Reisebericht

Namibia 2019: Zwischen Spitzkoppe und Sambesi

von Beatnick · begonnen 02. Feb. 2020 · 32 Teile

Teil 2101. Apr. 2020
Morgendliche Bootstour bei Drotsky's, Teil 2

Die Begegnung mit dem Krokodil und seinem makabren Fund hat uns schwer beeindruckt, doch die nächsten Protagonisten in diesem großartigen Naturschauspiel warten schon.

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Ich freue mich sehr über einen Schwarm grüner Tauben, der über unsere Köpfe fliegt, ...

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... und einen einzelnen Vertreter, der netterweise verharrt, als wir uns so lautlos wie möglich nähern.

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Die hohen Bäume bei Shakawe scannen wir besonders intensiv, sie sollen ein beliebter Rückzugsort der Pel's Fishing Owls sein. Diese ebenso großen wie scheuen Eulen sind nachtaktiv und ernähren sich fast ausschließlich von Fisch. Tatsächlich entdecken wir ein einzelnes Exemplar, auf dem Hinweg im Schlummermodus, auf dem Rückweg nicht mehr so ganz - toll!

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Rund zehn Kilometer sind es von Drotsky's bis Shakawe, und wir kehren um.

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Schon jetzt sind wir restlos glücklich mit der Tour, ...

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... doch unser Guide hat noch etwas in petto. Sagt er, und ich ahne schon, was kommt: Er kramt einen Fisch hervor und pfeift laut, das Signal für die ohnehin omnipräsenten Fish Eagle, dass es etwas zu holen gibt.

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Wir sind nicht unbedingt ein Freund solcher Zirkusnummern, die wir auch im Pantanal so erlebt haben, wollen aber auch keine Spielverderber sein. Und so harren wir der Dinge, die da kommen.
Der Guide wirft den Fisch und der erwartete Adler klaubt sich die Beute aus dem Wasser. Soweit alles nach Plan und für Thomas eine tolle Gelegenheit; ich dagegen bin fotografisch raus, übersteigt diese Aktion doch meine Fähigkeiten bei weitem.

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Was folgt, ist Chaos, dem ich schon mit bloßem Auge kaum mehr folgen kann. Ein anderer Greif taucht auf, es gibt einen erbitterten Kampf mit wildem Gekreische und Flügelschlagen. Der Guide ist aus dem Häuschen und wir auch.

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Doch das Spektakel geht weiter. Mit einem weiteren Adler. Der ist schwer auf Zack, als den beiden Kampfhähnen der Fisch flöten geht, und schnappt sich als lachender Dritter die Beute. Uff, was war das denn bitte?!

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Euphorisch bedanken wir uns am Anleger bei unserem Guide, den wir in wenigen Stunden wiedersehen werden. Schon jetzt freuen wir uns auf die Nachmittagstour!

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Dem ausgiebigen Frühstück folgt im Garten eine weitere Vogelpirsch, wir können es einfach nicht lassen. Kingfisher, Finken und Bee-eater bevölkern den Rasen und die Bäume.

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Zwischendurch schwatzen wir mit zwei Niederländern übers Reisen und ihre ungewöhnliche Vita, sieben Jahre haben sie bei Maun einen Campingplatz betrieben. Nun haben sie ihn verkauft und reisen für ein Jahr kreuz und quer durchs südliche Afrika, auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Ich schwanke zwischen Bewunderung und Bedenken, Respekt habe ich allemal. Ein solch radikaler Schritt wäre undenkbar für uns.

Es folgt eine Siesta in unserem Häuschen, wir checken die E-Mails und haben Post: Air Namibia hat den Rückflug gestrichen. Auweia! Immerhin, unsere Agentur kümmert sich und gibt uns rechtzeitig Bescheid, wie's läuft. Darüber sind wir froh, denn in den nächsten Tagen haben wir im Camp Kwando kein Internet und könnten kaum etwas in der Sache unternehmen.

Um 16 Uhr startet unsere Nachmittagstour. Wir haben noch Zeit für einen Spaziergang, mehr Vögel und eine ganze Horde Affen, ...

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... an den Kleinsten verliere ich gleich wieder mein Herz.

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Der Guide ist nach seiner morgendlichen Verspätung schon vor uns da und lotst uns diesmal weg von Shakawe in die andere Richtung. Wir freuen uns riesig auf die nächsten Stunden. Das Leben ist einfach wunderbar!
Teil 2204. Apr. 2020
Im Boot mit Berti

Als Kind wollte ich unbedingt einen Spitznamen. So einen richtig coolen. Einen mit Persönlichkeit. Im Laufe der Jahre hat sich eine ganze Reihe angesammelt. Bettina haben mich eigentlich nur meine Eltern genannt und vor allem dann, wenn ich etwas angestellt hatte. Die drei Silben steigerten sich im Zorn, beim -NA am Ende zerstob der letzte Zweifel am Ernst der Lage. Durch und durch liebevoll gemeint war das "Tina" meiner Patentante, aber wie habe ich es gehasst! Doch weil ich sie wiederum sehr mochte, ließ ich es ihr durchgehen, und so hielt sich Tina wacker bis zum Ableben ihrer Schöpferin im gesegneten Alter von 92 Jahren.

Auf breiter Front durchgesetzt hat sich Betti als naheliegende Kurzform. Meine Nichten und Neffen haben noch ein "Tante" davorsetzt. Tante Betti, klingt nach Krankenschwester - gewöhnungsbedürftig. Hinzu kamen im Laufe meines Lebens "Bati" (=Licht), so getauft von den Indern bei meinen Besuchen auf dem Subkontinent, weil ihnen Betti nichts sagte, sowie das englisch ausgesprochene "Beat" in Anlehnung an einen Song in den Achtzigern, der den Refrain "And the Beat goes on" enthielt. Ein gefundenes Fressen für meine damalige Clique und ein Verweis darauf, dass ich ein ziemlich temperamentvoller Feger war und immer auf Achse. Man hat mich schon schlimmer tituliert ...

Bettina, Betti oder Berti: Hauptsache Afrika! (hier an der Spitzkoppe)
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Doch sie ist lange vorbei, die Zeit der wilden, durchtanzten Nächte, und der Begriff Beat mit zunehmendem Alter verblasst. Nur mein Nickname im Forum zeugt noch davon. Und so sind sie rar geworden, die netten Kosenamen, die für ganze Lebensabschnitte stehen, für Eigenarten und Eigenschaften.

Nun aber ist ein neuer Spitzname auf den Plan getreten. Ein purer Zufall, ein simpler Vertipper einer Forumsfreundin auf der Tastatur - die Geburtsstunde von Berti. Kleiner Fehler, große Wirkung, der Name hat jedenfalls verfangen, und ich bin nicht undankbar dafür, setze ich doch große Hoffnungen in diese Kreation. Schließlich ist so ein Alter Ego eine prima Sache, und wer weiß, was da noch für Charaktereigenschaften schlummern. Vielleicht ist Berti ein Eins-A-Tiefsandfahrer, vielleicht ein Draufgänger, wie es Beat in ihrer Jugend war? Auf jeden Fall liebt Berti Afrika, wie auch nicht, ist er doch ein Kind des Forums und Bele seine Hebamme. Und weil das so ist, bin ich ein Riesenfan von Berti, der meine größte Leidenschaft teilt: Wenn es um Afrika geht, sitzen wir im selben Boot.

Abendstimmung am Okavango
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Wie auch an diesem Nachmittag, als wir zu unserer zweiten Bootstour bei Drotsky's aufbrechen. Nach dem intensiven Morgen ist alles weitere Zugabe, einen Malachite würden wir gerne sehen, na klar, doch die Brutzeit der schönen bunten Eisvögel ist leider vorbei und die Chancen stehen nicht allzu gut. Dagegen können wir uns einmal mehr vor White-fronted Bee-eatern kaum retten.

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Sie stehen geradezu Spalier und präsentieren sich wenig scheu. Geschickt bugsiert uns unser Guide immer wieder ganz nah an die schönen Vögel heran.

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Ärger im Paradies
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Die Nachmittagsstimmung auf dem Fluss ist herrlich und wir saugen die Stille in uns auf.

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Doch mit dem perfekten Idyll ist es jäh vorbei. Ein bestialischer Gestank nach Verwesung, pfui Spinne, beim Näherkommen sehen wir die Quelle des Übels. Hier hat sich vor noch gar nicht langer Zeit ein Drama abgespielt, ein Elefant steckte im tiefen Boden fest und konnte auch leider nicht befreit werden. Am Ende erhielt er den Gnadenschuss, und ich versuche entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten, die Szene nicht vor meinem geistigen Auge aufleben zu lassen.

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Die vielen Vögel um uns herum bringen uns auf andere Gedanken, ...

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... am Horizont türmen sich Wolken auf, doch das Wetter hält.

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Die Schreiseeadler sind wieder zahlreich vertreten ...,

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... und ein Halbwüchsiger ist auch dabei, worüber wir uns sehr freuen. Sozusagen eine Erstsichtung.

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Wie erreichen die Xaro Lodge und drehen kurz dahinter um, wow, die Anlage und das Setting sehen wirklich toll aus. Sie gehörte dem Sohn der Drotsky's-Besitzer, ein Jahr zuvor hat er sie allerdings verkauft. Die Lodge ist nur mit dem Boot zu erreichen und ich setze sie prompt auf meine gedankliche Liste möglicher Ziele. Der Fluss macht an dieser Stelle einen Knick und die Spätnachmittagssonne sorgt für den Rest - es ist wunderschön hier.

