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Japan–Parks, Volljährigkeit, Berge, Fleischklopse
23 Antworten · 3'848 Aufrufe · gestartet 20. Jan. 2024 von JP K
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202120. Jan. 2024 · #1
Über den Jahreswechsel waren wir 3 Wochen bei Schwiegermuttern. Ich hatte die Kamera dabei und habe ein paar Fotos gemacht. Wenn auch schon wieder kein Afrika-Bericht, so gibt es ja durchaus Interesse an etwas exotischeren Reisezielen, oder? Und wenn das hier durch ist, kommt ein Reisebericht aus Ecuador.
Wir waren mit einer Ausnahme nur in Tokyo. Die Ausnahme waren 3 Tage Hida-Takayama, ein beliebtes Ausflugsziel in den japanischen Alpen. Also keine klassische Rundreise, daher gibt es hier auch nur punktuelle Impressionen. Auch der ungemütliche Winter bietet einige Fotomotive, man muss nicht unbedingt immer nur Sommerurlaub in Japan machen, und auch die Tierwelt ist zu dieser Jahreszeit aktiv und sichtbar.
Der erste kleine Ausflug innerhalb Tokyo’s führte mich zur U-Bahn-Station Nishi-Nippori, um durch das Yanaka-Viertel zu schlendern. Dort gibt es sowohl einen recht grossen Friedhof, auf dem die Tokugawa-Familie bestattet liegt, als auch die Yanaka-Ginza, eine schmale Einkaufsgasse mit kleinen Läden.
Tokyo ist unglaublich eng bebaut, auch mit Einzelhäusern, aus deren Fenstern man seinen Nachbarn mit Handschlag begrüßen kann, wenn auch der Nachbar sich in seinem Fenster zeigt. Aber die Japaner begrüßen sich ja nicht mit Handschlag, sondern haben blickdichte Vorhänge. Da es keinen Platz für weitläufige Vorgärten gibt, sind die Hauseingänge häufig mit Blumentöpfen vollgestellt.
Weiter ging es in den Rikugien-Park (U-Bahnstation Sengoku). Er wird als einer der bedeutendsten und ältesten Parks Japans bezeichnet und wurde während des Tokugawa-Shogunats errichtet (ca. im Jahr 1702).
Die Parks in der Grossstadt sind erstaunlich voll von Vögeln. Die Parks, die eine größere Wasserfläche haben, sind auch Aufenthaltsorte für Reiher.
Da ich mich bisher nie für Tokyo’s Vogelwelt interessiert hatte, ist dies meine erste Sichtung einer Buntmeise. Im Laufe der 3 Wochen sind mir danach ständig Buntmeisen aufgefallen.
Der Herbst ist auch in Japan bekannt für seinen „Indian Summer“, und die Blätter des japanischen Ahorns stechen mit seiner Farbgebung zwischen gelb und tiefrot dabei heraus. In vielen Parks sind diese Bäume gepflanzt. Erstaunlicherweise sind selbst Anfang Januar diese Farbspiele noch zu bewundern.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202121. Jan. 2024 · #2
Bunkyo-ku ist der Stadtbezirk, in dem meine Frau aufgewachsen ist. Dort liegt der Nezu Jinja. Zum Neujahr gehen alle Japaner zum Schrein in ihrer Nachbarschaft, um für ein gutes neues Jahr zu bitten. Hier auf dem Bild am 3. Januar ist es erstaunlich leer, an anderen Schreinen ist deutlich mehr los.
Es gibt auch ganz Hartgesottene, die zum ersten Glockenschlag um Mitternacht am Schrein sein wollen. Das kann zu einem riesigen Gedränge führen an den bekanntesten Schreinen des Landes. So gehen in den ersten 3 Tagen im Januar etwa 3 Mio Menschen zum Meiji Jingu, einem Schrein im Stadtteil Yoyogi. Auch ich war mal dort in der Silvesternacht 1998, weil ich in der Nähe wohnte, es hat mich etwa 3 Stunden gekostet, um zum Schrein vordringen zu können. Direkt vor dem Meiji Jingu stehen dann Polizisten, bewaffnet mit Plexi-Schutzschilden. Warum? Zum Beten wird eine kleine Geldgabe, meist etwa 100 Yen, in eine kleine Holzbox geworfen. Da aber der Bereich vor der Holzbox in diesen Tagen abgesperrt ist, werden aus dem Gedränge heraus die Geldstücke nach vorne zum Schrein geworfen, die Polizisten schützen sich so vor den geworfenen Münzen. In regelmässigen Abständen wird das Geld zusammengefegt und abtransportiert.
Auch die Tokyo University („Todai“ – Tokyo Daigaku) liegt im Bezirk Bunkyo. Der Campus war Schauplatz von Studentenunruhen im Jahr 1960 als Protest gegen den Sicherheitsvertrag mit den USA, in deren Folge 500 Studenten verletzt wurden. Solch eine Randale traut man heutzutage den Japanern gar nicht mehr zu. Wenn mal eine Demo stattfindet, dann nur noch in Kleinstgruppen gesittet auf dem Bürgersteig. Die Todai liegt übrigens auf dem Uni-Ranking in Japan ganz vorne. Der Campus ist sehr gross, umzäunt mit mehreren Eingangstoren.
Die Uni hat auch einen eigenen Park, in dem auch Ahorn-Bäume wachsen.
Shinjuku Gyoen ist ein Park im Stadtteil Shinjuku. Er ist völlig überlaufen zur Zeit der Kirschblüte. Jetzt im Januar ist nicht viel los. Blumen blühen aber doch, so dass Hana-mi (das Blütenbetrachten) auch in der kalten Jahreszeit möglich ist.
Der prägendste Vogel Tokyo’s ist meiner Meinung nach der Rabe. Sie sind überall zu sehen, nicht nur in den Parks, sondern auch entweder in den Lüften fliegend oder in einem Baum oder auf einem Strommast sitzend. Das Krächzen ist allgegenwärtig und auf Dauer nervtötend. Als ich vor etwa 25 Jahren in Tokyo gewohnt hatte, war ein Rabe vor meinem Schlafzimmerfenster mitten in der Nacht immer sehr mitteilungsbedürftig, und das über Monate.
Obwohl Shinjuku nicht weit entfernt von meiner Wohnung war, habe ich bisher einige Sehenswürdigkeiten in diesem Stadtteil noch nicht besucht. Dies habe ich nun im Januar ´24 nachgeholt. Omoide Yokocho gehört dazu: dies ist ein kleiner Häuserblock, der für seine kleinen Yakitori-Bars bekannt ist. Yakitori sind kleine Spiesse mit Hünchenfleisch.
