Moremi Fahrspaß mit Kollateralschäden

67 Antworten · 5'189 Aufrufe · gestartet 09. Dez. 2025 von tacitus
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Themenstarter1'108 Beiträge · seit 202209. Dez. 2025 · #1
Hallo jekabemu, ich setze deine anderswo gestellte Frage betr. die Regenerierung der ständig neuen Wege hier fort, weil sie Seltenheitswert hat und die Region ein Anschauungsbeispiel dafür ist, wie ein nicht mehr zeitgemäßes Konzept seine Grenzen zum Schaden des Ganzen überschritten hat, ohne dass (bisher) adäquat darauf reagiert wird.

Pollux hat schon aufgezählt: Ständiges und beschleunigtes Wachstum bei Unterkünften aller Kategorien, entsprechend gesteigerter Verkehr, insbes. Versorgungs(=Schwer)verkehr, Verhaltensänderungen der Besucher …. zerstören die nie für sowas gedachten Wege, insbes. in der nassen Jahreszeit. Ich füge noch die gestiegenen Antriebsleistung der Fahrzeuge dazu und den oft nicht angepassten Umgang damit.

Ein Vergleich mit „früher“ zeigt den Beitrag des Verkehrsaufkommens deutlich. In Moremi gab es anfänglich nur die Nord/Süd-Durchfahrt über 3rd Bridge und ein paar große Schleifen, insgesamt vielleicht 200 km, praktisch alles auf „Festland“ bzw. dessen Ufern und an Pfannen. Dieser (lehmige) Boden ist in der trockenen Jahreszeit glatt und komfortabel befahrbar; ohne potholes, weil in der Nassen geschlossen war. Schlecht war nur die Zufahrt, bis zum Abzweig zu South Gate. Es gab kaum 4x4-Tiefsand bzw. nur dort, wo sich das Gras nicht mehr regeneriert hatte, alles wäre zu 95 % mit einem 2x4-Bakkie befahrbar gewesen. Allrad war natürlich besser, weil man mit Guide (war Pflicht) auch off-road durfte, aber bei der geringen Besucherzahl regenerierte sich das bis zur nächsten Saison; vielerorts war auf der Spur noch niedergefahrenes Gras.

Das später entstandene Wegelabyrinth mit x-facher Länge der ursprünglich „offiziellen“ Wege, wurde eigentlich „wild“ angelegt. Durch Abschneider, zu Sichtungen, Selbstfahrer sind den „konzessionierten Offroadern“ nachgefahren, durch Umfahrung von Hindernissen und Schäden, kaputten Brücken, Flutung usw. (was hier Seiten füllt), welche letztlich mit der heutigen Besucherfrequenz und -erwartungslage zusammenhängen.

Schon Ende der 90er-Jaher wurde das wild entstandene Wegelabyrinth lt. Roodt so

"…. The distance between Xakanaxa and Third Bridge (a distance of 25km) has over 600km of tracks and in Moremi Game Reserve there are over 1200km of illegal roads. Creation of illegal roads is one of the major environmental impacts of tourism development in the Okavango Delta… "

geschätzt (siehe PDF). Und, wenn einmal da, verselbständigt sich das und man kriegt es nicht mehr einfach weg, also multipliziert es sich und ist heute sicher noch mehr als o.a.

Wenn ich hier lese, was da noch alles in der pipeline ist und reflektiere, wie und wohin sich das in 50 Jahren verändert hat und nochmals 20 Jahre extrapoliere, sehe ich schwarz für dieses Konzept. Moremi und „Erweiterungen“ steht dann mE im Risiko „niedergefahren“ zu werden, wenn sich nichts Grundsätzliches ändert. Was Elefanten nicht erledigen (ein eigenes Thema betr. Flurschäden), wird der Tourismus schaffen.

Die von Wegen und Kollateralschäden beeinträchtigte Fläche ist natürlich klein im Verhältnis zur Gesamtfläche der Parks (ein Argument derer, die nichts dabei finden), kann aber auch schon viel des Blickfeldes ausmachen und damit die „Naturästhetik“ für die stören, die auch das und nicht nur Tiere suchen. Darauf läuft es letztlich hinaus, wenn das ungebremst weiterwächst.

