MImiropolosThemenstarter20 Beiträge · seit 201129. Apr. 2018 · #1Liebe Forums-Mitglieder,
Zunächst vielen Dank für die vielen Hinweise und Tipps in so vielen Bereichen...; immer wieder kommen Kinder und Erwachsene zum Fahrzeug, wenn man anhält oder übernachtet. Was ist nun wirklich sinnvoll, hilfreich..., was man in Deutschland kaufen und mitnehmen kann. Ich bin da bei so vielen kritischen Beiträgen mittlerweile verunsichert. Bin ab dem 29.05. in Namibia (Norden) und Botswana...
Danke für Eure Hinweise, Michael
BikeAfrica7'296 Beiträge · seit 200629. Apr. 2018 · #2... Geschenke sind immer kritisch zu sehen, denn sie erzeugen eine gewisse Erwartungshaltung und erziehen die Menschen zu Bettlern.
Wenn es eine Gegenleistung gibt, z.B. die Hilfe beim Reifenwechseln oder wenigstens nur die Antwort auf die Frage nach der richtigen Richtung ... ok. Aber Sachen verschenken wie Bonbons vom Karnevalswagen ist nicht der richtige Weg.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Rehema546 Beiträge · seit 201829. Apr. 2018 · #3Da bin ich GANZ mit Dir, Wolfgang!!!
Antje, aus derzeit Malawi - eines der Länder, die in den letzten 50 Jahren die meisten "Donor-Gelder" bekommen hat, heute immer noch eines der "ärmsten" Länder Afrikas ist, und eine Bevölkerung hat, deren Erwartungshaltung an Weiße (bei gleichzeitigem "Selber-Nichts-Tun") uns immer wieder aus den Schuhen haut!!!
Bei Gegenleistung kann man das "Geben" diskutieren - aber auch da sollte man sich nicht von "deutschen" Verhältnissen leiten lassen.
Gaaanz schwieriges Thema, Michael! Aber laß das mit Geschenken bitte lieber sein - v.a. an Menschen "die einfach so an Dein Auto kommen"!
kitty191158 Beiträge · seit 201630. Apr. 2018 · #4Ich sehe das genauso wie meine Vorschreiber. Besonders von Süßigkeiten sollte aufgrund der desolaten Dentalversorgung der Kinder, die an‘s Auto kommen verzichtet werden.
Außerdem „lernen“ die Menschen nur, dass es etwas gibt, wenn sie Autos hinterherlaufen. Und wenn es dann nichts gibt, fliegen irgendwann die Steine, die hier auch schon beklagt wurden.
Gegen ein kleines Trinkgeld bei erbrachter Leistung (Hilfe) ist sicher nichts einzuwenden. Allerdings sollte man beim Geldwert sicher keine Deutschen/Schweizer oder Österreichischen Maßstäbe ansetzen.
Gegen eine Flasche Wasser für wartende am Straßenrand ist sicher nichts einzuwenden. Auch wenn bei netten Begenungen am Wegesrand mal ein Stück Obst den Besitzer wechselt, ist daran nichts verwerfliches.
Wir fragen auch immer die Schrankenwärter in NP‘s, besonders an den nicht so stark frequentierten Gates, (falls wir rausfahren sollten) ob wir ein kühles Getränk oder eine Tageszeitung mitbringen sollen. Solche kleinen Aufmerksamkeiten werden meist gerne und dankend angenommen.
LG
Kitty
trsi708 Beiträge · seit 201530. Apr. 2018 · #5Hallo Michael,
das war auch grad
hier Thema. Ich bin da ganz bei Wolfgang.
Und was mich auch immer wieder nachdenklich stimmt: Wieso nehmen wir eigentlich mögliche Geschenke überhaupt aus Europa mit? Könnte man Buntstifte, Hefte, Kleidung oder was auch immer nicht wenigstens im Reiseland kaufen und somit ein bisschen Umsatz generieren?
