KOkonusThemenstarter37 Beiträge · seit 202115. Juni 2022 · #1Wir haben dieses Frühjahr unseren Sohn in Omaruru besucht, wo er aktuell ein Freiwilligendienst im dortigen Kinderheim Oraruru Childrens Haven ableistet. In
meinem Bericht dazu kam die Bitte auf: "
Könntest du mir/uns berichten wie dein Sohn zu seinem Einsatz dort gekommen ist und was es gekostet hat?".
Mein Sohn hat seinen Freiwilligendienst über die "
Freunde der Erziehungskunst Rudolph-Steiners e.V." aus Karlsruhe organisiert. Dies ist eine anerkannte Entsendeorganisation für das
weltwärts Programm, welches vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert wird.
Die
Freunde helfen bei der Auswahl einer Einsatzstelle, bei der Organisation der Formalitäten (Visum, Versicherung usw.), bereiten die Jugendlichen auf ihren Einsatz mit Seminaren vor und betreuen sie während des Einsatzes. Durch die Förderung vom BMZ wird ein Teil der Kosten gedeckt, trotzdem sollte mein Sohn Eigenmittel in Höhe von ca.
3.400 Euro über Sponsoren einwerben (das ist ihm auch gelungen, wäre aber kein Ausschlusskriterium gewesen, wenn er es nicht ganz geschafft hätte).
Vor Ort erhält er Unterkunft und Verpflegung, sowie über das weltwärts-Programm ein Taschengeld in Höhe von
100€. Dazu überweisen wir ihm sein
Kindergeld. Für das Leben vor Ort ist es aufgrund der Preissteigerungen der letzten Jahr gerade so ausreichend. Für zusätzliche Reisen durchs Land reichte es aber nicht, dafür hat er seine Ersparnisse geplündert.
CACatchme7851 Beiträge · seit 202215. Juni 2022 · #2Vielen Dank, ich finde das total interessant, mein Großer macht nächstes Jahr Abitur und aktuell sammeln wir Informationen für das "danach"
Fühlt sich dein Sohn wohl? Wird er menschlich gut umsorgt? Oder bereut er die Entscheidung? Wie lang geht sowas, ein ganzes Jahr?
Hätte er denn die Möglichkeit eher abzubrechen, wenn etwas nicht passt?
Dieser Freundeskreis gehört zu Waldorf oder? Ich habe zumindest schon darüber gelesen.
Dankeschön!
SCSchermski29 Beiträge · seit 201916. Juni 2022 · #3Guten Morgen Konus, vielen Dank für deine Antwort. Sollte euer Sohn mal was über seine Arbeit berichten, vielleicht möchtest du, wenn er einverstanden ist, diese Infos mit uns teilen. Das wäre echt interessant. Ich finde es gut auch solche Eindrücke aus Namibia zu bekommen.
Wünsche einen schönen Tag, passt gut auf euch auf, es soll sehr heiß werden 😎
KOkonusThemenstarter37 Beiträge · seit 202118. Juni 2022 · #4Oh, viele Fragen 🙂
Ich denke, aktuell fühlt sich mein Sohn sehr wohl und der Abschied wird ihm bestimmt extrem schwer fallen. Das scheint aber nicht nur ihm so zu gehen, denn gefühlt kommt jeden Monat irgendeine ehemalige Freiwillige im Kinderheim zu Besuch. Die können alle nicht so recht loslassen 🙂
Das war nicht immer so. Der Kulturschock am Anfang war heftig. Mein Sohn ist dort alleine als erster Freiwilliger nach Corona angekommen und war sofort eine Woche lang heftigst krank. Alleine, in einem fremden Land, in einem kaltem, kahlen Zimmer krank im Bett zu liegen, ist hart gewesen.
Auch danach gab es immer mal wieder schwierige Zeiten. Dadurch, dass er z.B. direkt im Kinderheim wohnt, fehlte Ihm manchmal der Abstand und Rückzugsort - er hat eigentlich nie Feierabend. Auch die Möglichkeiten, mal unter der Woche raus zu kommen, sind dort begrenzt. Die Erlebnisse im Kinderheim selbst sind nicht immer leicht gewesen: Disziplinprobleme, Trauer, Kinder die aus häuslicher Gewalt gekommen sind und wieder dahin zurück mussten und die Begrenztheit der eigenen Handlungsoptionen, Meinungsverschiedenheiten usw.
