Als Volunteer im EHRA Wüstenelefanten Projekt

Reisebericht 51 Antworten · 15,2k Aufrufe · gestartet 06. Juni 2018 von Markandi
Themenstarter141 Beiträge · seit 201110. Juni 2018 · #21
Nach kurzer Pause beginnt meine Lieblingsdisziplin; der Rock Run. Wir fahren zu einer felsigen Stelle, sammeln Steine und laden sie in den Trailer.

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An dieser Stelle gibt es unter den Steinen allerdings viele kleine gelbe und schwarze Skorpione. Keine Ahnung, ob die gefährlich sind, aber es ist sicher sinnvoll wachsam zu sein! Und natürlich tragen wir auch die Arbeitshandschuhe, die wir zum Projekt mitbringen sollten!

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Mit dem vollen Trailer fahren wir zu unserem Graben und werfen die Steine hinein. Das macht richtig Spaß! Wir sind sehr optimistisch, dass wir es schaffen, den Graben bis zum Mittag zu füllen. Leider werden wird unser Eifer durch einen Platten am Trailer ausgebremst. Das Werkzeug für den Reifenwechsel befindet sich im anderen Wagen und der ist grade unterwegs. Wir müssen also die Mittagspause zwangsweise etwas vorziehen. Schade, ich war grade so gut im Flow!

Nach der Mittagspause machen wir den letzten Rock Run. Der Graben für das Fundament ist nun mit Steinen gefüllt und kann mit Zement stabilisiert werden. Leider haben wir auch hier noch eine Verzögerung, denn zunächst müssen die Tiere getränkt werden, so dass wir vorübergehend keinen Zugang zum Wasser haben. Wir werden mit der Arbeit also doch nicht so weit kommen, wie wir es erhofft haben. 🙁

Zement mischen ist eh ätzend 😮 . Die Arbeit ist eine extreme Belastung für die Arme, so dass ich das nur sehr eingeschränkt machen kann. Ich kümmere mich also mehr darum, für die tatkräftigen Mischer die Schubkarre zu halten und Wasser nachzugießen. Da macht sich leider meine (deutsche) Leistungsorientierung bemerkbar: Es fühlt sich einfach nicht so gut für mich an, nur diesen vergleichsweise leichten Beitrag leisten zu können. Geht aber nicht anders, denn es wird sich auch nicht gut anfühlen, wenn ich mich übernehme und mein eingeschränkter Arm Probleme bereitet 😕 Das muss ich jetzt einfach selbst mal akzeptieren!!!

Der "alte Mattias" aus dem Nachbarort ist auch wieder da. Er sieht verschmitzt aus und ist immer sehr freundlich. Mit seiner Frau (einer seiner Frauen?) kommt er mit dem Eselskarren vorbeigefahren. Was für ein schönes, freundliches Bild!

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Und gelegentlich packt der nette, ältere Herr auch mal mit an! Zement mischen kann er richtig gut! Zwar macht er auch nur ein oder zwei Schubkarren, aber er ist der einzige aus dem Village, der sich blicken lässt. Ansonsten sieht man Menschen nur von Ferne. Das ist doch etwas befremdlich! They don’t give a shit? Oder halten die das für selbstverständlich, dass Europäer ihren Urlaub hier verbringen und Geld dafür bezahlen, um ihnen Mauern zu bauen. Na ja, sicher ist denen das gar nicht so klar! Trotzdem; es muss ja niemand einen Kniefall machen, aber so gar kein Interesse zeigen… Ich frage mich daher auch: „Ist das der richtige Ansatz, den EHRA hier verfolgt? Müsste man die Leute vor Ort nicht mehr einbinden und damit ihr Verantwortungsgefühl fördern?“

Das Zementieren geht nur langsam voran, da in dieser Phase viel Zement zwischen die Steine sackt und so Stabilität schafft. Aber es ist auch ok wenn es langsam geht. Wir sind ja Volunteers und keine Akkordarbeiter. Und wir strengen uns wirklich alle sehr an. Entsprechend sind wir abends verschwitzt, klebrig und pottdreckig.

In Ermangelung einer Dusche kommt dann die Stunde für den allabendlichen „Babywipe Shower“! 😄 Großpackungen von Feuchttüchern werden aus den Taschen gekramt und was auf den ersten Blick wie schöne Sonnenbräune aussieht, entpuppt sich als purer Dreck: Berge von rötlich braunen Feuchttüchern türmen sich neben (wieder) weißen Armen und Beinen.

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Heute gehe ich ziemlich zeitig schlafen, denn ich möchte das einfach mal entspannt hinkriegen und nicht mit (unnötig!?) schlechtem Gewissen im Dunklen herumkramen. Erstaunlicher Weise ist das „Old Team“, das sich sonst immer schnell zum Schlafen zurückzieht, heute länger auf und sitzt am Feuer. Eigentlich hatte ich mir ja auch mehr gesellige Runden am Feuer vorgestellt und nicht den „Bett Run“ um ca. 20:30 Uhr. Für den heutigen Tag bin ich aber froh, dass ich es entspannt geschafft habe, meine Sachen bereit- und mich hinzulegen und beim Lesen fallen mir auch schnell die Augen zu.

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Leider muss ich in der Nacht mal wieder „raus“ 🙁 . Ich versuche im Dunklen einen guten Platz zu finden. Das ohnehin nicht sehr einladende Klo ist ziemlich weit weg. Küchenwagen, Markus‘ Schlafplatz und die Zelte von Little Mattias und dem australischen Pärchen müssen bei der Platzwahl berücksichtigt werden. Als ich dann endlich hocke, reflektiert meine Taschenlampe die großen Augen eines nicht grade kleinen Tieres. OH GOTT; WAS BITTE IST DAS??? Ein Gepard? Eine Ginsterkatze? Oder gar ein Leopard? 😮 Bevor ich in Panik verfallen kann, höre ich ein vertrautes Tock-Tock Geräusch und erkenne „unseren“ Hund. Puh! Das ist erstmal beruhigend!!! Aber da der Hund früher am Abend nicht bei uns war, weiß ich nicht, ob er angeleint ist. Ich bin wirklich nicht scharf darauf, dass er sich liebebedürftig auf mich stürzt – zumal ich mich ja grade in einer sehr hilflosen Position befinde. Ich erledige also schnell, was zu erledigen ist und eile zurück in meinen (sicheren?) Schlafsack.
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zuletzt bearbeitet 10. Juni 2018
2'060 Beiträge · seit 201310. Juni 2018 · #22
Hallo Markandi,

als ich das Bild vom "verschmitzten" Mattias sah, war mein erster Gedanke: Der hat leicht lachen, die blöden Weißen bauen eine Mauer für ihn und zahlen noch dafür. Du hast dann selbst ein solches Fazit gezogen. Und auch ich glaube, man müsste die Dorfbewohner einbeziehen, vielleicht würden sie die Mauern viel mehr schätzen, wenn sie selbst daran mitgebaut hätten.

