Tag 15Der Tag des Herrn
Auf unserem Programm stand heute die Aufsuchung der dritten Campsite der Autdit-Liste unseres ausgeschriebenen Divundu Area Campsite & Lodge-Facilities-Contests. Drotsky's Cabins. Auf direktem Weg von der Mahangu Safari Lodge in schlappen 44 km und kleinem Grenzverkehr zu erreichen. Wir mußten also den Tag nicht mit Hast und Eile beginnen. Trotzdem kaperten wir schon um Viertel vor sieben das Nationalparksgate der Mahango Core Area und gemütlich ging es auf die einzige Runde des Naturreservats.
An der Stelle des dahingeschiedenen Riesenbaobabs legten wir eine sich gebotene Schweigeminute ein und, da an gleicher Stelle 2012 geschehen, gedachten wir auch dem damals dort getroffenen Rentnerpaar burischer Abstammung. Anläßlich unseres Kurzstopps zu jener Zeit an diesem Ort wurde die Pensionärsgattin nicht müde, ihrem vermutlich seheingeschränkten und schwerhörigen Gatten einen prächtigen Seeadler zu vermitteln, der sich im Geäst des Gigantenbaums ein Ruhepäuschen gönnte. Wir erinnerten uns lebhaft an ihre schrille, kreischende Stimme, die unaufhörlich dem armen Ehepartner entgegenschlug: It‘s a South African Sea Eagel, it’s a South African Sea Eagel, it’s a South African Sea Eagel!!! …. Look, look, look!!! Es war dem armen Mann nicht zu verdenken, daß er scheinbar schon vor der Silberhochzeit mit der Dame die Ohren auf Durchzug stellte oder einfach an einer, durch im Laufe der Ehejahre erfolgten dauerhaften Überschreitung der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen maximalen Dezibelzahl an Gehorchtem hervorgerufenen Vertaubung litt.
Unsere aufrichtigsten Ehren erwiesen, schlenderten wir weiter unseres Weges und wurden mit schönen Tierbegegnungen beglückt. Die Mahango Core Area zeichnet sich durch eine offene Landschaft aus – genau nach unserem Geschmack.
Kaum aus dem Nationalpark raus, befanden wir uns auch schon vor der Grenzübertrittsstelle von Namibia nach Botswana. Die bordertechnischen Notwendigkeiten auf namibischer Seite zeigten sich, wie immer bei unseren Grenzüberschreitungen von oder nach Namibia auch dieses Mal, an dem heutigen, will man großzügig sein, als tertiären zu bezeichnenden Grenzposten als sehr, sehr schleppend, schwerfällig und wenig professionell.
Über den Demarkationsstreifen gerollt, parkten wir uns im Schatten großer Bäume ab, erklommen die Stufen des Grenzgebäudes mit hochgehißter Botswana-Flagge und unterzogen uns dem, was notwendig war. Reisepässe und ausgefüllte Einreisekarten = Stempel rein und weiter nach links. Zollabfertigung unserer gemieteten Kutsche = zackig und erfolgreich erledigt. Zahlung der BURS-Zeche = stockend und schlußendlich ohne Erfolg. Die Begleichung der paar Kröten für die Kfz-Versicherung in Botswana kam fürs Erste zu keinem guten Ende, da sich sämtliche, im länglichen Backsteingebäude befindlichen Kreditkartenzahlungs-POS-Geräte in einem scheinbar landesweiten nationalen Streik befanden. Leider reichten unser mitgebrachter Regen, in Form von Banknoten in Pula, nicht aus, die Rechnung zu saldieren. Es fehlten uns exakt 20 BWP. Euro, US Dollar, Rand, Namibische Dollar aus allen Taschen herausgezerrt halfen nicht, unserem kleinen Impasse ein nettes Ende zu bereiten. No foreign currency accepted, war die Devise. Nun gut. Wo gibt es den nächsten Cash-Wechsler, war unsere anschließende Frage. Die etwas korpulente und vollbußige BURS-Abfertigungslady zeigte mit ausgestrecktem Arm und langem Zeigefinger Richtung Osten. Hinter dem weißen Rolltor befände sich eine Wechselstube, bei der wir die gängigsten