedeutete im Laufe der Reise so manche Vollbremsung und wenn ich die Teile nicht rechtzeitig sah auch den einen oder anderen Luftsprung der Insassen bis unter die Decke.

Erst auf der Küstenstraße entlang des Lake Victoria in Richtung Homa Bay wird die Strecke besser. Hier wurde ein großes Kraftwerk neu errichtet und in dem Zusammenhang anscheinend auch die Straße komplett neu gemacht. Auch ansonsten macht die Gegend einen relativ wohlhabenden Eindruck. Im Hintergrund hat man die ersten Fernblicke auf den See.

Ab Homa Bay geht die Straße in eine Piste über. Wir kommen durch viele Dörfer und sehen den Alltag der Bevölkerung. Touristen verirren sich nur selten in diese Gegend.

Drei Kilometer hinter Mbita erreichen wir am frühen Nachmittag das rund um den historischen Leutturm aus Kolonialzeiten errichtete Lake Victoria Safari Village.

[bild: 111975]

Es ist erst früher Nachmittag, die Sonne scheint und der See soll hier billharziosefrei sein. Wir beschließen am schönen Strand baden zu gehen, entscheiden uns dann aber doch spontan dagegen, als nur 50m vom Ufer entfernt der Kopf eines Hippos aus den Fluten auftaucht.

So verbringen wir den Rest des Tages mit lesen. Gegen Abend braut sich über dem See noch ein Gewitter zusammen. Der Wind frischt auf, aber die Wolke bleibt über dem Wasser und entfernt sich langsam von uns.

[bild: 111978]

Lake Victoria Safari Village:

In einem sehr schönen tropischen Garten, direkt am Seeufer sind einige Hütten mit jeweils zwei Appartments verteilt. Von allen hat man einen Blick auf den See. Die Zimmer sind einfach eingerichtet, aber sauber. Im Leuchtturm befindet sich eine Honeymoon-Suite, die ebenfalls gemietet werden kann.

[bild: 111981]

Während unseres Aufenthalts waren die Besitzer auf Verwandschaftsbesuch über Weihnachten und hatten die Führung der Lodge ihren Angestellten überlassen. Wir hoffen, dass dies der Grund für den extrem schlechten Service war. Stundenlang mussten wir auf das Essen warten, dessen Qualität den gesamten Urlaub nicht unterboten wurde. Von der Getränkekarte waren nur noch die wenigsten Posten vorhanden und als dann auch noch das Bier alle war, gingen wir leicht verärgert zu Bett.

Diese Unterkunft war die günstigste unserer gesamten Reise. Sollte der Service sich bei Anwesenkeit der Besitzer deutlich verbessern, bietet sie ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis. Abgesehen von einigen Luxus-Camps auf vorgelagerten Inseln, die aber nur per Flugzeug und Boot erreicht werden können, ist das Lake Victoria Safari Village die einzige akzeptable Unterkunft am Ostufer des Sees.
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zuletzt bearbeitet 19. März 2009
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200926. März 2009 · #13
7.Tag (Lake Victoria - Masai Mara):

Vom Lake Victoria Safari Village fuhren wir die Piste des Vortages wieder zurück bis nach Homa Bay. Hier bogen wir von der Küstenstraße ins Landesinnere ab, um die A1 zu erreichen.

Am Ortsausgang dann eine große Menschenmenge, viele sind mit Knüppeln bewaffnet, die Straße ist mit Reifen versperrt, davor stauen sich die Autos und werden nur einzeln durchgelassen. Meine erste Vermutung ist ein Zusammenhang mit den gestrigen Wahlen. Ich hatte bereits seit Beginn der Reise ein mulmiges Gefühl, während der Wahlen im Land zu sein, aber bei der Planung dieser Reise, die bereits mit einem Jahr Vorlauf begann, war der Wahltermin noch nicht absehbar.

Schnell muss ich eine Entscheidung treffen, wie wir uns verhalten. Die Absperrung mit den Reifen ist für unser Fahrzeug kein wirkliches Hindernis. Entscheide ich mich jedoch dafür, einfach durchzubrechen ist großer Aufruhr vorprogrammiert. Also erst mal abwarten, was sie von uns wollen und falls es brenzlich wird - Vollgas und weg.

