Reisebericht

10 Wochen BOT-NAM-SA (Herbst/Winter2025)

von deba · begonnen 08. März 2026 · 32 Teile

Teil 108. März 2026
Dies ist unser erster Reisebericht und wir hoffen, dass das klappen wird. Er basiert auf unserem viel zu ausführlichen, handgeschriebenen Tagebuch (ca. 100 Seiten - das will doch niemand lesen) , das wir nun über die letzten Wochen eingelesen, gekürzt und umgearbeitet haben, weil wir den lieben und ausserordentlich hilfsbereiten Leuten von Zebra-Reisen einen Reisebericht im Forum versprochen hatten. Wir werden es häppchenweise hochladen, da wir noch nicht mit allen Teilen zufrieden sind. Bitte verzeiht, wenn zwischen den einzelnen Veröffentlichungen etwas Zeit vergeht - dafür sind wir noch sehr offen für Verbesserungsvorschläge, die das Lesen attraktiver gestalten würden.
Unsere lang ersehnte Reise stand in der Vorbereitung unter keinem guten Stern und erst mit der Hilfe von Claudia, Maike und Christoph, die für uns den Feinschliff und die Buchungen übernommen haben, konnten wir zuversichtlich starten. An dieser Stelle geht ein ganz ganz grosser Dank an Zebra Reisen raus.
Der Reiseverlauf sieht grob wie folgt aus:
Start in Johannesburg
Pilanesberg
Serowe
Kubu Island
Nxai Pan
Makgadikgadi Pans
CKGR
Maun
Moremi
Khwai
Savuti
Linyanti
VicFalls
Chobe
Kongola
Divundu
Khaudum
Etosha
Epupa
Kaokoveld
Palmwag
Skeleton Coast
Messum
Spitzkoppe
Mirabib
Sesriem
Aus
Lüderitz
Fish River Canyon
Citrusdal
Ende in Kapstadt

Wer sich nur für einen bildnerischen Überblick interessiert, findet vielleicht in der folgenden Prezi-Präsentation etwas Inspiration:
https://prezi.com/view/DgrFiRrpEp4HqLw3Rjku/?referral_token=fACGMZlnB3FN
Teil 208. März 2026
70 Tage, rund 9'600 Kilometer, ein Bushlore-Camper namens Lotta, ein GPS namens Lötteli und eine Wasserpumpe, die mehr Persönlichkeit hatte als die meisten Menschen, die wir kennen: Das ist die nüchterne Bilanz von BOTNAMSA. Die weniger nüchterne: unzählige Elefanten, die uns auf Schritt und Tritt folgten (oder wir ihnen), eine Leopardenentdeckung zu Fuss, eine Wüstenlöwin an Denises 50. Geburtstag, Höllengewitter um Mitternacht, ein Plattfuss nach 8'200 Kilometern – und zwei Menschen, die nach zehn Wochen noch immer gerne miteinander reden.
Dies ist der Versuch, das alles festzuhalten, bevor es sich in den Wirren des Alltags auflöst. Los geht's:

Tage 0 und 1
Zürich → Johannesburg → Pretoria → Pilanesberg

Das Abenteuer beginnt, wie alle grossen Abenteuer: mit einem Farewell Drink an der Flughafenbar in Zürich. Als wir das Flugzeug besteigen, sind wir freudig überrascht über die gebuchten Economy-Premium-Plätze direkt hinter der Business Class, die wir uns zum ersten Mal gegönnt haben. Die Schalensitze bieten enorm viel Beinfreiheit und das Essen ist wirklich lecker. Der Flug vergeht so wie im Flug... Ganz im Gegensatz zur Passkontrolle in Johannesburg, wo wir dann fast zwei Stunden bruachen und froh sind, im Flugzeug gut gefrühstückt zu haben. Dokdo von Bushlore erwartet uns zur Fahrzeugübergabe etwas ausserhalb.
Lotta – so werden wir unseren Bushcamper in den nächsten Tagen feierlich taufen – wartet auf uns. Die Übergabe dauert allerdings fast zwei Stunden, da Lotta noch nicht so reisefit ist, wie sie das sein sollte: Sicherungen müssen gewechselt werden, Wasserhähne abgedichtet, die Winde neu aufgewickelt. Nicht gerade das Drehbuch für einen entspannten Reisebeginn und wir werden angesichts der fortschreitenden Zeit und dem noch vor uns liegenden Weg etwas nervös.
Mit Zeitdruck im Nacken geht es dann nordwärts Richtung Pilanesberg. Unsere Einkäufe erledigen wir im Stechschritt durch einen Shoprite am Rande von Pretoria, bei dem wir das Nötigste für den erste Abend in den Einkaufswagen schmeissen. Auf der sechsspurigen Stadtautobahn aus Pretoria herrscht dichter Verkehr und das dazugemietete GPS (als Wurmfortsatz von Lotta liebevoll Lötteli genannt), leistet sich schon am ersten Tag einen denkwürdigen Auftritt: Es will uns ständig wenden lassen. Als wir endlich in der Nähe unseres Ziels – einem Campingplatz bei Mogwase – sind, ist es längst dunkel. Das Fahren auf Schotterpisten mit entgegenkommenden Scheinwerfern und Menschen am Strassenrand fühlt sich mehr als grenzwertig an. Zweimal fragen wir nach dem Weg und werden sehr freundlich in die komplett falsche Richtung geschickt. Beim dritten Mal hilft die Karte auf dem Handy eines Shopbetreibers. Um 20:15 Uhr finden wir – halb zufällig – das Bushfoot African Base Camp mit dem sehr sympathischen Host Greg und seinem Hund namens Such-A-Dog.
Andy kocht Pasta, wir richten uns rudimentär ein, und fallen in einen erstaunlich tiefen Schlaf, der nur durch etwas Wind, Regen und ungewohnte Geräusche kurz unterbrochen wird. Willkommen in Afrika.

Tag 2
Pilanesberg Nationalpark

Wieder trocken, bedeckt, angenehm warm – so begrüsst uns der erste richtige Morgen in Südafrika. Nach einem Frühstück ohne Kaffee (den haben wir doch gestern glatt vergessen!) richten wir Lotta ein: Taschen auspacken, eine Art innerer Ordnung erstellen, Küche umbauen, Führerkabine bestücken. Es lohnt sich, sich im Wagen heimisch zu fühlen. Wir werde noch viel Zeit darin verbringen. Wir haben uns für ein Single Cab entschieden und meine Sorge, dass das vorne vielleicht etwas eng werden könnte, erweisen sich als unbegründet. Dank des Extrafaches hinter den Sitzen ist alles Wichtige jederzeit griffbereit.
Greg empfiehlt uns einen Supermarkt. Die Strecke dorthin wirkt bei Tag massiv weniger bedrohlich als in der Nacht. Wir decken uns mit Wasser, Sundowner-Material und allem Nötigen ein – einzig Butter und Joghurt bleiben unauffindbar. Dann geht es zum Pilanesberg Nationalpark, einer reizvollen Kraterlandschaft. Am Eingangsgate funktioniert weder Bar- noch Kartenzahlung, weil das Internet tot ist. Wir werden hineingelassen, mit der Bitte, doch einfach beim Restaurant mitten im Park zu bezahlen, was wir natürlich tun, auch wenn es bei der Ausfahrt niemanden interessiert.
Der Park ist ein sanfter Einstieg in unser zukünftiges Safari-Leben. In vier Stunden sehen wir Elefanten aus sehr grosser Nähe, Giraffen, Nashörner, Kudus, Gnus und viele Vögel. Zum Mittagessen gibt es die ersten Chutney-Gurken-Käse-Sandwiches, die uns über die nächsten Wochen treu begleiten werden. Bei der Rückkehr wartet Greg mit einer heissen Bucket-Shower. Wir geniessen sie sehr. In der Ferne donnert es. «Nun sind wir angekommen», schreibe ich ins Tagebuch

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Tag 3
Pilanesberg → Grenzübergang nach Botswana → Khama Rhino Sanctuary

Gut geschlafen, obwohl die Nacht keineswegs ruhig war. Es regnete stark, es blitzte und donnerte, und das letzte Gewitter ging kurz vor Morgengrauen nieder. Kurz vor 8 Uhr verabschieden wir uns von Greg und Such-A-Dog und fahren Richtung Norden.
Auf den ersten 40 Kilometern wird gebaut, unzählige Speedbumps bremsen uns. Danach rollt es flockig. Viele Ziegen, Esel und Menschen am Strassenrand. Und immer wieder Melonenverkäufer und Gottesdienste unter freiem Himmel. Kurz vor Mittag erreichen wir den Grenzübergang. Was für ein Gewusel: Hunderte Lastwagen am Strassenrand und ebenso viele Leute, die ihren Geschäften nachgehen. In der Luft liegt der Geruch von zu viel Mensch und Maschine auf zu kleinem Raum. Der Individualverkehr kann an der Kolonne vorbei über die einspurige Limpopo Brücke und nach 30 Minuten mit Fiebermessen, Maul-und-Klauenseuche-Prävention, Formulare ausfüllen, Pässe zeigen, 210 Pula bezahlen, sind wir in Botswana.
Dank Denises Navigationskünsten – Lötteli ist noch immer in der Reha – finden wir kurz nach 14 Uhr das Khama Rhino Sanctuary. Nach doppeltem Einchecken und 2,5 Kilometern Sandpiste stehen wir auf Campsite 6 – die uns sehr gefällt, da sie zwar nahe an den Ablutions, trotzdem aber schön für sich ist. Wir essen ein Sandwich, schreiben, lesen, geniessen die 34 Grad in der Hängematte im Schatten.
Dann geht es zur Malumba Pan, einem ungesicherten Wasserloch, wo wir uns nach dem Vorbild anderer Besucher trauen aus dem Auto auszusteigen. Nashörner, Zebras, Impalas, Springböcke und Elands sind zahlreich vorhanden und bieten vor der untergehenden Sonne ein wunderbares Schauspiel.
Doch nur einige Meter abseits zeigt sich die andere Seite der Natur: Ein Zebra kommt aus einer Sandkuhle nicht mehr hoch und wälzt sich verzweifelt hin und her; andere Zebras warten. Eines scheint ihm sogar helfen zu wollen, indem es gleich daneben im Sand scharrt. Doch das erschöpfte Tier bleibt liegen.

Tag 4
Khama Rhino Sanctuary

Den Tag verbringen wir auf Pirschfahrt im Park. Die Zebraherden machen uns grossen Eindruck. Wir kurven fast drei Stunden durch die Gegend und stossen schliesslich auf ein Nashorn, das nahe unter einem Baum etwas Kühle sucht. Schon jetzt sind wir froh, uns für die Mitnahme einer guten Kamera mit Tele (100-500) entschieden zu haben und es entstehen ein paar superschöne Bilder.
Am Nachmittag geht es zurück zur Malumba Pan – und das Zebra vom Vortag liegt nun tot da. Als drei Nashörner vorbei ziehen und sich für das Zebra zu interessieren scheinen, zuckt plötzlich sein Schwanz. Das arme Tier lebt noch immer. Eines der Nashörner stupft mit der Schnauze gegen das Zebra und wir hoffen, dass es genug erschrickt um sich aufzurichten – leider vergeblich. Es wird hoffentlich nicht mehr lange leiden müssen.
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Am Wasserloch vergnügen sich viele Antilopen. Im Hintergrund sechs Giraffen. Ein Nashornbulle zieht einsam seine Kreise. Bald kommen zwei weitere Nashörner, darunter eine Mutter mit Kalb. Die Mutter hat ein Riesenhorn. Der Bulle ist nicht gut auf sie zu sprechen und Mutter und Kalb kommen immer näher in unsere Richtung. Gefühle zwischen Sensationslust, Bewunderung und etwas Schiss. Vielleicht wären wir doch lieber im Auto geblieben...
Abends Feuer machen, Gemüse und Kartoffeln braten, Brot im Dutch Oven backen, Wildtierkamera montieren. Am nächsten Morgen: leider keine Fotos auf der Wildtierkamera. Wir verlassen das Khama Rhino Sanctuary nach zwei sehr schönen Tagen.

Tag 5
über Letlhakane nach Kubu Island

Auf guter Asphaltstrasse vorbei an Kühen, Eseln, Ziegen und dem Dorf Letlhakane – das einen friedlichen, intakten und relativ wohlhabenden Eindruck macht, was wahrscheinlich der Tatsache geschuldet ist, dass sich hier eine der grossen Diamantminen befindet. Wir kaufen keinen Edelstein, aber reichlich Benzin und Nahrung.
In Matsumo erkundigen wir uns über die Weiterfahrt nach Kubu Island. «The Road is good», sagt ein sympathischer junger Mann. Das stellt sich dann in unseren Augen als leicht übertrieben heraus, aber wir erleben 45 spannende Kilometer durch Sand und Geröll, bald aber auch über die völlig unwirklich scheinende Sua-Salzpfanne. Es sieht aus wie Schnee, während das Thermometer 38 Grad zeigt.
Kurz nach 13 Uhr erreichen wir den Zeltplatz Kubu Island und dürfen unsere Campsite frei wählen. Finde ich ja ganz schwierig: Wo ist die Aussicht am besten? Wo der Sonnenunter-, wo der -aufgang? Wie geht der Wind? Hat es Schatten? Fragen über Fragen... Wir entscheiden uns für Campsite 2. Eine Halbinsel mit Steinen, knorrigen Bäumen und dürrem Gras ragt hinein in die endlos scheinende Salzpfanne. Es gibt ein Gefühl des Wassers, aber es ist Salz. Kurz vor Sonnenuntergang steigen wir auf den höchsten Punkt der Insel – im Rucksack Gin und Tonic. Die Baobab-Bäume stehen stumm daneben.
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Zum Nachtessen zum ersten Mal Fleisch: Rindspiesse und Gemüse auf dem Grill. Denise montiert diverse Lämpchen und Kerzen und Milchstrasse erhellt die unwirkliche Szenerie noch zusätzlich.

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Tag 6
Kubu Island

Es ist eine heisse und staubtrockene Nacht. Denise steht um Viertel vor fünf auf und geht auf Erkundungstour. Hinter der Insel geht die Sonne über der Salzpfanne auf und eine Stunde und viele schöne Aufnahmen später kehrt sie zurück. Kaffee und Morgenessen stehen natürlich bereit.
Wir versuchen auf der Salzpfanne Fotos mit Selbstauslöser zu machen und haben grossen Spass dabei. Sieben weitere Fahrzeuge stehen weit verteilt irgendwo in der Gegend. Am Nachmittag zeigt Lotta 41 Grad. Was tun? Nichts. Wir trinken sehr viel, sitzen herum, spielen The Game, lesen. Denise bäckt Brot und bastelt einen Sonnenschutz für die Hängematte. Die Fliegen leiden an ADHS im Quadrat. Eine gute Stunde vor Sonnenuntergang umrunden wir die Insel nochmals, machen lustige Fotos vor der Salzpfanne, trinken einen Sundowner und grillen zwei Hamburger – die sich am Schluss als vier entpuppen, mit Plastikfolie dazwischen. Dennoch ganz in Ordnung. Die Abendstimmung mit den Baobab-Bäumen, dem Feuer und der Lämpchengirlande ist unbeschreiblich schön.

