Altkleiderspenden sinnvoll?

15 Antworten · 3'888 Aufrufe · gestartet 01. Feb. 2022 von freshy
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Themenstarter3'882 Beiträge · seit 201101. Feb. 2022 · #1
Schon vor 30 Jahren berichtete meine Schwester aus ihrem einjährigen Aufenthalt durch verschiedene afrikanische Länder, dass die Märkte mit europäischen Kleiderspenden geflutet würden. Gleichzeitig verschwänden afrikanische Stoffe und regional genähte Kleidungsstücke und die Schneidereien verlören ihre Arbeit.
Da stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit. Mir kommt das vor wie eine Kleidermüllentsorgung.

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Afrika-aechzt-unter-Altkleiderspenden-article23096957.html

🙁 freshy
21 Beiträge · seit 202201. Feb. 2022 · #2
Ja, diesen Bericht habe ich auch gerade gelesen und nicht das erste Mal.
Das ist schon traurig. Da will man kaum noch was in diese Tonnen schmeißen.
Export von Müll finde sollte eh verboten werden. Wir haben hier doch bessere Möglichkeiten der
Entsorgung/Lagerung. Dann wird es halt teurer. Vielleicht sollten dann diese Kosten auf diese Billigklamotten drauf geschlagen werden!
Ich muss doch nicht jedes Jahr meinen Klamottenschrank auswechseln 😣

LG
Dirk
857 Beiträge · seit 201401. Feb. 2022 · #3
Hallo Freshy, leider wahr.. zumindest dieser Export von Kleidung schafft nicht nur Müll, sondern hat auch über Jahrzehnte die traditionelle Wirtschaft um die Kleidung angeschlagen.. was jetzt noch aus China kommt, erledigt den Rest.. das ist eines der vielen Beispiele in der "Entwicklungshilfe" für "gut gedacht, schlecht gemacht" oder "gut gemeint ist die Schwester von Kaputtgemacht"..
Wir haben für unseren Verein in unseren Containern Kinderkleidung, die gesammelt war,beigepackt, und konnten damit direkt an die Kinder in der Location was geben, wenn akut Bedarf bestand.. selbst das war eigentlich nicht ideal, wir geben lieber Geldmittel (für Schuluniformen, Unterwäsche, das ist vom Vereinszweck gedeckt), dass die etwas kaufen.. bringt mehr Geld ins Land und in Umlauf...
Viele Grüße
Alex
7'275 Beiträge · seit 200601. Feb. 2022 · #4
Lampropeltis69 schrieb:
Das ist schon traurig. Da will man kaum noch was in diese Tonnen schmeißen.
Export von Müll finde sollte eh verboten werden.

Wir haben auch aus 'Japan und Europa über Jahrzehnte unsere Schrottautos nach Afrika exportiert. Die meisten Länder haben das kapiert und erlauben die Erstzulassung in Afrika von Autos ab einem bestimmten Alter (meist acht Jahre) inzwischen nicht mehr.

Auch Elektroschrott landet oft in Afrika. Googelt mal nach "Agbogbloshie" in Accra (Ghana), der größten Elektroschrott-Müllkippe. Dort landet containerweise Elektroschrott aus Deutschland. Oft werden die Geräte bei Einbrüchen in Wertstoffhöfen entwendet und illegal nach Afrika gebracht. Was noch funktioniert, wird dort noch von Händlern verkauft. Was kaputt ist und sich nicht mehr reparieren lässt, landet in Agbogbloshie. Dort werden Platinen meist von Kindern auseinandergelötet. Die dabei entstehenden giftigen Dämpfe werde ohne Schutz eingeatmet. Viele Kinder sind mit 10 oder 12 Jahren schon lungenkrank.

Unser Plastikmüll landet frachtschiffweise in diversen asiatischen Ländern. Was verwertbar ist, wird recyclet, der Rest landet im Meer.

