Das Warten hat endlich ein Ende. Über ein Jahr ist vergangen, seit wir als Familie mit Kindern im Alter von derzeit drei und sechs Jahren das letzte Mal ins südliche Afrika geflogen sind. Im Rahmen unserer diesjährigen Sommerreise sind wir Afrika schließlich „untreu“ geworden und haben einen für uns gänzlich weißen Fleck auf der Landkarte entdeckt: Sri Lanka. Die Insel hat uns mit ihrer reichen Kultur und wunderschönen Natur sehr begeistert und durch grandiose Nationalparkaufenthalte – auch wenn der bekannte Yala NP schon sehr stark besucht ist – dazu beigetragen, dass die Sehnsucht nach Afrika im Zaum gehalten werden konnte. Unsere Sichtungsfee hat dabei auch asiatische Lokalkompetenz bewiesen und uns neben vielen asiatischen Elefanten auch fünf Leoparden und zwei selten zu beobachtende Lippenbären beschert. Viele andere Säuger (vom Goldschakal über Flughunde, Languren, Makaken, Wildschweine, Axis- und Sambarhirsche, Mungos und Wasserbüffel) und eine reichhaltige Vogel- und Unterwasserwelt rundeten das asiatische Safarierlebnis ab. Zur Illustration einige Bilder aus verschiedenen Nationalparks (auch wenn diese Tiere in diesen Unterarten nicht im südlichen Afrika leben):
Aber Afrika, ach Afrika… der Sehnsuchtsort.
Ein Jahr 2018 ohne Afrika? Nein, das ging dann doch nicht. Also planten wir bereits lange vor Antritt der Reise nach Sri Lanka einen Herbsturlaub in Südafrika. Der Kruger Nationalpark sollte es einmal mehr sein – unser bisher vierter Aufenthalt dort. Das letzte Mal waren wir im Oktober 2016 hier und hatten eine wirklich spektakuläre Zeit mit vielen wunderbaren Sichtungen (vgl. Link in der Signatur). Die Gefahr einer Enttäuschung hatten wir also durchaus im Hinterkopf, als wir den Trip zusammenstellten. Aber eigentlich hat der Busch uns bisher noch nie enttäuscht und einfach dort zu sein, die Luft zu atmen, die Geräusche von grunzenden Hippos, das nächtliche Rufen der Tüpfelhyänen im Ohr… Ach Afrika…
Also wurden kurzerhand Flüge gebucht und eine Oktober-Tour durch den südlichen Kruger (ohne allzu große Transferstrecken) auf der SanParcs Seite zusammengebastelt. Wir waren noch so früh dran, dass wir meistens unsere Wunschunterkünfte bekommen haben und so kam der folgende Verlauf zustande:
Flug über Johannesburg nach Nelspruit Zwei Nächte Crocodile Bridge Zwei Nächte Lower Sabie Zwei Nächte Satara Zwei Nächte Skukuza Zwei Nächte Biyamiti Bushveld Camp Zwei Nächte Berg en Dal Eine Nacht Pretoriuskop Flug von Nelspruit über Johannesburg nach Hause
Wir verbrachten also volle zwei Wochen im Kruger. Es war eine intensive Zeit inmitten des schönen südafrikanischen Busches mit insgesamt nur einem (!) nervigen „Kruger-Stau“. Viel Zeit haben wir in uns wohlvertrauten Camps verbracht, die Reise war also ein echtes Sequel der Safari aus dem Jahr 2016. Und wie es sich für Fortsetzungen gehört, musste ja alles auch länger dauern (Verdoppelung der Aufenthaltszeit im Park – unser bisher längster NP-Aufenthalt an einem Stück. Dabei die Frage im Hinterkopf: Wird das evtl. etwas eintönig?) und bestimmt auch noch viel spektakulärer sein… Meistens sind jedoch Fortsetzungen bekanntlich nie so gut wie das Original… Wir waren jedenfalls sehr gespannt – auch, weil wir auf der Reise unseren neuen Kamerazuwachs ausprobieren wollten.
Ich lade euch hiermit ganz herzlich ein, uns auf unserer Kruger-Intensivtour zu begleiten und gemeinsam mit uns die Erlebnisse Revue passieren zu lassen und von der grandiosen Natur zu träumen:
Kinder und Katzen im Kruger – Reloaded
In den nächsten Tagen werden wir uns – immer wenn Beruf und Kinder es erlauben und unsere Energie es zulässt– daran machen, die zahlreichen Fotos der Tour zu sichten und auszuwählen. Es kann also noch etwas dauern, bis die ersten Tagesberichte in regelmäßiger Folge erscheinen werden.
Bis dahin alles Gute! Sascha
Teil 204. Nov. 2018
Kapitel 1: Ein nasskalter Empfang (13.10.2018)
Endlich geht es los – die Koffer sind möglichst schlank gepackt und die Aufregung steigt. Vor wenigen Tagen haben wir erfahren, dass unser innerdeutscher Verbindungsflug um rund zwei Stunden vorverlegt worden ist. Das stellt uns vor einige logistische Herausforderungen und sorgt dafür, dass wir geschlagene fünf Stunden Aufenthalt am Flughafen in München haben werden. Mit zwei Kindern keine sehr attraktive Aussicht… Die Wartezeit vergeht jedoch – auch dank eines netten Spielangebots in Form eines Flugzeugklettergerüsts – verhältnismäßig schnell und die Kinder können sich noch einmal so richtig austoben, bevor es in den Flieger nach Johannesburg geht. Nahrungsbeschaffung ist am Flughafen München jedoch anscheinend noch kostenintensiver als anderswo und so landen wir nach langem und frustrierendem Gesuche schließlich bei Subways…
Der Nachtflug gen Johannesburg verläuft dann ausgesprochen ruhig. Die Kinder schlafen wie glücklicherweise immer auf solchen Flügen gut und das im Vergleich zu 2016 sehr ausgebaute Entertainmentprogramm von SAA greift uns in den Wachphasen helfend unter die Arme. Leider hat unser Flug Verspätung, sodass uns am nächsten Morgen in Johannesburg nur eine knappe Stunde zum Umsteigen in die Airlink-Maschine gen Nelspruit bleibt… Also heißt es hier rennen, rennen, rennen. Denn beim Umsteigen von internationalen Verbindungen auf Inlandsflüge muss dummerweise das Gepäck auf dem Kofferband abgeholt und neu eingecheckt werden, was zusätzlich wertvolle Zeit benötigt, da das Einchecken weit entfernt auf einer anderen Etage stattfindet. Was wir in München an Zeit zu viel hatten, haben wir hier zu wenig. Stress bricht aus und wir schaffen es knapp durch die (traditionell laschen) Sicherheitskontrollen zum Terminal der Inlandsflüge. Außer Atem erreichen wir also unsere gebuchte Maschine. Unser aufgegebenes Gepäck sollte da weniger Glück haben…
Eine knappe Stunde in der Luft vergeht und wir setzen zur Landung auf den Mpumalanga International Airport an, ein kleiner Flughafen am Rande des Kruger, der in der Hauptsache ein Einfallstor für uns Touristen darstellt und entsprechend mit Touroperatoren, Galerien und Souvenirläden ausgestattet ist.
Wir durchbrechen eine dicke Wolkendecke und werden von leichtem Nieselregen und kühlem Wind in grauer Eintracht empfangen. Unsere Fleecepullis, die wir zum Glück im Handgepäck haben, kommen zum ersten und unerwarteten Einsatz. Am Gepäckband wird schnell klar, dass unsere Koffer nicht mitgekommen sind. Am Airlink-Schalter wird versprochen, dass sie mit dem nächsten Flug in etwa zwei Stunden hinterhergeschickt werden würden. So lange wollen wir hier eigentlich nicht warten und beschließen das Angebot anzunehmen, dass uns das Gepäck heute Abend zum Crocodile Bridge Gate geliefert werden könne. Zum Glück warten wir nicht am Flughafen, denn es stellt sich später heraus, dass die Koffer auch nicht an Bord des angekündigten Fluges sein werden…
Wir nehmen am Budget-Schalter den Schlüssel für unseren VW T6 Bus entgegen, der uns in den kommenden zwei Wochen in den Kruger begleiten wird. Das Auto ist in ganz wunderbarem Zustand und bietet uns jede Menge Platz, vor allem nachdem wir einen Sitz der Mittelreihe ausgebaut haben und die restlichen Sitze der Reihe durch Umklappen in einen Tisch verwandelt haben. Auch die Kindersitze lassen sich in diesem Jahr recht problemlos installieren – wir sind anscheinend doch lernfähig. Nach kurzer Zeit ist also unser Wohn- und Spielzimmer auf vier Rädern fertig hergerichtet. Mit leichtem Gepäck geht es dann nach Malelane. Dass die Koffer nicht da sind, entbindet uns davon, dass einer von uns im Wagen bleiben muss, um das Gepäck zu bewachen. Man muss nur immer alles positiv sehen. Wir kaufen im Shoprite der Ingwe Mall unsere Vorräte für den Nationalparkaufenthalt ein. Nudeln, Cerealien, Säfte, Wasser – zwei gigantische Einkaufstaschen werden gefüllt und in den VW gewuchtet. Als wir mit dem Einkauf fertig sind, hat es aufgehört zu nieseln. Das Grau bleibt uns jedoch erhalten, die Sonne hat heute keine Chance. Willkommen im südafrikanischen Frühling. 😉
Wenige Minuten Fahrt vergehen und wir kommen am Malelane Gate an. Schnell kann die Einfahrtsbürokratie erledigt werden und schon passieren wir den geöffneten Schlagbaum. Nach ca. 24 Stunden sind wir am Ziel: Der Beginn von zwei Wochen im Busch. 🤩
Wir fahren die Crocodile River Road gen Osten, unsere ersten zwei Nächte haben wir im Crocodile Bridge Camp gebucht. Auf dem Weg begegnen uns kaum Autos – einer der Vorteile der Dirtroads im Kruger. Dafür haben wir erste Sichtungen, die durch das schlechte Licht das Fotografenherz nicht gerade in höchste Höhen schnellen lassen. Da wir auf dieser Reise zum ersten Mal auch unsere Kinder mit unseren ganz alten Kompaktdigitalkameras ausgerüstet haben, richten sich nun teilweise vier Objektive auf die Tiere links und rechts unseres Weges. Für die Kinder sind die Kameras ein echter Mehrwert – sie entwickeln wieder großen Spaß daran, auch bei Impala und Co um einen Fotostopp zu bitten. Die genannten Antilopen sehen wir natürlich bereits jetzt in größerer Anzahl – machen aber kein Foto (das bleibt seltsamerweise in den nächsten 14 Tagen fast durchweg so...). Als erstes schafft es ein brütender (Danke Matthias!) Kronenkiebitz, von uns abgelichtet zu werden.
Auch Warzenschweine lassen sich sehen. Kurz darauf erblicken wir Kudus und erste Elefanten, die aber durch den dichten Busch und das fehlende Sonnenlicht sehr wenig fotogen sind.
Einen längeren Fotostopp legen wir bei einem emsigen Bennettspecht ein, den wir lange bei seiner Nahrungssuche beobachten können. Gar nicht so leicht, ein scharfes Foto dieses kleinen Kerls zu machen…
Ein kurzer Blick gelingt uns auf ein Schopffrankolin, bis es sich schnell in den dichten Busch verzieht.
Auch die Weißstirnbienenfresser frieren…
Beim Nachmittagssnack lassen sich Giraffen beobachten.
Es folgt der Höhepunkt dieses ersten Gamedrives. Nah am Weg grasen vier B.N., die wir lange begeistert beobachten können. Sie stehen auf einer Lichtung und die sind hier rar gesät, umso mehr genießen wir die Begegnung mit diesen sanften bedrohten Riesen.
Als letztes gibt ein nasser Kronenducker sein Stelldichein und hält lange genug für einige Fotos still.
