Liebe Fomis, es ist mal wieder soweit. Es gibt einen neuen Reisebericht. Den vom letzten Jahr (2022) lassen wir zunächst mal aus. Zum einen liegt diese Reise nun schon recht weit zurück, und zum anderen lässt sich ein Großteil unserer Erlebnisse in Beles Reisebericht nachlesen. Daher wollen wir nun doch die Chronologie der Erzählungen über den Haufen werfen und von unseren neuen, vor kurzem beendeten Abenteuern* berichten. Wie gewohnt waren wir in unseren Sommerferien im südlichen Afrika und dort in Namibia und Botswana unterwegs. Das Setup war fast wie immer, bis auf ein wichtiges Detail. Unser Fahrzeug war dieses Mal unser Fahrzeug. Und das fühlte sich natürlich anders großartig an. Insgesamt war es eine wunderbare Tour mit ein paar negativen Erlebnissen. Wir hatten mehrmals so richtig Pech, waren zum falschen Zeitpunkt an schönen Orten, so dass wir uns schon gefragt haben, was wir denn nur verbrochen hatten. Aber schlussendlich muss man genügend Pech anhäufen, um dann wieder enormes Glück zu haben. Und so sind wir im Nachhinein ganz wunderbar zufrieden, denn alles kam wieder ins Gleichgewicht. Wir wollen uns aber nicht in Andeutungen verlieren, sondern mit dem Bericht beginnen, der neben unserem Auto auch das ein oder andere Löwenfoto enthalten wird.
Viel Spaß beim Lesen. Wir freuen uns auf eure Begleitung. Ruth und Uwe
* Die Einschätzung ist natürlich total subjektiv. 😉
Prolog
Noch zwei Tage bis zum Abflug. Wir sind sehr aufgeregt. Aber warum? Eigentlich sollte doch alles mittlerweile Routine sein. Nach so vielen Flügen nach Windhoek und Aufenthalten im südlichen Afrika müssten wir doch wissen, wie es läuft. Aber dieses Mal gibt es etwas Neues: Wir werden zwar wie immer vom Flughafen abgeholt und zur Autovermietung Savanna gebracht werden. Aber dieses Mal nur, um dort zum letzten Mal unsere Ausrüstungskiste abzuholen. Wir werden keinen Wagen mieten, sondern am Nachmittag mit dem Welwitschia Shuttle nach Swakopmund fahren. Am nächsten Tag bekommen wir dort unser Auto, und zwar unser eigenes. Sehr lange haben wir dies geplant und organisiert, nun ist es endlich so weit. Stefan Bauer und sein Team von Namib Campers haben in den letzten Monaten unseren im vergangenen Jahr gekauften Landcruiser zu einem Luxusafrikareisemobiltinyhaus umgebaut. Und das macht es für uns unendlich aufregend. Auch wenn wir natürlich schon einige Fotos gesehen haben, wird es sehr spannend sein, dem fertigen Wagen gegenüber zu stehen, ihn zu betreten, anzufassen, damit zu fahren und zu campen. Ob wohl alles so sein wird wie skizziert, gewünscht, doch noch mal kurz geplanändert, ergänzt, gezweifelt, Farbauswahl nach Fotos gewählt … Wir werden sehen … Und wir sind mächtig gespannt. Mit dieser Neuerung ändert sich auch einiges an unserer Packliste. Wir werden noch einige Ausrüstungsgegenstände mitnehmen, die sonst bereits im Mietwagen vorhanden waren. Insbesondere Uwes Mutter ließ es sich nicht nehmen, uns alle nur erdenklichen Tupper-Gadgets mitzugeben. Vieles werden wir auch vor Ort kaufen. In den ersten Tagen in Swakopmund werden wir nicht nur Lebensmittel für die nächsten Wochen besorgen, sondern auch viel Zeit in Läden wie Cymot und Bushwhackers verbringen. Darauf freuen wir uns schon sehr.
Hier sind unsere Route und die Stationen:
21.6.
Flug Frankfurt – Windhoek
22. – 26.6.
Meikes Gästehaus, Swakopmund
27.6.
Erongo Rocks, Omaruru
28. – 29.6.
Okaukuejo, Etosha
30.6.
Halali, Etosha
1.7.
Namutoni, Etosha
2.7.
Camp Maori, Grootfontein
3. – 4.7.
Drotsky’s Cabins, Shakawe
5.7.
Kaziikini Community Camp
6. – 8.7.
Magotho Camp, Khwai
9. – 10.7.
Mbudi Camp, Khwai
11. – 13.7.
South Gate, Moremi
14.7.
Nata Lodge
15.7.
Kukonje Island
16.7.
Kubu Island
17.7.
Tree Island Camp, Makgadikgadi
18.7.
Boteti River Camp, Khumaga
19.7.
Palm Afrique Lodge, Ghanzi
20.7.
Casa Piccolo, Windhoek
21.7.
Donkerhuk Farm
22. – 24.7.
Meikes Gästehaus, Swakopmund
25.7.
Palmkop Camp, Swakop-Rivier
26. – 27.7.
Meikes Gästehaus, Swakopmund
28.7.
Pension Maison Ambre, Windhoek
29.7.
Flug Windhoek – Frankfurt
Teil 211. Sept. 2023
Tag 0 – Mittwoch, 21. Juni – Aufbruch
Endlich! Wir freuen uns und sind nervös. Zum einen dürfen wir wieder nach Namibia fliegen, und zum anderen ist vieles neu und ungewiss. Ruth muss am letzten Schultag noch ihre Klasse in die Sommerferien verabschieden, und auch obwohl Uwe bereits Urlaub hat, gibt es noch eine Kleinigkeit für die Arbeit zu erledigen. Aber davon abgesehen besteht der gesamte Vormittag darin, unsere Sachen zu packen. Bereits am Vorabend (jaja, wir sind immer sehr zeitig dran!) haben wir schon viel vorbereitet, so dass die meisten Dinge nur noch in die Reisetaschen verstaut werden müssen. Aber wie immer addieren sich tausend Kleinigkeiten auf verschiedenen Packlisten zu jeder Menge Handgriffen. Schließlich stehen drei Reisetaschen und zwei Rucksäcke im Flur und wir noch mit einem Bein in der Dusche, als Ruths Eltern bereits an der Tür klingeln. Sie waren sicher, uns jetzt schon abholen zu sollen. Oh je, haben wir uns vertan? Nein, es ist noch genügend Zeit, zu duschen und bei größter Hitze in lange Hosen zu schlüpfen. Das Gepäck passt gerade so in den Golf, und wir können in Richtung Frankfurt starten. Auf der A3 herrscht viel Verkehr, und hinter Montabaur hält uns ein Stau für knapp 30 Minuten auf. Aber mit so viel Pufferzeit macht uns das nichts aus. Gegen 16:00 Uhr sind wir am Flughafen in Frankfurt und verabschieden uns von Ruths Eltern.
Nun wird es Zeit, in die für Reiseberichte übliche Vergangenheitsform zu wechseln. 😉 Zum Glück war es im Gebäude ein wenig kühler als draußen in der Sonne. An den Schaltern von Eurowings Discover war noch nicht viel los, und so standen wir schnell ganz vorne. Obwohl wir bereits gestern Abend online eingecheckt hatten, gab es ein Problem. Bereits im letzten Herbst hatten wir kurz nach der Flugbuchung zusätzlich Sitzplätze reserviert. Für Sitze mit mehr Beinfreiheit lässt sich die Fluglinie 110 Euro pro Person und Strecke bezahlen. Um den Flug möglichst bequem zu verbringen, hatten wir die Plätze am Notausgang reserviert. Aber gestern war diese Reservierung plötzlich wieder aufgehoben worden, weil nun eine Maschine mit anderer Sitzordnung fliegen würde. Ein Anruf bei der Lufthansa-Hotline hatte leider nichts gebracht. Über eine sehr schlechte Leitung und mit schlechtem Deutsch hatte der Mitarbeiter Uwe versichert, dass alles in Ordnung gehe und er eine Bestätigung per E-Mail schicken wolle, die jedoch nie bei uns ankam. Beim pünktlichen Online-Check-In waren aber leider sämtliche Plätze mit mehr Beinfreiheit bereits vergeben. Wie das zwei Minuten nach der Öffnung des Online-Portals schon möglich war, verstanden wir nicht. Und auch die Dame am Schalter am Flughafen konnte oder wollte uns nicht weiterhelfen. Uns blieb nichts anderes übrig, als uns mit den uns zugewiesenen Sitzen abzufinden und zu hoffen, dass wir das Geld für die Reservierungen zeitnah zurück erhalten (Anmerkung: Bis heute haben wir nur ausweichende Antworten erhalten). Da wir die Sitzplatzsituation offensichtlich nicht ändern konnten, beschlossen wir, uns nicht zu ärgern und setzten uns in das Flughafen-Restaurant in Terminal 1. Ruth bestellte Gulaschsuppe, Uwe eine Pizza. Beim Essen entspannten wir uns etwas. Nach einer Pause teilten wir uns noch eine Portion Pommes mit Currysauce.
Bei der Sicherheitskontrolle wurden sämtliche Kameras auf Spuren von Sprengstoff hin untersucht, es dauerte ewig, bis alles wieder verpackt und sicher verstaut war. Und während des Boardings auf dem Weg ins Flugzeug standen wir in der Schlange hinter einer großen Glasscheibe. Es bewegte sich kaum etwas, dafür schien die Sonne unerträglich heiß, so dass wir reichlich geschafft unsere Plätze erreichten.
Der Flug selbst war recht unbequem und startete mit etwa 30 Minuten Verspätung. Zum Abendessen wählten wir Nudeln, die nur sehr wenig Geschmack hatten. Wir vertrieben uns die Zeit mit Lesen und versuchten bestenfalls ein wenig zu dösen. Die Zeit wollte und wollte einfach nicht vergehen. Alle paar Minuten wand man sich in seinem Sitz, um die steifen Glieder ein wenig zu bewegen, nur um festzustellen, dass man sich in dieser Stellung kurz zuvor auch schon einen steifen Nacken geholt hatte. Ein wenig Abwechslung bot das Hervorangeln des verlorengegangenen Nackenhörnchens unter dem Vordersitz oder das Einwickeln in die gemütlichen Decken, während man versuchte, das Getöse des Getriebes zu ignorieren und diesmal ein wenig länger zu schlummern. Begleitet vom Plong des Anschnallzeichens, welches die nächsten Turbulenzen ankündigte, schaukelten wir uns unserem Lieblingsort entgegen.
Teil 311. Sept. 2023
Tag 1 – Donnerstag, 22. Juni – Transfer
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Das Frühstück bestand aus einem aufgetauten und erwärmten Karton, in dem sich ein Zitronen-Muffin und eine Teigtasche gefüllt mit Rührei befanden. Auch wenn wir da normalerweise nicht sehr wählerisch sind, war Letzteres kaum genießbar, und wir verzichteten nach einem vorsichtigen Probierhappen lieber ganz darauf. Nach der Landung in Windhoek kamen wir einigermaßen schnell durch die Einreise.
Trotzdem war bereits sämtliches Gepäck neben den Laufbändern aufgebaut. Rasch waren zwei Gepäckstücke auf den Wagen geladen, unsere dritte und größte Tasche konnten wir jedoch nicht finden und machten uns bereits große Sorgen, dass sie verschwunden sein könnte, als Uwe sie doch noch zwischen anderen Koffern entdeckte. Da sie dort hochkant stand, war sie uns nicht aufgefallen. Nachdem unser Gepäck durchleuchtet wurde, wurden wir zur separaten Kontrolle geschickt, wo eine Mitarbeiterin noch einmal in zwei Taschen hineinschauen wollte. Bereits in Frankfurt war unser Gepäck schon einmal geöffnet worden, wie uns auf den beiden innenliegenden Zetteln mitgeteilt wurde. Wir nehmen an, dass unsere Gemüsemesser genauer inspiziert wurden. Leider wartete in der Flughafenhalle zunächst nicht – wie verabredet – ein Fahrer auf uns. Da wären wir wohl doch besser gleich mit Savanna nach Windhoek gegondelt, denn deren Fahrer erkannten uns gleich und boten ihre Hilfe an.
Uwe rief bei Welwitschia Shuttles an, und nach einer guten Stunde Wartezeit erschien unser Fahrer doch noch. Da er jedoch noch auf andere Fluggäste einer anderen Maschine warten musste, bestellte er uns einen weiteren Fahrer. Bis dieser eintraf, war es bereits nach neun Uhr.
In einem PKW brachte er uns und unser Gepäck zu Savanna. Dort begrüßten wir Bianca und Rene, wechselten ein paar Worte und wollten unsere große Ausrüstungskiste abholen. Dafür musste unser Fahrer jedoch ein weiteres Auto bestellen, da in dem PKW nicht genügend Platz war. Überraschung! Wer hätte das ahnen sollen? Schließlich hatten wir im Vorfeld die Anzahl und vor allem auch das Ausmaß der Kiste genau angegeben. Egal! Mit zwei Fahrzeugen fuhren wir also zur Roof of Africa Lodge in Klein-Windhoek. Dort deponierten wir unser Gepäck an der Rezeption und setzten uns in den Innenhof. In der Sonne konnten wir uns ein wenig entspannen und auch etwas essen. Ruth bestellte gebratenen Reis mit Gemüse, Uwe ein Club-Sandwich. Dazu gab es die ersten Appletizer. Die Portionen waren riesig. Um halb eins holte uns der Welwitschia Shuttle nach Swakopmund ab. Mit uns fuhren noch acht andere Leute. Für das Gepäck gab es einen separaten Anhänger. Die Fahrt zog sich sehr und war aufgrund der engen Sitzabstände auch eher unbequem. Zusätzlich wurde Ruth das Opfer eines defekten Gurtes, der sich immer weiter zuzog und kaum wieder lösen ließ. Uwe war sich zwischenzeitlich nicht ganz sicher, ob sie einfach nur völlig erschöpft oder bereits vom Gurt erdrosselt worden war. Ein letztes Abschiedsfoto sollte da schon noch drin sein, sicher ist sicher.
Mit zwei Stopps in Okahandja und Usakos
erreichten wir nach 17:00 Uhr unser Ziel. Meike und Klaus freuten sich wie wir über das Wiedersehen. Nach dieser Wahnsinnsanreise waren wir wirklich geschafft und glücklich, endlich angekommen zu sein. Schnell brachten wir unsere Sachen ins Zimmer
und trafen uns dann zu einem späten Kaffee in Meikes Wohnzimmer. Wir hatten uns eine Menge zu erzählen und unterbrachen unsere Gespräche nur kurz, um zu duschen. Dabei entdeckte Ruth, dass ihr Haarshampoo im Kulturbeutel ausgelaufen war. Na großartig! Das musste jetzt auch noch sein! Sämtliche Hygieneartikel vom Q-Tip bis zum Tampon oder Wattepad waren schmierig und nicht mehr zu gebrauchen. Die Sauerei musste noch eben beseitigt werden, bevor wir ausspannen konnten.
