da es auch weiterhin so aussieht, als ob die meisten von uns in näherer Zukunft (was auch immer man sich unter diesem Begriff vorstellen mag) nicht nach Afrika kommen werden und auf der Festplatte noch Bilder von weiteren Reisen schlummern, möchte ich wie bereits angekündigt meine Reiseberichte nun weiter fortsetzen. Vielleicht beschert es dem ein oder anderen ein paar vergnügliche Minuten, schöne Erinnerungen oder Ideen für neue Ziele. Da ich selbst massiv von den Berichten anderer profitiert habe, ist es nun an der Zeit, selbst tätig zu werden.
Für uns ging es im Februar / März 2018 für gute zwei Wochen nach Uganda. Bereits vor unserer letzten Tour, bei der wir circa ein Jahr auf den nächsten (Nichtnord-)Afrikaurlaub warten mussten, war uns klar: so lange wie dieses Mal, halten wir es ohne Afrika nicht aus..
Da für den vorherigen Urlaub auch bereits seit Monaten nahezu alles fertig geplant war und die Planung von Reisen viel Spaß und Freude bereitet, wurden bereits im Herbst 2017 Pläne für einen weiteren Afrikaurlaub geschmiedet. Wir dachten dabei an einen vielleicht etwas kürzeren Urlaub im Frühjahr, so dass man noch Zeit/Budget für einen weiteren Urlaub im weiteren Verlauf des Jahres hat. Wir wollten auf jeden Fall etwas anderes als staubig und trocken und lieber etwas Grün erleben. Zudem sollte auch noch etwas Spannung und Exoktik verbleiben, weshalb wir etwa Südafrika ausschlossen. Das übrige südliche Afrika schien uns für einen "kurzen" Urlaub nur bedingt geeignet, vor allem in der Regenzeit. In Ostafrika könnte man sich hingegen noch in die Zeit vor Beginn der großen Regenzeit "quetschen" und hätte grundsätzlich schon mehr "Grün", nicht so viel Trockenheit durch die vorangegangene kleine Regenzeit und vielleicht etwas Grün durch die gerade beginnende große Regenzeit.
Uganda selbst hatte ich lange einzig und allein mit Gorillatrekking in Verbindung gebracht. Als ich das erste Mal davon las, mutete es etwas seltsam an, extra in ein Land zu fahren und so viel Geld auszugeben, nur um eine einzige Stunde Gorillas sehen zu können. Je mehr wir jedoch über das Land lasen, desto deutlicher wurde, dass Uganda auch jenseits des Gorillatrekkings je Menge zu bieten hat, was auch ohne Gorillas eine Reise rechtfertigen würde. Da es zudem für Selbstfahrer – neben Ruanda – das vermutlich am leichtesten zu bereisende Land in Ostafrika darstellen dürfte, war ein weiterer Pluspunkt.
Nach längerem Hin und Her beschlossen wir zudem, zum ersten Mal nicht als Camper sondern in festen Unterkünften zu nächtigen. Hierfür sprach aus unserer Sicht: das Angebot an vernünftigen Fahrzeugen mit Campingausstattung ist begrenzt und im Vergleich zu Fahrzeugen ohne Campingausstattung relativ teuer, jedenfalls wenn man mehr als "nur" Zelt, Kühlbox, Tisch und Stuhl haben möchte. Die Bilder, die wir bis dahin von Campsites in Uganda gesehen haben, sprachen (anders als etwa in Namibia) auch nicht dafür, dass man hier unbedingt campen muss. Hinzu kam, dass wir durchaus mit einigem Regen rechneten – und da nicht auf ein Zelt unbekannter Qualität vertrauen wollten. Es gibt einige Unterkünfte mit vertretbaren Preisen (wir haben am Ende im Schnitt ca. 80€ pro Nacht gezahlt, z.T. mit Halbpension, z.T. nur mit Frühstück). Zuletzt waren wir uns nicht sicher, wie und ob wir uns für mehrere Wochen vor Ort gut oder ohne großen Aufwand selbst versorgen können. Im Ergebnis sprach somit mehr für feste Unterkünfte als für Zelten. Heute würde ich das etwas anders sehen und stehe einer Campingtour aufgeschlossen gegenüber bzw. sehe ihre Vorteile – das ist aber alles auch immer einfacher, wenn man schon einmal im Lande war.
So wurde schließlich eine Route gebastelt, die wohl eine für Uganda typische Ersttäterroute darstellen dürfte. Viele bleiben kürzer (und haben überall weniger Zeit), manche gar nicht einmal eine Woche in diesem Land (pure Verschwendung), manche länger. Kidepo und alles östlich von Kampala musste leider wegfallen. Das Ziel war, möglichst viel Zeit an den interessanten Orten zu verbringen, zugleich aber auch bei unbekannten und unkalkulierbaren Straßenverhältnissen keine Monsteretappen zu haben.
Nach Einholen einiger Angebote (die Auswahl war nicht riesig) entschieden wir uns, aufgrund der guten Erfahrungen im Forum, der guten Kommunikation und fairen Preise für Douglas/Alpha Rent-a-Car. Aufgrund der guten Kommunikation und da wir die Permits für unsere geplanten Trekkings ohnehin über Douglas organisieren ließen, ließen wir schließlich auch die Unterkünfte durch ihn buchen, was hervorragend klappte und uns viele Einzelüberweisungen nach Uganda ersparte.
Als wir von unserer Tour durch Südafrika und Namibia zurückkamen, fragte meine Mutter ganz unwissend, wo es denn als nächstes hinginge und dass sie ja schon auch mal Lust auf Afrika und wilde Tiere und so hätten. Da wir uns gut verstehen, boten wir ihnen schließlich an, sie mitzunehmen, sofern es kurzfristig noch Gorilla Permits und Verfügbarkeiten zu unseren gebuchten Terminen sowie ein größeres Fahrzeug verfügbar gäbe. Nachdem das alles der Fall war, wurde eine weitere Tranche nach Uganda überwiesen und wir harrten nun zu viert der Dinge, die uns in Uganda etwarten würden – schließlich war es auch für uns das erste Mal "richtiges Afrika" 🙂
Wie und ob es uns gefallen hat, werdet ihr hoffentlich in Bälde lesen können – vorab wie gehabt ein kleiner Vorgeschmack als Teaser.
Der Bericht ist "gesonnt", so dass er wie gehabt durch Klicken auf die Sonne rechts oben ohne Kommentare gelesen werden kann. Wie immer freue ich mich über jedwede Rückmeldung oder Rückfragen!
Viele Grüße fidel
Teil 207. Apr. 2020
Tag 01 22.02. Entebbe Airport Guesthouse
Los gehts. Die Wartezeit ist irgendwann vorrüber, alle Vorbereitunghandlungen abgeschlossen, alle tatsächlich oder vermeintlich benötigten Ausrüstungsgegenstände wie Gamaschen und Gartenhandschuhe erworben und verstaut, Dollar erworben und eingepackt, alle Impfungen erledigt.
Wir fliegen mit Brussel Airlines über... *Trommelwirbel* ..Brüssel und einen Zwischenstop und Kigali. Hinwärts tagsüber, zurück über Nacht. Preisleistungsverhältnis stimmt im Großen und Ganzen. Abflugzeit ab München 07:05 Uhr. Auf dem Papier beim Buchen hört sich so eine Uhrzeit immer in Ordnung an. Erst kurz vorher realisiert man, wann man Aufstehen muss, um zum Flughafen zu kommen und die geforderte Zeit vorher da zu sein.. Leider passiert uns das immer wieder..
Glücklicherweise werden wir alle von meiner Schwester zu nächtlicher Stunde eingesammelt und am Flughafen abgeladen. An viel Details der Anreise kann ich mich zugegebenermaßen nicht mehr erinnern, was für ein weder besonders negatives noch besonders positives Erlebnis spricht.
Irgendwann zieht sich so ein Tagflug dann doch, vor allem wenn man so früh aufgestanden ist. Schließlich sind wir über Entebbe – müssen aber vorher ja noch die Passagiere für Kigali abliefern. Es geht also einmal über den Viktoriasee und wir sehen kurz die Hügel Kigalis im nächtlichen Licht der Laternen. Dann dauert es gefühlt viel zu lange, bis es endlich wieder "zurück" nach Entebbe geht. Doch schließlich sind wir auch dort angelangt und eilen zur Immigration. Wir haben im Vorfeld ein E-Visa beantragt, was (abgesehen von der Schwierigkeit, Passfotos in angeforderter Größe und Zugleich noch erkennbarer Qualität zu produzieren) problemlos funktionierte.
Dort gibt es für Touristen zwei Schalter, davor eine große Mischung aus Schlange und Traube. Wir reihen uns ein und warten und warten. Dabei ist es in der Halle unglaublich stickig und schwül, vor allem wenn man aus dem winterlichen Deutschland kommt. Es scheint echt nichts voranzugehen. Als nur noch ca. 10-15 Personen vor uns sind, hat der Beamte Feierabend und schließt seinen Counter..
Letztlich zählen wir zu den letzten, die durch die Immigration hinter sich brachten. Draußen wartete bereits unser Abholer vom Airport Guesthouse. Neben uns sollten noch ein paar Stuttgarter mitkommen. Mittlerweile war es Mitternacht. Wir versuchten noch, an einem ATM Bargeld zu erhalten – dieser spukte jedoch maximal den enormen Betrag von umgerechnet 2,5 € aus. Fängt ja gut an hier 🙂
Schließlich waren alle da und sämtliche Gepäckstücke verstaut und es ging die letzten paar Minuten zur Unterkunft. Das Guesthouse verfügt über schöne, die rund um einen schönen Garten angelegt sind – für den wir nun jedoch keine Augen haben. Unsere Sorge, ob unsere Buchungen auch tatsächlich geklappt haben (und wir nicht nur mit einem Phantom gemailt haben bzw. ihm Geld geschickt haben) löst sich auf 🙂
Wir müssen noch unsere Wunschzeit und Wunschessen für das Frühstück mitteilen (ab jetzt ein alltägliches abendliches Ritual) und dürfen dann endlich ins Bett. Es ist weiterhin ungewohnt warm, man hört immer wieder ungewohnte Geräusche und Hunde bellen, doch irgendwann überkommt uns der Schlaf. Ein paar Stunden später werden wir jedoch unsanft aus dem Schlaf gerissen – ein gewaltiger Regenschauer trommelt auf das Dach. Es hört sich an, als würde es aus Kübel gießen. Ein Blick aus dem Fenster zeigt: es gießt. So hört sich also ein tropischer Regenschauer an. Wenn das jetzt täglich so weiter geht, na das kann ja heiter werden..
Teil 307. Apr. 2020
Tag 02 23.02. Entebbe Airport Guesthouse
Irgendwann lässt der Regen etwas nach und wir können noch etwas schlafen – jedoch nicht allzu lange – dann klingelt der Wecker. Nachdem sich einer der Top-Spots für Schuhschnabelsichtungen gleich in der Nähe von Entebbe im Mabamba Swamp befindet und wir diesen Vogel unbedingt einmal live sehen wollten, mussten wir die Shoebill-Tour irgendwo in unseren Tourplan unterbringen. Den ersten Tag gemütlich mit einer Bootstour zu beginnen hörte sich da eigentlich nach einem guten Plan an. Nicht komplett bedacht wurde dabei, dass wir möglichst früh los mussten, um die besten Sichtungschancen zu haben und andererseits am Abend zuvor erst spät ankommen würden.. Viel andere Möglichkeiten gab es jedoch nicht, die Chancen in Ziwa oder im Murchison Falls NP stehen weitaus schlechter.
Es regnet nicht mehr, ist aber zugezogen und eher frisch. Zum ersten Mal denke ich daran, wie es wäre, auf einem kleinen Boot durch solch einen Regenschauer wie in der Nacht erlebt überrascht zu werden und habe Sorge, ob unsere Tour bei Regen überhaupt stattfinden kann (oder wir umsonst aufgestanden sind?).
Nach dem Frühstück erscheint jedoch vom Mabamba Shoebill Tours geschickter Abholer und verkündet, dass es nicht mehr regnen werde. Wir haben vorab eine Tour bei Mabamba Shoebill Tours zu einem verhältnismäßig hohen Preis gebucht. Die Tour wird von einer lokalen Community-Vereinigung organisiert, die so immer wieder wechselnden Fahrern und Fischern die Möglichkeit eines Zuverdienstes bietet.
Wir fahren die wenigen Meter von der Unterkunft zum Viktoriasee, halten dabei jedoch noch kurz an um Geld abzuheben (um unsere Tour überhaupt bezahlten zu können) sowie Kekse und Wasser zu kaufen. Der Plan sieht vor, von Entebbe mit einem Boot über eine Bucht des Viktoriasees zum Sumpf zu fahren und dort in ein kleineres Boot mit dem Guide einzusteigen.
Am Ufer herrscht geschäftigtes Treiben, es scheinen viele Leute hier was zu tun zu haben. Bereits hier am Ufer, mitten in der Stadt stehen diverse Reiher und Wasservögel am Strand stehen. Nach einiger Wartezeit ist unser Boot gefunden, etwas Wasser herausgeschöpft und wir hineingebeten. Das Boot macht einen mäßig vertauenswürdigen Eindruck, es bleibt uns aber wenig übrig, als es auszuprobieren.
Schließlich geht es direkt hinaus auf den See. Noch vor etwas mehr als 2-3 Jahren (vom damaligen Zeitpunkt aus gehesen) hätte ich mir nie vorstellen können, einmal tatsächlich den Viktoriasee MITTEN in Afrika zu sehen oder ihn gar zu befahren. Sobald wir die Küste verlassen, wird der Wind stärker und die Wellen höher. Wir schaukeln nun ganz schön und es spritzt gewaltig. Na das kann ja noch heiter werden.. 😉 Auch künftige Bootsfahrten - so viel sei verraten - werden hier weiterhin sehr von den Elementen geprägt sein.
Hinter uns wird Entebbe immer kleiner, das gegenüberliegende Ufer kommt nicht wirklich näher. Über uns fliegen Schwalben, ein Black Kite und schließlich, nach Angaben unseres Bootsführers, ein Shoebill und hoher Höhe – außer einem Vogel in großer Höhe sah man jedoch nichts.
Nach 30-60 Minuten kam schließlich am gegenüberliegenden Ufer ein Schilfgürtel in Sicht, voller Vögel mit tropischem Wald im Hintergrund.
Nun fuhren wir langsam am Schilf entlang uns sahen innerhalb von Minuten eine unglaubliche Vielzahl verschiedenster Vögel. Leider flogen viele sofort auf, wenn wir uns näherten, einige blieben jedoch lang genug sitzen für ein Bild. Das Licht war nicht optimal, aber die Zahl an Vögeln wahnsinnig beeindruckend.
Weißbrustkormoran
Riedschabe
Purpurreiher
Immer wieder sahen wir Malachiteisvögel vor uns als leuchtende bunte Bälle wegfliegen. Dieses ungleiche Paar hielt wenigstens so lange still, dass ein Nachweisfoto möglich war.
Ingesamt war das Boot und/oder der Fahrer nicht wirklich optimal für die Fotografie von Vögeln, weil es zu groß, ungelenk und laut war. Irgendwann kamen wir zu einer kleinen Einbuchtung, an der ein paar Boote lagen, wir stiegen um und begrüßten unseren Guide sowie einen Poler, der uns durch die engen Wasserstraßen des Sumpfes bringen sollte.
Auch hier sahen wir einige Vögel, jedoch bei weitem nicht so viele wie am Rande des Sumpfes. Die Bewegung des Bootes macht den perfekten Fokus leider nicht immmer einfach..
Blaustirnblatthühnchen
Malachiteisvogel
Witwenpfeifgans
Spektakulär erscheint uns die Farbgebung des Purpurhuhns, eine Erstsichtung für uns.
Der Guide oder Tracker macht sich immer wieder groß, um für uns nach einem Schuhschnabel zu suchen. Das Problem bei Schuhschnäbeln ist, dass sie primär nur morgens in die leichter einsehbaren Ecken des Sumpfes kommen, um dort zu fressen. Sobald sie satt sind, verkriechen sie sich im dichten Papyrus, wo man keine Chance hätte, sie jemals zu finden. Wir fürchten schon, dass wir zu spät gestartet sind und alle Schuhschnäbel weg sind.
Schließlich kommen wir jedoch an eine Stelle des Sumpfes, wo sich gegenwärtig ein Schuhschnabel verstecken soll. Es ist auch bereits ein anderes Boot vor Ort, was dafür spricht, dass da was ist. Uns wird minutenlang erklärt, in welche Richtung wir schauen sollen. Irgendwie ist da auch ein grauer Fleck, aber viel mehr sieht man nicht. Unser Bootsführer findet dann doch noch eine Position, aus der wir im Stehen mehr sehen können. Da ist er. Was für ein bizarres Geschöpf.
Leider ist er weiterhin recht weit weg, aber wir können ihn gut beobachten wie er nahezu regungslos dasteht und auf seine Beute lauert. Das Fotografieren mit Tele im Stehen in einem kleinen kanuartigen Boot ist leider auch eine Herausforderung für sich. Ich hatte mir da von den Bildern etwas mehr versprochen, aber hey, immerhin überhaupt gesehen 😄
Die Landschaft um uns herum ist wunderschön.