Würden nicht so viele Ausländer („Gaijin“) durch die engen Gassen mit Fotoapparaten laufen, könnte man sich fast in alte Zeiten zurückversetzt fühlen, als es noch keine Hochhäuser gab. Dies ist eine der sehr wenigen noch verbliebenen Stellen, an denen das alte Tokyo durchschimmert, genauso wie die zuvor erwähnte Yanaka-Ginza. Das Foto mit den Gästen an der Theke ist eine Vollaufnahme des Restaurants, größer ist das Restaurant nicht. Omoide Yokocho liegt gleich hinter der Shinjuku Station, den meistfrequentierten Bahnhof der Welt (über 3 Mio Menschen täglich). Man findet hier nicht die Haute Cuisine, dafür bodenständig schmackhafte Hühnchenspiesse (Yakitori).
Weiter geht es in Shinjuku durch das Kabuki-cho zum Golden Gai, wo ich bisher ebenfalls noch nicht war. Auf dem Weg dorthin passiere ich Godzilla, der über die Dachkante eines Kinogebäudes äugt.
Golden Gai ist ein altes Vergnügungsviertel und besteht auch nur aus einem Häuserblock mit wenigen Gassen. Hier soll Japans Mafia, die Yakuza, seit Urzeiten wirken. Tagsüber sieht es eher trostlos aus, es sind viele Shot Bars hier wie auch Hostess-Bars. Am Strasseneingang zu diesem Viertel gibt es eine ständige Lautsprecheransage, in der davor gewarnt wird, dass einige Läden ihre Gäste mit Wucherpreisen abzuziehen versuchen. Ich bin in keine Bar gegangen, sondern habe mich auf das (verbotene) Fotografieren beschränkt.
Neben dem Golden Gai liegt der Hanazono Jinja. Hier ist am späten Nachmittag des 6. Januars mehr los als am vorigen Nezu Jinja. Die Leute stehen Schlange, um ihre Neujahrswünsche zu platzieren.
GAGabi-Muc2'188 Beiträge · seit 201621. Jan. 2024 · #3
Vielen Dank für einen Reisebericht aus Japan. Dieses Reiseziel würde ich - ebenso wie übrigens Ecuador - gerne besuchen.
LG
Gabi
SPspeed66751 Beiträge · seit 201122. Jan. 2024 · #4
Besten Dank für die Einstimmung - im Mai geht es für uns zum ersten Mal nach Japan... LG, Nette
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202123. Jan. 2024 · #5
Der Tag des Erwachsenwerdens (Seijin no Hi) wird jährlich am 2. Montag im Januar begangen und ist ein Feiertag, dieses Jahr war es der 8. Januar. Dieser Tag ist den Teenagern gewidmet, die zwischen dem 2. April des vergangenen Jahres und bis zum 1. April diesen Jahres ihr 20. Lebensjahr vollenden. Mit 20 Jahren wurde man bis vor Kurzem volljährig.
Zur Volljährigkeit erhält man von den lokalen Ämtern eine Einladung zu einem Festakt, bei dem den nun Erwachsenen der Ernst des Lebens erklärt wird. Das Alter der Volljährigkeit wurde vor 2 Jahren allerdings auf 18 Jahren abgesenkt, um sich dem international vorherrschenden Altersgrenze anzugleichen. Das hat bei den Behörden allerdings zu Ratlosigkeit geführt, und wie so oft in Japan ist erst einmal nichts passiert. Eine Umfrage unter den lokalen Behörden ergab nämlich, dass bis auf ganz wenige Ausnahmen weiterhin die 20-jährigen eingeladen werden. Als Begründung für ihre völlige Missachtung der neuen Gesetzeslage führen die Behörden an, dass die 18-jährigen ja für die Schul-Examina lernen müssten und die Examensvorbereitung nicht unterbrechen wollen, der Festakt sei ihnen nur lästig, und richtig geniessen können sie diesen Festakt erst mit 20. Keine Ahnung, ob man die 18-jährigen gefragt hat… Allerdings ist die Altersgrenze von 20 nicht ganz verschwunden. Die 18 Jahre gelten nun für die Wahlberechtigung, Heirat, Vertrags- und Kreditfähigkeit. Die 20 Jahre gelten weiterhin für Alkohol, Tabak, Wetten und Glückspiel als Volljährigkeit.
Ohne Smartphone geht auch die volljährige Dame nicht aus dem Haus
Zum Seiji no Hi kleiden sich die jungen Erwachsenen traditionell, die jungen Frauen in Kimono, die jungen Männer – nun ja, heutzutage maximal in schwarzem Anzug, und schauen am Tempel oder Schrein vorbei. Den männlichen Kimono, farblich in schwarz, grau, weiss gehalten, habe ich an dem Tag gar nicht gesehen. Anlass genug für mich, auf Fotojagd zu gehen. Allerdings waren nur die bunten Kimonos für mich interessant, Männer in schwarzen Anzügen habe ich ignoriert, sie waren nicht auffällig. Ansonsten ist der Kimono nämlich fast vollständig aus dem Alltag verschwunden. Vor 25 Jahren habe ich noch vereinzelt Kimono-Trägerinnen auf den Strassen gesehen, jetzt gar nicht mehr.
Dieses Foto habe ich hier eingestellt, weil ein langer Pferdeschwanz eigentlich nicht zum Kimono getragen wird, das gehört sich traditionell nicht, sondern die Haare werden hochgesteckt und Blumenschmuck eingesteckt. Gerade der Stilbruch ist hier interessant.
Es werden viele Fotos gemacht von diesem Ehrentag. Doch zuvor wird nochmal der Kimono zurecht gerückt, die Haare geprüft, hier und da gezupft. Die Mütter können vom volljährigen Kind nicht lassen.
Einige Mütter schmeissen sich auch nochmal in ihren Kimono und posen stolz mit ihren Töchtern, der Vater greift zum Fotoapparat…
…oder die Freundin…
…oder man fotografiert sich gegenseitig…
…oder miteinander.
Der Andrang am Meiji Jingu ist gross, das Haupttor ist nur für ankommende Gäste, über die beiden Seitentore geht’s wieder nach draussen. Die Ordner versuchen, die Menschenströme in geordnete Bahnen zu leiten.
Eine Schrein-Zeremonie wird gleichzeitig abgehalten, ich weiss aber nicht um ihre Bedeutung.
Es ist kalt, die Luft ist klar, zum Kimono wird im Winter häufig ein Fellschal getragen - oder auch nicht.
Gegen 11:30 Uhr breche ich auf, wir haben uns für 13 Uhr zum Mittag in einem Restaurant verabredet, die Wege mit der U-Bahn können durchaus weit sein. Es gibt hervorragendes Tonkatsu (wie Schweineschnitzel, nur besser)
Ich hoffe ich werd jetzt nicht verklagt wegen der Missachtung der Rechte am eigenen Bild oder wegen Eindringen in die Privatsphäre, aber es sind hier ja auch genügend Bilder von Afrikanern eingestellt, von denen nur teilweise die Erlaubnis eingeholt wurde... et hätt noch immer jot jejange.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202125. Jan. 2024 · #6
Hida Takayama Hida-Takayama ist eine kleine Stadt in den japanischen Alpen. Sie ist bekannt für ihr teilweise rekonstruierten Häuser im alten Stil, die von der näheren und ferneren Umgegend abgebaut und hier wieder aufgebaut wurden. Diese Häuser stehen als gemeinsames Ensemble fussläufig etwas ausserhalb der Stadt in einem Museumsdorf (Hida no Sato). Ferner gibt es eine Altstadt aus Holzhäusern, die ebenfalls touristischen Wert hat und kleinere Shops beherbergt, die auf Touristen ausgelegt sind. Ausserdem sind die Japaner ganz verrückt nach Hida gyu, dem Rindfleisch aus dieser Region. Ich habe da jetzt keinen Unterschied zu anderem Rindsfleisch rausgeschmeckt, aber so sind sie, die Japaner, um regionale Kulinarik wird ein riesen Bohei gemacht.