Meike hatte unser Zimmer liebevoll vorbereitet und uns sogar eine persönliche Makalani-Nuss schnitzen lassen: Neben unseren Namen, einem Elefant, einem Löwen und Vögeln war darauf die Silhouette eines Campers mit Aufstelldach zu sehen. Was für ein schönes Geschenk!
Wir aßen zusammen zu Abend. Meike hatte Butternutsuppe gekocht und leckeres Brot gebacken. Dazu gab es verschiedene Käse, Wildschinken und Salami. Wir verbrachten einen wunderschönen Abend mit unseren Freunden. Wir sind den beiden unheimlich dankbar für ihre Unterstützung und den liebevollen Empfang und wissen es sehr zu schätzen, dass wir uns nach der langen Reise um nichts mehr kümmern müssen. Einmal mehr ist Meikes Gästehaus in Swakopmund ein Lieblingsort, zu dem wir immer wieder gerne heimkommen.
Teil 412. Sept. 2023
Tag 2 – Freitag, 23. Juni – Da ist das Ding
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Nach den anstrengenden Tagen der Vorbereitung und Anreise schliefen wir sehr gut in Zimmer Nummer 1. Dass es am Atlantik in Swakopmund deutlich kühler war als im heißen Deutschland, gefiel Uwe sehr gut, Ruth fror jedoch ein bisschen. Nach dem Ausschlafen duschten wir und liefen durch leichten Nieselregen zum Frühstück. Außer uns wohnte heute nur noch eine andere Reisegruppe in der Pension und war bereits zu einer Bootstour aufgebrochen. So konnten wir ganz in Ruhe mit Meike und Klaus Kaffee trinken und das leckere Frühstücksbuffet mit Brötchen, Marmelade, Käse, Salami und Müsli genießen. Uwe schrieb Stefan an, um zu fragen, wann wir wegen unseres Wagens vorbei kommen können, und wir verabredeten uns für nachmittags. Den restlichen Vormittag nutzten wir für eine erste Einkaufs- bzw. eher Erkundungstour durch die Camping-Zubehörläden. Bei Bushwhackers und Cymot schauten wir, was wir wohl noch alles gebrauchen könnten, und wenn wir uns sicher waren, nahmen wir bereits ein paar Dinge mit. Ruth freundete sich mit einem schönen Campingstuhl an, in dem sie sehr bequem sitzen konnte. Wir hatten aber die Befürchtung, dass wir ihn nirgendwo in unserem Auto würden unterbringen können, und so blieb es bei einigen Achs und Oh-wie-bequems und Uwe-da-musst-du-dich-unbedingt-mal-reinsetzens. Klaus war so lieb und lieh uns seinen Hilux, damit wir ein paar Einkäufe bei Foodlovers machen konnten. Hier fühlten wir uns schon deutlich sicherer bei dem, was wir an Lebensmitteln in nächster Zeit benötigen werden. Nachdem wir alles in der Pension verstaut hatten, verdrückte Ruth ein paar frische Sushis, die wir aus der Stadt mitgebracht hatten. Die Wasabi-Paste war wohl ziemlich scharf.
Dann wurde es endlich Zeit, zu Namib Campers zu fahren. Die Spannung stieg. Da die Tore an der Hofzufahrt geschlossen waren, hielten wir an der Straße und liefen durch das Ladengeschäft in den Hof. Dort stand unser Landcruiser, an dem mehrere Mitarbeiter eifrig herumwerkelten. Karsten, der Werkstattleiter, begrüßte uns, und ein paar Minuten später kam auch Stefan dazu. Bereits ohne alle Details zu begutachten, waren wir vom Anblick völlig überwältigt. Der Wagen sah grandios aus und machte einen tollen Eindruck. Die Kabine war groß, aber nicht übertrieben. Besonders fielen uns die enorme Bodenfreiheit und auch die damit verbundene Höhe des Fahrzeuges auf. Dann inspizierten wir sämtliche Details des Aufbaus. Schubladen, Fächer, Klappen, Schalter, Fenster, Installationen, Leuchten und Steckdosen. Alles war durchdacht und ordentlich gearbeitet. Wir sprachen mit Stefan über die Umsetzung und den weiteren Zeitplan. Denn noch war nicht alles fertig. Zum Beispiel musste das Bett noch eingebaut werden. Er wollte uns den Wagen für Sonntag zu einer ersten Probefahrt mitgeben und am Montag die letzten Arbeiten erledigen, damit wir unsere Tour starten können. Das war zwar etwas später als ursprünglich geplant, aber nun nicht zu ändern. Wie gut, dass uns Meike in hellseherischer Manier nicht nur – wie wir es geplant hatten – drei, sondern gleich fünf Tage bei sich eingebucht hatte. Schön, wenn es liebe Menschen gibt, die für uns mitdenken. Trotz der Verzögerung waren wir rundum begeistert und glücklich, so ein tolles Fahrzeug für unsere Afrika-Reisen besitzen zu dürfen. Ein riesengroßer Traum ging gerade in Erfüllung. Vor lauter Aufregung und Euphorie vergaßen wir an diesem Tag völlig, auch nur ein einziges Foto von unserem Schmuckstück zu machen. Wer sich also an dieser Stelle schon darauf gefreut hat, den müssen wir leider enttäuschen. Ruth suchte sich (als nachträgliches Geburtstagsgeschenk) noch einen komfortablen Beifahrersitz aus, und wir sahen uns in Stefans Ladengeschäft ein wenig um. Auch hier werden wir sicherlich noch ein paar notwendige oder zumindest nützliche Dinge finden. Und wenn nicht so, dann wäre es bestimmt doch auch noch schön … und dieses Teil da … und hast du schon gesehen … man könnte auch noch … Zurück im Gästehaus tranken wir noch eine Tasse Kaffee und bekamen ein leckeres Stück Zitronenkuchen. Noch ganz überwältigt von unseren ersten Eindrücken erstatteten wir Bericht. Nach nur einer kurzen Pause fuhren wir mit Meike und Klaus zur Pizzeria Gabriele‘s. Dort aßen wir sehr leckere Pizzen und setzten unsere Unterhaltung fort. Wir ließen es uns richtig gut gehen und hatten einen weiteren schönen gemeinsamen Abend.
Teil 513. Sept. 2023
Tag 3 – Samstag, 24. Juni – Alle Weihnachten und Geburtstage zusammen
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Auch heute standen wir gegen viertel vor acht auf. Das typische swakopmunder Wetter hielt erneut leichten Nieselregen bei kühlen Temperaturen bereit. Nachdem alle Gäste bereits versorgt waren, startete der Tag wie gestern mit einem gemütlichen Frühstück mit Meike und Klaus. Anschließend liefen wir wieder zu Bushwhackers und kauften ein paar Basics wie Frühstücksteller, eine Metallschüssel, ein kleines Beil, einen Eimer und eine Faltschüssel zum Spülen. Nachdem wir die Einkäufe in unser Zimmer gestellt hatten, ging es wieder zu Cymot, wo wir ein paar Vorhängeschlösser kauften. Bei Mr Price Home nahmen wir ein Kissen mit, denn inzwischen hatte Ruth die Gedanken an reine Funktionalität und Nützlichkeit bereits hinter sich gelassen und auch die Deko für unser Auto im Blick. Uwe war nicht ganz so überzeugt davon, dass an dem roten Farbklecks auf der ansonsten grauen Polsterung unserer Sitzbank einfach nicht vorbeizukommen war. Im Zickzack liefen wir von einem Geschäft ins nächste und hätten bei unserer Unentschlossenheit sicher jeden Verfolger abgehängt. Gerne hätten wir uns ein kleines Päuschen in irgendeinem netten Café gegönnt, aber es war einfach zu kalt und ungemütlich.
Auf der Straße liefen wir in das Swakopmunder Karnevals-Dreigestirn. Wie wäre es denn mit einer kleinen Karnevalsfeier? Nein, danke! Das haben wir für dieses Jahr schon hinter uns gebracht.
Ein kurzer Abstecher zu Plastilon musste dann auch noch sein. Wir deckten uns mit allerlei Kartons in den verschiedensten Größen ein. Mit diesen wollten wir ein wenig Struktur in unsere noch nicht ausgemessenen Schubladen und Schränke im Auto bringen. Gute Planung und Augenmaß sind alles!
Zurück in der Pension gönnte sich Ruth eine kleine Pause, während Uwe zu Hungry Lion marschierte und Pommes zum Mittagessen holte. Wir teilten uns die riesige Portion, die auch wirklich lecker war. Inzwischen hatte sich der Himmel etwas aufgehellt, und es war auch nicht mehr ganz so kühl.
Mausvogel
Stefan hatte sich gemeldet, dass wir gegen viertel nach zwei vorbeikommen könnten. So brachte uns Meike zur Werkstatt, wo immer noch fleißig an unserem Auto gearbeitet wurde. Gerade wurde das Bett eingebaut. Meike lernte Stefan kennen, und wir nahmen unseren Wagen erneut in Augenschein. Wir besprachen den weiteren Zeitplan und unsere Wunschliste, was am Montag noch gemacht werden könnte und was eben bis nach unserer ersten Tour warten muss. Es war wie immer sehr angenehm, mit einem Profi zu sprechen, der auf jede Frage eine kompetente Antwort für uns hatte. Inzwischen hatten sich alle Mitarbeiter ins Wochenende verabschiedet, als uns Stefan in die Funktionsweise des Klappdaches, des Bettes, der Elektrik- und Wasserinstallation einwies. Besonders die enorme Breite des Bettes beeindruckte uns sehr. Hier und da machten wir uns ein paar Notizen, wo noch etwas ver- oder nachgebessert werden könnte. Wir waren einmal mehr begeistert vom Platzangebot und vom Luxus dieses Fahrzeuges. Als wir mit unserem Auto vom Hof fuhren, war die Freude unermesslich. Auf direktem Weg ging es in die Pension. Als wir Klaus den Aufbau zeigten, kam ein anderes Pärchen auf den Hof und fragte, wo man so ein Fahrzeug wohl mieten könne. Diese Frage sollte uns noch häufiger begegnen. Nun waren wir nicht mehr aufzuhalten. Ruth schnappte sich Putzeimer und Lappen und wischte durch Schubladen, über Oberflächen und Böden. Uwe schleppte Tüten mit Lebensmitteln und Ausrüstung herbei, und wir räumten ein paar Dinge ein. So ganz sicher waren wir uns noch nicht, ob auch all unsere Siebensachen irgendwo Platz finden würden, aber das würde sich schon noch zeigen. Wir räumten und freuten uns bis kurz vor sieben Uhr. Dann war es schon recht dämmrig, und wir fuhren zur Alten Brücke, wo wir um 19:00 Uhr zur Feier des Autos einen Tisch im Old Steamers Restaurant reserviert hatten. Das Buffet war wie immer phänomenal. Wir probieren uns durch alle Gänge, bis wir nicht mehr konnten. Heute fühlten wir uns wie Könige. Unser Glück war kaum zu fassen. Wir sind unendlich dankbar, dass wir so etwas erleben dürfen und uns bewusst, wie gut es uns geht.
Teil 613. Sept. 2023
Tag 4 – Sonntag, 25. Juni – Räumen, staunen und testen
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Same procedure – Aufstehen um halb acht, Frühstück gegen halb neun. In der Nacht hatten wir im Traum oder in Gedanken bereits unser Auto eingeräumt und waren immer wieder an Grenzen gestoßen. Nun wollten wir alles in die Tat umsetzen und schauen, wie es klappen würde. Dazu holten wir unsere grüne Ausrüstungskiste aus der Garage und öffneten die Büchse der Pandora. Uns erwartete eine böse Überraschung: Schimmel an allen Gegenständen. Besonders Ruths Uggs sahen zum Fürchten aus und wanderten sofort in die Mülltonne.
Aber im Prinzip auch alles andere war kontaminiert. Wir konnten uns das überhaupt nicht erklären, da wir keinerlei Flüssigkeiten in der Kiste gelagert hatten und es in Windhoek auch nicht sonderlich feucht ist. Da alle Gegenstände entweder von grauem Schimmel zumindest teilweise bedeckt waren oder sehr danach rochen, behielten wir nur das Wichtigste: die Stative, das Besteck und das Metallgeschirr. Meike war so lieb, es sofort in die Spülmaschine zu stecken. Uwe putzte die Stative mit Essig- und Seifenwasser. Das war schon eine große Sauerei. Der Gestank kam immer wieder durch. Wir ließen sie an der frischen Lust stehen und wickelten sie letztendlich in eine Plastiktüte, um nicht sogleich die Schimmelsporen in unser neues Heim umzusiedeln. Besonders leid tat es uns um unseren Potije, der uns über 10 Jahre treue Dienste geleistet hatte. Aber er war ziemlich verrostet und stank ebenfalls nach Schimmel.
Uwe fragte bei Bianca von Savanna nach, ob sie eine Idee habe, wie es zu diesem Schlamassel hatte kommen können. Zunächst fiel ihr nichts ein. Eine Stunde später erinnerte sie sich an einen Starkregen in Windhoek vor einiger Zeit. Danach hatte sogar im Büro der Autovermietung mehrere Zentimeter hoch das Wasser gestanden. Und unsere Kiste hatte auf dem Boden gestanden. Das wäre eine Möglichkeit!
Eine Möglichkeit, ah ja! Das erklärte wohl alles. Wir machen Savanna überhaupt keinen Vorwurf, schließlich waren sie nicht dafür verantwortlich, und wir sind dankbar, dass wir unsere Ausrüstung dort hatten lagern dürfen. Allerdings hätten wir uns diesmal den Umweg und den umständlichen Transport der Kiste wohl sparen können. So reduzierte sich die Menge der Ausrüstungsgegenstände, die wir im Auto unterbringen mussten, ganz von selbst. Alles andere inkl. der bereits gekauften Lebensmittel fand nach und nach einen Platz in dem großen Aufbau. Sicherlich wird vieles noch nicht endgültig dort bleiben, aber für den Anfang waren wir recht zufrieden. Wir behalfen uns mit den Kartons, die wir zurecht schnitten, um alles ein wenig in den Schubladen und Fächern zu sortieren. Unser Augenmaß erwies sich als gar nicht so schlecht, und so hoffen wir, dass nicht alles während der Fahrt durcheinander purzeln wird.
Wir benötigten einige Stunden, bis wir gegen 14:00 Uhr zu einer ersten Fahrt über die Mondlandschaft nach Goanikontes aufbrachen. Der Cruiser fuhr sich sehr angenehm, und wir bemerkten auch kein Klappern oder Rappeln irgendwelcher losen Teile. Lediglich die Wasserpumpe am Wärmetauscher war ziemlich laut. Bis wir nach einer guten halben Stunde unser Ziel im Swakopfluss erreichten, war die Temperatur unseres Brauchwassers von ca. 15 auf knapp 50 Grad gestiegen. In der Oase machten wir Pause und aßen Omelett und Sandwich. Dabei beobachteten wir einige Webervögel, die sich um die Kuchenreste auf dem Nachbartisch scharrten.
Spatzen, Rosenköpfchen-Papageien und verschiedene Nektarvögel flogen um uns herum, und überall zwitscherte es.
