Ihr Lieben viiiiiiiiiielen Dank für eure Geduld!! Es geht mir mittlerweile wieder besser und habe es endlich geschafft, einen neuen Tag meinem Reisebericht hinzuzufügen. Viel Spaß damit!
Ich versuche nun wieder in regelmäßigen Abständen euch was Neues zu bieten 😁
LG eure
Jessy
07.02.2018 Brandberg – Ugab Rhino Camp
„Wir müssen unbedingt zum Doros Krater! „Der Morgen am Brandberg fühlte sich komisch an. Die ganze Nacht hatte ich echt gefroren im Zelt und wünschte mir meine geliebte Wärmflasche aus Deutschland herbei. Hatte ich den Afrika-Urlaub nur geträumt, oder war ich wirklich hier? Nein ich lag tatsächlich in meinem Dachzelt am Fuße des Brandbergs und alles fühlte sich klamm und kalt an. Beim ersten vorsichtigen Blick aus dem Zelt heraus konnte ich auch verstehen warum: Nebel, überall Nebel! Vom Brandberg war weit und breit nichts zu sehen, von der Sonne erst gar nicht zu sprechen. Naja all das Motzen half nichts und so zwängte ich mich in die klammen Klamotten (bäääääh) und raus aus dem Zelt. Die ganze Truppe war schon wieder emsig auf den Beinen und bereitete den Frühstückstisch vor und unser Koch kümmerte sich um leckeres Rührei. Die Kaffeejunkies hingen an ihrem Kaffee und ich war froh über meine heiße Tasse Rooibos-Tee. Immerhin etwas um sich ein wenig innerlich aufzuwärmen.


Nach dem Frühstück liefen die Vorbereitungen für die nächste Tagesetappe. Es sollte in Richtung Doros Krater gehen, ist er doch auf der Tracks4Africa Karte mit einem fetten Stern gekennzeichnet. Muss ja wirklich etwas Sensationelles sein. Da wollten wir hin! Unser Navi-Team tüftelte eine schöne Strecke aus. Es sollte noch ein kleines Stückchen am Brandberg entlang gehen bis es in Richtung Westen zum Ugab ging. Danach durch den Ugab und über den Divorce-Pass zum Doros-Krater. Wie immer lagen Theorie und Praxis mal wieder weit auseinander. Aber alles der Reihe nach.
Während die Zelte zusammengeklappt und das Camp picobello aufgeräumt wurde, lichtete sich tatsächlich so langsam der Nebel und der Brandberg kam hinter der weißen Wand hervor. Echt ein faszinierendes Schauspiel! Auch die Sonne kämpfte sich so langsam durch die Nebeldecke und sofort wurde es merklich wärmer und die Sweatjacke konnte wieder in den Koffer verbannt werden.

Vor Abfahrt überprüfte jeder noch schnell sein Auto und dann konnte es losgehen. Immer weiter am Brandberg entlang durch eine traumhafte Stein-Landschaft schlängelte sich unsere Kolonne die kleinen Hügel rauf und runter. Hier und da ließen sich ein paar Gazellen blicken, sehr zur Freude unserer Neulinge, die sehnsüchtig auf typische Afrika-Tierchen warteten. Dabei hatten wir extra im Vorfeld darauf hingewiesen, dass bei der Kaokoveld-Tour definitiv die Landschaften im Vordergrund stünden, nicht die Tiere. Aber da mussten wir uns selber an die eigene Nase fassen, denn vor drei Jahren bei unserer ersten Namibia-Tour waren wir doch genauso. Deswegen konnten wir sie auch gut verstehen und hielten brav bei jedem Tierchen an, damit fleißig Fotos geschossen werden konnten.


