da in diesen schwierigen Zeiten Unterhaltung und Ablenkung für manch einen nicht unwichtig werden und viele von uns (hoffentlich nur) dieses Jahr auf Reisen nach Afrika verzichten müssen, halte ich es für eine gute Gelegenheit, lange gehegte Reiseberichtserstellungspläne nunmehr mit Leben zu erfüllen. Da ich mich im Rahmen meiner Promotion auch mit der Frage beschäftigt habe, wieso Menschen bereitwillig eigenes Wissen, Erfahrungen etc. kostenlos und „einfach so“ für die Welt ins Internet posaunen, weiß ich, dass ich mit dem Erstellen eines Reiseberichts nicht primär fremde, sondern eigene Bedürfnisse befriedige. Zudem bietet die Erstellung eines Reiseberichts ja auch immer für den Schreiber selbst die Möglichkeit, eigene Erfahrungen nochmal zu durchleben, das Erlebte weiter zu erzählen und die mit zu viel Ausrüstung, Schweiß und Entbehrungen erkämpften Bilder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen - „nur“ auf Festplatte und Fotobuch ist vielleicht manchmal zu schade. Zudem meine ich mich zu erinnern, mehr als einmal einen Reisebericht versprochen zu haben..
Die Entscheidung, einen Reisebericht einzustellen wurde stets verkompliziert durch das Luxusproblem, von welcher Reise man denn einen Bericht erstellen sollte oder in welcher Reihenfolge. Wir schätzen uns glücklich, dass wir seit 2016 insgesamt fünf Reisen ins Sub-Sahara-Afrika unternehmen konnten (Nr. 6 fiel nunmehr Corona zum Opfer), jeweils mit unterschiedlichen Ecken und Schwerpunkten. Dies macht es nicht einfach, mit einem Bericht anzufangen – fängt man mit dem spektakulärsten an, mit dem ersten oder letzten? Was interessiert mehr? Will jemand den fünften Bericht zum KTP überhaupt noch lesen?
Ich habe mich schließlich dazu entschlossen, hier nahezu chronologisch vorzugehen und zunächst einen Bericht unserer zweiten Reise im Herbst 2017 vorzustellen, da diese auch im Rückblick auf weitere Reisen als besonders gelungen in Erinnerung geblieben ist und man nun mal irgendwo anfangen muss. Auch wenn dieser somit nicht mehr ganz taufrisch ist, denke ich dass er hoffentlich gute Unterhaltung und vielleicht die ein oder andere für jemand anderes nützliche Information beinhalten wird. Welche potentiellen Reiseberichte noch kommen könnten, mag ich lieber nicht Spoilern, auch um mir selbst nicht zu viel Druck zu machen.. ich weiß ja noch nicht mal, ob ich es schaffe, einen Bericht zu Ende zu schreiben. Ich verspreche aber, mir größte Mühe zu geben.
Da dies mein erster eigener Reisebericht werden wird, bitte ich um Nachsicht bzgl. etwaiger Anfängerfehler und hoffe, dass diese im Laufe der Zeit ausgebügelt werden können.
Nach so viel Vorrede nun zur Sache – 24 Tage Südafrika, Botswana und Namibia.
Der Reisebericht ist "gesonnt" - wer also nur den Bericht ohne Kommentare lese möchte, klicke auf die Sonne rechts oben.
Da ich im Frühjahr 2017 einen neuen Job mit anfänglicher Urlaubssperre begonnen hatte und wir im Herbst 2016 eine wunderbare Tour quer durch Namibia und in den Caprivi als Ersttäter absolviert hatten, wurde klar, dass wir gegen Ende 2017 dringend einen längeren Urlaub benötigen würden. Glücklicherweise waren unsere Arbeitgeber (und Vertreter) bereit, uns für 3,5 Wochen gehen zu lassen, so dass wir volle 24 Tage vor Ort zur Verfügung hatten – für jeden von uns der bis dahin längste Urlaub am Stück.
Aufgrund der vielen Berichte über den KTP wurde dieser zunächst als wesentliches Element der Route auserkoren. Da es sogar noch ein paar Verfügbarkeiten gab, war die Entscheidung, wohin es gehen sollte, nahezu gefallen. Auch hatten uns die Game Drives im Jahr zuvor in Etosha so gut gefallen, dass klar war, dass der Besuch von Nationalparks der Schwerpunkt werden müsste. Es blieb die Frage, was man mit KTP kombinieren könnte und ob man besser von Windhoek oder aus Johannesburg aus eine passende Route zimmern könnte. Irgendwann fiel die Entscheidung, dass wir von und nach Johannesburg fliegen würden und noch einige Ziele in Südafrika mit einbauen wollen. Da uns auf unserer Ersttätertour im Jahr zuvor jedoch der gesamte südliche Teil Namibias mit Ausnahme des Sossusvleis entgangen war, war der Wunsch, diesen Teil ebenfalls noch miteinzubauen, sehr groß. Herausgekommen ist am Ende eine Route mit einer nicht unerheblichen Gesamtkilometerzahl, die jedoch hauptsächlich auf einige recht lange Fahrtage sowie exzessive Game Drives entfielen. Im Ergebnis – so viel sei vorweg genommen – war die Route trotz der Fahrtage (jedenfalls in der Retrospektive) ziemlich perfekt.
Heraus kam nach diversen Umbuchungen in der KTP-Buchungslotterie am Ende folgende Route:
Insgesamt fuhren wir laut unserem unbestechlichen (und vortrefflichen) Navi 5.833km.
Als Fahrzeug diente uns ein Hilux Bushcamper von Bushlore (gebucht über Kwenda), der uns nach anfänglichen Schwierigkeiten ohne Probleme durch die gesamte Zeit begleitete. Der professionelle Service und die besonders gute Campingausstattung im Vergleich zur Konkurenz erkennt man immer nur dann, wenn man andere Anbieter im Vergleich hat. Allein das Vorhandensein eines Schubladensystems und Küchenfachs stellten für uns schon einen nie geahnten Luxus dar, den ich nie mehr missen wollen würde. Auch die Campingstühle sind bisher unerreicht.
Nach so viel Text ist es an der Zeit, einen kleinen visuellen Vorgeschmack zu geben auf das was noch kommen wird.
Viele Grüße fidel
Teil 217. März 2020
Tag 1 – 20.10.2017 Thabazimbi Marula Cottages
Nach unendlich langer Wartezeit mit insgesamt über 10 Monaten ohne einen einzigen Urlaubstag und umfangreicher Vorbereitung in Sachen Planung, dem Erwerb immer neuer unersetzlicher Ausrüstungsgegenstände und viel Vorfreude brachte uns SAA unspektakulär und bequem nach Johannesburg. Eine Schande, dass es diese Strecke nicht mehr gibt. Den Flughafen kannten wir von unserer Reise im Vorjahr, anders als damals ging es nun jedoch nicht in den Transit, sondern Richtung Immigration. Dort ging aller Horrormeldungen zum Trotz alles recht zügig voran, so dass wir kurz darauf im Eingangsbereich verzweifelt nach unserem Abholer von Bushlore suchen konnten – was nach mehrfacher Umrundung aller wartenden Abholer schließlich gelang.
Bereits auf dem Weg zur Bushlore-Zentrale fiel uns der extreme Kontrast zwischen Namibia und Südafrika auf. Wir kannten mit Ausnahme der nordafrikanischen Staaten in Afrika bisher nur Namibia mit seinem doch überschaubaren Verkehr und zur Auswahl stehenden Straßen. Hier war nunmehr keinerlei Unterschied zu jeder x-beliebigen Großstadt weltweit zu erkennen. Es ging über Autobahnkreuze und mehrspurige Straßen. All dies schreckte uns zunächst auch von einer Reise nach Südafrika ab – die Sorge, alles sei zu europäisch, wie zuhause, mit geteerten Straßen und ohne jeglichen Funken „Abenteuer“. Wie sich herausstellen sollte, waren unsere Sorgen sämtlich unbegründet und wir haben Südafrika und seine Reize und Vorteile inzwischen sehr schätzen gelernt.
Bei Bushlore angekommen erhielten wir nach umfangreicher Einweisung unseren gebuchten Hilux (hierzu habe ich im Eingangspost bereits einiges geschrieben). Er war nicht mehr der jüngste, aber offenbar gut gewartet. Interessant waren ein paar größere Dellen vorne am Anfang des Daches bzw. am Übergang dazu – die Geschichte ihrer Entstehung wurde uns leider nicht präsentiert. Sie sorgten jedoch immer wieder für interessierte Blicke.
Nach Übergabe ging es zunächst in den nächst gelegenen Supermarkt um eine Basisgrundausstattung an Snacks und Getränken zu erwerben, um den heutigen Tag zu überstehen. Anschließend machten wir uns über Brits und die R511 auf den Weg von Midrand nach Thabazimbi am Rande des Marakele Nationalparks. Überall war es für unsere Augen im Vergleich zu Namibia erstaunlich grün – was sowohl am späteren Reisezeitraum als auch den grundsätzlich höheren Niederschlagsmengen in der Gegend lag – jedoch eine sehr nette Abwechslung darstellte. Ob diese Route oder die Strecke über die N1 und Bela Bela schneller ist, blieb im Vorfeld offen – die Strecke über Brits ist jedoch landschaftlich interessanter und weniger eintönig – durchaus ein Vorteil nach einem Nachtflug.
A propos Nachtflug: 2016 waren wir nach einem Nachtflug um 11:45 Uhr in Windhoek gelandet und mussten nach Wagenübernahme und Großeinkauf noch bis zum Lake Oanob fahren – das fanden wir mit ungewohntem Wagen, Hitze etc. derart ermüdend, dass wir vor hatten, davon künftig Abstand zu nehmen. Da wir nun jedoch bereits morgens gelandet waren, keinen Einkauf tätigen mussten und abends in ein festes Bett fallen konnten, erschien uns die Fahrtstrecke nach Thabazimbi machbar – was sie rückblickend auch war.
Die Unterkunft liegt etwas außerhalb der Stadt auf dem Weg in Richtung des Nationalparks und ist über einen leicht sandigen Zufahrtsweg zwischen lauter Zäunen hindurch erreichbar.
Dort gegen 15:00 Uhr angekommen, wurden wir schließlich von ein paar Hunden und der (deutschsprachigen) Gastgeberin Monika freundlichst begrüßt und in unser Zimmer geführt. Schön eingerichtet und gemütlich mit Terrasse und leicht diesigem Blick übers Tal.
Anschließend machten wir uns ans Umpacken unserer Taschen und machten es uns mit Fernglas und Kamera auf vor dem Zimmer gemütlich um die Vielzahl der vorbeikommenden Vögel zu beobachten. Sehr gefreut haben wir uns über ein Pärchen von Paradise Flycatchern, die leider nicht willig waren, für ein Bild still zu halten. Wir hatten nun erstmals eine Vogel-App installiert und den Willen, jeden Vogel, der uns begegnet, auch zu bestimmen und in der App zu markieren, ohne dabei zu exzessiv zu werden wie manch andere 🙂
Sollte ein Vogel falsch benannt sein - bitte nicht vor alternativen Vorschlägen zurückschrecken!
Red-Headed Weaver / Rotkopfweber
Southern Masked Weaver / Maskenweber
Insgesamt lohnte sich der Aufwand jedoch sehr – wir kamen am Ende des Urlaubs auf eine für uns vorher nicht vorstellbare Zahl von 84 verschiedenen Vögeln (erfahrene Birder dürfen an dieser Stelle schmunzeln – auch unsere Liste ist zwischenzeitlich glücklicherweise gut gewachsen). Unsere Säugetier-App bescherte uns 46 verschiedene Säugetiere – eine Zahl die auch in künftigen Urlauben nicht mehr erreicht wurde.
Kennt jemand zufällig den Namen dieser interessanten Pflanze?
Abends gab es, gemeinsam mit einer deutschen Familie die hier letzte Nacht ihres Urlaubs verbrachte, sehr leckere Nudeln sowie das erste Bier des Urlaubs.
Die nächsten Tage wird das Verhältnis von Text zu Bildern besser, versprochen.
Teil 318. März 2020
Tag 2 21.10.2017 Marakele NP Bontle Campsite Gefahrene KM: 55
Nach reichlich nachgeholtem Schlaf geht es nach einen leckeren Frühstück ans Lösen einiger autospezifischer kleinerer Wehwehchen.