Rostschwanz
Auch einige Kilometer von der Küste entfernt war es noch bewölkt und kühl. Ruth hatte sich die ganze Zeit über in eine Decke gewickelt. Die warmen Stiefel waren ja blöderweise nicht mehr. So blieben wir nicht sehr lange, sondern spazierten noch eine kleine Runde über das Gelände und fuhren wieder zurück. Am Aussichtspunkt über die Mondlandschaft erschien tatsächlich für einen kurzen Moment die Sonne. Daher blieben wir dort stehen und machten ein paar Fotos.
Zurück in Swakopmund tankten wir beide Tanks voll und fuhren ins Gästehaus. Uwe probierte den Kompressor aus und erhöhte ein wenig den Reifendruck. Das ging sehr schnell und einfach. Da wir heute keinen Tisch reserviert hatten, liefen wir zum Abendessen zu Kükkies Pub und aßen ein Oryx-Steak mit Pommes. Obwohl wir gar nicht so viel Hunger hatten, schmeckte es sehr gut. Anschließend testeten wir an unserem Auto noch das heiße Wasser und die Induktionsplatte. Das funktionierte schon mal gut. Schließlich machten wir uns drei Listen: eine mit Punkten für Stefan, die hoffentlich morgen am Auto noch behoben werden können, eine Einkaufsliste mit den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen aus der Kiste, auf die wir nicht verzichten können oder wollen und eine mit den noch fehlenden, insbesondere frischen Lebensmitteln. So wird auch der morgige Tag wieder ganz dem Thema „das Auto und sein Inhalt“ gewidmet werden. Sorry!
Teil 717. Sept. 2023
Tag 5 – Montag, 26. Juni – Weiter geht‘s
Meikes Gästehaus, Swakopmund
Heute standen wir schon um halb sieben auf. Wir mussten nämlich unseren Wagen wieder zur Werkstatt bringen, wo noch einige Dinge zu erledigen waren. Genau genommen waren das ziemlich viele, die Stefan und uns auf- und eingefallen waren und bei jedem Gespräch entstanden. So fuhren wir nach dem Duschen noch im Dunkeln zu Namib Campers und gingen die bis dahin bekannten Punkte durch. Zunächst wurde der Schreiner herbei telefoniert, um am Bett noch etwas zu sägen, ein paar Einlegebretter in den Schränken einzupassen und die Tischplatte auf die richtige Größe zu sägen. Dann kam der Polsterer Volker, der spontan Zeit hatte, um unsere Wünsche aufzunehmen: Zwei Abdeckungen für die Reserveräder inkl. Taschen für Grillrost und Abfall, eine Gardine zwischen Fahrerhaus und Kabine sowie gepolsterte Ablagen für die Fotoapparate. Während dessen bastelten die Elektriker bereits an der Wasserpumpe, um diese zum Schweigen zu bringen. Auf der Beifahrerseite montierte ein anderer Mitarbeiter Ruths neuen Sitz. Wir blieben recht lange und besprachen alles genau. Dann brachte uns Stefans Frau Alexandra wieder zurück ins Gästehaus. Obwohl wir viel zu spät für das Frühstück waren, hatten Meike und Klaus auf uns gewartet, und wir bekamen noch Brötchen, Aufschnitt, Müsli und alles andere. Anschließend begann die nächste Runde der Mammut-Einkaufstour, schließlich mussten wir ja die verschimmelten Dinge ersetzen. So erstanden wir bei Bushwhackers – die Mitarbeiter kannten uns inzwischen und grüßten gut gelaunt – einen neuen Potije mit separatem Dreibein, eine Grillzange und weiteres Gedöns. Der rote Teppich war gerade wieder eingerollt.
Dann nahmen wir Meikes Auto und fuhren weiter in die Stadt. Bei Cymot kauften wir ein bisschen Werkzeug und Vorhängeschlösser für die Ersatzräder. Später stellte Uwe fest, dass auch diese nicht passten. Bei Pick‘n Pay kauften wir ein paar Lebensmittel, bei Woermann Broek Hardware ein paar Haken, um uns später selbst einen Potije-Haken zu basteln. Bei Woolworth waren wir auch noch kurz, fanden jedoch nichts. Dann ging es zu Foodlovers, wo wir Obst, Gemüse und Fleisch sowie zwei Stücke Kuchen mitnahmen.
Dann noch schnell zwei Säcke Feuerholz eingeladen und am Superspar geparkt, Rauchfleisch im Namaqua Meat Market und weitere Lebensmittel im Spar eingekauft. Bis auf ein paar Gewürze und eine kleine Pfanne bekamen wir fast alles. Dann waren wir ziemlich platt und schleppten unsere Beute zurück in die Pension. Dort setzten wir uns ein wenig in die Sonne, kochten Kaffee und Tee und aßen die riesigen Stücke Käse- und Apfelkuchen.
Dann meldete sich Stefan, dass seine Frau uns nun wieder abholen käme. Er und sein Team hatten unglaublich viel geleistet. Neben den fertigen Arbeiten von Schreiner und Polsterer waren noch viele Details umgesetzt worden: Spiegelverbreiterungen, Unterfahrschutz, Hupe beim Verriegeln abgestellt, Reifendruck-Kontrollsystem, Feuerlöscher, Beifahrersitz, USB-Anschluss im Armaturenbrett, Silikonfugen zwischen Boden und Schränken, Bett-Aufhängung, schwenkbarer Tisch, lautlose Wasserpumpe, Befestigung im Staufach für Wagenheber, Unterstützungsfedern für Klappdach, Astabweiser vor Markise, Kabelführung für Kühlschrank. Es war erstaunlich, was hier an einem Tag vollbracht worden war und was man so alles an einem Auto herumbasteln kann. Wir freuten uns sehr. Überglücklich fuhren wir vom Hof, jedoch noch ohne uns zu verabschieden. Denn zwei Kleinigkeiten mussten auch morgen noch erledigt werden, wofür wir nochmal vorbeikommen werden. Bei Meike bereiteten wir unser Gepäck soweit vor, dass wir morgen den Rest ins Auto räumen und die Reisetaschen zurücklassen können. Dann setzten wir uns zu den beiden ins Wohnzimmer und aßen Abendbrot. Jeder brachte Brot, Wurst und Käse, und wir saßen bei wie immer guten Gesprächen beisammen. Morgen werden wir mit etwas Verspätung dann hoffentlich endlich aufbrechen. Die ersten Tage in Swakopmund waren sehr aufregend und sehr anstrengend und von permanentem Planen und Einkaufen geprägt. Wir freuten uns schon darauf, am Ende der Reise wieder hier zu sein und dann etwas mehr Qualitäts-Zeit zu haben.
Heute sollte es nun endlich auf Pad gehen. Wir standen früh gegen halb sieben auf, duschten und begannen, alle Sachen aus dem Zimmer in unseren Wagen zu räumen. Insbesondere für die Anziehsachen mussten passende Plätze gefunden werden. Alle Dinge, die wir während der Reise nicht benötigten, packten wir in die große Reisetasche, die wir bei Meike auf dem Garagenspeicher deponierten. Dann frühstückten wir nochmal gemütlich mit unseren lieben Gastgebern und liefen für letzte Besorgungen noch einmal in die Stadt. Bei Mr Price Home kauften wir eine zusätzlich Matratzenauflage, die, wie wir später merkten, natürlich zu klein war. Nach dem Bargeldziehen tauschten wir bei Cymot die zum zweiten Mal zu klein gekauften Vorhängeschlösser um und nahmen nun endlich das passende mit. Und schließlich kauften wir ein paar dicke Arbeitshandschuhe für das Handling mit dem Feuer, denn auch die waren ein Opfer des Schimmels geworden. Wir waren schon wieder ziemlich k.o., als wir kurz vor Mittag bei Meike und Klaus eintrafen. Nun war alles erledigt, und wir verabschiedeten uns fürs Erste von den beiden. Zum Glück kommen wir am Ende der Reise in vier Wochen wieder hier vorbei. Nun fuhren wir ein letztes Mal zu Stefans Werkstatt. Uwe hatte ihm nach unserem Ausflug in die Mondlandschaft ein paar Bilder des Autos geschickt, die er auf seine Facebook-Seite gestellt hatte. Zwischenzeitlich waren schon ein paar Kaufanfragen für den Wagen eingegangen. Lass uns kurz überlegen! NEIN! Es wurden die Gardine und die Radtaschen angebracht. Volker hatte sogar noch die Taschen für die Türinnenseite fertig bekommen. Bis alles montiert war, dauerte es doch wieder einige Zeit. Dann füllten wir noch den Wassertank auf und fuhren vom Hof.
Der letzte Stopp in Swakopmund war der Superspar, wo Ruth nochmal ein paar Kleinigkeiten kaufte. Dann verließen wir endgültig die Stadt auf der B2.
Es waren viele LKWs unterwegs, die wir überholen mussten. Da wir dem Verkehr entgehen wollten, fuhren wir nicht bis Usakos, sondern bogen bei der Spitzkoppe auf die D-Straße und legten die letzten 80 Kilometer auf Gravel zurück.
Es war wunderschön, im Nachmittagslicht durch die namibische Landschaft zu fahren. Natürlich zog sich die Strecke bis zur Erongo Rocks Campsite ein wenig.
Wir checkten ein und bekamen die Campsite Dik-Dik. Diese war sehr aufwendig und schön zwischen Felsen gebaut, mit Bad, Sitzgelegenheiten, Feuerstelle und sogar einem Gaskocher.
Wir richteten uns ein und machten uns mit unserem neuen Camper vertraut. Auch wenn noch nicht alle Handgriffe saßen, machte alles viel Spaß. Uwe startete ein großes Feuer, Ruth bereitete das Abendessen vor: Wildfleisch, Kartoffeln und Salat.
Dabei wurde es schon so empfindlich kalt, dass sämtliche Lagen an Kleidung übereinander gezogen wurden. Uwe spülte den neuen Potije aus, damit wir ihn später auskochen und einbrennen konnten. Die Kartoffeln kochten wir auf unserem Induktionskocher. Das klappte schon ganz gut. Insgesamt schmeckte das Essen hervorragend. Leider war es den ganzen Tag kühl bis kalt gewesen. Und nach Sonnenuntergang fiel die Temperatur zunehmend. Als wir ins Bett gingen, hatten wir nur noch 6,9 Grad. Wir kümmerten uns um den Potije, spülten mit warmem Wasser im Camper das Geschirr und freuten uns über den Sternenhimmel. Sehr lange blieben wir aufgrund der Kälte aber nicht draußen, sondern muckelten uns bald in die Schlafsäcke in unserem Eulennest. 😉
Teil 920. Sept. 2023
Tag 7 – Mittwoch, 28. Juni – Erster Gamedrive
Erongo Rocks Campsite – Okaukuejo, Etosha
Die Nacht war totenstill. Erst gegen Morgen hörten wir mehrmals einen Perlkauz rufen, dann stimmten die Frankoline ein und Bülbüls, Rosenköpfchen und Tauben machten das Morgenkonzert komplett. Wir blieben bis halb acht liegen, denn es war ziemlich frisch. Das Thermometer draußen zeigte gerade mal 1,9 Grad beim Aufstehen. Daher verzichteten wir auf das Frühstück und packten nach einer kurzen Katzenwäsche lieber schnell zusammen.
Rosenköpfchen
Maskenbülbül
Kapturteltaube
Die Campsite war wirklich schön und luxuriös, aber wir wollten das heute nicht richtig nutzen. Die Sonne schien zwar, aber die Luft war eisig. Wir kletterten noch etwas in den Felsen herum, aber dann war uns so kalt, dass wir froh waren, ins Auto zu steigen und die Heizung aufzudrehen.
Die Ausfahrt vom Stellplatz war ziemlich eng, und so wendeten wir das Auto lieber und fuhren auf dem gestrigen Weg zurück. Nachdem wir uns von der Camp-Managerin verabschiedet hatten, ging es nach Nordosten Richtung Omaruru.
Der Weg durch die Erongo-Berge war wunderschön und kurvig. In der Stadt gab es eine Polizeikontrolle. Gut, dass Uwe morgens noch seinen Führerschein parat gelegt hatte. Hinter Kalkveld bogen wir nach Norden auf die M63, eine sehr gute Schotterstraße. Eigentlich wollten wir dort irgendwo anhalten und frühstücken, fanden aber kein passendes Plätzchen. Außerdem war es immer noch sehr frisch. Ein Stück weiter kreisten zahlreiche Geier am stahlblauen Himmel. Die meisten von ihnen waren Weißrückengeier, es hatten sich aber auch einige Ohrengeier darunter gemischt.
Weißrückengeier
Und einer mit Ohren!
Als wir am Zaun vorüberfuhren, flogen sie auf und verteilten sich in den umliegenden Bäumen. Der Grund für das große Geiertreffen war schnell ausgemacht. Das arme Kudu wird wohl nicht mehr!
In Outjo tankten wir nochmal voll und hielten hinter der Stadt an einem Rastplatz. Nun war es bereits Mittag, und wir hatten großen Hunger. Es gab Marmeladen- und Käsebrote. Auf Kaffee und Tee verzichteten wir. Ruth hatte sich aus Protest gegen die immer noch sehr niedrigen Temperaturen sicherheitshalber während des Picknicks in eine Decke gehüllt.
Auf der Weiterfahrt piepste plötzlich die Reifendruck-Kontrolle. Im ersten Moment waren wir ein wenig erschrocken. Aber dann stellten wir fest, dass ein Vorderreifen zu viel Luft hatte. Durch die Erwärmung des Reifens war auch der Druck darin angestiegen, der ohnehin etwas hoch war. So ließen wir ein bisschen ab, und das Problem war behoben. Bis wir den Etosha erreichten, war es bereits 14:00 Uhr. Rasch hatten wir uns am Anderson’s Gate registriert. Über Ombika machten wir einen ersten kleinen Umweg Richtung Camp. Dort war mächtig was los. Hauptsächlich Zebras drängelten sich um die schmale Wasserrinne und löschten ihren Durst. Die ersten Oryx und Springböcke ließen sich auch schon blicken.
Gut gelaunt ging es weiter nach Okaukuejo. Gegen 15:00 Uhr erreichten wir das Camp, checkten ein und erhielten Campsite Nummer 7. Die war leider mittendrin gelegen und ziemlich klein, dafür war der Weg zur Toilette und zum Wasserloch aber nicht weit. Im Shop kauften wir die traditionelle Etosha-Karte und etwas Feuerholz. Während Ruth duschte, rief Uwe einen Kollegen zurück, der ein Problem mit einer Software analysieren musste. Kurz schauten wir noch beim Wasserloch vorbei. Nicht weniger als 40 Elefanten aller Altersstufen waren dort versammelt und tranken oder spielten. Die Kameras lagen noch im Auto, und wir hatten so gar keine Lust, sie zu holen. Erst mal gemütlich ankommen und genießen. Wir freuten uns sehr über diesen Anfang.
Erst als die Herden langsam abwanderten, beschlossen auch wir aufzubrechen und eine erste kleine Runde durch den Park zu drehen. Bei Nebrownii bot sich uns schon bald ein typisches Bild. Von Weitem kamen zwei Elefantenbullen zielstrebig über die Ebene zur Wasserstelle gelaufen. Die beiden tranken und tranken und drehten sich dabei für alle Zuschauer fotogen in jede Richtung.
