Reisebericht Namibia 2002 die Anfängerfehler Tour oder oh nur eine Nacht !
Im Jahr 2002 erfüllen wir uns unseren großen Traum. Es geht endlich nach Namibia. In Zeiten ohne Handy und Namibia Forum.
Der Reisebericht hat natürlich 18 Jahre später keinen praktischen Informationswert und ist eher als Gag gedacht. Die Bilder sind Diascans und ich nehme mein gutes altes Reisetagebuch zur Hilfe. Wahnsinn, wie naiv wir damals waren ! Aber eben auch so sehr begeistert und aufgeregt. Ich werde einige Originalzitate einbauen und da sind einige Schmankerl dabei. Die Route war aus heutiger Sicht totaler Wahnsinn. Fast jeden Abend und Morgen sagten wir uns: „Schade, dass wir hier nur eine Nacht haben“. Also half nur eins: Wiederkommen.
Durch familiär bedingte Umstände gelang uns das dann erst wieder im Jahr 2008 (2006 fuhren wir das erst Mal nach Südafrika). Als wir 2008 im Flieger aufwachten und die Grenze von Angola nach Namibia überflogen, wurde ich emotional.
Unsere Route:
01.08.2002 Flug Frankfurt / Windhoek mit Air Namibia B747 Combi 02.08.2020 Heinitzburg Windhoek 03.08.2020 Anib Lodge 04.08.2020 Pension Gessert Keetmanshoop 05.08.2020 Canon Lodge 06.08.2020 Nest Hotel Lüderitz 07.08.2002 Klein Aus Vista 08.08.2002 Little Kulala 09.08.2002 Rostock Ritz Desert Lodge 10.08.2002 Rostock Ritz Desert Lodge 11.08.2002 Hotel Eberwein Swakopmund 12.08.2002 Hotel Eberwein Swakopmund 13.08.2002 Ameib Ranch 14.08.2002 Vingerklip Lodge 15.08.2002 VingerklipLodge 16.08.2002 Otjitotongwe Cheetah Guestfarm 17.08.2002 Okaukuejo 18.08.2002 Okaukuejo 19.08.2002 Halali 20.08.2002 Namutomi 21.08.2002 Mount Etjo Safari Lodge 22.08.2002 Mount Etjo Safari Lodge 23.08.2002 Oropoko Lodge (schon lange geschlossen) 24.08.2002 Oropoko Lodge 25.08.2002 Flug Windhoek/Frankfurt mit Air Namibia B747 Combi
Es war ein großer Traum von uns. Namibia auf eigene Faust. Und jetzt wird er wahr. Jetzt heißt im August 2002. Ich bin gerade 35 Jahre alt und wir haben wenig Individualreiseerfahrung. Kerstin ist auch schon im Jahr 2002 unsere Reiseplanerin, allerdings damals ohne Internet und Forum.
Da die Reise eine once in a lifetime Reise ist (dachten wir), wollen wir möglichst viel sehen. Und so entsteht eine typische Ersttäter Runde mit vielen „eine-Nacht Stopps“ und eigentlich viel zu langen Tagesetappen. Naja, das Ergebnis kennt Ihr ja.
Teil 206. Apr. 2020
01.08.2002 Frankfurt Windhoek (Original Kommentare aus dem Reisetagebuch sind in blauer Schrift) Am 02.08.2002 ist es soweit. Wir landen nach einem sehr angenehmen Nachtflug mit der 747 Kombi Welwitschia und überraschend großer Beinfreiheit in Windhoek.
Die Passkontrolle dauert auch schon in 2002 recht lange. Unser bei Avis bestellter Polo mit Klima ist nicht verfügbar und so bekommen wir nach Nerven aufreibender Diskussion einen ohne. Morgen soll dann der richtige geliefert werden. Also ab nach Windhoek. Was wir schon aus dem Flieger sahen, wirkt jetzt noch intensiver. Die Landschaft ist supertrocken und man fragt sich, wie Mensch und Tier hier überleben können. Auf den ca. 45 KM nach Windhoek sehen wir trotzdem etliche Paviane, bunte Vögel und Kerstin hatte aus dem Flugzeug heraus schon erste Antilopen gesichtet. Nach einiger Fahrt auf leeren Straßen kommen wir nach Windhoek, das einen trostlosen, kleinstädtischen Eindruck auf uns macht.
Vom Hotel Heinitzburg sind wir aber sofort restlos begeistert. Da unser Zimmer noch nicht fertig ist, setzen wir uns auf die Terrasse und versuchen zu kapieren, dass wir in Afrika sind. Auf dem Hotelgelände sehen wir schon einige bunte Vögel und sogar zwei Kolibris (!!!) und viele kleine Echsen.
Nach Bezug des hübschen Zimmers machen wir einen Spaziergang zur Independence Avenue, vorbei am Reiterstandbild und der Christuskirche und etlichen Holzschnitzern. Seltsames Gefühl, zwischen all den Farbigen herumzulaufen.
Nach Einkauf einiger Safariklamotten geht’s nach einem kleinen Lunch an den Pool. Mit meinem alten Nokia Knochen schrieb ich begeisterte SMS nach Deutschand.
Das ist unser erstes afrikanisches Tierfoto ever 😎
Wir beobachten eine Murmeltier ähnliche Tierart, viele Vögel und einen Marder. Im Restaurant der Heinitzburg essen wir in sagenhaftem Ambiente mit Blick auf die glitzernden Lichter Windhoeks ein klasse Viergangmenü. Dazu gibt es eine Flasche 1981er (!!!) Zonnebloem Cabernet Sauvignon aus einer Weinversteigerung.
Teil 307. Apr. 2020
03.08.2002 WIndhoek / Anib Lodge
Original Reisetagebuch Zitate sind blau hinterlegt
Der Wecker klingelt früh.
Trotz frischen 10 Grad Frühstücken wir auf der Außenterrasse.
Schweren Herzens und neugierig auf das vor uns liegende brechen wir dann zeitig in Richtung Mariental auf. Mit Blick auf die trostlose Stadt Windhoek verfliegt der Abschiedsschmerz jedoch bald. Außerhalb erblicken wir gleich Massen von Pavianen. Der Straßenzustand ist unerwartet gut. Wir bekommen die ersten Eindrücke von der Weite Namibias.
Rehoboth war schnell erreicht, verdient aber kaum die Bezeichnung „Ort“. Auffallend waren die hohen Sicherheitsvorkehrungen im BP-Supermarkt. Die nächsten 150KM war die Strecke wenig abwechslungsreich. In Kalkfeld tanken wir. Unser Polo verbraucht fast nichts und der Sprit ist mit DM 0,80 (ja DM hat Kerstin 2002 kurz nach der Euro Einführung geschrieben) super billig. Ansonsten ist Kalkfeld noch trostloser als Rehoboth. Am Hardap Damm sind wir von dem riesigen Stausee überrascht. Wir beobachten mit Vergnügen eine ganze Klippschliefer Sippe. Total knuffig !
