Reisebericht

Namibia 2020 - Nach Hause Dank Rückholprogramm

von Markandi · begonnen 18. Okt. 2020 · 27 Teile

Teil 2126. Nov. 2020
Mittwoch - 25. März 2020 – Frühstück mit Frau Strauß und hektische Fahrt nach Windhoek
Trotz der schlechten Nachrichten des gestrigen Abends, trödeln wir in den Tag hinein. Schließlich ist Bagatelle die letzte „wilde Location“ dieses Urlaubes und wir möchten das „Draußen-Feeling“ noch möglichst lange auskosten. Außerdem bin k.o. von der Mückennacht und brauche erstmal eine ausgedehnte Morgenroutine mit Kaffee und Ebook Reader. Dann entdecke ich Strauße auf einem der anderen Plätze. Ich schnappe meine Kamera und gehe langsam in die Richtung. Zunächst bin ich entzückt, dass die Strauße sich im Gegenzug langsam in meine Richtung bewegen. Irgendwann wird es mir aber mulmig und als die vorwitzigste Straußendame auf unserem Platz steht und unseren Wagen inspiziert gehe ich auf der andere Seite „in Deckung“.
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Als wir endlich mit dem Frühstück starten wollen, kommt Frau Strauß frech bis zu unserem Tisch 😮
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Mein Mann lässt sich von dem Besuch zwar weniger einschüchtern als ich, aber da es mit dem Schatten hier sowieso bald vorbei ist, ziehen wir hinter das Sanitärhäuschen um. Schatten haben wir jetzt, aber Madame lässt sich nicht so einfach abschütteln. Erst pickt sie an meinem Stuhl herum und dann stolziert sie „in die Küche“ und fängt an, unsere Sachen auf der Spüle zu untersuchen. Da hört der Spaß bei mir auf! Strauße in der Küche sind schließlich unhygienisch 🤨. Aber das Federvieh lässt sich nicht vertreiben. Schließlich muss ich einen Stuhl zur Hilfe nehmen und laut schreiend einen Scheinangriff verüben 😄 😄 😄 Der Vorgang muss später nochmal wiederholt werden und das Frühstück zieht sich so ganz schön in die Länge.
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Als wir fast fertig gepackt haben, kommen noch eine gemischte Gang aus Oryx, Kudu und Springböcken zu unserem Platz – offensichtlich halb zahm, aber trotzdem natürlich wunderschön!
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Wir genießen diese herrliche Szenerie noch eine Weile und kurzzeitig kann ich sogar fast die nervigen Mückenstiche vergessen. Die schlimmen Quaddeln und Blasen am Bein meines Mannes breiten sich allerdings immer weiter aus. Jeden Tag kommt ein neuer Herd von mehreren Bissen/Stichen dazu. Uns wird das langsam mulmig; zumal die erste Stelle ziemlich entzündet ist 🙁 .

Mittags fahren wir zur Rezeption, um die aktuellen Infos zu checken. Unsere bayrischen Freunde haben eine Sprachnachricht hinterlassen. Sie haben von einer Dame in Opuwo gehört, dass ganze Regionen (Walvis Bay, Swakopmund, Erongo, Khomas) abgeschottet werden sollen. In die Region um Windhoek soll man noch fahren, sie aber demnächst nicht mehr verlassen können. Richtig abgesichert ist diese Information aktuell aber noch nicht. Außerdem soll es vom Auswärtigen Amt gestern einen Landsleute Brief gegeben haben, der bei mir aber nicht eingegangen ist. Das ist natürlich auch ziemlich beunruhigend! Sind wir da aus dem System geflogen? Wir werden nun doch sehr nervös und brechen in Richtung Windhoek auf. Einerseits sind wir froh über jeden Kilometer, den wir auf der leeren Straße schnell hinter uns bringen, andererseits wächst die Anspannung. Was ist, wenn wir vielleicht doch gar nicht mehr in das Stadtgebiet einreisen dürfen?
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Eigentlich haben wir noch eine Camping-Nacht geplant und wollten diese wegen der aktuellen Situation möglichst stadtnah verbringen (eventuell beim Transkalahari Inn). Aufgrund der schlafarmen Mückennacht und des insgesamt angeschlagenen Zustandes meines Mannes planen wir unterwegs spontan um. Wir kontaktieren das für morgen gebuchte Berghaus B&B und sind sehr erleichtert, dass wir unser Zimmer schon heute beziehen können.

