Reisebericht

Frühstück mit Giraffen Mai 25

von Nacho · begonnen 02. Juni 2025 · 3 Teile

Teil 102. Juni 2025
Frühstück mit Giraffen, so beginnt unsere wunderschöne Reise im Mai 25.
Solange die Eindrücke noch frisch sind, schreibt es sich am besten. Aber ich beginne meinen Reisebericht am besten mit einem Aperitif:
20250504_082930~2-2.jpg20250509_090602~2.jpg20250513_170131~2.jpg20250517_090046.jpg20250528_072425~4.jpg20250528_104706~2.jpg20250528_105819~2.jpg
Na, schmecken euch die ersten Häppchen gut genug um an einer Namibia-Verkostung teilzunehmen? Dann nehme ich euch gerne mit auf meinen "Verdauungspaziergang".

Unsere Reiseroute von 1. Mai bis 1. Juni 25
1 N Voigtland Guesthouse
2 N Bagatelle Kalahari Game Lodge – Farmhouse
1 N Alte Kalköfen Lodge
2 N Fish River Lodge
2 N Klein Aus Vista Chalets
2 N Koimasis
2 N Dead Valley Lodge
2 N Ababis Guest Farm
1 N Strandhotel - Swakopmund
2 N Spitzkoppen Lodge
2 N Twyfelsfontein Adventure Camp
2 N Rhino Desert Camp
2 N Lodge Damaraland
2 N Epacha Game Lodge
3 N Onguma Bush Camp
1 N Kambaku Safari Lodge
1 N Voigtland Guesthouse

Vorhang auf für Namibia
Zum Abenteuer Lufthansa haben viele von euch ihre eigenen Geschichten. Gebucht haben wir einen Zubringer von Basel nach München und von München nach Windhoek. Geflogen sind wir am Ende von Basel nach Frankfurt und von dort nach Windhoek.
Letztendlich waren wir mehr als 24 Stunden unterwegs und haben ca. pro Person 500 Euro mehr bezahlt als mit Ethiopian Air.

Am zweiten Mai landen wir einigermaßen pünktlich gegen 8.20 Uhr.
Wir sind 31 Tage im Land und mussten daher das E Visa beantragen. Auf das Prozedere bei der Einreise haben wir uns eingestellt. Aber weil wir unter den ersten zwanzig Gästen sind die aussteigen und die Koffer zackig übers Band rollen, brauchen wir keine halbe Stunde, bis wir draußen sind.
Sim - Karte bekommen wir am Flughafen leider keine und der ATM ist auch außer Betrieb.
Der Mitarbeiter von Zaris wartet bereits auf uns. Wir bekommen einen Hillux in super gutem Zustand und wie wir später erfahren, mit den besten Reifen, die es auf dem Markt gibt.

Freitag 2. Mai Voigtland Guesthouse

Im Flugzeug ist es die ganze Nacht Mucks Mäuschen Still.
Für mich sind Langstreckenflüge immer eine Tortur, weil sich mein Nacken total verspannt und ich nicht selten Migräne habe, bis ich ankomme.
Kurz vor unserer Reise stoße ich auf Werbung für ein Reise-Stützkissen. Das bestelle ich mir und ich bin total begeistert. Mein Kopf wird nach allen Seiten gehalten und der Mund bleibt geschlossen. Ein paar Reihen hinter mir sitzt ein Gast, der hätte so ein Kissen brauchen können. Man hört ihn derart laut schnarchen, dass das halbe Flugzeug beschallt wird. Ich kann es gar nicht glauben, aber ich komme ganz ohne Verspannungen an und kann mindestens die hälfte der Strecke schlafen.
20250502_063619~3.jpg
Und noch eine sehr gute Erfahrung möchte ich mit euch teilen. Uwe und ich können zu 70% die Kopfkissen in den Unterkünften nicht vertragen. Diesmal hatte ich eine Fleece-Decke im Gepäck, eigentlich für Uwe, weil wir mit den Doppel-Bettdecken nicht klar kommen und Uwe eine Decke für ausreichend empfindet. Ich habe rausgefunden, dass sie zusammengelegt genau die Höhe hat, die ich als Nackenstütze brauche und sie ist angenehm weich. Ich nutze sie während der ganzen Reise als Kopfkissen und habe keine einzige Nacht mehr Probleme.
Teil 203. Juli 2025
Sonntag 11. Mai
Heute Nacht ist Vollmond. Draußen ist es so hell, dass man problemlos ohne Taschenlampe spazieren gehen könnte.
Wir schlafen aber ganz gut.