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Tag 7
Kubu Island → Gweta → Nxai National Park

Morgenwalk mit einem Schakal, der sich neugierig der Wildtierkamera nähert und sich fotografieren lässt, ohne es zu wissen. Dann nordwärts Richtung Gweta. Die knapp 100 Kilometer sind ziemlich anspruchsvoll: sandig, corrugated, voller Geröll, schmal und immer wieder mehrspurig – wir sind nie ganz sicher, ob der Weg der richtige ist. Lötteli führt uns zuverlässig in falsche Richtungen. Nach vier Stunden betreten wir Gweta durch die Hintertür, in tiefem Sand durch Quartiere mit kleinsten Häuschen, Wellblechhütten, Marktständen und vielen bunt gekleideten Menschen.
Im Nxai-Nationalpark («Nx» ist ein Klicklaut) lassen wir zum ersten Mal Luft aus den Pneus. Für 37 Kilometer Sandpiste brauchen wir eineinhalb Stunden. Am Wasserloch: ein toter Elefant, den sich Schakale und Geier teilen, eine ganze Elefantenherde, Springböcke, Gnus, Strausse. Auf Campsite 7 sind Schakale unsere Mitbewohner, und rundherum machen es sich Elefanten gemütlich. Das ist gewöhnungsbedürftig, wunderschön und bedrohlich in einem. Die Ablutions sind elefantensicher, sauber und grosszügig. In der Nacht trompetet ein Elefant entschlossen vor sich hin und verteidigt sein Törö...

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Tag 8
Nxai → Baines Baobabs

Morgens nochmals zum Wasserloch. Hinter dem ausgeweideten Elefanten liegt eine Löwin im Schatten und treibt die Schakale durch ihre blosse Anwesenheit fast in den Wahnsinn. Unser erster Löwe. Als wir nach fast 40 Minuten aufbrechen wollen, bricht plötzlich Panik im Springbockrudel aus. Auch die Kudus springen vom Wasser auf. Eine zweite Löwin, die bis dahin hinter einer Geländekante gelegen hatte, macht sich bemerkbar. Zwei Löwinnen. Wie geil. Das Spektakel ist bald vorüber – und am Schluss sind es eben doch Katzen. Sie legen sich hin und pennen.

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Kurz darauf, nach einer weiteren kleinen Runde: fünf Löwen direkt am Wegrand im Schatten eines Baums. Zwei Weibchen, drei Männchen. Auch hier könnte man Stunden verbringen.
Dann Aufbruch Richtung Baines Baobabs. Unterwegs treffen wir einen Westschweizer mit Britzerflitzer, der ohne Vierradantrieb im Sand stecken geblieben war. Wir freuen uns, nicht zum ersten Mal in 23 Jahren, einander zu haben. Immer wieder begegnen uns kleine Steinböcklein, ein Oryx – und plötzlich, aus dem Augenwinkel, zwei Giraffen direkt neben der Piste.
Dann witzelten wir noch kurz darüber, wie viel wohler es uns wäre, im Sand steckenzubleiben, wenn da eine Giraffe im Sand liegt, als wenn es eine Löwin wäre – und tada: Einem Ast auszuweichen, ist zu viel für Lotta, und wir sitzen fest. Anstatt uns weiter einzugraben, rollen wir die Sandraupen unter die Räder und sind nach zwei Versuchen mit dem Spaten draussen. Kein Fotomaterial dieser Episode existiert. Schade eigentlich – besonders für die Szene, in der Denise bei 40 Grad und völlig ausser Atem mit Spaten und Sandraupen beladen hinter dem Auto herrennt.
Campsite 3 von drei bei den Baines Baobabs: Grill, Plumpsklo, eingerichtete Bucket Shower. Wir erwarteten gar nichts und bekamen alles. Den Sundowner Gin & Tonic geniessen wir auf der Salzpfanne. Kürbis in der Glut, Salat dazu. Der Wind, der den ganzen Tag geweht hatte, schläft langsam ein. Nach dem Essen gehen wir bei totaler Dunkelheit auf die Salzpfanne. Null Lichtverschmutzung, kein Flugzeug am Himmelszelt, totale Ruhe und Einsamkeit und Sterne ohne Ende.

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Tag 9
Baines Baobabs → Gweta → Makgadikgadi → Boteti River Camp

Nach 35 Kilometern Sandpiste besserer Qualität kommen wir auf den Asphalt. Ein sympathischer Mann erklärt uns, was wir alles sehen könnten – und wir ändern kurzerhand die Route. Auf der A3 zurück nach Osten bis nach Gweta, dann südwärts ins Gate des Makgadikgadi. Niemand ist dort. Wir lassen Luft aus den Pneus, dann schleicht ein Mitarbeiter daher, der das Eintrittszeremoniell mit Denise vollzieht.
Die Sandpiste ist besser als erwartet und tierreich: Elefanten, Strausse, Zebras, Gnus und viele Vögel. Wir kommen zu Niuka Hills, einem stillgelegten Campingplatz. Die Grassavanne scheint unendlich weiterzugehen, bis zum Horizont und noch viel weiter. Bald wird der Sand tiefer, die Büsche zahlreicher – und die Tiere mögen das. Wir sehen Hunderte von Zebras, schwarz-weiss-gestreift, soweit das Auge sieht. Unglaublich. Dann Elefanten – teilweise näher, als uns lieb ist. Lotta bleibt unmittelbar bei einem dieser erhabenen Dickhäuter kurz im tiefen Sand stecken. Der Low Gear rettet uns. Ein Foto können wir nicht machen: Unser Fluchttrieb ist zu gross.
Etwas später taucht ein Elefant gleich neben dem Weg hinter einem Baum auf. Ich stoppe. Denise – kaltblütig genug – zückt die Kamera. Wir warten. Der Elefant tritt zur Seite, und wir passieren. Die letzten Kilometer bis zum Kumaga Gate bleiben extrem tierreich und wir haben wieder dieses Jurassic-Park-Feeling.
Das Boteti River Camp ist, nach den letzten vier Nächten, grosser Luxus: Acht Plätze, acht Chalets, Terrasse mit Wi-Fi, Restaurant – und ein Zaun. Keine wilden Tiere, nur eine rote Katze. Wir hüpfen gleich nochmals in Lotta für einen Game Drive. Im trockenen Flussbett des Boteti fahren wir durch Herden von Antilopen, Giraffen, Elefanten. Das breite Flussbett mit seinen Boreholes liegt da wie ein Garten Eden.

Tag 10
Boteti River Camp

Den Sonntag lassen wir etwas ruhiger angehen und begeben uns nochmals ins Flussbett: Zebras, Gnus, Kudus, Impalas, Elefanten und eine Manguste – und dann der Hippopool. Schätzungsweise 40 Flusspferde tummeln sich darin. Sie scheinen abgesehen von gelegentlichen Kabbeleien nicht viel anderes im Sinn zu haben, als einfach da zu sein. Wir könnten stundenlang zuschauen.
Auf dem Rückweg erblicken wir ein Krokodil im Wasser, zusammen mit drei toten Zebras. Laut Ranger kommen Zebras von der Migration erschöpft und dehydriert an, trinken zu viel auf einmal und kollabieren. Die ganze mühsame Wanderung lohnt sich dann nicht wirklich...

Tag 11
Boteti → Evolve Back Ghâm Dhâo Lodge

Zuerst 50 Kilometer Teerstrasse südwärts, dann 70 Kilometer Sandpiste westwärts. Unterwegs treffen wir einen Mann mit zerfetztem Pneu, für den Hilfe offenbar schon unterwegs ist. Er sagt «I'm good». Weiter sehen wir die Folgen von Bränden: viele unreife, verbrannte Melonen. Wir probieren eine, sie ist absolut ungeniessbar.
Kurz vor 11 Uhr kommen wir an der Ghâm Dhâo Lodge an. Am Tor stehen zwei Männer – Fagaza ,unser Guide und Seko, unser Tracker – bereit. Sie eskortieren uns zum Haupthaus, wo uns die gesamte Crew einem Lied begrüsst. Das Ganze ist uns im ersten Moment etwas peinlich. Gleichzeitig ist diese Freude aber so berührend und ansteckend, dass wir nur noch staunen und geniessen können. Nach einem feuchten Frotteetuch, Willkommensdrink und ein paar Infos beziehen wir schliesslich unsere Residenz: Ein Riesenbett mit Klimaanlage und Moskitonetz, eine freistehende Badewanne, eine Outdoordusche, eine Terrasse mit Liegestühlen, ein gut gefüllter Kühlschrank und eine Hochterrasse mit Sitzecke und Bett für draussen. Alles ist wunderschön und fühlt sich etwas surreal an. Wir dürfen das Hauptgebäude, das fünf Gehminuten entfernt liegt, übrigens nicht zu Fuss erreichen. Man holt uns ab.
Um 15:30 Uhr begeben wir uns auf den ersten Game Drive mit unserem Fahrer und Guide Fagaza – einem Mann, der unglaublich viel über Flora und Fauna weiss und grossen Spass an seinem fast neuen Toyota hat (erst 1'400 km). Er fährt uns am liebsten querfeldein durch Savannengras und wildes Gebüsch. Das Abendessen mit den vier anderen Gästen an einem grossen Tisch – inklusive dreier Lieder der Crew vor dem Essen, bei denen ich Gänsehaut bekomme – ist unterhaltsam und fröhlich. Die Managerin Thelma ist eine ausgesprochene Perle an Gastfreundschaft und Eloquenz. Wir gehen erst um 22:30 Uhr ins Bett. So spät wie schon lange nicht mehr.

Tage 12-13
Evolve Back Lodge

Der Tagesplan der Lodge: Frühstück um 6 Uhr, Game Drive um 6:30 Uhr, Mittagessen um 11:30 Uhr, Pause in der Residenz bis 15:30 Uhr, Tee/Kaffee/Zwischenmahlzeit, Game Drive ab 16 Uhr mit Sundowner, zurück um 19:15 Uhr, Abendessen um 20 Uhr. Das klingt anstrengend, ist aber herrlich.
Am Morgen des ersten vollen Tages beobachten wir, wie zwei Löwinnen und sechs Junge, etwa sechs Monate alt, sich ein erlegtes Zebra teilen. Das ist sehr eindrücklich. Am Abend treffen wir auf eine grosse Giraffenherde im Abendlicht und lernen: a tower of giraffes. Dann fahren wir zur Stelle der Morgensichtung zurück. Der Löwenvater ist inzwischen dazugekommen, das grosse Fressen geht weiter. Vom Zebra ist nicht mehr viel zu sehen. Die Löwinnen liegen faul herum, die Jungen stören den Vater beim Fressen oder erkunden ängstlich die Umgebung. Wir sitzen etwa sieben Meter daneben.

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Am Mittwoch regnet es und es ist kühl. Denise fährt allein mit auf den Morgendrive, Andy bleibt und schreibt. Am Nachmittag ist für die mittlerweile vier verbliebenen Lodge-Gäste ein Spaziergang mit vier der Angestellten San-Buschleute organisiert, auf dem sie uns auf ihre eigene theatralische Weise viele interessante Dinge über ihr traditionelles Leben erzählen und auch vor Ort zeigen. Einer davon ist Seko, unser Tracker. Von Fagaza wissen wir, dass Seko das halbe Jahr über mit seinem Vater im Bush lebt und Joey, der andere Tracker, bei seinen Grosseltern traditionell aufgewachsen ist. Wir bekommend dadurch nicht den Eindruck einer Touristenshow, vielmehr den von gelebter Tradition.
Schwer auszumachen: eine gut genährte Boomslang und ein Chamäleon
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Zurück in unserem Domizil geniessen wir den Sundowner auf der erhöhten Aussichtsplattform während ein Gewitter nordwestwärts an uns vorbei zieht. Dahinter zeigt sich ein klarer, heiterer Himmel und die Sonne geht langsam über einem traumhaften Ort unter.

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Die Nacht verbringen wir im Outdoorbett unter unzähligen Sternen. Irgendwo brüllt ein Löwe. Denise schläft die ganze Nacht draussen. Ich verziehe mich gegen 1:30 Uhr ins Zimmer und kehre kurz vor Sonnenaufgang zurück.
Teil 315. März 2026
Vielen Dank Santis - jetzt geht's mal etwas weiter. Mit ein paar mehr Fotos und einer kürzeren Etappe. Vielleicht werde ich bei Gelegenheit bei der ersten Portion noch mehr Bilder einfügen, bin aber immer etwas unsicher, ob das dann nicht zu viel Platz braucht. Ich finde die Prezi-Präsentation dazu eben wirklich recht anschaulich, da man dort direkt anhand der Karte und der Bilder den Weg mitverfolgen kann.

Aber nun über Maun zum Khwai:

Tag 14 – Evolve Back Gham Dhao → Maun

Wir geniessen ein letztes reichhaltiges Frühstück in der Lodge und ein wunderschönes Abschiedslied. Welch gewaltiges Erlebnis dieser Aufenthalt doch war, man könnte direkt bleiben...
Dann fahren wir auf zwei Sandpisten (und durch einen Veterinärzaun) und der Teerstrasse A3 nach Maun. Unterwegs sehen wir nur wenige Tiere, aber zwei Autostopper, die wir mangels Rückbank vertrösten müssen. In Maun – einer Stadt mit 50'000 Einwohnern, in der alles weit verteilt ist – finden wir zuerst unsere Unterkunft, dann Bushlore. Ein sympathischer Mechaniker bringt Kühlschrank und Wasserpumpe wieder zum Laufen. Wir schauen genau zu, was in den nächsten Tagen noch sehr wertvoll sein wird. In einem eisgekühlten Einkaufszentrum decken wir uns für die nächsten neun Tage mit Frischem und Haltbarem ein.
Dann geht’s zum Markt, er ist kleiner als gedacht und wir schlendern nicht lange unbehelligt. Weiter rekognoszieren wir für den kommenden Tag den Weg zum Flughafen, müssen wir doch morgen in aller Frühe dort für unseren gebuchten Rundflug zur Stelle sein. Eines unserer hoffentlichen Highlights auf einer einzigen Heighlight-Reise. Dann kehren ins Waterfront Guesthouse zurück.