Und genau diesen Baum suchten wir 2018 und fanden ihn auch wieder.
Gegen 14:00 Uhr erreichen wir die Kalahari Anib Lodge am Rande der Kalahari Wüste.
Bereits auf dem Weg dorthin passieren wir die erste rote Sanddünen. Nach dem Eingangstor sind die ersten 3 KM Sandpiste zu überwinden, ist aber kein Problem. Von der Lodge und den Zimmern sind wir begeistert ! Als spätes Mittagsmahl gibt es Salat und total leckeren geräucherten Springbock. Um 15:15 Uhr soll es zu unserem ersten Game Drive losgehen, aber der Landy streikt und das Ersatzauto muss erst umgebaut werden. Nach einer Stunde kommt Ernst etwas abgehetzt mit dem Ersatz Landy und die rasante Fahrt beginnt.
Über sandige Wege geht es immer am Farmzaun entlang in die Kalahari hinein. Überall sind Webervögelnester und Termitenhügel.
Vereinzelt hüpft ein Springbock herum. Die Fahrt wird nun gemütlicher und wir sehen noch Kudus, Stausse und einige große Vögel (Anmerkung : vermutlich Kori Bustards). Die Landschaft ist in der Abendstimmung atemberaubend schön. Die ausgedorrten Gräser glänzen vor den roten Dünen, Webervogelnester bedecken Bäume, ansonsten ist die Landschaft weitläufig und von den langgezogenen roten Kalaharidünen geprägt.
Auf einer besonders hohen Düne treffen wir den zweiten Landrover und wir nehmen einen Campari O als Sundowner.
Die Sonne versinkt als glutroter Feuerball am Horizont, ein unvergesslicher Augenblick.
Genau hier wurde ich von der Afrikakranheit befallen. Ich kann mich noch so gut erinnern. Wir waren total begeistert !
Beim guten Abendeseen unterhalten wir uns mit unseren bayrischen Mitfahrern. Später setzt sich die Gastsgeberin Victoria zu uns und wir erfahren viele interessantes über Namibia und seine Probleme.
Teil 408. Apr. 2020
04.08.2020 Kalahari Anib Lodge / Keetmanshoop Original Reisebricht Zitate in blau
Aufstehen um 07:10, Waschen und ab geht es zum morgendlichen Gamedrive mit Ernst, den er uns als Ersatz für den verkürzten Drive am Vorabend versprochen hatte.
Wir sehen bei ganz anderer, aber ebenso schöner Stimmung wie am Vortag eine große Gnuherde, die bei unserer Ankunft panisch flüchtet. Die Sonne wirft fächerartige Strahlen durch die wenigen Wolken und die Gnuherde wirbelt beim Wegrennen eine kleine Staubwolke auf.
Nach ca. 40 Minuten sind wir wieder durchgefroren (5 Grad !!!) und essen mit Wonne das köstliche Frühstück. Leider haben wir hier nur eine Nacht gebucht und der Abschied fällt uns schwer.Diesen Satz habe ich glaube ich fast jeden Tag in das Reisetagebuch geschrieben 😉
Kerstin füllt etwas Kalaharisand ab. Es füllt heute immer noch ein Dekoglas mit Namibia Utensilien.
Wir entschließen uns, einen Umweg nach Keetmanshoop in Kauf zu nehmen und fahren über Stampriet durch das Auob Tal. Hier lernen wir die ersten Schotterpisten kennen. Die tolle Tafelberglandschaft entschädigt uns aber für die schlechte Straße.
Wir sehen viele lustige Erdmännchen (in Echt Hörnchen).
Die 70 KM Schotterstrecke geht zuerst wellig durch die Kalaharidünen, danach wird es aber völlig trostlos.
Die restlichen 170 KM nach Keetmanshoop sind trostlos. 2 Sekretäre sind die Highlights.
Keetmanshoop macht einen sauberen, ausgestorbenen Eindruck. Den Weg zur Pension Gessert finden wir gleich (jaja, ohne Navi ging das auch). Das Zimmer ist ganz neu und wir setzen uns für eine Stunde in den hübschen Innenhof und genießen die Sonne. Für Abwechslung sorgt der pfiffige Graupapagei, der sein Bestes gibt und mein Gepfeife nachmacht
Teil 510. Apr. 2020
04.08.2020 Kalahari Anib Lodge / Keetmanshoop Köcherbaumwald (aber welcher?) Original Reisebericht Zitate in blau
Um 16:30 Uhr raffen wir uns auf und fahren zum Köcherbaumwald, der etwa 20 KM ausserhalb liegt. Wir entschließen uns dazu, nicht den bekannten Köcherbaumwald zu nehmen, sondern wählen die Alternative ca. 20KM außerhalb der Stadt. EIne bessere Wahl hätten wir nicht treffen können. Wir biegen nach links von der Straße auf eine Schotterpiste ab und nach ca. einem Kilomater kommen wir an eine Anhäufung schroffer Felsen, zwischen denen die Köcherbäume wachsen. Anmerkung: Ich habe keinen blassen Schimmer, wo wir da damels waren. Es war nicht der Giants Playground 😐
Ein netter Farbiger bekommt 20Nam$ Eintritt von uns und wir stürzen uns ins Gelände. Ich frage, ob wir alleine sind. Die "Anderen" würden noch kommen. Diese Antwort sollte sich als falsch herausstellen. Völlig alleine erkunden wir die einzigartige Landschaftund sehen die Sonne in einem großen, roten Feuerball untergehen.
Wir können unser Glück kaum fassen und laufen wild fotografierend zwischen den Felsen herum, bis es fast dunkel wird.
Auf der Heimfahrt reden wir noch über unser Glück und denken an die Berichte anderer Reisender vom überfüllten Köcherbaumwald. Es scheinen auch damals schon Gruppen unterwegs gewesen zu sein. 2020 war noch Science Fiction 😛
WIr folgen dem Tipp aus dem Iwanowskis Reiseführer und fahren Schnurstracks ins Birds Mansion. (verkürzt) Für knapp 50 D-Mark (!!!) gibts super Schnitzel, T Bone, 1 Flasche Wein, Eis und Kaffee.
Teil 611. Apr. 2020
05.08.2002 Keetmanshoop / Canon Lodge Original Reisebericht Zitate in blau
Nach einem liebevollen Frühstück und einem Tankstopp
geht es los in Richtung Grünau. Ich weiß, das ist nicht die Tankstelle 😘
Wir entscheiden uns für diesen Umweg, weil wir so mehr Teerstraße fahren können und durch das Karas Gebirge kommen. Die Straße aus Keetmanshoop heraus geht wieder ewig lange geradeaus durch die mit ausgedorrtem Gras und kleinen Büschen bewachsene Steppe.