Geniesse die Reise und sei einfach freundlich zu den Leuten 🙂
Cheerio
trsi
Meine Afrikaerfahrungen: 2003 Tunesien und Libyen (2 Wochen) ¦ 2009 Namibia & Botswana (3 Wochen) ¦ 2011 Nambia, Sambia & Botswana (7 Wochen) ¦ 2016 Namibia & Botswana (4 Wochen) ¦ 2018 Kamerun (12 Tage) ¦ Namibia & KTP (5 Wochen) ¦ 2019 Uganda & Tansania (5 Wochen) ¦ 2020 Namibia (3 Wochen) ¦ 2021 Tansania (2 Wochen) ¦ Namibia (6 Wochen) ¦ 2022 Sabbatical in Namibia und Kapstadt (6.5 Monate) ¦ 2023 Namibia (2x 3 Wochen) ¦ 2024 Namibia (3 Wochen) ¦ 2025 Namibia & KTP (6 Wochen) ¦ 2026 Namibia (3 Wochen)
BikeAfrica7'296 Beiträge · seit 200630. Apr. 2018 · #6kitty191 schrieb:Besonders von Süßigkeiten sollte aufgrund der desolaten Dentalversorgung der Kinder am Auto verzichtet werden.
... wer in abgelegenen Gegenden Süßigkeiten an Kinder verschenkt, sollte auch mal zusehen, wie man dort Zahnschmerzen behandelt. Kleines Stück Holz auf den Zahn und mit 'nem Stein draufgekloppt.
Wer das seinen eigenen Kindern nicht antun würde, der verschenkt auch keine Bonbons mehr in Afrika ...
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
MImiropolosThemenstarter20 Beiträge · seit 201130. Apr. 2018 · #7Vielen Dank für die kritischen Rückmeldungen; meine Frage speist sich aus der Unsicherheit und der Erwartungshaltung, die sicherlich durch meine (unsere) "bisherigen Gaben" entstanden, erhalten werden. Da ich nun noch einmal dort bin, will ich eben diese Fehler vermeiden und sehe Gegenleistungen für Hilfe als sinnig und frage diesbezüglich, was ihr als sinnvoll anseht. Im Land zu kaufen, danke für diesen Tipp - werde ich tun..., was denkt ihr, was da geeignet wäre und einfach Freude bereitet...? Konkret: ich stecke fest und einige Leute helfen mir, aus dem Schlammloch raus zu kommen...; ich halte an und eine freudige Gruppe Kinder kommt zu mir...; und jetzt mal ehrlich, ich bin doch da, wo ich mich als Jeep-Anfänger hin traue nicht der Erste... . Ich will auch kein Fass aufmachen und erhoffe mir von Leuten, die das Land kennen Hinweise, was ich "geben" kann, ohne auch den Stolz... zu verletzen... .
Sind wir da nicht aber auch bei der Frage, das "wir" bescheiden, was gut und was nicht gut ist...,
MImiropolosThemenstarter20 Beiträge · seit 201130. Apr. 2018 · #8Hallo Wolfgang, was machen diese Menschen, wenn sie natürlicherweise Honig "ernten" und essen, gegen Zahnprobleme ? Keine Kritik an deiner Mahnung, keine Bonbons zu verschenken!!! Ernst gemeinte Frage, Michael
kitty191158 Beiträge · seit 201630. Apr. 2018 · #9Konkret? Zeige Dich den Leuten, die dir aus dem Schlammloch geholfen haben erkenntlich. Das kann in Form eines angemessenen Gekdbetrages erfolgen. Wenn die Aktion länger gedauert hat und die Temperaturen hoch sind, sind ein paar kühle Getränke zusätzlich für die Helfer auch nicht schlecht. Den angelaufenen Kindern muss man nichts schenken, denn diese haben nichts beigetragen und sind wahrscheinlich aus Neiguer herbeigelaufen.
Du kannst Fotos von Ihnen machen und Ihnen die Bilder im Display der Kamera zeigen. Wenn sie nicht schon durch andere Touristen „verdorben“ sind, freuen sie sich meist auch schon darüber.
MImiropolosThemenstarter20 Beiträge · seit 201130. Apr. 2018 · #10Danke für die Sichtweisen
Sasa2'391 Beiträge · seit 201630. Apr. 2018 · #11Wir sammeln die kleinen Wasserflaschen und füllen sie auf Farmen mit Brunnenwasser oder aus großen Wasserkanistern. Diese Flaschen verschenken wir unterwegs immer
Das Wasser wird gerne genommen.
Viele Grüße
Sass
Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo seine Faust die Nase eines anderen trifft.
3 Generationen zum ersten Mal auf Pad, Namibia 2016:
http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/291659-3-generationen-auf-grosser-namibia-erstlingstour.html
MaHe544 Beiträge · seit 201430. Apr. 2018 · #12Moin,
wir sind da ebenfalls sehr konsequent … ohne Gegenleistung gibt es nichts.