Irgendwann hat der Schuhschnabel dann genug und fliegt davon. Wir machen uns auf den Rückweg zum Rand des Sumpfs und schließlich wieder über den See.
Zurück im Airport Guesthouse sind wir gegen Mittag, wo uns bereits Andrew (?), ein Mitarbeiter von Alpha Rent-a-car mit unserem Auto erwartet. Eigentlich hatten wir hierfür erst 15.00 Uhr ausgemacht, um noch was Essen zu können, aber so gab es nun bereits die Übergabe von Vouchers, Tracking Permits, Autoschlüsseln und Dollar. Wir haben einen Hilux Surf, der zwar schon ein paar Macken hat, ansonsten aber ganz gut in Schuss wirkt. Die Reifen sind nicht mehr die neuesten, haben aber zumindest noch etwas Profil. Der Reservereifen eher weniger. Naja, zu hohe Ansprüche darf man wohl nicht stellen bei 65 $ am Tag, freien Kilometern und außerhalb der Nationalparks "Vollkasko". Aus Berichten im Internet schlau, teste ich sämtliche Griffe und Fenster soowi alles was geht. Prompt mag ein Fenster nicht aufgehen. Die Abdeckung wir abgebaut, ein wenig an den Kabeln rumgespielt und dann geht es wieder. Nun kennen wir also auch diesen Trick. Insgesamt werden die Fenster noch manchmal zicken, aber irgendwann gingen sie immer. Generell scheinen Autos in Uganda aufgrund des allgegenwärtigen Staubs ein großes Problem bei Fenstern etc. Zu haben. Meist handelt es sich um Importe aus Japan, dort sind die Anforderungen halt nunmal andere.
Wir werden noch gebrieft, welcher Polizist was darf und was wir auf keinen Fall tun sollten und schließlich allein gelassen. Da wir nun ein Auto zur Verfügung haben, wollen wir sogleich einmal Versuchen, ein paar Einkäufe für die nächsten Tage in Form von Snacks, Wasser und co. zu holen. Wir fahren daher in Richtung einer neuen Mall, da uns verschiedentliche Schilder dort einen Shoprite versprechen. Dort angekommen finden wir zwar die Mall, nicht aber den Shoprite. Der soll erst in ein paar Monaten eröffnen.. Wir finden dann Google Maps jedoch beim Rumkurven in Entebbe noch einen weiteren kleinen Laden (Supermarkt wäre etwas zu übertrieben), bei dem wir uns vorerst mit dem nötigsten eindecken.
Danach geht es zurück zum Airport Guesthouse. Der Verkehr in Entebbe ist zwar recht dicht und von verschiedensten Verkehrsteilnehmern geprägt, aber relativ langsam, so dass wir ganz gut zurecht kommen.
Im Garten wird schließlich entspannt. Nachdem ich Andrew (?) gefragt hatte, wie wir am besten auf die Straße Richtung Ziwa kommen und er uns empfahl, so schnell wie möglich auf den Western Bypass zu gelangen, klemme ich mich hinter T4A und bastele eine Route, die uns unter größtmöglicher Vermeidung von Kampala möglichst rasch auf den Northern Bypass bringen soll.
Es gibt einiges an attraktiven Vögeln im Garten, zum größten Teil jedoch weiter oben in den Bäumen, für eine genauere Verfolgung mit Kamera sind wir etwas zu KO. Zum Abendessen wird gegrillt.
Das Essen wird im Garten eingenommen, sehr nett und lecker. Wir unterhalten uns noch kurz mit den Stuttgartern, einer Gruppe Freunde in unserem Alter (insgesamt ~ 8-10), die zum Teil bereits zum zweiten Mal in Uganda sind und eine geführte Tour machen und die wir auf unserer Tour noch ein paar Mal treffen sollten. Morgen früh wollen sie direkt in den Kidepo, haben also eine lange Fahrt vor sich. Wir auch, schließlich müssen wir bis zum Murchison Falls NP und erst einmal durch Kampala kommen..
Noch bevor unser Wecker klingelt, machen sich die Stuttgarter bereits im Dunklen auf den Weg. Leider ist das nicht zu überhören, da alle Zimmer zum Garten und Parkplatz hin ausgerichtet sind. Wir kommen deshalb in das Vergnügen, schon früher als geplant wach zu werden..
Nach dem Frühstück machen auch wir uns gegen 08:00 Uhr auf den Weg Richtung Murchison Falls NP. Wir haben überhaupt keine Ahnung, wie lange wir brauchen werden, da es hierzu keinerlei verlässliche Zahlen gibt – es hängt schlicht sehr stark davon ab, wie schnell man durch Kampala kommt. Wir folgen der Verbindungsstraße Entebee – Kampala einige Kilometer nach Norden. Der Verkehr ist zwar dicht, aber fließt. Der neue Highway, der die beiden Städte verbindet, ist zum damaligen Zeitpunkt zwar schon fertiggestellt, aber noch nicht eröffnet.
Mein Plan war, irgendwann Richtung Westen abzubiegen und Kampala über kleinere Straßen zu umfahren, die Route hatte ich gestern Nachmittag gebastelt und aufs Navi geladen. Daher geht es nun irgendwann nach links ab auf eine Lehmpiste zwischen Häusern durch. Die Straße lässt sich gut fahren, ab und an müssen wir abbiegen. Es geht meistens durch Siedlungen, zum Teil auch durch Wald- und Sumpf, aber man kommt gut voran. Die Route ähnelt ein wenig dem Verlauf des neuen Highways (sofern jemand den Track benötigt, ich hatte ihn hier im Uganda-Forum irgendwann mal gepostet). Irgendwann kommen wir wieder auf eine größere Straße mit Verkehr, jedoch ist nun der Northern Bypass nicht mehr weit. Rechts von uns liegt Kampala, soweit man sehen kann sind sämtliche Straßen verstopft.
Auch auf dem Northern Bypass ist der Verkehr zäh, es geht jedoch voran und nach nicht einmal 1,5 Stunden ab Abfahrt sind wir an Kampala vorbei und auf der Fernstraße Richtung Gulu. Die Häuser werden weniger, der Verkehr auch. Aufgrund der vielfältigen Eindrücke links und rechts der Straße wird einem auch nicht so schnell langweilig. Sämtliches Leben spielt sich hier an und auf der Straße ab. Immer wieder kommen wir an Verkaufsständen vorbei, die alles mögliche verkaufen. Aufpassen muss man jedoch auf Busse und LKW, welche immer wieder waghalsig überholen oder auf der falschen Spur fahren, vor allem die Busse dabei mit absurder Geschwindigkeit.
Wir kommen gut voran, so dass wir gegen 12:00 Uhr an der Abzweigung zum Ziwa Rhino Sanctuary stehen. Wir wollten unseren Besuch dort davon abhängig machen, wie gut wir vorankommen. Da erst erst 12:00 Uhr ist und wir "nur" noch ca. 200Km auf Teer vor uns haben, beschließen wir, den Rhinos einen Besuch abzustatten.
Das Sanctuary ist der seit 2005 laufende Versuch, die in Uganda ausgerotteten NH (ursprünglich Northern W. R., nunmehr Southern W.R.) wieder in Uganda zu vermehren und eines Tages aussiedlen zu können. Dabei handelt es sich um ein Joint Venture aus UWA (der ugandischen Nationalparkverwaltung) und privaten Organistationen. Die NH leben auf einem großen, mit Elektrozaun gesicherten Gehege und werden rund um die Uhr von Ranger bewacht.
Es geht einige Kilomter zum Headquater, wo uns ein Guide zugewiesen wird, mit dem wir nochmals ein paar Kilomter auf einem kleineren Feldweg fahren. Schließlich wird das Fahrzeug neben der Straße geparkt und es geht zu Fuß weiter. Es ist verdammt heiß und stickig, deutlich über 30° C. Naturgemäß ist das nicht die beste Zeit, um NH zu suchen, wenn man aber nicht vor Ort übernachtet (was sicher die vorzuziehende Variante wäre), bleibt einem aber nichts anderes übrig, als Mittags nach NH zu suchen.
Es geht über ausgetrockente Sumpfwiesen und bereits nach wenigen Minuten sehen wir in einiger Entfernung zwei NH unter einem Baum liegen.
Wir können relativ nah rangehen, zu Fuß ein durchaus spannendes Erlebnis.
Unter verschiedenen Bäumen und Büschen entdecken wir schließlich noch weitere NH. Ingesamt sehen wir am Ende 17 verschiedene NH, was zum damaligen Zeitpunkt mehr als 3/4 der ugandischen NH-Population entspricht..
Übersichtstafel, noch ohne den letzten Nachwuchs
Wir haben sogar das Glück, ein Auge auf den zum damaligen Zeitpunkt jüngsten Nachwuchs zu werfen, der zu diesem Zeitpunkt ca. eine Woche alt war. Leider versteckte er sich recht gut, so dass es nur ein Beweisfoto gibt.
Es ist schön, dass es die Einrichtung gibt und sie macht einen sehr vernünftigen und durchdachten Eindruck und die Zahl wächst nach und nach. Ob es jemals dazu kommen wird, dass die NH wieder ausgewildert werden können, erscheint mir aufgrund der vielfältigen Mensch-Tier-Konflikte in Uganda eher fraglich. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
Zurück am Headquarter sind wir aufgrund der Hitze ziemlich platt und genehmigen uns daher ein kühles Getränk und eine Kleinigkeit im schattigen Café/Imbiss. Leider zieht sich das alles etwas, so dass wir erst nach 15:00 Uhr auf die letzte Etappe des Tages starten können. Zunächst geht es wie gehabt gut weiter. Bei Kuruma überqueren wir den Nil (fantastisch, einen Fluss so viele Tausend Kilometer weiter südlich als man ihn bisher aus Ägypten kann, wiederzutreffen). Die Gegenden hier sind einsamer und leerer, es gibt nur noch vereinzelt Dörfer und Orte. Landschaftlich sehr attraktiv, oft waldig. Leider wird die Straße immer schlechter und besteht bald aus mehr Schlaglöchern als Teer. Optimal, wenn man am Ende eines langen Fahrtages irgendwann endlich ankommen möchte. Die vermeintlich kurze Strecke nördlich des Parks entlang zieht sich so doch noch einmal gewaltig.
Die Sonne sinkt immer tiefer, nach Berechnungen des Navis sollten wir exakt mit Sonnenuntergang ankommen. Kurz vor Pakwach haben wir dann doch noch einen großen "Aaah"-Moment: etwas unterhalb der Straße stolziert ein prächtiger Elefantenbulle durch die Wiese. Wunderbar majestisch anzusehen. Meine Eltern sind (als Safari-Ersttäter) sehr angetan. Fotos gibt es hiervon leider keine – der Wunsch, doch endlich einmal anzukommen, war größer als die Lust auf Fotos. Nach kurzer Zeit fuhren wir daher weiter, um schließlich kurz nach Sonnenuntergang, aber noch im Hellen, in der Heritage Safari Lodge anzukommen.
Die Lodge liegt sehr schön oberhalb des Nils und besteht aus lauter kleineren Rondells, die zwar realtiv einfach gehalten sind, aber ihren Zweck voll und ganz erfüllen. Meine Eltern erhalten ein größer erscheindes Haus näher an der Boma, unseres ist etwas weiter weg und leider recht beengt. Im Inneren stehen ganze vier Betten samt Moskitonetzen, so dass wir kaum Platz für unsere Taschen und zum Stehen haben.
Das Abendessen ist weder als besonders gut noch besonders schlecht in Erinnerung geblieben, es ist aber nett in der offenen Boma beim Bier zu sitzen und der Natur zu lauschen.
Da die Frage, ob man von Entebbe in einem Rutsch in den Murchison Falls NP fahren sollte und kann, immer wieder auftaucht, vielleicht noch ein paar kurze Worte dazu. So wie wir es gemacht haben, fand ich es schon grenzwertig, jedenfalls was Anstrengung etc. Angeht. Man hätte natürlich 1-2 Stunden früher in Entebbe starten können oder man kann das Rhino Sanctuary weglassen. Mag auch sein, dass man über den neuen Highway nochmals 30-60 Minuten einsparen kann. Wenn man selber fährt, würde ich sagen, dass man auf jeden Fall versuchen sollte, die Nacht im Ziwa Rhino Sanctuary zu verbringen, um alles zu entzerren oder darauf verzichten sollte.
Viele Grüße fidel
Teil 510. Apr. 2020
Tag 04 25.02. Murchison Falls NP Heritage Safari Lodge Teil 1 Gefahrene KM: 114
Leider war die Nacht, wieder einmal, nur mäßig erholsam. Zunächst wummerten entweder vom Dorf auf der gegenüberliegenden Flussseite oder von einer kleinen Privatpartie unten am Fluss die halbe Nacht hindurch Bässe, die selbst mit Ohrstöpseln nur schwer zu ertragen waren. Dazu war es verdammt heiß und stickig. Irgendwann fängt es an zu regnen, kurz darauf wird es im Bett ziemlich nass. Es tropft beständig von der Decke, ein guter Teil der Matratze ist schon nass. Zur Seite scheiben können wir das Bett aufgrund der Enge nur wenig, aber es hilft etwas. Andere Betten im Zimmer hat es noch schlimmer getroffen. So wird die Zahl möglicher Schlafpositionen für die nächsten Stunden etwas eingeengt..
Wir hatten am gestrigen Abend ausgemacht, wann und was wir zum Frühstück haben wollten und hatten dabei vor, so zeitig fertig zu sein, dass wir mit Gateöffnung am Parkeingang sind, welcher ca. 5-10 Minuten mit dem Auto von der Lodge entfernt ist. Für meine Eltern sollte es die erste richtige Safari-Erfahrung werden. Wir hatten sie schon im Vorhinein darauf vorbereitet, dass das bedeutete, zu unchristlicher Zeit aufzustehen um dann stundenlang im Auto rumzukurven. Vor allem mein Vater war über die Aussicht, nunmehr jeden Tag sehr früh aufstehen zu müssen, nicht wirklich froh, fügte sich aber den Sachzwängen.
Irgendwann wache ich auf und wundere mich, weshalb der Wecker noch nicht geklingelt hatte – zack, wir hatten unseren ersten Safaristart verschlafen. Irgendetwas war beim Stellen des Weckers schief gelaufen. Wir hatten unseren Frühstückszeitpunkt zum Glück nur um ca. 30 Minuten verpasst (während meine Eltern natürlich brav aufgestanden waren). Sie konnten uns nicht wecken, weil sie nicht mehr sicher waren, welche der vielen gleichaussehenden Hütten die unsrige ist..
Wir bekamen zum Glück dennoch leckere Pancakes und beklagten uns über den Regen in unserer Hütte. Wir erhielten die befriedigende Antwort, dass man schauen werde, uns für die nächsten Nächte in einem anderen Bungalow einzuquartieren. Es sei der erste Regen dieser Regenzeit und man hätte die Dächer renoviert, aber noch nicht ihre Regendichte prüfen können. Zwar war es, im Verhältnis zu anderen Gegenden, hier in der Tat relativ trocken und es waren auch bei anderen Hütten Baumaßnahmen zu sehen, so ganz glaubwürdig erschien uns die Erläuterung aber nicht 😛
Schließlich ging es dann jedoch endlich los in Richtung Park – schließlich waren wir dafür da und aufgestanden. Hierfür mussten wir die Zufahrt zur Hauptstraße zurückfahren und nach einigen hundert Metern auf der gegenüber liegenden Seite wieder verlassen. Die Zufahrt war nicht wirklich einfach zu erkennen, es führten mehrere Spuren von der Straße weg, die zum Teil in einen größeren See führten – anscheinend hatte es hier zum Teil schon gut geregnet. Bereits hier auf der Zufahrt (von insgesamt < 1km) sahen wir jede Menge Tiere.
Eine Herde Uganda-Kobs (unsere erste Bekanntschaft mit diesen hier sehr häufig vorkommenden Tieren) lief in einiger Entfernung über getrocknete Sumpflächen.
Am Boden neben dem Weg saß ein Senegal Coucals / Spornkuckucks, auf einem Palmstumpf erfreuten wir uns an am Anblick eines Abyssinian Ground Hornbills / Sudanhornrabens – so viele neue Tiere in den ersten Minuten 🙂
An einem Tümpel standen diverse Wasservögel, u.a. ein Saddle Billed Stork / Sattelstorch.
Auf einem Baum darüber war ein Fish Eagle / Schreiseeadler mit dem zerlegen von nicht identifizierbarer Beute beschäftigt.
Schließlich kamen wir zum Gate, registrierten uns und zahlten den Eintritt für die nächsten Tage bar in Dollar. Kartenzählung wäre möglich gewesen, aber wir wollten wenigstens einen Teil unseres Dollarvermögens endlich loswerden. Da wir noch nicht genau wussten, wann wir von der Budongo Eco Lodge aus am letzten Tag aus dem Park fahren würden, wurde uns zugesichert, dass wir beim Verlassen des Parks einfach nachzahlen könnten (so war es schließlich auch).
Die Straße (damals noch nicht so breit wie heute – die heutige Schneise ist einfach grauenhaft für die Ästhetik..) führte durch eher waldigere Gegend, zum Teil auch über offenere Flächen. Überall waren kleinere und größere Palmsträucher – bzw. Bäume zu sehen (man verzeihe mir eine gewisse Ungenauigkeit bei Pflanzen – man kann sich nicht für alles gleichermaßen interessieren 🙂 ).