Obig ist kein exklusives Problem von Moremi und Botswana sondern weltweit. Wer sich dafür interessiert und Einschlägiges liest, weiß, wie andere Länder und Regionen damit umgegangen sind. Ich bin gespannt, wie BW und -Fans damit umgehen werden, ob und wie sie diesen Geist zurück in die Flasche kriegen.


Grüße

📎 Mbaiwa10.11648.j.ijhtm.20180201.13.pdf
Zitierenzuletzt bearbeitet 11. Dez. 2025Original ↗
1'660 Beiträge · seit 200709. Dez. 2025 · #2
Hallo tacitus, danke für den neuen Thread, nachdem jemand im Flut-Thread davon "genervt" war. Vielleicht können weitere "alte Hasen" noch was beitragen.
1'660 Beiträge · seit 200709. Dez. 2025 · #3
Noch ein paar Bilder aus Nov 25. Vet Gate-Sankuyo, Transit Route und im Moremi.
(Bilder drehen war mir jetzt zu aufwändig)

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Zitierenzuletzt bearbeitet 09. Dez. 2025Original ↗
4'984 Beiträge · seit 201609. Dez. 2025 · #4
Hi tacitus,

ich fürchte dieser Geist ist nicht mehr zurück in die Flasche zu bringen!

Viel zu angesagt die Gegend.
Alle die ihre ersten 4x4-Versuche erfolgreich im KNP absolviert haben,
wagen sich an die nächste Stufe Namibia, dicht gefolgt von Moremi und Chobe.

Dass neue Unterkünfte, egal ob Lodges oder Campingplätze, wie die Schwammerln aus dem Boden schießen,
und so für die Konzessionsinhaber erst so richtig lukrativ werden,
wurde hier schon ausführlich beschrieben.
Zur Zeit diskutiert man im Parlament, ob eine Präsidentenlodge errichtet werden soll...
Gleichzeitig, und in regelmäßigen Abständen, werden Anfragen eingebracht,
die das Selbstfahren grundsätzlich verbieten wollen,
und man die Touristen dann nurmehr, chauffiert von lokalen Fahrern, durch beide Parks kutschieren sollte.

Derzeit läuft ein Feldversuch einer zentralen Online-Buchungsplattform,
die das jetzige, völlig veralterte System der Unterkunftsbuchung in NPs ablösen soll.

Gruß Gina
Themenstarter1'108 Beiträge · seit 202210. Dez. 2025 · #5
ME werden solche Schäden, wie die großen „Wannen“, meistens vom Schwerverkehr initiiert. Das ist bei befestigten Straßen so (potholes) und bei unbefestigten erst recht. Und wenn diese nicht „gebaut“ sind, sondern nur planierter Untergrund, ganz besonders.
Ich habe schon live gesehen, wie schnell ein LKW mit durchdrehenden Rädern so eine Badewanne aushebt. Einmal ein Overlander am Campingplatz bei Northgate.
Natur- und Schotterstraßen halten sich ohne Schwerverkehr unvergleichlich besser als mit, da können sie in der nassen Jahreszeit rasch zum Schlachtfeld werden.
1'660 Beiträge · seit 200710. Dez. 2025 · #6
Wobei die Piste Shorobe-South Gate sogar eine gebaute Schotterpiste war. Man kann sie in Google Street View mit Stand 2012 auf der ganzen Länge verfolgen. Nur jetzt ist sie keine solche Piste mehr, sondern nur noch ab und zu neu geschoben, wenn überhaupt.
5'479 Beiträge · seit 200910. Dez. 2025 · #7
Hier meine Gedanken zu den angesprochenen Punkten.

Das Sperren illegaler Wege wäre überhaupt kein Problem, wenn seitens der Nationalparkverwaltung der Wille dazu bestehen würde. Man müsste lediglich die Abzweigungen der illegalen Track absperren und Verstöße gegen die Sperrungen mit Strafen belegen. Das funktioniert in zahlreichen afrikanischen Nationalparks sehr gut. Im Moremi müsste die Anzahl der Ranger dafür allerdings deutlich aufgestockt werden. Ich Präsenz von Rangern ist derzeit im Moremi extrem niedrig. So können keine Veränderungen durchgesetzt werden.