Jetzt sind wir in der Reihe. Ich bin sehr angespannt, die Leute rings ums Auto ebenfalls. Die meisten haben Knüppel und wirken recht bedrohlich. Der erste Gang ist eingelegt, die Kupplung ist getreten, der andere Fuß sitzt auf dem Gaspedal, ich bin bereit im Notfall sofort durchzustarten. Alle rufen durcheinander, so dass es etwas dauert, bis ich verstehe, was sie wollen: "What you have voted?" Ich erkläre, dass wir gar nicht gewählt haben, sondern nur als Touristen durch Kenia reisen. Schlagartig ändert sich die Stimmung. Man fragt uns, wie es uns in Kenia gefällt. Freut sich, dass wir das Land bereisen und wünscht uns einen weiterhin schönen Urlaub.

Da ist dann ja alles gut gegangen. Wir sind froh, erst einmal die Situation abgewartet zu haben. Als Hintergrund muss ich noch sagen, dass hier am Lake Victoria in erster Linie Luo wohnen, Angehörige des Volksstammes, des Oppositionsführers Raila Odinga, die schon ahnten, dass ihr Kanditat mit unsauberen Methoden um das Präsidentenamt gebracht wird.

Ab Homa Bay ist die Straße zwar asphaltiert, aber bis zur A1 nur ein Flickenteppich. Erst auf der A1 ist zügiges Vorankommen möglich. Kurz vor der tansanischen Grenze biegen wir auf die C13 in Richtung Masai Mara ab. In aller Einmütigkeit zeigen die Landkarten Kenias diese Straße als Hauptverbindungsstaße. In der Realität handelt es sich aber nur um einen Feldweg. Und doch war diese Strecke der Hauptgrund, weshalb wir nach Westen, bis an den Lake Victoria gefahren sind, um in die Massai Mara zu gelangen. Die Strecke ist wunderschön, zunächst geht es durch kleinbäuerlich genutztes Land mit vielen Dörfern. Diese werden nach und nach weniger, dafür werden die Weideflächen immer größer, die ersten Rinderherden tauchen auf. Wir kommen ins Land der Masai. Das größte Highlight kommt aber zu Schluß. Am Oloololo Escarpment fällt die Hochebene abrupt zur Grasebene der Masai Mara ab, das Panorama von der Abbruchkante ist atemberaubend.

[bild: 112188]

Der Weg hinunter in die Ebene ist stark ausgewaschen. Von hier aus reisen nur ganz wenige in die Masai Mara. Viele fliegen und der Rest reist direkt von Nairobi über Narok an.

Für uns heißt die nächste Aufgabe, unser Camp zu finden. Es soll am Talek River, südlich des Intrepids Flugfeldes liegen. Durch das Musiara Gate erreichen wir den Nationalpark. Die letzte Regenzeit hat ihrem Namen alle Ehre gemacht, und viele Wege sind noch verschlammt. Auch die Flüsse, die wir queren müssen, führen noch reichlich Wasser.

Wir finden das Camp ohne Probleme, was uns selbst, noch viel mehr aber unsere Gastgeber überrascht. Wir sind die ersten Selbstfahrer, die das Camp besuchen. Über 90% der Gäste kommen per Flugzeug, der Rest mit Safari-Guide.

Uns erwartet bereits das Mittagessen, welches wir zusammen mit dem Campmanagement unter einem schattigen Baum direkt am Flußufer einnehmen. Danach noch etwas ausruhen und schon geht es wieder auf Gamedrive.

Wir haben das Camp kaum verlassen, da entdecken wir schon einen Serval. Schon bald stellen wir fest, dass er nicht allein ist. Es handelt sich um ein Weibchen, dessen Jungen im nahen Gebüsch spielen. Nur schwer können wir uns von diesem Anblick losreißen.

Nach wiederum nur kurzer Fahrt entdecken wir drei Gepardenbrüder, die sich im hohen Gras ausruhen.