Wir sind von Tokyo (Shinjuku Bahnstation) mit dem Fernbus gefahren, es gibt eine direkte Verbindung. Die Fahrt dauert etwa 5 Stunden und beinhaltet mehrere Pinkelpausen. Andere Alternativen wie Bahn oder Flug wären teurer gewesen und hätten länger gedauert.
Hier die Altstadt
Hida no Sato mit Ausstellungsräumen in den Häusern
Das Museumsdorf hat auch eine eigene Holzschnitzerei, oder einen freischaffenden Künstler, so genau weiss ich das nicht. Er stellt hauptsächlich Netsuke her. Netzuke sind kleine geschnitzte Figuren, die früher als Gegenstück für Beutelchen am Kimono-Gürtel (Obi) getragen wurden. Dabei wird das Netsuke oberhalb des Obi platziert, die Verbindungsschnur ist hinter dem Obi zu platzieren, und der Beutel hängt dann kurz unterhalb des Obi. Er hat sich bei seinen Schnitzereien auf Eibenholz spezialisiert, das anscheinend sehr langsam wächst und daher eine zeitlang nicht zu beschaffen war, weil alles vorhandene Eibenholz für die Herstellung von Netsuke draufging.
Hida-Takayama hat übrigens eine ähnliche Entsprechung in einem anderen Bergdorf nicht weit entfernt, etwa 70km, in Shirakawa-go. Shirakawa-go ist deutlich berühmter, da Weltkulturstätte. Hier ein Bild von Shirakawa-go, als wir September 2019 dort waren.
Wer sich etwas die Beine vertreten möchte in der Natur: es gibt am Stadtrand einige Wege, die man aufs Geratewohl gehen kann, ohne Angst haben zu müssen, sich in der Wildnis zu verlaufen. Wir haben also nicht die Berge erklommen, sondern sind in Stadtnähe geblieben. Hütten, wie in den europäischen Alpen üblich, gäbe es hier eh nicht auf den Bergen.
Japanischer Zwergspecht
Buntmeise
Japanische Meise (ähnlich einer Kohlmeise)
Japanischer Serau
Der japanische Serau (Kamoshika) ist eine endemische wilde Ziegenart und kommt in weiten Gebieten der japanischen Bergwelt vor. Das Tier hat die Ruhe weg, verhält sich nicht scheu und ist genauso neugierig an uns interessiert wie wir an ihm. Er stapfte im Schnee durch die nicht umzäunten Felder und Kleingärten am Rand einer Strasse, auf der wir spazieren gingen. Es ist bereits das zweite Mal, dass ich einen Serau sah, das erste Mal vor zwei Jahrzehnten ist er auch ganz langsam nach gegenseitiger Musterung davongetrottet. Da sind unsere deutschen Rehe und Hirsche doch erheblich scheuer.
Der eigentliche Grund, warum wir nach Takayama gefahren sind ist folgender. Wir waren schon vor fast 25 Jahren mal in Takayama. Meine damalige Freundin und heutige Frau sagte mir damals, dass im Winter abends die Häuser im Schnee beleuchtet werden und dass dies ganz toll aussieht. Das ging mir all die Jahre nicht aus dem Kopf, und so sind wir hierher für diese Fotos nach einem Vierteljahrhundert zurückgekehrt. Wir waren am 11. Januar dort, der erste Tag, an dem die Abendbeleuchtung angeknipst wurde. Dies wird nun täglich bis Februar so gemacht.
Takayama hat noch ein anderes Museum zu bieten, nämlich die Ausstellung von mehreren Yatai. Yatai sind Zugwagen, die beim Festival von hunderten starken Männern und Frauen durch die Strassen gezogen werden.
Die Yatai unterscheiden sich von den Omikoshi, die von jeweils 40-50 Personen auf den Schultern getragen werden. So ein Mikoshi wiegt über 2 Tonnen, und die Teams wechseln sich alle 5 bis 10 Minuten mit dem Tragen ab, zumal mit dem Schrein auch noch ordentlich geschunkelt wird. Ich habe mich mal bei so einem Umzug beteiligt, ich versichere Euch, man kommt in kürzester Zeit ins Schwitzen und die Schultern werden von den Holzbalken blutig gescheuert.
Um dieses Mal ins Schwitzen zu kommen, habe ich mich lieber in den hoteleigenen Onsen begeben. Das Hotel hatte einen eigenen Busshuttle zum Bahnhof, den wir ausgiebig genutzt haben und liegt ausserhalb der Stadt an einem Berghang mit Aussicht auf Teile der Stadt. Diese Aussicht geniesst man am besten aus dem Onsen heraus. Es gab diverse kleinere Pools und Bottiche, die Wassertemperatur war in allen etwa gleich. Einen Infinity-Pool gab es auch. Alles in allem war der Onsen hier echt gut.
Die Onsen sind auf 2 getrennten Ebenen, eine für Männer und eine für Frauen. Wie in Japan üblich, wechseln die Geschlechter täglich die Ebene. Ansonsten war das 4-Sterne Hotel Associa eher ein unpersönlich liebloser Bunker. Man kann Zimmer mit westlichem Bett, aber auch mit Futon auf Tatami-Matten buchen. Wir haben das westliche Bett genommen, da wir schon bei der Schwiegermutter auf dem Fussboden schlafen. Wichtig war auch, dass es mit Toast, Butter, abgepackter Marmelade (2 Sorten) und etwas Wurst etwas für Westler zum Frühstück gab. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich in Japan, ich war schon aus besseren Hotels in einen nahegelegenen Seven Eleven gegangen, um mir ein Sandwich zu besorgen. So fantastisch ich das japanische Essen finde, zum Frühstück muss es bei mir Brot sein.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202128. Jan. 2024 · #7
noch zwei Parks in Tokyo. Die Vogelbilder schenke ich mir mal, aber ich versichere, dass es interessante Sichtungen wie White Eye, Bulbul, Schwanzmeise und vieles mehr zu sehen gibt.
Koishikawa Korakuen Der Park liegt in Nachbarschaft des Baseball-Stations Tokyo Dome und eines Vergnügungs- und Veranstaltungsparks. Das Gute an den verschiedenen Parks ist ja, dass man dem ewigen Strassenlärm entfliehen kann, der Verkehrssound kommt hier nur sehr gedämpft an. Die japanischen Kieferbäume sind winterfertig gemacht worden mit einer komplizierten Seilvorrichtung, um die Äste vor dem Brechen zu schützen, falls wider Erwarten schwerer Schnee auf ihnen lastet.