Sonst ist es immer ein Wehmutsmoment, wenn wir nach einer schönen Reise die Stadtgrenze von Windhoek passieren. Heute sind wir allerdings unendlich froh und erleichtert, dass wir ohne Komplikationen in die City fahren können und alles noch sehr normal wirkt.
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Später am Nachmittag geht auch noch die Email mit dem Titel „Landsleutebrief vom 24.03.2020“ bei mir ein und bestätigt: „Wir arbeiten weiterhin intensiv daran, deutsche Staatsangehörigen, die sich kurzzeitig in Namibia aufhalten, bei der Rückkehr nach Deutschland zu unterstützen. Konkrete Planungen zur Durchführung von Rückholungsflügen aus Namibia sind heute angelaufen.“ Das hört sich doch ermutigend an! Unsere flatterigen Nerven beruhigen sich wieder ein wenig! Wir besorgen Pizza von Plan B. Dort entdecke ich an der Wand einen Spruch, den ich mir - trotz fragwürdiger Grammatik - für die nächsten Tage unbedingt zu Herzen nehmen möchte.
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Die Pizza und ein großzügig eingeschenkter Gin Tonic tragen dazu bei, dass wir langsam wieder runter kommen. Wie so oft übernachten einige (Gäste)Farmer im Berghaus und es wird ein interessanter und unterhaltsamer Abend. Natürlich kommen auch die Sorgen und Nöte der Farmer zur Sprache, aber die Stimmung ist angenehm die Ablenkung tut uns richtig gut 🙂
Teil 2228. Nov. 2020
Donnerstag - 26. März 2020 – Diagnose Spinnenbiss
Am Morgen sind wir sehr froh über unsere relativ entspannte Nacht und das gute Frühstück mit Blick auf Windhoek. Da wir inzwischen (leider!) verifizieren konnten, dass unsere Flüge für den morgigen Tag durch den Lockdown in Südafrika tatsächlich futsch sind, informieren wir unsere Familien und Arbeitgeber entsprechend.

Die merkwürdigen Bisse oder Stiche am Bein meines Mannes bereiten uns leider zunehmend Sorgen. Zum Glück vereinbart unsere nette Pensionswirtin Steffi kurzfristig einen Termin bei ihrem Hausarzt Dr. Björn von Finckenstein für uns. Nach einem kurzen Blick auf den betroffenen Oberschenkel bestätigt der erfahrene Mediziner die Vermutung, die eine Farmerin bereits am Vorabend geäußert hat: “Spinnenbisse!“ Und zwar von einer kleinen aber ziemlich giftigen Sac Spider.
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Wahrscheinlich hatte die Spinne sich im Schlafsack oder sogar der Schlafanzughose meines Mannes eingenistet und sich Nacht für Nacht gegen den unerwünschten „Besucher“ gewehrt. Die Folgen der Bisse treten immer erst mit etwas Zeitverzögerung auf. So ist zu erklären, dass sich nach und nach neue Herde gezeigt haben.

Als mittelprächtige Arachnophobikerin bin sehr erleichtert, dass es keine super ekelhafte, riesige Monsterspinne war, die das Bett mit uns geteilt und meinen Mann „angeknabbert“ hat. Aber das hilft meinem schmerzgeplagten Gatten natürlich nicht. Mit den mitgegebenen Antibiotika und Salben lässt sich die Entzündung behandeln und die Schmerzen werden etwas gelindert, aber die Unsicherheit über den Heilungsverlauf bleibt. Da das Gift – ebenso wie Schlangengift - das Gewebe zersetzt, kann der Heilungsprozess langwierig sein. Und natürlich tut mein Mann das, was alle „modernen Menschen“ tun und sucht weitere Erläuterungen bei „Dr. Google“. Die Info, dass bei einem ungünstigsten Verlauf später eine Hauttransplantation erforderlich werden kann, trägt nicht grade zur Beruhigung der ohnehin flatterigen Nerven bei. Ich bin allerdings geneigt, optimistisch zu bleiben, aber ich bin ja auch nicht direkt betroffen…

Mein gebeutelter Mann legt sich nach dem Termin wieder hin und ich entpacke den Wagen und packe die Campingtasche, deren Inhalt wir auf keinen Fall mehr brauchen werden. Aufgrund der Informationen zum Thema „Klopapier“, die aus Deutschland zu uns durchgedrungen sind, werden unsere Restbestände natürlich auch als ungewöhnliches „Mitbringsel“ eingepackt.
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Schließlich machen wir noch einen kleinen Einkauf. Da der bevorstehende Lockdown in Namibia mit einem Verkaufsverbot für Alkohol und Zigaretten einhergehen wird, müssen wir natürlich unsere weitere Verweildauer abschätzen und einen entsprechenden Vorrat anlegen. Dann bringen wir den Wagen zurück zu Savanna, wo es schon gespenstisch ruhig ist. Für die nächsten 2 Tage mieten wir einen kleinen PKW, um in Windhoek etwas flexibel zu bleiben.

Am Nachmittag ist ein weiteres Touristen-Paar im Berghaus gestrandet, das ich zur Wahrung der Anonymität „Die Süddeutschen“ nenne. Natürlich halten wir ein ausgedehntes Schwätzchen und tauschen uns über unsere Irrungen und Wirrungen durch Corona aus.

