Reisebericht

Die Eulenmuckels sind endlich wieder in Namibia

von Eulenmuckel · begonnen 02. Aug. 2021 · 39 Teile

Teil 102. Aug. 2021
Liebe Fomis,

seit Freitag sind wir zurück von einer wunderschönen Namibia-Tour. Wie ihr euch denken könnt, war es eine besondere Reise – aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation und auch, weil wir letztes Jahr nicht fliegen konnten. Während dieser Zeit merkten wir schon, dass uns etwas fehlte, aber vor Ort wurde uns noch deutlicher bewusst, wie sehr wir Namibia und alles, was mit so einer Reise zusammenhängt, vermisst hatten. Ein kleines Fazit vorab: Wir haben keine Sekunde bereut, diese Reise gemacht zu haben. Für uns war es traumhaft schön und für den Seelenhaushalt dringend nötig.
Nun möchten wir ausnahmsweise mal ganz zeitnah von unseren Erlebnissen berichten und wie immer auch ein paar Fotos einstreuen. Denn neben der ganzen Sentimentalität und Wiedersehensfreude gab es auch wieder den geliebten Safari-Alltag, den wir mit mal weniger, mal mehr Erfolg der Suche nach Säugetieren und Vögeln gewidmet haben.
Wir freuen uns auf eure Begleitung.

Ruth & Uwe

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Hier ist unsere Route, aus der sich die Reihenfolge der Destinationen nicht erschließt. Die müsst ihr dem folgenden Bericht entnehmen.

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Wer den Reisebericht ohne Kommentare lesen möchte, klickt auf die Sonne oben rechts.


Prolog

Dieses Mal ist alles irgendwie anders. Die Planung der Reise zielt nicht darauf ab, wie wir für die Route am besten unsere Wunschziele miteinander verbinden oder wie wir unsere Ausrüstung weiter optimieren können. Wir tauschen kein Teil unserer Fotoausrüstung, im Gegenteil – wir lassen Dinge zu Hause. Wir überlegen nicht, wo wir was in welcher Reihenfolge einkaufen, damit der Start in die Tour perfekt ist. Und wir beginnen diesen Reisebericht nicht am ersten Abend in Namibia, sondern bereits ein paar Tage vor Abflug zu Hause. Wir sind nicht heiß auf die optimale Route, geschweige denn auf bestimmte Destinationen. Es ist ganz simpel: Wir wollen einfach nur wieder in Namibia sein, wenn es sein muss, auch nur ein paar Wochen irgendwo im Staub sitzen. Bis zuletzt waren unsere Gefühle im Vorfeld dieser Reise sehr gemischt: Nach und nach hatten viele Mitglieder unserer Afrika-Familie ihre Reisen storniert. Mehrfach hatten uns Freunde mit steigenden Inzidenzzahlen, mit schlechten Nachrichten aus dem Forum, die wir schließlich gar nicht mehr lasen und schlussendlich mit der Hochstufung als Virusvariantengebiet gefragt, ob wir diese Reise tatsächlich ausgerechnet jetzt durchziehen wollen. Ja, wir wollten. Es war der einfache, egoistische Grund, dass wir Namibia ganz schrecklich vermissten.
Seit knapp zwei Jahren waren wir nicht dort. Das hört sich vielleicht nach einer nicht allzu langen Wartezeit an, aber für uns, die wir seit 2004 jedes Jahr in Namibia waren, konnten wir dieser Zwangspause wirklich nichts abgewinnen. Für 2020 hatten wir sogar zwei Reisen ins südliche Afrika geplant, eine größere Runde im Sommer durch Sambia und eine kleinere im Herbst nach Botswana. Uwe hatte jeweils bis zuletzt geglaubt – naja, zumindest gehofft –, dass es noch irgendwie klappen könnte. Aber aller Optimismus half nichts, und mit jeder Absage wurde die Laune schlechter.
Natürlich beklagen wir uns nicht. Uns geht es verglichen mit vielen unglaublich gut. Uwe kann seit dem Frühjahr 2020 von zu Hause arbeiten. Ruth hatte mit Distanz- und Wechselunterricht für ihre erste Klasse schon einige Hürden bei der Digitalisierung zu nehmen, was am Ende besser funktioniert hat als erwartet. Trotzdem taten wir uns selbst ein wenig Leid, als wir unsere Reisepläne wiederholt in die Tonne werfen mussten. Aber andere hatten selbstverständlich ganz andere Sorgen, und daher blieben wir brav zu Hause, trafen keine Freunde, konnten nicht mehr zum Fußball und kauften nur noch einmal pro Woche ein – unser wöchentliches Highlight. Ansonsten gab es alle paar Wochen einen Video-Chat mit Freunden.
Nun wollen wir euch aber nicht weiter mit Wie-haben-wir-den-Lockdown-und-die-Pandemie-überhaupt-verbracht langweilen, denn das kennt ihr sicherlich schon zur Genüge von Freunden, Kollegen oder von euch selbst. Auf geht’s!
Teil 202. Aug. 2021
Tag 0 – Freitag, 2. Juli – Abflug

Uwes erster Urlaubstag, Ruth musste nochmal in die Schule. Während sie ihre Erstklässler in deren erste Sommerferien entließ, packte Uwe die Taschen und schaute nach, ob es nicht in letzter Minute noch neue Bestimmungen oder Regelungen zur Einreise nach Namibia gab. Das allerletzte Amtsblatt, das gegen Mittag erschien, erlaubte es Touristen, sich frei im Land zu bewegen, wenn sie denn im Auto eine Maske tragen. Wir werden sehen.
Knapp zwei Wochen vor unserem Abflug war Namibia vom RKI zum Virusvariantengebiet erklärt worden. Da das für uns zwei Wochen Quarantäne nach Rückkehr bedeutete, mussten wir die Reise, die ursprünglich für die gesamten Sommerferien geplant war, auf knapp vier Wochen kürzen, damit Ruth nach Ende der Absonderungszeit pünktlich zum Unterrichtsbeginn erscheinen kann.
Um auf gar keinen Fall zu spät am Flughafen zu sein, machten wir uns besonders früh auf den Weg. Mit negativem PCR-Testergebnis, doppelt geimpft und mit sämtlichen ausgefüllten Gesundheitsformularen für die Einreise nach Namibia im Gepäck starteten wir schon um kurz nach 14 Uhr. Ruths Eltern hatten sich bereit erklärt, uns bis nach Frankfurt zum Flughafen zu bringen. Die Autobahn war gut gefüllt, aber einen richtigen Stau gab es nicht. Durch den Online-Checkin am Vorabend mussten wir am Flughafen nur noch unsere zwei Gepäckstücke abgeben und hatten dann noch etwa viereinhalb Stunden bis zum Abflug. Zunächst setzten wir uns zu McDonalds und stärkten uns nach Angabe unserer Namen und mehrfachem Händedesinfizieren. Dann wollten wir eigentlich auf unsere Freunde Cora und Gert warten, die am selben Abend nach Johannesburg flogen. Wir waren uns sicher, dass ihr Flug an einem der benachbarten Gates abhob, und so marschierten wir bereits durch die Handgepäckkontrolle. Uwe musste sich dabei etwas genauer abtasten lassen. Dann stellten wir jedoch fest, dass sich unsere Gates doch in unterschiedlichen Bereichen befanden, und so konnten wir uns leider doch nicht mehr treffen.

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Wir verbrachten die Stunden mit Telefonieren und Dösen. Als sich die Boarding-Zeit näherte, merkten wir bereits, dass nur wenige Plätze im Flieger belegt sein würden, wir schätzten höchstens ein Drittel. Glücklicherweise hatten wir Sitze am Notausgang mit mehr Beinfreiheit reservieren können. Diese hätten wir gar nicht benötigt, denn jeder konnte sich seinen Sitzplatz ohnehin frei wählen. So saßen wir zwar einigermaßen bequem, dennoch war der Nachtflug wie immer lang und alles andere als gemütlich.

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Teil 303. Aug. 2021
Tag 1 – Samstag, 3. Juli – Ankommen

Meikes Gästehaus, Swakopmund

Durch die lange Wartezeit schon in Frankfurt fühlte sich der Flug dieses Mal noch länger an als sonst. So lange wie heute hatten wir noch nie eine Maske getragen, und uns schmerzten bald die Bänder hinter den Ohren. Eine Wohltat, als wir sie für kurze Zeit während des Abendessens und Frühstücks abnehmen durften.

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Vor der Landung betrachteten wir die Landschaft unter uns und fanden viele kleine Seen und Wasserstellen – offensichtliche Überreste der guten Regenzeit. Bereits während des Landeanflugs kullerten bei Ruth die ersten Tränen. Die Vorfreude war riesig.

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Am Flughafen Windhoek war im letzten Jahr offensichtlich die Ankunftshalle vergrößert worden. Bei allen Passagieren wurde die Temperatur kontrolliert, dann ging es zur üblichen Einreise mit Pass und Formular. Danach drehten bereits unsere Taschen ihre Runden auf dem Gepäckband.

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Bei einem weiteren Schalter kontrollierte man unsere negativen PCR-Tests und sammelte das Gesundheitsformular ein. Nach einer unmotivierten Durchleuchtung des Gepäcks waren wir fertig. Der Fahrer von Savanna wartete noch auf weitere Gäste, und so nutzten wir die Zeit, um uns am Geldautomaten die Taschen zu füllen.
Als das junge schweizer Pärchen, welches mit uns zur Autovermietung fuhr, ebenfalls alle Kontrollen durchlaufen hatte, ging es los. Die Sonne schien, und es war schon angenehm warm. Auf dem Weg in die Stadt entdeckte Ruth die erste Giraffe.
Bei der Autovermietung huschte kurz vor uns ein amerikanisches Pärchen ins Büro und war daher zuerst an der Reihe. Da sie zum ersten Mal in Namibia waren, dauerte ihre Einweisung entsprechend lange. Wie schaltet man den Allrad zu, ist eine Versicherung gewünscht, was ist auf Namibias Straßen alles zu beachten, … Typisch deutsch fingen wir bereits an, auf unsere Uhren zu schauen.

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Nachdem wir anschließend die Formalitäten erledigt hatten, gingen wir in die Fahrzeughalle und konnten uns schon unser Auto anschauen, während die Amerikaner noch ihren Wagen übernahmen. Wir stellten fest, dass der Kühlschrank noch nicht fest montiert war und dass im Canopy auch nicht wirklich gut sauber gemacht worden war. Außerdem fehlte unsere Ausrüstungskiste. Wir wurden ein wenig unentspannt. Das waren nicht die besten Voraussetzungen für eine schnelle Abfahrt nach Swakopmund, denn wir wollten Windhoek diesmal schnell hinter uns lassen. Als der Mitarbeiter von Savanna dann Zeit für uns hatte, mussten wir ihn leider ganz schön herumscheuchen. Wir brauchten noch Kissen und Decken, eine zusätzliche Kiste und noch ein paar Kleinigkeiten. Schließlich trug er mit Uwe unsere schwere Kiste aus dem Büro zum Auto, und wir begannen parallel zur Wagenübernahme mit dem Aus- und Einräumen unserer Taschen und Ausrüstung. Wofür wir uns sonst (wenn wir die erste Nacht in Windhoek verbringen) einen ganzen Nachmittag Zeit nehmen, musste nun in kurzer Zeit erledigt werden. Entsprechend gestresst fühlten wir uns. Bis alles provisorisch einen Platz gefunden hatte, verging mehr Zeit als geplant, und wir verließen erst gegen 12 Uhr die Autovermietung.
Nun mussten wir noch tanken, und der Einfachheit halber kaufte Uwe unmittelbar im Tankstellenshop ein paar Snacks und Getränke für die Fahrt. Eigentlich war es nun bereits so spät, dass wir anstelle der landschaftlich schönen C28 vernünftigerweise die Teerstraße nach Swakopmund nehmen sollten. Doch als wir die Stadt nach Westen verließen, entschieden wir uns spontan doch für die südlichere Strecke durch das Khomas Hochland und später durch den Namib-Naukluft-Park. Wir konnten zwar keine längeren Pausen mehr machen, aber dafür war die Fahrt wunderschön einsam. Wir begegneten auf dem gesamten Weg bis Swakopmund weniger als fünf anderen Autos. Touristen waren keine darunter. An der Stadtgrenze gab es zwar einen Polizeiposten, dieser war jedoch nicht besetzt.
Und wir hatten schon unsere ersten Tierbegegnungen: Mehrere Steinböckchen sprangen vor uns über die Straße, ein paar Giraffen fraßen an einem Busch, und eine Familie Kudus kreuzte den Weg. Leider sahen wir noch keine Springböcke, Strauße oder Oryx, mit denen wir eigentlich im Namib-Naukluft-Park gerechnet hatten.

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Bei Abfahrt in Windhoek hatten wir unsere Fahrtzeit überschlagen und damit gerechnet, in die Dunkelheit zu kommen. Zum Glück hatte es in Namibia vor ein paar Jahren einen Verzicht auf die Sommerzeit gegeben. So ging um 17:30 Uhr noch lange nicht die Sonne unter, wie wir befürchtet hatten. Daher freuten wir uns, noch mit dem letzten Tageslicht in Swakopmund anzukommen.
Dreißig Kilometer vor der Stadt hielten wir an und machten einen Schnelltest, damit wir Meike und Klaus guten Gewissens in den Arm nehmen konnten.

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Und so erreichten wir kurz nach Sonnenuntergang die Pension und begrüßten uns herzlich. Nach zwei Jahren, die wir uns nicht gesehen hatten und so vielen Unsicherheiten in der Zwischenzeit freuten wir uns so, dass schon wieder ein paar Tränchen flossen. Natürlich gab es unendlich viel zu erzählen. Den gemeinsamen Abend unterbrachen wir lediglich, um unsere Sachen ins Zimmer zu räumen und um zu duschen. Meike hatte leckeres Lamm gekocht, und wir saßen so lange beisammen, bis uns vor Erschöpfung fast die Augen zufielen. Nach zwei sehr anstrengenden Tagen sanken wir todmüde ins weiche Bett und waren nach wenigen Augenblicken eingeschlafen.

Kilometer: 329
Teil 404. Aug. 2021
Tag 2 – Sonntag, 4. Juli – Relaxen

Meikes Gästehaus, Swakopmund

Wir schliefen bis kurz vor neun wie Steine. Dann duschten wir nochmal und gingen zum Frühstück. Leider sind wir aufgrund der aktuellen Situation die einzigen Gäste in der Pension. Für Meike und Klaus tut uns das schrecklich leid. Das einzig Gute daran ist, dass wir viel Zeit miteinander verbringen können. So frühstückten wir ausgiebig und unterhielten uns lange. Danach werkelten wir ein wenig am Auto. Ruth machte den Innenraum und den Aufbau noch sauberer, bezog das Bett und spülte das Geschirr. Uwe half dabei und verstaute Dinge am richtigen Platz.