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Wir essen auf dem Balkon mit Blick auf den Thamalakane, beschliessen nicht mehr auszugehen, da wir ziemlich müde sind und schlafen während der ersten Episode einer wackeligen Netflix-Serie ein.

Tag 15 – Helikopterflug übers Okavango-Delta → Moremi (Third Bridge)

Um 5:30 Uhr stehen wir am Flughafen bereit – viel zu früh, wie sich herausstellt. Unser Pilot Liam – ein Kiwi – und Guide Trent starten mit uns um viertel nach sechs in den noch frischen Morgen. Der Flug übers Delta ist einmalig schön. Die Sonne steht noch flach über dem Wasser und bietet mit den Wolken ein unglaublich imposantes Schauspiel. Tiersichtungen sind uns fast egal – die vereinzelten Zebras, Elefanten und Hippos nehmen wir dankend mit. Nach 45 Minuten ist der Spass leider vorbei. Viel zu wenig Zeit, um das Okavango-Delta in seiner Gesamtheit zu erfassen.

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Nach dem Frühstück im Guesthouse brechen wir nach Third Bridge im Moremi auf. Die ersten 40 Kilometer sind gut geteert. Dann plötzlich wechselt der Weg in sandigen Gravel, der später tiefsandig und bucklig wird, teilweise durchs Wasser. Die First Bridge ist abenteuerlich, die Second Bridge nicht vorhanden. Hier kommt der Punkt, an dem Andy die Fahrt vor lauter Gehopse nicht mehr ganz so toll findet.

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In Third Bridge beziehen wir ein Fix-Tent namens Hippo, da bei der Buchung keine Campsite mehr frei war. Stellt sich heraus: Da hätte es schon noch Platz gehabt. Neben uns hat sich ebenfalls ein Schweizer Paar eingerichtet und auch der Westschweizer-Britzerflitzer, dem wir schon in den Baines Baobabs begegnet sind, fährt an uns vorbei. Er macht auch hier keinen glücklichen Eindruck. Kurz vor elf Uhr abends alarmiert er laut über den Platz, dass er Hyänen gesehen habe. Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht kontraproduktiv ist 😉 Aber ja – wir sehen sie auch um die Zelte schleichen.

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Tag 16 – Third Bridge → Khwai Hippo Pool
Auf der Wildtierkamera wird am Morgen dann sichtbar, dass die Hyänen die ganze Nacht hindurch nach Essbarem gesucht haben. Offenbar haben sie es dann auch in Form der zum Trocknen ausgelegten Fussmatte unserer Nachbarn gefunden, die ist nämlich verschwunden.
Die Tents sind für unseren Geschmack etwas zu nahe beisammen und ich bin froh, dass ich die Ratte, die innen am Fensternetz herumklettert, erst am nächsten Morgen entdecke. Wir freuen uns, bald wieder in Lotta zu wohnen.
Denise schraubt das Gehäuse der Elektroschaltanlage auf, hantiert an den Steckern – ausstecken, einstecken – und Lottas Kühlschrank läuft wieder. Guten Mutes fahren wir los, mit dem Plan, die Fahrt als Game Drive zu geniessen.
Zuerst über die Third Bridge – ein kleines Erlebnis.

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Im tiefen Sand vorbei an den ersten Tieren und ihren Überresten

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Dann liegt ein Tier auf dem Weg, das nicht wirklich weggehen will. Wir fahren drum herum, meinen, es sei eine Hyäne – und stellen fest: Es hat mindestens zwanzig davon. Sie rennen einander nach, balgen, spielen. Es sind Wildhunde. Diese sind selten, und hier tobt sich ein ganzes Rudel aus. Wir stehen lange fasziniert da und schauen dem Spektakel zu.

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Die Landschaft ist sehr schön. Immer wieder hat’s feuchte Stellen oder kleine Tümpel. Die Vegetation ist grün und die Bäume sind erstaunlich hoch. Die Sandpisten führen uns an Zebras, Impalas, Elefanten, Warzenschweinen, Gnus und einem Tsessebe vorbei.

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Über die Fourth Bridge geht’s leider nicht weiter, da sie gerade neu gebaut wird. Ich frage nach der Umfahrung und wir werden durch die Sümpfe geschickt.

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Denise übernimmt das Steuer und navigiert uns geschickt durch die Wälder. Dann hört der Weg einfach auf. Ein Flüsschen liegt vor uns. Nach einigen Atemzügen macht Denise ihre erste Wasserdurchquerung – Vollerfolg! Wir signalisieren einem mit vier Leuten besetzten Auto, das etwas hinter uns hergefahren war, dass die Querung zwar tief aber auch für ihren Ford Ranger machbar sei. Als sie dann neben uns anhalten hören wir die zwei österreichischen Damen im Fonds zu ihren Männern sagen: «Da fährt ja die Frau – die traut sich aber was!» Hihi – Denise freut’s und wird etwas rot. Leider hat hier der Kameramann versagt und es bestehen keine Bilder dieses denkwürdigen Ereignisses.

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Kurz nach 14 Uhr verlassen wir den Moremi, überqueren auf einer spektakulären Brücke den Khwai, durchqueren das Dörfchen und erreichen sechs Kilometer später den Khwai-Hippo-Pools-Campingplatz. Willi ist unser Host. Kurz nach vier Uhr steigen wir ins Mokoro – eine Art Einbaum (neuerdings aus Fiberglas) – und lassen uns von Willi zwei Stunden durch den Khwai paddeln.

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Er erzählt vieles. Wir sehen Flusspferde, Elefanten, viele Vögel, darunter den Fischadler, Frösche, Wasserböcke (auch Wild Donkeys oder Toilet Seaters genannt) Seerosen, Wasserlilien und eine wunderschöne, relativ seichte Flusslandschaft. Die Sonne geht allmählich unter. Die ganze Szenerie ist wie aus einem kitschigen Hollywood-Film – nur echter.

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Zurück bei Lotta kocht Andy Pasta. Willi erscheint mit Feuerholz, will keine Pasta («No meat? No thank you.»), dafür einen Gin Tonic, der ihn ziemlich schnell betrunken macht. Er wird sehr redselig und erzählt einiges aus seinem Leben. Schliesslich sagt er Good Night. Kaum haben wir aufgeräumt, steigt der Kühlschrank wieder aus. Denise behebt den Defekt. Kaum im Auto, wird sie von einem Käfer gestochen, was gleich eine kleine Schwellung und Juckreiz verursacht – hoffentlich nichts Schlimmes.
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Tag 17 – Khwai → Magotho Camping
Entwarnung: Es war nichts weiter, die Einstichstelle bleibt aber noch einige Tage sichtbar.
Heute steht nur eine kurze Etappe an. Wir geniessen die Fahrt, die uns auf der anderen Seite des Khwai gegenüber dem Moremi-Nationalpark zum Magotho Camping führt. Rezeption und Eingang sind schwierig zu finden, die Plätze liegen sehr weit auseinander, so dass wir das Gefühl bekommen, allein hier zu sein und schliesslich bekommen wir eine Campsite (Nummer 15) direkt am Khwai River. Unmittelbar vor dem Platz kühlen sich zwei Elefanten im Wasser ab.

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Weiter flussabwärts liegen einige Hippos im Fluss und machen sich ab und zu mit ihren unnachahmlichen Lauten bemerkbar.

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Ein ruhiger Nachmittag, 42 Grad. Lesen, Tagebuch, Hängematte. Wir beschliessen, keinen Abendgame-Drive zu machen. Gegen 18 Uhr beginnt es zu regnen, erst nur leicht, dann stärker. Das Gewitter, das folgt, ist eines der intensivsten der Reise. Unzählige Blitze entladen sich, ein permanentes Grollen in der Luft, welches das Brüllen der Löwen übertönt, und es regnet sehr stark. Bis kurz vor Mitternacht ist nicht an Schlaf zu denken. Zwei Blitze schlagen sehr nahe ein. Wir kuscheln uns aneinander, Lotta mit Vorzelt und Dachzelt wehrt sich wacker. Gegen drei Uhr morgens erfasst uns eine zweite Welle. Alles geht gut aus.

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Der arme Kerl wird sein geknicktes Horn wohl in den nächsten Tagen verlieren

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Tag 16 – Magotho
Nicht gerade erholt, trotzdem guten Mutes stehen wir auf. Kaffee und Müsli. Kurz vor 8 Uhr fahren wir los, auf kleinen Wegen mit Pfützen dem Khwai flussaufwärts folgend. Es geht nicht lange und wir sehen fünf Wasserbüffel, die in aller Ruhe im Fluss grasen. Sie werden auch «Ghosts» genannt, wegen ihrer Seltenheit (oder wegen ihrer Lautlosigkeit?). Wir schauen ihnen gebannt zu. Dann fahren wir durch das feucht-sumpfige Gebiet und freuen uns über die vielen Vögel.

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Am Mittag sind wir zurück auf dem Campingplatz. Wir machen einen Tauschhandel mit zwei Basler Touristen: Abwaschmittel gegen Trockennahrung. Den Nachmittag geniessen wir in der Hängematte bei 41 Grad. Bald ziehen dunkle Wolken auf und das nächste Gewitter kündigt sich an. Wir fahren in Lotta flussaufwärts, genehmigen uns den Sundowner mit Weisswein und Chips in der Führerkabine, da die Wege überflutet sind. Irgendwann lässt der Regen nach. Schnell raus, Zelt aufstellen, Pasta erwärmen – es fängt wieder an zu schütten. Wir essen im Dachzelt sitzend. Dann klemmt die Tür und wir sind in Lotta gefangen! Ein Löffel als improvisierter Tresoröffner hilft uns zurück in den Busch. Kurze Körperhygiene, wieder ins Zelt, noch nicht 19 Uhr – und wir schlafen zu Blitz und Donner ein. Bis zwei Elefanten aus den Büschen treten und wenige Meter vom Zelt entfernt ihres Weges gehen. Kurzer Pulsanstieg, dann gut weitergeschlafen.

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Teil 518. März 2026
Tag 18 – Khwai → Savuti
Wir entscheiden uns am Morgen, dass wir wohl heute schon weiterziehen werden, da uns die sich abzeichnenden Regenfälle doch recht vorwärts drängen und die Nächte in unserer Wackellotta bei Sturm nicht zum Kuscheligsten gehören...
Auf dem Weg nach Savuti nehmen wir aus Versehen die Hauptstrasse Richtung Mababe Gate – was sich als sehr cooler Fehler herausstellt: Schon nach kurzer Fahrt stehen zwei Fahrzeuge neben einer Gruppe junger Löwenmännchen. Wir erkennen die zwei Basler vom Vortag wieder, die hier schon eine Stunde warten und insgesamt 18 Löwen gesehen haben. Bei uns sind es immerhin noch deren vier, aber auch das ist sehr, sehr cool. Wir bleiben lange stehen und diskutieren wieder einmal über die Löwen, die für uns ein Phänomen sind: Einerseits das wilde Raubtier, das seine Beute jagt, erlegt und frisst - andererseits wie unsere beiden Stubentiger zuhause, wenn sie sich voll gefressen an ein schattiges Plätzchen verziehen und sich ausgiebig putzen.

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Wir nehmen den Weg nach Savuti gemeinsam mit einem Aargauer Paar über die Marsh Route in Angriff. Die Piste ist völlig trocken und gut befahrbar.

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Unterwegs begegnen wir weiteren Löwen und einer riesigen Büffelherde, die von einer Elefantenherde "verfolgt" wird. Am Mababe Gate treffen wir auf ein Wiener Paar, das seit einem Tag mit kaputtem Auto feststeckt und auf den Ersatzwagen wartet. Wir pfeifen ein kurzes Loblied auf Bushlore und hören uns die Klagen über Avis an. Abgesehen von einem schlecht gewarteten Auto wurden ihnen bei der ersten Pannenhilfe von Avis auch noch Strassenreifen anstelle der offroadtauglichen gebracht, sodass sie entnervt auf erneuten Ersatz warten müssen. Wir hoffen, die beiden Damen spätestens morgen in Savuti wiederzusehen, ihre Urlaubszeit wird aber langsam knapp.

Savuti Campsite ist grosszügig und zweckmässig, mit elefantensicheren Ablutions. Auf dem Reserveplatz, den wir wegen unserer verfrühten Ankunft für die erste Nacht zugeteilt bekommen, hat es Platz für eine ganze Kompanie und so freuen wir uns, als sich die beiden Avis-Opfer Ute und Sonja kurz vor Sonnenuntergang völlig erschöpft zu uns gesellen. Ihr Ersatzwagen ist doch noch angekommen und sie sind durchgedonnert. Später gesellen sich auch unsere neuen Freunde aus der Heimat dazu und wir bilden eine Wagenburg wie im Wilden Westen, sitzen ums Feuer, lernen uns kennen und finden uns alle sehr sympathisch. Das Nachtessen ist eher bescheiden, kommt aber von Herzen und die beiden Österreicherinnen sind froh, überhaupt etwas hinter die Kiemen zu bekommen, sind ihre Vorräte doch schon recht zur Neige gegangen bei der Warterei. Für kurze Zeit vergessen wir, dass wir in der Wildnis sind und erst das Brüllen der Löwen - irgendwo weit weit entfernt... - holte uns in die Realität zurück und wir überlegen, ob Hyänen wohl tatsächlich von Feuer abgeschreckt sind...

Tage 19 und 20 – Savuti
Heute Morgen müssen wir am Ersatzwagen von Ute und Sonja bereits ein Rad wechseln. Mit vereinten Kräften und der grosszügigen Unterstützung von Base, einem Angestellten am Eingangsgate, montieren wir das Ersatzrad. Hoffentlich werden die beiden auf ihrer weiteren Reise etwas mehr Glück haben.

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Auf dem Morgendrive treffen wir auf einen toten Elefanten. We do it the African way und fahren um ihn herum.

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Einige Minuten später liegt ein junger Löwe buchstäblich auf dem Weg und schläft. Wir müssen um ihn herumfahren. So entstehen neue Wege im Sand und im Gestrüpp. Manchmal muss man auch um Äste oder umgeknickte Bäume herumfahren. Zu Beginn unserer Reise stieg ich jeweils aus und versuchte das Hindernis zu entfernen, doch im Verlauf der Zeit lernten wir: Ein Hindernis muss nicht unbedingt aus dem Weg geräumt werden - es kann auch ganz einfach umgangen und damit vermieden werden. Do it the African way! Das könnte doch auch im Alltag funktionieren... - schon fast philosophisch!
Rund um Savuti gibt es kleine landschaftliche Erhöhungen (sonst ist Botswana total flach), von denen man etwas weiter blicken kann – das gefällt uns. Impalas sind die treuen Gefährten. Wir fahren weit, sehen aber nicht sehr viele Tiere. Vielleicht sind wir schon zu anspruchsvoll geworden...