Die Blüte der Pflaumenbäume hat hier bereits begonnen durch die milden Temperaturen
Yoyogi Koen Der Yoyogi Park ist in zwei Teile unterteilt. Der eine Teil ist der heilige Teil, in dem der Meiji Jingu steht, ein bedeutender Schrein. Auf dem Hauptweg, der zum Schrein führt, werden Sake-Fässer ausgestellt. Sake am Schrein soll eine Verbindung mit den Göttern aufbauen.
Der andere Teil des Parks ist ein Freizeitpark, in dem auch die Grünflächen betreten werden dürfen, ansonsten ein no-go in anderen Parks der Stadt. Hier wird gejoggt, Frisbee gespielt, auf dem Rasen gelegen, Theatergruppen treffen sich hier etc. Der Park zieht alle möglichen Gestalten an, u.a. auch Rock´n´Roll-Tanzgruppen, die ihr Können im Gruppentanz gerne anderen zeigen. Es wird dann auch gerne in unbekannte Smartphones geposed.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202128. Jan. 2024 · #8
Ryogoku Kokugikan Ich liebe es, mir Sumo-Ringen anzuschauen. Tickets können als Tagestickets früh morgens gekauft werden, diese sind aber schnell ausverkauft. Dieses Mal habe ich, da meine japanische Schwiegermutter noch nie einem Sumo-Kampf live zugeschaut hat, im Internet im Vorverkauf erworben. Ich war spät dran, ca. 4 Wochen vor Turnier-Beginn hatte ich die Karten gekauft, daher waren nur hintere Plätze im 2. Rang übrig, nicht viel besser als Tagestickets, aber dreimal so teuer. Vögel fotografieren war nicht der Grund dafür, dass ich meine 600mm Teleobjektiv mitgenommen habe, sondern das Sumo-Turnier. Die Kampfarena heißt Ryogoku Kokugikan. Draussen künden Fahnen (nobori) davon, welcher Sponsor welchen Kämpfer (rikishi) unterstützt.
Die Fans warten draussen vor dem Eingang, um die Ankunft der Kämpfer mitzuerleben. Die jüngeren Sumo-Kämpfer kommen zu Fuss, die erfahreneren höherrangigen Kämpfer werden mit dem Auto vorgefahren.
So sieht die Kampf-Arena von drinnen aus.
Die Kämpfe beginnen bereits morgens in der niedrigeren Divisionen, und die höchste Division kämpft zum Schluss zwischen 16 bis 18 Uhr. Ich war ab 14 Uhr dort.
Einzug der Gladiatoren
Vorbereitungen für den Kampf: das Stampfen, um die schlechten Geister zu vertreiben
Ebenso das Salzwerfen, bevor der Kämpfer den Ring betritt, wird die bösen Geister aus dem Ring heraus halten
Nochmals das Fussstampfen im Ring. Hier sieht man, dass es bewegliche und weniger bewegliche Kämpfer gibt, die es kaum mehr schaffen, ihre Füsse zu heben.
Das Anstarren ist Teil des Psychokampfes und wird 2 bis 4 mal wiederholt, bevor der physische Kampf beginnt, Zwischendurch gehen die Rikishi wieder in ihre Ecke ausserhalb des Rings, das Salzwerfen wird bei Betreten wiederholt.
Endlich beginnt der Kampf. Die Regeln sind gegenüber den Ritualen um den Kampf herum denkbar einfach: verloren hat, wer mit einem anderen Körperteil als dem Fuss den Boden berührt oder wer den Ring als erster verlässt, d.h. auch wie hier übertritt.
Der nächste Kampf wird angekündigt, wobei die beiden Kämpfernamen vorgelesen werden.
Werbung wird hier noch ganz analog – weder eingeblendet noch geschaltet – sondern um den Ring herum getragen.
Das Klatschen der Backpfeifen ist bis in die hinteren Zuschauerränge zu hören
Jeder Werbebanner (kensho) repräsentiert umgerechnet nach heutigem Kurs ca. 350 Euro und wird dem Sieger als Prämie direkt nach dem Kampf cash in einem Briefumschlag übergeben vom Kampfrichter. Dieser Kämpfer bekommt eine stattliche Summe.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202128. Jan. 2024 · #9
Zu Beginn der höchsten Division des Tages, der Makuuchi-Division, betritt der Yokozuna, der höchste Rang der Aktiven, den Ring und zeigt seine Kampfringeintrittszeremonie. Er wird von zwei Adjutanten begleitet, hier im Bild zu sehen sein Schwertträger.
Hier ein Kämpfer, der einen weiteren Teil der Kampfstartzeremonie zeigt, den chiri-chozu. Das Zeigen der offenen Handflächen soll bedeuten, dass er fair kämpfen wird und keine verbotenen Gegenstände in der Hand hält.
Ein Kämpfer trinkt for dem Kampf als weiteres Ritual chikara mizu, das Powerwasser. Es darf nur überreicht werden von dem Sieger der vorherigen Runde. Da zwei Kämpfer den Kampf beginnen, wird dem anderen Kämpfer das Wasser vom nachfolgenden Kämpfer überreicht – ganz schön kompliziert die Rituale.
Zwischen den Kämpfen wird der Kampfring (dohyo) mit Besen glattgefegt. Dieses Ringpersonal hat daneben diverse andere Aufgaben zu erledigen, wie Auffüllen der Salz- und Wasserbehälter, Ansage des nächsten Kampfes, Die Werbebanner tragen, die Sitzkissen für die Kämpfer tragen, auf dem Turm vor der Kampfarena die Trommel schlagen uvm.
Jeder Griff hat einen eigenen Namen, je nachdem welche Bewegung damit bezweckt wird, zB Heraustragen, Schulterwurf, Hüftwurf, ein Bein stellen etc.
An jeder der vier Seiten sitzt je ein Ringrichter
das Gewicht der Kämpfer beträgt in der obersten Division idR zwischen 140 bis 200kg, in Einzelfällen bringen sie auch erheblich mehr auf die Waage.
Zum Abschluss des Kampftages, normalerweise gegen 18 Uhr, wird ein Kämpfer „den Bogen schwingen“. Der Bogen darf dabei nicht auf den Bodenfallen, sonst gibt es weitere Regeln wie er aufzuheben ist und wie weitergamecht wird.
So, das wars mit meinem kurzen Bericht aus Japan.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202110. Feb. 2025 · #10
Wir waren wieder im Januar in Japan, nicht nur in Tokyo bei der Schwiegemutter, sondern wir haben auch Ausflüge unternommen, diesmal mit klarem Fokus auf die Wildlife-Highlights des japanischen Winters.
Ich nutze mal meinen letztjährigen Bericht und hänge die diesjährigen Eindrücke dran, somit baue ich diesen Faden zu einem Blog aus, den ich auch künftig nutzen werde für Fotos aus Japan, wenns recht ist. Kann man eigentlich jetzt noch nachträglich die Themenüberschrift ändern?