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Schon gestern hatten wir bei einem kurzen Stopp am Bosua Pass bemerkt, dass aus dem Seitenfach, in dem sich die zweite Batterie befindet und in dem ein paar elektrische Regelungen montiert sind, ein permanentes und nervtötendes Piepsen kam. Da alle Anzeigen hohe Spannung meldeten, konnte es sich eigentlich nicht um ein Warnsignal handeln. Für einen Zustand bester Ordnung war dieses Geräusch jedoch nicht akzeptabel. Kurz überlegten wir noch, ob wir wohl die einzigen Mieter waren, die die Frequenz des Pieptons unerträglich fanden, aber es soll ja auch Leute geben, die Selbstmordgedanken wegen eine Tinnitus hegen. So weit wollten wir es nicht kommen lassen, setzten eine entsprechende Anfrage bei Savanna ab und hofften auf eine baldige Lösung.
Am Nachmittag lichtete sich der Himmel, und wir versuchten, ein paar Vögel im Garten zu fotografieren.

Wellenastrild

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Ein paar kleinere Geflügelte, die gar nicht mal so sehr klein waren, summten auch noch um uns herum, aber hiermit kennen wir uns leider nicht so gut aus.

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In der Sonne sitzend aßen wir Salamibrote und genossen es einfach, hier zu sein.

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Die kleinen Cafés in der Stadt waren ja leider noch geschlossen. Bisher kam es in unseren Urlauben nicht oft vor, dass wir keinen Plan hatten. Aber für Ruth war es nach der ganzen Hektik der letzten Wochen in der Schule genau richtig, um ein wenig runterzukommen. Auf Kuchen mussten wir trotzdem nicht verzichten, denn später gab es bei unserer lieben Freundin Meike noch leckeren Zitronenkuchen mit Kaffee.
Dabei überreichte Meike uns auch die gebastelten Drahteulen, die wir einige Wochen zuvor bei ihr in Auftrag gegeben hatten. Ruth hat im Moment in der Schule die Eulenklasse und sah diese Geburtstagsgeschenke für ihre Kinder als gute Möglichkeit, einen Perlentier-Bastler auch in einer Zeit mit nur wenigen Touristen etwas zu unterstützen.

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Vor Sonnenuntergang fuhren wir zur geschlossenen Tiger Reef Bar ans Meer und spazierten an der Wasserkante entlang zur Swakopmündung. Die Flut war recht hoch, und wir mussten aufpassen, keine nassen Füße zu bekommen. Dort fanden wir ein paar kleine Wasservögel: Enten, einen Reiher und eine Kiebitzmutter mit ihren schon recht großen Küken, die sich immer wieder unter ihre Flügel kuschelten. Auf den ersten Blick sah sie dann unnatürlich aufgeplustert aus und hatte irgendwie zu viele Beine.

Fahlregenpfeifer

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Waffenkiebitz

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Die Sonne versank im Dunst hinter dem Meer, und wir gingen langsam zurück, da es nun auch schon bald kühler wurde.

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Auf dem Rückweg fuhren wir durch eine fast ausgestorbene Stadt. Zum Abendessen saßen wir wieder bei Meike. Da zurzeit alle Restaurants in Namibia aufgrund des Lockdowns geschlossen waren, konnten wir nicht essen gehen. Umso mehr freuten wir uns, im Wohnzimmer am Ofen zu sitzen.
So langsam entwickelten wir Ideen für die weitere Route. Mal schauen, wohin sie uns führte.

Kilometer: 2
Teil 506. Aug. 2021
Tag 3 – Montag, 5. Juli – Erster Einkauf

Meikes Gästehaus, Swakopmund

Unser zweiter richtiger Urlaubstag. Wir schliefen aus, frühstückten gut und fuhren dann zum Superspar. Mit zwei Einkaufswagen nahmen wir jeden Gang und kauften alle Sachen, die wir für die nächsten Wochen unterwegs brauchten und diejenigen Lebensmittel, die sich etwas länger halten. Es dauerte erwartungsgemäß lange, machte uns aber auch wieder viel Spaß. Anschließend schauten wir noch im Bottlestore und gegenüber beim Metzger vorbei. Dort bekamen wir gefrorenes Oryx, auf das wir uns schon sehr freuten.

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Zurück in der Pension verstauten wir alles im Auto.

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Inzwischen hatten wir auch eine Rückmeldung zum Dauerpiepsen im Aufbau erhalten. Zum einen könnte man einen grünen Knopf drücken, der das piepsende Relais schaltet und die beiden Batterien miteinander koppelt. Und tatsächlich, oh große Freude: Das Relais gab für genau 20 Sekunden Ruhe, bevor der Piepston wieder einsetzte. Großartig! Die andere Möglichkeit, diesen auszuschalten, war, eine Klemme am Relais zu lösen. Dies hätte dann jedoch zur Folge, dass die Zweitbatterie nicht mehr geladen würde. Der Vorschlag war also, abends und nachts – wenn es uns stört – die Klemme zu lösen und morgens vor der Weiterfahrt wieder zu verbinden, damit die Batterie laden kann. Aha. Das ist natürlich ein Workaround, aber auch nicht sehr praktisch. Wir fragten uns, ob es bei der elektrischen Verkabelung des Autos keine andere Möglichkeit gebe, die eine Batterie laden kann und ohne dieses Geräusch auskommt. Fragen über Fragen.

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Am Nachmittag belegte Uwe Meikes Küche und backte einen Apfelkuchen. Wir wollten uns für ihre unendliche Gastfreundschaft ein ganz klein wenig revanchieren. Während er rührte, schälte Ruth Äpfel wie ein Weltmeister. Wir hatten im Supermarkt nur sehr kleine Exemplare bekommen, und so entstand genauso viel Abfall wie Apfelschnitten. Entweder lag es an der Apfelsorte oder an zuviel Zitronensaft oder einfach an Uwes Backkünsten – nach dem Abkühlen und Schneiden entstand eher ein Applecrumble denn ein ansehnlicher Kuchen. Glücklicherweise tat dies dem Geschmack keinen Abbruch. Die warmen Haufen auf den Tellern schmeckten sehr gut mit geschlagener Sahne.
Während der Kuchen noch im Ofen war, versuchte Ruth zum wiederholten Male, die hübschen Astrilde, Brillen- und Nektarvögel im Innenhof mit der Kamera zu erwischen. Leider war unser Beleuchter auf Urlaub.

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Gegen Abend begleiteten wir Meike und ihre Hündin Meta zum Spaziergang in die Dünen. Wir finden es immer sehr schön, ein wenig mit ihr zwischen den Tamarisken, den Kamelkötteln und Dolllarbüschen auf den Trampelpfaden herumzutapsen. Es war sehr diesig, aber zum Glück nicht windig oder kalt. Wir entdeckten ein paar Bülbüls und einen Namib-Schmätzer. Der erhoffte Sonnenuntergang blieb uns diesmal verwehrt. Von Sonne war weit und breit nichts zu sehen.
Zum Abendessen bestellten wir Pizzen zum Abholen. Die waren lecker, und wir verbrachten einen weiteren gemütlichen Abend.

Kilometer: ganz wenige
Teil 606. Aug. 2021
Tag 4 – Dienstag, 6. Juli – Ausflug in den Swakop

Meikes Gästehaus, Swakopmund

Heute Morgen erfuhren wir aus der Presse, dass u. a. England und Indien aus Sicht des RKI bald keine Virusvarianten-Gebiete mehr sind. Nun hofften wir, dass auch die Staaten im südlichen Afrika bald so eingestuft würden.
Wir standen etwas früher auf und frühstückten auch nicht ganz so lange, weil wir uns heute bei Namib Campers ein paar Fahrzeugausbauten ansehen und uns außerdem mal ernsthaft um unser Gepiepse im Auto kümmern wollten. Dort war der Besitzer Stefan Bauer so nett, einen Blick auf unser Piepsemodul zu werfen. Sein Elektriker telefonierte mit dem Hersteller in Windhoek und versprach uns für morgen eine Lösung.
Dann fuhren wir zu Foodlovers und kauften Obst, Gemüse und Dinge, mit denen wir die Staufächer und den Kühlschrank im Auto weiter füllten. Viel fehlte nun wirklich nicht mehr. Wir sind übrigens absolute Fans von Knoblauch in Flaschen. Als wir die Knoblauchpaste vor Jahren das erste Mal im Kühlregal erblickten, fanden wir sie eigentlich ein bisschen fies. Wer aber je bei Temperaturen unter 10 Grad mit eiskalten Fingern Knoblauchhäutchen von den Zehen gepult und diese später mit stumpfem Messer mühevoll kleingehackt hat, weiß die gebrauchsfertige Pampe im Topf zu schätzen. Nachteil der kleinen Töpfchen ist aber, dass diese eigentlich allesamt undicht sind und sich der ölige Knoblauch, zumindest aber sein Geruch, im Kühlschrank verteilen. Um uns bei allen folgenden Mietern unseres Autos nicht unbeliebt zu machen, kauften wir in jedem Urlaub ein zusätzliches, möglichst luftdicht verschließbares Plastikgefäß. Alles nicht mehr nötig. Tadaaa, der Knoblauch in der Flasche ist da! Und wir können uns auch in diesem Jahr sicher sein, dass uns kein Vampir anfallen wird.

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Zurück bei Meike konnte Ruth wieder mal nicht einfach an den Rußnektarvögeln vorbeilaufen.

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In unserem Zimmer planten wir die weitere Route. Wollten wir auf Grund von Corona eigentlich nur einen Großeinkauf machen, danach Hotspots meiden und nur noch sehr einsame Campingplätze ansteuern, erkannten wir nun die Chance für uns. Was eine Katastrophe für das Land war, bedeutete Exklusivität und Einsamkeit für uns, wie wir sie in den letzten Jahren nicht mehr erlebt hatten und wohl auch nicht mehr so schnell erleben werden. Schnell wurde in eine völlig neue Richtung überlegt. Unsere Lieblingsorte, an welchen wir auch zu einer anderen Zeit für uns alleine sein konnten, wurden gestrichen. Stattdessen waren Soussousvlei und Etosha wieder interessant, bei denen wir uns bereits mehrfach geschworen hatten: nie wieder, weil zu viele Touristen. So ganz konnten wir unsere Gewohnheit aber doch nicht ablegen und machten per E-Mail eine Reservierung für den Namib Rand Family Hideout in ein paar Tagen. Hier wollten wir ganz sicher gehen. Um es vorwegzunehmen: Diese – wie auch unsere einzige von Deutschland aus getätigte Reservierung bei Nambwa – wären nicht nötig gewesen.
Gegen 14 Uhr starteten wir mit Meike, Klaus (und natürlich Meta) zu einer Fahrt durch den Swakop. Klaus fuhr, und wir durften schauen. Es blieb dem armen auch nichts anderes übrig, denn statt einer Rückbank hatten wir ja einen Kühlschrank im Auto. Einen ersten kleinen Stopp machten wir bei den klingenden Steinen. Wir liefen auf den Hügel und schlugen mal auf den einen, mal auf den anderen Felsklotz, um die verschiedenen Töne zu erhalten. Von einer erkennbaren Melodie, wie sie Giel im Mesosaurus Camp zustande bringt, waren wir allerdings sehr, sehr weit entfernt. Spaß beim Klopfen hatten wir aber auch so.

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Ein Stück weiter hielt Klaus an einer Stelle, an der einige Tsamma-Melonen herumlagen. So viele wie in diesem Jahr hatten wir noch nie gesehen. Außerdem waren die kleinen Flüssigkeitsspeicher noch schön glatt und rund und lagen inmitten ihrer dicken, krüsseligen Blätter. Sonst finden wir sie meist von Kleintieren angenagt, gelb, schrumpelig oder nur noch ihre trockene Schale. Wenn das grüne Kraut um sie herum mit der Zeit verschwand, hatten wir uns schon oft gefragt, wer die Melonen wohl an dieser Stelle abgelegt hatte.

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Wir sahen uns Aloen, Flechten und Lithops aus der Nähe an.

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Besonders über die lebenden Steine freuten wir uns sehr. Jemand hatte einen Steinkranz als Markierung um sie herum gelegt. Das war auch gut so, denn wir mussten ganz genau hinsehen, obwohl uns Meike die ungefähre Stelle gezeigt hatte, an der sie wuchsen.

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In Farbe und Form ähnelten sie doch sehr ihrer Umgebung. Als wir von dem Hügelchen hinunterkletterten, wagten wir kaum noch, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Wer weiß, ob sich nicht ein vorwitziges Lithops-Kindlein außerhalb des Steinkreises verirrt hatte. Wir wollten es auf keinen Fall zertreten.
Weiter ging es durch die karge Landschaft. Wir genossen den Anblick der staubigen Flächen und schroffen Berghänge. Es fällt uns immer schwer, diese Faszination Freunden zu erklären, die verständnislos den Kopf schütteln: „Aber da ist ja gar nichts, ihr fotografiert ja nur Steine?!“ Ja, so ist es. Man ist ganz bei sich, hört nichts, und das Auge wird nicht ständig von etwas anderem abgelenkt. Man darf einfach nur sein. Sich nur ein paar Stunden in einer solchen Landschaft zu bewegen, lässt uns ganz enorm zur Ruhe kommen. Ruth spricht nicht umsonst von ihrer jährlichen Psychotherapie in Afrika.

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In einem Seitenarm des Swakop hielten wir neben einer Felswand und machten Pause. Klaus stellte Tisch und Stühle auf, und Meike zauberte mit einer fröhlichen Tischdecke, heißem Kaffee und leckerem Kuchen Gemütlichkeit auf unseren Picknickplatz. So konnte man es aushalten, und wir ließen es uns gutgehen. Es war wunderschön, in dieser herrlichen Landschaft zu sitzen und Stille, Sonne und Freundschaft zu genießen.

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Als die Sonne tiefer sank, wanderte auch der Schatten der Felswände langsam weiter ins Flussbett hinein. Wir verlegten einige Male unseren Sitzplatz und folgten mit den Stühlen der Sonne weiter in die Mitte des Reviers. Ruth konnte nicht still sitzen und kletterte auf die Felsen.

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Als wir alles wieder im Auto verstaut hatten, chauffierte uns Klaus sicher zurück ins Guesthouse. Vielen Dank, Meike und Klaus, für diesen tollen Ausflug!
Zum Abendessen gab es Lauchsuppe und gute Gespräche.