Erschöpft erreichen wir Crocodile Bridge und verlängern als erstes unsere Wildcard. Mit dem Rezeptionisten vereinbaren wir außerdem die Übergabe unserer Koffer, die erst nach Gateschließung ihren Weg zu uns finden werden. Entsprechend kompliziert gestaltet sich alles. Unsere Hütte im Camp ist so düster wie alle anderen, klein und zweckmäßig. Die Kinder genießen die große Wiese und nehmen auch den kleinen Innenraum schnell in Beschlag. Wir kochen Nudeln in unserer Außenküche und entspannen. Leider gibt es hier viele Mücken, sodass wir lieber im Inneren der Hütte essen. Als es längst dunkel ist, kommt unser Gepäck. Es wurde am anderen Flussufer Rangern übergeben, von diesen kann ich es am Gate abholen. Leider sind beide Koffer und ihr Inhalt ziemlich durchnässt – sie haben wohl einige Stunden auf dem Rollfeld im Nieselregen gestanden. Unsere ohnehin kleine Hütte verwandelt sich also in eine Trockenkammer. Alles, was behängt werden kann, dient als Wäschetrockner…
Wie immer, wenn ich in Nationalparks bin, wache ich vor dem Morgengrauen auf und fühle mich putzmunter. Ohne die anderen zu wecken, schleiche ich mich aus der Hütte und gehe im Camp spazieren. Die gute Laune beim Aufwachen wird durch das noch immer sehr trübe Wetter gedämpft. Als es langsam hell wird, zeigt sich eine undurchdringbare graue Wolkenmasse, die das Sonnenlicht weitgehend aussperrt und uns den Tag über immer wieder Nieselregen bringen wird. Dafür wird es nicht so heiß werden und die Tiere werden bestimmt länger aktiv sein, da sie sich nicht in den ohnehin nicht vorhandenen Schatten zurückziehen müssen – immer schön positiv denken… 😉 Um 5.30 Uhr öffnen die Camps im Kruger im Oktober ihre Tore. Das ist ganz schön früh... Ich wecke meine Familie und wir packen alles für ein Frühstück unterwegs ein. Ganz verschlafen besteigen die Kinder den Bus und kuscheln sich in die warmen Decken, die wir aus der Hütte mitgebracht haben. Kurz nach halb sechs sind wir dann auf Tour und freuen uns trotz des mauen Wetters auf unseren ersten vollen Tag im Park, den wir auf dem „Southern Circle“ verbringen wollen, einer Gegend, die uns landschaftlich immens gut gefällt, da sie zu großen Teilen aus für Krugerverhältnisse offenen Grasebenen besteht. Nicht weit hinter dem Camp haben wir unsere ersten Sichtungen. Den Anfang machen Hyänen, die wir aber nur im Vorbeiziehen beobachten können.
Ein Schabrackenschakal lässt sich schon genauer in Augenschein nehmen und ist auch an uns interessiert.
Wir biegen auf die S28 ab – eine Straße, die sich für uns als recht verlässliche Gepardenstrecke etabliert hat, auch Wildhunde haben wir hier schon gesehen.
Zuerst begegnen wir einem Tawny Eagle, den wir beim Verzehren seines Risses (vielleicht ein Waran?) beobachten können.
Wir fahren an Elefanten vorbei und sehen irgendwann vor uns einige Autos am Straßenrand stehen – immer wieder ein Hinweis auf eine interessante Sichtung. Und so ist es auch in diesem Fall. Wir entdecken drei junge Geparde, die leider etwas weit entfernt miteinander spielen. Sie toben wild herum, wälzen sich übereinander, springen sich gegenseitig an und jagen sich quer über die Ebene. Durch unsere Ferngläser und das Teleobjektiv können wir dem munteren Treiben gespannt zusehen. Für wirklich gute Fotos sind sie aber zu weit weg und das Licht ist leider eben auch nicht das beste. Trotzdem genießen wir diese Sichtung sehr und sind dankbar dafür, dass sich die S28 für uns treu geblieben ist.
Nach der ausgiebigen Beobachtung und einem parallel stattfindenden Bus-Frühstück fahren wir weiter gen Norden. Es geht vorbei an Grünmeerkatzen und einem durstigen Schreiseeadler.
Wieder treffen wir auf Elefanten und haben auch zwei weitere B.N.-Sichtungen, dieses Mal aber in größerer Distanz, sodass es nur für Dokumentationsaufnahmen reicht.
Steinböckchen lassen sich sehen und auch ein Schopffrankolin kreuzt unseren Weg.
Bald sind wir am Sabie angekommen und erfreuen uns am Anblick des Flusses, soweit es der trübe Tag zulässt. Auf der Brücke in der Nähe des Camps Lower Sabie verbringen wir eine Weile und genießen den Anblick des Lebens im und am kühlen Nass.
Am nahen Sunset Dam machen wir einen weiteren Stopp. Auch hier zeigen sich wieder Elefanten. Besonders freuen wir uns aber über einen Malachite Kingfisher, der auf einem Ast ganz nah an unserer Parkposition auf Beute lauert. Diesen Vogel lieben wir sehr. In der Sonne glänzt sein Gefieder so wunderbar. Das muss man sich heute leider dazudenken.
Wir kehren in Lower Sabie ein, um dort eine längere Pause einzulegen. „Mugg and Bean“ mit seiner schönen Aussichtsterrasse ist für uns noch immer ein besuchenswerter Ort, auch wenn es schon recht rummelig zugeht. Das Essen ist lecker, die Aussicht ist schön. Und die Kinder werden mit einer kleinen Spielecke gut bei Laune gehalten. Am Nachmittag geht es nahezu sichtungs- und fotofrei nach Crocodile Bridge zurück. Wir machen eine Pause und bereiten uns auf unseren ersten Nightdrive vor, der um 20 Uhr beginnen soll. Für unserer Große ist es die erste Fahrt dieser Art. Da sie jetzt sechs Jahre alt ist, darf sie mitfahren. Schon seit drei Jahren fiebert sie diesem Moment entgegen…
Fortsetzung folgt
Teil 406. Nov. 2018
Kurz vor 20 Uhr finde ich mich mit unserer Großen am Treffpunkt für die organisierten Ausfahrten an der Tankstelle in Crocodile Bridge ein. Es ist stockdunkel und unsere Tochter ist sehr aufgeregt. Bald geht es los. Wir besteigen den Truck – leider werden die Ausfahrten fast immer auf diesen großen Gefährten angeboten, die zum Fotografieren wirklich ziemlich ungünstig sind.
Als wir aus dem Tor rollen, werden die Spotlights angeschaltet. Ansonsten umschließt uns finstere Nacht. Die Wolkendecke sperrt jedes Mond- und Sternenlicht aus. In der ersten halben Stunde passiert erst einmal nichts. Wir blicken in von zitternden Lichtkegeln illuminierte Büsche und sehen hier und da müde Impalas… Irgendwann kommen wir an einem Schabrackenschakalbau vorbei und können ein Jungtier bei der Erkundung seiner Umgebung beobachten. Dann passiert wieder lange nichts. Und unsere Große wird immer müder und müder, die Dunkelheit, das frühe Aufstehen und das gleichmäßige Brummen des Motors tun ihr Übriges. Bald ist sie fest eingeschlafen. Vorher musste ich ihr versprechen, dass ich sie für interessante Sichtungen wecken würde. Also dann…
Der erste Weckruf wird durch eine Zibetkatze auf der Straße ausgelöst. Ich freue mich sehr über diese Begegnung. Ein Civet habe ich Jahre nicht mehr gesehen. Dieses Exemplar verlässt in Windeseile die Straße, lässt sich aber bei seinem Weg durch den Busch noch eine ganze Zeit beobachten. So entstehen sogar trotz wackligem Scheinwerferlicht und unübersichtlichem LKW einige Aufnahmen dieses Nachtbewohners. Auch unsere Große ist von dem waschbärartigen Tier begeistert, denn sie hat noch nie zuvor ein Civet gesehen.
Als die Schleichkatze verschwunden ist, wird weitergeschlafen…
Bald darauf lösen sich jedoch vier neue Schatten aus der Dunkelheit: Löwen! Wieder wird der Schlaf unterbrochen. Zwei Kater und zwei Katzen sind auf der Jagd und marschieren dafür neben der Straße.
Bald tauchen die beiden Katzen in den dichten Busch ein und sie haben Jagderfolg, der für uns unsichtbar, aber nicht unhörbar bleibt. Man hört die Fressgeräusche in der Stille der Nacht deutlich. Nach kurzer Zeit vertreiben die beiden Kater die Jägerinnen vom Riss – die Katzen bleiben hungrig und müssen ihre Jagd erneut aufnehmen. Wie ungerecht erscheint das unserer Tochter.
Auf der Rückfahrt ins Camp schläft sie wieder seelenruhig und ich trage sie in die Hütte zurück, wo wir uns zu meiner Frau und unserer Kleinen gesellen, die in unserer Abwesenheit Bekanntschaft mit einem großen Frosch in unserem Spülbecken gemacht haben. So hatte jeder von uns nächtliche Tiererlebnisse.
Gute Nacht!
Teil 508. Nov. 2018
Kapitel 3: Und endlich lacht die Sonne (15.10.2018)
Heute früh fahre ich allein los. Nach der langen Nachtsafari ist unsere Große noch im Tiefschlaf und meine Frau bleibt liebenswürdigerweise mit den Kindern im Camp, während ich eine Runde über die S 28 bis Lower Sabie fahren möchte. 🙂 Bereits im Zwielicht des anbrechenden Tages begegne ich im Camp einem Hadeda Ibis und einigen Buschböcken.
Am Gesanftombi Damm folgt dann kurz nach dem Losfahren gleich ein erster Höhepunkt. Ein B.N. kommt gerade vom Trinken und quert ganz nah an meinem Auto die Straße. Es sind schöne Momente, mit diesem Koloss allein zu sein, seine Kraft und seine Ruhe beobachtend zu genießen.
Langsam geht die Sonne auf und heute sieht man sie dabei sogar. Der starke Wind, der die Nacht über herrschte, hat die Wolkenmassen der Vortage vertrieben und es verspricht ein schöner und sonniger Tag zu werden. Das freut mich im Angesichts der vergangenen Tage sehr. 😁
Auf der S28 kommt es dann im Licht der aufgehenden Sonne zu einer weiteren schönen Begegnung. Inmitten des von der Morgenstimmung vergoldeten Grases entdecke ich vier in meine Richtung ziehende Hyänen. Zwei adulte Tiere und zwei Jungtiere. Sogleich schalte ich den Motor aus und warte. Zum Glück lassen sich die vier nicht durch meine Anwesenheit von ihrem eingeschlagenen Weg abbringen und so marschieren sie weiter auf mich zu. Auf der Dirtroad halten drei der Tiere dann an und wir beäugen uns gegenseitig aufmerksam und neugierig. Dabei trennen uns nur wenige Meter und ich höre in der Stille des Morgens das Atmen der Hyänen. Das ist ein ganz magischer Moment: Das Licht, die Stille, die Nähe dieser wunderbaren Tiere. Alles ist ganz friedlich und einfach nur schön.
Irgendwann verabschieden sich die Hyänen und auch ich setze meinen Weg nach Norden fort. Immer wieder freue ich mich dabei über das schöne Licht des jungen Tages. Vorbei an Kudus und anderen Steppentieren führt mich mein Weg einmal mehr zum Sunset Dam, der in schönstem Sonnenschein vor mir liegt. Ich suche mir einen schönen Platz und lasse das vielfältige Leben auf mich wirken.
Auf der Rückfahrt macht mich ein Gamedrive-Fahrzeug auf einen Löwen, der tief im Busch liegen soll, aufmerksam. Der Guide gibt sich alle Mühe mir das Tier zu zeigen, aber entweder der Löwe ist wirklich nur extrem schwierig zu erkennen oder ich stelle mich einfach zu blöd an. Jedenfalls wird es an dieser Stelle nichts mit einer Löwensichtung. Stattdessen zeigen sich bald einige Warzenschweine… Auch schön.
An dem Ort, an dem der Riss in der letzten Nacht stattgefunden hat, lassen sich heute Morgen viele Geier bei ihrem Tagwerk beobachten. Der Busch wird wieder gesäubert.
Einige Kilometer südlich auf der H4-2 kommt es dann zum letzten Höhepunkt dieser frühen Ausfahrt. Im Gras der Böschung liegen drei Löwen – darunter ein echter Prachtkater – und sind mit dem beschäftigt, was Löwen die meiste Zeit ihres Lebens eben so tun. Ich freue mich über müde Blicke – mit mehr ist hier auch wirklich nicht zu rechnen.
Nachdem ich nach Crocodile Bridge zurückgekehrt bin, werde ich vom fröhlichen Lachen der Kinder begrüßt. Die zusätzlichen Stunden Schlaf haben gut getan und ich bin meiner Frau wieder einmal sehr dankbar, dass sie den Safarinarren von Ehemann hat ziehen lassen. Wir frühstücken gemeinsam und packen dann unsere Sachen zusammen, denn wir ziehen heute nach Lower Sabie um. Alsbald geht es dann zu viert auf Safari. Den Anfang macht jetzt eine Pantherschildkröte.