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Finden wohl auch die Tiere, jedenfalls ist in der Gegend rund um die Lodge richtig was geboten.

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Und dann sehe ich ihn - den Malachite, so klein, bunt und leider auch wendig, immer wieder entwischt er uns. Das geht viel besser, aber am Ende sind wir froh, ihn überhaupt auf ein Foto gebannt zu haben.

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Zwei Stunden haben wir gebucht, doch damit kommen wir nicht aus. Viel zuviel gibt es zu sehen. Doch kein Problem. Ob wir verlängern wollen, fragt unser Guide, und schon ist alles klar.

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Wir kehren um, die Sonne senkt sich und setzt sich gegen die aufziehenden Wolken immer weniger durch. Nur noch bei schlechtem Licht können wir daher beobachten, wie die Bee-eater ihre Nachtquartiere beziehen.

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Die Abendstimmung ist dennoch ein Traum, was war das für ein erfüllter Tag auf dem Okavango! Wir nehmen nicht an, dass eine weitere Bootsfahrt noch mehr oder gar bessere Eindrücke liefern könnte, und so verzichten wir auf eine dritte Tour am nächsten Morgen. Stattdessen wollen wir auf dem Weg zurück zur B8 erneut den Umweg über den Mahango machen. Wir sind schon ganz schöne Nimmersatte - der Thomas, die Betti - und natürlich der Berti. 😉

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Teil 2307. Apr. 2020
Von Fluss zu Fluss

Wir verabschieden uns früh von Drotsky's, obwohl mit rund 300 Kilometern eine überschaubare Strecke vor uns liegt. Doch wir wollen den Mahango zu einer taktisch besseren Uhrzeit besuchen als auf dem Hinweg. Wir sind glücklich über unseren Abstecher nach Botswana. Irgendwann werden wir zurückkehren ins Vogelparadies bei Drotsky's. Ganz bestimmt.

Wieder geht es am Mohembo Grenzposten hopplahopp voran. Nur lässt mich die gestrenge Dame im namibischen Büro nicht ins Land - es fehlt der Ausreisestempel in meinem Pass. Auf demselben Weg darf ich nicht zurück, also kurve ich mit dem Auto noch einmal um den Pudding, passiere die verdutzten Polizisten, an denen ich vorhin schon einmal vorbeigekommen bin, hole mir im botswanischen Büro den fehlenden Beleg und schlage schließlich wieder im Office von Namibia auf, wo Thomas auf mich wartet. Immerhin war ich jetzt schon dreimal in Botswana - und somit einmal mehr als er. 😗

Beim Abzweig zum Mahango sitzt ein brauner Schlangenadler, eine Erstsichtung für uns. Geht gut los!

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Nächster Stopp ist der sogenannte "Picknickplatz", ein wunderbarer Ort direkt am Wasser und unter riesigen Bäumen. Jede Menge Tiere bedienen sich am Frühstücksbuffet, ...

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.. und manch einer ist noch gar nicht richtig wach.

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Eine tolle Morgenstimmung und eine so friedliche Koexistenz verschiedenster Tiere, nur den Insekten geht es an den Kragen. Ein Rallenreiher zeigt viel Geschick und erbeutet ein Opfer nach dem anderen rund um unser Auto.

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Mehr Vögel bei der kurzen Fahrt durch den Park ...

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... und auch ein Kudu, das zunächst sichtlich an unserer Vertrauenswürdigkeit zweifelt.

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Test bestanden: Schließlich mümmelt das schöne Tier direkt neben uns munter weiter.

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Der Blick auf den Fluss ist herrlich und erneut bedauern wir, dass er nur von so wenigen Stellen möglich ist. Doch wir wollen das ohnehin kaum vorhandene Grün keinesfalls noch mutwillig plattfahren.

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Viel zu schnell sind die zwölf Kilometer vorbei. Zurück auf der Transitstrecke zahlen wir den Parkeintritt und erreichen zügig die B8. Noch einmal tanken, dann geht es durch den Bwabwata Nationalpark bis nach Kongola weiter. Ich hatte mich mental auf große Langeweile eingestellt. Und natürlich, viel passiert auf der Strecke nicht. Doch auf dem makellosen Teer kommen wie schnell voran und wenn ich an die ellenlangen Strecken denke, die wir zuweilen in unseren Landen zwischen monotonen Lärmschutzwänden und gespickt mit Staus zurücklegen, dann gefällt mir die namibische Tapete entlang der B8 mit Sand, Bäumen und immer wieder Adlern ziemlich gut.

Von Kongola bis zum Camp Kwando ist es nicht mehr weit, vorbei an kleinen Dörfern, Eseln und winkenden Kindern geht es schließlich über eine sandige, nicht aber tiefsandige Piste bis zur Lodge, die auf einer Halbinsel direkt am Ufer des gleichnamigen Flusses liegt. Wieder ist das Setting grandios, es gibt einen Campingplatz, luxuriöse, zwischen große Bäume gebaute Bungalows und etwas schlichtere Zeltbauten, von denen wir einen beziehen. Hier gibt es alles, was wir brauchen - inklusive eines traumhaften Blickes auf den Fluss und hinüber nach Botswana.

Schön ist auch der offene Restaurant- und Barbereich mitsamt großem Holzdeck, wo es ebenso von Vögeln wimmelt wie im Garten. Vor allem die Paradiesschnäpper sind zahlreich vertreten und wir werden nicht müde, ihnen hinterherzusteigen.

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Eine Bootsfahrt auf dem Kwando ist eigentlich gesetzt, allerdings nicht ohne Weiteres möglich. Der Wasserstand ist so niedrig, dass kaum mehr Touren stattfinden und wenn, dann nur in kleinster Besatzung mit maximal drei Personen. Wir machen einen Deal: Wir bekommen unsere Zweier-Bootstour zum Normalpreis, wenn wir dafür zudem noch zwei geführte Game Drives in den benachbarten Mudumu National Park buchen - was wir ohnehin vorhatten.

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Unser erster Game Drive am Nachmittag ist mit drei weiteren Paaren gut besetzt, unser Guide ein Milchbart aus dem Nachbardorf. Ich freue mich wie immer unbändig auf die Fahrt, die uns schöne Landschaften zeigt, allerdings nur vergleichsweise wenig Tiere. Sie sind so rar wie die Erklärungen unseres ebenso jungen wie schweigsamen Fahrers. Was das dort drüben für ein Vogel sei, fragt eine Mitfahrerin. "Ein grüner", fachsimpelt er. Ich falle fast von der Rückbank - und endgültig aus allen Wolken, als das Auto seine Eigenarten offenbart. Es hupt beim Start. Jedes Mal. Durchdringend und unvermeidlich. Das wird noch eine Rolle spielen...

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Es ist eine denkwürdige Fahrt, und eine lustige dazu. Nur ein Paar kann in unsere Heiterkeit nicht einstimmen und die Frau tut mir aufrichtig leid. Wann immer sie mit uns lacht, straft sie ihr Mann mit bösen Blicken. Er ist wohl sauer, dass es nicht so läuft, aber so ist es nunmal in einem Nationalpark, dazu einem ohne Zäune: Die Buschparty steigt diesmal woanders. Und so macht der Rest von uns einfach seine eigene und lässt sich die Stimmung nicht vermiesen. C'est la vie.

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Ein Sundowner am Lagerfeuer und ein frühes Abendessen im schönen, offenen Restaurant, schon liege ich im Bett. Drei Eulen zanken vor dem Zelt und so laut, dass es mir durch Mark und Bein geht. Dagegen ist das Grunzen der Hippos vertraut - und meine perfekte Nachtmusik.

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Teil 2411. Apr. 2020
Gefahr im Verzug?!?

Neues Spiel, neues Glück. So lautet das Motto vor unserer morgendlichen Fahrt in den Mudumu, der uns nach dem eher ereignislosen Nachmittagsdrive zuvor eigentlich nur positiv überraschen kann. Ebenso wie der zwar sympathische, aber so schweigsame Guide, der schon hinterm Steuer sitzt und uns ein gewinnendes Lächeln schenkt, als wir gegen Sieben auf dem Parkplatz erscheinen. Als einzige Gäste übrigens. Das fügt sich natürlich gut.

Blick aus unserem Zelt am Morgen
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Ich nutze die Gunst der Stunde und weise vorsorglich darauf hin, dass wir uns für alles interessieren. Kleintiere, Vögel, bitte gerne halten, und auch gerne länger! Der Junge lächelt und nickt; dreht den Zündschlüssel und die Karre hupt, wie sie das eben so macht, wir kennen es schon vom Vortag. Ich zucke trotzdem zusammen und bin endgültig wach; wie jetzt wohl auch der letzte im Camp. Ein bisschen bizarr das alles, ich denke an eine Butterfahrt und auch an die fahrenden Musikanten. Einfach nur so.

Beim Vorbeifahren deutet der Junge auf sein Dorf, es liegt um die Ecke zwischen Lodge und Park. Schlichte Hütten und freundliche Menschen, sie winken und grüßen den stolzen, fröhlichen Guide, den hier jeder kennt. Wie auch nicht, er ist einer von ihnen, und sein Werdegang eine riesige Erfolgsgeschichte. Das wird mir schlagartig klar. Ich freue mich für ihn und auch für uns, wir bekommen etwas ab von seinem Glanz und machen diese Karriere mit unseren Besuchen möglich. Ein gutes Gefühl.