Kilometer: kaum selbstgefahrene
Teil 707. Aug. 2021
Tag 5 – Mittwoch, 7. Juli – Autoproblemchen

Meikes Gästehaus, Swakopmund

Der Tag begann wie gestern. Wir frühstückten, und dann fuhr Uwe zu Namib Campers, damit das Piepsen hoffentlich abgestellt werden konnte. Leider war das nicht so einfach. Das Piepsen im Relais wurde nicht durch ein dafür vorgesehenes Bauteil erzeugt, sondern durch eine Spule. Daher konnte es nur abgestellt werden, wenn man das Relais abklemmte. Zuvor wurde ohne großen Erfolg versucht, das Bauteil schalldicht zu isolieren. Schließlich entschieden wir, einen Schalter einzubauen, damit wir das Relais nicht jeden Tag umständlich durch Abklemmen außer Betrieb setzen müssten. Dieser Schalter sollte besorgt werden, und nach der Mittagspause konnte Uwe erneut in die Werkstatt kommen. Blöd, denn so war heute an einen etwas weiteren Ausflug in die Mondlandschaft nicht zu denken.
Swakopmund zeigte sich nun den vierten Tag von seiner unfreundlichen, nebelig-grauen Seite. Meist klarte es zum Mittag hin auf, aber von Sonnenstrahlen war weit und breit nichts zu sehen. Aus dem Gemütlich-im-Garten-in-der-Sonne-Sitzen wurde ein Mit-klammen-Fingern-auf-Uwe-Warten. Das hatte sich Ruth ein bisschen anders vorgestellt.

Rußnektarvogel

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Als Uwe wieder zurück war, nutzten wir die Zeit, um zu Fuß ein wenig durch die Stadt zu laufen. Wir schlenderten an einigen bekannten Geschäften vorbei, und Ruth kaufte sich eine Hose. In den Souvenirläden waren wir alleine und begegneten so gut wie keinen anderen Touristen. Wir waren im Vorfeld immer wieder gefragt worden, ob wir denn keine Angst hätten, dass die Kriminalität während Corona stark zugenommen hat. Klar hatten wir uns Gedanken gemacht. Noch ein wenig mehr, als uns die Autovermietung – eindringlicher als in den letzten Jahren ohnehin schon – darauf hinwies, nur ja nicht an einem Rastplatz am Straßenrand halt zu machen. Auf unsere Nachfrage nach dem Grund verwies man uns auf „die wilden Tiere“.
Unsere Sorge blieb unbegründet. Wir bewegten uns wie sonst auch zu Fuß in Swakop, hatten zu keiner Zeit ein unangenehmes Gefühl und wurden auch nicht vehementer angebettelt. Der Bitte, eine Nuss zu kaufen, kamen wir gerne nach. Viele andere Umsatzmöglichkeiten würde es im Moment für die fleißigen Nuss-Schnitzer ja auch nicht geben. Und so erwarben wir unsere 65. Makalaninuss. Irgendwem werden wir sie schon als Mitbringsel aufschwatzen können. Allerdings verzichteten wir darauf, ein Schwätzchen mit den Leuten zu halten, da wir längeren Kontakt vermeiden wollten. Das war eigentlich ein wenig schade.
Auf dem Rückweg hatte ein etwas intensiverer Blick von Ruth auf die aushängende Speisekarte am Eingang des Fish-Deli einer besonders pfiffigen und charmanten Bedienung genügt, um sie zu überzeugen und in den Laden hineinzusaugen. Dort nahm sie gerne noch eine Portion Sushi mit, die liebevoll frisch zubereitet wurde.

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Zurück in der Pension stürzte sich Ruth sogleich heißhungrig auf den „fischigen Klebepamp“. Uwe konnte dabei nur verständnislos den Kopf schütteln. Dankend lehnte er ab und holte sich lieber einen kleinen Snack in Form von Brot mit Wildschinken oder Frischkäse.

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Danach fuhr er wieder zur Werkstatt. Jetzt wurde leider festgestellt, dass das Relais nur dann aufhörte zu piepsen, wenn beide Klemmen getrennt wurden. Das lag vermutlich an der Sonne, die zusätzlichen Ladestrom über das Solarpanel lieferte. Zwei Schalter wollten wir jedoch nicht einbauen – abgesehen davon, dass nur einer vorhanden war. Also entschied Uwe, täglich das Relais manuell von einer oder eben beiden Klemmen zu lösen. Darin wird er ja bestimmt auch immer geschickter werden.
Er bedankte sich herzlich für die Unterstützung und fuhr wieder zurück, um Ruth abzuholen.
Die hatte es in seiner Abwesenheit tatsächlich fertig gebracht, überhaupt gar nichts zu tun. Das hört sich nicht so besonders an, ist es aber. Während zu Hause zig Dinge in der Warteschleife hängen, gerne parallel angefangen werden und einfach keine Zeit für 5 Minuten auf dem Sofa bleiben, hatte sie wieder den Vögeln in Meikes Garten zugeschaut und die Zeit verträumt. Was für ein Luxus!

Weißrücken-Mausvogel

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Rußnektarvogel

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Junger Oranjebrillenvogel

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Gemeinsam ging es am Meer entlang nach Walvis Bay. Wie immer wollten wir südlich der Stadt nach Wasservögeln Ausschau halten. Diesen Ausflug hätten wir uns wirklich sparen können. Die Sonne war hinter Wolken verborgen und das Licht zum Fotografieren mehr als schlecht. So wirkten die vielen Flamingos in der Lagune lediglich grau und dunkel.

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Rosaflamingo

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Ein paar Säbelschnäbler, Stelzenläufer, Kapenten und Regenpfeifer liefen oder schwammen bei den Salzfeldern umher.

Weißstirnregenpfeifer

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Fahlregenpfeifer

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Leider klarte der Himmel aber auch hier nicht auf, und die Sonne war zwar da, aber nicht dort, wo wir waren.

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Beim Fotografieren mit dem großen Objektiv zeigte sich außerdem ein neues Problem. Hinter dem Kühlschrank war in unserem Auto ja schon immer der Kompressor montiert. Bei unserem Wagen nun befand er sich jedoch zusätzlich in einer grünen Metallbox, die viel Platz benötigte. Dadurch stand der große Doppelkühlschrank deutlich weiter vorne als früher. Und das schränkte den Platz hinter den Vordersitzen extrem ein. Schon bei der Autoübernahme hatte sich Ruth ein wenig geärgert, weil sie ihre Rückenlehne so kaum nach hinten bewegen konnte, um während der Fahrt auf einer längeren Strecke ein wenig zu dösen. Wir hatten uns aber entschieden, dies zu akzeptieren. Typisch deutsch erschien uns da noch, alles perfekt und wie gewohnt vorfinden zu müssen. Wir würden uns schon im Auto einrichten und ein wenig improvisieren können. Falsch gedacht! Uwe konnte den großen Fotoapparat hinter den Sitzen nur sehr umständlich herauszirkeln, weil einfach kein Platz zwischen Sitzlehne und Kühlschrank blieb. Spätestens im Etosha würde das ein großes Problem werden.
Etwas frustriert fuhren wir wieder zurück nach Swakopmund, und Ruth wurde ein wenig nölig. Da müssen wir wohl doch noch mal nach einer anderen Lösung Ausschau halten.
Meikes Abendessen entschädigte uns jedoch schnell wieder. Sie hatte einen ganz hervorragenden Oryxbraten mit Kartoffel-Kürbis-Auflauf gekocht. Einen letzten Abend saßen wir in ihrem Wohnzimmer am warmen Feuer und fühlten uns wie Daheim. Es ist sehr schön, einen solchen Lieblingsort bei so lieben Freunden zu haben.

Kilometer: 104
Teil 810. Aug. 2021
Tag 6 – Donnerstag, 8. Juli – Endlich auf Pad

Meikes Gästehaus, Swakopmund – NWR Campsite, Sesriem

Der letzte Morgen in Swakopmund und bei Meike ist immer etwas wehmütig. Nach fünf Tagen in der Pension freuen wir uns einerseits, nun durch Namibia zu fahren und zu campen. Andererseits fällt uns der Abschied immer schwer. Hoffentlich können wir uns bald, spätestens im kommenden Jahr wieder sehen.

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Wir mussten mehrmals laufen, um unseren Krempel ins Auto zu bringen. Nachdem wir uns von Meike und Klaus verabschiedet hatten, fuhren wir zur Tankstelle, und während der Diesel in den Tank lief, lud Uwe zwei große Pakete Feuerholz in den Camper. Anschließend kauften wir noch Körnerbrot und Brötchen, und als wir die Stadt verließen, war es schon fast halb 12.
Entlang der Küste fuhren wir wie gestern nach Walvis Bay und bogen dort auf die C14 ins Landesinnere ab. Anfangs war die Straße geteert, und als sie zu einer guten Lehmpad wurde, passierten wir eine Polizeikontrolle. Der Polizist fragte uns nach dem Woher und Wohin und wünschte uns eine gute Fahrt. Für einen festgelegten Reiseverlauf oder irgendwelche Buchungsunterlagen interessierte er sich nicht.

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Bis zum Vogelfederberg begegneten wir keinem anderen Auto. Später waren es doch ein paar, aber der Verkehr auf der C14 hatte nichts mit den Massen von vor zwei Jahren gemeinsam. Die Straße war in recht gutem Zustand, und wir kamen zügig voran. Das war auch gut so, denn wir mussten ein bisschen Zeit gutmachen. So blieb es bei wenigen Pausen oder Fotostopps.

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Durch den Kuiseb und über den Wendekreis des Steinbocks ging es immer weiter Richtung Südosten.

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In Solitaire standen außer uns noch zwei Autos. Die separate Bäckerei war geschlossen, und der Apfelkuchen wurde wie vor 15 Jahren im Shop an der Tankstelle verkauft. Wir verzichteten heute mal ausnahmsweise auf den Kuchen und nahmen stattdessen noch ein helles Brot mit. Dann ging es auch schon weiter nach Süden.

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Wir freuten uns sehr, wieder durch die wunderschöne Landschaft fahren zu können. Die Nachmittagssonne ließ das kurze Gras golden leuchten. Dann liefen die ersten Springböcke dieses Urlaubs über die Straße. Neugierig blieben sie sogar stehen und schauten in unsere Richtung.

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Die letzten 10 Kilometer vor Sesriem waren inzwischen geteert. An der Rezeption kauften wir das Permit für den Namib-Naukluft-Park.

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Dann schauten wir uns die Stellplätze des neuen Oshana-Camps an. Keiner davon war belegt. Jeder besaß ein eigenes kleines Duschhäuschen. Aber die Plätze unter den großen Kameldornbäumen, die zu den NWR-Campsites gehören, gefielen uns besser, und so checkten wir dort ein.
Zum Sonnenuntergang fuhren wir zur Elim-Düne. Dort waren noch ein paar andere Leute, meist kleine Gruppen. Wir versuchten, die Düne zu erklimmen, aber hinter jeder Kuppe befanden sich weitere. Die Aussicht wurde natürlich immer besser, je höher wir stiegen. Da die Schatten schon recht lang waren, beeilten wir uns, denn wir wollten eigentlich auf die der Sonne zugewandte Rückseite gelangen. Aber es war wie verhext. Immer, wenn wir uns sicher waren, den höchsten Punkt gleich erreicht zu haben, ging es wieder hinab und gleich darauf wieder aufwärts zum nächsten Dünenkamm. Und so liefen wir weiter und weiter. Es war ganz schön anstrengend, und irgendwann gaben wir auf. Wir drehten um und liefen im Dämmerlicht zurück zum Auto. Besonders schön war, dass wir vom Rufen einiger Bellgeckos begleitet wurden.

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An der Campsite parkten wir unter einem schönen Baum, klappten das Zelt auf und machten Feuer. Während Ruth duschte, suchte Uwe alle Zutaten für das Abendessen zusammen. Wir machten Eisbergsalat mit Tomate und Feta. Auf den Grill kam eine Boerewors, und dazu gab es Grillbrote mit Knoblauchbutter. Alles schmeckte hervorragend. Aus der Dunkelheit ertönte der langgezogene Ruf eines Schakals, und gleich darauf antworteten ein paar weitere von der anderen Seite des Platzes. Wir freuten uns sehr und lauschten ihrer Unterhaltung. Später sahen wir die munteren Gesellen eifrig über die Campsite huschen und die Grillstellen nach Resten absuchen.

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Nach dem Spülen packten wir schon weitestgehend zusammen und gingen bald ins Zelt, damit wir morgen früh noch im Dunkeln Richtung Sossousvlei starten können. Soweit wir uns erinnern, waren wir schon seit acht Jahren nicht mehr hier. Das Thermometer sank auf 10 Grad.

Kilometer: 348
Teil 912. Aug. 2021
Tag 7 – Freitag, 9. Juli – Jede Menge roter Sand

NWR Campsite, Sesriem – Namib Rand Family Hideout

Der Wecker holte uns um viertel vor sechs aus dem Schlaf. Die Luft war frisch, aber mit fünf Grad nicht allzu kalt. Uwe kochte Wasser für Kaffee und Tee, und wir machten uns in aller Ruhe fertig. Im Dunkeln packten wir alle Sachen zusammen, schlürften unsere Getränke und brachen gegen zehn vor sieben auf. Uwe hatte noch ein wenig Luft aus den Reifen gelassen.
Das Tor war wie am Abend zuvor nicht besetzt, so dass wir einfach hindurchfahren konnten. Es waren bereits ein paar andere Autos vor uns gestartet, aber sonst war es sehr ruhig. Keine lange Autoschlange, keine Überholmanöver und auch kein illegales Autorennen ins Vlei.

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Als wir Düne 45 erreichten, standen dort trotzdem drei Autos. Aber wir wollten ja eh weiter. So fuhren wir bis ans Ende der Teerstraße. Dort warteten zwei Shuttlebusse auf Kunden. Doch wir mussten sie leider enttäuschen, weil sich Uwe schon auf seine erste kleinere 4x4-Strecke freute. In Schlangenlinien und mit viel Geschaukel nahm er mal die eine, mal die andere Spur, und wir kamen wohlbehalten am Parkplatz für das Deadvlei an.
Es war immer noch ziemlich kühl. Während die Sonne über die Dünen schaute, brachen wir auf, folgten den weißen Pflöcken und waren mutterseelenallein unterwegs.

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Obwohl der Boden trocken und die Lehmkruste rissig und aufgesprungen war, wuchs überall ein wenig Grün.

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Dann trennten sich unsere Wege. Während Ruth auf die Düne stieg, lief Uwe unmittelbar ins Vlei.