Auch die Löwen liegen noch fast an Ort und Stelle, haben sich aber tief in den Busch verzogen, sodass keine neuen Fotos entstehen. Wir begegnen noch einigen Hornraben
und entdecken etwa acht Kilometer vor Lower Sabie an der flusszugewandten Seite der H4-2 einen Impalariss im Baum. Der war mir heute früh entgangen. Leider ist der Jäger nicht anwesend und wir machen nur einige Dokumentationsfotos im schönsten Gegenlicht. So nah an der Straße haben wir noch nie einen Riss im Baum gesehen. Da der Baum nahe an unserem Camp für die nächsten zwei Tage liegt, merken wir uns den Ort vor. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen und sehen, was mit dem Riss geschieht. Vielleicht können wir dabei ja auch den Leoparden erspähen…
Nach einigen weiteren Kudus, Buschböcken, Elefanten und Giraffen erreichen wir den Sunset Dam. Dort bleiben wir eine längere Zeit, um drei große Elefantenbullen beim Trinken zu beobachten.
Dann geht es ins Camp, das nur wenige hundert Meter vom Damm entfernt liegt. Wir essen mal wieder bei Mugg and Bean – schön ist, dass man den ganzen Tag über aus der Frühstückskarte bestellen kann und lassen dabei unsere Blicke über den schönen Sabie schweifen. Immer wieder kommen Elefanten, Wasserböcke und andere zum Trinken an den Fluss. Die Kinder machen derweil die Spielecke unsicher. Um 13.30 Uhr bekommen wir unseren Schlüssel zu unserer neuen Unterkunft. In Lower Sabie haben wir – wie auch schon 2016 – wieder eine Hütte ohne eigenes Bad und eigene Küche gebucht (buchen müssen… alles andere war mal wieder schon weg…). Unser Domizil ist einfach und schmucklos, hat aber vier Betten und das ist schließlich, was zählt. Ein eigenes Waschbecken im Raum macht das Zähneputzen ohne Gang zum nahen Sanitärblock möglich. Alles nicht zum Verlieben schön, aber für uns völlig ausreichend. Auch der Pool ist nicht weit entfernt und so verbringen wir die nächsten Stunden mit den Kindern auf dem Restgras der Wiese und im kühlen Nass. Gegen 16 Uhr wollen wir wieder losfahren, um dem Riss einen erneuten Besuch abzustatten. Liebe Sichtungsfee, auch wenn der Tag schon so wunderbar mit B.N., Hyänen und Löwen begonnen hat – jetzt bist du gefragt…
Fortsetzung folgt in den nächsten Tagen.
Teil 610. Nov. 2018
Kurz nach 16 Uhr verlassen wir Lower Sabie und fahren schnurstracks zum Baum mit dem Impalariss. Der Riss ist zum Glück noch da, der Leopard leider wieder nicht. 🙁 Schade, aber wir beschließen später noch einmal vorbeizuschauen. 😉
Wir wenden also und fahren die Teerstraße am Sabie entlang. Das Licht wird stetig schöner, allein bleiben interessante Sichtungen weitgehend aus. Ruhig ist es heute Nachmittag am Fluss. Wir sehen einige Paviane, natürlich Impalas, Kudus und freuen uns über einen recht fotogenen Raubadler und eine Elefantenherde, die den Sabie in unsere Richtung quert.
Davon abgesehen, genießen wir die schöne Landschaft im Licht der warmen Spätnachmittagssonne. Herrlich!
Irgendwann sehen wir auf die Uhr und uns fällt ein, dass wir ja noch unbedingt beim Riss-Baum vorbeischauen wollten. Und so führt uns unser Weg heute zum dritten Mal zu diesem Ort. Es ist jetzt etwa 17.20 Uhr und es stehen schon einige Autos da – nicht sehr viele jedoch, denn zu dieser Zeit sind hier nur noch Übernachtungsgäste des nahen Camps – und wir sehen Objektive aus den Fenstern ragen. Der Pulsschlag steigt. Ein rascher Blick in den Baum bringt die Bestätigung: Der Jäger – oder bei genauerer Betrachtung – die Jägerin ist anwesend und tut sich an ihrer Beute gütlich. 🤩 Wow! So eine Sichtung haben wir uns schon seit Jahren gewünscht! Wir bringen unseren Bus in eine gute Position am Straßenrand und genießen in der kommenden Dreiviertelstunde die Anwesenheit der Leopardin im stetig wärmer werdenden Licht der sich dem Horizont nähernden Sonne. Wunderschön! 😁 Die meiste Zeit ist sie mit dem Verzehr des Impalas beschäftigt, irgendwann lagert sie sich dann aber um und betrachtet ihre Umgebung, um sich dann kurzzeitig auf einem dicken Ast zur Ruhe zu legen. Lange bleibt sie nicht in dieser Liegeposition, sondern verlässt alsbald pünktlich zum malerischen Sonnenuntergang ihren Baum. Jetzt folgt eine Auswahl der dazugehörigen (sehr zahlreichen) Aufnahmen.
und mein Lieblingsbild der Serie
Wir sind sehr glücklich und zutiefst dankbar für diese Sichtung, die für uns definitiv einen Platz unter den Top 10 Sichtungen unserer gegenwärtig zehn Afrikareisen einnehmen wird. 😁 Frohen Mutes fahren wir den kurzen Weg zurück nach Lower Sabie und entspannen in der Hütte. Heute kochen wir mal wieder Nudeln, das geht schnell und schmeckt allen Beteiligten. Weil aber der Safarihunger noch immer nicht gestillt ist (und weil wir beim Buchen noch nichts von der tollen Leopardenbegegnung ahnen konnten), geht es gleich noch auf einen Nightdrive… 😉
Fortsetzung folgt…
Teil 712. Nov. 2018
Um 20 Uhr beginnt die Nachtfahrt. Wie immer auf einem großen Truck, der recht gut besetzt ist. Eine junge Frau wird den Wagen heute lenken und höchst kompetent die verschiedenen Sichtungen dieser anbrechenden Nacht erläutern.
Wir fahren am Sabie entlang gen Westen und biegen alsbald auf eine für den Normalverkehr gesperrte Dirtroad ein, die tiefer im Busch parallel zum Flussufer entlangführt. Dieser folgen wir nach Osten. Alsbald taucht ein Civet auf, das jedoch schnell das Weite sucht.
Nach einer Begegnung mit einem fressenden Schakal tauchen plötzlich die Silhouetten von zwei Löwen im Scheinwerferlicht auf. Ein stattlicher Kater und eine Löwin lagern nahe der Straße. Wahrscheinlich ein Honeymoon-Pärchen, das gegenwärtig aber keine Kraft für weitere Paarungsakte besitzt. Es wird sich geputzt und ausdauernd gegähnt.
Nach einer Weile geht die Fahrt weiter. Es zeigen sich zwei Ginsterkatzen, die im hohen Gras und dichtem Buschwerk zwar gut zu sehen, aber nicht sinnvoll zu fotografieren sind. Auch eine Weißschwanzmanguste lässt sich lange bei der Nahrungssuche beobachten. Ich bin immer wieder erstaunt, wie groß diese Manguste im Vergleich zu ihren Verwandten ist. Vorzeigbare Fotos entstehen jedoch auch hier nicht, was ich sehr bedauere, denn von dieser Spezies habe ich bisher noch keine annehmbare Aufnahme im Archiv. Irgendwann treffen wir wieder auf die Teerstraße und kommen alsbald am Leopardenbaum vorbei. Die Leopardin hält sich am Fuß des Baumes im dichten Busch auf. Im Licht der Scheinwerfer kann man sie eher erahnen als tatsächlich erkennen, aber das macht mir im Spiegel der vergangenen Begegnung mit ihr nichts aus. Ein wenig weiter die Teerstraße in Richtung Lower Sabie hinauf kommt es zu einer weiteren Löwensichtung. 😁 Zwei stolze Kater liegen auf und neben dem Teer und genießen die Restwärme des Straßenbelags (ein typisches Verhalten der Löwenpopulation des Krugers…). Wir legen hier einen weiteren längeren Stopp ein und beobachten die beiden Prachtexemplare beim frühnächtlichen Erholungsprogramm.
Bald ist es 22 Uhr und damit Zeit zurück ins Camp zu fahren. Ich bin total müde und am Ende ganz froh, als das Tor des Rastlagers sich hinter dem Truck schließt. Erschöpft und glücklich wandere ich im Schein der Taschenlampe durch die Dunkelheit und Stille der Nacht zu unserer Hütte.
Gute Nacht Afrika.
Teil 813. Nov. 2018
Kapitel 4: Ein recht raubtierreicher Tag am Sabie (16.10.2018)
Vor Sonnenaufgang beginnt der neue Tag. Das fällt mir nur hier so leicht. Nach einer kurzen Katzenwäsche besteigen wir zu viert unseren Bus, um zu Toresöffnung auf der Piste zu sein. Wir machen uns Hoffnungen, dass die Leopardin von gestern zu so früher Stunde vielleicht noch aktiv im Baum ist. Wir biegen also gen Osten aus dem Camp auf die Teerstraße und sind gespannt, was uns erwarten wird. Als erstes werden wir nach kurzer Zeit von einer Tüpfelhyäne begrüßt, die am Straßenrand ihrer Wege zieht. Ein schöner Start in den Safaritag. 🙂
Kurz darauf – die Sonne ist noch nicht richtig aufgegangen – treffen wir auf zwei Löwen. Eine Löwin liegt direkt am Fahrbahnrand, der sie begleitende Kater ruht etwas besser versteckt im hohen Gras. An weiterer Aktivität mangelt es löwentypisch. 😉
Irgendwann steht die Löwin auf und verschwindet im Busch. Der Löwenkater schaut ihr nach, ist aber augenscheinlich zu faul, um ihr zu folgen. Nach kurzer Zeit fängt er an zu brüllen, wohl, um nach ihr zu rufen. Sie kehrt aber nicht zurück, da kann er noch so sehnsuchtsvoll sein „Oooompf“ anstimmen. Uns aber hat er mit seiner Vokalperformance sehr beeindruckt und unterhalten. 😁
Nachdem der Löwe das Rufen aufgegeben hat, verharrt er wieder müde im Gras und wir setzen unseren Weg zum Rissbaum fort. Als wir den Ort der gestrigen Leopardensichtung erreichen, können wir feststellen, dass der Riss noch immer im Baum hängt. Das ist gut. Von der Leopardin fehlt aber jede Spur. Das ist weniger gut. Schade. Aber wie auch gestern: Wir werden wiederkommen!
Da wir keine Lust haben, die Teerstraße schon wieder zurück in Richtung Lower Sabie zu fahren, beschließen wir die S28 zu nehmen, um noch einmal das südöstliche Grasland des Parks zu genießen. Neben den üblichen Steppentieren begegnen uns einmal mehr zwei Tüpfelhyänen, die schnurstracks an uns vorbeiziehen und dabei die anwesenden Impalas in Aufruhr bringen.
Die übrige Fahrt gestaltet sich eher ruhig und wir kehren am späten Vormittag - vorbei an einigen im tiefen Busch zu beobachtenden Hyänen (heute ist Hyänentag…) - nach Lower Sabie zurück.
Natürlich fahren wir vorher noch den kleinen Umweg zum Sunset Dam. An diesem ist gerade außer dem immer präsenten Flusspferden, Krokodilen und Nimmersatten nicht viel los.
Jedoch können wir im versandeten Flussbett des Sabie vier Löwen ausmachen, die in der warmen Sonne faulenzen. Ein schöner Abschluss des Vormittags! 😁
Die heißeste Zeit des Tages verbringen wir im Rastlager. Wir gehen im Schatten der Bäume auf der Wiese am Flussufer spazieren und verbringen Zeit auf der jahreszeitlich bedingten Sandfläche vor unserer Hütte; die Kinder sind fröhlich und toben sich ein wenig aus. Das können sie im Anschluss auch noch im Pool ausgiebig tun. Während die frühen Morgen- und die späten Nachmittagsstunden auf unseren Reisen definitiv der Wildbeobachtung gehören, gehören die übrigen Stunden des Tages unseren Kindern. So kommt hoffentlich keiner wirklich zu kurz.