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Im Mudumu treffen wir eine Gruppe Südafrikaner, sie campen wild. Das sei zwar an bestimmten Stellen erlaubt, doch auch ziemlich verrückt, meint unser Guide. Aber warum denn, fragen wir, was ihn ehrlich überrascht und wohl auch amüsiert: "Viel zu gefährlich", ist er überzeugt.

Wir finden Elefanten, darunter viele Jungtiere, der Guide schaltet den Motor aus und wir beobachten sie lange.

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Hm, lecker 🙄
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Den Bullen, der sich uns aus der anderen Richtung genähert hat, bemerken wir erst, als er uns schon fast erreicht hat. Oh Schreck! Der Guide murmelt etwas, ich kann es nicht verstehen, ahne aber, wir sollen uns nicht bewegen. Was mir ohnehin nicht eingefallen wäre. Zur Salzsäule erstarrt sitze ich auf der Rückbank, wie auch Thomas in der Reihe vor mir.

So viele hautnahe Begegnungen hatten wir im Laufe der Jahre, und nur zu gut erinnere ich mich an unsere erste Safari und Lektion Nummer eins: gerate niemals zwischen eine Elefantenherde. Genau das ist nun aber passiert, und der Elefant startet eine intensive Inspektion des Jeeps. Nur Zentimeter ist der tastende Rüssel von meiner linken Schulter entfernt, ein komisches Gefühl, eine Mischung aus Furcht und Pragmatismus. Kämen wir in dem tiefen Sand gut weg? Was schlummert in meinem Rucksack? Eine Orange vielleicht, oder ein Apfel? Das wäre echt doof, ist aber zum Glück nicht der Fall.

"Don't worry", flüstert der Junge, der wohl meine Gedanken lesen kann, doch so wie er dasitzt, kerzengerade, mit großen Augen und die Hand am Zündschlüssel, bin ich alles andere als beruhigt. Zumal das Interesse des Elefanten keineswegs erlahmt. Minuten werden zur Ewigkeit. Schon imposant, wieviel Kraft in so einem Rüssel steckt. Vor allem, wenn man direkt daneben sitzt. Oder auch darunter, denn nun rupft das Tier an der Dachplane und lässt sie mit einem lauten Knall hinabflitschen. Immer wieder. Eine echte Zerreißprobe, auch für die angespannten Nerven.

Unser Führer ändert die Strategie. Dreht den Zündschlüssel, es folgt das obligatorische Hupen, absurd! Wir eiern durch die tiefsandige Spur und haben Glück. Kein rasender Elefant folgt uns, ich bin heilfroh und sage das auch, doch der Guide lächelt wieder und beruhigt: "No danger." So richtig glauben kann ich ihm nicht, aber die Situation wiederum auch nicht einschätzen. Wie wohl seine Erfahrungen sind? Als Guide. Als Einheimischer, der mit der Wildnis aufgewachsen ist. Was weiß er und was nicht? So richtig komme ich nicht dahinter.

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Ganz sicher hat er mehr auf dem Kasten, als er bei unserer ersten Tour gezeigt hat. Er bleibt zwar wortkarg - für Anfänger eher ungünstig, für uns aber angenehm - findet für mich jedoch die "grünen Vögel" und kann sie auch näher erklären; es sollte vielleicht ein Scherz sein am Vortag. Die Goldbugpapageien sind für uns eine Erstsichtung und wir freuen uns sehr darüber.

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Es ist eine nach dem ersten Schreck so friedliche Tour durch schöne Landschaft, die zwar unter der Dürre leidet, aber durch ihre Vielseitigkeit besticht. Und gefällt die Einsamkeit, nur die Südafrikaner begegnen uns, auch wenn die ganz spektakulären Sichtungen ausbleiben.

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Er sagt es nicht, aber einen Wunsch will mir der Guide offenbar noch erfüllen, die Zeit ist längst um, doch er fährt Umwege. Erst einmal haben wir in aller Ruhe Pferdeantilopen gesehen, 2014 in Botswana, und nun hoffte ich auf eine zweite Begegnung. Als wir schon nicht mehr damit rechnen, finden wir sie, und sind alle glücklich damit.

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Dieses Zebra muss ein Steppenzebra sein, doch es sieht kompakter aus und es fehlen auch die Schattenstreifen. Weiß jemand, was genau für ein Zebra das ist?
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Reichlich verspätet sind wir zurück im Camp Kwando, uns soll es recht sein. Wir treffen die Birder, die auf dem Rückweg von Katima Mulilo sind, und sie zeigen uns ein Nest direkt am Holzdeck beim Restaurant.

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Es ist so winzig, wir hätten es glatt übersehen, obwohl es direkt vor unserer Nase hängt. Ein Paradiesschäpper-Pärchen schleppt fleißig Nistmaterial an, stopft es in die Lücken und drückt dann das Innere mit dem Bauch geschickt platt.

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Die heiße Mittagszeit verbringen wir am Pool und erneut in allerbester Gesellschaft. Vögel und Schmetterlinge umschwirren uns, ...

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... und schon jetzt freuen wir uns auf die Bootstour auf dem Kwando am Nachmittag.

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Eierdieb
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Teil 2513. Apr. 2020
Stinkige Landratten

Obwohl in Hamburg zuhause und nachweislich seetauglich, sind wir ausgesprochene Landratten. Also stinkige Landratten, wie man hier oben (mit spitzem "s") zu sagen pflegt; man darf das nicht persönlich nehmen. Auf dem Wasser sein nur um des Wassers willen, das ist nicht unser Ding. Manche Bootstrips bilden eine Ausnahme. Die in Afrika, in Costa Rica oder im Pantanal zum Beispiel. Oder auch die durch die Fleete unserer Heimatstadt, wenn die Wasservögel Junge haben. Weil es immer etwas zu sehen gibt und die Fahrt zur Safari wird; das sanfte Dahingleiten unter freiem Himmel, die Ruhe und das friedliche, emsige Treiben der Flussbewohner einen ganz eigenen Zauber besitzen. Und die Touren eine andere Welt eröffnen, einen anderen Blick. Von innen nach außen sozusagen. Das mögen wir.

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Gegen halb Vier sind wir wie am Vortag verabredet beim Restaurant und warten. Warten zehn Minuten, dann will ich vorsorglich nachfragen, ob auch alles klappt. Rezeption wie Restaurant sind verwaist und zwei Damen im benachbarten Office not amused, als ich bei ihrer Unterhaltung störe. Die Bootsfahrten, belehren sie mich mit tadelndem Blick, beginnen in dieser Jahreszeit erst um Vier. Aha! Also weiter warten.

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Um kurz vor Vier finden sich mehr Menschen ein, das ist einerseits gut aber wiederum auch verwunderlich, sollte das Boot doch wegen des niedrigen Wasserstandes kaum besetzt sein. Der Guide kommt und nimmt die anderen Gäste mit, es ist die Tour in den Mudumu. Und wir? Schulterzucken. Von einer Bootstour weiß er nichts. Auch die Rezeption, mittlerweile wieder besetzt, stellt uns vor Rätsel. Derzeit fänden keine Bootstrips statt. Fake News, wie wir wissen, denn erst am Morgen waren die Ornithologen auf dem Fluss und zudem schwer begeistert.

Jetzt sind wir sauer und stehen noch unschlüssig in der Gegend herum, da biegt ein älterer Herr um die Ecke. Fragt mit Bedauern, ob wir die Mudumu-Abfahrt verpasst hätten und kriegt einen Schreck, als wir von der gebuchten Tour berichten. "Come on", sagt er, und keine fünf Minuten sitzen wir bei ihm im Boot. Der Guide ist ausgesprochen nett und unser Stimmungsbarometer in Warp-Geschwindigkeit nach oben geschnellt. Wir sind dankbar für seine ebenso prompte wie unbürokratische Reaktion.

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Wir schippern in Richtung Mudumu. Zu beiden Seiten erstreckt sich der Nationalpark, eine ganz neue Perspektive und Natur pur.

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Der Fluss ist schmal, wir haben beide Ufer fest im Blick. Gut verborgen bewacht ein Krokodil seine Eier.

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Das Wasser ist tatsächlich ziemlich seicht, die Hippos sammeln sich an den wenigen tieferen Stellen.

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Beim Vorbeifahren steigt wie immer das Adrenalin. Auch, weil wir einmal eine Mokoro-Tour in Botswana Jahre zuvor abgebrochen haben, als ein Nilpferd gar nicht aufhören wollte, uns mit seinem Imponiergehabe zu schocken. Was ihm eindrucksvoll gelang. Hatte wohl was gegen stinkige Landratten in seinem Revier, das Hippo...

Wir freuen und einmal mehr über die vielen schönen Vögel, ...

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... auch wenn die Tour in dieser Hinsicht nicht ganz mit denen bei Drotsky's mithalten kann.

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Dennoch sind wir wieder sehr begeistert. Viel zu schnell verfliegen die zwei Stunden, die wir auf dem flachen, kleinen Boot verbringen.

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Zurück an Land, gibt's einen Sundowner am Feuer, denkwürdige, aber auch amüsante Gesellschaft einer reichlich angeschickerten Amerikanerin und ein tolles Abendessen im Freiluft-Restaurant. Ich wünschte, ich könnte die Zeit anhalten und einfach immer so weitermachen. Gerne auch zu Wasser - mir ist alles recht!