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Den Abend verbringen wir mit unseren neuen Freunden, die Tiere sind heute näher zu hören, so dass wir uns kurz nach acht Uhr in den Wagen verziehen.

Tage 21 und 22 – Linyanti → Kasane
Wir verabschieden uns von Nadja und Heinz, die noch hier bleiben und machen uns wieder auf die Lotta. Die Fahrt von Savuti nach Linyanti ist tiefsandig und wir kommen nur langsam vorwärts. Wir sehen einige Impalas, aber sonst ist die Fahrt in Sachen Tiersichtungen eher ereignislos. In Linyanti hat der junge Chef des Campgrounds ein Reservationstool auf seinem Mobiltelefon - krass, verglichen mit den alten Folianten, die uns bisher begegnet sind. Zum ersten Mal müssen wir uns nicht in eine Liste eintragen. Viele Game Drive-Möglichkeiten gibt es nicht, doch diese nützen wir, allerdings ohne irgendwelche Tiere zu Gesicht zu bekommen - abgesehen von einem toten Elefanten in den abgebrannten Mopane-Wäldern. Und auch am Zeltplatz (5 Stellplätze) ist die Stimmung etwas «tötelig»: Ein toter Elefant liegt direkt in der Senke vor der Campsite, hunderte Geier tun sich daran gütlich und ein morbider Geruch liegt in der Luft. Der Gestank ist kaum auszuhalten und wir verbringen den Nachmittag in der am weitesten entfernten Campsite mit wunderschönem Ausblick über das Flusstal. Der Camphost hat uns erklärt, dass sie den toten Elefanten vielleicht in den nächsten Tagen verbrennen werden. Dem Geruch nach scheint er das aber schon länger vor sich hinzuschieben und die Geier freut's natürlich.

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Wir sind völlig allein hier (warum wohl ;-)). Denise macht wunderschöne Zeichnungen und ich lese ihr aus Richard Osman’s neuestem Buch vor.

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Dann machen wir Feuer, machen Pasta mit Haussauce und gehen – wen wundert’s? - früh zu Bett. In der Nacht hören wir Nilpferde, Hyänen und mindestens zwei Jagdszenen. Es scheint hier also nachts wesentlich mehr los zu sein als tagsüber.
Wir beschliessen, die geplante zweite Nacht zu streichen und nach Kasane weiterzufahren. Die Fahrt verläuft zuerst durch tiefsandiges Gelände, anschliessend (ab Kachikau) wieder einmal auf Asphalt. Wir erhöhen den Reifendruck – inzwischen eine Routineübung.
In Kasane – einer Stadt, die wie Maun als Ausgangspunkt vieler Touren alles bietet, was Reisende brauchen – finden wir eine schöne, schattige Campsite (Platz 1A - sehr zu empfehlen: klein, aber fein) bei der Chobe Safari Lodge. Sonja und Ute sind zufällig auch hier und wir treffen uns zum Sundowner. Auch Heinz und Nadja stossen später dazu (die Welt ist ein Dorf!...), wir geniessen das Abendessen im Buffet-Restaurant und verleben einen höchst vergnüglichen Abend.
Am nächsten Tag bringen wir die Wäsche zur Wäscherei der Lodge und statten (wie in Maun) Bushlore einen Besuch ab. Wir bekommen ein neues Stromkabel und eine neue Duschbrause – die aus Pretoria waren defekt. Weiter wird an den elektrischen Anschlüssen herumgefummelt und wir hoffen, dass nun alles hält.
Wir tanken 130 Liter Diesel, machen Einkäufe im Supermarkt für 13 Tage und gehen auf den Markt, wo wir endlich ein Tischtuch kaufen. Dieser viel zu hohe Blechtisch ist ja kein Zustand. Dann machen wir eine dreistündige Bootsfahrt auf dem Chobe River. Wir tuckern gemächlich vorbei an Büffeln, Krokodilen, Nilpferden, Elefanten und vielen Vögeln. Besonders eindrücklich ist eine Elefantenfamilie mit Jungen, die den Fluss überquert.

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Das Licht beim Sonnenuntergang ist wunderschön und viele Fotos werden gemacht.

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Wir essen ein letztes Mal mit den Aargauern und gegen Mitternacht setzt Regen ein - nur Regen, kein Blitz, kein Donner - das passt!
Teil 619. März 2026
Tag 23 – Kasane → Victoria Falls, Zimbabwe
Nach einer angenehmen Nacht packen wir eine Tasche für die Victoria Falls. Zu Fuss geht es zum Immigration Center, wo wir um 12 Uhr abgeholt werden sollen. Der Transfer klappt nicht auf Anhieb. Offenbar hat man uns vergessen. Wir benutzen das Wifi des Immigration Centers und telefonieren. Der Wagen werde bald kommen, versichert die nette Dame am anderen Ende der Leitung. Die Wartezeit wird uns durch eine Gesellschaftsstudie verkürzt: Auf dem Bootsweg kommen herausgeputzte Einheimische aus Namibia, um sich anzumelden, und eine geriatrische Reisegruppe mit lauter hilfsbedürftigen Franzosen keucht die kleine Steigung hinauf. Kein einziger spricht englisch, nicht einmal eine kleine Begrüssung oder ein nettes thank you. Genau das ist es, was La Grande Nation so liebenswert macht!...
Nach einer knappen halben Stunde bringt uns eine nette Dame durch die Grenze nach Zimbabwe, wo uns Pride (wir mögen die Namen hier) die restlichen 45 Minuten zur Shongwe Oasis Lodge fährt. Zum Sundowner gehen wir auf den Aussichtsturm der Hauptlodge. Per Flaschenzug werden uns Drinks hochgeschickt. In der Ferne sprüht die Gischt des höchsten freifallenden Wasserfalls der Welt.

Tag 24 – Victoria Falls
Auf geliehenen E-Bikes fahren wir durch das Städtchen zu den Victoria Falls. Wir bezahlen je 50 Dollar Eintritt für den Nationalpark - das ist ein stolzer Preis! Auf einem schönen Weg mit 16 Lookouts wandern wir den Fällen entlang. Die Optik ändert sich ständig. Die Gischt ist erfrischend. Gegenüber baden einige Abenteuerlustige im Devils Pool. Für Trockenzeitverhältnisse führt der Sambesi ausgesprochen viel Wasser, so dass die Fälle wirklich spektakulär sind.

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Vor dem Nationalpark stehen viele Verkaufs- und Souvenirstände. Wir kaufen zwei Holzskulpturen und eine Schale sowie zwei Steinschälchen. Im Gegensatz zu den letzten drei Wochen sind wir hier an einem Tourismus-Hotspot. Die Stimmung ist etwas aufgeladen, etwas gehetzt, viele Händler bedrängen einen, etwas völlig überteuert bei ihnen zu erwerben – und ich sehne mich nach der Einsamkeit des Buschlandes. Dann fahren wir mit unseren Bamba-Bikes weiter zum Lookout Café, von dem aus man die Schlucht und die Fortsetzung der Fälle bewundert. Wir genehmigen uns einen Lookout Shandy.

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Am Nachmittag schwimmt Denise zehn Runden im Pool. Kurz vor Sonnenuntergang spazieren wir ins Städtchen, essen im Three Monkeys – ein Ort, wo sich Touristen und Einheimische treffen. Wir nehmen ein Taxi zurück zur Lodge, weil man im Dunkeln nicht zu Fuss unterwegs sein darf. Nicht wegen der Menschen – wegen der wilden Tiere....

Tag 25 – Zimbabwe → Kasane → Chobe Nationalpark (Ihaha)
Nach einem üppigen Frühstück in der Lodge kehren wir nach Botswana zurück. Die Grenzformalitäten sind der reinste Bürokratie-Olymp: Auschecken aus Zimbabwe, Hände desinfizieren, Schuhe an den Füssen desinfizieren, Fieber messen, Einchecken in Botswana mit Passkontrolle, Schuhe im Gepäck desinfizieren. Sechs Stationen - sechs verantwortungsvolle Jobs...
Zurück in Kasane erleben wir einen kurzen Schreckmoment, als Denise mit dem Wassertankschlüssel die Zündung versucht – und zack, der Schlüssel abbricht. Ein Taschenmesser und eine Zange lösen das Problem. Lotta schnurrt wieder wie ein voll gefressener Löwe. Dann machen wir letzte Einkäufe im Spar (immerhin werden wir 13 Tage im Busch sein), verlassen Kasane und kommen durch das Sedudu Gate in den Chobe Nationalpark. Die Fahrt auf einer ziemlich kompakten Sandpiste am Ufer des Chobe Rivers ist wunderschön.

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Wir fahren an Büffelherden vorbei, an kämpfenden Nilpferden, an Gnus und Impalas und scheinen weit und breit die einzigen Touristen zu sein. Schliesslich kommen wir in Ihaha an.
Campsite 7 ist supercool gelegen. Bei einem Gin & Tonic beobachten wir Hippos, Krokodile und viele Vögel. Dann ziehen im Osten dunkle Wolken auf.

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Was von Ferne spektakulär ist, entlädt sich direkt über uns als heftiges Gewitter mit starken Regenfällen.

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Wir warten eine Stunde in der Führerkabine, dann bauen wir das Zelt in Windseile auf und verziehen uns mit Material für Sandwiches in den oberen Stock. Allmählich verzieht sich das Gewitter, der Regen bleibt. Dennoch schlafen wir irgendwann ein.

Tag 26 – Chobe → Namibia
Es regnet nicht mehr. Ganze Herden von Impalas und Pavianen durchqueren unseren Campingplatz und spazieren nahe an uns vorbei. Wir stehen mittendrin und werden nicht beachtet – es fühlt sich etwas surreal an.

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Auf Sandpisten geht es nochmals gut 20 Kilometer dem Chobe River entlang. Es liegt erstaunlich wenig Wasser auf dem Weg, obwohl es die ganze Nacht geschüttet hat. Der Morgendrive ist wunderschön, die Büffelherde, die vom Wasser ins Innere des Parks zieht, spektakulär.

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Der Weg von Kasane nach Ngoma Bridge entlang dem Chobe River ist absolut traumhaft und sehr zu empfehlen. Man könnte ja auch die schnelle Umfahrungsstrasse nehmen, aber da verpasst man einiges. Um 9:30 Uhr verlassen wir nicht nur den Chobe River und den Chobe Nationalpark, sondern auch Botswana. Dreieinhalb Wochen in diesem Land waren ein einzigartiges Erlebnis. Hoffentlich geht es in Namibia so weiter. Also - erst einmal über die Grenze...
Teil 719. März 2026
Namibia
Grenze → Katima Mulilo → Rupara Rest Camp
Bei Ngoma Bridge erledigen wir die Grenzformalitäten: kompliziert und in unseren Augen etwas lächerlich. Wir sollen sogar die Fahrgestellnummer von Lotta suchen (stellt sich heraus: man kann sie sich auch einfach ausdenken 😉 ) – dafür werden auch hier verantwortungsvolle Jobs geschaffen - angesichts der Arbeitslosenquote vielleicht gar keine so schlechte Idee.
Auf der tadellosen B8 geht die Reise weiter. Entlang der Strasse sehen wir unzählige kleine Dörfer, alles wirkt gepflegt, abgesehen von vom Winde verwehten Petflaschen und Plastiksäcken rund um die Siedlungen. Kinder winken und rennen einige Schritte hinterher. Interessanterweise zeigt sich aber schon hier, dass sie sich, im Gegensatz zu den Kindern in Botswana, von Touristen vor allem ein Almosen versprechen. Von uns gibt's ein freundliches Lächeln und ein Winken. Die Frauen tragen bunte Kleider und Waren auf den Köpfen. Männer sitzen im Schatten eines Baums zusammen und tragen Daunenjacken oder Fussballshirts. Eine zehnrüsselige Elefantenfamilie überquert den Trans Caprivi Highway im Galopp.
In Katima Mulilo tanken wir und heben Bargeld ab und verlassen das bunte Treiben in Richtung Südwesten. Die Asphaltstrasse C49 führt uns nach Sangwali, dann geht es auf die Schotterpiste bis zum Rupara Rest Camp. Der äusserst zuvorkommende Camphost mit dem romantischen Namen Starlight gibt uns den besten Platz, Private Campsite 1. Von dort aus beobachten wir Warzenschweine und Paviane am Wasserloch.

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Wir lüften Bettlaken, Kissen und Frottiertücher in der Sonne. Denise zeichnet zwei weitere Kunstwerke - langsam füllt sich ihr mitgebrachtes Skizzenbuch mit Reiseeindrücken. Zum Nachtessen gibt es die obligaten Pastaresten mit unserer leckeren Haussauce und Rotwein.

Tag 27 – Nkasa Lupala Nationalpark
Heute wissen wir beide nicht, welcher Wochentag es ist. Das ist gut. Nach dem Frühstück machen wir uns zum nahe gelegenen Nkasa Lupala Nationalpark auf. Wir kurven fünf Stunden herum, kommen immer wieder zum Linyanti River. Die Landschaft ist sehr reizvoll. Wir können uns gut vorstellen, wie das Wasser hier in der Regenzeit liegen würde. Wir sehen viele Warzenschweine (wir nennen sie ja nur Pumpas) und Impalas, Kudus, Lechwes, unzählige Vögel, darunter den hübschen Bee-Eater, Nilpferde, Krokodile und schliesslich eine Elefantenfamilie.

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Das Highlight des Nachmittags: Mindestens 80 Büffel kommen ans Wasserloch direkt vor unserem Stellplatz. Es staubt und schnaubt, alle gehen kurz zum Wasser, einige stehen Wache. Dann zieht die Meute langsam und praktisch geräuschlos weiter. Was für ein eindrückliches Schauspiel vor der eigenen Haustür!