[bild: 112191]

Leider ist gerade jetzt die Sonne hinter einer Wolke verschwunden, worunter die Fotos etwas leiden. Wir hoffen, die Brüder bei besserem Licht noch einmal aufzuspüren, werden damit aber kein Glück haben. Den Rest unseres Aufenthalts bleiben Sie verschwunden. Dafür liegt im Camp ein prächtiger Bildband über eben diese drei Gepardenbrüder aus.

Wir durchqueren den Talek River um zu den großen Grasebenen im Süden zu gelangen.

[bild: 112197]

Am Horizont zeichnen sich die Siluetten mehrerer Giraffen ab, die dieses Grasmeer durchqueren. Für sie muss dieses für Grasfresser so fruchtbare Gebiet wie eine Wüste erscheinen, ist doch auf Kilometer kein Baum in Sicht, von dem sie fressen könnten.

[bild: 112194]

Wir bleiben bis zum Sundowner. Zurück im Camp vergeht am Lagerfeuer mit einem GinTonic in der Hand, die Zeit bis zum Dinner, wie im Fluge.

Rekero Camp:

Beim Rekero Camp handelt es sich um ein mobiles Zeltcamp der Luxus-Klasse. Mobil heißt, dass das Camp während der Regenzeit komplett abgebaut und zur Wartung nach Nairobi gebracht wird. Es gibt keinerlei feste Installationen.

Das Camp besteht aus nur 8 Zelten, die so im Galeriewald des Talek River aufgebaut sind, dass untereinander keinerlei Sichtkontakt herrscht.

[bild: 112200]

Dazu kommt ein großes Gemeinschaftszelt mit einer gemütlichen Lounge und einem großen Tisch für das Dinner. Alle Gäste essen gemeinsam mit einigen Mitgliedern des Camp-Managements an dieser großen Tafel.

Das Camp ist in keinster Weise umzäunt und es sind häufig Tiere im Camp. Aus diesem Grunde gehört zu jedem Zelt ein traditionell bewaffneter Askari der einen vor allem in der Dunkelheit im Freien begleitet.

Es sind lediglich drei Weisse im Camp-Management. Der Rest der Camp-Leitung und alle Mitarbeiter rekrutieren sich aus den hier ansässigen Masai. Jede Besuchergruppe geht mit zwei Masai-Guides auf Safari.

Fazit: Die beste Unterkunft des Urlaubs. Man ist ganz nah an der Natur. Es wird mit einfachsten Mitteln eine luxuriöse Atmosphäre wie zu Hemmingway's Zeiten geschaffen. Auch fühlt man sich eher wie zu Besuch bei guten Freunden, als in einem kommerziellen Zeltcamp.
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zuletzt bearbeitet 26. März 2009
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200931. März 2009 · #14
8.Tag (Masai Mara):

Unsere Guides hatten vorgeschlagen, heute im Busch zu frühstücken. Zur Abfahrt erschienen sie mit riesigen Picknick-Körben. Das machte einen sehr guten Eindruck.

Wir fuhren zunächst in die sanften Hügel nördlich des Talek. Zeitgleich mit dem Sonnenaufgang entdeckten wir ein Rudel Löwen. Ihren Bewegungen zu folge waren sie auf der Jagd, doch konnten wir ihre Beute zunächst nicht entdecken. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir im hohen Gras eine Familie Warzenschweine sahen - sie waren das angepeilte Ziel. Eine Riss live zu sehen, wäre schon etwas besonderes, andererseits taten uns aber auch die Warzenschweine leid. Wir waren hin- und hergerissen, wem wir die Daumen drücken sollten.

Am Ende entkamen die Warzenschweine, da ein männlicher Junglöwe in seinem jugendlichen Elan nicht die nötige Ruhe hatte und lossprintete bevor sich der Kreis um die Beute geschlossen hatte.

Für die Löwen blieb nur ein Bad in der Morgensonne.

[bild: 112748]

Wir waren kaum weiter gefahren, da hatte Kathrin mit Ihrem untrüglichen Gespür für niedliche Jungtiere, die Löwenbabys des jagenden Rudels entdeckt. Da machen Ihr selbst die Masai-Guides nichts vor. Beschützt von zwei Löwinnen tobten über 10 der kleinen Racker durch die Büsche und stellten die Geduld Ihrer beiden Beschützerinnen auf eine harte Probe.