Abends treffen wir unsere bayrischen Freunde in Joe’s Beerhouse. Die beiden haben sich zügig aus dem Kaokoveld nach Windhoek begeben, um sich für das Rückholprogramm bereitzuhalten. Wie schon bei den letzten Treffen in Swakopmund ist die Stimmung verhalten. Wir sind wahrscheinlich alle durch die immer neuen Überlegungen und Entscheidungen ausgelaugt. Inzwischen haben wir aber zumindest gehört, dass das Rückholprogramm am Samstag starten und am Dienstag (31. März) abgeschlossen werden soll. Das ist ja überschaubar! Also richtig gute News! 😁 😁 😁
Teil 2330. Nov. 2020
Freitag - 27. März 2020: „Henkersmahlzeit“
Jetzt wären wir eigentlich schon auf dem Heimflug – sowohl geplant als auch umgebucht! Stattdessen gibt es nach einer unruhigen Nacht ein gemütliches Frühstück. Danach begibt mein Mann sich ins „Home Office“. Im Gegensatz zu mir kann er mit seinem privaten Tablet auf seine berufliche Mailbox zugreifen. Ich kümmere mich derweil um unseren Reise-Kram, z.B. die Prüfung und Aktualisierung unserer Daten in den Rückholportalen.

Nachdem ich mich erfolgreich bei Condor eingeloggt habe, werden die bereits erfassten Daten nicht angezeigt!?! Sofort macht sich Panik breit! Könnte es passieren, dass wir wegen „wackeliger“ IT Lösungen vergessen werden? Also, alles neu erfassen 😠 . Beim Ausloggen erscheint ein winziger Hinweis, dass alle Daten sicher gespeichert sind, aber beim nächsten Einloggen nicht wieder angezeigt werden. Blödes Portal!!! Da habe ich jetzt leider eine Dublette erzeugt! Später werden wir erfahren, dass solche doppelten Erfassungen massenhaft vorgekommen sind. Viele Leute haben den kurzen Hinweis beim Ausloggen nicht bemerkt und sich 6, 8 oder sogar mehr als 10 Mal eingetragen… Da stehe ich ja mit meiner schlichten Doppelerfassung noch gut da 🙂

Zur Mittagszeit fahren zum Am Weinberg Estate. Ich habe schon gute Kritiken zum Cape Town Fish Market gefunden und freue mich darauf, die Austern- und Sushi-Schlacht nachzuholen, auf die ich in Swakopmund verzichten musste. Leider hat aber genau dieses Restaurant aufgrund bereits geschlossen, da der Lockdown um Mitternacht in Kraft treten wird 😮 Wie schade!!!! Im Innenhof des Boutique Hotels finden wir aber einen sehr schönen Platz, wo wir einen kleinen Mittagsimbiss und ein gutes Glas Wein genießen können.
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Nachmittags hängen wir gemütlich mit den anderen Gästen im Berghaus ab. Außer den Süddeutschen sind inzwischen noch 4 weitere Personen hier einquartiert („Die Norddeutschen“). Wir alle sind schon seit vielen Jahren in Namibia unterwegs, haben aktuell natürlich unsere jeweils besonderen Corona-Reiseerfahrungen und uns daher viel zu erzählen.

Für den Abend haben wir einen Tisch beim Butcher Block im Am Weinberg Estate einen reserviert. Da das unsere „Henkersmahlzeit“ vor dem Lockdown bzw. den Restaurantschließungen ist, wollen wir es nochmal richtig krachen lassen. Leider ist der Service durchweg unbefriedigend. Natürlich muss man in dieser Situation Verständnis für das verunsicherte Personal haben. Für uns ist es aber trotzdem blöd, dass es so unrund läuft! Dafür wird der spätere Abend in unserer kleinen Schicksalsgemeinschaft im Berghaus aber umso vergnüglicher! Wir feiern quasi in den Lockdown hinein und da keiner Pläne für den nächsten Tag hat, geht es bis ca. 1:30 Uhr feucht-fröhlich zu.

Samstag - 28. März 2020 – Entschleunigt durch den Tag
Nach dem feucht-fröhlichen Abend wird heute lange geschlafen und ausgedehnt gefrühstückt - wobei alle ziemlich ruhig sind.

Unsere Pensionswirtin Steffi ist nicht sicher, ob sie uns während des Lockdowns überhaupt noch beherbergen darf. Aber da sich alle Touristen sich in Windhoek einfinden sollten, müssen sie ja logischer Weise auch irgendwo bleiben. Steffi gewährt uns also weiter Asyl und hofft inständig, dass Logik vor Lockdown geht und sie sich keinen Ärger einhandelt. Die Angestellten dürfen jetzt aber nicht mehr in die Pension kommen, was beide Seiten sehr unglücklich ist.

Nachmittags fahren wir nochmal für einen letzten Einkauf zum Spar, wo es bereits ganz ruhig ist. Am Geldausgabeautomat entdecken wir bereits ein Fläschchen mit Desinfektionsmittel. Wir sind beeindruckt! Anschließend geht es weiter zum Am Weinberg Estate. Eigentlich wollten wir hier Essen vom Bistro holen, aber das hat leider schon geschlossen. Also gibt es das, was immer geht: Pizza – quasi das Lockdown-Grundnahrungsmittel.
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Anschließend bringen wir den Wagen zu Savanna zurück, denn jetzt macht es irgendwie keinen Sinn mehr, die Miete zu verlängern. Der Rest des Tages wir entschleunigt vergammelt. Der obligatorische Sundowner und Abendessen in unserer gestrandeten Gemeinschaft bilden den unspektakulären Abschluss des unspektakulären Tages.
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Teil 2402. Dez. 2020
Sonntag - 29. März 2020 – Noch mehr Entschleunigung
Auch heute passiert nicht viel! Während man sich zu Hause oft Entschleunigung wünscht, schlägt sie hier schnell in Langeweile um. Ich bringe den „Pensions-Kindern“, die sich auch schon sehr langweilen, ein Mal- und Würfelspiel bei. So haben wir 3 wenigstens für eine Weile etwas Abwechslung. Außerdem tröste ich mich damit, dass es doch auch ganz nett ist, hier noch die Füße in den Pool zu halten, statt zu Hause bei deutlich niedrigeren Temperaturen zu bibbern.
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Unsere bayrischen Freunde vermelden, dass sie für morgen per Rückholflug nach München fliegen werden, die Norddeutschen haben einen positiven Bescheid für den Dienstagsflug nach Frankfurt bekommen. Immerhin, es tut sich etwas! Aber leider nicht für uns 🤨 🙁 🤨