Als erstes sahen wir ein Jackson Hartebeest. Die genaue Abgrenzung zwischen den verschiedenen Hartebeest, Topi, Kongoni etc. Arten scheint eine Wissenschaft für sich zu sein und die deutsche Übersetzung nicht immer exakt. Nach Rückfrage bei einem Guide müsste es sich hier jedoch ausschließlich um Jackson Hartebeest handeln.
Kurz darauf sehen wir erneut ein paar Kobs..
.. ein Warzenschwein mit prächtiger Frisur..
und an einer Pfütze einen Temnick's Stint (?) / Temnikstrandläufer.
Ein Marabu zeigt sein Instagram-Gesicht.
Irgendwann sehen wir rund um einen Baum verschiedene kleinere Tiere wuseln. Beim näherer Betrachtung stellen sie sich als Red Colobus / Uganda/Rote-Stummelaffen heraus, die leider etwas Kamerascheu sind – aber es sind einige Jungtiere dabei.
Für uns die erste neue Affenart bzw. nach Chacma Baboons und Vervet Monkeys die dritte überhaupt. Sie werden uns in der nächsten Zeit noch häufiger begegnen.
In einem traumhaften, lichten Wald treffen wir auf eine kleine Elefantenherde. Wie wir erst später auf den Bildern sehen, trägt ein Jungtier eine Schlinge, vermutlich von Wilderen, mit sich herum, die sicher schmerzhaft sein dürfe und ihn auch leicht beim Gehen behindert.
Als Nachhut kommt noch eine Mutter mit kleinem Nachwuchs – wunderbar anzusehen, leider aufgrund der Böschung, einiger Entfernung und Sträuchern nicht optimal zu fotografieren.
Kurz darauf sehen wir einen Wattled Lapwing / Senegalkiebitz.
sowie einen Defassa-Wasserbock. Im Gegensatz zu ihren südlichen Verwandten fehlt ihnen leider die attraktive Zielscheibe am Hintern.
Die Landschaft ist wunderschön, irgendwann kommen auch Nil und Lake Albert in Sicht.
Wir sind bisher erst eine gute Stunde im Park, haben aber schon unglaublich viel Tiere gesehen – damit hatten wir ehrlich gesagt nicht wirklich gerechnet gehabt. Auch meine Eltern konnten es kaum glauben, dass wirklich alle paar Meter irgend ein neues Tier darauf wartet, fotografiert zu werden. Es ist anfangs etwas schwierig, Erwartungshaltungen an Safari richtig zu transportieren 🙂
Teil 611. Apr. 2020
Tag 04 25.02. Murchison Falls NP Heritage Safari Lodge Teil 2
Wir fahren nun einen Loop Richtung Nil und Lake Albert, welcher uns Richtung Delta bringen soll. Wir sehen unsere ersten Oribis (und haben anfangs etwas Probleme, sie von Kobs zu unterscheiden).
Ferner noch mehr Wasserböcke, diesmal mit Nachwuchs..
.. Perlhühner..
und weitere Ground Hornbills.
Dann ist es Zeit für den Auftritt einer weiteren Afrika-Ikone, diesmal in Gestalt einer Rothschild-Giraffe. Diese Giraffenunterart ist stark gefährdet, der Murchison Falls NP ist einer der besten Plätze, um sie noch beobachten zu können.
Weitere Oribis posieren für uns – sie sind sehr hübsch anzusehen und immer wieder fazsinierend, wie viele verschiedene Antilopenarten der afrikanische Kontinent so beherbergt..
Als wir uns dem Ufer des Albert Nils nähern (welcher nördlich aus dem Lake Albert "entspringt", während der Viktioria Nile vom Viktoriassee zum Lake Albert führt und dort in einem Delta mündet – auf dem Sat-Bild einen Post vorher gut zu erkennen), sehen wir, dass die offenbar fruchtbaren Grasflächen an seinen Ufern von einer Vielzahl von Tieren begrast werden. Wir sehen Wasserböcke, Büffel, Warzenschweine und allerhand Vögel, die die Herden begleiten.
Als wir näher ans Ufer kommen, sehen wir ein paar Hippos im Wasser (damit ist eines der "Must-Sees" für meine Eltern abgehakt 😉 ).
Außerdem sehen wir jede Menge Vögel wie Ibisse, White-Faced Whistling Ducks, Squaco Heron, Spur-winged Geese und einen profanen, aber immer wieder schön anzusehenden Graureiher. Alle anderen befanden sich leider etwas zu weit entfernt für vorzeigbare Fotos, insbesondere in Kombination mit nunmehr vorherschendem Hitzeflimmern.
Der Weg vom Delta weg entlang des Viktoria Niles führt etwas weiter versetzt durch etwas dichteren Wald, auch hier gibt es jedoch offenere Flächen und wir sehen neben weiteren Giraffen, einem Buschbock und noch mehr Büffeln erneut eine kleine Elefantenherde.
Da es nunmehr langsam Mittag wurde, beschlossen wir, zur Para Lodge zu fahren um für den Nachmittag eine Bootstour zu den Falls zu buchen und mal einen Blick auf die Preise für ein mögliches Mittagsessen zu werfen. Wir buchen zunächst eine Tour und begeben uns dann auf die Terasse der Lodge, wo wir ein fair bepreistes Mittagsmenu bei toller Aussicht auf den Nil und die am gegenüberliegenden Ufer liegenden Büffel sowie immer wieder kehrenden Elefanten haben. Die Lodge ist riesig und entspricht so in etwa allen Klischees, die man so als normalerweise Nicht-Lodgehopper von einer Lodge hat. Ob wir uns hier wohl fühlen würden, bezweifle ich. Da ist uns die Heritage Lodge trotz ihrer Problemchen doch lieber (auch wenn die Lage der Paraa Lodge natürlich unschlagbar ist).
Auf dem Weg zum Bootsanleger sehen wir schließlich noch kurz eine Warzenschweinfamilie
Dann geht es mit einer Handvoll weiteren Gästen auf das relativ große, zweistöckige Boot. Nahezu zeitgleich mit uns legt auch die Tour des UWA-Boots ab, welches eine ähnliche Bauweise hat und die Tour nahezu identisch fährt – gefühlt fuhr unser Bootsführer besser und mehr zu Sichtungen hin als der Bootsführer des UWA-Boots.
Während wir auf das Ablegen warten, sehen wir bereits einen ersten Elefanten in der Nähe der Anlegestelle am Wasser stehen.
Dann geht es flussaufwärts, immer am Ufer entlang. Wir sehen trotz großer Hitze am frühen Nachmittag jede Menge Tiere und Vögel, die sich alle im und am Wasser aufhalten. Das Boot ist glücklicherweise so dünn besucht, dass wir uns bequem zwischen Seiten und Decks des Boots für die jeweils beste Fotoposition bewegen können. Eine Gruppe Amis bestätigt leider den Ruf, der ihnen nacheilt, ansonsten sind alle anderen Gäste sehr angenehm.
Es ist nicht immer einfach, von so einem großen Boot aus eine gute Fotoposition zu erwischen, aber der Bootsführer gibt sich ehrlicherweise große Mühe, uns dass so gut es geht zu ermöglichen. Der Guide an Deck wirkt sehr kompetent und ist zudem super nett, einzig die Ausprache mancher Tiere (inbesondere der "wiva bats") führte bei uns zunächst zu etwas Rätselraten und schließlich zu jahrelangen schönen Erinnerungen bei jedem neuen Weaver Bird.
Immer wieder verstecken sich mächtige Krokodile im Gebüsch.
Selbstverständlich gibt es auch Hippos in rauen Mengen und in allen Größen.
Sehr freuen wir uns auch über diverse Bee-Eater, die unsere Bee-Eater-Sichtungsliste vergrößern wie den Red-Throated Bee-Eater..
.. und später das nördliche Pendant zu den Carmine Bee-Eater des südlichen Afrikas. Für Krokodil-Fans ist die Ecke sicher eine der besten Afrikas.
Auf Inseln im Fluss zeigen sich immer wieder Hippos.
Dazu sehen wir nahezu sämtliche vertretene Reiher- und Kingfisherarten.
Leider hat es langsam zugezogen und ein starker Sturm kam auf. In der Ferne sah man hohe Gewitterwolken auftürmen, irgendwann donnerte es auch in der Ferne. Wir erreichten schließlich das "Ziel" der Tour, die Murchison Falls. Leider sah man (wie wir vorher wussten) nicht wirklich viel, was man sah, war jedoch durchaus beeindruckend. Das Boot tat sich sichtlich schwer, in der starken Strömung und dem Sturm zu navigieren.
Das Ufer war hier wesentlich steiler und nochmals dichter bewachsen. Ein Schreiseeadler saß genau auf Augenhöhe.
Am gegenüberliegenden Ufer lagen jede Menge Krokodile. Ich weiß nicht ob wir es dort hörten oder ich es irgendwo anders gelesen hatte und ob es stimmt, aber es scheint als ob die Krokodile dort so zahlreich und riesig rumlungerten, weil sie sich vom steten Strom von Fischen, der benommen oder ausgenockt unten in der Strömung landete, ernähren.
Manche mussten erst noch etwas wachsen.
Zurück ging es nun mit etwas höherer Geschwindigkeit, jedoch nicht ohne weitere Sichtungen wie Jackson Hartebeests
oder unsere ersten Black-and-white Colobus Affen, die sich jedoch sehr weit enfernt befanden und gerade so erkennbar waren..
Am Ufer war nun auch eine Gruppe Anubis-Paviane
Schließlich erreichten wir wieder den Anleger. Auch wenn es sich um ein großes Boots handelt, hat sich die Fahrt voll und ganz gelohnt; allein die unglaubliche Vielzahl an Tieren und Vögeln, die man hier zu Gesicht bekommt ist fantastisch, der Blick auf die Fälle ist da nur das I-Tüpfelchen. Klar ist ein kleineres Boot sicher besser (seine Vor- und Nachteile werden wir in ein paar Tagen kennenlernen), aber auch wesentlich teurer.
Das Gewitter hatte sich nunmehr glücklicherweise verzogen, und so ging es im besten Abendlicht zurück zum Parkgate, natürlich nicht ohne weitere Sichtungen.
Zurück am Gate müssen fahren wir noch über den Nil nach Pakwach, um zu tanken. So langsam kommt uns der Verdacht auf, dass etwas mit dem Fahrzeug nicht stimmen kann. Entweder stimmt die Anzeige nicht, oder wir verbrauchen im Schnitt 15-18 Liter auf 100km. Bereits auf unsrer Fahrt zum Murchison Falls NP mussten wir einmal tanken, nun neigt sich die Nadel erneut bedrohlich. Wie viel in den Tank passt, konnte uns bei der Übergabe nicht gesagt werden, wir hatten jedoch immer voll machen lassen. Noch waren wir uns aber nicht zu 100% sicher, ob das normal ist oder nicht. In Pakwach ging das Tanken ohne Probleme von statten, einzig die Belagerung durch Verkäufer war etwas anstrengend – das hat man aber nahezu überall in Uganda, wo regelmäßiger Fahrzeuge anhalten (aber lang nicht so nervig wie etwa in Ägypten oder auch manchmal in Namibia).
Als wir wieder aus dem Ort rausfuhren, waren einige Bewohner gerade beim Abendspaziergang. Ein Elefant bewegte sich außerhalb des Reserves in der Nähe der Straße und auch die Bewohner zückten ihre Handys für ein Bild und beobachteten ihren wilden Nachbarn. Meines Wissens sind die Konflikte zwischen Bewohnern und Tieren hier nicht so ausgeprägt wie im Queen Elizabeth NP, da die Gegend um den Park hier wesentlich dünner besiedelt ist. Die Gefahr durch den Mensch für die Tierwelt kommt hier aus anderer Richtung..
Zurück in der Lodge gab es erneut ein leckeres Abendessen, als Alternative zum allgegenwärtigen Nile Special wurde diesmal ein Tusker ausprobiert – geschmacklich leider nicht dasselbe 🙂
Diese Nacht war erholsamer als die letzte. Wir durften unsere Hütte umziehen und in die deutlich größere und angenehmer gestaltete Hütte neben meinen Eltern ziehen. Auch der Wecker tat an diesem Morgen seinen Dienst und so standen wir nach einem weiteren leckeren Frühstück (das Frühstück ist generell eines der Highlights in Uganda) diesmal mehr oder weniger pünktlich mit Sonnenaufgang am Gate (so wie es nach Plan sein sollte).
Im Tümpel auf der Zufahrt sahen wir bereits wieder im ersten Morgenlicht einen Graureiher sowie einen Schreiseeadler.
Auch innerhalb des Parks zeigten sich rasch verschiedenste Tiere. Eine Warzenschweinmutterr hatte nichts dagegen einzuwenden, dass wir sie bei der Nachwuchsversorgung beobachteten.
Kurz konnten wir einen Blick auf unseren – neben Mangusten – erstes Landraubtier in Uganda werfen, einen für uns neuen (und bisher einmaligen) Goldschakal.
Die Landschaft des Parks ist wirklich einmalig.
Wie man sieht, war die Gegend relativ trocken, einige Stellen wirkten auch als hätte es nicht vor einiger Zeit Buschfeuer gegeben, es spross jedoch bereits frisches Gras. Hatten wir wie bereits geschildert anfangs noch etwas Probleme, Kobs und Oribis auseinanderzuhalten, machten manche Sichtungen es uns da einfacher..
Wir sahen ein junges Hartebeest..
..sowie erneut eine größere Büffelherde, die offenbar gerade frisch von der Beauty-Farm kam.
Auf einem der Palmsträucher saß ein Steinschmätzer und wärmte sich auf.
Wir sahen Elefanten..
.. und noch mehr Büffel.
Wir sahen unseren ersten Kappengeier und kurz darauf den Grund seiner Anwesenheit, ein totes Büffelkalb. Grund des Versterbens oder Besitzer des Kills waren jedoch leider nicht auszumachen.
Mit der heutigen Erfahrung würden wir evtl. noch länger dort stehen bleiben und warten (bzw. fragte ich mich gerade, weshalb wir das nicht taten), aber gerade mit Safari-Ersttätern hat man irgendwie häufiger das Gefühl, immer weitefahren zu müssen um neue Sachen zu finden.. Und natürlich kann man sich in so einer Situation, gerade früh am Morgen, immer nur falsch entscheiden. Immer wieder sahen wir einzelne Elefantenbullen und auch größere Herden verschiedenster Tiere in der Ferne. Erwähnte ich schon, dass die Landschaft super interessant ist? 🙂
Wir fuhren erneut auf einen der Loops Richtung Westen, wo es landschaftlich etwas anders aussah. Es war grüner, buschiger und gab zum Teil schöne Akazienwälder. Hier stießen wir auf eine große Herde Giraffen.
In einem Baum turnte ein roter Stummelaffe herum.
Wir freuen uns über eine Erst-Sichtung eines Cinnamon-Chested Bee-Eaters. Ich saß grad ewig und habe Bilder verglichen, ob es sich nicht doch nur im einen Little Bee-Eater handelt.. dagegen spricht jedoch ein eindeutig zu erkennender weißer Fleck an der Wange bzw. am Nacken, was gegen Little und für Cinnamon-Chested (oder Blue-breasted) spricht. Auch gibt es kein blauen Streifen über dem Auge. Dafür soll der Cinnamon-Chested eigentlich vor allen in höheren Lagen vorkommen, wir befinden uns hier aber "nur" auf ca. 1000m.. Größe ist irgendwie schwer zu beurteilen, tendiert aber eher Richtung Little..
Irgendwann machen wir uns langsam wieder auf den Weg zurück Richtung Norden. Löwen o.ä. fanden wir leider keine, hörten aber, dass es morgens irgendwo eine Sichtung gegeben haben soll.
Auf dem Rückweg stoßen wir auf einen verdammt großen Waran, sicher fast 2 Meter lang.
Schließlich können wir nochmals einige Rote Stummelaffen mit Nachwuchs beobachten.
Am Tümpel vor dem Gate angekommen, erwartet uns ein unerwarteter Anblick.
Hunderte von Abdim-Störchen sitzen und stehen in der Gegend sowie auf allen verfübaren Bäumen. Im Hintergrund des letzten Bildes sieht man den Ort Pakwach.
Noch mehr freuen wir uns über einige Kronenkraniche. Diese Wappentiere Ugandas standen auf der Wunschliste ziemlich weit oben.
Zurück in der Lodge genehmigen wir uns einen kleinen Snack und ruhen uns aus.
Irgendwann wird es mir doch zu langweilig und ich begebe mich auf Vogelsuche. Es flattern sehr viele Vögel umher, leider verstecken sie sich recht gut in dichten Büschen..
Der Red-Chested-Cordon Bleu zählt zu den Vögeln, bei denen beim Blättern im Guidebook stoppt und sich wünscht, ihn mal live zu sehen und bei dem man sich frägt, wie die Natur auf manche Eigenarten kam..
Grey-backed Fiscals sind allgegenwärtig, ferner gelingen von Brown Babbler / Sudandrossling, Fawn-Breasted Waxbill / Ockerastrild, Common Bulbul / Kapbulbul, Abysinian Roller / Senegalracke, Crimson-breasted Shrike / Scharlachwürger, Blue-headed Coucal / Mönchskuckuck, Northern Brown-thorated Weaver / Riedweber und Rüppell's Longtailed Starling / Schweifglanzsstar wenigstens Nachweisbilder..