Und was ist, wenn die Mauer brüchig ist und ausgebessert werden muss? Werden sie dann selbst Hand anlegen? Ich glaube nein, denn sie werden darauf warten, dass wieder Weiße kommen und ihre Arbeit tun. In meinen Augen ist das nichts anderes, als wenn man den Kindern sweets oder money in die Hände drückt, sie erwarten dann nur immer mehr.

Meine Meinung ist, dass nur Hilfe zur Selbsthilfe auf Dauer etwas bringt, alles was man fertig hinstellt, hilft nur für den Augenblick.

Als wir auf Camp Aussicht waren, hat uns Marius Steiner ein Projekt gezeigt, wo Dorfbewohner zusammen ein Gemeinschaftshaus bauten. Er hat alles organisiert, manches bezahlt, aber keine Hand angelegt - das scheint mir der bessere Weg zu sein.
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
Themenstarter141 Beiträge · seit 201110. Juni 2018 · #23
Build Week Tag 4 und Rückkehr ins Base Camp - Freitag, 23. Februar 2018
Heute wollen wir das Fundament fertig zementieren und dann eventuell noch die ersten zwei Reihen mauern. Ich melde mich mal zum Sand Run, weil ich das noch nicht gemacht habe. Ist aber nicht so mein Ding! Eigentlich können immer nur zwei Leute Sand auf den Hänger schaufeln. Es ist natürlich gut, dass ein paar mehr Leute zur Ablösung da sind, denn die Arbeit ist hart. Ich komme aber gar nicht so recht zum Zug, da wir ziemlich viele sind und sich einige immer wieder (über)motiviert nach vorne drängeln. Außerdem kann ich wegen der Schwäche meines Arms auch nicht so schnell schaufeln und so viel Sand auf die Schaufel nehmen wie die anderen, was dann wieder etwas unbefriedigend ist. Ich wünschte, ich könnte diesen selbst gemachten und höchst unnötigen Leistungsdruck endlich mal ablegen 🙁 😕 🙁

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Zurück auf der Baustelle wird zementiert, zementiert und zementiert. Wir haben ja gestern nicht so viel geschafft wie erhofft und noch immer versickert viel Zement zwischen den Steinen. Ich versuche ab und zu auch mal eine Karre Zement zu mischen, aber die meiste Zeit kann ich einfach nur eine Schubkarre fixieren und Wasser nachgießen.

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Leider verpasse ich dabei den Aufbruch zu meiner Lieblingsdisziplin dem Rock Run. So bleibt mir die ganze Zeit nur meine unbefriedigende Unterstützung beim dem öden Zement! 😠

Schließlich können wir das Fundament aber fertigstellen und ein Stück der ersten Schicht mauern.

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Dann ist es schon Zeit, die Materialien zu säubern, das Camp abzubauen und die Rückfahrt zum Base Camp anzutreten.

Als wir nochmal bei dem Dorf mit unserer ersten Baustelle vorbeikommen und ich die fertige Mauer sehe, ist es schon ein gutes Gefühl, daran beteiligt gewesen zu sein 🙂 😁 🙂

Zurück im Base Camp erobert Claudia uns die vordere Schlafplattform im Baum, die mit der tollsten Aussicht und einer wesentlich besseren Leiter.

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Wir feiern unseren neuen Schlafplatz mit einem herrlich kühlen Bier, das wir im Shop an der Ugab Bridge erworben haben! Nachdem während der Build Week das Eis in der Kühlbox schnell geschmolzen war und es nur noch lauwarme Biere oder Gin Tonics gab, sind kalte Getränke jetzt wieder ein besonderer Genuss.

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Dann heißt es aber Autos entladen und die eigenen Sachen umorganisieren und danach können wir (kalt) duschen! Yeah! Im Camp kann man beim Essen auch wieder am Tisch sitzen und muss nicht den Teller auf den Knien balancieren, während man auf einem kleinen Camping Stuhl sitzt. Nochmal Yeah!

Jetzt lernen wir auch den von Mauritius stammenden Projektleiter Chris kennen, der die Build Week aufgrund von Rückenproblemen nicht mehr begleitet, aber bei der Patrol Week mit an Bord sein wird.

Die Nacht wird „shity cold“ und windig. Zum Glück habe ich dieses Mal meine zusätzliche Kuscheldecke mit auf den Baum genommen. Ohne die wäre ich jetzt im Lidl Billigschlafsack total aufgeschmissen. Claudia ist mit Daunenschlafsack und Mütze bestens gerüstet. Grace zieht mitten in der Nacht wegen der Kälte sogar auf die etwas geschütztere mittlere Plattform um. Selten habe ich um diese Jahreszeit derart kalte Nächte erlebt!
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Themenstarter141 Beiträge · seit 201111. Juni 2018 · #24
Ausflug nach Uis - Samstag, 24. Februar 2018
Heute geht es nach Uis zum Shoppen und zum Relaxen im Brandberg Rest Camp. Es ist noch richtig kalt als wir losfahren und bleibt auch während der ganzen Fahrt so. Obwohl ich mich in ein großes Tuch eingewickelt habe, bin ich im offenen Wagen komplett durchgefroren als wir schließlich ankommen. Jetzt erstmal einen schönen heißen Cappuccino trinken und eine richtige Toilette benutzen – ohne Gestank und mit Spülung! Herrlich! 😁 😁 😁

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Dann wird das Smartphone „angeschmissen“. Schnell werden mir per WhatsApp etliche Fragen von den „Daheimgeblieben“ gestellt. Ich freue mich einerseits über das Interesse und darüber, meine Erlebnisse zumindest ansatzweise teilen zu können. Aber ich merke auch, wie sehr mich die Kommunikationsmöglichkeit per WhatsApp vom Hier-und-Jetzt ablenkt.