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Teil 2616. Apr. 2020
Am Sambesi

Es gibt eine lange Liste mit Dingen, die ich gesehen oder erlebt haben möchte. Meistens haben sie mit Reisen zu tun und ziemlich häufig mit Afrika und seinen Tieren. Sehr weit oben rangieren seit Jahren die Karminspinte bei Katima Mulilo, deren ungewöhnliche Kolonie sich nicht in einer steilen Uferwand, sondern auf einer sandigen Ebene eingerichtet hat. Diese schönen, rotbunten Bienenfresser tauchen alljährlich ab Mitte August auf und verlassen ihr Teilzeit-Zuhause nach den ersten Regenfällen im November wieder.

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Ich hatte während dieser Reise mehrfach Sorge, wir könnten einen Tick zu spät dran sein und die Vögel verpassen. Doch die Ornithologen, die wir immer wieder getroffen haben, beruhigten mich.
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Und so freue ich mich am Tag unserer Weiterreise zum Sambesi unbändig und hoffe inständig, sie würden mit ihrer Prognose recht behalten.

Der Start in den großen Tag wird mir beim Frühstück durch den allmorgendlichen Flugbetrieb rund ums Restaurant des Camp Kwando versüßt.

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Das Paradiesschnäpper-Paar präsentiert sich nicht nur in voller Pracht, sondern auch progressiv und bastelt in gerechter Arbeitsteilung penibel an seinem Nest weiter.

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Der eine oder andere tierische Besucher ist auf Beutezug, ...

Nein, wir haben nicht gefüttert...
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... und schafft es sogar, das morgendliche Frühstücksidyll ordentlich aufzumischen. Hektisches Gepolter aus dem Küchenbereich hinter der dünnen Trennwand liefert erste Hinweise darauf, dass etwas nicht stimmt. Einer der Gärtner eilt herbei, und ich kann nicht sehen wie, aber er fackelt nicht lang und schnappt sich den meterlangen Python, der sich am Eimer mit den Küchenabfällen zu schaffen macht.

Ein Guide kommt zu Hilfe, die Schlange wird per Boot die wenigen Meter über den Fluss nach Botswana bugsiert, wo sie nicht nur recht unkonventionell die Nationalität wechselt, sondern auch ein neues Leben beginnt - hoffentlich ein glückliches.

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Die 165 Kilometer bis nach Katima Mulilo im äußersten Osten der Sambesi-Region sind kaum der Rede wert. Ein Zusatz in unseren Reiseunterlagen "Achtung: Die Lodge ist mit den meisten Fahrzeugen erreichbar, 4x4 wäre jedoch anzuraten" lässt uns kurz stutzen, erweist sich aber als überholt. Auf makelloser Straße rollen wir bis zum Zambezi Mubala Camp, das nicht zu verwechseln ist mit der Zambezi Mubala Lodge - was uns natürlich zunächst passiert.

Doch das Camp, übrigens fest in Anglerhand (es riecht auch ein wenig streng nach Fisch), ist die Heimat für unser Auto in den nächsten zwei Tagen und zudem Ausgangspunkt des Bootstransfers bis zur Lodge. Wir schnappen unsere Taschen und warten am Anleger, wo wir zehn Minuten später eingesammelt werden. Das Wasser des großen, breiten Sambesi ist so seicht, dass wir mit dem flachen Boot nur langsam vorwärts kommen.

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Rund 20 Minuten dauert die Fahrt, und es ist nicht mehr weit bis zur Lodge, da entdecke ich in einiger Entfernung die Scharlachspinte. Ich bin elektrisiert und buche nach dem Einchecken zuallererst eine Bootstour für den Nachmittag, die uns auch zur Kolonie führen wird.

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Die Lodge macht Eindruck auf uns, mit ihrer tollen Lage direkt am Sambesi, dem großen, offenen Restaurant im Schatten riesiger alter Bäume und den schmucken Bungalows, die hell, freundlich und modern eingerichtet sind; ähnlich wie die Häuschen der Spitzkoppen-Lodge. Der Hemingway-Safari-Style, den ich allerdings schätze, ist scheinbar passé.

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Die Räume sind großzügig geschnitten, es ist alles sehr gepflegt und noch neu, erst zwei Jahre zuvor hat die Unterkunft, die zu Gondwana gehört, auf dem Gelände der ehemaligen Kalizo Lodge ihre Pforten geöffnet. In der Küchenecke gibt's eine Tee-und Kaffeestation sowie Kaltgetränke im Kühlschrank, alles complimentary und jeden Tag neu. Viel Liebe zum Detail, doch das Beste sind die Stille und der Blick auf den Sambesi; vom Bett, von der Terrasse, sogar aus der riesigen Dusche, unschlagbar! Ich weiß, wir werden uns an diesem Ort wohlfühlen, doch er gibt uns auch Rätsel auf - später.

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Wir checken unsere E-Mails, was in den letzten beiden Tagen ohne Netz nicht gelang, unsere Agentur hat einen Vorschlag der Air Namibia erhalten und wir müssen noch zustimmen. Unser Rückflug geht demnach nicht abends, sondern am nächsten Morgen, wir sollen den Mietwagen an dem verabredeten Tag - also unserem ursprünglich letzten - zum Flughafen bringen, werden dann von der Airline um 13 Uhr per Shuttle zu einem Hotel in Windhoek gebracht und am nächsten Tag wieder zurück zum Airport. Klingt nach einer gangbaren Lösung und so ist für uns erstmal alles geritzt.

Viel zu früh gehen wir in Richtung Bootsanleger, doch weit kommen wir nicht. Hören ein hohes, mehrstimmiges Fiepen aus dem dicken Baum direkt am Holzsteg, der quer über die Anlage führt, und rätseln, was das wohl ist.

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Obwohl mehr oder minder direkt am Weg, hätte ich die Flughunde normalerweise niemals entdeckt, die da kopfüber zwischen den Blättern hängen.

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Die eigentlich nachtaktive Kolonie ist in Aufruhr, denn es ist ein Baby an Bord, das erst die Mutter und schließlich den Rest der Bande aus dem Schlaf reißt. Wie bei Schafen gerät die ganze Gruppe in Bewegung: Regt sich ein Tier, regen sich am Ende alle.

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Kaum sind Hunger und Durst gestillt, kehrt wieder Ruhe ein. Bewegungslos baumeln die Tiere im Baum.

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Die Show ist vorbei und das kommt mir gelegen, denn ich habe eine Verabredung mit den Karminspinten - die möchte ich keinesfalls verpassen.

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Teil 2719. Apr. 2020
Die Ka(r)minsp(r)inte

Manchmal entwickeln Wörter eine Eigendynamik; zuweilen sogar ganze Sätze. Wenn ich als Kind etwas in den Müll schmiss, entsorgte ich es im Apfeleimer. Das erschien mir vollkommen logisch, waren es doch häufig Reste des von mir heißgeliebten Obstes, die dort den Weg alles Irdischen gingen. Ich trank auch gerne direkt aus dem Wasserkran, nicht aus dem Wasserhahn, wie mir Oma Grete einzuimpfen pflegte - wenn auch vergebens. Allein schon, weil mir in meiner Ruhrpott-Kindheit der Anblick eines Krans deutlich vertrauter war als der lebender Hühner.

Was ist sprachlich sinnvoll und was nicht? Axel Hacke hat darüber vor Jahren ein wunderbares Buch geschrieben. "Der weiße Neger Wumbaba" handelt von Verhörern und ist benannt nach der Fehlinterpretation einer Zeile aus "Der Mond ist aufgegangen":
"Und aus den Wiesen steiget,
Der weiße Nebel wunderbar."

Als ihn die Erkenntnis endlich ereilte, dürfte dem Urheber des "Wumbaba" die Trennung von seiner Schöpfung reichlich schwer gefallen sein; sie lebte schließlich schon jahrelang in seinem Kopf.

Wohin Vertipper, Verhörer, Versprecher und manchmal wohl auch Halbwissen führen können, zeigt sich nicht zuletzt im Forum. Die Wortschöpfung "wegmütig" statt "wehmütig" ergibt dabei - speziell unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Lage - auf großartige Weise Sinn, und der "Berti", geboren aus einem winzigen Verrutscher auf der Tastatur, ist mir schon richtig ans Herz gewachsen. Bei anderen Begrifflichkeiten dagegen ist das Dechiffrieren diffizil. Bei den sogenannten Kaminsprinten zum Beispiel.

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Sprinterqualitäten
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Diese bemerkenswerte Spezies tauchte in den vergangenen Jahren wiederholt in Kommentaren auf, und obwohl um die Karminspinte (Karmin=roter Farbstoff, Spinte= Bienenfresser) wissend, bekam ich das Bild nicht mehr aus dem Kopf, wie ein Schwarm hektischer Vögel im Schweinsgalopp in einem Schornstein verschwindet und dort seine rußgeschwärzte Brut aufzieht. Der Ruß, der Schlot, wohl ebenfalls eine Reminiszenz an meine Jugend im Pott, wo ich unter der damals noch omnipräsenten Dunstglocke des Ruhrgebiets eine lebhafte Phantasie entwickelte. Die Dunstglocke ist gewichen, mein Wohnort längst verlagert, die Phantasie aber ist geblieben - und mit ihr Bilder wie die der Kaminsprinte.