Und auch, was kein Müll ist, ruiniert die afrikanische Wirtschaft. Hühnereier aus europäischen Legebatterien sind trotz des Transports billiger als die in Afrika von meist Kleinbauern verkauften Eier. Viele werden ihre Eier deshalb schon nicht mehr los. Die Menschen müssen sich eine andere Verdienstquelle suchen ...

Gruß
Wolfgang
857 Beiträge · seit 201401. Feb. 2022 · #5
Stimmt, Wolfgang, und wenn sich jemand (ein afrikanischer Staat) dagegen wehrt, dann droht die EU, sämtliche Blumenimporte zu blocken (Kenia war das glaube ich).
Viele Grüße
Alexander
7'275 Beiträge · seit 200601. Feb. 2022 · #6
Alex_Muc schrieb:Stimmt, Wolfgang, und wenn sich jemand (ein afrikanischer Staat) dagegen wehrt, dann droht die EU, sämtliche Blumenimporte zu blocken (Kenia war das glaube ich).

Das habe ich zwar nicht mitbekommen, aber Kenya würde passen. Die haben um den Lake Naivasha viele Gewächshäuser für Schnittblumen (Rosen, Tulpen) und fast alle gehen in die EU. Die Rückstände aus den Düngern schädigen übrigens auch sehr die Wasserqualität im See.

Gruß
Wolfgang
Gast02. Feb. 2022 · #7
Für folgend werde ich sicherlich gerügt werden.
Vor ein paar Jahren haben in einem westafrikanischen Staat (den ich vergessen habe) die einheimischen Händler wegen der sich an keine Regeln haltenden chinesischen Konkurrenz gemeutert, so dass die Regierung diese scharf einbremste. Nach ein paar Monaten musste das wieder zurück genommen werden, weil nun die Bevölkerung wegen Mangels an Allem meuterte. Das sagt eigentlich alles.

Das Dilemma besteht nämlich nicht nur wegen Kaputtmachens heimischer Produktions- und Handelsstrukturen durch "skrupellose fremde Mächte", sondern auch und vor allem wegen des Fehlens einer heimischen Produktion für viele Dinge des täglichen Bedarfs.
Und das vom Anfang an. Eigentlich hatten viele schwarzafrikanische Staaten wohl nie eine wirkliche Chance oder Voraussetzung zum Aufbau einer diversifizierten Volkswirtschaft, weil mit derart maroder und unterentwickelter Infrastruktur einfach nie etwas zeitgemäß und kostengünstig produziert werden konnte. Das Klein-Klein mit einfachster Technik funktionierte so recht und schlecht für die damals geringe Bevölkerungszahl, konnte aber nie von Dauer sein, wenn sich die Bevölkerungszahl alle 30 Jahre verdoppelt. Dazu kamen Jahrzehnte schlechter Regierungsführung, Korruption, Kriege und Instabilität, etc. Das Ausbleiben westlicher Investitionen im Güterbereich hatte Gründe.

Seitens der EU sind aber längst Mechanismen in Kraft gesetzt, nach denen sich geschädigte Länder gegen Überschwemmung mit Hühnerflügeln udgl. wehren können. Wenn diese nicht genützt werden, hat das andere Gründe.

Auch beim Handel sind Schwarzafrikaner längst selber „part oft he game“, indem sie selber nach China zu den großen Messen und Handelszentren fahren und dort direkt einkaufen, also nicht bei heimischen Produzenten, so überhaupt vorhanden.

Das mit der Drohung an Kenia bei Blumenimporten war glaube ich anlässlich der Verhandlungen zur Nachfolge des Cotonou-Abkommens und ist eine eigene Thematik und für die betroffenen Länder eine harte Nuss, weil Importzölle in Ländern mit großer „informeller“ Wirtschaft eine einfache und effiziente Form von Steuereinhebung sind.