Problem 1: Irgendeine Warnleuchte leuchtet. Ich meine, es war die ABS-Warnleuchte. Ein Blick ins Handbuch verrät, dass ein Besuch in der Werkstatt ratsam wäre (zwischenzeitlich wissen wir, es gibt fast kein Auto im südlichen Afrika, wo diese nicht immer mal wieder leuchtet).
Problem 2: Die Lenkung wirkte auf der Herfahrt irgendwie ziemlich „schwammig“. Ob das daran lag, dass sich ein Hilux nach normalen Fahrzeugen in Europa immer etwas ungewohnter anfühlt oder es andere Ursachen hat, konnte nicht aufgeklärt werden. Bei uns kam jedoch hinzu, dass das Lenkrad ab ca. 80km/h stark zu vibrieren anfing. Dies, in Kombination mit der gefühlt schwammigen Lenkung und dem Wissen, von nun an viele tausend Kilometer weit weg vom Depot von Bushlore zu fahren, ließ uns dann doch zum Telefonhörer greifen. Auch unser offenbar autoversierter Gastgeber konnte sich auf das Problem keinen Reim machen.
Ein Anruf ergab die befriedigende Erkenntnis, dass wir die ABS-Leuchte ignorieren sollen. Unser „Lenkungsproblem“ konnte nicht wirklich eingegrenzt werden, als wahrscheinlichste Ursache wurde das Aufziehen neuer Räder ohne Spurkorrektur o.ä. angesehen (an alle Autoexperten: bitte nicht hauen, falls das technisch Blödsinn sein sollte. Wir hatten zu Hause noch nie ein Auto und all mein Wissen über Autos habe ich aus Outdoor/Reise-Foren, Blogs und Top Gear). Wir sollten einfach mal weiterfahren, wahrscheinlich würde sich das Problem mit weiterem Abfahren der Reifen erledigen (tatsächlich wurde es mit der Zeit schwächer).
Nachdem die Autoprobleme somit „gelöst“ waren, ging es für uns nach Thabazimbi um im dortigen gut sortierten Supermarkt unseren Ersteinkauf zu erledigen. Wir fanden alles, was wir für die ersten Tage brauchen würden und was unser Einkaufszettel noch so an zwingend notwendiger Grundausstattung aufführte, einschließlich einer lokalen Simkarte.
Abschließendes Fazit Marula Cottages / Thabazimbi: Eine Topunterkunft, auch mit Blick auf das Preisleistungsverhältnis. Freundliche und hilfsbereite Gastgeber, schöne ruhige Lage. Auf dem Weg von Johannesburg in den Norden würden wir hier jederzeit wieder einen ersten Stop einlegen (direkt vom Flughafen in den Park erschien uns zu riskant). Thabazimbi ist als Bergbaustadt keine Schönheit, es gibt aber alles was man braucht. Wer also von Johannesburg aus Richtung Norden aufbricht, kann den ersten Großeinkauf guten Gewissens auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.
Nachdem all die ganzen Vorbereitungshandlungen endlich erledigt waren, ging es endlich Richtung Parkgate, welches sich ein paar Kilometer hinter der Stadt befand. Dort durften wir zum ersten Mal unsere neu erworbene Wildcard (bzw. den Confirmation Letter) vorzeigen, uns wurde der Weg zu unserer Campsite beschrieben und wir durften nach mehr als einem Jahr warten wieder auf Game Drive.
Wir fuhren zunächst die wenigen Kilometer Richtung Campsite, um uns einen schönen Platz auszusuchen (es besteht freie Platzwahl). Es waren einige Plätze besetzt, es gab jedoch noch einen schönen Platz direkt am „Zaun“ des Campingplatzes. Am nächsten Tag waren wir schließlich fast alleine auf dem Campingplatz. Der Park selbst besteht aus zwei Teilen, einem „unteren“ Teil, der weitestgehend flach ist und in dem sich keine Raubtiere befinden und einem „oberen“ Teil, der deutlich bergiger ist und wo es auch Löwen und Leoparden geben soll. Früher war die Bontle Campsite berühmt dafür, dass häufiger NH zu Besuch kamen oder in der Nähe der Campsite grasten. Da wir während unsres Aufenthaltes keine im unteren Teil des Parks entdecken konnten (aber im oberen), weiß ich nicht, ob es im unteren Teil noch NH gibt. Der Vorteil der raubtierfreien Zone im Park ist, dass auf in Südafrika kein Zaun, sondern nur eine Reihe Poller die Grenze markiert und die Tiere sich so frei bewegen können.
Hier sieht man schön die Zweiteilung des Parks. In den oberen Teil geht es durch einen Tunnel unter der Straße, die den Park teilt, hindurch. Im oberen Teil befindet sich auch das schön gelegene Tlopi Tented Camp.
Anschließend richteten wir unseren Camper etwas besser ein, machten und mit der Ausstattung vertraut und legten die erste Nachmittagssiesta des Urlaubs ein.
Langweilig wurde uns dabei zu keinem Zeitpunkt. Dafür sorgte ein steter Strom unterschiedlichster tierischer Besucher. In den Bäumen um uns war ein Cardinal Woodpecker in Aktion (leider ohne scharfes Bild), Kapsperlinge und ein omnipräsenter Gelbschabeltoko wurden immer zutraulicher und zeigten uns bald einen gravierenden Nachteil unserer tollen Campingausstattung: aus unerklärlichen Gründen ist die Unterseite des Campingtisches verspiegelt. Dies führt dazu, dass sämtliche Vögel, die sich dem Tisch so weit genähert hatten, dass sie ihres Gegenübers gewahr wurden, stets alles daran setzten, ihren vermeintlichen Gegenüber zu attackieren. Uns blieb nichts übrig, als die armen Tiere immer wieder zu verscheuchen um sie vor sich selbst zu schützen – ein Problem, dass während des Urlaubs noch wiederholt auftreten sollte.
In der Ferne sahen wir auf der Campsite Grünmeerkatzen herumlungern, die wir aufgrund verschiedener Warnungen im Vorfeld stets im Augen behielten. Auch ein Strauß ließ es sich nicht nehmen, auf der Campsite nach Nahrung zu suchen und flößte uns erst einmal etwas Respekt ein. So aus der Nähe im Stuhl sitzend sind sie doch verdammt groß und über die möglichen Folgen der Kombination von kräftigen Klauen und kleinem Gehirn hatten wir bereits genug Storys gelesen.
Im weiteren Verlauf des Nachmittags konnten wir eine schöne namenlose Eidechse entdecken.
Irgendwann wurde es dann Zeit, sich auf einen Game Drive zur Erkundung des Parks zu machen. Wir fuhren zunächst einen Loop im unteren Teil und trafen dabei auf die ersten Impals und Zebras des Urlaubs.
Der untere Teil des Parks ist relativ dicht bewaldet, weite Teile waren noch absolut knochentrocken und kahl.
Anschließend fuhren wir durch die Unterführung in den oberen Teil des Parks und dort einmal um den einzigen dort vorhandenen Loop. Hier oben ist die Landschaft deutlich abwechslungsreicher, die Berge sind interessant geformt. Auch hier war jedoch alles trocken und in weiten Teilen auf verbrannt. Es zeigte sich jedoch vereinzelt das erste zarte Grün des Sommers. Wenn es grün ist, muss es hier absolut toll aussehen.
Wir entdecken neben weiteren Zebras zwei Klippspringer neben der Straße, die uns den Gefallen tun, sich kurz in Pose zu werfen.
Auch die erste Gabelracke des Jahres wird digital verewigt.
Als wir schon fast auf dem Rückweg sind, freuen wir uns schließlich, unseren ersten südafrikanischen Elefanten beim Abendmahl beobachten zu dürfen.
Er lässt sich von uns überhaupt nicht stören und mampft sich genüsslich durch das frische Grün. Die Möglichkeit, wenigstens ein paar Elefanten sehen zu können, war mit einer Hauptgründe, weshalb wir am Anfang unserer Route noch den Marakele und den Pilanesberg Nationalpark eingebaut hatten. Diese Pflichtaufgabe hatten wir nun am ersten Tag erfüllt.
Zurück auf der Campsite waren wir schließlich pünktlich zum ersten Sundowner des Urlaubs, den wir in vollen Zügen genießen konnten, während auf der Lichtung vor der Campsite Impalas und Warzenschweine friedlich grasten und der Himmel sich langsam rot färbte.
So ging der erste komplette Urlaubstag zuende und wir testeten erstmals das Bett unseres Zuhauses für die nächsten Wochen.
Teil 418. März 2020
Tag 3 22.10.2017 Marakele NP Bontle Campsite Gefahrene KM: 66,5
Mitten in der ersten Dachzeltnacht unserer Urlaubs werden wir plötzlich durch lauter seltsame Geräusche um uns herum geweckt, die wir nicht zuordnen können. Ein Blick aus dem Fenster verrät schließlich: die Impalaherde hat offenbar beschlossen, dass die Campsite eine hervorragende Weidegelegenheit bietet und grast überall um uns herum in wenigen Metern Abstand im Mondlicht. Ein wunderbar friedliches Bild.
Nach dem Aufstehen sitzt die morgendliche Routine noch nicht wirklich sicher, so dass wir einige Zeit benötigen, bis wir endlich erneut den Park erkunden können. Verstärkt wird dieses Problem dadurch, dass das Auto trotz wiederholter Versuche zunächst einfach nicht Anspringen möchte. Irgendwann klappt es dann doch und wir machen uns auf eine erste Runde zunächst durch den unteren Teil des Parks und dem Plan, anschließend im oberen Teil des Parks bis zum Lenong View Point zu fahren.
Wir fahren zunächst wieder zurück zum Parkeingang um uns dann nach rechts zum Tshugulu Drive zu wenden. Der Weg führt durch zum Teil etwas offenere Gegenden, zum Teil durch sehr attraktiven Wald, der bereits deutlich grüner ist als in anderen Teilen des Parks. Zusammen mit dem rötlichen Sand sehr schön anzusehen.
Dort zeigen sich uns die ersten Giraffen.
Sowie erneut die hier offenbar omnipräsenten Impalas.
Wir sehen ein Horde Paviane über die Straße laufen, für ein brauchbares Foto reicht nicht mehr. Anschließend können wir eine Kudu-Dame sowie einen European Bee-Eater bewundern.
Wir legen einen kurzen Stop bei einem Bird Hide ein, der sich uns jedoch nur mit Schlamm und ohne jede Tierwelt präsentiert. Leider hat es etwas zugezogen und ist jetzt bewölkt und grau. Adé schönes Morgenlicht..
Auf dem Parkplatz vor dem Hide finden wir ein Heuschrecken (?) - Pärchen.
Später zeigen sich abermals Giraffen in schönem Wald.
An einem weiteren Hide sehen wir in der Ferne einige Grünmeerkatzen sowie eine Nilgans. Anschließend geht es in den oberen Teil des Parks. Die bereits bei Abfahrt aufgetretene Schwierigkeit, den Motor zu starten, tritt auch während unseres Game Drives immer mal wieder auf. Hinzu kommt jedoch ein neues Problem. Nun beschloss nach der ABS-Leuchte auch das Bremswarnsymbol zu leuchten. Ein Blick ins Handbuch rät doch deutlich dringender als bei der ABS-Leuchte, einen Werkstatt aufzusuchen. Wir haben keinen Empfang, also verschieben wir dieses Problem zunächst.
Im oberen Teil des Parks entdecken wir zunächst einen Hasen, der sich mangels Unterholz nicht verstecken kann (bitte die schlechte Bildqualität zu entschuldigen – es ist leider das einzige Bild..).
Wir finden einen Elefantenhintern in verbranntem Busch und schließlich eine Herde Gnus und Zebras, die sich ersichtlich über das frische sprießende Grün freuen. Leider ist auch hier das Licht nicht auf unserer Seite.
In weiter Ferne sehen wir schließlich eine NH-Mutter mit ihrem Kalb und können Sie eine Zeit lang beobachten.
An der Abzweigung zum View Point stellen wir fest, (a) dass die Straße hinauf verdammt schmal und steil aussieht und (b) dass das Bremswarnsymbol nicht mehr leuchtet – und entscheiden uns dafür, mehr Vertrauen in die Technik unter der Motorhaube als in die Warnleuchten in der Fahrerkabine zu haben.
Es hat mittlerweile noch stärker zugezogen ist relativ kühl geworden.
Je weiter wir der Straße folgen, desto kahler wird die Landschaft. An einigen Stellen gibt es Ausweichmöglichkeiten für entgegenkommende Fahrzeuge, zum Glück ist die Straße stets recht weit einsehbar.