Ich eile mit Claudia in den Supermarkt und den Bottle Store und dann bleibt noch Zeit für einen Mini-Spaziergang in Uis. Schließlich wird das Mittagessen serviert, das wir bereits morgens bestellt haben. Das müssen wir natürlich alle selbst bezahlen, aber ein frischer Salat ist eine sehr willkommene Abwechslung! Schwimmen können wir nicht, da der Pool renoviert wird. Aber da es nicht sehr heiß ist, ist das nicht schlimm. Am frühen Nachmittag geht es zurück zum EHRA Base Camp. Bye, bye schöne, helle, saubere Toilette! Ich werde dich und deine Wasserspülung sehr vermissen!!! 😮

Unterwegs halten wir an der Stelle mit den Himba Verkaufsständen. Das finde ich super, denn mein Mann würde hier niemals mit mir stoppen und mir persönlich ist es auch lieber, wenn sich die Aufmersamkeit auf eine größere Gruppe verteilt. Eigentlich haben die Himba Frauen wirklich hübsche Armbänder, aber sie belagern mich dann doch massiv:„Look! This one! This one! This one!“ Ruck-zuck habe ich ca. acht Armbänder am Arm, die ich alle nicht gewählt hätte. Wenn ich jetzt selbst eines nehme, kommen wahrscheinlich acht weitere in ähnlichen Farben dazu. Das ist mir zu anstrengend und ich ziehe mich vom Stand zurück. Da ich nichts kaufe, mache ich auch keine Fotos, sondern spiele mit den Kindern.

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Am nächsten Verkaufsstand bei den Herero Frauen geht es deutlich entspannter zu. Die lassen uns in Ruhe schauen, aber ich brauche weder Täschchen noch Herero Püppchen und halte mich daher auch hier mit Fotos zurück.

Für heute belasse ich es bei einem Einkauf von Kaltgetränken in dem netten Shop nahe der Ugab Brücke.

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Im Camp können wir unsere saubere Wäsche von den Bäumen „pflücken“. Während unseres Ausfluges war Ella, eine Herero Frau aus einer nahen Siedlung, fleißig und hat für 50 N$ pro Person den Baustaub aus unseren Klamotten geschrubbt.

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Themenstarter141 Beiträge · seit 201111. Juni 2018 · #25
Wir dürfen nun weiter abhängen, relaxen, uns organisieren… Sehr schön diese Ruhepause in traumhafter Umgebung! Claudia und ich nutzen die Zeit für einen kleinen Spaziergang mit kühlem Bier in der herrlichen Landschaft außerhalb des Camps.

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Nach dem Abendessen bekommen wir das Briefing für den nächsten Tag. Es gibt eine Stunde später Frühstück als sonst 😁 😁 😁 und dann werden wir zu einer nahegelegenen Baustelle fahren. WHAT??? Am Sonntag? Im Nachhinein wird sich dieser Einsatz aber eher als netter Ausflug herausstellen… Also kein Grund zur Aufregung! Und an diesem Abend sitzen wir auch mal länger im Camp zusammen und hören sogar Musik.

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Es ist also richtig nett, auch wenn die Gruppe sich immer wieder in Old Team und New Team aufspaltet. Das ist ein wenig schade, aber ich hätte mit der Gruppe schlechter treffen können! Viel schlechter!!! Der Umgang miteinander ist immer freundlich und hilfsbereit!
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Themenstarter141 Beiträge · seit 201111. Juni 2018 · #26
Ein fast fauler Tag - Sonntag, 25. Februar 2018
Heute startet der Tag eine Stunde später und statt Porridge gibt es Rührei, Speck und gerösteten(!) Toast! Yes, Yes, Yes! 😄 😁 😄

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Außer Claudia, die gerne Camp Dienst machen will (alles aufräumen und auswaschen), melden sich alle für den kleinen Build Einsatz. Wir fahren eine schöne Strecke im und neben dem Ugab Richtung Süden/Brandberg und kommen so zur Road D2319 bei Sorris Sorris. Hier machen wir einen kleinen Rock Run, denn wir wollen einen Quick Fix an einer Wasserstelle machen, die EHRA kurz vor dem Ort am Ugab für die Elefanten angelegt hat.

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Ansonsten fallen die Herden nämlich gerne in die Schule ein, da sie dort das Wasser aus den leckenden Leitungen wittern. Leider können wir die kleine Reparatur aber nicht machen, denn die Pipeline zwischen Pumpe und Tränke, die wir mit Steinen abdecken wollten, ist nicht mehr da – also wahrscheinlich gestohlen!

Wir fahren in das Dorf und stoppen an der Schule.

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Von einem Schüler lassen wir uns zu dem Verantwortlichen für die Pumpe bringen. Der weiß (natürlich) auch nichts über den Verbleib der Pipe… Chris ist pissed, denn es ist wohl nicht das erste Mal, dass die Pipe gestohlen oder die Pumpe nicht angestellt wurde. Ja, Elefantentränken erfordern etwas „Mühe“ (Pumpe an- und abschalten) und kosten Geld (z.B. für den Diesel). Aber geht es doch um die Sicherheit der Kinder! Das scheint keinen im Dorf zu interessieren! 😈

Teilweise gleichen die Bemühungen von EHRA der berühmten Sisyphusarbeit – immerhin werden ja auch Felsbrocken bewegt 😉 . Schon entmutigend - ich vermute, sowohl für EHRA als auch für die Volunteers! Aber zumindest versucht EHRA zusätzlich die Bewohner der Gegend im Rahmen des PEACE Project (People and Elephants Amicably Co-Existing) über die Elefanten aufzuklären. Gut Ding will Weile haben (hier sicher gemessen in African Time...).

Wir fahren weiter durch die sehr schöne Gegend und bekommen auch Gelegenheit auszusteigen und die Aussicht zu genießen.

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Unterwegs laden wir noch mehr Steine auf den Trailer, denn es gibt in der Nähe noch einen Ort, wo die Mauer um den Tank teilweise etwas zu niedrig ist. Wir stellen Steine möglichst aufrecht vor die kritischen Stellen, damit es für die Elefanten unbequem ist, darauf zu treten. In der nächsten Build Week kann das neue Team die Steine dann für die Erhöhung der Mauer nutzen.