Auf einer Lufthansa Webseite können wir sehen, dass bis zum nächsten Freitag (3. April) für jeden Tag ein Rückholflug von Windhoek nach Deutschland geplant ist. Das Programm wird also doch nicht so schnell abgeschlossen sein, wie wir es ursprünglich mal gehört haben. Schade! Wir hatten damit gerechnet, dass wir spätestens in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch zu Hause aufschlagen. Nun kann es also bis zum Ende der Woche dauern… Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, denn es ist fantastisch, dass die deutsche Regierung offensichtlich intensiv daran arbeitet, alle Touristen nach Hause zu holen. Es wäre nur einfach schön zu wissen, wann wir dran sind! Durch Telefonate mit meiner Familie ist mir inzwischen klar geworden, dass aufgrund des familiären Krankheitsfalls viele Aufgaben warten, um die eigentlich nur ich mich kümmern kann. Mit jedem Tag, den wir länger hier verbringen, wird der Organisationstress nach der Rückkehr größer. Das macht mich zunehmend nervös – zumal der Urlaub nicht wirklich erholsam war und ich umgehend mit der Arbeit starten muss.

Immerhin wird es heute wieder ein geselliger Abend und es könnte uns doch deutlich schlechter gehen, als bei einem Glas Wein in netter Gesellschaft in der lauen Sommernacht zu sitzen… 🙂

Montag - 30. März 2020 – Regen und ein Stimmungstief
In der Nacht habe ich wieder schlecht geschlafen. Die Situation „drückt“ eben doch und der Kopf fährt ständig Karussell. Eigentlich hatte ich mir ja Geduld verordnet, aber da die Geduldigen manchmal auch die Dummen sind, rufe ich gleich morgens bei der Botschaft an. Ich komme erstaunlich gut durch und die Dame ist sehr freundlich, obwohl ich mir vorstellen kann, dass dort so richtig „die Hütte brennt“. Konkrete Auskünfte zu unserem Flugtermin kann man mir allerdings nicht geben. Durch das blöde Portal, das die bereits erfassten Daten nicht wieder angezeigt hat (siehe Bericht vom 27. März 2020), ist es zu zahlreichen Doppelerfassungen gekommen, die jetzt mühsam aussortiert werden müssen… Viel Arbeit für die Botschaftsmitarbeiter! Also tief durchatmen und immer daran denken:„Be patient. Good things come to those who wait!“ Fällt mir momentan aber echt schwer 😐

Gegen Mittag treffe ich die Süddeutschen, die grade mit der Botschaft telefoniert haben. Sie haben erfahren, dass man für den morgigen Flug berücksichtigt werden soll, wenn man seine Unterlagen heute persönlich abgibt. Netter Weise nehmen die beiden mich mit in die Stadt. In der Botschaft herrscht ein relativ entspanntes Kommen und Gehen. Unsere Formulare werden freundlich entgegen genommen, aber konkrete Zusagen kann man noch nicht machen. Puh!

Während mein Mann sich wieder im Home Office beschäftigt ist, wird mir zunehmend langweilig. Das heute durchweg graue und regnerische Wetter trägt auch nicht grade zur Stimmungsaufhellung bei.
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In der AZ gab es inzwischen einige Artikel, die uns zusätzlich bedenklich stimmen. Namibische Staatsbürger wurden nach ihrer Rückkehr aus Deutschland von der Regierung in Quarantäne verfrachtet – und zwar in ein heruntergekommenes Konferenzzentrum mit unzureichender Hygiene und Versorgung. Zwar müssen wir aktuell keine Quarantäne in Namibia befürchten, aber uns wird klar, dass wir lieber nicht hier sein möchten, falls sich die bislang entspannte Corona Situation zuspitzt. Ok; man soll bekanntlich nicht über Dinge grübeln, die wahrscheinlich nie eintreten! Aber wenn man sich schon eine Weile im Informationschaos bewegt und aktuell Langeweile hat, ist diese Lebensweisheit nicht immer einfach zu berücksichtigen…

Der Tag verrinnt und wir hören und hören nichts von der Botschaft, so dass wir irgendwann akzeptieren müssen, dass es mit dem erhofften Heimflug am nächsten Tag nicht klappen wird. Das ist heute alles soooo frustrierend. Etwas Ablenkung bietet zumindest das Essen, das ich mit den Süddeutschen vom Stellenbosch hole. An dieser Stelle muss mal gesagt werden, dass es einfach toll ist, wie die Nord- und die Süddeutschen uns unterstützen. Sie verfügen durch persönliche Kontakte über Privatwagen und nehmen mich überall hin mit oder fragen unsere Einkaufswünsche ab. Schade, dass sich unsere kleine Schicksalsgemeinschaft morgen halbieren wird, aber wir gönnen den Norddeutschen den Heimflug natürlich von Herzen.