Leider türmen sich recht plötzlich große Gewitterwolken auf und es wird duster. Nun folgt ein heftiger Wolkenbruch. Wir beschließen, den Nachmittags-Gamedrive sausen zu lassen und zu versuchen, für den nächsten Morgen eine Bootstour den Nil abwärts Richtung Delta zu organisieren. Unser Problem ist, dass sämtliche Standardtouren Richtung Delta meist um 07:00 Uhr starten, wir jedoch aufgrund Gateöffnung um 07:00 Uhr nicht um 07:00 Uhr am Anleger sein können. Mit Hilfe von Führer (Bradt's) und dem Lodge-Manager gelingt es uns, Preis und Optionen bei der Paraa Lodge zu erfragen und einen Treffpunkt für morgen früh, 08:00 Uhr für eine Privattour zu vereinbaren. Geplant waren meine ich 3-4 Stunden für 200 oder 250$.
Anschließend unterhalten wir uns etwas mit dem Manager. Er erzählt, dass er aus der Gegend sei und während des Bürgerkriegs der LRA in den 90er Jahren seine gesamte Familie verlor, als er noch ein Kind war. Er sei dann nach Kampala gegangen und habe sich dort durchgeschlagen und schließlich weiter zur Schule gehen können und sogar an der Uni Tourismus studieren können. Seine Geschichte zeigt uns eindrucksvoll, wie nah die zum Teil weiterhin ungelösten Konflikte hier in der Gegend bei allen Menschen sind.. Unglaublich, wie fröhlich und hoffnungsvoll die Menschen hier trotz all der schwierigen Vergangenheit und Gegenwart immer sind..
Teil 815. Apr. 2020
Tag 06 27.02. Murchison Falls NP Budongo Eco Lodge Teil 1 Gefahren KM: 84
Heute wurde wieder früh aufgestanden, um mit Öffnung am Gate zu sein und bis zum Beginn unserer Bootstour gemütlich zum Anleger fahren zu können. Erneut lohnte sich das frühe Aufstehen. Wir wurden mit einem hammermäßigen Sonnenaufgang verwöhnt.
Das sind auch so die Momente, wo man als früher einmal primärer Landschaftsfotograf ein wenig traurig ist, dass innerhalb der Nationalparks (jedenfalls in unübersichtlichen Ecken) einfach so Aussteigen und die perfekte Komposition suchen nicht ohne weiteres empfehlenswert ist. Aussteigen ist meines Wissens zwar nicht verboten, würde ich in buschigem, schlecht einsehbaren Gelände jedoch nicht unbedingt nur für ein Landschaftsfoto machen.. vor allem würde dann jegliche Muße und Ruhe fehlen..
Die Sonne war dann aber auch neben einer kleineren Gruppe Elefanten das spektakulärste, was wir bis zum Nil zu sehen bekamen.
Nun waren wir doch etwas zu früh angekommen, was uns Zeit gab, ein weiteres Fahrzeugproblem zu lösen. Wie bereits geschildert, sah insbesondere der Ersatzreifen bei Übergabe nicht wirklich überzeugend aus. Der Klopftest zeigte jedoch, dass er relativ hart war. Da wir damals davon überrascht worden waren, dass der Wagen schon da war, hatte ich den Reifendruckmesser nicht dabei und noch nicht ausgepackt, so dass ein genauerer Test des Reifens unterblieb (obwohl gerade die Prüfung des Reservereifens gerade bei fragwürdigeren Reifen eher zum Standardrepertoire zähl). Es wurde also Prüfung durch Vertrauen ersetzt. Irgendwann zwischen Spaziergängen auf dem Gelände der Lodge beschloss ich Gestern, sämtliche Reifen mal zu prüfen – mit der wunderbaren Erkenntnis, dass unser Ersatzreifen über exakt Null Bar Druck verfügte..
Ich lud die anderen am Fähranleger aus, um unser Boot in Empfang zu nehmen und begab mich zur Paraa Lodge, da diese über eine gut ausgestattete Werkstatt verfügen soll. Dort nahm man sich auch gleich des Problems an und versprach, ihn bis zu unsrer Rückkehr zu reparieren.
Wieder unten angekommen, wartete bereits unser Guide mit einem schön kleinen Boot auf uns.
(Hier mal ausnahmsweise ein Bild von meinem Vater, da die Größe später noch eine gewisse Rolle spielen wird..)
Wir machen es uns an Bord gemütlich und tuckern langsam entlang des Ufers los. Unser Guide, dessen Namen ich leider inzwischen vergessen habe (vielleicht war es Ben?), macht einen gut gelaunten, sehr engagierten und professionellen Eindruck. Er rangiert das Boot wirklich optimal entsprechend der jeweiligen Lichtverhältnisse, sieht jede Menge Tiere die wir nie entdeckt hätten und bringt uns super nah zu zahlreichen Vögeln. Die Größe des Bootes ist für eine Flusssafari wirklich optimal. Zudem haben wir immerhin ein leichtes Sonnensegel, auch wenn dieses naturgemäß nicht überall Schatten spendet.
Hier stimmte der Abstand noch nicht ganz – die Wasserböcke ergriffen die Flucht.
Gleich zu Beginn sehen wir einige Hippos. Es ist toll, sie sozusagen auf Augenhöhe fotografieren zu können.
So optimal konnten wir Hippos bisher noch nie fotografieren. Ich hatte bei unserer Hochzeitsreise im Caprivi seinerzeit lange mit Dan von Mashi Rive Safaris/Mavunje darüber diskutiert, dass es jenseits von Maulaufreissen sehr wenig interessante Hippobilder gäbe, da 95% aller Bilder immer von oben herab aufgenommen würden. Bei der Suche nach Alternativen wurde ich damals schließlich neben einer Gruppe Hippos am Strand abgesetzt, um mich vielleicht 5 Meter entfernt auf den Boden legen zu können..
Kwando im Jahr 2016
Ihr seht, ich gebe immer mein Bestes für Hippobilder 🙂
Obwohl es noch relativ früh am Morgen ist, lässt sich leider keines der Hippos zum Gähnen bewegen.
Wir sehen im weiteren Verlauf Krokodile..
.. einen Nachwuchs-Kiebitz..
Graukopfliste, Mohrensumpfhühner, Goliathreiher und Sattelstorch.
An seinen Schnabelfarben entspinnt sich schließlich eine Diskussion über Wappentiere. Unser Guide ist mit dem Kronenkranich als Wappentier offenbar unzufrieden und würde einen Tausch mit dem deutschen Adler vorziehen, alternativ könnten wir den Sattelstorch übernehmen. Im weiteren Verlauf sehen wir Seidenreiher..
.. Red-Throated Bee-Eater / Rotkehlspinte..
..einen bisher unidentifizierten Vogel (jemand ne Idee?)..
..Graureiher..
..einen Spornkiebitz..
..verschiedene Nimmersattse..
..und einen wunderschönen Graukopflist / Giant Kingfisher – leider etwas weit oben in einem Leberwurstbaum. Es folgen Purple und Squacco Heron.
Dann beginnt die Highlightphase.
Ein Malachit-Eisvogel, noch tropfend nass vom letzten Tauchgang, hält endlich still. Auch er zählt zu den Arten, auf die wir in Uganda gehofft hatten, aber von denen wir nie erwartet hätten, sie so toll zu sehen zu bekommen.
Kurz darauf schreiten ein paar Kronenkraniche genau am Ufer entlang.
Zwei so schöne Vogelarten in so kurzer Zeit in (gerade noch) optimalem Licht fotografieren zu können, allein dafür hat sich die ganze Tour mehr als gelohnt..
Wir befinden uns nun langsam im Delta. Anstatt fester Ufer gibt es nunmehr auf einer Seite Papyrussümpfe. Auch hier sehen wir jede Menge Vögel.
Sattlestorch
Graukopflist
Purpurreiher
Der Vogelreichtum hier ist einfach atemberaubend. Umso sorgenvoller sind die Gedanken um die Zukunft dieses Gebiets, soll doch genau hier im Delta nach Öl gebohrt werden..
Teil 916. Apr. 2020
Tag 6 27.02. Murchison Falls NP Budongo Eco Lodge Teil 2
Leider kam langsam ein immer stärker werdender Wind auf. Je mehr wir uns dem Lake Albert nähern, desto stärker wird er. Wir verbringen einige Zeit damit, am Sumpf des Deltas nach einem Schuhschnabel zu suchen, den es hier auch gibt. Tatsächlich gelingt es unserem Guide, einen solchen zu finden, jedoch sehr weit weg. Man erkennt ihn durchs Fernglas grad so, das wars aber auch schon. Am Nordufer posiert ein Uganda-Kob.
Schließlich erreichen wir den Lake Albert.
Hier drehen wir nach bereits mehr als drei Stunden Fahrt um. Wir hatten uns zwar eingecremt, aber die drei Stunden in der prallen Sonne auf dem Wasser zollen so langsam auf unserer noch relativ winterlich blassen Haut trotz Sonnensegel ihren Tribut. Zunächst geht es weiterhin entlang des Deltas und nochmals um ein paar Inselchen herum. Wir sehen nochmals Hippos und ein Paar Schreiseeadler.
Wie man auf den letzten Bildern sehen kann, ist der Nil nunmehr nicht mehr spiegelglatt, sondern sogar in den geschützten Channels relativ unruhig. Das war schließlich jedoch rein gar nichts gegen das, was uns im Main Channel erwartete. Der Wind hatte sich zu einem Sturm gewandelt und türmte Wellen von ungeahnter Höhe auf. Es ist immer schwer, Wellen zu schätzen, aber sie maßen sicher an einen Meter. Was nun folgte, war ein fast dreistündiger Kampf.
Das Boot mühte sich sichtlich mit dem Wellengang und dem Gegenwind. Der Schraube des Motors war auf den Wellenkämmen oftmals aus dem Wasser, vorne spritzen die Wellen gegen den Bug. Wir schaukelten wie ein Korken auf den Wellen und kamen unendlich langsam voran. Unser Guide versuchte mal die linke, mal die rechte Seite, mal die Mitte des Flusses. Das Wasser am Rand des Bootes kam immer wieder gefährlich nahe ans Überschwappen. Irgendwann begann unser Guide, seine Schwimmweste anzuziehen.. 😮
Auf die Frage, ob es hier häufiger solche Wellen gäbe, lautete die Antwort: Nein, sowas habe er noch nie erlebt. 😐
Genau das, was man hören möchte, während man sich überlegt, zu welchem Ufer innerhalb des Parks man wohl am besten schwimmt und wo es weniger Hippos und Krokodile gibt..
Die Zeit zog sich und zog sich. Keiner sprach mehr ein Wort, alle starten nur angespannt nach vorne und hofften, hier heil rauszukommen. Auch unser sonst sehr gespächiger Guide blickte verdammt angespannt und sorgenvoll.. Nach meinem Empfinden war es näher am Rand noch besser auszuhalten (außerdem war von da der Weg zum rettenden Ufer nicht so weit..).
Nichtsdestotrotz beschloss unser Guide irgendwann, doch mal lieber die Flussmitte zu testen oder vielleicht auch das gegenüberliegende Ufer. Ziemlich genau in der Mitte des Flusses stotterte der Motor schließlich und ging aus.
Dies war vorher bereits ein paar Mal passiert, wenn sich zu viele Schlingpflanzen in der Schraube verhedert hatten. Hatte uns die Vortriebskraft des Motors noch halbwegs stabilisiert, waren wir nun tatsächlich der sprichwörtliche Korken auf den Wellen, drehten und schaukelten munter und antriebslos. Unser Guide beugte sich wieder nach unten, um etwaige Pflanzen oder Treibgut aus der Schraube zu entfernen. Das brachte jedoch nicht das erhoffte Ergebnis. Nach einigen Minuten des Bangens stellte sich dann heraus, dass der Motor sich wohl wegen fehlendem Benzin weigerte, noch weiter zu arbeiten. Wir waren heilfroh, als er aus einem Fach im Boden doch tatsächlich noch einen halben Kanister Benzin hervorzog. Das Einfüllen gestaltete sich wegen des Wellengangs alles andere als trivial, irgendwann war jedoch eine ausreichende Menge eingefüllt und der Motor startete nach einigen Versuchen – die muntere Fahrt konnte also weitergehen.
Irgendwann kamen wir dann doch an – wir hatten im Ergebnis allein für die ca. 15Km zurück ohne jeden Fotostop drei Stunden benötigt. Nun war es bereits 15:00 Uhr – aus unserer 2-3 Stundentour war also ein 7-Stunden-Abenteuer geworden.. Glücklich über das Er- und Überlebte wurden wir abgesetzt und unser sichtlich ebenfalls sehr erleichterter Guide mit einem ordentlichen Trinkgeld verabschiedet.
Glücklich darüber, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, ging es rauf zur Paraa Lodge, um unseren reparierten Reifen abzuholen. Auf meine Frage, ob sie den vermuteten Slow Puncture finden konnten, lautete die Antwort: "Ja, aber schau lieber selbst". Der Reifen wurde geholt, das Loch vorgeführt. Es wurde mitgeteilt, dass verschiedene Stopfversuche unternommen worden seien, der Reifen aber so kaputt sei, dass bei jedem neuen Aufpumpen neue Risse und Löcher entstünden.. ein paar hatten sie gestopft und dann aufgegeben. Ha, na toll.. Das hat man davon, sowas nicht sofort bei Übergabe zu prüfen..
Es ging somit ohne reparierten Reifen wieder zum Nil runter, wo wir auf die Fähre warteten und Douglas anriefen, um ihm unser Leid zu klagen und nach Möglichkeiten zum Erwerb eines neuen Ersatzreifens zu fragen. Wir erhielten die Auskunft, dass wir in Hoima, der nächsten größeren Stadt einen Reifen kaufen sollten, das sei der nächste Ort, an dem es Reifen zu kaufen gäbe. Da wir dort am nächsten Tag hinkommen würden, erschien uns dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt vertretbar – schließlich hatten die Reifen ja auch bisher alles gut mitgemacht..
Wir überqueren den Nil auf der Fähre und machen uns auf den Weg durch den südlichen Teil des Parks Richtung Budongo Ecolodge. Die Straße führt zunächst durch kahlen Wald, hier hatte es offenbar gebrannt. Die Bäume sind laublos, es spriest jedoch wieder neues Gras im Boden. Insgesamt wirkt es sehr trostlos. Anschließend führt die Straße durch dichten Wald, der jedoch noch weitaus trockener wirkt als im Nordteil des Parks. Den Abstecher zum Aussichtspunkt oben an den Fällen lassen wir ausfallen, wir haben irgendwie erstmal genug Action gehabt für heute.
Die Straße ist zwar attraktiv, jedoch auch relativ eintönig. Inzwischen soll es auch hier eine wesentlich bereitere Schneise geben..
Außer einer Gruppe Paviane sehen wir keinerlei Tiere. Irgendwann kommen wir schließlich in der Budongo Eco Lodge an. Über diese Unterkunft liest man hier und auch anderswo immer wieder unterschiedliche Meinungen. Für uns war es die teuerste Unterkunft der Reise. Die Lodge befindet sich mitten im Urwald und besteht aus einzelnen Blockhütten mit Wellblechdach, die jede für sich gut versteckt im Wald liegen. Die Ausstattung ist mit der anderer vergleichbar. Nachts gibt es keinen Strom, man muss also mit Taschenlampe auf Toilette.
Uns gefallen Lage und Anlage sehr gut, wir sehen auch einige Paviane in den Bäumen turnen. Über unsere Hütte reichen die Äste eines Baums, der gerade Früchte trägt und von Pavianen geernet wird. Jedes Mal, wenn eine Frucht runterfällt, gibt es einen lauten Schlag auf unserem Blechdach.
Nach einem kurzen Ausruhen geht es zum Abendessen. Wir sind die einzigen Gäste. Das Essen ist zwar das teuerste des Urlaubs (ich glaube um die 25$ pP), aber auch das Beste. Wir sitzen noch ein wenig beim Bierchen zusammen und genießen die Laute des Urwalds, ehe wir ins Bett fallen..
Teil 1019. Apr. 2020
Tag 07 28.02. Hoima Kontiki Gefahrene KM: 94
Der heutige Tag hält wenige Bilder, aber gleichwohl die ein oder andere Geschichte bereit – es kommen wieder Tage mit mehr Bildern 🙂
Wir hatten uns (gegen meinen Wunsch) dafür entschieden, im Budongo Forest einen Bush Walk zu machen. Hintergrund des Ganzen war, dass unser Permit für den Park gegen 07:30 Uhr auslaufen würde, aber niemand Lust hatte, so früh und ohne gemütliches Frühstück in Eile den Park zu verlassen. Da wir heute nur bis Hoima mussten, gab es auch Zeit dafür. Wenn wir aber schon mehr für Eintritt zahlen, müssen wir auch noch irgendeine Aktivität vor Ort machen. Meine Versuche, die anderen von einem Schimpansentracking zu überzeugen, fruchteten nicht. Ich hielt die Gelegenheit für optimal, die anderen verwiesen auf die im Vergleich zu einem Bushwalk höreren Kosten und darauf, dass wir ja im Kibale Forest einen ganzen Tag lang Schimpansen verfolgen würden.. Na wenn die wüssten..