Dafür hat er dann die Ferien genutzt, um umherzureisen. - Aktuell ist er für eine Woche in Kapstadt. - es sind nur 20h mit dem Bus von Windhoek aus 🙂
Ja, die Entsendeorganisation "Freunde..." kommt aus dem Waldorf Umfeld. Wir selbst hatten mit Waldorf bisher recht wenig direkte Berührungspunkte, aber was mein Sohn berichtet hat, ist menschlich sehr angenehm gewesen. Es gab mehrere Vortreffen und ein intensives Vorbereitungsseminar - durch Corona alles etwas eingeschränkt.
Die Einsatzorte und Aufgaben der Plätze über die Freunde sind sehr breit gefächert. Ein Freund von Ihm war ein Jahr eher in einem Behindertenheim in Kanada als Betreuer. Mein Sohn wollte aber unbedingt etwas mit Kinder machen. Es hat ihm dabei geholfen, dass er schon vorher viel Erfahrung in der Kinderbetreuung hatte, er war schon seit Jahren über die Gemeinde in Kinder- und Jugendfreizeiten als Betreuer unterwegs und hatte auch einige Ausbildungen (z.B. Juleica) gemacht.
Mein Sohn ist im Kinderheim mit zwei anderen Freiwilligen für die Hausaufgabenbetreuung und für die Freizeitgestaltung zuständig.
Eigentlich gibt es im Kinderheim bis zu 5 Freiwilligenplätze. In Omaruru gibt es mit TWT auch noch eine weitere Hilfsorganisation, die eng mit dem Kinderheim zusammenarbeitet. Deren Freiwilligen-Plätze werden ab diesem Jahr auch über die Freunde vergeben. Dort sind die Aufgaben auch überwiegend Hausaufgabenzeit und Mitarbeit im Kindergarten.
Während des Einsatzes gibt es eine Ansprechpartnerin bei den Freunden. Diese war auch zum Zwischenseminar in Namibia und hat ihm Tipps gegeben.
Vermutlich hätte er im äußersten Notfall auch abbrechen können oder vielleicht sogar einen anderen Einsatzort in Namibia finden. Wir sind aber froh, dass er sich durchgebissen hat.
Ich denke, rückwirkend hat er die Entscheidung nicht bereut und ist daran stark gereift: Er ist als Jugendlicher weggefahren und kommt als Erwachsener zurück.
CACatchme7851 Beiträge · seit 202219. Juni 2022 · #5Dankeschön für die Infos. 🙂 Mal sehen, wie unser Weg sein wird.
REReisemaus1'003 Beiträge · seit 200819. Juni 2022 · #6Hallo Konus,
Vielen Dank, für die vielen Informationen, denke das hilft einigen, die darüber nachdenken.
Mein Respekt für Deinen Sohn! Ich finde es beeindruckend und es wird ihn bestimmt fürs Leben prägen.
Zum Glück sind die Freiwilligeneinsätzen mit weltwärts jetzt endlich wieder möglich. Eine tolle Möglichkeit für die Abiturienten. Ich kenne einige, die 2020 wegen Corona wieder zurück nach Deutschland müssten und trotzdem schon viel mitgenommen hatten.
Auch Eure Familienreise fand ich auch toll. Es sind Erlebnisse, an die Ihr Euch immer wieder erinnern werdet!
Viele Grüße
Doro
SCSchermski29 Beiträge · seit 201919. Juni 2022 · #7Einen schönen Sonntag zusammen,
vielen Dank Konus für die Informationen über die Erfahrungen die dein Sohn in seinem Freiwilligendienst gemacht hat. Es freut mich sehr, dass es für ihn ein Erfolg ist. Freiwillige soziale Dienste sind meistens sehr prägend für junge Menschen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich oft nicht weiß was unsere jungen Menschen für die jeweilige Arbeit im Ausland besser qualifiziert als die jungen Menschen Vorort. Aber ich habe keinerlei Erfahrung in diesem Bereich, also ist mein 'Bauchgefühl' einfach nur ein Gefühl.