Vereinzelte Köcherbäume und einige sonderbar geformte Berge bringen etwas Abwechslung- Langsam tauchen am Horizont die Karas Berge auf.
Unterhalb erkennen wir ein Gebiet mit Sanddünen, ähnlich wie in der Kalahari. Die Landschaft wird immer spektakulärer.
In abwechselnden Farben und Formen tauchen nach Kurven immer wieder neue Formationen auf und wir sind begeistert ! Als wir vor einem Doppeltafelberg (???) ein großes Webervogelnest sehen, halten wir an.
Es wirkt ausgestorben, aber plötzlich kommt ein großer Schwarm der kleinen Vögel auf und verteilt sich schimpfend in den umliegenden Büschen. Fast jeder Piepmatz hat einen Stängel Gras zum Ausbau des Hauses im Schnabel. Langsam verlieren sie die Angst vor uns und fliegen flink in ihr Nest.
Im Bachlauf im roten Sand finden wir einen Stachelschweinstachel und rote Kristalle. Wir sind geflasht. In Grünau geht es dann auf eine Schotterpad, die durch rundgeschliffene Felsformationen immer an einer Bahnstrecke entlang führt. Unsere Hoffnungen werden prompt erfüllt, denn plötzlich taucht ein Zug auf. Winkend lässt sich der Lokführer gerne fotografieren.
Ca. 18 KM hinter klein Karas (trostloses Kaff mit verfallenen Geisterhäusern) biegen wir auf die Pad in Richtung Fish River Canon ab.
Entgegen kommende Autos sehen wir schon von weitem an der Staubfahne. Hier heißt es ausreichend Abstand halten ! (Aha!) 😊
Nachdem wir das Canon Roadhouse passiert haben, erreichen wir bald die Abzweigung zur Canon Lodge.
Im Hintergrund sieht man bereits trutzige Felsformationen - dort muss die Lodge liegen ! Die Pad wird katastrophal schlecht, doch der Anblick der Canon Lodge entschädigt für die Ruckelpiste. Eingebettet in Felsblöcke liegt eine Vielzahl kleiner holzgedeckter Steinhäuschen Das Haupthaus ist ein altes Farmhaus aus der deutschen Kolonialzeit. Vor dem Haus leuchtet eine große orangerote Fläche mit Blumen.
Einfach ein Gedicht! Wir bekommen unser Häuschen gezeigt - total super, urig, knuffig!
Teil 712. Apr. 2020
05.08.2002 Keetmanshoop / Canon Lodge - Fish River Canon Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Nach einem kurzen Rundgang brechen wir zum Fish-River Canon auf.
Die Pad wird immer schlechter. Armer, kleiner Polo ! Zu allem Überfluss müssen wir fast die ganze Tour hinter einem Rotel-Tours-Bus hinterherfahren, der ziemlich viel Staub aufwirbelt. (nicht auf dem Photo)
Am Hauptaussichtspunkt erwartet uns dann eine spektakuläre Aussicht.
Das Licht ist gerade noch ok, so dass wir bis zum Grund, an dem smaragdgrün der Fish-RIver schimert, sehen können. Hier laufen die Dia-Filme nur so durch.
Wir beschließen eine kleine 3KM Wanderung bis zu nächsten Aussichtspunkt zum machen.
Der Pfad führt direkt an der Abbruchkante entlang und es erschließen sich immer neue Aussblicke auf den Fish River. Durch das Spiel von Licht und Schatten ergeben sich immer neue Farbtöne.
Nach ca. 1 Stunde sind wir dann wieder am Parkplatz - um viele Eindrücke reicher. Unser Versuch in die andere Richtung zu fahren, scheitert an der schlechten Pad und so fahren wir zur Lodge zurück. Wir treffen gerade richtig zum Sonnenuntergang ein und suchen uns ein nettes Plätzchen mit Aussicht auf einem der Felsen.
Hier erleben wir einzigartige Ausblicke, da am leicht bewölkten Himmel die Farben noch intensiver herauskommen. Nach einer kleinen Kletterpartie haben wir wieder Boden unter den Füßen.
Auf der Terrasse unseres Häuschens verbringen wir noch eine Stunde, dann geht es zum Essen. Dort essen wir direkt am Kaminfeuer in bester Südwester Atmosphäre (ojeojeeee) leckeres Buffet. Das nette Ambiente mit Kerzenlicht + Petroleum Lampen trägt zum gemütlichen Abend bei. Linsensuppe, Salate, Lamm und Schweinebraten schmecken köstlich. Die ausufernde Beschreibung des Desserts lasse ich mal weg. Wir schreiben noch Postkarten (!!!) und freuen uns über die im Wärmeflasche im Bett. Es ist richtig kalt im Chalet.
Teil 813. Apr. 2020
06.08.2002 Canon Lodge - Lüderitz Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Wider Erwarten war die Nacht nicht so kalt, da wir jeder zwei Bettdecken haben und ein guter Geist eine Wärmeflasche ins Bett gelegt hat. Nach leckerem Frühstücksbuffet wiedert a, offenen Kamin brechen wir bald nach Lüderitz auf. Am Canon Roadhouse noch ein kurzer Tankstop.
Die Landschaft ist eher langweilig, die Pad so Lala. Wir machen einen Abstecher zum Naute Dam und beobachen eine reiche Vogelwelt. (Aha, auch damals schon)
Bald ist wieder die asphaltierte B4 erreict und es folgen erstmal sehr eintönige 100 Km durch eintönige Grassteppe. 😣
Danach wird die Landschaft abwechslungsreicher. Erste Berge tauchen am Horizont auf und endlose gelbe Grasflächen mit vereinzelten Rindern säumen die Straße. Bald tauschen erste rötliche Sanddünen auf. Wir passieren Straußenherden und eine Springbockfamilie.
in der Gegend um Aus blühen Blumen am Straßenrand. Das sollte noch eine Rolle spielen.
Letztendlich sind wir von Sandwüste umgeben.
Die Straße führt entlang des Bahndammes. Zwei verlassene Bahnhöfe aus der Diamantenförderzeit tauchen aus dem Nichts auf. Einer hat den lustigen Namen Grasplatz.
Kurz vor Lüderitz liegt linker Hand Kolmanskuppe, ehemals Diamantenfieber Boomtown. Sandverwehungen queren die Straße.
Dann ist Lüderitz erreicht. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt trist und etwas heruntergekommen. Koloniale Häuser runden den Stilmix ab. Zuerst checken wir im Nesthotel, welches wir problemlos finden, ein.