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Ihm kam ein Parkangestellter entgegen, der die Wegmarkierungen kontrolliert hatte und verkündete, dass wir heute die ersten Touristen seien. Wir waren ja tatsächlich schon einige Jahre nicht mehr hier, vor allem, weil uns der Rummel etwas zu viel geworden war. Der Grund für den Rummel war uns schnell wieder klar: Die geschwungenen Wellen der Dünenkämme, die Spuren im Sand, die wandernden Schatten, die Farbnuancen der Sandkörner, die vielen Linien und Farben und die Präsenz der alten Kameldornbäume. Man weiß gar nicht, wohin man als erstes schauen soll. Heute morgen waren wir für lange Zeit die einzigen Besucher. Welch ein Privileg! Die Magie des Deadvleis war selten so greifbar.

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Uwe konnte frei herumspazieren und sich mit jedem Baum persönlich anfreunden, was er auch tat. Er probierte mal diese, mal jene Perspektive, lief um die Bäume herum und fotografierte, was die Kamera hergab.

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Ruth genoss derweil die Aussicht von Big Daddy. Sie war wirklich froh, als sie endlich den Dünenkamm erreicht hatte, denn zuvor hatte sie die gar nicht mal so gute Idee gehabt, eine Abkürzung zu nehmen und direkt die Dünenflanke hinaufzulaufen. Das klappte wirklich super. Drei Schritte aufwärts und zwei ging es mit dem nachrutschenden Sand wieder hinunter. Sie war mehrfach kurz davor, einfach aufzugeben, aber dann wäre die bisherige Arbeit ja umsonst gewesen. Also Zähne zusammengebissen und die nächsten 80 Schritte in Angriff genommen, kleine Verschnaufpause und weiter. So kämpfte sie sich mühsam vorwärts, noch von zusätzlichem Ehrgeiz gepackt, weil mittlerweile zwei Franzosen ebenfalls die Düne erklommen. Die Blöße konnte sie sich ja nun nicht geben. Als sie endlich den Kamm erreicht hatte, kam ihr der weitere Aufstieg wie ein Spaziergang vor.

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Nach einigem Suchen fand sie auch Uwe, der klein wie eine Ameise zwischen den Bäumen herumtanzte.

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Sie setzte sich auf den höchsten Punkt der Düne, genoss die warmen Sonnenstrahlen, die absolute Ruhe und die Freude darüber hier sein zu dürfen, bevor es in großen Sprüngen wieder abwärts in Richtung der Lehmpfanne ging. Selbst das Hinunterhopsen dauerte recht lange, war aber deutlich weniger anstrengend und sehr spaßig.

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Teil 1012. Aug. 2021
Gemeinsam wanderten wir noch ein wenig durch die Pfanne. Ruth musste die Bäume schließlich auch noch kennen lernen.

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Inzwischen war die Sonne bis im Vlei angekommen und wärmte uns. Als die ersten Leute eintrafen und die italienische Lady im Wüstenoutfit begann, einen Baum zu erklimmen und sich nach Anweisung ihres Liebsten in Pose zu räkeln, war es Zeit für uns zu gehen. Allerdings konnten wir es uns nicht verkneifen, sie auf das verblasste Schild hinzuweisen, nach dem man die Bäume nicht einmal berühren darf.

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Sehr zufrieden mit den gesammelten Eindrücken stapften wir zurück zu unserem Auto, welches mittlerweile nicht mehr ganz so einsam auf seinem Parkplatz stand.

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Nach einer kurzen Toilettenpause fuhren wir das kleine Stückchen weiter bis zum eigentlichen Sossousvlei. Dort stand seit der letzten Regenzeit noch etwas Wasser unterhalb der Big Mama.

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Wir liefen über den harten Lehmboden bis nah an die Wasserkante, wo der Untergrund noch matschiger und weich war. Ein paar Säbelschnäbler und Kapenten ruhten auf einem Inselchen, und zwei Flamingos staksten herum.

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Der Boden war übersät mit stacheligem Grün und schönen gelben Blüten.

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Wir suchten uns einen Weg durch das Stachelgemüse und mieden die matschigen Stellen am Ufer, bevor wir auf dem Kamm von Big Mama langsam um den kleinen See herumstiegen.

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Auf dem höchsten Punkt machten wir Halt und wurden wieder einmal mit einer sehr schönen Aussicht belohnt.

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Eine Zeit lang beobachteten wir ein anderes Auto, welches sich im lockeren Sand festgefahren hatte. Die Versuche des Fahrers, sich mit viel Gas möglichst schnell aus der unangenehmen Lage zu befreien, scheiterten wie erwartet.

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Wir machten uns wieder an den Abstieg, bekamen aber noch mit, dass unsere Hilfe nach Luftablassen und ein wenig Schaufelei nicht mehr benötigt wurde.

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Zurück am Auto waren wir mit der Wahl unseres Picknickplatzes im Schatten sehr zufrieden, denn es war mittlerweile schon ordentlich warm geworden. Sobald wir Brötchen, Marmelade, Nutella und Wildschinken auspackten, hatten wir viele neue Freunde. Einige Sperlinge und Bartvögel leisteten uns Gesellschaft, und Bülbüls pickten bereits an der Brötchentüte. So bewachte Ruth den Tisch, während Uwe Kaffee und Tee kochte. Das Frühstück unter dem großen Baum war herrlich.

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Hier fielen uns zum wiederholten Mal die Mengen an großen Heuschrecken auf, die in den Ästen und Steinen umherkrabbelten oder beim Näherkommen eilig davon flatterten.

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Nach dem Frühstück war Ruth schon wieder auf Vogelpirsch. Leider war der Rotstirnbartvogel nur wenig kooperativ. Er hatte sich eine der Heuschrecken geschnappt, verschwand mit ihr aber ins dichteste Geäst. Vielleicht hatte er Angst, Ruth wollte ihm seine Beute streitig machen, denn als er wieder auftauchte, war schon nicht mehr allzu viel davon übrig.

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Rotkopfamadine: Er

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und Sie

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Ruth wäre gerne noch länger geblieben, aber der Zeitwächter blies bereits zum Aufbruch.

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Er hatte auch nicht Unrecht, da Mittag bereits vorbei war, als wir durch den Tiefsand zurück zum Parkplatz der Shuttlebusse schaukelten. Dort beobachteten wir, dass Heuschrecken wohl nicht nur für Bartvögel, sondern auch für Schildraben eine Delikatesse zu sein schienen.

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Auf dem weiteren Weg nach Sesriem sahen wir ein paar Oryx, hielten aber nicht mehr für Fotos, da das Licht grell war und die Luft flimmerte.
Im Office besorgten wir uns ein Permit zur Übernachtung an der Blutkuppe für morgen. Dann tankten wir und kauften Feuerholz.
Teil 1115. Aug. 2021
Tag 7 – Freitag, 9. Juli – Jede Menge roter Sand (Fortsetzung)

Von Sesriem ging es weiter nach Süden zum Namib Rand.

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Auf einem Zaunpfosten neben der Straße saß ein Steppenfalke,

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und wir sahen viele Grasfresser, die die leuchtend gelben Halme abweideten. Waren wir am Anfang unserer Tour noch enttäuscht gewesen, so wenige Zebras, Oryx und Springböcke gesehen zu haben, fanden wir hier kleinere Gruppen über die Ebene bis zu den Bergmassiven verteilt und manchmal auch größere Herden.

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Zum Glück war unsere verbliebene Strecke nicht mehr weit, so dass wir uns viel Zeit lassen konnten. Wir beobachteten ein paar Zebras, die nicht zimperlich miteinander umgingen und sich immer wieder bissen und traten. Bei diesem Halt fiel uns auf der anderen Seite des Autos zufällig eine Schar Rostrennvögel auf, die wir ansonsten sicherlich übersehen hätten. Da machten es uns die beiden Rüppelltrappen deutlich leichter. Ihr weithin hörbarer, quakender Gesang verriet sie schnell, und sie taten uns auch noch den Gefallen, langsam näherzukommen und sich in Pose zu setzen.

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Beim Namib Rand Familiy Hideout mussten wir ein Tor öffnen, um dann die letzten 15 Kilometer zurückzulegen.

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Die Sandpad führte zwischen zwei Zäunen entlang, und ein Hinweisschild besagte, dass man Tiere, die zwischen diese beiden Zaunreihen gelangt waren, bitte nicht mit dem Auto hetzen solle. Wir waren sehr froh, dass wir hier kein Tier erblickten, denn sonst hätte der Weg recht lange dauern können. Erst später, als die Zäune verschwunden waren, sahen wir eine Straußenfamilie mit noch recht kleinen Küken (die aber fast völlig im hohen Gras verschwanden) und immer wieder Springböcke.

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Bei einer neuen Rezeption checkten wir ein und erfuhren, dass wir heute die einzigen Gäste waren. Wie vor zwei Jahren bekamen wir die Campsite Venus.

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Wir richteten uns ein, duschten und spazierten noch ein wenig durch die Dünen hinter der Campsite.

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Das feine Reliefmuster des Windes war im Sand noch völlig unberührt.

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Wie schon in Sesriem und im Vlei waren auch hier viele Heuschrecken unterwegs, die sofort reißaus nahmen, wenn wir uns näherten. Da aber keine größeren Vögel unterwegs waren, lebten sie hier deutlich ruhiger.

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Das Nachmittagslicht war wunderschön, und wir freuten uns mal wieder über die Einsamkeit und Ruhe. Während wir auf einer kleinen Düne saßen, wurden die Schatten länger und länger, und es verging nicht viel Zeit bis die Sonne im Dunst hinter den Bergen verschwand.

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Wir machten uns auf den Rückweg und entdeckten noch zwei Oryx, denen es aber nicht mehr ganz so gut ging.
Das wird wohl nix mehr! 🙁

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Im Camp machten wir uns an die Vorbereitung des Abendessens. Während das Feuer herunterbrannte, kümmerte sich Ruth um den Salat, Knoblauchbutter und Oryxsteaks. Es war ein toller Abend mit hervorragendem Essen unter einem sehr beeindruckenden Sternenhimmel.

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Nach dem Abwasch malte Ruth noch ein wenig mit der Taschenlampe. Positiver Nebeneffekt bei der ganzen Mal-Hopserei war, dass sie nicht merkte, dass es langsam kühler wurde. Und anstatt sich in die dickste Jacke eingemummelt nicht mehr als zwei Schritte vom Feuer weg zu bewegen, sprang sie motiviert auf dem Weg herum. Dabei entstanden die kleinen Licht-Krickelzeichnungen, bei denen Uwe immer ganz gespannt ist, was diesmal dabei herauskommen wird.

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Der Sternenhimmel ist an diesem Ort aber auch ohne Taschenlampenmalerei unübertroffen. Während Uwe die Einstellungen der Kamera für eine Serienaufnahme überprüfte, entdeckte Ruth am Himmel eine sehr kräftige Sternschnuppe, die gleich einem Feuerwerkskörper einen grünen Schweif hinter sich herzog und danach sehr schnell verglühte.

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Bei etwa 13 Grad krabbelten wir schließlich ins Zelt.

Kilometer: 249
Teil 1219. Aug. 2021
Tag 8 – Samstag, 10. Juli – Hinter dem Kuiseb rechts

Namib Rand Family Hideout – Blutkuppe

Der Morgen war zumindest draußen recht kalt. Aber in unseren Daunenschlafsäcken war es die ganze Zeit mollig warm. Als Uwe aufstand, zeigte das Thermometer knapp zwei Grad. Die Sonne leuchtete bereits über den Horizont.

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Bei einer ersten Tasse Kaffee kramte er schon ein wenig herum. Ruth war auch bald fertig, und wir beschlossen, die kleine Runde durch das Namib Rand Nature Reserve zu fahren, die für Selbstfahrer erlaubt ist. In einem großen Bogen ging es um das Camp herum, zunächst über eine Fläche mit einzelnen gelben Graspuschelchen. Die Dünen leuchteten rot-braun, und in der Ferne erhob sich das dunkle Bergmassiv. Die Landschaften, in denen Gras, Sand und Fels zusammentreffen, empfinden wir immer als besonders schön. Deswegen sind wir hier wohl auch bereits zum zweiten Mal gelandet.

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An einigen trockenen Kameldornbäumen vorbei ging es in Richtung der Dünen.

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An der als etwas tiefsandig und schwieriger angekündigten kleinen Dünenauffahrt verhungerten wir dann auch prompt kurz vor dem höchsten Punkt, und Uwe musste noch einmal zurückrollen und ein bisschen mehr Schwung nehmen. Bevor es wieder abwärts ging, machten wir Halt und bestaunten die Aussicht in alle Richtungen, jedes Hügelchen und jeden Baum.

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Danach fuhren wir langsam hinunter auf die gold-gelbe Grasebene. Überall flogen Nonnenlerchen und andere kleine Vögel auf, wenn wir uns näherten. Sie begleiteten uns ein Stück des Weges, bevor sie sich wieder niederließen und im Gras verschwanden.

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Zurück am Camp frühstückten wir in der Sonne. Uwe probierte das Müsli mit einer frischen Maracuja. Aus Swakopmund hatten wir noch ein Körnerbrot dabei, das von außen schon recht hart, aber innen herrlich frisch war und sehr lecker schmeckte.
Vor der Abfahrt wurde noch schnell geduscht, und auch die Vögel, die sich in den umliegenden Bäumen sammelten, um an der kleinen Vogeltränke zu nippen, wollten noch beachtet werden.

Rotkopfamadine

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noch mehr davon

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Kapsperling

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Rotschwanzschmätzer

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Gegen halb elf brachen wir auf. Das wurde auch höchste Zeit, denn heute hatten wir eine ziemlich lange Etappe eingeplant. Das Namib Rand Familiy Hideout ist wirklich ein ganz besonders schöner Ort.

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Zunächst fuhren wir denselben Weg zurück, den wir gestern gekommen waren. Wieder war viel Wild unterwegs. Zebras hatten wir schon auf dem Hinweg einige gesehen. Vielleicht war es dieselbe Herde oder einfach nur ein paar Freunde oder Verwandte.

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Auf der C19 passierten wir Sesriem, und bei Solitaire hielten wir, um Wasser und ein Stück Apfelkuchen zu kaufen. Erneut waren die sonst so rummelige Tankstelle und der Platz drumherum wie ausgestorben.

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Auf der C14 ging es weiter zum Kuiseb. Über weite Strecken war die Pad frisch geschoben, und so kamen wir schnell voran. Im Vergleich zu vorgestern sahen wir noch deutlich mehr Strauße, Oryx und einige Springböcke, sogar ein paar Kuhantilopen. Rüppell-Trappen und Rennvögel liefen neben der Straße.