Wir nehmen uns vor, gegen 15 Uhr erneut das Camp zu verlassen, um eine Nachmittagsausfahrt zu unternehmen. Wie wären wir während der Mittagsrast ungeduldig gewesen, wenn wir gewusst hätten, was der Nachmittag noch für uns bereithalten wird... 😉
😈 Cliffhanger 😈
Teil 914. Nov. 2018
Fortsetzung Kapitel 4
Um 15 Uhr fahren wir schließlich erneut gemeinsam los. Zuerst zieht es uns in den Westen. Die Landschaft am Sabie entzückt uns dabei immer wieder aufs Neue. Es eröffnen sich wunderschöne Blicke auf Elefanten- und Büffelherden, die sich am Fluss zum Trinken einfinden. Plötzlich treffen wir auf eine kleinere Autoansammlung – keine Seltenheit auf dieser Straße, daher messen wir dem Ganzen keine zu große Bedeutung zu (… manchmal lösen bereits Kudus eine solche kleine Ansammlung aus…). Auch können wir auf Anhieb den Anlass des kleinen Auflaufs nicht ausmachen. Geduldig erklärt uns ein südafrikanisches Paar, dass am gegenüberliegenden Flussufer ein großer männlicher Leopard unter einem Felsvorsprung ruhe. Sie beschreiben uns den Felsen genau und bald können wir den Kater selbst ausmachen. Dadurch, dass er im Schatten liegt und die Distanz schon recht groß ist, hätten wir ihn ohne Hilfe wohl nicht entdeckt, obwohl der Blick weitgehend unverstellt ist. Wir beobachten ihn beim Putzen und Ruhen und freuen uns sehr über unsere zweite Leopardensichtung dieser Reise. Was Leoparden angeht, ist der Kruger für uns mit Abstand der zuverlässigste Ort in unserem Afrikaportfolio.
Nach einer Weile steht er auf und zieht sich zurück. In der Hoffnung, dass er zum Trinken an den Fluss kommt, fahren wir extrem langsam weiter und scannen die Umgebung sorgfältig. Leider lässt er sich aber nicht mehr sehen.
Trotzdem zufrieden drehen wir um und steuern erneut den Rissbaum an. Und wir haben wieder Glück: Die Leopardin ist zurück an ihrer Beute und stillt ihren Hunger. Und das im besten Sonnenlicht des Spätnachmittags. Das Fotografenherz geht auf. 😁
Über eine Stunde können wir sie beim Fressen und Umlagern des Impalas beobachten. Es ist faszinierend, sie dabei zu beobachten, wie sie das Gewicht der Restantilope immer wieder geschickt austariert, um sie auf dem Baum zu halten. Denn unter ihr warten bereits drei Tüpfelhyänen gut im Busch versteckt auf herunterfallende Happen. Nach einiger Zeit plumpsen die Gedärme der Antilope zu Boden und das Warten der Hyänen wird belohnt. Die Leopardin aber beschäftigt sich unermüdlich mit dem Rest des Impalas – die Antilope wird förmlich gerupft, um an das Muskelfleisch heranzukommen. Die Fellteile werden von der Raubkatze mit augenscheinlichem Ekel ausgespuckt. Wir beobachten total begeistert. 🙂 (Bitte entschuldigt die folgende Fotoflut, ich konnte mich nicht wirklich entscheiden...)
Als der Hunger gestillt ist, legt bzw. setzt sich die Leopardin zur Ruhe. Ein durchaus ungewohnter Anblick.
Langsam geht die Sonne unter und wir müssen uns auf den Weg ins Camp machen, um nicht den Toresschluss zu verpassen. Wow, was für ein Erlebnis wurde uns da geschenkt! 😁 Die heutige Sichtung der Leopardin war noch einmal intensiver als die gestrige. Was sind wir froh, gerade diese zwei Tage in Lower Sabie verbracht zu haben. Und dann hat auch noch das Wetter wunderbar mitgespielt. Der Faktor Glück/Zufall bei Selfdrive-Safaris wird in solchen Fällen wieder einmal überdeutlich. Unterwegs schließt eine weitere Tüpfelhyäne den Rahmen dieses wunderbaren Safaritages, der uns wieder so schöne Beobachtungen ermöglicht hat.
In der Dunkelheit spazieren wir gemeinsam zum Camprestaurant und essen auf der Terrasse zu Abend. Schön ist, dass man hier den ganzen Tag über ein englisches Frühstück bestellen kann, das auch noch gut schmeckt. Während ich im Anschluss mit den Kindern in der Hütte bleibe, bricht meine Frau zu einem Nightdrive auf, der auch sie nicht enttäuschen wird. Auch sie begegnet einer gar nicht so fotoscheuen Zibetkatze. Die weitere Fahrt zeigt ihr einige Ginsterkatzen, einen einzelnen Honigdachs und im Anschluss ein Duo derselben 😁 (leider alle sehr fotoscheu, aber trotzdem klasse Sichtungen!) und außerdem noch eine einzelne blutverschmierte Löwin am Sunset Dam. Daneben sieht sie noch jede Menge Flusspferde auf Landgang und einige Elefanten.
Ein sichtungsreicher Abschluss eines sichtungsreichen Tages. Wir sind glücklich. Gute Nacht.
Heute wache ich frühmorgens um kurz nach vier Uhr auf und fühle mich munter. Ich mache mich leise ausgehfertig und schleiche aus der Hütte, ohne den Rest der Familie zu wecken. Draußen empfangen mich Nässe und Kälte. Der Wind der Nacht hat eine neue Wolkendecke über den Kruger gelegt, aus der es beständig nieselt. Das freut mich einerseits für die Natur, andererseits muss ich zugeben, dass es mir schon ein wenig die Laune drückt. So macht jedenfalls ein Spaziergang im Camp wenig Spaß. Ich vertreibe mir also die Zeit wartend in unserer Hütte, bis ich gegen 5.15 Uhr in unseren Bus steige, um allein eine kurze frühmorgendliche Runde zu drehen.
Das Tor ist bereits um 5.20 Uhr geöffnet und so fahre ich ohne die Begleitung anderer Fahrzeuge in den Park. Langsam wird es heller – die Sonne wird aber bei der derart dichten Bewölkung erstmal keine Chance haben… Aber: Was solls – Tierbeobachtungen sind trotzdem möglich, die Fotos werden zwar etwas weniger farbenfroh, aber das kennen wir ja bereits von den ersten Tagen dieser Reise… Also frisch ans Werk: Der frühe Vogel fängt die Katze…
Und tatsächlich: Ich steuere den nahen Sunset Dam an und siehe da: Eine Löwin liegt am Straßenrand am Ufer des Sees und wirft mir müde Blicke zu. Ich leiste ihr in den nächsten Minuten Gesellschaft und bin weitaus mehr an ihr interessiert, als sie an mir. Ich freue mich: Noch bevor die Sonne wirklich aufgegangen ist, die erste Löwin. So kann ein Tag im Kruger beginnen! 😁
Bald bekommt sie Gesellschaft von einem stattlichen Löwenkater, der plötzlich lautlos aus meinem toten Winkel heraustritt und direkt neben meinem geöffneten Fenster steht. 😵 Das unerwartete Auftauchen und der Umstand, dass das enorme Tier quasi in Griffweite steht, lassen mich durchaus erschrecken – die Fensterscheibe fährt nach oben. Er hat aber nur Augen für sie. Alsbald steht sie auf und macht sich daran, am Ufer des Sees entlangzuspazieren. Er folgt ihr auf dem Fuße und lässt nur von ihr ab, um seinen Löwendurst zu stillen. Unglaublich, wie ausdauernd ein solches Tier trinken kann.
Dann beeilt er sich, der Löwin zu folgen und beide verschwinden am jenseitigen Seeufer im dichten Busch. Was für ein schöner Tagesauftakt – auch ohne Sonnenschein. Mein eigentliches Ziel für den heutigen Morgen ist aber unser Rissbaum. Auf dem Weg dorthin begegnet mir eine Tüpfelhyäne. So langsam macht sich der Eindruck breit, dass Hyänen auf dieser Reise zum allmorgendlichen Empfangskomitee gehören. Das hatten wir in dieser Weise auch noch nie.
Den Leopardenbaum finde ich dann aber verwaist vor. Es sind zwar noch Rissreste vorhanden, aber viel Fleisch lässt sich da nicht mehr finden. Fraglich, ob die Leopardin noch einmal zurückkehren wird. Wir jedenfalls werden sie nicht wiedersehen.
Ich fahre zurück ins Camp und treffe meine Familie bereits wach an. Wir frühstücken gemeinsam und werfen unser gesamtes Geraffel zusammen, denn heute werden wir Lower Sabie verlassen und uns auf den Weg nach Satara machen. Darauf freuen wir uns besonders, denn Satara haben wir seit 2014 nicht mehr besucht und bei unserem letzten Besuch hat uns die offene Gegend, in der das Camp liegt, sehr gut gefallen. Unseren Aufenthalt in Lower Sabie haben wir auch dieses Mal wieder genossen. Das lag natürlich einerseits an den schönen Sichtungen der letzten Tage, aber auch daran, dass die Kinder hier viel Auslauf hatten und der Pool in Fußnähe war. Die Aussichtsterrasse finden wir – trotz des Rummels – auch immer wieder schön und „Mugg and Bean“ ist für uns unter den Restaurantbetreibern im Nationalpark von der Auswahl (und meist auch von der Qualität gesehen) der beste. Dass wir in Lower Sabie keine eigene Dusche und kein eigenes WC hatten, hat uns überhaupt nicht gestört. Das Sanitärhaus liegt schließlich in unmittelbarer Nähe der „Huts“ und war durchgehend gut sauber gehalten. Will man also im Bereich der Unterkünfte Geld sparen, so ist diese Unterbringungskategorie meines Erachtens gut weiterzuempfehlen.
Aber weiter geht’s…
Auch bei der zweiten Abfahrt des Tages ist das Wetter noch nicht besser geworden. Bevor wir den Sabie gen Norden queren, fahren wir noch einmal zum Sunset Dam. Im gegenüberliegenden Flussbett ruhen jetzt drei Löwinnen auf der Sandbank im Nieselregen. Wir beobachten sie kurz, aber da alles so grau in grau ist und wir auch keine große Aktivität erwarten, fahren wir bald weiter.
Auf der Brücke halten wir kurz für einen Pied Kingfisher.
Und dann bleibt es lange Zeit ruhig. Unter tiefhängenden Wolken und durch leichten Sprühregen geht unsere Fahrt über die H-10 in Richtung des Rastplatzes Tshokwane. Auf dem Weg dorthin zeigen sich nur sehr wenige Tiere und die Landschaft kann ihren Reiz wetterbedingt kaum entfalten. Irgendwann stoßen wir dann aber auf einen Rietbock, der nahe an der Straße frisst. Über die Sichtung dieser im Kruger seltenen Antilopenart freuen wir uns sehr, denn bisher sahen wir Rietböcke (wenn überhaupt) immer im hohen Ufergras und damit weitgehend verdeckt. Dieses Exemplar präsentiert sich uns trotz des trüben Wetters aber durchaus fotogen.
Wir sehen auf der weiteren Fahrt einige Hornraben und begegnen zum ersten (und einzigen) Mal auf dieser Reise einem Klippspringerpaar.
Nördlich von Tshokwane führt die Straße dann nah am Flussbett des N’waswitsontso entlang. In diesem werden wir in den nächsten Stunden eine der spannendsten Sichtungen dieser Reise erleben dürfen, die sich am besten als im weitesten Sinne fünfaktiges Drama mit pyramidaler Struktur in Anlehnung an G. Freytag beschreiben lässt.
Also: Vorhang auf.
Am Straßenrand eines kleinen Turnouts sehen wir einige Autos stehen. Hier muss es also etwas zu sehen geben, denken wir, denn ansonsten herrscht weit und breit Leere in der Landschaft. Und so beginnt der erste Akt, die Exposition. Den Zuschauenden werden die handelnden Figuren vorgestellt und ein Konflikt wird vorgezeichnet. In unserem Fall sind die Handelnden:
Ein noch junger Löwenkater, der am Rand des Flussbettes sitzt und einen schon recht mitgenommen aussehenden Gnukadaver bewacht.
Einige Geier, die in den nahen Bäumen geduldig darauf warten, den Rissrest weiterverwerten zu können.
Und ein Clan von insgesamt elf Tüpfelhyänen, die nach kurzer Zeit die Bühne des Flussbetts betreten.
Der Löwe liegt wachsam auf seinem Riss. Von der ihm gegenüberliegenden Seite des Flussbettes her ziehen die Hyänen auf. Zuerst – in noch weiter Entfernung zum Löwen – trotten die Hyänen locker neben- und hintereinander her, schnüffeln mal hier und mal dort.
Je näher sie dem Flussbett kommen, desto zielgerichteter werden aber die Bewegungen. Die Matriarchin bellt mit aufgerichtetem Schwanz „Befehle“, der Clan organisiert und verteilt sich, während er sich langsam dem Löwen nähert, strategisch geschickt in verschiedenen Winkeln zum Zielobjekt.