Bei Gemsbokvlakte sahen wir keine Tiere, und auch bei Olifantsbad gab es nichts zu entdecken. Die große Party fand heute irgendwo anders ohne uns statt. Trotzdem waren wir nicht enttäuscht und freuten uns darüber, einfach wieder hier zu sein und auch über einige Oryx, Springböcke und Zebras entlang des Weges. Außerdem sahen wir viele Gackeltrappen.
Straußenweibchen
Weißbürzel-Singhabicht
Richtig spektakulär war der Gamedrive jedoch nicht. Zurück in Okaukuejo starteten wir das Feuer und schauten zum Sonnenuntergang am Wasserloch vorbei. Wieder waren einige Elefanten und Springböcke dort. Im Vergleich zu unserem letzten Besuch fiel uns positiv auf, dass sich hier alle Besucher sehr rücksichtsvoll benahmen. Es wurde nur flüsternd und sehr leise gesprochen, obwohl das Wasserloch gut besucht war.
Wir genossen es sehr, direkt vor Ort zu sein. In der letzten Zeit hatte Ruth vor lauter Sehnsucht manche Stunde parallel zur Webcam verbracht und tatsächlich ab und an Löwen oder Hyänen erblicken können.
Da das nun aber nicht der Fall war, verließen wir den Theaterplatz und machten uns daran, unser Abendessen vorzubereiten. Wir grillten eine Boerewors und kochten Blumenkohl und Brokkoli. Dazu gab es geröstetes Brot mit Butter und Knoblauch. Es war sehr lecker. Nach dem Abwasch setzten wir uns noch für eine halbe Stunde ans Wasserloch. Zwei Elefanten standen dort, und auch das ein oder andere Nashorn schaute vorbei. Uns wurde es aber schnell zu kalt, und so verzogen wir uns in unsere kleine Wohnung.
Teil 1022. Sept. 2023
Tag 8 – Donnerstag, 29. Juni – Südöstlich von Okaukuejo
Okaukuejo, Etosha
Unsere zweite Nacht war auch nicht wärmer als die erste. Als wir um 6:40 Uhr aufstanden, herrschten kalte 1,8 Grad. Als wir über eine Stunde später aus dem Camp herausfuhren, zeigte das Auto-Thermometer -4 Grad. Aber die Abend- und Morgenroutine im Camper war schon sehr komfortabel, wenn wir uns drinnen am Waschbecken mit warmem Wasser waschen konnten. Da wir lange genug vor Toröffnung aufgestanden waren, blieb noch Zeit für einen Kaffee und Tee mit Rusk. Ihr glaubt gar nicht, wie schwierig es ist, unter den 20 verschiedenen Sorten dieses trockenen Gebäcks das eine Paket ohne Zusatz von Palmöl zu entdecken. Sicher waren wir uns letztendlich immer noch nicht. Wir wählten einfach die Sorte, die „homemade“ war und keine genaue Angabe der Zutatenliste enthielt. Da kann man immerhin noch hoffen …
Wir packten alles zusammen und fuhren schon vor der Öffnung zum Tor. Dort wartete bereits ein anderes Auto.
Als gegen halb acht geöffnet wurde, fuhren wir ostwärts nach Nebrownii. Da dort keine Tiere zu sehen waren, ging es sofort weiter nach Gemsbokvlakte. Auch dort sahen wir bereits von Weitem ein leeres Wasserloch. Als wir weiter nach Olifantsbad fahren wollten, standen ein paar Fahrzeuge am Straßenrand. Wir spähten angestrengt in die Richtung, in die auch die Insassen der anderen Fahrzeuge schauten, konnten aber nichts entdecken. Deswegen fragten wir einen Guide, der uns auf drei Geparde hinwies, die sehr weit entfernt saßen. Nach langem Suchen konnten wir sie gerade so mit dem Fernglas entdecken, dann hatten sie sich auch schon auf den Weg gemacht und waren aus unserem Blickfeld verschwunden.
Einige Zeit fuhren wir noch die Straße auf und ab, konnten sie aber nicht mehr entdecken. Wir hielten bei einer kleinen Herde Zebras und waren unschlüssig, in welche Richtung es weitergehen sollte.
Schließlich drehten wir noch einmal um. An der Stelle, an der zuvor die Geparde gesessen hatten, waren bereits alle anderen Autos weitergefahren. Wir suchten erneut die Gegend ab, und diesmal hatten wir Glück, denn wir fanden die Katzen tatsächlich wieder. Es war eine Mutter mit zwei fast erwachsenen Jungen. Sie kreuzten die Fahrbahn und liefen eine Zeitlang parallel zur Straße. Ein paar Minuten konnten wir sie verfolgen, dann waren sie erneut verschwunden.
Der Guide, der uns auf die Geparde hingewiesen hatte, kam mit seinen Gästen vom Wasserloch Olifantsbad zurück und gab uns einen weiteren Hinweis. In Richtung Ombika seien Löwen gesichtet worden. Wie nett von ihm! Also folgten wir ihm einige Kilometer und sahen tatsächlich ein Rudel Löwen. Es lag schlafend im Gras, einige Weibchen und ein Mähnenlöwe. Viel mehr als ein paar hellbraune Fellhügelchen war von den Tieren in der hohen Vegetation nicht auszumachen. Das Highlight war, als der Löwenkater kurz über die Schulter zurück auf die Fahrzeugansammlung blickte, die sich hier mittlerweile gebildet hatte.
Wir blieben ein bisschen, hatten aber die Befürchtung, dass sich hier außer den Massen an Autos nicht so viel bewegen würde. Also fuhren wir weiter nach Ombika, wo wie am Tag zuvor zahlreiche Zebras unterwegs waren. Dazwischen wuselte flink ein Schakal umher.
Über einen kleinen Toilettenumweg zum Gate ging es zurück nach Gemsbokvlakte. Auf dieser gewundenen Strecke sahen wir kaum Tiere. Also nahmen wir unseren Plan vom Morgen wieder auf und fuhren nach Olifantsbad. Dort standen sehr viele Kuhantilopen, die anscheinend auch nicht wussten, was zu tun war, denn sie liefen weder zum noch vom Wasser weg. Wahrscheinlich genügte es ihnen völlig, ein wenig in der Sonne zu dösen. Aufgrund fehlender Action blieben wir wieder nicht lange und machten am Rastplatz nebenan eine Pause und aßen ein paar Brote mit Butter und Rauchfleisch. Es tat gut, sich etwas die Beine zu vertreten.
Auf dem Rückweg nach Gemsbokvlakte standen dann wieder ein paar Autos am Rand. Erneut sollten die Geparde gesehen worden sein. Wir stellten uns in die Reihe und beobachteten die Büsche und das Gras. Dort saß lediglich ein einzelner Springbock, der offensichtlich keine Gefahr wahrnahm. Trotzdem blieben wir einige Zeit stehen. Ruth ging zwischendurch nach hinten und legte sich auf die Bank, las und döste ein wenig. Als es Uwe zu heiß wurde, fuhren wir zurück nach Okaukuejo. Nun machten wir eine lange Mittagspause. Uwe lud Akkus, sicherte Fotos, wir duschten, und Ruth schlummerte erneut ein wenig. Es war schön, mal nicht im Auto zu sitzen. Schließlich tranken wir noch einen Kaffee und Tee und brachen gegen halb vier wieder auf.
Wir versuchten es nochmal bei den Löwen, aber die waren nicht mehr aufzufinden. Also ging es über Ombika und Okaukuejo nochmal nach Nebrownii und Gemsbokvlakte. Dort blieben wir am längsten, denn ein Dutzend Giraffen stand im schönsten Abendlicht am Wasserloch. Zusätzlich näherten sich langsam drei Eland-Antilopen. Es war eine sehr schöne und friedliche Stimmung.
Steppenfalke mit Snack
Schildrabe
Wir blieben eine Zeitlang und sahen dem Kommen und Gehen der Langhälse zu. Zielstrebig näherten sie sich der Wasserstelle und tranken umständlich in verschiedenen Techniken mit teils angewinkelten und teils gespreizten Beinen. Immer wenn wir fahren wollten, kamen neue Giraffen herbei. Trotzdem rissen wir uns irgendwann los, da wir schon vor Sonnenuntergang zurück im Camp sein wollten. Bei tiefstehender Sonne machten wir uns langsam auf den Weg und kamen gerade noch rechtzeitig, um eine schmale Sichel am Horizont untertauchen zu sehen.
Rasch war das Auto geparkt,
und danach bereiteten wir das Abendessen vor. Es gab erneut gedünsteten Blumenkohl und Brokkoli, Wildfleisch vom Grill und Grillbrote. Die Portion war recht groß und superlecker. Das beste heute war aber, dass es deutlich wärmer war. Tagsüber hatte das Thermometer sogar 28 Grad angezeigt, und auch abends hielten wir es besser aus. Nach dem Spülen setzten wir uns nochmal ans beleuchtete Wasserloch. Dort war heute einiges geboten. Sieben Nashörner standen dort, meist zu zweit, denn oft wurde eine Kuh von einem Kalb begleitet. Eines war noch sehr klein und wich seiner Mutter nicht von der Seite.
Zwei andere, erwachsene Tiere kämpften halbherzig miteinander. Dabei staubte es sehr, und die beiden Kolosse rannten umeinander und schnaubten.
Später kamen noch ein Elefant und eine Hyäne ans Wasser. Auch wenn wir heute nicht erfroren und uns Okaukuejo reichlich Abwechslung bot, fielen uns schließlich die Augen zu, und wir gingen ins Bett.
Teil 1125. Sept. 2023
Tag 9 – Freitag, 30. Juni – Weiter nach Osten
Okaukuejo – Halali, Etosha
Auch heute Morgen standen wir früh auf und machten uns fertig. Es war mit 6 Grad etwas wärmer als gestern. Uwe kochte Wasser für Kaffee und Tee und freute sich über unsere schnelle Induktionsplatte. Nachdem das Wasser aufgesetzt war, reichte die Zeit bis zum Kochen gerade, um beide Tassen mit Kaffee, Milch, Tee und Zucker vorzubereiten. Wir packten alles zusammen, da es heute weiter nach Halali ging. Als das Tor öffnete, mussten wir uns für eine Richtung entscheiden. Diesmal nahmen wir den Weg nach Norden Richtung Okondeka, machten zuvor aber noch einen kleinen Schlenker zu diesem Baum:
Unsere Lieblings-Akazie mit den zwei leicht schrägen Stämmen, die besonders im Sonnenaufgang immer ein gutes Fotomotiv abgegeben hatte, gab es bereits seit einigen Jahren nicht mehr, und so mussten wir uns mit einer Sonnenscheibe und ein paar niedrigen Gewächsen im Vordergrund begnügen.
Entlang des Weges konnten wir immer wieder Springböcke und ab und an eine Trappe finden. Es war sehr ruhig heute Morgen. Nur ein Auto überholte uns, als wir kurz stoppten, ansonsten gehörte uns dieser Teil des Parks ganz alleine.
Wir nahmen die kurze Sackgasse nach Wolfsness, wo wie erwartet auch keine Tiere zu sehen waren.
Als wir uns Okondeka näherten, sahen wir schon aus einiger Entfernung, dass dort ein paar Löwen lagen. Es waren zwei erwachsene Weibchen und zwei Junglöwen, die miteinander spielten. Wie man so manches Mal das Gefühl hat, allen besonderen Sichtungen gekonnt aus dem Weg zu fahren, hatten wir uns diesmal richtig entschieden. Schließlich hatten wir genau an dieser Stelle vor 18 Jahren unsere allererste Löwensichtung und fuhren seitdem immer wieder mit einer kleinen Erwartung nach Okondeka.
Zu Anfang spielten die Kleinen im Gegenlicht, dann überquerten sie netterweise die Straße.
Zusammen mit Mutter und Tante liefen sie ein Stück die Düne hoch und legten sich dort ins Gras. Wir blieben eine ganze Zeit bei ihnen und betrachteten uns gegenseitig.
Nach einiger Zeit traf ein Guide mit einigen Gästen ein, der seinen Wagen ein ganzes Stück von der Straße weg querfeldein bis vor den Dünenkamm steuerte. Er wollte seine Touristen wohl etwas näher an die Katzen heranbringen. Wir ärgerten uns ein wenig über seine Rücksichtslosigkeit und verabschiedeten uns von den Löwen.
Maricoschnäpper
Gackeltrappe
Auf dem Rückweg nach Süden fuhren wir bei Leeuwbron vorbei. Das trockene Wasserloch zog zwar keine Säugetiere an, aber Ruth entdeckte einen Fleckenuhu. Dieser war nicht sonderlich begeistert darüber, dass wir ihn störten. Er würdigte uns keines Blickes, und wir mussten lange warten, bis er so lieb war, wenigstens mit einem Auge mal kurz in unsere Richtung zu blinzeln.
Zurück in Okaukuejo machten wir eine kleine Pause, aßen Brote und kletterten auf den Turm.
Dann brachen wir endlich nach Osten auf. Wir klapperten die Wasserlöcher ab, die keinen großen Umweg darstellten und sahen viele Springböcke, Oryx, Gnus, Kuhantilopen, Zebras und Strauße.
Lange hielten wir es aber nirgendwo aus, denn wir waren ein wenig geschafft und steuerten gegen 13:30 Uhr unser Ziel Halali an. Dort checkten wir für den Campingplatz ein und durften uns einen Stellplatz aussuchen. Der Platz war relativ leer, und so fanden wir ein schönes Plätzchen mit etwas Schatten in der Nähe eines Duschhäuschens. Rasch klappten wir das Zelt auf und entschieden, heute nicht mehr zu fahren. Stattdessen ruhten wir aus, denn ein kurzer Besuch am Wasserloch hatte uns gezeigt, dass es den Tieren im Moment wohl auch zu heiß war. Dort herrschte gähnende Leere, und alles hatte sich verkrochen. Wir machten es genauso: Ruth las, Uwe sicherte wieder Fotos, lud Akkus, und wir duschten.
Zum Sonnenuntergang machten wir uns wieder auf den Weg zur Wasserstelle. Ein paar Baumhopfe krakelten über den Platz. An einem aufgehängten Müllsack unserer Campnachbarn pickten sie mit ihren langen, gebogenen Schnäbeln nach Essensresten. Dabei hängten sie sich an den Sack, stocherten geschickt darin herum und zogen den einen oder anderen Leckerbissen heraus.
Am Wasserloch war nun auch einiges los. Eine Elefantenherde, Kudus und Zebras löschten ihren Durst.
Obwohl viele Leute dort waren, war es sehr leise und friedlich. Wir blieben eine ganze Weile dort, sahen der Sonne beim Abtauchen zu und kehrten dann zufrieden zu unserem Nest zurück. Dort entzündeten wir ein Feuer. Ruth schaffte ein wenig Ordnung in der Küche und machte Salat. Zum Essen grillten wir eine Boerewors und aßen dazu Brote mit Butter und Knoblauch.
Nach dem Abwasch packten wir schon alle Sachen ein, damit wir morgen früh wieder möglichst schnell abfahrbereit sind. Dann liefen wir noch einmal zum Wasserloch. Dort war eine Elefantenherde. Sie bestand aus einer Leitkuh, mehreren Erwachsenen und vielen Jungtieren. Als sie gerade gegangen waren, tauchten die nächste Herde und dann noch eine auf. Es war jede Menge los.