Der Park ist die Heimat einer der größten noch existenten Kapgeier-Kolonien. Wir sehen in großer Höhe ein paar Geier kreisen, ob es sich um Kapgeier oder „gewöhnliche“ Weißrückengeier handelt, ist auf die Entfernung nicht zu erkennen.
Der Blick von oben ist interessant, allerdings ist alles ziemlich diesig und es ist verdammt kalt und windig, so dass es uns nicht lange hier oben hält.
Wir sehen von oben, dass eine Reihe von Autos in Begriff ist, den Berg zu erklimmen und warten ein paar Minuten, um ihnen nicht auf offener Strecke zu begegnen. Beim Starten des Motors begrüßt uns nun erneut – das Bremswarnsymbol.. Nun ist uns doch etwas mulmig zumute. Oben auf einem Berg, vor uns eine steile einspurige Straße, keinerlei alternative Bremsmöglichkeiten.. Wir überlegen, wie gut wohl die Handbremse helfen würde und beschließen, es zu riskieren und die Motorbremse intensiv einzusetzen. Schließlich kommen wir wohlbehalten wieder unten an und fahren zurück zur Campsite – wobei das Bremswarnsymbol erneut verschwindet.
Auf der Campsite angekommen, beschließen wir, dass wir für heute genug Aufregung hatten und genug vom Park gesehen haben und den Abendgamedrive ausfallen zu lassen. Insgesamt ist die Tierdichte nicht sehr groß. Hinzu kommt, dass im oberen, tiertechnisch spannenderen Teil aufgrund der kahlen schwarzen Bäume und der vielen Steine trotz des frischen Grüns alles einen etwas trostlosen Eindruck hinterlässt.
Zum Glück gibt es auch auf der Campsite selbst noch allerhand Spannendes zu entdecken. Ein Frosch – nach unseren Recherchen müsste es sich um einen White Foam-Nest Tree Frog handeln – hat es sich einer Astkabel sehr fotogen bequem gemacht.
Wenig später verlässt er seinen Parkplatz und gibt uns die Chance für weitere Bilder.
Auch Warzenschweine, Impalas, Grünmeerkatzen und Helmperlhühner geben sich die Ehre. Plötzlich lässt sich im Baum über unserem Tisch ein Kleinsperber (?) nieder und hat nichts gegen eine Fotosession einzuwenden.
So geht der Tat schließlich gemütlich zu Ende, morgen geht es auf den kurzen Weg zum Pilanesberg.
Fazit Marakele NP: Der Park ist vielleicht eher für seinen landschaftlichen Abwechslungsreichtum als für seine Tierwelt ein interessantes Ziel. Als erster Park eine Reise bietet er die Gelegenheit, wieder in den Safarimodus zu kommen und bietet jede Menge Ruhe und Naturnähe. Im Rückblick jedoch für uns das Ziel, auf das wir am ehesten hätten verzichten können. Mag sein, dass wir etwas Pech mit diesigem Wetter hatten und zur falschen Jahreszeit da waren, andere Berichte aus dem Park belegen, dass es vor allem in der grünen Jahreszeit lang nicht zu abweisend wirkt. Wir hatten gleichwohl einige sehr schöne Tierbegegnungen und Erlebnisse, die wir nicht missen wollen. Die Campsite selbst ist eine echte Empfehlung, schön gelegen mit vielen Bäumen und Tieren um einen herum, es gibt meines Wissens auch einige fest installierte Zelte zu mieten.
Teil 519. März 2020
Tag 4 23.10.2017 Pilanesberg Bakgatla Campsite Teil 1 Gefahrene KM: 146
Heute morgen verzichteten wir aufgrund der dürftigen Ausbeute auf einen gesonderten Game Drive – zudem hatten wir die Hoffnung, in Pilanesberg mehr Glück zu haben. Da wir heute nur eine kurze Fahrstrecke und somit Zeit hatten, beschlossen wir zunächst einmal die noch offenen Fahrzeugprobleme anzugehen. Einen Anruf bei Bushlore später war das Anlasserproblem gelöst: man muss immer aufpassen, dass die Fußmatte nicht unter das Kupplungspedal rutscht. Offenbar ist im Fahrzeug eine Diebstahlsicherung verbaut, die ein Anlassen des Fahrzeugs verhindert, wenn das Pedal nicht wirklich zu 100% durchgetreten ist. Wegen des sporadisch aufleuchtenden Bremswarnsymbols wurde spekuliert, dass wohl nur ein Sensorfehler vorliegen dürfte, riet uns aber zur Sicherheit eine Toyota Werkstatt aufzusuchen. Passenderweise lag ein Vertragshändler auf unserer heutigen Route in Northam.
Dort schilderten wir unser Problem und nahmen im Verkaufsraum Platz, während ein Mitarbeiter das Fahrzeug an die Elektronik anschloss, eine kleine Probefahrt macht und erneut an die Elektronik anschloss. Am Ende stand die Erkenntnis, dass es sich wohl um einen älteren Sensorfehler handeln dürfte, der sich immer wieder bemerkbar machte. Sie löschten das Fehlerprotokoll, ab dann hatten wir Ruhe vor der Leuchte. Der Chef des Autohauses, selbst mit Camper im südlichen Afrika unterwegs, war sichtlich an unserer weiteren Route interessiert und gab uns noch seine Telefonnummer, damit wir ihn jederzeit bei sonstigen Fahrzeugproblemen anrufen können – er kenne überall Leute, die kurzfristig helfen können. Wir bedankten uns für die unbürokratische Hilfe – Bezahlung oder ein Trinkgeld wollte man nicht annehmen – und machten uns auf den Weg Richtung Pilanesberg.
Dort kamen wir gegen Mittag an und checkten im vor dem Eingangstor zum Park befindlichen Bakgatla Resort ein. Am Park gibt es zwei Campsites, eine am Nord- und eine am Südeingang bei Sun City. Da wir (a) aus Norden kamen und (b) hofften, dass sich wegen des größeren Abstands zu Sun City weniger Personen in den nördlichen Teil verirren würden, hatten wir uns für diese Campsite entschieden. Dabei handelt es sich um ein gigantisch großen Komplex mit zahlreichen Bungalows und gefühlt hunderten Stellplätzen – die aber zu 95 % leer waren. In Ferienzeiten muss hier die Hölle los sein. Der Campingplatz ist, ich würde sagen, „in Ordnung“. Man findet ein paar schöne Ecken zum Stehen, es gibt auch recht viele weniger schöne Ecken. Anhand des Bodens konnten wir sehen, dass es hier wenige Tage zuvor massivst geregnet haben muss – viele Wege waren halb weggespült, überall sah man die Spuren einer kurz zuvor vergangenen Flut.
Was jedoch für die Campsite sprach: es wimmelte hier nur so von Vögeln jeglicher Couleur. Besonders ein Pärchen Gelbschabeltokos hatte wohl im Baum neben unserem Stellplatz sein Quartier und unterhielt uns während der zwei Tage unseres Aufenthalts vorzüglich, insbesondere da sie ziemlich schmutzig und abgekämpft aussahen und sich beständig stritten. Leider hatten sie auch die Angewohnheit, unser Auto näher zu inspizieren und sich dabei wahlweise im Seitenspiegel selbst zu attackieren oder unsere Scheibenwischer zu inspizieren. Wir waren daher gezwungen, sie immer wieder von unserem Fahrzeug zu vertreiben. Die extra für die Reise angeschaffte Gummischlange, die wir unter die Windschutzscheibe gelegt hatten, zeigte keinerlei Wirkung.
Nach Mittagessen und etwas Ausruhen beschlossen wir, dem Park einen Besuch abzustatten. Sofern man im Bakgatla Resort nächtigt, bekommt man nochmals Rabatt auf den Eintritt, so dass dieser, gerade im Vergleich zu anderen Parks, geradezu lächerlich niedrig war.
Da wir keinerlei Erfahrung mit Game Drives auf Teerstraßen hatten und noch die naive Vorstellung hatten, man würde auf Teerstraßen keine Tiere, sondern nur Autos sehen, bogen wir bei erster Gelegenheit nach links auf eine Gravelroad und folgten dieser in einem größeren Kreis immer in Nähe der Parkgrenze. Vielleicht lag es an der Uhrzeit oder wir hatten eine blöde Strecke erwischt – jedenfalls sahen wir für die ersten 2 – 3 Stunden gefühlt sehr wenig und wenn dann, wenig fotogen, da zu weit, zu verdeckt oder im direkten Mittagssonnenlicht. Zu Gesicht bekamen wir dabei einzelne Kudus, einen Magpie Shrike sowie in der Nähe eines kleineren Sees in der Ferne einen einsamen Wasserbock und Nilgänse.
An einem weiteren Wasserloch lag ein Hippo im Schlamm und bewegte sich nicht.
Zwar hatten wir nun unser erstes Hippo außerhalb des Wassers gesehen (im Jahr zuvor im Caprivi hatten wir zwar Hippos en masse, aber stets nur im Wasser), wir waren uns aber nicht so wirklich sicher, ob es überhaupt noch lebte – schließlich lag es in der größten Mittagshitze regungslos in der Sonne. Nach ein paar Minuten bangen Beobachtens schließlich die Erlösung – es bewegt sein Schwänzchen 🙂
Nun sind wir fast am östlichen Gate des Parks und beschließen, der Teerstraße von dort ins Zentrum des Parks zu folgen. An einem weiteren, sehr ausgetrockneten See finden wir weitere Hippos – diesmal definitiv noch lebendig.
Wir sehen zudem einen Ibis / Hagedasch, einen Elefanten, eine Giraffe und lassen eine Herde Kudus vor uns die Straße überqueren. Zwischenzeitlich hatte es wieder zugezogen, so dass das Licht eher flach wurde.
Ein Glanzstar sitzt sehr fotogen auf einem bereits ergrünten Ast. Die Bäume sind hier größtenteils bereits ergrünt, lediglich das Gras ist noch gelb und trocken.
In sehr sehr weiter Ferne sehen wir ein braunes Etwas und sinnieren darüber, ob wir es mit einem Gnu oder einem einsamen Büffel zu tun haben. Das Hitzeflimmern und der Umstand, dass wir stets nur das Hinterteil zu Gesicht bekommen, macht eine Bestimmung nicht einfacher. Wenn ich nunmehr mit mehr Erfahrung die unscharfen Bilder begutachte, spricht doch mehr für ein Gnu 😉
Im Zentrum des Parks ist die Landschaft wunderschön. Es gibt große Ebenen, die mit gold leuchtendem Gras bestanden sind, außenrum Hügel und in der Mitte einen großen See.
Wir sehen immer wieder Elefanten, die sich ganz entgegen ihres Rufs sehr friedlich verhalten. Zudem kommt nunmehr die Sonne wieder etwas raus, so dass sich uns ein paar schöne Fotogelegenheiten bieten.
In die andere Richtung stehen ein paar Zebras, mit dabei ein noch sehr kleines Fohlen, welches sich immer dicht an seiner Mutter hält. Leider ist die Qualität der Fotos aufgrund der Entfernung und Hitze nicht berauschend, aber gleichwohl sehr nett zu beobachten. Und es zeigt sich mal wieder, wie wichtig es ist, zwei Kameras und zwei Teles dabei zu haben, da nunmehr auf beiden Seiten etwas geboten ist 😉
Rund um den See sind nunmehr eine Vielzahl von Vögeln zu sehen, Seidenreiher, Kormorane, Nimmersatte und und und.. Bei einem kleineren Fahrzeugauflauf ( = 3 Fahrzeuge – bis dahin die größte Ansammlung an Fahrzeugen im Park) zeigt sich ein Hippo grasend an Land.
Ein Waffenkiebitz läuft durchs Gras.
Giraffen durchstreifen die Grasebenenen. Man fühlt sich hier ein wenig an Bilder aus Ostafrika erinnert. Uns gefällt es hier sehr gut.
Am See gibt es in einem schönen schilfgedeckten Gebäude einen Bird-Hide, zu dem ein langer Steg führt. Dieser sollte sich für uns als DAS Highlight des Parks herausstellen. Leider fiel er einige Zeit später einem Feuer zum Opfer und ist, soweit ich weiß, mangels verfügbarer Gelder, noch nicht wieder aufgebaut.. Dass es um die Finanzen (des nicht von Sanparks verwalteten) Parks nicht besonders gut bestellt ist, sieht man auch an der sonstigen Infrastruktur. Die Teerstraßen bestehen zum Teil aus mehr Schlaglöchern als Teer, vieles macht einen sehr desolaten Eindruck. Bei den hohen Besucherzahlen eigentlich nur schwierig nachzuvollziehen..