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Am Kuiseb fuhren wir zum Gramadula-Aussichtspunkt, für den man ein Permit benötigt. Da wir das ja hatten und in der Vergangenheit dort immer nur vorbeigefahren waren, freuten wir uns, nun an diesem tollen Platz ein Picknick machen zu können. Wir aßen Brot mit Käse und Wildschinken und teilten uns den Apfelkuchen. Es war absolut still, nur der Wind wehte ein wenig.

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Die Pause tat gut, und danach begaben wir uns auf die letzte Etappe zur Blutkuppe. Die zog sich nochmal sehr – das Thermometer zeigte zwischenzeitlich sogar 30 Grad – und wir erreichten erst kurz vor Sonnenuntergang unser Tagesziel.

Steppenfalke

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Wir waren uns sicher, dort wieder völlig alleine zu stehen, hatten jedoch nicht auf den Kalender geachtet. Es war Samstag, also Wochenende. Und was macht man als Einheimischer, wenn man seinen Distrikt nicht verlassen darf? Richtig, zur Blutkuppe fahren, um dort eine schöne Zeit zu verbringen. Wir hätten ebenso gehandelt. Das dämmerte uns aber erst jetzt, und so waren wir ziemlich überrascht, als wir fast alle Stellplätze hinter der Blutkuppe besetzt fanden. Nach einigem Suchen entdeckten wir zum Glück doch noch einen und klappten das Zelt auf. Zum Sonnenuntergang kletterten wir auf den Berg, der wie immer rot leuchtete. Pünktlich mit dem letzten Licht kamen wir oben an.

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Da wir erst am Nachmittag etwas gegessen hatten, hielt sich unser Hunger in Grenzen. Trotzdem machten wir ein Feuer und grillten „nur“ das schon aufgetaute Fleisch. Dazu aßen wir eine Gurke und Grillbrote.

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Obwohl es so voll war, bekamen wir von unseren Nachbarn nicht viel mit. Alle waren rücksichtsvoll, und mit der Zeit war auch die laute Musik aus verschiedenen Autoradios verstummt. Wir verzichteten auf weitere Lichtmalereien, da man sich mit dem hektischen Taschenlampengefuchtel sicherlich keine Freunde gemacht hätte. Stattdessen startete Uwe eine Sternen-Serienaufnahme.

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14 mm – f 4.0 – 25 s – ISO 6400 – Startrail aus 100 Einzelbildern
Heute hatte er Glück, denn er sah so eine grüne Sternschnuppe wie Ruth sie ihm gestern beschrieben hatte. So etwas hatten wir selten gesehen, und nun direkt an zwei Tagen hintereinander. Mit unseren Wünschen ging es also gerecht zu. 1:1!
Es hatte immer noch warme 18 Grad, als wir die Leiter zum Zelt hinaufstiegen.

Kilometer: 395
Teil 1324. Aug. 2021
Tag 9 – Sonntag, 11. Juli – Treffen mit Freundinnen

Blutkuppe – Farm Ombu

Auch am Morgen war es an der Blutkuppe noch angenehm warm. Wir standen recht früh auf und tranken lediglich eine Tasse Tee bzw. Kaffee. Uwe tunkte noch schnell einen Rusk in seinen Kaffee, weiteres Frühstück verschoben wir auf später. So fiel für die herbeigeeilten Bergstare leider kein Krümelchen ab.

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Unser Stellplatz bestand komplett aus dem groben Sand, in dem wir es 2005 tatsächlich geschafft hatten, uns festzufahren. Zu unserer Ehrenrettung müssen wir allerdings erwähnen, dass wir damals keinen Allrad hatten und der Sand sehr locker und außerdem noch etwas tiefer als an dieser Stelle war. In Gedanken an das damalige Abenteuer schalteten wir einfach den Allrad ein und rangierten nun problemlos auf den Rückweg.

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Mit den ersten Sonnenstrahlen fuhren wir zurück zur C28, vorbei an dem kleinen Köcherbaum, den wir schon so oft fotografiert haben und bogen nach Osten auf die Strecke ab, die wir vor einer Woche in die entgegengesetzte Richtung gefahren waren.

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Den ganzen Morgen begegneten wir keinem anderen Fahrzeug. Sobald wir anhielten, schallte der vertraute Ruf der Rüppells Trappen herüber. Meist fanden wir sie nach einigem Suchen zu zweit oder zu dritt auf Futtersuche neben der Straße.
Um in Richtung Norden zu kommen, bogen wir auf die C32 ab. Vorbei am Tsaobis Nature Reserve ging es einsam weiter. Vor uns rannte ein etwas größeres Tier über die Straße. Schnell fuhren wir zu der Stelle und spähten in die Richtung, in der es verschwunden war. Aber so sehr wir auch starrten, die Vegetation war einfach zu dicht. Zu viele Büsche, Graspuschel und Gehölz, außerdem jede Menge kleinerer Felsbrocken. Den Löffel-Erd-Schakal-Hyänen-Wolf hatten wir leider verpasst. Dafür saß auf einem Zaunpfahl ein Weißbürzel-Singhabicht und rupfte die Reste eines Perlhuhnes zum Frühstück.

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Als wir keinen richtigen Rastplatz oder geeigneten Baum fanden, hielten wir einfach am Straßenrand, stellten den Tisch hinter das Auto und machten ein Picknick. Ein paar Scheiben Körnerbrot, Wildschinken, Brie und Frischkäse – mehr Luxus brauchten wir nicht, um es uns gutgehen zu lassen.

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Dann machten wir uns auf den Weg nach Karibib, denn dort hatten wir eine Verabredung. In Swakopmund war es uns ja nicht gelungen, das unangenehme Piepsen im Batterierelais abzustellen. Zusammen mit dem für den Fotoapparat nicht ausreichenden Platz zwischen Vordersitzen und Kühlschrank waren wir zu dem Entschluss gelangt, den Mietwagen gegen einen anderen zu tauschen. Savanna war so nett gewesen, Mitarbeiter Kai mit unserem Austauschwagen auf den Weg zu schicken. Den riefen wir nun an, um uns anzukündigen. Er war bereits in Karibib und wartete. Daher beeilten wir uns und erreichten den ausgestorbenen Ort. Wie freuten wir uns, als wir den beigen Landcruiser erkannten, mit dem wir vor zwei Jahren bereits unterwegs gewesen waren. Mit dem waren wir ja schon per Du. Ein erster Blick zeigte uns, wie viel mehr Platz hinter den Vordersitzen war. Und nichts piepste. So einfach sind die kleinen Freuden. Kai wartete sehr geduldig, während wir den Inhalt sämtlicher Fächer von dem einen ins andere Auto trugen. Zum Glück war der Ersatzwagen komplett leer. Alles in allem benötigten wir eine gute Stunde für den Tausch.

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Vor der Weiterfahrt telefonierten wir noch mit Meike (wir hofften insgeheim auf Neuigkeiten vom RKI) und tankten den Wagen voll. Über die C33 ging es weiter nach Omaruru.

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Kurz vor der Stadt bogen wir auf die D2315 ab, um in das Gebiet der Erongo Mountains zu kommen. Zuerst war die Straße noch sehr gut zu fahren. Nach einem Tor mit Wachmann, der kontrollierte, dass wir keine Wilderer waren, ging es bald wieder nach Süden auf die D2316. Schnell wurde die Pad schlechter und steiniger. Es ging immer langsamer vorwärts. Die Farm Ombu war die letzte in einer Reihe und am Ende der Sackgasse. Nach mehreren Farmtoren mit unterschiedlichsten Öffnungsösen und Verschlüssen erreichten wir das Hauptgebäude und wurden bereits erwartet.

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Zur Campsite Okondeka, wo wir mit unseren Freundinnen Anita und Anette verabredet waren und die schon auf uns warteten, waren es nochmal ein paar Kilometer durch mehrere Flussbetten. Der exklusive Campingplatz lag auf einem Hügel und war gut ausgestattet.
Wir wurden herzlich begrüßt, und erwartungsgemäß gab es viel zu erzählen. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir bei toller Aussicht klönenderweise mit Keksen und Appletizer faul an einem kleinen gemauerten Tisch mit Steinbänkchen.
Zum Abendessen grillten wir Oryx-Steaks. Dazu machte Ruth einen Salat mit Gurke, Tomaten, Möhren und Feta. Anita hatte zu Hause einen leckeren Brokkoli-Salat vorbereitet. Mit Rotwein und vielen Lagerfeuergeschichten verging der Abend, und es war sehr gemütlich. Wir hätten gut noch ein wenig länger mit den beiden verbringen können, und so war es schon halb zwölf, bis wir in unseren Zelten verschwanden.

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Kilometer: 288
Teil 1429. Aug. 2021
Tag 10 – Montag, 12. Juli – Etosha zum Ersten

Farm Ombu – Okaukuejo

Uwe wachte mit einem geschwollenen linken Auge auf. Das war zwar nicht hübsch, aber auch kein Grund zur Beunruhigung, zumindest nicht für Uwe. Während er sich sicher war, dass die Schwellung nach ein paar Tagen wohl wieder verschwinden würde, machte sich Ruth schon Gedanken, wo im Etosha denn ein guter Augenarzt zu finden sei. Trotzdem beschlossen wir, erst einmal abzuwarten und das Auge weiter zu beobachten.
Zusammen mit Anita und Anette frühstückten wir in der Sonne und freuten uns über die Ruhe rundherum.

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Obwohl Ruth sich sehr bemühte, ein paar Rosenpapageien zu erwischen, die quietschend vorbeiflogen, gelang es ihr nicht. Einfacher war es mit den Felsenschwalben. Sie saßen auf einem trockenen Ast und ließen sie ganz nah herankommen.

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Erst nach 10 Uhr gelang es uns aufzubrechen. Uwe ließ noch Luft aus den Reifen, die mit weit über drei Bar etwas zu prall gefüllt waren. Zunächst rumpelten wir zurück zur Farm. Dort bezahlten wir unsere Rechnung und kauften noch etwas Zebrafilet, Rauchfleisch und Landjäger. In der Küche liefen ein paar knuffige Hundewelpen herum, die erst ein paar Wochen alt waren. Ruth nahm einen von ihnen auf den Arm, und es dauerte nicht lange, bis er auf ihr T-Shirt pieselte. Überrascht war sie nicht, denn irgendwie passierte ihr das nicht zum ersten Mal.
Der Rückweg zur D2315 war wie gestern etwas beschwerlich, aber landschaftlich wieder sehr reizvoll. Mit weniger Druck in den Reifen fuhren wir heute etwas sanfter über die Steine. Besonders freuten wir uns über drei Dikdiks. Die kleinen Antilopen fraßen direkt neben dem Weg. Mit ihrem kleinen Haarschopf, den großen Augen und der kleinen Rüsselnase sehen sie sehr putzig aus.

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Ab Omaruru konnten wir dann wieder schneller auf Teer nach Nordosten fahren. An einer Polizeikontrolle wurden wir nach dem Woher und Wohin gefragt. Für eine genaue Routenplanung, die man angeblich bei sich haben sollte, interessierte er sich (wie auch alle anderen Polizisten später) aber nicht. Der Officer warnte uns, nicht bei Unbekannten anzuhalten und wünschte uns eine gute Fahrt. Hinter Kalkfeld bogen wir auf die M63 ab, auf der wir wieder mal keinem Auto begegneten. Wie gestern hielten wir einfach am Straßenrand, um zu picknicken. Diese spontanen Stopps irgendwo im Nirgendwo schätzen wir sehr. Die Brotzeit schmeckte mit Blick auf die wogenden gelben Grashalme gleich doppelt so gut.

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Dennoch ließen wir uns nicht allzu viel Zeit, denn wir hatten noch ein gutes Stück Strecke zu machen. Der ursprüngliche Plan – Etosha von West nach Ost – wurde verworfen, da es bis Okaukuejo deutlich näher war. Der Nachmittag war schon weit fortgeschritten, als wir Outjo erreichten. Zunächst wurde getankt. Dann wollten wir gegenüber der Tankstelle in der berühmten Outjo Bakery ein Brot kaufen, es gab nur leider kein einziges mehr. Wie kann man auch davon ausgehen, dass es in einer Bäckerei Brot zu kaufen gibt! 😉
Also versuchten wir unser Glück im Tankstellenshop, auch dort hatten wir keinen Erfolg. Dem emsigen Makalaninuss-Verkäufer und Autoaufpasser kauften wir dennoch eine Nuss ab. Schließlich konnte er ja nichts dafür, dass wir kein Brot bekommen hatten, und eine Nuss mit der Autonummer unseres Mietwagens wollten wir auch schon immer haben. Danach ging es noch schnell um die Ecke zum Superspar. Dort bekamen wir endlich das Brot und ein paar Brötchen und konnten weiter.
Das Anderson’s Gate des Etosha hatten wir schnell passiert

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und steuerten direkt das erste Wasserloch Ombika an. Dort fanden wir Impalas, Kuhantilopen, eine Höhlenweihe und einen Schakal, der es sich auf einem trockenen Elefantenhaufen bequem gemacht hatte.

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Als die Kuhantilopen abgezogen waren, erschien noch eine Giraffe. Sehr zögerlich näherte sie sich und spähte nach allen Seiten. Wir warteten aber nicht, bis sie die Wasserstelle erreicht hatte, sondern fuhren weiter und checkten für fünf Nächte im Park im Büro in Okaukuejo ein. Dann suchten wir uns einen schönen Stellplatz auf der Campsite. Die Auswahl war groß. Es waren nur einige wenige Sites meist ganz vorne in der Nähe des Wasserlochs und bei den Ablutions belegt. Wir entschieden uns für einen Platz etwas abseits neben einem großen Webervogelnest. Nachdem wir unsere Stühle, den Tisch und das Feuerholz deponiert hatten, blieb uns noch eine Stunde für einen ersten Gamedrive im Park. Wir nahmen die kleine Runde über Nebrownii und Gemsbokvlakte. Viele Springböcke standen im Gras oder direkt neben der Straße.

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Beim ersten Wasserloch war nichts zu entdecken, also fuhren wir schnell weiter. Bevor wir Gemsbokvlakte erreichten, war der sandige Boden mit mehreren Höhleneingängen zerwühlt und durchlöchert. Zahlreiche Hörnchen wuselten herum, knabberten frisches Grün und balgten mit ihren Spielgefährten. Auch ein Trupp Fuchsmangusten hatte sich unter die Hörnchen gemischt und teilte sich mit ihnen die Wohnhöhlen.