[bild: 112745]

Es muss ein sehr großes Löwenrudel sein, was für den Wildreichtum der Gegend spricht. Alle zusammen sicherlich über 20 Tiere. Wir blieben bei den Löwenbabys bis sie vom spielen müde wurden und sich zum schlafen in die Büsche verzogen.

Allmählich knurrten auch unsere Mägen, die Frühstückszeit war schon lange überschritten. So war es eher ein Brunch, als wir am Mara-River an einem Crossing-Point ankamen. Hier war das Gelände übersichtlich, so dass man sicher im Freien frühstücken konnte. Der Inhalt der Picknick-Körbe konnte es locker mit jedem Frühstücksbuffet aufnehmen, kein Vergleich mit den sonst üblichen Lunch-Paketen. Hinzu kam noch der Blick auf den Fluß mit seinen riesigen Krokodilen und die Herden am gegenüberliegenden Ufer.

[bild: 112742]

Eigentlich wollten wir am Flußufer zurück zum Camp fahren, doch die am Himmel kreisenden Geier, ließen uns unseren Plan ändern. Anscheinend hatten die Löwen doch noch Beute gemacht, denn die Geier kreisten dort, wo wir am Morgen die Löwen beobachtet hatten.

Die Löwen hatten ein Zebra gerissen. Als wir ankamen war schon der größte Teil verspeist und nur noch zwei Löwinnen waren am Fressen (die beiden Aufpasserinnen der Löwenbabys?). Es hatte sich auch schon ein Rudel Hyänen eingefunden, von Geiern in großer Zahl gar nicht zu reden.

Zunächst war noch alles ruhig. Das änderte sich schlagartig, als in der Ferne ein zweites Hyänenrudel auftauchte. Es kam zu einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen den beiden Rudeln um den Platz am gedeckten Tisch. Die Sieger waren jetzt mutig geworden. Sie waren den Löwen in der Zahl 5-fach überlegen und gaben jetzt jede Zurückhaltung auf. Es entbrannte ein kurzer, aber erbitterter Kampf um die Reste des Zebras, den die Hyänen letztendlich für sich entschieden. Dieser Kampf war vor allem ein akustisches Erlebnis, die Löwen brüllten und die Hyänen schrien in einer Lautstärke und Aggressivität, wie ich es bislang noch nicht erlebt hatte.

[bild: 112751]

Im nachhinein hätte ich mir am liebsten in den Hintern gebissen. Vor lauter Aufregung habe ich nur fotografiert und völlig außer acht gelassen, dass meine Digiknipse ja auch filmen kann; da wäre die Action deutlich besser rüber gekommen.

Am frühen Nachmittag waren wir zurück im Camp.

Abends machten wir nur noch einen kurzen Gamedrive. Unsere Guides wollten uns unbedingt noch einen Leoparden zeigen. Dazu durchqueren wir wieder den Talek River und fahren in den Galeriewald am südlichen Ufer direkt gegenüber unseres Camps. Hier hat ein Leopard sein Revier. Aber unser Glück hinsichtlich Tierbeobachtungen haben wir am Vormittag schon verbraucht. Wir finden zwar eine frisch gerissene Impala in einer Akazie hängend, aber der Jäger bleibt verschwunden.

[bild: 112754]

Abends haben wir dann am großen Tisch noch eine interessante Diskussion über die politische Zukunft Kenias. Alle anwesenden Kenianer, ob weiss oder schwarz hofften auf einen Sieg Raila Odingas. Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllte.

Exkurs:
Sicherlich haben sich schon viele von Euch gefragt, weshalb es zu den von uns beschriebenen Tiererlebnissen nur so mäßige Fotos gibt. Die Erklärung ist, dass ich auf der Reise noch mit getrennten Systemen fotografiert habe. Während ich den Alltag mit einer Digiknipse festgehalten habe (diese Fotos seht Ihr hier), habe ich für die speziellen Tieraufnahmen noch meine altbewährte Analog-Kamera mit starkem Tele und Diafilmen dabei.