Ich würde wirklich sehr gerne auch ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland machen, allerdings als Senior Freiwillige 😉, aber irgendwie habe ich noch keinen Platz gefunden, der nicht auch einen Einheimischen ausgefüllt werden könnte der dann seinen Lebensunterhalt davon bestreiten kann. Viel zu überlegen 😕
Liebe Grüße Schermski
KOkonusThemenstarter37 Beiträge · seit 202119. Juni 2022 · #8Hallo Schermski,
ich finde es toll, dass du Zeit, Geld und Energie investieren willst, um anderen zu helfen. Ich selbst kenne nur die beiden Hilfsprojekte im Omaruru. Im Kinderheim geht das vermutlich nicht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass du bei
TWT (Together we travel bzw. Miteinander neue Wege gehen) willkommen wärst. Wir haben die lokale Ansprechpartnerin Karin bei einem Kaffee kennen gelernt und ich war sehr beeindruckt von Ihrer Energie und Entschlossenheit, mit welcher sie versucht, die Dinge zum Besseren zu bewegen. Der Träger des Vereins ist auch aus Deuschland (siehe
Webseite), Karin selbst in eine weiße Namibianerin und spricht ein sehr sauberes und gebildetes Englisch - aber kein Deutsch.
Ein Problem wird das
Visum werden. Das normale Touristenvisum, welches man bei der Einreise bekommt, ist nur für
90 Tage/ ca. drei Monate gültig. Mein Sohn hatte ein anderes Visum, welches aber sehr aufwendig zu beantragen war, eine mehrmonatige Bearbeitungszeit hatte und nun für 12 Monate gültig ist. Ich vermute, du brauchst ein "Work permit" und das ist wohl extrem schwer erhältlich. Du kannst so ein Visum auch nicht vor Ort beantragen, sondern nur zwingend vor der Einreise. Solltest du dazu mehr erfahren, würde mich das auch interessieren.
BOBotswanadreams1'734 Beiträge · seit 201019. Juni 2022 · #9Hallo Konus
Ich selbst war 2009 für drei Monate in Südafrika in einem Projekt, dass "weltwärts" Studenten hatte. Ich bin mit sehr zwiespältigen Gedanken zurück gekehrt. Zum einen finde ich absolut begrüssenswert, dass Dein Sohn voll beschäftigt ist, da ich die Erfahrung machen musste, dass wenn man zu viel Zeit investiert, um zu reisen, das Ziel völlig in den Hintergrund gerät. 100 € plus das deutsche Kindergeld sind schon eine gewaltige Summe, als Taschengeld für Namibia. Wer hat schon pro Person mehr als 300 € in Namibia zur Verfügung für ein Bier am Abend, ein Stück Fleisch zusätzlich auf dem Grill oder ein paar Süssigkeiten. Kost und Unterkunft sind ja frei. Ein Grossteil muss von diesem Taschengeld eine ganze Familie ernähren. Für mich ist leider das Motto von "weltwärts" etwas verfehlt. Unsere jungen Menschen sollen zuerst soziale Kompetenzen aufbauen, die tatsächliche Hilfe für Entwicklungsländer ist dabei zweitrangig. Ich finde das wirklich schade.
Nichts für ungut. Ich war 52 Jahre, als ich einen etwas tieferen Einblick in das Programm hatte. Sicher kommt es immer auf das Management vor Ort an.
LG
Christa
KOkonusThemenstarter37 Beiträge · seit 202119. Juni 2022 · #10Hallo Christa,
ja ich stimme dir zu, das Thema ist nicht einfach zu bewerten. Ich kann da kein Urteil fällen, wir waren nur drei Tage zu Gast.
Gruß Konus
REReisemaus1'003 Beiträge · seit 200819. Juni 2022 · #11Hallo Schermski,
Ich weiss, dass die Ombili Stiftung in Namibia auch sehr gerne „alte“ Freiwillige nimmt, für 3 Monate, oder auch länger. Viel Erfolg!
Viele Grüße
Doro
SCSchermski29 Beiträge · seit 201928. Juni 2022 · #12Hallo zusammen,
vielen Dank für eure Gedanken und Anregungen. Bitte etnschuldigt meine späte Antwort. Krank 😠
Auf meine persönlichen sozialen Dienste im Ausland muss ich noch etwas warten, ich bin noch nicht in Rente/Pension. Wird aber schon werden 😉
Ich werde mir die genannten Projekte im Internet anschauen. Im geplanten Urlaub in Namibia (10/11.2022) möchte ich mir ein Projekt in Katatura und eines in Hoachanas vor Ort ansehen. Hoffe es klappt.
Einen schönen Tag, viele Grüße aus Franken Schermski