Die Elefanten kamen und gingen, einmal schaute sogar ein Kapfuchs vorbei. Lange konnten wir uns nicht losreißen und genossen den wohl letzten Abend an einem beleuchteten Wasserloch in diesem Urlaub, der angenehm warm war.
Teil 1220. Okt. 2023
Tag 10 – Samstag, 1. Juli – Anschleichen
Halali – Namutoni, Etosha
Auch in Halali starteten wir früh in den Tag. Nachdem wir alles zusammengepackt und Kaffee getrunken hatten, liefen wir vor Sonnenaufgang nochmal zum Wasserloch. Da dort aber gerade keine Tiere waren, kehrten wir sofort wieder um. Auf dem Weg entdeckten wir ein paar Drosslinge, die wir bisher nur aus dem Kaokoveld kannten.
Nacktwangendrossling
Und neben unserem Auto sahen wir ein paar Weißscheitelwürger. Einer von ihnen hatte eine Nuss ergattern können und mühte sich auf einem Ast zu balancieren und sie nicht zu verlieren.
Dann brachen wir auf und fuhren los nach Osten.
Helio ließen wir links liegen, da wir an diesem trockenen Wasserloch noch nie etwas gesehen hatten. Die nächste Station hieß Goas. Obwohl wir sehr früh dort waren, kamen uns bereits ein paar Fahrzeuge entgegen. Das bedeutete wohl, dass dort nichts Besonderes zu sehen war. Und so war es auch: Außer ein paar Wasservögeln und typischen Antilopen gab es gerade nichts zu entdecken. So fuhren wir weiter nach Noniams. Erst als wir das trockene Wasserloch erreichten, erinnerten wir uns, dass sich dieser Abstecher ebenfalls noch nie gelohnt hatte. Erst ein Stück dahinter entdeckten wir ein einzelnes Spitzmaulnashorn in einiger Entfernung.
An der Etosha-Pfanne entlang fuhren wir weiter Richtung Osten.
Gackeltrappe
Dann machten wir eine kurze Pause an einer Picknick-Toilette, die wirklich zum Abgewöhnen war (tief einatmen – Luft anhalten – und bloß nicht weiter nach Luft schnappen, bevor man das einladende Häuschen mit dem freundlichen Wellblechdach wieder verlassen hat) und kamen dann an den Abzweig nach Okerfontein. Ein Fahrzeug stand bereits mitten auf der Straße, und wir sahen sofort zwei Löwinnen im Gras rechts von uns neben der Straße liegen.
Natürlich hielten wir ebenfalls an und waren gespannt, was nun passieren würde, denn die beiden Damen hatten es offensichtlich auf eine Herde Gnus abgesehen, die auf der anderen Straßenseite weidete. Während die eine Löwin recht faul im hohen Gras lag, pirschte sich die andere vorschriftsmäßig an. Regungslos blieb sie minutenlang stehen, um dann in Zeitlupentempo eine Pfote weiter nach vorne zu setzen. Das ohnehin langsame Anschleichen wurde noch zögerlicher und vorsichtiger, als sie die Deckung verlassen und über die Straße schleichen musste.
Nach erfolgreicher Überquerung legte sie sich erneut im Gras nieder. Mittlerweile hatten sich außer uns noch weitere Autos und interessierte Zuschauer versammelt, die die Bemühungen der beiden Katzen verfolgten.
Als sich die Gnus im hohen Gras niederlegten, erhob sich auch die zweite Löwin. Geduckt folgte sie ihrer Freundin in Richtung der dösenden Gnus, indem sie sich zunächst rückwärts bewegte und dann in einem großen Bogen um alle Autos herum lief. Zielstrebig pirschte sie Dornengebüsch und hohes Gras als Deckung nutzend vorwärts.
Zwischendurch legte sie sich immer wieder hin und fixierte abwechselnd die ahnungslosen Gnus und die andere Löwin.
Es war, als ob sich die beiden einen geheimen Plan ausdachten. Dieser war aber so geheim, dass er sich uns nicht ganz erschloss. Die Minuten verrannen, und es tat sich nichts. Worauf warteten die beiden? Die Gnus lagen im Feld und würden erstmal nicht näher kommen. Obwohl die Löwinnen sich große Mühe gaben, nicht entdeckt zu werden, erhoben sich die Gnus plötzlich wieder und spähten um sich. Die Löwinnen pressten sich flach auf den Boden.
Trotzdem ertönte irgendwann ein alarmiertes Schnauben. Wie auch immer der Plan ausgesehen haben mochte, er war zunichte, denn das Überraschungsmoment war vorüber. Frustriert schauten sich die beiden Löwinnen um und setzten sich wieder auf. Gut zweieinhalb Stunden Anpirschen und geduldig Ausharren waren für die Katz.
Aber was sollten sie tun? Unter den wachsamen Augen der Gehörnten, die wie irre ein wenig hin und her rannten, stolzierten sie erhobenen Hauptes an ihrer verpassten Mahlzeit vorüber und trotteten davon.
Schließlich löste sich auch das Autochaos wieder auf, das sich in den letzten Stunden gebildet hatte. Nicht alle waren von der Anwesenheit der Löwen so begeistert und beeindruckt wie wir. Half aber nichts. Die Straße war durch die vielen Autos absolut unpassierbar geworden, denn die nachfolgenden Fahrzeuge hatten kreuz und quer einfach mitten auf der Straße gehalten. Wir sahen mehrere erleichterte Gesichter, als sich die ersten Wagen endlich wieder in Bewegung setzten.
Teil 1320. Okt. 2023
Nach dieser langen Pause setzten wir unseren Weg nach Namutoni fort. Ein munterer Elefantenbulle direkt am Straßenrand sorgte ein Stück weiter für ein leichtes Ansteigen des Adrenalinspiegels. Er machte sich einen Spaß daraus, immer genau dann auf die Straße zu laufen, wenn endlich jemand den Mut gefasst hatte, an ihm vorbeizufahren.
Nach einiger Aufregung überquerte auch er die Straße und verschwand friedlich in den Dornensträuchern. Bei Kalkheuvel fanden wir kaum Wasser und dementsprechend wenig Tiere. Lediglich ein paar Impalas standen ein wenig entfernt im Schatten. Auch bei Chudop fiel uns der niedrige Wasserstand an der Wasserstelle auf. Trotzdem waren ein paar Giraffen über den Platz verstreut, und eine Herde Impalas sowie drei Elefanten löschten ihren Durst.
Bei der Rezeption von Namutoni checkten wir ein, die Campsite durften wir uns aussuchen. Mit unserem hohen Auto war es schwierig, einen Platz im Schatten zu finden. So nutzten wir einfach den Schatten des Autos und machten eine kurze Pause, picknickten, tranken Kaffee und duschten.
Trauerdrongo
Dann fuhren wir nur noch eine sehr kleine Runde. Eigentlich wollten wir den Dik-Dik-Drive fahren, kamen aber nur sehr langsam vorwärts, weil wir ein paar Elefanten mit Jungtier, die die gleiche Richtung wie wir eingeschlagen hatten, nicht scheuchen oder verärgern wollten.
Auf Grund der Hinterlassenschaften war wohl klar, welche Seite den Elefanten gehörte. Ein Gamedrive überholte uns zügig, und die Elefanten schüttelten nur einmal ärgerlich den Kopf. Hier war die Straße breit, und wir wären sicherlich auch an ihnen vorbeigekommen. Aber wozu die Eile? Gemütlich erfreuten wir uns an Elefanten von hinten. Aber was war das? Warum wurde denn da vorne auf der Straße plötzlich wie wild rangiert? Auch die beiden Autos, die von vorne kamen, stellten sich quer. Ruth blickte angestrengt durch ihr Fernglas. War das da etwa gerade eine Katze, die sich hinter dem einen Fahrzeug bewegte? Meine Güte, Uwe, warum fahren wir die ganze Zeit hinter diesen Elefanten her, nun überhol die doch endlich mal! Als wir dann bei den anderen Autos ankamen, erfuhren wir, dass wir gerade einen Leoparden ganz knapp verpasst hatten. Mal wieder! Leoparden können wir einfach nicht. Da müssen wir noch sehr viel üben. Immerhin hatte Ruth ihn von weitem gesehen. Wir drehten wieder um und verbrachten den Rest des Nachmittags bis kurz vor Torschluss am Wasserloch Klein Namutoni. Dort war ein ständiges Kommen und Gehen, und uns wurde nicht langweilig. Unzählige Perlhühner, zahlreiche Giraffen, mehrere Elefantenherden, Kudus und Impalas kamen herbei und tranken.
Das ein oder andere Staubbad musste natürlich auch noch sein.
Fasziniert sahen wir einer Giraffe zu, die auf einem alten Knochen herumlutschte und dabei die lustigsten Grimassen schnitt.
Kurz vor Sonnenuntergang kehrten wir ins Camp zurück, schlugen unser Lager auf und bereiteten das Abendessen vor.
Wir grillten die letzte Portion Fleisch und machten dazu einen griechischen Salat und Grillbrote. Wieder war alles sehr lecker. Auch heute Abend war es sehr warm und damit angenehm. Wir hängten unsere kleine Lichterkette in den Ast und freuten uns über den schönen Abend. Zwischendurch ist uns in solch kleinen Momenten immer wieder bewusst, wie gut wir es haben, dies alles erleben zu dürfen.
Teil 1422. Okt. 2023
Tag 11 – Sonntag, 2. Juli – Tschüss Etosha
Namutoni, Etosha – Camp Maori, Grootfontein
An unserem letzten Morgen im Etosha lief alles wie gewohnt. Uns gefällt die Campsite in Namutoni von der Anlage her von allen im Park am besten, vermutlich auch, weil sie die kleinste und ruhigste ist. Als wir alles zusammen gepackt hatten, starteten wir mit Kaffee und Tee zum letzten Gamedrive.
Bei Klein-Namutoni war noch nichts zu sehen, daher wollten wir Richtung Chudop fahren. Schon nach wenigen hundert Metern standen Fahrzeuge beisammen. Ein Löwenpärchen lag im Gebüsch.
Bei den vielen anderen Autos war es schwierig, eine gute Position zu finden, um die Katzen zu beobachten. Bald standen sie auf und liefen hintereinander parallel zur Straße weiter.
Der ganze Tross folgte in Schrittgeschwindigkeit. Beim Flugfeld von Namutoni hielten wir und warteten, bis die Löwen aufgeschlossen hatten. Hier hatten wir auch eine deutlich bessere Sicht.
Nachdem sie sich gepaart hatten, verschwanden die beiden Katzen im Gebüsch. Wenn sie ihre Lauf- Richtung beibehalten würden, müssten sie die nächste Querstraße kreuzen. Also positionierten wir uns dort in der Hoffnung, sie abzupassen und warteten gemeinsam mit zwei anderen Fahrzeugen. Leider tauchten die beiden jedoch nicht mehr auf. Zuvor hatten die Leute im Fahrzeug vor uns noch einen Angestellten gewarnt, der hier in aller Seelenruhe von den Häuschen der Angestellten aus zu Fuß Richtung Namutoni unterwegs war. Den Hinweis auf Löwen ganz in der Nähe bezeugte er lediglich durch ein Achselzucken und setzte dann unbeirrt seinen Weg fort. So fuhren wir ein Stück nach Norden zu den Wasserlöchern Klein und Groß Okevi und Tsumcor. Große Sichtungen blieben dort aber aus.
Weißbürzel-Singhabicht
So ging es wieder zurück und nach Chudop. Dort waren viele Zebras bei dem wenigen Wasser, das noch vorhanden war.
Langsam bekamen wir Hunger, und so fuhren wir zurück ins Camp, wo wir eine Frühstückspause machten.
Wir aßen Müsli und Brote und tranken Kaffee und Tee. Zu uns gesellten sich ein paar Vögel, und in der Sonne war es richtig gemütlich.
Trauerdrongo
Büffelweber
Dann spülten wir und brachen auf. An der Ausfahrtstraße aus dem Park verabschiedeten uns ein paar junge Kudubullen.
Bevor wir den Park verließen, wurde am Tor unser Kühlschrank kontrolliert, da man kein Fleisch mit aus dem Park hinausnehmen darf. Auf der Teerstraße hielten wir an einem Rastplatz und wollten ein klein wenig mehr Luft in die Reifen pumpen.
Dabei löste sich der Druckluftschlauch von einem Anschluss und flog Uwe um die Ohren. Auch nachdem er die Klemme wieder festgeschraubt hatte, sprang sie bei Druck sofort wieder ab. So wurde das nichts, und wir fuhren bis Tsumeb, wo wir tankten und Luft auffüllen ließen. Im Farmshop nahmen wir noch ein paar Kekse mit.
Bis Grootfontein war es nicht mehr weit. Wir steuerten den Pick‘n Pay Supermarkt an und kauften ein paar Lebensmittel und Wasser. Die Kassiererin fragte, ob wir eine Plastiktüte wollten. Wir verneinten, und sie fragte uns, wie das auf Deutsch hieße: „Keine Tüte, bitte.“ Das fand sie lustig und wiederholte die Worte unter mehrfachem Kichern immer wieder. Bei Hungry Lion kauften wir noch eine Portion Pommes. Dann fuhren wir zu Conny und Peter nach Maori. Die beiden freuten sich wie wir. Conny hatte sogar einen Kuchen gebacken, als hätte sie geahnt, dass heute unser 19. Hochzeitstag war. Wir saßen beisammen, tranken Kaffee und erzählten. Sie wollte natürlich auch unser Auto anschauen und freute sich mit uns über den schönen Wagen.
Zum Glück hatten wir nichts zum Abendessen geplant, denn nach den Pommes und dem Kuchen hatten wir keinen Hunger mehr. Wir kletterten zum Sonnenuntergang auf den Turm, duschten und hatten einen schönen Abend.
Dank Internet konnten wir ein wenig Kontakt mit Freunden und Familie aufnehmen. Später lud uns Conni noch auf einen Glühwein ein, der gut zu den mittlerweile kühlen Außentemperaturen passte. Uwe musste den übriggebliebenen Kuchen zwischenzeitlich vor Mathilda und Lola, den beiden Hunden, in Sicherheit bringen.
Der Morgen war nicht so kalt wie befürchtet. Trotzdem hatten wir größtes Mitgefühl für den Nachtwächter Helmut, der extra wegen uns die ganze Nacht neben dem Auto gesessen und aufgepasst hatte. Abends hatte er sich noch ein Feuer gemacht, und ab und zu war er auch herumgelaufen. Dennoch glauben wir, dass die Nacht bei diesen Temperaturen ziemlich lang werden kann. Wir setzten uns in die ersten Sonnenstrahlen und frühstückten Müsli und Brote mit Marmelade und Nocciolata, welches Ruth sich extra aus Deutschland mitgebracht hatte. Nutella meidet sie, seit wir darauf achten, möglichst keine Produkte mehr zu kaufen, die Palmöl enthalten. Und das fällt wirklich nicht leicht, denn die gemiedene Zutat findet sich in vielen Keksen, Müslis, Muffins, Schokoladen, … Lange hielt Ruth es aber nicht am Tisch aus, dann schnappte sie sich ihren Fotoapparat und stellte den vielen Vögeln nach, die heute Morgen schon unterwegs waren.