Uwe macht sich gegen halb sieben auf den Weg zurück nach Aus, um den Geldbeutel zu holen, den wir im Safe vergessen haben.

Ich steh eine halbe Stunde später auch auf, weil ich sehe, dass das erste Sonnenlicht über die Berge schwappt. Ich laufe etwa eine Stunde über Stock und Stein und werde wieder von den sagenhaft schön gewachsenen Bäumen in den Bann gezogen. Am liebsten möchte ich jeden fotografieren, um ja nie wieder zu vergessen, wie schön sie sind.
20250511_073609~2.JPG20250511_092528~2.JPG20250511_073748~2.JPG20250511_074135.JPG
Dann gehe ich leider alleine frühstücken. Das Angebot ist gut und die hausgemachten Körnerbrötchen sind noch warm.
Roland ist auch da. Ich frage ihn, ob es einen idiodensicheren Spazierweg für Leute ohne jeglichen Orientierungssinn gibt.

Er gibt mir eine gezeichnete Karte und erklärt sie mir. Ein Felsenkamm...ein Pferde Camp....ein Hühnerstall....zwei Berge....Eine große Grasfläche....ein Bohrloch, usw. Okay, klingt verständlich.

Ich habe nicht mehr viel Wasser. An Leitungswasser denke ich gar nicht, weil ich nie stilles Wasser trinke. Mein Blubber fährt gerade mit Uwe nach Aus. Ich habe vielleicht noch einen viertel Liter. Wird schon reichen. Es sind nur 9 km mit einer angegebenen Laufzeit von zweieinhalb Stunden.

Ich nehme Rucksack und Hut mit, und laufe los. Den Hut kann ich mir direkt schenken. Mir bläst die ganze Zeit eine sehr frische Brise den Marsch. Das ist gut, so brauch ich nicht viel Wasser. Ich komme nicht einmal ins Schwitzen.

Zuerst den Hügelkamm entlang bis zum Pferde Camp. Okay, das finde ich. Dann durch ein zwei Gatter zum Hühnerstall...Ist ja ganz easy.
20250511_093819~2.JPG
Dann zwei Berge, ich schau mir die Berge an. Da sind viele, aber welche sind die zwei besagten?
Keine Ahnung. Vielleicht diese hier? Okay, ich entscheide, für diese und laufe weiter.
20250511_093724~2.JPG
Unterwegs flaniert eine hübsche kleine Herde von Pferden gemütlich im Gänsemarsch und im gebührenden Abstand an mir vorbei.
20250511_100859~2.JPG
Hinter dem Zaun sind einige Kühe, die mich beobachten. Plötzlich rennt eine weg und die anderen ihr hinterher. Vermutlich bin ich ihnen zu nah gekommen. Nach ein paar Metern bleiben sie stehen und schauen mich vorwurfsvoll an.

Dummerweise habe ich zum Frühstück drei Tassen Kaffee getrunken. Hatte ich mir nicht in Klein Aus vorgenommen, keinen Kaffee mehr zu trinken, wenn ich etwas vorhabe? Wie lange ist das her? Ein oder zwei Tage? Na die Lektion hat ja lange angehalten.

So viel Kaffee war heute jedenfalls nicht meine beste Idee. Ich tauche sicher mindestens fünf Mal hinter jedem Busch ab. Wobei ich durchaus bemerke, dass nicht jeder Busch für mein Vorhaben geeignet ist. Ein Grasbüschel hätte den gleichen Effekt. Hier gibt es einen Weg, der könnte von Autos befahren werden. Ich hoffe, dass ich niemanden im Sitzen grüßen muss. Irgendwann ist der Tank aber endlich leer.