Der obligatorische Sundowner findet heute ohne sichtbaren Sonnenuntergang statt. Inzwischen müssen wir schon auf die „Gin-Notreserve“ zurückgreifen – die kleinen Fläschchen, die die bayrischen Freunde mir zum Geburtstag geschenkt haben.
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Spätabends schreiben unsere lieben Bayern, dass sie in München gelandet und nun auf dem Heimweg sind. Ihr Abflug verlief allerdings nicht reibungslos, denn ihre Namen standen trotz Benachrichtigung nicht auf der Liste. So mussten zunächst zur Seite treten und warten. Schließlich blieben aber noch ein paar Plätze übrig und sie konnten sich gegen die „Glücksritter“ behaupten, die ohne jegliche Benachrichtigung zum Flughafen gekommen waren. Nun sind sie also in Deutschland! Natürlich freue ich mich für sie, dass die Zeit des Wartens und der Unsicherheit ein Ende hat. Aber ehrlich gesagt verstärkt ihre Heimkehr auch meinen Frust nach diesem grauen Tag, der uns kein Fünkchen Klarheit gebracht hat. Wir schicken uns noch bis spät in die Nacht WhatsApp Nachrichten und ich kämpfe erstmals mit den Tränen 😮 😮 😮
Teil 2506. Dez. 2020
Dienstag - 31. März – Gute Nachricht am späten Nachmittag
Heute scheint wieder die Sonne von einem strahlend blauen Himmel und die Morgenluft ist nach dem gestrigen Regen herrlich. Da ist die bedrückte Stimmung der letzten Nacht gleich wie weggeblasen und ich freue mich auf das herrliche Frühstück im Freien. Entsprechend schwungvoll begrüße ich die Süddeutschen und schaue dann aber direkt fragend auf den Tisch, der wieder für 8 Gäste gedeckt ist. „Die Norddeutschen kommen gleich zurück. Sie wurden nicht im Flieger mitgenommen. Wir wissen nicht was passiert ist“, informieren mich die Süddeutschen. Sch…! Wie ätzend ist das denn! Zum Flughafen bestellt und dann nicht mitgenommen werden… 😈 😈 😈

Es dauert also nicht lange und die Norddeutschen sitzen wieder mit uns am Tisch. Ich habe sie ja wirklich ins Herz geschlossen, aber so schnell wollte ich sie nicht wiedersehen! Hier die ungefähre Erklärung, wie es zu dem Vorfall gekommen ist: In der Bestätigungsmail für den Flug wurde auch um Einreichung der ausgefüllten Formulare gebeten (die gleichen Formulare, die wir persönlich bei der Botschaft abgegeben haben). Natürlich haben die Norddeutschen alles aufgefüllt und abgeschickt! Anscheinend enthielt die Mail der Botschaft aber eine richtige und eine falsche Adresse zur Abgabe der Unterlagen und leider haben unsere lieben Norddeutschen die falsche Adresse erwischt. Ihre Unterlagen landeten im Nirwana und wurden nicht weiter bearbeitet… Ich nehme an, dass es bei unseren bayrischen Freunden ähnlich gelaufen ist und sie am Tag zuvor aufgrund dieses Fehlers ebenfalls nicht auf der Liste standen.

Die Norddeutschen haben jetzt eine feste Zusage für den morgigen Flug! Nachdem sie sich bei einem Kaffee von der bösen Überraschung erholt haben, beschließen wir alle den Tag zu genießen. Hey – wir haben herrlichsten Sonnenschein und einen schönen Pool! Mein Mann begibt sich ins Home Office und wir anderen verbringen den Tag wieder mit dem üblichen Mix aus Lesen, WhatsApp, Abhängen etc.
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Es geht mir heute wirklich gut und schließlich kann ich auch meinen Mann von der Arbeit weglocken.
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Der einzige Wermutstropfen an diesem schönen Sonnentag ist, dass wir wieder nichts von der Botschaft hören. Heute gelingt „be patient“ aber besser und ich kann der Situation „Pool statt Büro“ durchaus wieder positive Seiten abgewinnen.