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Vor dem Nachtessen profitieren wir von den grosszügigen und privaten Ablutions und duschen ausgiebig. Dann machen wir ein Feuer, braten Kartoffeln in der Alufolie und Brot für die nächsten Tage im Dutch Oven. Wir sitzen noch etwas in der Dunkelheit, die Glut ist noch warm, unendlich viele Sterne sind am Firmament, es ist erstaunlich still - und wir fragen uns: Kann das Leben schöner sein?...
Teil 822. März 2026
Tag 28 – Weiterfahrt → Bwabwata Nationalpark (Nambwa)
Auf der tadellosen C49 geht es weiter in Richtung Bwabwata. Im Nationalpark angekommen, gibt es eine kleine Verstimmung: Die in Denises Augen schlechteste der vier Campsites wird uns zugeteilt (Nummer 3).
An sich ist der Campground sehr schön am Rande einer Grassenke gelegen. Die vier Stellplätze sind fantastisch und liebevoll ausgerüstet mit einem offenen Koch- und Badtrakt aus Mosaik und Petwänden. Ich bin überhaupt nicht zufrieden mit dem Stellplatz, kann man von hier aus doch nur an einen umgestürzten Baum und nicht auf die weite Steppe sehen. Ich bin so ein miesepetriger Bock und schäme mich retrospektiv schon recht für meine Zickigkeit. Andy versucht zu tauschen – ohne Erfolg, alle vier Plätze sind ab irgendwann gebucht. Wir essen ein trockenes Sandwich und spielen The Game, so schlecht wie noch nie. Die Stimmung ist für einmal ziemlich mies – doch das soll sich radikal ändern!
Mit dem Feldstecher hocke ich mich an den Rand der Grassteppe und suche das Feld nach Leben ab. Impalas, Lechwes – und dann bleibe ich an einer kleinen Baumgruppe hängen. Es fühlt sich an wie in einem Trickfilm: Schwenk mit dem Feldstecher – Stopp – da war doch was – zurück – mehrfaches Nachjustieren. Dann bin ich mir sicher: Da hängt was im Baum. Ein gefleckter Schwanz und dann der Rest. Ein Leopard in einem Baum. Ganz klein und ganz weit weg, aber klar. Ich bitte die Frau des Rezeptionisten, meine Entdeckung durch einen Blick durchs Fernglas zu bestätigen. Es stellt sich heraus, dass die nette Dame noch nie durch ein solches Ding geschaut hat und sie daher Mühe hat, überhaupt etwas zu erkennen. Ihren Mann kann ich halbwegs überzeugen und frage ihn, ob man da näher hinfahren kann um das Tier zu sehen. Das könne man nicht, aber wir könnten ja schauen gehen... Und so machen wir uns mit ihm und seiner Frau zu Fuss auf den Weg durch das hüfthohe Savannengras. Auf dreiviertel der Strecke bemerken wir, dass da kein Leopard mehr im Baum ist. Wo der wohl steckt? Ein etwas mulmiges Gefühl befällt uns im Dickicht stehend. Auf Geheiss des Hosts warten wir, während die beiden Einheimischen sich weiter dem Baum nähern. Die beiden verschwinden zwischenzeitlich in den Bäumen und wir werden immer unruhiger.
Doch dann ruft uns die Frau und winkt wie wild. Wir sprinten fast schon zu ihnen. Beim Baum angekommen, sehen wir den Grund der Aufregung: Dort hängt – ganz frisch – die ausgeweidete Karkasse eines jungen Impalas. Wir haben den Leoparden beim Essen gestört und er wird irgendwo in der Nähe darauf warten, dass wir wieder verschwinden.
Was für ein Wahnsinnserlebnis! Denise ist mächtig stolz auf ihre Entdeckung – zu Recht. Und nur ganz nebenbei haben wir nun die Big Five komplettiert. Na ja, nicht mit allerletzter Gewissheit und doch irgendwie.

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Tag 29 – Nambwa Campsite, Kwando River
Um 5:45 Uhr geht’s auf den Morgendrive – ohne Frühstück. Am Horse Shoe – der Kwando macht eine hufeisenförmige Schleife – bestaunen wir den Sonnenaufgang durch Wolken. Viele Tiere sind unterwegs: Impalas, Lechwes, Kudus, Krokodile, Nilpferde, Büffel, Warzenschweine, Bee-Eater.

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Und dann sehen wir ihn doch noch: Unmittelbar am Wegrand ruht ein Leopard. Keine zehn Meter entfernt. Wir erschrecken beide. War er gestern noch kaum sichtbar in einem Baum, liegt er jetzt direkt neben dem Weg. Gemächlich steht die Raubkatze auf und spaziert an uns vorbei. Wir wenden das Fahrzeug und fahren parallel. Wow! Er scheint mit seiner vernarbten Schnauze und den abgekauten Ohren schon recht alt zu sein und natürlich wissen wir nicht, ob es das Tier von gestern ist. Er ist wunderschön und wir können unser Glück kaum glauben. Irgendwann verschwindet er im Gebüsch, dank perfekter Tarnung unsichtbar. Ein erhabener Moment.

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Zurück auf dem Zeltplatz gönnen wir uns zuerst ein Früh-, naja eher ein Spätstück. Dann geniessen wir einen ruhigen Tag mit Lesen, Social Media (auf dem gesamten Zeltplatz hat es ein schnelles Wifi!), Fotos. Denise bemerkt einen Hornbill, der immer wieder einen Baumstamm anfliegt. Wir schauen genauer hin und entdecken schliesslich die Hornbill-Höhle: Das Weibchen hat sich mit der Brut eingeschlossen, das Männchen bringt die Nahrung. Wir beobachten diesen Vorgang mehrmals aus der Nähe und Denise knipst einige schöne Bilder.

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Am Abend machen wir einen kurzen Spaziergang ausserhalb des Campingplatzes. Was für ein Tag! Der Leopard und die Hornbill-Fütterung hallen lange nach.
Teil 922. März 2026
Tag 30 – Bwabwata → Mahangu Safari Lodge
Wir fahren die 13 Kilometer zurück zum Parkeingang teilweise auf anderen Wegen als auf dem Hinweg – sandig sind sie alle. Am Gate interessiert sich niemand für uns, als wir bezahlen wollen (beim Eintritt konnte nicht mit Karte bezahlt werden). Wir insistieren kurz, lassen es dann aber sein: Die letzten zwei Tage waren gratis, aber in keiner Weise vergebens.
Auf der asphaltierten B8 donnern wir die 200 Kilometer nach Divundu, vorbei an Strohhäuschen, Menschen mit Behältern auf dem Kopf, Menschen auf dem Weg zur Kirche (immerhin ist heute Sonntag und 85 Prozent der Namibier sind offiziell Christen), arbeitenden Menschen auf den Feldern und einer zehnrüsseligen Elefantenfamilie, die den Trans Caprivi Highway im Galopp überquert.
In Divundu tanken wir und wollen am bewachten ATM Bargeld abheben. Andy steht an, ich bleibe im Auto. Unvermittelt spricht mich ein Mann durchs Beifahrerfenster an und will mich in ein Gespräch über Weihnachtsgeschenke für seine Kinder verwickeln und ich merke, wie die Situation langsam unangenehm wird. Aus dem Augenwinkel erkenne ich, dass auch Andy in eine brenzlige Lage gebracht wird, in der ein Mann ihm seine Kreditkarte abnehmen will. Ich rufe laut nach und drücke auf die Hupe, in der Hoffnung, dass dies genug Verwirrung stiftet, damit die uns in Ruhe lassen. Aber Andy kann durch seinen beherzten Einsatz seine Karte sofort wieder retten. Der Wachmann reagiert überhaupt gar nicht und schaut gelangweilt in die andere Richtung. Nicht gerade der Empfang, den wir uns in Namibia gewünscht hätten, und so beschliessen wir, diesem bunten Treiben den Rücken zu kehren und nicht länger als nötig zu verweilen. In Botswana haben wir die Menschen vor allem als neugierig und hilfsbereit erlebt, hatten aber nie eine Situation, in der wir uns unsicher oder bedroht fühlten – vielleicht müssen wir in Namibia etwas vorsichtiger sein.
Die Mahangu Safari Lodge liegt direkt am Okavango und ist im Vergleich zu den meisten bisherigen Plätzen recht eng gesetzt. Wir bekommen Campsite 4 mit unmittelbarem Flussanschluss - sehr schön. Im Fluss tummeln sich Nilpferde und Krokodile. Im Ufergehölz sehen wir Wasserschlangen und Echsen. Um 15 Uhr machen wir eine Bootsfahrt flussaufwärts mit einem südafrikanisch-namibischen Paar aus Windhoek, dann steigen wir um ins Fahrzeug und ein Guide nimmt uns mit auf einen Game Drive. Zwei faule Löwen liegen unter Büschen und dösen. Wir sehen diverse Antilopen (Impalas, Waterbucks, Buschböcke, Lechwes, Kudus, Säbelantilopen, Damara-Dik-Dik), Warzenschweine, Affen, Echsen, Schildkröten und jede Menge Vögel. Während der Fahrt geht ein Regenguss nieder, doch am Ende geniessen wir den Sundowner bei einem wunderschönen Sonnenuntergang.

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Tag 31 – Mahangu, Ruhetag am Kavango
Wolkenlos präsentiert sich der Morgen. Wir stehen um 5 Uhr auf, setzen uns auf die Stühle und schauen dem Tag beim Erwachen zu. Zuerst wird der Himmel rot, dann weicht die rote Farbe, es wird heller am Horizont – weisslich gelb –, das Himmelszelt hellblau mit einigen rosa Wölkchen, dann kommt die Sonne als oranger Ball, und zack ist sie da. Ein echt schöner Moment.

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Den Tag verbringen wir mit Lesen (Denise liest zum ersten Mal die Sonntagszeitung), Planen (es wartet immerhin der wilde Khaudum Nationalpark...), Schreiben, Hängematte, Fluss beobachten, Sonne und Wärme geniessen. Wir geniessen einen ausserordentlich ruhigen Tag. Der Blick auf den Kavango ist einmalig.

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Der Abschied von der Okavango-Sambesi-Region stimmt Denise wehmütig – hatte sie doch so lange darauf hingeplant. Dieser Teil der Reise war für sie der grösste Wunsch gewesen. Jetzt ist er dann bereits Geschichte – aber die letzten Tage waren ein unglaubliches und unvergleichliches Erlebnis, auch wenn in der Nacht wieder Regen einsetzt, so stark, dass Schlaf für eine Weile eine Traumvorstellung bleibt.
Es ist der 10. November und schon ist ein Monat um. Und auch wenn ich mich sehr auf die kommenden Stationen freue, so schwingt doch Wehmut über das schon Vergangene mit - Saudade.
Wir wussten, dass wir vom Spannungsbogen her unsere Reise besser in umgekehrter Richtung gemacht hätten. Wettertechnisch sind wir so aber wohl auf der sichereren Seite.

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Teil 1022. März 2026
Tag 32 – Khaudum Nationalpark (Einfahrt)
Der Khaudum gilt als Geheimtipp für Allradliebhaber. Wir haben viel darüber gelesen und wir wurden vor seiner Wildheit und seinen tiefsandigen Strassen gewarnt. Genau dieses Abenteuer suchen wir, auch wenn wir die Entscheidung darüber, ob wir ihn wirklich in Angriff nehmen sollen bis zuletzt aufgeschoben haben. Nun fühlen wir uns aber bereit und unser Vertrauen in Lottas Fähigkeiten ist unbeirrbar - bei Lötteli sieht es da schon anders aus 😉
Kurz vor 8 Uhr fahren wir los, wir halten in Divundu nochmals zum Tanken, dann geht es auf der B8 bis Katere. Dort biegen wir ab. Unter einem mächtigen Baum scheint die Dorfversammlung stattzufinden. Ein Mann referiert und gestikuliert und alle sitzen um ihn herum und hören zu. Politik halt... Wir stellen Lotta unter einen anderen Baum und lassen die Luft aus den Reifen: 1,6 Bar. Gleich neben dem Baum startet die Sandpiste mit dem Wegweiser Khaudum 46 km – für die unser analoger Führer vier Stunden einplant.
Der Sand ist wegen des Nachtregens kompakt, was den Fahrkomfort erheblich erhöht. So hat die schlaflose Nacht ihr Gutes. Wir kommen gut voran, passieren überraschend zwei Dörfchen (wer -bitte sehr – wohnt hier hinten?) und treffen auf eine Exildeutsche, die hier offenbar ein neues Zuhause gefunden hat. Sie bestätigt, die Piste sei in wirklich gutem Zustand – manchmal sei das ganz anders. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir bereits den Eingang des Nationalparks.

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Im Einschreibbuch sehen wir, dass die letzten Touristen vor acht Tagen hier eingecheckt haben. Ein norwegisches Paar verlässt den Park gerade, nachdem es vier Tage lang keine anderen Besucher gesehen hat. Wir drehen noch eine Game-Drive-Volte: Roan-Antilopen, Oryxe, Strausse, Warzenschweine – alle sehr scheu und kaum an Menschen gewöhnt.

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Am frühen Nachmittag beziehen wir Campsite 2 des nördlichen Zeltplatzes Khaudum: ein riesiger Platz mit Ausblick auf das trockene Flussbett. Denise macht Brotteig, Andy Feuer, obwohl dunkelste Wolken aufziehen. Die Fronten ziehen links und rechts vorbei und für einmal haben wir Glück. Wir braten Kürbisse und Süsskartoffeln in der Glut und backen Brot im Dutch Oven. Wir sind nicht ganz allein – zwei andere Campsites sind belegt –, doch die Abgeschiedenheit ist spürbar.

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Tag 33 – Khaudum
Lotta ist schon bei Sonnenaufgang startklar für eine Runde im Park, noch vor dem Frühstück. Schon nach wenigen Metern erblicken wir Kudus - vielversprechend. Dann wird das Gebiet sandiger, es setzt kurz Regen ein, deshalb sieht man vermutlich kaum Tiere. Ein verirrter Schakal, ein aufgescheuchtes Oryx. Die zwei Wasserlöcher sind fast verlassen.
Dann plötzlich, linkerhand im Gebüsch: ein junger Löwe, ganz allein. Das Tier weiss nicht, was es mit uns anfangen soll – als hätte es noch nie Menschen oder Autos gesehen, was angesichts der Abgeschiedenheit tatsächlich gut möglich ist. Andy setzt zurück und wir haben einen sehr schönen Blick auf das gleichzeitig scheue wie neugierige Jungtier.

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Dann taucht aus den Büschen rechts die Mutter auf. Sie beäugt uns argwöhnisch und auch sie scheint noch nicht entschieden zu haben, ob wir Freund oder Feind sind. Beschützend legt sie sich neben ihr Junges. Die beiden beginnen ihre Katzenwäsche – ein sehr friedliches Bild. Wir können uns kaum satt sehen und auch die beiden Löwen überprüfen immer wieder, ob wir noch da sind. Als Andy nach etwa einer halben Stunde den Motor einschaltet, kommt Leben in die Szenerie: Die Löwin steht sofort auf und kommt auf uns zu. Sie scheint sichergehen zu wollen, dass wir auch wirklich gehen. So gelingen mir noch einige richtig coole Bilder, und als sie uns sogar noch ein ganzes Stück auf dem Weg nachläuft, ein kurzes, spannendes Video. Auch das, wie so viele hier, ein extrem eindrückliches Erlebnis, das bleibt.
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Frühstückspause auf einem Lookout – mit Kaffee und Müsli. Dann besuchen wir das letzte Wasserloch, wo gerade Wartungsarbeiten im Gang sind. Wir haben ein nettes Gespräch mit einem Arbeiter, der uns die Funktionsweise der Bohrlöcher erklärt, während er in Socken dem Werken seiner Mitarbeitenden zuschaut. Als wir ihm das Video der uns verfolgenden Löwin zeigen kann er es kaum fassen und findet die Begebenheit sowohl erstaunlich als auch sehr amüsant. Zum Abschied wünscht er uns viel Glück bei den Elefantensichtungen und sich selber einen möglichst elefantenfreien Arbeitstag.
Am Abend sitzen wir auf der Terrasse des Stellplatzes Nummer zwei. Es ist 17 Uhr. Wir schauen abwechselnd mit dem Feldstecher 28 Elefanten beim Abendmeeting am entfernten Wasserloch zu. Die Sonne scheint. Es weht ein laues Lüftchen. Das Leben meint es gerade ziemlich gut mit uns.