Es liegt direkt am Meer und als wir unsere Zimmertür öffnen, geht der Blick direkt aufs Wasser. Sehr schön. Das Zimmer macht einen neuen und sehr schönen Eindruck.
Wir beschließen, zu Fuß das Städtchen zu erkunden, obwohl wir ein etwas ungutes Gefühl nicht abschütteln können. Leider ist die Felsenkirche geschlossen.
Am Goethe Haus hat man eine gute Aussicht über die Stadt. Kolonialismus en gros.
Wir begegnen vielen Touris. Auch die Rotel Leute sind wieder unterwegs. Vorbei an Tanzsaal, Bahnhof, Postamt, Turnhalle und Bücherei erreichen wir das Zentrum Genug gesehen - wir kaufen unsere Permits für Kolmanskuppe und sind uns einig, das Abendessen lieber im Hotel einzunehmen.
Zuerst gibt es Kaffe und Kuchen. Carsten sieht sogar einen Wal !
Nach dem annehmbaren Abendessen fallen wir ins Bett.
Teil 913. Apr. 2020
07.08.2002 Lüderitz nach Kolmanskuppe Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Aufstehén um 07:30 Uhr, die Fischerboote schaukeln im morgendlichen Licht. Nach dem durchschnittlichen Frühstück will ich schnell auschecken und ZAR 1.500 Reiseschecks tauschen, was sich aber ziemlich in die Länge zieht.
An der Rezeption treffen wir noch die zwei "Anib Bayern" und stellen fest, dass wir die Geisterstadt-Tour gemeinsam machen. Die Gruppe in Kolmanskuppe ist so groß, dass sie gezweiteilt wird. Zu Beginn des Diamantenfiebers soll der Boden im Mondschein von glitzernden Steinen gedeckt gewesen sein. Nach der offiziellen Führung erkunden wir das Gelände noch auf eigene Faust.
Die Wüste holt sich langsam ihr Eigentum zurück. Die Gebäude sind einerseits teils verfallen, andererseits sind die alten Farben durch das trockene Klima noch frisch geblieben. In den Erdgeschossen türmt sich der Sand.
Die Stadt ist sehr beeindruckend, leider zertreten unsere Mitstreiter aber auch jeden letzten Winkel unberührten Sandes.
Da wir noch tanken müssen, geht es zurück nach Lüderitz. Nach einem Tip der Bayern schauen wir uns noch den Agathe Beach an. Eine Pad geht am Rand der Sanddünen und des Sperrgebietes und an einem Flamingo bevölkerten See entlang zum Strand.
Wir sind ganz alleine und finden einige schöne Muscheln. In der Ferne gehen die mächtigen Sanddünen bis direkt ans Meer heran.
Danach fahren wir direkt nach Klein Aus Vista.
Teil 1014. Apr. 2020
07.08.2002 Lüderitz nach Kolmanskuppe Original Reisetagebuch Zitate sind blau unterlegt
Danach fahren wir direkt nach Klein Aus Vista.
Von der Straße aus geht ein holpriger Weg direkt zum Haupthaus (eher unspektakulär). Es ist aber sehr stilvoll eingerichtet. Der Besitzer empfängt uns auf der Veranda. Er gibt uns Fotoalben. Wir bestellen zwei Toasts und Mineralwasser und genießen die Sonnenwärme. Vor dem Haus ist eine Straussenweide. Zwei erwachsene Strausse stehen mit kleinen Jungen am Zaun. Neben uns sitzen zwei schlecht gelaunte Italiener (sehr wichtige Information, oder ? Wir haben Glück und bekommen den ca. 7KM entfernt liegenden Mountain View Bungalow im Eagles Nest. Zum Sundowner nehmen wir eine Flasche Zonnebloem Shiraz mit und fahren vorbei an alten Schutztruppenstellungen zu unserer Unterkunft.
Links von uns tauchen rot leuchtende Berge mit riesigen Gesteinsbrocken auf und am weit entfernten Horizont liegt eine unglaublich schöne Steppe aus milliardenfachblühenden gelben Blumen und silbern leuchtenden Gräsern in allen Schattierungen. So muss das Paradies aussehen. Die Häuschen erkennen wir erst im letzten Augenblick.
Es ist total urig eingerichtet. Völligst begeistert laufen wir eine Runde durch die blühende Wüste.
Ich kann mich erinnern, dass ich mehrfach Sentimental geworden bin. Und habe die kleine Wanderung gar nicht im Original Reistagebuch beschrieben. Ab hier war es endgültig um uns geschehen !
Auf der Veranda wartet der Shiraz und ein super Sonnenuntergang. Wir können unser Glück kaum fassen und saugen die Eindrücke in uns auf.
Um 19:00 Uhr geht es dann ins Haupthaus zu einem super Abendessen mit Oryxsteaks etc. In stockdunkler Nacht fahren wir wieder zurück. Unterwegs mache ich Motor und Licht aus. Der Sternenhimmel und die Stille....... ! Nach dem letzten Schluck Wein fallen wir ins Bett.
Teil 1117. Apr. 2020
08.08.2002 Klein Aus Vista nach Little Kulala Original Reisetagebuch Zitate in blau unterlegt
Nach der Morgentoilette packen wir schweren Herzens unsere Sachen (da ist er wieder, dieser Satz) genießen ein letztes Mal den herrlichen Blick und fahren zum Haupthaus.
Dort erwartet uns ein besonders leckeres Frühstück ! Die Stausse mit ihren eine Woche alten jungen sind auch noch da.
Die Fahrt nach Little Kulala ist eine unserer längsten Tagesetappen und führt uns komplett über Schotter.
In Helmeringhausen wartet die Tanke auf uns. Sicherheitshalber lassen wir deswegen die empfohlene Route durch den Namib Naukluft Park aus. Helmeringhausen erreichen wir dann nach langer Fahrt über trostlose Straßen und eintönige Landschaft.
Leider herrscht an der Tanke Konfusion. Die Pumpe geht nicht richtig und schnell wird klar, dass es hier in absehbarer Zeit keinen Sprit gibt. Wir beschließen, über Maltahöhe weiter zu fahren, da wir eine Tanke brauchen. Das sind ca. 100 KM Umweg und wir müssen deswegen Schloss Duwisib auslassen. Die schlechte Gravelroad geht durch schwarze Steinwüste und Maltahöhe ist ein heruntergekommenes Kaff im Nichts. An der Tanke gibt es aber wenigstens Sprit. Wir werden von bier trinkenden, dreckigen Kids beobachtet und fahren gleich weiter in Richtung Zarishoegtepass. Nach dem Pass ändert sich plötzlich die Landschaft.