So gab es für uns also nach einem guten Frühstück einen Bushwalk. Wir gingen gemeinsam mit einem Ranger durch den Wald hinter der Lodge. Es war für uns alle das erste Mal in einem "Regenwald". Der erste Eindruck war: es ist zwar grün, aber ziemlich trocken. Wir erhielten eine Einführung in die Ökologie des Waldes und bekamen verschiedene Pflanzenarten gezeigt. Das war alles nicht uninteressant, aber so wirklich spannend auch nicht. Man hörte und sah nahezu keine Vögel. Einzig verschiedene Hornrabenarten zogen, wie berits am Abend zuvor, lärmend über uns vorbei.
Sehr informativ und interessant waren hingegen die Ausführungen über die Safari-Ameisen, während wir einer Straße dieser Ameisen zusahen und die unterschiedlichen Größen sowie die Koordination und Effizienz bewunderten. Wir bekamen anschaulich gezeigt, wie fest der Biss einer Soldatin ist. Wir erfuhren, dass die Ameisen aus diesem Grund sogar als Wundklammern eingesetzt worden sein sollen – die praktische Ausführung davon blieb uns zum Glück erspart.
Leider war unser Guide nur mäßig engangiert. Als wir im Gebüsch einen Duiker sahen, mussten wir ihn erst darauf aufmerksam machen und fragen, um was für ein Tier es sich handelt. Wir sahen auch das Schlafnest einen Schimpansen. So wirklich der Knaller war der Bushwalk (wie von mir befürchtet..) nicht, zumindest nicht für den Preis. Vielleicht war ich auch zu negativ voreingenommen, aber irgendwie zündete bei mir die Tour am Wenigsten. Deshalb gibt es leider auch nahezu keine Bilder vom durchaus faszinierend schönen Wald.
Nach ca. 2 Stunden waren wir wieder zurück an der Lodge und versuchten, die Tour und unser Abendessen mit Kreditkarte zu bezahlen – was grundsätzlich gehen sollte. Es ging auch. Dafür musste ich jedoch den Manager zunächst nach draußen begleiten, um dann in einem unglaublich alten und unglaublich schrottreifen Auto platz zu nehmen. Es sah in etwa so aus, wie die Autos, die in Südnamibia gerne zur Zierde rumstehen. Um hineinzugelangen, musste man von außen durch die nicht existente Scheiben greifen, um die Tür von Innen zu öffnen.
Nachdem wir beide hineingelangt waren und das Fahrzeug mittels Kurzschließen gestartet werden konnte, fuhren wir ca 2-3 Kilometer die Straße Richtung Gate. Dort hielten wir an, stiegen aus und das Lesegerät wurde sehnsüchtig gen Himmel gehalten. Nach einigen Versuchen klappte es, und wir fuhren zurück. Hätte ich von den Umständen gewusst, hätte ich natürlich nie nach Kreditkartenzahlung gefragt..
Schließlich verlassen wir die Lodge, die uns sehr gut gefallen hat und die wir guten Gewissens weiterempfehlen können und fahren Richtung Gate. Dort löhnen wir einen weiteren Tag Permit und verlassen schließlich den Park. In der Summe war das heute wohl der teuerste Waldspaziergang aller Zeiten..
Kurz nach dem Gate sahen wir am Straßenrand eine große Schlange.
Unsere Versuche, die Gattung zu bestimmen, waren nicht einfach und endeten mit dem Gemeinschaftsbeschluss, dass es sich um eine Black Mamba handeln dürfte. Kann das jemand verifizieren?
Wir hatten bewusst großzügig geplant und die Etappe von Murchison Falls National Park zum Kibale Forest auf zwei Tage aufgeteilt. Es gab im Netz verschiedenste Berichte zu dieser Straße und auch die ein oder andere Abenteuergeschichte. Konsens war jedoch, dass man, wenn alles gut geht, sicher an die 10 Stunden brauchen würde. Da wir zu Beginn der großen Regenzeit fuhren, keine Erfahrungen mit Lehmpisten und Schlamm hatten und auch so keine große Lust auf 10 Stunden Fahrt hatten, war die Entscheidung, die Fahrt zu splitten, recht schnell gefallen.
Dass wir mit der Entscheidung nicht so ganz falsch lagen, zeigten bereits die ersten Kilometer. Die Straße Richtung Masindi war in einem katastrophalen Zustand. Sie bestand nahezu nur aus Gräben, Auswaschungen und Löchern. Je häher wir Masindi kamen, desto stärker befahren wurde sie zudem. Schließlich hatten wir dieses Stückchen hinter uns gebracht und fuhren für kurze Zeit auf Teer nach Masindi. Anschließend ging es ein kurzes Stück auf offenbar frisch geteertem Belag weiter, dann wurde es wieder Lehmpiste. Wir kam jedoch relativ gut voran, der Zustand war bei weitem nicht so schlecht wie das Anfangsstück. Sobald es jedoch irgendwo feuchter wurde, musste man gehörig aufpassen, nicht ins Rutschen zu kommen und weiterhin Vortrieb zu erhalten.
Irgendwann fuhren wir an einem Kleinbus mit Touristen vorbei, der offensichtlich ein Problem mit dem Motor hatte. Als wir kurz darauf an einer Engstelle warten mussten, setzte sich ein Fahrzeug mt leicht Proletenhaft anmutenden Ugandern neben uns und fragte uns, weshalb wir den anderen Touristen nicht geholfen hätten. Sie waren sichtlich erbost und beschimpften uns. Wir hatten naturgemäß durchaus erwogen, anzuhalten und zu fragen, ob sie Hilfe benötigen. Da es sich jedoch erkennbar um ein Motorproblem handelte (es waren mehrere Leute über den Motor gebeugt), wir keinerlei Ahnung von Motoren haben, es Empfang gab und die Strecke relativ gut befahren war, hatten wir nicht angehalten – m.E. auch rückblickend vollkommend zu Recht. Offenbar hatten manche Ugander (die natürlich selbst nicht angehalten hatten) da ein anderes Verständnis von Hilfeleisten.
Es war erkennbar, dass "die Chinesen" dabei waren, die gesamte Strecke zu asphaltieren. Immer wieder gab es Baustellen, ein System war jedoch nicht erkennbar. Ca. 20-30 Kilometer vor Hoima gab es nun durchgehend Asphalt, jedoch noch ohne jegliche Begrenzung, Beschriftung o.ä. und mit einer mehreren Zentimeter dicken Splittschicht obenauf.
Als wir schon kurz davor waren, uns darüber zu freuen, dass diese Etappe so reibungslos und einfach geklappt hatte, bemerkte ich plötzlich ein seltsames Fahrgefühl, sah in den Spiegel und fluchte.. Ein Hinterreifen war platt. Und wir hatten keinen Ersatzreifen. 15 Kilometer vor dem Ziel und noch dazu auf Teer..
Nun war guter Rat teuer. Schließlich war klar, irgendwie muss ein neuer oder ein geflickter Reifen zu unserem Fahrzeug, sonst kommen wir hier nicht weiter. Wenn wir nicht wissen, wie ein Reifen von alleine aus Hoima zu uns kommen soll, muss der Reifen eben nach Hoima.
Wir machten uns daran, den platten Reifen zu demontieren. Dies erwies sich jedoch als schwieriger, als erwartet. Der Wagenheber hatte offenbar nahezu kein Öl mehr in sich und ließ sich kaum bewegen. Die Stange dafür passte nicht korrekt. Mein Vater und ich lagen sicher 20 Minuten unter dem Auto und versuchten, den Wagenheber irgendwie zum Funktionieren zu bringen. Während der gesamten Zeit hielt übrigens keinerlei Fahrzeug, obwohl sicher 20-30 vorbeifuhren.
Erst als wir den Wagenheber fast oben hatten, hielt ein Roller mit zwei Ugandern. Sie schoben uns beiseite und ließen uns nicht mehr machen. Sie sprachen kein Englisch, aber irgendwann war zu verstehen, dass sie nun gerne den Ersatzreifen demontieren würden, um weiter zu machen. Nachdem sie das volle Ausmaß unseres Problems erkannt hatten, fingen sie an zu telefonieren. Wie das das Problem lösen sollte, war mir unklar – vor allem da wir uns noch nicht einmal mit unseren Helfern über ihre Strategie unterhalten konnten. Mir war klar – am einfachsten kommen wir hier wieder weiter, wenn einer von uns den Reifen in die Stadt bringt und wieder herfährt.
Zufällig kam gerade der Bus mit den Touristen, der zuvor defekt war, um die Kurve. Auf mein Winken hin, hielten sie an und erklärten sich bereit, mich samt Reifen nach Hoima mitzunehmen. Im Bus war eine Grupper junger Holländer, die mir ihr Leid über ihren Bus klagten. Offenbar überhitzte alle paar Kilometer der Motor, so dass sie warten mussten, bis er wieder abgekühlt war. Ich erzählte ihnen, dass wir sie zuvor gesehen hatten und sie fanden es vollkommen normal, dass wir nicht angehalten hatten..
Schließlich wurde ich an einer Werkstatt abgesetzt und machte mich auf die Suche nach jemanden, der ihn uns flicken könnte. Da man als Weißer, der alleine einen Reifen spazieren trägt, genug Aufmerksamkeit erregt, war dieses Problem schnell gelöst. Das Locht war rasch gefunden, der Reifen mit einem weiteren Propfen geflickt. Ich konnte mir währenddessen kurz in einem kleinen Shop nebenan wenigstens etwas zu trinken holen, denn leider hatte es mal wieder deutlich über 30° C.
Als der Reifen fertig war, bot einer der an der Werkstatt / Tankstelle herumlungernden Männer mir an, mich mit seinem Auto zurück zu fahren. Mangels passender Alternativen, willigte ich ein. Das Fahrzeug war ein ebenfalls nahezu schrottreifes Auto, dass in einem früheren Leben aber offenbar einmal ein japanischer Sportwagen gewesen sein muss. Die Türen ließen sich bei diesem Fahrzeug zwar normal öffnen, das Starten geschah jedoch auf diessele Art und Weise und die Fenster ließen sich nur bedienen, indem man die Armlehne abnahm und die passenden Kabel zusammenhielt. Scheint hier also Standard zu sein 🙂
Dem Wagen angemessen ging es nun mit Vollgas – d.h. deutlich jenseits der 100 km/h – wieder zurück, wo der Fahrer uns sogar noch davon abhielt, selbst den Reifen zu montieren. Nach einem Dank für die Hilfe und seiner Entlohnung, machten wir uns schließlich auch endlich auf die letzten Kilometer nach Hoima.
Hoima ist eine quirlige, aber sehr angenehme Stadt. Der KfZ-Verkehr ist überschaubar, es gibt viele Läden und es ist überall was los. Unsere Unterkunft, das Hoima Kontiki, befindet sich am Stadtrand. Zuvor müssen wir jedoch endlich einen neuen Ersatzreifen auftreiben..
Dies ist dann wieder etwas schwieriger als gedacht. Wir steuern einen Laden an, der aussieht, als würde er Reifen verkaufen. Leider verfügt er nicht über unsere Reifengröße. Auch der zweite Laden verfügt nicht über die richtige Größe. Der Inhaber beschreibt uns jedoch den Weg zu einem weiteren Laden, bei dem wir unser Glück versuchen können.
Nach einigem hin und her konnten wir den Laden finden. Nach einigem Warten auch den dazugehörigen Inhaber. In seinem "Lager" – letzlich nicht mehr als ein Raum, der bis zur Decke voll mit Reifen in verschiedensten Größen und Zuständen gestapelt war – turnte er ein wenig herum und kam schließlich mit zwei Reifen wieder zum Vorschein.
Nun musste der Reifen nur noch auf die Felge. Hierfür rief der Inhaber einen weiteren Helfer herbei, der alten und neuen Reifen mit sich nahm. Während wir warteten, unterhielten wir uns sehr gut mit dem Inhaber und einigen weiteren Interessenten. Das Gespräch war sehr interessant. Der Ladeninhaber erzählte, er sei eigentlich Lehrer gewesen. Weil die Bezahlung so schlecht sei, habe er jedoch irgendwann aufgehört und verdient nun als Reifenhändler mehr. Irgendwann kam das Gespräch auf Unterschiede zwischen Deutschland und Uganda. Alle Zuhörer wollten nicht glauben, dass man in Deutschland nicht einfach so sein Haus bauen kann, wenn irgendwo Platz ist und viele Deutsche einen Großteil ihres Verdienstes für Miete oder Hausdarlehen ausgeben. Sehr happy waren alle, als sie erfuhren, dass wir in Deutschland auch Kartoffeln essen – und zwar "the good ones, not the brown ones". Dass Süßkartoffeln ("the good ones") bei uns im Vergleich zu normalen Kartoffeln eher eine Randerscheinung sind, verschwiegen wir da lieber, um die Stimmung nicht zu gefährden 🙂
Nach diversen Heiratsangeboten kam unser schicker neuer Reifen schließlich wieder und wurde unter Einsatz unzähliger Hände am Auto befestigt, wo er von da an stolz trohnte.
Irgendwann hatten wir dann auch das Kontiki gefunden. Dabei handelt es sich um eine relativ große Anlage verschiedenster Bungalows, die offenbar auch viel für Konferenzen, Feiern u.ä. genutzt wird. Alles war gepflegt, Preisleistungsverhältnis top. Als wir kamen, war offenbar gerade irgendeine kirchliche Feier lokaler Prominenter im Gange. Verschiedene Würdenträger stolzierten umher, es gab Büffet im Garten und unglücklich laute, unpassende Musik. Glücklicherweise war das Gelände groß genug und die Feier abends beendet, so dass wir nach einen ordentlichen Abendessen im Restaurant (Essen mit Auswahl!) in Ruhe schlafen gehen konnten.
Heute stand der größere Abschnitt unserer "Überführungsetappe" vom Murchison Falls NP zum Kibale NP an. Es hatte nachts ein wenig geregnet und über uns sahen die Wolken nach verdammt viel neuem Regen aus. Wir hofften das beste.
Letzlich war die Fahrt so unspektakulär wie unterhaltsam. Immer wieder waren längere Abschnitte bereits geteert, dann gab es wieder lehmige Abschnitte, zum Teil etwas rutschiger. Alles in allem aber gut machbar. Die dunklen Regenwolken blieben stets brav in unserem Rücken. Wir fuhren durch Dörfer und durch schöne Landschaften, Fotos entstanden leider keine.
Plötzlich sahen wir ein paar Blue Crested Turacos über die Straße fliegen – diese Vögel wollte ich ebenfalls unbedingt sehen.. Sie setzten sich in einem hohen Baum, leider etwas sehr weit entfernt für Fotos..
Je näher wir Fort Portal kamen, desto mehr Teefelder tauchten rechts und links der Straße auf. Ab Fort Portal war die Straße durchgehend perfekt geteert, jedoch gab es unendlich viele Speedbumps..
Schließlich kamen wir irgendwann Nachmittags wohlbehalten (nach einem weiteren Tankstop) im Kibale Forest an. Wir machen noch einen kurzen Abstecher zur Rezeption des Parks, um zu checken, ob unsere Permits tatsächlich in Ordnung sind und ob um die Uhrzeit des morgendlichen Beginns unserer Chimp Habituation Experience in Erfahrung zu bringen. Anschließend geht es ins Kibale Forest Camp. Das Camp ist ein absoluter Traum. Fest installierte Zelte mit gemauertem Bad stehen mitten im Regenwald. Überall turnen Affen und Vögel herum.
Hier war es wesentlich grüner als im Budongo Forest. Wir aßen ein verspätetes Mittagessen aus wunderbar riesigen und frischen Avocados, Mangos und Passionsfrucht, die wir an der Straße erstanden hatten. Am frühen Abend gingen wir noch ein wenig auf einem kleinen Beobachtungspfad auf dem Gelände der Lodge spazieren.
Ernneut konnten wir die faszinierenden Safari-Ameisen beobachten, die einen lebendigen Tunnel über den Weg gebaut hatten.
Wir machten auch Bekanntschaft mit der unangenehmen Eigenschaft dieser Ameisen – sie krabbelten sofort Schuhe und Beine hoch, sobald man irgendwo länger als 10 Sekunden stehen blieb – gut dass wir Gamaschen für unser Tracking mitgenommen hatten. Wir sahen jede Menge Schmetterlinge
Wir sehen – und hören – einige Blue Crested Turacos. Leider verhalten sie sich nicht sehr kooperativ, was Fotos anbelangt und hüpfen rasch von Ast zu Ast.
Das Abendessen ist gut. Anschließend packen wir unsere Rucksäcke für den morgigen Tag, holen Regenjacke, Wandersocken und Gamaschen aus den Taschen und legen uns früh zu Bett – am morgigen Tag soll es früh losgehen 🙂
Teil 1223. Apr. 2020
Tag 09 02.03. Kibale NP Kibale Forest Camp – Chimp Habituation Experience Teil 1
Nachts sind Affen und Vögel still. Irgendwann am frühen Morgen beginnt es zu Regnen.. und es hört einfach nicht mehr auf. Es ist zwar kein starker Regen, aber sehr beständig. Irgendwann klingelt der Wecker und wir stapfen mit Wanderstiefeln im Dunkeln zum Frühstück. Anschließend geht es, immer noch im Dunkeln und bei weiterhin anhaltendem Regen zum Startpunk unseres Schimpansen-Trackings.