Als ich schon ziemlich spät am Nachmittag im Zimmer herumkrame, kommt mein Mann, wedelt aufgeregt mit meinem Smartphone und ruft: “Die Botschaft ist dran und fragt, ob wir morgen nach München fliegen wollen?“ Klar wollen wir!!! Auch wenn München rund 200 Kilometer weiter von zu Hause entfernt ist und auf jeden Fall eine Zwischenübernachtung erfordert! Wir werden gebeten, morgen um 6:00 Uhr am Flughafen zu sein und die ausgefüllten Formulare mitzubringen. Ich weise darauf hin, dass ich die ja schon persönlich in der Botschaft abgegeben habe. „Das sollte eigentlich reichen“, sagt die nette Dame, „aber falls sie die Möglichkeit haben, füllen sie die Papiere lieber nochmal aus und bringen sie mit – nur zur Sicherheit!“ Aber klar, "zur Sicherheit" würde ich die lästigen Formulare auch noch ein Dutzend Mal ausfüllen... 😉

Puh, da haben wir echt Schwein gehabt! Ich hatte mein Smartphone auf dem Esstisch vergessen und mein Mann hat das Klingeln nicht bemerkt. Schließlich wurde er von den Norddeutschen darauf aufmerksam gemacht. Danke ihr Lieben!

Jetzt hat es sich von einer Minute auf die andere ausgegammelt!!! Mein Mann sprintet los, um die anderen zu informieren, dass wir auch morgen dabei sind und kommt umgehend mit den Süddeutschen zurück. Die haben noch nichts gehört und lassen sich die Durchwahl geben, von der ich angerufen wurde. Sie rufen umgehend dort an, verweisen auf das Telefonat mit uns und fragen, ob es für sie auch Plätze gibt. Die Antwort ist, dass mein Mann und ich grade die letzten beiden Plätze bekommen haben. Wie UNANGENEHM!!! Wir müssen uns eigentlich keine Vorwürfe machen, aber die Situation ist wirklich irgendwie peinlich – insbesondere da die beiden die ganze Zeit ausgesprochen hilfsbereit waren.

Jetzt muss es aber bei uns Schlag auf Schlag gehen und ich habe daher nicht viel Zeit, mich „zu schämen“. Der Transfer muss bei Savanna bestellt werden. Klappt binnen weniger Minuten. Gute Valerie! Ich muss ein Hotel in München buchen. Da hatte ich in der Langeweile-Phase zum Glück schon ein paar Optionen recherchiert. Die Buchung ist also auch schnell erledigt. Die Formulare werden erneut ausgefüllt. Warum kann ich meine Passnummer eigentlich immer noch nicht auswendig, wo ich sie in diesem Urlaub doch schon gefühlt 1.000x irgendwo angegeben habe? Außer der Campingtasche ist wegen der bis eben unbekannten Aufenthaltsdauer noch nichts gepackt. Wie mache ich das denn jetzt smart, damit wir für die Zwischenübernachtung in München gut gerüstet sind? Mein Mann hat Feierabend und geht unsere bevorstehende Abreise feiern. Ich rödle rum wie blöd, gönne mir zwischendurch aber den letzten Sundowner auf namibischen Boden. Tatsächlich sind das auch die letzten beiden Gin Fläschchen. Das nenne ich mal eine Punktlandung!

Schließlich habe ich alles geschafft und kann mich mit einem Wein zu den anderen setzen. Die Stimmung ist komisch. Wir sind wegen der bevorstehenden Heimreise unter Hochspannung! Die Süddeutschen versuchen die allgemeine Vorfreude nicht zu bremsen. Wir merken aber, dass sie bedrückt sind. Das wird noch verstärkt, als auf der Lufthansa Webseite plötzlich alle weiteren Rückholflüge verschwunden sind. Diese Entdeckung setzt der merkwürdigen Situation tatsächlich die Krone auf – zumal wir inzwischen wissen, dass die Durchführung des Rückholprogramms nicht allein von der deutschen Regierung abhängt. Da Namibia sich im Lockdown befindet, muss jede Landung in Windhoek mit der namibischen Regierung verhandelt werden. Was, wenn die plötzlich aus irgendwelchen (irren!?) Gründen (vorerst) keine Rückholflüge mehr zulassen? Zum Glück tauchen die Flüge bald wieder im Portal auf! Das macht die Verabschiedung für alle Beteiligten etwas leichter

Wir gehen nicht allzu spät ins Bett, denn der Wecker wird morgen um 4:15 Uhr klingeln. An ruhigen Schlaf ist natürlich aufgrund der ganzen Aufregung nicht zu denken 😮 😮 😮
Teil 2610. Dez. 2020
Mittwoch - 1. April – Ein ungewöhnlicher Rückflug
Der Wecker holt mich aus unruhigem Schlaf und ich laufe los wie ein Roboter. Meine Zeitplanung geht gut auf und wir sind genau in dem Moment fertig, als der Wagen von Savanna eintrifft. Die Norddeutschen fahren ebenfalls grade ab. Unsere liebe Pensionswirtin steht mit „Care Paketen“ an der Straße und verabschiedet uns herzlich.