Es wird wieder bergig mit Dünen und endlosen Flächen gelben Grases. Ab und zu tauchen Straussenherden auf.
Wir kommen nur langsam voran und erreichen erst kurz vor Sonnenuntergang die Einfahrt zur Little Kulala.
Die Zufahrt ist eine Katastrophe und eigentlich nur für Geländewagen geeignet. Unser kleiner Polo quält sich von Stein zu Schlagloch und umgekehrt. Als endlich die Lodge auftaucht, sehen wir mit Entsetzen, dass wir ein tiefsandiges Flussbett durchqueren müssen, da die eigentliche Brücke zerstört ist. Wir schaffen es mit sehr viel Schwung und noch mehr Glück auf die andere Seite
und werden sehr nett begrüßt.
Nach einem Drink und feuchten Tüchern beziehen wir unser Doppelhaus für Familien und eigenem Pool.
Anmerkung: Die äusserst bemühte und sehr nette Managerin erklärte uns jeden Grashalm. Kerstin wollte aber JETZT und zwar SOFORT in die sauteure Hütte. Und so wurde die Managerin sehr jäh unterbrochen 😉
Der Blick geht 360 Grad in den Busch.
Am Horizont sehen wir erste rote Sanddünen.
Der Sonnenuntergang, den wir von der Dachterrasse aus beobachten, ist spektakulär. Die Geräusche der Natur runden die Stimmung ab.
Anmerkung : Wir hatten damals keine Ahnung, was Barking Geckos sind. Ich lief im Zickzack durch die Wüste, um erfolglos nach dem Verursacher der tollen Geräuschkulisse zu suchen.
Wir haben ein gemütliches Himmelbett mit riesen Moskitonetz und wahren Kissenbergen. Schade, dass wir wegen der Sch..... Tankstelle so wenig Zeit haben.
Abendessen gibt es im Haupthaus in bestem Out of Africa Ambiente.
Nach einem netten Gespräch mit dem Manager Hartmut, einem waschechten Namibaner, geht es ins Bett. Der Wecker wird um 5 Uhr klingeln.
Teil 1219. Apr. 2020
08.08.2002 Little Kulala Sossusvlei Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Der gemütliche Schlaf unter dem Moskitonetz wird um kurz vor fünf von einem Angestellten beendet, der uns weckt. Nach einer schnellen Morgentoilette gehen wir ins Haupthaus, wo wir ein kleines Frühstück bekommen. Zu unserer Erleichterung stellt sich heraus, dass wir den Ausflug nur zu sechst mit einer netten französischen Familie machen. Christopher ist unser Guide, ein supernetter Farbiger, der uns mit gefütterten Ponchos auf einem offenen Defender ins Sossusvlei befördert. In der Dämmerung geht es los und die milde Morgenluft verwandelt sich im Fahrtwind in eisige Kälte. Ohne Ponchos würden wir erfrieren. Unterwegs sehen wir Nahe der Straße etliche Springböcke, Ostriche und schließlich den Kulala Balloon, der gerade angefeuert wird und sich schließlich in der Morgenröte majestätisch in den Himmel erhebt.
Die Strecke bis an unser Ziel zieht sich ganz schön.
Die roten Dünen sehen wir mittleweile zu beiden Seiten der Straße und immer mehr Fahrzeuge befahren die mittlerweile geteerte Straße. Die nunmehr aufgehende Sonne taucht die riesigen roten Sanddünen in ein farbeprächtiges Licht.
Linkerhand sehen wir viele parkende KFZ's an der düne 45. Menschenmassen kämpfen sich am Kamm entlang hoch. Wir fragen uns warum und fahren nach einigen Fotos weiter ins "Vlei".
Christopher will so früh wie möcglich am Dead Vlei sein, was sich noch als Glücksfall herausstellen sollte.
Über eine noch unberührte Düne Klettern wir ins Dead Vlei.
Der Aufstieg ist ganz schön anstrengend und vor uns weht ein kräftiger Morgenwind wahre Sandmassen über den Dünenkamm.
Mit zunehmender Höhe wird der Ausblick immer spektakulärer.
Als wir direkt über dem Vlei sind, fordert uns Philipp auf, uns in großen Schritten in die Tiefe zu stürzen.
Das macht viel Spaß, auch wenn sich die Schuhe mit Sand füllen .
Carsten legt eine Vollbremsung mit dem Gesicht hin und sieht danach wie die Sanddüne aus.
Im Dead Vlei machen wir etliche Fotos.
Danach gibt es ein Frühstück im Freien.
Wir unterhalten uns nett mit den Franzosen und fahren dann zum Sesriem Canon,
der jedoch nicht so toll ist.
Zurück im Hotel packen wir unsere Sachen, trinken noch eine Tasse Kaffee und machen uns auf den Weg.
Teil 1323. Apr. 2020
08.08.2002 Little Kulala nach Rostock Ritz Desert Lodge Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Zurück im Hotel packen wir unsere Sachen, trinken noch eine Tasse Kaffee und machen uns auf den Weg.
Dann müssen wir an der eingebrochenen Brücke wieder durch das tiefsandige Flussbett. Diesmal bleiben wir natürlich stecken. Hier geht nichts mehr. Kerstin läuft bei einer Affenhitze zurück zur Lodge und holt Hilfe die auch schnell kommt. Nach einem gerissenen Abschleppseil werden wir mit Hilfe von geballter Manpower herausgeschoben. Einem inzwischen angekommenen neuen Touri Paar wird beim Zuschauen Angst und Bange. Wir nehmen zwei Jungs, die auf der Lodge erfolglos nach Arbeit gefragt hatten, mit nach Sesriem (Kerstin ist das nicht ganz geheuer. Unser Lodge Helfer meinte aber, dass sie OK wären). Das Ganze stellt sich als unbedenklich heraus und wir bekommen so aus erster Hand Eindrücke vom Leben in Namibia.
In Sesriem ist die Zapfsäule ausser Betrieb, kein Problem wir tanken in Solitaire, einem elenden kleinen Kaff, dass nur aus Kirche, Tanke mit Shop und Campingplatz besteht. Im Shop liegt sogar ein ausgestopfter Löwe, ein Springbock und ein Zebra, Igittigitt ! (ojeoje). Rostock Ritz erreichen wir gerade noch so vor Sonnenuntergang.
Die Lodge liegt am Hang eines sanft geschwungenen Hügels und besteht aus mehreren Iglu artigen Häusern.
Am Empfang erwartet uns ein deutsch sprechender, der uns das Wichtigste erklärt und uns zu Bungalow Nr. 11 bringt. Der Flieger sei leider kaputt und wir sollen die Erdmännchen nicht füttern ! Vom kleinen Balkon haben wir einen traumhaften Blick über die Namib, die in der untergehenden Sonne wie schon gewohnt eine friedliche Stimmung verbreitet (Aha, wir fühlten uns da schon wie alte Afrikahasen).