Die “Weitergabe“ von gebrauchter Kleidung halte ich aber unbedingt für sinnvoll und ich finde es gut, dass sich immer mehr junge Leute bei uns nur mehr so einkleiden. Sie nennen das aber „vintage“ was viel besser klingt als gebraucht oder „second hand“ 😉 . Den armen Leuten ist es sowieso egal, wie das genannt wird. Abgestellt gehört der Export von textilem u. a. Müll und das wäre relativ einfach. Dieser gehört in die Müllverbrennung und/oder zum Recycling.
Zitierenzuletzt bearbeitet 02. Feb. 2022Original ↗
7'275 Beiträge · seit 200602. Feb. 2022 · #8
loser schrieb:
Das Klein-Klein mit einfachster Technik funktionierte so recht und schlecht für die damals geringe Bevölkerungszahl, konnte aber nie von Dauer sein, wenn sich die Bevölkerungszahl alle 30 Jahre verdoppelt. Dazu kamen Jahrzehnte schlechter Regierungsführung, Korruption, Kriege und Instabilität, etc. Das Ausbleiben westlicher Investitionen im Güterbereich hatte Gründe.

Ein Paradebeispiel dafür ist Zimbabwe. Von Mugabe runtergewirtschaftet bis zur völligen Armut, während Mugabe selbst als Multimilliardär gleichzeitig zu den reichsten Menschen der Welt gehörte.
Richtig skurril wurde es dann von 2006-2009 während der Hyperinflation. Um die Inflation zu bekämpfen, ließ Mugabe immer mehr Geld drucken. Für die Herstellung von Münzgeld war gar kein Geld mehr da. Wer noch Münzgeld besaß, gab es nicht mehr aus, da es zumindest noch einen Materialwert hatte.
So gab es Geldscheine zu einem Cent. Ich war 2006 nach der ersten Inflation im Land. Die alten 1.000-Dollar-Scheine wurden weiterhin verwendet, waren jetzt aber nur noch einen Dollar wert. Diese Abwertung um drei Nullen war jedoch nichts gegen die beiden nächsten Wellen der Inflation. Ich meine, insgesamt wurde der Zim$ um 23 Nullen abgewertet. Am Ende gab es einen 100 Trillion Dollar Schein und die Währung wurde ausgesetzt. Das Land hatte am Ende nur noch ein offizielles Staatsvermögen um die 200 US$ und nicht mal mehr das Geld, um Papier kaufen zu können, um darauf Geld zu drucken.
Geld verlor so schnell seinen Wert, dass ganze Bündel von Geldscheinen von Kindern als Bauklötze genutzt wurden.

Übernachtungspreise für Europäer waren damals zehnmal so hoch wie für Zimbabwer. Das war so vorgeschrieben. Gleichzeitig war der Wechselkurs auf der Bank zehnmal schlechter als auf dem Schwarzmarkt, wo der Tausch allerdings riskant war. Ich bin heute im Nachhinein der Meinung, dass ich in Zimbabwe komplett mit Falschgeld unterwegs war, denn die Barschecks, die ich im Umtausch bekam, sind im Standard Catalog of World Paper Money gar nicht aufgelistet. Sie sahen auch aus, als wären sie einfach auf einem Farbdrucker (einseitig) auf Fotopapier ausgedruckt. Da aber ständig neue Geldscheine, Barschecks, Tankgutscheine usw. herauskamen, blickte auch niemand mehr durch. Ich habe neun von diesen Dingern ausgegeben und den zehnten nach einem Umzug noch nicht wiedergefunden.

Ähnlich, wenn auch nicht so extrem, verhält es sich in vielen anderen Ländern auch.