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Noch mehr begeisterte uns aber ein großes Spitzmaulnashorn, welches ein Stück weiter direkt neben dem Weg lief und auf das Wasser zusteuerte. Wir waren sehr zufrieden mit unserer ersten Pirschfahrt, denn ein Nashorn am Tage hatten wir so frei nur selten erblickt. Trotz gekürztem Horn war das Tier eine imposante Erscheinung.

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Es schaute ein wenig irritiert zu uns herüber und wollte schon abdrehen. Deswegen fuhren wir noch das kleine Stück bis Gemsbokvlakte.

Weißflügeltrappe

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Beim Wasserloch selbst flogen nur Tauben umher. Außerdem war es schon nach 18 Uhr, und wir wollten nicht zu spät am Tor sein. Im schönsten Gegenlicht der untergehenden Sonne machten wir uns auf den Rückweg, natürlich nicht, ohne noch kurz bei unserem Rhino zu stoppen.

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Ein paar Minuten mussten wir dann auch noch bei einem Zebraroadblock warten, da wir die Tiere nicht von der Straße schubsen wollten.

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Nun wurde es aber wirklich höchste Zeit. Vorbei ging es an den Zebras, und wir kamen genau bis zur übernächsten Kurve. Was lag denn da vorne direkt vor uns auf der Straße? Nur noch ein paar Kilometer von Okaukuejo entfernt hatten es sich zwei große Mähnenlöwen gemütlich gemacht. Wir trauten unseren Augen nicht. Der hintere Kater stand schon bald auf und verschwand nach links ins Gebüsch, woraufhin ihm sein Kumpel folgte.

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Gerne hätten wir die beiden noch weiter beobachtet, aber nun drängte die Zeit wirklich sehr. Wir verabschiedeten uns von den Löwen und erreichten kurz vor Torschluss das Camp.
Nach einer erfrischenden Dusche machten wir Feuer und grillten unglaublich leckeres Zebrafilet von Ombu. Dazu dünsteten wir im Potije Blumenkohl und Möhren. Grillbrote mit Knoblauchbutter rundeten das leckere Abendessen ab. Anschließend spülten wir und setzten uns danach noch etwas ans Wasserloch. Dort mussten wir nicht auf die Inszenierung warten, denn das Stück war bereits in vollem Gange. Acht Spitzmaulnashörner tranken und badeten. Eine Mutter mit Kalb verscheuchte alle Artgenossen, die dem Kleinen zu nahe kamen. Es wurde geschnaubt und getrampelt. Mal entfernte sich ein Tier, dann kam es wieder zurück. Auch ein Elefant kam zum Trinken. Respektvoll machten ihm die Rhinos Platz, und er marschierte zielstrebig zum Wassereinlauf, an dem es wohl am besten schmeckt. Wer will schon das Wasser trinken, in dem die anderen gebadet haben?! Da wir schon ziemlich müde waren, blieben wir nicht sehr lange und kuschelten uns in unseren Camper. In der Ferne riefen ein paar Schakale, eine Hyäne jaulte, und direkt neben uns zwitscherte immer mal wieder ein Webervogel im Traum.

Kilometer: 375
Teil 1509. Sept. 2021
Tag 11 – Dienstag, 13. Juli – Gamedrive ohne Ende

Okaukuejo – Olifantsrus

Wie in Okaukuejo üblich standen wir früh auf. In der Nacht hatten immer wieder die Webervögel im Traum gezwitschert – also in ihrem eigenen, nicht in unserem. Während das Camp ganz langsam erwachte, setzte Uwe Wasser auf, ging zur Toilette, und Ruth richtete das Zelt. Unsere Morgenroutine war schon wieder gut eingespielt, und so waren wir pünktlich zur Toröffnung um halb acht fertig.

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Mit Sonnenaufgang machten wir uns auf zur Löwenjagd, denn wir wollten schauen, ob wir die beiden Kater vom Vorabend wieder aufspüren konnten.

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Daher fuhren wir die Runde vom gestrigen Abend zunächst in umgekehrter Richtung, also nach Gemsbokvlakte und dann über Nebrownii zurück. Leider hatten wir kein Glück, denn die Löwen waren nicht mehr zu finden. Davon waren wir auch ausgegangen, aber wir wollten uns nicht nachsagen lassen, es nicht versucht zu haben. Stattdessen entdeckten wir ein einzelnes Eland, einige Schakale und natürlich Unmengen an Springböcken.

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Der Morgen war relativ ruhig, und so hielten wir mal wieder auch für die kleinen Braunen. Mit dieser Aufnahme von hinten tun wir uns etwas schwer. Auch die Größe ist im Nachhinein nur schlecht zu schätzen. Vielleicht ist es ein Marico Flycatcher?

Drosselschnäpper (Chat Flycatcher) (Danke an maddy)

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Weißflügeltrappe

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Nach einem kleinen Stopp in Okaukuejo ging es von dort weiter nach Okondeka. Entlang des Weges sahen wir Springböcke und Gnus, die aber nur wenig kooperativ waren. Völlig gelangweilt von uns hoben sie meist nicht einmal den Kopf. Auch die Landschaft gab nicht allzu viel her.

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Ein bisschen gelbes Gras und kurzes, graues Gewächs. Trotzdem freuten wir uns, einfach hier sein zu dürfen. Uwes Ankündigung, sich notfalls auch für drei Wochen irgendwo in den Staub zu setzen, wenn er nur bloß wieder nach Namibia käme, war gar nicht so falsch. Die Ansprüche waren geringer und die Momente bewusster. Von einfach nur im Staub sitzen waren wir ja auch ohne besondere Sichtung weit entfernt. Vielleicht sind eben auch die kleinen Dinge besonders.

Aufgeregte Weißflügeltrappe

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Termitenschmätzer

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Schnell kamen wir nicht voran, denn die häufigen Vogelstopps hielten auf. Ihre Bestimmung noch viel mehr. Lerchen können wir einfach gar nicht.

Zirp-Lerche (Spike-heeled Lark) Sabotalerche ohne weißen Augenstreif 😛 😗

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Ach, keine Ahnung! Irgendwas passt einfach immer nicht. Entweder ist es der helle Kranz ums Auge, der dunkle Streifen, der vom Schnabel ausgeht, die bräunliche Brust oder das Verbreitungsgebiet. Wir behaupten einfach, eine neue Art entdeckt zu haben. Fertig!

Zirp-Lerche (Spike-heeled Lark) (Danke an Matthias)

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Rostschwanzschmätzer (Familiar Chat) (Danke an maddy)

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Steppenfalke

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Bei Okondeka standen Oryx und Strauße herum. In der Ferne zogen ein paar Gnus vorbei. Von Löwen war weit und breit keine Schwanzspitze zu erblicken, und so fuhren wir über Adamax und vorbei am Märchenwald immer weiter nach Westen. Eine einzelne Giraffe war in die entgegengesetzte Richtung unterwegs.

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Am Picknickplatz hinter dem Wald machten wir eine kleine Frühstückspause und aßen Brötchen mit Nutella und Marmelade. Auch hier war es sehr still. Außer ein paar Webervögeln, die fleißig kleine Ästchen im Schnabel davontrugen, konnten wir keine Vögel entdecken.

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So blieben wir nicht sehr lange und fuhren schon bald weiter. Dabei stellte das Öffnen des Tors Ruth vor eine Herausforderung. Das alte Ding hing nur noch schräg in den Angeln, und sie musste es mehr tragen als schieben. Unter grauem Himmel ging es weiter Richtung Nordwest. Die Strecke zog sich, und wir waren dankbar für jede kleine Abwechslung.

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Bei Ozonjuitji m’Bari tobte dafür das Leben. Alles, was Beine und Flügel hatte und sich mehr oder weniger gut vertrug, war hier vertreten: unzählige Strauße, Oryx, Zebras und Springböcke. In weiter Entfernung entdeckten wir ein paar Elands und dazwischen viele viele Tauben.

Kaptäubchen

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Es ging zu wie auf dem Schulhof. Während die einen sich brav anstellten, abwarteten und alles aus der Ferne betrachteten, wurde anderswo gedrängelt, gerempelt und gepöbelt.

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Besonders arg trieben es die Zebras. Ihre langgezogenen Rufe schallten aus allen Richtungen, während sie kopfnickend Richtung Wasser liefen. Dort angekommen schubsten sie sich herum, traten, bissen und wirbelten mächtig Staub auf.

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Wir blieben eine ganze Weile und sahen dem Schauspiel zu. Leider sichteten wir hier und auch später keine Elefanten. Auf der weiteren Strecke sprang ab und an ein Steinböckchen davon, und auch die Zebras blieben uns treu. Trotzdem wollte die Strecke nach Olifantsrus nicht kürzer werden. Wir begannen ein wenig zu bereuen, den Westen des Etosha dieses Mal nicht ausgelassen zu haben. Ein Highlight war das Picknick bei Sonderkop. Während wir Brote mit Avocado und Rauchfleisch aßen, unterhielten sich an den beiden Nebentischen zwei Schildraben. Sie machten merkwürdige Geräusche und hörten sich an wie eine losgelassene Sprungfeder aus Metall: brrrimmm, brrrrimmm. Es machte wirklich Spaß, den beiden zuzuhören. Obwohl wir schon viele dieser Vögel gesehen hatten, war diese Sprache neu für uns.

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Kalahariheckensänger

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Schnurrbärtchen

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Die letzten 50 Kilometer bis Olifantsrus unterbrachen wir nur noch für einige Doppelbandrennvögel direkt neben der Straße und zwei Steinböckchen.

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Die auf dem Weg liegenden Wasserlöcher waren vollkommen verwaist. Alle Tiere hatten sich verkrochen oder waren abgewandert. Wie verzweifelt wir nach einem Lebewesen Ausschau hielten, beweist dieser Waffenkiebitz, der bei schlechtem Licht neben einem Elefantenköttel als lohnendes Motiv herhalten musste.

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In Olifantsrus checkten wir ein und suchten uns aus den vielen Campsites eine freie aus. Außer uns standen am Ende des Tages noch vier weitere Parteien hier. Wir hatten genug von der langen Fahrerei und dem anstrengenden Gegucke. Daher ruhten wir uns aus, duschten und setzten uns kurz in den Hide.

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Leider war auch an diesem Wasserloch außer ein paar Tauben kein Tier zu sehen.

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Das stimmte so nicht ganz. Im Tümpel unter uns regte sich etwas, und eine Schildkröte grinste zu uns herauf.

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Außerdem stand eine Herde Gnus weit entfernt, machte aber keine Anstalten, näher zu kommen. Mit Sonnenuntergang spazierten wir über den hölzernen Steg zurück zur Campsite.

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Zum Abendessen wollten wir Boerewors grillen. Ruth machten einen Salat mit Gurke, Tomaten, Paprika, Oliven und Feta. Uwe entzündete das Feuer und checkte noch einmal die Lage am Wasserloch, da wir den Ruf einer Hyäne gehört hatten. Seine Mühe blieb aber umsonst.

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Der Abend blieb eher ungemütlich. Zum einen wurde es recht kalt, außerdem qualmte das Feuerholz sehr, und es dauerte ewig, bis wir eine nennenswerte Glut erhielten. Natürlich zog der Qualm immer in unsere Richtung. Egal, ob wir uns vor, hinter oder neben die Feuerstelle setzten, wir wurden eingeräuchert. So zogen wir mehrfach mit unserem Tisch um, bis wir schließlich kapitulierten. Manche Dinge gehören eben dazu. So zum Beispiel nach Rauch stinkende Klamotten und Haare. Als die Wurst endlich fertig war, schmeckte sie zum Glück hervorragend, so dass sich das lange Warten gelohnt hatte.
Bei der Camp-Rezeption gab es WLAN, und so erfuhren wir, dass Lufthansa nur noch dreimal pro Woche von Windhoek nach Frankfurt fliegt. Unser Rückflug wurde daher um einen Tag nach vorne verschoben. Überraschung!
Auf Grund der niedrigen Temperaturen dauerte es nicht lange, bis wir bald nach dem Abwasch ins Zelt kletterten und uns auch das stundenlange Starren auf ein schwach angeleuchtetes Wasserloch nicht mehr locken konnte.

Kilometer: 200
Teil 1617. Sept. 2021
Tag 12 – Mittwoch, 14. Juli – Etosha West

Olifantsrus – Okaukuejo

Noch beim Einschlafen hörten wir Hyänen rufen, und in der Nacht weckte uns mehrfach Löwengebrüll. Wir waren aber zu faul, uns anzuziehen und am Wasserloch nachzusehen. So lauschten wir in unsere Schlafsäcke gekuschelt dem nächtlichen Konzert und standen um viertel vor sieben mit großen Erwartungen auf. Die Luft war kühl, und wie jeden Morgen waren alle Sachen schnell eingepackt. Mit einem heißen Getränk liefen wir zum Hide und sahen zu, wie sich die Sonne langsam über den Horizont schob. Das Wasserloch lag immer noch völlig still, nur ein paar vereinzelte Tauben landeten und flogen gleich darauf wieder auf.

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Daher blieben wir nicht allzu lange und fuhren zunächst ein Stück nach Westen zum ersten Wasserloch Nomab. Dort stand ein einzelnes kleines Oryx verloren im Gras und hielt Ausschau nach seiner Mutter.

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Wir halfen ihm ein wenig bei der Suche, konnten aber nur Gnus, Kuhantilopen und Zebras entdecken.

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Wir hofften, dass die Geschichte des kleinen Oryx noch ein glückliches Ende nehmen würde und seine Mutter in der Nacht nicht als Mitternachts-Imbiss geendet hatte. Auf dem Weg fanden sich nämlich frische Löwen- oder Leopardenspuren in beachtlicher Größe.

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Weiter nach Westen wollten wir nicht, denn wir hatten ja wieder den ganzen Weg bis Okaukuejo vor uns. Daher drehten wir um. An Olifantsrus vorbei machten wir heute Morgen viele Kilometer ohne nennenswerte Sichtungen. Ein Sekretär flog leider direkt davon, als wir neben ihm anhielten. Kurz vor der Wasserstelle Sonderkop hielten wir am Picknickplatz und holten uns Brötchen, Nutella und Marmelade nach vorne. Der Plan war, an der Wasserstelle mit tollen Sichtungen zu frühstücken. Und er schien aufzugehen, denn dort stand bereits ein anderes Auto, aus welchem ein Objektiv herausragte. Zuerst sahen wir Gnus, Zebras und Springböcke, entdeckten aber schon bald eine Löwin, die am vorderen Rand des Parkplatzes müde herumlag. Das Fell unter ihrem Kinn hatte noch einen roten Schimmer, und wir vermuteten, dass sie diese Nacht Beute gemacht hatte. Sie war intensiv mit der Fellpflege beschäftigt und hielt nur ab und zu inne, um zu schauen, ob wir noch da waren.