Währungen wechseln könnten. Alles quasi gut bis zu diesem Augenblick. Einer von uns, und das war ich, machte sich frohen Mutes per pedes auf den Weg hinter das weißgestrichene Metallgatter, um die Grenzbankfiliale aufzusuchen. Doch schon nach einigen Metern mußte ich mich ergeben. Kein Gebäude, das einer, auch noch so kleingeratenen Kreditinstitutaußenstelle hätte darstellen können. Stattdessen viel Natur und dann rechter Hand eine Ansammlung aus in Backsteinen hochgezogener Gebäude. Ich schlug sodann umgehend meinen Schritt in diese Richtung ein, als mir die Aufforderung lauthals in den Rücken geschrien wurde, ich sollte die Hauptstraße nicht verlassen und nur nach links schauen, dort befände sich die Valutentauschbörse, die Deutsch Marks und Dollars – Dankeschön, Tina Turner, Gott hab Dich selig, für diesen Ausdruck - entgegen nehmen würde. Ich folgte den geographischen Anweisungen der hinter dem weißen Gatter unter großen Bäumen im Schatten sitzenden Grenzbediensteten mit botswananischer Gehaltsabrechnung und folgte dem Asphaltband immer nach links schauend. Nach einigen Schritten erblickte ich zwei Gebäude. Das eine klein, das andere etwas größerer Art. Ich entschied mich für das baulich imposantere Häuschen, doch nix da, da war alles verrammelt. Also ein paar Meter weiter gedackelt und ich fand mich vor einer Art Hütte, die von der Größe her eher ein Stilles Häuschen hätte sein können. Die Tür stand sperrangelweit offen und ich trat in den Mikrokosmos eines Mikroräumchens. Außer der Eingangstür gab es noch ein mit ordentlich metallenen Gitterstäben ausstaffiertes Fenster ohne Glasscheibe. Mein Blick durch dieses ergab erst einmal nix. Dann, meine Augen zum zweiten Anlauf zusammengekniffen, erblickte ich in diesem, taxiert maximal 1,5 x 1,5 m großen Räumchen eine junge Frau, die quasi unterhalb des im Inneren ihres Kabuffs befindlichen Kundentresens irgendwas rührte. Bei meinem anschließend ausgesprochenem Good morning erschrak das magere Frauchen, schaute mich mit Pandaaugen an und schwieg. Meine freundliche Frage, ob ich hier Euro in Regen-Botswana-Pula wechseln könnte wurde mit einem großen Schweigen und einer Handbewegung beantwortet. Meine Fresse, dachte ich, auch die ist taubstumm, welch Glück. Ich folgte der Hand und erblickte eine Tafel mit darauf befindlichen Fremdwährungswechselkursen, wobei jetzt die Verwendung des Plurals zu Mißverständnissen führen könnte, denn von den vielen gängigen Währungen der Welt fanden sich nur zwei auf dem Schreibbord wieder: Rand und namibische Dollar.

Um keine weiteren gegenseitigen Peinlichkeiten aufkommen zu lassen, zog ich aus meinem Geldbeutel 1000 Rand. Dies reichte, um das erwachsene Mädchen aufstehen zu lassen, einen Taschenrechner aus dem Nichts hervorzuholen, einen Blick auf den Gitterfenstertresen mit den 1000 Rand zu werfen, und wild auf dem Rechenapparat los zu tippen. Ich war froh, daß die junge, scheinbar aus der Provinz stammende Dame nicht großen Wert auf Outfit und Manicure legte, denn sie schnappte sich die südafrikanischen Bankscheine, ohne mit langen, mit Perlmut oder billigen Glitzersteinchen gespickten Fingernägeln ausstaffiert zu sein. Oftmals hat man es in solchen Bankgeschäftsetablissements ja mit Damen in eng anliegendem Tailleur zu tun, die ihre Fingernägel in Edward mit den Scherenhänden gleiche Krallen verwandeln. Und da muß man dann aufpassen und schnell seine eigene Hand zurückziehen, sonst läuft man Gefahr, daß das künstlerisch verzierte Frauenfingernagelhorn zwischen den Sehnen der eigenen Hande endet.
