Reisebericht

Ecuador-Der Evolutionstheorie auf der Spur + Fotos

von Sabine26 · begonnen 05. Apr. 2021 · 31 Teile

Teil 105. Apr. 2021
Hallo zusammen,

länger war ich nicht mehr im Forum unterwegs, vielleicht kennt mich der eine oder andere noch. Im südlichen Afrika waren wir vor ca. 5 Jahren das letzte Mal unterwegs. Wir haben uns wieder nach Namibia "getraut", nachdem Herr Appendix sich auf der vorherigen Reise dort verabschiedet hatte - vielleicht erinnert sich noch jemand von Euch an den Reisebericht, den ich hierzu geschrieben hatte.

Zwischenzeitlich waren wir zumeist wieder in Südamerika unterwegs. Da ich gesehen habe, dass es jetzt eine Rubrik gibt, um Reiseberichte aus aller Welt zu posten, habe ich mir gedacht, vielleicht hat jemand von Euch Lust, einen weiteren Reisebericht zu Ecuador zu lesen, an dem ich gerade schreibe. Bei mir wird es allerdings nicht so abenteuerlich, wie in einigen der dort eingestellten Berichte, die ich vor kurzem gelesen habe, auch hat es sich nicht geändert, bei mir gibt es nur Text und keine Fotos. (Änderung: Ich habe ein paar Bilder eingespielt). Einige der Ziele überschneiden sich mit denen von BayernSchorsch, aber nicht alle. Bei einigen, die wir beide in Ecuador/Galápagos bereist haben, stimmen wir überein, bei einigen haben wir unterschiedliche Erinnerungen mitgebracht, wie das halt so ist. Auf jeden Fall könnt Ihr aber bei diesen "Überschneidungen" auch gerne in seinem Bericht schauen, wenn Ihr Fotos vermissen solltet.

Nachdem wir vor drei Jahrzehnten das erste Mal unseren Fuß auf südamerikanisches Festland gesetzt hatten, hat es danach zwar noch einmal etwas über 10 Jahre gedauert, bis wir das wiederholten, aber seitdem haben wir regelmäßig Reisen dorthin unternommen. Die meisten Reisen haben uns nach Chile und Argentinien geführt, wo wir mittlerweile schon Einiges kennenlernen durften, und vor mehr als 2 Jahren waren wir dann das erste Mal in Ecuador, auf dem Festland Ecuadors und den Galápagos Inseln.

Viele Grüße
Sabine
Teil 205. Apr. 2021
Prolog

Ich mag keine Kreuzfahrten, zumindest nicht auf diesen riesigen Schiffen mit Passagierzahlen, die mehrere Hundert oder gar Tausend(e) umfassen.

Dies hat mehrere Gründe: Zum einen denke ich, es gibt umweltfreundlichere Arten des Reisens, zum anderen ist dieses All-in-Konzept in Bezug auf Unterhaltung und Verpflegung nicht die Art von Reise, wie ich sie mir vorstelle. Wir haben einmal in Buenos Aires gesehen, wie Passagiere ein Schiff zum Landgang verließen und in gut mehr als 20 Busse verfrachtet wurden. Während ich diesem Schauspiel zusah, stellte ich aufs Neue fest, dass dies wirklich nichts für mich ist.

Darüber hinaus gibt es noch einen weiteren Grund, der, auch wäre er nicht da, mich trotz allem nicht dazu bewegen könnte, meine Urlaubszeit auf so einem großen Dampfer zu verbringen. Es ist eine ausgeprägte Seekrankheit, gegen die auch nicht alle möglichen Mittelchen helfen, geschweige denn, dass ich mich nach mehreren Tagen daran gewöhnen würde, keinen festen Boden unter den Füßen zu haben.

Ich mag keine Kreuzfahrten auf diesen riesigen Schiffen – ich glaube, das erwähnte ich bereits – aber bei kleineren, und ich hoffe umweltfreundlicheren, die einem die Schönheit unserer Erde zugänglich machen, sehe ich es etwas anders. Ob dies letztendlich so ist oder nur Wunschdenken, ich weiß es nicht.

Es gibt aber nun einmal die eine oder andere Destination, die man mit kleinen Schiffen mit gut ausgebildeten Guides und Wissenschaftlern an Bord nebst zugehörigen bildenden Fachvorträgen einfach am besten bereisen kann. Wer mit offenen Augen, Ohren, einfach mit allen Sinnen reist und die Schönheit (und auch das Hässliche) sieht, der kann dazu beitragen, dass die Natur geschützt wird - im Kleinen wie im Großen.

Zu diesen Destinationen gehört für mich unter anderem die Antarktis. Oft nennen sich Schiffe, die diese Region mit Touristen befahren, Expeditionsschiff.
So haben wir uns auch vor einigen Jahren einen lang gehegten Traum erfüllt mit einer wundervollen Reise nach Südgeorgien und zur antarktischen Halbinsel. Diese wurde von hervorragenden Wissenschaftlern begleitet, u. a. einem Pinguinforscher.

Durch diese Reise weiß ich nun 100 %-ig, dass ich auch selbst nach mehr als zwei Wochen die Seekrankheit nicht besiegen kann, so gerne ich auch möchte.
Bei einer dreitägigen Flußkreuzfahrt auf dem Chobe River im südlichen Afrika war es nicht ganz so schlimm mit der Übelkeit, aber trotz Pflaster war Mr. Seasick spürbar da und hing mir quasi immer im Nacken.

Nun gab es schon seit sehr vielen Jahren noch eine weitere Destination, die ich einfach zu gerne sehen wollte: die Galápagos Inseln.

Im Zuge der Reiseplanung habe ich mich dann ausgiebig damit auseinandergesetzt, ob wir uns auf den Inseln eine feste Unterkunft suchen sollten und von dort dann jeweils Tagesausflüge – meist mit Boot – machen oder doch gleich eine Kreuzfahrt buchen sollten. Wie zumeist, gab es Pros und Cons für beides.

Bei der ersten Variante wäre mir zum einen nicht die ganze Zeit übel gewesen, zum anderen wäre es auch eine deutlich günstigere Angelegenheit geworden.

Allerdings hätten wir von einer zur anderen Standortinsel fliegen müssen, da eine Überfahrt mit den kleinen Transferbooten über das offene Meer aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage gekommen wäre. Dies wäre zum Beispiel auf der Strecke von San Cristóbal nach Santa Cruz der Fall gewesen.

Für eine Kreuzfahrt sprach, dass man auch entferntere Ziele und Inseln ansteuern konnte und nicht den Großteil eines Tages mit Transferzeiten auf Land verbunden mit längeren Transfers in einem kleinen Boot verbringen muss, um dann wiederum nicht viel Zeit auf der zu besuchenden Insel zu verbringen. Außerdem hörte ich immer wieder, dass auf den Kreuzfahrtschiffen zumeist die viel besser ausgebildeten Guides beschäftigt werden.

Ins Grübeln brachte mich zudem, als ich immer mal wieder von doch etwas mehr oder weniger enttäuschten Touristen las, die Galápagos verbunden mit Tagestouren besucht hatten, jedoch bei nahezu allen, die dies mit einem Kreuzfahrt- (oder Expeditions-) Schiff taten, hellauf begeistert waren.
So fiel dann die doch letztlich leichte Entscheidung, für ein paar Tage den festen Boden unter den Füßen aufzugeben und mich wieder in die schwankende Welt zu begeben. Mutig und fest entschlossen wollte ich ein weiteres Mal den - realistisch gesehen aussichtslosen - Kampf mit Mr. Seasick aufnehmen.

Ob dies nun für uns die richtige Entscheidung war, werde ich im Laufe des Reiseberichtes auflösen.

Aber bevor wir die Inselwelt betreten, auf der Charles Darwin die Grundlagen für seine Evolutionstheorie legte, wollten wir uns auch einen Teil des ecuadorianischen Festlandes, insbesondere das des Hochlandes, anschauen.

Mein Mann und ich reisten gemeinsam, eine Gruppenreise kam nicht in Frage. Wir wollten selbst die Route, die Unterkünfte und nicht zuletzt unsere Zeitplanung selbst bestimmen. So stellte ich eine Reise zusammen, die auch berücksichtigte, dass bestimmte Regionen aus gesundheitlichen Gründen nicht bereist werden konnten. Die Tage durften zudem auch nicht zu vollgepackt sein.

Wir buchten dann einen Guide mit Wagen, der uns auf Festland Ecuador begleiten sollte. Insgesamt hatten wir 3 Wochen Zeit für die gesamte Reise.
Teil 305. Apr. 2021
Tag 1 – Anreise
Entspannt nach Südamerika


Unser Flug wird bereits um 07:00 Uhr Frankfurt verlassen. Wir fliegen mit der KLM über Amsterdam nach Quito.
In Amsterdam ist die Hölle los, und wir kämpfen uns durch Menschenmassen, sogar die Business Class Lounge ist wegen Überfüllung geschlossen. Egal, wir haben ohnehin nicht viel Zeit und die Wege in Schiphol sind lang.

Wir fliegen Business Class und sind beide vom Service der KLM absolut begeistert. Nach 11,5 Stunden Flug landen wir dann am späten Nachmittag in Quito. Pünktlich werden wir von unserem Guide Pablo in Empfang genommen und stellen fest, er hat noch einen Fahrer dabei. Das Ganze wird sich im Laufe der Reise für uns als Vorteil entpuppen, da wir nicht immer wieder zum Auto zurücklaufen müssen, sondern wir an einer Stelle aussteigen und später an einer anderen wieder einsteigen können.
Außerdem ist der Wagen sehr geräumig und hätte Platz für 4 weitere Personen. Kostenloses Wasser ist ebenfalls für die Reise an Bord.

Einige Zeit vor unserer Abreise erhielten wir von unserer Agentur die Anfrage, ob wir ohne Aufpreis in das vor einem Jahr eröffnete Boutiquehotel Illa Experience (10 Zimmer) umbuchen möchten. Da das Illa sehr zentral liegt, wie auch das von uns ursprünglich gebuchte Patio Andaluz, und die Recherche ergab, dass die Umbuchung keinesfalls ein Fehler ist, lautet unsere Antwort: Na klar, wollen wir.

So langsam, nachdem man sich schon so mit dem Schiff ins Zeug gelegt hatte, aber dazu später im Bericht mehr, regt sich bei mir ein Verdacht: Im letzten Jahr hatten wir über die gleiche Agentur die Bolivien Reise gebucht und da gab es zwischendurch ein paar Beschwerden von uns, die dann zwar alle zügig behoben wurden, aber scheinbar wollte man es dieses Mal besonders gut machen. Dies ist gelungen.

Das Boutiquehotel Illa Experience ist super!

Wir fallen müde ins Bett, vielleicht macht das nicht nur der Flug und der Schlafmangel der vorhergehenden Nacht, sondern auch die Höhenluft in Quito, das auf 2.850 Metern liegt.
Teil 405. Apr. 2021
Tag 2 – Quito,
die höchstgelegene Hauptstadt Südamerikas


Wir müssen (und wollen) es ruhig angehen lassen. Außerdem wollen wir uns langsam auf der Höhe von 2.850 Metern akklimatisieren, sodass wir für heute auch kein Programm mit Guide gebucht haben. Für heute wollen wir uns einfach ein bisschen durch die Stadt treiben lassen. Einfach wieder fühlen, dass wir in Südamerika sind.

Nach einem gemütlichen Frühstück gehen wir los und erobern alleine das Zentrum Quitos. Das Stadtbild wird von vielen Indigenen des Hochlandes sowie kolonialen Prachtbauten geprägt. Oft habe ich schon gehört, dass Quito für viele als eine der schönsten Städte Südamerikas gilt. Auch uns gefällt Quito gut und es wundert uns nicht, dass die UNESCO die Altstadt als Weltkulturerbe ausgezeichnet hat.

Da für den Folgetag noch eine Stadttour mit unserem Guide gebucht ist, aber dann am Sonntag die eine oder andere Kirche nicht besichtigt werden kann, habe ich mir im Vorfeld schon einmal rausgesucht, welche wir uns unbedingt heute anschauen müssen.

So besichtigen wir zuerst die Iglesia de la Compañía de Jesús. Tatsächlich wird hier sogar Eintritt genommen (USD 5). Innen erschlägt uns fast die Pracht und das Gold. Die Kirche des Jesuitenordens wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut. Als Vorbild diente für diesen Nachbau San Ignacio in Rom. Die Iglesia de la Compañía de Jesús gilt als die prächtigste Kirche Quitos, manchen meinen sogar, es sei die prächtigste in ganz Südamerika. Wir können uns hier nur anschließen. Wir haben schon die eine oder andere Kirche in Südamerika besucht, aber diese hier ist die prächtigste, die wir bisher gesehen haben. Im Inneren wurden Unmengen Blattgold verwendet und über 100 Gemälde und Skulpturen kann man entdecken. Wenn man genau hinschaut, stellt man fest, dass sich nicht nur spanische Elemente in der Kirche befinden, sondern auch eine Darstellung der Sonne eines indigenen Stammes.

Wir schlendern noch einige Zeit durch die Straßen des historischen Zentrums, genießen die Eindrücke, verweilen ausgiebig auf dem Plaza de la Independencia, an der auch der Regierungspalast liegt, bewundern die Uniformen der Regierungswachen und schauen uns immer mal wieder eine Kirche von innen an. Selbst wenn eine Kirche von außen einmal unscheinbar wirkt, innen ist beinahe jede dermaßen prächtig ausgestattet, dass wir uns fragen, wieviel Reichtum hier vorhanden sein muss.

Auch wenn dies jetzt nichts mit dem überbordend dargestellten Reichtum in Form von Blattgold und sonstigen Gütern der Kirchen zu tun hat, kommt mir wieder in den Sinn, dass wir bereits schon gestern auf der Fahrt vom Flughafen den Eindruck gewonnen hatten, dass dieses Land nicht ganz so arm wirkt wie der Nachbar Peru oder Bolivien, die ich beide von früheren Reisen kannte.


Eindrücke aus Quitos Altstadt

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Vielleicht liegt es daran, dass Samstag ist, vielleicht aber auch nicht … an vielen Stellen sehen wir Straßenkünstler, die oft ein ganz anderes Programm darbieten als das, was wir von zuhause kennen. Immer mal wieder verweilen wir daher an der einen oder anderen Straßenecke und schauen einfach nur zu, was gerade gezeigt wird.