Die Realität, ihr ahnt es schon, sieht natürlich ganz anders aus. Kein Rauch und keine Schlote, und der Fluss, auf dem wir an diesem Tag zu den Ka(r)minsp(r)inten schippern, heißt nicht Ruhr, sondern Sambesi.

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Wir sind die einzigen Gäste der nachmittäglichen Bootstour, die uns - vorbei an der leider durch Erosion kollabierten Bee-eater-Kolonie in der Steilwand des Ufers - wunschgemäß auf direktem Weg zu den Vögeln auf der Sandebene bringt.
Schon aus der Distanz können wir die knallbunten Tiere hören und sehen, ...

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...wir legen an, gehen die wenigen Meter die Uferböschung hinauf und dann das:

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Ich bin platt und weiß nicht, wohin mit mir. Wohin zuerst gucken, wohin zuerst gehen?

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Vollkommen baff stehen wir im heißen Sand und inmitten eines Tunnels aus Vögeln. Zu Hunderten steigen sie auf, fliegen pfeilschnell und mit viel Palaver über unsere Köpfe hinweg (erstaunlicherweise, ohne dass etwas auf uns fällt...), landen wieder im Pulk, bevor das Spiel von vorn beginnt. Zwischen 800 und 1200 Sp(r)inte sind noch da, schätzt unser Guide, vielleicht hat er recht, vielleicht auch nicht, egal. Es ist atemberaubend.

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Der Entschluss ist schnell gefällt: Wir werden hier den Nachmittag verbringen. Den Rest der Bootstour können wir noch am nächsten Tag machen, jetzt kriegen mich keine zehn Pferde weg.

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Der Ranger, der die Kolonie überwacht und von Nicht-Lodge-Gästen einen kleinen Obolus kassiert, instruiert uns kurz und zieht sich dann mit dem Guide in den Schatten zurück. Die beiden Cousins haben sich viel zu erzählen. Wir sind allein und genießen es.

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Die sandige Fläche ist mit Bruthöhlen übersät, ein einziges Tunnelsystem und fragil dazu. So ein Eigenheim macht Arbeit, es gibt immer was zu tun, und so wird gescharrt und gebuddelt, damit die Einfahrt frei bleibt.

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Ich setze mich jenseits des losen Sandes ins Gras und bewege mich kaum, die Vögel verlieren ihre anfängliche Scheu und ignorieren mich schließlich komplett. Immer wieder fliegen sie in großen Schwärmen auf, am nächsten Tag wird das anders sein, ich weiß nicht, warum.

Mir schlafen die Beine ein und die Füße, doch ich sitze wie erstarrt, denn die Vögel sind auf der Hut und reagieren empfindlich.

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Thomas versucht den Aussichtsturm zu erklimmen, zunächst ohne Erfolg, das Metall ist so heiß, er verbrennt sich die Hände daran. Später geht es hitzetechnisch besser, doch weil das Konstrukt so hoch wie wackelig ist, klettert er flugs wieder runter.

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Mehr als zweieinhalb Stunden verbringen wir bei der Kolonie, und damit keine Minute zuviel. Im Gegenteil: Am nächsten Tag wollen wir wiederkommen.

Wir lassen uns Zeit auf dem Weg zurück zur Lodge, ein bisschen gibt es noch zu sehen, doch der Himmel zieht sich zu und das Licht wird schlecht. Sonnenuntergänge bekommen zusehends Seltenheitswert, doch wir haben Glück, tagsüber ist es noch immer sonnig und schön.

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Im Open-Air-Restaurant gibt's ein leckeres Dinner, die Stimmung ist entspannt, und weil wir nur wenig Gäste sind, kommen wir gleich ins Gespräch. Ein anderes deutsches Paar wäre gerne wie wir eine zweite Nacht geblieben, hatte aber schon vor einem Dreivierteljahr eine Absage erhalten. Die Lodge sei am zweiten Tag ausgebucht. Wir können uns das kaum vorstellen, so leer wie es an dem Abend ist. Die Auslastung dürfte bei kaum einem Drittel liegen. Wir sind gespannt, was und wer da alles am nächsten Tag anrücken soll und bedauern, dass die netten neuen Bekannten schon wieder weiterziehen müssen.

Noch zwei Amarula, dann gehen die Flughunde zur Nachtschicht und wir ins Bett. Beim Einschlafen denke ich an die Karminspinte, die wir am nächsten Tag wiedersehen werden, und bin kuriert von meinen schrägen Bildern im Kopf. Die Realität hat über die Phantasie gesiegt - beileibe nicht immer ein Glücksfall. Aber diesmal schon!

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Teil 2821. Apr. 2020
Schweigen ist Gold

Wir haben die Vorhänge in der Nacht offen gelassen und nach einer riesigen Mütze Schlaf auf der besten (weil richtig festen) Matratze der Reise werden wir von der Sonne geweckt. Herrlich! Noch keine sechs Uhr, und auf dem Sambesi herrscht schon reges Treiben.

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Unsere Bootstour beginnt um Sieben, Boote und Guides werden immer eigens vom Zambezi Mubala Camp herbeigerufen und liegen nicht fest bei der Lodge. Außer uns ist noch ein anderes Paar dabei, beide zeigen keinerlei Interesse an einer Unterhaltung, weder mit uns noch miteinander, und so ist mir sogar ihre Nationalität entfallen. Spielt aber eigentlich auch keine Rolle, denn wir saugen die friedliche Morgenstimmung in uns auf und zu sehen gibt es ohnehin genug.

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Die Gegend ist nicht nur ein Eldorado für Kingfisher, ...

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... sondern auch für Angler, die ganz schön dicke Brocken an Land ziehen - was auch immer das für Fische sind. Beim Camp habe ich bei unserer Ankunft eine Tafel gesehen, darauf verzeichnet Art, Gewicht und die Anzahl der geangelten Exemplare in den vergangenen Tagen. Das war eine ziemliche Menge.

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Gleich zu Beginn stoppen wir bei den Karminspinten. Es sind weniger Vögel als am Vortag, der Guide meint, sie seien auf Futtersuche und somit zu großen Teilen unterwegs.

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Was die beiden anderen denken, bleibt ihr Geheimnis, doch sie sind einverstanden, dass wir relativ schnell wieder gehen. Uns ist's egal, wir kehren ohnehin am Nachmittag zurück.

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Der Sambesi ist wegen der Trockenheit seicht, oft können wir nicht sehr nah ans Ufer und an die Objekte unserer Begierde heran. Ohnehin mag ich lieber die schmaleren Flüsschen, dennoch ist die Tour ganz wunderbar und stimmungsvoll.

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An einer Stelle verlassen wir das Boot und stapfen über eine Sandbank zu einem kleinen See, ...

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... an einer anderen ist der Fluss trockengefallen und somit Endstation.

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Wir bleiben einfach ein wenig mit dem Boot auf der sambischen Seite liegen und lassen die Farben und Formen im schönen Morgenlicht auf uns wirken. Ich könnte hier glatt Wurzeln schlagen, ...

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... doch schließlich steuern wir zum Zambezi Mubala Camp, wo wir das Paar mitsamt seinem Reisegepäck absetzen, dann geht es deutlich schneller zurück zur Lodge. Der Guide - derselbe wie am Vortag - stoppt allerdings problemlos auf Wunsch, ist freundlich und geduldig, wenn auch relativ schweigsam. Was wir erneut eher als Vorteil empfinden.

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Beim Frühstück sind wir die einzigen Gäste, die wenigen anderen sind bereits abgereist, und werden nach Strich und Faden verwöhnt. Nach dem opulenten Mahl sortiert Thomas erst sich und seine Bilder im Bungalow und gesellt sich dann zur mir an den hübschen Pool mit tollem Blick auf den Sambesi. Über uns in den hohen Bäumen toben die Vögel und lenken mich immer wieder ab von meinem Buch, das ich auch nach diesem Urlaub nicht beendet haben werde. Schmökern und Afrika, das verträgt sich einfach nicht. Immer ist was los, auch wenn eigentlich nix los ist.

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Wie auch am Nachmittag bei den Karminspinten. Doch das ist ein anderes Kapitel und soll ein andermal erzählt werden...

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Teil 2926. Apr. 2020
Sentimental Journey

Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Es war fast jeden Tag sehr heiß, doch jetzt dürften die 40 Grad locker geknackt sein. Rund drei (schattenlose) Kilometer sind es von der Lodge zur Bee-eater-Kolonie, das würden wir normalerweise problemlos laufen. Aber in dieser Hitze möchten wir das nicht und so buchen wir uns auf die nachmittägliche Bootstour. Ein zugegebenermaßen vergleichsweise kostspieliger Lift - aber auch die einzige Möglichkeit, denn eine andere Art des Transfers zu den Vögeln gibt es nicht. Ich werde das bei unserer Abreise an der Rezeption ansprechen und komme auch hier noch darauf zurück.

Unsere "Hauskrokodile", die immer bei der Lodge herumlungerten. Das eine hatte seine Eier unten am Strand gelegt und bewachte sie zuverlässig.

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Mit uns sitzt ein sehr nettes niederländisches Paar im Boot und beide staunen nicht schlecht, als wir anlanden, die Kühlbox mit den Kaltgetränken (zumindest zum Teil) plündern und die Sanddüne hochklettern. Der Ranger ist da und begrüßt uns, da seid ihr ja wieder, dann verschwindet er, ich frage mich immer, wohin eigentlich, aber ist natürlich auch egal.