Es folgte ein langes und lautes Tippern auf dem Casio-8oer-Jahre-Modell-Taschenrechner, dessen Zifferndisplay mir dann vor die Augen gehalten wurde. Einen Blick auf das Dashbord mit den heutigen, gültigen Wechselkurse schmeißend, erfuhr ich, daß sich die Bankfilialjungmanagerin vertan haben mußte. Der mit Edding-Stift angeschlagene Wechselkurs ZAR -> BWP war eindeutig nicht aktuell. Darauf von mir aufmerksam gemacht, bedachte mich die Finanzjongleurin mit einem bösen Blick und fuhr fort, zahlreiche Papiere mit Kugelschreibermine zu beschriften. Am Ende des administrativen Tauschaktes verlangte die Gute von mir meinen Reisepass, zog diesen mit schnellen Fingern unter der mit den Metallstäben ausgestatten Öffnung zu sich und füllte mit langsamer Akribie einen weiteren, scheinbar notwendigen Bargeldwechselwisch aus. Wortlos, wenn hätte es gewundert, wäre es anders gewesen, wurde mir von ihr sowohl mein Reisepass als auch dieser Fetzen ausgefüllten Papiers zur Unterzeichnung letzterem zugeschoben. Ich tat, wie von mir nonverbal verlangt und schubste den Zettel anschließend mit spitzen Fingern zurück; im Gegenzug erhielt ich von der Frauenzimmer hinter dem westernfilmtauglichen Gitter das zuvor von ihr mehrfach durchgezählte Geldscheinbündel, wobei die mir überlassene Quantität an Pulascheinen aufgrund einer zweifelsohne unkorrekten Anwendung der nicht aktuellen Buy- und Sell-Kurse seitens der Wechselstubenbediensteten wertmengenmäßig nicht in Korrespondenz mit dem von mir vorgelegten Randgeldnoten stand. Unweigerlich stand für mich aber fest, daß mit der stummen Valutenlady ein Geradebiegen des offensichtlichen Finanztransaktionsfehlers kein Gut-Pula-Rand-Essen gewesen wäre und so verließ ich mit viel zu vielen Pula den Wechselkabuff und kehrte zu unserem Wagen zurück.
Schon beim Durchgehen durch das große weiße Vetärinärgrenzkontrollschiebetor sah und hörte ich das neben unserem Auto versammelte Grüppchen fröhlich lachen. Ich gesellte mich zu der kleinen Menschenansammlung, die neben meinem Reisepartner aus der großbusigen BURS-Dame mit den nicht funktionierenden POS-Zahlungsgeräten, zwei anderen jungen, hübschen Grenzpostenbeamtinnen und einem weiteren, offensichtlich im Öffentlichen Staatsdienst angestellten jungen Mann, so schloß ich zumindest aufgrund des auf dem Oberarmärmelteil seines dicken, dunkelblauen Wollpullovers nähtechnisch applizierten offiziellen Staatswappenwimpels. Die weiblichen Personen des Pulks folgten mit offensichtlich großem Interesse den Ausführungen meines Reisepartners betreffend des antiken Lasagne-Rezeptes seiner Mutter, ihres Zeichens Schwester des zuvor genannten Onkel Ninis, wobei die anwesenden Damen zunächst ihre Schwierigkeiten damit hatten zu verstehen, von welchem Nudelteigplattiergerät die Rede war. Zu des Rätsels Auflösung trug glücklicherweise Google bei, denn das Smartphone des jungen männlichen Staatsdieners wurde mit einem aufgerufenen Foto einer Pastahandleiermaschine herumgereicht. Ohne den US-amerikanischen Konzern würden wir vermutlich noch heute am Grenzschlagbaum sitzen und uns in Beschreibungen von Lasagnenudelplattenherstellung unter Anwendung eines metallenen Drehapparates, welcher, so ließ uns Google auch wissen, selbst in Italien als Pasta Maker vermarktet wird, üben. Nachdem auch die Zusammensetzung der für die Lasagne-Soße notwendig zur Hand habenden Zutaten und deren rezeptorische Verarbeitungsprozesse eingehen erörtert und auf die Verweildauer des Lasagne-Rohlings bis zu seiner endgültigen Fertigstellung im Ofenrohr samt dessen maximaler Backtemperatur ausdrücklich hingewiesen wurden, meinte der wimpelbestückte Herr, daß er nun Hunger bekommen hätte; dieser Aussage schloß ich mich an. Die lebhafte Unterhaltung machte dann noch einen Schwenk zu wie wunderschön wir doch Botswana finden und wir deshalb immer wieder gerne hier her zurückkehren. Trotz daß sich mittlerweile zwei weitere Fahrzeuge vor dem schlichten Gebäude des Borderpostens abgeparkt hatten und die Insassen dieser Autos schnellen Schrittes und mit eindeutigen Zeichen eines ambitionierten Grenzübertritts im Inneren des langgestreckten Bauwerks verschwanden, ließ es sich die mit großer Oberweite ausgestatte BURS-Verantwortliche nicht nehmen, uns noch den Tuli Block als besonderes Reiseziel in Botswana zu empfehlen, denn sie kenne diese, für Botswana ungewöhnlich „gebirgige“ Gegend sehr gut, da sie am Grenzübertritt Pont Drift eine Zeit Dienst schob. Eine enttäuschte Mine legte sich dann auf ihr Gesicht, als wir ihr erzählten, schon 2012 im Tuli Blockgewesen zu sein und sogar in Ponts Drift grenzübertrittstechnisch von Botswana nach Südafrika durch den trockenen Limpopo rübermachten. Darauf fing sie laut zu lachen an und meinte, wir würden wohl Botswana besser kennen, als dessen eigene Bewohner. Mit dieser Aussage lag sie, unseres Erachtens nach, vermutlich nicht ganz falsch.