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Themenstarter141 Beiträge · seit 201112. Juni 2018 · #27
Nach getaner Arbeit geht es dann wieder durch die schöne Landschaft zurück ins Camp zum Lunch. Jetzt haben wir wieder Zeit zum Relaxen und um uns für die Patrol Week zu organisieren. In der Patrol Week wird der Komfort noch mal eine Stufe runter geschraubt, denn wir müssen ohne Trailer und damit folglich mit Minimalausstattung fahren. Das gesamte Gepäck muss auf den Autodächern und im Fußraum der Trucks verstaut werden, was teilweise zu unbequemen Sitzpositionen führt. Wasser nehmen wir mit zum Trinken, Kochen und Geschirr spülen. Da wir aber nicht mehr neben einer „Baustelle“ campieren, haben wir kein zusätzliches Wasser, um z.B. mal die Hände und Arme zu waschen oder beim Spülen etwas „verschwenderischer“ mit dem Wasser umzugehen. Das Klo-Zelt entfällt (nicht schlimm!) und auch das offene Schlaf- und Relaxzelt wird nicht mehr aufgestellt. Aber so weit sind wir ja noch nicht. Jetzt ist erstmal Sonntag!

Ich habe meine Patrol Week Tasche schon vorbereitet. Dieses Mal wusste ich ja, was auf mich zukommt und konnte meine Reisetasche in Ruhe durchforsten. Morgen früh müssen nur noch Kulturtasche und Schlappen eingepackt werden. Ich bin entspannt 😁 ! Da kommt Katharina und sagt, dass sie ihren kleinen Tagesrucksack gerne für die Patrol Week zurück hätte, weil sie ihn für Snacks etc. braucht. Scheiße 🙁 ! Ich kann Kathi deshalb natürlich nicht böse sein, aber ich hatte einfach überhaupt nicht damit gerechnet, dass sie die Tasche nochmal vor dem Ende des EHRA Projektes braucht.

Zum Glück habe ich noch einen einfachen Beutel, in dem vielleicht mal ein Schlafsack oder ein kleines Zelt war. Ich habe keine Ahnung, wie der in unseren Haushalt gelangt ist, aber ich bin natürlich froh, dass ich ihn eingepackt habe. Ich stopfe also meinen Kram hinein und es geht überraschend gut.

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Wahrscheinlich wird es eh zu viel Zeug sein und ich werde, wie schon in der Build Week, überhaupt keine Klamotten wechseln. Es ist ja sowieso alles sofort wieder schmutzig. Aber man muss ja trotzdem ein paar Sachen mitnehmen, z.B. falls mal etwas nass wird oder richtig schlimm stinkt.

Bis auf den unerwarteten Taschenstress geht der Tag gemütlich vorbei. Claudia lässt sich ein kühles Bad in der Elefantentränke am Camp nicht entgehen.

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Mich reizt das so gar nicht, aber sie hat viel Spaß im (etwas schmuddeligen) Wasser und ich außerhalb beim Zuschauen 😄.

Am Abend wird es ziemlich spät mit dem Essen. Zunächst gibt es ein Patrol Week Briefing von Chris. Dann sind plötzlich die Elefanten da. Es ist wunderschön, wie sie in der Dämmerung an die Tränke ziehen. Wir sind alle ganz verzückt!

Endlich gibt es Abendessen! Weil Sonntag ist, steht Braai (grillen) auf dem Programm und Mac & Cheese (Käsemacaroni). Die Kombi ist zwar etwas seltsam, aber es ist sehr, sehr lecker! Danach sind Claudia und ich wieder „On Duty“. Eigentlich hatten wir uns gefreut, dass wir den Küchendienst noch im Camp antreten können. Hier haben wir mehr Platz und mehr Wasser und wir können es schnell auf dem Gaskocher erhitzen. Allerdings scheinen diese komfortable Situation und der entspannte Tag im Camp auch zu einem „exzessiven“ Geschirrverbrauch geführt zu haben 😠 . Wir haben heute wahre Geschirrberge, größtenteils auch noch total mit Käse verklebt. Eben mal durch das Wasser ziehen reicht da nicht aus. Alles muss sorgsam geschrubbt werden – finde ich jedenfalls – und so spüle ich wie eine Bekloppte während Claudia räumt.

Als wir endlich fertig sind, sind schon alle im Bett bzw. auf dem Baum. Jetzt hätte ich so richtig Bock auf einen Absacker, aber die Uhr zeigt bereits 22:30 Uhr 🙁 . Nun aber schnell ins Bett!!!
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546 Beiträge · seit 201812. Juni 2018 · #28
Coole Bilder (mit den großen Steinen) in Deinem vorherigen Beitrag! 😎
Danke für Deine Einblicke!
Antje
Gelebt in Malawi, Tanzania und Kenya Reiseberichte: Botswana April 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/295264-botswanas-beasts-beauty-im-april.html Malawi 2015-2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/154-diverses/297418-kleinode-in-malawi.html Tanzania - Tarangire April 2020: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299356-tansania-pulsiert-trotz-corona.html?start=0
Themenstarter141 Beiträge · seit 201113. Juni 2018 · #29
Danke Antje 🙂
Das Damaraland ist aber auch einfach wunderschön! Dabei haben wir die Gegend auf unseren ersten Reisen gar nicht so richtig auf dem Radar gehabt. Liebe auf den dritten Blick sozusagen, aber dafür sehr nachhaltig!
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Themenstarter141 Beiträge · seit 201113. Juni 2018 · #30
Patrol Week Tag 1 - Montag, 26. Februar 2018
Heute Morgen sind wir weiter „On Duty“. Mein Wecker klingelt um 5:55 Uhr und ich bin schnell „Up & Running“. Die Frühstücksvorbereitungen laufen gut, denn hier haben wir den Gaskocher und das benötigte Geschirr steht größtenteils noch griffbereit von gestern Abend auf der Spüle. Der Porridge wird wieder von Mattias gekocht. Bereits um 6:15 Uhr sind wir eigentlich bereit, Kaffee und Tee aufzugießen. Wir warten aber noch, da die anderen erst um 6:30 Uhr Frühstück erwarten und wir ihnen natürlich keine bereits abgekühlten Getränke servieren wollen.