Rotbrust-Glanzköpfchen
Büffelweber
Maskenbülbül (vielen Dank an Robert)
Angola-Schmetterlingsfink
Gelbbrust-Ammer
Wir packten zusammen – natürlich nicht, ohne mit Peter und Conni noch lange zu quatschen.
Wir füllten unseren Wassertank mit frischem Wasser auf und nahmen noch ein Paket Brennholz mit. Wieder mal viel später als geplant verabschiedeten wir uns von den beiden und fuhren los. Zunächst ging es nochmal in die Stadt, wo wir eine weitere Matratzen-Auflage kauften, die dieses Mal hoffentlich passen wird. Im Supermarkt kaufte Uwe noch eine Kleinigkeit und geriet wieder an dieselbe Kassiererin wie gestern. „Heute keine Tüte, bitte.“ – Die Freude war groß. Dann brachen wir endlich Richtung Norden auf. Bis Divundu waren es ca. 450 Kilometer, und wir machten keine Pause. Dabei stellten wir fest, dass unser Wagen bei 120 km/h wohl recht viel Diesel verbraucht, mehr als die Autos von Savanna, die wir in den letzten Jahren gemietet hatten. Das liegt vermutlich an dem höheren Windwiderstand unseres größeren Aufbaus. Die Strecke hielt keine großen Überraschungen bereit. Bis zum Vet-Zaun waren auf dem Farmland kaum Leute zu sehen, danach liefen immer wieder Männer, Frauen oder Kinder am Straßenrand und schleppten Brennholz oder Wasser.
Hinter Rundu wurde die Straße neu geteert, und man konnte nur auf einer Spur fahren. Über mehrere Kilometer wurde der Verkehr abwechselnd gestoppt. Das konnte schon mal einige Minuten dauern. An der Tankstelle in Divundu sahen wir zufällig den Savanna-Wagen, den wir vor zwei Jahren gefahren waren und wechselten ein paar Worte mit dem Fahrer. Ab Divundu waren es nur noch etwa 50 Kilometer. Beim Transit durch den Mahango-Park sahen wir tatsächlich ein paar Impalas, Kudus und weit entfernt Elefanten.
Die Grenzformalitäten gingen schnell und sehr entspannt vonstatten. Wir waren die einzigen, die so spät noch nach Botswana wollten. Auch mit unserem Auto gab es keine Probleme, alle Dokumente waren in Ordnung. Bis Shakawe war es nun nicht mehr weit. Das war auch gut so, denn wir waren von der langen Fahrt ziemlich geschlaucht. Wir trafen bei Drotsky‘s ein, melden uns erst bei der Lodge und anschließend bei der Campsite, wo uns Otto begrüßte. Wir freuten uns sehr, ihn zu sehen und noch mehr, als wir erfuhren, dass er morgen früh unser Guide auf dem Boot sein würde. Auf unserem Stellplatz richteten wir uns ein.
Die Sonne ging unter, und wir ruhten uns von der Fahrt aus, gingen duschen und machten Feuer. Eigentlich wollten wir die Nudelsoße im Potije kochen, aber der roch uns noch immer zu neu. Also probierten wir unseren Induktionskocher aus. Beim Wasserkochen waren wir schon begeistert gewesen. Leider funktionierte das Kochen der Soße und der Nudeln weniger gut. Zum einen ließ sich der Kocher nicht gut dosieren, selbst auf Stufe 1 kochte die Soße zu stark, und zum anderen schalteten sich unsere Wechselrichter ab, sobald Uwe die eine Platte auf 1 und die andere auf 7 stellte. Das war dann wohl zu viel Leistung auf einmal. Am Ende gelang es uns trotzdem, ein leckeres Abendessen zuzubereiten. Während des Essens wurden wir von einem lauten Klatschen gegen unser Auto abgelenkt. Ein gar nicht mal so kleiner Käfer war dagegen gesteuert und berappelte sich nun auf dem Boden.
Zwischenzeitlich kam der Nachtwächter Titus vorbei und fragte, ob alles in Ordnung sei. Aber sicher! Wir nutzten die Gelegenheit, ihn nach den Waldkäuzen zu fragen, die wir vor ein paar Jahren hier auf der Campsite entdeckt hatten. Ruth war schon enttäuscht, dass diesmal keine Eule rief und sie auch keine hatte finden können. Titus tat ein wenig geheimnisvoll, und wir befürchteten schon, dass er uns nicht richtig verstanden hatte. Dann führte er uns aber nur ein kleines Stück von unserem Stellplatz um die Ecke und zeigte uns den begehrten Vogel in einem Baum. Darüber freuten wir uns sehr.
Waldkauz
Nachdem wir gespült und den Potjie ein zweites Mal ausgekocht hatten, gingen wir schlafen.
Teil 1616. Nov. 2023
Tag 13 – Dienstag, 4. Juli – Mit Otto auf dem Okavango
Drotsky’s Cabins, Shakawe
Der gestrige Tag war mit der langen Fahrt ziemlich anstrengend gewesen. Da wir auch erst so spät in Grootfontein aufgebrochen waren, konnten wir abends keine Bootstour mehr machen. Um etwas mehr Zeit und Ruhe zu haben, entschieden wir, den Abstecher zu den Tsodilo Hills fallen zu lassen und noch eine zweite Nacht hier zu bleiben. Wir standen gegen halb sieben bei knapp neun Grad auf.
Uwe bereitete die Fotoausrüstung für die Bootstour vor. Sein Kollege und Freund Michael war so nett gewesen, uns seinen Gimbal Stativkopf zu leihen. Damit ließ sich unser schweres Objektiv mühelos in alle Richtungen schwenken. Um es vorweg zu nehmen: Nach der Fahrt war Uwe klar, dass er nie wieder ohne dieses nützliche Teil auf Tour gehen würde. Heute Morgen gab es nur einen schnellen Kaffee und oder Tee. Die Drosslinge, die bereits über den Platz lärmten, hielten vergeblich nach ein paar Krumen Ausschau.
Nachdem wir alles affensicher verstaut hatten, schnappten wir unser Geraffel und liefen zum Bootsanleger, wo Otto bereits auf uns wartete. Wir waren alleine mit ihm auf dem Boot, und auch sonst war niemand auf dem Fluss unterwegs. Die Welt gehörte uns, und mit unserem Guide hatten wir – wie schon in vergangenen Jahren – einen absoluten Birding-Guide-Profi an unserer Seite. Wir hatten gerade abgelegt und waren auf die gegenüberliegende Flussseite gefahren, da zeigte er uns bereits den ersten Malachit-Kingfisher.
Und noch ein weiterer.
Rotkappenschwalbe
Otto navigierte unser Boot sehr vorausschauend und vorsichtig. So gut es ging, fuhr er möglichst nah an unsere gefiederten Freunde heran und beachtete auch den Sonnenstand für ein passendes Foto. Es war nicht nötig, ihn auf irgendetwas hinzuweisen. Otto kannte unsere Wünsche, und wir freuten uns über eine abwechslungsreiche Tour.
Zwergspinte
Brown-throated Martin (Braunkehl-Uferschwalbe) – Danke an Matthias
Swamp Boubou (Sumpfwürger)
Selten sahen wir so viele Malachit-Kingfisher wie heute. Die wendigen, flinken Kerlchen spähten meist von einem etwas erhöhten Ansitz über dem Wasser nach kleinen Beutefischen. Otto hatte sie meist schon aus der Ferne entdeckt, während wir obgleich ihrer leuchtend blauen Färbung noch mit der Tarnung kämpften und orientierungslos versuchten, seiner Beschreibung zu folgen.
Beeindruckend war auch die Wand mit den vielen Bruthöhlen der Weißstirnspinte. Überall hockten die hübschen Vögel auf herabhängenden Wurzeln und Ästen vor den Eingängen. Wir wussten gar nicht, wohin wir als erstes blicken sollten.
Direkt neben unserem Boot kaute ein Krokodil auf einem armen Fisch herum.
Auch diesem deutlich kleineren Exemplar erging es nicht viel besser. Zunächst wurde es ein paar Mal auf das Holz geklopft, dann durch die Luft in Position geschleudert und schließlich Kopf voran hinuntergeschluckt.
Als wir in einen Seitenarm abbogen, überraschten wir einen Elefanten, der direkt an der Uferkante stand. Erschrocken wandte er sich ab und verschwand im meterhohen Papyrus.
Wir entdeckten viele verschiedene Vögel. Wenn auch keine Raritäten dabei waren, freuten wir uns doch über jede einzelne Sichtung.
Graufischer
Wassertriel
Scherenschnabel
Little Bittern (Zwergrohrdommel)
Hammerkopf
Wieder mal wurde uns klar, warum man hier wohl besser nicht schwimmen gehen sollte. In regelmäßigen Abständen lagen beeindruckend große Krokodile am Ufer und genossen ein Sonnenbad. Schienen sie auch auf den ersten Blick müde und ziemlich träge, nahmen sie ihre Umgebung doch genau wahr und konnten nicht nur langsam ins Wasser gleiten, sondern auch mit einem beherzten Sprung äußerst schnell darin untertauchen.
Streifenschwalbe
Schwarzkehlchen
Und weil sie so schön sind, gleich noch einmal: Zwergspinte
Sporengänse
An einer etwas breiteren Stelle hielt Otto das Boot ruhig auf dem Wasser. Er wies uns an, die Kameras startklar zu machen. In einiger Entfernung saß auf einem Baum ein Schreiseeadler. Dieser kannte das nun folgende Prozedere bereits. Auf einen Pfiff von Otto breitete er seine Schwingen aus und steuerte in einer langen Schleife auf unser Boot zu. Otto warf die Reste eines Fisches, die er zuvor so mit einem Holzstückchen präpariert hatte, dass sie nicht untergehen konnten, in hohem Bogen aufs Wasser. Wir hatten nur diesen einen Versuch. Mit Ankündigung und dieser Pfuscherei gelang es uns, den beeindruckenden Adler mit Beute zu erwischen.
Schlangenhalsvogel
Am Ende der Tour suchten wir noch die Pel‘s Fishing Owl. Otto legte an, und wir wanderten ein Stück am Ufer entlang, den Blick immer in die hohen Bäume gerichtet. Tatsächlich entdeckte er die große Eule weit oben im Geäst. Mit der schweren Kamera über Kopf zwischen all dem Grün herumzuhantieren, war nicht optimal. Die Fotoausbeute war eher so mittel, dafür freuten wir uns umso mehr, den seltenen Vogel noch gesehen zu haben.
Nimmersatte (Heißen die so im Plural? Nimmersätte, Nimmersatts … 😎 )
Ein besonderes Highlight sahen wir noch auf der Rückfahrt. Zwei Schreiseeadler verhakten während des Fluges ihre Greiffüße miteinander und wirbelten in einem sogenannten Mating-Dance wie ein Propeller umeinander. Nach einigen Umdrehungen lösten sie ihre Krallen wieder und flogen nebeneinander in einen Baum.
Insgesamt waren wir dreieinhalb Stunden unterwegs und konnten jede Sekunde genießen. Ottos Touren sind für uns mit keiner anderen Fahrt zu vergleichen. Kompetent und unaufgeregt steuerte er auch diesmal das Boot ruhig über den Okavango und zeigte uns zuverlässig alle kleinen und großen Schätze. Es war so abwechslungsreich und kurzweilig, dass wir spontan entschlossen, am späten Nachmittag eine weitere kurze Tour mit ihm zu fahren.
Teil 1716. Nov. 2023
Zunächst machten wir aber eine lange Pause, ruhten uns aus und aßen ein spätes Frühstück. Ruth wusch ein wenig Wäsche, und Uwe sicherte und sichtete Fotos.
So ein (halb) freier Nachmittag fühlte sich gleich wie richtiger Urlaub an. Es war angenehm warm, wir saßen im Schatten der mächtigen Bäume an der Campsite, keine Affen störten, und die Vögel zwitscherten. Ein Buschböckchen schaute vorbei und leistete uns kurz Gesellschaft.
Nachdem Ruth ein wenig geschlummert hatte, klappten wir unser Dach ein und fuhren zur Lodge, weil wir dort schon unsere Rechnung bezahlen wollten. Leider ging das nicht im Voraus, sondern erst nach der zweiten Bootstour, weil erst dann feststehe, wieviel Benzin verbraucht worden war. Also saßen wir ein wenig herum, Uwe trank einen Kaffee, und wir schrieben ein paar Nachrichten. Dann fuhren wir wieder zurück zur Campsite, nahmen unsere Kameras mit und fanden uns erneut am Steg ein. Otto war bereits da und startete mit uns diesmal flussabwärts. Die Fahrt begann ähnlich wie die letzte. Bereits nach kurzer Zeit saß auf einer umgeknickten Papyrusstange ein Malachit.
Konzentriert spähten wir zwischen die Halme, um die Vögel zu entdecken, waren aber deutlich weniger ambitioniert als heute Morgen, alles zu fotografieren. Viel mehr genossen wir die Fahrt im immer schöner werdenden Nachmittagslicht. Unzählige Zwergspinte flogen kunstvolle Manöver knapp über dem Wasser. Bei ihrer Schnelligkeit gelang es uns ohnehin nicht, sie im Flug zu erwischen. Sitzend klappte es dafür sehr gut, so dass wir auch diesmal nicht ganz widerstehen konnten.
Auch in diese Richtung des Flusses gab es Krokodile. Und auch diese waren nicht gerade klein.
Weißstirnspint
Maskenbülbül
Riesenfischer
Auch wenn die zweite Fahrt nicht ganz so abwechslungsreich war wie die erste, waren wir sehr zufrieden, uns einfach den Wind um die Nase wehen zu lassen.
Wassertriel
Bald ging die Sonne unter, und nach zwei Stunden waren wir wieder zurück.
Wir bedankten und verabschiedeten uns von unserem tollen Guide und versprachen, bald wieder zu kommen. Von einem großen Zitronenbaum durften wir uns noch eine Frucht stibitzen, die wir später für unseren Gin Tonic verwendeten. Nun konnten wir zur Lodge fahren und bezahlen. Bis wir zurück auf der Campsite waren, herrschte schon Dunkelheit. Wir gingen duschen und machten einen Avocado-Thunfisch-Salat. Ruth versuchte ein Tier zu finden, das unterhalb unseres Stellplatzes im Gras raschelte und herumklopfte. Sehen ließ sich zwar nur ab und an ein wenig strubbeliges, braunes Fell, wenn es ruckartig durchs Gebüsch huschte, aber Ruth vermutete eine große Rohrratte. Vor dem Schlafengehen spannten wir die in Grootfontein gekaufte Auflage auf die Matratze, die nun deutlich besser passte. Morgen wollen wir früh aufbrechen, um gegen Mittag in Maun zu sein. Es steht der Einkauf für neun Tage im Busch an. Nach einem Tag voller Eindrücke schliefen wir auch heute gut bewacht ein.