Den schlechten Zustand der legalen Wege sehe ich nicht als Naturschutzproblem. Das ist lediglich ein Komfortproblem für die Besucher. Es kann sogar einen positiven Effekt haben, wenn es einen Teil potentieller Besucher abschreckt. Ein gutes Beispiel dafür ist der Matusadona NP, wo sich nur wenige Besucher die anspruchsvolle Zufahrt zutrauen.

Das mal wieder den Selbstfahrer Selbstfahrern die Schuld zugeschoben werden soll, ist der typische Reflex der Safari-Lobby und kotzt mich echt an. Ganz klar gibt es auch bei den Selbstfahrern schwarze Schafe, aber in der Masse begehen die Safari-Guides viel mehr Regelverstöße. Das ist auch nachvollziehbar. Je mehr Sie Ihren Kunden bieten, umso höher das Trinkgeld. Außerdem wissen die Guides viel besser, das fahrerisch machbar ist und was von den lokalen Aufsichten noch toleriert wird. Der übliche Selbstfahrer wird keinen Konflikt mit den Rangern riskieren und auch fahrerisch nichts riskieren, was das Fahrzeug gefährdet. Das Selbstfahrer das Fehlverhalten der Guides nachahmen ist kaum verwunderlich, werden die Guides doch immer als Vorbilder propagiert, an denen man sich orientieren soll.
1'660 Beiträge · seit 200710. Dez. 2025 · #8
@Topobär: Das ist aber nicht das eigentliche Thema, sondern warum auch die Haupt- und Zufahrtswege kaputt sind (ein Naturschutzproblem sehe ich da überhaupt nicht, natürlich ist es ein Komfortproblem).
Ich sehe auch nicht, dass hier jemand Selbstfahrern "Schuld" zugewiesen hätte. Ich bin selber einer, nehme aber zur Kenntnis, dass die Fahrerei mit diesen massiven Wasserlöchern nur sehr begrenzt Spass macht, gerade WEIL die Pisten eben nicht anspruchsvoll sind, sondern einfach bei etwas mehr Regen absaufen.
Deswegen hinkt der Vergleich mit der Matusadona-Zufahrt m.E. auch.
Und wie man im Moremi nach all den Jahren "illegale" Wege überhaupt definieren sollte, ist mir ein Rätsel. Kann nicht funktionieren.
5'479 Beiträge · seit 200910. Dez. 2025 · #9
Ich sehe in Tacitus Eingangspost ganz klar auch eine Berücksichtigung der Naturschutzaspekte, was ich ausdrücklich begrüße.

Die Bewertung was unkomfortabel und was anspruchsvoll ist, ist Definitionssache. Für mich ist anspruchsvoll, wenn die Gefahr besteht, dass man das Fahrzeug beschädigt, oder sich festfährt. Das ist bei abgesoffenen Pisten im Moremi ganz klar gegeben. Aber auch wenn die Pisten nur als unkomfortabel angesehen werden, sehe ich darin keinen Nachteil. Stellt Euch vor, wenn wir im Moremi Pisten wie im KTP hätten. Auch unkomfortable Pisten schützen vor zu starker touristischer Beanspruchung.

Die Definition von illegalen Pisten ist ganz einfach. Illegal ist, was die Nationalparkverwaltung für illegal erklärt und von den lokalen Rangern abgesperrt wird. Funktioniert in vielen Parks sehr gut.