Im März geht es dann zum zweiten Mal nach Namibia, ich verspreche, dann gibt’s auch einen Bericht. Ansonsten bin ich ja die letzten Jahre eher mit Berichten aus anderen Kontinenten vorstellig geworden.
Bevor es in die Berge nach Nagano geht, ein kurzer Hinweis, dass es seit 2019 eine neue Aussichts-Dachterrasse gibt am Shibuya-Crossing – das Shibuya Sky Observatory, 230 Meter hoch über dem Strassenverkehr. Bei gutem Wetter sollte der Fuji auch gut sichtbar sein. Als wir oben waren, war die Weitsicht allerdings nicht gegeben. Tickets sind schnell ausgebucht, man sollte vorher online buchen, es kostet 2.500 Yen pP.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202112. Feb. 2025 · #11
Mitte Januar sind wir für 4 Nächte nach Nagano gefahren, genauer gesagt zum Jigokudani Snow Monkeys Park in dem kleinen Bergdorf Yudanaka.
Unser Hotel, das Kanbayashi Hotel Senjukaku, war direkt am Beginn des Wanderweges zum Park gelegen. Es war ein schmuckes 4-Sterne Hotel mit Onsen.
Wie derzeit überall in Japan zu beobachten, wird Japan überflutet mit chinesischen Touristen, einige Koreaner sind auch noch anzutreffen. Die Japaner sind klar in der Unterzahl im eigenen Land. Auch sehr viele Westler sind anzutreffen. Die Beliebtheit dieser Sehenswürdigkeit kommt sicherlich von Titelbildern der Hochglanzmagazine seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, und die Japan-Makaken sind aber auch sehr possierliche Tiere, teilweise mit recht menschlichem Antlitz.
Der Ryokan ist mit einem Osen ausgestattet, der erstaunlicherweise nur sehr spärlich von den Gästen frequentiert wurde. Ich liebe japanische Onsen insbesondere in der kalten Jahreszeit, ich war täglich einmal morgens und einmal abends im heissen Bad.
Das Hotel bietet Halbpension an, was empfehlenswert ist, da die Wege zum nächsten Restaurant recht lang sind. Es gibt typisches Ryokan-Essen auf gutem Niveau, exzellente Fleisch-Streifen inklusive. Für die Westler wird auch als Frühstück Brotware (Toast, Croissant, Brötchen) vorgehalten, was ich gerne in Anspruch genommen habe. Morgens zum Frühstück möchte ich keine japanischen Fische auf dem Teller sehen.
Der Weg zum Park ist ein einfacher Wanderweg durch den Wald am Berg, allerdings schneebedeckt und durch täglich tausende Füsse sehr glatt poliert, man muss aufpassen nicht auszurutschen. Die Wanderung zum Affenbad dauert etwa 30 – 40 Minuten. Der Eintritt kostet 800 Yen, umgerechnet 5 Euro, und man kann sich sogar die Eintrittskarte abstempeln lassen, dann kann man am selben Tag mehrfach rein und raus. Ich bin einmal vormittags und einmal nachmittags rein.
Wir waren insgesamt 3 volle Tage dort, und ich habe die Tage fotografisch voll genutzt. Das war auch gut und notwendig, denn am ersten Tag haben die Dämpfe des heissen Wassers die Bilder beeinträchtigt. Viele Porträtfotos waren durch den Dampf wie durch Nebel fotografiert, was der ganzen Szenerie allerdings ihre bekannte mystische Eigenheit gibt.
Nun, die Affen kommen nicht ohne Grund täglich in grossen Horden zum Baden. Sie werden mit Essen versorgt, vornehmlich Gerste und Sojasprossen.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202116. Feb. 2025 · #12
Der nächste Tag bringt ein anderes Wetter: morgens Schneefall, nachmittags klart es auf, und es zeigt sich der blaue Himmel. Allerdings steht die Sonne in dieser Jahreszeit auch mittags zu tief, um das schmale Tal mit dem Affenbad zu bescheinen, es liegt im ständigen Schatten.
Täglich sollen durchschnittlich 3.000 Personen den kleinen Park besuchen, der nur aus dem Onsen für die Affen besteht und dem Zuweg dorthin. Trotzdem bekommt man eigentlich immer eine gute Fotoposition, wenn man etwas geduldig ist, denn es ist ein ständiges Kommen und Gehen – es ist kalt genug, dass die meisten Besucher es nicht lange dort aushalten.
Was machen die die Affen so den ganzen Tag lang? Sie lausen sich gegenseitig fast ständig, bieten dem Nachbarn gerne ihren Körper an, und der so angesprochene wird dann auch prompt tätig. Ab und zu fallen die Augen zu, die wohlige Wärme macht träge, und Feinde haben sie nicht zu fürchten. Wo viel Affenverkehr ist, gibt’s allerdings auch häufig Streit, der dann laut ausgetragen wird, aber nicht lange währt, weil die unterlegenen Affen schnell Reißaus nehmen.
Und immer suchen die Affen nach den vom Wärter verstreuten Getreidekörner, wobei jedes Korn einzeln in den Mund gesteckt wird. So sind die Affen über einen langen Zeiträum ununterbrochen dabei, die Hand zum Mund zu führen.
Ich habe sogar beobachtet, wie ein Äffchen im Onsen nach den Körnern taucht, allerdings nur ein Video, kein Foto, davon gemacht.
Fast am Ende des 2km langen Zuweges kommt man an einem Onsen für Menschen vorbei, der der eigentliche Grund vor über 60 Jahren dafür war, dass die Affen ein eigenes Bad erhielten. Aus einem Zufall heraus fingen die Affen an, in den Onsen zu steigen, was die Menschen nicht mochten.
So baute man ihnen ein eigenes Bad ein paar hundert Meter weiter.
Die Affen, zahlenmässig insgesamt etwa 200, leben wild im Tal. Sie kommen morgens den Berg hinunter zum Pool, und verschwinden abends wieder.
Das Wetter am dritten Tag war gut, und viele Affen hielten sich am Hang auf, den sie hinabsteigen zum Pool. Die Kinder spielen ausgelassen in den kargen Sträuchern.
In Nagano gibt es den beliebten Zenko-ji Tempel, dem wir am Abfahrtstag noch einen Besuch abgestattet haben.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202118. Feb. 2025 · #13
Wir hatten in Nagano in der Weise fotografisches Glück mit dem Wetter, dass die Nacht vor unserer Ankunft frischer Schnee gefallen war. Ich hatte später Leute getroffen, die berichteten, dass sich der Schnee mittlerweile in eine braune Dreckmasse verwandelt hat und am Schmelzen war.
Am nächsten Ziel 2 Wochen später war es genauso: die Nacht bevor wir ankamen hat es frisch geschneit, vorher lag überhaupt kein Schnee. Die Rede ist von Kushiro, einer Stadt im Nordosten von Hokkaido.