Die Anschaffung einer Digital-Spiegelreflexkamera ist aber für den nächsten Afrikaurlaub mit Schwerpunkt Tierbeobachtung fest geplant.
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zuletzt bearbeitet 31. März 2009
2'462 Beiträge · seit 200631. März 2009 · #15
Ach, was für ein schöner Bericht. Ich freu mich schon so auf den Teil über Tansania, da wir dieses Land so gern als Selbstfahrer besuchen würden, aber von einigen Reiseveranstaltern massiv gewarnt wurden.

Sieht so aus, als müsste ich es doch nicht von der Liste streichen! 😉

Ich drück mir mal selbst die Daumen, dass Du die nächsten Tage viel Zeit hast, Deinen Bericht hier fortzusetzen.

Herzliche Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200931. März 2009 · #16
Vielen Dank für das Lob. Da geht man doch gleich noch viel motivierter zur Sache. Über Ostern ist allerdings zwei Wochen Schreibpause angesagt. Man muss ja auch mal in den Urlaub fahren.😄

Ich fand Tanzania als Selbstfahrer einfacher zu bereisen als Kenia.

Reiseveranstalter verdienen an Selbstfahrern erheblich weniger als an Pauschalreisenden. Das solltest Du bei bei solchen Warnungen immer im Hinterkopf haben.
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zuletzt bearbeitet 05. Sept. 2011
2'462 Beiträge · seit 200631. März 2009 · #17
Topobär schrieb:
Reioseveranstalter verdienen an Selbstfahrern erheblich weniger als an Pauschalreisenden. Das solltest Du bei bei solchen Warnungen immer im Hinterkopf haben.
Oh, darüber sind wir uns durchaus im klaren. Allerdings haben wir jetzt häufiger gehört, dass man wohl Probleme hat, die Lodges individual zu buchen und da wir nicht campen, wäre das sicher ein Ausschlusskriterium.

Viele Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200931. März 2009 · #18
Selbstfahrer heißt ja nicht, dass man alle Unterkünfte selbst bucht.

Wir haben uns unsere Unterkünfte anhand von Internet und Reisehandbüchern rausgesucht und dann einer Agentur (in unserem Fall Sunworld Safari, Nairobi) eine Excel-Datei mit der Tourplanung zukommen lassen. Auf dieser Basis hat Sunworld die Buchungen vorgenommen. Hatte auch den Vorteil, dass wir nur eine Gesamtrechnung hatten und nicht von jeder Unterkunft separat.
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Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200920. Apr. 2009 · #19
9.Tag: Masai Mara - Lake Naivasha

Am Frühstückstisch herrschte eine leicht gedrückte Stimmung aufgrund der bevorstehenden Abreise. Uns allen war klar: So ein Camp erleben wir so schnell nicht wieder.

Unsere Guides gaben uns noch einige Tips zur Routenplanung, sagten aber auch vorher, dass sich derzeit nicht sehr viele Tiere in der östlichen Mara befinden.

[bild: 113586]

Direkt am Camp galt es zunächst wieder den Talek River zu durchqueren. Für mich sind Wasser-Durchfahrten immer das Salz in der Suppe bei Offroad-Fahrten.

Der Osten der Mara weist deutlich weniger Baum- und Buschbewuchs auf, man fährt über riesige Grasebenen. Da das Gebiet zu dieser Jahreszeit touristisch nicht so interessant ist, sind viele untergeordnete Pisten gesperrt, damit sie nicht kaputt gefahren werden.

Unser Highlight bei der Tierbeobachtung war dann mal wieder ein Serval. Bislang hatten wir bei allen Afrikareisen zusammen nur einmal eine dieser kleinen gefleckten Katzen gesehen und jetzt hier in der Mara schon zum zweiten mal (und es sollten noch einige Sichtungen in diesem Urlaub folgen).