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Das waren wir natürlich, denn ein Frühstück mit Löwenaussicht schmeckt gleich noch viel besser. Sehr zufrieden ließen wir uns die Brötchen schmecken und entdeckten erst viel später eine zweite Katze, die es sich ein Stück entfernt auf einem Haufen Elefantendung bequem gemacht hatte.

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Wir konnten beide nicht glauben, dass wir sie so lange übersehen hatten und scannten die Gegend nach weiteren Mitgliedern ihres Rudels ab. Diesmal waren wir uns ziemlich sicher, dass wir kein weiteres Tier verpasst hatten. Aber zwei Löwinnen sind ja auch nicht schlecht. Während wir frühstückten und darauf warteten, dass sich eine der Katzen bewegte, erschien zwischen den Gräsern und Bäumen auf der gegenüberliegenden Seite des Wasserlochs eine zottelige, dunkle Gestalt, die sich rasch näherte.

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Sie steuerte zunächst zielstrebig auf das Wasser zu, drehte ein wenig ab, um einen weiteren Haken zu schlagen und sich dann doch dafür zu entscheiden, ihren Durst zu stillen. Leider lag das Wasserloch im Gegenlicht. Trotzdem freuten wir und sehr über die braune Hyäne, die sich von unseren beiden Löwen nur wenig beeindruckt zeigte. Vielleicht war sie aber nur ebenso blind wie wir vorhin.

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Die Löwin, die nahe bei unserem Auto lag, erhob sich und lief zu ihrer Freundin.

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Gemeinsam ließen die beiden die trinkende Hyäne nicht aus den Augen, machten aber auch keine Anstalten, sie zu verjagen. Man kann auch friedlich miteinander sein. Als das braune Zotteltier seinen Durst gelöscht hatte, machte es sich fünf Minuten später schon wieder davon – bloß nicht rennend, denn man will ja nicht den Jagdtrieb wecken, aber doch dem wachsamen Blick entkommen, schließlich weiß man nie …

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Als der Hyäne der Abstand zu den Löwen groß genug erschien, wurde sie auch gleich ein wenig mutiger und streckte ihnen zum Abschied noch schnell die Zunge heraus.

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So toll hatten wir uns unser Frühstück gar nicht vorgestellt. Schnell packten wir zusammen, verabschiedeten uns ebenfalls von den Löwen und fuhren los, um die Hyäne noch einmal auf der Straße zu erwischen. Sie lief einige Zeit parallel zu uns, aber irgendwann verloren wir sie aus den Augen.

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Wir folgten der Pad bis Ozonjuitji m‘Bari, wo heute deutlich weniger Tiere als gestern waren. Es war mittlerweile nach 11 Uhr, und alle hatten sich in den Schatten verkrochen oder lagen wiederkäuend im Gras. So blieben wir dort nicht lange und fuhren bald weiter.

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Den nächsten Picknickplatz ließen wir links liegen, um möglichst schnell nach Okaukuejo zu kommen. Dort wollten wir eine längere Mittagspause machen. Ein paar Kilometer vor dem Restcamp stand ein Spitzmaulnashorn mitten in einem Gebüsch und fraß. Man konnte es nur entdecken, weil der komplette Busch wackelte. Mal sah man ein Ohr, mal den Schwanz, manchmal auch nur graue Haut, während es die Blättchen um die dornigen Äste herum zupfte. Seine Futtersuche war wirklich mühsam, und es dauerte eine ganze Weile, bis es sich endlich zeigte.

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Im Büro in Okaukuejo bezahlten wir die Campsite für eine Nacht und kauften im Shop wieder ein Paket Holz.
Unseren Stellplatz suchten wir ganz am hinteren Rand des Campingareals und machten es uns gemütlich.

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Wir freuten uns an den kleinen Besuchern, die neugierig herbeikamen, um zu schauen, ob vielleicht etwas Leckeres vom Tisch fallen würde.

Rotschnabelfrankolin

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Ruth spazierte zum Nest der Siedelweber, die schon wieder eifrig damit beschäftigt waren, ihre Wohnung zu vergrößern. Dabei wurden zwitschernd die spannesten Neuigkeiten ausgetauscht.

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Zum Essen machten wir einen Avocado-Thunfisch-Salat mit Mais, und es gab Rauchfleisch, Butterbrote und Brie. Anschließend ging Ruth duschen, und Uwe trank Kaffee und verputzte den letzten Schokomuffin. Dann wurde gespült, und während Uwe duschte, legte Ruth das Fleisch für das Abendessen ein. Man könnte meinen, wir haben nur gegessen. (Haben wir wohl auch!)
Teil 1717. Sept. 2021
Bevor wir gegen 15:30 Uhr aufbrachen, schauten wir kurz beim Wasserloch vorbei. Dort tranken drei Elefanten. Wir sahen ihnen dabei zu, bis sie genug hatten und den Platz wieder verließen, denn es waren dieses Jahr die ersten Elefanten, die wir im Etosha sahen.

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Dann wollten wir eine kleine Runde beginnend bei Nebrownii fahren. Weiter kamen wir auch nicht, denn dort lag ein Löwe im Gras zwischen Straße und Wasserstelle. Ein zweiter lag noch weniger sichtbar im hohen Gras, dafür aber fast neben der Straße.

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Viel tat sich hier nicht. Mal wurde eine Vordertatze, mal ein Hinterbein in die Luft gestreckt. Man räkelte sich links- und rechtsherum und ließ sich von der Sonne bescheinen. Wir stellten uns auf eine lange Wartezeit ein, und das taten mit uns mittlerweile fünf weitere Autos. Als sich der eine Löwe nach einer Viertelstunde erhob, wurde es hektisch. Die Fotoapparate klickten, und es wurde wild rangiert.

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Sicherlich würden die beiden früher oder später zur Wasserstelle laufen. Daher verließen wir die Autoansammlung und parkten um. Mit einem guten Blick auf das Wasser warteten wir und wurden nicht enttäuscht. Die beiden Löwen trotteten langsam in unsere Richtung, blieben aber immer wieder stehen, legten sich nieder, erhoben sich und taten die nächsten paar Schritte. Sie hatten wirklich keine Eile.

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Die Schildraben und Krähen waren da deutlich flotter unterwegs. Sie kamen schnell herbeigeflogen, tranken ein paar Schlückchen und flatterten dann zur Seite, als der erste Kater vorbeischritt.

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Er trank lange und legte sich dann für alle anderen Tiere weithin sichtbar direkt oberhalb des Wassers in Position.

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Ein einsamer Springbock umrundete in großem Abstand das Wasserloch und stieß respektvolle Alarmrufe aus. Die Anwesenheit der Löwen hatte sich wohl herumgesprochen, denn mit Erscheinen des zweiten hatte sich auch der Parkplatz gefüllt. Wir waren froh, so früh dort gewesen zu sein, denn mittlerweile waren gefühlt alle Autos, die hier unterwegs waren, bei Nebrownii versammelt, und im Laufe der nächsten zwei Stunden wurden es immer mehr. Wir fuhren noch einmal ein wenig zur Seite, um etwas Platz zu machen und konnten dem Rangieren um die besten Plätze gelassen zusehen.

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Es passierte nicht wirklich viel. Ab und zu erhob sich einer der Löwen, schaute sich um und legte sich wieder hin.

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Irgendwann erschienen nacheinander von der anderen Seite noch zwei weitere Löwen.

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Alle vier begrüßten und beschnüffelten sich, bevor sie sich nebeneinander – wie heute Morgen schon die Löwendame – auf den Elefantenbollern niederlegten. Dort scheint es wirklich besonders schön kuschelig und weich zu sein. Die vier schienen noch junge Brüder zu sein und betrachteten sich augenscheinlich als die Stars der Wasserstelle.

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Solange sie dort lagen, trauten sich nur wenige Springböcke und viele Schildraben etwas näher heran.
Erst gegen viertel nach sechs lichteten sich die Reihen der Zuschauer, als immer mehr Leute den Rückweg nach Okaukuejo antraten. Auch wir machten uns auf und kamen passend zum Sonnenuntergang zum großen Wasserloch im Camp an. Dort kamen gerade zwei Elefanten zum Trinken.

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Ruth entdeckte eine Schleiereule im Baum über uns.

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Auf unserer Campsite machten wir Feuer und zogen uns warme Sachen an, denn nach Sonnenuntergang wurde es schnell kühl. Wir machten Salat mit Tomaten, Paprika, Feta, Oliven und Gurke. Das neue Holz war nicht ganz trocken, und so brauchten wir wieder lange, bis genügend Glut zum Grillen vorhanden war.
Dieses Problem hätten die Campangestellten, die ein wenig außerhalb von Okaukuejo wohnten, sicherlich gerne gehabt, denn während unser Feuer nicht brennen wollte, stand das Staff-Camp plötzlich lichterloh in Flammen. Wir hörten aufgeregtes Geschrei und sahen den roten Feuerschein zu uns herüberleuchten. Am Tonfall der Leute meinten wir zu erkennen, dass die Lage ernst war und hofften, dass niemand verletzt würde. Ein aufkommender Wind fachte die Flammen immer wieder an, wenn wir gerade dachten, dass es nun bald geschafft und das Feuer gelöscht wäre. Langsam machten wir uns Sorgen. Was, wenn der Wind die Flammen zu uns herübertreiben würde? Die armen Menschen, die gerade mit den Flammen kämpften. Mehrere Autos fuhren zum Camp, und nach einer ganzen Weile war der Brand zum Glück unter Kontrolle.

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Nach der ganzen Aufregung grillten wir endlich unser Zebra und konnten jeden Löwen verstehen, denn es schmeckte ganz hervorragend. Ruth kuschelte sich in eine warme Decke, während Uwe zum Spülen ging. Anschließend setzten wir uns mit unseren Wolldecken und Mützen noch ein bisschen ans Wasserloch, beobachteten die sechs Nashörner und die Schleiereule, die noch immer im Baum saß.

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Als es spät und uns zu kalt wurde, liefen wir zum Auto und starteten noch eine Serienaufnahme des Sternenhimmels. Hoffentlich stehen morgen früh nicht zwei Kameras auf dem Platz.

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Kilometer: 176
Teil 1827. Sept. 2021
Tag 13 – Donnerstag, 15. Juli – Etosha Mitte-Ost

Okaukuejo – Namutoni

Heute Morgen stand Uwe noch ein wenig früher auf als sonst. So ganz geheuer war ihm bei der Vorstellung, dass der Fotoapparat so ganz alleine mitten auf dem Platz stand, dann doch nicht. Da es aber noch sehr kühl war, lockte ihn ein Frühstück in der eisigen Luft wenig, und er beschloss sich für ein weiteres Stündchen in den warmen Schlafsack zu kuscheln.
Die Morgenroutine verlief dann zügig, und pünktlich um halb acht waren wir bereit. Heute war der Campingplatz in Okaukuejo deutlich voller als vorgestern.
Wir fuhren auf direktem Weg nach Nebrownii, um nach den Löwen zu schauen.

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Sie waren tatsächlich noch vor Ort und lagen in einiger Entfernung im Gras. Aktiv war zunächst nur eine Tüpfelhyäne, die unbeeindruckt von den Löwen zum Trinken an das Wasserloch kam.

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Zwei der Löwen lagen nahe der Straße, standen bald auf und liefen parallel zum Fahrweg. Ein paar Autos hatten bereits die Verfolgung aufgenommen. Wir reihten uns ein und fuhren so, dass wir die zwei Katzen gut beobachten konnten.

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Alle Fahrer verhielten sich sehr rücksichtsvoll. Es wurde weder gedrängelt noch blockiert. Jeder konnte in Ruhe schauen und ein paar Fotos machen. Mal war das eine, mal das andere Auto vorn, und alle warteten, um die Tiere nicht zu bedrängen. Das hatten wir im Etosha schon ganz anders erlebt und freuten uns über das positive Verhalten der Leute.
Die Löwen balgten ein wenig miteinander und legten sich danach wieder ins hohe Gras, während sie die Umgebung neugierig beobachteten.

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Als ein paar Springböcke näher kamen, duckten sie sich ganz flach auf den Boden und visierten ihre mögliche Beute.

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Zum Glück für die Böcke waren die beiden Katzen viel zu ungeduldig, und ein Angriffsversuch blieb mehr als halbherzig. Der eine Löwe hob den Kopf und stand wenig entschlossen auf, so dass er sogleich bemerkt wurde und die Springböcke auf und davon waren.

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Wir blieben noch eine Weile und sahen den Löwen beim Faulenzen zu. Aneinander gekuschelt ließen sie sich den Wind um die Ohren wehen.

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Bald fuhren wir weiter nach Gemsbokvlakte. An der Haustür der Fuchsmangusten-Hörnchen-WG machten wir einen kurzen Halt. Die Familien hatten ihren Bau verlassen und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Dabei achteten sie auf jede kleinste Bewegung und waren sofort wieder in ihrem Loch verschwunden, sobald wir im Auto eine zu schnelle Bewegung machten.

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Am Wasserloch gab es außer ein paar Flughühnern nichts zu entdecken, und so fuhren wir nach Olifantsbad.

Namaflughuhn

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Gleitaar

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Ein junger Weißbürzel mühte sich, das Nest in einem dornigen Geäst anzufliegen. Als wir anhielten, ließ er von seinem Vorhaben ab und schaute verärgert. Ob das Nest noch bewohnt war, konnten wir nicht erkennen, für den Fall, dass dies aber so war, hatten die Nestlinge sicher einen gehörigen Schrecken davongetragen.

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Teil 1927. Sept. 2021
Kurz vor dem Rastplatz entdeckten wir ein Impala, dem etwas Langes aus dem Hals ragte. Wir konnten zunächst nicht erkennen, um was es sich handelte, waren uns mit Hilfe des Fernglases aber schnell sicher, dass es das abgebrochene Horn eines Kollegen sein musste. Das Horn schlenkerte bei jedem Schritt hin und her, schien das Impala aber nicht weiter zu beeinträchtigen.
Wir gingen zur Toilette, wollten aber nicht hier auf dem Rastplatz, sondern am Wasserloch frühstücken und holten ein paar leckere Sachen nach vorne. In der Gesellschaft einer kleinen Kuduherde, Zebras und ein paar Perlhühnern schmeckte es gleich viel besser.

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Nach einer Weile traf auch der unglückliche Impalabulle ein. Das Horn des Rivalen in seinem Hals sah schaurig aus. Der arme Kerl konnte einem wirklich leid tun. Am liebsten hätten wir das Horn herausgezogen und sogleich einen Druckverband angelegt.