Das mit der Schuldzuweisung an den Selbstfahrern bezog sich auf den immer mal wieder vorgebrachten Vorschlag und auch in diesem Thread erwähntem Verbot von Selbstfahrern. Damit werden Sündenböcke geschaffen und gleichzeitig versucht Konkurrenz auszuschalten.
Themenstarter1'108 Beiträge · seit 202210. Dez. 2025 · #10
pollux schrieb:Wobei die Piste Shorobe-South Gate sogar eine gebaute Schotterpiste war. Man kann sie in Google Street View mit Stand 2012 auf der ganzen Länge verfolgen. Nur jetzt ist sie keine solche Piste mehr, sondern nur noch ab und zu neu geschoben, wenn überhaupt.
Wenn es Baumaterial vor Ort oder in vertretbarer Entfernung gibt, ist eine Reparatur nur eine Frage des Wollens und Geldes.
Dieses gibt es aber in und um Moremi weiter nördlich nicht. Der Boden ist entweder Sand und körniges Sediment oder lehmig. Letzteres bei Pfannen und im Wald, deswegen sind sie dort entstanden. Dieser hat eine schlechte Versickerung und das Wasser bleibt länger stehen, bis es verdunstet ist. Währenddessen fährt es sich aus, die Löcher (von durchdrehenden Rädern) werden tiefer und tiefer und wenn schon die ganze Piste eingetieft ist, bleibt das Wasser großflächig stehen, weil es keinen Abfluss gibt.

Diese Strecken, oder besonders kaputte Passagen, vernünftig zu sanieren, ist schon ein größeres Unterfangen (als die Südzufahrt), weil es eine riesige Menge (taugliches) Material braucht, die es vor Ort nicht gibt. Vielleicht ist das der Grund, warum gleich gar nichts gemacht wurde 😎 Wahrscheinlich müsste man verlegen.

In dem Thema über die schlechten Straßen in Etosha hat sich Jemand (wer ?) als Fachmann im Straßenbau geoutet. Wäre sehr interessant, seine Meinung dazu zu erfahren.

PS: Aber was immer man dort echt "Straßenbauliches" machen würde, wird den Entscheidungsträgern die Frage einbringen: Warum für Touristen und nicht auch für's Volk?
Zitierenzuletzt bearbeitet 10. Dez. 2025Original ↗
563 Beiträge · seit 200610. Dez. 2025 · #11
Interessantes Thema, an dessen Ende ja auch die Selbstauflösung des Forums stehen könnte (aber nicht zwingend muss 🤩 ).
Wir waren von 1998 bis 2007 Mittäter im Moremi/Chobe-Gebiet.
Pollux, Tacitus und einige andere hier kennen Bots schon länger, und die Hemmingways der Welt ja noch länger …
Weshalb bis 2007? Dazu nur ein Satz, und damit bin ich dann auch beim Thema: es wurde uns zu voll! 🙁
Und das halte ich, neben einigen anderen Aspekten, für die Hauptursache der beklagten Kollateralschäden und des abnehmenden Wildniserlebens.
Auch in 1998 sind wir um geflutete Wege an 2. Bridge, Dead Tree Island oder anderswo herumgefahren, ebenso um durch elefantöse Waldarbeiten blockierte Wege. Und wir haben beim Holzsammeln die eine oder andere zusätzliche Spur gezogen.
Besonders freiheitsliebende Südafrikaner haben beim Männerausflug mal eben im Busch Platz 13 in 3rd Bridge eröffnet, wenn Ihnen danach war.
Recht häufig fanden ganze Familien-und Freundesgruppen mit Oma, Kind und Kegel sowie Trailer Spaß daran, sich gegenseitig aus dem Modder zu ziehen. Alles bestens im 4x4, Overlander und sonstigen Foren, später auch bei Youtube u.a. dokumentiert.
Militär- und/oder Ranger – LKW zogen ihre Bahnen, ebenso Versorgungsfahrzeuge zu den Lodgen und Baufahrzeuge zum Xakanaxa Airstip.
Dann kamen die Overlander wie Whichway oder Drifters, das zweite und dritte Hatab-Camp, noch eine Lodge usw. hinzu.
Wie geschrieben, uns wurde es zu voll. Die Hatabs sperrten sich exklusive Wege ab, weitere mobile Safariunternehmen kamen und sperrten weitere Wege usw. Am Kwai östlich Northgate Camping durfte man plötzlich nicht mehr am Fluss fahren, das störte wohl die Lodgegäste auf der anderen Seite usw.
Solange es sich zahlenmäßig in Grenzen hält … man konnt eisch arrangieren, selbst mit mehrfach belegten Campsites.