Erschreckend fanden wir im vergangenen November die ‚Erwartungshaltung entlang der Straßen‘ im Nordwesten. Die Kinder hielten entweder direkt die Hand auf oder nach zwei Winkbewegungen. Wir haben stets freundlich gewunken, sind aber weiter gefahren.
Auch versuchte Straßensperren mittels Ziegen haben wir erlebt, andere Reisende am gleichen Tag eine Menschenkette inkl. auf das Dach hauen mit einem Stock … da ist es bis zum Steinwurf nicht mehr weit. 😕
Verbockt haben das wir Touristen selbst, weil wir durch unser 'Angebot' Nachfrage generieren ... Marktwirtschaft halt. 😉
Wir haben am Kunene ein Paar getroffen, die sich extra mit Zucker bevorratet haben, um den zu verschenken, weil sich die Einheimischen da so sehr drüber freuen. Klar, wenn die Werbung von ‚Marathon Sugar‘ an jeder Blechhütte hängt, muss das ja richtig sein, ist es aber nicht. Die traditionelle Ernährung macht offenbar Zahnpflege nahezu unnötig und dann kommt es bei Zuckerkonsum zu Problemen und zu Therapien, die Wolfgang beschrieben hat.
Auch Wasser verschenken wir nicht einfach so. Die Namibier hier im Forum können das besser beurteilen aber alle, mit denen wir über das Thema gesprochen haben, sagten uns, dass der Zugang zu Trinkwasser in der Regel kein Problem ist.
Begebenheit an den Epupa Falls: Eine Frau mit Kindern kommt uns entgegen und trägt einen vollen Wasserkanister. Als wir aneinander vorbei gehen, schmeißt sich eines der Kinder in den Sand und spielt einen Verdurstenden … möge sich da jeder selbst seine Meinung bilden. 😵
Gruß,
Henning
Strelitzie2'845 Beiträge · seit 201130. Apr. 2018 · #13Hallo,
Kinder, die am Straßenrand stehend oder zum Auto gelaufen sind und kleine Präsente (Geld, Süßigkeiten, Obst, Wasser...) erhalten haben, werden am nächsten Tag vielleicht wieder von den Eltern geschickt. Irgendwann gehen sie dann nicht mehr zur Schule, weil die "Wegelagerei" einträglich geworden ist!
VG Strelitzie
Topobär5'479 Beiträge · seit 200930. Apr. 2018 · #14Bei solchen Fragen stelle ich immer gerne die Gegenfrage, was denn in einen Urlaub nach Italien oder Spanien als Geschenk für Dienstleistungen mitgenommen wird.
Ich persönlich handhabe es überall auf der Welt gleich. Für eine kleine Gefälligkeit am Rande (wie z.B. eine Wegauskunft) gibt es ein nettes Dankeschön. Für weitergehende tatkräftige Dienstleistung gibt es Geld, denn einen Dienstleister in Deutschland würde man ja auch nicht mit einem Geschenk abspeisen.
Für nicht gewollte Dienstleistungen gibt es natürlich ebenfalls nix. Dieser Punkt ist gerade in Afrika ein sehr entscheidender, denn oftmals drängen sich Menschen mit Dienstleistungen auf, die man weder will noch braucht.
MImiropolosThemenstarter20 Beiträge · seit 201130. Apr. 2018 · #15Vielen Dank für die Rückmeldungen,
ich denke es macht Sinn, bei entsprechender Unterstützung / Hilfe... einen angemessenen Geldbetrag zu entrichten; von "Geschenken" werde ich absehen...
Logi16,9k Beiträge · seit 201230. Apr. 2018 · #16Strelitzie schrieb:Hallo,
Kinder, die am Straßenrand stehend oder zum Auto gelaufen sind und kleine Präsente (Geld, Süßigkeiten, Obst, Wasser...) erhalten haben, werden am nächsten Tag vielleicht wieder von den Eltern geschickt. Irgendwann gehen sie dann nicht mehr zur Schule, weil die "Wegelagerei" einträglich geworden ist!
Hinzu kommt, dass die Kinder ja nicht "süss" & klein bleiben, sondern heran wachsen. Und was kommt dann?
Dann bleiben nämlich die mildtätigen Gaben aus und von irgend etwas müssen sie ja leben, da sie nichts anderes "gelernt" haben. Wie das ausgeht, kann man aktuell in den AZ-Ausgaben der letzten Woche nachlesen, wo mehrfach darüber berichtet wurde, wie aus den Bettler-Kindern von gestern die Kriminellen von heute geworden sind.