So langsam kehren wir dann in unser Hotel zurück und wollen in dem hochgepriesenen Restaurant des Hotels essen. Das Hotel hatte am Morgen Instandhaltungsarbeiten verrichtet, bei denen ganz kurz ein Alarm ausgelöst wurde. Wir hatten das Ganze kaum wahrgenommen und uns in keiner Weise gestört gefühlt, umso erstaunter waren wir, als wir kurz darauf ein Schreiben des Hotels erhielten, in dem man sich dafür entschuldigte und uns als Wiedergutmachung zu einem Essen im Hotelrestaurant einlud.
Das war uns bisher auch noch nicht passiert, für so eine Kleinigkeit solch eine Gegenleistung von einem Hotel zu erhalten.
Teil 505. Apr. 2021
Tag 3 – Quito
… und (eine?) Äquatorlinie


Nach einem gemütlichen und leckeren Frühstück werden wir um 8:30 Uhr von unserem Guide Pablo und unserem Fahrer Manolo abgeholt.
Unser erstes Ziel führt uns auf den Panecillo. Der Stadthügel wurde auf dem ehemaligen Sonnentempel der Inka errichtet. Aus Sicherheitsgründen wird davon abgeraten, den Weg zum Panecillo zu Fuß zurückzulegen. Es gab wohl schon den einen oder anderen Überfall. Wobei es ohnehin steil hinauf ausschaut und auf dieser Höhe wird aus steil ganz schnell sehr steil.

So fahren wir mit dem Auto auf eine Höhe von 3.100 Metern mit umwerfendem Blick auf Quito und die am Horizont liegenden Vulkane. Dort oben auf dem Panecillo befindet sich eine Marienstatue, deren Sockel eine Schlange darstellen soll. Ich kann mich anstrengen, wie ich will, für mich sieht diese Schlange aus wie ein Drache oder ein Krokodil oder eine Mischung aus beidem. Das Tier- oder Fabelwesenmysterium werde ich für mich nicht mehr auflösen. Mein Mann scheint da mehr Fantasie zu haben, er erkennt eine Schlange.


Marienstatue auf dem Panecillo
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Schlange zu Füßen der Marienstatue
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Die Aussicht vom Mirador el Panecillo ist auf jeden Fall grandios, man sieht von oben auf die Altstadt und kann sehr gut erkennen, wie die Stadt schachbrettartig angelegt wurde. Gekrönt wird das Ganze mit drei Vulkanen im Hintergrund: Cayambe (5.790 Meter), Antisana (5.704 Meter) und Cotopaxi (5.897 Meter). Wir haben Traumwetter erwischt. Pablo sagt uns, dass man ganz selten das Glück hat, diese drei Vulkane gleichzeitig zu sehen. Wir genießen noch ein wenig von diesem traumhaften Panorama und schlendern im Anschluss ein wenig auf dem Panecillo umher, bevor wir dann ins Auto steigen und Richtung Quitos Altstadt fahren.


Aussicht vom Panecillo auf Quitos Altstadt/Zentrum
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Mit Pablo sehen wir heute noch viele Ecken, die wir uns gestern nicht angeschaut haben, unter anderem die für Quito so bekannte Calle Ronda. Außerdem besuchen wir noch zwei Kirchen, die zu dahinterliegenden Klöstern gehören, in denen heute immer noch Nonnen leben, die keinerlei Kontakt zur Außenwelt haben. Für uns ist das kaum vorstellbar, dass es dieses Lebenskonzept heutzutage noch gibt.


Blick hoch zum Panecillo
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Besonders faszinierend finden wir das Stadtmuseum, das sich in einem wunderschönen, kolonialen Gebäude mit Blumen geschmücktem Patio innerhalb der Altstadt befindet. Dieses Gebäude diente mehr als 400 Jahre als Krankenhaus. Die Ausstellung mit Instrumenten, Betten und allerlei anderen Dingen, die an die Jahrhunderte erinnern, in denen Menschen gegen Krankheiten kämpften, ist ausgesprochen interessant und manchmal auch ein wenig gruselig.


Innenhof des Stadtmuseums
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Krankenstation "damals"
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Wir besuchen noch die Plaza San Francisco und die Plaza Santo Domingo und genießen das quirlige Leben, wo es uns heute die Stände der Straßenverkäufer besonders angetan haben. Dann fährt auch schon Manolo wieder vor, wir steigen ins Auto und setzen unsere Fahrt Richtung Norden durch die Neustadt mit modernen (Hoch-)häusern fort. Die Nord-Süd-Ausdehnung von Quito ist gewaltig. 70 Kilometer muss man zurücklegen, will man von einem Ende zum anderen gelangen. In Quito selbst leben 3 Millionen Menschen, in ganz Ecuador 14 Millionen.

Bereits schon auf dieser Fahrt stellen wir fest, dass wir hier nicht selbst hätten Auto fahren wollen. So lassen wir uns kutschieren, sind nicht gestresst und können die Ausblicke genießen und dem Fahrstil entspannt, manchmal ein wenig kopfschüttelnd, zuschauen.

Unser Ziel ist die Äquatorlinie, genau genommen, eine davon. Wie wir heute und auch später auf der Reise noch erfahren werden, gibt es in Ecuador mehrere davon. Alles eine Frage der Vermessung …

Wir sind auf dem Äquator
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Das Museo de Sitio Intiñan soll auf der Äquatorlinie liegen. Auf alle Fälle ist es ausgesprochen informativ und man kann tatsächlich die eine oder andere Übung selbst machen, um zu sehen, wie sich hier die Kräfte verhalten. Wasser läuft ziemlich direkt auf der Äquatorlinie ab. Gar nicht weit davon entfernt sehen wir, wie das Wasser auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn und auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn abläuft. Klar, haben wir das schon auf Reisen gesehen, aber hier nur wenige Meter voneinander entfernt, all dies nahezu gleichzeitig zu beobachten, finden wir schon beeindruckend.
Wir versuchen auch, ein Ei auf einen Nagel zu stellen, uns gelingt es jedoch nicht … dabei sah es recht einfach aus, als man es uns vorführte. Da müssen wir wohl noch üben.


Schrumpfkopf im Museo de Sitio Intiñan
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Nicht weit vom Museum, ca. 200 bis 300 Meter, befindet sich das Mitad del Mundo, ein großer Bau, wo man noch bis vor einigen Jahren annahm, dass sich hier die Äquatorlinie befindet. Na ja, man hatte sich nur geringfügig vermessen und so wurde das Museo de Sitio Intiñan ins Leben gerufen - und auf die Äquatorlinie gesetzt.

Nach gut einer Stunde Fahrtzeit zurück ins Illa Experience, mache ich noch ein paar Fotos vom Hotel. Besonders angetan haben es mir die Gemälde, die besonders im obersten Stockwerk ausgestellt sind. Sie wirken farbenfroh, zugleich modern und stellen zumeist das ländliche Leben in Ecuador dar. Da der Patio des Hotels lichtdurchflutet ist, was in diesen Höhen für mich noch ein wenig eindrucksvoller ist, kommen die Bilder ganz besonders gut zur Geltung.

Wir sind froh, dass wir beim Angebot umzubuchen, zugeschlagen haben. Das Hotel gefällt uns ausgesprochen gut und das Personal ist unglaublich zuvorkommend. Allerdings habe ich vor noch nicht allzu langer Zeit gesehen, wie hoch die Preise sind, die jetzt für das Hotel aufgerufen werden. Ich denke, hätten wir das zahlen müssen, wären wir wohl beim Patio Andaluz geblieben.

Wir lassen den Tag gemütlich bei einem Abendessen ausklingen.
Teil 605. Apr. 2021
Tag 4 – Quito – Otavalo
Ein nach Meerschweinchen benannter Vulkansee und eine mehrere Jahrhunderte alte Hacienda


Heute verlassen wir Quito. Unser Tagesziel heißt Otavalo. Bevor wir dort jedoch ankommen, stehen noch ein paar Stopps an.

Zuerst halten wir am Bosque Protector Jerusalem. In dieser äußerst trockenen Gegend gibt eine einzigartige Vegetation mit Akazien, an denen außerordentlich viele Flechten hängen. Soweit ich weiß, ist dies ein Zeichen für saubere Luft. Zudem leben in diesem geschützten Bereich sehr viele Vögel und der Riesenkolibri. Wir laufen für ca. 1 Stunde umher, können auch den einen oder anderen Vogel erspähen, sehen viele interessante Pflanzen, der Riesenkolibri bleibt uns jedoch verwehrt.

Unser nächstes Ziel ist der Kratersee Cuicocha (Meerschweinchen-See). In diesem Kratersee, unter dem es immer noch brodelt, gibt es kein Leben. Er liegt auf einer Höhe von 3.070 Metern und ist 170 Meter tief. Der See ist herrlich gelegen, mittendrin befinden sich zwei Inseln, die Isla Teodoro Wolf und die Isla Yerovi. Wer Lust und Laune hat, kann den Kratersee auf einem 12 Kilometer langen Pfad umrunden. Wir gehen ein ganzes Stück den See entlang, drehen dann aber wieder um. Die ganze Umrundung ist uns zu weit. Wir konnten auch bereits schon auf diesem Stück viele Perspektiven des Sees fotografisch einfangen und die Umgebung genießen. Uns gefällt hier auch ziemlich gut, dass nicht allzu viele Menschen unterwegs sind, uns begegnen zwar einige wenige Personen auf dem Pfad rund um den See, aber überlaufen ist hier nichts. Sicherlich war gestern am Sonntag wesentlich mehr los.


Kratersee Cuicocha
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Der Ort Cotacachi ist bekannt für seine Lederwarenherstellung. Zahlreiche Geschäfte säumen die Straßen mit ihren Auslagen. Wir finden es hier jetzt nicht so spannend (Shopping zählt auch nicht zu unseren Lieblingsbeschäftigungen), sehen zwar keine großen Busladungen mit Touristen, aber irgendwie drängt sich uns der Eindruck auf, das Zentrum des Ortes ist für Hardcore-Lederwarenshopping herausgeputzt. Weitaus interessanter finden wir da das Café, in das uns Pablo führt. Wir suchen uns einen Tisch und essen super leckere Blueberry-Muffins, bevor wir unsere Fahrt zu unserer Unterkunft für die nächsten 3 Nächte antreten.

Wir wohnen in der Hacienda Pinsaqui. Diese Hacienda existiert bereits seit 400 Jahren und hat auch schon den einen oder anderen Rückschlag erfahren müssen, wie ein Erdbeben Mitte des 19. Jahrhunderts, das viele Gebäude beschädigte oder gar ganz zerstörte. Daraufhin wurde alles wieder nach altem Vorbild aufgebaut. Einer der berühmten Gäste auf der Hacienda war der Freiheitskämpfer Simón Bolívar, der aus dem heutigen Venezuela stammte. Simón Bolívar begegnet einem nahezu überall auf dem südamerikanischen Kontinent, sei es durch Statuen, Namen wie Bolivien, die Währung Venezuelas, der Bolivar, oder in irgendeiner anderen Form. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich eine interessante Verfilmung seines Lebens gesehen. Wer sich für die Geschichte Südamerikas interessiert und gepaart mit Unterhaltung etwas dazulernen mag, dem sei dieser Film empfohlen.

Der Großvater des jetzigen Besitzers der Hacienda Pinsaqui war Botschafter in Mexiko, wo er unter anderem auch Frida Kahlo traf. Von dieser Begegnung hängt eine Fotografie in den Hallen der altehrwürdigen Hacienda. Überhaupt kann man eine ganze Weile durch die Gebäude schlendern und immer wieder sehr interessante Entdeckungen machen. Besonders die vielen Fotografien finde ich spannend. Der Garten ist voll von alten Baumbeständen und im vorderen Bereich befindet sich eine wunderschöne Allee. Zur Hacienda gehört – nicht ungewöhnlich – eine alte Kapelle. Pferdefreunde kommen auch auf ihre Kosten. Im Garten laufen die Pferde der Hacienda frei herum.


Hacienda Pinsaqui
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Wir beziehen unser Zimmer, das Bad scheint recht neu zu sein, alles ist sehr sauber, aber eher einfach. In unserem Zimmer, obwohl recht groß, steht nur ein Schaukelstuhl, aber kein Stuhl. Nachdem ich frage, ob wir noch einen Stuhl bekommen könnten, werden gleich zwei gebracht. Die Frage, ob wir auch noch einen Tisch möchten, beantworte ich mit: „Oh ja, sehr gerne, wenn es nicht zu viele Mühen macht“. Mein Mann verdreht schon die Augen und fragt mich später, ob wir nicht gleich den ganzen Hausstand ins Zimmer holen wollen …

Für den Abend, da es doch recht frisch werden kann in dieser Höhe, wird uns angeboten, den Kamin anzuzünden oder uns Wärmflaschen ins Bett zu legen. Da wir befürchten, dass der Rauch des Kamins zusätzlich Sauerstoff nehmen wird, entscheiden wir uns für die Wärmflaschen, und ich erweitere gleich meinen spanischen Wortschatz mit dieser Vokabel. Zusätzlich erhalten wir noch einen elektrischen Heizkörper, soviel zum Thema, den ganzen Hausstand umziehen …

Das Essen im Restaurant ist gut, die Portionen groß und der Preis angemessen. Das Personal ist dermaßen freundlich und hilfsbereit in der Hacienda Pinsaqui, wir sind begeistert.

Am Abend werden wir noch vom Manager eingeladen. Er hat eine Band organisiert, diese spielt im Weinkeller. Hier gibt es noch ein paar kleine Snacks und wir lassen den Tag bei ecuadorianischer Musik ausklingen.
Teil 705. Apr. 2021
Tag 5 – Reserva Ecológica El Angel
… eine Wunderwelt aus Frailejones


Dieser Tag sollte für mich der Höhepunkt auf unserer Tour durch Festland Ecuador werden. Ich schreibe explizit in der 1. Person Singular, da mein Mann heute in der Hacienda bleibt, sodass ich alleine mit Pablo und Manolo morgens zum „Der Engel“ losfahre.