Wir richten uns ein und gehen nach ausgiebiger Dusche zum Abdendessen. Kerstin isst Schwarzmuscheln…… denkt sie zumindestens….. es sind Snails….. und sie isst auf gar keinen Fall Schnecken….. außer heute ! Die Geschichte kommt bei uns immer Mal auf den Tisch ? Unter dem gemütlichen Moskitonetz schlafen wir trotz einer Hardrockkonzert lauten Monsterzikade schnell ein.
Teil 1425. Apr. 2020
10.08.2020 Rostock Ritz Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Wieder gibt es ein leckeres Frühstück mit allem „Drum und Dran“.
Vier superknuffige Erdmännchen besuchen unseren Speiseraum und fressen Motten und Fliegen vom Borden.
Sie haben keinerlei Angst, balgen sich zwischendurch und machen lustige Gurrgeräusche.
Immer wieder setzen sie sich hin und sondieren sie die Lage.
Nach dem Frühstück packen wir den Rucksack und gehen auf eine Rundwanderung über das Lodgegelände.
Hier werden wir von den außergewöhnlichen Mineralien auf dem Gelände überrascht. Wir sammeln wie wild und haben bald alle Hosentaschen voll.
Der Weg führt auf dem schroffen Bergkamm entlang durch die Namib-Dünenlandschaft.
Wir werden unterwegs vom lustigen Jack-Russell der Lodge begleitet.
Im Sand entdecken wir dann sogar ein Chamäleon!
Gegen 12 Uhr erreichen wir nach 2 ½ Stunden Wanderung wieder unseren Bungalow und halten ausgiebig Siesta.
PS: Unser damaliges Reisetagebuch schrieben wir abwechselnd. Mir fällt auf, wie wenig wir unsere Begeisterung für die Natur Namibias zum Ausdruck gebracht haben. Die Beschreibungen waren ja eher sachlich...
Teil 1525. Apr. 2020
10.08.2020 Rostock Ritz zweiter Teil Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Danach verbringen wir zwei faule Stunden mit Lesen am Pool in lustigen Liegestühlen.
Gegen 16:30 Uhr brechen wir zu einer zweiten Sonnenuntergangswanderung auf, die erst entlang der Bergkette parallel zur Ebene von der Lodge wegführt. Dort soll es Hartmann-Bergzebras geben.
Durch ein Tal gelangen wir entlang eines ausgetrockneten Flusslaufes zum Fuß eines Hügels, von dem aus wir einen guten Ausblick auf die Ebene haben sollen. Die Sonne steht schon tief und wir beeilen uns, nach oben zu kommen. Leider sehen wir keine Zebras, aber die Aussicht bis zu den weit entfernten Sanddünen ist toll. Vor dem Rückmarsch wollen wir noch ein Selbstauslöserbild (= Old School Selfie) von uns machen.
Ich bin schon in Positur als Kerstin begeistert und aufgeregt flüstert: „Da sind die Zebras!“ Obwohl sie weit weg sind, haben sie irgendetwas gemerkt und schauen wachsam in unsere Richtung. Es sind 7 erwachsene und ein halbwüchsiges Tier. Ein eindrucksvolles Erlebnis !
Wir müssen uns leider losmachen, um noch im Hellen die Lodge zu erreichen.
Und so wandern wir durch die in rotes Licht getauchte Landschaft zurück. Ich kann mich erinnern, dass wir total euphorisiert waren ! Auf dem Balkon genießen wir den Einbruch der Dunkelheit, dann geht es zum Abendessen.
Das Team singt einem Reisegruppen-Geburtstagskind ein stimmungsvolles einheimisches Ständchen. Nachdem wir die Rechnung gezahlt haben geht es um 21:30 Uhr ins Bett, sensationell spät !
Teil 1601. Mai 2020
11.08.2002 Rostock Ritz – Swakopmund Hotel Eberwein Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Als wir nach dem Frühstück die Koffer zum Auto schleppen, kommen unsere Erdmännchenfreunde zum Abschied und rennen uns zwischen den Füßen rum.
Eines hüpft sogar in den Fußraum des Autos und lässt sich nur durch lautes Rufen wieder heraus bekommen. Beim Gang zum Haupthaus rennen sie hinter mir her und schlüpfen mit ins Haupthaus.
Für uns geht’s wieder auf die Pad. Am Gaub Pass liegen noch deutliche Reste der letzten Regenzeit herum, denn vor der Betonbrücke liegt ein riesiger Haufen von Stämmen und Treibholz.
Weiter geht es über eine ungewohnt kurvige Strecke in mittelmäßigem Zustand in Richtung Walvis Bay / Namib Naukluft Park.
Wir fahren über eine Brücke über den Kuiseb.
Nach der Brücke sehen wir in einem Baum Hornschnabel-Vögel (oder so) und einige hundert Meter weiter entdecken wir auf der Pad einen Skorpion ! Aufgeregt fahren wir zurück- Das schaurige Ungetüm flüchtet vor uns in Richtung Straßengraben und es gelingen nur wackelige Photos.
Dann geht es ab dem Eingang des Nationalparks auf der C17 kerzengerade durch absolute Wüste. Die Gegend sieht aus wie eine riesige planierte Kiesgrube. Ab und zu geht eine Pad ins Nichts ab.
Das Erreichen der Küste kündigt eine bedrohlich wirkende Wolken- und Nebelwand an. Neben uns erstrecken sich jetzt immer größere helle Sanddünen. Als wir die ausgedehnten Barackensiedlungen von Walvis Bay sehen, beschließen wir im Kreisel am Eingang zur Stadt doch direkt nach Swakopmund weiter zu fahren.
Wir fahren nun áuf einer guten Teerstraße immer am Meer entlang. Rechter Hand zieht sich die Dünenlandschaft bis ans Meer heran.
Viele Brandungsfischer gehen in der Kälte ihrem Hobby nach. Swakopmund macht einen etwas ausgestorbenen Eindruck. Die Straßen sind gut ausgebaut, der Verkehr ist nicht stark und der Weg zum Hotel Eberwein gut ausgeschildert. Die Kaiser Wilhelm Straße heißt jetzt Sam Nujoma Avenue. Das Hotel Eberwein ist ein hübsches Jahrhundertwendehaus.
Um 12:30 Uhr teilt man uns an der Rezeption mit, dass die Zimmer noch nicht fertig sind. Wir trinken Tee, lesen die AZ und essen einen kleinen Sandwich bevor das hübsche Zimmer mit Hinterhofblick beziehen.