Die schnelle Arbeit gibt mir Zeit für meine persönlichen Vorbereitungen, z.B. Gesicht waschen und Schlafmatte einrollen. So klappt es mit der „Doppelbelastung“ von Küchendienst und Packen ganz gut. Nach dem Frühstück und dem Abwasch helfen wir mit, die Trucks mit allen möglichen Dingen zu beladen. Und dann geht es auf zur nächsten spannenden Etappe, der „Patrol Week“.

Zunächst schauen wir uns die Infomappe an, in der alle Herden und ihre Einzeltiere verzeichnet sind. Für jedes Tier gibt es einen Steckbrief mit Infos zu Abstammung, Alter und besonderen Merkmalen und Fotos von allen Seiten. EHRA beobachtet nur die Herden in der Region vom Brandberg bis zum Aba Huab. Die Herden weiter nördlich werden von einem amerikanischen Ehepaar beobachtet. Man tauscht sich aber untereinander aus und EHRA sammelt auch Dungproben für die Genuntersuchungen, die das Ehepaar durchführt.

Claudia und ich fahren im Truck mit Chris und dem Head Tracker Big Mattias. Big Mattias ist ein Bär von einem Mann und wirkt sehr freundlich und völlig ausgeglichen. Bei der Wagenaufteilung bleibt es bei der Trennung zwischen dem alten und dem neuen Team. Die beiden ganz jungen Mädchen fahren bei dem „Old Team“ mit. Mit in unserem „Party Truck“ sind noch Grace und das nette irisch-neuseeländische Pärchen, das in Australien wohnt. Als Paar bleiben die aber auch immer ein wenig für sich.

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Gut, dass ich Claudia als mein „Gegenstück“ gefunden habe. Optisch ist sie das absolute Gegenteil von mir (klein, kräftig, kurzhaarig). Aber super-lustig ist sie, etwas crazy und wahnsinnig stark und schnell. Wenn ich grade mal die Tassen herausgestellt habe, hat sie schon fast alles andere für das Frühstück gemacht. Da soll mal jemand sagen, die Schweizer seien langsam! Die anderen scheinen sich mitunter auch über uns „ungleiches Paar“ zu amüsieren und sagen, man müsse eigentlich ein „EHRA-Road Movie“ mit uns beiden drehen. Ich hoffe, ich komme bei deren imaginären Road Movie nicht zu schlecht neben der patenten Claudia weg… 😕

Unser Ziel für den heutigen Tag ist es, ein Elefantenbaby zu finden. Bereits vor gut 2 Wochen wurde eines geboren und ist nach wenigen Tagen gestorben. Die alte Gruppe fand die Überreste 🙁 . In den letzten ca. 3,5 Jahren hat kein Elefantenbaby überlebt. Chris vermutet, dass es an dem Grasmangel aufgrund der Dürre liegt. Gras ist eigentlich die bevorzugte Elefantenkost, aber seit einiger Zeit müssen die Tiere fast vollständig auf die sehr taninhaltigen Blätter ausweichen, was eventuell negative Auswirkungen auf die Qualität oder Quantität der Milch hat. Aber das ist eben auch nur eine Vermutung von Chris. Nun soll jedenfalls ein weiteres Baby geboren sein und wir finden wir sehr kleine Spuren, die noch frisch sind. Im Laufe des Vormittages treffen wir auf die erste Herde. Ohne Baby!

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Wir bleiben stehen und verhalten uns ruhig. Die Elefanten mustern uns ebenso ruhig und kommen direkt auf uns zu. Am Wagen des „Old Team“ prüft sogar einer mit dem Rüssel das Dach des offenen Wagens.

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Später erfahren wir von den Mädels, dass der Elefant sogar seinen Rüssel hineingesteckt hat. Ich weiß gar nicht ob ich neidisch oder froh sein soll, dass ich nicht im dem Wagen saß!

Das war auf jeden Fall eine tolle und sehr spannende Sichtung! 😁 😁 😁
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779 Beiträge · seit 200614. Juni 2018 · #31
Hallo Markandi,

vielen Dank für diesen sehr interessanten und kurzweiligen Bericht! Es ist wirklich sehr anschaulich, wie du alles beschreibst, auch deine Gefühle und Ängste.
Ich freue mich auf die Fortsetzung und bewundere deinen Einsatz und Mut, alleine bei einem solchen Projekt mitzumachen!
Viele Grüße von Tanja
Themenstarter141 Beiträge · seit 201115. Juni 2018 · #32
Hallo Tanja,
vielen Dank für Deine netten und wertschätzenden Worte 🙂 😊 🙂

Ich fand und finde mich zwar selbst auch etwas mutig 😉 , aber letztlich waren ja alle Teilnehmer alleine in dem Projekt (außer dem einen Paar). Und ich hatte gegenüber den anderen den Vorteil, dass ich viele Dinge kannte, z.B. jede Ecke im Windhoeker Flughafen, Swakopmund fast so gut wie meinen Heimatort in Deutschland, das Damaraland und die Herausforderungen des (wilden) Camping (allerdings immer mit Dachzelt).

Ich selbst hatte den größten Respekt vor den beiden ganz jungen Frauen (18 Jahre/Australien und 19 Jahre/Deutschland), die erstmals nach Afrika gereist sind und zwar ebenfalls alleine!!! Das fand ich wirklich mutig! Aber spannend ist, dass uns unterwegs unabhängig vom Alter teilweise die gleichen Fragen/"Ängste" bewegt haben.

Viele Grüße,
Markandi
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779 Beiträge · seit 200615. Juni 2018 · #33
Hallo Markandi,
Ängste hat man wohl in jedem Alter, wobei man natürlich manches gelassener sieht, je älter man wird 🙂
Ich war 2010 im Alter von 35 Jahren für 2,5 Monate als Praktikantin auf einer Wüstenfarm und hatte auch so manche Ängste im Vorfeld und manchmal wunderte ich mich über meine eigene Courage (Ehemann so lange nicht sehen, kann ich das alles, halte ich die Trennung so lange aus etc.) Es war nicht immer einfach, aber im Nachhinein bin ich sooo froh, dass ich das gemacht habe...
Liebe Grüße von Tanja
Themenstarter141 Beiträge · seit 201116. Juni 2018 · #34
Mittags wird ein „Rastlager“ erstellt. Zwischen den beiden Autos wird eine Plane als Schattendach gespannt. Eine weitere Plane kommt auf die Erde. In der Patrol Week haben wir nur minimales Equipment und so bereiten Claudia und ich den Lunch auf den Ladeklappen der Autos vor.