Pablo sagt mir bereits morgens, dass es eher ungewöhnlich sei, dass sich Gäste dieses Ziel aussuchen und er das letzte Mal vor zwei Jahren dort war. Da er dieses Gebiet in Ecuador auch zu seinen Favoriten zählt, freue es ihn besonders, dass ich „El Angel“ auf der Tour eingeplant habe.

Als ich mich mit der Routenplanung für Ecuador beschäftigt habe, las ich hiervon, und ich wusste gleich, diese Destination ist gesetzt, auch wenn das Gebiet recht abgelegen liegt. Die Fahrt führt uns zuerst durch das subtropische Chota-Tal, bevor die Strecke mal merklich und dann wieder nur leicht ansteigt. Manolo muss immer mal wieder für mich anhalten, besonders angetan haben es mir die vielen Lupinenfelder. Diese Pflanze gehört zur Familie der Hülsenfrüchte und dank einigen Jahren Schullatein, erkenne ich den Wortstamm Lupus für Wolf. So entdecke ich zum wiederholten Mal, dass mir das früher nicht gerade liebgewonnene Deklinieren und Konjungieren in dieser toten Sprache dann auch beim Reisen hilfreich sein kann. Nichtsdestotrotz weiß ich aber trotzdem nicht, was der Wolf nun mit Lupinen zu tun hat. Egal, wir fahren weiter.

Die Straße in das Naturschutzgebiet „El Angel“ ist gerade auf den letzten 20 bis 30 Kilometern sehr schlecht. Auf jeden Fall sollte man mit einem Wagen unterwegs sein, der über ausreichend Bodenfreiheit verfügt.

Für die Hinfahrt benötigen wir fast 3 Stunden, möglicherweise ist man mit ecuadorianischem Fahrstil etwas schneller am Ziel … aber ich bin im Urlaub und nicht auf der Flucht. Alleine auf den letzten 15 Kilometern sind wir 50 Minuten unterwegs, und ich finde, diese allerletzte Passage verdient den Namen Straße nicht wirklich.

Irgendwie hatte ich es erwartet und - zugegeben - eigentlich noch viel mehr erhofft, am Parkplatz am winzigen Rangerhäuschen sind wir die einzigen Besucher. Das gesamte Gebiet des Reserva Ecológica El Angel erstreckt sich auf einer Höhe zwischen etwa 3.500 und 4.700 Metern. Wir sind jetzt auf einer Höhe von +/- 3.800 Metern (lt. meinem zugegebenermaßen nicht professionellen Höhenmesser) angekommen und leichte Steigungen empfinde ich schon als recht anstrengend. Aber das ist einer der ganz großen Vorteile, wenn man individuell unterwegs ist, man kann sein Tempo selbst bestimmen. So machen sich Pablo und ich auf und laufen im Gebiet El Voladero ein paar Kilometer zu den gleichnamigen Lagunen. Die dünne Luft nehme ich nur hin und wieder wahr, insbesondere wenn ich zu schnell gehe, aber das kommt selten vor. Zu oft bleibe ich stehen, fotografiere und genieße nur diese unglaublich schöne Landschaft, egal wohin man blickt, überall sieht man die Frailejones, die Mönchsgewächse. Die Frailejones können bis zu 5 Meter hoch werden, ich habe auch schon 7 Meter gehört. Ich weiß jetzt nicht, was genau stimmt, auf jeden Fall können sie recht hoch werden. Sie stehen hier wahrscheinlich zu Millionen. Diese Gewächse kann man nur hier in einem winzig kleinen Gebiet auf dem Páramo in der Grenzregion von Ecuador und Kolumbien finden. An den Lagunas del Voladero angekommen kann ich den Volcán Chiles (4.752 m) sehen. Dieser Vulkan liegt fast genau auf der Grenze von Ecuador und Kolumbien. Die Grenze Kolumbiens ist von hier nur 20 Kilometer entfernt. Pablo erzählt mir, dass der Volcán Chiles der aktivste in ganz Ecuador sei. Ich kannte diesen Vulkan bis zum heutigen Tag überhaupt nicht. Außerdem erfahre ich, dass er sich normalerweise auch die meiste Zeit in Dunst hüllt, sodass man ausgesprochenes Glück haben muss, um ihn sehen zu können. Umso mehr freue ich mich, dass ich heute dieses Glück habe.

Für Botaniker muss dieses Gebiet das Paradies sein. Nicht auszudenken, wenn sich jetzt noch ein Brillenbär in dieser unglaublich schönen Szenerie blicken lassen würde, aber ich befürchte, ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher … Der Ranger erzählt uns später, weil ich wissen will, wie hoch die Chancen sind, einen zu sehen, dass er den letzten Brillenbär vor 3 Monaten in einem anderen Areal des Reservas gesehen habe und das, obwohl er (Ranger) nahezu jeden Tag hier unterwegs sei.

Ich finde es hier im Reserva Ecológica El Angel einfach unglaublich schön. Es ist sehr erstaunlich, dass dieses Gebiet doch bei Touristen nicht sonderlich bekannt ist und so wenig besucht wird. Dies ist für mich der Beweis, dass man auch noch jenseits der Inxxx-Hotspots (und wie sie alle heißen) diese Gebiete finden kann. Soll ich eigentlich hiervon berichten und dazu beitragen, dass dieses Gebiet mehr Touristen anzieht? Dies ist/war schwierig für mich, aber ja ich habe mich dafür entschieden, ich konnte es so ursprünglich genießen und wie ich später vom Ranger erfahre, würde man sich über mehr Besucher/-innen freuen, die durch die Eintrittsgelder zum Erhalt dieses unglaublich schönen Flecken Erde beitragen.

Jetzt muss ich noch einmal kurz abschweifen, weil ich dazu immer mal wieder Tipps oder Fragen gelesen habe: Es gibt die eine oder andere Sehenswürdigkeit (oder Nationalparks etc.), wo es die Möglichkeit gibt, Eintrittskarten weiterzugeben, weil sie zum Beispiel nicht personalisiert sind. Ich finde es sehr schade, wenn man für eine Reise viel Geld ausgibt, dann aber, um einige Euros zu sparen, nicht das Eintrittsgeld aufbringen möchte, mit dem man zum Schutz der Gebiete, der Flora und Fauna, Erhalt und zur Erschaffung von Arbeitsplätzen beiträgt und das sehr oft in wesentlich ärmeren Ländern als dem unseren.

Zurück zum Reserva: Im Park wächst neben den Frailejones noch ein anderes, sehr interessantes Gewächs – der Polylepis, der Papierbaum. Im Reserva gibt es das Areal „Bosque Polylepis“, wo man noch viel mehr von diesem Papierbaum sehen kann, aber selbst hier sind sie nicht zu übersehen. Dort, wo einmal kein Frailejones steht, steht er, der Papierbaum. Der Papierbaum, so vermutet man, kann bis zu 1.500 Jahre alt werden. Wie einige Wirbellose häutet sich auch der Papierbaum regelmäßig und wirft seine Rinde in Schichten ab. Damit schützt er sich unter anderem gegen Parasiten.


Reserva Ecólogica El Angel
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Am sehr späten Nachmittag bin ich wieder zurück in der Hacienda Pinsaqui, wo sich Pablo und Manolo bis zum nächsten Tag verabschieden. Das gefällt uns auch sehr gut, mein Mann und ich haben auf dieser Reise genug Freiräume, sodass wir – obwohl wir Pablo und Manolo sehr sympathisch finden – nicht immerzu mit beiden unsere Zeit verbringen müssen.

Nachdem wir uns verabschiedet haben, sprechen wir noch ein Paar an, das gerade an ihren Motorrädern, die das Kennzeichen Großbritanniens führen, zu Gange ist. Wir unterhalten uns eine ganze Weile, und sie erzählen uns, dass sie eine mehrmonatige Tour durch Südamerika machen und sich für heute Nacht die Hacienda Pinsaqui gönnen wollen.
Teil 805. Apr. 2021
Nachstehend habe ich ein paar Fotos eingefügt:


Update: Die hier eingestellten Bilder habe ich an die passenden Stellen im Text des Reiseberichtes eingefügt und daher in diesem Post wieder rausgenommen.

Viele Grüße
Sabine
Teil 908. Apr. 2021
Tag 6 – Rund um Otavalo
Buntes Markttreiben, das wir versüßen; Vögel, die ein Zuhause gefunden haben und die Antwort auf die Frage, wie man Rosen züchtet


Der Tag startet nicht ganz früh - so ganz nach meinem Geschmack. Zur vereinbarten Zeit um 09:00 Uhr morgens werden wir abgeholt. Wir fahren direkt nach Otavalo ins Zentrum, wo wir dem Markt einen Besuch abstatten wollen. Um diese Uhrzeit ist hier so gut wie nichts los. Die Stände mit ihren Auslagen sind alle aufgebaut und die Verkäufer warten auf Besucher. Diese werden wohl eintreffen – hauptsächlich als Halb- oder Tagestouren aus Quito gebucht -, wenn wir Otavalo bereits schon wieder verlassen haben. Nur wenige andere Besucher, zumeist Touristen, aber auch ein paar Einheimische, sind hier unterwegs. Der Markt in Otavalo gehört bei organisierten Rundreisen nahezu immer zum Pflichtprogramm.

Wir laufen über den Markt, sehen uns um, aber benötigen scheinbar nicht so lange für unseren Besuch. Pablo ist auf jeden Fall überrascht, als wir wieder am Wagen eintreffen. Er hatte noch nicht mit uns gerechnet. Da wir noch ein wenig Zeit haben, bis wir zu unserem nächsten Stopp weiterfahren, schlendern wir gemütlich durch den Ort, besichtigen den Hauptplatz und besuchen den einen oder anderen Shop, in dem ecuadorianische Schokolade verkauft wird. Das ist so ganz nach unserem Geschmack. Selbstredend, dass wir uns hier eindecken, mit dem löblichen Vorsatz auch das eine oder andere Stück zum Verschenken mit nach Hause zu nehmen. Natürlich werden wir die nächsten Tage feststellen, dass dies überhaupt keine gute Idee ist und es der Schokolade sicherlich nicht bekommt, noch mehrere Tage durchs Land zu reisen, sodass selbige schon den Flug nach Galápagos nicht mehr erleben wird.
Kurz zusammengefasst: Programmpunkt erledigt, unser Highlight in Otavalo sind für uns die Schokoladengeschäfte.

Markt in Otavalo
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Unser nächstes Ziel ist auch wieder so eines, was ich bei kaum einer organisierten Tour gefunden habe: der Parque Cóndor. Dies finde ich sehr schade, ich wünschte, hierhin kämen mehr Besucher, da sich diese Einrichtung durch Eintrittsgelder und Spenden finanziert. Es handelt sich hier um eine Auffang- und Rettungsstation für Vögel. Gegründet wurde sie von einem niederländischen Falkner.

Im Parque Cóndor finden Kondore, Raubvögel und Uhus ein vorübergehendes oder auch ein, können sie nicht mehr ausgewildert werden, permanentes Zuhause. Die Tiere haben ganz unterschiedliche Geschichten, sie wurden gefunden, waren verletzt und/oder wurden aus der Gefangenschaft befreit. Olafa, ein Vogel, der normalerweise im Amazonasgebiet lebt und sich hauptsächlich von Affen ernährt, fiel aus dem Nest und wurde dann von einem Bauern aufgepäppelt, bevor sie zur Rettungsstation kam. Man versucht hier alle Vögel, bei denen es irgendwie möglich ist, wieder auszuwildern. Die Auswilderungsquote lag bei unserem Besuch bei 50 %.

Wir laufen durch die Anlage und uns fällt sehr positiv auf, dass die Gehege sehr gepflegt und nicht zu klein sind. Nach einem ausgiebigen Rundgang, der uns wesentlich mehr packt als die Verkaufsstände auf dem Markt in Otavalo, nehmen wir Platz in der Freiluftarena, die hoch erbaut, einen sagenhaften Weitblick vor spektakulärer Kulisse bietet. Hier beginnt gleich die tägliche Flugshow. Für diese werden auch nur die Tiere eingesetzt, bei denen eine Auswilderung ausgeschlossen werden kann. Auf meine Frage, ob denn alle Vögel wieder zurückkommen, weil ich mir das irgendwie nicht vorstellen kann, erfahren wir, dass in den letzten knapp zwei Jahrzehnten nur ein einziges Mal ein Vogel nicht zurückgekommen sei. Eigentlich kaum vorstellbar.

Im Areal lebt auch ein Kondorpaar, das nicht mehr ausgewildert werden kann. Das Männchen musste schon drei Mal operiert werden. Die Kondore dürfen nicht an der Flugshow teilnehmen, es ist verboten. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass diese sicherlich auch gerne fliegen würden. Einer der Mitarbeiter erzählt uns, dass in Ecuador 100 Kondorpaare leben, aber vor zwei Monaten hätte eine weitere Zählung stattgefunden, die nun auf 150 Paare gekommen sei. Jedoch sei diese Zahl inoffiziell und noch nicht bestätigt. Schön wäre es auf jeden Fall, wenn die Anzahl der Kondore gestiegen wäre.

Wir finden es interessant zu sehen, wie unterschiedlich lange die Vögel unterwegs sind, einige ziehen nur kurz unten im Tal oder auch weiter oben ihre Runden, andere lassen sich wesentlich mehr Zeit. Aber zurück kommen sie alle.

Für uns hat der Besuch im Parque Cóndor sehr gelohnt und ich wünsche ihm, dass er noch wesentlich mehr Besucher anziehen wird.


Im Parque Cóndor
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Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel passieren wir auch den Vulkan Cayambe. Hat er sich noch in Quito wolkenlos gezeigt, versteckt er sich heute vor uns. Rund um Cayambe gibt es eine Vielzahl von Rosenfarmen, von denen man auch einige besichtigen kann. Ich habe unseren Veranstalter gebeten, eine Rosenfarm für unsere Tour rauszusuchen, die nachhaltig arbeitet und ihren Mitarbeiter/-innen faire Löhne zahlt. So landen wir in einem kleinen Familienbetrieb und sind die einzigen, die zu diesem Zeitpunkt die Rosenfarm besichtigen. Diese Rosenfarm beschäftigt 45 Mitarbeiter/-innen und züchtet 35 verschiedene Arten Rosen.