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Tag 33 – Khaudum (Sikereti)
Mitten in der Nacht wache ich auf, weil ein Elefant unmittelbar neben mir trompetet. Naja – beim zweiten Trompeten merke ich, dass das trockene Flussbett mehr als 50 Meter weit weg liegt. Wenn man aus dem Tiefschlaf kommt, erscheinen die Dinge näher, als sie es in Wirklichkeit sind.
Nach dem Frühstück und Sonnenaufgang packen wir. Im Khaudum Camping sind wir in dieser Nacht die einzigen Residierenden gewesen. Wir fahren die Ostroute südwärts. Die Strassen sind hier etwas weniger tief. Wir sehen mehr Tiere als am Vortag: Giraffen, Oryxe, Roan-Antilopen, Warzenschweine, Gnus.

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Am dritten Wasserloch beobachten wir zwei Elefanten beim Herumplanschen. Einer macht sich auf seinen Weg und kommt einem daherkommenden Auto sehr nahe. Der Fahrer hatte den Motor ausgeschaltet und als er ihn nun etwas panisch wieder zum Laufen bringt, erschrickt der Elefant und wirkt sehr bedrohlich. Als wir mit dem Frankfurter Paar danach beim Wasserloch ins Gespräch kommen, ist der Fahrer immer noch kreidebleich und seine Knie schlottern. Schliesslich verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg nach Sikereti.
Das Hauptgebäude ist erst dreieinhalb Jahre alt und sehr stilvoll. Wir melden uns beim Chef aus Indien für das Abendessen an und beziehen unsere Campsite. Aussicht gibt’s hier nicht, der Platz liegt im Wald. Dafür sind die privaten Ablutions sehr schön und Feuerholz für den Donkey und die Braai-Stelle stehen zur Verfügung. Auf Anraten des Managers nehmen wir den Weg zum letzten Wasserloch des Khaudum Nationalparks in Angriff. Dort ist allerdings tote Hose. Wenn es regnet, sind die Tiere nicht auf die Wasserlöcher angewiesen und deshalb sind diese ziemlich verwaist. Am Abend geniessen wir einen Gin Tonic am Feuer mit dem Paar aus Frankfurt und einer vierköpfigen deutschen Reisegruppe. Das Essen und die Unterhaltung mit den Frankfurtern sind wirklich gut und wir trinken einen leckeren Rotwein. Der Manager besteht darauf, uns nach dem Essen die 200 Meter zu unserem Stellplatz zu fahren – wegen der Tiere. Wir kommen etwas beschwipst an. In der Nacht beginnt es zu regnen. Natürlich.
Teil 1122. März 2026
Tag 34 – Khaudum → Tsumkwe → Roy's Restcamp
Während einer kurzen Regenpause stehen wir auf, essen ein zügiges Frühstück und packen zusammen. Nach einer guten Stunde erreichen wir auf einer perfekten Sandpiste Tsumkwe. Auf der Fahrt müssen wir eine kleine Pause einlegen, um einem Elefanten dessen Vortrittsrecht zu gewähren. Wir dürfen nie vergessen, dass wir in seinem Vorgarten sind – und nicht umgekehrt. Die Tankstelle in Tsumkwe ist so, wie wir uns eine afrikanische Tankstelle in unseren naiven Träumen vorgestellt haben: zwei leicht angerostete Zapfsäulen, dahinter eine Bude, irgendwann kommt einer heraus und gibt Diesel, aber hey: Kartenzahlung ist möglich.
Auf breiter, fester Piste geht es weiter in Richtung Grootfontein. Der Regen lässt erst gegen elf Uhr nach. Zwei Stunden später erreichen wir Roy's Restcamp an der B8. Kaum haben wir uns auf dem eigenwilligen und teilweise überfluteten Campingplatz eingerichtet, bekommen wir Besuch von einem britischen Birdwatcher, der sich in Namibia niedergelassen hat. Er braucht Hilfe beim Identifizieren eines kleinen, unscheinbaren, aber lauten Vogels. Natürlich entdeckt Denise den Piepmatz und der Hobbyornithologe von der Insel ist glücklich. Danach begeben wir uns auf einen etwa vier Kilometer langen, ausgeschilderten Walk. Es ist schön, sich etwas zu bewegen, auch wenn weder Flora noch Fauna uns zu Begeisterungsstürmen hinreissen.

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Am Abend essen wir, was der Kühlschrank hergibt. Andy zaubert ein vorzügliches Restemahl. Die Guides einer Overlander-Tour auf dem Platz wissen, dass für die Nacht Unwetter angesagt ist. Wir räumen alles zusammen und machen die Schotten dicht. Um drei Uhr morgens beginnt es heftig zu regnen, doch der grosse Sturm bleibt aus.

Tag 35 – Grootfontein → Mushara Lodge (kurz vor Etosha)
Wir stellen das Vorzelt auf, damit wir im Trockenen frühstücken können. Dann verlassen wir den überfluteten Campingplatz. In Grootfontein tanken wir, heben Geld ab und tätigen Einkäufe – mit bettelnden Kindern und Leuten, die uns überall hin folgen. Wir haben hier kein sehr gutes Gefühl, obwohl Grootfontein ein funktionierendes Städtchen zu sein scheint.
Auf der C39 geht es weiter in Richtung Namutoni. Kurz vor dem Etosha-Nationalpark erreichen wir die Mushara Lodge. Lotta ist hier der Exote auf dem Parkplatz, ist sie doch das einzige Fahrzeug mit Zeltaufbau und zudem steht sie vor Dreck. Wir sind stolz auf sie 😉
In der hübschen Anlage bekommen ein kleines Häuschen, das sehr stilvoll eingerichtet ist. Die ganze Lodge ist geschmackvoll und ruhig.

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Unsere schmutzige Wäsche wandert die Wäscherei ab und wir gönnen uns einen faulen Nachmittag, wobei uns der stark frequentierte Pool dann aber doch etwas zu viel ist. Beim Abendessen auf der schönen Terrasse entdecken wir im Baum ein Lesser Bushbaby, das sich mit seinen kugeligen grossen Augen kurz zeigt und dann davonhüpft. Wir haben nicht gewusst, dass diese Tiere so weit springen können. Leider ist es zu dunkel um ein gutes Foto zu machen. Wir stossen an auf die Halbzeit unseres gigantischen Abenteuers.
Teil 1222. März 2026
Die zweite Hälfte der Reise beginnt
Tag 36 – Etosha (Ostteil)
Um halb sechs sitzen wir bereits beim Frühstück und passieren kurz nach sechs das Van-Lindequist-Gate in den Nationalpark.

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Kurz nach Namutoni entdecken wir eine Tüpfelhyäne. Wir durchqueren den Ostteil des Parks, fahren der Salzpfanne entlang und besuchen mehrere Wasserlöcher. Wegen des Regens der letzten Tage sind diese für die Tiere nicht wichtig – und bleiben quasi unbeachtet. Was für ein Unterschied zu 2016, als wir im Juli hier waren und die Wasserlöcher jeweils ein Riesenspektakel waren.
So sehen wir die Tiere vor allem unterwegs und Denise ist eine hervorragende Tierspotterin: Zebras, Gnus, Springböcke, Giraffen, zwei Löwen von weit weg, viele Vögel.

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In Halali machen wir einen Mittagshalt. Am späten Nachmittag – Denise hat inzwischen das Steuer übernommen – sehen wir einen alten Elefanten unmittelbar neben dem Weg, der gerade einen kleinen Baum fällt und verspeist. Das sollte das Highlight des langen Tages sein.
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Am Abend essen wir in der Lodge Impala-Fleisch. Es schmeckt fein, vergleichbar mit unserem Wild, aber irgendwie haben wir beide bald genug und sind froh, dass die Portion nicht sehr gross ist. Gerade eben haben wir noch die Eleganz der grazilen Tiere bewundert und schon liegt eins auf unserem Teller. Der Mensch is(s)t seltsam ambivalent.

Tag 37 – Etosha (Halali → Okaukuejo)

Mit der Erfahrung des Vortages nehmen wir es heute ruhiger. Kaum im Nationalpark angekommen, werden wir von drei rasenden Safari-Fahrzeugen überholt. Das ist ein klares Zeichen – also fahren wir hinterher und stossen auf einige am Strassenrand geparkte Autos. Wir sehen uns um, können aber nichts Spezielles erkennen. Deshalb fragen wir einen Guide, was es zu sehen gibt – er zeigt lapidar auf Geparde in der Ferne. Und tatsächlich sehen auch wir dank Feldstecher unsere ersten Cheetahs. Supercool, aber mit dem kleinen Beigeschmack, dass wir sie selber nie und nimmer entdeckt hätten und dass sie so weit weg waren, dass wir nicht einmal mit Denises Superobjektiv ein einigermassen zeigbares Foto machen konnten.

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In Okaukuejo sind wir nun also definitiv im Mainstream-Namibia angekommen und schreiben uns für den Night Drive ein – werden aber vertröstet, es später nochmals zu versuchen. Ich bin pessimistisch, Andy nicht und er behält – ausnahmsweise 😉 – recht. Als wir also kurz vor der geplanten Abfahrtszeit nochmals nachfragen, ob etwas frei geworden sei, drückt die Dame am Empfang aufs Tempo: wir seien schon erwartet worden, müssten noch Getränke wählen, ein Formular ausfüllen – aber draussen warten. Sie komme gleich. Und so kommen wir zu unserem ersten Nachtausflug in Etosha.
Abgesehen von einem wunderschönen Sonnenuntergang mit Giraffen und einem Nashorn im Dämmerlicht ist der Night Drive aber eher ernüchternd. Der Guide interessiert sich nur für Raubkatzen. Die Gäste sind auch offen für die putzigen Spring Hares und Eulen – das schert ihn aber wenig und es wird kaum mal für eine Tiersichtung angehalten, geschweige denn für das ausgewählte Getränk. Von der wilden Leuchtenschwenkerei wird einem fast übel und der Drive ist mit drei Stunden auch zu lang. So endet der Tag am Wasserloch des Camps, wo wir noch zwei Nashörner beobachten, bevor wir knapp vor 23 Uhr – ohne Abendessen – in die Lotta-Luke fallen.

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Tag 38 – Etosha (Westausfahrt → Hobatere)
Es war eine kurze Nacht, aber der Sonnenaufgang ist derart schön, dass wir früh aufstehen. Wir fahren westwärts. Kurz danach sehen wir etwas entfernt eine Hyäne, die Richtung Strasse unterwegs ist. Wir folgen ihr geduldig. Es ist wirklich spannend, das Tier, das, für mich unerklärlicherweise, zu den Ugly Five gehört, auf seinem Weg zu beobachten. Irgendwann ändert es seine Route – wir nicht...

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Unterwegs sehen wir Giraffen, Zebras, Gnus, Springböcke, Oryxe und drei Elefanten. Dann stoppe ich den Wagen ruckartig und setze zurück: Links und rechts der Strasse sind Elefanten, die sich Rüssel an Schwanz Richtung Wasserloch begeben. Einer zeigt sich etwas aggressiv und bildet die Nachhut – die Zebras halten sicherheitshalber Abstand, während die Elefantendame wie ein Verkehrskadette im Stechschritt hinter ihrer Herde nachrennt. Die Szene am Wasserloch weckt Erinnerungen an Etosha 2016, als die Trockenheit die Tiere in Heerscharen an die Wasserstellen gelockt hat.

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In Olifantsrus machen wir auf dem Ausguck Mittagsrast, auf dem wir vor neun Jahren lange gesessen hatten. Damals war hier wesentlich mehr los, als der einsame Elefant, der hier fast steht, als würde er zu Fotozwecken bezahlt.

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Dann fahren wir zum Galton-Gate, haben eine kurze Diskussion mit der Mitarbeiterin über das Ein- und Ausreisedatum, verlassen den Nationalpark und erreichen wenig später Hobatere Campsite. Niemand ist da. Wir richten uns ein, wechseln nochmals kurz den Platz, sagen den Fliegen den Kampf an und geniessen eine Dusche. Schliesslich kommt ein junger sympathischer Mann und erklärt, er habe von unserer Reservation keinen Schimmer – aber das sei egal. Der Platz liegt malerisch an einem steinigen Hügel, die einzelnen Campsites sind mit eigener Nasszelle und Feuerstelle schön gebaut, ein eigenes Wasserloch ist in Gehdistanz, doch scheint die ganze Anlage nicht mehr wirklich unterhalten oder gepflegt zu werden. Wir machen ein Feuer, gegen die Fliegen hilft es auch nicht. Erst mit dem Sonnenuntergang verschwinden sie.
Teil 1323. März 2026
Tage 39 und 40 – Fahrt über Ruacana nach Epupa Falls

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Am frühen Morgen hat es glücklicherweise noch keine Fliegen. Denise macht einige Bilder von Rock Dassies und allerlei Echsen, während ich routinemässig Müesli und Kaffee bereit stelle.

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Auf der asphaltierten C35 fahren wir nordwärts. Nach gut 130 Kilometern kommt der Abzweiger nach Opuwo. Dort steht seit 2018 eine Tankstelle. Wir tanken voll - 120 Liter. Wir entscheiden spontan, nicht nach Opuwo abzubiegen, sondern weiter auf der C35 bis zur namibisch-angolanischen Grenze in Ruacana zu fahren und dann die D3700 entlang dem Grenzfluss Kunene nach Epupa Falls zu nehmen. So ersparen wir uns auf dem Südweg, eine Strecke doppelt zu machen.
Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und malerisch: Am Ufer des Kunene wachsen unzählige Palmen, und die Strasse ist abenteuerlich. Sehr steile und felsige Passagen wechseln sich mit unzähligen Senken, trockenen Flussbetten, sandigen Abschnitten und kleinen Wasserdurchquerungen ab. Unser analoger Reiseführer budgetiert für die «voll ausgebaute Strecke» 3–4 Stunden. Wir brauchen gut viereinhalb. Auf dem Weg kommen wir an vielen Himba-Dörfern vorbei. Kinder und manchmal auch Erwachsene rennen aus den Häusern zum Weg und winken, in der Hoffnung, etwas zu bekommen. Verkehr hat's, abgesehen von zwei oder drei voll bepackten Motorrädern, praktisch keinen.