Nach dem Lunch können wir auf der Plane ruhen. Ich wundere mich über mich selbst, dass ich die ganzen Gemeinschaftslager so gut „hinkriege“. Ich haue mich einfach zwischen die „Meute“ auf die nicht grade saubere Plane, lese ein wenig und schlafe sogar kurz ein. Zu Hause und bei unseren eigenen Camping Touren bin ich jedenfalls wesentlich pingeliger 😉

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Nachmittags haben wir leider keine weiteren Elefantensichtungen. Aber Chris hält unterwegs natürlich auch an interessanten Stellen und spannenden Fundstücken, wie z.B. einem Kudu Gehörn oder einem Stück Elefantenhaut.

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Unser Nachtlager schlagen wir an einer kleinen Koppie (Felsenhügel) auf. Die Koppie schützt uns von hinten, rechts und links werden die Trucks geparkt. Dazwischen wird die Schlafplane ausgelegt und vor uns in sicherer Entfernung das Feuer angezündet. Die EHRA Leute schlafen als Wachposten außerhalb neben den Autos. Das Pärchen ist schon bald dazu übergegangen, in einem kleinen Zelt zu schlafen, so dass wir reichlich Platz auf der Plane haben.

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Die anderen genießen den Sonnenuntergang von der Koppie, während wir noch „On Duty“ sind und die Carbonara kochen müssen.

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Das Kochen geht viel besser als beim letzten Mal, denn das Feuer ist nicht so riesig und wir werden auch besser unterstützt. Claudia hat es ohnehin eilig und beginnt schon mit ihrem Schweizer Messer zu schnippeln, bevor das Küchenequipment eigentlich bereit ist. Dadurch lerne ich, dass ein Taschenmesser in der Schweiz mit dem schönen Wort „Sackmesser“ 😄 bezeichnet wird, da man es im Hosensack (= Hosentasche) trägt – an dieser Stelle einen herzlichen Gruß an Chrigu und alle Fomis aus der Schweiz 🙂. Was wäre mir doch alles ohne das EHRA Projekt und die Bekanntschaft mit Claudia entgangen 😉 .

Während wir kochen zieht anscheinend die Elefantenherde an der Koppie vorbei. Habe ich überhaupt nicht mitbekommen! Schade 🙁 !!! Ich bin froh, dass unser Küchendienst mit dem Abendessen endet und das nächste Team das Spülen übernimmt.
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Themenstarter141 Beiträge · seit 201118. Juni 2018 · #35
Patrol Week Tag 2 - Dienstag, 27. Februar 2018
Nach dem üblichen Frühstück wird heute wieder nach den Herden gesucht. Langsam verlieren wir die Hoffnung darauf, das lebende Baby zu finden. Wir fahren in einige Ansiedelungen.

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Fast überall finden wir auch Spuren der Zerstörung. Unterwegs treffen wir immer wieder den Officer des Ministry of Environment and Tourism (MET), der die Schäden aufnimmt. Die betroffenen Leute sitzen meistens tatenlos herum. Sie sind anscheinend der Meinung, die Regierung, EHRA oder wer auch immer muss das richten. Ein Mann wird sogar richtig laut und unfreundlich 😠.

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Chris bestätigt die passive Haltung der Menschen, die wir ja nur beobachten können. Die Regierung hat hier Pumpen, Wassertanks und Pipelines bereitgestellt, da sie verhindern möchte, dass alle Menschen in die Städte gehen. Nun sind die Menschen hier der Meinung, die Regierung sei dauerhaft für die Instandhaltung zuständig. Das wirft bei mir mal wieder die Frage nach der Sinnhaftigkeit der EHRA Aktivitäten auf. Wird hier nicht die Passivität noch zusätzlich unterstützt 😕 ? Ich stelle die Frage jetzt aber nicht, weil ich denke, dass das Thema sehr komplex ist und es vermutlich doch schlechter um das Überleben der Elefanten in dieser Gegend bestellt wäre, wenn sich niemand dafür stark machen würde.

Immerhin gibt es aber doch ein paar Leute, die doch etwas tun. An einer Stelle hatten die Elefanten anscheinend die Rohrleitungen auseinander genommen, aber nicht wirklich zerstört. Als wir etwas später nochmal an der Stelle vorbeikommen, wird tatsächlich emsig aufgeräumt 🙂.

Ansonsten fahren wir den ganzen Tag kreuz und quer; gelegentlich auch abseits der vorhandenen Fahrspuren, wenn Elefantenspuren in die entsprechende Richtung zeigen.

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Big Mattias und Chris finden unterwegs immer neue Spuren, steigen aus, laufen ein Stück in die Landschaft und stellen Vermutungen über die Wege der Elefanten an. Auch wir anderen halten eifrig Ausschau und scheuen keine Mühen, wenn es darum geht, optimale Aussichtspunkte zu erklimmen.

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Aber trotz der vielen Spuren und der Hinweise, die wir in den Villages bekommen, können wir keine Elefanten finden 🙁 . Erst gegen Abend sehen wir eine Herde in der Ferne. Es ist nun aber zu spät, um den Tieren noch zu folgen und so beobachten wir sie eine Weile mit dem Fernglas und schlagen dann unser Lager an einem kleinen Revier auf.

Der Tag war einerseits etwas nervig, denn oft sind wir im Kreis gefahren und nicht überall war es landschaftlich spannend. Aber andererseits ist mir wieder sehr bewusst geworden, das echtes Wildlife eben kein Zoo ist und auch kein Game Drive in einem (privaten) Park, wo Tiere mit Peilsendern ausgestattet sind oder „Köder“ ausgelegt werden, damit sie dort erscheinen, wo der Safari Guide sie den Gästen eindrucksvoll präsentieren kann.