Miguel, der zur Besitzerfamilie gehört, begrüßt uns sehr freundlich und wird uns herumführen und alles zeigen. Er spricht nur Spanisch und ich bitte ihn, besonders langsam und deutlich zu sprechen. Normalerweise funktioniert diese Bitte meist nur für die ersten ein bis zwei Sätze, aber Miguel hält sich die ganze Tour daran, sodass ich nahezu alles verstehe, wie ich dann freudig feststelle bei Pablos Übersetzung ins Deutsche. Wir besuchen verschiedene Gewächshäuser, wo wir die unterschiedlichen Rosenarten sehen. Überall wird gewerkelt und gewässert, sodass wir froh über unsere wasserdichten Schuhe sind.

Wir erfahren sehr viel über die einzelnen Produktionsschritte und können uns dann im Verlauf der Tour diese auch genauer ansehen. Sobald 3 Blätter einer Rose ganz leicht geöffnet sind, wird diese geerntet, um dann gleich im Anschluss nach Größe und Qualität per Hand sortiert zu werden. Dazu wird eine große Erfahrung benötigt, so denke ich bei mir, als wir sehen, wie schnell und genau dieser Schritt ausgeführt wird.

Rosen von minderer Qualität verbleiben für den heimischen Markt in Ecuador.
Nach der Sortierung werden diese zu jeweils 25 Stück verpackt und am Ende die Stile so abgeschnitten, dass alle die gleiche Länge haben. Die Nachfrage nach Farben und Länge der Rosen variiert in den Zielländern sehr. Die Geschmäcker sind eben sehr unterschiedlich.
In einem Kühlraum, der eine konstante Temperatur von 4 Grad Celsius aufweist und in dem wir uns nicht lange aufhalten, da doch zu kühl, werden die Rosen zwischengelagert, bevor sie sich in die Lüfte erheben. Täglich verlassen die Maschinen Quito, um die Rosen frisch in Europa anliefern zu können. Ein großer Teil wird von der KLM täglich direkt nach Amsterdam geflogen. So werden wir dann voraussichtlich auf unserem Rückflug auch den Flieger mit einer Vielzahl von Rosen teilen.

Die ganze Tour war ausgiebig, doch sehr kurzweilig, höchst interessant und ungemein lehrreich. Zu unserer großen Überraschung bekomme ich noch einen riesigen Blumenstrauß mit den unterschiedlichsten Sorten Rosen geschenkt. Sehr schade, dass ich diesen nicht richtig genießen kann. Am Abend passiert mir noch ein ziemlich dämliches Missgeschick mit unserem Zimmerschlüssel. Ein Mitarbeiter der Hacienda hilft mir aus diesem Schlamassel. Ihm werde ich als Dankeschön für seine Frau den riesigen Strauß Rosen schenken, worüber er sich sehr freuen wird. Ich hoffe, seine Frau auch.

Auf der Rosenfarm werden wir zum Abschluss noch ausgesprochen lecker bekocht. Wir konnten dazu am Vortag sogar unseren Essenswunsch durchgeben - auf unserer Menüwunschliste standen definitiv keine Meerschweinchen!


Mein Rosengeschenk
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für uns Mädels, was wir schon immer wussten - gefunden auf einer öffentlichen Toilette in Ecuador
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Teil 1008. Apr. 2021
Tag 7 – Otavalo – Latacunga
Wohnen wie Alexander von Humboldt, Hollywood Ecuadorwood in Latacunga und die Erde bebt


Heute verlassen wir die Hacienda Pinsaqui und haben eine längere Fahrtstrecke vor uns. Wir wollen in die Nähe des Vulkans Cotopaxi, genauer gesagt zu unserem nächsten Übernachtungsstopp in die Hacienda La Ciénega in Latacunga.

Unterwegs halten wir an einem weiteren Äquatorlinienmonument und machen die obligatorischen Fotos. Die Strecke durch Quito, obwohl hauptsächlich Autobahn, zieht sich doch und erlaubt uns Eindrücke am Wegesrand über die unterschiedlichen Wohngebiete der Stadt. Wir stellen fest, dass scheinbar im Süden der Stadt die Menschen wohnen, mit denen es das Leben nicht so gut gemeint hat.

Am frühen Nachmittag treffen wir dann auf der Hacienda La Ciénega ein.
Da wir keine weiteren Programmpunkte geplant haben, verabschieden sich Pablo und Manolo für heute. Sie werden wieder woanders wohnen, wie durchgehend auf dieser Reise.

Die Zufahrt zur Hacienda La Ciénega ist beeindruckend. Die Einfahrt krönt eine wunderschöne Allee, am Ende sieht man das Hauptgebäude. In diesem gibt es zwei Suiten. Wir haben die Humboldt Suite gebucht, benannt nach Alexander von Humboldt, der hier während seiner Studien zum Cotopaxi wohnte und dessen Zeichnungen des Vulkans im Garten der Hacienda entstanden sein sollen. Auch viele andere VIPs der vergangenen Jahrhunderte logierten hier bereits. Heutzutage ist die Hacienda auch für den durchschnittlichen Touristen geöffnet und bezahlbar, wenngleich es doch sehr große Unterschiede in den Zimmerkategorien hinsichtlich der Ausstattung gibt, wie wir feststellen.


Zufahrt zur Hacienda La Ciénega
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Unsere Suite hat auf jeden Fall alles, was man sich in solch einer altehrwürdigen Hacienda vorstellt. Ein sehr geräumiges Badezimmer sowie zwei nicht gerade kleine Zimmer, die mit alten Möbeln ausgestattet sind, passend zum Flair der Hacienda und gefühlt aus der Zeit Alexanders von Humboldt. Außerdem verfügt das Zimmer über einen Balkon, der uns direkt auf die Allee blicken lässt, was sich leider am Abend als großer Nachteil, um nicht zu sagen als schlechter Scherz, entpuppen sollte. Dazu dann später mehr.

Den Rest des Tages verbringen wir damit, auf dem äußerst großzügigen Gelände der Hacienda herumzuspazieren und viele Fotos zu machen. Dabei entdecken wir im hinteren Bereich Gebäudekomplexe mit Zimmern, die – so unsere Annahme – für Gruppenreisende vorgesehen sind. Wir können den einen oder anderen Blick hineinwerfen und sind sehr froh darüber, dass wir die Suite gebucht haben.

Auch diese Hacienda verfügt über eine Kapelle, der Innenhof des Hauptgebäudes ist wunderschön. Es gibt zudem sehr gemütlich gestaltete Aufenthaltsbereiche und ein Restaurant, wo es uns sehr gut schmeckt. Zum Wohlfühlfaktor trägt auch maßgeblich die ausgesprochen freundliche Bedienung bei. Hier teste ich auch die Baumtomate, die wir vorher nicht kannten. Diese scheint es wohl nur in Ecuador zu geben und zumeist wird daraus ein Saft hergestellt. Uns kann dieser jetzt nicht so richtig überzeugen, ist aber sicherlich auch Geschmackssache. Sehr nett finden wir jedoch, dass wir diesen Saft sogar kostenlos testen dürfen. Wir dachten eigentlich, wir bekommen ein klein wenig zum Test, aber uns wird gleich ein ganzes Glas hingestellt.

Sehr gut schmeckt dann aber die Kartoffelsuppe. Kartoffelsuppe begegnete uns so ziemlich überall im Hochland Ecuadors, und was soll ich sagen, sie schmeckte immer vorzüglich.

Bis zum Abend fühlen wir uns sehr wohl in unserer Humboldt Suite bis, ja bis es im wahrsten Sinne filmreif wird. Wir liegen bereits im Bett, mein Mann liest und ich vervollständige die Reisenotizen. Es ist sicherlich schon 22:00 Uhr. Zuvor hatten wir draußen schon einige Geräusche wahrgenommen, konnten aber nicht rausschauen, weil alle Fenster mit schweren Holztüren verschlossen sind und wir diese nicht extra öffnen wollten. Plötzlich trommelt es an unserer Tür. Ich gehe hin, davor steht ganz aufgeregt eine Mitarbeiterin der Hacienda. Ich verstehe nur „Filmaufnahmen, ganz wichtig“ und „unbedingt die Fenster öffnen“ sowie „überall Licht einschalten“. Für mich ist das Ganze irgendwie wirr, sodass ich nachfrage, bekomme aber keine Antwort, stattdessen zwängt sich die Frau durch die Tür, läuft aufgeregt zu den geschlossenen Holzverkleidungen der Fenster im ersten Raum, öffnet diese, schaltet jeden Lichtschalter an, den sie finden kann und wiederholt das Ganze dann im Schlafzimmer. Mein Mann schaut mich verwundert an und fragt sich, was hier gerade vor sich geht. Ich frage mich das allerdings auch und renne hinter der Frau her, will die erste Holzverkleidung wieder schließen, sie kommt zurück und greift zur Holzverkleidung und hält mich von meinem Ansinnen ab. Dann sehe ich nach draußen und blicke in riesige, helle Scheinwerfer, nehme allerlei Technik und Menschen wahr, die zu mir hochschauen und stelle fest, hier werden gerade Filmaufnahmen gemacht. Na klasse und ich mittendrin im Schlafanzug!

Dann kommt noch ein weiterer Mitarbeiter hinzu, ich weiß nicht, ob es sich um den Manager handelt, auf jeden Fall wird Druck auf uns ausgeübt …
Ich bin stinksauer, das wird auch nicht besser, als die Frau uns dann noch auf Spanisch zuruft, wir sollen uns doch bitte irgendwo hinstellen, wo man uns nicht sieht … sollen wir uns etwa im Bad einschließen? Die Situation ist wirklich kurz vorm Eskalieren, gleichzeitig jedoch so grotesk, dass wir uns so dermaßen überrumpelt fühlen und uns geschlagen geben.

Das Ganze dauert dann gut eine halbe Stunde, wenngleich gefühlt jedoch die halbe Nacht. Wie aus dem Nichts erscheint die Frau wieder und schließt mit den Worten „Filmaufnahmen, Hacienda, ganz wichtig“ wieder die Fensterläden und verschwindet ohne Gruß.

Wir sind davon bedient, wie hier mit Gästen umgegangen wird - das krasse Gegenteil zum Illa Experience Hotel in Quito.
Sollten wir noch einmal jemals in unserem Leben nach Ecuador reisen, wir wissen auf jeden Fall, wo wir garantiert nicht mehr übernachten werden – in der Hacienda La Ciénega!

Zu allem Überfluss werden wir dann mitten in der Nacht wach, weil die Erde bebt. Bis wir jedoch aus dem Tiefschlaf aufwachend, so richtig realisieren, dass hier gerade ein Erdbeben stattfindet, ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Dies ist nun schon das zweite Beben auf einer unserer Reisen, das erste, nicht gerade leichte Beben, bei dem es auch einige Zerstörungen gab und dass es bis in die Nachrichten zuhause schaffte, erlebten wir einige Jahre zuvor auf Island. Brauchten wir damals noch eine Weile, bis wir – ebenfalls nachts aus dem Schlaf geweckt – feststellten, dass es ein Erdbeben ist, können wir nun auf die Erfahrung zurückgreifen und begreifen schneller, was hier vor sich geht. Allerdings können wir in diesem Fall definitiv sagen, man muss nicht jede Erfahrung mitnehmen.
Teil 1108. Apr. 2021
Tag 8 – Latacunga – Riobamba
Dünne Luft auf dem Vulkan


Wir erzählen am Morgen natürlich gleich Pablo von den Vorkommnissen des Vorabends. Ich glaube, er denkt zuerst, wir würden ihn auf den Arm nehmen, sodass wir die Geschichte noch einmal eindrücklich wiederholen. Er übersetzt dann die ganze Geschichte für Manolo und beide schütteln nur mit dem Kopf. Dann verschwindet Pablo in die Hacienda und bleibt eine ganze Weile dort. Als er zurückkommt, erzählt er uns, dass er sich beschwert hat, man aber absolut uneinsichtig war und mehr oder weniger meinte, wir sollten uns nicht so anstellen und überhaupt, wir seien doch einverstanden gewesen. Pablo will das Ganze auf alle Fälle der Agentur melden. Wir möchten uns nicht weiter aufregen und die Reise wieder genießen.

So setzen wir unsere Fahrt Richtung Parque Nacional Cotopaxi fort, dessen Namensgeber der noch aktive Vulkan Cotopaxi (5.897 Meter) ist. Der Parque liegt nicht sonderlich weit entfernt von der Filmlocation der letzten Nacht. Der Weg im Park gleicht mal wieder einer Rüttelpiste und das letzte Stück bis zum Parkplatz ist übersät von ziemlich großen Löchern; nichtsdestotrotz ist die Straße hier in einem besseren Zustand als die Zufahrt zum „El Angel“. Aber auch im Parque Nacional Cotopaxi sollte man besser mit einem Fahrzeug mit hoher Bodenfreiheit unterwegs sein.

Auf dem Weg zum Parkplatz passieren wir auf einer Höhe von 3.870 Metern die Laguna Limpiopungo, wo wir auf dem Rückweg noch einmal halten werden. Zuerst soll es soweit hoch wie möglich auf den Vulkan gehen, denn der Cotopaxi zeigt sich zwar nicht ganz wolkenfrei, gibt jedoch immer wieder die Sicht auf ihn ein gutes Stück frei. Das möchten wir selbstverständlich ausnutzen, zumal die Wettervorhersage für später am Tag eine Verschlechterung des Wetters meldet.

Wir fahren bis zum Parkplatz am Ende des noch befahrbaren Weges. Dieser liegt nun schon auf 4.600 Metern, ab hier geht es nur noch zu Fuß weiter. Es gibt keinen Weg, man muss sich den Pfad mehr oder weniger selbst suchen und das ist unglaublich anstrengend, denn unter den Füßen befindet sich fast überall nur Vulkanasche. So setze ich in dieser sehr sauerstoffarmen Höhe zwei Schritte vorwärts, um gleich darauf wieder einen zurück zu rutschen. Will man den Vulkan nicht ganz besteigen, kann man sich bis zum Refugio José-Rivas auf 4.800 Metern vorarbeiten. Aber selbst die Aussicht auf eine heiße Schokolade im Refugio kann mich nicht motivieren. Es ist unglaublich anstrengend, hier oben auf der Vulkanasche vorwärts zu kommen, eine Bergsteigerin werde ich wohl nicht mehr werden. Etwas mehr als 100 Höhenmeter schaffe ich, sehe auch das Refugio, mache viele Fotos vom Cotopaxi und den Gletschern, die seinen Vulkankegel umgeben, kapituliere dann aber angesichts des nicht vorhandenen Sauerstoffes, bin aber trotzdem stolz auf meine Leistung, weil mein Höhenmesser bereits die Marke von 4.700 Metern überschritten hat.