Heute scheint die Touristenzahl in allen Kategorien vervielfacht (5x, 10x ??? Keine Ahnung). Wenn ich allein auf Googlemaps schaue, graust es mir, soviel Lodgen und Camps sind da´aufgeführt. Und wie tacitus auch bemerkte, das ist überall auf der Welt so. Ob Venedig oder die Alpen, selbst am isländischen Geysir staut es sich schon. Wieviel neue Fomis gibt es eigentlich hier pro Jahr, wieviel neue Botswanaersttäterthreads und wieviel Anfragen nach Verschiffung des eigenen Offroadfahrzeugs?
Jede/r hat das Recht, herumzufahren und seinen Spass zu finden, ob „fun im Schlamm“, wie Pollux schrieb oder als Hobbywildhüter, als Birder oder sonstwas. Gerne mit Hilux 2.4, aber noch schöner doch mit LC 2.8 Expedition, oder Unimog, MAN usw. (Vor allem, wenn man nicht mehr nach Georgien und Kasachstan kommt, dann geht’s wieder in den afrikanischen Busch).
Nein, es ist einfach zu voll, die individuelle Freiheit endet da, wo die „Freiheit“ der Natur über Gebühr beschränkt wird. Wir ruinieren dieses Stück Erde, daher ist das Ende einiger 4x4-Freiheiten durchaus überlegenswert. Man muss ja nicht alles verbieten, in Urlaub fahren ist doch ok, aber eben (leider) deutlich kanalisierter. Wir fahren nicht mehr 4x4 nach Bots und auch nicht Zim und Sam. Und auch nicht wildcampend durch Europa, mit wenigen Ausnahmen, wo es geht. Und wir sind froh, dass wir Moremi und Chobe noch anders kennenlernen durften 🙂 🙂 🙂
steinbeisser
1'660 Beiträge · seit 200711. Dez. 2025 · #12
"Am Kwai östlich Northgate Camping durfte man plötzlich nicht mehr am Fluss fahren, das störte wohl die Lodgegäste auf der anderen Seite"

Stimmt, das war die Umleitung im Park wegen der Khwai River Lodge auf der anderen Flussseite außerhalb. Jetzt wird auf dieser Seite frech umgeleitet im Communal Area wegen einer Campsite(!) direkt am Fluss, 200 USD Strafandrohung. Rechtslage scheint völlig unklar.

Zur Überfüllung: Jetzt im November war es nicht wirklich merklich voll. 3rd Bridge Campsites nur teilweise belegt, draußen am Khwai sind wir meist alleine gewesen, aber klar, das liegt an der Saison. Mai-Oktober wäre für uns no-go. Was aufgefallen ist, die Masse der Fahrzeuge waren mobile Safaris, das war früher nicht so. Viele botswanische Entrepreneurs probieren das wohl (wogegen ja im Prinzip nichts zu sagen wäre).
563 Beiträge · seit 200611. Dez. 2025 · #13
Ja, es kommt auch auf die Jahreszeiten an. Aber ob die Massen nun an 12 oder nur an 4-5 Monaten auffahren, ändert ja leider nichts an der Zertsörung. Nur am individuellen Genuss in den "Leerzeiten" . Wir konnten wegen Betriebsurlaub immer nur im Juli/August fahren, zu anderen Jahreszeiten hatte ich maximal 1 Woche Urlaub. Sieht heute anders aus, abr nun ja (s.o.). Wir machen jetzt "Rentnerurlaube" in Südafrika (ok, Richtersveld war dann auch mal dabei 😉 ).
Alles hat seine Zeit. Den Kleinunternehmern gönne ich es ja auch, es sind nicht nur Tourismuskonzerne unterwegs, und die immer wieder beschworenen Einkommensmöglichkeiten für locals sollte nicht nur den Lodgeservice meinen. Ich bleibe aber dabei: voll ist voll und kaputt ist kaputt, da muss gehörig gegengesteuert werden, auch wenn es vielen 4x4 Freunden gegen den Strich geht. (Militär und Lodgekonzerne sind ohnehin "unantastbar".) Allerdings befürchte ich, dies ist ein romantischer (naiver?) Wunschtraum. Höher, Weiter, Schneller ... diese Naturgesetze in allen Lebensbereichen sind nun mal fest in den Genen, und von Natur aus Un-Ethisch.
steinbeisser
Themenstarter1'108 Beiträge · seit 202211. Dez. 2025 · #14
Hallo Topobär, danke für deine Ansichten