Wir verließen die Mara durch das Sekenani Gate, der Hauptzufahrt aus Nairobi. War früher diese Hauptzufahrt von Nairobi über Narok in die Mara eine üble Piste, welche die Besucher auf eine harte Bewährungsprobe stellte, ist hier in den letzten Jahren einiges geschehen. Die Strecke lässt sich jetzt ganz passabel fahren, da hatten wir erheblich schlechtere Strecken in Kenia.

Wir kamen gut voran und erreichten bereits am frühen Nachmittag unsere nächste Unterkunft, die Crater Lake Lodge in der Nähe des Lake Naivasha. Auf den letzten Kilometern wurden wir im allgegenwärtigen Bulldust aber noch kräftig eingestaubt.

Die Crater Lake Lodge befindet sich im Inneren eines alten Vulkankraters, dessen Grund von einem See bedeckt ist. Mit dem Fahrzeug kommt man nur bis an den Kraterrand, von dort aus geht es zu Fuß auf langen Treppenwegen hinunter zur Lodge. Man gut, dass wir hier nicht unser Gepäck selbst tragen mussten.

Von den Zeltunterkünften aus hatte man einen schönen Blick auf den See.

[bild: 113580]

Nach einem kurzen Imbiss machten wir noch eine Wanderung um den See. Wir waren gut 1 1/2 Stunden unterwegs und genossen nach der vielen Sitzerei im Auto die Bewegung. Außer Wasservögel und Colobus-Affen sahen wir allerdings keine Tiere.

[bild: 113577]

Crater Lake Lodge:

Die Lage dieser Lodge im inneren des Kraters, direkt am See ist sehr schön. Die Unterkünfte bestehen aus 10 Zelten mit daran anschließendem gemauerten Bad. Vom offenen Restaurant hat man einen schönen Blick auf den See. Die Lodge soll ein Paradies für Ornitologen sein, was ich mangels Kenntnis aber nicht beurteilen kann.

Die Unterkünfte sind schon arg in die Jahre gekommen. Es müsste mal einiges renoviert werden. Als Krönung verpasste uns der elektische Warmwasserbereiter der Dusche in unregelmäßigen Abständen kräftige Stromschläge. Das Essen im Restaurant war nur mittelmäßig. Während der Komfort also nicht mit den anderen guten Zeltcamps mithalten konnte, tat dies der Preis durchaus. Somit wies die Crater Lake Lodge das schlechteste Preis-Leistungsverhältnis unserer Reise auf.

[bild: 113583]
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zuletzt bearbeitet 20. Apr. 2009
Themenstarter5'479 Beiträge · seit 200927. Apr. 2009 · #20
10.Tag: Aberdare Nationalpark

Die östliche Begrenzung des Rift Valley wird im Bereich des Lake Naivasha von der Aberdare Range gebildet, dessen Hochgebirgsbereiche über ca. 2000m Höhe den Aberdare Nationalpark bilden; unser Ziel für den heutigen Tag.

Um möglichst viel Zeit für diesen Ausflug zu haben, sind wir morgens die ersten am Frühstücksbuffet.

Zunächst gilt es, den Lake Naivasha weiter zu umrunden, da unsere Unterkunft am Westufer liegt. Nachdem wir gestern von Süden her zur Crater Lake Lodge gelangt sind, entscheiden wir und heute für den Weg am Nordufer entlang. Dies ist die schönere, aber auch schlechtere Strecke.

Nachdem wir den See dann verlassen haben, geht es durch ländliche Gegenden zum Ostrand des Rift Valley. Wir passieren viele kleine Dörfer, die Gegend ist kleinbäuerlich intensiv genutzt. Die Orientierung ist nicht leicht, da Schilder Mangelware sind. Häufig müssen wir uns durchfragen. Die Straßen sind knüppelharte Laterit-Wellblechpisten.

Unser Ziel haben wir schon die ganze Zeit über im Blick. Mit einem gewaltigen dunkelgrünen Steilhang überragt die Aberdare Range das Tal. Dort hindurch führt die Straße in den Nationalpark. Seit unserem letzten Besuch wurde sie geteert und lässt sich jetzt sehr einfach fahren.