Kaum sitzen wir im Auto und fahren los, ziehen dunkle Wolken auf und der Cotopaxi wird sich den Rest des Tages vor uns verstecken. Es war die richtige Entscheidung, erst jetzt zu der Lagune Limpiopungo zu fahren. Auf der Lagune tummeln sich einige Wasservögel und wir machen eine kleine Wanderung, die hier unten unter 4.000 Metern gleich gar nicht mehr so anstrengend ist.


Am Cotopaxi auf etwa 4.700 Meter Höhe
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Eigentlich wollten wir am Nachmittag noch die Hacienda Tilipuli besuchen. Unsere Agentur hatte dazu einen Besuch vereinbart. Diesen sagen wir dann aber ab, als uns Pablo als Alternativprogramm eine Panoramafahrt auf der alten Panamericana Richtung unseres Übernachtungsstopps in Riobamba anbietet. So fahren wir auf einer sehr kurvigen Strecke, mal einen Berg hoch, um dann auf der anderen Seite wieder herunterzufahren, so geht es eine ganze Weile. Die Ausblicke auf die zerklüftete Szenerie in diesem Gebiet sind tatsächlich den Umweg wert. Wir nehmen jedoch den Unterschied zu den von uns bisher besuchten Ländern in Südamerika wahr. Ecuador ist in vielen Regionen, die wir besucht haben, sehr zersiedelt. Bis auf die Region um den El Angel sind wir niemals länger durch wirklich einsame Gebiete gefahren, wie wir das aus anderen südamerikanischen Ländern kennengelernt haben. Das Amazonasgebiet ist da sicher noch einmal eine andere Nummer.

Auf dieser Strecke gefällt uns ganz besonders der Streckenabschnitt am Fuße des sehr aktiven Stratovulkans Tungurahua (5.023 Meter). An seinen Flanken ziehen sich unglaublich viele Lavaströme entlang, weiter unten am Fuße des Vulkans sehen wir unzählige Gewächshäuser. Einen besonders großen Ausbruch gab es zuletzt im Jahr 2008. Der Tungurahua sieht zwar einerseits wunderschön aus, strahlt aber gleichzeitig eine enorme Bedrohlichkeit auf uns aus. Die hier lebenden Menschen müssen ständig mit der Bedrohung eines weiteren verheerenden Ausbruchs leben. Ich kann mir das kaum vorstellen, wie es sein muss, tagein, tagaus diese Ungewissheit aushalten zu müssen.

Zur Allee der Vulkane zählt auch der Chimborazo, mit 6.310 Meter Höhe der höchste Gipfel Ecuadors. Während unserer Fahrt nach Riobamba und auch später aus dem Garten unserer Unterkunft können wir hin und wieder einen Blick auf diesen majestätischen Vulkan erhaschen. Leider verbirgt er sich aber zumeist hinter Wolken. Als Alexander von Humboldt gemeinsam mit Aimé Bonpland diesen im Juni 1802 bestieg, galt der Chimborazo gar als höchster Gipfel weltweit. Es muss eine unglaubliche Anstrengung zur damaligen Zeit gewesen sein, wenn man bedenkt, mit welcher Kleidung und Ausrüstung sie diese Unterfangen gewagt haben.

Am späten Nachmittag erreichen wir Riobamba, wo wir für eine Nacht die Hosteria La Abraspungo gebucht haben. Das Zimmer ist okay, das Bad wirkt sehr neu und die Außenanlage gefällt uns sehr gut. Nach einem sehr guten Essen inklusive einer wie immer leckeren Kartoffelsuppe als Vorspeise gehen wir früh schlafen, denn der Wecker wird bereits um 04:00 Uhr klingeln.

Im Garten der Hacienda La Ciénega
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Teil 1210. Apr. 2021
Tag 9 – Riobamba – Cuenca
Eine Kaffeefahrt kann ich auch zuhause machen


Wir sind recht müde, als der Wecker mitten in der Nacht klingelt. Im Hotel ist man auf die Gäste eingestellt, die hier übernachten und dann in aller Frühe mit dem Ziel Alausí losfahren. So können wir zumindest noch ausreichend frühstücken. Vor uns liegen zwei Stunden Fahrt, die uns durch ländliche Gebiete führen. Überall sind schon die Kleinbauern auf den Feldern. Sie bebauen diese noch mit reiner und sehr mühseliger Handarbeit. Unsere Welt mit großen Traktoren ist unendlich weit entfernt.

Um 08:00 Uhr wird unsere gebuchte Andenbahn Alausí verlassen und die bekannte Nariz del Diablo (Teufelsnase) befahren. Viel hatte ich im Vorfeld und in Fernsehdokumentationen darüber gelesen und gesehen. Die Strecke ist zweifelsohne eine Meisterleistung der Ingenieure und der Menschen, die diese erbaut haben. Diese ist so steil, dass die Schmalspurbahn die Strecke nur im Zick-Zack-Kurs befahren kann und die Weichen am Berg mehrmals umgestellt werden müssen. Alles klang so interessant, dass ich diese Bahnfahrt als Pflichtprogramm für die Reise ansah. Die Bahnfahrt selbst finden wir zu Beginn noch recht interessant, das lässt aber dann ganz schnell nach. Von den Ausblicken haben wir uns definitiv mehr versprochen. Sind wir mittlerweile zu verwöhnt, frage ich mich manchmal.

Die 30-minütige Hinfahrt endet, bevor es dann die gleiche Strecke wieder zurück nach Alausí geht, an der 300 Meter tiefer gelegenen Bahnstation von Simbabe. Hier haben wir jetzt sage und schreibe 1 Stunde Aufenthalt. Die in- und ausländischen Touristen verlassen scharenweise den Zug, um direkt zu einem überdachten Bereich zu gehen, wo bereits eine Tanzgruppe alle erwartet. Unsere Stimmung ist im Keller, es ist dermaßen touristisch, eine Kaffeefahrt hätten wir auch zuhause unternehmen können. Decken kann man auch kaufen, leider jedoch ohne Heizfunktion. Wir stellen fest, dass sich eine Stunde enorm lang hinziehen kann … und sind unendlich froh, als wir dann die Rückfahrt antreten können.
Vielleicht sind wir eine Ausnahme, aber diese sogenannte Attraktion hätten wir uns definitiv sparen können, eine Foto-Aufnahme der Bahn von der gegenüberliegenden Straße hätte es vollkommen getan.


Bahnstrecke - wir müssen "von oben nach unten" und anschließend von "unten nach oben"
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Die Bahn - fotografiert während der Pause in Simbabe
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Der nächste obligatorische Stopp auf 3.100 Metern auf der Strecke Richtung Cuenca ist dann wesentlich interessanter: die Inkastätte Ingapirca. Dies ist die bedeutendste Ausgrabungsstätte der Canari und Inka in Ecuador. Wir schauen uns alles in Ruhe an und erkennen auch das eine oder andere Gesicht aus der zum Glück hinter uns liegenden Bahnfahrt wieder, aber insgesamt sind nicht so viele Touristen in dieser Ausgrabungsstätte unterwegs. Natürlich ist die Anlage für uns nicht so beeindruckend wie die, die ich bereits in Peru gesehen habe, aber einen Besichtigungsstopp auf der Strecke ist sie allemal wert.

Ingapirca
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Von hier sind es jetzt immer noch zwei Stunden Fahrt bis Cuenca, wo wir die nächsten zwei Nächte im Hotel Santa Lucia gebucht haben. Dieses sehr zentral gelegene Hotel befindet sich in einem alten Stadtpalast und verfügt über einen wunderschönen Patio, wo man im sehr guten Restaurant des Hotels essen kann.
Im 1. Stockwerk gibt es wunderschöne Ruhebereiche und einen mit alten Möbeln sehr geschmackvoll eingerichteten Raum, der auch sehr schöne Fotomotive hergibt.

Hier stellen wir fest, dass wir eindeutig an der falschen Stelle gespart haben. Wir hatten uns für die Standardkategorie entschieden. Das Zimmer ist zwar sauber, aber sowohl das Bad als auch das Zimmer selbst sind klein, schlicht und ohne irgendeinen besonderen Flair eingerichtet, den ich mir in solch einem Stadtpalast wünschen würde. Wir werfen einen Blick in eine der Suiten und ärgern uns, dass wir nicht gleich diese Kategorie gebucht haben. Wir fragen an, ob wir nicht umziehen können, aber leider sind die Suiten ausgebucht.

Innenhof mit Restaurant unseres schönen Hotels im Zentrum Cuencas
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Teil 1310. Apr. 2021
Tag 10 – Cuenca
Panamahüte & Meerschweinchen-Kulinarik


Heute haben wir Pablo nur für den Vormittag gebucht. Zuerst fahren wir zur etwas außerhalb des Stadtzentrums liegenden Panamahutfabrik Homero Ortego. Ich denke, es ist mittlerweile größtenteils bekannt, dass der Panamahut nicht aus dem namensgleichen Land kommt, sondern aus Ecuador.

Homero Ortego hatte schon einige äußerst bekannte und international prominente Kunden aus Film und Sport, wie zahlreiche Fotos in einem der Ausstellungsräume zeigen. Es ist sehr interessant zu sehen, wie solch ein Panamahut hergestellt wird.

Für die Herstellung mancher Exemplare wird bis zu einem Jahr benötigt. Als Ergebnis erhält man dann einen Hut mit einer beeindruckend präzisen und äußerst filigranen Flechtarbeit. Dies ist in der Herstellung so anspruchsvoll, dass man diese Arbeit nicht länger als 4 Stunden pro Tag machen kann. Solche Stücke, gefertigt aus den Fasern der Toquilla-Palme, können dann auch mehrere Tausend Euro kosten. Um die Hüte auf Form zu bringen, werden diese für 3 Minuten bei 90 Grad gepresst. Da wir den ganzen Herstellungsprozess sehr anschaulich dargestellt und interessant finden, halten wir uns auch ein bisschen länger in der Fabrik auf. Zum Schluss besuchen wir den Verkaufsraum und verlassen diesen natürlich nicht, ohne einen Kauf zu tätigen. Wir suchen uns aber Hüte aus, die nur einen zweistelligen Betrag kosten. Jetzt müssen wir nur noch sehen, wie wir die guten Stücke für den Rest der Reise transportieren werden. Um es vorweg zu nehmen, unsere Souvenirs sind unbeschadet in Deutschland angekommen.


Panamahüte in der Produktionsphase
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Als nächstes fahren wir auf den Mirador del Turi, von dem man einen grandiosen Blick über ganz Cuenca hat. Wir genießen diesen ein wenig und spazieren anschließend an den Ständen vorüber, an denen sich für kleines Geld der in Cuenca so beliebte Snack auf Spießen dreht – Cuy. Auch wenn diese Meerschweinchen ein wenig größer sind als viele unserer liebgewonnenen, oft mit Namen versehenen Haustiere, viel Fleisch scheint nicht dran zu sein. Das sieht man erst so richtig, wenn das Fell ab ist. Natürlich müssen einige dieser vor sich hin brutzelnden Cuys für Fotozwecke herhalten, aber probieren mögen wir sie beide nicht. Pablo wird uns später erzählen, dass er froh ist, dass wir nicht mit ihm zum Meerschweinchenessen gehen wollen. Er mag sie nicht, Manolo hingegen schon, wie wir bei einem sehr lustigen Austausch über dieses Thema erfahren.


Ein kleiner Snack
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Wieder unten in der Stadt angekommen, steigen wir am Rio Tomebamba aus und bewegen uns zu Fuß weiter. Pablo führt uns in die Markthalle „Mercado 10 de Agosto“. Was gibt es hier alles zu sehen! Ganze Schweine, die zerlegt werden, Gemüse in Sorten, wie wir es kennen, aber ganz oft auch uns unbekanntes Gemüse. Die schiere Auswahl der Kartoffelsorten ist überwältigend. Radieschen, die gut dreimal so groß sind, wie die größten, die wir bisher bei uns zuhause gesehen haben, Karotten, die regelrecht orange leuchten und das wohlgemerkt ohne Gentechnik. Überall sitzen Einheimische mit überquellenden Tellern, voll mit allem Möglichen. Es ist ein einziges Gewusel, aber ein hochinteressantes, wir wissen kaum, wo wir zuerst hinschauen sollen. Wir wundern uns ein wenig, dass wir hier keine anderen Touristen sehen. Außen werden Schuhe der Marke Adibas zum Kauf angeboten …


Am Rio Tomebamba, der durch Cuenca fließt
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Nicht weit entfernt vom Mercado befindet sich unter freiem Himmel der Blumenmarkt. Im Land der Blumen ist auch hier das Angebot einfach nur überwältigend und so farbenfroh, das ich regelrecht merke, wie es ein Glücksgefühl in mir auslöst. Den wunderbaren Duft spüre ich gerade wieder in der Nase, während ich diesen Text schreibe.

Am Parque Calderón mit seinen schattenspendenden chilenischen Araukarien befindet sich eine der größten Kirchen Lateinamerikas, die Catedral de la Inmaculada Concepción (Nueva Catedral). Obwohl zeitgleich ein Gottesdienst in dieser so prächtigen Kathedrale stattfindet, können wir hinein und uns umschauen. Das scheint hier niemanden zu stören. Überhaupt läuft ein Gottesdienst hier so ganz anders ab als bei uns. Waren die Kirchen in Quito noch mit Gold und anderen Schätzen regelrecht überhäuft und auch eher düster, wirkt diese hier schlichter, aufgeräumter und lichtdurchfluteter auf uns. Mit ihren blauen Kuppeln gibt diese Kirche immer wieder ein beliebtes Fotomotiv für Cuenca her.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Parque Calderóns steht die Iglesia del Sangrario (Vieja Catedral). In dieser Kirche finden keine Gottesdienste mehr statt. In einem Teil des Gebäudes ist jetzt ein Kulturzentrum untergebracht. Witzig finden wir, als Pablo uns zeigt, dass die Säulen ein Fake sind. Diese wirken sehr echt, sind aber nur verkleidet und im Inneren aus Holz. Beide, die Nueva Catedral und die Vieja Catedral, wurden wie auch viele Gebäude in Cuzco, auf alten Inkamauern erbaut. Pablo verabschiedet sich für heute.