Nun wollten wir auch weiter unseres Weges, deshalb unterbrachen wir sanft die angenehme und lustige Unterhaltung, marschierten mit der obenrum großzügig ausgestatteten BURS-Tussi in Ihren Bürotrakt und zahlten die noch fehlenden 20 BWP in cahs, steckten die uns dann überreichte Versicherungsurkunde ein und fuhren anschließend zur Veterinärkontrolle. Aus dem, in schlichtem Stil errichteten, weißen Betonhäuschen kam eine Frau mittleren Alters und bat um Öffnen des Wagens. Freundlichkeiten brauchten keinen ausgetauscht werden, da sie und ich uns ja schon wegen meines Ganges zur Valutentauschbörse zwei Mal gesehen und gegrüßt hatten und sie es war, die mir den Weg zur Wechselstube nachschrie. So öffneten wir die wagenrückseitige Tür und zogen auch unseren großen Kühlschrank links am Wagen aus seinem Verschlag. Die Kontrolleurin warf einen müden Blick ins Innere unserer Schlafwohnkabine und wendete sich dann der großen Fridge zu. Jetzt war diese aber so weit oben im Canopy eingebaut, daß ein Einblick in diese nur Personen mit einer Körpergröße von mindesten 1,85 m möglich war. Deshalb holten wir fluchs unseren Plastiktritthocker hervor, die Dame stieg drauf und der Kontrollvorgang konnte fortgesetzt werden. Fleischiges und Gemüsiges hatten wir keines mehr und so erblickte die zur Inspektion angestellte Staatsbedienstete nur auf gut gekühlte Savanna-, Weißwein-, Mineralwasser-, Fanta- und Colaflaschen sowie Tonic Water- und Bitter Lemon-Dosen. Ob der schon am frühen Vormittag herrschenden Bruthitze boten wir ihr eines der Erfrischungsgetränke an, welches sie aber zunächst ablehnte, doch dann schlußendlich dankend annahm.
Jetzt kann man vermutlich darüber diskutieren, ob unser Akt des Anbietens eines gekühlten, alkoholfreien Sprudelgetränkes an eine Staatsangestellte schon unter Korruption fällt oder nicht. Fakt war jedoch, daß wir überhaupt keinen Grund hatten, irgendeinen Bestechungsversuch zu begehen. Denn die angebrochene 2-Liter-Plastikflasche mit Milch sowie eine noch jungfräuliche Packung Cheddar-Käse waren ebenfalls öffentlich im Kühlschrank zur Schau gestellt und riefen keine Beanstandung seitens der Kontrolldame hervor. So rollten wir durch das weiße, weit offenstehende Schiebetor und waren endlich da: Finalmente Botswana.