Ah, von einem abgestorbenen Baum war auch noch die Rede. Okeeeyyy, da gibt es auch eine gewisse Auswahl. Na, nehmen ich halt mal den einen hier, der ist so schöööön. Ich mach ein Foto natürlich nicht zur Orientierung, sondern weil er so schön ist.
Weiter geht es. Die offene Graslandschaft sehe ich auch, soweit so gut.
20250511_074641.JPG
Auf meinem Weg begleiten mich permanent scharenweise die Namib Jumper. Ein bisschen kurzsichtig sind die Viecher ja schon, sie springen doch alles und jeden an, prallen ab und fallen zu Boden. Die großen, Schwarzen gibt es zuhauf.
Sie sind übrigens sowohl Grasfresser als auch Kannibalen. Uwe hat einen beobachtet, der seinen Kumpel wegen einer Meinungsverschiedenheit angefressen hat. Dem ging es danach nicht mehr so gut. Glück gehabt, dass ich nicht als Heuschrecke geboren wurde. Da kannst du ja niemandem den Rücken zuwenden ohne Gefahr zu laufen, dass ihm deine Frisur nicht gefällt und er dich deswegen killt.

Während ich so laufe und auf den Boden sehe, liegt da mitten auf dem Weg ein kleines Schlängerl. Ich nehme es erst gar nicht wahr. Erst als ich schon am drübersteigen bin, denke ich: Huch, was ist das denn und mache einen Schritt zurück. Wäre sie auf Schrittlänge gelegen, hätte ich sie vermutlich totgetreten. Sie sieht auch irgendwie tot aus oder leblos oder zumindest unbeweglich. Vielleicht aber auch nur, weil es so kalt ist. Ich mache ein Foto. So richtig nah traue ich mich nicht an sie ran. Das Handy hätte leider ein bisschen mehr Nähe gebraucht. Das Resultat ist nicht sonderlich hilfreich für eine Identifizierung. Ich frage Roland, ob er weiß, was das für ein Tierchen ist, er vermutet mehr als das er etwas Zuverlässiges sagen könnte. Ist ja auch nicht so wichtig. Aber neugierig bin ich schon. Vielleicht habe ich eine Begegnung mit einer hochgiftigen Schlange überlebt. Später frage ich noch mehr Leute, aber keiner ist sich sicher.
20250511_105034~2.JPG
Sie ist vielleicht 20 cm lang und sehr schlank um die Taille und auch sonst.
Von wegen: Schlangen spüren die Vibration im Boden und machen sich vom Acker. Die hier bewegt sich keinen Millimeter.
Jemand hat einmal gesagt: "Zwergpuffotter-Bisse sind nicht tödlich, aber wenn dich eine beißt, wünschst du dir, du wärst tot". Nun hab ich ja null Ahnung von Schlangen und bin deshalb ein echter Schisser wenn ich einer so nah begegne.
Also sag ich Tschüss zum Schlängerl und bin froh, dass wir beide Glück hatten, sie dass ich nicht auf sie draufgetreten bin, und ich dass ich nicht gebissen wurde. Ich bin ja alleine unterwegs. Wobei Uwe, wäre er bei mir, im Ernstfall eh nur noch Händchen halten könnte, denn bis er ein, zwei Stunden irgendwo hin laufen könnte um Hilfe zu holen, bräuchte ich keine mehr.

Dann komm ich ans Zufahrtstor zur Lodge. Waaas? Von dem war nicht die Rede.
Dies zu erwähnen, empfand Roland vermutlich nicht wichtig, oder ich hab es vergessen.
20250510_123502.JPG
Ich lauf mal weiter....und weiter....und weiter.....
Als, meine Uhr mehr als 9000 Schritte anzeigt ziehe ich es in Erwägung umzukehren.

Das Bohrloch sollte nach ca. viereinhalb Kilometer kommen. Ich kann sehr weit schauen, aber ich seh nirgends etwas das ein Bohrloch sein könnte. Ein Stück laufe ich aber noch.

Bei Kilometerstand 11000 Schritte denke ich, es ist besser umzukehren. Den Weg den ich gekommen bin, finde ich eher wieder als den Rest der Strecke, den ich noch nicht gesehen habe.