Teil 619. März 2020
Tag 5 24.10.2017 Pilanesberg Bakgatla Campsite Teil 1 Gefahrene KM: 82
Nach geruhsamer Nacht brachen wir mit Toröffnung erneut in den Park auf. Dabei zeigte sich so langsam ein Nachteil des Bakgatla Ressorts. Alle spannenden und tierreichen Teile des Parks schienen eher in der Mitte zu liegen, die Straße dahin war jedoch katastrophal schlecht.
Trotzdem sind wir aufgrund der guten Erfahrungen des gestrigen Tages optimistisch. Zudem bringt die aufgehende Sonne alle um uns herum zum leuchten. Kurz darauf präsentierte sich uns bereits das erste Highlight des Tages in Form einer NH-Herde. Anfangs noch etwas verdeckt von Büschen und Gräsern, bekommen wir sie schließlich schön zu Gesicht und können die Interaktionen dieser Riesen beobachten.
Kurz darauf sehen wir eine Gnuherde.
Am See in der Parkmitte angekommen, sieht man anhand der Hippos, dass die Tiefe des Sees wohl überschaubar ist.
Im Hintergrund sieht man den Bird Hide. Ein Elefant kümmert sich um die Landschaftspflege.
Besonders freue ich mich über einen Löffler, der in einem weiteren See auf Nahrungssuche ist.
Wir fahren einige kleinere Straßen und finden ein Klippspringerpärchen sowie Zebras.
Später machen wir an einem View Point auf einem der Hügel Frühstückspause mit reichlich Besuchern.
Natalfrankolin
Grauschnabeltoko
Schließlich fahren wir aufgrund der gestrigen Erfahrungen erneut zum Bird Hide und werden wiederum nicht enttäuscht. Zunächst sehen wir einen Heiligen Ibis..
… einen Silberreiher auf der Jagd (leider ohne scharfes Foto) und schließlich ein Nachwuchskrokodil.
Im Hide fliegen Lesser Striped Swallows / Maidschwalben herum.
Draußen ist ein Graureiher auf Beutesuche.
Ein Maskenweberweibchen beobachtet, ob das Männchen beim Hausbau alles richtig macht.
Am Steg zum Hide futtert ein Graubülbül sich durch das reichhaltige Angebot an frischem Obst und auch der Grünreiher ist wieder zu finden.
Irgendwann beschließen wir, dass es Zeit ist, zur Campsite zurück zu fahren für eine kleine Mittagspause. Auf dem Weg zurück entdecken wir eine Elefantenherde, die ihrem Aussehen nach zu urteilen soeben vom Baden zurückkommt. Sie laufen zunächst schräg zur Straße, schließlich auf der Straße vor uns her und entscheiden sich dann wenige Meter vor dem Parktor, nach rechts in die Büsche abzubiegen.
Teil 720. März 2020
Tag 5 24.10.2017 Pilanesberg Bakgatla Campsite Teil 2
Nachmittags ging es nochmals eine Runde durch den Park. So wie der morgendliche Game Drive mit grauen Riesen endete, begann der abendliche Game Drive ebenfalls mit grauen Riesen. Es war schön zu beobachten, wie diese wunderbaren Tiere das frische Gras weideten und sich nicht im geringsten durch unsere Anwesenheit stören ließen.
Kurz darauf gelang es uns endlich einmal, ein Warzenschwein abzulichten, welches nicht sofort die Flucht ergriff.
Auf den Ebenen am Seeufer posierte ein Wasserbock.
Und auch die weiteren üblichen Verdächtigten zeigten sich bereitwillig.
Auch heute waren reizten wir die Gatezeiten wieder bis zum Ende aus. Da wir nun die Straße kannten und uns kein Roadblock mehr aufhielt, kamen wir diesmal jedoch tiefenentspannt und zufrieden wieder auf unserer Campsite an.
Teil 820. März 2020
Tag 6 25.10.2017 Red Sands Country Lodge Gefahrene KM: 536
Heute stand uns der erste von zwei langen Fahrtagen bevor, um aus der Nähe Johannesburgs bis zum KTP zu gelangen, insgesamt eine Strecke von ca. 1000km. Da wir sowieso Richtung Südwesten weiter mussten und uns aufgrund der ergiebigen Game Drives der letzten Tage erneut gute Sichtungen erhofften, standen wir wieder bei Parköffnung am Gate um einen letzten Game Drive quer durch den Park zu absolvieren.
Relativ schnell zeigte sich, dass dies eine NH, von denen zwei noch vor sich hin dösten. Wir warteten einige Zeit und beobachteten die beiden Langschläfer.
Kurz darauf verspürte eines der beiden offenbar doch etwas Hunger und erhob sich.
Dann gab es einen sanften Stupser für die letzte Schlafmütze, ehe es sofort ans gemeinsame Grasen ging. Meine Bewunderung an den Gleichgewichtssinn der Madenhacker..
Nachdem wir die NH verlassen hatten, bogen wir auf einen kleineren Weg ein. Plötzlich lief ca. 100 Meter vor uns etwas seltsames über die Straße und blieb schließlich stehen, um uns zu begutachten. Was war das? Konnte das eine braune Hyäne sein? Damit hatten wir hier überhaupt nicht gerechnet.
Wir machen schnell ein Beweisfoto durch die Windschutzscheibe und wollten uns quer hinstellen, als von hinten mit Vollgas ein offenes Game Drive Fahrzeug heranbrauste, offenbar ohne die Hyäene zu sehen und in einer Staubwolke an uns und der Hyäne vorbeischoss. Die Hyäne war selbstverständlich verschwunden.. Entsetzt über so viel Idiotie und Egoismus seitens eines professionellen Guides und zugleich glücklich, zum ersten Mal eine braune Hyäne gesehen zu haben, machten wir uns langsam auf den Weg Richtung südliches Gate.
Fazit Pilanesberg: Landschaftlich wunderbar abwechslungsreich, man sieht viele verschiedene Tiere auf engem Raum. Wir hatten im Vorfeld große Sorgen von viel zu vielen Fahrzeugen. Auch waren wir uns nicht sicher, wie „echt“ sich Game Drives in einem eher kleinen Reservat, noch dazu auf Teerstraßen anfühlen würden. Am Ende erwiesen sich all diese Sorgen als unbegründet. Die Zahl der Besucher war sehr überschaubar, was sicher auch daran lag, dass gerade keine Ferien und Wochenende war. Lediglich einmal stießen wir auf eine große Fahrzeugansammlung, als ca. 15 Autos an einer Kreuzung standen. Da sich die Versammlung aber gerade auflöste, als wir ankamen, konnten wir den Grund der Versammlung nicht mehr aufklären. Ansonsten war uns lediglich das unangemessene Fahren einiger offener Game Drive Fahrzeuge negativ aufgestoßen. Sofern man Wochenenden und Ferien meidet, ist der Park eine wunderbare kleine Oase, die überraschend viel zu bieten hat. Zwar sahen wir keine Katzen, aber dafür fuhren wir ja noch in den KTP 🙂 Sehr gefreut haben wir uns über die zahlreichen NH-Begegnungen. Auch nach der nunmehr fünften „Safari“-Reise waren dies die besten NH-Sichtungen die wir bisher hatten.
Mit Entsetzen mussten wir daher nach unserer Rückkehr lesen, dass der Park allein in den Wochen rund um unseren Besuch 9 NH und im gesamten Jahr 2017 16 NH an Wilderer verloren hatte..
Schließlich machten wir uns gegen 08.15h auf den langen Weg Richtung Westen. Hierfür standen im Vorfeld 3 verschiedene Routen zur Auswahl: Über Botswana nach Kokotsha und von dort in die Mabuasehube Section, von da dann zu Nossob und Auob, eine Route über Kuruman und Van Zylsrus und über Kuruman und Upington. Da wir aufgrund fehlender größerer Sanderfahrung zu großen Respekt vor der Piste von Kokotsha in die Mabua und dem Trail von der Mabua nach Nossob hatten, wir sehr stark divergierende Informationen über die Qualität der Gravel Road bei der Strecke über Van Zylsrus fanden und uns Upington als für einen Großeinkauf optimal geeignet erschien, wurde es am Ende die längere Route über Upington.
Als Zwischenübernachtung lag passend auf etwas mehr als halber Strecke, kurz hinter Kuruman die Red Sands Country Lodge, welche wir auch gegen kurz vor 15:00, d.h. nach knapp 7 Stunden Fahrtzeit und einer kurzen Mittagspause im KFC in Vryburg erreichten. Wir wechselten uns beim Fahren pünktlich jede Stunde ab, so ließ sich die Zeit gut aushalten. Wir waren überrascht, wie leer und einsam weite Strecken waren, gerade im Vergleich zu unserer bisherigen Route. Zwischen den jeweiligen „Städten“ im Abstand von > 100km befand sich nichts außer vereinzelter Farmen, die Straße kerzengerade aus. Es kam vor, dass einer von uns das Steuer übernahm und eine Stunde später wieder übergab, ohne eine einzige Kurve gefahren zu sein. Schon irgendwie faszinierend 🙂
Die Red Sands Country Lodge ist aufgrund ihrer Lage der optimale Übernachtungstop. Es gibt Campsites mit privaten Ablutions oder Bungalows. Da es kurz darauf und meines Wissens nochmals ein, zwei Jahre später dort zu Überfällen kam, sollte man vor einer Buchung vielleicht die Frage der Sicherheit nochmals checken – bereits damals gab es aber hohe Zäune mit Stacheldraht und andere vergleichbar martialische Schutzvorkehrungen. Wir erholten uns von der langen Fahrt und beobachten die örtliche Avifauna. Sehr gefiel uns dabei auch der rote Sand, der uns von nun an für lange Zeit begleiten sollte.
Acacia Pied Barbet / Rotstirnbartvogel
unidentifizierbarer Schmutzfink
Southern Masked Weaver / Maskenweber
leider ebenfalls unbekannt geblieben..
Groundscraper Thrush / Akaziendrossel
Teil 920. März 2020
Tag 7 26.10.2017 KTP Rooiputs Teil 1 Gefahrene KM: 601
Da wir wussten, dass wir erneut eine nicht unerhebliche Strecke vor uns haben würden, standen wir wie gewohnt zeitig auf und machten uns auf den Weg nach Upington als erstes Etappenziel. Der Verkehr war nunmehr deutlich dichter als am Tag zuvor, insbesondere viele LKWs machten immer wieder Überholvorgänge notwendig.
Schließlich erreichten wir jedoch wohlbehalten Upington. Dort fuhren wir zunächst zur Kalahari Mall, um uns mit allem einzudecken, was wir für die nächsten knapp zwei Wochen brauchen würden. Auf dem Parkplatz unterhielten wir uns kurz mit einer Dame, die erzählte, in der Nähe des Parks eine Farm zu betreiben und gerade beim Futter kaufen war. Das muss echt eine interessante, aber auch extrem aufreibende Tätigkeit sein, in derart trockener Umgebung Landwirtschaft zu betreiben..
Schließlich ging es noch zum Upington Slaghuis, wo wir unser zuvor per Email vorbestelltes Fleisch, Spieße und Würstchen tiefgefroren in Empfang nahmen. Etwas entsetzt waren wir dann doch, als wir die Größe des Pakets sahen, dass uns da überreicht wurde.. Da war der Hunger und die Neugier beim Durchgehen der Bestellliste wohl größer als gedacht. Zuhause ernähren wir uns zu 95 % vegetarisch, „richtiges“ Fleisch sieht unsere Küche alle paar Jubeljahre. Da hier Qualität und Preis aber zu stimmen scheinen und das Grillen am Lagerfeuer nunmal eine sehr entspannte, angenehme und einfache Art des Abendessens ist, sich Fleisch – im Gegensatz zu Gemüse – tiefgekühlt wunderbar hält werden wir im südlichen Afrika regelmäßig wieder zu Carnivoren.
Als auch das erledigt war, ging es auf die letzte Teilstrecke zum KTP. Irgendwann kamen die ersten Dünen und die Landschaft wurde immer interessanter.