Wir haben uns ein winziges Auto gemietet, da wir noch zu einem anderen Punkt Hokkaidos fahren wollten, zur Halbinsel Shiretoko. Solche Autos gibt es leider gar nicht in Deutschland, max. 660ccm Hubraum steuervergünstigt.
Ziel dieses Teils des Ausflugs ist jedoch nicht die Innenstadt von Kushiro, sondern das ca. 30km ausserhalb gelegene Tsurui mit seinem Tancho-Observatory. Tancho, das sind die weissen Mandschurenkraniche, die auf Hokkaido und speziell in und um Tsurui überwintern.
Wie man schon an den ersten Bildern sieht, war es nicht leicht, mit dem Weiß des Schnees und den fehlenden Kontrasten umzugehen. Wann ist das Bild überbelichtet, wann unterbelichtet? Das ergab sich eigentlich erst beim ruhigen Betrachten am Tablet abends im Hotel. Viele Bilder sind leider unterbelichtet. Ich habe daher meine Devise, Bilder nicht nachzubearbeiten, durchbrochen und die hier gezeigten Bilder teilweise kräftig aufgehellt und die Kontraste erhöht.
Wie in Nagano bei den Affen werden auch hier in Tsurui die Kraniche gefüttert, damit sie gut durch den Winter kommen. Die Kranichpopulation auf Hokkaido hat sich in den letzten Jahrzehnten kräftig erholt.
Es gibt im wesentlichen zwei Standorte bei Tsurui, an denen man Massen an Kranichen beobachten kann, und ansonsten kommt es immer mal wieder vor, dass man einzelne Paare auf den Feldern im Vorbeifahren sichten kann
Die Kraniche trompeten von Zeit zu Zeit laut und vernehmlich paarweise, und hat ein Paar angefangen, so folgen häufig andere Paare dem nach.
„Tanchozuru“ ist der japanische Name für diese Kranichart alphabetisch geschrieben. Er ziert das Logo der japanischen Fluggesellschaft JAL. Früher nahm man an, dass der Mandschurenkranich vom asiatischen Festland nach Hokkaido zieht um zu überwintern. Tatsächlich aber ist er hier ein Standvogel, er brütet im Sommer in den naheliegenden Sumpfgebieten.
Natürlich wollte ich auch den berühmten Balz-Tanz der Kraniche sehen, das ist der Grund für meinen winterlichen Ausflug nach Kushiro, allerdings wurde uns gesagt, dass wir etwas zu früh nach Hokkaido gekommen sind, die Tanzsaison beginnt normalerweise erst Mitte Februar. Wir waren allerdings mit Ende Januar nicht ganz chancenlos.
Auf der Strecke zwischen Kushiro und Tsurui gab es noch anderes zu sehen: so gab es Verkehrshindernisse in Form einer großen Herde Hirsche, die die Fahrbahn hin und her überquerte.
Ein Hirschkadaver am Fahrbahnrand hatte einiges Federvieh angezogen, hier ein Steller’s Sea Eagle – davon wird später noch zu berichten sein.
SPspeed66751 Beiträge · seit 201119. Feb. 2025 · #14
Coole Bilder von den Kranichen!!!
... und überhaupt reizt es mich Japan nun auch einmal im Winter zu besuchen. Die badenden Snow Monkeys wären (auch ohne deinen Bericht) auf der To do Liste gewesen, aber deine vielen Ausflugstipps finde ich klasse - besten Dank für´s Teilen! Habt ihr denn Nagano mit dem Zug von Tokio aus gemacht bzw. denkst du mit dem Mietwagen wäre die Fahrt - trotz Schnee- auch gut möglich gewesen? Wir waren letztes Jahr im Mai mit dem Mietwagen in Japan und haben es sehr genossen die Natur und Landschaften abseits der großen Städte zu erleben (hatten nur zwei Wochen Zeit und so konnten wir einfach schneller unsere Ziele erreichen). Freu mich auf weitere Ausflüge in dem schönen Land, LG, Nette
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202120. Feb. 2025 · #15
Vielen Dank, Nette, dass Dir die Bilder gefallen. Wir sind nach Nagano hin mit dem Zug und zurück mit dem Bus gefahren. Diesen Januar war Schnee auf den Strassen kein Problem, und normalerweise wird auch immer schnell geräumt nach neuem Schneefall. Da aber der Schneefall in den Bergen auch mal sehr heftig ausfallen kann, kann es sein, dass Strassen auch mal 1 oder 2 Tage gesperrt sein können.
Es scheint ein sehr beliebter Fotospot zu sein, und ich habe den Abend zuvor Wind davon bekommen: eine Brücke über einem Fluss auf dem Weg nach Tsurui, an dem die Kraniche übernachten. Sie übernachten im Wasser, damit sie nicht von Raubtieren wie Füchsen überrascht werden können. Letztendlich ist das Ergebnis aber enttäuschend, denn die Kraniche standen alle sehr weit weg, dieses Foto ist mit 840mm Brennweite entstanden. Dafür um 5:30 Uhr aufzustehen hat sich dann nicht gelohnt. Dafür habe ich hundert solcher Fotos geschossen, die ich fast alle wieder gelöscht habe. Trotzdem ein schönes Stimmungsfoto von der fröstelnden Flusslandschaft.
Jetzt kommen noch ein paar Fotos eines Balz-Tanzes. Zu beachten ist, dass es noch einen dritten Kranich aufs Foto geschafft hat, braun gezeichnet. Dies ist das Kind der beiden Eltern, die sich anbalzen. Das Kind hat aber anscheinend auch bereits Frühlingsgefühle, denn es beobachtet seine Eltern genau und übt sich ebenfalls im Tanz.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202124. Feb. 2025 · #16
Von Kushiro sind wir mit unserem Mietwagen in das ca. 170km entfernte Utoro gefahren, das das Einfallstor für den Shiretoko Nationalpark ist. Das Klima ist rauher und hat viel mehr Wind als Kushiro.
Das Hotel Kitakobushi hat eine herrliche Onsen-Landschaft im 8. Stockwerk, drei verschiedene Onsen, einer davon aussen, eine Sauna – und alles sehr gepflegt. Das Essen ist gehoben, alles als Buffetauswahl, wobei morgens für das getoastete Weissbrot nur Marmeladen zur Auswahl standen. Dafür hatte ich nachmittags zum Kaffee die gereichten schmackhaften Wurst- und Schinkenscheiben täglich für das darauffolgende Frühstück eingepackt. Auf Nachfrage beim Küchenpersonal am Frühstücksbuffet wurde mir gesagt, es gäbe keinen Aufschnitt – so sind sie, die Japaner.
Für den ersten Tag vormittags hatten wir eine Natur-Führung gebucht. Letztlich haben wir auf Schneeschuhen nichts gesehen ausser verschneiten Wald und Küste, aber es wurde ein Bohai drum gemacht, uns die Ausrüstung zu geben und vom Guide während der kleinen Wanderung immer wieder darauf hinzuweisen, wir herrlich doch die Wanderung sei. Nicht empfehlenswert, denn man kann selber in dem Gebiet um den Parkeingang herumlaufen, und wenn man auf den Pfaden bleibt, brauch man auch keine Schneeschuhe.