Gruß
Wolfgang
Themenstarter3'882 Beiträge · seit 201102. Feb. 2022 · #9
loser schrieb:
Vor ein paar Jahren haben in einem westafrikanischen Staat (den ich vergessen habe) die einheimischen Händler wegen der sich an keine Regeln haltenden chinesischen Konkurrenz gemeutert, so dass die Regierung diese scharf einbremste. Nach ein paar Monaten musste das wieder zurück genommen werden, weil nun die Bevölkerung wegen Mangels an Allem meuterte. Das sagt eigentlich alles.
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Das Dilemma besteht nämlich nicht nur wegen Kaputtmachens heimischer Produktions- und Handelsstrukturen durch "skrupellose fremde Mächte", sondern auch und vor allem wegen des Fehlens einer heimischen Produktion für viele Dinge des täglichen Bedarfs.
Und das vom Anfang an. Eigentlich hatten viele schwarzafrikanische Staaten wohl nie eine wirkliche Chance oder Voraussetzung zum Aufbau einer diversifizierten Volkswirtschaft, weil mit derart maroder und unterentwickelter Infrastruktur einfach nie etwas zeitgemäß und kostengünstig produziert werden konnte.
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Die “Weitergabe“ von gebrauchter Kleidung halte ich aber unbedingt für sinnvoll und ich finde es gut, dass sich immer mehr junge Leute bei uns nur mehr so einkleiden. Sie nennen das aber „vintage“ was viel besser klingt als gebraucht oder „second hand“ 😉 . Den armen Leuten ist es sowieso egal, wie das genannt wird. Abgestellt gehört der Export von textilem u. a. Müll und das wäre relativ einfach. Dieser gehört in die Müllverbrennung und/oder zum Recycling.
Ich beziehe mich nur auf den Titel des Threads. Wie alles hat auch diese Medaille zwei Seiten, was sich für mich jedoch anhört, als ob die Schuld bei den Schwarzafrikanern zu suchen sei. Wenn ich an die Gespräche mit meiner Schwester zurückdenke, so erinnere ich mich, dass die regionalen Stoffhändler und Schneider bei den nach wenigen Jahren wiederholten Besuchen verschwunden waren. Sie fand keine Stoffe mehr, um sie zu Tischwäsche, Gardinen o.ä. verarbeiten zu lassen. Die entsprechenden Marktstände hatten solchen mit abgetragenen Textilien aus Europa usw. Platz gemacht. Wie in solchen Fällen auch bei uns, werden sich die Betreiber angepasst, andere Verdienstmöglichkeiten gesucht haben, sofern sie nicht arbeitslos geworden sind.

Komisch, dass wir ganz fix und auf Dauer in der Lage sind, die Hilflosigkeit in den afrikanischen Ländern auszunutzen, anstatt auf großer Basis Hilfe zur Selbsthilfe zu installieren. Glauben wir wirklich, dass wir die Guten sind? Da muss ich lachen! Leider müssen die einfachen Menschen in Afrika unsere marktpolitischen Interessen und Fehler ausbaden.

Es ist in meinen Augen ein großer Unterschied, ob wir gut erhaltene Kleidung an Secondhandläden weiterverkaufen oder selbst solche Kleidung tragen, was ich ebenfalls begrüße. Ober ob wir mit Ramschtextilien, die in die Tonne gehören, in Afrika Geschäfte machen. Beispiel labberige T-Shirts mit Werbeaufdruck! Das letztere hat nichts mit Nachhaltigkeit zu tun. Es ist demütigend für die afrikanischen Menschen sowie der sog. christlichen Nächstenliebe auf unseren Fahnen unwürdig.

Meint freshy
Zitierenzuletzt bearbeitet 02. Feb. 2022Original ↗
Gast03. Feb. 2022 · #11
Guten Tag Freshy, ich sehe das Zumüllen afrikanischer Märkte mit minderwertigen Schrottkleidern genauso kritisch wie du. Ein mindestens gleich großes Problem für einheimische Erzeuger sind aber auch Importe von billigster Neuware aus dem asiatischen Raum.
Ich habe daher nur etwas weiter ausgeholt, weil die Problematik weit über das Altkleiderthema hinausgeht. Man müsste (Welt)Handelsökonom (mit Spezialgebiet: Textil und Afrika) sein, um die Auf- und Abschwünge der Textil- und Bekleidungsfertigung in Afrika im Detail erklären zu können. Als z. B. die asiatischen Billigproduzenten in den 70er/80er Jahren vom europäischen und US-amerikanischen Markt durch Quoten und Zölle ausgesperrt waren, haben sie große Fertigungen in afrikanische Staaten verlagert (auch nach Namibia, was hier auch schon Thema war), weil diese Staaten auf diesen Märkten mit Quoten bevorzugt und geschützt waren. Nach der hauptsächlich von China durchgesetzten Marktöffnung in USA und in der WTO, hatten diese Umgehungskonstruktionen ihren Zweck und Wert verloren und wurden rasch wieder dicht gemacht. Ca. eine Viertelmillion Beschäftigte verloren ihre Arbeitsplätze.
Genaueres hier
https://www.un.org/africarenewal/magazine/april-2006/loss-textile-market-costs-african-jobs