Einige Kilometer vor dem Park meinten wir, auf einer Weide Erdmännchen entdeckt zu haben, waren uns aber nicht sicher. Da die Ausrüstung noch von der Fahrt tief verstaut war, beließen wir es beim Verdacht und fuhren weiter. In Twee Rivieren checkten wir ein und brachten die arme Sanparks-Mitarbeiterin fast zur Verzeiflung, da sich unsere Buchung, bedingt durch die KTP-Buchungslotterie für 7 Nächte auf südafrikanischer Seite auf verschiedenste Buchungen verteilte.. Zudem nahmen wir sogleich die Ausreiseformalia aus Südafrika in Angriff, um den Park nach 9 staatenlosen Nächten Richtung Namibia verlassen zu können.
Schließlich war auch dies aller erledigt, Kameras und Ferngläser ausgepackt und auf Rückbank bzw. Schoß verteilt und wir machten uns auf die Erkundung des KTPs, gespannt was uns wohl erwarten würde.
Aufgrund der zahlreichen Reiseberichte über den KTP hatten wir große Hoffnungen auf Katzen, Erdmännchen und braune Hyäenen, zugleich aber die Sorge, dass wir zu den Leuten gehören könnten, die einfach nur „Pech“ haben und für die der Park am Ende einfach nur langweilig ist. Wir nahmen uns vor, komplett unvoreingenommen zu sein und uns schlicht einfach die größte Mühe zu geben, so viel wie möglich zu sehen.
Diesem Vorsatz folgend hielten wir bei der ersten sichtbaren Bewegung an und fanden zwei Vierstreifenmäuse im Gestrüpp – unsere ersten Tiere im KTP 🙂 Leider reichte es nicht für viel mehr als ein Beweisfoto.. Für Mäusefans lohnt es sich aber dran zu bleiben - eine spezielle Mäusesichtung hatten wir noch 😛
Auf unserem weiteren Weg nach Rooiputs sahen wir – für uns relativ überraschend – Hartebeestse, Strauße und, ebenfalls etwas überraschend, eine South African Shelduck. Bereits auf diesen ersten Kilometern zeigte sich, dass alle Arten von Vögeln, insbesondere Greifvögel hier in dieser kargen Gegend vertreten waren und wir freuten uns, trotz des vermeintlich schlechten Game Drive Zeit schöne Sichtungen zu haben – exemplarisch hierfür ein Pale Chanting Gawshak in jung und alt.
Plötzlich sahen wir am Rande der Piste etwas wuseln, das wir zunächst nicht zuordnen konnten. Bei näherer Begutachtung stellten wir fest: Erdmännchen! 🙂
Damit hatten wir nun überhaupt nicht gerechnet – innerhalb der ersten Kilometer im Park, zu schlechter Uhrzeit ausgerechnet die Tiere zu finden, auf die wir gehofft hatten und dann noch so nah, mit Jungtieren und und und..
Es war eine reine Freude, ihnen beim Futter suchen und spielen zuzusehen und wie der Nachwuchs immer beobachtend alle Handlungen der Großen beobachtete.
Zu beiden Seiten der Straße waren sie nun am Wuseln und wir taten uns schwer, alles gleichzeitig zu beobachten und adäquat abzulichten. Die harten Kontraste zwischen Schatten und Sonnenlicht halfen dabei nur bedingt. Unabhängig davon waren wir uns sicher – das ist die Topsichtung des Tages.
Ein interessanter Größenvergleich:
Insgesamt waren wir (oder zumindest ich) etwas überrascht über die geringe Größe – in meiner Vorstellung waren Erdmännchen irgendwie immer größer gewesen..
Ein Vogel am Himmel schien etwas Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Insgesamt standen wir nun schon eine ganze Weile dort und beobachteten, das Beste sollte jedoch noch kommen.. (Sorry für den Cliffhanger, aber irgendwo muss ich den Beitrag splitten 😛 )
Teil 1020. März 2020
Tag 7 26.10.2017 KTP Rooiputs Teil 2
Wir standen schon eine ganze Weile am Pistenrand und beobachteten die Erdmännchen, als mir plötzlich vor dem Fenster ein gelber Stecken auffiel, der da vorher irgendwie noch nicht war..
Was jetzt folgte, war – gerade weil es sich im Kleinen abspielte – auch nach all den Jahren eines unseren eindrücklichsten Wildlifeerlebnisse – 2 Meter von unserem Auto entfernt..
Die Erdmännchen hatten offenbar eindeutig etwas gegen die Anwesenheit der Cobra und versuchten sie zu vertreiben bzw. zum Rückzug zu bewegen. Vermutlich wollten die Erdmännchen verhindern, dass die Cobra in die Gänge des Baus eindringt und dort ggf. noch befindliche Jungtiere angreift. Die Cobra ihrerseits sah nicht ein, weshalb sie verschwinden sollte und begab sich ihrerseits in Warnstellung.
Die Erdmännchen schauten nicht weniger grimmig, zeigten ihre Zähne, sträubten das Fell und rückten eng zusammen – die kleinen mittendrin an vorderster Front.
Nun folgten abwechselnd Attacken der Erdmännchen, denen die Cobra geschickt auswich und Attacken der Cobra, denen die Erdmännchen ebenso geschickt auswich.
Es ging so schnell und hitzig hin und her, dass wir am Ende verwundert waren, dass offensichtlich niemandem etwas passiert war. Am Ende musste sich die Cobra der Vielzahl an immer wieder auf sie zu stürmenden Erdmännchen geschlagen geben und zog von dannen. Wie die Erdmännchen hier Zusammenhalt gezeigt und systematisch agiert haben, zeigt eindrucksvoll die Kraft von Familie und Gemeinschaft..
DAS war mal ein Auftakt nach Maß für einen neuen Park.. Wir hatten das schon einmal in einer Doku gesehen und dort kaum geglaubt. Was für ein Glück..
Und es bewahrheitet sich einmal mehr die Game Drive Weisheit: einfach ruhig irgendwo sitzen und beobachten führt zu den interessantesten Sichtungen.. hätten wir nicht den Erdmännchen so lange zugesehen, weil wir eh nichts besseres zu tun hatten in der Mittagshitze.. Überflüssig zu erwähnen, dass während der Zeit kein anderes Auto vorbeikam? 🙂
Nach so viel Adrenalin wurde es Zeit, auf die Campsite zu fahren und sie zu inspizieren, wo es uns allerdings nicht lange hielt, schließlich war NUN langsam optimale Game Drive Zeit und wer weiß, was der Park noch zu bieten hat.
Wir fuhren Richtung Norden und wollten bis zum Kij Kij Wasserloch und dann umdrehen. Auf dem Weg dorthin sahen wir eine Springbockherde, Gnus, Erdhörnchen sowie eine Slende Mongoose. Am Wasserloch sahen wir dann schließlich ein paar Autos komisch parken, interessierten uns jedoch zunächst für den herantrabenden Schakal.
Nachdem wir die parkenden Autos umkurvt haben, wurde der Grund der Ansammlung klar – ein stattlicher Löwenkater hatte es sich direkt vor dem betonierten Schild an der Kreuzung zur Dünenstraße niedergelassen.
Kurz erhob er seinen Kopf um sodann wieder in typische Löwenpose – zu verfallen.
Da wir nicht damit rechneten, dass sich der Löwe noch großartig bewegen würde in nächster Zeit und wir nun eigentlich genug gesehen hatten und sich die lange Fahrt doch bemerkbar machte, beschlossen wir auf die Campsite zurück zu kehren.
Die Stimmung dort war schlicht wundervoll friedlich. Eine Herde Gnus und Springböcke graste im goldenen Abendlicht.
Wir machten rasch Feuer und stießen auf den gelungen Auftakt an.
Etwas mulmig war uns bei dem Gedanken zu Mute, zum ersten Mal so ganz ohne Zaun da zu sitzen, aber die tolle Lichtstimmung und das Konzert der Bellgeckos vertrieben alle Sorgen. Dieser Ort ist einfach traumhaft. Einen neugierigen Schakal mussten wir wiederholt von unserem Grill vertreiben, ansonsten blieb alles ruhig.
Teil 1121. März 2020
Tag 8 27.10.2017 KTP Rooiputs Teil 1 Gefahrene KM: 154
Die Nacht verlief ruhig und ohne jegliche Störungen. Mit Sonnenaufgang waren wir auf den Beinen und machten uns auf den langsamen Weg Richtung Norden. Erneut kamen wir nicht allzu weit. Nach wenigen Kilometern sahen wir einen Kapfuchs in der Nähe der Straße sitzen.
Bald darauf gesellte sich ein zweiter dazu.
Dann sahen wir, dass direkt am Straßenrand ein Bau war, aus dem schließlich zwei putzmuntere Jungspunde herauskletterten und herumtobten.
Irgendwann hatten die beiden von irgendwo zwei tote Mäuse, mit denen sie spielerisch die Jagd übten.
Nach einiger Zeit rissen wir uns los. Gerade morgens finde ich es sehr schwer, abzuschätzen, bei welcher Sichtung man länger bleiben oder in Hoffnung auf andere Sichtungen in der Kühle des Morgens weiterfahren sollte..
Diesmal erwies sich die Entscheidung, weiter zu fahren jedoch als richtig. Nach wenigen Minuten trafen wir auf die Nächste Kapfuchsfamilie. Diesmal hatte es die Sonne schon über die Dünen geschafft, leider waren die Füchse hier aber ein gutes Stück weiter weg.
Die Jungen waren hier nochmals agiler und jagten einander und gelegentlicher Beteiligung eines Elternteils durch die Gegend. Wir waren überglücklich, solch spezielle Momente miterleben zu können. Diese Lebensfreude 🙂
Irgendwann entschied die sich für einen Morgenspaziergang und verschwand im Gras. Wir mussten glücklicherweise nicht lange auf unsere nächste Sichtung warten – ein Löffelhund zeigte sich, anders als viele Artgenossen, sehr gelassen. Wir mögen diese Tiere mit ihren viel zu großen Ohren sehr gern, leider sieht man sie ja oft nur in der Ferne oder schnell verschwindend.
Im weiteren Verlauf zeigte sich beim Anblick von Oryx und Springböcken auch die landschaftliche Schönheit dieses Parks.
Kleiner Einschub aus der Zukunft: es ist krass, wenn man unsere Erlebnisse im KTP im Oktober/November 2017 mit denen im Dezember 2019 vergleicht. Bereits damals erschien die Landschaft teilweise verdammt karg, es zeigten sich aber sehr sehr viel verschiedene Tiere. Gerade im Vergleich sieht man dann, wie unglaublich viel karger und kahler es gegen Ende der letzten Trockenzeit war und wie wenig Tiere sich noch dort aufhielten.. der Unterschied ist echt heftig. Aber ich will nicht klagen, wir hatten auch 2019 schöne Sichtungen – Reisebericht dazu kommt hoffentlich noch 😛 Aber halt z.B. in 14 Nächten keinen einzigen Nager, 1 Kapfuchs, keinen Löffelhund, keine Erdmännchen, kaum Greifvögel.. Irgendwo hatte ich mal, eine Studie gefunden, die die „gewöhnlichen“ Tierfluktuationen im KTP bei größeren Tieren erfasst hat, da schwankten die Tierzahlen immens.
Auf einem Baum saßen zwei Lannerfalken.
Schließlich machten wir am Melkvlei Picknickplatz Frühstückspause. Bei uns gibt es traditionell Müsli mit Milch o. Joghurt, da sich beides hervorragend bevorraten lässt, schnell und einfach geht und bei nicht vorhandenem Picknickplatz oder spannenden Sichtungen auch gut im Auto eingenommen werden kann.
Die Picknickplätze im KTP gefallen uns sehr gut – im Vergleich etwa zum Etosha, wo diese Geschichte eine einzige Katastrophe ist..
Im weiteren Verlauf findet sich ein Tawny Eagle, der sich schön auf einem totem Baum positioniert hat.
Sowie einen unidentifizierten Vogel, vermutlich irgendein Jungvogel – hat da vielleicht jemand eine Idee?
Auch die kleinen Tiere bleiben heute erneut nicht unberücksichtigt.
Ein junger Pale Chanting Goshawk trainiert mit einem Stock seine Fertigkeiten. Leider flimmert die Luft infolge der Hitze bereits wieder extrem, so dass auch wir langsam den Rückzug antreten.
Am Kij Kij Wasserloch hat sich eine große Herde Gnus versammelt.