Der sich entspinnende Konflikt ist klar: Die elf Hyänen wollen das Gnu, der Löwe möchte es naturgemäß aber nicht herausgeben, schließlich ist es die Beute seines Rudels. Es steht elf zu eins. Dafür ist die eins beträchtlich größer und stärker als jedes einzelne Exemplar der elf. Wird der Vorteil der Masse die Kraft des Einzelnen aufwiegen können? Mit dieser Frage schließt der erste Akt. Wir sind gespannt uns beobachten fasziniert. Was wird der zweite Akt, der nach Freytag die steigende Handlung enthält, wohl bereithalten? Die Bühne ist bereitet. Und das zur Mittagszeit! 😉
Fortsetzung folgt.
Teil 1118. Nov. 2018
2. Akt: Die steigende Handlung
Die Hyänen haben im Flusstal Aufstellung genommen. Sie bilden drei kleine Untergruppen, einzelne Tiere verweilen dabei am Rand des Geschehens, um wohl zu den Seiten hin abzusichern. Der Löwe zieht derweil den Riss weiter in den Schutz der Büsche. Das Spiel beginnt Fahrt aufzunehmen.
Die drei Hauptgruppen verteilen sich nun im Abstand von etwa 10 bis 15 Metern um den Löwen und seinen Gnuriss. Der so entstehende Kreis wird ab jetzt regelmäßig von verschiedenen Seiten verengt und sofort wieder erweitert, wenn der Löwe zum Angriff ansetzt und mit Prankenhieben droht. Ständig hört man das aufgeregte Keckern der Hyänen. Alle vier sind wir ganz gebannt und starren aus den offenen Fenstern hinunter ins Flusstal. Immer wieder stoßen Hyänen vor, immer wieder setzt sich der Löwe zur Wehr. Dabei achten die Hyänen darauf, dem Widersacher bloß nicht zu nahe zu kommen. Jetzt und hier geht es darum zu ärgern, zu ermüden.
3. Akt: Der Höhepunkt
So geht es über einen längeren Zeitraum weiter. Die Hyänen foppen den Löwen, der sich bald aufmacht, weiter am Riss zu fressen. Es scheint uns so, dass er, bevor er in Gefahr kommt zu verlieren, die kläglichen Gnureste noch schnell selbst vertilgen will. Da er dabei weitestgehend von Buschwerk verdeckt ist, können wir sein Resteessen nur erahnen. Die Hyänen lassen sich nicht beirren und führen ihre Scheinangriffe in rascher Folge fort. Seine Aufmerksamkeit muss der Löwe auf mehrere Seiten richten, mal kommen die Hyänen vom Uferhang, mal stoßen sie aus dem Flussbett vor. Dann plötzlich: Ein Moment der Unaufmerksamkeit des Löwen! Der Ausfall der Hyänen vom Flussbett her wird um einen Sekundenbruchteil verlängert und eine der Angreiferinnen verbeißt sich im Riss und zerrt ihn die Uferböschung herunter. Sofort stürzen sich weitere Tiere auf das tote Gnu und zwei Hyänen stellen sich dem Löwen in den Weg.
Der Riss wird bis ins Flussbett geschleift und dann beginnt das große Fressen. Fantastisch, jetzt ist der Blick unverstellt und wir sind recht nah dabei. Der Hyänenclan kommt zusammen. Wir können klar beobachten, dass die rangniederen Tiere auf Abstand gehalten werden. Immer wieder kommt es in der Hektik des schnellen Mahls zu Droh- und Unterwerfungsgesten. Der Löwe derweil beobachtet seine Niederlage aus den Büschen heraus, dreht aber alsbald ab und entfernt sich aus unserem Blickfeld. Die Schlacht scheint geschlagen. Wir sind ganz begeistert davon, jetzt die Hyänen bei ihrem Siegesbankett zu beobachten. Auch unsere Kinder stehen noch immer gebannt an den Fenstern. Immer wieder versuchen nun auch Schakale ihr Glück am Riss, jedoch weitgehend vergebens.
Auf dem Höhepunkt der Handlung eines klassischen Dramas erfolgt modellhaft aber schließlich die Peripetie, also der Umschwung des Glücks, und dieser wird hier eingeläutet durch einen mächtigen Löwenkater, der von rechts durch das Flussbett seinen Auftritt hat.
4. und 5. Akt: Die fallende Handlung und die Lösung des Konflikts
Die Hyänen beäugen den ankommenden Kontrahenten mit wachsender Aufmerksamkeit, das Fressen wird hektischer, dieses Mal sehen sie sich einem ausgewachsenen Kater gegenüber.
Auf eine direkte Konfrontation lassen sie es nicht ankommen – kaum ist der Löwe auf etwa 200 Meter an den Riss herangekommen, lassen sie von ihm ab und suchen ihr Heil in der Flucht. Jetzt folgt als zentraler Baustein des vierten Aktes das retardierende Moment, die Verlangsamung des Handlungsausgangs. Es schlägt die Minute der Geier. Kaum haben sich die Hyänen panisch entfernt, lassen sie sich von den nahen Bäumen auf den Boden gleiten und stürzen sich nun ihrerseits auf die Rissreste. Auch die Schakale haben jetzt Oberwasser und können sich einige Brocken sichern.
Aber dieses Glück soll nicht lange halten. Sobald der Löwe in die Nähe des Risses kommt – und auf den letzten Metern beschleunigt er sehr – flattern die Geier davon und auch die Schakale ziehen sich flott an den Rand des Geschehens zurück. Es kehrt Ruhe ein. Seine Majestät inspiziert das Gnu und beäugt misstrauisch die Umgebung.
Nach einer kurzen Weile wird der Sieg der Löwen zementiert: Ein weiterer prächtiger Löwenkater erscheint über der Uferböschung und steigt zu seinem Artgenossen herunter. Wow! Zu zweit fressen sie nun in aller Ruhe an den Resten des Gnus. Freche Schakale werden dabei souverän in ihre Grenzen gewiesen.
Noch immer beobachten selbst die Kinder mit allergrößter Aufmerksamkeit. Die Dramaturgie dieser Sichtung hält sie in ihrem Bann, denn hier wird eine richtige Geschichte erzählt und das fesselt sie noch weit mehr als die Beobachtung eines ruhenden oder äsenden Tiers. Wir fühlen uns wie in einer Live-Tierdokumentation. Toll! Als kleines Intermezzo marschiert nach einiger Zeit ein alter Elefantenbulle durch das Flussbett.
Unsere Aufmerksamkeit bleibt aber bei den Löwen, die nun anfangen, kräftig am Riss zu zerren. Ein neues spannendes Schauspiel entfaltet sich vor unseren Augen.
Irgendwann wird die Handlung aufgelöst, indem die beiden Löwen den kläglichen Gnuriss zum Sichern in die Büsche und damit aus unserem Blickfeld ziehen.
Auch die beiden Kater legen sich nun verdeckt zu Ruhe. Der Vorhang schließt sich. Wir klatschen innerlich Beifall.
Nachdem wir uns in unserem Auto für die Weiterfahrt organisiert haben, müssen wir uns auf dem schmalen Turnout durch so einige in den letzten knapp zwei Stunden dazugekommene Autos manövrieren. Das stellt sich als ziemlich komplexe Sache heraus. Diese Blechansammlung haben wir durch unsere Konzentration auf das Flussbett gar nicht registriert. Zum Glück.
Mit einer solch spannenden Sichtung hatten wir zu dieser Tageszeit niemals rechnen können. Hier spielt uns das trübe Wetter in die Karten – wäre es ein sonniger Tag gewesen, hätten wir die Löwen – wenn überhaupt – nur ruhend im Schatten der Bäume gesehen und der Angriff der Hyänen hätte bei dreißig Grad wahrscheinlich auch nicht stattgefunden. Ich will mir also Mühe geben und mich nicht mehr über die Wetterverhältnisse auf dieser Reise beschweren.
Glücklich setzen wir unseren Weg in Richtung Satara fort. Der Tag ist im Kasten. Was soll jetzt auch noch kommen?
Wird fortgesetzt.
Teil 1220. Nov. 2018
Und weiter geht es nach Satara. Tief zufrieden mit der vergangenen Sichtung biegen wir auf die Teerstraße gen Norden ein und fahren nur wenige Kilometer, bis die nächste schöne Sichtung des Tages sich ankündigt. Bereits aus einiger Entfernung können wir direkt am Straßenrand einen durchaus katzenhaften Umriss ausmachen. „Ach, bestimmt nur ein Impala“, scherzen wir. Als wir näher kommen, lässt sich die Impalahypothese nicht mehr aufrecht erhalten. Am Straßenrand steht ein wunderschöner Gepard. 🤩 Wir nähern uns vorsichtig und schießen immer wieder einige Sicherheitsfotos – man weiß ja nie, wie lange das Tier an Ort und Stelle bleibt. Tatsächlich setzt sich der Gepard bald in Bewegung und verharrt nur noch für kurze Momente auf der Fahrbahn, bis er schnurstracks im hohen Gras verschwindet.
Wir versuchen ihn mit unseren Blicken und Objektiven zu verfolgen, aber hier ist es so verbuscht, dass die Katze bald unsichtbar für uns geworden ist. Eine kurze, aber schöne Begegnung, die auch wieder deutlich macht, wie wichtig es ist, zufällig am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein. Toll, dass dieser Zufall in so schöner Regelmäßigkeit eintritt und auch frustrierend, wenn er das mal über einen längeren Zeitraum nicht tut und man nur auf den vermaledeiten Sightingboards der Camps sieht, was man so alles nicht gesehen hat.
Die weitere Fahrt führt uns vorbei an einigen Hornraben auf der Nahrungssuche und an hier sehr zahlreich vorkommenden Wasserböcken.
Am frühen Nachmittag erreichen wir dann schließlich Satara, ein großes Camp inmitten wunderbar offener Grasebenen und dadurch ein guter Ausgangspunkt für nicht zu sehr verbuschte Gamedrives. Ein weiterer Vorteil des Camps ist, dass es recht weit von den Außentoren des Parks entfernt ist und so kaum Tagesgäste oder geführte Touren in den frühen Morgen- oder späten Nachmittagsstunden hier zu finden sind. Und die Zahl der Satarabewohner verteilt sich ganz gut über die zahlreichen Wege, die von hier erreichbar sind. Das Camp selbst ist durch seinen Aufbau aus verschiedenen miteinander verbundenen Kreisen recht verwirrend und ich (der ich keinen guten Orientierungssinn habe) werde mich hier mehrmals verlaufen… Unsere Hütte aber ist wunderbar groß: Zwei Schlafzimmer mit je drei Betten und ein großes Wohnzimmer mit Küchenzeile und Theke. Hier ist viel Platz zum Spielen und auch die Wiese vor der Hütte lädt zum Austoben ein. Pool und Spielplatz sind leider geschlossen. Das ist schade für die Kinder. 🙁
Wir spazieren durch das Camp und finden in den tiefhängenden Ästen eines Baums hinter den Rezeptionsgebäuden eine große Ansammlung von Epauletten-Flughunden. Das ist für uns eine Erstsichtung und wir sind ganz begeistert, diese niedlichen Tiere aus so geringer Distanz beim Schlafen und Putzen beobachten zu können. 😁
Außerdem wird ein wenig „gebirdet“ und dabei der omnipräsente Gelbschnabeltoko, ein Wiedehopf bei der erfolgreichen Jagd und (als weitere Erstsichtung) ein Graukopfwürger abgelichtet. Das macht uns großen Spaß und gleichzeitig deutlich, dass die Vogelausbeute auf dieser Tour bisher recht mager war. Aber man will ja nicht klagen.
Wir beschließen außerdem für die nächsten zwei Tage jeweils getrennt einen Nightdrive zu machen. Da die Gegend hier so offen ist, versprechen wir uns hier ganz gute Beobachtungsmöglichkeiten und auch unsere Große möchte noch einmal mitfahren. Da das Wetter heute nicht so gut ist, wird sie aber erst morgen auf Tour gehen. Heute werde ich allein fahren. Vorher fahren wir noch kurz gemeinsam auf einen kleinen Spätnachmittagsdrive. Wir versuchen unser Glück auf der nahen S100, der legendären Super-Katzen-Straße. Diese hat uns jedoch noch nie Glück gebracht und sie bleibt sich auch heute treu. Bis auf einige Wasserböcke bleibt die Fahrt ereignislos. Macht nichts.