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Die Vögel sind nicht so zahlreich wie am Vortag und fliegen auch nicht in so großen Schwärmen hoch, vielleicht sind schon die ersten ausgewandert über Nacht, vielleicht sind sie unterwegs und kehren später zurück, aber es sind immer noch Hunderte da. Ich setze mich in den heißen Sand und auf ein Tuch, um mir nicht den Allerwertesten zu verbrennen, und schmelze fast dahin - von innen wie von außen.

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Thomas verschwindet nach unten ans Wasser, er ist nach den ersten Eindrücken am Vortag auf einer Mission, die er nun erfüllen will.

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Am Nachmittag ist bei den Karminspinten Trinkzeit. Im Sturzflug tauchen sie mit dem gesamten Körper ins Wasser ein, ...

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... nehmen einen großen Schluck, schießen dann wieder empor ...

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... und wirken so durchnässt, als seien sie in der Mauser.

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Die benachbarten Bäume werden zur Wäscheleine und zum sozialen Hotspot. Ein Durcheinanderkrakeelen ohne Punkt und Komma. Worum es wohl geht? "Na, und du so, poah, heiß heute, was? Hältste nur im Wasser aus." "Jaja, ich geh auch gleich nochmal rein. Haste eigentlich mitbekommen, bei den Schmidts nebenan hat's gestern ganz schön gekracht. Und die Tochter soll ja durchgebrannt mit so nem dahergelaufenen Malachite." "Mmmmmn, und die Webers haben ne neue Küche. Todschick!" "Echt jetzt? Dann muss ich mich da mal einladen, bevor sie in ihr Ferienhaus abhauen."

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Wahrscheinlich sind wir arme Irre, aber ganze drei Stunden verbringen bei den Vögeln - und langweilen uns nicht eine Sekunde. Nur einmal kommt ein anderes Boot, ein Paar mit Guide, doch sie bleiben nicht lang und schon kehrt wieder Ruhe ein - von dem unentwegten Geschnatter der Spinte einmal abgesehen.

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Gegen Sechs erscheint unser Guide mit den Niederländern, die völlig aus dem Häuschen sind beim Anblick der Kolonie. Ich kann es ihnen nicht verdenken und bin glücklich über die viele Zeit, die wir hier verbracht haben.

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Der Himmel zieht sich zu, das Licht verschwindet und somit auch wir.

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Als wir zum Boot hinunterlaufen, kommt uns eine kleine japanische Reisegruppe entgegen, bestens ausgestattet mit tollen Objektiven und dem unvermeidlichen Mundschutz. Wie immer finde ich diese Vorsichtsmaßnahme albern und wie immer grinse ich in mich hinein. Nichtsahnend, dass nur wenige Monate später nichts mehr wie immer sein wird in der Welt; und dieses mir so verhasste Utensil Einzug in meinen Kleiderschrank halten wird.

Die Japaner haben Pech, kaum sind sie oben angelangt, verschwindet die Sonne hinter dicken Wolken. Sie werden die Kolonie auch am nächsten Morgen nicht im Sonnenlicht sehen, denn sie müssen in aller Frühe schon wieder weiter. Japanisches Reisen, es lohnt sich einfach nicht.

Beim Abendessen zucken jenseits des Flusses heftige Blitze am sambischen Horizont, doch bei uns bleibt es heiß und trocken. Die Japaner, die Niederländer und wir, mehr Menschen werden es auch an diesem Abend nicht und ich muss an unsere Bekannten vom Vortag denken, die keine zweite Nacht mehr bei der Buchung bekommen hatten.

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Ich sitze auf der Terrasse, genieße die Ruhe und den Blick auf den stillen Sambesi. Ab dem nächsten Tag werden wir langsam retour in Richtung Windhoek rollen. Ob wir wohl jemals wiederkehren an diesen Ort? Und wenn ja, wann? Ich werde sentimental und bin so verliebt in dieses Leben, in Afrika, das Reisen, die Unbeschwertheit. Kann aber natürlich auch am Amarula liegen. Vielleicht.
Teil 3030. Apr. 2020
Die Regenmacher

Wir haben auf unserer bisherigen Reise gesehen, was wir sehen wollten. Erlebt, was wir erleben wollten. Und sogar darüber hinaus. Etwas Autofahren steht an diesem Tag an, sonst nichts. Keine Pläne, keine Vorsätze. Ein komisches Gefühl. Ein bisschen befreiend, ein wenig wehmütig - der Abschied naht. So denke ich beim Aufwachen und drücke die Stopp-Taste; nein, noch ist es nicht vorbei!

Mein Organismus macht sowieso was er will und holt mich gewohnt früh aus den Federn. Was einmal mehr lohnt, denn wieder wartet eine fantastische Morgenstimmung auf uns. Die Sonne ringt mit den Regen verkündenden Wolken - etwas mühsam, aber noch mit Erfolg. Thomas kocht sich einen Kaffee und mir einen Tee, und so beginnt der Tag entspannt und noch in Schlafklamotte auf unserer Terrasse mit Blick auf den Fluss.

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Erst um Neun werden wir abgeholt und per Boot zum Camp gebracht, wo unser Auto auf uns wartet. Beim Frühstück sind wir allein, die Japaner sind schon abgereist, die Niederländer noch nicht aufgetaucht, danach machen wir den längst überfälligen Rundgang über die Lodge-Anlage, der bisher fehlender Zeit und/oder großer Hitze zum Opfer gefallen war.

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Ein langer Holzsteg verbindet die 20 idyllisch entlang des Sambesi aufgereihten Häuschen miteinander, eine schöne Anlage, aber viel sei ja gästemäßig nicht los, bemerke ich beim Auschecken an der Rezeption. Die freundliche Mitarbeiterin schüttelt bedauernd den Kopf. Sie fragt nach möglichen Verbesserungen, und ich schlage einen kostengünstigeren und flexibleren Bootstransfer zu den Karminspinten vor. Oder auch eine Ausbesserung der Straße, die beim Bau der Lodge durch schweres Gerät dermaßen zerstört worden sein soll, dass eine Anfahrt mit dem eigenen Fahrzeug zumindest nicht empfohlen wird. Wie der Zustand der Zufahrt tatsächlich ist, weiß ich nicht, auf große Begeisterung stößt mein Vorschlag jedenfalls gefühlt nicht.

Der Kern des Problems, so glaube ich, ist ohnehin ein anderer: Die Lodge ist zu groß. Wie die meisten Gondwana-Unterkünfte ist sie auf Gruppen ausgelegt, doch der Chobe Nationalpark und die Vic Falls zu weit, die Bootsfahrten in der Umgebung zu zahlreich, die Karminspinte saisonal und wohl auch Special Interest - warum sollten sie kommen? Und wenn sie es täten, könnte die Kolonie das verkraften? Ich habe Zweifel. Und so hatten wir unterm Strich eine wunderbare, friedliche Zeit bei den Vögeln und in dieser schönen Lodge, doch so kann und wird es dort wohl nicht weitergehen.

Auf der Fahrt zum Camp schippern wir gemächlich dahin ...

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...dann fahren wir zurück zur B8. Die rund 370 Kilometern bis zur River Dance Lodge sind wie eine Zeitreise, hier haben wir dies erlebt, dort war das, und ich kann kaum glauben, dass wir erst zwei Tage zuvor in die andere Richtung unterwegs waren. So viel Neues haben wir seitdem schon wieder gesehen.

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Der erste Eindruck unseres Zwischenstopps auf dem Rückweg nach Windhoek ist gut, eine kleine, privat geführte Lodge am Steilufer des Okavango ...

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... und auch unser Bungalow aus Holz und mit großer Glasfront gefällt uns sehr. Der Blick auf den Fluss ist von vielen großen Bäumen versperrt, die dafür mit einer reichen Vogelwelt entschädigen.

Mehr Paradiesschnäpper und ...
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... die Antwort auf die Frage, warum ihr Federkleid aussieht, wie es aussieht (was auch immer für ein Baum das ist)
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Schade nur, dass die Bäume keinen Schatten auf unser Dach werfen, das zu allem Elend von schwarzer Teerpappe bedeckt ist. Darunter sind es gut und gerne 50 Grad! 😣
Der kleine Ventilator kann nichts ausrichten, wir flüchten an den leider nur mäßig attraktiven Pool, wo wir die einzigen Gäste sind und ab und an tierischen Besuch bekommen.

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Die Bootsfahrt ist ausgebucht und wir hatten sie ohnehin nicht geplant, den Abend verbringen wir auf der herrlichen Terrasse bei gutem Essen und immerhin einem Hauch von Wind.

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In unserem Häuschen sieht das ganz anders aus. Wir könnten Pizza backen oder ein Brot, doch an Schlaf ist nicht zu denken. Wir überlegen kurz, es gibt Security auf dem Gelände, auch könnte nur ein sehr fähiger Freeclimber das Steilufer erklimmen. Schließlich reißen wir die großen Schiebetüren weit auf, verziehen uns unters Moskitonetz und schlafen wie die Murmeltiere, bis uns die vielen Vögel mit einem vielstimmigen Konzert wecken.

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Ziemliche Krawallschachtel: Jakobinerkuckuck
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Noch ein tolles Früstück auf der Terrasse, schon sind wir wieder unterwegs. Noch mehr als auf dem Hinweg fällt mir ins Auge, wie anders die Umgebung im Caprivi im Vergleich zum restlichen Namibia ist. Wir lassen Rundu sowie das afrikanische Dorfleben hinter uns und leider auch die Sonne. Je weiter wir nach Süden kommen, desto bedrohlicher zeigt sich der Himmel.