Aufgrund der Erfahrungen unserer bayrischen Freude und der Norddeutschen, lässt unsere Anspannung unterwegs nicht nach. Die Fahrt läuft allerdings gut und auch am festen Straßenkontrollpunkt gibt es keine speziellen Prüfungen. Wir kommen sehr pünktlich am Airport an, aber es ist schon ziemlich viel los. Die vielen Menschen stehen sehr eng in der Warteschlange, aber es geht alles sehr geordnet zu und es wird nicht aufdringlich gedrängelt. Nur ein älterer Herr fällt mir unangenehm auf, weil er wiederholt aus der Reihe ausschert, einen langen Hals macht, um die Lage zu peilen und dabei auffällig hüstelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier jemand mit COVID-19 infiziert ist, ist zwar sehr gering, aber ich bin trotzdem froh, wenn der unruhige Geist in die andere Richtung hüstelt 🤨 🤨 🤨

Beim Check-In fallen mir ganze Gebirge vom Herzen, da wir offensichtlich auf der Liste stehen und es keine bösen Überraschungen gibt. Ich bitte um einen möglichst guten Platz, damit mein Mann sein schmerzendes Bein entlasten kann. Die besten Plätze sind natürlich schon weg, aber es gibt einen Fensterplatz in einer 3er Reihe hinter einer Reihe mit nur 2 Sitzen. Das verschafft ausreichend Raum für eine entspannte Beinhaltung.

Nach dem Check-In muss mein Mann seinen Nikotinspiegel noch für den langen Flug optimieren. Draußen ist natürlich richtig viel los! Inzwischen scheint die Sonne und die Temperatur ist super-angenehm. Vielleicht sollten wir doch hier bleiben 😉 Zu meiner Überraschung hat sogar die kleine Kaffeebar geöffnet. Ich habe allerdings unsere letzte Bierdose als „Frühstücksbier“ eingepackt. Vermutlich ist das das erste Mal im Leben, dass mein Mann konsterniert schaut, als ich ihm das Bier reiche. Ich bin allerdings der Meinung, in dieser besonderen Situation schmeckt ein geteiltes Bierchen auch morgens gegen 7:00 Uhr sehr gut 😎
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Zurück im Airport sind die Schlangen an der Security erwartungsgemäß lang und es wird zunächst akribisch kontrolliert (Schuhe ausziehen etc.). Plötzlich kommt aber Hektik auf und die Kontrollen erfolgen mit der vertrauten Nachlässigkeit. Das gibt uns noch Zeit für den Shop, der ebenso geöffnet hat wie auch das Bistro.

Der Flieger ist natürlich rappelvoll, aber mit unserer Sitzreihe sind wir sehr zufrieden. Leider lässt sich direkt neben mir der unruhige „Huste-Opa“ nieder, der mir schon in der Warteschlange unangenehm aufgefallen ist. Na herzlichen Glückwunsch! Aber er ist jetzt ruhiger und hustet weniger. Geht doch 🙂 🙂 🙂

Der Flugkapitän klärt uns direkt über das spezielle Catering auf und weist darauf hin, dass dieses kein Lufthansa Flug, sondern ein Flug des Auswärtigen Amtes ist. Pro Platz gibt es 1,5 Liter Wasser und eine große Papp-Box mit verschiedenen Lebensmitteln (Mini-Salamis, Croissants, Vollkornbrot, Marmelade, Käsecracker, Oliven, Nudelsalat, Süßkram etc). Es ist praktisch für jeden Geschmack etwas dabei und da wir unkomplizierte Esser sind und außerdem noch die Care Pakete von Steffi haben, werden wir keinesfalls verhungern.
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Immerhin wird auch 2x Kaffee ausgeschenkt und es gibt ein Glas Wein. Zudem kann ich meinen Mann zum Dessert mit einem Mini-Amarula überraschen, den ich heimlich Airport Shop erstanden habe. Kleinigkeiten können manchmal so viel Freude bereiten 😁

Etwas nervig ist lediglich, dass während des Fluges weder der Restmüll noch die Kartons eingesammelt werden. Stattdessen enthält jeder Karton einen großen Beutel in dem man seine Abfälle am Platz sammeln muss. Bei der engen Bestuhlung ist das Handling von Karton und Mülltüte ein kleines Jonglierkunststück. Wir sind wirklich dankbar für den etwas erweiterten Fußraum vor dem Sitz meines Mannes. Als wir uns dem Ziel nähern, haben wir als kleines Highlight wunderschöne Ausblicke auf die Alpen.
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Die Abschiedsdurchsage des Kapitäns rührt mich dann sehr. Außer den üblichen Höflichkeitsfloskeln sagt er, dass er und alle im Team aus Leidenschaft fliegen und hoffen, das bald wieder regelmäßig tun zu können. Ja, die Welt ist schon sehr speziell geworden 😮 😮 😮 Das merken wir auch, als wir den menschenleeren Münchener Flughafen betreten. Aber trotz der Leere geht es nicht schnell voran. Wir werden nur in Etappen eingelassen und auch das Gepäck lässt auf sich warten. Das gibt uns die Zeit, unsere komplikationslose Reise und glückliche Landung an unsere Familien und die Süddeutschen zu melden. Unsere Familien sind natürlich extrem erleichtert!!! Und auch die Süddeutschen haben gute Nachrichten für uns. Sie werden am nächsten Morgen fliegen! Da sie keine Zwischenübernachtung benötigen und vom Flughafen abgeholt werden, werden sie nur einige Stunden später zu Hause sein als wir. Da bin ich aber wirklich froh!!!