Teil 1702. Mai 2020
11.08.2002 Swakopmund Hotel Eberwein Abend Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Wir laufen in die Stadt, wo nicht viel los ist.
Es ist Sonntag und die Geschäfte haben leider geschlossen.
Die Seebrücke am Meer ist leider auch geschlossen, denn sie ist Einsturzgefährdet. Am Ende des folgenden Strandspaziergangs
gehen wir zurück in die Stadt und besuchen einen kleinen Holzschnitzer- Markt und das Cafe Anton, Essen Mokkatorte, Kaffee und Tee für 6 DM).
Glücklicherweise hat das Pleasure Flights Büro offen und wir können einen 2 Stunden 15 Minuten Flug über das Sossusvlei / Skelettküste für den nächsten Tag buchen.
Einige kleinere Souvenirläden mit netten Kleinigkeiten und der Outdoorladen Holtz hatten dann doch offen.
Dann gehen wir zum Western Saloon. Da am Abend schon ausgebucht ist, bleiben wir gleich zum Essen da. Für mich gibt es Hummercremesuppe und Seezunge. Kerstin hat gebackene Champignons und ein Jägerschnitzel. Alles saulecker. Und das alles kostet nur DM 43 bzw. N$ 216. Auf dem Heimweg ist kein Mensch auf der Straße und wir finden es etwas unheimlich. Nach einem Bierchen an der Bar fallen wir müde ins Bett.
Mir fällt gerade wieder auf, dass unser (für sich selbst gedachtes) Reisetagebuch doch sehr sachlich geschrieben wurde. In Swakopmund fanden wir das viele "Deutsche" schon wirklich strange. Es war echt kalt, gerade am Strand. Das Essen im Western Saloon war total gut und urig. Der Flug am nächsten Tag sollte wirklich ein besonderes Ereignis werden. Die Vorfreude war groß. Und die hohen Erwartungen sollten sogar übertroffen werden.
Teil 1803. Mai 2020
12.08.2002 Swakopmund Rundflug Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Aufstehen gegen 8 Uhr -spät- und Frühstück im gemütlichen Frühstückszimmer mit Blick auf die Straße. Heute steht Vormittags Shopping auf dem Programm. Wir bleiben gleich beim ersten Herrenausstatter Lohmeyer hängen, wo wir je eine Fleece Jacke und ein Outdoorhemd kaufen. Danach schreiben wir Postkarte und kaufen bei Casa Anin 2 schöne geflochtene Untersetzer (sie sind heute noch unsere Lieblingsuntersetzer). Nach weiteren netten Geschäften schauen wir uns noch eine sehr interessante Fotoausstellung über Buschmänner an. Im Brauhaus dann noch Mittagessen in der Sonne. Es gibt Leberkäse und Kassler.
Um 14:00 sind wir dann wie verabredet am Büro von Pleasure Flights. Dort herrscht leichtes Chaos, da 5 Flieger gleichzeitig starten werden und zwei Reisegruppen noch nicht vollständig da sind. In unseren Flieger kommen noch zwei umgängliche Mittfünfzigerinnen mit. In einem VW Bus fahren wir zum Flughafen. Dort landet unsere Cessna gerade. Die Mitflieger steigen mit zum Teil bleichen Gesichtern aus. Der Pilot macht einen coolen und erfahrenen Eindruck. Mit ihm fliegen wir gerne.
Unser Busfahrer bietet mir an, neben dem Piloten Platz zu nehmen. Wir nehmen lieber die letzte Reihe, weil man dort besser sieht. Wir starten als letzte. Auf dem holprigen Weg zu Schotter-Runway haben wir schon ein komisches Gefühl. Der Start ist sanft, danach merken wir aber doch den Unterschied zu einem Jet. Der kleine Flieger wird nämlich mächtig hin und her geschüttelt.
Der Flug geht entlang der hellen Küsten-Dünen und nach links ist bis zum Horizont zuerst bleibt die Wüste monoton, einige ausgetrocknete Flüsse, eine kleine Oase und in der Ferne Walvis Bay.
Dann sehen wir allmählich die roten Dünen, die immer höher und spektakulärer werden.
Erst aus der Luft erkennt man die wahren Ausmaße.
Rechts unter uns ist ein zweiter Flieger, der über die Wüste saust. Kurze Zeit später gehen auch wir weiter runter. Wenige Meter über den Dünen geht’s mit Highspeed und sanften Kurven in Richtung Sossusvlei, wo wir dann wieder etwas höher fliegen.
Über dem Sesriem Canon fliegen wir in nicht allzu großer Höhe spektakuläre Kurven und erkennen bald die Little Kulala Lodge und den Tsauchab.
Jetzt kommen die ganz großen Dünen, die im schon abendlichen Licht tiefrot leuchten.
Nach rechts ist es leider sehr hell. Nach Death Vlei und Sossvlei geht es dann im Tiefstflug (Der Pilot mein ca. 50 Meter hoch) über alte Diamantgräberstädte Richtung Skelettküste. Sogar alte Ochsenkarren und Wellblechhütten sind erhalten geblieben.
Im kurvigen Tiefflug saust die Szenerie an uns vorbei. Wir sind völligst begeisert !
An der Küste überfliegen wir zwei rostige Schiffswracks, viele Seehunde
und riesige Schwärme von Kormoranen.
Der Anblick der Vögel, die nur knapp unter uns fliegen, ist unvergesslich schön.
Inzwischen gehen die hohen Sand-Dünen bis ans Meer und sogar ein Walskelett ist zu erkennen.
Vor Walvisbay müssen wir steigen, um die Flamingos nicht zu sehr zu stören.
In einem weiten Bogen fliegen wir um Swakopmund zur Landung.
Wir fliegen noch etwas Zickzack, um Abstand zum Flieger vor uns zu bekommen und landen sehr sanft auf der Piste. Wir danken dem Piloten,
fahren zurück zum Hotel
und besuchen zum Dinner wieder das Brauhaus. Dort erwischen wir eine schlechtgelaunte Bedienung und es herrscht Massenabfertigung. Kerstin hat mit Schafskäse und Knobi gefüllte Hühnerbrust, ich eine Fischplatte. Das Essen ist gut, aber es ist einfach nicht gemütlich. So geht es zurück ins Hotel, wo wir mit einem Absacker bewaffnet aufs Zimmer gehen und bald einschlafen.
Teil 1906. Mai 2020
13.08.2002 Swakopmund – Ameib Ranch Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Das Frühstück im Eberwein ist wieder Klasse! Wir packen die Sachen ins Auto und machen noch schnell ein Paar Erledigungen. Wir holen das Auto aus der Tiefgarage und auf Asphalt (oh Erholung!) geht es mit einem kurzen Stop bei einer alten Dampfmaschine
an der Rössing Uranmine und der Spitzkoppe vorbei in Richtung Usakos.
