Selbstfahrer Trip: Wie herausfordernd?

7 Antworten · 648 Aufrufe · gestartet 22. Juni 2026 von Chris_P
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Themenstarter3 Beiträge · seit 202522. Juni 2026 · #1
Hallo zusammen,

wir haben 2025 im Juni zu zweit Namibia 3 Wochen lang in einem Toyota Hilux mit Dachzelt bereist und es war ein großer Fehler. Denn seit dem lässt uns beide das Afrika Fieber nicht mehr los und wir wollen mehr davon. Zwar war es morgens etwas frisch, aber wir wollen mehr davon

Da sowohl meine Frau als auch ich die Touristen Massen eher Schrecken, liebäugle ich nun mit Botswana.

Allerdings habe ich schon mehrfach gelesen, dass die Straßen nichts für Anfänger sind.

Wir selbst haben leider wenig Erfahrung was Tiefsand fahren angeht. Eigentlich bin ich diese Art von Untergrund fast nur auf den letzten paar km in Sossusvlei bis zur big daddy gefahren.

Bei einer geführten Sandwich Harbour Tour habe ich ein wenig einen Eindruck als Mitfahrer erhalten.

Ich Frage mich nun: ist Botswana zu ambitioniert für uns?

Ich bin auch schon am überlegen davor einen 3 tägigen Offroad Kurs (meine Frau, ich und ein Guide) in Marokko zu besuchen, mit 2500 Euro für 3 Tage aber nicht ganz günstig.

Für eine ehrliche Einschätzung wären wir sehr dankbar.
585 Beiträge · seit 202222. Juni 2026 · #2
Wir waren letztes Jahr in Botswana und haben auch nicht unbedingt viel Tiefsanderfahrung.

Tiefsand hatten wir bei der Anfahrt zu Nxai Pans, aber mit Allrad war das absolut machbar und keine größere Herausforderung.

Im Moremi hat man eher mal Schlamm und Wasser, dort würde ich zur Regenzeit nicht hinfahren. Wir waren im Juli dort und haben alles als machbar empfunden. Flussdurchquerungen machen wir sowie keine.
33,0k Beiträge · seit 200622. Juni 2026 · #3
Ich bin auch schon am überlegen davor einen 3 tägigen Offroad Kurs (meine Frau, ich und ein Guide) in Marokko zu besuchen, mit 2500 Euro für 3 Tage aber nicht ganz günstig.
Es gibt auch Offroadkurse in Mitteleuropa. Oder, wenn ihr plant das Auto in Windhoem zu mieten, könntet ihr erst einige Tage nach Ababis bei Solitaire fahren und einen Kurs machen.

Viele Grüße
Christian
239 Beiträge · seit 201922. Juni 2026 · #4
@Chris_P:
Hängt natürlich etwas davon ab, was ihr vorhabt. Im ersten Moment halte ich Botswana nicht unbedingt für ambitioniert, aber man sollte etwas vorbereitet sein. Du sagst, dass du im Sossusvlei den Sandabschnitt gefahren bist. Wenn du da keine Probleme hattest, und du auch etwas Gespür für ein Auto hast, sind das schon keine schlechten Vorraussetzungen. Namibia und Sossusvlei war auch für mich die ersten Afrika-Reise, dann kam Mosambik, bevor wir durch Botswana sind.
Wie habe ich mich darauf vorbereitet? Erstmal viel über die Technik und Funktionsweise eines Geländewagens gelesen (Allrad, Differential, Sperren ect), dann natürlich Tipps über das Fahren im Tiefsand. Die Homepage der Lila Pistenkuh ist dafür echt gut für den ersten Überblick. Meine Frau hat mir dann noch zum Geburtstag eine Geländewagentraining nahe Sinsheim geschenkt. Fahren im Sand war da zwar kein Thema, es hat aber einem doch sehr gut die Basics für das Offroadfahren vermittelt. Und definitiv günstiger als deine Variante in Marrokko, aber ja Sand gibt es in Sinsheim nicht. Ach ja und einen Reifenwechsel selber durchführen sollte man als Grundlage schon drauf haben. Sag ich bewußt, weil ich immer mehr Leute treffe, die so etwas nicht mehr beherschen. 🙂