Teil 1810. Dez. 2023
Tag 14 – Mittwoch, 5. Juli – Transfer nach Maun
Drotsky’s Cabins, Shakawe – Kaziikini Community Camp
Heute standen wir um kurz vor sieben auf, um uns möglichst früh auf den Weg zu machen.
Daher schlürften wir lediglich eine Tasse Kaffee bzw. Tee, packten alle Sachen zusammen und fuhren los. Die Straße entlang des Panhandles nach Süden war geteert, aber immer wieder mit Schlaglöchern ausgestattet. An manchen Stellen war der Teer links und rechts so stark abgebrochen, dass gerade noch ein Auto dazwischen fahren konnte. Zum Glück war nicht viel Verkehr, und so mussten wir nur selten ausweichen, wenn ein anderes Fahrzeug entgegen kam. Ein paarmal kreuzten Elefanten unseren Weg, ansonsten zog sich die Strecke sehr.
Immer wieder standen Esel oder Kühe neben oder auf der Fahrbahn. Wir hielten tapfer durch und bogen bei Sehitwa nach Osten Richtung Maun ab. Nun waren es nur noch 100 Kilometer. Insgesamt kamen wir trotz des vielen Abbremsens und Umkurven von Hunden, Rindern und Ziegen schneller voran als erwartet und erreichten die Stadt um kurz nach zwölf. Im Zentrum herrschte viel Betrieb mit Stop and Go. Am Flughafen bogen wir ab und parkten bei Hilary‘s Coffee Shop. Darauf hatten wir uns schon seit unserem letzten Besuch vor einem Jahr gefreut. Für einen kurzen Moment hatten wir schon Sorge, dass geschlossen sein könnte, denn kein Tisch war besetzt. Aber wir waren wohl die ersten, die zur Mittagszeit das kleine Restaurant besuchten. Nach uns kamen dann noch weitere Gruppen.
Hilary erkannte und begrüßte uns. Wir unterhielten uns ein wenig und bestellten jeder das traditionelle Jumbo-Sandwich mit Zitronenlimonade. Es war wie immer fantastisch. Und da wir ja noch nicht gefrühstückt hatten, verputzte Uwe noch ein Stück Pekanuss-Kuchen mit Vanilleeis und trank dazu leckeren Kaffee. Das war mal Urlaub! Anschließend schauten wir noch im Büro von Botswana Footprints vorbei und sagten hallo. Nach dieser erfrischenden Pause machten wir uns an die Erledigungen. Im Spar kauften wir einige Lebensmittel ein, bekamen aber nicht alles. Dann füllten wir nochmal Diesel nach und fuhren zu zwei Metzgern: Beef Boys neben Riley‘s Garage und Delta Meat Deli an der Straße Richtung Nata.
Anschließend hielten wir noch an einem anderen Spar in einer neuen, großen Mall. Dann brachen wir endlich mit frischen Vorräten hochzufrieden Richtung Moremi auf. Hinter Shorobe endete die Teerstraße, und das folgende Stück Straße war wie schon immer fürchterlich holprig und weiß-staubig. Unser armes Auto wurde sehr durchgeschüttelt, so dass wir sehr froh waren, als wir endlich das Kaziikini Camp erreichten. Dieses war in den letzten Jahren sehr vergrößert worden. Es gab nun ein Wasserloch, an dem ein paar Elefanten standen. Wir checkten ein, bezahlten und erhielten die reservierte Campsite Acacia 2. Diese lag außen am Camp mit Blick auf das Wasserloch. Wir beobachteten die Elefanten, die munter direkt durch unser Camp marschierten.
Später gingen wir duschen.
Die Ablutions lagen einige Meter entfernt, schienen aber exklusiv für unseren Stellplatz zu sein. Die Nachbarplätze waren ebenfalls belegt. Mehrere Familien mit Kindern hatten wohl schon Freundschaft geschlossen. Während die Erwachsenen beisammen standen, das Essen vorbereiteten und sich miteinander unterhielten, rannten die Kinder schreiend auf einer anderen Site hinter einem Ball her. Wir wunderten uns ein wenig, dass so wenig aufgepasst wurde, da wirklich viele Elefanten in der Nähe waren. Anschließend bastelte Uwe ein wenig an unserem Auto, und Ruth beaufsichtigte, ob er auch alles richtig machte.
Während der Fahrt war uns ein Klappern an der Wasserpumpe aufgefallen, das Uwe sich nun anschaute. Wir werden morgen sehen, ob seine Lösung funktioniert.
Da wir noch immer satt vom Jumbo-Sandwich waren, ließen wir das Abendessen zunächst ausfallen und machten es uns im Camper gemütlich. Uwe sicherte Fotos, und Ruth las. Als es schon lange dunkel war, liefen wir nochmal bis zur Toilette. Das war ziemlich unheimlich, weil der Weg doch recht weit war, und überall Tiere lauern konnten. Wir verließen uns darauf, dass sie das schon nicht ausgerechnet hier tun würden, liefen aber doch sehr zügig und unter ständigem Leuchten mit unserer Taschenlampe zurück zum Auto. Auf dem Weg hörten wir dann auch prompt aufgeschrecktes Getrappel. Etwas irritiert blieben wir mitten im Busch stehen. Hatten wir die Tiere aufgeschreckt oder war es etwas anderes? Wohin wir auch leuchteten, wir konnten nichts entdecken. Der Rückweg zum Camper war mit dem Geraschel im Busch noch länger als der Hinweg. Als wir endlich wieder am Auto waren, entdeckte Ruth noch einen Honigdachs, der sich aber eilig davon machte. Am Wasserloch waren immer wieder Elefanten zu sehen. Trotzdem krabbelten wir bald in unsere gemütliche Kabine, denn es wurde langsam etwas frisch. Dann starteten wir draußen eine Zeitraffer-Aufnahme und aßen doch noch eine Kleinigkeit.
Teil 1901. Jan. 2024
Tag 15 – Donnerstag, 6. Juli – Umweg durchs Gebüsch
Kaziikini Community Camp – Magotho, Khwai-Concession
Gegen viertel vor drei wurden wir zum ersten Mal wach. Genauer gesagt wurde Ruth durch die Elefanten geweckt, die direkt neben unserem Wagen standen und Äste vom Busch rissen. Dann weckte sie auch Uwe, damit er sich mit ihr freuen konnte. Wir hörten die Dickhäuter in unmittelbarer Nähe um unser Auto herumrüsseln, auch wenn sie im Grunde ja sehr leise sind. Ab und an brach ein Zweig oder Ast, und wir hörten das Mahlen ihrer Zähne. Irgendwann liefen sie weiter Richtung Wasserloch. Dort waren schon andere Artgenossen, und so begann das große Trompetern und Grollen. Das wiederholte sich mehrmals in den nächsten Stunden, so dass wir nicht mehr viel Schlaf fanden. Die ganze Nacht über hörten wir die Herden zum Wasser traben und sich eifrig miteinander austauschen. Es war ein ständiges Trompeten in der Luft. Der Tag sollte ganz gemütlich werden, und so standen wir erst deutlich nach Sonnenaufgang auf. Direkt neben unserem Auto fanden wir noch die Spuren der nächtlichen Besucher. An der Wasserstelle waren aber keine Elefanten mehr zu sehen.
Da der Stellplatz viel Aussicht hatte, frühstückten wir nach einer raschen Morgentoilette sehr gemütlich in der Sonne und freuten uns über einige Gelbschnabel-Tokos und Riesenglanzstare, die uns Gesellschaft leisteten.
Bis wir gespült, alles eingepackt und Uwe noch ein bisschen Luft aus den Reifen gelassen hatte, war es schon fast zehn Uhr. Zum Abschied erschienen doch noch ein einzelner, großer Elefantenbulle und ein paar Kudumännchen mit stattlichem Gehörn. So fiel uns der Abschied noch ein wenig schwerer. Mit der für uns neuen Wasserstelle ist der Wert des Camps gestiegen. Hier war einiges los. Das galt allerdings auch für die Anzahl der Besucher. Der Platz bietet nun deutlich mehr Leuten Raum, und wir könnten uns vorstellen, dass es auch ziemlich rummelig werden könnte. Wir mochten auch das alte, staubige Camp mit seinen wackeligen Duschen unter freiem Himmel, den kleinen, verbuschten Plätzen und den nächtlichen Besuch der Bushbabys. Die haben wir dieses Mal leider nicht mehr entdecken können. Dann brachen wir auf, fuhren ein kleines Stück die Straße zurück bis zur Gabelung nach Norden. Dort bogen wir Richtung Mababe ab. Entweder war die Straße ein wenig besser als gestern Nachmittag, oder der reduzierte Reifendruck ließ es uns annehmen. Wir hatten es auch nicht sehr eilig, da es bis zur nächsten Campsite am Khwai lediglich knapp 90 Kilometer waren. Das erste Stück war schnell gefahren. Kurz vor Mababe kam dann ein überschwemmtes Stück, das wir schon vom letzten Jahr kannten. Wir nahmen wieder die Umfahrung und standen lange am Rand des verbliebenen Wassertümpels bei einer großen Gruppe von über 40 Hippos. Die meisten lagen an Land und dösten in der Sonne. Viele Madenhacker spazierten über ihre Rücken. Ganz in der Nähe hockte eine Gabelracke auf einem Stück Holz, das wohl häufiger als Ausguck diente.
Nachdem wir noch ein wenig näher an ein einzelnes Hippo im Salat herangefahren waren (diesmal mit Blatthühnchen anstelle der Madenhacker),
mussten wir rückwärts wieder aus der kurzen Sackgasse hinaus. Kurz vor der Sackgasse fanden wir einen Wagen mit einer Panne vor. Drei Männer und eine Dame standen vor ihrer offenen Motorhaube.
Wir fragten, ob wir helfen könnten. Der Motor sprang nicht mehr an, und sie vermuteten einen Fehler am Anschluss der Batterie und fragten nach Werkzeug. Uwe gab ihnen seinen Steckschlüsselsatz, und sie befestigten die beiden Pole neu. Leider ohne Erfolg. Da weder sie noch wir ein Starthilfekabel hatten, bot Uwe ihnen an, den Wagen anzuschleppen.
So kam unser neues Abschleppseil zum Einsatz. Hatten wir es nicht umsonst besorgt. Juhuuu! Der erste Versuch klappte sofort. Der Fahrer hupte zum Zeichen, dass sein Motor wieder lief, und wir koppelten das andere Auto wieder ab. Dann ließen wir die vier voraus fahren für den Fall, dass sie nochmal liegen bleiben würden. Hinter Mababe Village, wo wir kurz dem FC Baboon beim Training ohne Ball zusahen, bogen wir nach Westen Richtung Khwai ab.
Eigentlich wären es jetzt keine 20 Kilometer mehr gewesen. Da schlug Uwe vor, schon weit vor der offiziellen Abfahrt abzubiegen und bereits weiter östlich an den Khwai zu fahren. Die Strecke war neu für uns, tiefsandig und an vielen Stellen sehr eng bewachsen. Mit einigem Kontakt zu Büschen und Ästen machte unser Auto die ersten Erfahrungen mit kleinen Erinnerungsnarben auf seiner Haut, obwohl Uwe möglichst mittig durch die Engstellen zirkelte. Hier machen die wenigen Zentimeter, die unser Eulennest breiter als ein normaler Landcruiser ist, dann doch einiges aus. Auf jeden Fall kamen wir nur äußerst langsam voran, und Uwe verfluchte den schlechten Zustand der einmal eingeschlagenen Spur. Umkehren wollte er nach einiger Zeit dann auch nicht mehr, und so aststrahlten wir unser Gefährt und hoppelten danach langsam über tief ausgetrocknete, staubige Lehmkuhlen, die von zahlreichen Elefantenfüßen im einst nassen Untergrund übrig waren. Der offizielle Weg zum Camp war dies gewiss nicht. Dafür aber ein wenig befahrener. Ruth fand die Strecke ganz hübsch, besonders da sie eine ganze Zeit lang am Wasser entlang führte, wo immer wieder Blatthühnchen, Gänse, Stilts oder Wasserläufer zu entdecken waren. An einer Stelle mussten wir warten und vier großen Elefantenbullen Vortritt gewähren. Sehr zielstrebig und ruhig zogen sie an uns vorüber.
Neben jeder Menge Elefanten sahen wir auch Impalas, Letschwes und Wasserböcke.
Obwohl wir auf dem GPS sehen konnten, dass es gar nicht mehr weit bis zum Camp war, mussten wir einige Male umdrehen, da unsere Spur ins Wasser führte. Jedes Mal versuchten wir in einem etwas größeren Bogen wieder auf die Hauptspur zurückzufinden. Zwischendurch waren wir uns nicht mehr sicher, über diese Route unser Camp Magotho tatsächlich noch zu erreichen. Als Uwe schon fürchtete, die anstrengende Strecke wieder zurück zu müssen, hatten wir es schließlich geschafft, und wir näherten uns dem Camp von Osten. Wie fast schon zu erwarten (irgendwie haben wir hier nur selten die Campsite erhalten, die wir auch tatsächlich gebucht hatten), war die uns auf der Reservierung zugewiesene Campsite Old No. 2 schon belegt. Und auch sonst war schon sehr viel los. Überall standen auch zwischen den offiziellen Plätzen größere Reisegruppen mit vielen Zelten und Anhängern. Am Staff Camp mussten wir erstmal ein wenig kramen, bis wir unsere Reservierungen gefunden hatten. Dann wies und der Angestellte Dix einen anderen Stellplatz zu. Um ihn uns zu zeigen, stellte er sich außen an unserem Wagen auf das Trittbrett und fuhr die paar hundert Meter mit. Wir bekamen Campsite Nr. 3 nahe am Fluss mit einem großen Baum in der Mitte. Hier gefiel es uns gut. Dusche und Toilette lagen über 150 Meter entfernt. Dix wies uns ausdrücklich darauf hin, keine weiten Strecken zu Fuß zurückzulegen, da sehr viele Elefanten durch das Camp ziehen würden und außerdem ein ortsansässiger Leopard regelmäßig umherstreife. Das wäre ja schön, wenn wir den mal zu Gesicht bekämen! Trotzdem nahmen wir seine Warnung ernst und fuhren das kleine Stück zu den Ablutions, um zu duschten. Zurück am Stellplatz picknickten wir mit belegten Broten.
Dix hatte uns für 200 Pula einen Riesenberg Brennholz gebracht. Durch die deutlich verlängerte Anfahrt war es nun schon wieder ziemlich spät. Daher begann der Nachmittagsdrive erst gegen 16 Uhr. Am Fluss entlang suchten wir nach Tieren. Überall standen große Elefantenbullen mit beeindruckenden Stoßzähnen im oder am Wasser, die das frische Gras des Flusses weideten. Dabei rupften sie es mit ihrem Rüssel aus dem Boden und schlenkerten es so lange durch das Wasser, bis die störende Erde fortgespült war.
Ein Stück weiter entdeckten wir zwei Streithähne. Die beiden Frankoline gingen mit Schnäbeln und Klauen aufeinander los, dass die Federn nur so flogen. Nach einiger Zeit hatten sie sich aber wieder beruhigt.