Nach unserer Rückkehr essen wir gemütlich im Camprestaurant, das derzeit von Tindhlovu betrieben wird. Das Essen ist ganz gut, der Service auch. Dann geht es für mich auf die Nachtfahrt. Eigentlich – denn im Dunklen finde ich ohne den Lageplan erstmal den Weg von unserer Hütte zum Treffpunkt nicht und irre immer im Kreis herum: Vermaledeite Campstruktur! Irgendwann finde ich (mit telefonischer Hilfe meiner Frau… 😉 ) die Rezeption und kann als letzter den Truck besteigen. Ich bekomme natürlich nur noch einen Innenplatz, was mich erst ärgert, sich aber später als Glücksfall herausstellen wird, denn es beginnt bald bei starkem und kaltem Wind zu regnen. Die Fahrt wird entsprechend ungemütlich und ich verbringe sie die meiste Zeit damit, mich hinter den Vordersitz zu kauern, um nicht komplett zu durchnässen. Den meisten Leuten an den Außenseiten gelingt das nicht so gut… So ziehen sich die folgenden zwei Stunden ziemlich in der Länge und die meisten Tiere haben sich bei diesem Wetter auch tief in den Busch verzogen. Trotzdem sehen wir einige interessante Vertreter der Nachtfauna: Eine Ginsterkatze, eine Weißgesichtseule, eine leider fotoscheue Wildkatze und als mein Highlight ein Stachelschwein, von dem immerhin Beweisfotos gelingen.
Nass und erschöpft kehre ich nach 22 Uhr in unsere Hütte zurück – zum Glück finde ich jetzt den Weg auf eigene Faust… Die Kinder schlafen bereits und so lasse ich mit meiner Frau diesen schönen Tag in unserem kargen Wohnzimmer ausklingen. In Vorfreude auf die Dinge, die da potentiell noch kommen sollen, schlafen aber auch wir bald ein.
Teil 1322. Nov. 2018
Kapitel 6: Das Beste kommt zum Schluss (18.10.2018) Am heutigen Morgen haben wir eine Ausfahrt zu viert geplant. Meine Frau und ich stehen also leise auf, um ein Frühstück und das Auto für die frühe Ausfahrt vorzubereiten. Kurz vor Abfahrt wecken wir dann die Kinder, die sich noch ganz verschlafen in die auf ihren Sitzen vorbereiteten Wolldecken kuscheln.
Und los geht’s: Wir möchten den Tag mit einer Runde über die S100 beginnen und der Straße damit noch einmal eine Chance geben, ihrem Ruf gerecht zu werden. Es sind erstaunlich wenig Autos unterwegs und so haben wir die Wasserböcke und Impalas, die bald am Straßenrand grasen, ganz für uns. Weitere Tiere wollen sich erstmal nicht zeigen…
Als wir einige Zeit später einen Elefanten beobachten, kann ich im hohen Gras eine Löwenmähne ausmachen – im Vorbeifahren hätten wir den sichtbaren Löwenkopfanteil niemals entdeckt. Alsbald kommt Bewegung in den Löwen, er beginnt seine Morgentoilette und erhebt sich schließlich. Was für eine prächtige Mähne er hat! 😁
Wir begleiten ihn auf seinem Weg, bis er sich wieder niederlegt.
Wie wir einige Momente später erkennen können, hat er sich zu einem weiteren Löwenkater gesellt, der sich jedoch durch den dichten Busch, in dem er lagert, beinahe unseren Blicken entzieht. Wir beobachten eine ganze Weile und sind mit diesem Tagesbeginn sehr zufrieden, da zudem auch die Sonne sich immer wieder einen Weg durch die Wolken bahnt.
Die weitere Fahrt verläuft dann recht ruhig. Wir freuen uns über zwei Sattelstörche im Flussbett und begegnen schließlich einmal mehr zwei Tüpfelhyänen, die durch den Busch ziehen und direkt neben unserem Auto den Weg queren. Eine solche Begegnung ist immer wieder schön, auch wenn Hyänen auf diesem Trip erstaunlicherweise zum Standardrepertoire fast jedes Gamedrives zu gehören scheinen.
Besonders aber freuen wir uns über eine Riesentrappe in Balzhaltung – das haben wir zuvor noch nie beobachten können. Der sowieso schon imposante Vogel wirkt derart aufgeplustert noch einmal beeindruckender und dabei wahnsinnig selbstzufrieden. 😄
Kurz vor Ende der Morgenausfahrt treffen wir schließlich noch auf die einzigen (!) Strauße dieser Reise und zwei weitere Löwenkater, die aber nur schwer im dichten Busch auszumachen sind. Entsprechend kurz verweilen wir hier.
Die Mittags- und frühen Nachmittagsstunden verbringen wir im Camp. Wir statten den Flughunden einen weiteren Besuch ab und beobachten die ansässige Vogelwelt. Die Kinder spielen ausgelassen auf den großzügigen Wiesen und sind glücklich.
Heute Nachmittag wollen wir erneut rausfahren. Mit der Ausbeute dieses Morgens sind wir einmal mehr ziemlich glücklich und sind gespannt, was der weitere Tag uns bringen wird, man soll den Tag schließlich nicht vor dem Abend loben. 😗
Teil 1423. Nov. 2018
Fortsetzung
Gegen 15 Uhr fahren wir wieder los. Unser Plan ist es, die H1-4 nach Norden zu fahren, die durch die offenen Grasebenen von Satara führt und dabei so erhöht verläuft, dass man einen guten Überblick über die Umgebung hat und auch weiter entfernte Tiere gut erkennen kann. Dieser Nachmittagsausflug stellt sich rückblickend als ein rundum gelungener Gamedrive heraus. 🙂
Den Anfang machen einmal mehr zwei Tüpfelhyänen, die faul direkt an der Straße lagern. Wir ernten hier nur müde Blicke, finden es aber zu nett, wie es sich eine der Hyänen, ihren Besitzanspruch verteidigend, auf dem Bein eines Gnus gemütlich gemacht hat.
Immer wieder fahren wir an (lebenden) Gnus und Giraffen vorbei. So langsam kommt auch die Sonne heraus und taucht die Welt immer mal wieder in ihr warmes Nachmittagslicht. Schön.
Wir freuen uns sehr über die Sichtung einer Schwarzbauchtrappe, eine Vogelart, die wir noch nicht oft vor die Linse bekommen haben.
Nach einiger Zeit treffen wir noch einmal auf Tüpfelhyänen. Dieses Mal sind es jedoch drei Hyänenkinder, die glücklicherweise auch weit weniger müde als die Hyänen vom Beginn der Fahrt sind. Neugierig beäugen sie vom Straßenrand aus ihre Umgebung. Immer wieder trauen sie sich ganz nah an unseren Bus heran und beschnuppern die Reifen. Hier sind auch unsere Töchter wieder hellauf begeistert – zu niedlich finden sie die drei kleinen Gesellen. Ein Eindruck, den auch die Eltern uneingeschränkt teilen.
Lange genießen wir diese wunderschöne Sichtung und fahren irgendwann weiter, weil wir nicht weit entfernt ein Auto am Straßenrand verweilen sehen und neugierig sind, was die Insassen da wohl entdeckt haben. Als wir das parkende Auto erreichen, werden wir freundlich auf einen männlichen Löwen aufmerksam gemacht, der ein ganzes Stück entfernt seine Nachmittagsruhe genießt. Ein wenig bleiben wir hier und beobachten ihn beim Putzen und Faulenzen. Für eine wirklich schöne Beobachtung ist er jedoch einfach zu weit entfernt.
Nach dieser Begegnung wenden wir und fahren zurück gen Satara. An einer der verbliebenen Wasserstellen an der Straße hat sich eine Elefantenherde eingefunden und stillt ihren vorabendlichen Durst. Schön!
Kurze Zeit später trete ich auf die Bremse und rufe aufgeregt: „Honeybadger!“ Das Beste kommt heute zum Schluss! 🤩 Zwei Honigdachse auf Nahrungssuche wuseln direkt am linken Fahrbahnrand herum. Wir freuen uns total, diese Gesellen entdeckt zu haben, gehören sie doch zu unseren Lieblingstieren auf dem afrikanischen Kontinent. Das recht hohe Gras der Böschung und die im Gegensatz dazu doch recht kompakte Bauweise der Dachse machen das Fotografieren nicht gerade einfach, das stetig schlechter werdende Licht hilft auch nicht gerade. Trotzdem genießen wir diese Sichtung in vollen Zügen. Allein mit den zwei Dachsen zu sein, die sich von uns überhaupt nicht stören lassen, ist ein schönes Erlebnis und gehört für uns definitiv zu den Höhepunkten der bisherigen Tour.
Irgendwann queren die zwei direkt vor uns die Straße und setzen ihr Geschäft auf der anderen Fahrbahnseite fort, bevor sie sich immer weiter von uns zurückziehen.
Kurz bevor sie weg sind, kommt ein weiteres Fahrzeug dazu. Das junge Paar im Auto ist ganz begeistert und bedankt sich überschwänglich bei uns, dass wir die Dachse entdeckt haben, dies sei ihr „sighting of the day“. Durch die geöffneten Fenster unserer Autos klatschen wir uns ab und verabschieden uns. 😁 Jetzt müssen wir uns aber sehr sputen, um noch vor Toresschluss in Satara anzukommen. Eine solche Situation vermeiden wir sehr gern, aber die Honigdachse konnten wir einfach nicht früher verlassen… Vorbei an einer weiteren Hyäne, für die wir nicht mehr halten können, erreichen wir das Camp tatsächlich in der letzten Minute… Puh, das war knapp.
Wir sind mit diesem Nachmittagsdrive rundum zufrieden und freuen uns anhaltend über „unsere“ Honigdachse. Gut gelaunt geht es ans Abendessen: Wir holen Pizza aus dem Takeaway neben dem Restaurant und essen gemütlich und kindgerecht in unserem großen Wohnzimmer. Die Kinder finden das entsprechend wunderbar und auch uns schmeckt es recht gut.
Um 20 Uhr fährt meine Frau mit unserer Großen auf Nachtsafari und ich lese, nachdem unsere Kleine im Bett ist, den neuen Roman von Juli Zeh, den ich am Ende ziemlich durchwachsen finde.
Unsere Tochter ist wieder recht aufgeregt und erlebt dieses Mal den größten Teil der Fahrt in wachem Zustand. Es wird auch viel geboten. Sie sehen neben einer großen Zahl von Antilopen und Elefanten insgesamt fünf Ginsterkatzen, eine Weißgesichtseule und als Höhepunkt einen Streifenschakal – für uns eine Erstsichtung – von dem es aber leider keine Fotos gibt.
Müde kehren beide nach 22 Uhr in unsere große Hütte zurück. Nachdem unsere Große von ihren Erlebnissen berichtet hat, fallen wir alle müde ins Bett. Am kommenden Tag verlassen wir Satara schon wieder und werden in Richtung Skukuza fahren.
Teil 1525. Nov. 2018
Kapitel 7: Sonne und Sichtungsfee bleiben uns hold (19.10.2018)
Heute haben wir eine lange Transferfahrt von Satara nach Skukuza vor uns. Daher fahre ich am frühen Morgen erstmal allein auf eine kleine Pirschfahrt, damit die Kinder ausschlafen können und nicht zu lange im Auto sitzen müssen. Meiner lieben Frau sei an dieser Stelle herzlich gedankt, dass sie mich selbstlos einmal mehr ziehen lässt. 😘
Als ich die Hütte verlasse, begrüßt mich ein wolkenloser Himmel. Wie schön! Bevor das Tor öffnet, vertreibe ich mir die Zeit damit, durchs Camp zu spazieren und den Sonnenaufgang zu bewundern. Es ist herrlich still.
Pünktlich zu Toresöffnung geht es dann los. Was gestern funktioniert hat, wird auch heute funktionieren, denke ich mir und biege gen Norden auf die Teerstraße ab. Alle anderen Autos, die mit mir aus dem Camp fahren, biegen nach Süden ab… Kurz zweifle ich an meiner Entscheidung – sollte die S100 noch eine Chance bekommen? Aber ich bleibe bei meinem Entschluss, denn auf diese Weise bin ich erstmal allein auf weiter Flur. Und das ist ja schon ein Wert an sich, wenn sich die Tore öffnen.
Was auch immer die Südfahrer gesehen haben, ich habe meinen Entschluss nicht bereut, denn die kleine Morgenrunde wird einmal mehr ganz wunderbar. 🙂
Nach geschätzten fünf Minuten Fahrzeit habe ich die erste Sichtung des Tages: Eine Tüpfelhyäne. Wie könnte es auch anders sein?
Wenige Augenblicke später zeigt sich noch eine weitere Hyäne, die ich kurz auf ihrem Weg am Straßenrand begleite.