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Nach Nutellabrot und Müsli ging es auf sehr holperiger, schlechter Straße weiter nach Aus. Dort war alles wie ausgestorben, und so fuhren wir zur Hauptverbindungsstraße nach Halali und zu den Wasserstellen Sueda und Salvadora. Außer sehr vielen Zebras und Springböcken begegneten wir keinen größeren Tieren. Ab und zu hielten wir für einen Vogel, freuten uns aber auch einfach an der kargen Landschaft und den hohen, gelben Gräsern.

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Eine Gruppe Oryx war mit ihrem Nachwuchs unterwegs, und ein Kalb schaute interessiert zu uns herüber, bevor es davonlief.

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Auffallend war, dass immer mehr Gabelracken und Gleitaare zu entdecken waren, je weiter wir nach Osten kamen.
Den nächsten Halt machten wir am Etosha Lookout, bis zu dem wir ein Stück in die Etosha Pfanne hineinfuhren. Hier vertreten wir uns gerne etwas die Beine. Natürlich mussten wir auch wieder ein bisschen herumhopsen. Wir haben mittlerweile schon eine ganze Reihe von Aufnahmen an diesem Ort gesammelt.

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Uwe musste es mit einem doppelten Salto natürlich gleich übertreiben und verlor dabei seinen Schuh. 😉

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Wir entschieden spontan, nicht in Halali, sondern bereits heute in Namutoni zu übernachten. Daher hatten wir noch viele Kilometer vor uns. Langsam fuhren wir am Pfannenrand weiter nach Osten und hatten es trotzdem nicht eilig. Wir begegneten lediglich einer Handvoll anderer Autos und wurden auch nicht überholt. Vermutlich standen alle anderen noch an der Löwenschranke bei Nebrownii. Gut für uns, so hatten wir den restlichen Park für uns.

Doppelbandrennvogel

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Bei den natürlichen Quellen Springbokfontein und Batia fanden wir noch etwas Wasser. In lockeren Grüppchen standen Gnus und Springböcke über die Ebenen verteilt.

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Bei Kalkheuvel waren wir jedoch enttäuscht, da es viel weniger Wasser als früher und entsprechend kaum Tiere oder gar Vögel gab. Was hatten wir hier schon Stunden verbracht und Papageien, Spatzen und Graulärmvögeln aus nächster Nähe beim Baden zugesehen. Nun war alles trocken und steinig, und wir vermuteten nur noch etwas Wasser in weiter Entfernung. So kann sich das Bild ändern, wenn man einige Jahre nicht vor Ort war. Auch bei Chudop herrschte nicht viel Betrieb. Lediglich ein paar Giraffen standen herum, entfernten sich bis auf eine aber schon bald. Dieser schauten wir bei ihrem aufwändigen Trinkvorgang zu. Es dauerte ewig, bis sie Beine und Hals in die richtige Position gebracht hatte und sich endlich mit ein paar Schlucken belohnen konnte, bevor sie aufschreckte und sich prüfend in alle Richtungen umsah. Danach ging es wieder in den leichten Spagat, und sie trank hastig. Dieses Spielchen wiederholte sie einige Male, bis ihr Durst gelöscht war und sie zufrieden davonschritt.

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Wir machten uns ebenfalls auf und checkten für zwei Nächte auf der Campsite in Namutoni ein. Insgesamt standen dort vielleicht fünf Autos. Es war sehr ruhig, und alle Angestellten waren besonders zuvorkommend, freundlich und zu einem Schwätzchen aufgelegt. Wir suchten uns einen schönen Platz am Rand, machten uns breit und ruhten ein wenig aus. Nicht nur wir, sondern auch die Tokos um uns herum suchten sich einen kleinen Snack. Dabei kamen wir uns allerdings nicht in die Quere. Während wir die Landjäger von der Ombu-Farm verspeisten, bevorzugten die Vögel die großen Heuschrecken, von denen es auch hier sehr viele gab.

Gelbschnabeltoko

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Rotschnabeltoko

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Unsere Nachbarn waren ein Ehepaar mit einem wirklich beeindruckenden Gefährt. Auf einem separaten Anhänger zogen sie zur einfacheren Fortbewegung im Park einen kleinen Suzuki hinter sich her. Nebendran standen ein paar Fahrräder, und im LKW lief die ganze Zeit über der Fernseher. Unsere Theorie war, dass er gerne zu Hause fern guckte, sie hingegen verreisen wollte. Das hier war nun der Kompromiss der beiden. Wir hätten uns gerne ein wenig unterhalten und unsere Vermutung überprüft, können uns aber vorstellen, dass man mit einem solchen Auto Aufmerksamkeit erregt und vielleicht auch ganz froh ist, wenn man nicht ständig angequatscht wird. Vielleicht ergibt sich ja später noch die Gelegenheit.

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Nachdem wir geduscht hatten, fuhren wir noch eine kleine Runde. Bei der Anmeldung im Office hatte Ruth einen Blick ins Sichtungsbuch geworfen und nicht anders gekonnt, als die letzten Einträge zu fotografieren. Ja sicher: Der Eintrag vom 3.7. ließ uns völlig unbeeindruckt. Dort stand um 7:50 Uhr lucky: zwei Leoparden. Natürlich gleich zwei, eine Mutter und ein Jungtier. Und keine Stunde später very lucky: drei Karakals, oder heißt es Karakale? Und gibt’s die überhaupt im Plural? Wie viele Flaschen von Daxiangs großartigem Sichtung-Fee-Bestechungswilli hatten die denn bitte schön getrunken? Wir beschlossen, das als Fake abzutun. Kein Mensch konnte ein solch unverschämtes Glück haben, bei einem einzigen Gamedrive sowohl Leos als auch Karakale zu sichten. Der ganze Quatsch sollte uns natürlich dennoch nicht daran hindern, ab sofort die Strecke nach Twee Palms mehrfach abzufahren. Und gleich heute Abend würden wir den Willi auspacken. Das wäre doch gelacht! Wir könnten auch einfach (very very lucky) vier Erdferkel mit einem Pangolin auf dem Rücken im Buch notieren. Frechheit!

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Das Ziel stand also fest, und wir machten uns auf den kurzen Weg bis Twee Palms. Die 12 Kilometer dauerten trotzdem lange, schließlich wollten die Leoparden und Karakals ja in ihrem Versteck aufgespürt werden, nachdem sie nun über 10 Tage lang auf uns gewartet hatten. Das einzige, was wir entdecken konnten, waren allerdings ein paar Gnus und Oryx und die Behausungen der Maskenweber.

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Am Wasserloch stand eine große Herde Giraffen, ein paar Enten zogen ihre Bahnen, und wir entdeckten sogar zwei Marabus.

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Während die Sonne unterging, fuhren wir zurück ins Camp.

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Dort machten wir Feuer und wunderten uns schon nicht mehr, dass das Holz, das wir im Park gekauft hatten, auch heute Abend zuverlässig qualmte und sehr lange brauchte, bis es endlich brannte. Wir grillten Oryx und aßen dazu Grillbrote und Bohnensalat. Es wurde wieder kühl, aber wir saßen noch etwas am Feuer. Ruth trank Tee, und Uwe sicherte Fotos. Währenddessen fing in der Ferne ein Löwe an zu brüllen, Hyänen jaulten und Schakale riefen. Herrlich!
Ach ja, da war ja noch was: Her mit dem Willi! Prost und eine gute Nacht mit Träumen voller Karakale …

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Kilometer: 224
Teil 2001. Okt. 2021
Tag 14 – Freitag, 16. Juli – Vom richtigen Zeitpunkt

Namutoni

Um es vorwegzunehmen: Wir haben heute weder ein Karakalbaby, noch seine Mutter erblickt, und auf den Leoparden im Etosha warten wir noch immer. Kann ja auch nix werden, der wird ja von allen anderen Leuten hier im Forum schon immer weggeguckt – falls es ihn überhaupt gibt!
Heute Morgen mussten wir mal nicht das komplette Lager abbrechen. Die Leine durfte hängen bleiben, denn wir wollten ja noch eine zweite Nacht bleiben.

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Kurz nach Toröffnung starteten wir in den Park. Chudop enttäuschte mit gähnender Leere, Koinachas ebenso, Klein und Groß Okevi waren auch verwaist. Dort gab es nicht nur nichts, sondern gar nichts zu sehen. Was war denn nur los? Wir hatten heute keine Geduld, stundenlang auf ein leeres Wasserloch zu starren. (Auch diese Taktik hatten wir schon mehrfach ausprobiert. So richtig gelohnt hat sie sich bisher aber noch nicht. Daher setzen wir mehr auf den Zufall, zur richtigen Zeit am rechten Ort zu sein, oder uns die Spuren – falls sie denn vorhanden sind – genauer anzuschauen.) Heute war mehr als ein flüchtiger Blick mit dem Fernglas in die angrenzenden Büsche nicht drin, dann ging es weiter. Wahrscheinlich krochen alle Tiere hämisch grinsend aus der Deckung, sobald wir wieder davon fuhren. Von wegen richtiger Zeitpunkt und so …
Anschließend fuhren wir nach Klein Namutoni. Schon auf der Zufahrt sahen wir in einem Baum einen Trupp Weißrücken-Geier sitzen. Nun ja, es waren fast alles Weißrückengeier.

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Ein paar junge Gaukler hatten sich im Tarnmatel darunter gemischt.

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Bloß nicht zu früh freuen. Nachdem uns Fotomatte vor Jahren sämtliche Hoffnungen mit einem knappen „Das muss jetzt gar nix heißen, das ist vielleicht nur ihr Schlafbaum“ genommen hatte, sind wir vorsichtiger geworden. Trotzdem freuten wir uns über einen zweiten und einen dritten Schlafbaum und beschlossen, dass das jetzt doch etwas heißen sollte. Und siehe da: Ein wenig abseits der Straße lag der bereits aufgerissene Körper einer Giraffe.

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Ein wahrer Leckerbissen für die Geierschar, die sich allerdings noch gedulden musste, denn der Festschmaus wurde gut bewacht. So gerade eben konnten wir noch ein Stückchen Mähne eines Löwenkaters erkennen, der direkt daneben lag. Früher oder später würde er wahrscheinlich Durst bekommen und zum Wasserloch laufen oder noch ein wenig an der Giraffe nagen. In unserem Fall wahrscheinlich später. Soviel mal wieder zum richtigen Zeitpunkt. Als sich nach 10 Minuten immer noch nichts getan hatte – noch nicht einmal eine Schwanzspitze hatte gezuckt, und wenn doch, dann hatten wir sie zumindest nicht gesehen – fuhren wir weiter zum Wasserloch. Dort schimpften und krakeelten ein paar Perlhühner, die sich von uns genötigt fühlten, ihren Lauf zu beschleunigen. Aufgeregt liefen sie im Zickzack vor uns her, bis sie endlich neben die Straße auswichen.

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Wir ließen sie in Ruhe und machten uns auf den Weg nach Twee Palms. Aus bekanntem Grund dauerte der Weg wieder deutlich länger als andere Strecken im Park. Wir sahen mehrere Schakale und viele, viele Gabelracken und Gleitaare. Letztere hatten aber keine Lust auf ein Fotoshooting.

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Außerdem entdeckten wir eine Menge Riesentrappen, und die Ebene war übersät mit Springböcken, Gnus und Oryx. Die meisten von ihnen zogen Richtung Wasser.

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Marabu und Stelzenläufer

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Wir beschlossen, die lange Runde quer über und entlang der Pfanne zu nehmen. Es wehte ein ganz schöner Wind, und nach einem kurzen Öffnen des Fensters war der komplette Innenraum unseres Autos mit einer dünnen, weißen, salzigen Staubschicht bedeckt.

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Die trockene Quelle Aroe gab wie erwartet nicht viel her. Ein paar Lerchen hopsten herum, und wir setzten unseren Weg fort. Treue Begleiter waren die vielen Gabelracken. Bevor wir den Loop beendet hatten, begegneten uns zwei Hyänen. Wir stellten den Motor ab, und die beiden liefen unmittelbar auf uns zu.

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Die kleinere von ihnen war noch ganz fluffig, und bei Tageslicht schauen sie ja doch ganz nett aus.

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Wer braucht schon die Big Five? Wir hatten nun um kurz nach 10 Uhr bereits die „Ugly Five“, denn eine Familie Warzenschweine hatten wir auch schon davonflitzen sehen. Danach fuhren wir wieder über Klein und Groß Okevi weiter nach Norden. Das Nichts von heute Morgen hatte sich hier in einen Weißbürzel-Singhabicht und drei Honigdachse verwandelt, die aber gerade die Bühne verließen.

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Zum ersten Mal nahmen wir den Weg weiter nördlich von Tsumcor bis zum Wasserloch Andoni, das mitten auf einer riesigen Ebene liegt. Wir fühlten uns an die Liuwa Plains in Sambia erinnert. Dort hatten wir auch eine endlose, gelbe Grasebene ohne Tiere gehabt.

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Das war hier nicht ganz richtig. Ein paar Vierbeiner gab es auch.

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Wir kehrten wieder um und machten eine schöne Pause auf dem kleinen Picknicksite unterhalb der Plains. In der Sonne vertraten wir uns ein wenig die Beine, machten es uns auf den niedrigen Steinhöckerchen so gut es ging bequem und ließen uns ein spätes Frühstück mit Avocado-Brot, Käse, Rauchfleisch und dem restlichen Bohnensalat schmecken. Dabei machten wir uns bewusst, wie schön es war, hier zu sein und beglückwünschten uns zum wiederholten Male, trotz aller Widrigkeiten nach Namibia geflogen zu sein.

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Auf dem Rückweg über das trockene Wasserloch Stinkwater (was wir schon gut können: den richtigen Zeitpunkt für genau gar nichts abzupassen) hielten wir nochmal länger bei Tsumcor.

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Uwe döste ein wenig vor sich hin, während Ruth eine Familie Giraffen und ein paar Kudus beobachtete.

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Am späten Mittag waren wir wieder zurück in Namutoni. Auf der Campsite gab es eine Pause mit Duschen, Kaffee, Tee und Ausruhen. Der gesamte Campingplatz war heute noch weniger belegt als gestern. Außer dem großen Truck waren wir die einzigen Gäste.

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Wir genossen die Ruhe und sahen den Tokos beim Aufräumen der Campsite zu. Ein paar große Heuschrecken weniger finden wir jetzt nicht so schade. Zielsicher porkelten sie die Krabbeltiere zwischen den Dornen aus den Ästen

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und wendeten sie dann durch mehrfaches In-die-Luft-Werfen so lange, bis sie in der passenden Position lagen.

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