In Shakawe sollten wir dann unsere Bargeldbestände auffüllen und ein paar frische Lebensmittel für den heutigen Tag und Abend besorgen, bevor wir zu Drotsky’s Cabins weiterfuhren. Dies erledigt, führte uns ein kurzer sandiger Weg von der asphaltierten A35 zur Herberge; dort parkten wir uns im Schatten vor dem imposanten, offen gehaltenen Hauptgebäude ab. Einmal die Treppe hochgelaufen, befanden wir uns in einem, mit dunklem Holz errichteten Open Space-Raum enormen Ausmaßes, erledigten das Check-Inn-Prozedere und warfen einen Blick auf den rückseitig, zum Okavango sich entfaltenden Garten… nein, eher Park, dessen Gras so perfekt unterhalten war, daß in Wales oder Yorkshire sich so mach Gartenbesitzer hätte drei Scheiben abschneiden können. Alles war wie aus dem Bilderbuch: Das Lodgehauptgebäude architektonisch sehr, sehr ansprechend, mit geschmackvollem, im Gesamtkontext des Anwesens stehenden Mobiliar ausgestattet und wirklich alles übersauber. Unsere Nachfrage, ob wir denn noch einen Toast oder ähnlich Kleines erhalten könnten, wurde leider negativ beschieden und so machten wir uns zu der uns zugewiesenen Campsite. Hierzu mußten wir vom Hauptgebäude wieder etwas zurück Richtung A35, um dann gleich scharf links abzubiegen und durch eine Art subtropischen Wald zu fahren.
Wir hatten die vorletzte Campsite zugeordnet bekommen. Diese, über dem Ufer des Okavangos gelegen, war gelinde gesagt riesengroß und trotz der vielen Bäume drang viel Licht auf den Stellplatz, komplett anders als auf der Mahangu Safari Lodge… Wir suchten eine, von uns als günstig erachtete Parkposition, begannen unser Campingmobiliar aus dem Wagen zu holen und bereiteten anschließend ein leichtes Mittagessen zu. Nun waren unsere Knurrmägen befriedet und nach einer kleinen Kabelsteckerreparatur machten wir uns auf den Weg zurück zum Hauptlodgegebäude, um nach einem spätnachmittäglichem Bootsausflug nachzufragen.


Dort angekommen, wendeten wir uns an eine hellhäutige Dame fortgeschrittenen Alters, die sich mit Eileen vorstellte (so glaube ich mich zu erinnern). Ja, ein Boat Trip heute Nachmittag wäre möglich, der Preis würde 340 BWP pro Stunde und 200 BWP für die hierzu benötigten 10 Liter Kraftstoff kosten. Wir wurden handelseinig, machten den Deal klar und anschließend erzählt Eileen, daß sie deutsche Wurzeln hat, ihre Vorfahren zu Kaiser Wilhelms und Bismarcks Zeiten ans Kap zogen und der Urvater dabei als Arzt in Diensten stand; dann irgendwann im Laufe der Zeit ist die Familie im damaligen Betschuanaland aufgewallt und dort auch geblieben.
Wir machten ihr unsere aufrichtigsten Aufwartungen hinsichtlich des wunderschönen, parkähnlichen, extrem gepflegten Geländes und den adretten festen Unterkünften und natürlich der großzügigen Campsites mit dazugehörigen blitzeblanken Toiletten- und Duschhäuschen. Eileen wies uns anschließend noch daraufhin, daß sich am heutigen Nachmittag eine Gesellschaft aus dem nahen Shakawe zu einem legeren Zusammentreffen auf dem Gelände angesagt hätte.

Jetzt mußten wir uns erst einmal im zwischen Hauptgebäude und Okavangoufer befindlichen Swimming Pool die Hitze vom Leib fegen. Erfrischt kehrten wir dann zu unserem Campplatz zurück und vertrieben uns die Zeit mit Lesen. Während unsere Nasen in einem dicken Buch und einem E-Reader steckten, suchte uns ein älterer Herr auf, um uns ebenfalls über die zu erwartenden Shakawe-Gäste und einer etwaig damit in Zusammenhang stehenden Möglichkeit von ungewöhnlicher Lärmemission zu informieren. Mein Gott, was war man beflissen gewesen, uns auf diese, nicht aus der Ferne anreisenden Tagesbesucher der Anlage mehr als gebührend in zu Kenntnis zu setzten. Oder sollte hinter dem zweiten Avis sich eine zeitlich antizipierte Entschuldigung für eine eventuell unschön ausufernde Feier einer vielleicht allseits als randalierend bekannten, ortsansässigen Rabaukengroßfamilie mafiöser Art stecken? So unsere Gedanken.