Kurz darauf finden wir einen weiteren nicht identifizierten Vogel – mit den ganzen Raubvögeln ist es irgendwie nicht so simpel – vielleicht hat hier auch jemand ne Idee? Leider lässt auch die Schärfe wegen des Flimmerns zu wünschen übrig..
Kurz vor Rooiputs sehen wir schließlich erneut eine Erdmännchenfamilie auf Nahrungssuche.
Doch auch ihnen macht die Hitze offenbar zu schaffen.
Wir tuen es ihnen gleich und begeben uns hitzebedingt in eine nachmittägliche Siesta, wofür uns der A-Frame gute Dienste leistet und bereiten zudem diesmal das Abendessen schon etwas vor, um weniger Zeit im Dunkeln mit Kochen verbringen zu müssen.
Teil 1221. März 2020
Tag 8 27.10.2017 KTP Rooiputs Teil 2
Weiter ging es am Nachmittag zunächst mit Gnuhintern, Springböcken und einem weiteren Tawny Eagle.
Ein Sichelhopf lässt uns kurzzeitig zur Bestimmungsapp greifen.
Dann fallen uns zwei Strauße auf, die irgendwie seltsam da liegen.
Irgendwie kommt mir das „anormal“ vor, deshalb beschließen wir, mal kurz abzuwarten. In der Tat folgt ein kurzes Tänzchen, dann geht’s zur Sache 🙂
Schließlich stolziert das Männchen von dannen – und man erkennt gut, dass Strauße eine der wenigen Vogelarten mit einer Art Penis sind 😛
Ansonsten blieb es heute Abend eher ruhig. Ein Schakal und ein Kapfuchs bleiben die einzigen Sichtungen.
Abends gibt es erneut Fleisch vom Grill – dafür muss es aber erst einmal etwas vorgetaut werden.. Anfängerprobleme 🙂
Teil 1322. März 2020
Tag 9 28.10.2017 KTP Urikaruus Gefahrene KM: 176
Auch die heutige Nacht war ruhig, kein Störungen an die wir uns noch erinnern könnten. Insoweit wurde Rooiputs seinem Ruf somit nicht gerecht. Nichtsdestotrotz ist Rooiputs aufgrund seiner Lage, den Dünen außenrum und der Abendstimmung einer der schönsten Campsites überhaupt. Leider stellen sich dort dieselben Verfügbarkeitsproblemen wie bei den anderen Unterkünfte im KTP, vermutlich nochmals verschärft durch den Umstand, dass viele Besucher mangels Erstattungen ihre Buchungen nicht stornieren, sondern schlicht nicht kommen. Während unseres Besuchs waren jeweils immer mindestens die Hälfte der Campsites frei..
Heute stand für uns der Umzug nach Urikaruus auf dem Programm, was bedeutete, dass wir irgendwie die Zeit bis 14:00 Uhr rumkriegen mussten. Wir fuhren daher zunächst wieder Richtung Norden, um dann langsam über das Auobtal nach Norden zu fahren.
Wie bereits am Tag zuvor, war am Kapfuchsbau Action geboten und wir genossen es, die kleinen Füchse im Morgenlicht zu beobachten.
Eine Kurze zeit später sehen wir ein Fahrzeug der Rooiputs Lodge am Straßenrand, die uns begeistert auf einen Kampfadler im Baum nebenan aufmerksam machen.
Zwischen den Klauen hält er einen jungen Kapfuchs.. von der Gegend her könnte es sich um einen der Jungen unserer zweiten gestrigen Sichtung handeln.. Wie so oft sind Leben und Tod nicht weit voneinander entfernt.
Ein Raubadler blickt etwas betrüblich drein.
Und auch sein kleinerer Kollege hat heute irgendwie seinen grimmigen Tag.
Erneut gibt es eine Frühstückspause am Melkvlei Picknickplatz,
Wir werden von zahlreichen Spatzen und Mahaliwebern belagert, zudem von einem weiteren Vogel, der sich einer Identifizierung bisher entziehen konnte – Schwarmintelligenz anyone? 😉
Heute ist es bereits recht früh sehr warm. Die Springböcke haben daher bereits vor 09:00 morgens die Arbeit eingestellt.
Die Erdhörnchen sind da agiler.
Wir machen uns daher wieder auf den Weg Richtung Süden, um über Twee Rivieren ins Auobtal zu fahren. An einem Wasserloch treffen wir auf einen hier etwas unerwarteten Besucher in Form eines Black-headed Heron sowie zahlreiche Oryx.
Nach einem Tankstopp in Twee Rivieren geht es auf den langsamen und langen Weg das Auobtal aufwärts. Wir sehen unsere erste Strichelracke..
.. einen Sekretär..
..und freuen uns über die nächste Paarung zweier Schwalbenschwanzspinte. Sie ruft ihn herbei.
Er ist bereitwillig zur Stelle.
Auch wenn die Technik nicht einfach zu sein scheint.
Schließlich erreichen wir Urikaruus und bekommen einen für uns als Camper ungeahnten Luxus präsentiert. Über das Camp muss ich glaube ich nicht viel schreiben, die Lage und Anlage ist wirklich einmalig.. Der Warden, ich meine es war Eric, erzählt uns, dass ein Löwenrudel die letzten Tage immer am Waserloch und im Camp abhing und am gestrigen Tag durchgehend den Parkplatz unserer Hütte belagert hatte, so dass die Gäste nicht weg konnten. In der Tat ist die Anzahl an Pfotenabdrücken rund um unseren Parkplatz beeindruckend.. Leider sollten wir die Verursacher, soviel sei vorweg genommen, nicht zu Gesicht bekommen.
Am Wasserloch erfrischte sich ein einsamer Gaukler.
Wir entspannen auf der Terrasse und warten auf Besucher.
Am Wasserloch selbst war nicht viel los, so entschlossen wir uns zu einem Abendgamedrive Richtung Nordwesten. Sehr glücklich waren wir über unsere erste jemals gefundene wilde „Eule“ in Form eines Milchuhu, auch wenn er sich immer geschickt im Geäst vor unseren Kameras verbarg.
Wir hatten es bis dato nicht für möglich gehalten, dass so viele Reiseberichtsschreiber offensichtlich derart regelmäßig Eulen finden, wir jedoch noch nie eine einzige zu Gesicht bekamen. Offensichtlich muss das Auge bzw. das Gehirn dafür erst einmal bestimmte Reize u. Formen abspeichern, damit man Eulen sehen kann. Wenn das Gehirn das einmal kapiert hat, läuft es von alleine..
Wir sahen noch einen Gabar Goshak sowie erstmals einen Sekretär auf einem Baum und eine Reihe weiterer Vögel, ansonsten blieb es eher ruhig.
Yellow Canary / Gelbbaugirlitz
junger Bateleur / Gaukler
junger Southern Masked Weaver / Maskenweber
Auf der Zufahrt zum Camp lief uns noch eine Yellow Mongoose / Fuchsmanguste über den Weg, die uns mit großen Augen anstarrte.
Während des Kochens erhielten wir schließlich noch Besuch von einem Kapfuchs, der sich entschloss, ein bisschen auf uns aufzupassen, indem er sich unmittelbar vor unsere Terrasse setzte.
Ansonsten verlief der Abend mit Ausnahme einiger Schakalbesuche am Wasserloch ruhig, man kann wohl nicht immer Action haben.
Teil 1422. März 2020
Tag 10 29.10.2017 KTP Kieliekrankie Teil 1 Gefahrene KM: 115
Was ich an Urikaruus so liebe, ist die Möglichkeit im Bett liegend zum Wasserloch schauen zu können. Der Versuch, so lange wie möglich wach zu bleiben scheiterte irgendwann an zufallenden Augen, bis dahin hatte sich auch noch nichts spektakuläres zum Wasserloch verirrt. Auch wiederholte Blicke nachts ergaben nichts als Leere. Wahrscheinlich immer zum falschen Zeitpunkt eingeschlafen 😛
Nachdem wir heute ein Bett, eine Küche und all den Luxus zur Verfügung hatten und es auskosten wollten, dass die immerhin eine Nacht in Urikaruus buchen konnten, entschieden wir uns zum ersten Mal in diesem Urlaub den morgendichen Game Drive ausfallen zu lassen und erst nach einem entspannten Frühstück aufzubrechen. Zudem mussten wir irgendwie die Zeit bis 14:00 Uhr rumrkiegen, obwohl wir nicht wirklich viele Kilometer zu unserer nächsten Unterkunft zu absolvieren hatten.
Der Baum am Wasserloch war von einer Grupppe Rotschulter-Glanzstare (?) zum Sammelplatz auserkoren worden.
Gegen viertel nach Sieben ging es dann doch auf die Piste. Wir sahen – fast wäre man versucht zu sagen, schon wieder – einen Tawny Eagle. Ich muss ja zugeben, wir hatten vor Ort nicht alle Greifvögel immer sofort identifiziert und ich war hinterher daheim doch überrascht, wie oft wir die immer selben Arten nur in unterschiedlichen Altersstufen, Farbabweichungen etc. erwischt hatten 😛
Kurz darauf trafen wir auf eine relativ große Springbockherde.
Einige Zeit später waren es erneut Sprinböcke, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zogen. Zwei Böcke waren in einen Kampf verwickelt – einer der beiden hatte dabei eine grausame Horndeformation, die wohl über Kurz oder Lang zu sehr unangenehmen Folgen führen dürfte..
Ein Kronenkiebitz war auf Nahrungssuche.
Auf einem toten Baum neben der Straße saß ein neugieriger juveniler Kampfadler.
Kurz darauf trafen wir noch auf einen Schwalbenschwanzspint.
Dann wurde die Ausbeute immer spärlicher. Am Auchterlonie Picknickplatz fuhren wir für eine kleine Pause rauf. Auch dieser Picknickplatz ist – mit Ausnahme der steilen Auffahrt – wieder 1a. Es war nun ca. 10.30h und wir überlegten, wie wir nun die nächsten paar Stunden verbringen sollten, nachdem wir die letzten 1-2 Stunden fast gar nichts mehr gesehen hatten. Wir beschlossen, zunächst ein wenig Richtung Süden zu fahren und dann weiterzusehen.
Beim Runterfahren vom Picknickplatz, sahen wir, dass ein einzelnes Fahrzeug seltsam im Schatten eines großen Baums nicht weit entfernt vom Wasserloch geparkt hatte – eine Situation, die eine genauere Inspektion erforderte. Als wir langsam näher kamen, zeigte ein Arm direkt nach oben und tatsächlich, da war lag irgendwas.. mit komischen Punkten.. unser allererster Leopard 😄
Es war anfangs nicht wirklich einfach, eine gute Position zum beobachten zu finden.
Irgendwann zeigte er sich etwas, um zu sehen, was wir hier unten so trieben.
Unser Vordermann, der uns auf die Sichtung aufmerksam gemacht hatte, verabschiedete sich. Da ich unsere Position ganz gut fand, fuhr ich nicht in seine Position, sondern ließ unseren inzwischen angekommenen Hintermann vor – leider ohne zu sehen, dass er da noch einen fetten Wohnwagen hinter sich herzog, so dass nun ein gutes Stück der guten Sichtachse durch den Wohnwagen blockiert war..
Insgesamt verlief die Sichtung jedoch sehr gesittet ab. Eine Spur blieb immer frei, es wurde sich abgewechselt etc. Grundsätzlich alles so, wie es sein sollte.
Glücklicherweise wechselte der Kleine wiederholt seine Position, so dass wir nunmehr eine relativ gute Beobachtungsposition inne hatten.
Es wurde geputzt, geschleckt, gegähnt.. das volle Programm.
Wir waren schlicht geflasht davon, WIE schön ein Tier sein kann.. Liebe auf den ersten Blick 🙂
Da wir zuvor noch nie einen Leoparden gesehen hatten, war uns das offensichtlich noch vorhandene Kindchenschema zu Anfangs überhaupt nicht aufgefallen, erst nach und nach kam die Erkenntnis, dass wir es hier offenbar mit einem Jüngling zu tun hatten. Nachträglich fanden wir heraus, dass es sich wohl um den ca. 1,5 Jahre alten Sohn von Miera (?), die sich kurz zuvor getrennt hatten.
Irgendwann ging es auf einen anderen Ast, so dass er nun direkt über der Straße lag.
Euphorisch verließen wir ihn schließlich, um uns auf die letzten Kilometer bis Kieliekrankrie zu machen.