Wir hatten uns aufgrund der Beschreibung des UWA und verschiedener Berichte im Netz gegen einen normalen, einstündigen Besuch bei den Schimpansen und für die ganztätige Habituation Experience entschieden. Auf der Homepage des UWA las und liest es sich auch weiterhin so:
"Chimpanzee Habituation Experience (CHEX) is available on a full or half day basis starting and advance booking for this activity is required. Early visitors can watch chimps leaving their overnight nests between 6:00 - 6:30am before feeding, copulating, hunting, breastfeeding, resting, patrolling and displaying until it is time to build new nests around 7pm."
Nach sämtlichen Berichten, die man im Vorfeld lesen konnte, wurde dabei letztlich dieselbe große (ca. 60 Tiere) Schimpansengruppe besucht, die auch im Zuge der normalen Tour besucht wird. Einige Wochen vorher las ich auf Tripadvisor, dass nun offenbar eine neue Gruppe habituiert werden soll, um die Besuchermassen etwas zu entzerren. Da dort jedoch gerade erst mit der Habituierung begonnen wurde, seien die Chancen, überhaupt Schimpansen zu sehen, eher gering. Ich bat daraufhin Douglas, beim UWA nachzufragen, welche Gruppe bei der Habituation Experience von nun an getrackt werden würde um ggf. auf ein normales Tracking umbuchen zu können. Habituation und die spannende Erfahrung, nicht an Menschen gewöhnte Schimpansen zu erleben in allen Ehren – aber wenn ich 220 USD dafür zahle, möchte ich auch gern ein paar Bilder mit nach Hause nehmen.. Der UWA teilte mit, dass wie immer die bekannte, große Gruppe besucht würde.
Wir kamen in nunmehr leichtem Nieselregen am Headquater an und wurden gemeinsam mit einigen anderen Gästen gebrieft. Neben uns hatte nur eine Amerikanerin noch die Habituation Experience gebucht, wir waren also ingesamt zu fünft plus Guide. Mit diesem ging es nun in den Wald auf die Suche nach Schimpansen (es war nun bereits gegen 08:00 Uhr). Wir laufen in leichtem Nieselregen durch wunderschönen Wald. Nach ca. einer Stunde zeigte unser Guide auf einige weit entfernte Bäume und meinte, da seien gerade zwei Schimpansen von Baum zu Baum geklettert. Gesehen hatte niemand von uns irgendwas. Irgendwann stellte sich dann heraus, dass wir nicht die bereits habituierte Gruppe, sondern eine neue Gruppe von Schimpansen suchen würden (entgegen der zuvor extra erfragten Auskunft). Er teilte auch mit, dass die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie wesentlich besser sehen würden, gegen Null gehe.
Wir liefen weiter durch den Wald, die Hoffnung stirbt ja zuletzt und zudem sollen die Tiere ja an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt werden. Irgendwann stießen wir auf zwei Ranger, die unter einem Baum saßen und die durchgehende Aufgabe der Habituierung wahnahmen. Dafür setzten sie sich einfach den ganzen Tag in den Wald, wo sie die Schimpansen vermuteten. Gesehen hatten sie sie heute noch nicht, nur kurz gehört..
Irgendwann wird es uns (und auch der Amerikanerin) zu blöd. Wir konfrontieren den Guide damit, dass sowohl UWA als auch sämtliche bewerbenden Safari-Unternehmen diese Aktivität vollkommen anders darstellen und es offensichtlich keinen Sinn macht, den ganzen Tag im Wald herumzulaufen (inzwischen war es früher Mittag), ohne die realistische Chance einen Schimpansen für mehr als eine halbe Sekunde in 100 Meter Entfernung zu sehen. Ihm ist das Problem wohl durchaus bewusst und er rückt damit raus, dass es als "Notlösung" für Touristen, die bei der Habituation keine Schimpansen sehen, die Möglichkeit gäbe, kurz zu den anderen Schimpansen zu gehen, wenn dort keine andere Besuchergruppe ist. Da wir aber schon eine Sichtung hatten, gälte das für uns eigentlich nicht mehr.
Er erkennt aber offenbar unser Enttäuschung bzw. unseren langsam deutlicher vorgetragenen Unmut und sichert zu, sich trotzdem um einen Slot für uns zu bemühen. Die folgenden Stunden verbringen wir damit, planlos für 20-30 Minuten in irgendeine Richtung zu gehen, dort dann 20 Minuten auf neue Infos zu warten und dann wieder irgendwo hin zu gehen. Wieder und wieder werden wir vertröstet. Irgendwann langt es uns erneut. Wir wollen eine klare Ansage, wann wir die Schimpansen besuchen können und nicht Stunde um Stunde sinnlos im Kreis laufen bzw. rumhocken. Mittlerweile ist es früher Nachmittag und wir haben den Tag damit verbracht, abwechselnd ein paar Kilometer zu gehen und dann wieder eine halbe Stunde zu warten..
Entweder hat er irgendwann auch keine Lust mehr oder irgendjemand ist uns irgendwann doch gnädig. Er meint, wir können nun kurz hin, weil weniger los sei. Wir überqueren die Straße und nach nicht einmal fünf Minuten sehen wir einige Gruppen Touristen im Wald stehen und nach oben starren.
Tatsächlich. Da sind Schimpansen. Wow. Einfach nur Wow. Was für ein Geschenk, so etwas in der Wildnis sehen zu können. Die Schimpansen befinden sich in einem kleinen Tal, in dessen Mitte ein riesiger Feigenbaum mit reifen Früchten steht. In lichter Höhe, ca. 20-30 Meter über uns hocken sie auf den Ästen, essen Feigen, schlafen oder pflegen sich das Fell. Auch wenn man ein Fernglas braucht, um Details zu erkennen und Bilder wegen der Entfernung und dem Gegenlicht des bewölkten Himmels schwierig sind, sind wir unglaublich dankbar, sie hier beobachten zu können.
Unser Guide erklärt, dass Schimpansen keinen Regen mögen (welch Überraschung), und deshalb bei Regen häufig auf den Bäumen sitzen bleiben. Es hat zwar bereits seit einiger Zeit aufgehört, scheinbar ist es aber entweder zu nass oder zu gemütlich auf den Bäumen.
Nach und nach entdecken wir einige Schimpansen, die etwas niedriger sind und/oder eine etwas bessere Fotoperspektive erlauben.
Man muss unglaublich vorsichtig sein, wenn man Schimpansen über sich hat. Ständig fällt etwas aus sämtlichen Körperöffnungen herunter. Das Angenehme sind noch die Feigenreste, leckerer wird es, wenn – wie alle paar Minuten – ein kleiner goldener Schauer von oben runterkommt 🙂 Es trifft fast jeden von uns mehrfach und unsere Kameras, Ferngläser, Rucksäcke und Regenjacken sind nun offiziell schimpansen-getauft.
Manch ein kleiner Schimpanse scheint dabei einen teuflischen Spass zu haben.
Neben Schimpansen sind auch weitere Affen in den Bäumen um uns zugegen, vor allem Grey-Cheeked Mangabeys / Grauwangenmangaben, die leider keinen Schönheitspreis gewinnen können..
(Bald gehts weiter mit Teil 2 – es bleibt spannend!)
Teil 1323. Apr. 2020
Tag 09 02.03. Kibale NP Kibale Forest Camp – Chimp Habituation Experience Teil 2
Nach und nach kommen die Schimpansen etwas tiefer und werden aktiver. Vielleicht ist auch nur der Mittagsschlaf vorbei. Wir bekommen immer bessere Sichtmöglichkeiten.
Oftmals sind sie nun nur wenige Meter über unseren Köpfen unterwegs und schwingen sich von Ast zu Ast.
Man muss schnell sein und aufpassen, da der Boden recht rutschig ist und zudem teilweise dicht bewachsen. Inzwischen sind andere Gruppen da, unser Guide und auch andere Guides versuchen immer wieder ihre Gäste auf möglichst gute Fotooptionen hinzuweisen, wir können aber auch so herumlaufen.
Sehr gefreut haben wir uns, auch einige Mütter mit kleineren Kindern sehen zu können.
Es wirkt so unglaublich friedlich und wundervoll menschlich..
Irgendwann meint unser Guide, dass wir nun eigentlich schon zu lange da gewesen wären und bald weiter müssten. Da sich abzeichnet, dass die Schimpansen nunmehr jedoch doch langsam auf den Boden kommen, dürfen wir noch ein paar Minuten warten. Eine Gruppe weiblicher Schimpansen klettert auf den Boden, verzieht sich jedoch schnell ins Unterholz. Unser Guide erklärt, dass Weibchen scheuer seien und man sich ihnen nur nähern sollte, wenn es sie offensichtlich nicht stört.
Immer wieder herrscht lautes Geschrei und/oder WooWooWoo-Laute schallen durch den Wald. Kurz darauf beschließt auch der Anführer mit lautem Geschrei und Männlichkeitsgehabe die Bäume zu verlassen. Dem Vorbild des Bosses folgen immer mehr Schimpansen.
Es ist geradezu unwirklich. Wir stehen da und um uns herum kommen immer mehr Schimpansen von den Bäumen. Sie scheren sich überhaupt nicht um uns und behandeln uns wie Luft. Zum Teil setzen sie sich nur 1-2 Meter von uns oder anderen Touristen entfernt zu Boden. Ein einmaliges Erlebnis.
Wir machen einige Bilder, dann kommt wieder Geschrei auf. Der Boss muss offenbar klarmachen, wer hier der Stärkste ist. Er schreit ein wenig herum, rennt auf und ab, schüttelt Bäume und zeigt seine Zähne. Dann setzt er sich sich ganz still und brav nur weniger Meter neben uns hin.
Man ist das aufregend.. Einige Touristen werden sichtlich nervös, nachdem sie Kraft und Impulsität der Tiere gesehen haben und nun mitten zwischen ihnen stehen. Kurz darauf bricht das Chaos aus. Irgendetwas hat den Ärger des Bosses auf sich gezogen und nun rennen ca. fünf ausgewachsene Schimpansen auf einer Fläche von vielleicht 20x20 Metern laut schreiend hintereinander her, dazwischen und daneben ca. 20 Touristen mit ihren Guides, die immer wieder zwischen "look, look!", "Take a foto here!", "stay still!" "move back!" schwanken.
Irgendwann sind wir offenbar voll in der Laufbahn des Bosses. Ausweichen geht nicht, da im Rücken eine Gestrüpp ist. Ich lehne mich zurück und halte mich an einem kleinen Baum fest, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Meine Mutter, die neben mir steht, wir schlicht aus dem Weg geschubst, an mir streift er nur vorbei. Na wenn das kein Erlebnis ist 🙂 Auch wenn meine Mutter nun davon ausgeht, dass ich mich, anstatt sie vor einem wildgewordenen Schimpansen zu retten, lieber an einem kleinen Bäumchen festgeklammert habe..
Wir können noch ein paar weitere Fotos von auf dem Boden sitzenden Schimpansen machen, während unser Guide wiederholt zum Aufbruch drängt. Schließlich denken wir, dass dieses Erlebnis schwer zu toppen ist und folgen ihm zurück zum Headquater. Insgesamt waren wir nun doch fast drei Stunden direkt bei den Schimpansen gewesen, das entschädigte für vieles. Ob das die Regel bei einer Habituation ist, wage ich aber zu bezweifeln.. wir waren nur vielleicht etwas renitenter (obwohl das definitiv nicht mein Naturell ist – außer ich fühle mich wirklich verarscht).
Was für ein nervenaufreibender Tag, in negativer und positiver Hinsicht..
Mir ist klar, dass Habituation Habituation heißt. Eine derartige Habituierung ist somit sicher grundsätzlich auch eine spannende Angelegenheit, jedoch nicht das, was (a) von UWA und Safarianbietern beworben wird, (b) nicht das, was von den Touristen erwartet und (c) auch nicht das, was tatsächlich durchgeführt wird.. Wir waren erst relativ spät unterwegs und haben nach der ersten "Sichtung" das tatsächliche Suchen aufgegeben und nur darauf gewartet, zu den anderen Schimpansen gehen zu dürfen. Tatsächlich bis zum Sonnenuntergang Schimpansen suchen stand nie zur Debatte. Aus Berichten anderer Reisender nach uns erfuhren wir, dass die wohl die zum damaligen Zeitpunkt neue Masche war. Ich habe absolut nichts dagegen, dass es normales Tracking und Habituation gibt, dann soll es aber auch korrekt beworben und durchgeführt werden..
Was somit extrem stört sind einfach die Begleitumstände, d.h. die nicht vorhandene Kommunikation was wann warum gemacht wird und das leichte Gefühl der Verarsche. Es kann ruhig weiterhin Chimp Habituation Experience geben, dann sollte jedoch (a) klar kommuniziert werden, dass die Sichtungschancen nahe Null sind. (b) auch tatsächlich den ganzen Tag nach Schimpasen gesucht werden und (c) der Preis im Verhältnis zum normalen Tracking angepasst werden. So wie es zu unserer Zeit (und scheinbar weiterhin) offenbar praktiziert wird, sucht man für ca. 1 Stunde erst tatsächlich Schimpansen, um dann den halben Tag im Wald zu warten, bis man gnädigerweise einen Slot für den Besuch der alten Gruppe bekommt, danach geht es nach Hause. Tatsächlich "tracken" oder "habituieren" tut man, anstatt den ganzen Tag, ne Stunde lang..
Zurück im Kibale Forest Camp sind wir platt aber glücklich. Nachdem wir uns Schlamm, Schweiss und diverse Schimpansenkörperflüssigkeiten vom Körper geduscht haben, stoßen wir mit einem Nile Special auf das Erlebte an. Eine Grupe Anubispaviane können wir dabei von unserer Zeltterasse aus beobachten. Irgendwann machen wir uns kurz auf, sie noch genauer zu fotografieren, da sie zum Teil sehr fotogen sitzen.
Besonders amüsant fanden wir einen Pavian, der es sich auf der Treppe vor einem anderen Zelt bequem gemacht hatte – passenderweise das Zelt mit dem Namen "Baboon".
Irgendwann kam der Bewohner des Zelts und war alles andere als erfreut, einen Pavian auf seiner Zugangstreppe sitzen zu sehen. Meine Bemerkung, dass das sein Zelt sei, schließlich stünde "Baboon" drauf, fand er irgendwie nicht witzig. Wir stellten fest, dass es einer der Stuttgarter war, die wir in Entebbe getroffen hatten, der jedoch noch etwas sehr viel Respekt vor der afrikanischen Umwelt hatte.. Auf die Information hin, dass der Pavian sofort fliehen würde, sobald er sich näherte, wollte er nicht so recht glauben und ging lieber wieder zurück zur Rezeption. Dem Pavian war der ganze Auflauf irgendwann zu viel geworden und er verzog sich freiwillig.. 🙂
Teil 1426. Apr. 2020
Tag 10 03.03. Queen Elizabeth NP Queen Elizabeth Bush Lodge Gefahrene KM: 155
Heute hatten wir nur eine verhältnismäßig kurze Entfernung zum Queen Elizabeth NP zurückzulegen. Aus diesem Grund entschieden wir uns dazu, nach dem Frühstück den Bigodi Swamp aufzusuchen und dirt eine Tour zu buchen. Das Bigodi Wetland Sanctuary ist ein kleines geschütztes Sumpfgebiet, ca. 5 Kilometer vom Kibale Forest NP entfernt. Es handelt sich um eine Community Tourism Initiative, bei der einheimische Guides Walks durch und um den Sumpf anbieten. Zu erwarten sind primär Vögel, Schmetterlinge und vielleicht de rein oder ander Affe.
Wir fuhren zum Visitor Center (direkt an der Hauptstraße zum Kibale NP) und konnten sogleich mit einer sehr netten und kompetenten Führerin loslegen.
Der Weg ist größtenteil flach und schön angelegt. Es geht primär um den Sumpf herum, teilweise auf Stegen etwas hindurch. Da wir aufgrund ausgedehnterem Frühstücks etwas später losgekommen waren, hatten wir zwar nicht mehr die optimale Zeit für Vögelbeobachtung, sahen jedoch dennoch jede Menge. Leider war es wieder bedeckt, jedoch regnete es nicht.
Sehr gefreut haben wir uns über die Sichtung eines Ross Turoco (mal wieder einer dieser Vögel, die man zuerst im Führer sieht und hofft, sie einmal live zu sehen). Leider war er zu schnell für die schlechten Lichtverhältnisse im dunklen Geäst – es gibt also nicht mehr als ein Nachweisfoto..
Auf der anderen Seite des Weges befinden sich teilweise Felder, auf denen Leute arbeiten und u.a. Kaffee in kleinem Stil angebaut wird.
Wir sehen einige Red-Tailed Monkeys / Rotschwanzmeerkatzen, leider sind sie recht scheu und flink 🙂
Nach einem Brillenweber..
.. sehen wir ein paar "gewöhnliche" Grünmeerkatzen. Mit so schöner Szenerie findet man sie jedoch im südlichen Afrika eher selten.
Auf einer Palme futtern ein paar leider ebenfalls recht scheue Grauwangenmangaben.
Kurz darauf stoßen wir auf einige Red Colobus Monkeys.