Innenaufnahme der Nueva Catedral
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Nach einem kurzen Stopp in unserem Hotel gehen wir wieder zurück und suchen das direkt neben der Nueva Catedral liegende italienische Restaurant „Filippo“ auf, wo wir sehr lecker essen. Das war ein Tipp von Pablo, und ein sehr guter Tipp!

Danach lassen wir uns noch ein bisschen durch die Stadt treiben und sind wieder besonders angetan von den Straßenverkäufern, die alles Mögliche auf ihren Köpfen balancieren und sehr oft auch Zuckerwatte in den kräftigsten Neonfarben verkaufen.

Cuenca gilt auch als Kulturmetropole Ecuadors. Überall im Zentrum findet man kopfsteingepflasterte Bürgersteige, restaurierte Gebäude aus der Kolonialzeit, oft mit schmiedeeisernen Balkonen – kurzum, diese Stadt gefällt uns sehr gut.


Blick vom Innenhof des Gebäudes, an dem das Restaurant Filippo im 1. Stock zu finden ist, im Hintergrund eine der blauen Kuppeln der Nueva Catedral
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Teil 1410. Apr. 2021
Tag 11 – Cuenca – Cajas Nationalpark - Guayaquil
Weltenwechsel - vom Hochland ins Tiefland


Ecuador ist eines der kleineren Länder Südamerikas. Nichtsdestotrotz beherbergt es unterschiedliche Welten, wie wir heute ganz eindrücklich erfahren werden.

Bevor wir morgens Cuenca verlassen, steigt noch ein Guide für den Parque Nacional El Cajas zu. Dieser im Páramo gelegene Park darf nur in Begleitung eines dafür lizensierten Guides besucht werden.

Die Straße von Cuenca windet sich in die Höhe. Das Wetter verheißt mittlerweile allerdings nicht viel Gutes. Als wir dann fast die 4.000 Meter erreicht haben und somit auch den Park, lichtet sich der Himmel ein klein wenig. So können wir auf jeden Fall einen Blick auf die Lagunen erhaschen und zugleich bedeutet dies natürlich, der Fotoapparat wird gezückt. Hier oben gibt es ein recht modernes kleines Besucherzentrum mit ordentlichen Toiletten. Es tröpfelt ein wenig, der doch recht kühle Wind trägt auch nicht gerade dazu bei, es gemütlich zu finden - gut, wegen der Gemütlichkeit sind wir auch nicht hergekommen.

Alles sieht hier verwunschen aus. Wir laufen ein wenig Richtung der großen Laguna Toreadora, dann wird der Regen stärker, der Wind will ihm nicht nachstehen und frischt noch mehr auf. Die Sicht wird immer schlechter dank einer Nebelwand, die blitzschnell aufkommt. So setzen wir dann unsere Fahrt Richtung Küste fort.

Parque Nacional El Cajas
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Was in Botswana die Esel, sind in Ecuador die Alpakas ...
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Die nächsten 90 Minuten fahren wir auf einer sehr kurvigen Straße mit teilweise phantastischen Aussichten auf Meereshöhe. Die Welt um uns herum ändert sich. Die Häuser der Menschen, wirkten sie oftmals im Hochland nicht ganz so ärmlich, sind jetzt teilweise einfache Bretterverschläge. Die Vegetation des Páramos weicht und geht in eine subtropische Vegetation über. Hier kommen also viele unserer Bananen im heimischen Supermarkt her, denke ich bei mir. Die Bananenplantagen sind äußerst weitläufig, ebenso die Zuckerrohrfelder und dazwischen tauchen immer mal wieder Reisfelder auf und Bereiche, in denen Kakao angebaut wird. Wenn ich solche Felder und Anbaugebiete sehe, stelle ich mir immer vor, wie es darin Kreuchen und Fleuchen muss. Pablo, darauf angesprochen, bestätigt, dass es regelmäßig zu gefährlichen Schlangenbissen oder Ähnlichem kommt und leider auch immer wieder Menschen ihr Leben lassen müssen. Was würde der deutsche Arbeitsschutz wohl zu solchen Arbeitsbedingungen sagen? Die Fahrt vom Hoch- ins Tiefland: Es ist ein Weltenwechsel in diesem kleinen Land.

Guayaquil ist die größte Stadt Ecuadors. Sie hat 4 Millionen Einwohner. Unseren ersten Eindruck von dieser Stadt erhalten wir während der Fahrt durch ein sehr wohlhabendes Viertel, die Häuser sind hier allesamt stark gesichert oder befinden sich gleich in bewachten Wohnanlagen. Es sind kaum Menschen auf der Straße.
Gerne hätten wir den Parque Histórico Guayaquil besucht, aber dieser ist montags und dienstags geschlossen, und dies sind die beiden Tage, an denen wir in der Stadt sind. Unsere Reiseplanung hat leider nichts anderes erlaubt, da die Tage der Kreuzfahrt die Basis und Vorgabe für das komplette restliche Programm war.

Wir nähern uns Guayaquils Innenstadt, hier sind jetzt auch wieder mehr Menschen zu Fuß unterwegs. Es wird immer heißer, hinzu kommt noch eine gefühlt sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Sicherlich ist es nur ein rein subjektives Gefühl, aber hatten wir überhaupt kein Problem, uns alleine im Hochland in den dortigen Städten Quito und Cuenca zu bewegen, so beschleicht uns hier der Gedanke ganz genau schauen zu müssen, wo wir morgen den Tag alleine verbringen wollen. Die Aussage von Pablo und Manolo, dass sie beide auch keine großen Fans dieser Stadt sind, verbunden mit mehreren Hinweisen an uns in puncto Sicherheit für den morgigen Tag, trägt auch nicht gerade zu einem Wohlgefühl bei. Der an der Kathedrale gelegene Parque des las Iguanas ist – wie bereits schon der Name vermuten lässt – bevölkert von Leguanen und daher sowohl bei Touristen als auch Einheimischen beliebt.

An unserem Hotel angekommen verabschieden wir uns von unserem Guide Pablo und unserem Fahrer Manolo. Beide haben für uns einen richtig guten Job gemacht, die Chemie zwischen uns allen hat gestimmt und wir hatten viel Spaß. Mit der Qualität eines Guides und/oder Fahrers sowie den Unterkünften kann für uns eine Reise stehen, aber auch fallen.

Die letzten beiden Nächte auf Festland Ecuador werden wir im Hotel Wyndham wohnen. Ursprünglich war hier nur eine Nacht gebucht, da wir aber die Planung ab dem Folgetag nur wenige Wochen vor unserer Abreise nahezu komplett umstellen mussten, haben wir das Vergnügen, noch einen Tag länger in Guayaquil zu verweilen. Warum wir diese Änderung des Reiseplans vornehmen mussten, dazu dann später mehr.
Teil 1510. Apr. 2021
Tag 12 – Guayaquil
Tropische Hitze am Malecón


Im Hotel Wyndham gibt es Zimmer mit Blick auf den dahinterliegenden Hügel mit Las Peñas oder gegen Aufpreis mit Blick auf den Rio Guayas, dessen Mündung hier so breit ist, dass man das Gefühl hat, man befinde sich bereits direkt am Meer. Wir haben uns für diese Aussicht entschieden.

Unser Zimmer hat zwar jetzt nicht mehr den Charme der Haciendas, sondern eher den klassischen Business Chic, ist aber absolut angemessen hinsichtlich der hohen Kategorie des Hotels. Uns gefällt es sehr gut, außerdem kühlt die Klimaanlage – ohne auf die Betten zu ziehen - so gut, dass man nachts hervorragend schlafen kann. Zudem haben wir ausreichend Platz, um in unseren Koffern Ordnung machen zu können für den anstehenden Flug nach Baltra.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und ohne jegliche Wertsachen, selbst unsere einfachen Reisearmbanduhren und Kamera bleiben im Safe, wollen wir uns heute ein wenig von der Stadt anschauen. Jeglicher Schmuck bleibt ohnehin auf diesen Reisen immer zuhause. Wir nehmen auch keine Tasche mit und tragen nur eine Wasserflasche in der Hand. Mit diesen Sicherheitsvorkehrungen gerüstet, starten wir unsere Tour.
Durch die hervorragende Lage unseres Hotels erreichen wir bereits nach wenigen Minuten das untere Las Peñas. Dieses Viertel ist geprägt durch schöne alte, oftmals sehr bunte Kolonialhäuser, in denen sich viele Künstler niedergelassen haben. Immer mal wieder gehen wir in das eine oder andere Geschäft und besuchen verschiedene Ateliers. Einige Objekte gefallen uns sehr gut, leider sind uns diese entweder zu teuer oder wir wissen nicht, wie wir diese ohne Schaden zu nehmen, nach Hause transportieren sollen – manchmal aber auch beides … so wird an diesem Tag unser Reisegepäck kein zusätzliches Gewicht erlangen.

Das untere Las Peñas schließt nahtlos an den Malecón Simón Bolívar an. Diese Uferpromenade führt 2,5 Kilometer entlang des Rio Guayas. Hier gibt es einiges zu sehen. Das Monument Hemiciclo de la Rotonda wurde in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts errichtet und erinnert an das historische Treffen im Jahr 1822 von den beiden großen Befreiern Südamerikas, Simón Bolívar und José de San Martin. Im Bereich der Plaza de Vagón liegen noch einige Meter Schienen, auf denen ein alter Eisenbahnwagon steht. Der Jardines del Malecón ist eine kleine grüne Oase mit vielen einheimischen Pflanzen, Museumsfreunde können das Museo Miniatura Guayaquil en la Historia besuchen.

Wir schlendern in tropischer, schwüler Hitze auf dieser Uferpromenade entlang, nehmen immer mal wieder auf einem der Bänke Platz und schauen dem Treiben der Einheimischen zu. Zu unserer großen Überraschung können wir in der ganzen Zeit keine weiteren Touristen, keine Gringas oder Gringos, erkennen, stattdessen aber jede Menge Polizei und Sicherheitskräfte.

Entgegen unserer Erwartungen vom Vortag haben wir diese Tour genossen und freuen uns nun sehr auf die Inseln, auf denen der große Forscher Charles Darwin seine Grundlagen der Evolutionstheorie legte.

Blick auf Las Peñas
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Morgen geht's nach Galápagos!
Teil 1610. Apr. 2021
Hallo an alle, die bereits hier mitlesen (& danke für Euer Interesse),

ich habe (auf mehrfachen Wunsch) einige Bilder ergänzt - dies nur als Info an alle, die vielleicht noch einmal über die alten Posts der bisherigen Tage drüberscrollen möchten. Textlich habe ich keine Änderungen vorgenommen.

Viele Grüße
Sabine
Teil 1710. Apr. 2021
Tag 13 – Guayaquil – Baltra – Puerto Ayora
Wo die Evolutionstheorie ihren Ursprung nahm


Wir müssen vor den offiziellen Frühstückszeiten des Hotels aufbrechen. Nachdem wir dies an der Rezeption am Vortag angemeldet hatten, steht zu unserer großen Freude für uns eine größere Auswahl an Speisen und Getränken bereit als wir zu einem regulären Frühstück in manch einer anderen Unterkunft serviert bekommen haben.

Der von uns über das Hotel arrangierte Flughafentransfer klappt reibungslos. Wir benötigen nur 15 Minuten, dies liegt wohl auch daran, dass so früh sehr wenig Verkehr auf den Straßen unterwegs ist. Am Flughafen steuern wir direkt den Schalter an, an dem man die obligatorische Ingala Card für die Einreise auf die Galápagos Inseln kaufen muss. Die Ingala Card kostet 20 USD pro Person und sie kann nicht im Voraus erworben werden. Ohne eine Ingala Card ist ein Einchecken für den Flug nicht möglich. Da wir immer recht zeitig am Flughafen eintreffen, ist zum Glück am Schalter noch nicht viel los und wir halten recht schnell unsere erste von zwei Eintrittskarten zu diesem Naturparadies in den Händen.

Unser Flug mit Avianca dauert 1 Stunde und 40 Minuten. Dieser ist äußerst ruhig und der Service ist selbst auf diesem kurzen Flug in der Economy Class sehr gut. Hinzu kommt, dass unsere Ansprechpartnerin im Reisebüro einen hervorragenden Platz mit ausgesprochen viel Beinfreiheit für uns reserviert hat. Auf sie ist einfach Verlass – wir fragen uns schon jetzt, was wir machen werden, wenn sie einmal in den wohlverdienten Ruhestand geht.

Auf den Inseln angekommen müssen wir gleich die zweite Eintrittskarte erwerben, dies ist quasi die Eintrittskarte zu dem Nationalpark und kostet 100 USD pro Person.

Auf die Galápagos Inseln darf man keine frischen Produkte, wie z. B. Obst, Samen oder sonstige tierische Produkte, einführen. Dies gilt zum Schutz der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt und wird auch kontrolliert, was ich sehr begrüße. So werden dann erst einmal alle Gepäckstücke ausgeladen und in einem abgesperrten Bereich aufgestellt. Die Neuankömmlinge auf den Inseln müssen sich jetzt gedulden und sich hinter einer Linie, die sie von ihrem Gepäck trennt, aufstellen.

Wir bisher immer in solchen Situationen finden wir die Hunde, die jetzt ihren Job machen müssen, ausgesprochen süß. Was uns jedoch sehr wundert, und wir müssen zweimal hinhören, hört einer der Hunde auf deutsche Kommandos. Diese werden zwar mit einem deutlichen spanischen Akzent ausgesprochen, aber der Vierbeiner ist scheinbar bilingual und versteht alles. Er stürzt sich regelrecht auf die Gepäckstücke. Irgendwie ist das ganze Schauspiel witzig anzusehen. Nach gut einer Viertelstunde wird das Gepäck freigegeben, es scheint, als hätten sich alle Einreisenden an die Vorschriften gehalten.