Mit den Vorraussetzungen sind wir nach Botswana und ich hatte nie Probleme. Es gibt in Botswana genug Touren, die man nur in Gruppen fahren soll. Solltet ihr so etwas planen, würde ich so etwas eben nur in einer Gruppe durchführen und nicht allein. In dem Fall, ich weiß allerdings nicht wieviel Erfahrung vorrausgesetzt wird, hättet ihr ja entsprechende Hilfe um Euch. Solltet ihr Strecken fahren, die man alleine bewältigen kann, dann kommt man sofern man nicht zwei linke Hände und Gasfüße hat, gut durch.
Aber wie gesagt, es hängt etwas davon ab, was ihr machen wollt.
2'396 Beiträge · seit 201122. Juni 2026 · #5
Moin C.P.,
merkwürdigerweise hat hier noch keiner den Tipp gegeben, vor Tiefsandfahrten Luft abzulassen. Gut, es geht auch ohne - bei unseren ersten beiden Touren durch Namibia und Botswana wusste ich nichts davon, musste aber nie schaufeln. (Vielleicht bin ich ja ein fahrerisches Naturtalent? 🙄 ) Aber mit deutlich erniedrigtem Reifendruck fährt es sich auf Sand deutlich entspannter. Also darauf achten, dass der Vermieter euch einen Kompressor mitgibt.
LG aus Budapest
Karsten
232 Beiträge · seit 202522. Juni 2026 · #6
Im Sand zu fahren ist nicht so schwierig.

Zuerst informiere Dich daß Du Achsen und Getriebe/ Schaltmodi/ Differentialsperren des Geländewagens kennst.
Dann gibt es Regeln der Physik, und die sind nicht verhandelbar.
Je gröber das Reifenprofil, desto eher fressen sich die Räder in den Sand.
Im Tiefsand brauchst Du beim Fahren Momentum.
Das Fahrverhalten in kühlen Sand ist anders als in heißem Sand. Sand ist auch nicht gleich Sand.
Wenn Du merkst, daß die Räder anfangen sich einzubuddeln, höre sofort auf Gas zu geben. Denn je tiefer Du Dich einbuddelst, umso mehr mußt Du hinterher schaufeln. Liegt der Wagen mittig auf und die Räder drehen durch, hast Du die Arschkarte.
Bevor Du eine sandige Strecke anfährst, blase Reifen ab auf 1 bis 1,3 bar (hinterher nicht vergessen auf zu pumpen)
Merkst Du daß die Räder sich einbuddeln, schaufel Sand in der Spur vor den Rädern weg nach vorne, und auch nach hinten.
Niemals mit eingeschlagener Lenkung losfahren.
Bewege das Fahrzeug bei niedriger Motorendrehzahl vorwärts und rückwärts ohne durchdrehende Räder (Kupplung), vor allem rückwärts, von wo aus Du dann Schwung nimmst um da raus zu kommen. Häufig ist es einfacher, rückwärts aus einem Sandspot heraus zu fahren.
Die wichtigsten Werkzeuge für Botswana in der Trockenzeit sind:
- Reifendruckmesser - Kompressor - eine richtige Schaufel (laß Dich nicht ein auf das Campingspielzeug der Autovermieter, kaufe zur Not eine flache Schaufel bei Cymot oder Bushwackers).

Eine Tatsache, die die wenigsten verinnerlichen:
Die meisten Fahrzeuge in Botswana sind Pickups der Ausführung wie der Toyota Hilux. Und die Spuren sind in genau in der Tiefe ausgefahren. Dabei hast Du das Risiko, daß Du mittig aufliegen kannst, und wenn Du zuwenig Schwung hast, sitzt Du fest. Dann fängt eine elende Buddelei an. Die meisten sitzen fest an den Hauptwegen, nicht den Nebenstrecken. Für Fahrer von z.B. Landcruiser oder Pajero, fahren sich diese Strecken wunderbar, denn sie liegen etwas höher als von den Hilux "eingefahren".