Nachmittags stand eine Führung an, die grossen Steller’s Sea Eagle zu spotten und zu fotografieren. Dafür ging es in einer kleinen Gruppe von etwa 6 Personen mit einem Kleinbus die Küstenstrasse lang, und an verschiedenen Parkmöglichkeiten sind wir immer wieder ausgestiegen, um nach den großen Adlern zu schauen. Sie waren auch da, sassen auf Felsen und in den kahlen Bäumen oder flogen über uns hinweg. Fotogen war das alles aber nicht, weil das Wetter so schlecht war, dass das Schneegestöber und die schlechten Lichtverhältnisse ein ordentliches Foto unmöglich machten. Dafür kann der Guide natürlich nichts. Hier zeigt uns der Guide (links) die Flügelspannweite eines Steller’s Sea Eagle.
Die Shiretoko-Halbinsel ist eine Landzunge mit der weltweit höchsten Bärendichte. Allerdings war ja Winter, und Bären halten auch auf Hokkaido Winterruhe. Unser Guide sagte uns aber, dass das derzeitige Wetter eher zu warm für die Jahreszeit ist und es in letzter Zeit Bärensichtungen gegeben habe. Unsere Hoffnung, einen winterlichen Braunbär zu sehen hat sich aber nicht erfüllt bis auf diesen Schneebär, der vor einem Ramenrestaurant geformt wurde.
Auch für den zweiten und dritten Tag hatte ich die Adler-Tour gebucht gehabt, weil ich unbedingt tolle Fotos von den Adlern schiessen wollte. Die Tour für den dritten Tag konnte ich stornieren, und das war auch gut so. Denn am dritten Tag sind mir alleine die besten Fotos gelungen, einfach weil es an dem Tag das beste Wetter hatte. Die Adler sassen allerdings recht weit entfernt.
Es gibt zwei Arten von Seeadlern auf Hokkaido, einmal den auch bei uns vorkommenden normalen Seeadler (white-tailed eagle) mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,44m, und den Steller’s Sea Eagle mit bis zu 2,80m Flügelspannweite. Der Steller’s ist auch im Sitzen größer und schwerer als der White-tailed und ist mit seinem orangenen Schnabel und dem schwarz-weissen Federkleid ungleich eindrucksvoller anzusehen.
Wir waren für die Top-Fotos wie bei den Kranichen zu früh auf Hokkaido, denn diese entstehen, wenn die Seeadler und auf dem Meer Beute machen und mit ihrem Fang sich auf die Eisschollen setzen. Es ist Treibeis, was aus dem Ochotskischem Meer hinunter treibt nach Hokkaido und sich dann u.a. bei Utoro verdichtet. Es gibt Treibeisführungen, bei denen man mit einem Drysuit durch das Treibeis läuft. Allerdings kommt das Treibeis in normalen Jahren etwa Mitte Februar in Utoro an. Letztes Jahr kam es sehr früh, Ende Januar, und wir hatten uns Hoffnungen gemacht, dass es dieses Jahr ebenso früh kommt, allerdings haben sich unsere Hoffnungen nicht erfüllt. Für alle, die zum richtigen Zeitpunkt kommen: aus der Stadt Rausu heraus gibt es Bootsfahrten, die in das Treibeis fahren und den Seeadlern so recht nahe kommen.
Es gab noch verschiedene Möwen und Enten zu sichten, hier eine Schellente.
Dann gab es noch Hirsche, die zahlreich an den zur Küste abfallenden Berghängen nach verschneiter Nahrung suchen. Es sind dies die Sika-Hirsche. Sika ist aus dem japanischen Wort für Hirsch abgeleitet (shika), die Sika-Hirsche sind also die Hirsch-Hirsche – so blöd können Übersetzungen sein. Die Japaner nennen ihre Hirsche übrigens, Ezo-shika, übersetzt Hokkaido-Hirsche.
Der folgende Hirsch ist nicht in der Wildnis fotografiert, sondern an der Küstenstrasse gibt es eine Hirschfarm, die ein großes Rudel Hirsche hält und das Fleisch verkauft. Diese Hirschaufzucht und Fleischverwertung ist recht verbreitet auf Hokkaido.
Wie hängt die Gesundheit der Seeadler mit den Hirschen zusammen? Seit 2003 ist es in Japan verboten, Wild mit Bleigeschossen zu erlegen. Vor Einführung dieses Verbots haben sich die Seeadler auch von geschossenem Wild im Landesinneren ernährt, die mit Bleimunition geschossen wurden. Der Jäger hat die nicht verwertbaren Körperteile in der Wildnis liegen gelassen. Das hochtoxische Blei übertrug sich beim Fressen somit auf die Seeadler, der entweder direkt an einer Bleivergiftung stirbt oder durch Krankheiten geschwächt wird, so dass er irgendwann nicht mehr fliegen kann. Die Seeadler sind zunehmend auf diese Nahrungsquelle angewiesen, da der Fischreichtum an Hokkaido’s Küsten abnimmt.
Der Steller’s Sea Eagle ist ein Wintergast auf Hokkaido. Er kommt angeflogen aus den russischen Küstengebieten, die im Winter zufrieren und wo dementsprechend keine Fischjagd mehr möglich ist.
So, das wars für dieses Mal aus Japan. Bei nächster Gelegenheit werde ich wieder auf dieser Welle von Ausflügen innerhalb Japans berichten.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202103. Feb. 2026 · #17
Japan - Januar 2026
Ich mach hier mal weiter. Januar ist immer der Monat im Jahr, den wir überwiegend in Japan verbringen bei meiner Schwiegermutter, wir reisen vor der Jahreswende an, weil dies wichtige Feiertage für die Japaner sind. Wie bereits vor 2 Jahren bin ich wieder zum Tag der Volljährigkeit (seijin-no-hi, siehe meine Erläuterungen von vor 2 Jahren) zum Meiji-Schrein gefahren um ein paar Fotoaufnahmen von den schönen Kimonos zu machen.
Die Großeltern sind auch gekommen und führen ihre traditionelle Kleidung aus, eine Haori.
Auf dem Hauptzuweg zum Meiji-Schrein sind immer Sake-Fässer ausgestellt, es handelt sich dabei um leere Fässer. Die Sake-Brauereien haben dem Schrein den Sake gespendet.
Zurück gegenüber der Bahnstation Harajuku liegt die Takeshita-Street, die seit Jahrzehnten eine magische Anziehungskraft auf die japanische Jugend hat. Hier gibt es echt schrille Geschäfte und Cafès, Friseursalons und Bars.