Vor dem Terminal stehen Busse bereit, die uns in einer 15-minütigen Busfahrt zum Canal de Itabaca bringen. Diese schmale Wasserstraße trennt die beiden Inseln Baltra und Santa Cruz. Die nun folgende Verladung des Gepäcks ist nichts für jemanden, der Angst um selbiges hat. Am besten stellt man sich gar nicht erst vor, was passiert, wenn hier mehr Seegang herrscht. Bevor alle den Bus verlassen haben, haben schon fleißige Mitarbeiter das Gepäck aus dem Inneren des Busses geholt und auf das Dach des Bootes geladen, mit dem der Kanal überquert wird. Die Dächer der Boote sind flach und an der Seite gibt es keinerlei Rinnen oder Befestigungen, die Koffer oder Taschen ein wenig Halt geben. Na ja, die machen das jeden Tag zigmal, denke ich bei mir, nehme aber vorsichtshalber den kleinen Trolley mit verschiedenen Wertgegenständen unter vielen kritischen Augen mit aufs Boot, sicher ist sicher. Viele Tagesrucksäcke sehen auch nicht kleiner aus. In weiteren knapp 15 Minuten erreichen wir das andere Ufer, ohne das jemand oder etwas von Bord gegangen wäre. Auf der anderen Seite wird wieder alles ent- und in Busse verladen.

Wir werden bereits für unseren Transfer erwartet und fahren weitere 40 Minuten einmal quer über die Insel nach Puerto Ayora, wo sich nahezu alle Unterkünfte der Insel befinden. Macht man Tagesausflüge von Puerto Ayora auf die vorgelagerten Inseln, muss man diese Strecke in der Regel zweimal hinter sich bringen, um dann wiederum mit einem äußerst kleinen Boot zu einem nicht viel größeren Boot gebracht zu werden. Allein dafür ist man dann gut 2 bis 3 Stunden unterwegs und man ist noch nicht mit dem Boot losgefahren, mit dem man dann die zu besuchende Insel ansteuert. Als wir das beobachten, fühlen wir uns in unserer Entscheidung bestätigt, eine Kreuzfahrt gebucht zu haben.

Auf der sonst eher unspektakulären Fahrt über die Insel haben wir unsere erste schöne Begegnung mit der Tierwelt des Galápagos Archipels. Wir unterbrechen kurz unseren Transfer, weil eine der großen Landschildkröten wenige Meter neben der Straße auftaucht.

Dank eines Kollegen wusste ich von unserer nächsten Unterkunft. Dieser ebenfalls sehr reisefreudige Kollege besucht regelmäßig die ITB und er bot mir an, Informationsmaterial mitzubringen. Ich weiß nicht, ob ihm bei diesem Angebot bewusst war, auf was er sich eingelassen hatte. Auf jeden Fall bekam er von mir eine lange Liste über Ziele, zu denen ich mich über Informationsmaterial freuen würde und tatsächlich, als ich morgens ins Büro kam, lag eine riesige Tüte auf meinem Schreibtisch. Danke fürs Sammeln und Schleppen!

Hatten wir uns seinerzeit auf San Cristóbal sehr schnell für eine Unterkunft entschieden, war es für uns auf Santa Cruz weitaus schwieriger. Alles, was wir uns angeschaut hatten, gefiel uns nicht. Nur das Red Mangrove Hotel, dessen Preis wir aber nicht bereit waren zu zahlen, und das Finch Bay sprachen uns an. Das Problem beim Finch Bay wiederum war, dass man es nur mit einem kleinen Transferboot erreichen kann. Nach langem Recherchieren hatten wir uns dann für eine Unterkunft in Puerto Ayora entschieden. Allerdings wollte man dann nach Buchung über eine Buchungsplattform weitere Informationen zur Zahlung, was zuvor nicht angegeben war und bat darum, dass ich mich mit ihnen in Verbindung setzen möge. Das tat ich und gab die gewünschten Informationen durch. Einige Zeit später kam die gleiche Anfrage und später noch ein weiteres Mal … ich versuchte sogar, das Hotel telefonisch zu erreichen. Ich erhielt dann irgendwann sogar die Mitteilung, wenn ich nicht die gewünschten Informationen durchgebe, man die Reservierung canceln müsste. Dabei hatten sie diese schon mindestens zweimal erhalten. Ich prüfte daraufhin die Verfügbarkeit des Hotels für unsere Reisedaten und stellte fest, dass dieses komplett ausgebucht ist und dachte mir meinen Teil.

Mir kam in den Sinn, dass in dem von meinem Kollegen mitgebrachten Stapel ein Prospekt eines funkelnagelneuen Hotels in Puerto Ayora lag, bei dem ich noch dachte, schade, hätte es dieses seinerzeit gegeben, wäre das sofort unsere erste Wahl gewesen. Auf Buchungsplattformen war dieses allerdings noch nicht zu finden. Daher fragte ich unsere Agentur, ob sie dort für uns eine Buchung vornehmen könnten und das konnten sie! Einmal mehr hatten wir Buchungsglück auf dieser Reise und so wohnten wir auf Puerto Ayora im Hotel Ikala. Das ursprünglich gebuchte Hotel bekam von mir eine Nachricht, dass ich die kostenlose Stornierungsmöglichkeit in Anspruch nehme und ich die Vorgehensweise absolut nicht in Ordnung finde. Natürlich kam keinerlei Reaktion.

Das Ikala mit insgesamt 14 Zimmern gefällt uns auf Anhieb. Man führt uns dann aber zu einem Zimmer, das uns hinsichtlich der Lage überhaupt nicht gefällt. Ich schaue nur ganz kurz hinein, mein Mann schafft es hinter mir noch nicht einmal einen Fuß über die Schwelle zu setzen, weil ich mich sofort umdrehe und dieses Zimmer ablehne. In diesem Moment hält dann auch noch direkt unterhalb der Terrasse ein Müllauto und räumt seinen Inhalt hin und her. Kurz erwähne ich noch, dass wir nach unserer Kreuzfahrt für mehrere Tage Aufenthalt zurückkommen werden und wir doch ein anderes Zimmer erwarten. Wir erhalten dann ein wunderbares Zimmer und sind rundum zufrieden.


Unsere schöne Unterkunft auf Santa Cruz - Ikala Hotel
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Der Rest des Tages gehört Puerto Ayora. Wir laufen zum Hafen, wo wir in einem Restaurant essen wollen. Das vom Hotel empfohlene hat geschlossen, so laufen wir weiter, weil ich mich erinnern konnte, dass es im Red Mangrove Hotel ein sehr gutes Restaurant geben soll. Dieses liegt zwar am anderen Ende des Ortes, aber der Fußweg dorthin gestaltet sich alles andere als langweilig. Wir kommen sogar an dem ursprünglich gebuchten Hotel, das direkt am Meer liegt, vorbei. Ich gehe kurz hinein, mein Mann weigert sich, und stelle fest, dass es mir hier nicht gefällt, selbst die Lage direkt am Meer sagt mir nicht zu.

Das Restaurant des Red Mangrove Hotels ist super, nicht günstig, aber wir sind sehr zufrieden mit der Qualität des Essens und fast noch besser ist die Lage. Es ist einfach traumhaft, wir sitzen auf der Terrasse direkt am Meer, unterhalb krabbeln unzählige der roten Klippenkrabben, bei der Vogelwelt ist ein ständiges Kommen und Gehen von Pelikanen und Reihern, zwischen unseren Füßen laufen Leguane umher, ein Teil der Terrasse inkl. zweier Liegen ist abgetrennt für Seelöwen. Diese nutzen den für sie reservierten Bereich ausgiebig, auch wenn es hier und da ein wenig Unstimmigkeiten gibt, die mit lautstarkem Getöse einhergehen. Alleine diesem Schauspiel könnten wir ewig lange zuschauen.
Schon jetzt beschließen wir, nicht nur wegen des guten Essens, sondern auch wegen der Atmosphäre, in den Tagen nach der Kreuzfahrt wieder hier einzukehren. Noch haben wir nicht viel von den Galápagos Inseln gesehen, sind aber bereits schon hellauf begeistert.


Außenbereich Restaurant des Red Mangrove Hotels
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Wildlife inbegriffen
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Teil 1810. Apr. 2021
Tag 14 – Puerto Ayora – Einschiffung – Isla Plaza Sur
Schiff gesunken, und nun?


Unsere ursprüngliche Planung hatte vorgesehen, dass wir zwei Tage zuvor mit der LAN Ecuador nach San Cristóbal geflogen wären, um dann von dort nach einem Zwischenaufenthalt mit der MY San José eine fünftägige Kreuzfahrt mit Ausschiffung Balta/Santa Cruz zu machen. Seit einigen Jahren dürfen die Schiffe den gleichen Anlandungsort auch nur einmal innerhalb von 14 Tagen besuchen. Wenn man eine genaue Vorstellung der Route auf einem Kreuzfahrtschiff hat, sollte man seine Reservierung am besten ein Jahr im Voraus vornehmen.

Unsere Anforderungen machten die Planungen nicht ganz so leicht. Es sollte ein kleines Schiff oder Katamaran mit nur einer maximalen Zahl von 16 Passagieren sein, hier versprachen wir uns eine privatere Betreuung. Auf alle Fälle wollten wir die Albatrosse auf Española sehen, die nahezu nur auf dieser Insel brüten und das auch nur in bestimmten Monaten im Jahr. In diesem Punkt waren wir zu keinerlei Kompromiss bereit. Zudem stand auf unserer Wunschliste die Insel Bartolomé.

Dies alles gepaart mit einem Schiff, das einen gewissen Komfort versprach und trotz der ohnehin schon nicht gerade günstigen Preise, aber immer noch im notgedrungen dem Reiseziel angepassten höheren Reisebudget lag, war es nicht leicht, das Passende zu finden. Lange suchte ich und wurde dann tatsächlich fündig, die MY San José erfüllte alle Voraussetzungen, sodass wir diese Yacht 14 Monate vor Reisebeginn buchten und anschließend die restlichen Programmpunkte und Flüge passend zum Reisezeitraum.
Das war unsere ursprüngliche Planung oder besser gesagt ursprüngliche Buchung. Aber es kam anders …

Im Monat vor unserer Abreise erhielten wir von unserer Agentur ein Schreiben, in dem sie uns recht kurz und knapp mitteilten, dass die MY San José gesunken sei, sie aber jetzt mit Hochdruck nach einer Alternative für uns suchten. Als ich dies meinem Mann erzählte, dachte er zuerst, ich würde ihn auf den Arm nehmen. Ganz abwegig wäre dies nicht gewesen, weil ich dabei lachen musste. Es war irgendwie surreal. Wenn wir mit allem Möglichen gerechnet hätten, aber nicht damit. (Kurzer Nachtrag: Meine Recherche zum Unglück ergab, dass niemand zu Schaden kam; alle Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten sich retten). Recht schnell begriffen wir aber, dass es jetzt eine echte Herausforderung werden würde, eine Alternative zu finden. Mehrmals telefonierte ich mit unserer Agentur, die aber leider noch nichts Passendes für uns gefunden hatte, weil einfach alles ausgebucht war. Eine Kabine hätten sie auf einem äußerst einfachen Schiff für uns gehabt, das hatten sie aber gleich verworfen. Nachdem ich mir dieses Schiff angeschaut hatte, stellte ich fest, die Agentur hatte richtig entschieden.

Nach einer Weile kam dann der Anruf, dass man einen Platz auf der Santa Cruz für uns hätte. Mittlerweile schon froh, überhaupt etwas zu bekommen, hatten wir uns bereits mit dem Gedanken angefreundet, dass es doch ein größeres Schiff werden würde. Gestört hat uns jedoch bei dieser Möglichkeit, dass wir direkt vom Schiff den langen Rückflug hätten antreten müssen, noch viel mehr aber störte uns, dass Española auf der Route nicht besucht würde, stattdessen aber Genovesa. Diese Insel hätten wir uns auch gerne angeschaut, aber Española war wirklich der einzige Punkt, von dem wir nicht abrücken wollten. So hielt die Agentur auf unseren Wunsch hin die Reservierung, suchte aber weiter und … wurde fündig. Man konnte uns die allerletzte Kabine auf der La Pinta buchen. Die La Pinta ist eine der exklusivsten Yachten für Touristen im Galápagos Archipel. Sie verfügt über eine Kapazität für 48 Passagiere, was wiederum bedeutet, dass bei Anlandungen keine weiteren Schiffe vor Ort sein werden, da dies auch die maximale Zahl der Touristen ist, die gleichzeitig einen Anlandeort besuchen dürfen. Statt Bartolomé sollte auf dieser Route Punta Pitt besucht werden, so würden wir sogar hoffentlich auch Rotfußtölpel zu Gesicht bekommen. Rotfußtölpel kann man nur auf Genovesa und in Punta Pitt sehen. Die absolute Krönung des Ganzen aber war, dass uns die Agentur die Reservierung auf der La Pinta ohne jeglichen Aufpreis anbot und dieser wäre nicht unerheblich zu der ursprünglichen Buchung auf der MY San José gewesen, die jetzt ein Dasein auf dem Meeresgrund irgendwo in der Sullivan Bay fristet.

Nachdem wir uns das Schiff und die Route angeschaut hatten, wuchs unsere Vorfreude auf die Tour nahezu ins Unermessliche.
Wir mussten jetzt noch den Flug von Festland Ecuador mit Ziel San Cristóbal auf Ziel Baltra umbuchen, Hotel auf San Cristóbal stornieren, zusätzliche Nächte dafür im Ikala sowie eine Nacht in Guayaquil reservieren. Zum Glück auch hier für uns, alle Umbuchungen gingen problemlos und ohne großen Kostenaufwand. Das Vor- und Nachprogramm war zwar jetzt nicht mehr ganz so rund, aber passte immer noch.