Auch Vögel gibt es weiterhin in größerer Anzahl.
(Grey-throated Flycatcher / Graukehlschnäpper)
(Woodland Kingfisher)
Wir sehen einen weiteren Trupp Rotschwanzmeerkatzen.
Ein Heer von Safariameisen befindet sich offenbar gerade im Umzugsstress.
Nach knappen drei Stunden sind wir wieder zurück am Auto. Wir erstehen ein paar Souvenirs, die von den Frauen der Umgebung hergestellt wurden und im Headquater der Community verkauft werden, dann geht es auf den Weg über Fort Portal Richtung Süden. Die Straße ist zunächst gut, der Verkehr Richtung Kasese ist jedoch relativ stark. Je näher wir Kasese kommen, desto schlechter wird die Straße. Bald besteht sie aus mehr Schlaglöchern als Teer. Dieser Umstand und der Verkehr lassen nur ein langsames Vorankommen zu.
Erst als wir Kasese weit hinter uns gelassen haben, wir es langsam besser. Wir durchqueren einen Teil des Parks, überqueren den Kanzinga Channel und biegen schließlich zu unserer Unterkunft, der Queen Elizabeth Bush Lodge ab. Wir hatten dort zunächst ein einfaches Zelt gebucht (aus Kostengründen), meine Eltern ein besseres (aus Bequemlichkeitsgründen). Wir fragten nach einem möglichen Upgrade und erhielten zu einem fairen Aufpreis zwei tolle Zelte direkt nebeneinander, auf einer Plattform verbunden. Vom Zelt aus sah man in eine kleine Bucht des Kazinga Channels. Die Lodge ist oberhalb des Channels angesiedelt und liegt ca. 50 Meter oberhalb des Ufers. Wir wurden gebeten, uns nachts nicht alleine vom Zelt wegzubewegen, da oft Hippos zwischen den Zelten grasen würden.
Da es nunmehr bereits späterer Nachmittag war, beschlossen wir, auf einen Game Drive zu verzichten und lieber immer drängender werdendes Problem mit unserem Auto in Ruhe anzugehen. Ich hatte bereits erzählt, dass der Verbrauch mit ca. 16-17 Litern extrem hoch war. Dies hatten wir zwischenzeitlich immer exakter versucht zu verifizieren und mögliche Ursachen herauszufinden. Da das erfolglos war, kontaktierten wir schließlich Douglas und schilderten unser Problem. Er sicherte zu, nachzuforschen und sich um das Problem zu kümmern und sich nochmal zu melden.
Den weiteren Nachmittag verbrachten wir entspannend auf unserer Terasse. Das Abendessen wurde auf einer großen Wiesen eingenommen, sämtliche Tische waren angenehm weit auseinander platziert, so dass man ein angenehmes Wildnisgefühl dabei hatte. Zurück zum Zelt ging es dann nur nach vorheriger Anmeldung und unter Aufsicht – für uns etwas ungewohnt.
Teil 1502. Mai 2020
Tag 11 04.03. Queen Elizabeth NP Queen Elizabeth Bush Lodge Teil 1 Gefahrene KM: 106
Die Nacht war erholsam, jedoch ging es auch heute bereits vor Sonnenaufgang wieder zum Frühstück, um so früh wie möglich den Park erkunden zu können. Um den Park erkunden zu können, mussten wir jedoch zunächst zum Headquater fahren, um unsere Permits zu lösen. Dieses befand sich einige Kilometer südlich der Lodge, die besten Game Drive Gebiete jedoch Richtung Nordosten. Wir fuhren daher zunächst zum Headquater, wo ich die Aufgabe übernahm, uns Permits im Gebäude des UWA zu besorgen. Dies war leichter gesagt als getan, da immer wieder Guides von geführten Touren versuchten, sich vorzudrängen bzw. offenbar das Gefühl hatten, hier Sonderrechte zu haben. Dieses Verhalten konnten wir während der Tour mehrfach beobachten. Guides nahmen sich hier regelmäßig Sonderrechte aus, nicht nur an Gates etc.. Irgendwann hatten wir jedoch auch unsere Permits und noch dazu eine hübsch gemachte Karte des Parks erstanden und konnten uns wieder auf den Rückweg nach Norden, über den Kazinga Channel und zu den Kasenyi Plains machen.
Dabei handelt es sich um eine große grasbewachsene Ebene, die mit einzelnen Bäumen und mehreren Meter großen Euphorbien bestanden war.
Als wir dort ankamen, war es inzwischen hell geworden, jedoch verbarg sich die Sonne hinter dichten Wolken. Wir sahen zunächst vor allem einige Vögel.
(Pin-tailed Whydah / Dominikanerwitwe)
(White-browed Coucal / Weißbrauenkuckuck)
(Red-Necked Francolin / Rotkehlfrankolin)
(Palm Nut Vulture / Palmgeier (juv.)? Ich hatte den Vogel bisher als "unidentifiziert" getaggt, da fiel mir gerade die Ähnlichkeit mit einem Palmgeier auf.. Wäre für uns demnach eine neue Erstsichtung 🙂 ).
(irgendeine Lerche?)
Nach circa einer Stunde sahen wir dann auch die ersten Säugetiere des Tages in Form von Wasserböcken.
Kurz darauf ging es mit Vögeln weiter. Auf einer großen Euphorbie hielt ein weiterer Greifvogel Ausschau. Bisher ebenfalls (vermutlich aus Faulheit beim erstmaligen taggen) als "unidentifiziert" getaggt, dürfte es sich m.E. dabei wahrscheinlich um einen Brown Snake Eagle handeln (?).
Im Gras erspähen wir eine/n Yellow-throated Longclaw / Gelbkehlpieper.
Wir kurven weiterhin auf verschiedenen Loops in der Gegend herum. Die Wege sind hier teilweise in einem katastrophal schlechtem Zustand und unglaublich ausgewaschen / ausgefahren. Es gilt ständig tiere Gräben oder Löcherr zu überwinden. Glücklicherweise hat es bisher nur leicht geregnet, so dass der zugrundeliegende Black Cotton Soil noch bretthart ist. Gleichwohl kommt man nur sehr langsam vorwärts.
In der Ferne sehen wir ein paar Warzenschweine, schließlich treffen wir noch auf eine Handvoll Büffel.
Hier zeigte sich sogar für einige Sekunden die Sonne! Leider verzieht sie sich recht bald wieder, dafür treffen wir nun auf eine Herde Uganda Kobs und einen Kronenkiebitz.
Irgendwann wird es Mittag und wir haben keine Lust mehr, uns auf den schlechten Wegen durchs Nichts zu schaukeln. Wir fahren zurück zur Hauptstraße und nehmen den Weg Richtung Mweya Halbinsel unter die Räder. So wirklich überzeugt sind wir bisher vom Park nicht.
Auf dem Weg nach Westen kommen wir einige Blicke in ein paar interessante Krater werfen, ganz unten sehen wir einige Büffel.
Wir überlegen kurz, den Crater Drive zu fahren, brechen dieses vorhaben jedoch nach wenigen Metern ab, da der Weg ebenfalls in extrem schlechtem Zustand ist und wir schlicht keine Lust mehr auf viele weitere Kilometer anspruchsvolle Strecke mehr haben. Wir fahren stattdessen bis zur Mweya Lodge um eine Bootstour auf dem Kazinga Channel zu buchen und uns nach einem Mittagsessen umzusehen.
Auf dem Weg dorthin erblicken wir unseren ersten Crested Eagle / Schopfadler und einen Zwergspint.
An der Mweya-Lodge lösen wir einmal mehr unser Benzinverbrauchsproblem, können eine Bootstour für den Nachmittag buchen und uns zum Lunch auf die Terasse begeben und dort mit Blick auf den Channel und einige Elefanten ein annehmbares Mal einnehmen.
Teil 1602. Mai 2020
Tag 11 04.03. Queen Elizabeth NP Queen Elizabeth Bush Lodge Teil 2
Während des Essens treffen die unsere amerikanische Chimp Habituation Bekanntschaft wieder und beobachten zwei jüngere Franzosen, die allein während unseres Lunches mehrere Biere runterstürzen. Insgesamt hinterlässt das Publikum zahlreicher geführter Touren bei uns ein etwas gespaltetenes Gefühl was Auftreten und Verhalten anbelangt. Obs am Geld liegt oder was auch immer, insgesamt kommen wir in Uganda für uns erstmals mit dieser Art von Reisenden in Berührung. Gefühlt gilt: je teurer die Unterkunft oder exklusiver die Agentur, desto mehr unmögliche Kunden. Mein Beileid für die Guides.. Ich gehe davon aus, dass wir das in Tansania noch viel stärker hätten erleben dürfen, wenn uns Corona nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Es bestärkt uns auf jeden Fall darin, dass die Entscheidung, selbst zu fahren, richtig war.
Nach dem Essen geht es eine steile Abfahrt hinunter zum Anlegesteg. Dort gibt es zwei Boote, ein gewöhnliches und ein etwas schickeres mit Sesseln etc. das offenbar für die Gäste der Lodge ist. Geschwindigkeit, Route und Zeiten sind aber absolut identisch. Vor dem Ablegen beobachten wir, wie die beiden Franzosen vom Mittagsessen das andere Boot besteigen und feststellen, dass es an Bord offenbar kein Bier gibt. Der Guide wird herbeigerufen, das Problem erörtert und der Guide macht sich auf den Weg, um für seine Gäste noch mehr Bier für die Bootstour zu besorgen..
Schließlich geht es für alle los auf den Kazinga Channel. Der Channel ist eine ca. 32km lange, natürliche Verbindung zwischen den beiden Seen Lake George und Lake Edward und verfügt zum Teil über recht steile Ufer, lediglich an einigen Stellen sind sie etwas flacher. Bereits von Oben konnten wir während des Essens beobachten, dass einige Elefanten im und am Wasser zugegen waren.
Leider ist es weiterhin bedeckt und das Licht eher subotopimal. Unsere Hoffnung, etwas Wasser-Action zu erleben erfüllt sich leider nicht, die Elefanten stehen nur rum um sich ihre Füße abzukühlen. Den kühlenden Effekt des Wassers sowie seine atemberaubende Wirkung auf Zecken nutzen auch zahlreiche Büffel, die im Wasser liegen.
Zudem wimmelt es am Ufer von verschiedensten Vögeln.
Besonders freuen wir uns darüber, Scherenschnäbel erstmalig in Natur zu sehen und bei ihren Flugmanövern beobachten zu können.
Auf einem Baum am Ufer sitz ein Fish Eagle Paar, am Ufer selbst ein Hammerkopf.
Selbstverständlich zeigen sich auch wieder jede Menge Hippos.
Schließlich nähern wir uns einem Dorf am Ende des Kanals zum Lake Edward hin.
Der gesamte Park kann wohl als eine Art Blaupause für das Miteinander von Wildlife und einheimischer Bevölkerung angesehen werden. Er ist umgeben von Orten und Dörfen, auch innerhalb des Parks gibt es Dörfer. Zäune gibt es keine. Die Probleme sind daher, vor allem aufgrund Bevölkerungswachstums, naturgemäß vielfältig. Gleichwohl dürfte dieser Ansatz eines "Miteinanders" auf Dauer wohl der einzig sinnvolle sein.
Hinter dem Dorf warten erneut Unmengen von Vögeln auf bessere Zeiten.
Sehr erfreut sind wir darüber, zum ersten Mal Pelikane in freier Wildbahn vorzufinden (ja ich weiß, die gibts durchaus öfters mal irgendwo).
Es zeigen sich weitere Hippos und schließlich einige mächtige Krookodile.
Schließlich geht es mit Volldampf voraus zurück zum Anleger. Unterwegs zeigen sich noch einige Vögel über dem Wasser.
Zurück an der Mweya Lodge finden wir dort eine Gruppe Streifenmangusten umherwuseln, einige besendert. Dabei scheint es sich um die "Hausherde" zu handeln.
Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße wählen wir den Weg direkt oberhalb des Channels. Wir verbringen einige Zeit bei einer Gruppe Anubispavianen.
Auch vogeltechnisch gehen wir nicht leer aus. Wir sehen einen Speckled Mousebird..
.. und einen White-fronted Bee-Eater.
Eine Grünmeeratze zeigt sich etwas scheu.
Kurz vor der Straße treffen wir schließlich noch auf eine kleinere Elefantenherde, die wir einige Zeit beobachten können.
An einigen Stellen hat die Wolkendecke aufgerissen und so können wir einen freien Blick auf die Gipfel der Ruwenzori-Berge werfen. Sie sind recht nah am Park, stehen aber leider aus Zeitgründen nicht auf unserer Route. Ein längerer Besuch dort steht jedoch auf der Afrika-To-Do-Liste weit oben.
Es ist schließlich fast 18:00 Uhr, als wir wieder in der Lodge ankommen. Kurz darauf erhalten wir die Mitteilung von Douglas, das etwas mit unserem Auto definitiv nicht in Ordnung sei, wahrscheinlich liege ein Motorproblem vor. Wir sollen ein Austauschfahrzeug erhalten. Dafür wird ein Mitarbeiter sich am nächsten Morgen in Kampala auf den Weg machen, um uns das Fahrzeug vorbeizubringen.
Teil 1706. Mai 2020
Tag 12. 05.03. Queen Elizabeth NP Queen Elizabeth Bush Lodge Gefahrene KM: 48
Da unser Austauschwagen erst morgens in Kampala losfuhr und somit frühestens am frühen Nachmittag zu erwarten war, versuchten wir heute Morgen erneut unser Glück in den Kasenyi Plains östlich der Durchfahrtsstraße. Wie bereits am Tag zuvor, war es eher bedeckt und grau, jedoch sah man nun mehr von den Ruwenzori-Bergen im Hintergrund. Diese waren nahezu komplett wolkenfrei – offenbar auch ein eher seltener Anblick.
Auf der Basis unserer Erfahrungen von Gestern versuchen wir diesmal die Loops zu erwischen, wo wir mehr Tiere vermuteten. Dieser Plan schein auch aufzugehen. Bereits kurz nach dem Start können wir eine größere Herde Uganda Kobs in der Nähe beobachten.
Kurz darauf treffen wir auf einen Wasserbock..
... und eine Fakir-Grünmeerkatze.
Es dauert nicht lange, da stoßen wir auf die nächste Gruppe Uganda Kobs.
Es ist schon faszinierend, dass es je nach Region immer wieder Antilopenpopulationen in Massen gibt, die es anderswo fast nicht gibt (Springböcke, Kobs, Grant's, Thomson..), während andere Tiere überall in afrikanischen Savannengebieten vorzukommen scheinen. Eine dieser überall vorkommenden Gestalten dürfen wir kurz darauf beim Abschälen von Rinden beobachten. Es ist faszinierend zu sehen, mit welche Filigranität Äste abgebrochen werden und dann peu à peu drehend durch den Mund geschoben werden um die Rinde mit den Zähnen zu entfernen.
Wie man sieht, versucht die Sonne teilweise, die Wolkendecke zu durchdringen, wenn auch nur mäßig erfolgreich.
Nach einem Rotkehlfrankolin...
... sehen wir in einiger Entfernung 2 oder 3 Autos stehen. Insgesamt kamen uns an den beiden Tagen jeweils nur eine Handvoll Autos entgegen, meistens hatte man die Wege für sich. Entweder weil wir die falschen Wege fuhren, oder weil nicht so viel los war.. (Das werden wir wohl nie herausfinden) Da musste eine derart große Ansammlung von Fahrzeugen doch etwas bedeuten.
Tatsächlich liegen nahezu direkt neben dem Weg zwei Löwinnen im hohen Gras – unglaublich gut getarnt. Wenn die Fahrzeuge nicht dort stehen würden, hätte man ohne Bewegungen wohl keine Chance, sie alleine zu finden.
Man sieht sie (jedenfalls aus unserer Sitzhöhe) auch fast nur, wenn man unmittelbar daneben steht. Die anderen Fahrzeuge mit Hubdach haben da zweifellos einen nicht unerheblichen Vorteil. Da wir nur unmittelbar davor etwas sehen können, dann aber allen anderen die Sicht versperren und nun einige weitere Fahrzeuge nahen, lassen wir die Löwinnen in Ruhe und fahren ohne weitere besondere Sichtungen langsam wieder zurück Richtung Lodge. Immerhin hatten wir das Thema "Löwen" nun für diesen Urlaub abgehakt. Für meine Eltern war die Sichtung allein aufgrund der geringen Entfernung als Erstsichtung eindrücklich genug 🙂
Zurück in der Lodge räumen wir das Auto leer und warten auf unser neues Auto, welches sich irgendwann per SMS ankündigt. Wir erhalten einen neueren Toyota Forerunner mit offenbar besserem Motor und Automatik – beides nicht verkehrt. Leider stellte sich bei diesem Fahrzeug recht bald heraus, dass das Schloss der Heckklappe so gut wie nicht funktioniert.. Das war allerdings auch beim vorherigen Fahrzeug schon immer wieder problematisch, so dass wir auch dort immer wieder Sachen von Innen aus dem Kofferraum holen mussten. Die Mechanik des Forerunners ist leider überhaupt nicht für den staubigen afrikanischen Alltag ausgelegt.