Mein Ziel war aber nicht diese schräge Jugendkultur, sondern ein Museum sehr traditioneller Kultur Japans, das zwischen Takeshita Street und der Omotesando liegt, einer schicken Einkaufstrasse, die auch bei westlichen Expats beliebt ist. In diesem Museum werden ukiyo-e ausgestellt. Ukiyo-e sind Bilder, die mit der Technik von Farbholzschnitten hergestellt werden. Sie waren vom 17. bis 19. Jahrhundert beliebt und stellten häufig Alltags- und Strassenszenen dar. Das Museum hat häufig wechselnde Ausstellungen, jetzt grade ist es der oji-san. Oji-san ist eine Bezeichnung für einen mittelalten Mann, der voll im Leben steht. Leider waren Fotos von den Exponaten nicht erlaubt. Das Museum war proppenvoll, man defilierte extrem langsam an den ausgestellten Bildern vorbei. Darauf muss man sich übrigens auch bei anderen beliebten Museen in Tokyo einstellen, man ist nie allein. Die Ausstellung fand ich sehr sehenswert, klare Empfehlung.
Im Gegensatz zum Ukiyo-e Museum fand ich das Fotomuseum überhaupt nicht ansprechend, obwohl Location und Gebäude wirklich top ist. Das Museum liegt am Yebisu Garden Place, das viele Geschäfte beherbergt. Das Museum hat eine kostenfreie Ausstellung, die auch Bilder internationaler Fotokünstler enthält, und eine kostenpflichtige Ausstellung, in der derzeit Bilder japanischer Künstler gezeigt werden. Der kostenfreie Teil war noch o.k., aber der zahlungspflichtige Teil hat mich überhaupt nicht angesprochen.
Erholen von so viel Langeweile kann man sich in der Yebisu Brauerei direkt nebenan. Das Yebisu Bier ist mein Lieblingsbier in Japan. Es gehört zum Sapporo- Brauereikonzern, und die Brauerei liegt genau hier am Yebisu Garden Place. Es schmeckt recht cremig und kommt von allen japanischen Bieren dem deutschen Pils am nächsten.
Der Tokyo Dome ist das Baseball-Heimstadion der Giants. Baseball ist eine grosse Sache in Japan, und regelmässig wechseln japanische Stars in die amerikanische Major League, was von den Medien mit grossem Stolz und Tam Tam begleitet wird. Ich war noch nie bei einem Baseball-Spiel, wir gehen aber regelmäßig zum Tokyo Dome, weil es dort sehr viele reasonably priced Restaurants gibt. Daran angrenzend gibt es Vergnügungsbahnen, die ständig, d.h. auch werktags vormittags, in Betrieb sind. Wer Lust hat, kann sich jederzeit reinsetzen.
Auch in Tokyo gibt es Alten- und Pflegeheime, wir haben uns zwei davon angeschaut, da wir uns mit dem Thema peu-a-peu vertraut machen wollen. Im Grunde genommen funktioniert die Einrichtung wie in Deutschland, es gibt Pflegestufen, nach denen die Betreuung und Bezahlung abgestuft erfolgt. Hier im Bild der Aufenthalts- und Essraum, in dem gerade eine kleine Gruppe von Bewohnern eine betreute Freizeitveranstaltung geniesst, ich glaube es war Origami (Papierfalten).
Das Heim liegt direkt im Häusermeer Tokyos, es gibt keinen begrünten Park für Spaziergänge. Im Gegenteil, die Bewohner dürfen das Haus nur mit vorheriger Genehmigung verlassen - hat etwas von Gefängnis, der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf Betreuung pflegebedürftiger Menschen. Das andere Altersheim war da nicht so abgeschlossen und hatte den Schwerpunkt mehr auf selbstbestimmtem Leben.
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202106. Feb. 2026 · #18
Wie auch in den vergangenen Jahren haben wir einen kleinen Ausflug unternommen: 5 Tage Yakushima mit einem 3-tägigen Zwischenstop in Kagoshima
Wir sind in Kagoshima in einen Onsen-Resort gefahren ausserhalb der Stadt in einem engen Tal, keine Übernachtung, sondern zum Mittagessen. Nach meiner Erinnerung hat dies etwa 12.000 Yen p.P. gekostet, Essen und exklusive Onsen-Benutzung inklusive.
Der freundliche Taxifahrer hält die Türe auf und achtet darauf, dass ich mir den Kopf nicht stosse. Die japanische Servicementalität ist begeisternd, manchmal aber auch zu viel des Guten. Er hat nicht verstanden warum ich das Foto mache.
Gegenüber von Kagoshima liegt Sakurajima, einer der aktivsten Vulkane Japans. Er raucht eigentlich immer und es gibt auch Phasen, in denen er Lava spukt, allerdings nicht während unseres Besuchs. Dann wird die Stadt mit einer feinen Ascheschicht bedeckt. Eine Fähre bringt Touristen in einer 20-minütigen Überfahrt dem Vulkan näher, und auf der Insel kann man Spaziergänge unternehmen oder sich auch von einem Bus zu einer Aussichtsplattform bringen lassen. Aber eigentlich gibt es die beste Ansicht auf den Vulkan vom Shiroyama Hotel, das etwas oberhalb des Stadtzentrums in einem Park gelegen ist.
Ein Besuch im Sengan-en, sehr leicht mit der U-Bahn zu erreichen, entpuppte sich als recht unterhaltsam. Nebenan gab es nicht nur einen sehr gemütlichen Starbucks, sondern auch eine Glasbläserei, dort wird das Handwerk der Satsuma-Glasherstellung ausgeübt. Die Glasware ist ein beliebtes Souvenir, allerdings nicht ganz billig, weil sehr hochwertig.
Der Sengan-en ist ein angelegter Garten des Shimazu-Clans mit Museum und einigen Souvenir-Shops und Restaurants. Die Familie Shimazu war jahrhundertelang Herrscher (Daimyo) des Verwaltungsbezirks Kagoshima.
Eine Sänfte, in der die Ehefrau des Daimyo befördert wurde
Dieses Restaurant dreht die westliche Trinkgeldregel um: der Gast kann sich mit einigen wenigen Yen-Münzen aus dem Korb bedienen, um die krummen Yen-Beträge der Rechnung an der Kasse zu bezahlen. Mit anderen Worten: die Rechnung wird zu Lasten des Restaurants abgerundet.
Tatsächlich wird in Japan unter keinen Umständen Trinkgeld gegeben, niemals, nirgendwo. Das Servicepersonal würde die Annahme ablehnen. Sehr angenehm. Stattdessen hören die japanischen Restaurants gerne die Höflichkeitsformel „gochi so sama deshita“ – vielen Dank für das leckere Festessen. Tatsächlich löst dieser Spruch auch den Bezahlvorgang aus.
Ich hab mal ne Frage zum Auto mieten in Japan. Überall liest man, dass man den europäischen Führerschein übersetzen lassen muss, da es sonst kein Mietauto gibt. Stimmt das so? lg Maren
JPJP KThemenstarter383 Beiträge · seit 202107. Feb. 2026 · #20
ja, das ist richtig. Ein internationaler Führerschein wird nicht anerkannt, sondern es muss eine Übersetzung des deutschen Führerscheins ins Japanische sein. Meine Übersetzung ist schon mehrere Jahre alt und sie wird immer noch akzeptiert von den Mietwagen-Firmen.