Teil 1523. März 2020
Tag 10 29.10.2017 KTP Kieliekrankie Teil 2
Auch über Kieliekrankie zu schreiben, kann ich mir glaube ich sparen. Nahe an der Perfektion, die Lage empfinden wir sogar als nochmals deutlich besser als Urikaruus, dafür bietet Urikaruus natürlich häufigere Tierbesuche. Zudem ist die Aussicht einfach atemberaubend.
Wir ruhen uns etwas auf der Terrasse aus, die Befestigung des Dachs eignet sich zudem optimal für eine Hängematte 🙂
Wie ich da so drin liege, besucht uns ein neugieriger Geselle, mit hübschem Gefieder, den wir vorher noch nie gesehen hatten. Er wird immer zutraulicher und scheint sich dabei vor allem für meinen Fuß zu interessieren, der aus der Hängematte baumelt. Als er zu einem Probebissen ansetzt, bringe ich mich schließlich doch lieber in Sicherheit.
Bokmakierie
Irgendwann kommen wir zum Entschluss, dass der kleine Leopard von heute morgen doch sicher langsam durstig werden müsste. Wir fahren also wieder zurück nach Auchterlonie mit dem Plan, so lange wie möglich bei ihm auszuharren – schließlich muss es sich ja auszahlen, wenn man in der Nähe nächtigt.
Als wir uns dem Baum nähern, sehen wir zunächst, dass kein Fahrzeug mehr darunter parkt. Doch unser Timing ist goldrichtig. Nur ein weiteres Fahrzeug steht am Straßenrand und der Leopard kommt nach und nach immer mehr auf uns zu.
Jetzt ist vom Kindchenschema nicht mehr viel zu sehen. Wieder haben unglaubliches Glück, genau richtig zu stehen. Das Tier läuft schräg immer weiter auf uns und die Straße zu.
Auf Höhe unseres Autos ist er schließlich nur noch wenige Meter von unserem Auto entfernt. Für uns ein absoluter Gänsehautmoment, spätestens als er uns kurz darauf aus wenigen Metern Entfernung direkt anblickt.
In irgendeinem Guidebook, ich meine, es ist der „Safari Companion“ wird der Leopard beschrieben als „the prince of stealth and feline beauty“- ein wahrlich treffender Name.
Schließlich überquert er hinter unserem Auto die Straße und macht sich auf dem Weg zum Wasserloch.
Als er genug hatte, geht es wieder zurück zur Straße und Richtung Dünen. Zum Glück tut er uns den Gefallen, nochmals kurz inne zu halten, ehe er schließlich über die Düne verschwindet.
Vom ersten Auftauchen bis zu seinem Verschwinden sind keine 15 Minuten vergangen – einmal mehr zeigt sich, wie zufallsabhängig doch viele Sichtungen sind.
Da bist zum Gateschluss noch etwas Zeit ist und aufgrund der Entfernung zu den großen Camps nichts los ist, kurven wir noch etwas in der Gegend herum und finden auch hier wieder ein diesmal einzelnes Erdmännchen, das mit Futtersuche und Körperpflege beschäftigt ist.
Schließlich läuft uns noch eine Fuchsmanguste über den Weg
Ehe es im schönsten Abendlicht über die Dünen zurück nach Kielienkrankie geht.
Wir nutzen das Vorhandensein einer Küche, bewundern die Aussicht und freuen uns über tierische Mitbewohner.
Am Wasserloch blieb es ruhig, hier hatten wir auch keine allzu großen Erwartungen – wie sich 3 Jahre später zeigen sollte, etwas zu unrecht 🙂
Teil 1624. März 2020
Tag 11 30.10.2017 KTP Nossob Gefahrene KM: 183
Wir haben hervorragend geschlafen, kurz vor Gateöffnung begrüßt uns die Sonne über den Dünen.
Wir verlassen kurz hinter einem anderen Fahrzeug Kieliekrankie kurz nach Gateöffnung. Wir beschließen, zunächst Richtung Auobtal zu fahren, dort den Morgen über nach Tieren zu suchen uns, sobald wir dort nichts mehr sehen, auf den Weg über die obere Dünenstraße nach Nossob zu machen.
Im Auobtal angekommen sehen wir unsere Campnachbarn wieder – sowie zwei Löwinnen, die es sich auf der Straße gemütlich gemacht haben. Unsere ersten Löwendamen im Park und die ersten Löwen nach 4 löwenlosen Tagen (nicht dass ich mich beschweren würde – nur als interessantes Detail, wie sehr das alles immer vom Zufall abhängt).
Irgendwann wird es dann doch Zeit, aufzustehen und etwas Morgengymnastik einzulegen.
Die andere Löwin hat es sich derweil im Flussbett gemütlich gemacht.
Schließlich marschieren beide flussaufwärts.
Wir verlassen die beiden schließlich, nachdem sie sich in höherem Gras niedergelegt haben. Wir fahren weiter und finden einen Northern Black Korhaan.
sowie zwei eifrige Erdmännchen.
Am Himmel kreist ein Tawny Eagle.
Und am Boden läuft ein Crowned Lapwing umher.
Bei einem Erdhörnchenbau herrscht emsige Betriebsamkeit.
An der Kreuzung zur Upper Dune Road treffen wir schließlich noch auf eine Gnuherde.
Anschließend machen wir uns auf den Weg über die Dünen. Dabei treffen wir auf einen sehr kooperativen Black-shouldered Kite.
Später treffen wir auf einen Rock Kestrel (oder ist es ein Lesser Kestrel??), der von uns auf der Straße entlang stolziert und sich dabei nicht aus der Ruhe bringen lässt.
Inzwischen hat es zugezogen und ist sehr diesig, zugleich aber mit nahe der 40° verdammt heiß. Im Nossobtal sind wir zunächst überrascht, wie anders es im „nördlichen“ Nossobtal im Vergleich zu weiter südlich und im Auobtal aussieht. Wir sehen einen jungen Gaukler.
Schließlich kommen wir in Nossob an und checken für eine der 2017 neu errichteten Premium Campsites ein. Diese liegen südlich der normalen Campsite und verfügen jeweils über ein eigenes Duschhäuschen und eine Außenküche. Der Flair entspricht aber dem einer Baustelle. Generell wirkt Nossob natürlich eher etwas staubig und trostlos, wie der letzte Fleck Zivilisation in der Wüste. Die Premium Campsites schaffen es aber, das noch zu übertreffen. Das Blechdach heizt sich ziemlich auf und ist zudem so konstruiert, dass ab frühem Nachmittag alles in der Sonne liegt. Bäume gibt es nicht, nur ein Büsche außenrum mit Bauschuttresten und Müll. Der Blick geht entweder zu den Nachbarn oder Richtung Busch. Ich finde, da hätte man echt mehr draus machen können.. Vielleicht sind wir auch schlicht zu verwöhnt von Uri und Kielie.
Unsere Hoffnung, dass sich der Baustellenflair mit der Zeit und mehr Bewuchs legt, hatte sich übrigens auch mehr als zwei Jahre später nicht erfüllt. Rückblickend betrachtet (wenn ich die Bilder nun noch einmal sehe) war es damals sogar noch attraktiver als letzten Dezember, jedenfalls weniger verwahrlost. Nichtsdestotrotz ist die Lage von Nossob natürlich top und ein eigenes Bad Luxus, so wirklich warm werden wir mit dem Camp aber zunächst nicht und beneiden die normalen Camper um die schönen Schattenbäume.
Es ist furchtbar heiß und diesig, zu gleich aber auch sehr windig. Unsere Versuche, mit unserem Tarp ein Sonnensegel zu errichten, scheitern am starken Wind.
Nachmittags geht es nochmal auf einen kurzen Game Drive zum Marie-se-Gat Loop, den wir bei der Hinfahrt ausgelassen haben. Wir sehen auf dem gesamten Loop nichts außer einem Wiedehopf, der im Gegensatz zu seinen Artgenossen freundlich genug ist, eine Sekunde still zu halten.
Erst am Rooikop Wasserloch haben wir schließlich Glück. Wir entdecken zwei Weißgesichtseulen / Southern White-faced Owl in einem Baum direkt neben der Straße. Nach einigem Rangieren schaffen wir es, durch die dichten Zweige eine Sichtachse für Bilder zu finden.
Sehr erfreut, treten wir schließlich den Rückweg zum Camp an.
Teil 1725. März 2020
Tag 12 31.11.2017 KTP Nossob Gefahrene KM: 73
In der Nacht hören wir immer wieder in Zaunnähe Löwen.
Wir entscheiden uns entgegen der Mehrheit der Gäste des Camps, für einen Morning Drive Richtung Norden, da wir auch die Gegend nördlich von Nossob kennenlernen wollen. Wir finden zunächst nicht die nächtlich aktiven Löwen, jedoch einen sehr zerrupften Pale Chanting Goshawk.
An einem Webervogelnest etwas abseits des Wegs sitzen auffallend viele Greifvögel im Geäst und etwas bewegt sich dort. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass ein Honeybadger gerade versucht, in das Nest einzudringen bzw. dort nach Beute sucht.
Doch so wirklich den Eingang oder was er sucht, scheint er nicht zu finden. Schließlich macht er sich daran, an einer Stelle das Nest aufzubrechen bzw. sich hineinzuwühlen.
Auch dies scheint nicht so wirklich von Erfolg gekrönt zu sein. Schließlich gibt er auf, klettert hinab und entschwindet unseren Blicken.
In einem anderen Baum sehen wir kurz darauf unsere erste African Wildcat. Sie scheint ein Auge verloren zu haben. Leider erschrecken wir sie durch unser Bremsen, so dass uns nur ein paar Schnappschüsse gelingen.
Am Wasserloch Cubitje Quap erwartet uns der Anblick zweier stattlicher Gesäße.
Für die nächsten 12 Minuten (laut exifs) bleibt es bei diesem Anblick und dem Geräusch schlabbernder Zungen. Die beiden müssen mächtig Durst haben – oder es macht ihnen Spaß, Touristen ihre Hinterteile zu präsentieren. Irgendwann ist der Bauch voll oder das Touristenärgern zu langweilig.
Es geht ein paar Schritte weiter an unserem Auto vorbei, dann wird geschnüffelt und geschüttelt.
Schließlich lassen sich beide auf den Fahrspuren im Schatten nieder.
Was sie wohl heute Nacht getrieben haben, dass sie soo fertig sind?
Die weitere Fahrt bietet zwar einige landschaftliche Abwechslung, außer ein paar Gnus in der Ferne jedoch weniger Tiere.
Als wir wieder zurückfahren, liegen beide Löwen noch immer im Schatten, nunmehr in tiefen Schlaf versunken. Wir verlassen die beiden und fahren wieder zurück nach Nossob für etwas Siesta. Für heute Abend haben wir einen Night Drive gebucht. Es ist das erste Mal, dass wir einen Night Drive machen, das erste Mal überhaupt, dass wir einen geführten Game Drive machen (wenn man die Bootstour in Mavunje außen vor lässt). Wir sind daher sehr gespannt was uns erwartet. Es geht gemeinsam mit einer Familie und einem deutschen Paar, welches sich später als FoMi Stubsi herausstellte in einem großen LKW Richtung Süden und Marie-se-Gat Loop.
Unmittelbar nach dem Gate stoßen wir auf eine Löwin, die offenbar auf dem Weg zum Wasserloch ist – na toll, jetzt wäre der Hide vielleicht die bessere Variante 🙂
Wir sehen auf Bäumen in der Ferne einen Raubadler sowie einige Geier, die jedoch schon aus weiter Ferne Reißaus nehmen. Ein junger Pale Chanting Goshawk ist kooperativer.
Schließlich findet unser Fahrer einen Fleckenuhu.
Wir halten ebenfalls am Baum mit den Weißgesichtseulen von Gestern, anscheinend scheint es sich um ihren Stammbaum zu handeln. Nachdem es langsam dunkel wird und die Scheinwerfer zum Einsatz kommen, sehen wir immer wieder in größerer Entfernung Springhasen. Auf dem Rückweg sehen wir schließlich kurz eine Wildkatze am Rande der Fahrbahn, zuletzt noch für einige Sekunden eine braune Hyäne in einiger Entfernung. Bilder hiervon gibt es leider keine, da ich noch nicht herausgefunden habe, wie man im Dunkeln ohne Blitz sinnvoll mit einem Teleobjektiv ohne Stativ Bilder macht. Manche Kompaktkameras scheinen da einfacher zu sein :-P
Insgesamt war der Night Drive ganz interessant, aber auch nicht mehr. Es ist natürlich immer vieles Glückssache, wir würden ihn wohl durchaus wieder machen wenn die Gelegenheit da ist.