Mit Beginn des Hanges verschwinden auch die Felder. Als Puffer ist der Nationalpark von den großen Kiefernwäldern eines Forrest Reserves umgeben. Wo diese in den typischen ostafrikanischen Bergregenwald übergehen beginnt der Nationalpark. Es schließen sich noch zwei weitere Vegetationszonen an: Zunächst riesige Bambuswälder und als der Steihang plötzlich und unvermittelt in die Hochebene übergeht, ersteckt sich vor uns eine Moor- und Heidelandschaft, die stark an das schottische Hochland erinnert. Hier am Beginn der Hochebene steht auch das Mutobio Gate, wo wir unseren Eintritt entrichten müssen.

[bild: 113739]

Wir befinden uns deutlich über 3000m, die Luft ist sehr klar und es ist ziemlich kalt. Im Osten zeigt sich der Mount Kenya; so früh noch ohne Wolken.

Unser Plan ist eine Rundtour im Nationalpark. Zunächst wollen wir auf der Hochebene bleibend so weit wie möglich nach Norden, um von dort zum im Nordosten des Parks gelegenen Wandare Gate zu gelangen. Diese Stecke ist sehr einsam und oftmals unpassierbar. Die Ranger meinten, es sei derzeit theoretisch möglich, aber sehr schwierig. Vom Wandare Gate soll es dann durch die tiefer gelegenen Bergregenwälder zum Ruhuruini Gate und dann über die Hochebene zurück zum Mutobio Gate gehen.

Unser erstes Ziel auf der Hochebene waren die Karuru Falls. Ein riesiger Wasserfall der in drei Stufen über 270m von der Hochebene ins Tal fällt. Man erreicht die Oberkante der Fälle in einem gemütlichen kurzen Spaziergang. Am Ziel angekommen erwarten einen zwei schöne Aussichtsplattformen, bei deren Betreten man allerdings schwindelfrei sein sollte.

Ich bin gerade in Afrika immer dankbar, wenn man mal ein Paar Schritte zu Fuß machen kann. Man sitzt hier viel zu viel im Auto. Hier im Aberdare NP kamen im laufe des Tages noch einige weitere Spaziergänge hinzu, überwiegend zu Wasserfällen, die es hier reichlich gibt.

Nach dem Verlassen der Hauptpiste wurde es dann spannend. Der Weg war gar nicht mal so schlecht, man konnte ihm aber ansehen, dass hier nur alle Woche mal ein Fahrzeug entlang kommt. Die Natur tat ihr möglichstes, den Weg zurück zu erobern. Wir kamen so langsam in tiefere Regionen und erreichten die Regenwaldzone.

[bild: 113748]

Ab dem Wandare Gate wurden die Pisten dann wieder besser erkennbar. Allerdings begann jetzt eine wahre Achterbahnfahrt, da Richtung Ruhuruini Gate zahlreiche tief eingeschnittene Flußtäler gequert werden mussten. Die Strecken waren zum Teil atemberaubend steil und in Verbindung mit dem schlüpfigen feuchten Untergrund war es nicht immer leicht, unsere große Fuhre auf dem Weg zu halten.

Auf einem Bergrücken fand sich ein schöner Picknickplatz, der als Zugabe auch Tierbeobachtungen bot. Eine Bongoantilope graste nur wenige Meter von uns entfernt, ohne sich an uns zu stören.

[bild: 113742]

Ab jetzt folgten zahlreiche Tierbeobachtungen, viel mehr, als wir je in diesem dichten Regenwald erwartet hätten. Wir sahen mehrfach Elefanten, Büffel und Antilopen. Als wir dann schon wieder auf der Rückfahrt waren, saß eine Gruppe Diadem-Meerkatzen im Bereich der dunklen Bambuswälder direkt neben der Piste in den Ästen.

[bild: 113745]

Bei der Abfahrt aus dem Aberdare NP hinunter ins Riftvalley genossen wir noch den Blick auf den sich in der Sonne spiegelnden Lake Naivasha.

Mit dem letzten Licht kamen wir an der Crater Lake Lodge an. Wir waren recht geschafft und gingen nach dem Abendessen recht bald zu Bett. Das heute Sylvester war, ignorierten wir.
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zuletzt bearbeitet 17. Sept. 2010