Schließlich kommt unser Gepäck und wir verabschieden uns herzlich von den Norddeutschen. Noch wird innig umarmt, denn in der Pension in Windhoek saßen wir ohnehin ständig zusammen. Und, dass Umarmungen ab jetzt ein totales Tabu sind, ist uns noch nicht so richtig bewusst. Wir werden in den nächsten Tagen noch den einen oder anderen Lern- und Anpassungsprozess durchlaufen müssen 😕

Es ist natürlich schon dunkel und kalt, als wir mit der S-Bahn am Hauptbahnhof ankommen. Und alles ist so ungewohnt ausgestorben, obwohl es noch relativ früh am Abend ist - nicht angenehm in dieser Gegend mit einigen zwielichtigen Gestalten. Im Hotel werden wir freundlich empfangen und machen ein kleines Zimmer-Picknick mit den Resten aus der Flugzeug-Box und ein paar Einkäufen aus dem Bahnhof Supermarkt. Ich buche noch schnell Sitzplätze für die Bahnfahrt am nächsten Tag und dann fallen wir total erschöpft ins Bett. Schließlich haben wir morgen noch die letzte Etappe dieser ungewöhnlichen Reise vor uns.
Teil 2711. Dez. 2020
Donnerstag - 2. April – Heimfahrt in leeren Zügen und ein kleines Reisefazit
Heute können wir ausschlafen und in Ruhe frühstücken, denn die einzige durchgehende Zugverbindung in unsere Heimstadt startet erst gegen 11:00 Uhr. Perfekt! Ebenso perfekt ist der strahlende Sonnenschein von einem wolkenlosen, blauen Himmel. Schönstes Reisewetter also, wenn auch noch recht kühl – zumindest wenn man grade aus Afrika kommt.

Auch tagsüber ist der Hauptbahnhof ziemlich leer. Was für ein Unterschied zu meinen bisherigen Erfahrungen in München! Wir suchen unser Zugabteil und lassen uns auf den reservierten Plätzen nieder. Reservierte Plätze!?! Das hätte ich mir echt sparen können! Aber dermaßen gähnend leer hatte ich den sonst knallvollen ICE wirklich nicht erwartet! So geht es also endlich ruhig, entspannt und ohne Umstieg in Richtung Heimat 😎
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Am Nachmittag um ca. 15:30 Uhr stehen wir in der Sonne im heimischen Garten – mit fast einer Woche Verspätung und einen Gin Tonic als „Begrüßungsdrink“ statt als Sundowner in der Hand. Das fühlt sich alles noch sehr merkwürdig an, aber wir sind ziemlich erleichtert, dass die Zeit des ewigen Hin- und Her und der Ungewissheit nun vorbei ist. Puh – was war das für eine Reise!? Namibia 2020 wird uns definitiv in Erinnerung bleiben! Und was für eine Rückkehr in eine surreale Welt. Dabei hatten wir doch beim Antritt der Reise noch gedacht, dass der ganze Spuk nach unserem Urlaub vorbei ist. Aber sicher waren wir nicht die Einzigen, die so naiv waren… 😗

Hätte uns vor der Reise ein Blick in eine Glaskugel offenbart, welche Irrungen und Wirrungen und gesundheitlichen Probleme uns erwarten, hätten wir uns vermutlich gegen diesen Urlaub entschieden. Das Geld und die Urlaubstage hätten wir dann für eine längere Namibia-Reise zu einem späteren Zeitpunkt gespart. Letztlich sind wir aber froh, dass es keine Glaskugeln gibt und wir die Reise gemacht haben. Ja, es gab spezielle Herausforderungen und der Urlaub war weitgehend unentspannt und keinesfalls erholsam! Aber wir waren da! Wir haben bekannte und geliebte Plätz besucht. Wir haben sehr tolle und für uns neue Campsites angesteuert. Wir haben uns (zum Glück!) nie in Gefahr gefühlt und eigentlich auch mental weitgehend tapfer geschlagen. Wir tragen die neuen Eindrücke, herrlichen Aussichten und wunderbaren Lichtstimmungen, die wir trotz des „Corona-Wahns“ genießen durften, im Herzen 🙂 🙂 🙂

Die Gebühr für unsere Sitzplatzreservierungen für die umgebuchte Flugverbindung, hat Lufthansa im August erstattet. Um die etwas langwierigere Kostenerstattung für den ausgefallenen Lufthansa Rückflug hat sich Iwanowski gekümmert und das Geld in dieser Woche auf unser Konto überwiesen. Nun warten wir noch auf die Rechnung für den Flug des Auswärtigen Amtes, dem wir dankbar sind, dass es mit dem Rückholprogramm insgesamt einen fantastischen Job gemacht hat.

Natürlich hoffen wir, dass wir das Land, das wir so sehr lieben, in nicht allzu ferner Zukunft wieder bereisen können. Wahrscheinlich wird das aber erst in 2022 sein, denn eine ähnliche Achterbahn der (Urlaubs)Gefühle wie in diesem Jahr möchten wir kurzfristig nicht mehr riskieren.

Alles Gute für alle touristischen Betriebe, die seit mehr als 20 Jahren dazu beitragen, dass wir im März immer eine grandiose Auszeit vom Alltagsleben haben! Good luck Namibia und auf ein hoffentlich gesundes Wiedersehen!

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