Als wir dann überpünktlich an dem bei den Campsites befindlichen Bootsanleger für den Start unseres Bootsausfluges ankamen, trafen wir auf die genannte große Gruppe an Gästen. Diese machte uns aber gar nicht den Anschein, als mochte sie sich negativ auffallend verhalten; eher das Gegenteil war der Fall. Vor uns präsentierte sich die Hautevolee Shakawes. Die Damen alle in stilvollen, blütenweißen Kleidern und Röcken steckend, auf hochhackigen Absätzen balancierend und mit großen mondänen Sonnenbrillen ausgestattet. Die Herren der feinen Gesellschaft hingegen in meist hellblauen Hemden und eleganten dunkelblauen Anzügen, wobei die Hosenbeine dem heutigen Modetrend entsprechend eng geschnitten waren und die Beinkleider mit nicht gerade billig aussehenden mittelbraunen Ledergürteln fest an den Hüften gehalten waren; dazu geschmackvolles, ebenfalls in Tonalität der Gürtel gehaltenes Schuhwerk.
Die mitgebrachte Kinderschar zeigte in schickem, modischen zeitgenössischem Kidsgewand. Es wurde herzlichst gelacht, lebhaft geplaudert, doch nicht lautstark, an Prosecco-Gläsern genippt und Fotos geschossen. Wir freuten uns für das große Grüppchen und stiegen zu unserer Individualtour ins Boot. Zunächst ging es langsam schippernd den Okavango hoch, am Lodgehauptgebäude mit dem dortigen Bootsanleger vorbei. Am steilen Uferrand links erhaschten dann wir einen Blick auf einen King Fisher und weiter ging es flußaufwärts. Zu unserer Rechten saßen reihenweise Schlangenhalsvögel auf abgestorbenen, großen Bäumen und genossen die letzten Augenblicke der Sonne.

Irgendwann lenkte unser Bootskapitän die Barkasse nach rechts in einen der vielen Arme des Okavangos und bremste abrupt ab; fast wären uns unsere Sonnenbrillen von den Nasen gefallen. Vor uns lag ein viele Meter langes Krokodil gemächlich vor einem Grasinselchen und inspizierte mit wachen Augen sämtliche Ecken des hinter dem kleinen Eiland hervorlaufenden Flußwassers. Ab und an hob der Riesenkaiman etwas den Oberkiefer und zeigte uns so eine lange Reihe an weißen Todeshauern. Der Kerl war bestimmt so groß wie unser Boot lang war. #
Die Geschwindigkeit des Flußwassers in den kleinen Armen den Okavangos war viel höher als die des Hauptflußteils und deshalb hatte unser Bootsführer ziemliche Mühe, unseren Kahn gegen die Wasserfließrichtung zurück zum Hauptfluß zu bringen. Mittlerweile war die Sonne hinter den Bäumen verschwunden und auch die Schlangenhalsvögel hatten bereits das Weite gesucht.
Im hohen Schilf zu unserer Linken präsentierten sich uns dann eine große Gesellschaft an Bee Eater; leider war das Tageslicht für unsere Kameraausrüstung nicht mehr geeignet, ein paar Fotos von diesen putzigen und bunten Federtierchen zu schießen.
Nach guter eineinviertel Stunde bugsierte unser Tourguide das Boot an die kleine Mole und wir uns anschließend zu unserem Stellplatz. Die Bootstour empfanden wir jetzt als ok, aber nicht uns vom Hocker werfend. Von den vielbesagten tollen Vögelsichtungsmöglichkeiten, die man bei Drotsky haben kann, konnten wir nicht profitieren. Aber das ist ebenso, daß man am richtigen Ort zur richtigen Zeit sein und auch immer ein Quäntchen Glück auf seiner Seite haben muß – wir waren also vermutlich zwar am richtigen Ort, aber zur falschen Zeit und von Fortuna nicht wirklich mit Wohlwollen bedacht. Amen.
In Dunkelheit stolperten wir zu unserem Auto und begannen mit unseren Abendessenpräparationen. Zum Grillgut reichten wir uns einen Avocado-Tomaten-Knoblauch-Salat und spülten unsere Gurgeln mit einem ordentlich gut gekühlten Weißwein, bevor wir mit Abwasch und Unter-die-Dusche-Hüpfen den Tag beendeten.