Heute sollte es also auf die La Pinta gehen. Wir bringen den Transfer in umgekehrter Reihenfolge zum Flughafen Baltra hinter uns, wo wir auf die Guides der La Pinta treffen und etwas später dann auf die anderen Mitreisenden, die allesamt mit einer Maschine aus Quito landeten.
Recht schnell stellt sich heraus, dass neben uns noch an Bord sind: 2 Neuseeländer, 2 Engländer, 2 Schweden, 4 Schweizer und 35 US-Amerikaner, die einer amerikanischen Reisegruppe angehörten und sich auch alle untereinander kannten.

Wir werden mit dem Bus in wenigen Minuten zum kleinen Hafen gebracht, wo wir in die Pangas umsteigen. Diese Boote kannten wir bisher unter dem Begriff Zodiacs, hier nennt man sie Pangas. Nachdem wir unsere sehr schöne Kabine mit großzügigem Bad und Panoramafenster bezogen haben, können wir auch bereits schon zum Mittagessen gehen. Im Restaurant gibt es zumeist 6er Tische sowie zwei 4er Tische. Das Essen sollte die ganze Reise über hervorragend sein, die Auswahl großartig. Während wir es uns schmecken lassen, wird der Anker gelichtet und wir starten unsere Fahrt zur Insel Plaza Sur, wo wir am Nachmittag anlanden werden.

Jetzt stellt sich für uns heraus, dass wir uns seinerzeit bezüglich der Schiffsgröße geirrt haben. Sollten wir jemals wieder auf das Archipel reisen, würden wir uns aus zwei Gründen wieder für ein größeres Schiff entscheiden, zum einen spürt man wahrscheinlich den teilweise extremen Seegang nicht ganz so stark und zum anderen befinden sich z. B. auf der La Pinta 4 Guides und nicht wie auf einem kleineren Schiff nur 1 Guide, sodass man die Wahl aus mehreren Touren hat. Dies ist auch ein extremer Vorteil für Menschen, die vielleicht eine bestimmte Tour nicht machen wollen oder aufgrund einer körperlichen Einschränkung nicht machen können. Es gibt immer noch eine Alternative.

Die Insel Plaza Sur ist klein (13 ha), aber voller Leben. Wir haben ausreichend Zeit für den Landgang. Die Tierwelt lässt sich gleich bei der Anlandung in Form von Galápagos Seelöwen blicken. Diese denken gar nicht daran, aus dem Weg zu gehen - besser ist es auf jeden Fall, wenn wir einen größeren Bogen um die Bullen machen. Dann sehen wir auch schon die ersten Exemplare der Landleguane. Sie kommen hier in reichlicher Anzahl vor. Am Himmel ziehen Fregattvögel ihre Kreise und später am Strand sitzen in aller Seelenruhe Gabelschwanzmöwen. Besonders faszinierend finden wir an diesen weiß, blau und grau gefiederten Vögeln mit den roten Beinen den tiefroten Kranz um die Augen. Noch beeindruckender ist jedoch, dass keines dieser Tiere auch nur irgendein Anzeichen von Scheu gegenüber uns Menschen zeigt. Das ist einfach unglaublich.

Der Boden der hügeligen Insel ist übersät von tiefroten Galápagos Sesuvien und mittendrin stehen Baumopuntien. Die Galápagos Sesuvien sind endemisch und nur in der Trockenzeit rot. Zur Regenzeit wechseln sie ihre Farbe und zeigen sich grün.
Kleine graue Felsen sowie dunkles Lavagestein, das überall auf dem Eiland zu finden ist, erhöhen noch einmal den farblichen Kontrast zum tiefblauen Meer.
Eine wirklich schöne kleine Insel in der untergehenden Nachmittagssonne, perfekt als Einstieg auf die Fahrt durch das Galápagos Archipel.

Zurück auf dem Schiff geht es mir dank Reisetabletten einigermaßen gut, sodass ich nach dem Abendessen dem sehr interessanten Vortrag der Guides sowie der Vorausschau auf das morgige Tagesprogramm lauschen kann.


Die Insel Plaza Sur und ihre Tier- und Pflanzenwelt
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Im Hintergrund ist unser Schiff, die La Pinta, zu sehen
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So, das war's für heute ... und ich hoffe, ich konnte alle, die sich Bilder gewünscht haben, zufrieden stellen. Ich freue mich auf Euer Feedback.




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Teil 1913. Apr. 2021
Tag 15 – Isla Santa Fe – Isla San Cristóbal
Gelbe Landleguane & ein Hilfsprogramm für Landschildkröten


Die La Pinta hat bereits in der Nacht ihre Reise zur nächsten Insel fortgesetzt. So ankern wir bereits zum Frühstück, das wir unter freiem Himmel auf dem Deck zu uns nehmen, vor der Insel Santa Fe.

Santa Fe ist etwas größer als Plaza Sur. Vom Schiff steigen wir wieder in die Pangas um und fahren an einem Küstenabschnitt der Insel entlang und sehen unsere ersten Blaufußtölpel. Sie hocken auf den Felsen oder watscheln herum, einfach possierlich.


unsere ersten Blaufußtölpel (aus dem wackeligen Zodiac aufgenommen)

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Da Santa Fe über keinen Steg zum Anlegen verfügt, haben wir heute unser erstes Wet Landing auf dieser Kreuzfahrt, was allerdings bei diesen Temperaturen keinerlei Problem darstellt. Wir müssen nur beim Abtrocknen der Füße und dem anschließenden Reinschlüpfen in Socken und Schuhe aufpassen, dass wir alles irgendwie festhalten, denn die ersten, ausgesprochen süßen und nicht minder neugierigen Seelöwenjungen sind schon zur Stelle. Zügig verpacken wir unsere Sachen in den wasserdichten Rucksack, bevor wir zur Inselerkundung starten.


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Das Besondere auf Santa Fe sind einerseits die Reisratten, die wir aber nicht zu Gesicht bekommen und andererseits die nur hier vorkommenden gelben Landleguane, deren Kennzeichnen neben der Farbe ein besonders ausgeprägter Rückenkamm ist. Letztere können sich nicht vor uns verstecken und wir können einige davon beobachten. Auch diese Leguane zeigen keinerlei Scheu vor uns, ganz im Gegenteil, wir haben eher den Eindruck, wir sind ihnen egal. Auf der Insel wachsen neben den Baumopuntien auch einige Scalesien.
Nach einem ausgiebigen Rundgang mit Guide über die Insel können wir noch etwas schwimmen oder die Fahrt mit dem La Pinta eigenen Glasbodenboot wahrnehmen.


Isla Santa Fe
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Zum Mittagessen sind wir wieder zurück auf dem Schiff, das seine Fahrt nun Richtung der Insel San Cristóbal fortsetzt. San Cristóbal gehört zu den größeren Inseln des Archipels und ist eine von vier bewohnten, zudem ist der hier liegende Ort Puerto Baquerizo Moreno die Hauptstadt des Galápagos Archipels und neben Baltra die einzige Insel, die man mit dem Flugzeug vom ecuadorianischen Festland erreichen kann.

Das überschaubare Örtchen Puerto Baquerizo Moreno verfügt zwar über einen kleinen Hafen, an dem aber selbst die kleinen Touristenschiffe nicht anlegen können. So ankern wir wieder weiter draußen und werden mit den Pangas zum Hafen gebracht. Wir fahren einfach gerne Panga/Zodiac, das macht wirklich Spaß.

Im Hafen stehen bereits Busse bereit. Damit die Gruppen nicht zu groß werden, hat jede der vier zwar das gleiche Programm, aber immer einen anderen zeitlichen Ablauf. Alles ist auf diesem Schiff perfekt organisiert. Auf der einzigen geteerten Straße der Insel fahren wir 30 Minuten bis zum Ende, dort liegt auch unser nächster Besuchsstopp, die sehr weitläufige Anlage La Galapaguera del Colorado. Es handelt sich hier um eine Aufzuchtstation für Riesenschildkröten. Es gibt ein sehr interessantes Informationszentrum und beim Gang über das wirklich sehr große Freigehege – es ist so groß, dass wir während des ganzen Besuches keinen Zaun sehen, ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob es überhaupt einen gibt – lassen sich immer wieder viele Elefantenschildkröten blicken. Insgesamt sollen noch etwa 1.000 dieser Elefantenschildkröten auf der Insel leben. Es ist sehr interessant zu erfahren, wie hier gearbeitet wird und welche Anstrengungen im Zuchtprogramm unternommen werden, um diese Tiere vor dem Aussterben zu retten. Leider müssen wir jedoch auch hören, dass immer mal wieder Tiere verschwinden.


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Zurück in Puerto Baquerizo Moreno schlendern wir noch alleine durch den Ort. Es ist hier noch beschaulicher und ruhiger als in Puerto Ayora.

Nach dem Briefing für den nächsten Tag verbringen wir den Abend mit einem amerikanischen Paar bei einem sehr netten Gespräch, zwischendurch macht sich leider trotz Mittelchen Mr. Seasick immer mehr bemerkbar.


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Teil 2014. Apr. 2021
Den heutigen Tag teile ich auf zwei Beiträge auf, los geht's:

Tag 16 - Isla San Cristóbal (Punta Pitt & Cerro Brujo)
Tölpel mit roten Füßen, Tölpel mit blauen Füßen … pralles Leben am Traumstrand und ein schlafender Löwe


Nach dem Briefing vom Vorabend hatte ich Befürchtungen, der Tag heute würde nicht so toll werden. Ich hatte Bedenken, dass es viel zu viel Beach und viel zu wenig Wildlife geben würde. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass meine Befürchtungen absolut unbegründet sind. Doch zuerst habe ich aber noch einen Kampf mit einem alten, jedoch nicht liebgewonnenen Weggefährten zu führen.

Mr. Seasick hatte sich die letzten Tage ein wenig zurückgehalten. Ich nehme an, er wollte mich in Sicherheit wiegen, um dann mit geballter Kraft zuzuschlagen. Ich hasse diesen Kerl!

Keine Ahnung, aber Appetit habe ich trotzdem immer. Ein Arzt sagte mir einmal, der Magen muss auch dann etwas zu tun haben. Das nehme ich natürlich als gegeben hin und gehe zum Frühstück, für mich die wichtigste Mahlzeit des Tages. Während mein Mann noch am Buffet seine Auswahl trifft, muss ich leider ganz schnell zurück auf die Kabine, mir ist dermaßen schlecht, dass ich es gerade so ins Badezimmer schaffe. Der Seegang hatte über Nacht zugenommen und Mr. Seasick hat sich wohl gedacht, der zeige ich es heute mal.

So bin ich froh, dass die La Pinta wieder die Nacht genutzt hat und bis in den Norden von San Cristóbal gefahren ist, wo wir bereits vor Punta Pitt ankern. Lt. Reiseführer soll es sich um den spektakulärsten Besuchspunkt auf San Cristóbal handeln. Immer noch hundeelend besteige ich das eine Panga und mein Mann, der Mr. Seasick zum Glück bisher nicht kennengelernt hat, ein anderes. Er legt keinen Wert auf eine Bekanntschaft mit Mr. Seasick, aber wer tut das schon. Mein Mann wird eine Tour in einem Panga entlang des Küstenabschnitts zur Tierbeobachtung machen, ich habe mich für einen Aufstieg auf das Plateau entschieden. Zum Glück gehört feste Landmasse nicht zu Mr. Seasicks Hoheitsgebiet und nach Betreten derselbigen dauert es keine 10 Minuten und die Wunderheilung setzt ein. Vorerst bin ich diesen penetranten Kerl los.

"Unsere" La Pinta - fotografiert auf dem Weg zum Plateau
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Nach einem Wet Landing geht es auf teilweise steilem Pfad, der immer mal wieder kleinere Kletterpartien abverlangt, aufs Plateau. Ich bin heilfroh, dass in der Gruppe alle durch die Reihe einige Jahre älter sind als ich und zudem davon einige auch nicht die Fittesten zu sein scheinen, so kann ich mein Tempo wählen, schließlich muss ich auch noch die Kamera und diverse Wasservorräte alleine schleppen … Oben angekommen ist der Weg nicht mehr schwierig, ich muss nur aufpassen, dass ich zwischendurch immer mal wieder nach unten schaue, denn einen richtigen Pfad gibt es hier nicht, die Gefahr zu stolpern ist allgegenwärtig. Jedoch ist dieser Vorsatz leichter gesagt als getan, denn hier oben wimmelt es von Leben. Auf dem Plateau nisten alle drei Tölpelarten, sogar der Rotfußtöpel, den man sonst nur noch auf Genovesa sehen kann. An eine Überfahrt zu dieser weit abgelegenen Insel möchte ich aber gerade gar nicht denken, ich sehe Mr. Seasick schon einen Freudentanz aufführen.

Rotfuß- und Blaufußtölpel lassen sich blicken, Nazcatölpel, die das Leben an den Klippen bevorzugen, hingegen nicht. Aber da hoffe ich auf die Isla Española.
Absolut begeistert bin ich von den vielen Küken hier oben. Die der Blaufußtöpel hocken, völlig zerzaust, auf dem Boden und schauen mich einfach nur an. Die Rotfußtöpel hingegen leben auf Bäumen, wo sie auch brüten. Ganz entspannt und gelassen sitzen die Rotfußtölpel auf den Ästen und schauen von oben auf mich herab. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass die Tiere einfach ruhig sitzen bleiben und es ihnen so dermaßen egal ist, dass ich hier rumlaufe und sie fotografiere.

In unserer Gruppe bin ich diejenige, die scheinbar die meisten Bilder macht und obwohl ich auch diejenige bin, auf die immer alle warten müssen, sind einige der Amerikanerinnen so nett und machen mich jederzeit darauf aufmerksam, wo es möglicherweise noch etwas Interessantes zu sehen gibt und das ist wirklich nicht wenig. Sie sind wirklich geduldig mit mir und lassen sich scheinbar sogar von meiner Begeisterung anstecken.
Hatte ich Punta Pitt vor der Reise nicht auf dem Plan, so froh bin ich jetzt, hier auf dem Plateau gewesen zu sein.




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Nach der Kraxelei nach unten könnte ich jetzt noch ein wenig das Schnorchelprogramm in Anspruch nehmen, dazu fehlt mir aber die Lust.
Nach der Rückkehr auf dem Schiff erzählt mir mein Mann, dass auch er auf der Bootstour Blau- und Rotfußtölpel gesehen hat.


Fortsetzung zu diesem Tag folgt ...

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