Teil 1825. März 2020
Tag 13 01.11.2017 KTP Kalahari Tented Camp Teil 1 Gefahrene KM: 250
So langsam neigt sich unsere Zeit im KTP bereits dem Ende zu. Wahnsinn, wie schnell die Zeit verfliegt, wenn man nichts tut außer Game Drives, Schlafen und Entspannung..
So geht es für uns nun heute zu unserem letzten Übernachtungstop im KTP zum Kalahari Tented Camp. Wir verlassen Nossob Richtung Süden – da es nun November ist, bereits eine halbe Stunde früher als sonst. Zunächst sehen wir längere Zeit nichts, am Kaspersdraai Wasserloch schließlich einen interessant gefärbten Schakal.
Kurz darauf sehen wir einen jungen Pale Chanting Goshawk, der sich offenbar in der Punk-Phase seiner Jugend befindet.
An einem weiteren Wasserloch haben sich Unmengen an Spatzen versammelt. Kaum zu glauben, dass eine derartige Vogeldichte bis vor nicht allzu langer Zeit auch bei uns zu Hause noch normal war.. Der Vergleich der Massen an Vögeln, die man in Afrika auf Safari findet mit der Population in Europa lässt einen stets etwas nachdenklich zurück..
Wir sehen auch einen Violette-eared Waxbill, die Bilder taugen leider lediglich als Nachweis.. Kurz darauf stoßen wir jedoch auf einen Fleckenuhu, der sich weitaus besser ablichten lässt. Was nun beginnt, ist, nunja, etwas seltsam :-P
Nur 5 Minuten später sehen wir den nächsten Fleckenuhu.
Einige Minuten später treffen wir auf gleich drei Fleckenuhus in einem Baum – was ist denn heute los?
Am Dikbaardskolk Picknickplatz angekommen, gibt es endlich Frühstück mit üblichem Vogelbesuch.
Plötzlich fährt ein Südafrikaner mit Wohnmobil auf den Picknickplatz, steigt aus, läuft auf uns zu und erzählt uns, dass ein paar Kilometer weiter südlich vier Geparden an einem Riss seien. Diese Information hat eine elektrisierende Wirkung. Wir hatten bisher noch nie Geparden gesehen, noch weniger an einem Riss. Die Hoffnung, Geparden zu sehen war einer der wesentlichen Gründe, überhaupt in den KTP zu fahren. Schließlich werden diese offenbar von allen anderen hier ständig gesehen. Wir werden daher alles so schnell wie möglich ins Auto und suchen die von unserem freundlichen Tippgeber beschriebene Stelle, auch wenn wir eigentlich am Picknickplatz auf die Dune Road abbiegen wollten.
Nach einiger Zeit finden wir den Kill, von den Geparden jedoch keine Spur.
Sie haben ganze Arbeit geleistet, lediglich ein paar Schakale streiten sich um die kümmerlichen Reste.
Wir fahren etwas auf und ab und entdecken die vier Geparde schließlich relativ weit entfernt im Schatten liegend. Einerseits glücklich, nunmehr endlich Geparden gesehen zu haben, zugleich etwas enttäuscht, sie am Kill verpasst zu haben, geben wir unser bestes, um sie trotz der Entfernung halbwegs adäquat auf Chip bannen zu könne.
Wir warten nahezu eine Stunde in der Hoffnung, dass sie sich bewegen oder wieder näher kommen.
Leider tun sie uns den Gefallen nicht, außer einigen Stellungswechseln passiert nichts. Dafür sticht uns ein seltsam aussehender Stecken keine 2 Meter von unserem Fenster entfernt ins Auge, der uns aus einem Loch heraus mustert.
Sie ist vollkommen regungslos, starrt uns jedoch die ganze Zeit an. Wir sinnieren darüber, ob wir nicht lieber das Fenster schließen oder weiter weg fahren sollten und ob Kapkobras spucken können.
Da auch von den Geparden keine Kooperation mehr zu erwarten ist, suchen wir schließlich vorsichtshalber das Weite und machen uns auf unseren weiteren Weg.
Teil 1925. März 2020
Tag 13 01.11.2017 KTP Kalahari Tented Camp Teil 2
Am Elands Wasserloch treffen wir auf unsere erste und einzige Tüpfelhyäne dieses Urlaubs. Sie regt sich nicht, scheint aber zu atmen.
Zudem hat sich eine Herde Oryx zum Trinken versammelt.
Im Auob-Tal angekommen, treffen wir erneut auf einen Fleckenuhu.
Nach einem Gleitaar..
kommen wir zum nächsten Fleckenuhu..
Was auch immer heute los, keine Ahnung. Ob dort immer so viele sind und lediglich unsere Augen darauf programmiert sind? Ob alle zum 01.11. eingeflogen sind? Fragen über Fragen..
Auf einem Baum sitzt schließlich ein Weißrückengeier und erlaubt uns erstmals die Beobachtung und Fotografie eines Geiers aus der Nähe.
Es folgen ein Tawny Eagle und ein junger Pale Chanting Goshawk, der gerade dabei ist, etwas für uns nicht erkennbares zu verspeisen.
Schließlich erreichen wir das Kalahari Rest Camp, checken uns mangels Besetzung selbst ein und Beziehen eines der hinteren Zelte weiter rechts. Auch diese Zelte gefallen uns sehr gut. Es ist zwar nicht so exklusiv wie Urikaruus oder Kieliekrankie aufgrund der größeren Zahl an Nachbarn, aber die Abstände sind m.E. weit genug, so dass man die Größe des Camps nicht wirklich mitbekommt. Auch hier würden wir jederzeit sofort wieder nächtigen.
Nach einer Siesta geht es schließlich noch auf eine kleine Abendrunde. Da sich unsere Buchung für das Kalahari Tented Camp aufgrund der Buchungslotterie auf zwei verschiedene Buchungen verteilt, müssen wir jedoch zunächst noch abklären, ob wir beide Nächte im selben Zelt bleiben können. Dem Warden ist unser Problem bereits bekannt, er kann uns jedoch noch nichts versprechen, da er nochmals Rücksprache mit Mata Mata halten muss – er hofft bei unserer Rückkehr eine Antwort zu haben.
Unterwegs entdecken unsere erste Ludwigstrappe..
..weitere Geier und eine Gabelracke.
Am Sitzas Craig Lockhard Wasserloch hat sich für KTP-Verhältnisse eine ganze Armada an Fahrzeugen versammelt.
Der Grund: in 70 – 100 Meter Entfernung hat sich ein Löwenrudel niedergelassen, das in tiefen Schlaf versunken ist.
Na ob das Warten sich da so lohnt? 🙂 Uns ist das bei der Vielzahl an Autos jedenfalls zu blöd, deshalb fahren wir noch weiter flußabwärts und genießen die schöne Abendstimmung.
Generell ist eines der schönsten Dinge am Safariurlaub meines Erachtens, einfach im besten Licht langsam durch schöne Landschaft zu tuckern, nicht wissend was sich hinter der nächsten Kurve verbirgt.. diese Spannung, verbunden mit der Schönheit der Natur im Abend- und Morgenlicht, macht für mich einen der Hauptreize eines Afrikaurlaubes aus.
Wir sehen noch ein paar Gnus und Springböcke..
..sowie schließlich den gefühlt hundersten Fleckenuhu des Tages.
Als wir langsam gen Camp zurückfahren, ist der Großteil der Autos am Wasserloch verschwunden, die Löwen liegen weiterhin unverändert da. Auf einer Düne sehen wir schließlich die ersten Giraffen im Park.
Zufrieden mit der Ausbeute des heutigen Tages kehren wir zurück zum Camp. Wir erhalten die Information, dass wir in unserem Zelt auch für die nächste Nacht bleiben können und genießen bei einem Lagerfeuer das Gefühl, draußen zu sein.
Teil 2025. März 2020
Tag 14 02.11.2017 KTP Kalahari Tented Camp Teil 1 Gefahrene KM: 118
Nun ist ist es soweit. Unser letzter voller Tag ist gekommen. Diesen wollen wir natürlich voll und ganz ausnützen und starten pünktlich um 05:30 im fahlen Licht der Dämmerung flussabwärts. Ich liebe es, wenn die Gate-Zeiten so gelegt sind, dass man noch einige Zeit vor Sonnenaufgang bzw. nach Sonnenuntergang unterwegs sein kann, so hat man nochmals größere Chancen auf spezielle Sichtungen und ist bei Sonnenauf- oder Untergang an wesentlich interessanteren Orten als am Campeingang. Gerade der großzügige Wechsel der Öffnungszeiten in den südafrikanischen Parks ist dafür hervorragend geeignet, anders als der wöchentlich exakt abgestimmte Zeitpunkt in Namibia. Natürlich gibt es auch Zeiten, in denen man erst nach Sonnenaufgang los darf, Anfang November zählen bewegen wir uns jedoch noch eindeutig auf der Gewinnerseite.
Dass sich der frühe Start lohnt, zeigt sich sogleich. Wir sehen im Flußbett mehrere Löffelhunde auf Futtersuche.
Kurz darauf sehen läuft eine braune Hyäne im Flussbett mit einem großen Knochen im Maul. Sie überquert vor uns die Straße, bleibt mehrfach stehen und läuft schließlich neben uns die Düne herauf. Leider erlaubt das schwache Licht der Dämmerung keine besseren Bilder, der im Kopf gespeicherte Eindruck ist dafür umso größer. Endlich sehen wir eines dieser super interessanten Tiere einmal für mehr als nur 2 Sekunden.
In diesem Kontext kann ich jedem nur wärmstens die Erzählungen von Mark und Delia Owens zu ihren Forschungen zu Braunen Hyänen in CKGR, veröffentlicht im Buch Cry of the Kalahari, ans Herz legen. Man lernt unglaublich viel über diese vermeintlichen Einzelgänger, was man vorher nie vermutet hätte.
Nachdem wir die Hyäne nicht mehr sehen können, fahren wir etwas weiter und treffen erneut auf Löffelhunde, leider erneut etwas weit entfernt.
Schließlich finden wir das gestrige Löwenrudel verstreut über Baumstämme und Wiese wieder. Für ordentliche Fotos ist die Entfernung fast zu groß, für die Beobachtung mit dem Fernglas jedoch optimal, insbesondere da die jüngeren Mitglieder des Rudels voller Energie stecken und immer unterwegs sind. Wir stehen hier fast eine halbe Stunde und werden in der Zeit immer wieder von aus Mata Mata kommenden Fahrzeugen überholt, die für 5 Sekunden anhalten und dann weiterbrausen – am Abend zuvor waren die Löwen wesentlich weiter weg, dafür standen x Fahrzeuge da.. das verstehe wer will.
Irgendwann verlassen wir sie dann doch und finden zunächst mal wieder einen Tawny Eagle.
Kurz darauf läuft etwas Braunes durchs Gras – die nächste braune Hyäne 😄
Leider ist sie etwas weit entfernt und nur sehr kurz zu sehen, ehe sie sich in ein dichtes Gestrüpp verkriecht.
Im weiteren Verlauf sonnen sich zwei Weißrückengeier in der Baumkrone.
Kurz darauf zeigt sich ein weiterer Löffelhund.
Kaum zu glauben, dass wir 2019 in 13 Nächten im Park keinem einzigen Löffelhund begegnen.. Heute können wir uns über die zwei Stunden definitiv nicht beschweren..
Es folgt ein Wiedehopf..
.. ehe wir in Dalkeith auf die nächste Löwenversammlung treffen, die es sich auf dem Parkplatz am Wasserloch gemütlich gemacht hat.
Plötzlich scheint etwas die Aufmerksamkeit eines Jungen erregt zu haben. Er hebt den Kopf und geht offensichtlich in den Jagdmodus über.
Ein paar Meter schleichen, ein kurzer Sprint..
.. und das junge Männchen schaut blöd ins Gebüsch, wo sich eben noch eine Manguste befand, die lieber schnell das Weite gesucht hat.
Die Action weckt nun auch das Interesse der älteren Mitglieder des Rudels – wie, wir jagen schon wieder?
Sie trotten herbei, um den Jagderfolg ihres Sohnemanns zu begutachten.
Am Ende stehen drei Löwen da uns schauen blöd ins Gebüsch 🙂
Auf dem Weg zurück zum Kalahari Tented Camp treffen wir auf ein paar Giraffen, die gerade mit Trinken beschäftigt sind.