Wenn die von dir geschilderten Stoffe vom Markt verschwunden sind, kann das aber auch bloß nur die gleichen Gründe haben, wie bei uns auch. Kleinstrukturierte Produktion und Handel wird von Massenware und -vertrieb aus dem Markt gedrängt und überlebte nur im Höchst- oder Niedrigstpreissegment. Das ist ein weltweites Phänomen.
Grüße, Werner
Gast03. Feb. 2022 · #12
freshy schrieb: Ich beziehe mich nur auf den Titel des Threads. Wie alles hat auch diese Medaille zwei Seiten, was sich für mich jedoch anhört, als ob die Schuld bei den Schwarzafrikanern zu suchen sei.
Ob „Schuld“, na ja? Selbstverständlich meine ich nicht, dass die Schwarzafrikaner Schuld an der Überschwemmung mit unserem Textilmüll haben. Ich hatte die unzureichende Eigenproduktion angesprochen. Man kann nämlich mit gutem Gewissen sagen, dass es afrikanischen Staaten nicht gelungen ist, wichtige Konsumwünsche und –erfordernisse ihrer Bevölkerung aus eigener Kraft (Produktion) zu bedienen. Zu Vieles muss importiert werden. Damit ist auch ein (Groß)Teil von Eigenstaatlichkeit futsch, weil die Devisen für den Konsumgüterimport für sie schwierig zu verdienen sind. Wie schon eingangs gesagt, sind die Gründe dafür mannigfaltig, mangelndes unternehmerisches Engagement im Aufstellen von Produktion für nachgefragte Produkte könnte aber schon auch eine Rolle spielen.
Ein Beispiel mit Österreichbezug.
Ab den 1960er Jahren etablierten sich Vorarlberger (!) Stickereien am nigerianischen Markt mit farbenprächtigen Stoffen mit floralen Mustern und Spitzenprodukten, die auf alte nigerianische Traditionen zurückgehen. Fast schon skurril, dass der Wunsch nach farbenprächtiger Familien- und Landestracht aus dem fernen Ländle gestillt wurde bzw. werden musste. „Austrian Lace“, solo oder in Stoffen verarbeitet, oder einfach nur schöne Stoffe unter dem Lace-Label, waren jahrelang DER Platzhirsch und Renner bei modebewussten Nigerianern der Yoruba u. a. Ethnien. Der Detailhandel vor Ort war in nigerianischer Hand, hauptsächlich Frauen, die mit Bargeld und Reiseproviant nach Lustenau zum Einkaufen reisten, eine direkte Telefonverbindung gab es (noch) nicht. Das Ländle boomte vom nigerianischen Markt. Ab den 1980er Jahren waren sie aber längst von den chinesischen Anbietern kopiert und mit billiger Massenware aus den Markt gedrängt. Austrian Lace und Stoffe reüssieren heute nur mehr im Hochpreissegment als Prestigeprodukt, high end fashion.
https://iamschick.com/fashion/austrian-lace-launches-new-project-reflecting-the-times-to-celebrate-fashion-and-creativity-in-nigeria/
Folgende Fragen drängen sich (mir) auf: Es gab/gibt eine stark nachgefragte Produktgruppe, die praktisch eine totsichere Bank ist, eingefahrene Vertriebs- und Marketingstrukturen. Warum fanden sich nicht schon längst nigerianische Unternehmer, die sagten, das machen wir selber? Textilindustrie gibt es ja. Oder bildet unsere Leute aus, wenn ihr weiter verkaufen wollt, oder kauft unsere Baumwolle oder irgendwas…. irgendeine Umwegrentabilität müsste doch wenigstens drin sein. Warum kam die Konkurrenz für das Ländle aus China und nicht aus Nigerien?
Indien hat es vorgezeigt, als es vor Jahrzehnten den großen internationalen Konzernen sagte. Wenn ihr bei uns verkaufen wollt, müsst ihr auch bei uns produzieren. Basta! Und umsatzbezogene Lizenzgebühren (als verdeckte Gewinnausschüttung vor Steuer) lassen wir auch nicht zu.
Austrian Lace mag dafür jetzt ein schlechtes Beispiel sein, weil es volkswirtschaftlich ein Zwergerl ist. Ich wollte mein Argument nur mit einem konkreten Beispiel unterlegen
Grüße
Zitierenzuletzt bearbeitet 03. Feb. 2022Original ↗
7'275 Beiträge · seit 200603. Feb. 2022 · #13
loser schrieb:Guten Tag Freshy, ich sehe das Zumüllen afrikanischer Märkte mit minderwertigen Schrottkleidern genauso kritisch wie du. Ein mindestens gleich großes Problem für einheimische Erzeuger sind aber auch Importe von billigster Neuware aus dem asiatischen Raum.