Später finden Chris und Mattias heraus, dass zwei Herden in der Gegend waren, deren Routen sind überschnitten haben. So wurden wir quasi den ganzen Tag von den Elefanten an der Nase bzw. im Kreis herumgeführt. Man lernt doch nie aus - auch nicht als erfahrener Elefanten Tracker 🙂 .
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zuletzt bearbeitet 18. Juni 2018
Themenstarter141 Beiträge · seit 201122. Juni 2018 · #36
Patrol Week Tag 3 - Mittwoch, 28. Februar 2018
Wie alle vorherigen Nächte war auch diese sehr kalt –ungewöhnlich kalt für diese Jahreszeit! Gut, dass ich nun zusätzlich nun meine Kuscheldecke dabei habe. Diese kann ich zusammen mit dem Schlafsack, meinem kleinen Kissen und meinen Schlafklamotten in die Bedroll einrollen. Wirklich gelüftet werden die Sachen so natürlich nie, aber zumindest staubsicher auf dem Autodach transportiert.

Auch heute fahren wir wieder viel kreuz und quer, tracken die Spuren und fragen in den kleinen Ansiedlungen nach Elefanten.

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Und immer wieder stoppen wir auch bei den kleinen, lokalen Shops.

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Themenstarter141 Beiträge · seit 201122. Juni 2018 · #37
Schließlich deuten alle Spuren auf das EHRA Base Camp hin. Es ist natürlich sehr beliebt bei den Elefanten, denn es liegt ja direkt am Ugab, wo sich auch viel Nahrung in Form von Sträuchern findet und es steht immer Wasser in der Elefantentränke. So treffen wir dann die Herde am Nachmittag nur wenige Meter vom Camp entfernt. Eine sehr schöne Sichtung in toller Landschaft!

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Der unerwartete Aufenthalt im EHRA Base Camp ist außerdem eine gute Möglichkeit, mal das Plumpsklo im Camp zu besuchen und sich so einen „Ausflug mit dem Spaten“ zu sparen.

Für einen Moment glauben wir sogar, dass die Patrol Week nun vorzeitig im Camp enden wird. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist das Camp natürlich etwas komfortabler (Dusche, Plumpsklo, Tisch, Bänke, Waschbecken etc.), aber es wäre doch ein etwas abruptes Ende unseres Abenteuers!

Schließlich fahren wir doch weiter den Ugab hinunter in Richtung Sorris Sorris. An einem Felsenhang am Revier schlagen wir unser Nachtlager auf.

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Landschaftlich ist es sehr schön hier und um das in Ruhe zu genießen, gehen Claudia und ich mit Bier, Gin Tonic (beides leider sehr warm 🙁 ) und Knabberkram etwas abeits der Gruppe zum Sundowner. Sehr nett und entspannt! 😁 😎 😁

Abends sitzen wir wie immer mit unseren Tellern auf den Knien um das Feuer. Das ist zwar nicht super komfortabel, aber doch irgendwie sehr gemütlich und das Abendessen schmeckt eigentlich immer gut.

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Als ich ins Bett gehen will, stelle ich fest, dass Claudia mit ihrem Schlafsack unter den Sitzreihen im Truck liegt!?! Erst murmelt sie etwas von Kälte, aber das kann nicht stimmen, denn sie ist mit ihrem 1A Daunenschlafsack und ihrer Mütze bestens ausgestattet. Schließlich gibt sie zu, dass sie eine Monsterspinne gesehen hat, die den Hügel heruntergekrabbelt kam 🤨 🤨 🤨 . Oh Gott!!! Ich habe doch auch eine totale Spinnenphobie und meine Bedroll liegt auf der Plane direkt vor dem Hügel!!! Aber was soll ich machen!?! Ich schaue mich sorgfältig um und lege mich todesmutig schlafen. Letztendlich schlafe ich auch nicht schlechter als sonst und bin stolz auf mich!
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Themenstarter141 Beiträge · seit 201124. Juni 2018 · #38
Patrol Week Tag 4 und Rückkehr ins Base Camp - Donnerstag, 1. März 2018
Der letzte Morgen vor der Rückkehr ins Base Camp bricht an und schenkt uns zum Frühstück einen hübschen Sonnenaufgang! Auch wenn draußen nicht immer alles nur himmlisch war, ist es ein wehmütiges Gefühl, dass das Abenteuer nun bald vorbei ist. Inzwischen habe ich mich sogar an den eigentlich verhassten Porridge gewöhnt. Mit ein paar Erdnüssen, einem Löffel Crunchy Peanut Butter und Zimt wird sogar ein etwas herzhafteres und recht brauchbares Frühstück daraus.

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Ich packe, wie immer, im Dunklen meine Klamotten und meine Bedroll zusammen und fühle mich inzwischen gut organisiert. Trotz der Dunkelheit habe ich natürlich beim Aufstehen ängstlich geschaut, ob nicht vielleicht eine Monsterspinne unter meiner Tasche hervorkrabbelt oder gar unter meinem Kopfkissen hinwegflüchtet 🤨. Zum Glück ist nichts dergleichen passiert!

Mit meinem Muckefuck und dem verfeinerten Porridge lasse ich mich auf meiner Bedroll am Feuer nieder und genieße die Wärme an dem kühlen Morgen, die tolle Landschaft und den Sonnenaufgang. Basic, aber auch wunderschön!

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Schließlich geht es an den Camp-Abbau und ich vermisse meine kleine Umhängetasche für Fotoapparat, Smartphone, Pass, Tempos etc. Ich hatte sie abends mit zu meiner Bedroll genommen und gedacht, dass ich sie nach dem Aufstehen in meinen Tagesrucksack gepackt habe. Da ist sie aber nicht!!! Ich weiß, dass niemand sie genommen haben kann. Trotzdem macht sich Panik breit! Ich schaue an meinem Sitzplatz im Truck nach. Fehlanzeige! Also ziehe ich mich mit meinem Tagesrucksack an einen Felsen zurück und räume ihn Fach für Fach aus und wieder ein. Ebenfalls Fehlanzeige! Zu meiner Panik kommt noch das schlechte Gewissen, dass ich nicht beim Beladen der Trucks helfe! Warum kann ich mir diese unnötigen Gewissensbisse nicht endlich mal abgewöhnen?