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Am späten Nachmittag tauchen hinter einem Hügel plötzlich einige Häuser auf - wir kommen in Epupa an. Kleiner als erwartet...
Es war eine lange und anstrengende, aber auch äusserst reizvolle Fahrt. Die Epupa Falls Lodge & Campsite liegt direkt am Kunene, oberhalb der Epupa Falls. Der Fluss fällt hier an mehreren Orten in die Tiefe. Geräusch und Gischt spüren wir auch oben. Die einzelnen Plätze befinden sich im Schatten von hohen Palmen und auch hier gibt es eine Hauskatze.

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Am Abend unterhalten wir uns mit einem südafrikanischen Paar und mit fünf unserer eigenen Kompatrioten aus dem Kanton Tessin – wir bestaunen gegenseitig unsere Fahrzeuge und preisen sie an, als ob wir sie verkaufen wollten. Gerade nach einer Fahrt wie heute können wir uns nur lobend über unsere Lotta äussern - sie ist ein Superauto, in unserer Jugend hätten wir in der Schweiz von einem - Achtung Aussprache! - von einem "tschäntä Göppel" gesprochen. Aber auch die Tessiner haben was zu bieten: Die Autos sind mit einer Art Wohnkapsel bestückt und bieten auf kleinstem Raum den Komfort eines ganzen Wohnmobils. Sehr geil!

Am nächsten Morgen klettern wir früh zum View Point. Es ist steil und schon richtig heiss, doch es lohnt sich: Von oben erfasst man erst das ganze Ausmass der Fälle, die sich auf diverse Nebenarme des Kunene verteilen und aus verschiedenen Richtungen in eine Schlucht stürzen.

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Auf dem kleinen, rudimentären Campground zuoberst auf dem Hügel verweist ein junger Herr, den wir beim Singen im Auto gestört haben auf den Aufsichtspreis von 50 namibischen Dollar pro Person, den wir gerne entrichten. Wir drehten noch eine kleine Runde ans Flussufer und kehren dann um, nicht ohne jedoch zuvor bei einem der kleinen Souvenirstände etwas zu kaufen. 
Ich würde fast sagen, gezwungenermaßen. Und eins führt zum anderen und auf einmal wollen mir alle etwas andrehen. Und als zwei Frauen mit kleinen Kindern mir lieber ein Tauschgeschäft vorschlagen, Souvenir gegen Kinderkleider, verspreche ich, am nächsten Tag mit einem T-Shirt zurückzukommen. 

Den Nachmittag verbringen wir am Pool und in der Hängematte. Das Thermometer klettert wieder über 40 Grad. Am Abend fassen wir den Entschluss, Epupa einen Tag früher als geplant zu verlassen und Richtung Süden zu fahren.
Teil 1423. März 2026
Tag 41 – Epupa → Opuwo → Camp Aussicht

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Bevor wir losfahren, will ich noch mein Versprechen vom Vortag einlösen. 
Ich habe ein T-Shirt und ein Cap, das jemand in Etosha verloren hatte, dabei und gehe zu den Ständen. Die Frauen sind noch nicht da und so gebe ich die Sachen einem Jungen, geschätzte 13 Jahre mit dem Auftrag, das Shirt der Frau Natalia zu geben. Den Hut dürfe er behalten. 
Er spricht zwar nur portugiesisch, da Angolaner, wir verstehen uns aber mit Händen und Füßen ganz gut. Als wir dann losfahren, sehe ich, dass Natalia inzwischen angekommen ist und wüst auf den Jungen einschimpft. Ich steige aus und möchte die Sache richtigstellen. 
Der Junge hat alles genau richtig gemacht und sie beschuldigt ihn, sie zu hintergehen. Ich sage ihr, dass ich ihr das T-Shirt zugedacht hatte und er dafür den Hut bekommen hätte. Wütend schnaubt sie, wo denn die Kleider für die Kinder wären, worauf ich ihr nur antworten kann, dass ich gegeben habe, was ich könne. 
Der arme Junge weint unterdessen bitterlich und ich versuche, ihn etwas zu beruhigen und zu bestärken. Mit einem ganz unguten Gefühl, den Jungen in dieser Misere und mit einer ihm nicht wohlgesinnten Standnachbarin zurückzulassen, fahren wir los. Gut gemeint, schlecht gemacht, Denise. 🤨

Eine gute und breite Schotterstrasse führt uns von Epupa Falls nach Opuwo. Dort besuchen wir den Supermarkt, den Liquor Store, die Tankstelle und den ATM. Im Dorf herrscht reges Treiben. Wir sehen traditionelle Himbas, Herero-Frauen mit wallenden Gewändern, westlich gekleidete Leute verschiedener Stämme – und mittendrin stehen wir zwei Weisse und geniessen diese Eindrücke mit Auge, Ohr und Nase. Die anderthalb Stunden sind ein wahres Erlebnis.
Camp Aussicht liegt sechs Kilometer abseits der C43, hoch in den Hügeln, und der Weg dorthin ist eine Tortur für Lotta. Marius Steiner hatte hier einst Dioptase Kristalle entdeckt, begonnen es in einer Mine abzubauen und das Camp gebaut. Die Mine konnte bis vor Kurzem noch besichtigt werden. Marius Steiner ist vor drei Monaten an seinem Lungenleiden aufgrund der Belastungen in der Mine gestorben. Auf dem Weg zum Haupthaus steht ein Schrein, der an ihn erinnert. Am Empfang angekommen sehe ich dem jungen Mann an, dass er nicht mit unserer Ankunft gerechnet hatte. Er will denn auch gleich einkassieren und muss überzeugt werden, dass wir bereits alles im Voraus beglichen hatten. Wir richten uns auf der Campsite 4 ein und steigen mutig hinauf zum und auf den baufälligen Aussichtsturm. Wie vor ein paar Tagen in Hobatere bekommen wir hier den Eindruck, dass der Campingplatz nicht mehr mit ganz so viel Herzblut unterhalten wird. Das ist sehr schade, denn er ist, ob man jetzt mit den allgegenwärtigen Bibelsprüchen viel am Hut hat oder nicht, wirklich ein originelles Unikum.

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Kurz nach Einbruch der Dunkelheit beobachten wir amüsiert ein Stachelschwein, das durch Fressen angelockt wurde. Unsere erste Begegnung mit einem Porcupine. Es ist grösser (und lauter beim Fressen...), als wir es erwartet hatten.

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Für ein gutes Bild war das Licht (oder meine Fotokünste 😉 ) dann doch zu schwach.

Tag 42 – Camp Aussicht → Palmwag
Wir stehen mit der Sonne auf, frühstücken und fahren die sechs Kilometer auf einem anderen Weg zurück. Er ist auch ziemlich holprig und sandig, aber weniger als derjenige vom Vortag. Auf der guten Schotterstrasse C43 fahren wir vorbei an Sesfontein nach Palmwag. Der Aufenthalt hier war nicht geplant und wir freuen uns, dass es kein Problem ist, einen Stellplatz zu bekommen. Campsite 5 liegt direkt am trockenen Flussbett und bietet ein eigenes Bad, ein Aussenwaschbecken, einen Tisch mit Bänken und ein Dach, an dem unsere Hängematte genau hineinpasst. Im Nachhinein sind wir richtig froh, schon einen Tag früher in Palmwag (oder im Wortklang der Einheimischen: Palawa 😉 ) angekommen zu sein. So haben wir doch genügend Zeit und Musse, uns auf die bevorstehende Wanderung einzustellen und unser Gepäck für die nächsten Tage zu "büscheln". Wir verbringen einen ruhigen Nachmittag, profitieren vom Wifi und Pool der Lodge und bereiten uns voller Vorfreude auf die kommenden fünf Tage vor: Etendeka Wandertage und Shipwreck Lodge.

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Teil 1523. März 2026
Tage 43 und 44 – Etendeka Concession (Wandertage)
Um 15 Uhr werden wir von Tilpepa (Fahrer) und Gelasius (Guide) in Palmwag abgeholt. Nach einem kurzen Autotransfer in die Etendeka Concession starten wir unsere dreitägige Wanderung. Die Wanderung wird angeboten von der Etendeka Lodge, die wir aber nicht benutzen. Das Etendeka-Gebirge ist karg, deshalb freuen wir uns umso mehr über die Zebras, die uns unterwegs begegnen.

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Gelasius ist ein amüsanter und interessanter Gesprächspartner, der uns auch über gesellschaftliche und politische Themen erzählt. Er ist Bantu und erklärt uns einiges über das Zusammenleben der verschiedenen Stämme. Das grösste Problem, so Gelasius, sei die riesige Arbeitslosigkeit und damit die Armut der Landbevölkerung. Es findet ein echter Austausch zwischen unseren Lebensweisen statt, denn Gelasius interessiert sich sehr für unsere Berufsausbildung. Die tiefe Arbeitslosenrate bei uns lässt ihn leer schlucken. Es sind diese Begegnungen, natürlich abgesehen von den Tieren, die für uns diese Reise ausmachen. Bevor wir zuhause losgefahren sind, haben wir uns fest vorgenommen, alles mitzunehmen, was auf uns zukommt und alle Gelegenheiten wahrzunehmen, die sich uns bieten. Auf einige hätten wir gerne verzichtet (das Verfahren am ersten Tag zum Beispiel), von anderen können wir kaum genug bekommen. Und doch gibt es in diesem Verhältnis den Punkt, an dem wir uns über ethnische Ungleichheiten unterhalten und als ich Gelasius von unserem Berufsalltag als Lehrkräfte erzähle und darüber, dass wir versuchen die Kinder daraufhin zu erziehen, dass alle Menschen den gleichen Wert haben, da lacht er mich aus und sagt, nicht ohne Bitterkeit, dass dies nie der Fall sein würde. Dass in seiner Welt Schwarze immer weniger Rechte hätten als Weisse und Arme immer weniger als Reiche. Ich gebe zu, ich war da zu blauäugig und auch unser Gespräch ist aus seiner Sicht nicht auf der Augenhöhe, die ich mir gewünscht hätte. Wir sind uns aber darüber einig, dass genau diese Art der Auseinandersetzung wichtig ist dafür, dass sich eventuell irgendwann in der Zukunft etwas daran ändert.
Nach knapp drei Stunden kommen wir im River Camp an: ein Küchenblock und fünf rudimentäre Cabins, deren Dach heruntergeklappt werden kann, damit der Sternenhimmel seine ganze Pracht über den Pritschenbetten entfaltet. Nach einer Bucket-Dusche geniessen wir Hähnchen, Kürbis und Kartoffeln, die uns Johns und Denise (lustiger Zufall) auf dem Feuer zubereiten. Es ist schön, wenn in freier Natur für einen gekocht wird und wir geniessen das Essen mit Gelasius und erfahren dabei noch so einiges über die Geologie der Tafelberge der Region. Vor dem Einschlafen studieren wir die Sterne, Denise mit einem Southern-Sky-App, Andy einfach so...

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Das Highlight des zweiten Wandertages ist eine Herde von elf Giraffen. Wir nähern uns langsam. Sie stehen da und schauen uns an. Wir marschieren auf sie zu, sie bewegen sich etwas weg, dann wieder auf uns zu. Auch Gelasius ist hellauf begeistert und wir kommen aus dem Filmen kaum mehr heraus. Sie sind eine Weile unsere Begleiter. Dann galoppiert das Leittier plötzlich davon – und in wenigen Augenblicken sind sie kaum mehr zu sehen. Wahnsinn, so grosse Tiere und so gut getarnt. Auch Zebras, Springböcke, ein Skink und eine Schlange treffen wir an, vom Nashorn müssen uns die Fussspuren reichen.

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Nach fünf Stunden erreichen wir das Hill Camp nach einem steilen Aufstieg auf einem – wen wundert’s? – Hügel, wo wir eine unglaublich schöne Aussicht auf das ganze Etendeka-Gebiet mit seinen Tafelbergen geniessen.

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Nach dem Mittagessen und einer kleinen Siesta in der balkonartigen Behausung marschieren wir nochmals los und erklimmen einen Aussichtspunkt.

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Das Bild hätte auch gerade sein können 😉

Gelasius erzählt allerhand Wissenswertes und wir machen uns auf den gewagten Abstieg über Geröll und grosse Felsplatten. Andy verflucht seine On-Schuhe, die sich in ihre Bestandteile aufzulösen drohen, doch alles verläuft gut. Wir geniessen einen Sundowner, anschliessend das Abendessen und – bereits in der Horizontalen – Millionen von Sternen.
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Teil 1624. März 2026
Tag 45 – Palmwag → Skeleton Coast → Shipwreck Lodge
Am dritten Tag geht es früh los – bei erwachendem Tageslicht nehmen wir die letzte kurze Etappe unter die Füsse, sehen Zebras und Oryxe und Nashorn- und Hyänenspuren. Wir marschieren zur Hauptlodge Etendeka. Dort verabschieden wir uns sehr herzlich von Gelasius und werden zurück nach Palmwag zu Lotta gefahren. Der Weg dorthin entpuppt sich als veritabler Gamedrive, denn wir sehen viele Tiere (Zebras, Giraffen, Oryxe).
Die Wanderung im Etendeka-Gebiet war ein fantastisches Erlebnis und ist wärmstens zu empfehlen.
In Palmwag hat Lotta artig auf uns gewartet. Wir haben einen kleinen Zeitdruck im Nacken: Wir müssen vor 15 Uhr in Möwe Bay sein, um den Transfer zur Shipwreck Lodge nicht zu verpassen. Auf einer guten Gravel-Strasse kommen wir gut voran und erreichen das Nationalparkgate in Springbok Water. Dann geht es etwa 120 Kilometer entlang der aufregenden Atlantikküste nach Möwe Bay – vorbei an Terrace Bay und dem fast inexistenten Torra Bay. Die Fahrt ist fantastisch, wir kommen sehr gut vorwärts und sind sogar vor 14 Uhr dort.

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Zwei Mitarbeitende der Shipwreck Lodge warten bereits auf uns. Ein paar Häppchen, ein kühles Getränk, einchecken – und dann steigen wir in einen nagelneuen Toyota Landcruiser mit Automatikgetriebe, quasi Lottas Urenkelin. Richard, für die nächsten drei Tage unser Fahrer und Führer, bringt uns zuerst zu einer riesigen Robbenkolonie. Der Lärm und der Gestank sind unglaublich. Viele Robbenbabys liegen frisch auf der Welt. Nicht alle überleben – zahlreiche tote Robben liegen herum, was den beissenden Geruch erklärt.