Betr. schlechte Wege als Schutz gegen Übertourismus:
Ich habe vor Jahren eine Liste von todsicheren Methoden aufgestellt, unsere letzten Naturreserven zu ruinieren und da stand gute und bequeme Erreichbarkeit ganz oben ..... und Werbung.
Aber ich glaube nicht, dass das betr. Moremi und Umgebung noch relevant ist, weil die „Entwicklung“ schon so weit fortgeschritten ist und die Weichen für noch Mehr längst gestellt sind, siehe z. B. GinaChris, was da noch in der pipeline ist. Auch habe ich aus diesem Forum nicht den Eindruck, dass die Sand- und Schlammschlachten regulierend wirken 😎

Ich halte es jedenfalls für illusorisch, dass das mit dem ursprünglichen „Verkehrskonzept“ 😎 noch weiter funktionieren kann, geschweige denn noch steigerbar ist, egal ob Selbstfahrer oder Lodger. Diese „Ära“ ist mE schon längst zu Ende, aber es dürfte niemand stören, trotz evidenter „Flurschäden“. Es hat mich also interessiert, ob das auch so gesehen wird und was andere darüber denken und ob und welche Vorstellungen es gibt, wie bewerkstelligt werden soll, dass noch mehr Frequenz und Verkehr nicht noch mehr Kollateralschäden anrichten.

MM ist nämlich, dass Naturpisten, noch dazu in dieser Dichte, dieses Verkehrsaufkommen nicht hergeben (werden), zumal jetzt auch mit Schwerverkehr. Es wird nicht gehen und es gibt dafür aber keine einfachen Lösungen. Z. B. alle paar Jahre die kaputten Holzbrücken zu verlegen (dann noch dazu aus „gum poles“ neu zu bauen 😮 ), gehört sicher nicht dazu. Es interessierte mich daher, ob es dazu Vorstellungen gibt.

Betr. die Selbstfahrer
Ich bin jetzt zu faul um BW-NP-Statistiken zu durchforsten, aber die „Selbstfahrer“, die sich hier beteiligen, sind sicher die bei weitem kleinere Gruppe gegenüber den (mehrheitlich organisiert reisenden) „Lodgern“. Die Anzahl "gebauter" Unterkünfte verschiedener Kategorien übersteigen die Camper-Stellplätze wohl bei weitem.

Grüße

PS. ME wird auch die „traditionelle“ 😎 Methode mit Brauch- und Abwasser umzugehen bei diesem Wachstum an Grenzen stoßen. Sündteure Lodges können das professionell bewältigen, aber vielleicht werden sich Nutznießer der vielen neuen Campingplätze einmal fragen, was da aus der Brause kommt.
Zitierenzuletzt bearbeitet 13. Dez. 2025Original ↗
Themenstarter1'108 Beiträge · seit 202211. Dez. 2025 · #15
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für deine Beiträge, steinbeisser
steinbeisser schrieb:......Höher, Weiter, Schneller ... diese Naturgesetze in allen Lebensbereichen sind nun mal fest in den Genen, und von Natur aus Un-Ethisch....
Der „technische Fortschritt“ schafft zwar immer Einsparungen von Ressourcen und Energie, er wurde aber nie so umgesetzt, sondern in größer …. mehr ….. schneller ....
Seitdem es Hochkulturen gibt, lebten diese über ihre Verhältnisse ….. bis "Macht euch die Erde untertan" …. Kultur und Natur sind gegensätzliche Konzepte …. vielleicht wenigstens das ein „Naturgesetzt“ 😎 ?
Grüße
Zitierenzuletzt bearbeitet 11. Dez. 2025Original ↗
1'660 Beiträge · seit 200711. Dez. 2025 · #16
"aber vielleicht werden sich Nutznießer der vielen neuen Campingplätze einmal fragen, was da aus der Brause kommt. "