Also nehme ich die 11000 Schritte Rückweg in Angriff.
Da waren ein paar Gatter, ein paar Kühe, abgestorbener Baum....und dann?
Diesen oder jenen Weg? Keine Ahnung.
Ich nehme mal den links und bin irgendwann in einem sehr cool angelegten Camp,
nur war das auf der ersten Strecke auch schon da? Da war ein Camp, aber das sah ganz anders aus.
20250511_115014~2.JPG20250511_114935~2.JPG20250511_115114~2.JPG
Ich lauf wieder ein Stück zurück und versuche mich zu orientieren. Aber die andere Möglichkeit macht auch keinen Sinn. Komisch!
Ein Fahrzeug biegt ins Camp ein und der Fahrer grüßt.
Ich nutze die Gelegenheit, um nach dem Weg zu fragen. Er spricht zum Glück deutsch. So falsch liege ich gar nicht, ich bin auf dem Hinweg nur auf der anderen Seite des Camps vorbeigelaufen.
Jaaaahaaa, lacht nur….wenn du einen Elefanten zum ersten Mal siehst und ihn von vorn betrachtest, siehst du einen Rüssel und zwei Ohren, wenn du ihn von hinten anschaust, siehst du einen breiten Hintern und einen Schwanz…da könnte man schon denken, es sind zwei verschiedene Tiere…oder zwei verschiedene Camps….
Der nette Camper weist mir grob die Richtung. Da kann jetzt eigentlich nix mehr schief gehen.....denke ich.

Aber nach einer Weile verliere ich wieder die Orientierung. So grob glaube ich trotzdem richtig zu liegen.
Da grüßen mich auf einem Parallelweg ziemlich weit weg, zwei Mitarbeiterinnen der Lodge, die auf dem Weg zur Arbeit sind.
Was bin ich doch für ein Glückspilz.
Nix wie in gebührendem unauffälligem Abstand hinterher.
20250511_114621~2.JPG20250511_115037~2-2.JPG
Die zwei kennen ein paar Abkürzungen. Ich muss auf die Distanz aufpassen, dass ich sie nicht aus den Augen verliere. Denn auf solchen Abwegen sucht mich keiner, wenn ich in der Prärie übernachten muss. Aber ich habe Glück und ein Viertel Stündchen später bin ich an unserem Chalet.
Also ich meine, mein Orientierungssinn könnte schon ein bisschen besser sein, aber die Farm „Fest in Fels“ hat schon zu Recht ihren Namen und so gut getarnt wie sie in die Felsen gebaut wurde, ist es schon schwer für einen Maulwurf wie mich, den Weg zu finden.

Jetzt habe ich 21000 Schritte und war drei Stunden unterwegs- Passt! Ich habe überlebt und zurück gefunden – das ist doch ein guter Tag!

Uwe kommt mir auch schon entgegen.
Wir trinken zusammen einen Kaffee und er erzählt mir wie es gelaufen ist.
20250512_074951~2.JPG
Er fragte den Manager, ob die Person, die den Geldbeutel abgegeben hat, da wäre.
Das war sie. Sie wurde gerufen und Uwe bedankte sich mit einer Umarmung und einem sehr großzügigen Finderlohn. Er schildert mir, dass die Mitarbeiterin sprachlos vor Freude war.
Das freut auch mich sehr und die Botschaft ist, dass Ehrlichkeit Anerkennung wert ist.

Den restlichen Tag chillen und lesen wir und genießen die Ruhe auf unserer Terrasse, mit wunderschönem Ausblick.
Für heute hatten wir beide genug Programm.
Teil 306. März 2026
Daxiang schrieb:Hi Silvia,

durch deinen aktuellen Bericht habe ich gemerkt, dass ich das Ende von diesem Bericht leider "urlaubsbedingt" verpasst habe. Ich habe nun den Rest in einem Rutsch gelesen und über deinen "Spiegel-Schocker" Tränen gelacht!
Nacho.jpg
Liebe Grüße
Konni
Liebe Konni,
hab herzlichen Dank für deine lieben Zeilen und auch dafür, dass du meinen Reisebericht mit verfolgt hast. Das freut mich sehr. Ich kann dir gar nicht aufzählen, wie oft ich deinen Bericht angeklickt und gelesen habe, weil es ja von besonderem Interesse ist, wenn jemand anderer schon da war, wo man selbst noch hin will.
Tatsächlich müssen wir auch noch über den Spiegelschocker lachen, wenn wir uns an die Reise erinnern. Auch im neuen Reisebericht wird es eine Geschichte geben, die filmreif ist - wenn es mir gelingt, sie so unterhaltsam zu schreiben, wie wir sie erlebt haben.

Danke dir für dein Dankeschön und liebe Grüße,
Silvia

Zur Diskussion mit allen 335 Beiträgen