Dann folgt auch bereits der Höhepunkt der frühen Ausfahrt: Ein weiterer Honigdachs! 🤩
Auch er ist ganz nah an der Fahrbahn unterwegs und zum Glück sogar auf der richtigen Straßenseite. So genieße ich in schönstem Morgenlicht die Beobachtung dieses quirligen Gesellen und bin einfach nur glücklich.
Als er sich nach einigen Minuten davonmacht, fahre ich zufrieden weiter gen Norden und treffe bald auf eine große Büffelherde, die rechts und links von der Straße grast. Ich stelle den Motor ab und lausche dem Rupfen und Kauen der bestimmt über hundert Tiere. Ganz nah sind die Büffel und ganz friedlich. Auch das sind wunderschöne Momente in schönster Beleuchtung. Und ich bin noch immer ganz allein.
Bald biege ich auf die S127 ein und fahre durch schöne offene Grasebenen, die sich leider tierlos vor meinem Auge entfalten. In der Nähe des Timbavati Picknickplatzes treffe ich dann einen Schabrackenschakal, der emsig an irgendwelchen Knochen herumkaut. Ich beobachte ihn eine Weile beim Frühstück und mache mich dann auf den Weg zurück zum Camp.
Auf dem Rückweg über die S40 begegnen mir noch Zebras, eine kleine Horde Zwergmangusten und einige Hornraben.
Kurz vor acht bin ich schließlich nach zweieinhalb intensiven Stunden voller Tatendrang zurück in Satara.
Teil 1626. Nov. 2018
Fortsetzung
Als ich zurückkomme, spielen die Kinder bereits fröhlich auf unserer Veranda. Wir bereiten ein kleines Frühstück zu und packen unsere Sachen zusammen. Leider müssen wir heute schon wieder die Satararegion verlassen – gern wären wir noch geblieben.
Aber was hilft es? Gegen neun Uhr haben wir fertig gepackt und klettern vergnügt in unseren Bus. Auf geht es gen Süden nach Skukuza. Wir nehmen den direkten Weg über die H1-2 und sind gespannt, was uns auf der Fahrt begegnen wird.
Den Anfang macht kurz nach Fahrtbeginn ein stattlicher Kudubulle, der sich mit dem Verspeisen einer übergroßen Frucht sichtlich schwertut. Manchmal sieht er dabei aus wie ein passionierter Zigarrenraucher.
Einige Elefanten und Gnus säumen unseren Weg.
Irgendwann treffen wir dann auf eine kleine Ansammlung von Autos. Hier muss wohl etwas zu sehen sein… Und tatsächlich: Gleich neben der Straße hängt gut sichtbar ein Impala im Baum. Von dem Leoparden ist aber erstmal nichts zu sehen.
Der Guide eines Gamedrivefahrzeugs hat ihn aber erspäht und erklärt und geduldig seine Position. Sehr weit entfernt ist er und im Schatten eines Baumes nur schwer zu erkennen. Durch Fernglas und Teleobjektiv kann man ihn ein wenig beobachten.
Als er sich schließlich niederlegt, fahren wir weiter. Wir gehen davon aus, dass der Leopard erst gegen Abend zu seinem Riss kommen wird, wenn auch die zahlreichen Fahrzeuge nicht mehr da sind und die Hitze abgenommen hat. Für uns – und eigentlich für alle anderen potentiellen Beobachter auch, denn es gibt hier kein Camp in der Nähe – ist er dann aber unerreichbar.
Auf dem Rastplatz von Tshokwane machen wir eine längere Rast, vertreten uns die Beine und genießen kühle Getränke. Heute ist es wirklich heiß. Auf dem Sightingboard sind Wildhunde in der Nähe vermerkt. Diese finden wir aber leider nicht. Auch findet sich eine Löwensichtung auf dem Brett, treffenderweise ganz in der Nähe der Leeupan. Bisher hatten wir mit den Markern auf den Boards stets recht wenig Glück, aber dieser hier liegt auf dem Weg und so scannen wir am ungefähren Ort des Markers den Busch.
Das intensive Starren wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn an Ort und Stelle befinden sich bereits drei weitere Autos. Wir gesellen uns dazu erkennen im recht dichten Busch, dass die Löwen eine Giraffe gerissen haben. 😮 Einen der Räuber können wir durch das Geäst nur erahnen. Ein weiterer Löwenkater lässt sich durch eine kleine Sichtschneise aber zum Glück gut beobachten.
Bald steht er auf und zeigt sich in seiner ganzen Pracht. 😁
Er geht zum Riss, verjagt einige Kappengeier und beginnt zu fressen. Dabei wirft er uns immer wieder intensive Blicke zu. Gänsehaut.
Mit einer solchen Sichtung haben wir in der Hitze des heutigen Mittags überhaupt nicht gerechnet. Umso glücklicher sind wir, als wir nach einer Dreiviertelstunde unseren Weg gen Skukuza fortsetzen.
Die übrige Fahrt verläuft dann ohne große Vorkommnisse und so kommen wir kurz nach 13 Uhr im größten Camp des Kruger an...
Teil 1728. Nov. 2018
Skukuza ist uns als Übernachtungsort wohlbekannt, es ist unser vierter Aufenthalt hier. Als wir an der Rezepion erfahren, dass unser Häuschen tatsächlich erst ab 14 Uhr bezugsfertig sein wird, fahren wir zum Shop- und Restaurantbereich und obschon wir von dem Trubel dieses Camps wissen, werden wir von den anwesenden Menschenmassen förmlich erschlagen.
Wahrscheinlich waren wir noch nie zur Mittagszeit an diesem Ort, denn die Bilder, die uns hier erwarten, werden wir so bald nicht vergessen. Große Reisebusse. Zahlreiche Gamedrive-Fahrzeuge. PKW in allen Farben und Größen. Überall stehen die Menschen in Schlangen: An den Toiletten, an den Essensausgaben… Man muss sich seinen Weg richtiggehend bahnen… Nun sind auch die anderen größeren Camps des Parks keine Horte der Einsamkeit, aber dies hier übertrifft alles andere um ein Vielfaches. Es ist laut, hektisch und will so gar nicht zu der Ruhe und Weite des Busches passen, die wir in den letzten Tagen erlebt haben. Wir ergattern einen kleinen Tisch mit Blick auf den Fluss. Wenn man in diese Richtung schaut, kann man den Trubel hinter sich fast (aber auch nur fast) vergessen. Zu nah sitzen aber andere Touristen, die einen gewollt oder ungewollt an ihren Erlebnissen teilhaben lassen. Da wir hungrig sind, besorgen wir uns trotzdem etwas zu essen und zu trinken. Wo sollen wir auch sonst hin? Ein großer Pluspunkt ist für uns jedoch der nahe Spielplatz, den die Kinder mit großer Freude in Beschlag nehmen. Nach der langen Zeit im Auto macht es ihnen einen Riesenspaß zu klettern und zu schaukeln. Das versöhnt auch uns mit der Situation. Kurz vor 14 Uhr bemerken wir eine recht deutliche Verwandlung. Der eben noch überfüllte Platz vor dem Restaurant hat sich geleert. Essen gibt es jetzt ohne Wartezeiten und der Shop ist auch nur noch mäßig besucht. Die Busse und die Gamedrive-Autos sind allesamt wieder aufgebrochen und Skukuza wird (für seine Verhältnisse) zu einem trotz seiner Größe recht beschaulichen Ort. Merke: Die Mittagszeit wegen der vielen Rastgäste unbedingt meiden.
Wir holen unsere Schlüssel zur Hütte ab und als wir unserer Behausung erreichen, sind wir sehr positiv überrascht. Sie liegt direkt am Fluss in einer Reihe mit etwa fünf weiteren Häusern. Von anderen Hütten ist wenig zu sehen und so nimmt man die Größe des Camps an diesem Ort nicht wirklich wahr. Trotzdem kann man gemütlich zu Fuß zum Laden und zum Spielplatz laufen und ein Pool ist auch nicht so weit entfernt. Die Hütte selbst bietet uns ein kleines Wohnzimmer und zwei gemütliche Schlafzimmer. Die Kinder finden es hier ganz toll und toben sich auf der Wiese und in der Hütte aus. Wir machen eine längere Pause und genießen die Blicke auf den Fluss und die Ruhe, die hier herrscht, denn unsere Nachbarn scheinen allesamt unterwegs zu sein.
Um 16 Uhr brechen wir dann doch noch zu einer kleinen Ausfahrt auf. Da wir schon auf dem Weg nach Skukuza am Fluss entlang gefahren sind, entschließen wir uns heute Nachmittag gen Süden zum Transport Dam zu fahren. Die Fahrt verläuft insgesamt recht ruhig. Gleich zu Beginn treffen wir einmal mehr auf eine Tüpfelhyäne, die den Asphaltbelag der Straße als Wärmequelle nutzt.
Dann fahren wir die gesamte Strecke bis zum Transport Dam ohne weitere Sichtungen durch trockenen Busch. Am Damm selbst ist auch recht wenig los. Wir genießen die Schönheit des Ortes im warmen Licht des Nachmittags trotzdem.
Auf dem Rückweg entdecken wir dann drei Hyänenkinder am Straßenrand. Wir halten an und beobachten die drolligen Tiere beim Herumschnuppern und Dösen. Über die Sichtung dieser niedlichen Gesellen freuen wir uns wieder sehr.
Vorbei an einigen fotogenen Wasserböcken fahren wir schließlich zurück nach Skukuza.
Wir haben ein weiteres Auto vor uns, zu dem wir glücklicherweise genug Abstand halten, denn plötzlich bricht in hohem Tempo ein Kudu aus dem Busch rechts von der Fahrbahn und schickt sich an, diese zu queren. Dabei läuft er genau vor unseren Vordermann, der es trotz Vollbremsung mit seiner Motorhaube erfasst. Die Antilope wird ein wenig in die Luft geschleudert und uns stockt der Atem. So ein Mist! 🙁 Auch wir haben längst angehalten und sehen bestürzt, wie der Kudu am Straßenrand liegt. Das sind Schattenseiten des Safaritourismus. Plötzlich richtet sich das Tier jedoch auf, schwankt etwas – fängt sich dann aber und geht ohne auffällig zu hinken in den tiefen Busch. Wir drücken so sehr die Daumen, dass die Antilope mit dem Schreck davongekommen ist, sicher sind wir uns jedoch nicht. 😵 Unser Vordermann prüft derweil sein Auto, das noch fahrtüchtig ist. Wir sprechen uns mit ihm ab und er verspricht, den Unfall im Camp zu melden. Wir glauben nicht, dass der Fahrer mit mehr als den erlaubten 50 km/h unterwegs gewesen ist und haben eindrücklich vor Augen geführt bekommen, dass diese Geschwindigkeit bereits zu hoch ist, um im Ernstfall schnell genug reagieren zu können. Wir nehmen uns vor, in Zukunft noch vorsichtiger zu fahren. So etwas wollen wir als direkt Beteiligte nicht erleben. Das Mitansehen hat schon genügt…
Im Camp kommen wir zur Ruhe und essen in unserer Hütte zu Abend. Die Kinder sind noch längere Zeit damit beschäftigt, den Kudu-Vorfall zu verarbeiten. Wir machen eine kleine „Nachtwanderung“ und beobachten die Geckos in den öffentlichen Kückenblöcken.
Heute Abend breche ich einmal mehr zu einer Nachtsafari auf. Am Treffpunkt stehen drei große Trucks nebeneinander, die auch tatsächlich im Konvoi fahren werden… So hat erfahrungsgemäß der dritte Truck keine Sichtung von kleinen und beweglichen nachtaktiven Tieren… 😉 Ich habe Glück und sitze in dem Wagen, der die meiste Zeit die Karavane anführen wird, die Menschen in den anderen Autos tun mir etwas leid. Trotz der dann doch recht guten Sichtungen, würde ich keine Nachtfahrt von Skukuza aus mehr unternehmen.
Längere Zeit sehen wir nur dichten Busch. Dann entdecke ich plötzliche eine Wildkatze und bitte den LKW zu stoppen. Trotz der dichthängenden Äste kann ich einige Portraits der Wildcat schießen, bevor sie sich in den dichten Bodenbewuchs zurückzieht. Die anderen Wagen haben hier keine Chance mehr.
Die weitere Fahrt lässt uns noch fünf Löwen entdecken, die auf einem Felsen den Beginn der Nacht verdösen. Hier herrscht so viel Passivität, dass alle Wagen etwas von der Sichtung haben.
Durch die Löwensichtung entzerrt sich das Feld etwas. Die weitere Fahrt führt vorbei an Elefanten, einer ganzen Reihe von B.N. und schließlich an einer weiteren Tüpfelhyäne, die den Sichtungskreis dieses Tages passend schließt.