Was aus der Brause kommt war doch schon immer klar: ungefiltertes Wasser aus dem Khwai, oder bei Xakanaxa und 3rd Bridge aus den vorbeifliessenden anderen Flüssen. Das war aber schon immer so. Bei unserem Haus in Khwai Village hat der Caretaker das "Trinkwasser" aus dem "Village Tap" geholt, das wird wohl irgendwie filtriert. Wir haben es vertragen.
Themenstarter1'108 Beiträge · seit 202212. Dez. 2025 · #17
pollux schrieb:... Was aus der Brause kommt war doch schon immer klar: ungefiltertes Wasser aus dem Khwai, .....
Zwar in Bezug auf die Wege OT, aber OK, weil von mir angezündet und ich TE bin 😎 .
Das ist mir prinzipiell klar, pollux, dass/wie das schon immer so war*). Aber es ist auch aus Fluss oder Lagune nicht immer so, dass es unproblematisch ist, weil es darauf ankommt, wo Entnahmestelle/Brunnen in Relation zur Einleitung des Abwassers und Aufenthalt von Wild liegen. Was ich da schon vor Jahren gesehen habe, konnte das Duschvergnügen mindern und seitdem sind mindestens 10x so viele Leute. Ich bin Generation „Plumpsklo am Bauernhof“ und weiß was passieren kann und wird.

Für große Anlagen, wie Campingplätze + feste Unterkünfte mit Personal, kann man über Klärgruben/tanks und Sickergräben entsorgen (bevor es in der Lagune landet), aber wie macht man das mit Einzelplätzen (wirtschaftlich) alle paar km? Ist da ein Klärtank installiert und wie va., funktioniert ein Sickergraben bei diesem Untergrund und wenn das Grundwasser hoch steht und aus welcher Entfernung kommt dann das Brauchwasser? Das ist eine echte Interessensfrage; wenn du dich mit der Praxis dort auskennst, lerne ich gerne was dazu.

Bei dem hier geschilderten Wachstum bei Camps und Lodges wird auch Wasserhygiene mE zum Thema werden, davon bin ich überzeugt. Es macht einen Unterschied, ob jetzt ein paar Hundert Leute (PS: kleinräumig) täglich „entsorgen“, wo es früher höchstens ein paar Dutzend waren. Schon vor ein paar Jahren wurde hier geschrieben, dass das Wasser an einem Platz am Khwai nach xxxxx roch.

Grüße

*) wir haben über Wochen problemlos das Wasser bei 3rd Bridge direkt aus dem Fluss (den es damals noch gab) konsumiert, nur für die Kinder haben wir sicherheitshalber abgekocht.
PS 19:25 ich habe aber schon damals (im Gegensatz zu den meisten "Spatenganggängern") in 50 Meter Abstand vom wochenlang benutzte Wohn- und Schlafplatz einen 1,5 x 0,5 m x 1,5 m Latrinengraben für's große Geschäfterl gegraben, das dann immer mit ein paar Schauferln zugedeckt wurde. Das ist Basiswissen alter Leute ..... die sich auch fragen, wo sich die Fliegen beim Braai vorher aufgehalten haben 😄 😄 😄 😄
Zitierenzuletzt bearbeitet 12. Dez. 2025Original ↗
1'660 Beiträge · seit 200713. Dez. 2025 · #18
Wasserversorgung Xakanaxa Campsite 2002

Namibia_Botswana_2002_152.jpg
324 Beiträge · seit 201814. Dez. 2025 · #19
Hallo Tacitus,
danke das du meinen Kommentar im Flut-Thread aufgenommen hast. Ich war jetzt einige Tage auf Dienstreise, daher erst jetzt eine Rückmeldung.
Meine Frage war ja, ob diese kleinen (und größeren) Umfahrungen von den Hauptpisten sich irgendwann mal von der Natur zurückgeholt werden. Das wurde ja fast schon beantwortet (nein). Die Straßen werden immer breiter und mehr... Mir ging es um die Hauptstrecken und die häufigen kleineren Umfahrungen, oft an Tiefstellen (wo sich dann das Wasser sammelt). Der Schwerlastverkehr wird sicher nicht die "kleineren" Strecken fahren. Die kommen ganz sicher nur durch Touristen (ob Selbstfahrer oder Game Drive ist da ja völlig egal).