Nach gut eineinhalb Stunden erreichten wir dann die Abzweigung zum Ugab. Endlich eine anspruchsvollere Piste mit Tiefsand und über Stock und Stein erwartete uns. Jipiiiie! Bevor der Spaß aber losgehen konnte, wurden unsere Neulinge erst noch einmal instruiert wie man sich auf so einer Piste in einer Kolonne zu verhalten hat. Genügend Abstand halten, aber nicht den Kontakt zum Vordermann verlieren, an schwierigen Stellen gibt der Vordermann per Funk Bescheid, wann das nächste Auto die Stelle passieren kann, an Auffahrten warten bis der Vordermann den Berg komplett rauf ist, die Neuen fahren in der Mitte usw.
Dass das noch nicht ganz so gut klappte, sollte sich bald schon zeigen.
Am Anfang der Strecke erwartete uns eine schöne Tiefsand-Piste mit ausgetrockneten Elefantenköteln übersät. Hier war aber scheinbar leider schon länger kein Elefant mehr unterwegs. Die Piste meisterten alle bravourös bis der Funkspruch kam, dass der hintere Teil der Kolonne in einer Sackgasse steckte. Wie Sackgasse, wir vorne fuhren doch alle ganz normal? Ein Auto hatte wohl den Kontakt zum Vordermann verloren, ist in eine falsche Spur geraten und steckte nun in einer Sackgasse mit dem Rest der Kolonne fest, die natürlich dem falsch fahrenden Fahrzeug folgten. Na toll, also mussten zwei Autos zurückfahren und unsere verloren gegangenen Schäfchen wieder einsammeln. Das gelang uns doch ziemlich schnell und so konnte es auf dieser genialen Piste weiter gehen. So viel Spaß beim Autofahren hatte ich schon lange nicht mehr. Ich bin halt eine kleine Pistensau! Geniale Streckenabschnitte durch hohes Gebüsch, enge Durchfahrten mit riesigen Steinen links und rechts, Hüfel rauf, Hügel runter, über Stock und Stein, kleineren Pfützen, Tiefsand … alles was ein 4x4 Herz so begehrt.
Obwohl die Streckenführung meistens doch sehr eindeutig war, sollte man sein GPS trotzdem nicht aus dem Auge verlieren, denn zack standen wir vor einer großen Pfütze. Wir hatten tatsächlich die einzige größere Wasseransammlung im ganz Ugab gefunden. Zumindest hatten wir das Gefühl. Nach intensivstem Auslosten der Wassertiefe und Durchfahrbarkeit, stand fest, dass das sehr kompliziert werden würde. Aber wir waren schon so weit gekommen und sich jetzt von einer Pfütze aufhalten lassen? Einfach umdrehen und wieder zurückfahren? Es doch riskieren und dann aussichtslos steckenbleiben? Tja hätten wir doch früher auf unser GPS geschaut, denn unsere Navigatorin Jana stellte fest, dass wir ein wenig abseits der eingezeichneten Piste waren. Es gab eventuell doch noch einen anderen Weg weiter? Aber wir hatten alle eindeutig keine Abzweigung oder einen weiteren Weg gesehen, als den auf dem wir fuhren. Versuchen wollten wir es auf alle Fälle und so ging es zu der Stelle zurück, an der wir laut dem GPS wieder richtig waren. Dort angekommen, sahen wir aber trotzdem keinen weiteren Weg. Links von uns Geröll, über das wir unmöglich fahren konnten, rechts von uns die Piste, die zum Wasser führt und vor uns nur hohes Gras. Na toll! Trotzdem war aufgeben keine Alternative und so machten sich zwei wagemutige Autos vor und tasteten sich durch das hohe Gras. Und tatsächlich tauchte nach ungefähr 6 Metern wieder eine Piste auf. Tadaaaaa!! Hier scheint wohl auch schon länger keiner mehr durchgefahren zu sein. Egal wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Auch in diesem Streckenabschnitt waren viele Elefantenhaufen zu sehen, aber weit und breit keiner. War einfach viel zu trocken zu der Zeit.
Nach über drei Stunden kamen wir zur Abzweigung zum Divorce-Pass. Doch schon beim Anblick der „Ausfahrt“ aus dem Ugab kam bei einigen Neulingen nur ein aufgeregter Schrei von den Lippen: „DA sollen wir hochfahren?!“ Ja ok die Auffahrt ist teilweise etwas steil und steinig, aber mit einem guten 4x4 und ein bisschen Erfahrung eigentlich schon zu schaffen. Achso Erfahrung, da hapert es ja bei einigen. Also beschlossen wir, dass zwei Erfahrene mit einem Auto die Auffahrt hochfahren und einmal testen. Ging alles ganz gut, wenn man auf die spitzen Steine aufpasste. Aber unsere Neulinge weigerten sich partout zu fahren. Kurz kam noch die Idee auf, dass wir jedes Auto von einem Erfahrenen hochfahren lassen. Aber das kam uns dann doch zu umständlich vor und wir wussten ja nicht wie die Piste oben weiter verläuft, wir kannten diese ja noch nicht. So wurde kurzerhand die Planung umgeschmissen und wir fuhren die kurze Sandpiste weiter zum Ugab Rhino Camp. Von dort aus sollte es am nächsten Morgen dann weiter die Piste Richtung Twyfelfontein gehen.
Im Camp erst einmal angekommen, richteten wir uns erst einmal wieder gemütlich ein und bauten unsere Tafel unter einem schönen Baum auf. Das Ugab Rhino Camp ist wirklich schön gelegen mitten im Ugab und hat trotz seiner Einfachheit seinen Charme. Zum Essen gab es endlich mal keine Kartoffeln, sondern Nudeln mit heller Soße und Thunfisch. Wieder kein Fleisch *grmml* Aber unser Koch machte trotzdem einen super Job. Alles schmeckte deliziös und jeder wurde satt. Das ist das Wichtigste! Den Abend verbrachten wir unter einem atemberaubenden Sternenhimmel und lecker kalten Getränken. Seeeehr kalten Getränken um genau zu sein. Denn zwei Kühlungen liefen wohl zu gut und ließen den Inhalt gefrieren. Aber so ein nächtliches Cola-Eis hatte auch was. Glücklich und groggy gingen die meisten dann nach und nach in ihre Zelte.