Nach Angaben des Fahrers, der seit dem Morgengrauen unterwegs war und nunmehr alles wieder zurückfahren musste, sei der neue Wagen anonsten einwandfrei. Mit Blick auf die vor uns liegenden schwierigen Etappen über möglicherweise schlammige Pisten im Bwindi NP blieb uns nichts übrig, als zu hoffen, dass wir dem Fahrzeug vertrauen können.
Da der Nachmittag bereits angebrochen war, das Licht weiterhin nicht optimal war und unsere bisherigen Sichtungen eher mau waren, verzichteten wir auf einen Abend Game Drive und entspannten stattdessen in der Hängematte und versuchten Vögeln nachzustellen. Aus irgendeinem Grund sind sie alle nicht getaggt bei mir – diesmal also leider ohne Namen.
Teil 1807. Mai 2020
Tag 13 06.03. Bwindi NP Buhoma Community Rest Camp Gefahrene KM: 137
Der Plan für den heutigen Tag sah vor, dass wir gemütlich durch den Ishasha Sektor des Parks fahren um von dort bis nach Buhoma vordringen zu können, dem Start-Ort unseres Gorilla-Trekkings. Da wir nicht wussten, was uns unterwegs erwarten würde und auch das Wetter wie die letzten Tage eher unbeständig aussah, wollten wir nichts riskieren und entschieden uns gegen ein Ausschlafen (aber dennoch deutlich später als die Tage vorher). Nach dem Frühstück gingen wir zurück zu unseren Zelten, um uns für die Abreise fertig zu machen.
Kaum waren wir angekommen, sahen wir direkt vor dem Zelt ein Hippo den Weg entlang marschieren – da waren die Warnungen zu Beginn unseres Aufenthalts wohl nicht so ganz übertrieben gewesen.. Was uns überraschte, war der extreme Geruch der von dem Tier ausging – es war über 20 Meter weit gut erriechbar 🙂
Schließlich machten wir uns auf Richtung Südwesten. Die Strecke ist wunderschön, die Piste in gutem Zustand. Es war hier eindeutig grüner als in anderen Ecken des Parks.
Immer wieder sahen wir – noch vor dem offiziellen Beginn des Ishasha Sektors – Tiere von der Straße aus.
Eine Gruppe Paviane nahm die gesamte Straße in Beschlag, räumte sie jedoch nach einiger Wartezeit (und dem Vorbeipreschen eines anderen Fahrzeugs).
Wir sehen einen Crested und einen Snake Eagle.
Im Ishasha-Sektor angekommen, hoffen wir auf etwas Glück mit Baumlöwen. Wir sehen eine Herde Uganda Kobs.
Auch die Vogelwelt zeigt sich ergiebig.
Leider ist ein Pavian das einzige, was wir in einem Baum liegend finden.
An einer Kuppe sehen wir zwei LKW stehen. Beim Näherkommen sehen wir, dass hier zwei LKWs offenbar eine Frontalkollission hatten und jeweils in den Graben an der Seite gerutscht waren. Da haben sich zwei Fahrer offenbar genau den richtigen Punkt für das Passieren ausgesucht.. Einer der Fahrer ist vor Ort und passt auf seinen Wagen auf. Der Unfall war bereits vor einigen Tagen, jetzt warten sie auf einen Traktor, der sie aus dem Graben zieht. Wir können leider nur mit einer Flasche Wasser und ein paar Keksen aushelfen.
Kurz darauf verlassen wir den Park ohne weitere Löwensichtung. Wir fahren in die Stadt Kihihi, tanken (man weiß ja nie) und stocken unseren Vorrat an Snacks und Getränken auf. Anschließend geht es auf roter Lehmpiste immer weiter Richtung Süden und bergauf. Die Straße ist zum Teil relativ schlecht und steinig, aber glücklicherweise ist alles trocken.
(schlechtes Beispielfoto - hier ist sie noch in Ordnung)
Irgendwann werden wir von ein paar Kindern aufgehalten, die uns ein Dreihornchamäleon vor die Nase halten und verlangen, dass wir es fotografieren und ihnen Geld dafür geben. So gerne wir ein derartiges Tier zu sehen bekommen wollten, so wenig wollen wir derartige Tätigkeiten - vor allem von Kindern - unterstützen. Wir schaffen es schließlich, sie abzuwimmeln und fahren weiter bergauf.
Schließlich kommen wir in Buhoma an. An der Hauptstraße reihen sich Souvenirshops aneinander. Wir fahren durch denn gesamten Ort, unser Ziel ist das Community Rest Camp nahezu direkt neben dem Headquater. Buhoma ist mit Sicherheit der touristischste aller Tracking-Orte. Hier gab es die ersten Möglichkeiten des Trackings und gegenwärtig die meisten Gruppen. Er ist aber relativ gut an Teerstraßen angebunden und vom QENP relativ schnell erreichbar. Hinzu kommt, dass es eine größere Auswahl an bezahlbaren Unterkünften gibt. Da wir wussten, dass wir zu Beginn der Regenzeit unterwegs sein würden, wollten wir hier Risiken minimieren und haben daher Buhoma als Startort ausgewählt – insgesamt keine verkehrte Wahl würde ich sagen.
Am Community Rest Camp lässt sich unser Kofferraum nicht öffen und wir mühen uns ab, unsere Taschen über die Rückbank aus dem Auto zu holen. Das Rest Camp besteht aus Hütten und Zelten, die an einem steilen Hang gelegen sind. Der Blick geht auf den gegenüberliegenden Urwald-Hang. Von hier sieht der Wald unglaublich beeindruckend und undurchdringlich aus. Wir sind definitiv nachhaltig beeindruckt. Genau so waren unsere Vorstellung von einem Bergnebelwald.
Obwohl wir meiner Erinnerung nach ein einfaches Zelt gebucht hatten, erhalten wir ein Upgrade für feste Hütten mit kleiner Terasse. Dort machen wir es uns gemütlich, erledigen Backups und beobachten die Vogelwelt.
Immer wieder sieht man in einiger Entfernung Affen, die sich jedoch nur mit dem Fernglas erkennen lassen. Ein L'Hoest-Monkey läuft direkt an unseren Hütten vorbei, jedoch leider zu schnell für ein Foto. Schade, von dieser interessant aussehen Art hätte ich gerne ein Foto gehabt.
Das Essen wir in einem zum Hang in offenen großen Raum eingenommen, der tolle Blicke auf den Wald bietet.
Unser Gastgeber ist sehr um seine wenigen Gäste bemüht, lässt sich von uns unsere Permits zeigen und lässt sich nicht davon abbringen, uns morgen früh zum Headquater zu begleiten und bei den Formalia zu unterstützen. Da die Frage, welche Gruppe die beste zum Tracken ist, ja immer wieder diskutiert wird und von vielen verschiedenen subjektiven Faktoren abhängt, ist uns eigentlich egal, welche Gruppe wir bekommen. Wir bekommen mit, dass heute eine Gruppe insgesamt über 10 Stunden unterwegs war und hoffen, dass es bei uns nicht ganz so schlimm wird. Wir sind zwar relativ fit, aber beim Anblick der steilen Hänge und des dichten Bewuchses braucht man jetzt nicht unbedingt eine 10-Stunden-Tour..
Schließlich wird der Rucksack für Morgen präpariert und die Frage, was an Kameraausrüstung mitgenommen werden soll, entschieden. Die Überlegung, dass 100-400mm im Camp zu lassen wurde verworfen – rückblickend betrachtet zum Glück 🙂 Schließlich ist es irgendwann Zeit zu schlafen. Obwohl das Tracking für uns anfangs nicht ausschlaggebend war für ein Tour nach Uganda und wir sogar überlegten, es auszulassen, ist jetzt Vorfreude und Aufregung doch ziemlich hoch.
Teil 1918. Mai 2020
Tag 14 07.03. Bwindi NP Buhoma Community Rest Camp – Gorilla Trekking Teil 1/3 Gefahrene KM: 51
In der Nacht wachen wir wieder einmal von prasselndem Regen auf. Bei jedem Blick auf die Uhr und dem trotz sich nähernder Aufstehzeit anhaltenden Regen kommen schon schlimmste Befürchtungen auf. Ein Tracking im strömenden Regen ist naturgemäß nicht das, was man sich erhofft. Als wir schließlich aufstehen und zum Frühstück schreiten, regnet es nur noch leicht. Kurz darauf fahren wir zum Headquater, da wir nicht wissen, ob wir unser Auto benötigen oder nicht. Unser Gastgeber erwartet uns dort bereits und zeigt uns, wo wir uns eintragen müssen.
Alle Formalia sind schnell erledigt, dann werden wir nach Namen aufgerufen und verschiedenen Gruppen zugeteilt. Wir dürfen die Mubare Gruppe besuchen, die älteste bereits habituierte Gruppe, die sich dem Vernehmen nach meistens eher in der Nähe von Buhoma aufhält. Die Gruppe war einst bis zu 18 Mann stark, nach dem Tod des ehemaligen Silberrückens Ruhondeza und Auseinandersetzungen mit anderen Gruppen befanden sich zwischenzeitlich nur noch 5 Tiere in der Gruppe. Der Sohn des ehemaligen Silberrückens, Kanyonyi, hatte es jedoch geschafft, die Gruppe wieder auf 11 Mitglieder anwachsen zu lassen, darunter drei Jungtiere. Leider war Kanyoniyi wenige Monate zuvor bei einer Auseinandersetzung mit einem anderen Silberrücken, Malaya, immer stärker verletzt, so dass er schließlich verstarb. Kurz vor unserer Reise bestand die Gruppe nur noch aus wenigen Tieren, die von einem Weibchen angeführt wurden, während der Angreifer Malaya sich einige Weibchen „gesichert“ hatte. Zwischenzeitlich ist er offenbar als Silberrücken der Mubare Gruppe etabliert. Diese Informationen erhielten wir leider nicht vor Ort bzw. während des Trackings, sondern erst im Nachhinein übers Internet.
Ein Blick zu den verschiedenen anderen Gruppen und Teilnehmern zeigt eine sehr große Bandbreite an Alter, äußerlich einschätzbarer Fitness und Ausrüstung. Auch einige Gäste mit Turnschuhen und Jeans sind zu sehen. Zu unserer Gruppe gehört noch ein israelisches Ehepaar um die 40 sowie ein amerikanisches Ehepaar um die 60. Die erste Einschätzung ergibt, dass wir vermutlich wenigstens nicht das schwächste Glied der Kette sein dürften.
Jede Gorillagruppe wird vorab von einer Gruppe Trackern gesucht, die ausgehend von der letzten bekannten Position am Tag zuvor möglichst früh am Tag die Gruppe zu finden und die Gäste samt Guide dorthin zu lotsen. Wir erfahren von unserem Guide, einem noch recht jungen aber sehr sympathischen Kerl, dass wir zunächst einige Kilometer bis zum optimalen Startpunkt fahren müssen. Als er nach den jeweiligen Fahrern unserer Gruppe frägt, stellt sich heraus, dass nur das amerikanische Ehepaar über einen Fahrer verfügt. Das israelische Ehepaar hatte sich lediglich in Buhoma absetzen lassen. Ein leichter Anflug von Panik überkommt unseren armen Guide, bis wir ihm klarmachen können, dass wir auch ohne Fahrer über einen fahrbaren Untersatz verfügen.
So landen Guide und die beiden anderen Ehepaare im ausreichend dimensionierten Landcruiser der Amerikaner, während wir den Auftrag erhalten, ihnen zu folgen.
Was nun folgt, ist eher als Rallye denn als normale Fahrt zu einem Startpunkt zu bezeichnen. Unser Vordermann heizt derart über die schlechte, kurvige und steile Piste, dass wir große Mühe haben, ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Es geht zunächst talabwärts und schließlich nach Osten in Richtung Ruhija. Aufgrund des nächtlichen Regens ist die Straße ziemlich nass, aufgrund zahlreicher großer Steine aber weiterhin griffig. Es ist wirklich verdammt anstrengend und erfordert höchste Konzentration, in dieser Geschwindigkeit über die Piste zu heizen.. Auch wenn ich nicht leugnen kann, dass es durchaus Spaß macht, wäre hier etwas mehr Rücksicht auf Seiten des anderen Fahrers vielleicht besser gewesen, zudem zieht sich die Strecke ganz schön.
Am Ende sind wir fast 25 Kilometer weit gefahren, dann zeigt ein Arm aus dem vorderen Auto auf eine extrem steile, extrem ausgewaschene Auffahrt rechter Hand.
Dieses Bild ist am nächsten Tag entstanden und zeigt leider die Steilheit nur bedingt. Hinzu kam noch eine nicht unerhebliche Stufe, die links gut zu sehen ist. Eine Anfahrt mit Schwung war nicht wirklich möglich, da sich die Abfahrt in einer Kurve befindet, so dass man etwas rangieren muss, um sie überhaupt zu treffen.. Es war somit Zeit, die Untersetzung zum ersten Mal zuzuschalten. Wir schafften die Auffahrt ohne größere Probleme im ersten Anlauf. Anschließend ging es noch ein paar Kilometer über einen kleineren Feldweg bis zu einer Lichtung im Wald, der hier eher europäischen Kiefernwäldern ähnelte.
Die Aussicht war jedoch überragend. Wie man sieht, hatte sich der Regen inzwischen vollkommen verzogen und es versprach ein sonniger Tag zu werden.
Vor Ort wartete bereits ein Soldat, welcher uns wegen der Nähe zum Kongo beschützen sollte und ein Haufen Träger. Meine Fahrkünste wurden sowohl vom Guide der Amerikaner als auch unserem heutigen Guide bewundernd gelobt.. So schön es zwar ist, im Ansehen zu steigen, so lieber wäre es mir ehrlich gesagt gewesen, die Strecke in "normalem" Tempo ohne unglaubliche Anspannung zurückzulegen..
Wir engagieren jeder einen Träger, weniger aus Notwendigkeit denn als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und um niemanden zurücklassen zu müssen. Auch wenn man sich als eigentlich fitter Mensch westlicher Prägung etwas komisch dabei vorkommt, dass jemand einem seine Sachen hinterher trägt, erscheint das Programm doch verdammt sinnvoll zur Einbindung der lokalen Bevölkerung. Das Geld landet schließlich direkt in den Taschen der Träger und damit vor Ort, was bei den vielen Geldern für Permits eher fraglich ist..
Nun geht es auf einem kleinen Pfad in den Wald, der zunehmend dichter wird. Irgendwann gibt es keinerlei Weg mehr und wir schlagen uns talauf, talab durchs Gestrüpp.
Leider entpuppen sich unsere amerikanischen Begleiter nur als mäßig fit. Sie schnaufen wie die Walrösser und die Erschöpfung ist ihnen bereits nach wenigen Minuten sichtlich anzusehen. Wir machen viele Pausen und warten, während die Träger sie so gut wie möglich unterstützen. Insgesamt warten wir sicher mindestens so lang, wie wir gehen. Irgendwann kommt die Meldung per Funk, dass die Tracker die Gorillas gefunden hätten, jedoch an etwas anderer Stelle als zunächst vermutet. Wir müssen also nochmal ein gutes Stück weiter als gedacht.
Doch irgendwann haben auch das alle geschafft und wir sehen die Tracker im Wald vor uns. Insgesamt hatte unsere Suche keine zwei Stunden gedauert – nicht auszudenken, wie schwer sich unsere Begleiter bei einer größeren Entfernung getan hätten..
Teil 2018. Mai 2020
Tag 14 07.03. Bwindi NP Buhoma Community Rest Camp – Gorilla Trekking Teil 2/3
Wir müssen nun unsere Rucksäcke zurücklassen, bepacken uns mit Kameras und gehen die letzten Meter zu einem Gestrüpp. Wir sehen zunächst überhaupt nichts, erst als sich etwas bewegt erkennen wir knappe 10 Meter entfernt einige schwarze Gestalten im Gebüsch. Wir können sie ganz gut beobachten, das Fotografieren gestaltet sich jedoch aufgrund der vielen Äste und Zweige und des wenigen Lichts ganz unten im Gebüsch als nochmals wesentlich herausfordernder und frustrierender als erwartet. Ein scharfes Foto will anfangs irgendwie überhaupt nicht gelingen..
Wie jedermann hatten wir gehofft, die Gorillas in etwas offenerem Gelände zu sehen, dass sie so sehr versteckt waren, war wohl etwas Pech. Dafür hatten wir Glück, dass die Familie über reichlich Nachwuchs verfügte. Es gab zwei Kleinkinder und ein noch verdammt kleines Baby. Während das Baby stets von der Mutter gut versteckt wurde, boten uns die beiden Kleinkinder eine Show, die die schlechten Sichtverhältnisse fast wieder komplett relativierten.
Sie machten sich einen großen Spaß daraus, gemeinsam einen Baum hochzuklettern, um anschließend sofort wieder am Stamm entlang runterzurutschen.
Hierbei fielen sie regelmäßig auf eines der am Boden liegenden Familienmitglieder, die das Ganze entweder stoisch ertrugen oder sie kurz packten, bis sich das Kind wieder entwinden konnte.
Alle hatten ihren sichtlichen Spaß und wirkten rundherum zufrieden. Wir genossen das Privileg, diese großen und so menschlichen Tiere aus derart naher Entfernung in ihrem natürlichen Leben und Habitat beobachten zu können, sehr.
Hier mal ein kleines Behind-the-Scenes-Bild zu den Sichtmöglichkeiten.