Ich fange an herumzufragen und Grace gibt mir den entscheidenden Tipp: “Vielleicht hast Du die Tasche in Deine Bedroll eingerollt?“ Das ist die einzige Lösung, aber alle Bedrolls sind bereits auf den Trucks verladen und verschnürt. Ich weiß nicht einmal, auf welchem Truck meine Rolle ist! Und ich hasse es Umstände zu machen!!! Aber es nutzt ja nichts – ich das klären! Ich frage also nach und die Gurte werden wieder gelöst, um die Bedrolls zu checken. Schließlich wird Bedroll 13 gefunden und hinunter geworfen. Mit fliegenden Fingern fange ich an die Schnallen zu lösen. Die manchmal etwas „herrische“ Kanadierin vom Old Team ist sofort an meiner Seite, beruhigt mich und hilft die Verschlüsse zu öffnen. DANKE! Das war jetzt echt wichtig! Und meine Tasche kommt zum Glück zum Vorschein!!!

Ich bin unendlich erleichtert – auch wenn mir die ganze Situation nach wie vor etwas unangenehm ist 😊. Noch unangenehmer wäre es ja gewesen, die Tasche hätte sich nicht hier gefunden und sogar doch einfach am Auto gebaumelt! Ach, warum grübeln! Es waren doch nur ein paar Minuten und das Problem ist gelöst. Kein Grund sich selbst Asche auf das Haupt zu werfen! Außerdem merke ich in Gesprächen mit anderen auch immer wieder, dass wir die gleichen „Sorgen“ haben. Anfangs z.B. die Angst vor dem eigenen Mut beim Antritt dieses Abenteuers oder jetzt die tägliche Sorge der Nachzügler zu sein, der die ganze Gruppe aufhält. Bestenfalls habe ich also mit meiner „Taschenaktion“ dafür gesorgt, dass sich jemand anders entspannter packen oder in Ruhe zur (nicht vorhandenen) Toilette gehen konnte. Man kann also auch durch ein Missgeschick hilfreich sein. Vielleicht!?

Schließlich brechen wir auf und folgen dem gestern eingeschlagenen Weg Richtung Sorris Sorris. Chris ist ziemlich sicher, dass die Herde, nachdem sie am EHRA Camp getrunken hat, weiter in diese Richtung gezogen ist. Vielleicht sind sie sogar in der Nacht nahe an unserem Lager vorbeigelaufen.

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Schon bald finden wir die Elefanten, die am Rande des trockenen Flussbettes zwischen den Bäumen futtern. Es ist immer wieder erstaunlich, wie leise diese Riesen sind und wie wenig man sie zwischen den nicht sehr hohen Bäumen sieht.

Wir fahren mit einigem Abstand an der Herde vorbei und stellen uns bei Sorris Sorris in die Nähe der Straße, da Chris erwartet, dass die Herde futternd weiter in diese Richtung zieht. Auch da behält er Recht! Es dauert zwar etwas länger als erwartet, aber nach und nach treten die Tiere aus dem Gebüsch und ziehen an uns vorbei.

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Themenstarter141 Beiträge · seit 201124. Juni 2018 · #39
Mit etwas Abstand folgen wir der Herde den Ugab hinunter. Die Szenerie ist wunderschön, denn jetzt leuchtet das Brandbergmassiv rosig im Hintergrund. Ich liebe diesen Anblick!!! 😁 😁 😁

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Wir fahren nicht zu nah an die Herde, denn schließlich wollen wir die Tiere ja nicht bedrängen. Aber dafür dürfen wir hier sogar mal für einen Schnappschuss aussteigen, da Chris, Markus und Mattias auch die Trucks verlassen haben, um Vogelfallen aus Stacheldraht abzubauen. Die Vögel verenden kläglich darin, was natürlich traurig ist. Aber die Menschen führen in dieser Gegend ja auch nicht grade ein Luxusleben und eine Vogelmahlzeit ist da wahrscheinlich ab und zu willkommen. Ich bin nicht sicher, auf wessen Seite ich mich stellen soll!? 😕

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Themenstarter141 Beiträge · seit 201124. Juni 2018 · #40
Nach der wunderschönen Sichtung fahren wir zufrieden die landschaftlich schöne Strecke zurück zum EHRA Base Camp, wo die Trucks entladen werden. Für einen Moment bin ich etwas genervt, als man uns sagt, dass wir jetzt noch das Equipment sauber machen müssen. Letztlich geht es aber mit vielen Leuten ganz schnell, die Vorratsboxen und Cooler auszupacken und abzuspülen. Mal wieder unnötig genervt gewesen! 😮

Uns bleibt noch der ganze Nachmittag zum Relaxen, Duschen, Quatschen und Umpacken. Schon wieder Klamotten umpacken! Puh! 🤨

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Als wir abends noch gemütlich zusammen sitzen, gibt es in der letzten Dämmerung wieder „Elefantenalarm“. Die kleine Herde zieht an unserem Camp vorbei; praktisch genau an unserer Schlafpattform im Baum. Ich glaube, einer streckt sogar kurz den Rüssel danach aus. Ich bin nicht sicher, ob ich froh oder traurig darüber sein soll, dass ich grade nicht oben bin. Es wäre vermutlich schön beängstigend oder beängstigend schön gewesen, auf der Plattform zu sitzen!

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Eigentlich sind wir alle sehr andächtig! Nur Claudia feixt, denn grade hatte sie ihre grell-orangene Jacke angezogen. Bei EHRA hatte man um Kleidung in gedeckten Farben gebeten, um die Elefanten nicht zu erschrecken. Aber (fast) immer, wenn Claudia ihre „Signaljacke“ anzieht, treffen wir auf die Herden. Ich habe wirklich viel Spaß mit diesem verrückten Huhn aus der Schweiz! 😄 😄 😄

Nachdem die Herde die Tränke am Camp besucht hat, zieht sie in der letzten Dämmerung weiter.

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Ein schönes Bild und wirklich ein toller Abschluss der Patrol Week!

Chris hält dann noch eine nette kleine Rede und wir lassen den Vollmond Abend gemütlich ausklingen. Was für ein surreales Licht!

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Die letzte Nacht im Baum stimmt dann doch etwas wehmütig, auch wenn ich froh bin, dass ich keine weiteren zwei Wochen bei EHRA gebucht habe. Das Einschlafen im hellen Mondlicht ist gar nicht so einfach und man ist fast geneigt zu rufen: „Kann mal jemand das Licht ausknipsen?“

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Gute Nacht Elefanten! Gute Nacht schönes Base Camp! Gute Nacht du wunderbare Schlafplattform und du schrecklich schiefe, steile Leiter - ich hoffe, ich muss dich heute Nacht nicht benutzen!
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