Ich hatte mich nach der langen Fahrt (rund 520 Kilometer) auf einen Spaziergang auf dem Gelände der Ohange Lodge gefreut, die inmitten der Otavi Berge liegt. Eine schöne Gegend, doch daraus kann nichts werden. Denn es wird finster. So finster, dass ein eigentlich nachtaktives Tier aus dem Takt gerät. Ich halte es zunächst für einen angefahrenen Hund und bin erschrocken, doch tatsächlich ist es ein Erdferkel, das vor uns die Straße quert. Wir sind völlig perplex, die Kameras weit weg und falsch präpariert, doch wir können sie gut beobachten, diese merkwürdige Kreatur, die zum ersten Mal unseren Weg kreuzt.

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Sieben Jahre zuvor waren wir schon einmal für eine Nacht in der Ohange Lodge, eine klassische Gästefarm mit namibischer Hausmannskost und gemeinsamem Essen am Lagerfeuer. Gastgeberin Karla päppelte seinerzeit ein junges Kudu auf, das auf der Straße angefahren worden war, und bei unserer Ankunft erinnere ich sie daran.

Foto von 2012
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Sie lacht und berichtet von ihrem neuesten Zögling: einem Bushbaby. Ob ich es später füttern wolle? Was für eine Frage! Ich bin Feuer und Flamme und kann kaum noch abwarten, dass es soweit ist.

Es ist Sonntag, unsere Gastgeber haben Besuch, wir sitzen auf der Terrasse, unterhalten uns, lassen uns den selbstgebackenen Kuchen schmecken, etwas anderes ist ohnehin nicht zu tun, denn es gießt wie aus Kübeln. Nonstop. Dazu ein Temperatursturz um satte 20 Grad. Wenige Stunden zuvor bin ich fast zerflossen, jetzt ziehe ich alles an, was meine Tasche an sauberer Wäsche noch hergibt.

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An ein Abendessen am Lagerfeuer ist nicht zu denken, und wir sitzen schon drinnen rund um den Esstisch, als die Farmersfrau mich antippt. "Halt mal eben." Klar, gerne. Aber was denn eigentlich?

Das Bushbaby-Baby ist so klein, ich kann es in den großen, zupackenden Händen unserer Gastgeberin erst gar nicht entdecken. Und dann bin ich hin und weg.

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Der Winzling, von der Mutter zwei Wochen zuvor verstoßen, hat es allerdings faustdick hinter den Ohren. Klettert forsch auf mir herum, versucht mit seinen erstaunlich kräftigen Hinterbeinchen auf den Tisch zu springen und hinterlässt seltsam klebrige Abdrücke in meinen Händen. Als Karla mit der Pipette kommt, bin ich endgültig Geschichte, sind die riesigen Glubschaugen nur noch auf die Milch gerichtet.

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Ganz auswildern wird man das Tierchen nicht mehr können, doch der Farmer will ihm in einem Baum einen Unterschlupf bauen. Noch überlegt er, wie er ihn vor Schlangen sichern kann. Ich hoffe, dass der kleine Kerl ein schönes Leben haben wird, und ein möglichst sicheres dazu. Und dass ich ihn wohlbehalten wiedersehe. Irgendwann.

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Teil 3103. Mai 2020
Hummeldumm

Am Morgen ausschlafen. In Ruhe frühstücken. Vielleicht noch ein kleiner Spaziergang. Anschließend in aller Gelassenheit nach Windhoek. Dort noch etwas essen. Dann zum Flughafen. Autorückgabe, Nachtflug nach Frankfurt, Weiterflug nach Hamburg. Schließlich noch ein ganzer Tag Urlaub in der Heimat, bevor es zurück an die Arbeit geht - so lautete der Plan.

Dass daraus nichts werden würde, wussten wir ja nun schon eine Weile. Um 13 Uhr müssen wir an diesem Tag, der ursprünglich der letzte auf dieser Reise war, am Hosea Kutako sein. So wünscht es die Air Namibia, die unseren Rückflug verschoben und für diese Uhrzeit den Shuttle zum dadurch notwendig gewordenen Hotel festgelegt hat. Wir haben um einen späteren Zeitpunkt gebeten, aber vergebens. Da hilft kein Lamentieren, und so stehen wir in aller Herrgottsfrühe auf, bekommen netterweise sogar ein Frühstück und rollen um Sieben vom Gelände der Ohange Lodge.

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Nun heißt es Kilometerfressen. Etwa 440 sind es, und wir kommen bestens voran. Es nieselt immer noch leicht, doch je näher Windhoek rückt, desto sonniger wird es. Überpünktlich sind wir am Flughafen, die Autorückgabe geht ebenso glatt wie zügig über die Bühne, auch bei unserer dritten Namibia-Reise sind wir ohne Platten davongekommen.

Die Dame am Air-Namibia-Schalter ist bemerkenswert unfreundlich, und ich sehe es ihr anfangs nach, denn die Mitarbeiter der Pleite-Airline machen sicher eine schwere Zeit voller Ungewissheit durch. Wir sind offenbar die einzigen Shuttle-Kandidaten und müssen noch warten, wie lange ist ungewiss, auch habe ich Sorge, dass wir vergessen werden, und so frage ich nach 40 Minuten vorsorglich, wann es denn wohl soweit sei.

Das würden wir ja dann schon sehen, blafft die Dame barsch, oha, der Kunde ist König, wenn auch nicht hier. Nunmehr leicht gereizt merke ich an, dass wir ganz offenkundig ohne Not zu dieser frühen Ankunft genötigt worden seien. Das hört der Sonnenschein hinter der Schalterscheibe so richtig gern und weist mich unverhohlen unverschämt an, einen Sitzplatz in der Halle zu suchen und gefälligst nicht zu nerven. Nun gifte ich zurück. Wir hätten den Schlamassel schließlich nicht zu verantworten und auch keine große Freude daran, und wenn Blicke töten könnten, würde es diesen Reisebericht nicht geben.

Um 14.20 Uhr dann der knappe Befehl "Go!" Nur zu gern, bloß wohin? Keine Antwort, aber wir latschen vorsorglich einem Air-Namibia-Mitarbeiter hinterher, der zwar nicht mit uns spricht, aber ein Ziel zu haben scheint. Quer übers Gelände folgen wir ihm zu einem Parkplatz mit Firmenwagen, der Motor läuft, wir steigen ein - und warten wieder. Warten eine halbe Stunde, ich frage den Fahrer, was ist los, die Crew eines verspäteten Fluges fehlt noch, wann der landet, ihr ahnt es schon, man weiß es nicht.

Der Motor läuft und läuft, irgendwann, so überlege ich, werden wir tanken müssen, ohne uns auch nur einen Meter vom Fleck bewegt zu haben, doch dann gehen die Türen auf, die Crew steigt ein, kein Gruß, kein Blick, wir haben uns schon fast dran gewöhnt, doch immerhin, wir fahren. Endlich.

In Windhoek wird erst die Crew abgesetzt und dann wir, wie erhalten Gutscheine fürs Hotel, für ein Abendessen sowie ein einzelnes Telefonat und außerdem zwei Mini-Fläschchen Wasser, die zum Waschen gedacht sind, denn in Windhoek werden Leitungen gewartet oder repariert und das fließende Wasser fließt gerade nicht, sondern erst wieder in der Nacht.

Das Safari Court Hotel ist ein Riesenkasten und so gar nicht unser Ding, das Zimmer allerdings okay und einen Pool gibt es auch, dort wollen wir den Nachmittag verbringen. Mit Mühe ergattern wir zwei Stühle, die Liegen sind okkupiert von weiteren Gestrandeten, einer großen, fast 50-köpfigen und trotz früher Stunde reichlich bierseligen Schicksalsgemeinschaft: "Na, dssssseid ihr auch Air Namibia?"

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Wir drehen wie die meisten eine Runde im Pool, besser dieses Wasser als keins, mein Haar müffelt nach Chlor und der Speisesaal beim Abendessen penetrant nach Hallenbad. Ein anderes deutsches Paar hat seine Reise komplett selbst gebucht und ist erstaunt, was wir alles bezahlt bekommen. Die zusätzliche Übernachtung, das Essen, sie müssen für all das selbst blechen, sie hätten ja schließlich die Wahl und könnten auch zwei Tage früher zurück, so die Begründung der Air Namibia. Ich finde das frech und bin froh, dass unsere Agentur die Dinge wohl bestmöglich für uns geregelt hat.

Bleibt die Frage, wann wir eigentlich am Morgen abgeholt werden, keiner weiß es so genau, uns hat man fünf Uhr gesagt, anderen halb Sechs, nur eine kleine Mütze Schlaf, dann sitzen wir um Punkt Fünf frisch geduscht (!) in der Lobby und warten. Mal wieder.
Nichts passiert, die Reisegruppen sind aufgeregt und immer in Bewegung, geht einer raus, rennen alle hinterher, muss einer aufs Klo, folgt ihm der Rest. Ich suche die versteckte Kamera, doch ohne Erfolg, es ist auch ohne eine Riesenshow.