Ich muss gestehen, dass ich schon öfter in Afrika Klamotten aus chinesischer Produktion gekauft habe. Ich fand die einfach zu skurril, um sie liegenzulassen
An der Seite oder vorne Adidas-Streifen und dazu eine Aufschrift von Nike oder Reebok und dazu ein chinesisches Etikett am Hals … - das konnte ich nicht liegen lassen.
Interessanterweise war der Stoff und die Verarbeitung besser als bei vielen Klamotten hierzulande. Und da kommt der
Kram ja auch meist aus Asien …

Gruß
Wolfgang
Gast03. Feb. 2022 · #14
BikeAfrica schrieb:Interessanterweise war der Stoff und die Verarbeitung besser als bei vielen Klamotten hierzulande. Und da kommt der Kram ja auch meist aus Asien …
so ist es, sogar in Europa. Pronto Moda in Toskana und Lombardei ist längst von chinesischen Unternehmen und Beschäftigten dominiert. Das waren nicht zufällig die Ursprungscluster der Pandemie in Italien.
Sie sagen ganz offen: Wir können eure Stoffe und Kleidungsstücke längst selber erzeugen, aber das "Made in Italy" für den Weltmarkt ist uns den Umweg wert.
Zitierenzuletzt bearbeitet 03. Feb. 2022Original ↗
Gast06. Feb. 2022 · #15
Ein paar schon ältere Fakten zum Thema aus dem Land der Sammler, die zufällig erst heute den Weg in die Medien fanden
https://orf.at/stories/3246457/
"Kleidung im Müll – nur 17 Prozent werden recycelt
…. Zehn Prozent der laut Studie im Jahr 2018 gesammelten 221.834 Tonnen wurden für den Secondhandbedarf genutzt und sieben Prozent recycelt. 77 Prozent wurden verbrannt und in Energie umgewandelt, sechs Prozent landeten auf Deponien oder werden im Ausland ohne Energiegewinnung verbrannt….."


Das passiert mit dem Inhalt der „Altkleidercontainer“

Bild1-2.jpg

Quelle https://www.arge.at/wp-content/uploads/2021/05/20210519-ReUseKonf_v3.pdf

Ich selber werfe dort schon lange nicht mehr ein sondern bringe Verwendbares direkt zum Caritas-Geschäft, das immer stark frequentiert ist.
Zitierenzuletzt bearbeitet 06. Feb. 2022Original ↗
7'275 Beiträge · seit 200606. Feb. 2022 · #16
loser schrieb:
Ich selber werfe dort schon lange nicht mehr ein sondern bringe Verwendbares direkt zum Caritas-Geschäft, das immer stark frequentiert ist.

Oxfam ist auch eine mögliche Abgabestelle für vernünftige erhaltene Klamotten und natürlich auch die Stellen, die direkt Obdachlose unterstützen.

Gruß
Wolfgang
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