Müde kehre ich zu meiner Familie zurück. Hier ist schon Ruhe eingekehrt. Gemeinsam schlafen wir alsbald dem kommenden Tag entgegen.
Teil 1830. Nov. 2018
Kapitel 8: Ein recht ruhiger Tag am Sabie (20.10.2018)
Als wir früh am Morgen erwachen, ist es mal wieder feucht und kalt. Die Temperaturunterschiede zwischen den einzelnen Tagen sind wirklich enorm. Die Wolkendecke ist so massiv, dass die Sonne heute den ganzen Tag über keine Chance haben wird sich durchzusetzen. Das kennen wir ja bereits… 😵 Die Morgenausfahrt führt mich heute am Sabie und am Sand entlang. Im Gegensatz zum Vortag verläuft sie sehr ruhig. Die gesamte Fahrt am Sabieufer bleibt völlig ohne Sichtungen. 🙁 Erst am Sand ist etwas mehr Leben zu entdecken. Am Straßenrand zeigt sich irgendwann ein Nyalabock, im Flussbett lässt sich ein B.N. bei seiner Morgenrunde beobachten.
Aber auch hier blicke ich lange Zeit in den dichten Busch und ins leergefegte Flussbett. Wir sind eben doch nicht in einem Zoo…
Nach einiger Zeit kommt mir dann eine Tüpfelhyäne in schnellem Tempo auf der Fahrbahn entgegen. Auch wenn wir auf dieser Reise bereits eine Vielzahl dieser Tiere gesehen haben, freue ich mich über diese Abwechslung. 🙂
Bald darauf entdecke ich eine zweite Hyäne, die jedoch für annehmbare Fotos zu sehr vom Busch verdeckt bleibt. Oft hatten wir bereits an den Flussquerungen von Sand und Sabie in der Nähe von Skukuza schöne Sichtungen. Heute ist aber auch hier nichts los und so fahre ich ein wenig enttäuscht zurück ins Camp. Vielleicht haben wir unser Sichtungsglück auch einfach aufgebracht. 😕
Es ist erst kurz nach sieben Uhr. In unserer Hütte ist aber schon einiges los. Unsere Töchter haben sich in die Haare bekommen und da sich die Situation vor Ort nicht so recht lösen lassen will, beschließen wir, die beiden erstmal zu trennen. Unsere Große will mit Mama im Camp bleiben und spielen. Die Kleine freut sich darüber, mit mir allein eine kleine Runde drehen zu können. Wir packen für ein kleines Picknick zusammen und sie klettert – plötzlich wieder ganz vergnügt 😉 – in unseren Bus. Ausnahmsweise darf sie vorne sitzen, wir werden ganz langsam unterwegs sein. Jetzt fühlt sie sich ganz groß.
Der Eindruck meiner Soloausfahrt bestätigt sich aber auch jetzt wieder: Heute ist in der Gegend um Skukuza nicht wirklich was los. Das dumpfe Licht lädt auch nicht gerade zu Landschaftsaufnahmen ein und so tuckern wir langsam am Fluss entlang und überlegen gemeinsam, was wir wohl (abgesehen von Impalas) auf unserer Ausfahrt noch entdecken werden. Immer wieder bin ich erstaunt, wie viele Antilopennamen unsere kleine Tochter schon beherrscht...
Die Sichtung, die sich dann kurz nach der Brücke über den Sabie ergibt, hatten wir bei unserem Ratespiel nicht unter den wahrscheinlichsten verbucht. Gleich neben der Straße steht eine Leopardin und beschnuppert einen Baum. 🤩
Leider setzt sie sich, als wir sie erreichen, gleich in Bewegung und streift durch den hier recht dichten Uferbusch. Im Schritttempo begleiten wir sie und ich versuche zusätzlich zum Autofahren, sie einerseits unserer Kleinen zu zeigen und andererseits ein passables Foto von ihr zu bekommen. Beides gar nicht so einfach…
Nach wenigen Minuten haben wir die Katze schließlich aus den Augen verloren und machen uns auf den Rückweg nach Skukuza. Die weitere Fahrt greift dann wieder die Sichtungslosigkeit weiter Teile dieses Morgens auf. Wir sind trotzdem zufrieden: Unser vierter Leopard dieser Reise. 🙂
Ich wünsche euch einen schönen Abend! Sascha
Teil 1902. Dez. 2018
Am späten Morgen sind wir zwei zurück in Skukuza und treffen dort den Rest der Familie wieder. Die temporäre Trennung hat gutgetan, alles ist und bleibt friedlich. Auf eine weitere Ausfahrt zu viert haben wir gerade keine rechte Lust und so beschließen wir, bis zum Nachmittag im Camp zu bleiben. Auf der Wiese vor der Hütte spielen wir gemeinsam und die Kinder klettern auf niedrige Bäume und spielen Leoparden auf den dicken Ästen. Immer wieder können wir durch den Zaun dabei Warzenschweine, Buschböcke und den ein oder anderen Büffel beobachten. Meine Frau macht derweil eine Siesta. Die Kinder genießen die „Freizeit“ sehr. Auch die Hütte hat es ihnen angetan, denn sie haben hier ihr eigenes Kinderzimmer, was sie äußerst cool finden. Insgesamt ist das Häuschen für unsere Bedürfnisse sehr gut geeignet, die Kategorie „Guest House“ werden wir uns für die Zukunft merken.
Nach dem Mittagessen geht es erstmal auf den Spielplatz und erst gegen 14 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg. Wir wollen die Straße nach Lower Sabie fahren, dort eine längere Pause einlegen und am späten Nachmittag nach Skukuza zurückkehren.
Die Hinfahrt verläuft analog zum Vormittag auf weiten Teilen der Strecke ereignislos. Es scheint, als ob sich die Tiere witterungsbedingt in den Busch zurückgezogen haben. Oder wir sind einfach nur zur falschen Zeit am richtigen Ort oder anders herum… Einzig eine Pavianrotte lässt sich längere Zeit beobachten. Vor allem das quicklebendige Spiel des Nachwuchses macht uns Spaß. Inmitten der Paviane grast unbeteiligt ein Nyalabock.
Ruhig geht die Fahrt weiter. Manchmal sehen wir Kudus und in einiger Entfernung Elefanten.
Kurz vor Lower Sabie entdecken (bzw. erahnen) wir dann drei Löwen im Flussbett. Leider entziehen sie sich fast vollständig unseren Blicken, da sie im hohen Gras liegen. Es entstehen zwar einige Beweisfotos, aber diese sind nicht wirklich des Zeigens wert. Bald fahren wir auch weiter. In Lower Sabie machen wir eine längere Rast und nehmen einmal mehr einen Tisch auf der Aussichtsterrasse in Beschlag. Die Kinder spielen in der Bauecke und wir genießen es, einfach mal zu zweit an einem Tisch zu sitzen. Das Mugg and Bean-Essen schmeckt uns auch zum wiederholten Mal gut und so verleben wir eine recht schöne Zeit.
Nach 16 Uhr brechen wir in Richtung Skukuza auf. Die Löwen sind noch immer an Ort und Stelle und damit ähnlich schlecht zu sehen wie vor unserer Rast.
Und dann passiert erst einmal wieder lange nichts.
Plötzlich sitzen am rechten Rand der Straße zwei Löwinnen. 🙂 Wir konnten sie gar nicht verfehlen, stehen doch schon ein paar Autos am Straßenrand. Wir gesellen uns dazu und verbringen einige Zeit mit den müden Damen, die zuerst kaum einmal die Augen öffnen. Irgendwann beginnt eine der Löwinnen sich für etwas für uns Unsichtbares im Flussbett zu interessieren. Sie setzt sich auf und spannt ihre Muskeln an. Leider hält das Interesse aber nicht allzu lange an und es wird wieder entspannt.
Zufrieden mit dieser recht schönen Löwensichtung setzen wir unseren Weg fort und kommen gegen 17.30 Uhr in Skukuza an. Den Rest des Tages verbringen wir in unserer Hütte, wir spielen gemeinsam und lesen lange vor. Es ist – für SANParcs-Verhältnisse – richtig gemütlich. Morgen geht es nach Biyamiti. Darauf freuen wir uns besonders, da wir einerseits noch nie zuvor dort waren und andererseits nach den zwei Nächten in Skukuza durchaus Lust auf ein kleineres Camp verspüren.
Einen schönen Adventssonntag wünscht euch Sascha
Teil 2004. Dez. 2018
Kapitel 9: Ein beinahe katzenfreier Tag (21.10.2018)
Heute stehen wir früh gemeinsam auf, um zusammen einen frühen Gamedrive zu unternehmen. Auch heute zeigt sich der Himmel beim Verlassen unserer Hütte wolkenlos. Es verspricht ein schöner Tag zu werden.
Schnell haben wir unseren Bus mit den nötigsten Dingen beladen. Die Kinder sind noch ziemlich verschlafen und kuscheln sich erstmal in ihre Sitze.
Zu Toresöffnung geht es los. Erneut versuchen wir unser Glück am Sabieufer und erneut geht es hier recht ruhig zu. Aber auch ohne Tiere genießen wir die schöne Landschaft, die sich uns im schmeichelnden Licht des frühen Morgens präsentiert.
Irgendwann entdecken wir einige Nyalas und legen einen kurzen Stopp ein. Es ist schön, diese hübschen Antilopen zu beobachten. Ganz still ist es und friedlich.
Weiter geht es zur nahen Brücke über den Sabie, deren Überfahrt uns einen nahen Goliathreier beschert.
Am anderen Ufer treffen wir bald auf vorbeiziehende Giraffen und äsende Kudus.
Dann folgt der erste Höhepunkt des Tages: Zwei in einen Kampf verwickelte Giraffenbullen. 🙂
Das Schauspiel, das sich jetzt vor unseren Augen entfaltet, kannten wir bis dato nur aus Tierdokumentationen und fanden es auch da schon sehr beeindruckend. Live dabei zu sein, ist aber noch einmal um einiges besser… 🙂 Ganz nah an der Straße stehen die beiden Bullen, vielleicht 15 Meter von uns entfernt. Immer wieder verharren sie regungslos nebeneinander, um dann Schwung zu holen und mit ihren behornten Schädeln den Hals, den Bauch oder die Beine des Kontrahenten zu treffen. Wie gigantische Peitschen setzen sie dazu ihre Hälse ein – ganz lautlos. Nur das dumpfe Geräusch des Aufschlags, wenn Schädel auf Körper trifft, durchbricht regelmäßig die Stille.
Man spürt förmlich die Kraft, die hinter den Hieben steckt. Ein merkwürdiges Ballett aus Schlägen, Ausweichmanövern, Treffern. Und dabei immer abwechselnd austeilend und einsteckend. Bedauerlicherweise transportieren die Fotos nur in kleinen Ansätzen eine Idee der Situation.... Wir beobachten gebannt, bis der Konflikt abzuebben scheint und sich die Bullen in seltsamer Eintracht in den Busch zurückziehen.
Wir fahren weiter und queren bald den Sand. Von der Brücke aus können wir Krokodile und ein Flusspferd beobachten, das als Ruheplatz einer Schildkröte dient.
Nachdem wir auch den Sabie erneut gequert haben, steuern wir das Lake Panic Bird Hide an. Auf dem Weg dorthin begegnen wir Nyalas und außerdem zwei Tüpfelhyänen. Die dürfen auch tatsächlich auf keinem Gamedrive fehlen…
Im Birdhide sind einige Fotografen anwesend. Zum Glück wissen sich unsere Töchter an solchen Orten angemessen zu benehmen und so nehmen wir Platz und lassen für einige Minuten unsere Blicke über das Wasser und den angrenzenden Uferbusch schweifen. Immer wieder gern sind wir an diesem Ort. Dabei entdecken wir Graufischer, Schreiseeadler und Waffenkibitze (adult und juvenil). Auch Krokodile, Schildkröten und ein durstiger Buschbock lassen sich sehen.
Da die Kinder irgendwann ungeduldig werden, brechen wir auf. Auf dem Rückweg zur Straße begegnet uns ganz nah eine kleine Elefantenherde. Vor allem ein Jungtier lässt sich unverbuscht beobachten. Wir finden es allerliebst, wie es mit seinem Rüssel emsig nach Nahrung sucht.
Nach dieser Begegnung geht es zurück nach Skukuza. Es ist jetzt etwa halb zehn und wir müssen noch richtig frühstücken und packen, denn heute geht es schließlich noch ins Biyamiti Bushveld Camp… 🙂