Dann endlich tut sich was, ein Mini-Bus fährt vor, mit Platz für zwölf Personen, wenn auch ohne Gepäck. Die meisten drängeln, klammern sich an ihre Koffer, das reinste Affentheater, doch irgendwann ist eine erste Rutsche weg und dann noch eine zweite. Lange passiert nichts, dann ein dritter Mini-Bus, der Fahrer ist ehrlich, mehr seien nicht geplant, aber wir sollen uns nicht sorgen, er müsse zwar los, aber kümmere sich. Schlecht ist, wer Schlechtes denkt, aber ich glaube ihm kein Wort.

Wir sind noch zu Viert, es ist schon nach Sechs, und kein Schiff kommt. Thomas geht rein, zieht unseren kostenfreien Telefon-Joker an der Rezeption, das erinnert an Knast, zeigt aber Wirkung. Air Namibia tut erstaunt, wähnt alle am Flughafen, sie schicken jemanden, nur das kann dauern. Wir warten, natürlich, was auch sonst, dann der nächste Mini-Bus, er ist nach unserem Anruf am Hosea Kutako losgefahren und nun drängt mächtig die Zeit. Am Airport kommt es, wie es kommen muss, ein deftiger Anschiss beim Check-In, wir seien zu spät und wohl nicht bei Trost. Wir sprinten zum Gate und plumpsen in die Sitze - geschafft!

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Ich blicke hinunter, hell leuchtet die Etoscha-Pfanne, schon jetzt habe ich Fernweh und könnte glatt von vorn beginnen. Ich lege mich der Länge nach über vier Sitze, denn wir haben jeder eine Reihe für uns, und schlafe sofort ein. Schlafe so lang und gut wie noch nie im Flieger, und träume von Afrika, von dieser Reise und den kommenden.

Und so ist alles, was für den Moment noch bleibt, ein dickes Danke für eure Begleitung - und ein Fazit, das in den nächsten Tagen folgen wird!

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Teil 3205. Mai 2020
Wegmütig

Dieser Bericht hat mich beinahe so bewegt wie die Reise selbst. Nicht nur, weil er mir so viel Spaß gemacht hat. Oder weil ich ihm den Berti zu verdanken habe, der extrem unternehmungslustig ist und hoffentlich eine große, reiseintensive Zukunft vor sich hat. Sondern auch, weil er eine ungeahnte Wendung genommen hat, und dieser geschuldet ist Berti derzeit vor allem eins: wegmütig. Ein mir ebenfalls neuer Begriff, der jedoch den Nagel auf den Kopf trifft, denn so geht es mir, so geht es Thomas und wahrscheinlich uns allen hier im Forum.

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In den vergangenen Tagen habe ich noch einmal zu den Anfängen des Berichts zurückgeblättert - und dabei seine Metamorphose mit voller Wucht zu spüren bekommen. Sorglos von mir begonnen und von lieben und liebgewordenen virtuellen Begleitern nicht selten voller Vorfreude auf eine eigene Reise verfolgt, kamen mittendrin Corona und der damit einhergehende Lockdown. Aus Vorfreude wurde Wehmut - und für mich persönlich der Reisebericht zum Strohhalm. Als jemand, der eigentlich immer nach vorn guckt, schien mir plötzlich die Erinnerung vielversprechender als die Zukunft. Das soll so nicht sein und wird sich auch wieder ändern, half mir aber über den ersten Schock hinweg, den #wirbleibenzuhause bei mir ausgelöst hatte - auch dank eurer tollen Begleitung im Reisebericht, für die ich mich herzlich bedanken möchte.

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Die Reise selbst, unsere dritte nach Namibia, hat uns nach anfänglichen Turbulenzen um Route, Kosten und deren Missverhältnis richtig gut gefallen. Den letzten Tag mit dem Air-Namibia-Trouble nehme ich natürlich davon aus, doch das hatten wir schon seinerzeit vor Ort getan und die Tour nach der Wegfahrt von der Ohange Lodge für eigentlich beendet erklärt. Ob ich nochmal mit der Airline fliegen würde, falls sie weiterhin existieren sollte? Ich weiß es schlichtweg nicht, finde aber grundsätzlich einen Non-Stop-Flug extrem verlockend.

Wir haben uns auf der Tour Zeit gelassen, wie wir das seit einigen Jahren generell tun, und das hat sich einmal mehr bewährt. Nur so können wir eintauchen in die jeweiligen Orte, den Blick für das schärfen, was ihn ausmacht und die Stimmungen auf uns wirken lassen.

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Was waren die Highlights? Das lässt sich schwer beantworten, denn es war vor allem die große Bandbreite an Eindrücken, die diese Reise für uns besonders gemacht hat. Von den kargen, bizarren Felsen an der Spitzkoppe über die tierreiche Etoscha-Pfanne in die stillen, üppigen Flusslandschaften des Caprivi - diese sehr abwechslungsreiche Kombination mochten wir und können sie auch empfehlen.

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Jedes unserer Ziele hatte etwas für sich. Die Spitzkoppe hat mein Herz im Sturm erobert, und ich will dorthin zurückkehren. Sie hat etwas Archaisches, Unvergängliches an sich, diese Landschaft, in der ich mich zeitlos fühlte und rundherum wohl. Die Spitzkoppen-Lodge hat ihren Anteil daran, aber längst nicht nur. Das zentrale Damaraland mit seinen wie hingeworfenen Steinhaufen mag ich sowieso, der Ausflug zu den Wüstenelefanten war unerwartet großartig, anders als der Blick hinunter vom Grootberg-Plateau. Der war auch groß, aber mit Ansage.

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Der Etoscha-Nationalpark ist nicht die Serengeti und nicht der Moremi, doch wir schätzen seine besondere Landschaft, die vielen natürlichen Wasserlöcher und die tollen Möglichkeiten der Tierbeobachtung. In dieser Hinsicht hat er uns auch diesmal wieder verwöhnt und so haben wir unseren Sichtungssack randvoll gemacht, bevor es in den Caprivi weiterging, wo wir vor allem auf Vögel geeicht waren.

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Wir empfanden den Etosha auch diesmal nicht als überfüllt, wie überhaupt auf der gesamten Reise nichts, allerdings als deutlich zu trocken, was er ja bekanntermaßen auch war. Das hat nicht nur landschaftlichen Reiz sowie die kleinen Beobachtungen zwischen den Wasserlöchern genommen, sondern tat auch manchmal in der Seele weh. Unterm Strich überwog das Positive.

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Der Caprivi war Neuland für uns und hat definitiv seinen Reiz. Eingebettet in eine Kombination mit anderen attraktiven Zielen, ist er mit seinem schwarzafrikanischen Flair, den einsamen Nationalparks und grandiosen Bootstouren ein besonderer Farbtupfer. Herausragend waren für uns die Trips mit Drotsky's sowie unsere Besuche bei den Karminspinten. Beides würde ich jederzeit wiederholen.

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Schon fast ein wenig aus Trotz hatte ich ja beschlossen, den langen Weg nach Windhoek wieder zurückzufahren und nicht wie ursprünglich angedacht One Way zu planen. Tatsächlich hat uns das (etwas unerwartet) nicht gestört. Unsere beiden Zwischenstopps bei River Dance und Ohange haben uns überraschend viel geboten - darunter die so anrührende Begegnung mit dem Bushbaby-Baby. Es ist aber bestimmt keine schlechte Idee, noch bis zum Chobe oder gar bis zu den Vic Falls weiterzureisen und von dort zurückzufliegen. Es braucht entsprechend Zeit und Geld.

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Als Fahrerin scheue ich mich vor nichts - außer vor Tiefsand. Strecke und Unterkünfte waren entsprechend ausgelegt, und das funktionierte gut. Ein paarmal haben wir im Caprivi auf geführte Gamedrives zurückgegriffen; auch, weil wir das von Zeit zu Zeit genießen. Über Bidvest als Autovermieter kann ich nichts Negatives sagen. Alles hat gut geklappt, und die Reifen haben auch diesmal wieder gehalten.

Am Ende unserer Reise kam der lang ersehnte Regen, und darüber haben wir uns sehr gefreut. Weil er sich schon immer mal andeutete und der Himmel gegen Nachmittag zuzog, mussten wir oft ohne das afrikanische Abendrot auskommen. Das war schade, doch alles in allem war das Wetter auf unserer Seite. Dass es im November sehr heiß war, liegt auf der Hand. In aller Regel haben wir keine Probleme damit.

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Namibia hat uns auch beim dritten Mal begeistert, und von den Erinnerungen werde ich noch lange zehren - vielleicht sogar zehren müssen. Ende Dezember wollen wir nach Südafrika und freuen uns so sehr darauf. Die Route steht, die Reise ist gebucht, doch wer weiß, ob sie stattfinden kann. Wann geht es wieder los, wie geht es wieder los und wohin, die Ungewissheit schmerzt, die Stimmung schwankt, ihr wisst, wovon ich spreche.

Ich drücke uns allen die Daumen. Und danke euch für euer Interesse, eure Begleitung und eure eigenen Berichte, die ich in den nächsten Wochen intensiv verfolgen werde. Ob Ausflüge in die Vergangenheit, Lagerfeuer-Romantik oder phantastische Hochzeitsreisen - ich bin dabei. Nicht nur, aber auch als Ersatzdroge. Denn ganz ohne Afrika geht es nicht.

Passt auf euch auf, bleibt gesund und wie eine liebe Freundin immer zu sagen pflegt: Köpfchen über Wasser!

Liebe Grüße,
Betti-Berti und Thomas

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