Wir fuhren bis zu der Stelle, an der der Khwai eine scharfe Linkskehre macht. Hier war uns bei der Durchfahrt im letzten Sommer angst und bange geworden, als das Wasser über die Motorhaube und die Windschutzscheibe geschwappt war. Auf keinen Fall wollten wir ohne Auskunft oder Beratung einfach so auf die andere Seite fahren. Also warteten wir eine Zeit lang in der Hoffnung, dass jemand vorbeikommen würde, der sich auskannte. Anscheinend kannten sich viele aus. Und diese vielen wussten, dass man heute die Tiere wohl an einer anderen Stelle entdecken konnte. Denn obwohl es bei Magotho so voll gewesen war, hierhin verirrte sich niemand. Wir sahen dem aufgeregten Gewusel der Perlhühner zu und entschlossen uns dann, wieder umzukehren.
Weit kamen wir nicht, denn passend zum Sundowner trabte eine Herde Elefanten zum Fluss. Im schönsten Abendlicht konnten wir sie beim Trinken und Spielen beobachten.
Als die Herde weiterzog, blieben nur zwei Bullen zurück, und es kehrte langsam wieder Ruhe ein.
Zufrieden fuhren wir zurück ins Camp, machten Feuer und kochten im Potjie eine Gulaschsuppe. Die gelang uns trotz ein paar fehlender Gewürze sehr gut, und es blieb auch noch ein Rest für morgen übrig.
Zwischendurch lief eine Wildkatze über unseren Platz, später ein Honigdachs. Aber am meisten freuten wir uns über den kleinen Kapkauz im Baum direkt über uns. Immer wieder wechselte er seine Position, blieb uns aber den ganzen Abend ein treuer Begleiter. Vielleicht hatten es ihm die vielen Insekten angetan, die durch unsere Lampe angelockt wurden.
Nachdem Ruth den Abwasch erledigt und wir alles verstaut hatten, krabbelten wir in den Camper. Von dort hörten wir zunächst nur und sahen später auch noch ein Hippo, das am Rand unserer Campsite das Gras fraß. Was ist es doch schön hier!
Teil 2002. Jan. 2024
Tag 16 – Freitag, 7. Juli – Besondere Besuche auf der Campsite
Magotho, Khwai-Concession
Wir wachten gegen sechs Uhr auf und blieben noch ein bisschen liegen, da es noch ziemlich dunkel war. Dann zog sich Uwe an und kochte Wasser, während Ruth aus dem Bett krabbelte. Gemeinsam tranken wir Kaffee und Tee und räumten unsere Sachen zusammen. Die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen, als wir am Khwai entlang nach Norden fuhren. Insgesamt sahen wir wie gestern nicht allzu viele Tiere, aber immer wieder Elefanten. Dies ist auch die Erkenntnis für dieses Jahr: Khwai ist ein absolutes Elefanten-Gebiet. Einige Zeit kreuzten wir durch die Gegend, fanden ein paar neue Wege, darunter auch Sackgassen, in denen wir umkehren mussten.
Auch die Perlhühner waren schon erwacht und hatten ihre Schlafbäume verlassen.
Einige Zeit standen wir bei zwei jungen Sattelstörchen, die in ihrem Nest saßen.
Die ganz großen Sichtungen blieben heute Morgen wieder aus. Dafür erfreuten wir uns an den kleinen Dingen und an verschiedenen Vögeln.
Riesenglanzstar
Lange beobachteten wir ein Flughuhn, das am Flussufer saß, trank und sein Gefieder voll Wasser pumpte. Uwe wollte es gerne beim Abflug fotografieren, und so warteten wir mehr als 20 Minuten, bis das Huhn dann so schnell abhob, dass natürlich keine Zeit zum Auslösen blieb.
Swainsonfrankolin
Pünktchenamarant
Goldbugpapagei
Bronzeflecktaube
Zurück auf unserer Campsite machten wir eine lange Frühstückspause. In der Sonne sitzend aßen wir Brote mit Avocado und Käse. Ruth fiel eine Avocadohälfte auf den Boden, so dass sie die Panade aus Staub, Ästchen und Gras aufwändig abspülen musste.
Und dann passierte uns eine Geschichte, die man nur mit dem Stehen auf einer sehr, sehr langen Leitung erklären kann. Wir vernahmen Tierrufe, die wir zunächst nicht richtig zuordnen konnten. Waren das Vögel oder Affen? Wer machte denn diese merkwürdigen Geräusche? Prüfend sahen wir uns nach allen Seiten um, konnten aber nichts entdecken. Während Uwe nicht so gerne seine gemütliche Position am Frühstückstisch aufgab, schnappte sich Ruth von Neugier gepackt den Fotoapparat und entfernte sich – Hans-Guck-in-die-Luft ganz genau so, wie man es nicht machen sollte – immer weiter vom Auto und der Campsite. Dabei lief sie eifrig dem lauten Keckern hinterher. Was erschrak sie doch, als plötzlich keine 10 Meter von ihr entfernt ein riesiger Elefantenbulle aus den Büschen auf sie zutrat. Ach du Schande! Wo kam der denn auf einmal her? Nun beiderseits bitte ruhig bleiben! Dem Elefanten fiel das ein wenig leichter. Zum Glück setzte er zwar zügig, aber seelenruhig seinen eingeschlagenen Weg fort. Ruth bewegte sich im gleichen Tempo rückwärts in Richtung des Campers, wobei sie beruhigend auf ihn einredete. Zunächst guckte Uwe noch erstaunt, als er ein Mantra gleiches „ich geh zurück, ich geh zurück, mach dir keine Sorgen“ aus dem hohen Gras und den Büschen vernahm. Als gleich darauf aber Ruth rückwärts auf die Campsite gestolpert kam, gefolgt von einem zum Glück tiefentspannten Dickhäuter, war die Sache recht schnell klar. Uwe rettete sich hinter unser Auto, während Ruth mit einem erleichterten Schnaufen darin verschwand.
Der Elefant trottete quer über unsere Campsite und lief an unserem Auto vorbei in Richtung Fluss. Puh! Die Luft war wieder rein. Aber war sie das wirklich? Ruth kletterte aus dem Camper. Da war es immer noch! Dieses aufdringliche, merkwürdige Geschnatter. Und was soll man machen? Ruth hatte anscheinend nichts dazugelernt. Zum zweiten Mal machte sie sich mit der Kamera unter dem Arm auf den Weg ins Gras. Noch im Weggehen rief sie Uwe zu: „Was ist das denn bloß? – Oder ist es ein Alarm-Call?“ Und damit hatten wir dann wohl beide unser Gehirn für heute abgegeben. Denn was es bedeutete, wenn es sich tatsächlich um einen Alarm-Call handelte, sollte Ruth einen Augenblick später erfahren. Sie hatte den Platz noch nicht ganz verlassen, als sie den Schatten wahrnahm, der sich vielleicht 30 Meter vor ihr aus dem Gras erhob. Der nun hastig über die Schulter zurückgeworfene Alarm-Ruf war eindeutig: „LEO!“. Die Katze bewegte sich rasch von uns fort.
Es waren also tatsächlich Alarmrufe der Meerkatzen gewesen, die alle vor dem Leoparden gewarnt hatten – alle, nur nicht uns. Nun sahen wir die Affen auch über uns in den Bäumen sitzen und Rabatz machen. Wie konnten wir nur so dämlich sein! Im Nachhinein kann man sich nur über sich selbst wundern. Da denkt man, dass man jahrelange Erfahrung hat und dann sowas! Oder ist vielleicht gerade diese Überheblichkeit das Problem? Mittlerweile meint man, sich so gut auszukennen, dass man ein wenig leichtsinnig wird. Das war auf jeden Fall ein Augenöffner! Schnell fegten wir die restlichen Lebensmittel vom Frühstückstisch in den Camper und machten uns an die Verfolgung des Leos. Dieser war inzwischen quer durch das gesamte Camp gelaufen und hatte sich wohl in einem größeren Gebüsch hinter der Mülldeponie versteckt. Dort saßen nun ein paar weitere Affen auf den Bäumen und schimpften lautstark. Wir blieben noch eine Weile mit drei weiteren Fahrzeugen. Zweimal umrundeten wir die Büsche und starrten zwischen die Zweige und Blätter, konnten aber keine Schwanzspitze der Katze mehr sehen. Ein Guide meinte, der Leo bliebe sicherlich dort versteckt, bis sich die Aufregung gelegt habe und das Gebüsch nicht mehr umstellt sei. Nach einer Weile gaben wir auf und verzogen uns wieder auf unsere Campsite. Dort machten wir nun eine längere Mittagspause.
Uwe sichtete Fotos, Ruth saß zuerst etwas in der Sonne und kam dann auch in den Schatten. Nachdem sich unsere Aufregung gelegt hatte, hatten wir jetzt eine ruhige Zeit zum Lesen und Entspannen. Von unserer Site hatten wir eine schöne Aussicht auf die Flussauen, wo zahlreiche Elefanten grasten.
Rotschnabelfrankolin
Um die Mittagszeit hatten wir uns in unser Nest zurückgezogen. Uwe beschäftigte sich weiterhin mit Fotos, und Ruth döste auf der Rückbank. Wieder bekamen wir Besuch. Ein großer Elefantenbulle marschierte vom Fluss herauf direkt auf unseren Stellplatz und rieb sich ein wenig an dem großen Baum in der Mitte. Eine Weile stand er völlig ruhig mit gegen den Stamm gelehnter Stirn, und es schien so, als döste er ebenfalls. Dann lief er keine fünf Meter neben unserem Auto entfernt vorbei. Wir hielten die Luft an und waren gleichzeitig fasziniert von diesem riesigen Tier.
Am Nachmittag fuhren wir zu den Duschen und Toiletten. Nein, hier laufen wir nicht mehr in der Gegend herum! Während Ruth noch unter der Dusche stand, unterhielt sich Uwe mit einem südafrikanischen Pärchen, welches ihm von Hyänen erzählte, die sie gestern entlang der Strecke von Mababe gesehen hatten. Es müsse sich um eine Familie von 15 Tieren handeln, die man direkt von der Straße aus erblicken könne. So wollten wir auch unser Glück versuchen, und die Route für unseren Nachmittagsdrive stand fest. Am Fluss entlang fuhren wir zur Transitstraße und dort nach Osten.
Silberreiher
So viel wir von der Hauptstraße aus auch schauten, wir konnten noch nicht mal die Stelle finden, die uns der Südafrikaner beschrieben hatte. Stattdessen entdeckten wir Impalas, Giraffen, Zebras, Steinböckchen, natürlich Elefanten und eine sehr große Büffelherde neben der Straße. Auch hier war einiges los. Die meisten Tiere bewegten sich in Richtung des Flusses. Wir hätten also auch einfach dort auf sie warten können.
Irgendwann gaben wir das Hyänen-Such-Spiel auf und kehrten um. Am Straßenrand stand ein Auto mit fünf jungen Männern. Als wir anhielten, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei, erklärten sie uns, dass sie nur schnell nach Maun wollten, um dort Lebensmittel einzukaufen. Sie hätten sich ein wenig mit ihren Vorräten vertan und weder Wasser noch genug zu essen für die nächsten Tage. Oh je! Wir beschrieben ihnen den Weg und wünschten viel Glück, denn wir waren uns relativ sicher, dass es sehr sportlich werden würde, noch vor Dunkelheit irgendwo anzukommen. Bliebe nur zu hoffen, dass sie sich eine Übernachtung in Maun gönnen und nicht gleich wieder zurückfahren würden. Auch wenn wir durch die erfolglose Suche nach den Hyänen viel Zeit verloren hatten, war es trotzdem eine schöne Fahrt gewesen. Als wir wieder am Fluss eintrafen, stand gerade eine Elefantenfamilie im Wasser und trank. Wir stellten uns so, dass wir sie mit der untergehenden Sonne beobachten konnten.
Dann ging es zurück zum Camp. Wir klappten das Zelt auf, rückten Tisch und Stühle zurecht und machten Feuer.
Während Ruth an der offenen Klappe des Campers das Gemüse schnitt, werkelte Uwe irgendetwas hinter dem Auto. Er versuchte, einen Müllbeutel in der Tasche am Reserverad zu verstauen, ohne sich dabei völlig einzustauben. Mit Schwung kehrte er anschließend um das Heck des Autos wieder nach vorne zurück und hielt mitten in der Bewegung inne. „Ruth, was ist das?“ Den Tonfall dieses Alarm-Calls verstand sie. Ruth war sofort klar, dass es sich nicht um einen Honigdachs handeln konnte. Als sie sich umdrehte, erblickte sie unmittelbar hinter unserem brennenden Feuer eine Katzensilhouette. Zu groß für eine Ginsterkatze, eine Zibet oder einen Geparden, zu klein für einen Löwen. Das Adrenalin schoss uns durch die Adern, als wir realisierten, dass keine fünf Meter entfernt ein Leopard stand und uns über das Feuer hinweg direkt in die Augen sah. Was tun? Nichts! Wir waren gar nicht in der Lage uns zu bewegen. Es wäre nur ein halber Schritt in den Camper gewesen, aber wir konnten uns einfach nicht rühren. Obwohl es nur ein kurzer Moment war, in dem wir uns gegenseitig anstarrten, kam es uns vor wie eine Ewigkeit. Dann löste die Katze den Blick und stolzierte mit eingerolltem Schwanz denselben Weg zum Fluss, den mittags der Elefantenbulle genommen hatte. Wir erwachten aus unserer Erstarrung. Endlich gelang es Ruth, die Stufe in den Camper zu erklimmen und mit zitternden Fingern ihre Stirnlampe einzuschalten. Schweigend beobachteten wir, wie das schwarze Fleckenmuster langsam aus unserem Blickfeld verschwand. Was hatten wir da gerade erlebt! Es kam uns völlig unwirklich vor. Früher hatten wir mehr Licht um unser Auto, wir haben auch häufiger mit unseren Lampen die Umgebung abgeleuchtet. Aber dass eine Raubkatze so nah kommt, solange wir noch um das Feuer herumspazieren, so einen Moment hatten wir in all den Jahren, in denen wir nach Afrika fahren, noch nie. Es dauerte sehr lange, bis wir uns halbwegs beruhigt hatten. Das Leuchten wurde nun umso ausgiebiger nachgeholt. Der restliche Abend verlief nicht ganz so entspannt wie der vorherige. In Windeseile und nur mit halber Konzentration briet Uwe Zwiebeln und Knoblauch an, dünstete Gemüse und gab dann Gemüsebrühe und Couscous dazu, während Ruth den Leuchtturm spielte. Nachdem wir gegessen, gespült und alles eingepackt hatten, saßen wir heute Abend im Auto und nicht mehr am Feuer. Es dauerte nicht lange, und ein tiefes, anhaltendes Gebrüll war zu hören. Hier wurde uns etwas geboten! Völlig überwältigt lauschten wir dem Brüllen der Löwen, welches vom Fluss zu uns heraufkam. Als wir später in unseren Schlafsäcken lagen, vernahmen wir immer wieder das heisere Husten unserer Campkatze ganz in der Nähe. Vor dem Einschlafen hielten wir noch fest: Wir können keine Leoparden, aber die Leoparden können uns! 😉