Aber wenn Du wieder Wasserstrecken erreichst, fahre da nicht mit Momentum rein. Mitteleuropäische Touristen erkennt man da immer am Fahrzeug, von oben bis unten mit Schlamm und Lehm besudelt. Die Fahrzeuge Einheimischer oder Kenner sind normalerweise sauber. Bei Wasserfahrten macht es immer Sinn, sich an die Fahrzeuge von Guides bzw. Einheimischen dran zu hängen und auch in deren Spur zu fahren. Und folgst Du einer Spur zu einer Wasserquerung, mach auch sicher, ob die Spur, die hinein führt, auch auf der anderen Seite auch wieder heraus kommt. Wenn nicht, fahre das Ufer ab bis Du eine Querungsstelle findest. Wenn Du das Auto versenkst, wird es ziemlich teuer, sagt man...

Mach Dich nicht verrückt, orientiere Dich immer an Guides oder Einheimischen. In den meisten Fällen machst Du dann nichts oder wenig falsch.
Zitierenzuletzt bearbeitet 22. Juni 2026Original ↗
5'479 Beiträge · seit 200930. Juni 2026 · #7
Tiefsandfahren ist keine Raketenwissenschaft. Da kann auch nichts passieren, was man mit Fleiß (ausbuddeln) nicht lösen kann.

Vieles wurde schon geschrieben, aber noch nicht alles.
Ich fasse mal zusammen.
  • Luftdruck auf 1,3 - 1,5bar reduzieren.
  • Untersetzung (L4) einlegen.
  • Immer Schwung aufrecht erhalten.
  • Sofort vom Gas, wenn kein Vortrieb mehr vorhanden ist. Ab dem Moment gräbt sich der Wagen nur noch tiefer.
  • Wenn es nicht mehr vorwärts geht, versuchen, ob man in der Spur zurück setzen kann.
  • Nie mit eingeschlagenen Vorderrädern anfahren.
  • Nach Möglichkeit nicht bremsen, sondern nur ausrollen lassen. Der Sand allein bremst schon sehr stark.
  • Gerade für Anfänger im Tiefsand empfehle ich ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe. Anfänger zerstören häufig die Kupplung, da zu viel mit schleifender Kupplung gefahren wird. Außerdem hat man mit Automatik eine permanente Kraftübertragung. Ansonsten kann schon das Verschalten in falscher Stelle dazu führen, dass man sich festfährt.
1'108 Beiträge · seit 202230. Juni 2026 · #8
Den Hinweis die Vorderräder geradeaus zu halten 😁 erweitere ich noch etwas dahingehend, dass man in einer eingetieften Sandspur besser nicht „aktiv“ lenken sollte, außer wenn man sie verlassen muss/will. Wann immer die Räder nicht geradeaus stehen, kostet das Schwung und ist auch nicht nötig, weil das Auto in der Spur „wie auf Schienen“ fährt. Wer sich dabei unwohl fühlt, kann sich aus dem Fenster lehnen und die Räder durch Sichtkontakt gerade halten (bitte nicht darüber lustig machen! Danke 😁 ).
Und dann noch eine Anregung an die, die kein „professionelles“ Fahrtraining absolvieren konnten oder wollten aber sich Basisverständnis für den Allradantrieb vorab angeeignet haben.
Zwischen WH oder JHB und Moremi odgl. findet man sicher ein paar 100 Meter Sandpiste, wo man niemanden behindert und auch nicht „aus der Welt“ ist. Dort investiert man dann ein paar Stunden um alles auszuprobieren, was man gelesen oder auf Video gesehen hat und falsch machen könnte und wie es besser geht. Z.B. mit harten Reifen und H1 anfahren und man wird rasch merken, wie weit man so kommt, dann die Untersetzung im 2., besser 3. Gang, dann den Reifendruck reduzieren…….oder in anderer Reihenfolge….. im Sand raufschalten (falls doch Schalter) und erleben wie rasch der Schwung weg ist usw. … einfach Diverses ausprobieren, auch das Schaufeln und Unterlegen 😉 und dass man sich eine vernünftige Schaufel besorgen sollte.
Grüße
Zitierenzuletzt bearbeitet 30. Juni 2026Original ↗
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