LG
Logi
marimari2'240 Beiträge · seit 201130. Apr. 2018 · #17Topobär schrieb:Bei solchen Fragen stelle ich immer gerne die Gegenfrage, was denn in einen Urlaub nach Italien oder Spanien als Geschenk für Dienstleistungen mitgenommen wird.
.
...oder ob die chinesischen Touristen, welche in Europa Urlaub machen, Gastgeschenke wie Postkarten mit Pandas in D, CH, AUT als Gastgeschenke verteilen 😛
Gruss M. 😎
Rehema546 Beiträge · seit 201830. Apr. 2018 · #18Ich glaube, wir müssen endlich aufhören mit unserem ewig schlechten Gewissen dem afrikanischen Kontinent gegenüber, und dem unterschwelligen Gefühl, für das Glück dieser Menschen verantwortlich zu sein.
Angesichts vieler Not und großem Arm-Reich-Gefälle ist das oft nicht leicht, und will sich immer mal einschleichen. Aber es hilft "Afrika" und seinen Menschen nicht.
Antje
kalachee1'059 Beiträge · seit 200630. Apr. 2018 · #19Woher kommt eigentlich dieser Drang, im Afrika-Urlaub irgendwelchen dahergelaufenen Leuten am Wegesrand etwas zu schenken? Ich verstehe das wirklich nicht und wir sollten dringend damit aufhören!
Die so generierte Erwartungshaltung äussert sich dann auch mal in eher paradoxen Situationen. Als ich in der Region von Bagani/ Divundu eine kurze Runde Laufen war, mit nichts als Laufschuhen, Socken, Shorts und einem Singlet bekleidet, haben die Kinder am Wegesrand die Hand aufgehalten und nach «Money! Money!» gerufen. Sowas muss einem wirklich zu denken geben.
Liebe Grüsse
Sam
binca751'567 Beiträge · seit 201530. Apr. 2018 · #20Hallo,
das ganze Thema ist schwierig... Auch hier in Deutschland... unsere Kinder wollen immer gerne auch in Oldenburg Obdachlosen eine Kleinigkeit geben. Grundsätzlich finde ich diese Haltung total wichtig und unterstützenswert. Dann stößt Matthias immer mal wieder die Diskussion an, dass es mittlerweile auch hier Banden gibt, die die Bettelei professionell betreiben...
Wo zieht man da die Grenze?
In Namibia geben wir einfach so nichts, auch nicht an Kinder.
Die Einschätzung von Antje (Rehema) finde ich persönlich ganz wertvoll. Letztendlich ist das Geschenkeverteilen nicht nachhaltig und führt stattdessen evtl. nur zu Neid.
Wir waren in diesem Jahr das zweite Mal auf der Farm Krumhuk und hatten zwischenzeitlich sehr netten Kontakt dorthin. Mittlerweile unterstützen wir monatlich dort den Kinderfond. Auf Nachfrage haben wir in diesem Jahr einen Koffer voll Winterkleidung für Kindergartenkinder mitgebracht, die vor Ort von den Erzieherinnen gerecht verteilt wurde. Dazu gab es Wachsmalstifte, die der Kiga benötigt.
Auf dem Weg nach Twyfelfontein haben wir Halt gemacht bei einem Verkaufsstand im Nirgendwo. Wir haben einen Stein und zwei Stoffpuppen zu einem angemessenen Preis gekauft. Im Anschluss fragte mich die Herero-Dame, ob wir für Sie etwas zu essen hätten. Das hat mich sehr berührt und so wechselte etwas Obst, Kekse und Wasser den Besitzer. Ich bezweifle, dass Schokolade da das Richtige gewesen wäre...
In Twyfelfontein fragte uns eine Bedienung aus dem Restaurant, ob wir sie im Auto mit nach Korixas nehmen könnten. So rutschten wir alle ein wenig zusammen.
Manchmal ergibt sich eine nette Geste einfach so! Und ich glaube, dass Hilfe vor Ort nicht unbedingt immer mit materiellen Dingen zu tun hat.
Gruß
Bianca
PS: Und nennt den Nussverkäufern auf keinen Fall euren Namen! Der ist schneller in die Nuss eingeritzt, als ihr „Stopp“ sagen könnt... und dann wird von unkundigen meist ein unverschämter Preis eingefordert... sowas ist dann nur ärgerlich... 😉