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Die Fahrt geht weiter, teilweise unmittelbar neben dem Atlantik. Wir halten bei zwei Schiffs- und einem Flugzeugwrack an. Unzählige Schiffe sind im Verlauf der Jahrhunderte hier gestrandet, weil es oft sehr neblig und stürmisch ist. Richard erzählt uns die Geschichten dazu und wir tauchen auch gedanklich ein in die Skeleton Coast.

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Kurz nach 17 Uhr tauchen die Kabinen aus dem Sand auf, die in ihrer Architektur an Schiffswracks erinnern: Die Shipwreck Lodge. Wir sind mitten in der Wüste. Um uns herum gibt es nur Sand und Salzwasser. Wir bekommen das Häuschen Nummer 7. Es ist äusserst stilvoll und stimmig.

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Wir können versuchen, die Stimmung und die Szenerie zu beschreiben, aber Worte werden unseren Eindrücken nicht gerecht. Wir sind hin und weg! Zum Abendessen geniessen wir einen vorzüglichen Dreigänger an einem Zweiertisch mit Blick auf den Atlantik.

Hier muss ich mich kurz einklinken. Aaaalso:
Die Shipwreck Lodge ist quasi mein Geburtstagsgeschenk an mich selber - also, nicht, dass die ganze Reise nicht schon ein Geschenk an uns selber wäre 😉 - zu meinem Runden.
Schon bei unserer ersten Reise nach Namibia wäre ich gerne an die Skeleton Coast gereist. Das lag damals zeitlich und prioriätenmässig einfach nicht mehr drin. Nun liegt die Shipwreck Lodge fast 70 km nördlich von Möwe Bay und darf nicht selber angefahren werden. Im Vorfeld wusste ich nur, dass ich die Lage und die Architektur der Anlage gigantisch finde. Je näher wir jedoch dem Termin kamen und nach so vielen grandiosen Erlebnissen, desto mehr befürchtete ich, wir könnten uns in der Wüste langweilen: Was machen wir denn da den ganzen Tag? Stellt sich heraus: Dies ist der wohl mystischste (oder wäre "magischste" das richtige Wort?) Ort den ich je erleben durfte...

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Teil 1724. März 2026
Tag 46 – Shipwreck Lodge
Was für ein Erwachen: Im Bett aufsitzen und den Atlantik sehen. Kurz nach neun Uhr - nach einem fantastischen Frühstück - ziehen wir den Helm an und begeben uns auf eine ATV-Tour durch die Wüste. Nach gewissen Anfangsschwierigkeiten haben wir das Fahrzeug bald im Griff. Unsere Skepsis weicht sehr schnell einer grossen kindlichen Freude. Der Spassfaktor ist sehr hoch! Wir fahren auf hohe Dünen und staunen über die prächtige Aussicht, über die Farben von schwarz bis pink. Wow, wow, wow!

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Nach zweieinhalb Stunden ist das Erlebnis vorbei, doch wir haben gar keine Zeit, das Erlebte zu verdauen, denn Richard fährt uns ans Ufer des Atlantiks. Dort steht ein Zweiertisch mit Tischtuch und Stoffservietten. Der Küchenchef hat seinen Grill angeworfen und er verwöhnt uns mit dreierlei Fleisch, Salaten, Gemüse und Kartoffeln. Wir sitzen direkt am Meer, hinter uns liegt die endlose Wüste, ausser uns ist niemand hier. Es fühlt sich alles etwas surreal an – aber unendlich schön!

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Kurz nach dem Mittagessen erkunden wir einen Minicanyon mit getrockneten Lehmformationen.

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Dann kehren wir zu unserem Häuschen zurück, wo wir zwei freie Stunden geniessen und die Eindrücke wirken lassen. Kurz vor fünf Uhr begeben wir uns auf einen Walk mit Richard zum Meer. Auch er wandert (wie Gelasius in Etendeka) mit einem Stock. Er erzählt viel über Flora, Fauna und sein eigenes Leben. Er ist Himba und berichtet freimütig von seinen Erfahrungen. Nun erleben wir innert weniger Tage zwei ganz unterschiedliche Guides, die uns einen tiefen Einblick in das Leben der verschiedenen Stämme Namibias geben. Das ist sehr interessant und eindrücklich.

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Vor dem Nachtessen setzen wir uns nochmals hin und lassen unsere Blicke und unsere Gedanken über die unendliche Weite streifen. Schon bei der Planung der Reise hatten wir uns auf die Shipwreck Lodge gefreut. Dass diese Tage ein derart unauslöschliches Erlebnis werden, haben wir nicht erwartet. So geniessen wir ein wunderbares Nachtessen, amüsieren uns mit dem Staff, betrachten die Sterne am Himmel und kehren ins Cabin Nummer 7 zurück. Ein weiterer Tag an diesem mystischen Ort steht noch bevor - und es wird ein ganz spezieller sein!
Teil 1825. März 2026
Tag 47 - Shipwreck Lodge - Denises 50. Geburtstag!!!
Um 00:30 Uhr erwache ich und gratuliere der liebsten Denise zu ihrem Geburtstag. Fünfzig (50!) – die Hälfte des Lebens ist vorbei und davon fast die Hälfte mit mir. Von mir aus darf es gern noch etwas so weitergehen. Wir sind nun schon fast 50 Tage gemeinsam unterwegs und haben es so schön miteinander. Was wollen wir noch mehr? Zufrieden schlafen wir wieder ein, wachen erst auf, als es dämmert, die Sonne kriecht über den Horizont und wir stärken uns mit einem wunderbaren Frühstück für den Tag.
Richard fährt uns den ausgetrockneten Hoarusib-River hinauf – die Zufahrt ist nur dem Staff und den Gästen der Shipwreck Lodge gestattet. Plötzlich sehen wir vor uns eine Wüstenlöwin. Denise hatte am Vortag mit Dr. Philip vom Desert Lion Conservation Project gesprochen, dem Löwenflüsterer, der sich seit mehr als 30 Jahren um das Schicksal der aussterbenden Spezies kümmert. Auch das eine ganz ausserordentliche Begegnung. Er hat gesagt, es gäbe noch 15 Löwen an der Skeleton Coast – 15 Löwen in 16'000 Quadratkilometern. Und wir sehen einen davon. Wahrscheinlichkeitsrechnung gestattet. Mehr zu Doctor Flips aussergewöhnlichem Engagement gibt's hier: https://www.desertlion.info/

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Die Löwin trägt ein Halsband mit Tracker, damit Doctor Flip ihre Streifzüge aufzeichnen und sie im Notfall aus den Dörfern fernhalten kann, wo ihr der Erschiessungstod sicher wäre. Wir können ihr ein Stück weit folgen, bis sie im Schilf für die Tagesruhe verschwindet. Auf der weiteren Fahrt sehen wir einige wenige Tiere (Oryx, Springböcke) verschiedene Felsformationen, grüne Pflanzen, eine einsame Palme und ab und zu Wasserlachen.

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Zum Mittagessen werden wir wieder an den Strand gebracht, diesmal in einer Sechserrunde. Wir haben einen lebhaften Austausch mit Grant und Jonathan aus New York City, mit denen wir uns sehr gut verstehen und sogleich zum Abendessen verabreden. Am Abend singt der Staff – vier Damen und ein Herr aus Küche und Service – für Denise ein Happy-Birthday-Lied der anderen Art, während sie einen Geburtstagskuchen mit einer Kerze hereintragen. Die Stimmung ist so herzlich und persönlich, dass alle ganz gerührt sind. Denise bläst die Kerze aus und verteilt den Kuchen anschliessend an den Staff, der ihn mit Handkuss nimmt.

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Nach dem Essen beantwortet Denise die zahlreichen Glückwünsche und wir telefonieren in die Schweiz. Wir sind weit weg von Heimweh, aber es ist schön, wieder einmal vertraute Stimmen zu hören. Auf dem Weg zu unserem Häuschen bleiben wir stehen und gucken in die Sterne. Diese Tage werden uns in unauslöschlicher Erinnerung bleiben, denn der Ort hat uns verzaubert. Was für ein Privileg, ihn erlebt zu haben!
Teil 1925. März 2026
Tag 48 – Shipwreck Lodge → Messumkrater
Der Abschied von der Shipwreck Lodge ist emotional. Mit Umarmungen und vielen lieben Worten werden wir verabschiedet. Zum letzten Mal Richard, zum letzten Mal der Toyota. Die Fahrt nach Möwe Bay dauert fast anderthalb Stunden. Dort kehren wir zurück in Lotta, wir räumen ein und prüfen die Batterien und Kühlschränke – alles funktioniert. Es kann weitergehen.

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Wir fahren die Skeleton Coast hinunter, rechts der Atlantik, links die Wüste. Terrace Bay und Tora Bay liegen bald hinter uns und wir erreichen das Haupttor des Nationalparks. Auf der C34 versuchen wir, das Flussbett des Messum Rivers zu finden. Wir finden es nicht, dafür eine steinige Schotterstrasse ohne Schild oder Wegweiser. In der Ferne sehen wir die Berge, die womöglich einen Krater bilden könnten. Auf holprigen Weg schleichen wir 40 Kilometer ostwärts. Nach den Bergen folgen weitere – doch ein effektiver Krater ist nirgends zu sehen. Schliesslich findet Denise, die beste aller Beifahrerinnen, die entscheidende Information: Der Messumkrater hat einen Durchmesser von 22 Kilometern. Er ist von Auge folglich nicht zu sehen. Wir befinden uns bereits mittendrin.

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Wewitschias sind ja unserer Meinung nach hoffnungslos überbewertet.

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Man also die Qual der Wahl. Wo ist wohl der beste Standplatz? Wir finden einen Ort mitten in der Ebene, wo wir den Sonnenunter- und -aufgang gut beobachten können. Denise will noch auf einen Hügel kraxeln. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Wir tun es dennoch. Je länger wir hier sind, desto besser gefällt es mir und desto wohler fühle ich mich.
https://youtu.be/LRIlfSRp5Mo
Es gibt wieder einmal Pasta zum Nachtessen. Dann schauen wir der Sonne beim Untergehen zu, hüpfen in Lottas Inneres und fragen uns, wo sich wohl die nächsten menschlichen Wesen zurzeit befinden. Gesehen haben wir nur einen einsamen Strauss. Lange denken wir nicht darüber nach, denn wir schlafen schnell ein.

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Teil 2025. März 2026
Tag 49 – Messumkrater → Spitzkoppe
Die Sonne geht auf in The Middle of Nowhere. Es gibt Kaffee und Müsli ohne frische Früchte – höchste Zeit zum Einkaufen. Auf schwierigen Strassen fahren wir los, dann taucht irgendwo in der Einöde ein Haus auf. Denise spricht mit dem hageren, zahnlosen weissen Mann davor, der hier einsam eine Farm führt. Er beschreibt den Weg mit den Worten: «The Road is very bad.» Damit sagt er uns nichts Neues. Wir fahren weiter, kommen auf eine C- dann sogar auf eine B-Strasse, die uns nach Uis bringt, wo seit 2019 eine grosse südafrikanische Firma Zinn im grossen Stil abbaut. Das Dorf wirkt wohlhabend, es hat viele hübsche Häuser, einen kleinen, aber grossartigen Supermarkt und an der Tankstelle hängen Plakate, die das Betteln verbieten, was auch strikt befolgt wird. Im Kaktus-und-Coffee-Tea-Garden gönnen wir uns Apfelkuchen, Eistee und Espresso. Alles ist sehr lecker.

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Gegen Mittag kommt sie in Sicht - die Spitzkoppe, das «Matterhorn Namibias». Von weitem erkennbar, kommen die rötlichen Felsen immer näher. 2016 waren wir bereits hier. Wir finden einen Zeltplatz zwischen zwei hohen Felsen. Dann begeben wir uns auf einen ausgiebigen Walk. Es ist heiss, obwohl es windet. Wir stellen Lotta nochmals kurz um, damit uns der Wind nicht direkt um die Ohren pfeift. Die Sonne geht hinter den immer röter werdenden Steinen in Deckung, der Mond geht auf und wir hauen die Pasta des Vortages in die Pfanne.

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Tag 50 – Spitzkoppe
Dieses Mal gefällt mir Spitzkoppe besser als vor neun Jahren. Die rötlichen Felsen, die Kammlandschaft, das dürre Savannengras, die ganze Szenerie zieht mich in ihren Bann. Ich bin froh, noch einen Tag hier zu verbringen, um all die Eindrücke von Etendeka und der Shipwreck Lodge sacken zu lassen. Man muss auf der Reise aufpassen, dass die Seele mit dem Tempo mithalten kann.

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Wir duschen bei der Rezeption, profitieren kurz vom Wi-Fi des Managers und wählen dann einen Platz (Campsite 14), der nachmittags und morgens Sonne hat. Den Nachmittag verbringen wir mit Lesen (ich bin bei Rita Falks neuem Eberhofer-Krimi gelandet und Denise beim Skeleton-Coast-Buch, das sie als Geschenk bekommen hat) Dann machen wir wieder einmal ein Feuer. Das Holz hier brennt bedächtig und langsam, hinterlässt dafür eine fantastische Glut. Wir kochen ein feines Thai-Curry mit Gemüse, Kichererbsen, Zwiebeln und Reis im Dutch Oven. Dazu gibt es einen Sauvignon Blanc von Robertson. Wir geniessen das Essen, schwelgen in Erinnerungen und der Halbmond schaut uns über die Felsformationen hinweg zu.

Tag 51 – Spitzkoppe → Mirabib
Auf der B2, der Strasse zwischen Windhoek und Swakopmund, dürfen wir erstmals seit zwölf Tagen wieder gut 50 Kilometer auf Asphalt fahren. Wir kommen vorbei an Usakos und Karibib. Nach Karibib wird es wieder schottriger. Wir durchqueren ein flaches, trockenes Gebiet mit einzelnen Inselbergen. Wildtiere sind keine zu sehen, dafür rechts und links grosse Rinderfarmen und viele Zäune.
Im riesigen Namib-Naukluft-Park (teilweise auch militärisches Sperrgebiet) ist die Landschaft karg und öde. In einer unendlich scheinenden Fläche wächst dürres Savannengras. Irgendwann taucht ein Oryx auf, dann drei Springböcke in weiter Ferne.

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Denise entdeckt einen weit entfernten Inselberg und sagt, das sei bestimmt Mirabib. Wieder einmal hat sie recht. Wir übernachten auf einem der acht Campsites, die alle leer sind. Der Wind pfeift, wir machen ein Feuer und lächeln über uns selbst. Man braucht schon etwas Humor, um in dieser Einöde eine Nacht zu verbringen.

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