Der größter Verursacher für die schlechten Hauptpisten, kann eigentlich nur, wie auch schon von anderen geschrieben, der Schwerlastverkehr sein. Wir waren dieses Jahr in der Gegend und haben einiges an großen LKWs (tlw. auch Planierraupen auf der Durchfahrt etc.) gesehen. Ein LKLW in Savuti hatte eine Panne. Da habe ich erfahren, dass der regelmäßig zwischen Maun und Kasane verkehrt. Es erschließt sich mir nicht, warum die Parkverwaltung solchen Durchgangsverkehr nicht komplett sperrt. Wenn man diesen Schwerlastverkehr schonmal ausgesperrt hat, dann würde es glaube ich reichen (man kann mich gerne korrigieren), wenn man die vorhandene Strecke regelmäßig begradet... also einfach die Löcher zu schiebt. Keine Löcher = keine Wasseransammlung auf der Strecke, die eine Umfahrung eines Wasserlochs notwendig machen würde. Kein neues Material ankarren, einfach den Sand der vorhandenen Strecke wieder so zusammenschieben, dass die Straße "eben" ist... Und da kann der Grader ja von A bis B fahren und wenn er damit fertig ist, fährt er wieder zurück. all-year-long... Ja das kostet Geld, ich denke aber, dass man dieses von den Konzessionsbesitzern durchaus auftreiben könnte. Am Ende zahlen es doch eh die Touristen.

Bei den "oh guck mal den Löwen fahren wir mal kreuz und quer durch den Busch hinterher"-Strecken sieht das sicher ganz anders aus. Das hilft das alles natürlich nicht. Diese Strecken meinte ich in meinem Eingangspost im anderen Thread tatsächlich aber auch gar nicht. So störend kamen mir die, ehrlich gesagt, auch gar nicht vor.

LG
Jens
Themenstarter1'108 Beiträge · seit 202216. Dez. 2025 · #20
Danke jekabemu, dass du dich auch noch gemeldet hast.
Bez. Schwerverkehr als Verursacher hast du mE recht. Aber alle 10 Jahre doppelt so viele rundumversorgte Betten, Stellplätze, Komfort (+ Personal) müssen halt erst gebaut und dann auch laufend versorgt werden. Das macht viele Fuhren …. mit eindeutig steigender Tendenz.

Deine Reparaturvorschläge sehe ich etwas anders. Sowas (Bildspende von pollux)


eingetieft.jpg


ist durch den Verkehr eingetieft; das ursprüngliche Niveau ist dort, wo die Büsche stehen. In dieser Wanne bleibt das Wasser natürlich stehen. Das jetzt fehlende Material wurde pulverisiert und „vom Winde verweht“ 😎 und/oder vom Wasser wegegespült. Ich kann allerdings nicht wirklich sehen, wie ein Grader ist dieser Wanne eine Sanierung bewerkstelligen kann. U. U. könnte die Eintiefung sogar noch verstärkt werden (siehe KTP). Das ist keine gebaute Straße mit Überhöhung und Drainage, wo regelmäßiger Gradereinsatz Sinn macht, aber auch das geht nicht ohne MaterialZUgabe und Verdichtung.

Auch eine ausgefahrene weiche Sandpiste mit Grader zu „planieren“ wird mE nicht funktionieren, auch nicht lange halten und alles wird bald wieder so sein wie zuvor.

Deswegen hat mich ja interessiert, wie, angesichts der Popularität und ständig steigender Besucherzahl, die Afrikareisecommunity die „verkehrstechnische“ 😎 Zukunft sieht …..
auch angesichts Naturschutzes, Weltkulturerbe, mit Ramsar Status .....

Grüße
Zitierenzuletzt bearbeitet 16. Dez. 2025Original ↗
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