Dort zweigen wir ab in Richtung Ameib, natürlich nun wieder auf Schotter und zwar heftigem. Als wir die Zufahrt zur Ranch erreichen, sehen wir schon die Erongo Berge. Die Pad ist immer noch schlecht. Am Eingangstor öffnet uns ein wortloser Farbiger das Tor.
Wir füllen eine Register-Form aus und weiter geht es. Die Ranch selbst wirkt etwas düster. An der Mini Rezeption nehmen uns zei Schwarze in Empfang. Sie wirken etwas düster. Eine Zebra Manguste ärgert die Hauskatze, die die Manguste mit heftigen Tatzenhieben eindeckt. Der Manguste ist das völlig Wurscht. Sie hält der Katze ihr dickes Nackenfell hin, dann riecht sie wieder am Katzenpopo und das Spiel beginnt erneut. Irgendwann rennt die Katze entnervt weg.
An dieses Schauspiel denke ich noch heute. Ich konnte das damals gar nicht fassen. Die Katze auch nicht !
Unsere Behausung ist sauber aber ziemlich abgewohnt. Wir schauen uns kurz auf dem Farmgelände und dem Minizoo um, dann geht’s mit dem Polo etwas außerhalb in ein kleines Tal in Richtung Bulls Party und Phillips Höhle. Kurz vor einer Weggabelung werden wir von zwei anderen Touris auf mehrere Giraffen aufmerksam gemacht. Wir entdecken sie einige hundert Meter weiter unweit der Pad.
Aufgeregt halten wir an und beobachten die anmutige Tiere. Sie haben uns zwar entdeckt, fressen aber in Ruhe weiter. Hinter einem Gebüsch entdecken wir ein ca. zwei Wochen altes Baby
und als wenige Meter entfernt das eine Tier die Pad überquert, ist unser Glück perfekt.
Die sandige Pad führt uns zu einem kleinen Parkplatz. Von da aus geht es zu Fuß weiter durch den Busch zur Bulls Party.
Viele Vögel, auch einige schöne Papageien, fliehen laut kreischend vor uns. Nach einigen hundert Metern erreichen wir die Bulls Party. Vor höheren Steinformationen liegen rießige Felswacker und mittendrin Paviane !!! Der Chef brüllt bei unserer Ankunft wütend und wir bekommen richtig Schiss !
Mit einem kleinen Knüppel bewaffnet (eher ein Stöckchen,wie süß, gelle)
treten wir den Rückzug an, die Affen allerdings auch.
An einer nicht so steilen Stelle klettern wir auf das Felsenmassiv, immer nach den Affen spähend. Die Brocken sind so 10 bis 15 Meter hoch.
Noch ein Stück weiter entdecken wir den Elefantenkopf. Wir erklimmen ein glattgewaschenes Felsplateau, auf dem noch zwei weitere Riesenwacker liegen und machen eine Pause. Es gibt Wasser, Schoki und Baumann Kekse.
Auf einem gegenüber liegenden Berg macht vermutlich ein Adler Kreischgeräusche, aber außer einigen Klippis können wir keine weiteren Tiere erkennen. Wir laufen weiter in Richtung Felszeichnungen in der Philipps Cave. Es geht durch den Busch.
Leider sind die laut krächzenden Vögel so schreckhaft, dass wir sie nur aus großer Entfernung sehen. In einem sandigen Flussbett sehen wir Raubtierspuren.
Mit gemischten Gefühlen geht der Marsch weiter. Immer wieder sehen wir die Raubtierspuren und als wir die abgenagten Reste (Kopf) eines Babyzebras finden, ist es offensichtlich .
Hier gibt es Leoparden und wir stehen vor seiner letzten Mahlzeit. Der Weg führt nun durch glattgewaschenen Fels weiter in die Höhle , in der die Felszeichnungen sind.
Auf dem Rückweg gehen wir durch hohe Felsen vorbei und beobachten in einer Felsspalte Klippschliefer. Aus den Felsen kommen laute Geräusche, die wir als bedrohlich empfinden.
Mit sehr ungutem Gefühl, geht es zurück zum Auto. In der beginnenden Dämmerung sehen wir Kudus, Springböcke, Hasen, Papageien, Nashornvögel (naja wohl eher Tokos) und ein riesiges Warzenschweinloch (???).
Zufrieden fahren wir zur Farm zurück und treffen auf dem Weg zum Wasserloch auf ein schwäbisches Ehepaar mit denen wir Erfahrungen austauschen (ouou). Neben uns ist ein imposanter Ameisenhighway. Das Abendessen verbringen wir bei Zonnebloem Shiraz mit den wirklich sehr netten Schwaben. Der Verwalter erzählt von der Farm, der Einbürgerung von Tieren und bestätigt auch die Anwesenheit von Leoparden.
Teil 2010. Mai 2020
14.08.2002 Ameib – Vingerklip Original Reisetagebuch Zitate sind in blau hinterlegt
Büffet- Frühstück mit den netten Schwaben. Auf dem Baum nebenan sitzen viele Vögel und auch Rosenköpfchen.
Weiter geht es auf die Pad. Wir fahren Richtung Khorixas auf sehr schlechter Pad entlang des Erongo-Gebirges.
Vor Khorixas erreichen wir dann die Teerstraße. Bis zur Vingerklip Lodge sind es noch ca. 75 KM, die wie im Spiel gefahren werden.
Erst kurz vor der Lodge sehen wir nach einer Kurve die wunderbare Landschaft der Ugab Terrassen vor uns liegen.
Mittendrin am schönsten Platz liegt unsere Lodge. Nach dem Einchecken begleitet uns ein witziger Boy mit seinem „Auto“ zu unserem Bungalow 4B mit Aussicht ins Paradies (hört, hört…. Es kommt sogar in unserem sehr sachlichen Reisetagebuch Begeisterung auf).
Zu Fuß machen wir uns nach einem Besuch am Pool
gleich auf zur Vingerklip. Sie ist nicht sehr weit entfernt und scheint nicht sehr stabil zu sein.
Der Fels ist rasch umrundet. Auf der Wind abgewandten Seite setzen wir uns neben zwei Italienern hin und genießen die Aussicht.
Wir laufen gemütlich zurück,
machen uns frisch und um 19.00 Uhr gibt’s ein leckeres Buffet und Zonnebloem Shiraz (damals gab es meist nur Nederburg und Zonnebloem). Es gibt Kingklip und Oryx-Filet und leckere Gnu Leber in Zwiebeln. Weil der Kamin mit lärmenden Touris besetzt ist, nehmen wir unser Getränk mit aufs Zimmer und leeren es dort. Das Bett ist sehr gemütlich, mollig warm und wir schlafen gut.